Indiana Tribüne, Volume 21, Number 132, Indianapolis, Marion County, 30 January 1898 — Page 6
WorMrme in Fommcru. Alles in allem genommen, kann sich auch unsere schönste moderne Großstadt in der malerischen Wirkung mit einer Stadt des Mittelalters nicht messen, und was sie auch an trefflichen Verkehrseinrichtungen. hygieinischen Vorkehrungen und Schmuckanlagen vor jenen voraus haben mag, i:?-diesem letzten Stücke bleibt sie hinter ihren alte?en Schwestern zurück. Arm an Kirhen, arm an Thürmen, des zinnengekrönten Mauergewandes entbehrend, bietet das moderne Städtebild verhältnißmäßig nur wenige Ruhepunkte für das Auge, und die Häuserzeilen der Prachtbauten, die villenbesetzten Vorstädte nehmen sich aus wie Goldadern im grauen Urgestein. Städte, welche uns eine annähernd richtige Vorstellung von der malerischen Schönheit der mittelalterlichen Stadtanlagen geben, sind recht selten geworden, nur der Süden Deutschlands birgt noch eine Anzahl Städte mittelalterlichen Gepräges. Das altehrwürdige, burggekrönte Nürnberg, Äas hunderthürmige Köln, das zinnenumwobene Rothenburg ob der Tauber sind die Schönsten der Schönen im Kranze der alten deutschen Städte. Im Norden geben Danzig und Lübeck eine Ahnung längst versunkener Herrlichkeit, im Ganzen aber weisen die
& ( ii ffi w 1 1 I A . f p U stnl Vh ?bl 4 f TMl5 df luiWf ' i o-Jm'(
Thor z u Gollnow. 'Nordprovinzen des Reiches, vor allem Pommern, nur noch spärliche Reste ehemaligen Städtegla.nzes auf. In Pommern geben, abgesehen von jenen gewaltigen Backsteinkirchen, welche in fast allen größeren pommerischen Städten erhalten sind, einnz noch die Reste der einstmal-- "tcrdtbefestigungen einen B Mf von der Bedeutung der Städ.e im ausgehenden MitWalter. Unter den Ueberbleibseln der clttn Städteherrlichkeit nehmen die sogenanntenThorthürme den ersten Platz ein Solche Thorthürme, zur großen Mehrzahl im 15. Jahrhundert errichtti, finden sich noch heute in Stargard, Pyritz, Pasewalk, Usedom, Lauenburg, Grimmen, Stralsund, Gülzow, Garz und anderen Orten sonst. An Gestalt ungemein vielgestaltig, bald auf quadratischer, bald auf kreisrunder, seltener auf polygonerLasis erbaut.bald die Form der Basis bis zum Helmansatz beibehaltend, bald in halber Höhe aus dem Cylinder in die vieleckige Pfeilerform übergehend, oder umgekehrt aus dem Viereck in die Rundung überspringend, sind sie im Unterschiede von den -plumpen, schmucklosen Hausteinthürinen Mittel- und Süddeutschlands in geschmackvollster Weise durch aufgeblendetes Nahmenwerk und Linienmuster in bunten Glasursteinen dekorirt, ihre Flächen durch Lisenen und Das Semlowerthor in Stralsund. 'Nischen, ihre Aufsätze durch Ziergiebel und Filialen belebt. Die Absicht. Macht und Reichthum der Stadt dem .Fremden schon gleich beim Eintritte '.vor Augen zu führen, tritt in dieser prunkvollen Ausstattung der Thürme deutlich zu Tage, und die glänzend ausgestatteten Mauer- und Thorthürme auf dem Panzerkleide der kraftbewußten, trotzigen Stadt, hatten demnach denselben Sinn, den die DamaZcirung und Ciselirung auf den SchutzWaffen der vornehmen Ritterschaft hatien. Städte und Ritterschaft waren im Besitze der Macht und wollten sie durch glänzende Erscheinung Freund und Feind vor Augen führen. Der vornehmste praktische Zweck al7er dieser großartigen Thorthürme war selbstverständlich die Sicherstellung der Thore vor feindlichem Angriffe. Die "Thore als die natürlichen Zugänge zu 'dem Stadtinnern bedurften der besonders sorgfältigen Verwahrung, denn -auf sie mußte bei plötzlichem Ueberfalle oder auch bei regelmäßiger Belagerung der Angreifer sich zuerst werfen. So wurde auf die Befestigung der Thore die größtmögliche Sorgfalt verwendet. Ständig stationirte Wächter hielten in unsicheren Zeiten und die Zeiten des 14. und 15. Jahrhunderts, die Zeit -der Städteblüthe in Deutschland, waxtn eigentlich fortgehend durch Fehden beunruhigt scharfen Auslug. Nahten verdächtig ausschauende Bewafflitte, so gab der Wächter das Zeichen zum Aufziehen der Zugbrücke und das Alarmsignal für die Mannschaften auf den Mauergängen und Wehrthürmen, den drohenden 'Ueberfall abzuwehren. War die Stadt vom Feinde eingeschlos-
StfiJii2i 1 11 1 1 uiSHSS ternfa-l X S
sen worden, so ruhte abermals die Hauptverantwortung auf den Schultern der Thorthurmöesatzung. ' Sie hatte jeden Versuch der Bürgerschaft, durch einen Ausfall sich Luft zu verschaffen, zu decken, gewiß eine Aufgabe, die alle Aufmerksamkeit erforderte, drin wie leicht konnte es geschehen, daß bei einem zurückgeschlagenen Durch bruchsversuch mit den geschlagenen Vertheidigern der Feind zugleich in die Stadt gelangte. Da galt es den rechten Augenblick abzupassen für die Lockerung des Fallgatters, daß es in dem Augenblick herniedersauste, da der letzte Bürger die, Thorhalle betreten. Allzu hitzig anstürmenden Femden wurde wohl auch der Rückzug abgeschnitten, wenn sie im Eifer des Gefechts dieses verborgenen Thorverschlusses vergaßen. Kein einziger Thorthurm Pommerns hat das Fall gatter mehr, aber an einzelnen, z. B. an dem zu Kammin, ist die Vorrichtung noch deutlich erkennbar, welche zur Aufnahme und Handhabung des Gatters diente. Richtete derVelagerer seinen Angriff nicht gegen das Thor, sondern gegen die Mauer, und gelang es ihm, von hier aus in die Stadt einzudringen, so boten die Thorthllrme den Geschlagenen den letzten Zufluchtsort, dessen Behauptung bei schnell vorübergehendem Kriegswetter den Belagerten in mehr als einem Falle geglückt ist. Die besondere Festigkeit der Thorthürme und eine Reihe Vorkehrungen, welche zu ihrem Schutze getroffen waren, erleichterten die Vertheidigung derselben. So haben die wenigsten Thorthürme Pommerns einen Zugang zu ebener Erde, sondern zumeist führt eine oder mehrere Etagen hoch eine kleine Pforte in ihr Inneres. Die Gewölbe der Thorhallen, V. bei den Stargarder Thürmen, zeigen eine große Oeffnung. offenbar dazu bestimmt, allen unwillkommenen Eindringlingen von oben her einen heißen Gruß zu entbieten. Hatte sich, wie das die Regel war, die stark befestigte Stadt gegen die unvollkommenen 'Angriffswaffen ihrer Bedränger gehalten, so entfaltete sich nach dem Abzug des Belagerungsheeres in den Thorthürmen das regste Leben; dienten sie doch auch zugleich als Arsenale und Vorrathsspeicher; es mußten aus ihnen die durch die Vertheidigung nothwendig gemachten Abgänge an Waffen und Proviant wieder complettirt werden. Schien der Friede
i ( y D iRff jMHMA
Stadtthor in Lauenburg. ausnahmsweise einmal auf längere Zeit gesichert, so wurden von einem haushälterischen und wohlgesonnenen Magistrate die Kasematten der Thorthürme gegen billigen Miethzins an arme Bürger vermiethet. Die Thorthürme als Schlüsselpunkte der mittelalterlichen Festungen unterstanden der obersten Stadtbehörde, dem Magistrate, der wohl auch zu Kriegszeiten einem angeworbenen Söldnerführer das Obercommando über die städtischen Mannschaften und Festungswerke überließ. In einem wie dem anderen Falle aber mußten allabendlich die Thorschlüssel zu Händen des Schlüsselbewahrers" abgegeben werden. Nach dem Ermessen der Stadtbehörden wurden die Thorthürme auch zu besonderen polizeilichen und strasrichterlichen Zwecken mitbestimmt: Vekanntlich spielte im mittelalterlichen Rechtsverfahren die Verweisung auf äW rn iOPfZit "V" wm Der Kiek in die Mark" in Pasewalk. Zeit- eine große Rolle. Der Thorwart hatte darüber zu wachen, daß die der Stadt Verwiesenen sich pünktlich entfernten und sich nicht etwa heimlich wieder einschlichen. Neben, der Beurkundung des Personenstandes lag dem Thorwächter dann zum anderen auch die Vereinnahmung der Brücken- und Wegegelder undControlle über die Einfuhr fremder GeWerbeprodukte ob. Die Zolleinnahme und Waarencontrolle an den Thoren gab dann auch die Veranlassung, die stadtüblichen Maße in figura" an den Thoren anzubringen, so wenigstens erklärt sich am einfachsten das Vorhandensein verschiedener Gemäße an alten pommerschen Thorthürmen, z. B. die verschiedenen Scheffel an dem 1610 abgebrannten Holzenthore zu Stolp und eben diese Erscheinung an dem ebenfalls zu Grunde gegangenen vPassowschen Thore zu Stettin. Die Thorthürme hatten demnach den Charakter amtlicher Aichstätten. und Ux Thor-
r
hrUAC
1 0 I J7"-v I WT vU" Ä mi
.
m,SStmf
;niiX3rB I
1 1
w
11
Die AussteMmg in Amaya.
Von der Frauenbehörde der Ausstellungs - Gesellschaft geht die Idee der Errichtung eines Gebäudes für die Trans - Mississippi Ausstellung in Omaha aus, dessen Kosten im Wege freiwilliger Beiträge seitens .der in Trans - Mississippi Region lebenden Schulkinder aufgebracht werden sollen. Unser Bild zeigt das erwähnte Gebäude, zu welchem der Omaha'er Architekt Thomas R. Kimball den Plan entworfen, nach seiner Vollendung. DasKinder Das einstöckige Gebäude wird dieForm des Buchstaben " erhalten, dessen breite Seite die Front bildet. Die Letztere wird 100 Fuß lang und 60 Fuß tief werden; daran schließt sich der nach rückwärts verlaufende Mittelbau, 50 Fuß lang. Dieser Mittelbau kann, nach Bedarf, ohne Rücksicht auf den übrigen Theil desGebäudes, verlängert werden. Das Dach des Gebäudes wird flach gestaltet und ist bestimmt, einen sögenannten Dachgarten, in welchem ein Restaurant betrieben wird, aufzunehwart war Polizciinspektor. Zollwächter und Aichmeister in einer Person. Doch damit nicht genug, machten die alten Stadtverordnungen den vielgeplagten Mann auch noch zum Gefangenwarter. Die unteren Gelasse der Thorthürme waren des öfteren zu Gefängmssen eingerichtet, welche zwar nicht zur Verbüßung längerer Freiheitsstrafen, wohl aber zur augenblicklichen Unterbringung von Jnhafnrten dienten, mithin das waren, was man heute Polizeigefängniß nennt. Die zu längerer Einkerkerung Verurtheüten Thor in Stargard. wurden in der Regel auf die Mauerthürme verbracht und zwar auf solche,' welche durch ihre exponirte Lage ein Entweichen der Gefangenen am ehesten auszuschließen schienen, eine Sicherheit, welche die durch den Passantenverkehr belebten Thorthürme nur in sehr unvollkommener Weise zu bieten geeignet waren. Als späterhin die Tortur in die deutsche Rechtspflege aufgenommen wurde, waren es abermals die Thürme, in welche man den grausigen Akt der peinlichen Frage" verlegte, doch hat man auch in dieser Beziehung von der Benutzung der Thorthürme aus dem eben genannten Grunde Abstand genommen und hat ausschließlich Mauerthürme als Torturthürme verwendet. Wurde ein durch Richterspruch Verurtheilter vom Leben zum Tode gebracht, so wurde die Hinrichtung zumeist in der unmittelbaren Nachbarschaft der Thorthllrme vollzogen, und Stettin wird nicht die einzige pommersche Stadt sein, welche eine Galgenwiese" direkt vor ihren Thoren hat. War das blutige Schauspiel vorüber, dann erschien der Nachrichter, Einlaß begehrend beim Thorthurmwart, um die Häupter der Gerichteten an eisernen Spindeln auf dem Zinnenumgang des Thores zum warnenden Exempel auszustecken, ja die Fälle waren nicht selten, daß in fürchterlichster Pedanterie der Buchstabe des Gesetzes erfüllt und die Gliedmaßen der Gevierheilten an die vier Ha!?ptthore zur Ausstellung vertheilt oder die Asche der Verbrannten von den Altanen der Thore aus in die vier Windrichtungen -zerstreut wurde. Stadtthor in Usedom. So sehen wird die verschiedenartigsten mittelalterlichen Kultur - Erscheinungen in der engsten Beziehung zu den Thorthürmen stehen, und wir dürfen sie mit Recht als stumme, aber be redte Zeugen ansehen, welche uns von der Macht und der Ohnmacht, den Sitten und den Unsitten ehemaliger deutscher Städteblüthe erzählen. Hieb. Schwiegermutter: Wer war eigentlich Perseus?" Schwieger, söhn: Auch ein Drachenbckämpser
L ls c ft ti . rJ - n üÜ L i
C jtos ' , .rn ,M 7771 1 (4tfJWlTf
men. Die Vorderseite des Gebäudes enthält im Mittelpunkt einen hübsch entworfenen Eingang mit eindrucksvollem Säulenschmuck, und durch denselben gelangt man in den Hauptraum des Gebäudes, eine geräumige Halle, mit einer Gallerie, von welcher man eine Uebersicht über die innere Eintheilung des Gebäudes gewinnt. Der rückwärtige Theil des Gebäudes wird als Kinderbewahranstalt eingerichtet, d. h., Frauen, welche mit kleinen Kindern die Ausstellung besuchen, können diese dort
- Gebäude. unter sicherer Obhut lassen. Außerdem sollen noch Toiletten - Räume, Spiel Plätze für die Kleinen, und dgln., geschaffen werden. Die Kosten des Km der - Gebäudes werden sich auf $5000 belaufen; ein gut Theil dieses Betrages ist bereits ausgebracht und die Frauen, in deren Händen das Arrangement die ser Sache liegt, haben keinen Zweifel, daß die benöthigte Gesammtsumme verhältnißmäßig leicht zu beschaffen sein wird. Die Frau Rath Mann. und ihr - Klassischer T r o st. Gläubiger (wüthend): Also immer noch kein Geld? Glauben Sie, es macht mir Vergnügen, jetzt im Winter, bei Schnee und Regen zeden Tag hierherzulaufen?" Schuldner: Na, beruhigen Sie sich, Meister es muß ja doch einmal Frühling werdet!" Eine Naive. h" Ich weiß nicht, unserem gnädigen Fräulein stehen alle Hüt' so fesch, und mir will keiner Passes . . .!" Baderfolg. Karl (bekommt von seiner Mama, seit sie wieder vom Bade zurück ist, die ersten Hiebe. Als die Ezecution zu Ende ist, sagt er leise u seinem Brüderchen): Du, die Mama ist recht gekräftigt aus dem Bade .urückaekehrt!" Getrübte Freude. Also der Veigelstock hat Jhnm, als einem alten Kunden, die Hose, die Sie ihm abkaufen wollten, geschenkt da roar Ihre Freude wohl groß?" Tulpenthal: Wie heißt, Freude groß wo ich nicht konnt' um die Hose handeln!" Schwerwiegend. Anna: Nun weiß ich nicht, soll ich den Mathematiklehrer oder den Geographielehrer nehmen?" Ella: Nimm den Geographielehrer, der weiß doch wenigsiens bei der Hochzeitsreise Be-scheid.-
jj;
-r-
1 I jts' Ttvl 7, m ''s Xo 's- ' mWrnM il VaA lt 1 m 1 IK-wA ' '7 A t I 1 1 l 1 "'s ' . jt
Zn der Hanzstundc. Von P. FelS. Doctor Sicinhauser geht über die Promenade dem Stadtgartcn zu. Er bat seinem Töcbtercken üilla. dem er
seit dem Tode ihrer Mutter keinen Wunsch mehr abschlaaen kann, versprochen, sich die vielgerühmte Tanzstunde anzusehen. Schon von ferne tonen lym die fröhlichen Tanzweisen entgegen. Man scheint die Quadrille einzuüben," denkt der Doctor, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Erinnert er s'ch daran, daß auch er scbon dort oben einst die ersten Anfangsgründe in der edlen Kunst des Tanzens gelernt? Ja, seine Gedanken weilen bei jenen schönen Stunden, Qls er es sind nun schon über zwanzig Jahre mit Regierungsraths Lene dort oben sich im Kreise gedreht. Es war eine schöne Zeit, die Zeit der ersten Liede, die nur zu schnell ein Ende fand. Unvermerkt ist er die Treppe hinaufgestiegen und steht jetzt in der Garderove. Durch die Glasthur kann er den ganzen Saal überschauen. Sieh, da ist auch die Hilla, dort im zweiten Carr6. Wie sie sich eifria mit dem iunaenöerrn unterhält. Das ist also ihr Bewunderer , denkt der Doctor; ganz hudscher Bengel. Wer mag das nur sein? Der junge Mann kommt mir so bekannt vor." Doch, er kommt nicht weit in seinen Grübeleien; die Quadrille ist zu Ende und setzt ist Pause. Der Doctor tritt ein und geht durch den Saal, der noch angefüllt ist mit lachcnoen, piauoernden Pärchen, um sich in dem nebenliegenden, für die Ballmütter- und Anstandsdamen" bestimmten Raum zu placiren. Hier stößt er auf seinen Kobold Hilla, die sich mit ihrem Cavalier unterhält. Beim Anblick des Vaters bricht sie in einen Freudenruf aus: Wie schön, daß Du gekommen bist!" Nun, nun," meint der Vater, was man versprochen hat, muß man auch halten! Doch wer ist hier DeinRitter?" fragt er dann weiter, da er seine Neugierde nicht länger beherrschen kann. Hilla beweist jetzt, was sie in der Tanzstunde gelernt hat, und mit dem Tone der selbstbewußten Salondame vermittelt sie innerlich zitternd die Vekanntschaft: Herr Paul Storm mein Vater." Storm", murmelte der Doctor. sind Sie denn verwandt mit " Jawohl," fällt der jungeMann ihm in's Wort, der Sohn Ihrer Jugendbekannten, wie ich erst heute Abend von meiner Mutter erfuhr, als ich Ihr Fräulein Tochter mit ihr bekannt machte. Dort sitzt sie". Jäh sah sich der Doctor herumgewandt, und sein Blick begegnet zwei schwarzen Augen, die sich bei seinem Eintritt auf ihn geheftet. Wie ein Jüngling eilt er auf die stolze, söne Dame zu, die bis in die Lippen blaß geworden ist. Lene , gnädige Frau. welche Ueberraschung! Wie lange haben wir uns nicht gesehen!" Lange ist's her. Herr Doctor, und trotzdem hatte ich Sie sogleich erkannt, als Sie in den Saal traten," lautete die Erwiderung. Er zieht einen Stuhl heran und setzt sich an ihre Seite, um sie prüfend anzuschauen. Ja. sie ist äußerlich noch die Lene der früheren Jahre, nur ist aus dem schlanken Mädchen eine Zmponirende Erscheinung geworden, der man aber durchaus nicht ansieht, daß sie die Mitte der Dreißig schon überschritten. Was ist er doch für ein alter Mensch gegen sie. er mit seinem grauen Kopf! Als die Tanzstunde zu Ende ist. hat Paul das Vergnügen, seine Hilla fo nennt er sie schon im Stillen noch ein Stück Weges begleiten zu dürfen, da Storms nicht weit von Dr. Steinhausen wohnen. Der Doctor hat galant seiner Jugendfreundin, wie er sie immer titulirt, den Arm geboten, damit sie auf der glatten Straße eine Stütze habe". Ganz versunken sind die Beiden in alte Jugenderinnerungen und können daher nickt bemerken, daß Paul verstohlen das zarte Händchen seiner Dame" drückt. Seit diesem Abend ist des Doctors Abneigung gegen den Lärm der Tanzstunde völlia aeschwunden. JedenAbend ist er dort, freilich nur der Hilla wegen, . wie er sich selbst beruhigt; er kann vocy das arme Ding, das keine Mutter mehr hat. die sie begleiten kann, nicht so ganz ohne Schutz dorthin gehen lassen. Er trifft dort auch nebenbei seine Jugendfreundiir" und kann mit ihr einige angenehme Stunden verplaudern. Doch Woche um Woche schwindet. und eines Abends muß der Aoctor seinen Gehrock anziehen, denn er ist jetzt der Arbeit enthoben, die Hilla zu beaufsichtigen, da es gilt, den Schlußball zu feiern. Und als endlich am frühen Morgen der Ball mit dem Kehraus fein Ende gefunden, gehen Storms und der Doctor nebst Hilla natürlich wieder zusammen nach Haus. Paul ärgert sich gewaltig, daß ihm trotz seiner Bemühungen, einige Schritte zurückzubleiben, dieses gar nicht glücken will; den.: die Zwei gehen zu langsam", wie er sich zu Hilla ausspricht. So, nun ist die schöne Zeit um," meint Lene. Der Doctor greift in Wort heraus: War sie schön die Zeit? Schön auch für die Balleltern?" fragt er und sucht die-Antwort in den Augen seiner Begleiterin zu lesen. Die Antwort muß ihn wohl besriedigt haben, denn als Paul an einer Straßenecke sich rasch umsieht nach den Beiden, ob sie weit genug zurückgeblieben sind, da glaubt er zu seinem Erstaunen ganz sicher gesehen zu haben, wie der Doctor seine Mutter geküßt hat. So kam's, daß Paul bald darauf wieder einen Papa und Hilla eine Mama erhielt, und daß Paul einige Jahre später in seinem Papa seinen Schwiegervater und Hilla in ihrer Mama zugleich ihre Schwiegermutter begrüßen durfte.
Der Klapperpc'ln. Die arrrfo elsässiscke Industriestadt
Mülhausen gilt als der stärkste Sitz französischer Svmvatbien in den deutschen Reichslanden. Es sind dort die reichen zZabrikcmten, d:e, obwohl deutschen Ursprungs und deutsche Namen tragend, sich als Franzosen gebärden und durch ihren Einfluß die 'Franzoselei aufrecht erhalten. Und doch ist Mlllhausen von jeher eine echt deutsche Stadt gewesen, bis auf 73 Safire fran zösische? Herrschaft. Schon 1168 eryielt es die Rechte einer deutschen Reichsstadt, aehörte von 1515 bis 1797 dem Schweizerbunde cm und wurde dann durch die franzosische Republik aezwunaen. sich dieser anzuscklienen. Bei Frankreich verblieb die Stadt bekanntlich bis 1871. Während dieser Zeit ist sie allerdings groß geworden, zur ersten Industriestadt Elsaß-Loth-rinaens heranaewachsen irnd hat sich weit über die frühere enge Umgrenzung ausgebreitet, aber im alten Stadtkern zeigt sie noch echt deutsche Baudenkmä fsY. u SSo&äx im l5 taitati. Xtni:4tw 3ttÄnfW.urLfnna r i B5k? Zu5m!öHadal nsr 5 ya te4 mt J) U - . - v. . tt r Der Klapperstein. ler; das schönste darunter ist das zweistöckige Rathhaus, 1551 bis 1553 erbaut. Im Saale desselben sind die Wappen der Schweizercantone angebracht, und an der Außenseite befindet sich eine Inschrift, welche die Geschichte der Stadt bis 1515 in deutschen Reimen erzählt, sowie der Klapperstein, ein charakteristisches lleberblelbsel deutsch - mittelalterlicher Rechtspflege. Der Klapperstein ist eine an einer Kette hängende steinerne Fratze, die, wie die darüber angebrachte Inschrift besagt, zur Bestrafung von Verleumdern, Ehrabschneidern, vor Allem aber von zänkischen und klatschsüchtigen Weibern diente. Den Schuldigen wurde die Fratze um den Hals gehängt, und sie dann durch den Henker oderBüttel zum allgemeinen Hohn und Spott durch die Stadt geführt. Elektrische Wagcnbelcuchtung. Der beweglichen Beleuchtung vermittelst Elektricität stand bis vor nicht langer Zeit der Umstand entgegen, daß die mit flüssigen Säuren gefüllten Accumulatoren sich nicht bewährten, weil ihnen die Erschütterungen, denen sie beim Reiten, Fahren u. s. w. ausgesetzt waren, schadeten. Durch die Erfindung des gelatineartigen Elektrolyts, snd die bisher verwendeten Accumulatoren anhaftenden Mängel und Uebelstände vollkommen beseitigt. Der gelatineartige Elektrolyt wird dargestellt durch Mischen von Schwefelsäure mit Wasserglas unter Beimengung von Asbest. Er verleiht, vermöge seiner, dem geronnenenLeim ähnlichen Festigkeit. den im Accumulator bcfindlichen Platten einen großen Halt, bewahrt sie vor dem Losewerden, und macht denAccumulator auf diese Weise geeignet, den beim Radfahren und Reiten ausgesetzten Erschütterungen mit Erfolg zu widerstehen. Indem er etwa K'kmmetlaterne. lose gewordene Massetheilchen (Bleiozyd) an ihren Plätzen festhält und nicht herunterfallen läßt, verhindert er den so gefürchteten Kurzschuß im Accumulator, der bei anderen Systemen leicht vorkommt und die Accumulatoren vorzeitig entladet. Der deutsehe Kaiser hat seinen Wagenpark bereits mit der neuen Beleuchtungsmethode versehen. Die Hoflieferanten Wensly & Stcinbrink, Wagenlaternenfabrik, Berlin, hat für die kaiserlichen Viererzüge Kummetlaternen und für 36 andere kaiserliche Gefährte Deichsellaternen geliefert, die sich vorzüglich bewähren. Diese Einrichtung bewirkt, daß der Weg ca. 30 Yards vor den Pferden tageshell erleuchtet ist und giebt Führern und Pferden eine große Sicherheit, selbst ganz junge Pferde gehen mit dem Lichte ruhiger als ohne dasselbe im Dunkeln. Der unter dem Kutschersitz angebrachte Accumulator wiegt ca. 50 Pfund und giebt 20 Stunden Licht. M a n ch e r ist Pessimist, weil die Sonne auch auf die anderen strahlt. Der richtige Streber hängt den Mantel nicht nur nach ton Winde, er hat auch verschiedene Mäntel in Bereitschaft. . Ein Dämpfer. A.: (Dichterling). Ich glaube, ich habe eine poetische Ader in mir!" B.: Gehen Sie doch mal zu einem tüchtigen Arzt!"
Das humoristische Kroko, dil.
r I kl?S - Jr BKMr J. AM
i. 2. I G . yJ4wj yg te2kl'l ' 3. Der erste- Kuß. . -SSFWZ HM' Ella, wie kannst Du Dich nur von dem Vetter Egon küssen lassen?" Ach, Tantchen, ich will auch ein mal Braut werden und da möchte ich mich doch beim ersten Kuß nicht gar so ungeschickt anstellen." Geistesschwacher Moment. Frau: Aber wie kann man sich nur betrinken?" Mann: Je je jetzt nur keine Räthsel!" Schnell fertig. Nun, Herr Weinbi erl. Sie waren ja auch hier zum Besuch der Ausstellung! Wie hat sie Ihnen denn gefallen?" Ja wissen Sie, als ich angekommen bin, hab' ich mich gar nicht ausgekannt; dann hab' ich eine alte Frau gefragt, wo die Ausstellung ist; die hai's nicht gewußt; nun hab' ich mir gedacht. Du suchst nicht lang 'rum, finden thust Du sie ja doch nicht, bin dann in's Wirthshaus gegangen und am Abend wieder heimgefahren !" Der Fresser. TS MM, Und wenn ich jetzt am Verhungern wär'. ich könnt' nichts mehr essen!Verkannt. Mann: .S)'5, nur Alte, wie betrunken wieder unser Nachbar heimkommt, !ch .glaube, wenn ich mal so nach Hause k'me, Du würdest obnmächtia binscblagen." Frau: Nein, ich glaube, ich würde
j U t -IL
JeH 7 TtZFl ntm l. -?
JV
n iii v.i.
I
h im
jß$s .yrTT - vx
lA
mächtig zuschlagen.
