Indiana Tribüne, Volume 21, Number 139, Indianapolis, Marion County, 6 February 1898 — Page 7
Galanterie. Von Max Haushofer. Wenn irgendwo im menschlichen Dasein ein beerer und ein schlechterer Platz nebeneinander sind, die von einem Herrn und einer Dame besetzt werden sollen, so versteht sich's von selber, daß der Herr den schlechter Platz für sich beansprucht und den beern der Dame überläßt. Das nennt man ein Gesetz der Galanterie. Die Galanterie ist jene Rücksicht, welche das stärkere Geschlecht dem schwächeren schuldig zu sein glaubt. Die Galanterie gilt nicht üb will. Es giebt Völkerschaften, wo der Mann immer den bessern Platz beansprucht und den schlechtem Ux Frau übnläßt. Wir halten das. für einen Gebrauch, der nur dem Wilden ziemt. Die Galanterie hat aber auch in den Culturländern iljrt Grenzen und ihre Nuancen. ' Ihre Grenzen hat die Galanterie, wo der. (Zrnst des Lebens anfängt. Es scheint, als ob die Männer die Galanterie erfunden hätten, um das schönere Geschlecht wenigstens theilweise dasür zu entschädigen, daß sie ihm von vornl;enni den beherrschenden Platz in der tSdi weggenommen haben. Die Catoterie ist das Schmerzensgeld, das z Frau für eine vieltausendjährige Zurücksetzung geboten wird; aber auch st seit ein paar Jahrhunderten. Die Galanterie bethätigt sich in Kleinigkeiten. Fui eine Dame auf einem Festplatze einen Sessel zu erobern, iljsr bei einem Spazierritt in den Satk! zu helfen, der Durstenden ein Glas Wasser zu verschaffen, bis Ermüdete in einen Wäge zu setzen, der Frierenden den eigenarn Mantel zu leihen; das 'sind solcheRitterdienste.die mit un zählten andern zusammen das Netz der Galanterie weten.ein zartes, durchsichtiges Gewebe, ciit dem die Männerwelt cfloßmüthig Äas weibliche Dasein zu fümücken lieft. Es ist etwas sehr Natictiiches am Leben, daß zu kleinen Gefälligkeiten knl mehr Gelegenheit geboten .ist als zu großen Opfern. Wite das nicht der Fall, so käme der Mensch vor l:ter Selbstaufopferung Aborhaupt nicbt zum Leben. Hinter den kleinen Gefälligkeiten afor kann sich der Egoismus verstecken, der die Arr.ßen Opfer nicht bringen will. Er kann s.ch dahinter versteckcL. .Nothwendig ist es nicht, daß jede kleine Gefälligkeit, jede Galanterie nur xni Deckmantel für einen Egoismus in einsten Dingen ist. Der tiwachsene Egoist wird .auch mitunter unga.wnt 'lein; ebenso wie mancher Mann unzaliant sein kiTnn, der den Freuen gegenüber in ernstbasten Dingen keineswegs Egoist ist. Man verwechsle aber nicht cifcmte rrte mit Gefälligkeit oder Rücksicht äiöerchaupt. Gefällig und rücksichtsvoll tönmn Männer gegen Männer .und Frauen gegen Frauen, galant linn nur der Mann gegen Frauen sein. 'In der Galanterie liegt mehr als bloße ,Rücksicht.oder Gefälligkeit; es Regt in 'ihr eim 'gewisse Huldigung. Eine Huldigung wofür? Für die Schönheit sicher wo sie vorhanden ist. Unzweifelhaft werden Männer gegen schöne Frauen am liebstin galant sein. Da verlohnt sich ja die Galanterie. Ein dankbarem Blick aus. einem schönen Gesicht ist immerhin -schon ein kleines Opfer werth. Aber ein wohlerzogener Mann ist rach galant gegen unschöne und gegen .alte Frauen. Sba kann von einer Huldigung für,die Schönheit nicht die Nede sein. Welcher Eigenschaft der Frau luildigt calso der Mann, wenn er ,-ga-lant ist gegen Damen, die nicht rnf Schönheit Anspruch machen können? Der .Schwäche. oder der LiebenswürdigZeit.? Eitle -oder geistlose Frauen werden genügt sein, jede Galanterie als eine Huldigung für irgend eine ihrer persinnlichen Eigenschaften anzunehmen. Die geistvolle -und weltkluge Dame sieht in der Galanterie immer nur eine Huldigung, die der Mann sich selber bringt falls sie nicht etwa weiß, daß sie wirklich schön ist und daß demnach die Huldigung ihrer Schönheit geiüh?t. Aber inwiefern huldigt Mottn sich selber durch die Galanterie? Sehr einfach er deutet durch s:L Qi.daß er der Stärkere ist, der sich als solcher die Galanterie erlauben kann. Galanterie kann in sehr zarter unl ferner, aber auch -in recht gewöhnlicher, ja geradezu verletzender Form geübt werden. Eine 'feine Galanterie ist vor allem jene, welche die Dame, gegen die sie geübt wuid.möglichst wenig zu Dank verpflichtet. Ein anmuthiges Wort des Dankes Qus einem liebenswürdigen Munde Zst ja stets etwas sehr Reizvolles. Leistung und Dank bindet die Herzen erneinander. Aber noch viel anmuthiger ist es. wenn derjenige, dem eine Gefälligkeit, ein Opfer gebracht ward, sielxi, daß man ihm auch den Dank dafür ersparen wi2. Feine GaZanterie sucht auch stets ihre Leistung als möglichst geringfügig und selbstverständlich, ja geradezu als ein Vergnüger hinzustellen. Ermöglicht wird ihr bai durch eine liebenswürdige Art der Verstellung, öie man gewohnheitsmäßig lernen kann. Für den, der die GQÄnterie ausübt, ist ja meist ein Alt der Selbstüberwindung, beherrschter EgoisQUs. Und sie toird um so annehmbar;?, je germgfugizer sie dargestellt wird. Dazu dienm aber weniger phrasenreiche Versicherungen. als die Leichtigkeit vzb Schnelligkeit des wirklichen Thuns. Man kann ja mit Worten oder mit Handlungen galant sein. Im allgemeinen sindWorte wohlfeiler alsHandlungen; aber keineswegs immer. Das gilt namentlich für die geschriebenen
Worte, ES giebt manchen vielbeschäf. j
tlgten Mann, der seine Galanterie e gen Damen viel lieber dur Einräumung ewes besseren Pla, durch den oder jenen kleinen Handlangerdienst zum Ausdruck bringt, als durch ein paar gesprochene oder geschriebene Worte, die ihn Nöthigen, einen Gedankenfaden anzuMnen, der sein ernsteres Denken Vreuzt. Und ds führt uns zum schwierigsten Pickte der Galanterie wenige stens was die Galanterie von ernsthalten und denkenden Männern betrifft. Die Galanterie in Handlungen ist Tneistens leicht. Sie erstreckt sich auf ein Bezahlen von Kleinigkeiten, auf kleine Handreichungen und dergleichen. Die Zeitversäumniß.die damit verbunden ist. ist meist belanglos; denn der Mann kommt in die Lage, solche Galanterie üben zu sollen, gewöhnlich nur dann, wenn er im Genußleben steht: auf Vergnügungsreisen und Landpartien. beim Sport, im Salon. Da hat er Zeit zur Galanterie; sonst wäre er nicht da. Und die Handlungen, durch die er seine Galanterie zu bethätigen hat, sind selbstverständliche; sie wurden ihm schon im Knabenalter zur Pflicht gemacht; er braucht über sie nicht nachzudenken. Viel schwerer wird ihm die Galanterie in Worten. Leicht ist diese bloß für den eleganten Bummler, der überl'.upt nichte anderes zu denk! hat, als wie er sich und anderen daö Leben möglichst angenehm gestalte. Der Mann von ernstem Beruf und von ernsten Gedanken dagegen muß seine Gehiinthätigkeit auf ein ungewöhnliches Geleife bin verlegen, wenn er in SBoxien galant sein soll. Beiseite schieden muß er die Strenge der Logik, verachten aas die Gewohnheit, den kürzesten und treffendsten Ausdruck für seinen Gedanken zn gebrauchen. Er nmß kleine, angenehme, gesellschaftliche Lügen sacjpn können; Lügen, die nieMandem schaden, wohl aber Freude znachen. 'Das fällt einem Wahrheitliebenden 'Gemüthe' immer schwer. Er soll sich , für Nichtigkeiten interessiren, Kleines bedeutend finden. Fehler ignoriren. Das f.nd gesellschaftliche Künste, 'welche vergangen, daß man ihnen e?ne gewisse Zeit und Aufmerksamkeit widme, wenn sie gelingen sollen. Diegroße Me5,rzahl unserer Frauen erwartet vom Manne Galanterie und ist enttäuscht, je empört, we?n sie unterbleibt. Solange das der Fall ist, bekennt die schönere Hälfte derMenschheit damit freiwillig eine gewisse 'Inserio:ität". Wer ununterbrochen 5)ilfeleistungen. Ritterdienste und ähnli-ches-verlangt und annimmt, begiebt sich damit in einen Zustand der Abhängigkeit auch wenn er sie mit herrischer Miene und souveränen Hochmuth ntgegennimmt. Man wende dagegen nicht ein, daß auch die Männer .mancherlei Hilfeleistungen von F-rnuen em,pfangen, daß sie sich von ihren Gattin;nen, Schwestern und Töchtern, von Stubenmädchen u. s. rn, ganz gern in , zudorkommender Weise bedienen lassen. Das ist etwas ganz anderes ftas sind Dienstleistungen, die entweder im Wesen der Familie oder in thitz Vertragsund Berufsstellung regründet sind, aber keine galanten Huldigungen freier Menschen gegen freie Menschen. Es hat mit der völligen Emanzipation der Frauen seine guten Wege, solange die Frauen nicht ans die Galanterie verzichten. Werden sie das jemals thun?
Modewechscl. Sie hatte rabenschwarzes Haar, Wic's selten ist im Norden. Dock über Nacht wie sonderbar! War einst sie blond geworden. Und fremd erschien mir ihr Gesicht In seiner neuen Weise. . Erinnern Sie sich meiner nicht.?"So fragte sie mich leise. D)a streifte ich mit raschem Blick Des Haares Goldaefunkel. Ulnd lächelnd gab ich ihr zurück: 7Jch muß gesteh'n nur dunkel!" Duftige Lievesboischnften. .In Brasilien haben zärtliche Liebes,paare neuerdings eine ebenso poetische niie.originelle Art des Austausches von Liebesbriefen entdeckt, die man ,freilich in Ländern mit rauherem Elima nicht nachzuahmen im Stande sein wird. Diie.in Süd-Amerika iu üppiSerPracht blühenden Magnolien liefern den Liedenken das Material, auf dem .sie jetzt Me .kürzeren Liebesbotschaften .einander .zugehen lassen. Die großen Schneen?e.iZen Blüthenblätter haben die eigenthümliche, allerdings längst betonnte Eigenschaft, daß die Uein.ste auf sie .ausgeübte Berührung noch einigen Stunden einen braunen Fleck entstehen lä&t. Diese Blätter oder vielmehr die sanken Blüthen werden nun eifrig von den Liebenden benutzt. Mit einem harten, scharf zugespitzten Stift wird die zartweiße Fläche jedes Blumenblattes beschrieben; von der so Qufgetragenen Schrift ist zuerst gar nichts zu bemerken, und der Absender kann sein offenes Liebesschreiben ganz ungenirt nem Äoten zur Beförderung übergeben. Die Empfängerin stellt dann du Blüthe in eine mit frischem Wasser gefüllte LZase, und nach zwei bis drei Stunden ist die gebeimnißvolle Inschrift der duftenden Blumenblätter so klar und deutlich zum Vorschein zekommen, daß sie ohne Mühe entziffert werden kann. m 4 Aufrichtig. Stammgast: Fritz. was ist denn aus dem Kater geworden, denSie hier immer hatten?Kellner (dem Gast ms Ohr flüsternd): Hasenbraten."
ZZcim Professor W))tax. (Müuchener Humorele). Sizt es. Otto," begann Frau Pepi Mahlmann, so wohl is mir's lange nimmer g'wesen. Gepeinigt Haben's mi lang g'nug, dö dummen Trütschen, dö eingebülldeten, mit ihre blachsüchtigen Gäns' von Töchter, dö wohl aKlavier malträtir'n können, aber'n Salat mit Seif'n wasch'n und dö Eier 24 Stund' koch'n lassen weil' dö Schal'n absolut nöt weich wer'n wöll'n!" Aber liebe Pepi " Geh' schweig' pH," unterbrach Pepi ihren nebenherschreitenden Gatten. ihr Männer habt's gar ka G'füll für dö Nadelstich', dö einem dö guten Freindinnen beibring'n. wann's sich mit etwas dick thun woll'n, was unsereins nöt hat. A wahre Freid' is mer's g'wesen,- wie i im Blatt'l g'les'n hab', daß der vierbeinige Professor Phylax die Ehr' hab'n wird, einem hochgeehrten Publikum das Gebet der Jungfrau", dö Klosterglocken" und den Krawall in Venedig" vorz'spüll'n. g'rad' das. was dö Nock'n. dö ung'schmalz'nen, sich von ihre Sechziqpfenniglehrer hab'n eintrichtern lass'n. Und i will mei' Nach' hab'n: 's Azorl, unser kloanesAsfenpintsch:rl, soll ihnen a Stick am Klavier vorspüll'n, daß s' seh'n. wie heitzutag' 's Klavierpauken gar nix B'sondres mehr is." ' 'Koaßt. i halt' do ganze G'schicht' mit dem Professor Phylax für Humbug " Schweig' stüll! Humbug nennt's Ihr Männer immer Alles, was Ei'r G'hirn nöt glei' kapiren kann. Ihr Männer seid's blos neidi. daß's weibliche G'schlecht sich jetzt a biss'l aufricht't unter der Knuten, mit der'S niedag'halt'n wor'n is. damit's nur ja nöt sei' angeborne Jtaljenz entwiekeln sollt. Zebn verwett' i fir Oans, daß der Professor Phylax eiaentli' a Professorin is." Um so besser, daß D' unser Azorl nöt mitg'nommen hast, wias D's erst g'wollt.'ehender i Dir's g'sagt hab', daß in dem Viachsconcert blos Menschen zuhör'n dürfen. Wö leicht, daß da Azorl a unglickliche Liab fir dö Künstlerin hält' fassen können!" Jessas, bist denn damisch. Otts? Woann da Azorl sich in dö Professvrin woann's nämlich a Professorin is verliab'n wüll, so kann er's doch erst recht in dö Stunden, do er im Klavierspüll bei ihr nehmen soll." Alsdann bestehst wirkli darauf. Pepi?" Daderdrauf kannst Gift nehm'n, Otto. Und sobald der Azorl so weit is, gib' i a große Jausn mit Wein und Eistort'', bei der da Azorl Klavier fpüllt und dö ganze TalmibadsÄ', dö sie so wichti' mit eahnerer Bülldung macht, vor Neidikeit dö Krämpf' kriegt. Ja. Du wirst mc? Nächer sein. Azorl!" Diesem pathetisch gesprochenen Schlußworte folgte ein Laut, der den Rentier und Hausbesitzer Mahlmann veranlaßte, plötzlich stehen zu bleiben. Jetzt' hab' i g'meint. i hör'n Azorl," sagte er dann langsam. Traamt hast," versetzte Pepi kurz und fuhr etwas beklommen fort: Halt' mer uns nur nöt auf, sonst bet't der Professor am End' dö Jungfrau, ohne daß nier dabei sind." Professor Phylax. ein schöner Pudel. sitzt am Klavier. das Gebet der Jungfrau" durchschwebt den Saal. Frau Mahlmann hat ihr echtes" Shawltuch fest um sich gezogen. Bon Zeit zu Zeit bewegt sich unter demselben konvulsivisch der lmke Arm, worauf der rechte ans der Shawlhülle herausfährt und ihm einen Schlag ertheilt, etwa so, wie es die Arbeiter machen, wenn sie sich warm hauen wollen. Hast kalt. Pchi?" sragMahlmann. Aufg'regt bin V, lautete Frau Pepi's kurze, verweisende Antwort. Der letzte Seufzer der betenoen Jungfrau ist verklungen. Dröhnender Applaus. Professor Phylax beginnt nunmehr den Karneval von Venedig". Sein Spiel wird immer großartiger. Das Publikum verläßt die Sitze- und drängt sich an's Podium. Nur Mahlmann's bleiben in drangvoller Enge sitzen. Frau Pepi's Zuckungen werden immer schlimmer. Mahlmann, hört sie Änderbare leise Töne ausstoßen, die ihn lebhaft an Azorl's nervöse Mißstimmungskundgedungen erinnern Jesses, greift Dich aber die Musik an, Pepi," murmelt Mnhlmann mit ei--nem besorgten Blick auf seine zitternde Ehehälfte, die ein Zeichen schlimmster Art nichts erwidert, sondern nur mit den Lippen zuckt. Jetzt wirst ein halbwüchsiger Bengel unter lautem Aivatgeschrei dem in höchster Begeisterung arbeitenden Künstler einen Kränz ans dier dick:n Brühwürstchen zu. Mit lautem Wairman! quittirt der Künstler und nimmt mit Hilfe der Zähne von der Ehrengabe Besitz. Da ertönt unter Frau Pepi's Shawltuch hervor ein zweites Wauwau" aind heraus schießt ein kleiner schwarzer Piuischer, rast auf's Podium und balgt sich mit dem. inzwischen vom Stuhl herabgesprungenen Virtuosen um die üppigen Lorbeeren aus dem Fleischerladen. Der Karneval von Venedig" aber crllang ruhig weiter. Das Klavier ffpielte ihn mit virtuoser Fertigkeit auch ohne den Professor Phylax zu Ende. Daß nun ein Krawall" im Concertsaale losging, der den .Krawall vo Venedig" übertönte, kann man sich denken. Frau Pepi's Azorl war für immer vor der Pianistenlaufbahn bewahrt. Verblümt. Herr: Wrum weinen Sie denn, Fraulein?" Backfisch: ' Weil Mama gesagt hat, ich batte mich von Ihnen küssen lassen und eö ist doch noch Aar nicht wahr!"
Auf öcr Eisbahn. Von Bertda fframholtz. In diese? sportbegeisterten Zeit," erklärte ick eines Abends meinem Mann, in der Groß und Klein radelt, segelt, schwimmt, pferderennt und so weiter, muß für die sportliche Ausbildung bei unserem Ernst auch etwas gethan werden. Das bin ich meinen Mutterpflichten schuldig." Sehr richtig," stimmte mir mein Mann bei, aber das hängt ja nur von Dir ab, meinetwegen kannst Du den Jungen radeln, segeln, schwimmen oder auch auf den Nordpol losgehen lassen." Daß Du doch alles in's Lächerliche ziehen mußt!" ärgerte ich mich, jetzt im Winter ist's doch mit Radeln und Schwimmen nichts. Es kann sich doch nur um Schlittschuhlaufen handeln, denn Nennwolffahrten oder Skilaufen können doch siebenjährige Jungen noch nicht." ..Ach so. Schlittschuhlaufen." lenkte mein Mann ein, hm, wenn man's .kann, ist das eine sehr gesunde Beschäftigung." Ist's denn so schwer zu lernen?" fragte ich möglichst harmlos, denn ich hatte mir mein Plänchen schon zurecht gelegt. Wenn einmal mein Herr Sohn Schlittschuhlaufen lernen soll, dann würde ich's gleich mitlernen; ich schlug da zwei Fliegen mit einer Klappe. Außerdem eine Frau in meinen jungen Jahren .... Der Commis des Kaufmanns hatte mich gestern erst wieder mit gnädiges Fräulein" angeredet Es ist nicht nur nicht schwer, sondern herzerquickend einfach," störte mich mein Mann aus meinen lieblichen Gedanken auf, man läßt sich eben die Schlittschuh anschrauben und fährt los. Die Hauptsache ist, daß man immer die Balance behält." Ja, wenn man die nun aber nicht behält?" forschte ich weiter. Wenn man nun hinfällt?" Denn ist's auch noch so: man steht wieder auf," beruhigte er mich, das Eis ist ja hart, das geht nicht gleich kaput" Empört drehte ich ihm den Rücken. Aber in meinem Entschluß war ich doch wieder wankend geworden, sodaß ich nur Schlittschuhe für Willy kaufte. Erst wollte ich mir das Leben und Treiben auf der Eisbahn noch genauer ansehen, ehe ich mich selbst darauf wagte. Ernstchen war natürlich außer sich vor Vergnügen. Ob die Schlittschuhe denn auch zum Schlittenfahren da feien ob das Eis auch noch halte, wenn es draußen regne ob er nicht schon euf dem Parkett - Fußboden probiren dürfe ob man mit dem Schlittschuhschlüssel auch nicht den Regulator aufziehen könne ich hatte meine liebe Noth, dem Jungen - all' die Dummheiten auszureden. Es war gerade ein leichter Frost ein yefallen, die künstlichen Eisbahnen kündigten die Eröffnung an. Mama." sagte da Ernstchen, ich habe heut schon an die Finger gefroren. Eis war auch schon unten, am Brunnen, darf ich noch nicht Schlittschuhlaufen gehen?" Doch, mein Kind," beruhigte ich ihn, heut Mittag, wenn Papa noch im Bureau und die Bahn noch wenig besucht ist, dann gehen wir zusammen." Gesagt, gethan. Es war ein wunderschöner Winteriag. Die Sonnenstrahlen glitzerten auf dem Schnee, der Himmel war geradezu italienisch-blau und ich hatte meinen neuen Nerz-Pelz-kragen um. Die Eisbahn war noch ziemlich leer. Ich bezahlte das Eintrittsgeld, setzte Ernstchen auf eine Bank und ließ ihm von einem der Herumlungerer die Schlittschuhe anschrauben. Dann ir:'g ich ihn durch den Haufen von Schneeresten und Resten von Besenreisern, der' sich dor der Bank angesammelt hatte, und als wir das schöne glatte Eis erreicht, sagte ich ihm: Nun, mein Ernstchen, fahre los." Mein Ernstchen krampfte seine Hand ans der meinigen. Er machte verzweifelte Armbewegungen, seine Beinchen setzte er breit auseinander, er rutschte etwa einen Meter weit, hilflos, ziellos, jetzt ruderte er mit den Armen durch die Luft, die Beinchen weiterten sich immer mehr und mehr. Mammaa. Mammaaa!" schrie er und plötzlich . . . Ernstchen, aber Ernstchen," rief ich ihm zu, so bleib doch stehen, ich komme ja schon " und angstvoll schlidderte ich über das Eis, um ihn noch beim Arm erfassen zu können. Aber dieses Eis . . .. na, so was von Glattheit. ich suchte vergeblich, festen Fuß zu fassen, eben wollte ich Ernstchen ergreifen, da sapperlot .. . das war ja schon nicht mehr schön! Als ob mir der Boden unter den Füßen fortgerissen würde, so kam ich zu Fall, und dicht an meiner Seite sank Ernstchen sanft auf meinen Nerzkragen. ; Junge, so steh doch auf." herrschte ich ihn an. ich muß mich vor allen Leuten schämen." Ernst machte verzweifelte Anstrengungen, bald hackte er mit den Spitzen, bald mit den Schrauden der Schlittschuhe Zn den Kragen, bald umschlang er mit den Armen lneinen Hals, bald taumelte er wieder auf meine Schulter nieder. Schließlich machte er den Versuch, sich auf meinen Kopf zu fetzen Das rou rnr denn doch zu toll; in der Nothwehr gab ich ihm einen Stoß, daß er sammt meinem Pelzkragen und neuen WinterHut über die Eisfläche dabinsauste. A)urch eine Kraftanstrengung tcUe ich mich erhoben; aber noch rurschie und taumelte ich gleich einer Seekra? tai. Wenn du jnAldlge Frau mir ge-. statten wollen, Sie nach der Bank zurückzuführen ...." sagte ein vollbärtiger Herr im Sportkostüm, der sich mir in elegantem Bogen genähert hatte, aeben Sie mir. bitte. Ihren ?m "-
Willenlos ließ ich geschehen, daß er mich vorsorglich zurückgeleitete. Ich werde auch den Kleinen k.olen," erklärte er bereitwilligst und war mit einigen Bogen an der Stelle, an der sich Ernstchen noch immer vergeblich abmühte, von dem Pelzkragen loszukommen. Seine Mütze war ihm bei dem Umherstrampeln auch noch fortgeflogen. Der Hilfsbereite hob erst meinen Hut und Kragen, dann den Kleinen auf, stülpte ihm seine Kappe wieder auf und stellte ihn sorgsam auf die Schlittschuhe. Dann schob er ihn langsam und vorsichtig vor sich her. Als er ihn auf diese Weise glücklich bis zu mir bugsirt hatte, stellte er sich vor: Professor Rittmeyer .... Wenn Sie wünschen, werde ich mich jeden Tag eine Stunde mit dem Kleinen beschäftigen. ich habe schon vielen Hunderten von Kindern das Schlittschuhlaufen beigebracht." O bitte sehr, Herr Professor." nahm ich sein Anerbieten dankend an, wenn es Ihre kostbare Zeit erlaubt ..." Ich bin ein passtonirter Schlittschuhläuftr," antwortete er. nebenbei ernährt das Metier seinen Mann ganz gut." Was er mit dem letzten Satz eigentlich sagen wollte, war mir nicht so recht klar, aber da ich sroh war, aus der peinlichen Situation herauszukommen, packte ich meinen Kragen, der an verschiedenen Stellen zerfetzt war, zusammen. brachte den ruinirten Hut so gut es gehen wollte in Ordnung und empfähl mich. Also immer um dieselbe Zeit, von 1 bis 2 Uhr Mittags, ich werde mir diese Stunde reserviren," meinte der Herr Professor noch und tummelte sich dann wieder in den elegantesten Figuren auf der glitzernden Bahn. Das klare Winterwetter hielt zwei Wochen an und jeden Tag absolvirte mein Sohn seine SchlittschuhlaufStunde. Das gefiel ihm fehr gut. und er erzählte mir viel davon. Der Herr Professor erwarte ihn immer schon, Punkt 2 Uhr schicke er ihn nach Hause, weil er dann anderweit beschäftigt sei, er schiebe ihn auch nicht mehr vor sich her. sondern ziehe ihn und das gehe schon ganz fix. Kannst Du denn noch nicht allein fahren?" fragte ich ihn endliche Ach ja," antwortete er kleinlaut, aber wenn er mich zieht, ist's doch hübscher und hinfallen thu' ich da garnicht mehr." Als ich meinem Mann die Sache erzählte, schüttelte er ungläubig den Kopf. Einen Professor Rittmeyer oder so ähnlich kenne ich nicht, so was existirt hier nicht. Außerdem hat ein Professor nicht Zeit, den ganzen Tag auf der Schlittschuhbahn herumzuliegen." Nun, ich wußte das besser, und da wollte ich ihm ad oculos demonstriren, daß er sich wieder einmal geirrt habe. Nächsten Sonntag ist Eisconcert," sagte ich, da wollen wir doch mal zusammen nach der Bahn gehen, um uns zu überzeugen, welche Fortschritte unser Sohn in der Kunst des Schlittschuhlaufens gemacht hat. Mein Mann war damit einverstanden, nicht aber unser Ernstchen. Sonntags giebt der Herr Professor keine Stunden. da ist's zu voll auf der Eisbahn." wandte er sin. Das ist doch ganz gleich, da fährst Du denn allein," bestimmte mein Mann. Aber es ist doch hübscher,' wenn er mich zieht," wagte der Junge noch zu sagen. Ach was," schnitt ihm mein Mann das Wort ab, es bliebt dabei: Du gehst Sonntag zum Eisconcert und wir kommen nach, um zu sehen, wie Du Schlittschuh fahren kannst." Ziemlich kleinlaut machte sich Ernstchen am Sonntag auf den Weg. Es geht aber viel fixer, wenn er mich zieht," dabei blieb er. Etwa eine halbe Stunde später folgten wir nach. Es war ein buntes Gewimmel auf dem Eislaufplatz, so daß es schwer hielt, Jemand auszufinden. Dreimal hatten wir die Bahn schon umkreist, ohne unser Ernstchen gesehen zu haben. Auch den Professor suchte ich vergeblich. Wir ließen nochmals die Reihen der Laufenden an uns passiren:' von Ernstchen keine Spur! Da entschlossen wir uns, die Bahn abzusuchen, auch das war vergeblich. Endlich entdeckte ich auf einer kleinen Bank, dicht bei der Musikkapelle, eine zusammengekauerte Gestalt. Wir steuerten darauf zu, richtig, da faß der Junge zähneklappernd, mit blaugefrorener Nasenspitze, die Hände tief in die Taschen seines Mantels vergraben. Bon dem dicken Tubabläser verwandte er keinen Blick. Aber Ernst, Du bist doch nicht hier, um Schlittschuh zu sitzen," weckte ihn mein Mann aus seinen Träumen. Warum hockst Du denn hier auf der Bank?" Da hört man die Musik am besten," meinte er mit weinerliche? Stimme. Mach's doch so wie die Anderen, fahr hinaus und tummle Dich," ermuthigte ihn mein Mann. Ich fall immer hin und dann fahren sie mich über." heulte Ernstchen, es ist viel hübscher, wenn mich der Professor zieht."' Der Jinge tsax nicht zu wegen, seinen Sitz zu verlassen und so blieb nichts anderes übrig, als wieder nach Hausezu gehen. Mein Mann paffte wüthend seine Cigarre in die Luft, dann ließ er seinen Aerger an mir aus. Ich ließ Ernstchen nicht mehr nach der Eisbahn gehen. Acht Tage späte: erhielt ich einen Brief. Als ich ihn öffnete, lag eine Rechnung darin: 12 Lektionen im Schlittschuhlaufen für - Ernstchen Framholtz ä 3 Mark, Mark 36, ." Rittmeyer, Professor der Radfahrkunst, geprüfter Lehrer des Schlittschuhlaufens. -Mibverständniß. Richter (zu einer Landstreicherin): Ihr Aller?4' Der brummt schon!"
Propheten im Nciche drr Thiere. Von H. Oehmke. Der Glaube an Thierorakel ist so alt, wie die Menschheit selbst. Inder und Perser, Phönizier und Jsraeliten hatten ihre Propheten im Thierreich, und n Wunderland der Pyramiden war ihre Reihe eine kaum aufzählbare. Auch bei unsern Vorfahren, den Gcr manen, finden wir bereits ein ausgebildetes Thierorakelsustem. Der Vogel war seiner ganzen Natur nach das fürten Orakeldicnst geeignetste Thier. S5me Erhebung zu Höhen, wohin kein anderes Erdenwescn zu solgen vermochte, sein scharfes Auge, sein schneller Zug, sein Zug in fremde, unbekannte Länder verschafften ihm den Ruf prophetischer Begabung. Die Assyrer nannten die Vögel Zungen der Götter." Michael Scotus, der Sterndeuter Kaiser Friedrich II. (11941250), nennt als Orakelthiere den Adler, den Raben, den Specht, die Krähe, das Pferd, den Hund, die Katze und das Schwein. Götz von Berchlingen erzählt von glückbringenden Begegnungen mit Wölfen, und Martin Luther sprach einst: Wenn Du ein Vöglcin stehst, so zieh Deinen Hut und sage: Glück zn!" Den Wodansbotcn, Wolf und Nabe, begegnen wir in deutschen Märchen überall. Kühe weisen die Plätze an. wo Kirchen gebaut werden sollen; nach einem Mauithier, das Mönchen einst den Weg wies, nennt stch das Kloster Maulbronn. Unter den Vögeln, denen man im Alterthum als Propheten huldigte, nahm die Eule den Ehrenplatz ein. Als Sinnbild des tiefsten, unermüdlichen Studiums war sie die stete Begleiterin der Pallas Athene. ' Ihres nächtlichen Umhcrschweifcns wegen erhielt sie jedoch zugleich eine dämonische Bedeutung: sie prophezeite Tod und Unglück. Verwünschte Seelen mußten in der Gestalt einer Eule umherirren. Noch heute wird ihr prophetische Krast bcigemesscn: Wenn Dir d' Wiggli schreit, Wirscht bald usiitreit." heißt es noch hcut von ocm iodbringenden Eulenruf. Ein weiterer Prophet unter den Vögcln, der Nabe, hat seinen Nuym cbcnfalls bis heute bewahrt. Die verschiedenen Töne, die diesem Vogel eigen sind, zu deuten, war eine Aufgabe dc'r Alten. Marius und Eicero sollen durch Na den auf ihren nahen Tod hingewiesen worden sein. Ein gutes Vorzeichen sür den Verlauf einer Schlacht war es, wenn Naben den ausziehenden Kriegern folgten. Welche hohe Bedeutung die Römer den wahrsagenden Vögeln beimaßen, beweist die Institution der Auguren, d. h. der Priester, die, aus dem Flug der Vögel die Zukunft prophezeiten. Die Stellung dieser Auguren war eine höchst einflußreiche, ihr Amt ein lebcnslängliches. In der deutschen Märchenwelt spielt der Rabe, als ein Bild der Sorge und der Wachsamkeit, eine große Rolle. Auch der jetzt so gering geachteten Gans wurden früher prophczcihcnde Kräfte beigcmesscn. So z. B. ließen Kreuzfahrer eine Ganz vor sich herziehen, die ihnen den Weg nach dem gelobten Lande zeigen mußte. Eine Gans war's, die im Jupiter den Gott erkannte, als er einst in Gestalt eines Wanderers die Gastfreundschaft von Philemon und Baucis nachsuchen mußte. Diese ihre Schlauheit rettete sie vor dem Schicksal des Gebratenwerdens, dem stc sonst ohne Gnade verfallen wäre. Die diebische Elster galt schon bei den Alten als Böses weissagende Prophetin. Setzte sie stch auf ein Haus, so war dies dem Unglück verfallen ; dem begegnenden Wanderer kündigte sie Gefahr an. In Westpreußen und in Hessen heißt es noch heute, daß eine schreiende Elster häuslichen Unfrieden anzeigt. In' der Wetterau verkündigt der Flug einer Elster quer durch ein Dorf einen Leichenzug. In Tirol zeigt die Elster durch ihr Geschrei an, daß bald Hungersnoth oder eine epidemische Krankheit die Ortschast heimsuchen werden. Der Kukuk, der schon zu den Göttervogeln des Hcidcnthums gehörte, galt namentlich in germanischen Ländern von jeher als Prophet. Hört man ihn zum ersten Mal mit gefülltem Portemonaie, so hat man das ganze Jahr Geld im Ucberfluß. Auch soll er bekanntlich durch die Zahl seiner Rufe anzeigen, wie viel Jahre man noch zu leben hat. In Westfalen war früher der Tag, an dem der erste Kukuksruf ertönte, ein festlicher. Wer den Kukuksruf melden konnte, ward beschenkt. Er begrüßte die ihm Begegnenden nicht mit dem üblichen Guten Morgen, sondern mit dem Gruß : Der Kukuk hat gerufen. Die Zahl der Verslein, die der Lolksmund gereimt hat uud die sich auf die wahrsagende Kraft des Kukuks beziehen, ist endlos. Ebenso dieZenigin, welche die Störche und den auf sie bezüglichen Kindcrglauben, daß die Storche die Geschwister bringen, zum Gegenstand haben. Im Oldenburgischen rufen die Kinder daher, wenn sie einen Storch fliegen sehen : Adebar. Tu Goder Bring' mi 'n lüttjen Brodcr, Adebar, min Bester, Bring mi 'ne lüttje Söster". Schon im dreizehnten . Jahrhundert war der Glaube verbreitet, daß die Störche in den fcrn?n Gegenden, in denen sie ihren Winter verbringen, als Menschen leben. Nur wenn sie zu uns kommen, verwandeln sie sich in Vögel. In Schwaben glaubt man noch heute vielfach, daß die Störche nur die Vogelgestalt erhalten, um nicht verrathen zu können, was sie inzwischen gesehen und erlebt haben. . Wer den Storch klappern hört, wird viel Geschirr zerbrechen", sagt man im Hannoverschen. In der Altmark' aber ist ein fliegender Storch den Mädchen die Ankündigung baldiger Verlobung.
Der Storch schützt das Hans, auf ben? er sich ansiedelt, vor Blitzgcsahr und vor Todesfällen. Gleich dem Storch wird auch der Kreuzschnabel als glückvcrkündendcr Vogel angesehen. An Hahn und Henne knüpfen sich' ebenfalls eine Reihe von Vorstellung: Hähne wissen' voraus " heißt eZ im Volksmund. Earl der Große sol, dcrSage nach, sogar die Theilung scincs Landes von einem Hahnenkampf ö hangig gemacht haben. In Rußland führt man einen Hahn in einen Kreis junger Mädchen, von denen jedes ein Haferkorn vor sich liegen hat. Daö Mädchen dessen Korn zuerst von dem Hahn aufgepickt wird, ist am Jahres ende glückliche Braut. Der Schwan gehörte zu den Götter vögeln Griechenlands. Auf seinem Haupte ließ Apollo seine Leier edlin gen, um ihm dadurch im Augenblick dcS Todes die Gaben des Gesanges und der Weissagung zu geben. In der gcrma nischen Mythologie nahm der Schwan als weissagender Vogel einen hervorra genden Platz ein. Die Walküren nahmen gerne die Gestalt eines SchwancSan, woher auch die . Mythe vom Lohen grin stammt, der von einem Schwan, d. h. von der Poesie und der Weissa gung, ljergezogen wurde. Die Spinne, die Weberin des Schick salsfadcns", hat ihr? Orakelbedeutun?; ' bis auf den heutigen Tag behauptet. Vor allem gilt sie den Hausfrauen als Provbetin: Spinne am morgen Kumme? und Sorgen ; Spinne am Abend Glückbringend und labend." Auch unsere Hausthiere Hund uie Katze, Pferd und Schwein wurden von jeher allerorten als Propheten angesehen. Der Hund war in allen Ncgioncrr der Vorzeit ein den Göttern zugeselltet Thier. Luther hosst in seinen Tischreden auf' ein Wiedersehen mit seinem Hunde in. einer anderen Welt, und Klopstock's Messiade läßt sogar Ettsamis Hündchenmit in den Himmel einziehen. Das nächtliche Geheul dK Haushun des zeigte angeblich schon von jrhcr einen, Todesfall an. Hält der Hund die Schnauze andauernd in die Höhe, so wittert er Feuersgefahr ; beißt cr ia'fl Gras, so mahnt er uns, dcn Regen--schirm mitzunehmen. Durch auffallendes Lecken und Putzen: zeigt uns das Kätzchen an, daß Besuche kommen wird. Putz' Dich. Kätzcl ! Kommt mei Schätze! ? Fährst über, die Ohren ? Kommt was Hochgeboren lm Das vornehmste Orakelthicr des AIterthums war das Pfcrd. Das WieHern, Scharren, jede Ohren- und Schweisbcwegung, alles das wurde aufs genaueste beobachtet. Durch auf fälliges Stampfen kündete fr z häufig das Vorhandensein einer Quelle oder reicher Erze an. In noch höherem Ansehen als bei den Griechen und Römern stand das Pferd als Prophet bei den Germanen. Schon, Tacitus erzählt, daß aus dem Schnauben und Stampfen der Pferde die Priestcr weissagten. In heiligen Hainen, wurden milchweiße Pferde gehalten, die niemals von der Arbeit berührt werden dursten. Als Genosse und Mitwisser des altheidnischen Todcsgottes galt das Pfcrd als Schicksalsthier. Daher stammt wohl die Annahme, daß, wenn ein Ron vor einem Hause nicht vorbei will, sich dort bald ein Sterbender befinden wird.. Im Allgemeinen gilt das Pferd je--doch als ein Glücksprophct; sein Wie Hern verkündet ungeahnte Freude, wie man denn auch noch heute, vornehmlich in Westfalen, vielfach Pferdeköpfe an Bauernhäuscrn findet als ein Zeichen, göttlichen Segens. Der Glaube, daß man am Heiligen Abend um die Geisterstnnde die Pscrde sprechen hören: kann, ist unter der ländlichen Bevölke rung noch häufig zu finden. Pserdeköpfe und Glücksschweinchen werden noch heute als Berloques getra--gen. Das werk einer Aerztin, Eine aus Schottland gcbürüge'Mi Hamilton bildete sich im Krankenhause zu Liverpool als Pflegerin aus, stu-' dirte dann in Brüssel Heilkunde undpromovirte vor drei Jahren zum Doc-j. tor der Medicin. Dann ging sie nach, Kalkutta und hatte dort gerade ihre.' ärztliche Thätigkeit begonnen, als ihr der Emir von Afghanistan, ein schönes Gehalt bot, falls ste nach feiner Hauptstadt Kabul kommen würde. Sie nahm das Anerbieten an, obwohl ihr fehr da-" von abgerathen wurde. So wurde sie: Hausarzt der dortigen Herrscherfamilie und hat eine geradezu glänzende Thätigkeit nicht nur in der Behandlung von Kranken, sondern auch für die Auftlarung des Fürsten und seineF Volkes entfaltet; sie fetzte es sogar durch, die Zustimmung des Emirs zur Durchführung einer Zwangsimpfung, zu erlangen. Die ganze Bevölkerung, von Afghanistan wird nun mit reiner Kalbslymphe, die dort leicht zu erlangen ist, geimpft, und ein königlicher Erlaß ordnete an, daß sich in Zukunft. Niemand, 'dieser wohlthätigen Maßnähme entziehen sollte. So hat der Einfluß des Fräulein Dr. Hamilton in Afghanistan in gesundheitlicherHinsicht ein Werk zu Stande gebracht,, das noch nicht einmal in allen europäi--schen Ländern geglückt ist. Kindermund. Lehrer? Nicht wahr, Kinder, Ihr gehorcht immer Euern . Eltern?- Schüler (unisono): Ja. Herr Lehrer! Lehrer: 9?un, Karl Müller, sage 'mal warum Ihr das thut.- Schüler: WI sie uns sonst verhauen!Galant. Fräulein: Dieserr Wein hat Papa seit meiner Geburt im Keller liegen. Herr: .So. so, also, noch ein ganz junges Weinchen !"
