Indiana Tribüne, Volume 21, Number 146, Indianapolis, Marion County, 13 February 1898 — Page 2
Skück und NlngkülL. Von trmit Pescblau. 1 Seit Jahren kommen wir ein halbes Dutzeild Jugendfreunde fcfe jedem Donnerstag in -einem abzeschksenen Stübchen der Buchen WiZnHandlung zusammen. An einen: fc:e ser Abende tvcx es, da uns ein seitsamer Vorfall, der tUx. das Sdtgesprach bildete, in cußergewör.liche Erregung vrrsetzte. Zwei junje: Ehe leute. die n Huten Verhältnisse: lebten und sich anscheinend sehr zugtlj rn tost ren. wurden eines? ages in itrer Wohnung tadi ausgründen. .weifelloZ batte der Mann zuerst seine .Frau und dann sich selbst rschossen tU aber den Revolrzr gegen 'die eigene Schläft abdrückte, hatte noch Bis mm Ärr die Äiche der rau gestreut. UtC) ixt Lage, in der raun iln r.ebrn dun schönen, fiarr gemiedenen jeirpft fand, deutete darauf hm, daß er ftin todteI Weib Tioch umarmte, deß: vielleicht einen ctuft auf ihre Lippen drückte, wählend er mit seiner Rechten die Waffe erhob, die auch ihm das Eric bringen sollte. Was war die Ursache dieser ssraß lichen That gewesen? OTtSl thungendie man äußerte, zerstörn den Thatsachen gegenüber in Nichts. ' Die Verhältniße der Unglücklichen waren Zn bester-Ordnung und sie hinterließen ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Sie hätten aus Liebe geheirathet und iie Nachbarn nannten sie die Unzerjrennlichen, weil man nie Eines ohne 2ias Andere sah. -Ueber die Vorgänge in , ihrer Wohnung wußte allerdings Wiemand etwas zu sagen, da sie kein Dienstmädchen hatten. Sie führten leinen eigentlichen Haushalt und nahmmlihre Mahlzeiten im Restaurant ein. Nur in den ersten Monaten ihrer &tt war das anders gewesen und vielleicht hätten die. Mädchen, die damals im Dienst des .Ehepaares standen, irgend eine verfblgbare Spur angeben Zönnen. Aber. die. waren in alle Winde zerstreat und das Gericht schien keine Ursache zu. haben, den Fall weiter zu verfolgen. Darüber, daß der Mann wirklich der Thäter gewesen, konnte ja ckein.Zweifel sein und wenn man auch "der .Annahme zuneigte, daß die Frau -im Schlaf erschossen worden war der.Mörder hatte, sich selbst gerichtet, die Behörde konnte, in der Sache nichts mehr thun. Als wir etwa . eine halbe Stunde lang heftig über .das Räthsel dieser dunklen That debattirt hatten, fiel es Ans auf, daß Freund R. sich schweigmd verhielt. Und als .ich meine Augen verwundert auf ihn richtete und ihn -eben fragen wollig oh er sich keine Ansicht. gebildet habe, da winkte er, als Ätte.er mich verstanden. Seine Züge hatten dabei einen , sonderbar verlörenen Ausdruck und seine Stimme zitterte vor Ergriffenheit, als er sich in's Gespräck mengte. Ich will Euch eine.Geschichte erzählen," sagte er. Ich, glaube, daß die das Räthsel aufklären dürfte. Soll ich anfangen?" Als seine Frage allgemein beiaht worden war, schwieg, er noch eineWeile und dann begann. er: Es sind nun. ungefähr fünf Jahre her, .daß ich mich mit einem fehr hübschen Mädchen verlobt hatte. Wir wareit auf einem Tanzkränzchen des Vereins Harmonie", mit. einander bekannt geworden und dann war es sehr rasch gegangen. Sie. schien mir das entzückendste Geschöpf der Welt zu sein, und ich ging wie. berauscht umher. Als ich den ersten Kuß auf ihre Lippen Krücken durfte, fühlte ich tagelang nichts als das Fieber des Kusses, und ich hätte die Sache natürlich eifrigst wiederholt, wäre nicht eine Tante dagewesen, ohne die. ich seit dieser seligen Stunde meine Braut nie mehr zu sehen bekam. Diese .Tante war ein ganz harmloses .Frauchen, das, wie ich sp'äter eingesehen habe, eigentlich eine Art Sklavin abgab. Sie fügte sich in Allem und Jedem .den Wünschen meiner Braut, damals aber betrachtete ich sie als die Ursache.allder kleinenGrausamkeiten, unter Ebenen , ich litt, und ich entwarf die bösartigsten Pläne, um sie zu beseitigen. Wie heute noch ging-ich auch damals jeden Tag um drei Uhr aus dem Bureau. Mein Weg führte .mich durch die Kaiserstraße, amb da .begegnete ich regelmäßig einem Mädchen, das wohl irgendwo m einem .Geschäft .angestellt war. Sie war -nicht ärmlich, aber doch bescheiden kleidet und ihre ganze Art deutete auf einen einigermaßen gebildeten" Äeruf. (Eines Tages, als sie eben einen Handschuh anzog, bemerkte ich Tinte .an ihren Fingern, und nun faßte ich mir, 5aß sie wohl in einer Kemn Korrespondenzen jod dergleichen besorgte. Ihr weidet nun fragen, wie es Jwnn möglich war. daß sich ein Verlobter und verliebter Mann um die Finger eines fremden Mädchens tümnurte, das nicht einmal durch große körperliche Reize die Augen Wf sich, zog. Darauf weiß ich kerne Antwort. Ich weiß nur so viel, daß ich .immer eine angenehme Empfindung hatte, wen ich plötzlich im Menschmgewimmel dieses stille, blasse Gesichtchen mit den freundlichen, ein wenig melancholischen Auen auftauchen sah. Und unwillkürlich flogen meine Blicke über ihre Gestalt, und die schmächtige Erscheinung in dem schlichten schwarzenKleide prägte sich mir so lebhaft ein, daß ich sie immer noch eine Weile vor mir sah, wenn sie längst schon verschwunden war. So schritten wir Wochen lang an einander vorüber, urjd als sie darm plötzlich ausblieb, empfand ich es nicht ohne Schmerz. Am ersten Tage gwg eS ja noch, aber dann fehlte sie mir von Tag zu Tag mehr. Ich wanderte endlich nicht wie sonst geradm WegeS von meinem Bureau nach dem GasthauS, in dem ich zu Mittag aß ich Zehrte am Ende der Kaiserstraße wie-
fett um und schritt e'me halbe Stunde fong oder noch länger auf und ab, in Itx Meinung, 5as Mädchen könnte jetzt etwas später in die Arbeit ' gehen. Dann entfernte ich mich auch ein paar Mal vor Schluß der Amtsstunden aus dem Bureau vielleicht machte sie sich schon früher auf den Weg! Aber es war Alles vergebens, meine blasse Freundin blieb verschwunden. War sie trank war sie vielleicht todt? Svnderbar, daß derGedanke mich nicht verlrsssen wollte, wählend ich mix doch besiöndig sagte: sie wird ebe umgezoqrn sein einen anderen Weg nach 'ifrrm Geschäft cjrfyn. Aber nicht weniger sonderbar war es je, daß ich .mich für dieses Mädchen so mteressirte, 'wahrend ich in im anderes verliebt rwar. Daß mich sine Fremde, die nicht inen Augenblick Hang mein Blut entTfammt hatte, fr mit Unruhe, Mitlrid und Sorge erfüllte, wäh?:nd der Tag schon nahe wa?, an dem das entzückendste Geschöpf der Welt als solches erschien mir meine Braut och immer föroewig die Meine werden sollte! Nachdem ich ungefähr eine Woche lang vergeuens nach meiner blassen, stillen Frerndin gespäht hatte, begann dann mem Interesse an ihr doch zu erlahmen. Einmal war mir auch der Gedanke gekommen, ldie weitere Um gebung deraiserstraße nach ihr abzusuchen, aber in demselben Augenblick kam mZrQurh meine ThorheitZum Bewußtsern. Mas tjing sie .mich an? Wie einfältig war es, dem Mitleid oder der Mugierde so weit nachzuaeben! Geradezu'lächerlich.war dieser Gedanke, sie zu fluchen! Mnd mim schlug ich mir dieSache aus.dem Kopf und nur einmal noch tauchte ihr Bild lebhast vor mir auf .... ich sah sie im Traum .wieder durch das Gewühl 'der Straßen .schreiten und mir freundlich zunicken. Das war mir insofern merkwürdig, als ich sehr silten träume, und heutcterscheint es mir geradezu bedeutsam. Damals aber war ich mit den Vorbereitungen sür die Hochzeit so sehr beschäftigt so sehr ersüllt von dem Liebesfiebsr und von der Freude, die entsetzliche Tante endlich loszuwerden daß ich mich mit dem Traumbildnlcht.weitcrbeschäftsgte. Ein paar Tage später, als iich auf dem Weg von .meinem Bureau nach dem Restaurant eben die Kaiserstraße überschreiten woUte. sah ich plötzlich das schwarze 'schlichte Kleid vor .mir und das .blasse Gesichtchen noch lasser als sonst. Unwillkürlich fuhr meine Hand hinauf nach meinem Hut ich grüßte. sie. Sie nickte .freundlick. währendem tiefes Roth sich über ihr ganzes Gejicht ergoß, und ischrtü an mi? vorbei über den Straßettdamm. Aber sie kam nicht weit, unwillkürlich, wie ich den Hut gezogen 'hatte, quoll es mir jetzt äiber die Lippen: Fräulein!" Ich kann -nicht "sagen, daß ich ldamit eine bestimmte Absicht .verband. Es war wohl die Freude, sie wieder gefunden zu häben.mnd die Furcht, sie.nuf's Neue zu verlieren, was mich drängte, sie anzusprechen. Sie schrak zusammen, wandte sich um und sah mich blutroih, mit großen, fragenden Augen an. Jetzt aber -merkte ich erst, was ich angerichtet Hatte. Sie sta'rtd mitten im Wagengewimmel, und als sie plötzlich die Pferde eines Postwagens herankommen sah, machte sie schnell ein paar Schritte zurück. Ich schrie auf nnd sprang ihr nach, aber es war zu spät. Eine Droschke, die hinter ihr vorbeifuhr, harte sie erfaßt, und nun lag sie auf dem Pflaster amd die Räder .gingen über sie hinweg. Was m diesem Augenblick m -mir nur, vermag ich nicht zu schildern. Jl glaube, ein Messer in's Herz gestoßen, schmerzt nicht tovt so ÄwaZ. Ich zitterte am ganzen .Körper und Alles war schwarz nm mich Dann aber raffte ich mich gewaltsam auf, und halbblind warf ich .mich in das Getümmel. Als ich wieder stfh, bemerkte ich einen Schutzmann, w er das Mädchen aufhob. Gottlob ihre Augen waren nicht geschloffen, sie athmete! Und jetzt trafen ihre Auaen mit den meinen zusammen. Daran bin rch schuld, Fräulein!stöhnte ich. Aber kern Unwille war m dem leichenblassen Gesicht ... sie lächelte. Es macht nichts," stammelte sie leise, so sanft, daß ich es noch höre wie himmlische Musik. Inzwischen hatte rvr Schutzmann sie ganz aufgerichtet und sie versuchte ein paar Schritte. Danken Sie Gott, bas ist "gut ab gegangen," sagte der Mann. Dann rief er eine Droschke n nnd fragte nach der Wohnung des Mädchens. Ich werde Sienach Haus begleiten, Fräulein," fiel ich ihm in's Wort. Nun machte sie wieder ein paar Schritte und dann bat sie zögernd: Wenn es Ihnen nicht unbequem ist ich bin so schwach ich fürchte mich so!" Aber Sie fühlen keine Wunde?" fragte der Schutzmann. Nein nur wie gebrochen bin ich ich habe keine Kraft." Jetzt bemerkte ich Blut an ihrem Obr aber es schien nur eine leichte Verletzung zu sein. Ueber ihren Hut, der neben uns im Straßenkoth lag. waren die Räder hinweggegangen und auch über die Haare, die ihr jetzt halb offen, zerzaust über die Schulter hinabhingen. Das Ohr war aber nur leicht geritzt. . Steigen Sie jetzt ein sagte der Schutzmann, und ich half ihr in den Wagen, während er ihre Adresse auffchrieb. Dann wollte ich ihr folgen, als plötzlich mein Name gerufen wurde. Es war die Stimme meiner Braut, und als ich mich umwandte, sah ich sie auf dem Fußsteig stehen. Ja was machst Du denn da?" fragte sie nichts weniger als freundItö. . .
Das Fräulein ist überfahren wsr den." rief ich ihr zu. Ich will sie nach Hause begleiten." Nun sah ich erntn Ausdruck in ihrem Gesicht, der mich aus's Tiefste empörte. Was geht denn das Dich an!" erwiderte sie heftig. Ich wollte Dich eben abholen. Komm!" Mer ich kann doch jetzt nicht!" rief ich znrück. Da lachte sie spöttisch auf und dann wandte sie mir mit einer jähen, trotzigen Bewegung den Rükken zu und ging iavon. Eine Sekunde späler saß ich. keines 'Wortes Tnächtig, im Wagen neben dem armen Mädchen, das ermattet in die Kissen zurückgesunken war. Ihre Auaen aber waren euf mich gerichtet, und während ich mich bemühte, den ungeheur Sturm, 'der in mir wüthete, zu bekämpfen, sac) ich plötzlich ein paar Thronen über Ht bleichen Wangen hin. abrollen . . ." 5 Als Freund R. mit seiner Erzah lWg so weöt gekommen war, mußte er sich selbst !die Augen trocknen. , Er athmete tirf auf und schüttelte heftig den Kopf, flals wäre er unmuthig über 'diese Schwäche. Dann goß er sich mit zitternder Hand ein Glas Wein ein und trank langsam davon. Dabei schien er ruhiger zu werden, nnd endlich sah rer uns an noch immer sehr ernst, aber wie verklärt vrm einem Schimmer schwer erkämpften GluckZ. Ihr habt das Weitere wohl schon errathen." fuhr er dann fort. Das stille blasse Mädchen ist meine Frera geworden und was für eine Fraul In all den Jahren hat sie sich nicht geändert sie ist der Engel geblieben, der sie damals war, als sie mir, noch betäubt von dem entsetzlichen Erlebniß. nur lächelnd antwortete: Es macht nichts." Meine Braut aber hat später einen Anderen geheirathet ... den Mann, der sie vor emer Woche erschossen hat, obwohl sie ihn ebens? ntflammt hatte, wie mich Mir ist der traurige Fall deshalb kein Räthsel. Konstanze hatte alle möglichen Borzllge, aber sie hatte kein Herz. Und da 'kann ich mir's wohl vorstellen, daß der arme Mensch, der den mir bestimmten Platz einnahm, in einem Augenblicke der höchsten Ueberreizung seiner Qual ein Ende machte, indem er das schöne, herzlose Weib tödtete und dann sich selber. Möge Jeder täglich .Gott danken, der auf dem fürchterlichen Scheidewege zwischen Glück und Unglück, den wohl die meisten ron uns blind betreten, so gut geführt wurde,, wie ich!" Wir waren von den Schicksalen, die uns Freund R. aufgerollt hatte, nicht wenig ergriffen und Einer oder der Andere von uns wird wohl auch nachgesonnen haben, ob der Weg. den sejn eigenes Leben genommen, näher dem Glück oder dem Unglück. Und so aufrichtig, so aus dem Tiefsten der Seele kommend, wie das Hoch", das wir nun der Frau des Erzählers darbrachten so klingt sicher nur seltm ein Hoch. Ich höre es jetzt noch, während ich diese Zeilen niederschreibe, und ich mag nicht anders schließen als mit den Worten von damals: Lieber Freund das Glück soll leben! Es lebe Deine Frau!" ...
ßine Weröung. llugenblicksbild aus Oberfran?en, von HanZ v. Gumppenberg. Ein neblichter Octobermorgen liegt über den . thurmgekrönten Hügeln der alten Bischofsstadt Bamberg. Die Luft ruht in nachdenklicher Stille; nur hin und wieder durchweht sie ein scharfes, frostiges Erschauern, an den nahn Winter mahnend. Dann lösen sich von den fast schon kahlen zwerghaften Kastanienbäumen, die den Anstieg zum Berge Sankt Michaels bewachen, nach kurzem raschelnden Widerstreben ein paar braunumränderte Blatter und treten ihre erste und letzte Reise an, langsam niedertanzend in das Massengrab des Sommerlaubes. Hier oben, wo bei dem alten die Höhe beherrschenden Klosterbau das schmale, grobgepflasierte Gäßchen Platzartig sich erweitert, mach' ich Halt. Gerade gegenüber erhebt sich ein behaglich und massiv gebautes einstöckiges Haus, das ehedem wohl nach den überm Thor prangenden Statuetten Kaiser Heinrich des Heiligen und seiner frommen Gemahlin Kunigunde zu schließen Sitz eines hochmögenden Domherrn war, eit geraumer Zeit aber Eigenthum ein'acher Bürgersleute geworden ist und m ersten Stockwerk augenblicklich eine wohlhabende. Beamtenfamilie beherbergt, welche die reinere Luft der Höhen und die Erlösung vom Straßenlärm dem modernen Comfort der untont Stadttheile vorgezogen hat. Das Haupt dieser Familie, den behäbigen Harn Jnspector, kenn' ich bereits: auf einem Bierkeller des Stefanberges saß ich gestern in seiner Gesellschaft und empfing als Neuzugezogene: seine guten Rathschläge. Auch die Dienstbotenfrage war dabei zur Sprache gekommen. und er hatte die hervorragende Tüchtigkeit seines vor Jahresfrist aus einer benachbarten Ortschaft gewonnenen Mädchens für Alles" gerühmt... Ob die hübsche blonde Dirn da droben im ersten Stock, die so energisch mit dem Scheuerlappen eine Fensterscheibe behandelt, die Gepriesene ist? Eben wie ich noch, unter den Kastanien auf der anderen Seite des Platzes stehend, diese für den Gang der Weltgeschichte mcht gerade wichtige Frage überlege auch die Gedanken werden .bescheiden in einer kleinen Stadt! kommt, von einer bis zur Melancholie abgemagerten Kuh gezogen, ein hoch mit zerkleinertem Holz beladenes Leiterwägelchen die Gasse herauf, begleitet von einem keck dreinschauenden, etwa zweiundzwanzigjährigen Burschen, der mit kurzer Geisel den Borwärtsbewegungen US phlegmatischen Motor
Temperament beizubringe sucht. Die mehr sehnige als volle Statur, die schlau gekniffenen hellblauenAugen, die mächtige, kühn gebogene Nase und die graue Tuchkappe legitimiren ihn als echtbllrtiges Kind des, Frankenlandes, während die stark abgenutzte und verstaubte blaurothe Unaussprechliche bezeugt, daß er dem bayerischen Mars bereits seinen Tribut gezollt hat. Dem Burschen ist die Gestalt am offenen Fenster nicht entgangen. Er hält vor demHause und ruft hinauf: Fräula! Kaufes kei Holz? I hätt a schön's Führla!" Das Madchen hält in derArbeit inne und wirft einen raschen Blick herunter, wobei ein halb unmuthiger, halb belu- ! stigter Zug um ihre Mundwinkel hervorspringt. Wos? Du traust Di aa da 'rauf? I kenn' Di scho! Meinst D' i hätt's net gehört, wie Du d' Leut' betrüagst?" Aber das beirrt den Burschen nicht. Geh' weida! s?gt er gelassen mit einer leichten Handbewegung, die seine unverhoffte Gegnerin unter die Närnschen und Unzurechnungsfähigen verweist: mit Dir is ni; z' machet! Wo is denn d' Fraa?" Dees werd si glei bleiben!" tönt es zurück, d' Fraa nimmt's aa net." Gleichzeitig erscheint, durch den lautenWortwechsel aufmerksam geworden, die Frau des Hauses, eine stattliche Fünfzigerin, im Morgennegligee an dem Fenster. Sofort wendet sich der Feilbieter an sie. Schaug'n Sie's nur an. mei Holz, gnä' Fraa 's is schö und dürr, und i gib's ja billig! 's ganz Führla um fünf Mark!" Die Frau, augenscheinlich kauflustig und durch den genannten Preis verlockt, beugt sich, während das Mädchen verdrossen ihr Platz macht, weit zum Fenster heraus, mit forschendem und berechnendem Blick Qualität und Quantität des hochgethünnten Holzes abschätzend, das in der That sehr einladend sich präsentirt. Die Prüfung scheint auch zu ihrer Zufriedenheit auszufallen. Tragen Sie's 'raus!" ertönt ihr Machtspruch, worauf sie mit dem ersichtlich ärgerlichen Mädchen in dasJnnere der Wohnung verschwindet. ' In den Augen des Burschen leuchtet es auf. Er greift nach dem Huckelkorb, der obenauf im Wagen liegt, packt ihn voll, hebt ihn auf die Schultern und trägt ein paar solcher Lasten ins Haus. Wie er zum zweiten Mal wieder herabkommt, schaut er vorsichtig nach allen Seiten, als ob eine Beobachtung ihm unangenehm wäre. Sein flüchtigerBlick streift das leere offene Fenster droben, und jetzt auch mich: aber ich schlage angelegentlichst mit dem Spazierstock nach einer reisen Kastanie, und er hält den städtischen Fremden für ungefährlich. 'Nun tritt er an daSWägelchen, greift mit beiden Händen fcknell unter die Scheite hinein und reißt drei lange Buchenprügel heraus. Polternd purzelt der spärliche Rest des Holzes tief auf den Boden des Vehikls. Ich durchschaue m:t einem Seitenblick die Situation. Der Gauner hat die Prügel quer zwischen die WagenWandungen geklemmt, einiqe - Schichten Holz über den damit geschaffenen Hohlraum gelegt und so eine volle Wagenladung vorgespiegelt Die verdächtigen Prügel haben rasch auf dem Hängebrett unterm Wagenboden ein heimliches Lager gefunden. Wieder huscht ein Blick des Burschen ringsum: Alles ist geblieben wie zuvor, auch ich schlage eifrig weiter nach meinen Kastanien. Kaum füllen die Scheite noch einmal den Tragkorb. Da, wie der Bursche ebm mit der letzten dürftigen Last auf dem Rücken dem Hausthore zuschreiten will, tritt ihm hochaufgerichtet, mit der Miene eines Rachegeistes die Magd daraus entgegen. No". sagt sie trocken und verächtlich, mit eingestemmten Armen sich vor ihm aufpflanzend, jetzt sei aber so guat. Du Spitzbua, und traa' uns die Prügel, die's D' 'rauszog'n hast, aa 'rauf!Der Entdeckte hält einen Augenblick in stummer Verblüfftheit inne. Schämst D' Di denn net?" fährt die handfeste Frankenjungfrau mit steigender Heftigkeit fort: So z' betrüag'n! Trägst no' den halben Uniform und betrüagst? Du bist ja a Männla wia David . . g'rod d' Harf'n fehlt D'r!" Am Fenster oben taucht infolge des. neuen Disputs die Hausfrau wieder auf. welcben erschwerendenUmsiand der Armesünder sofort bemerkt. Na aber Madla" fagt er, seine Stimme ein wenig dämpfend, so sei do siad!" Stad soll i sei'? Fallt ma gar net ei'!" Was brauchst denn Du jetzt dees z'sog'n?" fährt derDelinquent mit halb wildem, halb fcheuem Blick auf. Host denn Du dees g'seg'n, han?" Freili hob' i's g'seg'n!" . Is net wohr! I hob' ja naufg'schaut ka Mensch wor am Fensta!" Ja an dem Fensta freili net i hob' natürli zu an ander' Fensta 'runterg'schaut, hinter'm Vorhang! So g'scheit wia Du bin i aa!" Wos?" ruft der Bursch, und starrt die Aa G'scheite- ein paar Augenblicke mit einem Gemisch von maßlosem Staunen und Ingrimm an. Dann aber geht der Ausdruck seines hochrothen Gesichts allmälig in Helles Lachen über, ein Entschluß blitzt in seinen Augen auf, und mit einer Bewegung, als wolle er sie zärtlich tätschelnd an , sich drücken, nähert er sich dem indignirt zurücktretenden Mädchen. . Fräula "sagt er dabei allenErnsieS, mech'st .jetz' Du net mei Wei wer'n? Mir passat'n so guat z'samm' Wos fallt Dir ei'?" schreit das Mädchen in einer Empörung, aus der man recht gut Heraushort, welchen Spaß ihr derAntraz bei alledem macht,
Du unverschämta Kerl! So a Be trüager no, der Passat ma!" Schau' Schätzer!" fährt der Bursch im Brustton der Ueberzeugung fort: .uns zwa wur' ja Keiner z'gescheit! Wenn mir zwa bei'ander wär'n, ln a halb'nJohr hätt'n ma den größt'n Bauernhof!"
Chinesische Delicatessen. Man darf sich nicht einbilden, daß die Chinesen ausschließlich oder gar mit Vorliebe Ratten, Mäuse und Regenwürmer verspeisen. Der Chinese ist vielmehr ein geborener Koch und verwendete er zur Zubereitung der Speisen nicht so viel ranziges Oel, ja sogar Ricinusöl, so könnte man die chinesische Küche nicht nur für sehr abwechslungsreich, sondern vielleicht sogar für schmackhaft erklären, natürlich mit gewissen Einschränkungen. Das Hauptgerichk bildet stets, selbst bei - dem größten Bankett, der Reis. Fleisch und Fische werden nur als Beilage zum Gemüse betrachtet, während dieses selbst als Hauptgericht aufgetragen wird. Der Chinese ißt ungefähr Alles, was grün ist; alle unsere Feldfrüchte, wie: Kartoffel, Kohl, Salat, Bohnen, Erbsen, selbst Knoblauch, dann auch unzählige Wasserpflanzm, Blätter, Wurzeln und Stengel, junge Bambussprossen, selbst das frische Seegras. Nicht ganz so reichhaltig, aber doch reichhaltig genug, ist die Liste der Fleischspeisen. Zwar werden Rinder fast gar nicht gegessen, sondern nur als Lastthiere gezüchtet. Bei Ueberschwemmungen z. B. wird geradezu verboten, Rinder zu schlachten, um die Götter wieder zu versöhnen. Auch Ziegenund Hammelfleisch wird nicht gegessm; dagegen wird Kameel- und Pferdefleisch schon häufiger verwendet zum Kochen. Die Nationalspeise aber bildet das Schweinefleisch, und so arm kann ein Chinese fast nicht sein, daß er sich nicht ein Schwein hielte. Ja, in vielen chinesischen Provinzen versteht man unter Fleisch überhaupt nur Schweinefleisch. Neben Enten und Gänsen, die in China fast nur künstlich ausgebrütet und massenhaft gegessen werden, bilden junge fette Katzen und mit Reis gemästete kleine Möpse, die von wandernden Händlern in ihren an Bambusstangen aufgehängten Holzkäfigen feilgeboten werden, ein beliebtes Gericht. Diese Möpse werden eigens gezüchtet und sind eine gesuchte Delicatesse. Zwar gibt es namentlich in den Armenvierteln Hunde- und KatzenRestaurants, aber die dort verwendeten Hunde sind gewöhnlicher Art, die hauptsächlich den armen Klassen zur Nahrung dienen. Ueber der Eingangsthür hängt gewöhnlich eine Anzahl geschlachteter Thiere, neben ganzen .Strängen getrockneter oder geräucherter fetter Ratten. Die wohlhabenden Söhne des himmlischen Reiches verschmähen aber ebenjo wie die Europäer den Rattenbraten, den sie den Armen überlassen, sind aber z. B. einem Hundekopf a la vinaigrette" oder einer Hundeschnauzsuppe" durchaus nicht abhold. Alle anderen Arten unseres Geflügels, wie Rebhühner, Wachteln, Schnepfen, Wildenten etc., kommen in den Ebenen Chinas müssenhaft vor ui?d werden eifrigst gejagt. Besonders beliebt sind Schwalbennester, die im Innern des Landes ca. 510 pro Pfund kosten und die hauptsächlich aus Aberglauben gegessen werden, denn das Nest, welches nicht größer als eine kleine Damenhand ist. besteht größtenteils aus Seegrasfasern. Federn und dem weißlich durchscheinenden Speichel der Schwalben. Die verschiedensten Arten Schlangen, namentlich .Wasserschlangen, werden zu 'Suppen verkocht; Haifischflossen bilden eine besondere Delicatesse; auch Froschschenkel werden gern gegessen. Originell ist die Art, wie die Frösche gefangen werden. Der Chinese bindet ein kleines Fröschlein an eine zarte Leine und wirst dann die Angelschnur in das saftige Gras der Reispflanzung, dem Lieblingsaufenthalt der alten, fettgemästeten Frösche. Sieht ein alter Quaker dann den Köderfrosch, so beeilt er sich, ihn zu verschlucken; nun zieht der Angler die Leine an, faßt den alten Frosch mit der einen Hand und die Leine mit der anderen und zieht das kleine Thierchen dem anderen wieder langsam aus dem Magen heraus. Auf diese Weise werden mit inenl Köder in kürzester Zeit viele Frösche gefangen. DeS Herzens Heimath. Won Julie Schuchardt. Wo ist, o Herz, Dein Heimathsort? Wo ist der Sehnsucht Ruheport? Ist es der traulich-stille Raum, ', Wo wir geträumt der Kindheit Traum? Ist's, wo wir kühn gekämpft, gestrebt? Wo .wir gelitten und gebebt? Ist's, wo das Glück uns hold gelacht. Wo wir ein hohes Werk vollbracht? Ist's, wo der Ruhm mit -froher Hand Den Ehrenkranz um's Haupt uns wand? Ja, gern zu Stätten, wo das Glück Uns blühte, kehrt das Herz zurück. Doch tief im Innern fühlt es dann: Wo es ein gleiches Herz gewann. Das Freud' und Leid mit ihm getheilt. Dort liebend es am liebsten weilt! Ja, dorthin sehnt sich's immerdar. Und unter Thränen wird's ihm klar: Nur wo es liebt und Liebe fand, ; Da ist sein wahres Heimathland!
Sie. kennt sich aus. Elsa, wenn wir verheirathet sind, dann Hort das Tanzen bei Dir auf Elsa: .Ja, dann wirst Du tanzen!" . .
Rudsahren an der Decke.
ES wird für unsere Artisten, die in der Circusmanöge .und auf dem Variötötheater auftreten, immer schwieriger, etwas Neues dem Publikum vorzuführen. Täglich entstehen mehr derartige Vergnügungslokale, die notorisch in der Großstadt den Theatern großen Abbruch thun, und verzweifelt fragt sich die Direction eines solchen Vari6t6theaters am Schlüsse jeden Monats: Sffio nehme ich etwas neues her, was die Leute noch nicht gesehen haben?" Neues gibt es ja auf artistischem Gebiete eigentlich nicht, es ist immer dasselbe: Kraftmeierei, Trapezarbeit, Seiltanz, Jongliren, Reckturnen, Parterreakrobatle, Sprung. Flug durch die Luft u. f. w. Die ganzeThierWelt hat man bereits auf die Bretter gebracht, und dressirte Wölfe, Papageien, Seehunde, Schweine, Ratten und Mäuse hat man dem Publikum beits vorgeführt. Alle Artisten zerbrechen sich beständig den Kopf, um eine neue Nummer, einen Trick zu finden, der einschlägt, denn sie wissen recht wohl: durch einen einzigen glücklichen Gedanken bringt ihnen ein solcher Trick viele -Tausende von Mark ein. Das Wildeste und Gefährlicke ist dabei das Beste. Etwas, das im gewöhnlichen Leben auf den Beinen steht, auf den Kopf stellen, ist neu und wirkt beim Publikum. Das fagte sich auch der Mann, der auf die Idee kam, Rad nicht mehr auf ebener Erde, sondern oben an der Decke und mit dem Kopf nach unten zu fahren. Im Circus zu Berlin traten vor einiger Zeit zwei Künstler auf, die das Publikum jeden Abend in Erstaunen versetzten. Sie sind Schüler eines schweizerAkrobaten Namens Di Batta; dieser war ein Trapezkünstler und kam auf die Idee, das Radfahren an der Decke zu versuchen. Das Rad läuft natürlich auf Schienen und ist so befestigt, daß es nicht herunterfallen kann. Bewegt kann es aber nur dadurch werden, daß der daranhängende Mann, Ibei dem die Lenkstange die Querstange des sonst gebräuchlichen Trapezes vertritt, mit den Beinen nach oben tritt und dadurch die Radkurbeln in Vewegung setzt. Dieses Radfahren an der Decke, das, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen, toll aussieht", genügte aber dem Erfinder dieses Tricks nicht. Er nahm noch ein Trapez in den Mund, an dessen Querstange sich mit dem Mund ein andeer Akrobat festhielt. Als der schweizerische Artist zu alt und ungelenk geworden war, um den Trick selbst auszuführen, erzog er 'sich die beiden jetzt auftretenden Schüler. die ebenfalls unter dem Namen Batta arbeiten" und Franzosen sind. Um den Effect der Nummer zu erhöhen, werden der Radfahrer und sein Genosse, während sie an der Decke herumkutschiren, mit wechselfarbigem elekirischen Licht erleuchtet. Natürlich befindet sich ungefähr 65 Fuß unter dem an der Decke hängenden Rad ein Sicherheitsnetz, in das sich die beiden Artisten nach Vollendung ihrer neuen Nummer" einer nach dem andern herunterfallen lassen. Z u'r D a m en m o d e! .Vata komm her, unsa Gockl ist drauß'n hat ihn schon! ah ah ah! Mancher Schriftsteller ist nur der Adoptivvater seiner Musenkinder. Auf Hunderttausende, die von einer Sache leben, kommt Einer, der dafür stirbt. Etwas Ungewohntes. A.: Ich weiß nicht, mir ist, als ob mir noch etwas fehlte." B.: Ueberradelt bist heut' noch nicht 'worden !" Grob. Gattin: Warum heult denn der Hund so fürchterlich?Gatte: Vielleicht hat er gestern gehört, daß Du heute kochen willst."
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DaS Armband.
Fräulein Lilli war eine von Zenen Schauspielerinnen, deren Schönheit hervorragender ist, als ihv Talent, und deren Rollen so klein sind, wie die Zahl ihrer Anbeter groß ist. Sie hatte nur einen beschränkten, aber in puncto Freigebigkeit um so gewählteren Kreis junger und alter Freunde, von denen ihr die Letzteren am angenehmsten waren, denn die hübsche Lilli hatte die Erfahvung gemacht, daß das Alter nicht nur vor Thorheit nicht schützt, sondern auch vor Verschwendung nicht. Eines Abends, als die kluge Dame in einer Hosenrolle auftrat, befand sich unter den Zuhörern auch ein junger., lebenslustiger Provinz - Edelmann. Als er die hübsche, fesche Künstlerin erblickte, fühlte er sein Herz heftiger schlagen. Sie gefiel ihm ganz außerordentlich. Er sagte das feinem befreundeten Cicerone, der zu den Jntimen der Bühnen gehörte. Lächelnd gab ihm dieser ausfuhrliche Auskunft, indem er ihn gleichzeitig auf einen anderen, neu aufgetauchten, jugendfrischen Stern aufmerksam machte, der sich Lucie Grandson nannte. . Der junge Provinzler wav abergläubisch. Er zählte an seinen Rock knöpfen ab: Lilli Lucie Lilli. Der letzte Knopf wies auf Lilli. Also Fräulein Lilli. Am nächsten Tage wurde er bei ihr eingeführt. Huldvoll wurde der junge Mann aufgenommen. Man plauderte, scherzte, lachte, und als man schied, war er entzückt. Es wav nunmehr selbstverständlich, daß er auch die folgenden Tage mit ihr gemeinsam verbrachte, aber er mußte die betrübende Erfahrung machen, daß sie nicht nur sehr kostspielig sei, sondern auch unnahbar. Sie war berechnend. Sie schien ihn für einen Gimpel zu halten und das stieß ihn doch etwas ab. Sein Aufenthalt in Berlin neigte sich zu Ende. Da entschloß er sich zu ei-' nem Hauptcoup. Er wußte wohl, daß Geschenke die besten Freiwerber sind, und danach entschloß er sich zu handeln. Als er wieder einmal zu ihr ging, nahm er seine Hundert - Markfcheine und seinen Muth zusammen und .bat sie, ein kleines Geschenk zum Andenken von ihm anzunehmen. Die schöne Lilli lächelte spitzbübisch. Endlich hatte sie ihn so weit. Bei dem bevichmten Juwelier nebenan lag ein prächtiges Brillant - Armband im Schaufenster, das ihr schon lange in die Augen stach. Auf das hatte sie sich capricirt. Hastig nahm sie den Arm ihres Verehrers und führte ihn zum Juwelier. Der Schmuck war in dev That von ausgesuchter Schönheit, aber er sollte die Kleinigkeit von achthundert Mark kosten. t Der junge Mann erbleichte ein wenig. So viel war ihm der Scherz nicht werth. Die Hälfte würde er wohl geopfert haben, abev mehr nicht. Das erklärte er auch feiner Begleiterin, als er wieder mit ihr auf der Straße war. Aber Lilli wollte das Armband haben. Daher bat sie ihren Provinzler, doch am nächsten Tage wieder zu dem Juwelier zu gehen. Sicher würde dieser ihm den Schmuck billiger lassen. Der junge Herr versprach ihr das. Zwei Stunden später überreichte Lilli dem Juwelier vierhundert Mark mit dem Bemerken, das Armband dem Herrn Baron am nächsten Tage für vierhundert Mark zu verkaufen, ohne natürlich etwas von ihrem ßingreifen zu verrathen. Der Verkäufer nickte verständnißinnig. Nicht das , erste Mal war' es, daß so etwas vorkam. Aufgeregt verbrachte Lilli den nächsien Vormittag. Ihr Ritter ließ sich nicht sehen. Als er auch am Nachmittag sich nicht meldete, konnte sie ihre Ungeduld nicht länger bemeisiern und eilte zu dem Juwelier. Ist der Baron noch nicht hier geWesen?" Gewiß. Heute ganz früh schon. Und der Herr Baron freute sich über den billigen Kauf. Also, Alles in bester Ordnung!" Aber es wav nicht Alles in bester Ordnung, denn als Lilli Abends in's Theater mußte, hatte sich der Provinzmensch noch immer nicht gemeldet. In höchster Aufregung ungeduldig bestürzt fast schlüpfte Lilli in ihr Costüm. Da was war das? Lucie, ihre Rivalin Lucie, rauschte in die Garderobe und an ihrem Arme das Brillant - Armband. Aeh. von einem Provinzbaron, einem sehr netten Menschen," erwiderte diese vergnügt. Er ließ sich heute Mittag bei mir einführen, und wie Du siehst" witzelte sie auf ganz brillante Weise!" Sie beschrieb .ihn näher. ES stimmte: Lilli's Baron wav abgeschnapp! und zur Eocurrenz Lbergegangen! Lilli war einfach : sprachlos. So schmählich hereinzufallen! Diagnose.- Arzt: Ihr Mann scheint sich im elften Stavium des Delirium Tremens zu befinden. Haben Sie niemals bemerkt, daß n Personen verkennt? Frau: Ja. Mich Z. B. sieht er meistens sür einen Dc..chen an und das Dienstmädchen für einen Engel!" Kennzeichen. Vater (zu seinem Sohne, der Student ist): Also Dein Freund Müller verbraucht auch .so viel Geld? ... Hat denn der so wohlhabende Eltern?" Gewiß Papa, wenn der 500 Mk. braucht, so schreibt er's blos als Postscriptum!" Die Ballkönigin. Ban-. kier (auf dem Balle zu seiner Tochter):' Rosa, ich hab' mir sämmtliche junge Mädchen, die hier sind, angesehen, sie haben alle unter einer halben Million -Mitzist, Du big dttLallkönigial",
