Indiana Tribüne, Volume 21, Number 118, Indianapolis, Marion County, 16 January 1898 — Page 6
Wintersport. In kräftigenden Körperübungen, in frischen und ausdauernden Bewegunjen, im Ueberwinden von Schwierigkeiten und im frohen Genuß der ewigschönen Natur liegen die besten Stärkungsmittel für Leib und Seele. Vieten die sommerlichen Sportübungen Wie Radsahren, Bergsteigen, Schwimmtn, Rudern und Segeln einen hohen (Zenuß, so ist doch dem Wintersport, lvenn die Natur in den Banden von Schnee und Eis ruht, ein gar eigenartiger Reiz eigen. Welch' Hochgenuß, auf Stahl beschwingtem Fuße über die spiegelblanke Eisfläche dahin zu gleiten. Man sehe sich eine Gesellschaft beim Schlittschuhlaufen an, Männlein und Weiblein wie da die Augen leuchten! Die Gesetze der Schwere scheinen aufgeboben, ein rhythmisches Schweben, Wiegen, Neigen, eine Anmuth der Bettegung, wie sie die schwerstbezahlte Vallerine auf der Bühne im Leben nicht zu Stande bringen wird! Der Sieg über die Materie ist vollständig und der Triumph der eigenen Kraft und Geschicklichkeit größer als sonst bei einer Uebung. Man hat nicht nur die sonst auch vorhandenen technischen Schwierigkeiten überwunden, auch die elementare Macht des grimmen Winters wird besiegt. Kalt ist's, bitter Zalt. die Menschheit friert bis in die Knochen nicht wahr ist's, Frühling ist es! Dem Eisläufer ist es wohl und warm, er verlacht den grimmigen Winier. Im Schlittschuhsport zeigt sich die Damenwelt, die vor hundert Jahren noch gänzlich davon ausgeschlossen war, heute im allgemeinen gewandter als di, Herren. Während diese beson-
! Schneeschuhlaufen. iers in Schweden und Norwegen, im forcirten Schnelllaufen HervorragenT?es leisten, wird von den Frauen mehr 7rie Pflege des Kunstlaufens geübt, irnd vornehmlich in Berlin und in Wien cultivirt man diese Richtung des Eissportes mit sichtbarem Erfolg. Die Kunstläuferinnen im Wiener Prajet" und auf dem Neuen See" im Berliner Thiergarten zeichnen sich durch die Geschicklichkeit, mit der sie formvollendete Spuren" in die Eisfläche ritzen, sowie durch ihre große Ausdauer und ihre elegante Haltung aus. Im Schneeschuh und im Rennwolf f)at der Schlittschuh zwei .mächtige Concurrenten erhalten. Beide sind in Skandinavien entstanden und dort nicht allein für Sportzwecke, sondern sür den gesammten Verkehr bei starken Schneefällen von außerordentlicher Bedeutung. Der Schneeschuh oder Ski, den Fridtjof Nansen den König aller Sportmittel" nennt, ist bei nur mäßizer Schneedecke auf jedem Terrain anwendbar und hat nach dem Muster der skandinavischen Heeresverwaltung neuerdings auch in der preußischen, sächsischen, bayerischen, österreichischen -und ungarischen Armee Eingang gefunden. Die Fortbewegung, die beim Schlittschuh durch weites Ausschreiten der Füße geschieht, vollzieht sich hier !durch paralleles Vorschieben d:r Schneeschuhe. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beim Skilaufen beträgt in der Ebene etwa 6 engl. Meilen In der Stunde, doch erzielen manche Läufer eine geradezu erstaunliche Schnelligkeit. Ebenso Erstaunliches Rennwolf- Fahrerin. wird im Luftsprung geleistet, namentlich in Canada sowie in Schweden und in Norwegen; geübte Schlittschuhläufer vermögen dort auf solchemSprunge -eine Distanz von 75 Fuß zu nehmen. Die Schneeschuhe müssen zäh. halt tar, glatt und leicht sein. Sie zeigen in der Mitte eine Biegung oder Krümrnunq nach oben, die im Moment der Belastung durch das Körpergewicht aufgehoben wird, aber wie eine Feder wirkt, die den Skiläufer vorwärtsschnellen hilft. Die Skiläufer tragen besondere, wasserdichte Laufschuhe, die vielfach mit Filzkappen zum Schutz gezen den Schnee gearbeitet werden. Der Fuß wird nur an einer kleinen Stelle, n dem Ballen, mit dem Schneeschuh durch einen Riemen befestigt; die Fnse Ijebt und senkt sich beim Laufen beständig. Ein Bergstock oder ein Bambusstab dient zum Bremsen und zum Lenitn. Eine besondere Kleidung ist für den Schneeschuhlauf nicht erforderlich; nur sind allzu lange und starke UeberZleider, die an der Bewegung hindern, u vermeiden. Skiläuferinnen tragen
am besten daZ fußfreie Kleid der Radfahrerinnen. Dasselbe gilt von der Kleidung beim Rennwolffahren. Dieser Sport läß! sich ohne alle Vorübung ausführen. Der Rennwolsfahrer steh! mit einem Fuße auf einem der Hinteren Kufenenden feines Tretschlittens, hält sich mit der Hand an der Querstange und bewegt sich dadurch fort, daß er bestänolz mit dem andren Fuße zwischen den Kufen nach rückwärts stößt. Man kann natürlich nach Belieben den als Stutze dienenden Fuß wechseln. Den treibenden Fuß benutzt man auch als
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Hörnerschlitten-Fahrt. Steuer und lenkt mit der Querstange den Rennwolfschlitten nach der gewünschten Richtung. Um dem Füße sicheres Abstoßen und Bremsen zu ermöglichen, schnallt man eigene, zweckmäßige Schlittensporen unter die Sohlen. Die Kufen dieses Tretschlittens sind zwei bis zweieinhalb Fards lang und vermindern dadurch die Gefahr des Einbrechens auf schwächerem Eise. Die mit dem Rennwolf zu erreichmv: Schnelligkeit beträgt ca. 12 Meilen in der Stunde. Mit diesem Gefährt werden dieselben Terrainsteigungen wie mit dem Fahrrad überwunden. Man pflegt ein Schellengeläut an dem RennWolf anzubringen und bei Nachttouren eine Signallaterne zu benutzen. Die neuesten Renuwolfschlitten sind übriaens zerlegbar, also ebenfalls sehr leicht und bequem auf der Reise zu transportiren. Während man den Schneeschuh überall benutzen kann, wo nur eine yenügende Schneedecke vorhanden lst, läßt sich der nordische Rennwolf nur da verwenden, wo der Fwß einen gewissen Widerstand findet: auf Chausseen, befahrenen Wegen, auf der Eisbahn, kurz überall, wo man Schlitten fahren kann. Auch das Schlittenfahren ist zuerst von Bewohnern nordischer Länder, in Skandinavien und in Canada sportmäßig ausgebildet worden. So vor allem der Rutschschlitten, der jetzt auch in Deutschland, im Riesengebirge, Harz u. s. w., bereits sehr bekannt und beE i s b o o t. liebt ist. Die vorn hörnerartig emporgebogenen Schlitten werden durch Zugthiere auf dieBerge geschafft, und dann saust man pfeilschnell, meist zu zweien in solchen Hörnerschlitten", auf den Gebirgswegen thalwärts. In Canada ist zur Winterszeit ein Rutschberg etwas Unentbehrliches und wenn nicht die Natur ausgeholfen hat, werden künstliche Rutschberge von beträchtlicher Höhe erbaut. Es heißt freilich nach jeder Thalfahrt den Schlitten wieder hinaufschleppen, aber es lohnt sich, die Sache ist gar zu lüstig! Die gemeinsamen Schlittenfahrten. die im Anfang des Jahrhunderts so beliebt waren, haben zum 'großen Theil ihren Reiz verloren. Nur in Rußland sind die Schlitten dank der originellen Bespannung und den prächtigen, malerischen Gefährten noch heute sehenswerth. Die eleganten Troikaschlitten in der Regel mit zwei Rappen und einem Schimmel bespannt, die über die spiegelglatte Eisfläche der Bolschaja Newa" mit einer Schnelligkeit dahinsausen wie in keiner anderen Großstadt, gehören mit Recht zu den Sehenswürdigkeiten Petersburgs. Das buntbewegte Leben, das sich hier an klaren Wintertagen abspielt, gewährt mit den prächtigen Gebäuden im Hintergrunde, dem Admiralitätspalast, der Jsaakskathedrale, dem Synodal-, dem Senatsgebäuoe u. s. w. .'in unvrgleichliches Bild. Ebenso interessant ist das winterliche Leben und Treiben auf den großen rufsischen Seen, wo der Segelschlittensport nicht minder eifrig betrieben wird als auf den schwedischen Binnenseen, in den norwegischen Fijorden, in Canada, im Norden der Ver. Staaten und neuerdings auch in Deutschland. Zu den besonderen. Winterfreuden Christianias gehören Wettfahrten in solchen Eisbootschlitten. Die mit Segeln aufgetakelten Boote ruhen vorn, wo sie breit sind, auf zwei Kufen; hinten, wo sie schmal sind, nur auf einer Kufe, die drehbar ist und als Steuer dient. Die nordischen Segelbootschlitten Lbertreffen bei günstigern. Winde und gutem Eise selbst die eines Schnellzuges an Geschwindigkeit, und eine solche Eisbootfahrt gehört unstreitig zu den eigenartigsten und schönsten Winter-freuden.
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Die Ausstellung in Hmaya.
Auf der Trans-Mississippi-Aus siellung in Omaha wird der Staat Jllinois in würdigerWeise vertreten sein. Der Plan zu dem Jllinois-Staatsge-bäude zeigt eine Combination des griechischen und byzantinischen Baustiles, welche einen günstigen Eindruck hervorbringt. Das Gebäude wird 44 der 116 Fuß Bodenflache einnehmen, oder, mit Hinzurechnung der Veranden und des Vorbaues, 63 bei 136 r3TfT? wXti' j 't$iLLz Illinois - St Fuß. Dasselbe wird zwei Stockwerke enthalten. Im Parterre wird das Gebäude einen Saal für Versammlungen, sowie ein geräumiges Zimmer für Comitezwecke erhalten. Der letztere Raum ist blos durch eine Wand von dem Saale getrennt und kann durch Entfernen der Wand mit dem Saale verbunden werden. Im oberen Stockwerke wird sich ein großer Speisefaal befinden, der nach der Innenseite zu Weil nun der Wintersport ein so schöner und dabei so wenig kostspieliger ist, konnte er ein so wahrhaft Volksthümlicher werden. Es giebt Winterliche Spiele, die in den betreffenden Gegenden seit Jahrhunderten im Schwung sind und die auch dem Forscher ein ethnographisches Interesse bieten wie alle sonstigen volksthümlichen Sitten und Gebräuche. Bemerkenswerth dabei ist, daß gerade die volksthümlichsten der Uebungen, die Bauernspiele, eine sehr tüchtige und correkte sportliche Grundlage haben. Sie könnten ohne weiteres auch von Sportsleuten geübt werden. Das Eisschießen wird seit unvordenklichen Zeiten schon namentlich in den österreichischen Alpenländern mit großem Eifer betrieben. Vorbedingung ist eine große, glatte Eisfläche, und da ein Fluß selten so glatt friert wie der Spiegel eines Sees, fo ist es nur natürlich, daß das Spiel vorwiegend in den Gegenden an den Seen heimisch ist. Bei dem Spiele handelt es sich darum, eine schwere Holzscheibe mit mächtigem Schwung in vorgeschriebener Richtung möglichst weit über die Eisfläche hingleiten zu lassen. Nicht immer ist es aber damit abgethan, und häusig wird das Spiel auch so eingerichtet, daß neben der Kraft und Geschicklichkeit des Armes auch die Sicherheit des Auges den Ausschlag gibt. Es wird dann ein sichtbares Ziel aufgestellt und es gewinnt, wer demselben am nächsten kommt. Dieses Spiel hat seinen Weg nach England gefunden und dort ist aus dem Bauernspiel ein Herrenspiel geworden. Hockey. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Eisschießen hat das Eisbosseln oder Klootschießen, wie es bei den schleswigholsteinischen Marschbewohnern gebräuchlich ist. Die Bossel ist eine bleiausgegossene Holzkugel von etwa einem Pfund Gewicht. Stets spielen die Mannschaften zweier Dörfer gegen einander. Um beim Spiele sicheren Stand zu haben, pflegen die Kämpfer vor dem Wurfe ihre Fußbekleidung abzulegen. Von der Stelle aus, wo die Kugel liegen geblieben ist, erfolgt der nächste Wurf, und so geht es Wurf um Wurf meilenweit in's Land hinein, bis dann in der Mitte des Spieles gewendet wird nach der Richtung der Aufbruchsstelle. Hat die eine Partei einen Vorsprung von mehr als der Länge eines Wurfes, so wird ihr von den Kreetlern-, d. i. den Schiedsrichtern, ein Schott up" (Schuß voraus) verzeichnet, ist die Strecke zum Schlüsse nur eine geringe, so wird ein Kiek ut" (Aussicht, Ausblick) gutgeschrieben. Siegt ein Dorf dreimal über das Nach bardorf, so wird die Bossel vergoldet und zu Hause als Trophäe des Dorfes im Triumphe aufgehängt. Nicht so volksthümlich wie die vorgenannten Spiele, aber ebenfalls viel Unterhaltung und Anregung bietend ist das Hockeyspiel auf dem Eise. Hockey gehört zu den englischen Nationalspielen. Es ist ein Rasenspiel und wird auf dem Eise eigentlich nur in übertragenem Wirkungskreise gespielt. Es gehört zur Gattung der Polospiele und kommt bei demselben eine kleine Kugel aus zollstarkem Gummi mit einem Hohlraum von einem Zoll Durchmesser zur Verwendung. Diese wird mit langen, an den Enden aufgebogenen Stöcken getrieben. Zwei Parteien kämpfen miteinander, und der Zweck des Kampfes ist, die Kugel in's feindliche Lager zu treiben. Ist das Spiel schon auf dem Rasen nicht leicht, so erfordert es auf der glatten Eisfläche noch eine ganz besondere Gewandtheit und Geschicklichkeit. und wer nicht ein ganz Germer- Schlittschuhläufer ist, der bleibt besser davon, denn es wird ihm nicht Wohlergehen dabei.
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offen, einen Ueberblick über den darunter befindlichen Saal gestattet. Ein Damenzimmer, ein Bibliothekzimmer, eine Office, und mehrere andere Räumlichkeiten, werden in beiden Stockwerken enthalten sein. Die Rotunde des Gebäudes wird besonders reich geschmückt werden und an hervor ragender Stelle das in reicher Aussüh rung prangende Illinois Staatswappen zeigen. In der Office des
aatsgebäude. Gebäudes wird ein Gedenkbuch aufliegen, in welchem Jllinoiser Ausstellungsbesucher ihre Namen eintragen können. Das Gebäude, dessen Herstellungskosten sich auf 520,000 belaufen werden, wird auf einem dominirenden Punkte errichtet werden und von demselben wird man eine prächtige Aussicht über den Missouri Fluß nach den jenseits des letzteren sich hinziehenden Jowa-Bergen haben. Götzendienst in Lltthauen. Im Mittelalter wurde der Götzen dienst in Litthauen mit Feuer und Schwert verfolgt, ohne daß es gelang, ihn vollständig zu unterdrücken. Im Geheimen bestand er weiter bis in im sere Zeit hinein. So erzählt die Kirchcnchronik zu Jnse, daß zur Zeit Friebrich Wilhelms I. die Jnsener dem Donnergotte Perkunos unter einer Eiche nächtliche Opfer darbrachten. - Der Pfarrer sägte den Baum ab. mußte aber vor den empörten Fischern die Flucht ergreifen. Der König verlegte zur Strafe die Kirche von Jnse nach Kallningken; später erhielt Jnse wieder eine Kirche. Vor etwa 50 Jahren gelangte ein Fall aus dem Kreise Memel zur Kenntniß des Gerichtes. In einem abgelegenen Gebäude hatten sich Litthauer in der Nacht unter Mitnahme eines Bockes und einer Quantität Mehl versammelt. Man machte ein Feuer an, bereitete einen Teig und setzte sich um das Feuer herum. Die Gegenübersitzenden warsen dann Stücke von Teig durch das Feuer einander zu, bis die Teigthcile ziemlich gar waren. In ähnlicher Weise verfuhr man mit dem Fleische des geschlachteten Bockes. Darauf folgte das Essen. - Ein alter Mann warder Priester. Diesem mußten die Anwesenden ihre Vergehen bekennen, sür die er sie durch Püfje, Backenstreiche ic. strafte. Hierauf mußte der Priester gleichfalls ein Bekenntniß ablegen, wo für er in ähnlicher Weise von der Gesellschast bestrast wurde. Man verfuhr mit dem alten Manne so unbarmyerzig, daß er seinen Tod dabei sand. Verschnappt. ... Ich soll unter dem Pantoffel stehen? Lächerlich! Na. man will gehört haben, daß Deine junge Frau ordentlich geschimpft hat, wie Du in der Nacht nach Hause kamst!- Un sinn ich darf ja Abends gar nicht fortgehen!- ' Ein Gegengift. Polizeibeamter: Es ist eine Schande, daß Sie so oft wegen Trunkenheit hier sind. Sie sollten Ihren Kindern ein besseres Beispiel geben." Betrunkene Frau: Das thue ich auch', Ew. Gnaden; ihr Vater ist Temperenzler.Gegenseitig. Frau A.? Das Kleid, welches Sie da anhaben, steht Ihnen zum Entzücken, schade nur, daß der Stoff schon so viel getragen wird." Frau B.: Dagegen ist das Ihre von einer entzückenden Eigenart, schade nur, daß es Sie so wenig kleidet!" Zeitgemäß. Mutter (liest): Und das schreibst Du, mein einziges Kind, an einen Mann?! Du bist ja in Grund und Boden verdorben! Ich möchte nur wissen, wo Du eine solche Sprache gehört und gelernt hast? Auaenblicklich gestehst Du's mir!" Toch-
ter (keck) : Ja ich habe heimlich die Romane gelesen, die Du geschrieben hast, und mir immer für später die besten Stellen notirt! Eheliche Liebe. Richter: .Ist es wahr, daß Sie die Achtung, ' welche Sie Ihrer Frau schulden, so weit vergessen konnten, daß Sie Ihr ein Weinglas an den Kopf warfen?" Angeklagter: .Entschuldigen Sie, Herr Richter, kennen Sie meine Frau?" Richter: Habe leider nicht die Ehre." Angeklagter: Das hab' ich mir gedacht, denn wenn Sie sie kennen wiirden, hätten Sie mich jedenfalls gefragt, warum ich ihr nicht gleich die i ganze Flasche an den Kopf . geworfen ' habe."
Mie Lucic zu iyrem Wann
kam! Von Franz Kurz-Elsheim. Eine leichte Brise kräuselte die Wogen des ewigen Meeres, in welchem die Sonne blutroth unterzugehen drohte. Der ganze Umkreis schicn in flüssiges Gold verwandelt zu sein? wie scheue Vögel flatterten hoch oben die letzten hellen Wolken, die allmälig von düsterem Blau überzogen wurden. Und je mehr der feurige Sonnenball unserem Blick entschwand, desto prächtiger traten aus dem dunklen Untergrunde die leuchtenden Sterne hervor. Jetzt hebt sich oben ein schillernder Streifen ab. 'immer lichter wird er, immer lichter und maiestatlsch tritt der Mond hervor und zieht über das Meer silberne Reflexe. . . Still ist es, aus der Ferne tönen gedämpft die Töne des Intermezzos aus der Cavalleria Rusticana" herüber. Die Badekapelle hält ihr Abendconcert. Zitternd versliegen die Töne, kaum sind mehr die hohen Melodien der Geigen vernehmbar, jetzt verstummen sie ganz. . . . Wir liegen zu zweien ausgestreckt im Dünensande, unsere Cigaretten sind achtlos verglommen und mit WohlbeHagen athmen wir das würzige Aroma des Meeres ein. Gar zu süß ist es, in der Dämmerung zu träumen und sich so allmälig von der prächtigen Sommernacht überfallen zu lassen. Hinter uns ertönte das Knistern eines , Frauenrockes und eine helle Stimme weckte uns aus unseren Träumereien: Die Herren lagen am Meere, Und seufzten schwer und bang, Es rührte sie so sehre Der Sonnenuntergang. Ueberrascht sprangen wir auf und beim Lichte des Mondes, der eben wieder voll aus den Wolken hervortrat, sahen wir in zwei lustig blitzende Augen, die einem reizenden Geschöpfchen von 19 bis 20 Jahren angehörten, das unbeirrt um unsere erstaunten Gesichter fortfuhr: Meine Herren, sei'n Sie munter, Das ist ein altes Stück. Hier vorne geht sie unter Und hinten kommt sie zurück. Und sie schloß mit einem silberhellen Lachen. Aber, Lucie, rief ich aus. Du hier?" Das siehst Du doch, und anscheinend bin ich schon länger hier als Du. Ich las heute Deinen Namen zuerst in der Fremdenliste." Bin allerdings auch gestern erst angekommen und treffe sofort meinen alten Freund Knut Holmquist, der mich zunächst mit Beschlag belegte." Knut, denn er und ich hatten die Strandpartie unternommen, verbeugte sich. Ah, Dein Freund? Wir zwei kennen uns auch schon, haben schon ein wenig zusammen geflirtet. Dann sei Du in unserem Bunde der Dritte." Ja. aber Lucie, was führt Dich denn her zu so später Zeit und veranlaßt Dich, den Sänger des Meeres, Heine, zu parodiren?" Lachen konnte sie, reizend! Ich bin meiner Tante ein wenig durchgebrannt. Ach, wenn ich recht sehe, kommt sie da hinten und sucht mich." Und zu Vieren schritten wir in unsere Hotels zurück. . . Ich lag schon im Bette, als mich ein Klopsen an meine Thür aufhorchen ließ. Werda?" Knut! Franz,- mach mal auf. Was Wichtiges." Hat's nicht Zeit bis morgen?" Nein." Ich öffnete also. Knut sah sehr echauffiert aus und ließ sich auf einen Stuhl fallen. . Was hast Du denn ?" frug ich erstaunt. Franz, ich halte Dich für meinen besten Freund." Na ja." Ich wurde schon etwas ungeduldig. Sei offen und ehrlich." Heraus mit der Sprache." Er sprang auf. Du kennst Lucie, liebst sie- am Ende?" Jetzt schlug ich eine helle Lache an. Gewiß kenne ich sie. Wir sind ja aus demselben Orte, schier Jugendkameraden. Sie ist eine Waise, reich, von ihrer Tante erzogen worden. Lustig. ausgelassen oft, wir haben uns häufig geneckt. Aber ich in sie verliebt? Nein." Er athmete beruhigt auf. Gott sei Dank, ich dachte schon, ich meinte" er trat plötzlich an's Fenster und blickte hinaus. Ich betrachtete ihn kopfschüttelnd. Plötzlich wandte er sich wieder zu mir. Ich kenne sie jetzt seit einem Monat, seitdem sie hier ist. Glaubst Du an eine Liebe auf den er sten Blick?" Ich zuckte die Achseln und ließ nur ein kurzes Hm" hören. Er aber fuhr unbeirrt fort: . Ich 'glaube daran. Ich liebe sie, ich liebe sie seit dem Augenblicke, seit ich sie gesehen und ich glaube, daß auch ich ihr nicht so ganz gleichgiltiz bin." Weshalb sagst Du's ihr denn nicht?" Daö ist es ja eben. So oft ich mir auch vornehme, ihr meme Gefühle zu erklären: bin ich bei ihr, verliere ich allen Muth." Er seufzte tief. ' . . Ja, bester Knut, um die Liebeserklärung kommst Du bei den Frauen nicht herum. Doch jetzt lege Dich zu Bett. Ich will mir die Sache 'mal überlegen." Das war zwar leicht gesagt, aber
kch kam zu keinem Nesultak. Ms ich jedoch einmal mit Lucie allein war, sagte ich ihr- kurzweg die Verlegenheit unseres Freundes. Ich erzählte ihr, daß auch Knut begütert, sein eigener Herr sei. daß er es aber nicht wage, ihr seine Liebe zu erklären. Da müßte schon ein anderer Anstoß kommen, der ihn zum Sprechen zwänge. Sie sah mich mit ihren blauen 2fcy gen groß an. Ich habe ihn ja auch gern. Dir kann ich's ja sagen, aber ich darf ihm doch nicht zu Füßen fallen und ihm sagen: 5Znut, liebst Du mich?" Ja, hm, da hast Du auch recht." Trotzdem ich ihm Hoffnung machte, so hätte er dennoch niemals die Liebeserklärung über seine Lippen gebracht, würde es jedenfalls auch bis heute nicht gethan haben, wäre nicht ein Vorfall eingetreten, der der Geschichte eine ganz andere Wendung gab. Die Tante, Lucie, Knut und ich hatten einen kleinen Ausflug geplant, am Meere entlang, dessen Küste zum Theil wundervolle Partien enthielt. Knut und Lucie schritten voran, während die Tante und ich zurückblieben. Ich wollte sie absichtlich zurückhalten, vielleicht fand er doch endlich den Muth. Wir gingen langsam, so daß die beiden Vorderen bald unseren Blicken entrückt waren. Und als wir sie endlich einholten, welches Bild bot sich uns! Da lag Lucie schier ohnmächtig mit nassen Kleidern in Knut's Armen, der auch keinen trockenen Faden mehr anhatte, aber ihren Mund mit unzähligen Küssen bedeckte und fortwährend rief: Stirb nicht. Lieb, nur jetzt nicht ! Du sollst leben, für mich, ich habe Dich doch so gern!" Sie schlug halb die Augen auf, schlang ihre Arme fester um seinen Hals und flüsterte nur: Lieber, lieber Knut!" Die Tante war starr Abends erzählte mir der Glückliche den Hergang. Lucie hatte sich zuweit vorgewagt und war plötzlich in's Wasser gestürzt. Er sofort nach und holte sie heraus und da, in der Angst, der Tod konnte sie ihm rauben, da hatte er alle Scheu vergessen und nun. das Andere weißt Du", meinte er. Junge, jetzt wollen wir aber Verlobung feiern! Die Tante hat Ja und Amen gesagt." Wird ihr wohl nichts anderes übrig bleiben. Denn Lucie war in diesem Falle Strandgut und das verbleibt nach uraltem Rechte dem, der es herausholt." Anderthalb Jahr später hatte mir Knut in längerem Schreiben die Geburt eines prächtigen Jungen angezeigt und mich gebeten, Pathe zu werden. Eine Stelle seines Briefes fesselte mich am meisten. Und weißt Du, lieber Franz, was Lucie mir gestanden? Daß sie sich absichtlich hätte in's Wasser fallen lassen, um mir Muth zu machen, daß sie im Uebrigen famos schwimme und die Sache also gar nicht gefährlich gewesen sei. Und sie hatte recht berechnet. Die Frauen sind doch alle Komödianten. ich glücklicher Esel, ich!" Die Pathenstelle habe ich angenommen und in sein Album, das er mir zum Zwecke des Einschreibens eines Spruches gab. schrieb ich nur: Es ist kein Mann so gescheidt. daß er nicht noch ein gescheidteres Weib fände." Das Strandgut" drohte mir lächelnd mit dem Finger und meinte: Warte. Du Schmeichler!"
Die Gefahren des Küssens. Wenn man das Küssen vom hygienischen Standpunkt betrachtet was allerdings wohl nur sehr selten geschieht ergibt sich, daß es nicht ganz ungefährlich ist. Allerdings wird diese Thatsache wohl kaum genügen, das Küssen aus der Welt zu schaffen. Bei der allgemein verbreiteten Sitte, daß gerade 'kleine Kinder von den Eltern und anderen Personen viel geküßt werden, kann nicht eindringlich genug auf die Gefahren hingewiesen werden, die dies für kleine Kinder bietet. Der erwachsene Mensch besitzt eine viel groß re Widerstandskraft gegen Krankheiten erregende Keime als ein Kind. Wenn man bedenkt, daß z. B. im Munde eines gesunden Menschen sehr leicht über hundert verschiedene Mikroorganismen vorhanden sein können, wird man einsehen, welche Gefahren durch einen Kuß dem Kinde erwachsen können. Thatsächlich ist es auch schon sehr oft borgekommen, daß Kinder an Jnfectionskrankheiten erkrankt sind, die durch das Küssen auf sie übertragen worden waren. Im Interesse der Gesundheit der Kinder sollte man das Küssen derselben ganz unterlassen und es den Erwachsenen überlassen. Will man aber durchaus die Kinder küssen, so vermeide man den Mund. Die Eltern sollten bedenken, daß ihr Kuß oftmals zu einer Quelle von Gefahren und Schmerzen für die Kleinen wird und daher besonders vorsichtig sein. Auch bei Erwachsenen liegt im Küssen zweifellos eine Gefahr, aber es dürfte hier wohl nur die Mahnung am Platze sein, es auf das unumgänglich nothwendige Maß zu beschränken und das ist ein sehr dehnbarer Begriff. Billiges Weihnachtsg e s ch e n k. Dichter: Ich habe mir erlaubt. Ihnen hier ein Bändchen meiner Gedichte. . ." Hausfrau: Ach. das ist hübsch, jetzt habe ich wenigstens ein passendes Weihnachtsgeschenk für meine Gouvernante!" Nicht nöthig. Weißt Du. Sarahleben, ich möchte mich invel malen lassen." Wozu in Oel? Du siehst schon so fett genua aus
Der Redact ions Hund.
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- r Dichterling: Da hätte ich wieder einige lyrische Gedichte!" Redacteur: Bitte, legen Sie sie dort auf den Tisch!" Redacteur: .Schön apportel!' .- , sZ'iiZ' mftT' v. - - Neue Bezeichnung. Fremder: Das ist ja ein schreckliches Fähren auf dieser Vicinalbahn! Diese ewigen Curven man wird ja förmlich seekrank!" Einheimischer: Ja, wisse Se. mer sind halt beim Baue der Billigkeit nach'gange. und damit wir keine Brücke und Tunnels hab: baue muss', suschwänz lt sich halt das Bähnche so um die Berg' 'rum!" Entsprechende Kopfbed e ck u n g. Potz Blitz, sieht man Dich auch ein mal in der Angströhre?!" Hole Schwiegermama vom Bahnhof ab!" Höchste Klatschsucht. Wissen Sie, die Verhältnisse bei Ihrer Nachbarin sind doch höchst erbärmlich; am 20. hat sie nicht einmal mehr Geld!" Ach, da wollte sie Sie wohl anpumpenz Das gerade nicht, aber ich wollte rasch einmal von ihr 3 Mark geborgt haben!" AufderProbe. Junge Sän gerin (probirt zum ersten Mal den Pa aen im Figaro"; singt): Spre cht. ist es Lie be. was hi ier so brennt?" Capellmeister (klopsi al): Fräulein, 00 das Liebe ist, tei weiß ich nicht; aber eS ist scheußlich!"
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