Indiana Tribüne, Volume 21, Number 125, Indianapolis, Marion County, 23 January 1898 — Page 9

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Ellans. Auf der Scene. Von C. EysellKilburger Daö Theater und die Universität waren die beiden Pole, zwischen denen die Menschen der kleinen Stadt, hin und her schwankten. Die Universität toar vorzüglich und namentlich die medicinische Fakultät wies einige erste Namen auf; das Theater konnte sich allerdings nur während des Winters halten, und die jeweilige Gesellschaft war oft verschiedenartig genug zusam- . mengeseht: junge Anfängerinnen, die , sich das Lampenfieber abgewöhnen wollten, reife Schönheiten, denen ihre Jahre die ersten Bühnen verschlossen, Größen, die durch irgend einen Zufall augenblicklich ohne Engagement waren wie aber die Mischung auch sein mochte, immer war man in der Stadt davon überzeugt, daß gerade diese Truppe jede frühere Übertresse. Derselbe Zwiespalt, der die obern Schichten der Einwohnerschaft beweg- . te, fand einen Widerhall in der Brust des jungen Medicinstudirenden Otto Hesse. Ein Neuling in der Wissen schaft wie im Leben, pendelte sein Herz zwischen Studium und Genuß, welch Letzterer für ihn nur die Gestalt des Theaters angenommen hatte. Mit derselben Hingebung und Begeisterung, mit welcher er Morgens in den Präparirsälen sich in die Anatomie irgend eines interessanten Arm- oder Beinmuskels hingegeben oder in den Hörsälen den Vorträgen seiner Lehrer, namentlich des Physiologen, Privatdocenten Hoffmann, gelauscht hatte, derfolgte er Abends von feiner Prosceniumsloge aus die Vorgänge auf der Bühne. Daß diese wiederum für ihn nur das Auftreten oder den Abgang einer Einzigen bedeuteten, versteht sich bei einem jungen Manne von einundzwanzig Jahren ganz von selbst. Sie war in der That, auch für andere kritische Augen ganz reizend, die junge Novize, die hier die erste Buh nensicherheit aewinnen wollte. Eine zarte, mädchenhafte Erscheinung, vor nehm vom Scheitel bis zur Sohle, nahm sie sich in der etwa zusammengewürfelten Gesellschaft wie eine junge verkappte Prinzessin aus, die nu? durch irgend einen Zusall hierher verschneit sein konnte. Ihr Name, Lily Delyana, war ein so absichtlicher norn le guerre, daß man alles Mögliche darunter wittern konnte. Ueber, die Begabung waren die Ansichten getheilt; jedenfalls lagen ihr die jugendlichen Salondamen un6 Theaterwittwen, die sie zu spielen hatte, herzlich wenig. Lily Delyana siegte über Anatomie und Hörsäle; Otto Hesse wurde ein lauer Hörer und Präparator, und da die Tl,caterv.?rstellungen leider nur Abends stattfanden, der Tag aber viele Stunden hatte, so konnte man ihn zu den verschiedensten Zeiten, geschmückt mit den auserwähltesten Kravatten und wundervollsten Glaces, vor dem Hause der Unvergleichlichen promeniren sehen, getragen von der Hoffnung, sie nun einmal auch außerbühnenmäßig zu sehen. ' Aber Lily lebte sehr häuslich, es glückte ihm nur selten, ihr zu begegnen, und wenn es geschah, so war sie in Begleitung einer älteren, recht distinguirt aussehenden Dame, die wirklich und wahrhaftig den Eindruck einer echten Mutter, keiner geborgten Theatermama machte. Nun ließ er sich eines Vormittags bei ihr melden und empfing denBescheid. das Fräulein nehme keine Vesuche an; es folgten die üblichen Attacken mit kleineren . und größeren Sträußen, denen ein sreundlicherDank als Antwort, mit elegant und feurig geschriebenen Briefen, denen überhaupt keine Antwort wurde, und als er endlich, durch das lange Harren kühn und zugleich generös gemacht, es wagte, , ein? hübsche Tuchnadel, ein Rubinherz von Vrillantsplittern umgeben, in einem Rosenstrauß einzuschmuggeln, kam sie sehr prompt mit ein paar höflichen Worten zurück, daß hier entschieden eine Verwechslung vorliegen müsse. Was bei dem jungen Manne An- . fangs nur ein Spiel seiner Phantasie gewesen, wurde durch die consequenten Ablehnungen zu einer quälenden Leidenschaft. Trotzdem war eS wie ein Schlag aus heiterem Himmel, als ohne jede Vorbereitung, Zettel groß und fla.nmend roth, als handele es sich um die Hinrichtung eines Raubmörders, an den Straßenecken prangten, die ankündigten, daß Fräulein Lily Delyana die Bühne verlasse, und daß am Donnerötag ihre Abschiedsvorstellung stattfinde. Man hatte eS vorher doch kaum gewußt, wie beliebt das kleine Prinzessinnenhafte Fräulein eigentlich war. Dieser enthusiastische Beifall, der sie bei ihrem Auftreten begrüßte, diese wundervollen Blumenspenden, die ihr auf die Bühne gereicht wurden, bewiesen eS. Otto'S Gabe, ein riesenhaftes gol- . denes Füllhorn ganz mit brennend rothen Rosen gefüllt, unter denen sich auö irgend einem verborgenen Grunde eine weiße Taube niedergelassen hatte, war allerdings bei weitem die kostbarsie, aber auch die anderen ' toarm . so überwältigend, daß Fräulein öily stets, wenn sie die eine in Empfang genommen hatte, sie wieder zur Seite 'tragen mußte, um die Hände für eine .neue frei zu bekommen. Man wußte wirklich nicht recht, ob die sehr zufrk? ' den dasitzende vielköpfige Mence Frau, lein Delyana ihren Schmerz über daZ Scheiden ausdrücken ' wollte ode? vltfei Scheiden billigen, ihr sägen: Du

thust recht, denn eigentlich bist du viel

zu schade für das Theaterleben. Die Gefeierte selbst aber ließ entschieden die schmerzliche Rührung, die der Moment eigentlich erfordert hätte, vermissen und sah so glücklich, so tief innerlich befeliqt aus, daß es fast eine Undankbarkeit gegen die ihr zuiudelnde Stenge war. Otto Hesse saß in seiner Prosceniumsloge wie viele Male zuvor, und dennoch anders. Wie er dieses Geschöpf liebte! Mit einem Gefühle, halb Anbetung, halb Leidenschaft, rein. selbstlos, tief und warm. Und sie. sie kannte ihn kaum. Nicht mehr hatte er sie besessen, als alle die Hunderte, die ihre Plätze im Parkett und in den Logen bezahlt hatten, ja. jedem Besucher des hohen Olymp gehörte sie für diese Stunden genau so sehr, wie ihm selbst. Könnte er sie noch ein einziges Mal außerhalb der Bühne sehen und sprechen etwas thun, was ihr wenigstens eine Erinnerung an ihn hinterließe! Sie ein einziges Mal sprechen! Es war wie ein Gebet, das sich aus seiner Seele rang. und als wenn es die Kraft gehabt hätte. Ersüllung zu erzwingen, geschah etwas ge radezu Uebernatürliches. Die Logenthür wurde aufgerissen, Dr. Hoffmann, sein junger Lehrer, stürzte herein, roth und aufgeregt, wie man es dem sonst so Reservirten kaum zugetraut hätte. Bester Herr Hesse, Sie müssen mir einen Gefallen thun. Kommen Sie schnell mit mir auf die Bühne, wir brauchen Sie nothwendig." Wegen etwas mangelhaften Collegienbesuches hatte Otto in letzter Zeit ein leises Unbehagen bei dem Gedanken empfunden, dem Privatdocenten zu begegnen. Daß dieser gerade ihn erwählte, war etwas auffällig, doch ging jede Verwunderung unter in dem stürmischen Entzücken, sie in der Nähe zu sehen, in dem Entsetzen, sie vielleicht krank zu finden. 2ßas ist geschehen Frl. Delyana ist sie verunglückt?" I bewahre, wir gebrauchen Sie ja auch nicht als Arzt, nur als Menschen; aber so kommen Sie doch schnell!" Sie durcheilten den Corridor,.um die Bühne zu erreichen. Ja, was soll ich denn eigentlich?" Aber bester Hesse, das ist doch so einfach. Sie kennen ja das Stück wir stehen vor dem letzten Act, ein großartiger Gefellschaftsact, wie Sie wissen die Scene muß gedrängt voll von eleganten Damen und Herren sein an ersteren tst ja kern Mangel, aber mit den letzteren hapert's, und da sollen Sie Ihre schöne Gestalt und Ihren wundervoll sitzenden Kammgarnrock zur Verfügung stellen. Ich bitte Sie ganz ohne Ihnen fchme:cheln zu wollen aber in der ganzen Stadt und vor Allem heute Abend im Theater gibt es keinen fo vollenoet eleganten jungen Mann wie Sie Sie sind entschieden der gediegenste Doctor bitte, nehmen Sie sich m Acht, daß Sie nicht an das Versatzstück stoßen, hier, rechts müssen Sie gehen. Als Statist meinen Sie? Nun ja. aber das Wort braucht Sie nicht abzustoßen, der Zweck heiligt die Mittel." Otto Hesse stand auf der Bühne, die sich, von ihrer Kehrseite gesehen, keines wegs sehr berauschend ausnahm. Es tarn ihm nicht minder als auffällig zum Bewußtsein, daß sein Unlversi tätslehrer sich hier wie ein Jnspicient benahm, er sah nur sie, Luy, die, um geben von Damen und Herren, wie ein Rosenwölkchen auf ein etwas schäbiges Empiresopha hingegossen lag. Nun trat der erste Jnspicient an ihn heran. Bitte, hierher. Hinten an der Thür ist zuerst Ihr Platz. Sie sind soeben eingetreten und sehen sich nun erst mal das Ganze an. Bitte, etwas vlasirt und weltmännisch auszusehen, nicht so erstaunt. Später unterhalten Sie die Vicomtesse die Vicomtesse muß im mer unterhalten werden. Wenn sie Ihnen den Handschuh zum Zuknöpfen reicht, o machen &t das nicht zu schnell recht sorgsam und mit Ge fühl wo ist der Rosenstrauß für die Gräfin? Meyer, sehen Sie doch mal nach!" Die Vicomtesse" war ine stark ramponirt aussehende Dame in etwas fleckigem, gelbem Damast. Es war keine Kleinigkeit, ihr Ritterdienste zu leisten, aber Herr Hesse unterzog sich dieser Aufgabe mit Hingebung: brachte sie ihn doch in die Nähe Lily's, die, wie es ihre Rolle vorschrieb, ihn verschiedentlich im Vorübergehen freundlich anlächelte, oder wenn andere Spieler im Vordergrunde der Scene beschäftigt waren, scheinbar das Wort an ihn richtete. Es ist sehr heiß heute Abend nicht wahr?" hatte sie ihm einmal zugeflüstert, und ihm schien's, als hätte m der einfachen Frage eme zarte Be sorgniß gelegen, ob ihm die Statisten rolle, die er so liebenswürdig übernom men hatte, nicht zu viel werde. . - Endlich wer auch oieser letzte Act zu Ende; brausender Beifall erfüllte daö Haus, immer neue Blumenspenden wurden auf die Scene gereicht, immer wieder mußte der Vorhang sich heben. damit das Publikum noch zum aller letzten Male die Scheidende sehen kön ne. Nun war eS ernsthaft vorüber; man horte das dumpfe, brandende Ge räusch der sich entfernenden Menge, dann wurde eS still. Wie Lily Delyana jetzt im Kreise der Eollegen stand, von Allen Work deS Bedauerns über ihr Scheiden ent aeaennahm. Allen Worte deö Danken sagte, war sie mehr Prinzessin als je. . . ,.. vi rr (25 war wie eine ricylige kleine ioux, die sie abhielt. ES ging dabei auch ganz nach Rang und Würben zu Zuerst kamen die anerkannten .Großen an die Reihe, dann die Gastirenden. dar nach die jungen Anfänger; schließlich euch die Statisten. Jeder empfing em paar freundliche Worte. Jede? einen Händeruck. ......

Auch an den jungen Medicinmann!

kam die Reihe. Das feine Händchen hatte sich ihm kaum entgegengestreckt, als er sich darüber beugte und einen Kuß darauf drückte, einen Kuß. in welchem seme ganze Ergebenheit, ferne ganze Leidenschaft lag. Die Schauspielerm sah ihn etwas überrascht an, dann lächelte sie und reichte ihm von Neuem die Hand, nun mit einem herzhaften Druck. Neben der Berührung der zarten Haut, neben der angenehmen Blutwarme, die ihn m einen Schauer des Entzückens versetzte, suhlte er noch etwas Hartes, Rundes, und dieses blieb auch, nachdem die kleine Hand sich aus der seinen gelöst und das Rosenwolkchen davon geflattert war, um tu nen Anderen zu beglücken. Es war ein schönes, glänzendes Zehnmarkstück. Sie hatte ihn für einen Statisten wie die Anderen gehalten und ihm genau wie jedem Anderen ihren Dank für seine Dienste ausgedruckt. Nun geschah aber etwas, das txatnu lich noch wunderbarer war. Lily's rosenrothe Jungemädchengestalt löste sich von emer würdig fchwarzseldenen. ma donnenhaften ab, der sie eine Minute lang am Halse gehangen hatte; und diese schwarzseidene Gestalt legte die rosenrothe in die Arme einer anderen schwarzen, aber männlichen Gestalt, die die rosenrothe so fest hielt, als müsse sie jeden Augenblick hinwegflattern. Hin zu trat eme dritte schwarze Gestalt, deren Vorderflache effectvoll durch ein sehr weit sichtbares, spiegelndes Ehenusett unterbrochen wurde, der Herr Theaterdirector. Mit einer Miene, als wollte er die Beiden auf der Stelle trauen, begann er eine jener Reden, die Theaterdirectoren für derartige Gelegenheiten immer fix und fertig haben; von der Muse der Schauspielkunst, di: trauernd ihr Haupt verhülle, weil ihr Liebling, ihre hochbegabte Jingerm, fahnenflüchtig geworden sei, und von der Göttin der Liebe, die jubelnd ihre Arme ausbreite, um ihr Kind zu dem zurückzuführen, was einzig und allein eines Weibes Glück ausmache, zu dem Leben am häuslichen Herde, und wie er, der Director, zwar denVerlust be klage, aber doch nicht umhin könne, Fraulem Delyana ein volles Gluck an der Seite des von ihr Erwählten, des Herrn Dr. Hoffmann, Docenten an der hiesigen Universität und zudem eine Leuchte der Wissenschaft, auszudrucken Da gab es ein Gratuliren und einen lauten Jubel ohne Ende, und alsFräu lein Delyana am Arme ihres Verlob ten wieder mit Dank und Händeschüt teln die Runde machte, vermißte sie für einen Augenblick, aber nur für einen Augenblick den iungen, eleganten Sta tisten, der die Kühnheit gehabt hatte, ihr die Hand zu küssen. In der nach sten Minute hatte sie ihn vollständig veraessen. Der aber hatte stumm die Bühne verlassen. Mignon. beut 5c1en eineZ Kmdeö von Max Lan gcnberg. Die Vorstellung im königlichen Opernause war zu Ende. Mlgnon con A' ibroise Themas war gegeben worden, und eine berühmte Sängerin hatte die Titelrolle so entzückend schön gesungen, daß nach jeder Nummer ein rauschender Beifall das Haus durch tobte und nach jedem Aktschluß die Künstlerin zahllose Male vor den Rampen erscheinen mußte. Da auch alle übrigen Mitwirkenden ihr bestes gethan hatten, so durfte man die heutige Mignon Vorstellung zu den gelungensten zählen, die in dieser Saison bisher über die Bretter gegangen wa ren. Sichtlich befriedigt, verließ das Publikum das Haus. Auch Walther Engler, ein junger Maler, aus dessen hervorragendes Ta lent bereits weite Kreise aufmerksam geworden waren, hatte zu verschiedenen Malen seinem Nachbar lm Parket ein Prächtig!" Wundervoll!" zugeflüstert und war von der Auffuhrung os fenbar ebenso befriedigt wie das übri ge Publikum. Trotzdem lag, als er letzt aus dem Portal des Opernhause heraustrat, ein Zug tiefen Unmuths auf seinem Gesicht, der sich, während er die Linden nach der Friedrichstraßc zu entlang schritt, noch verstärkte. Wann werde ich endlich einmal das Modell zu memer Mignon swsen? murmelte er. Meine Mignon!" Schon seit Monaten krua sich Eng ler, angeregt durch die Lectüre des Wilhelm Meister", mit dem Gedan ken. eine Mignon zu malen. Aber es sollte etwas Besonderes werden; keins jener Dutzendgesichter wollte er aus der Leinwand verewigen, wie er sie bis zum Ueberdruß in der Akademie oder in derFriedrichstraße antreffen konnte. In feiner Phantasie hatte er sich ein Bild von ,ener wundersamen Goethe schen Mädchengestalt geschaffen, von dem er freilich nicht hoffte, es m der Wirklichkeit verkörvert au finden: aber i ' in Glück Im Hause. Häuslicher Fn'ede und Glück werden immer bewahrt werden wenn die QU lern die nöthige Vorsicht bei Erkaltung, oder Hals und Lungen Leiden der Kkinen anwenden. Kinder sind immer geneigt elneErraltulig leicht zu nehmen, Dr. Bull's Husten Sprup iedoch kunrt sie rasch und sicher. gebrauchte Dr. Bull's Husten Syrup für meinen acht Jahre alten Sohn. Er hatte die Bräune und ich versuchte viele Mittel fand jedoch daß Dr. Bull's Husten Syrup das beste von allen war." Frau l. Geib, 317 Demott Str., West Hobolen, N. I. Dr. Bull'S Husten Syrup kostet nur 25 CentS und er ist besser und billiger als wie alle die anderen Mirturen welcher derHändler anpreist. Staust nur Dr. Bull'S husten Svruv tzxx a ist isxrr.it wirksam UNdLUt.,

täglich, stündlich' erwartete er von lim'

Zufall, daß dieser ihm irgendwo ein Wesen entgegenführte, das seinem Phantastebild wenigstens einigermaßen ähnlich wäre, und das er vielleicht als Modell benutzen könnte. Es war-ein naßkalter Novemberabend. Ein feiner, eisiger Regen aina schon stundenlang nieder und hatte auf Fahrdamm und Trottcir jenes undeflnlrbare Gemisch hervorgebracht, das. kem Wasser mehr und noch kem Schmutz. ledem Grotzstadter, lnsbciondere den biedern Nosselenkern. auf's Gründlichste verhaßt ist. jenesGemisch. das die asphaltirten Straßen glätter und gefahrvoller für Mensch undThier macht, als Schnee und Eis es vermogen. Trübe, von der dicken Luft fast erstickt, brannten die Laternen, und auch das elektrische Licht vermochte seinen Glanz nur theilweise zu entfalten. Engler schritt hastig vorwärts, um dem unangenehmen Wetter zu entslle. hen und unter Dach und Fach zu kommen. Er hatte mit einigen Freunden verabredet, sie nach der Vorstellung im Pschorrbräu aufzusuchen und dort mit ihnen noch em Stundchen zu plaudern. bevor er seine Schritte den heimaihll chen Penaten zuwendete. Man hatte verabredet, sich m dem Theil des aus gedehnten Restaurants zu treffen, zu dem man von der Französischen Straße aus gelangt, und eben war Engler dabei, um die Ecke der genmnten Straße umzubiegen, als ihm em ganzer Trupp jener kleinen nächtlichen Straßenverkaufer, Knaben und Madchen. entgegenstürzte, die jedem Lerliner wohlbekannt sind, und die einen nicht geringen Theil großstädtischen Jammers und Elends in sich verkörpern. Wachskerzen gefällig. Herr Jraf? Sie leuchten die janze Treppe ruffi" Koofen Se mir doch etwas ab, Excel lenz, ick habe jrade die letzte Schachtcl!" So schallte es dem Maler von allen Seiten entgegen. Er warf dem sich an ihn Herandrängenden Trupp einige kleine Münzen zu und wollte in das Portal des Re staurants eintreten, als seine Augen plötzlich auf einer Mädchenfigur haften blieben, die, scheu und schüchtern beiseitestehend, soeben von dem vollen Licht der elektrischen Bogenlampe et troffen wurde. Ein leiser Ausruf des Erstaunens entfuhr seinen Lippen. Mignon!Ueberrascht blieb er stehen und winkte das Kind in den schützenden Hauseingang. Zörnd nur folgte das Mädchen dem Wink. Mit stummer Frage sahen zwei große, tiefschwarze, scheue Augen den Maler un. der bewundernd seinen Blick über die zarte, schlanke Gestalt gleiten ließ. Tiefschwarz wie dieAugen war auch daS volle, üppige Haar, das in einigen widerspenstigen wi.'ren Locken über eine marmorweiße Stirn herabfiel und einen seltsamen Geg:nsaiz bildete zu der tiefen Blässe deZ feinen Gesichtchen. Das Mädchen, das zwischen dreizehn und vierzehn Jahren zählen mochte, war ärmlich un) vürftig gekleidet, aber die Kleidungsstücke wiesen keine SpUr jener Verwahrlosung und Verkommenheit auf, wie man sie an den meisten übrigen der Schaar erblicken konnte; vielmehr zeigte .-.lles eine säubernde und bessernde Hand, die, so gut es eben angmg. die Klilder m Stand gehalten hatte. . 'Verkaufst Du auch Wachskerzen?fragte Engler. Jawohl!" Gib sie mir her!" Alle?" lautete die schüchterne Gegenfrage, aber hell blitzte es in deö Kinds Augen aus. Alle!-. Etwa ein Dutzend Schachteln ließ der Maler in seine Tasche gleiten und druckte dem Mädchen emen Thaler m die Hand. Gib das Deiner Mutier!".sagte er. Ich habe keine Mutter mehr!" gab sie zur Antwort. So gib's Deinem Vater! - Den hast Du doch noch?" . Sa." Wo wohnst Du denn? Wie beint Du? Was ist Dein Vater?" fragte rr c rr cr r r-r ungier, vor oeen Äugen elne vjiiq non jetzt in vollendeter Deutlichkeit stand. Das Kind wurde zutraulicber. al es den Maler mit warmer Stimme so fragen hörte. Der Vater ist" begann ste. Aber Enaler unterbrack sie bastia Schäme dich, alter Geselle! sagte er zu sich selbst. In deinem Egoismus läßt du daö arme frierende und bungernde Geschöpf hier stehen! Und ohne weiteres satzte er das Kmd bei der Hand und schritt Mit ibm auf dieKuch des Restaurants zu. in die man den im Lokal wohlbekannten Gast nach einiaem Hin- und Qervarlamentiren ungehindert eintreten ließ. Und keine suns Minuten wahrte es. so stand vor dem Mädchen ein großer Teller Suppe nebst Fleisch und Gemüse sowie ein Glaö Limonade, und helle Freude zuckte über das blasse Gesicht. Sonnenschein! dachte Engler, als er daö Lächeln sah. Trotz deö Elends, in dem daö Kind offenbar lebt, hat daö Unglück doch noch keine Falte in diese weiße Stirn gegraben! ES ist ja daS Vorrecht der Kinder, unter allen Umständen glücklich zu sein! Und nun begann er seine vorhin an das Mädchen gerichteten Fragen in theilnahmövoller und gemüthswarmer Weise zu wiederholen. Seltsam, wie -lebhaft daS Kind wurde! DaS son nige Lächeln wollte nicht mehr auL dem Gesicht weichen, und die anf'ängliche Schüchternheit machte bald jener köstlichen kindlichen Vertraulichkeit Vlafe. die daö n der Erwachsenen 1 so UÄvidestebliaz einzunebmen ver

steht. Vergessen war hier ln Lem warmen, hellerleuchteten Raum bei guter Speise und gutem Trank alles häus-

liche Elend, das daheim das Kind umgab. Denn es war eine Geschichte voll Jammer und Elend, die das zutrauliche Geplauder des Madchens dem Zuhörer da in kurzen, oft zusammen-j hanglosen Sätzen enthume. Eme nur von jenen zahllosen Geschichten dieser Art, die die Großstadt kennt; gleichen sie einander doch, alle fast auf em Haar. Die Mutter seit Jahren todt, der Vater ejn Gelegenheitsarbeiter, der nur arbeitete, wenn ihn der Hunger dazu trieb, die ganze Last des HausWesens, die Besorgung von Küche und Wohnung und dazu die Pflege und Wartung eines sechsjährigen, stets kranken und bettlagengenVruderchens. endlich die Anforderungen der Schule: alles das lag auf den Schultern dieses zarten Kindes, und ein Wunder war es unter solchen Umständen zu nen nen, daß das glückselige Kinderlächeln noch nicht aus den blassen Zügen verschwunden war. Noch lag dieses Lacheln darauf, noch hatte die harteHand des Schicksals keine Falte eingegraben in die reine weiße Stirn, noch hatte dieses jugendliche Herz all seine Hoffnung, all seine. Liebe, all sein Vertrauen. Wie lange noch? Wer konnte das wissen! Möchtest Du mich einmal besuchen, wenn Du Zeit hast?" fragte der.Maler. Lotte Hausmann so hieß daö Mädchen sah ihn erstaunt, fragend, zweifelnd an. Du darfst ruhig kommen, mein Kind," fuhr Engler fort, und wenn Du Dich fürchtest, so darfst Du Dir Deinen Vater oder ein paar Freundinnen mitbringen" Ich fürchte mich nicht, Sie sind so gut. wie lange Niemand gegen mich gewesen ist. Aber was soll ich bei Jhnen thun?" Das will ichDir sagen, mein Kind. Sieh, ich bin ein Maler, ich male Bilder. große und kleine, und nun möchte ich Dich einmal abmalen. Mich?" " Fast erschrocken klang die Frage. Ja, Dich. . Warum nicht? Du brauchst nicht oft zu kommen, einigemal nur, und nicht umsonst sollst Du Deine Zeit verlieren. Mehr Geld sollst Du verdienen, als. Dir der armselige Handel mit Streichhölzern in bitterer Kalte embrmgt. .Ich möchte gern etwas verdienen, entgegnete sie leise. Mein Brüderchen ist so krank, ich mochte ihm etwas kaufen. Wein und Apfelsinen, denn der Doctor sagt, daS wurde ihm gut thun. Aber ich habe kein Geld dazu gehabt, und der Vater bringt nichts mit" Du sollst AlleS haben, mein Kind, und Dein Brüderchen auch. Komm morgen Nachmittag nach der Schule zu Mir, dann wollen wir Alles bespre chen. Willst Du?" Ein freudiges Aufkeuchten der Au gen gab die Antwort. Engler streckte dem Madchen die Hand hm, und schnell legte dieses die seine hinein. Uad ietzt." fuhr Enaler fort. komm; ich rufe dir ein: Droschke, und du fahrst nach Hause. Und morgen Nachmittag komme ich zu Ihnen." Abgemacht.- Er schrieb ihr seine Adrezze sorgfältig aus. Einige Augenblicke später fuhr Loit in einer Droschke ihrer Wohnung im fernen Osten zu, und Engler begab sich, mit dem frohen Gefühl, eine gute That gethan zu haben, zu semen Freunden, die ihn, etwa verwundert über sein langes Ausbleiben, erwarte ten. Ueber Nacht schlug plötzlich daS Wet ter UM. Eine für diese Jahreszeit es war Ende November ungewöhnlich scharfe Kälte trat ein, die sich noch bedeutend erhöhte, als das heftige Schneetreiben, das losgebrochen war, aufhörte. Gegen Mittag des andern Tages leuchtete ein klarer, frostiger Winterhimmel auf die schneebedeckten Straßen und Häuser, und alle Welt hüllte sich in warme Kleidungsstücke. Zu den Armen, die über solche nicht verfugten, gehörte auch Lotte. Zu ternd und bebend vor Kälte, trat sie Nachmittags gegen halb fünf Uhr in das Atelier des Malers. Ihr versro ren aussehendes Gesichtchen strahlte freudig auf, als ste in den behaglich erwärmten und elegant ausgestatteten Raum trat und Engler ihr freundlich entgegenkam. Hast du gefroren, Loitchen?fragte er, ste auf einen Platz in der Nähe des Ofens führend. Einen Augenblick, und Kaffte nebst dem schönsten Kuchen, den ich habe auf treiben können, soll dir aufgetischt werden!" Er klingelte. Seine HauZhälterin trat ein. und wenige Minuten spater saß Lotte vor einem zierlichen, kleinen Tischchen, emsig Kuchen und Kafsee verzehrend. . Darf ich meinem Bruder auch et was mitnehmen?" fragte sie. Er ist so hanV Soviel du willst, mein Kind. Und mehr noch. Ich werde dir zwanzig Mark geben". Mir? Zwanzig Mark? Nein! Meine selige Mutter sagte immer, Geld dürfe man sich nicht schenken lassen, daö schände einen Menschen" Behüte, behüte! Du sollst eö auch nicht geschenkt erhalten. Ich will dich malen, und dafür, daß du zu diesem Zwecke bei mir deine Zeit verlierst, in der du sonst arbeiten und schaffen könntest dafür, für diese verlorene Zeit, für die Mühe, die du aufwendest, dafür will ich dir das Geld geben Sie sah ihn fragend ml Offenbar hatte sie seine etwas sophistische Argumentation nicbt reckt verstanden. (Fortsetzung aus der Nücksette.)

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