Indiana Tribüne, Volume 21, Number 132, Indianapolis, Marion County, 30 January 1898 — Page 2

ScmcVache.

Von 33:rt;e S:otchsicld. G lag ein triumphirender, freud strahlender Zug auf seinem Gesichte und er rückte unruhig auf seinem Sitze hin und her, während er eine AnzaljT mehr und weniger umfangreicher Packete gewicrmatzen wie zärtlich an. sich drückte. Seine Augen flogen ruhelos von tivrm der Fahrgäste zu dem andern iy.b man sah tl ihm deutlich an, daß er -etwas auf dem Herzen Habe und nach-?iner theilnehmenden Seele suche, der gegenüber er sich durch seine Mittilungen erleichtern könnt?. Ich sah neben ihm auf der Straßenbahn und mochte ich ihn nun vielleicht durch ein freundliches Lächeln aufgemuntert haben, oder fand ich sonst Gunst vor sei 'ren Augen, daß er gerade mich seines Vertrauens würdigte oder verdank leg oie Dio oem uau, jem vsinaty bar zu sein, genug, er wandte sich cn mich mit einer Phrase über das Wetter, augenscheinlich in der Absicht, rnit mir ein Gespräch anzuknüpfen. ' Es war ein kleines Männchen ixen vielleicht vierzig Jahren mit einem rosigen, runden Gesicht, dem aber weder das straff emporgebürstete blonde Hcrar noch die goldgefaßte Brille ein jedenfalls gewünschtes gelehrtes, geistreiches oder imponircndes Aussehen zu geben vermochte. Warm, sehr warm heute", sagte er, sich mit seinem Taschentuch die Stirne trocknend, während er sich mir ber an deren Hand krampfhaft bemühte, seine Packete festzuhalten. Ich konnte natürlich gegen diese Wahrheit nichts einwenden. Ich hatte aber heute auch etwas herumgelaufen, aber dafür werde ich heute die Oberhand gewinnen; heute ist der Sieg sicher mein", begann er plötzlich nach einer Pause etwas unveimittelt. Ich war ein wenig erstaunt und ba ti diese Worte, wahrscheinlich als Fortsetzung seines Äedankenganges direct an mich richtete, so erklärte ich, über den Sinn seiner Auslassung mir nicht ganz klar zu sein. Natürlich, natürlich", sagte er eifrig. Aber ich werde Ihnen das gleich erklären. Sehen Sie, bei mir im Hause nämlich herrscht ein steterKampf zwischen meiner Frau und mir um die absolute Herrschaft im Hause. Vedingungsweise hat man sie ja aber den-. ten Sie, die absolute. Ich habe doch entschieden mehr Recht dazu, aber meine Frau wendet alle möglichen Schlauheiten an, mir dieses Recht zu verkümmern und was für Mittel, na Frauenwaffen. So beulen Sie mal, letzte Weihnachten hatte sie genug Geld erspart natürlich von meinem Gelde UNI mich recht reichlich zu beschenken. Ich erhielt einen Dinmantring, der mir zu klein war, so daß sie ihn jetzt trägt, ein paar zwölfknöpf'.ge dänische Handschuhe Nummer 6 und ein Necessaire für den Toilettentisch in unserem Schlafzimmer, den sie natürlich nur allein benützt. Ich nahm die Geschenke alle ahnungslos mit großer Freude entgegen und machte ihr auch später keinen Vorwurf. Ich bitte Sie. man will doch Frieden haben. JeZt glaubt aber meine Frau, ich hätte klein beigegeben und schwiege deshalb still, weil ich keine Widerrede wage und ihre Oberherrschaft anerkannt habe. Ab:r sie täuscht sich, der Tag der Rache . ist da Kevanehe pour Seil an! Wissen Sie, was da drin ist?" fragte er, auf seine Packete weisend. Ich mußte meine totale Unkenntnis eingestehen. Das sind lauterGeschenke für meine Frau. Morgen ist ihr Geburtstag. Das ist ein Paar seideneHosenträger", erklärte er den Inhalt der Packete, ein halbes Dutzend Cravatten, ein paar Schuhe, in die sie hineinschlüpfen kann, um drinn zu schlafen, ein Cylinderhut, eine Rauchgarnitur und eine Kiste echte Jmportirte." Und der kleine Mann lachte, daß ihm seine Packete aus der Hand fielen und er lachte noch fort, während er ausstieg und lachend verschwand er in einer Seitenstraße. Der Zufall wollte es, daß ich ihm des anderen Nachmittags wieder auf derselben Strecke im Straßenbahnwagen begegnete. Er trug abermals eine Anzahl Packete. Ich konnte nicht umhin, zu fragen, wie sich seine Frau zu den Geschenken gefreut habe. Ich sehe gar nicht ein. mein Herr, was Sie sich um meine Privatangelegenheiten zu kümmern haben," fuhr er mich zornig an. Wenn es mir beliebt, diese Dinge jetzt alle umzutauschen, so muß ich Ihnen das nicht an die Nase binden!" Und hinaus stürzte er, seine Geschenke wüthend mit sich schleppend. 1- W f I.. L .11 1 f A 1 Galgenhumor. Können wir Ihnen vor Ihrer Hinrichtung noch einen Wunsch erfüllen?" Delinquent: Ick möchte jern erst Gewißheit haben, ob Andr6e über'n Nordpol jeflogen is!" Boshaft. Tochter: Diesen IZachmittag, wie ich mit dem NeufundHändler spazieren ging, ist mir eine Halbe Stunde ein Offizier nachgestiegen!" Vater: Hat er denn nichts gesagt der Hundeliebhaber?" Ein Leidensgefährte. Bettler: Bitte, schenken Sie mir eine kleine Gabe ich habe schon seit Langem kein vernünftiges Mittagbrot gehabt!" Herr: Ach, Sie Aermster dann sind Sie wohl auch verheirathet wie W Schwärmerin. Sarah : Mosesleben, sieh doch den Fliegenschwärm, wieder mich belästigt!" Moses: Gott, was hab' ich für 'ne umschwärmte Frau!" Kasernenhofblüthen. Sergeant (an dem Helm eines Soldaien eine kleine Beule sindend): Na n'ä' wird'S Tag kommt der Kerl mit eixtm Cbaveauclaque zum Appell! .

Fyristck Warwald.

Von Erich zu Schierfeld. Christel Bärwald, der wohlbestallte Bahnwärter in Bude 27, langweilte sich, zwar nicht immer, aber doch recht oft. Er war ein an Thätigkeit gewöhnter Mensch, der das Nichtsthun haßte. Die freie Zeit, die er in seinem Beruf hatte, nützte er nach Möglichkeit aus. Er beackerte das bei seiner Bude liegende Stückchen Land, mähte das an der Böschung des Bahnkörpers und im Graben wachsende Gras und machte es zu Heu, das er auf dem Boden seines kleinen Ziegenstalles für den Winter unterbrachte. Natürlich besaß r auch eine Ziege, die den doppelten Zweck der Versorgung mit Milch und der Unterbaltung erfüllte. Sie war hinter der Bude an eine lange Schnur gefesselt, hatte aber genügend Raum für ihr Freiheitsbedürfniß. Bei Regen oder Liälte spazierte sie in ihren Stall und machte dort ein ebenso gelangweiltes Gesicht wie Christel in seiner Bude. Er sah nach der Uhr. In fünf Minuten mußte das Signal von T. kommen für den Zug, der nach weiteren fünfzehn Minuten an seiner Bude vorüberrollte. Das war ein sogenannter Aummelzug, bei dem es auf eine kleine Verspätung nicht anzukommen pflegte. Es konnte also bis zu seinemEintreffen unter Umständen fast eine halbeStunde vergehen, viel zu wenig für eine Arbeit, für Nichtsthun viel zu viel. Christel überlegte. Wenn er das Durchfahrtssignal an dem optischen Telegraphen schon vor der akustischen Anmeldung des Zuges herstellte? Das war zwar nicht ganz vorschriftsmäßig, indessen passiren konnte ja nichts, die Strecke war in Ordnung und dann konnte er mit Gcmuthsruhe eine That verrichten, deren Nothwendigkeit ihm soeben einfiel: er wollte seine Ziege melken, bevor der Zug kam. War dieser vorbei, so hatte zwei Stunden Ruhe, seine Mittagspause, die er im nahen Dorfe bei seiner jungen Frau verbrachte. Kurz entschlossen zog er den einen Arm des Signalmasies in die Höhe und stopfte sich dann mit Gemüthsruh eine frische Pfeife. Damit er bei dem Melken der Ziege seine Uniform nicht beschmutze, zog er den Rock aus und über die langen Beine glitt ein ausgedienter Unterrock seiner Frau, dessen Bund er mit einem starken Bindfaden in der für dies Kleidungsstück etwas zu starken Taille zusammenband. Hierauf setzte er sich vorschriftsmäßiq zurecht, klemmte einen Topf zwiscken die Kniee und gab sich mit Sorgfalt und Eifer der Milchgewinnung hin. Bim bim, bim bim", klang das Läutewerk. Was kümmerte es ihn? Er hatte sein. Signal gestellt. Und ruhig melkte er weiter. Nun war er ziemlich fertig. In weiter Ferne rollte es leise. Sollte das schon der erwartete Zug sein? Er sah nach der Uhr es fehlten noch Zehn Minuten an der planmäßigen Zeit. Gemüthlich beendete er sein Geschäft und trug den mit fetter Milch bis an den Rand gefüllten Topf in die Bude. Da hörte, er plötzlich das Rollen wieder, unheimlich nah. Er riß die Uhr aus der Tasche und warf einen Blick darauf; die zehn Minuten fehlten noch immer: feine alte, gute treue Uhr stand, zum ersten Male nach dem letzten großen Relnmachen. Der Schreck fuhr ihm in die Glieder, daß sie zitterten. Er warf die Pfeife zu Boden und zog den Rock so hastig an, daß er den rechten Aermel nicht finden konnte. Das Zuknöpfen wollte noch weniger gelingen, die Hände bebten ihm vor Erregung. Endlich entdeckte er, daß er noch in dem verwünschten Unterrock steckte. Er knöpfte den Rock wieder auf und griff nach dem Bindfaden. Aber wie er auch zerrte, die Schlinge wollte sich nicht lösen. Je kräftiger er zog, desto sester wurde der Knoten und der Zug kam immer näher. Er versuchte die Schnur zu zerreißen, doch sie widerstand seiner Kraft. Ein Messer! Ein Königreich für ein Messer!" Wo hatte er's nur? Halt, in der Tasche derUniformhose! Aber wie dorthin gelcmgen! So wird es nicht gehen, und nur noch eine halbe Minute, eine viertel Und jetzt, biegt der Zug um die Waldecke, jetzt saust er an ihm vorbei. Noch im letzten Augenblick hatte Christel sein Fäbnchen an sich gerissen und mit angefaßtem Gewehr" stramm gestanden, im Unterrock seiner Frau, barhäuptig, im halboffenen Uniformrock. Und das mußte ihm passiren, dem gewissenhaftesten aller Bahnwärter. auf dessen Schultern die goldenen Achselschnüre glänzten, der Beweis für eine zehnjährige tadellose Führung! Er war stolz auf diese Schnüre, die er im Nothfalle mit dem Leben vertheidigt hätte. Und nun? O, es war mehr, als ein rechtschaffener Mensch ertragen kann. Allmälig ward er ruhiger. Vielleicht hatte ihn Niemand beachtet, vielleicht ging noch Alles gut! Doch er täuschte sich. Im Zuge hatte der gefürchtete Bahn - Jnspector gesessen, dem nichts entging. Nach wenigen Tagen kam der Bahnmeister, im Auftrage der hohen Behörde ein langes Protokoll mit dem armen Christel aufzunehmen, das er noch dazu unterschreiben mußte. Er bekannte reumüthig und verschwieg nichts. Das hätte ja doch nichts geholfen. Die nächsten Tage verlebte Christel in der fürchterlichsten Qual und in den Nächten peinigten ihn schreckliche Träume. Endlich kam das Urtheil. Es lautete auf sofortigen Abbruch des ohneGenehmigung und Wissen der vorgesetzten Behörde erbauten Ziegenstalles und Versetzung seiner Bewohnerin auf nicht fiskalisches Terrain. Im Uebrigen ließ man es bei einem ernstenVerweise unter Androhung härterer Strafe bei ferne rer Unzuverlässigkeit" bewenden und zwar im Hinterblick auf die bisherige einwandfreie Führung des p. BärWald". Seine Achselschnüre waren ihm also geblieben, aber er hatte doch einen Fleck m den Akten! Das machte den

guten Christel traurig, reizbar und mürrisch. Selbst seine Frau, mit der er seit den sechs Monaten seines Ehestandes im ungetrübtesten Frieden lebte, knurrte er an, was sie mit einer, kühlen, schnippischen Behandlung vergalt. Wenn er einsam vor seiner Bude saß. grübelte er und hatte allerlei tiefsinnige Gedanken. Die Trennung von seiner geliebten Ziege ging ihm ans Herz, selbst die Sonnenblumen, die er um die Bude herum gepslanzt hatte, erfreuten ihn nicht mehr. Der Sommer schwand und der Herbstwind strich über die kahle Haide. Christel Bärwald hockte während der meisten Stunden des Tages in seiner kleinen Bude und seine Stimmung war so trübe wie das Wetter, er hätte sich mit aller Welt raufen mögen. Wenn er wenigstens seine Frau hätte um sich haben können, wie sein Freund und College Westermann in Bude 37. Ja der! Der hatte sein Häuschen an der Strecke mit einem großen Stück Ackerland, mit Stallungen und einem Gärtchen. Er hatte es zwar weit bis zum nächsten Dorf, aber das konnte er entbehren. er war ja immer daheim. Lr aber? Du lieber Gott, er wohnte im Dorf und war doch mutterseelenallein! Ob sich die Kathrin, seine Frau, wohl auch so einsam fühlte? Seine Frau! Was machte die überhaupt den ganzen langen Tag? Das bischen Wirthschaft! Er hatte noch nie daran gedacht, jetzt beunruhigte ihn der Gedanke. Im Sommer hatte sie ihn cft besucht, das unterblieb bei dem schlechten Wetter. Womit füllte sie jetzt die Zeit aus? Und wie um ihm Antwort zu geben auf die unausgesprochene Frage, besuchte ihn eines Tages ein Freund, ein sehr guter Freund, der ihm etwas ins Ohr flüsterte von dem Sohne des reichen Bauern Roloffsen. der die Kathrin schon gern gehabt, als sie noch ledig war. Das ging dem guten Christel denn noch über den Spaß' und trieb ihm die Galle ins Blut. Kathrin leugnete natürlich sehr entschieden Alles, weinte sogar einige Thränen und that gekränkt.' Der Argwohn saß aber einmal in Christels Herzen. Er glaubte zu bemerken, daß ihm Kathrin dennoch etwas verberge, und so wurde der ursprünglich kleine Riß allmälig zu einer weiten Kluft. Die guten Freunde Christels hatten ihre Freude an dem Zorn des sonst so gutmüthigen Menschen und schürten nach Kräften, sodaß die Sache dem jungen Roloffsen, als er davon hörte, doch unbequem zu werden begann. Leider muß ich bekennen, daß die Gerüchte nicht ganz grundlos waren, wenigstens soweit sie den Bauerssohn betrafen. Roloffsen wußte, daßChristel in gwissen Dingen keinen Cpaß verstand und über zwei kräftigeFäuste verfügte. Deshalb beschloß er, ihn von 'r' angeblichen Lügenhaftigkeit des Klatsches zu überzeugen. Korl", sagte er deshalb eines Tages in der Dämmerstunde zu dem äugenblicklich dienstfreien Gänsejungen des Dorfes, lop mal na Christel Bärwalden sine Baud' UN segg em. de 'Buer Roloffsen wer' all werr bi sin Fru.Nee", erwiderte der Junge, dat segg' ick em nich, dat is 'ne Läug'; hei is jo gornich bi ehr." Schapskopp min Sähn, dat geiht Di nix an", replicirte Roloffsen, süh mal, ick jah doch jetzt irst hen! Nu lcp, un wenn Du t'rllgg kümmst, un mi seggst, wat he seggt het, denn krist' dissen blanken Nickeljroschen." Der Junge sah das verlockendeGeldstück an und überlegte. Ick dauh't." 3ck dauh't," sagte er endlich und lief davon. Während der Bauer zur Schenke ging. Christel wollte beim Empfange der Botschaft natürlich auö der Haut fahren. Ick slag' em'todt! Ick slag' denKirl de Knaken in Liew' entwci!" schrie er, und da vor Ablauf einer Stunde kein Zug zu erwarten war, so stürzte er aus der Bude heraus dem Dorfe zu. Seine Frau war allein zu Hause. Harmlos ein Lied summend, stand sie am Herd und bereitete das einfache Abendessen. I", rief, sie verwundert, wo kümmst Du all her? 't is jo noch nich mal Klock söß!" Christel schluckte und würgte seine Verlegenheit hinunter. Ick denk' uns' Vetter ut Behnbossel is kamen," sog er, wo is mi dat?" Du hest woll slapen in Din' Baud'". lachte Kathrin. Wo fäll denn de herkamen? Hei is jo irst vör'n vertein Dag' bi de Soldaten intreckt!" Hm", brummte Christel, dann het mi de Bengel belagen. Na, min Jung', nu paß up, wie Di de Spaß bekümmt!" Damit schob er mißmuthig und doch beruhigt ab. Aus dem am Ende des Dorss liegenden Krug drang lauter Lärm. Christel warf einen raschen Blick durchs Fenster und sah den verhaßten Roloffsen mit zwei anderen Dorfbewohnern eifrigst dem Kartenspiel und dem Gerstensaft fröhnen. Etwa zwei Stunden später wurde er von seinem den Nachtdienst antretenden College abgelöst und ging heim. Unterwegs stieß er auf den Gänsejungen. Kumm mal her, min Sähn", fprach er ihn freundlich an. Als sich dieser ihm arglos näherte, hatte er ihn auch sckon am Kraaen. Ick will Di lihren. olle Llle vör'n Narrn tau holl'n. Du Satansracker-, rief er und bearbeitete den jugendlichen Gesandten mit Nachdruck und Energie. Dieser versuchte sich zu rechtfertigen, machte dadurch die Sache aber nur fchlimmer und ergab sich schließlich mit Würde in das Unvermeidliche. Nach diesem Vorfall hätte ja Christel über die Integrität seiner häuslichen Ehre beruhigt fein können. Das Mißtrauen hatte aber bereits tiefere Wurzeln geschlagen und die guten Freunde bemühten sich nach Kräften, den Giftbäum nicht vertrocknen zu lassen. .Christel befand sich in tinem unbe-

schreiblichen Zustande, dem er auf jeden Fall ein Ende machen wellte. EinesTages begegnete er wieder dem Gänsejungen, der ihm argwöhnisch und scheu auswich. Kumm man her. Karl, ick dhau Di nix," rief ihm der Bahnwärter freundlich zu. Aber erst auf die wiederholteBetheuerung, daß ihm kein Leid geschehen solle, näherte sich der Knabe langsam. Hör 'mal. minSähn. müchtst du mi woll'n Jefallen.dhaun?" Der Junge sah ihn mißtrauisch an. Wenn Du uppaßt un mi Bescheid gisfst. wenn de Kirl. de Roloffsen. werr in min Hus gheit, denn gew' ick Di 'n Nickel." Der Junge überlegte. Nee," sagte er endlich, ick dhau't nich. dat gifft Släq!" Schapskopp, wat aeiht Di dat an," rief Christel in offenbarem Mißverständniß. Dann besann er sich. Süh mal, min Sähn", erklärte er. de Släg' hest vör det Läugen kregen un ook verdeent. Wenn Du mi äwerst de Wohrheit seggst.denn gifft dat okk keen' Släg' nich. Ick gew' Di twee Nickeljroschen, wenn Du t' dheist!" Karl schüttelte den Kopf. De Anner gifft mehr", platzte er endlich heraus. Christel Bärwald machte einen Luftsprung. I da slag doch de Düwel negen un negentig mal rin!" schrie er. Jung'. Bengel, ick gew' Di 'ne janze Mark! Seggst nu noch een eenzigmal nee", denn hau ick Di de Knaken kort un klein! Du kennst mi, Jung'!" Dabei hatte er ihn schon hart am KHgen. Ick will jo! Ick will jo." jammerte Karl, der einer solchen Ueberredungskunst nicht länger zu widerstehen vermochte. Christel ließ ihn los und gab ihm eine halbe Mark als Anzahlung, worauf sich der jungeKundschafter mit gemischten Gefühlen sehr schnell aus dem Staube machte. Schon wenige Taqe später zeigten sich die Erfolge des Unternehmens. Christel hatte Nachtdienst und war soeben von einer Besichtigung seiner Strecke zurückgekehrt, als Karl athemlos angerannt kam. Hei is drin", rief er schon von Weitem, hei is in't Hus rin gähn, ick hew em seihn!" Christel knickte fast zusammen vor Schreck und Wuth. Jung'," fuhr er denKnaben an, is dat werr 'n Snack von Di, hest Du mi werr belagen, denn . . ." Denn slagt Ji mi de Knaken in 'n Liew entzwei," vollendete Karl den ihm bereits brannten Satz. Christel nickte vielsagend und dachte nach. Roloffsen hatte die Zeit seines Einbruchs schlau gewählt. Er wußte, daß der Bahnwärter seinen Posten vor Mitternacht auf längere Zeit nicht derlassen konnte, weil bis dahin verschiedene Züge die Strecke passirten. DasBlut stieg dem armen Christel immer zu Kopfe. Pod Blitz UN Dunnerslag!" fluchte er in sich hinein, de verdammte Kirl! Un ick stah bicr als de Off' an 'n Barje!" Er überlegte hin und her und mit jeder Sekunde wuchs seine Aufregung. Plötzlich durchzuckte ein rettender Gedanke sein zermartertes Hirn. Er sah nach der Uhr und rechnete. Entschlossen betrat er seine Bude und kehrte mit einem Reisbesen zurück. Aus diesem zog er den langen Stiel, den er einige Schritte vom Schienenstränge entfernt, in dieErde steckte. An dem Stiel, etwa fünfzehn Centimeter unter dem oberen Ende, befestigte er ein Querholz von vielleicht sechzigCentimeter Länge, sodaß ein Kreuz entstand. Ueber dies Querholz hängte er seinen Mantel, den er ordnungsmäßig zuknöpfte, und auf die Spitze des Kreuzes stülpte er eine alteDienstmütze. Zum Schluß wurde zur Rechten ein Schemel plazirt, auf den er die angezündete Laterne stellte. Christel musterte sein Werk noch einmal mit kritischem Blick und fand, daß man die Oogelseuche im Dunkeln und bei flüchtigem Hinsehen recht gut für einen auf Posten stehenden Bahnwärter halten könne. Trotzdem war ihm nicht wohl dabei zu Muthe, doch es war ja nur für den äußersten Fall, denn lange konnte ihn ja dasGeschäft daheim nicht in Anspruch nehmen. Jung'," wandte er sich an Karl, paß up, dat de Wind de Mütz' nich runner smitt. Un fat mi nich' de Latern' an. In 'ne gaude halwe Stunn' bün ick werr da." Pochenden Herzens eilte er dem Dorf: zu. Der Himmel war mit Wolken bedeckt und ein feuchtkalter Wind spielte mit dem trockenen Laube in den öden Straßen. Die Fenster waren zum größten Theil bereits dunkel, in seinerWohnung aber brannte noch Licht, dessen Schein durch die Ritzen der geschlossenen Läden fiel. Er schlich näher, preßte sein Ohr gegen einen der Fensterläden und lauschte mit angehaltenem Athem. Jetzt vernahm er Stimmen, eine Gedämpfte männliche und eine fcharfe weibliche, die feiner Kathrin. Worum ick nich all längstLarm slagen hew?" hörte er seine Frau sagen. Dat will ick em seggen. Weil he mi tau siecht is, as dat ick mi mit em in'tJered' bringen mücht! Weil ick mi vör de LLe schämt' wegen den Skandal un weil ick mi'n Mann tau leiw hew. as dat ick em mit so'n Grasaffen, as hei is, tausam Hetzen sollt! Awerst dat will ick em seggen, Bur, wenn he mi nu nich in Rauh lett un up Stunns ut 'n Hus geiht, denn schick ick nah min'n Mann oder schrie Fller!" Oho," knirschte Christel, wenn dat hier so steiht, denn hew ick jo dat blos mit Een'n to dauhn!" Er riß dieHaus thür auf und stürzte in das Zimmer. Durch dieselbe Hausthür flog einige Sekunden später der halb erwürgte Roloffsen in großem Bogen auf die stille dunkle Dorfgasse hinaus. Karl, derGänsejunge, hatte sich während dessen die Zeit so gut wie möglich vertrieben. Er fand den Bahnwärter-

dienst fast ebenso angenehm wie den seinigen. Besonders imponirte ihm die Uniform. Er vermochte gar nicht einzusehen, weshalb er den Paletot nicht eben so gut sollte tragen können, wie der dumme Besenstiel. Er zog ihn also kurzweg an. Freilich schlotterte ihm das lange Ding wie ein schwerer Sack um die Beine, dafür hielt es aber sehr warm. Die Mütze setzte er sich natürlich ebenfalls auf das jugendlicheHaupt. Er mußte sie tief ins Genick schieben, um sehen zu können, dann aber ging's recht gut. Schließlich nahm er auch die Laterne in die Hand und kam sich äußerst fchneidig vor. Aber weshalb er wie der entkleidete Besenstiel auf einem Fleck festgewurzelt stehen sollte, das wollte ihm nicht einleuchten. Christel ging doch ebenfalls öfters auf und ab! Er ging also ein wenig spazieren und der Mantel schnurrte gleich der Schleppe einer großen Dame hinter ihm her. Plötzlich hörte er den Zug aus der Ferne heran rollen. Im ersten Augenblick pochte doch sein Herz schneller. Aber weshalb denn? Er machte ja Alles genau so, wie er's beim Bahnwärter schon so oft gesehen hatte. Nur Muth! O, er war durchaus nicht furchtsam, im Gegentheil! Er wollte dem Maschinenführer zeigen, daß der Posten voll und ganz besetzt war, und lustig schwenkte er bei dem Herrannahen des Zuges, dem er kühn entgegen sah, seine Laterne hin und her. Aber da was sollte denn das bedeuten? Ein kurzer Pfiff der Maschine und dann stand der Zug still, zehn Schritt vor der Bude. Das Zugpersonal stieg herunter, der Führer fragte, was es gebe, und die Passagiere sahen ängstlich aus den schnell geöffneten Fenstern. Da jetzt sogar der Zugführer direkt auf ihn zugeschritten kam, packte ihn mit einem Mal eine furchtbare Angst. Er warf die Laterne von sich, raffte den Paletot mit beiden Armen in die Höhe und lief, fo schnell er konnte, quer über die Felder davon, seinem Heim zu. Gleich darauf kam Christel athemlos angerannt. Er hatte den Zug zu seinem Schrecken kommen sehen und fand nun seine schlimmsten Befürchtungen noch Lbertroffen. Nach kurzem Aufenthalt konnte der Zug weiter fahren. Kaum fünf Minuten betrug die Verzögerung, aber sie genügte doch, den armenChristel um seine schwerverdienten goldenenAchselschnüre sowohl wie überhaupt um seinen Dienst zu bringen. Der Schlag traf ihn jedoch weit weniger hart, als er selbst es gefürchtet hatte. Das wieder hergestellte Glück seines Hauses erhob ihn über sich selbst und gab ihm den Muth, persönlich zum Eisenbahnpräsidenten zu gehen und dem als gütig und gerecht bekannten alten Herrn sein Mißgeschick darzustellen. Jetzt ist Christel Bärwald wieder angestellt. Er hat die Stelle seines inzwisehen verstorbenen Freundes und Collegen Westermann in Bude 37 erhalten. In dem behaglichen Wohngebäude dicht am Bahnkörper haust er mit seiner Frau, seinem Buben, seinen Ziegen und Schweinen, ferne den Freuden, aber auch den Kabalen des Dorfes. Die goldenen Achselschnllre freilich muß er sich von Neuem verdienen, aber zwei Jahre tadelloser Führung sind ja bereits vergangen. Karl hütet jetzt die Kühe, für die Gänse ist er zu groß geworden. Für den Bahndienst interessirt er sich nicht mehr, aber daß man einem nahenden Zuge durch Schwenken der Laterne quer über die Fahrtrichtung das Haltesignal giebt, das vergißt er nie wieder, dazu hat es ihm Christel viel zu fest eingebläut.

Der Ungliickskaz. Die meisten abergläubischen Menschen leben in dem Wahne, daß, soweit Unannehmlichkeiten und Unfälle in Betracht kommen, der Freitag der schlimmste Tag in der Woche sei; doch die Statistiker, denen selbst die anerkannte Ueberlieferung nicht heilig ist, behaupten kühn, an der Hand unumstößlicher Beweise, daß dieses ominöse Vorrecht dem Montag gebühre. Als Beweis stellen sie folgende Tabelle der Unglllcksfälle auf. wie sie sich durchschnittlich per Tag ereignen. Demnach kämen auf den Montag 16.74 Procent, auf den Dienstag 15,77 Procent. Am Mittwoch verringern sie sich zu 15.31 Procent, am Donnerstag steigen sie eine Kleinigkeit, auf 15.73 Procent, am Freitag und Sonnabend erhöhen sie sich auf 16,38 Procent, um am Sonntag auf 2,69 Procent herabzusinken. . Ach f o! A. (einen Freund nach fünfzehn Jahren wiedertreffend, im Laufe des Gesprächs): Sage 'mal, was ist eigentlich aus Fritz Eckart geworden?" B.: Ach. der ist schon vor vierzehn Jahren gestorben, und ich habe nie aufgehört, seinen Tod auf das Lebhafteste zu beklagen.- A.: Wieso? Hattest Du ihn lieb?- V.: Das nicht; aber ich habe seine Wittwe geheirathet." DiezärtlicheVraut. Er: HerzensNnd, nächstens ist ja Dein Geburtstag. Ich werde Dir ein Loos zur sächsischen Lotterie schenken!" Sie: Ach ja Er: Und ein Glücksschweinchen dazu." Sie: Das ist nicht nöthig. Ich habe ja Dich!" Ein Pumpgenie. Student (seine Tante besuchend): Wie geht es Dir. liebe Tante?" Tant: Nicht gut, ich bin jetzt ernstlich krank." Student: Na, Tante, dann leihe mir 'mal 50 Mark, damit ich 'mal ordentlich auf Deine Gesundheit trinken kann." Modern. Er: Und was sagst Du zu dem Verlobungsring, den ich Dir geschickt habe?" Sie: Herrlich; es ist der schönste von allen, die ich bis jedt erhalten habe."

Ikerove.

?mt Aurelien Cckoll. Ermüdet von der Ueberfahrt, die stürmisch gewesen, beschloß die Baronin de l'Jle d'Aile. anstatt ihre Reise nach Paris fortzusetzen, einen Tag in Voulogne zu verbringen; sie ließ ihr Gepäck nach dem .Hotel Bristol bringen. Man wies ihr ein Zlmmer in der ersten Etage an. Die Baronin schloß die Thür, langte aus ihrer Handtasche Schwämme und Parfümerien heraus, und dann, nachdem sie sich hastig entkleidet, begann sie mit den Vorbereitungen zu ihrer Toilette. Sie ist sehr hübsch, die kleine Baronin, die soeben aus Schottland kam. wo sie vierzehn Tage bei ihrer Freundin, der Lady P., weilte; der zehnte Monat ihrer Wittwenschaft war bereits verstrichen. Der Baron, den sie geheirathet, war ihr Gutsnachbar und der einzige Adelige der Umgegend; er hatte seine schöne Seele Gott wiedergegeben, der ihm ohne Zweifel einen besonderen Platz im Paradlese der Trunkenbolde reservirte. Die Hotelzimmer sind bekanntlich meist durch Thüren miteinander verbunden. Im anstoßenden Gemache wurde geplaudert. Zwei Männerstimmen und zwar die junger Männer eine Frau täuscht sich nicht! Nichts," sagte der Eine, kommt einer üppigen Frau gleich." Ach was," erwiderte der Andere, nichts geht über eine etwas magere Frau, lsieber Edmond. Die Vornehmheit der Formen, die Zartheit der Gelenke, die Reinheit der Linien verlieren sich da nicht in schwerfälligeUmrisse des Fleisches. Alles an ihr ist Kraft und Leben." Die Baronin de l'Jle d'Aile trällerte: Wenn ich nur müßt', wer jener Herr gewesen ist." Im Nebenzimmer schwieg man. Glaubst Du," begann nach einer Weile der Erste, daß man sich durch bloße Schilderung ihrer Person in eine Frau verlieben könne? Oder durch Briefwechsel kurz, durch die Vorstellung, die man sich von ihren Reizen macht?" Nein!" antwortete sein Freund, wie auch " Sind die Herren bereit?; Der Wagen steht unten," unterbrach ihn der eintretende Kellner des Hotels. Wir kommen." Die Baronin schlüpfte eiligst in ein Morgengewand, sah. wie ein Wagen sich entfernte, und klingelte heftig. Gnädige Frau wünschen?" fragte der Kellner. Ich möchte den Namen des einen der abreisenden Herren erfahren desjenigen, der Edmond heißt." Hier." sagte der Kellner. Er hinterließ seine Adresse, damit man ihm die Briefe nachsende." Die kleine Baronin las: Edmond de Garches, Schloß d'Ambards, Gironde." Den nächsten Tag erhielt Edmond de Garches einen Brief von unbekannter Hand: Mein Herr! Der Zufall hat mich einen Augenblick in Ihre Nähe geführt, und dieser genügte, um meine weibliche Neugierde auf's Aeußerste zu reizen. Ich kam aus Folkestone zurück und befand mich gerade im Hotel Bristol, als Sie die Meinung äußerten, man könne auch lieben, ohne einander je gesehen zu haben. Wollen wir dies Experiment an uns versuchen? j Ich zähle 28 Jahre und gelte für hübsch. Ich bin von mittlerer Statur, eher groß, und weder üppig noch mager. Augen und Haar schwarz. Zähne complett, Mund klein. Ich bin Wittwe und war die Frau eines unbedeutenden Gatten. Obwohl ich verheirathet gewesen, ist mein Herz jungfräulich geblieben. Wenn Sie ein Experiment versuchen wollen, stellen Sie sich mir brieflich vor, nach dem Muster, das ich Ihnen gebe; seien wir uns gegenseitig Vertraute; gestehen Sie mir, wenn Sie lieben vielleicht bringen wir es durch Zufall zu einer guten und dauerhaften Freundschaft. Sollten Sie einverstanden sein, dann antworten Sie: Clio, poste restante, Placc de la Madeleine, Paris." Gnädige Frau! Ihr Vorschlag ist gewiß originell; er kann nicht verfehlen, einen jungen Mann zu bezaubern, der vorgestern 35 Jahre alt wurde und durch eine Verkettung von Umständen gezwungen ist, .sechs Monate auf dem Lande zu verbringen. Mein Bruder, Officier bei der Marine, ist vor einigen Wochen in Tonking gestorben, daher halte ich es für meine Pflicht, einige Zeit bei unserer trostlosen Mutter zu verleben. Hier ist kein Mensch zu sehen. Ich nehme daher Ihren Vorschlag an; schreiben Sie mir und ich werde Ihnen antworten. Edmond." O Dieser so begonnene Briefwechsel dauerte drei Monate und wurde immer vertraulicher. Die Baronin de l'Jle d'Aile hatte sich nach und nach daran gewöhnt. Doch mißfiel ihr sehr, daß eine Cousine", Namens Bertha, jeden Tag mehr Platz in den Briefen Edmond de Garches einnahm. In einer Zorneswallung schrieb sie: Mißtrauen Sie den Ueberraschungen des Herzens!. Es scheint mir, daß Sie, ohne es vielleicht zu ahnen, schließlich eine Vernunftheirath mit der jungen Pensionärin als natürliche Auflösung betrachten; diese junge Pensionärin, die man Ihnen stets vor Augen hält, in der Hoffnung, daß sich früher oder später der Wunsch nach ihr erfüllen wird." Acht Tage später stellte sich ein jun-

ger Mann von hoher Gestalt der Baronin de l'Jle d'Aile vor. Ich bin es," sagte er, sich ihr zu Füßen werfend. Wer. Sie?" Edmond de Garches der Sie liebt, der Sie anbetet!" Aber Sie sind ja kaum 25 Jahre alt Sie haben mich ja getäuscht!" Vc5zeihen Sie! Ich habe mich etwas älter gemacht, um Ihnen mch? Vertrauen einzuflößen!" Wohlan." erwiderte di? kleine Baronin. habe ich mir g!sck.meichc!t? Finden Sie. daß ich der Vorstellung entspreche, die Sie sich von mir acmacht haben?" Was nachher ccfchah? will es nicht wissen. Sicher ist. d?.s; Madame de l'Jle d'Aile drei Tao: sp'äicr zU gendcn Brief erhielt: Gnädige Frau! Die Probe ist gemacht. Me' Cousin Edmond hatte Ihre Briefe in e:n:in Fach seines Schreibtisches verborgen, das ich vermittels des Schlüssels mcines Spiegclschranles öffnete. Neugierig, wer die Person wchl sein könne, die mit Edmond einen so fleißigen Briefwechsel unterhielt, schlich ich auf den Fußspitzen, zitternd, das kleine Möbelstück zu öffnen. Di: Lectüre Ihrer Briefe hat meine Erziehung sehr beschleunigt. Deshalb beauftragte ich meinen Bruder, einen Taugenichts, Lieutenant bei den Jägern, die reizende Pariserin zu besuchen, deren Einfluß meine Verheirathung unendlich verzögerte. und sie genau, so genau wie möglich, zu studiren. Roland war so wenig zartfühlend, den Nameu des Herrn von Garches anzunehmen, und dank dieser Maske hießen Sie ihn sofort willkommen. Wenn Sie den Wunsch hegen sollten, ihn wiederzusehen, so steht er ganz zu Ihrer Verfügung. Was mich betrifft, werde ich in acht Tagen zeichnen Bertha de Garches." Als sie diese Zeilen las. erröthete die Baronin bis in das Weiß ihrer Halskrause. Doch das Uebel war geschehen. Sie wird aus Eigenliebe einen zweiten Gatten nehmen, sie braucht nur zu wählen. Der kleine Lieutenant wird nichts anderes gewesen sein, als ein Zwischenfall zwischen dem Gatten von gestern und dem von morgen.

Nandg'affcn. Von ?llfred Cavoret. Früher stimmten die Dichter durch ihre Prosa poetisch, jetzt stimmen sie durch ihre Poesie prosaisch. Die heutigen Weltschmerzdichter sind mehr zum Schmerz der Welt Dichter. Vom Tadel fordert man Begründung, beim Lobe verzichtet man gern darauf. Kühne Mittelmäßigkeit macht rascher ihren Weg, als schüchterne Genialität. Der Frühling ist so schön, daß ihm nicht einmal die Lyriker etwas von seinem Reize zu rauben vermögen. Im Herzensernste steckt die wahre Wirkung des Humors. Lobt das Werk nicht den Meister, so lobt der Meister das Werk. Wieviel Mühe geben sich doch die Menschen, um einen Kleinen groß zu machen, noch mehr Mühe jedoch, um einen Großen klein zu machen. Viele sind Dichter, ohne einen einzigen Vörs geschrieben zu haben, und viele sind es nicht, welche tausend Verse gemacht haben. Wenn sich die Talentlosen gegenseitig unterstützen, entsteht die Clique. Das Genie findet in der Schaffensfreude den höchsten Genuß, der Dilet tant in der Anerkennung des Publikums. Man verzeiht Dir noch leichter ein gutes Werk, als den Erfolg, den Du damit erzielst. Es bildet ein Talent sich in der Stille." Dieser Göthe'sche Satz hat einst gegolten, jetzt entwickeln sich die Talente unter Lärm und Reklame. In keinem Drama finden sich so viele UnWahrscheinlichkeiten, wie im Leben. Wer einen alten Weg mit neuen Stiefeln betritt, ist noch immer nicht originell. Vox populi! Ein lächerliches Wort. -denn was gilt Einem die öffentliche Meinung, wenn sie ungünstig lautet? Wie wenig Dichter kennen ihreMuse. Viele unserer heutigen Literaten sind Vegetarianer. sie leben von dem Kohl, den sie schreiben. Wegen eines bischen Ruhms verräth ein großer Dichter seine innersten Herzensgeheimnisse den kleinen Geistern. Früher betete man im Tempel der Kunst, jetzt feilscht man darin. So mancher Leser hat mehr Geist, als dem Autor Uri ist. Mit der Tinte schreibt man sür die Mitwelt, mit Herzblut für die Nachwelt. Wie's gemacht wird! Er hat die Armuth besungen, Hunger, Elend, für und für; Dadurch ist er reich geworden Dichtet jetzt nur zum Plaisir. Geständnis. Fräulein Eulalia: Daß Sie gerade mich als TischNachbarin gewählt hab . .rr Assesfort- Assessor: I - jen gesagt, ich trinke bei s.' ' egenheiten etwas viel u : .is ich einer andern leicht . . erklarung machen!" Immer v rr.ann. Herr Prinzipal, der ' " - " ockelbevger ist uns jetzt über !..ark schuldig!" Belasten w. i: z rat meuier ältesten Tochter!" s . .