Indiana Tribüne, Volume 21, Number 132, Indianapolis, Marion County, 30 January 1898 — Page 7
Fraucnreöm tu England. , Von Wi!h. F. Brand. ' Schon Tacitus berichtet, die alten Germanen hätten ihre Frauen als smictum quoddam et providum, als etwas Heiliges und Ahnungsreirhes geschätzt und so ist die Stellung der Frauen bei den germanischen Völferschaften von jeher besonders geehrt gewesen. Dieser Frauenkultus hat in modernen Zeiten aber jedenfalls in der englischen Seitenlinie des Germanenstammes ihre höchste Entwickelung erfahren. Sei es nun der Grund oder eine Folge hiervon, immerhin ist es Thatsache, daß die englischen Frauen den Männern verhältnißmäßig weit überlegen sind. Die Engländerin benimmt sich nun wohl freier und ist freier als die deutfche Frau, aber ist sie deshalb freier in tadelnswertherem Sinne, ist sie deshalb das, was bei ihr zu Lande so treffend mit säet bezeichnet wird? Manche sind es gewiß, aber die Wahrnehmung können wir in anderen Ländern auch machen. Das darf uns nicht irreführen. Ist die Engländerin im Allgemeinen fact? Sie spielt LawnTennis und Golf, sie rudert und schwimmt, sie unternimmt große Bergparthien, sie reitet, und in Bezug auf das Radfahren ist neuerdings unter den englischen Damen geradezu eine Manie ausgebrochen. Thut Alles das an sich aber dem Charakter des ewig Weiblichen" Eintrag? An sich doch kaum. Hier sprechen eben so viele Umstände, vor Allem die leidige Gewöhnheit mit. Wenn aber Frauen und Mädchen in den Armen von Männern unter den Klängen berauschender Musik in harmonischen Schwingungen über das Parquet dahin gleiten dürfen und ich möchte wahrlich nichts gecen das Walzen vorbringen dann läßt sich auch gegen jene Vergnügunyen an sich nichts einwenden.insofernsie nur nich. insMaßlose übertrieben wer'den. Wohl herrscht in gewissem Sinne auch im englischen Ballfaal wieder ein anderer Ton als in Deutschland. So können wir in England beobachten, daß am Schluß jeden Tanzes die Parchen den Tanzsaal verlassen und entlegene Winkel aufsuchen es ist ja draußen so viel kühler", heißt es dann hier ein während des Tanzens begonnenes flirtatlon" fortzusetzen. Da wird zumal die Treppe recht ausgenutzt, die in den stets nur von einer Familie bewohnten Häusern allerdings gemüthlicher ist als bei uns und selbst in einfachen Häusern natürlich unbedingt mit einem Teppich belegt ist. In den Pausen ist dieselbe gewöhnlich von obe-a bis unten mit schwatzenden Pärchen besetzt. Das ist ja geradezu unschicklich!" höre ich deutsche Damen ausrufen. Vielleicht. Aber wie trübselig macht sich das andere Eztrem, wenn die Geschlechter, auf beiden Seiten des Saales streng abgesondert. zumTanz cinander in die Arme fliegen und mit Aufhören der Musik alsbald wieder in die vorgeschriebenen Grenzen sich zurückziehen. Mich dünkt, ich hätte das mehr als einmal in Deutschland beobachtet. Ohne Zweifel, die Engländerin benimmt sich freier, als die meisten Damen des Festlandes, fast ebenso frei wie die Amerikanerin, zumal im Verkehr mit der Männerwelt, aber wir müssen uns hüten, keine verkehrten Schlüsse daraus zu ziehen. Die Freiljeit äußert sich mehr nur in gewissen äußeren Formen, und auch da wäre es ja leicht genug. Beispiele aufzuführen, die uns darthun, daß die Tochter -Al-bions in vielen Punkten thatsächlich wieder zurückhaltender sind, als ihre Schwestern des Continents. Es. wird doch aUi auch Niemand in Abrede stellen wollen, daß gerade die vielfache freie Bewegung in frischer Luft auch ihre ganz besonderen Vortheile mit sich bringt, in körperlicher wie in geistiger Beziehung. Wo giebt es schönere, schlankere Frauengestalten, wo eine reinere, frischereHautfarbe der Frauen, als in England. Und sollte nicht beides auf ihre gesunde Lebensweise, zumal auf jenes Herumtummeln im Freien zurückzuführen sein! Schon unter Gregor dem Großen war die Schönheit englischer Frauen hochgepriesen und wir lesen darüber: Sie haben eine zarte, pfirsichartige Blüthe im Antlitz, wie sie nirgends gefunden wird, außer in den phantasievollen Beschreibungen griechischer und römischer Poeten." Worte, die noch heute ebenso sehr ihre Gültigkeit haben, wie der Ausspruch des Erasmus in Ozford.bei dem es heißt: Knut hic in Anglia nymphae divinis vultibus.blandac, facilea." Läßt sich ihren Bewegungen trotz alledem zuweilen eine gewisse Unbeholfenheit nicht absprechen, so weisen sie auf der anderen Seite auch wieder in ihrer Gesammtheit elegante Manieren auf, z. B. bei Tisch wie sie bei anderen Völkern leider fast nur in den vornehmeren Kreisen und dann keineswegs immer anzutreffen sind. Man macht in England viel Aufsehens davon, daß jene Spiele und andere körperliche Uebungen im Freien unmittelbar auf den Geist günstig einwirken, dasUrtheilsvermögen schärfen, den Muth stählen, den 'ganzen Charakter stärken ja, was leitet der EngZänder nicht Alles von seinen Spielen" her! Es scheint gewiß nicht ausgeschlossen, daß diese Theorie hier wesentlich auf die Spitze getrieben ist. Aber ganz sicher ist es doch auch, daß ; die Gesundheit des Körpers diejenige ,-des Geistes wesentlich beeinflußt und I daß so der Geist, jedenfalls mittelbar jaus Sport und Spiel Nutzen zieht.
Im Uebrigen ist die geistige Ausbrldung der Engländerin keineswegs eine rundlichere als die der deutschen ! Frauen. Im Gegentheil, sie hat viel ! weniger gelernt. Sie wird jedenfalls
nicht so vollgepfropft 'mit Geschichtsta bellen, todten Vokabeln und spitzfindigen Regeln und Regelchn . und noch spitzfindigeren Ausnahmen. Was sie einmal lernt, geringfügig wie die Gesammtsumme ires Wissens vielfach ist scheint ihr mehr in Fleisch und Blut überzugehen. Daher kommt es, daß ihr bei wirklich geringeren Kenntnissen oftmals ein weiterer Gesichtskreis eröffnet ist und sie diesen in mehr praktischer Weise zu beherrschen weiß. In Hinsicht auf rein wissenschaftliche Dinge, auf Literatur und Kunst, sieht es trotz der einzelnen Aerztinnen und weiblichen Fachgelehrten im Allgemeinen mit denKenntnissen englischer Damen schlimm genug aus. Dagegen zeigen sie mehr Interesse für mancherlei Fragen der Zeit und wissen darüber eher mitzusprechen, Fragen, die kcineswegs immer auf das Gebiet der Politik sich zu erstrecken brauchen. Und warum sollte selbst da eine Frau, nachdem sie schon als Kind die Geschichte längst erloschener Völkerschaften studirt, nicht auch für die Zeitgeschichte, die Geschicke der Mitwelt, sonderlich der eigenen Staatsangehörigen ein In-
teresse zeigen! Da haben es die Engländerinnen denn ja auch schon so weit gebracht, daß sie bei mancherlei Gemeindewahlen in aktivem wie in passivem Sinne bereits wahlberechtigt sind, und es giebt eine große Anzahl von Männern in England, die ihnen auch heute schon das Stimmrecht für das Parlament zuerkannt wissen möchten! In Sachen der Toilette nehmen die Engländerinnen eine mit jedem Jahre mehr hervorragende Stellung ein. Es giebt zwar in anderen Ländern Damen genug, die das noch immer nicht zugeben wollen. Sie halten fest daran, was sie täglich um sich zu sehen gewohnt sind. Die Gewohnheit, diese Amme" des Menschen, die ihm in Allem beeinflußt, tritt nirgends stärker hervor als in Modesachen. Das Auge gewöhnt sich schließlich an Alles und seien es auch die Puffenärmel. Nur das Neue fällt der Menge unangenehm auf, so lange es eben neu ist (ohne daß damit im Geringsten gesagt sein sollte, daß allesNeue. an sich hübsch sein müßte). Das trägt denn wohl dazu bei, daß die Masse der Frauen immer in einiger Entfernung hinter der Mode herlaufen. Wie mit dem Neumodischen, so geht es dann auch wohl mit dem: Fremdländischen. Nur so kann ich mir das in manchen deutschen Kreisen flock) herrschende Vorurtheil gegen englische Toiletten erklären; während doch in vielen Dingen, zumal in jeder Art von Neisekostümen, in Anzügen für Ruderparthien und zum Aufenthalt an der See von Reitkostümen gar nicht zu reden auch die Pariserin längst die gelehrigste Schülerin der Londoner Damen geworden ist. Es ist wahr, selbst in London sind einige der ersten SchnctderinnenFranzösinnen; es mag auch nur ein ungewohnlicher Zufall sein, daß der allmächtige Worth in Paris ein Englänländer war. Die Französinnen mögen im Allgemeinen immer noch mehr Geschmack und Erfindungskrast an den Tag legen, aber sie haben nicht die Figuren der Engländerinnen und nicht so allgemein auch das Geld. Immerhin würde in Sachen der Toilette doch kaum Jemand die ChampsElysees" mit Rotten Rom" oder die Plage" von Trouville mit der Parade" von Brighton gleichstellen wollen. Aber wie steht es nun mil den Eigenschaften derEngländerin als Hausfrau? So etwas wie eine tüchtige deutfche Hausfrau giebt es doch wohl in der ganzen Welt nicht weiter? Dabei käme es wohl zunächst darauf an. ob man mit dem Worte Hausfrau" mehr den Begriff der Führerin des Hausstandes, also nur einer höheren Art Haushälterin verbindet oder mehr den Begriff der Dame des Hauses" vorherrschen läßt. Und das ist in den verschieden! Ländern eben sehr verschieden. Schlechtweg zu behaupten, die Engländerinnen seine keine Hausfrauen, ist ebenso falsch wie die in England und auch wohl sonst im Auslande verbreitete Ansicht, daß die deutsche Hausfrau eigentlich nur eine höhere Art Aufwartefrau ihres Hrrn und Gebieters" ist. Allerdings sind die englischen Damen mehr verwöhnt. Sie hüten sich vor Allem auch in der Verrichtung der häuslichen Geschäfte selbst zuzugreifen; und Sport und Spiel, sowie ihr regelmäßiges Ausgehen läßt ihnen dazu auch nicht allzu viel Zeit übrig. Aber wir müssen auch nicht den nationalen Wohlstand des Britenlandes vergessen, der so etwas in weitenKreisen eher erlaubt als bei uns. Hier sei es mir vergönnt, eine Stelle aus meinem Buchelchen Allerlei aus Albion" anzuführen, in welchem es in dm Kapitel HäuslichkeitsEigenthümlichkeiten" in Bezug auf die bemittelte Hausfrau in England heißt: Sie läuft zwar nicht den ganzen Vormittag mit Wischtuch und Schlüsselkorb herum, das Haar nur erst provisorisch aufgesteckt und im Morgenrock; sie legt auch selten gern selbst Hand an, in Ueberwachung der ganzen Haushaltung zeigt sie eben darum aber vielfach um so größere Sorgfalt; und es herrscht im Allgemeinen eine Ordnung, eine Sauberkeit und eine Pünktlichkeit, von denen unsere viel gerühmten deutschen Hausfrauen häufig noch Manches lernen könnten." Ich weiß, ich bin gerade mit diesem Satze in Deutschland mehrfach auf Widerspruch gestoßen, aber derselbe enthält meine vollste Ueberzeugung. Freilich stehen den englischen Damen durchweg mehr Dienstboten zur Verfügung und wie trefflich dieselben geschult sind! Freilich kostet die Haushaltung mehr, aber das ist eine andere Sach:. Jener Satz gilt eben von Verhältnissen, wo dieser Punkt nicht so wesentlich ins Gewicht fällt.
Wo aber die, Mittel fehlen, da sieht es denn in den englischen Haushaltungen eben um so schlimmer aus. Es ist ja bekannt, es giebt wohl nirgends in der Welt eine hilflosere Klasse weiblichcr Wesen nirgends dann aber auch mehr Schmutz undArmuth, mehrElend undNoth als in dcnSlums der großen Städte des reichen England, wo Männcr und Frauen eigentlich nur einen Hochgenuß" kennen: den Trunk. Eher schon dürften die Frauen der besser gestellten Arbeiterklassen mit denen anderer Völker einen Vergleich aushalten. Allein auch bei ihnen giebt es zu viele, die von der Hand in den Mund leben. Was einkommt muß für Essen und Trinken wieder drauf gehen. An Sparen wird selten gedacht. In den unteren Mittelklassen sind die Frauen bereits zu sehr darauf bedacht, die Lady" sein zu wollen ein Wort, das sie auch besonders gern im Munde führen. Und gerade diejenigen unter ihnen, die nichts sind, nichts haben, nichts verstehen, sind am meisten auf ihre Würde" bedacht, die sie durch nichts glauben besser an den Tag legen zu können, als daß sie der'Hausarbeit nach Möglichkeit aus dem Wege gehen. Wie die Kraft Englands in den eigentlichenMittelklassen, ganz vornehmlich aber in den oberen Mittelklasfen ruht, so zeigen die ihnen zugehörigen Damen die englische Weiblichkeit auch unbedingt von der günstigsten Seite. Zu diesen hier viel genannten Upper rniilille classes, die das Rückgrat der Nation" bilden, rechnet man wohl Familien etwa mit einen Einkommen von 20,000 bis 200.000 Mark das Jahr. Das sind eben Summen, wie sie auch die erfolgreicheren Mitglieder der Professional classes in England verdienen, hervorragende Juristen, Aerzte, auch Künstler und manche Literaten, sowie die höhere Geistlichkeit. Der Erzbischof vonEanterbury hat sogar ein Jahreseinkommen von 300.000 Mark, und ähnliche Summen dürften in vereinzelten Fällen auch wohl andere Zugehörige der genannten Berufsklassen einheimsen. Selbstverständlich gehört auch eine erkleckliche Anzahl von Leuten des Handels und der Industrie ZU dem back bone of tlic nation, während nicht wenige von ihnen auch darüber hinaus in die Kaste der Uppcr Ten eingedrungen, wie die oberen zehntausend" Familien des Landes hier kurzweg genannt werden. Zu ihnen gehört denn auch der größere Theil des Adels. Allein wie die männlichen Mitglieder desselben im gesicherten Besitz großer Vermögen noch in so großer Zahl dem Müßiggang ergeben sind, so sind auch zu viele Da-
men aus diesen Kreisen in zu ausgeprägter Weise auf den materiellen Genuß des Lebens bedacht und zahllose Ehescheidungs- und andere SkandalProzesse haben der Mitwelt einen zu tiefen Einblick in das lrigh life gewährt, als daß sie noch eine besondere Achtung vor demselben im Allgemeinen empfinden könnte. Doch auch hier sind eben nicht Alle über einen Leisten geschlagen. Es hatte sich gerade unter dem englischen Adel wohl mehr als in irgend einem anderen Lande die Anschauung Bahn gebrochen, daß die exceptionelle Stellung, die der Stand noch genießt, in unseren Tagen nur noch durch exceptionelle Leistungen in der Sorge um das Gemeinewohl aufrecht erhalten werden kann. Und es gibt Leute genug, die demgemäß zu handeln beflissen sind, Männer und Frauen. Märchen. Es war einmal ein junger, hübscher Bursche. Der war arm und wäre, gern recht mühelos zu Vermögen gekommen. Er ging daher zu einem Waldmännlein, das die verborgenen Schätze der Umgegend kannte, und bat. ihm doch einen solchen zu weisen. Der Alte sagte: Ich wüßte wohl einen: der wird aber von einem greulichen Wurm bewacht, den mußt Du erst besiegen." Wenn's weiter nichts ist," sagte der Bursche und machte sich stracks auf den Weg, den ihm das Männlein gezeigt hatte. Als er aber an die Höhle kam' und den Drachen erblickte, der wahrhaft schrecklich anzuschauen war, entsank ihm derMuth. Schon wollte er sich wieder davon machen, da rief das Unthier mit schmeichelnder Stimme: Bleib doch. Du schmucker Gesell! ich will Dir den Schatz gutwillig geben, aber unter einer Bedingung." Unv die wäre?" fragte jener. Du mußt mich dazu nehmen," sprach das Ungeheuer. Der Jüngling kratzte den Kopf und öesann sich lange. Endlich aber überwog die Gier nach den Schätzen. Er raffte all die schöne Habe zusammen und nahm den Drachen in sein Haus, das er mit dem erworbenen Reichthum gekauft hatte. So was passirt heute auch noch. Seine Idee. Er hatte nur eine Idee. Schrieb Werke, groß und klein; Es war die fixe Idee, Just Schriftsteller zu sein. Modern. Braut: Der Herr, der uns vorhin auf der Straße grüßte, war gewiß einer Deiner Gläubiger?" Bräutigam: Stimmt, einer der Bausteine Deines bräutlichen Glückes." Abgewinkt. Geck: Wirklich, ich träume Tag und Nacht von Jhnen!" Dame: D'rum sehen Sie auch so verschlafen aus!" Taktvoll. Warum engagiren Sie denn heute nur Mauerblümchen, Herr Lieutenant?- Ach, Wohlthätigkeitsball." Wenn wir für etwas keine Ausrede mehr finden, so sagen wir, wir hätten es aus Princip ge-tban.
Wie die eUjintfcn uns seyen. Von Cilex (Shanghai). Man sagt: Im Herzen sind alle Menschen gleich" und Zwischen den vier himmlischen Seen sind Alle Brüder". Mag sein; aber diese fremden Teufel sind eine ganz verschlageneSippschaft, einerlei wie man. ihnen bcg.iet. Ich habe von Kindesbeinen auf Manches von ihnen gesehen und hör!? noch ein gut Theil mehr von Freunden, die ihren Reis mit ihnen gegesscn haben und ich glaube, es wäre ein fruchtloses Bemühen, wollte man den Versuch machen, sie selbst und ihr Wesen begreifen zu lernen. Als ich noch ein kleiner Junge war, pflegte mich meine Mutter, wenn ich schrie, sehr schnell mit der Drohung zu beruhigen, daß sie mich den 2)ang Kneitze" geben würde. Damals glaubte ich, sie seien wirkliche Teufel. Was Wunder auch, wenn sie mit ihren fremdländischen Kleidern, mit ihren großen Händen und Füßen, mit ihren behaarten Gesichtern und großen rollenden Augen allen Kindern Angst und Schrecken einjagen! Man hört oft sagen, sie seien halb blind trotz ihrer starren blauen Augen, während Andere wieder behaupten, ihr Blick habe die Macht, die Berge zu durchdringen und die im Schooß der Erde verborgenen Schätze zu erspähen. Aber glaube mir. das ist alles Unsinn; sie können nicht besser und nicht schlechter sehen als Du oder ich. Was ihre Fähigkeit, die Schätze der Erde zu entdecken, anbetrifft, so ist an d?m Gerücht allerdings etwas Wahres. Dcnn was anders sollte sie denn sonst dazu treiben, ihre Heimath zu verlassen, wie sie es fortwährend thun, und in Dampfwagen und Schiffen, die 10 ja 20 und 30 Li lang sind, die Länder zu durchstreifen. Wenn Du fragst, warum sie herkommen, so antworten sie: O, nur zum Vergnügen!" und erwarten, daß man ihnen das glaubt! Sie tragen eine Art kurze Röhren mit inwendig befestigten Gläsern mit sich herum, die sie sehr häufig vor die Augen halten, um nach allen Richtungen auszuspähen. Nun, ich bin überzeugt, daß der Zweck dieser Instrumente kein anderer ist, als vermöge derselben mit dem Blick die Erde zu durchdringen und zu sehen, wo sich die Reichthümer der Welt verbergen. Man hört viel von den Wundern der fremden Länder, und doch müssen diese armselig und traurig sein. Denn wie könnten anders die Eingeborenen so klein davon denken, die Gräber ihrer Ahnen zu verlassen und eine Reise von 10.000 Li wie sie sagen nach unserem gesegneten Reiche der Mitte zu wagen, wenn nicht in der Absicht, Geld zu machen. Und sie machen Geld! Einige von ihnen sind so reich wie Shen-Wang-sang. Man sollte fast glauben, sie besäßen das Geheimniß der Alchymisten und wären Im Stande, alles in Gold zu verwandeln, was sie nur wollten. Andererseits bin ich aber berichtet, daß es auch noch einige Wenige unter ihnen gibt, die sich einen vernünftigen geraden Sinn b:wahrt haben und die sich von dem schändlichen Treiben ihrer Stammesgenossen fern halten. Einmal war ich auch in ihrer Stadt in Shanghai: Häuser drei, ja sogar vier Stockwerke hoch; glasglitzernde Fenster voll von kostbaren Dingen ; Straßen so breit wie ein Reisfeld und ein Gewühl von hin- und herfahrenden Wagen, durch das man gerade mit knapper Noth durchschlüpfen kann. Und dann eine Art von Tipaso in schwarzen Röcken an jeder Ecke, die Einen ordentlich zurechtstoßen: Da darfst Du nicht gehen, das darfst Du nicht thun, Vorsicht, stehen bleibe?., vorwärts ! Es wirbelt mir noch im Kopf, wenn ich daran denke. Man hat gar keine Ahdung. wie fein ihre Häuser erst inwendig sind. Im Winter zünden sie flackernde Feuer an, bis die Zimmer zum Ersticken heiß sino. Denn diese Menschen sind nicht so vernünftig, mit Watte gefütterte dicke Kleider und Pelze zu tragen, wie wir und wenn sie keine Kamine hätten, so müßten sie jedenfalls zu Tode frieren. Ein jüngerer Bruder von mir, der bei einem Eonful-Teufel Diener war und jetzt in Nanking einen Laden hat, erzählte mir von Allem, was und wie sie essen und trinken. Zuerst wollte ich ihm gar nicht glauben. Wie kann man sich auch Leute denken, die wo-chen-ja monatelang ohne einen Löffel Reis leben können! Dagegen machen sie sich nicht den geringsten Scrupel, Rindfleisch zu essen, und zwar in w?!cher Menge! Sie sind noch viel schlechter als die Hui-hui-Metzger, die d?c Ochsen für sie schlachten. Und Schafe essen sie auch. Sie riechen ordentlich nach Hammelfett. Jetzt wenigstens thun sie's sicher. Und jeden Tag ihres Lebens nehmen sie ein Bad, um den Geruch loszuwerden, aber es hilft nichts. Das Fleisch lassen sie sich nicht etwa in Würfel geschnitten auftragen, sondern in ganz großen Stücken, auch bedienen sie sich keiner Eßstäbchen wie vernünftige Menschen. Nein, mit scharfen Messern zerhacken sie es und spießen es mit vierzinkigen Gabeln auf; man glaubt Taschenspieler vor sich zu sehen. dieSchwerter verschlucken. Ohne Zweifel müssen sie sich manchmal ein Stück von ihrer großen Nase abschneiden oder sich mit der Gabel in die Augen stecken. Nie wischen sie sich das Gesicht mit heißen Tüchern ; das gilt bei ihnen für unpassend. Und dann sind sie in anderen Dingen wieder seh? eigentbümlich. So betrachten sie es z. V. für durchaus unschicklich, wenn sich Jemand bei Mahlzeiten allzu laut oder ohne Gebrauch eines Tuches schneuzt oder ausspuckt. Trotzdem waren sie es, die das Opium in unser Land brachten; leider, leider! Schlau genug sind sie, es nicht selbst zu rauchen. Doch trinken sie
j sehr gern schwere Weine. Pi-chu und
Weskl-chu und Shang-ping-chu. Dtes Shang-ping-chu ist nach ihrer Behauvtung ein großartiges Getränk. Sie wissen, was gut ist, die Taugenichts?. Das knallt wie eine Büchse, P'ang! wenn man eine Flasche davon aufzieht und beim Einschänken läuft es fast über, so stark kocht es. Einzig und allein das schwere Essen und Trinken macht die fremden Teufel so wild und rastlos. Sie befinden sich in einer fortwährender Hast: Kwai, Kwai, Kwai! Kaum ist eine Sache abgethan, da sind sie schon wieder bei etwas Anderem. Keinen Augenblick haben sie Ruhe. Wenn ein verständiger Mann wie Du oder ich daran denkt, sich einen neuen Pflug anzuschaffen, oder ein Kalb zu verhandeln, oder gar einen eingestürzten Theil seines Hauses wieder aufzubauen, so pflegt er sich die Sache reiflich zu überlegen uno nach allen Seiten zu erwägen und einen oder zwei Monate zu warten, ehe er sich entschließt. Bedachtsamkeit und Weisheit sollen stets Hand in Hand gehen. Aber das paßt dem Fremden nicht. Der muß Alles über's Knie brechen. Man sollte fast meinen, es stände ein Dämon hinter ihnen, der sie treibt, oder sie hätten keine Woche mehr zu leben, so ein teuflisches Temperament haben sie. Angenommen, Du machst eine Maurer-, Tischler- oder sonstige Arbeit für Einen von ihnen ; wer kann da was dabei finden, wenn Du Dich mal für eine halbe Stunde hinsetzest und rauchst i der von Zeit zu Zeit ein bischen plauderst? Das ist doch nicht mehr wie recht und billig ! Aber nimm Dich in Acht, daß Dich dcr Herr nicht erwischt; Du möchtest es sonst viellficht lieber mit einem wüthenden Tiger zu thun haben. Mit den Fremden bringst Du es viel besser hx tig, wenn Du warten gelernt hast. Ihr Zorn ist nur ein Strohfeuer und wenn sie sich wieder beruhigt haben, so sind sie meistens sehr gerecht, das muß man ihnen lassen. Gewöhnlich werden sie dann so gutmüthig, daß man sie im Handumdrehen zumBesten haben kein. So war ich bei zwei dieser fremd.'n Teufel in Diensten, mit denen w?k manchen Spaß hatten. Den Einen nannten wir nur den verrücktenFloh". weil er immer fo herumsprang, wenn ihn etwas quälte und der Andere hieß die hölzerne Flinte". Auch wenn sie sich amüsiren wollen, stellen sie sich ungeheuer toll an. Keiner von ihnen denkt daran, einen Drachen steigen zu lassen oder mit einer Lerche im Käfig hinauszuschlendern, um sie auf einem Grabhügel ihr Lied singen zu lassen. Aber ihre hochsten Mandarine kannst Du sich zu Kraftstückchen herausfordern sehen, wie bei uns grüne Jungen und gemeine Soldaten; in Booten rudern sie und haschen in hellen Haufen stundenlang nach einem hin und her geschleuderten Balle. Ich habe nie so etwas Lächerllches gesehen. Wenn sie lange genug zu Hause stille gesessen haben, so machen sie gerne große Märsche in einem geradezu wahnsinnigen Tempo, wobei sie stets ich weiß nicht ob zur Vertheidigung oder infolge einer religiöse'! Vorschrift einen Stock in der Hand tragen. Was Wunder, daß so eine phantastische Erscheinung draußen auf dem Lande immer eine ganze Meute kläffender Hunde hinter sich hat! Was aber noch verrückter ist: ohne die geringste Spur von Scham gehen die Männer bei helllichtem Tage mit ihren Frauen auf offener Straße spazieren. Und vollends toll ist, daß Herren und Damen sich durch Händedrücken begrüßen. Ist das nicht blühender Unsinn? Ich würde auch dies nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen mehr als einmal gesehen hätte. Aber nicht genug damit, sie sitzen sogar beisammen zu Tisch und die Frauen werden zuerst bedient, ganz entgegen der Ordnung der Natur. Was kann man nach alledem von ten Leuten erwarten, die am entlcgendsten Ende der Welt aufgewachsen sind? Sie kennen nicht die Grundzüge unserer Legenden, sie hörten nichts von unseren heiligen Gebräuchen, wie können sie da eine Ahnung von guten Manieren baben? Ich bin sicher, daß sie sich selbst oft gar nicht bewußt sind, wie ungebildet und roh sie sich manchmal benehmen; sie sind einfach Ignoranten, das ist Alles. Was in aller Welt mag sie nur v:ranlassen, diese .häßliche, enganliegende Kleidung zu tragen, die doch so wenig kleidsam, so lächerlich zugeschnitten und dazu so schrecklich unbequem ist? Diese Tracht ist doch wahrlich schon verrückt genug, aber ich kann Dir nockz etwas ganz Anderes erzählen. Mein jüngerer Bruder und Wang-Ling aus Ningpo, der bei mehreren Fremden Koch war. haben mir erzählt, daß zu großen Festen die Damen mit nackten Schultern erscheinen, entblößt bis hie '- her! Wahrhaftig, kein unwahres Wort daran! ' Sollten sie sich nicht schämen? Es scheint allerdings ein alter Gebrauch zu sein, der die armen Geschöpfe zu diesem - Aufzuge verdämmt,. gegen den sie nicht ankönnen. Wang-Ling meinte, das sei nun mal Gebrauch und kein Mensch nähme Notiz davon. Leute, die so denken .v?e er und schon auf dem Punkte, selbst Fremdlinge in der eignen Heimath zu werben! Männer und Frauen sitzen all: zusammen. Die Damen singen und musiciren. als ob sie dafür bezahlt würden und schließlich macht jeder Herr vor einer Dame eine Verbeugung und dann fassen sie sich an und sangen an, wie besessen herumzuwirbeln. Das thun sie aber nur bei ganz besonders festlichen Gelegenheiten. Doch da fäAt mir noch etwas ein, was ich Dir erzählen muß! Wenn bei ihnen ein junger Mann heirathet, Einige thun es nicht bevor sie 30 Jahre alt sind und -Andere bleiben überhaupt ganz ledig wenn also ein Mann heiratbet. so richtet er sich seinen txzt
nen Haushalt ein und laßt seinen al- j
ten Vater ohne Sohn, der ihm zur Hand geht und seine Schwiegermutter ohne Tochter, die ihr aufwartet. Aber wer von diesen Barbaren, das möchte ich wohl wissen, hörte jemals etwas von den neun Generationen des Ehang-Kung-i, die alle unter ein und demselben Dach zusammen lebten? Was wissen sie von unseren fünf Legcnden? Man könnte gerade so gut einem Schmetterling vom Nutzen des Eises predigen wollen! Ihre Gelehrten das sind die verrücktesten von Allen. Wenn mir nur Jemand erklären könnte, warum sie mit ihrer wunderlichen Weisheit hierherkommen, wo sie doch wissen müssen, daß unsere eigne Wissenschaft bei WeU tem die gediegenste ist. Aber sie sind ja wahrhaftig nicht einmal unter sich selber einig. Die Einen sagen, dies ist das einzig Wahre, das einzig Richtige und die Andern behaupten das directe Gegentheil. Soviel aber ist sicher, es ist Alles Blödsinn! Sie erklären, ihr einziges Ziel sei. die Menschen auf den Pfad der Tugend zu leiten, und halten uns für einfältig genug, daß wir so etwas glauben. Einige von ihnen sind berühmte Aerzte; da gibt es keine Krankheit, von der sie Einen nicht kuriren könnten, wenn Einem der Athem nicht zu früh ausgeht! Ich für mein Theil würde mich hüten, einem ihre: Doctoren zu nahe zu kommen. Es macht ihnen so viel Vergnügen, mit schrecklich, großen Messern ein bischer an den Patienten herumzuschneiden. Ich habe mir sagen lassen, daß sie Leichen die Augen ausschneiden, um daraus Mittelchen zu brauen, die ihnen die Kraft geben sollen, in die Erde zu schauen. Sei d:m aber wie ihm wolle, ich weiß von zuverlässiger Seite, daß sie einen wunderbar wirksamen Stoff haben, der aussieht wie Neismehl und z. B. Fieber und viele andere schlimme Krankheiten heilt. Hsin-Juan-tsi konnte ein Mädchen von 15 Jahren in eine alte Hexe verwandeln und umgekehrt. Aber die fremden Gelehrten übertreffen ihn weit. Die nehmen sich irgend einen Mann vor, dem sie eine Pille eingeben. Kaum hat er diese verschluckt, so verändert sich sein Herz. viaq außen steht er allerdings unverändert aus wie vorher, aber inwendig ist er um nichts mehr besser als so ein fremder Teufel. Er geht hin und zerjrümmert die Bilder seiner angestammten Götter, denkt nicht mehr daran, den Manen seinerVorfahren ein Feuerwerk abzubrennen, will nichts mehr von unseren Festen wissen und bekümmert sich nur noch um diese schändliche fremde Wissenschaft. Mit einem Wort: er ist zu Allem fähig! Einmal war ich an Bord eines ihrer Dampfschiffe und gerne möchte ich auch einmal die wunderbaren Wagen sehen, die, wie die verzauberten Wagen von Ko-liang, ohne Pferde und ohne Alles auf eisernen Schienen durch die Länder rollen. Als ich noch jünger war, pflegte ich überall umherzuwandern, um mich mit eigenen Augen zu überzeugen, ob die Geschichten, die man von entfernten Gegenden so oft erzählen hört, auf Wahrheit beruhen. Viel fand ich übertrieben, aber fast Alles hatte einen wahren Kern. Ich möchte aber noch . die Leute sehen, die in einem Korb, wie von magischer Gewalt gehoben, in die Luft fliegen; und die Negion besuchen, wo die Lust so dünn ist, daß eine Feder ebenso schnell zu Boden fällt, wie ein Stein, und das Land, wo einMann einen 100 Li und weiter entfernten Freund sprechen hören kann und das Reich, wo alle Leute ein Loch in der Brust haben, sodaß sie keine Tragstühle brauchen, sondern sich einfach an einem durchgesteckten Bambus tragen lassen können, und die Menschen, die ihren Kopf auf Eommando fortfliegen lassen können und vieles Andere, wovon man ab und zu mal etwas vernimmt. Leider aber sind diese Merkwürdigkeiten alle so weit entfernt und wenn man sie wirklich auch gesehen hätte, so würde man deshalb doch um keinen Cash besser sein. Und außerdem, wie sagt das Sprichwort: Es ist leichter, die Heimath zu verlassen, als zurückzukommen." Wir müssen wirklich dem Himmel danken, daß ?r uns zu dieser Zeit gerade in dem mäcktigen und gesegneten Reich der Mitte in ruhigem Glück hat geboren werden tussen, statt daß wir nöthig hätten, uns nach draußen zu sehnen. Und wenn es auch nichts anderes Fesselndes in unseremVaterlande a'äbe, so heißt es doch: das Vaterhaus ist ein Palast! Shib, pu shih? Trotz zerrissener Sitefei. Humoreske von Ernst Lustig. Ferdinand Rothschild betrachtete mit wehmüthigem Gesicht seine zerrissenen Stiefel. Ist das eine Nichtswürdigkeit des Schicksals, gerade das Oberleder vorn an der Spitze muß reißen! Wie kann ein Gentleman mit zerrissenen Stiefeln erscheinen? Für Alles gibt es eine Entschuldigung, eine Ausrede, nur für defekte Fußbekleidung nicht. Und heute soll ich, muß ich mit der einzigen Nelly Förster promeniren. Sie gibt mir ein Rendezvous im Stadtpark; ich kann den Himmel, der mir in Aussicht steht, die Seligkeit, welche mir winkt, nicht durch mein Ausbleiben verschmerzen. Was schreibt denn nur mein Herzblatt: Lieber Ferdinand! Es wird Zeit, daß ich Dich wieder einmal sehe meine Seele sehnt sich nach Dir, ach, wie sehr! Mein Cerberus. Madame Garnier, Du kennst sie ja, die alte französische Gouvernante, hat vom cher Papa" ein paar Tage Urlaub bekommen und ist abgereist zu einer erkrankten älteren Tante. Denke Dir, wenn Madame Garnier von einer älteren Tante spricht, wie alt muß die sein! Und nun können wir uns ungestört und unbewacht seben und küssen!
Küssen? Dürfen wir das. Du süßer Ferdinand? Ach gewiß, gewiß, wir haben uns ja so lieb! Morgen Vormittag 10 Uhr erwarte ich Dich oder Du mich wer zuerst kommt, wartet an der bewußten Stelle, dem bemoosten Amor im Rondel des Stadt Parkes. Tausend Küsse sendet Dir Deine ungeduldig Irrende Rellie Försters ' Ferdinand Rothschild faltete da? Billet forgsam zusammen und steckte es in seine Vrusttasche. Dann holte er sein Portemonnaie hervor, um sich wer weiß zum wie vielten Male zu überzeugen, daß es leer sei. .Aber auch keinen Nickel! Es ist zum Verrücktwerden! Auch der Schuster pumpt nicht mehr! Was nützt alles Zaudern und Erwägen; auf in den Kampf Torero! Die Uhr schlägt ein Viertel nach Neun, bis ich in den Stadtpark komme, hat der Zeiger seinen Lauf vollbracht. Dcr Weg zur Seligkeit ist ein dornenvoller, mir scheint das Geschick diese Dornen in Gestalt zerrissener Stiefel bescheert zu haben." Rasch fuhr er in die Futterale seines Zornes und tänzelte zur Thür hinaus. Auf dem Wege durch die Straßen schielten seine Augen unablässig nach den Rissen seiner Glanzledernen. Endlich war der frühlingsknospende, grünende Park erreicht, unr als er jetzt in der Nähe des Rondels das helle Kleid Nelly's durch die Büsche schimmern sah, eilte er mit beschleunigten Schritten zu seiner Angebeteten, die ihm schon aus einiger Entfernung mit Heller Stimme zu--rief: Guten Moroen, liebe: Ferdinand!" Einige Sekunden darauf hielt er sie in seinen Armen. . Bald war das Geplauder in vollenr Gange. Plötzlich aber tippte sie mit ihrem bunten seidenen Schirm auf seine Stiefelspitze. Sag' mal, liebster Ferdinand, loarum trägst Du denn solche Stiefel? Da war das gefürchtete Schreckgespenst. das ihn den ganzen Morgen verfolgt! Er erröthete bis unter dieHaarwurzeln. Ich habe ich habe ich mußte: habe ". stammelte er verwirrt. Plötzlich ertönte ein höhnisches Laschen in ihrer unmittelbaren Nähe, der Kies knirschte unter schweren Schritten, und der alte Förster, Nelly's V ter, stand vor den Beiden. Nelly warf den hübschen Kopf stolz in den Nacken und, Ferdinand vorstellend, sagte sie ruhig: Herr Rothschild, mein Verlobter! So hm also Dein Verlobter;ich kann nicht sagen: mir sehr angcnehm! Junger Mann, was sind SU?" Humorist." Ah, so ein zweiter Kalisch!" höhnte der Alte. Nein, ein erster!" Nelly puffte Ferdinand leise in die Seite. Herr Rothschild, Sie haben einen klangvollen Namen; sind Sie mit den Rothschild's verwandt?Ich habe von der Sippe nichts als den Namen." Haben Sie Vermögen?" Ich bin der reichste Mann der Welt." O ha, wieso?" Ich nenne ein Weibchen mein, das einen Perlenhort in seinem Herzen birgt." Nelly erröthete; über die Züge dcS alten Försters stahl es sich wie ein leichtes Lächeln. Sie können doch nicht glauben Herr Rothschild," knurrte er, daß ich meine Tochter dem Ersten Besten gebe!" . Wenn der Erste der Beste ist, wa rum denn nicht?!"
Wieder fühlte er den ermunternden? Puff Nelly's. Warum tragen Sie zerrissene Stiefel?" inquirirte der Alte weiter. Die Stiefel? Sie platzten heute Morgen, als ich mir meine neuesto Humoreske vorlas. Einen Äugenblick war der alte Fürster starr; als ?r aber das silberhelle Lachen Nelly's hörte, erfaßte es auch ihn, und zu dem jungen Mann gewen det. sagte er unter Prusten: Herr Rothschild, wenn Sie auch weiter nichts besitzen, als diese olympische Unverfrorenheit, so kommen Sie durch die Welt. Nelly, er ist Dein; seid glücklich, Kinder!" Bester, liebster Vater!" Einzigster Schwiegerpapa!" Es ist gut, Kinder!" So kam Ferdinand Rothschild iroh zerrissener Stiefel zu einer reichen Frau. Moderne Bekanntschaft. Herrn Müller kennen Sie doch, Sie wohnen ja schon ein paar Jahre in seiner Nachbarschaft?" Nur so vom Vorbeiradeln her." Kategorisch. Tourist: Ja, warum woll'n S' denn mich 'nauswer, fen, ich mach' doch gar nichts." Eben deshalb, entweden raufen S' mit, oder schauen S'. daß fortkommen." Der beste Beruf. Der mit Töchtern gesegnete Herr Revisor legt. Werth darauf, daß diese alle etwasPraktisches lernen. Die eine ist Tel,--phonistin, andere lernt tüchtig sik, die dritte bildet sich zur Lereriyaus. Ein Bekannter fragt einst Jüngste: Nun Sopherl, was willst Du denn werden?" Sopherl: Geheirathet will ich werden!" JmGcdränge. Herr (zu einem vor ihm Stehenden): Ach här'n Se. entschuld'chen Se, Se steh'n ja uff meine Hihneroochen!" Nehmen Se mersch nich ibel, ich dachte, 's wär t Bflasterscktein!"
