Indiana Tribüne, Volume 21, Number 118, Indianapolis, Marion County, 16 January 1898 — Page 2

Kindliches Vertrauen. So M. TÄti?. Trudchen sah dem kommmdenSoim oend mxi aller Besorgniß entgegen ; vor einigen Togen hatte jie den Eltern Während des Mittagessens erzählt, sie habe um vier Uhr noch ein paar Co:n Tnissionen mit einer Freundin gemacht, und dann wai es am folgenden Tage herausgekommen, daß sie in der Schule Strafe gehabt und deshalb hatte -nach-sitzen müssen. Ihr Vater hatte sehr lange und sehr ernst rmt ihr darüber gesprochen, wie häßßch es sei, unehrlich zu sein unö zu lügen ; er hatte ihr ferner gesagt, wie unangenehm er es fände, daß sie so oft ungezogen war in der Schule. Aber daß sie deswegen log, das fand er noch viel unangenehnier ; und es wcrr auch so feige. Waluin hatte sie denn eigentlich gelogen? Ja. warum? Als Trudchen Nachmittags um halb fünf noch immer m der Schule war und unter Aufsicht o:r Lehrerin ihr Strafpensum Zritzelte, sa hatte sie plötzlich einen furchtbaren Schrecken, dekouimen. Sie hatte nun in dieser Woche schon zum dritten Male Strafe; Vater wa? 'streng, seh? streng, und am Sonnabend war .ihr Geburtstag ; sie wurde zehn Jahre. Visionen lindlicher Schreck'gespenste stiegen voi ihr auf. Wenn sie sich nun des Abends keinen Besuch einladen dürfte? Oder wenn sie die fchöne schwarzlederne Schulmappe nicht bekäme, die sie sich so lange fchon gewünscht? Sie fand selbst, daß sie das Alles eigentlich garnicht verdiente. Aber sie war klug genug gewesen, das Dicht zu ihrem Vater zu sagen, als er sie gefragt, warum sie denn eigentlich gelogen habe. Sie hatte nur die kleinen schmalen Achseln gezuckt und ihn sehr reuevoll angeblickt. Nun", hatte ihr Vater gesagt, mm ist übermorgen Dein Geburtstag, und dann im. neuen Jahre keine Unwahrheiten und keineLLge mehr, nicht wahr, Trudchen?" Und Trudchen hatte es ihremVater versprochen, ernst und voller guter Vorsätze. Und doch erwartete sie den Sonnabend noch immer mit einem mehr oder weniger bekümmerten Herzchen. Und endlich kam er, der langersehnte Tag. Des Morgens, auf einer Ecke des Frühstückstisches, neben ihrem Teller, fand sie die Geschenke; da laq die schöne lederne Schulmappe und da lag auch der Federkasten, und noch viele, diele Spielsachen denn Trudchen war noch ein echtes Kind und Chokolade, und auch noch eine kleine weiße Pappschachtel. Die sah sie anfangs gar nicht, so entzückt war sie von allem Anderen. Na, Trudchen", sagte ihre Mutter, ich denke Du siehst Dir auch mal die kleine Schachtel etwas näher an ; das ist noch ein Extra - Geschenk von mir." Das Kind öffnete hochroth vor Freude behutsam den Deckel. Und da lag auf einem Hintergrunde von schwarzem Sammet, eine Broche, eine allerliebste kleine Broche; sie war wie ein kleines goldenes Sternchen mit zwei Perlenaugen. Ein freudiger Schrecken durchbebte das Kind. Wie herrlich es glänzte! Es mußte eine goldene Nadel sein. Trudchen war ganz gerührt und starrte, plötzlich ganz blaß geworden, unaufhörlich auf die kleine Schachtel. Findest Du es nicht schön!- fragte sie die Mutter. Viel zu sckjön, viel zu schön", antwortete das Kind leise. In ihren Augen glänzten Thränen ; sie dachte daran, wie häßlich sie gelogen und wie sehr sie gefürchtet hatte, nichts zu bekommen. Und nun dies. . . . Da mit einem Male ward es der Mutter klar, was das K'.nd dachte; sie hatte es keineswegs so gemeint. . aber da das Kind es sich nun einmal einredete. . . Ihr Vater war nicht im Zimmer. Findest Du's wirklich so schön, Trudchen?" frug sie nun wieder. Prachtvoll, prachtvoll!" rief das Kind begeistert aus. Und ist es nun Wirklich. . . wirklich. . . aus. . Sie wagte es kaum zu fragen. Warum dem Kinde den Spaß verderben ? meinte die Mutter, und so antwortete sie nur: Du bist eigentlich wohl noch ein wenig zu jung für eine so hübsche Broche, Trudchen." Ist sie denn wirklich von Gold, wirklich?" Die Mutter lächelte geheimnißvoll. Du mußt sehr, sehr vorsichtig danie umgehen, Trudchen", sagte sie mit ganz besonderem Nachdruck. An jenem Tage ward die kleine Broche triumphirend allen Kindern gezeigt, welche eingeladen waren. Ist das echtes Gold?" fragten Einzelne ungläubig. Gewiß", sagte Trudchen mit ihrem energischen Stimmchen. Marna hat es selbst gesagt, als sie es mir gab." Das Kind wußte noch keinen Unterschied zu machen zwischen einer Lüg? und einer verblümten Wahrheit. Wohl war es eine kleine Enttauschung für sie, daß sie die schöne Nadel nur Sonntags tragen durste. Zyre Mutter fürchtete, daß sie sonst allzu schnell ihren Glanz verlieren würde und dann wäre es auch mit der Jllusion vorbei. Aber die anderen Schullinder hatten gehört. daS Trudchen eine goldene Broche bekommen 'habe, eine goldene Vroche mit zwei Perlen; sie sprachen oft mit ihr darüber, und in Trudchen ward der Wunsch, ihren Schatz allen anderen Kindern zeigen zu können, mit jedem Tage reger. Eines Morgens, vor der Schulzeit, mußte sie noch etwas von oben holen. Die Thür des LeinenschrankeS stand

itffai und dort, oben auf einem .Stsö 1

von Handtüche?. sah sie daS kostbare Schächtelchen stehen. Nur ein einziges Mal," dachte das Kind und nahm die Broche heraus; um zwölf Uhr würde sie sie gleich wieder an Ort und Stelle legen. . . Aber schon vor neun Uhr war die Broche durch so viele Hände gegangen, daß sich der Haken der Verschlußnadel abgelöst hatte. AnfangZ hatte Trudchen große Angst; so konnte sie es unmöglich mit nach Hause nehmen, denn dann wird man sogleich wissen, daß sie es heimlich weggenommen hat; sie wollte es selbst zu einem Juwelier bringen, n es repariren zu lassen; sie bekam jede Woche einen Groschen Taschengeld, und da sie seh? sparsam war, meinte sie, würde es schon gehen. Gleich um zwölf Uhr lief sie in das nächste Juweliergeschäft. Ach, bitte", sagte sie mit ihrem dünnen klaren Kinderstimmchen, wollenSie so freundlich sein und mir ganz rasch eine Nadel an diese Breche machen?" Der Juwelier warf einen fluchtigen Blick auf die Nadel und nahm sie ihr nicht einmal aus der Hand. Das können wir nicht machen, mein kleines Fräulein", sagte er, daß ist kein Gold trudchen ward roth vor Aerger. 's ist wohl Gold", sagte sie, ich habe die Broche von Mama bekommen, und Mama hat mir gesagt, daß sie echt ist." Dem Juwelier gefiel das muntere, freimüthige Kind. Er nahm die kleine Broche nun in dieHand und betrachtete sie aufmerksam. Triumphirend stand Trudchen da und sah zu. Na. ich will Dir was sagen", sagte der Marm nach einer Weile, ich will Dir ganz gern die Broche machen, aber Gold ist es doch nicht. Deine Mutter hat Dich wohl nur ein wenig zum Besten gehalten!" Zwei brennende Thränen schössen dem Kinde in die Augen. Der Mann begriff nicht warum und sagte freundlich, um sie zu trösten: Aber die Broche ist deshalb doch sehr hübsch, gerade so hübsch wie eine echte." Ist es kein Gold?" fragte das Kwd nun wieder, den Mann ängstlich ansehend, und jedes einzelne Wort schwer betonend. Nein", erwiderte der Mann verwundert. Da nahm sie ihm die Broche aus den Händen, und verließ, ohne weiter ein Wort zu sagen, den Laden. Mutter hat gelogen, Mutter hat gelogen", das war ihr einziger Gedanke auf dem Heimwege. Sie hätte laut aufschluchzen mögen, aber sie wollte nicht weinen auf der Straße. Krampfhaft preßte sie die Broche zwischen ihren kleinen Fingern zusammen, und immerfort tönte es in ihren Ohren: Mutter hat gelogen, Mutter hat gelogen!" Da fiel es ihr ein. was ihr Vater ihr, wenige Tage vor ihrem Geburtstage, gesagt hatte und ein kaltes, unglückliches, verlassenes Gesühl zog in ihr kleines Herzchen ein. Zu Hause warf sie die kleine Broche auf den Eßtisch. Trude". sagte ihre Mutter sehr är. gerlich. hast Du die Broche heimlich aus meinem Schrank genommen?" Es ist kein Gold", erwiderte das Kind vorwurfsvoll. Ich frage ob Du sie heimlich weggenommen hast?" wiederholte die Mutter. Ich hatte es Dir doch verboten! Weißt Du wohl, daß es :hr häßlich und sehr unartig ist, het.alich etwas wegzunehmen?" Da warf das Kind einen seltsamen, fast feindseligen Blick auf die Mutter. Es ist kein Gold", sagte sie noch ein Mal. Die Mutter brummte noch lange weiter; sie merkte nichts, so ärgerlich war sie. Aber der Vater verstand nun mit einem Male; und er fühlte, daß in diesem Augenblicke Etwas geschwunden war, was niemals wiederkehren wllrde: das blinde Vertrauen eines jungen Kinderherzens.

Natur und Kunst. Theaterdirector: Da lesen S', in sammtliehen Kritiken steht's, daß Sie nicht natürlich genug waren in der Scene, wo Sie von Ihrem Manne mit dem Liebhaber erwischt worden sind." Sentimentale: Unsinn! Was verstehen diese Leute? Ich war mit drei Männern verheirathet. alle haben mich erwischt; so werde ich doch wissen, wie man sich in einer solchen Situation zu benehmen hat. I a, dann. Fräulein A. : Warum behandelst Du denn den armen Herrn Huldig so rücksichtslos ? Ich wundere mich nur, daß er sich das gefallen läßt!" Fräulein B.: Aber, liebes Kind, wir sind doch mit einander verlobt!" Fräulein A.: Ja, dann ist es allerdings .etwas Anderes !" Nie zufrieden. Sommerfrischler: Na. Ihr seid wohl dieses Jahr mii der Ernte recht zufrieden?" Bauer: Ach. es gibt viel Kartoffeln, sie sind auch dick, mehlig und sckmeckm gut. aber es sind keine kleinen für die Schweine dabei." ' 2) er nächste Weg. Pfarrer: Aber, mein Guter, könnt Ihr Euren Sohn nicht auf andere Weise, als durch Schläge, bessern? Giebt es denn keinen anderen Weg zu seinem Herzen?" Bauer: O ja, Herr Pfarrer, dees schon; aber der Weg ist der nächste!" ' Logischer Rath. Sohn: Aber Vater, ich bin jetzt bereits achtzehn Jahre alt. lasse mich heut' einmal allein in's Wirthshaus gehen!" Vater: Gut! thue, was du nicht lassen kannst!" Sohn: Ich habe aber kein Geld." Vater: Nun, so lasse, waS du nicht thun kannst!" . .

Iie T&cxfctef)of)ne. Eine Ehestandsgeschichte von Alwin Römer. Jetzt thust Du Dir bereits zum dritten Mal Salz in die Suppe, Eber, hard!" sagte halb und halb entrüstet Frau Assessor Rauch zu ihrem offen bar über Plänen brütenden Gatten, der sich, ohne auch nur gekostet zu haben, eine derartige, schmählich beleidigende Nachwürze der vorzüglich gelungenen Hühnerbouillou erlaubte. Verzeih', Klärchen," entgegnete er aufschreckend und fuhr sich mit der Linken über Augen und Stirn eine ausgedehnte, vollgültige Assessorstirn ! ich war in Gedanken!" Das habe ich gemerkt. Eberhard. Du sollst aber während des Essens nicht grübeln. Dazu hast Du nachher noch Zeit genug!" wies die hübsche, kleine, leider ein wenig eigenwillige Frau ihn zurecht und führte dabei cinige vernichtendeSchnitte in das etwas zähe Fleisch des Suppenhühnchms aus, als wären das seine obstinaten Gedanken. Nachher kommt mein Freund Reiser und holt mich ab. Dann ist es zu spät. Die Sache hat nämlich Eile und da sie Dich mitbetrifft, ja schließlich von Dir entschieden werden muß, so denke ich, wir reden gleich bei Tisch darüber!" Du machst mich neugierig Schatz! Es ist doch nichts Schlimmes?" Im Gegentheil!... Das heißt nach meiner Auffassung... Du hast ja etwas andere Ansichten darüber!" Aber so rede doch! Ich vergehe ja vor Ungeduld!" drängte sie und gab den Kampf mit dem Hühnchen auf. Du Weißt doch," begann er zögernd, daß mir unsere augenblickliche Lage im höchsten Grade zuwider ist . . ." Ah, ist es das!" bemerkte Frau Clara verstimmt. Ja. das ist es!" erklärte er ein wemg heftig. Darum sollten wir uns die Suppe nicht kalt werden lassen, Eberhard!" Du kannst ja ruhig essen. Ich setze Dir währenddessen auseinander, was ich vorhabe. Damals, als ich die Vertretung für den Justizrath in Meppen übernehmen follte, habe ich Dir nachgegeben und bin nicht hingegangen. Und wie ich im Frühjahr nach Krotoschin hätte ' kommen können, habe ich nochmals verzichtet. Jetzt aber sind wir so weit, daß mein kleines Vermögen ziemlich aufgebraucht ist, jetzt muß ich Dich ernstlich bitten, DeineAversion gegen die Kleinstädte zu überwinden!" WerTich so reden hört, muß wahrhaftig denken, wir nagten am Hungertuche! Was Du von Deinem ausgebrauchten Vermögen fagst, ist Spiegelfechterei. Du weißt ganz genau, daß die Zinsen meiner Mitgift das, was wir verbrauchen, reichlich decken . . ." Ich mag aber nicht von den Zinsen meiner Frau leben!" donnerte er tu regt. Du hast doch aber Mama versprochen, mich nicht in die Hundetürkei da oben zu schleppen!" trumpfte sie dagegen. Wenn ich es vermeiden kann! Das habe ich damals ausdrücklich hinzugefügt!" Und Du kannst es vermeiden!" blitzte sie ihn an. Ja, wenn ich ewig Assessor bleiben will!" Assessor ist ein sehr hübscher Titel!" Natürlich: vier s" und nichts zu essen!" höhnte er. Siehst Du denn nicht ein, daß mich das erniedrigt, als vierunddreißigjähriger Mensch von der Gnade meiner Frau leben zu müssen?" Wenn Du mich aus Liebe geheirathet hast: nein!" Dann fehlt Dir eben die nöthige, geistige Klarheit, das richtig beurtheilen zu können!" Darüber tröstet mich der Besitz einer anderen menschlichen Eigenschaft, die Dir langsam abhanden zu kommen scheint Ich meine die Höflichkeit!" Bei Deinem Eigensinn bleibe der Teufel höflich!... Cläre, wenn Du wüßtest, wie mich das mitnimmt, hier so herumzulungern und von Deinem Gelde ..." Er schob den Teller von sich. Sie ließ ihn nicht ausreden. Seine Abkürzung ihres Namens in Cläre" war ihr in den Tod zuwider" und brachte sie allemal in Zorn. Einbildung, nichts als Einbildung!" sagte sie erbost. Ueber kurz oder lang kommst Du hier ebenso gut an. Aber Du liebst mich eben nicht mehr. Du sehnst Dich fort von mir. Sag' es nur gerade heraus, daß Du ohne mich gehst, wenn ich mich lange sträube! Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin!" Natürlich wurden ihr die Augen dabei naß. Wenn Einen Niemand anders bedauert, darf man schon ein bischen Mitlcid mit sich selbst haben. Woran Du bist?" entgegnete bitter der Assessor. Das kann ich Dir ganz genau sagen. Du bist nahe daran, eine kleine Xantippe zu werden!" O Pfui, Eberhard!" Beweise mir das Gegentheil, indem Du Dich meinen Entschließungen fügst. Morgen Abend muß ich Nachricht geben. Das ist der letzter Termin!" Und wie beißt das Nest, roo Du mich versauern lassen willst?" Osterode!" sagte er, empört ü&r ihre Halsstarrigkeit. Am Harz?" fragte sie. durch die Nähe des köstlichen Gebirges schon halb für seinen Wunsch gewonnen. 3n Ostpreußen!" orientirte er sie unsicher. Sie lachte laut auf. ES sollte belustigt klingen, aber man hörte, wie erzwungen es war. Nie!" sagte sie alsdann, als sie bemerkte, wie er ob ihrer erkünstelten Heiterkeit keine Miene regte.

. Jbu hast bis morgen Abend Zeit!' !

entgegnete er ihr kurz. Ich frage Dich dann noch einmal!" Darauf aß er mechanisch ein paar Löffel von der Hühnersuppe, die inzwischen glücklich kalt geworden war und also mit ihrem gegenseitigen Verhältniß wunderbar harmonirte, dankte für die weiteren Gänge und schritt in sein Zimmer hinüber. Die junge Frau bekam nun doch ein wenig Herzklopfen. Wenn sie auch der Ueberzeugung war, in Osterode nicht ezistiren zu können, da sie von Jugend auf mit allem Comfort großstädtischen Lebens umgeben gewesen war, so sagte sie sich doch, daß sie seinen ehrenhaften Beweggründen gegenüber freundlicher hätte sein müssen. Und wenn sie ihrer Schätzung nach noch so schrullig waren ! Sie nahm daher dem Mädchen, das den Kaffee hinübertragen wollte, das Brett aus der Hand und begab sich selbst zu dem grollenden Gebieter. Er sollte sehen, daß sie verträglich und versöhnlich sei. Aber es schwebte heute ein Unstern über dem Hause. Als sie ihm die zierliche Tasse voll goß, bewegte er die Nasenflügel fo merkwürdig, wie Feinschmecker es in der Gewohnheit haben, wenn sie eine fremde Cigarre oder eine -neue Weinsorte prüfen. Aber sein Antlitz ging nach dieser Prüfung nicht in jene behagliche Breite, die ein befried!gendes Urtheil ausdrückt: es zog sich enttäuscht in die Länge. Nun näherte er die Tasse seinen Lippen und nahm mißtrauisch einen Schluck. Brrrrrr!" sagte er gleich darauf entrüstet und wischte sich den wohlgpflegten, schwarzen Schnurrbart trocken. Was ist denn das für eine entsetzliche Brühe?" Ich glaube, Du willst mich systematisch kränken!" klagte sie, innerlich von der Vortrefflichkeit ihres Kaffees überzeugt. Koste!" forderte er sie auf. Und sie kostete. Aber es ging ihr, wie so mancher ihrer Schwestern. Trotz des großenConsums in diesem Getränk hatte sie keinen Kasfeeverstand, während ihm eine gute.Tasse Kaffee einen Hochgenuß bereitete. Ich finde ihn sehr gut!" behauptete sie. Er ist Einfach abscheulich!" ' Das sagst Du, weil Du verärgert bist. Der Kaffee ist direct aus Aremen." Aha! Und kostet?" Nun natürlich ist er billiger, wie hier. Das ist doch erklärlich. Erstens hat Bremen ganz andere Bezugsquellen und wenn man zehnPfund nimmt!" Allmächtiger Himmel ! Zehn Pfund ? CoU ich wirklich so lange von dem Zeug schlucken, bis die zehn Pfund alle sind?" Soll ich ihn vielleicht in den Müll schütten, was? Aber so bist Du nun: vor einer Viertelstunde lamentirst Du über Dein Einkommen! Und jetzt, wo Du Grund hättest, Dich über meine Sparsamkeit zu freuen, fängst Du an zu nörgeln! Heisens trinken Kathrnner. Dann wirst Du wohl mit Bohnenkaffee, das Pfund eine Mark zwanzlg, zufrieden sein können!" Ww gehen mich Heisens an!" schrie geärgert der Assessor und schlug dabei auf den Tisch. Doch noch ehe die junge Gattin ein Wort der Erwiderung über die Lippen gebracht hatte, erschien' das Mädchen mit der Nachricht, Herr Doctor Reiser fei da! Ich lasse bitten, näher zu treten!" beschied sie der Hausherr. Doch der Doctor, ein angehender. Fünfziger, lebhast und wegen seiner Derbheit bekannt, stand schon auf der Schwelle. Famos!" sagte er, der Hausfrau die Hand fchüttelnd. ohne ihre mißmuthige Stimmung scheinbar zu bemerken. Kaffee habe ich noch nicht getrunken. Ich lade mich also ein!" Bitte, Herr Doctor!" nöthigte ihn Frau Clara auf einen Fauteuil, nicht gerade angenehm davon berührt, diefern kritischen alten Herrn von dem Kaffee vorsetzen zu sollen, den ihr Gatte so abfällig beurtheilt hatte. Aber es half doch nun einmal nichts. Was hattet Ihr denn vor mlteinander?" fragte der Doctor, als die Wirthin verschwunden, war, um eine Tasse zu holen. Das wirst Du gleich merken!" erklärte der Assessor mit langsam wiederkehrendem Humor: Dieser Kaffee ist nämlich ein Hollengebräu!" Wohl Cichorie zwischen, was?" fragte mit schmerzlich verzogenem Gesicht der Doctor. Möglich, daß das seinen Reiz noch erhöht! Thu mir nur den einzigen Gcfallen und nimm kein Blatt vor den Mund, wenn er Dir nicht fchmeckt!" Wie kann ich denn?" Ich bitte Dich inständig darum!" Na, wollen fehen!" Inzwischen kehrte die Hausfrau zurück und stellte demGast eine Tasse hin. Ein wenig zittrig schänkte sie ein und schob ihm dann die Zuckerschale und den Sahnentopf daneben. Ich danke, verehrte Frau!" sagte der Doctor. Kaffee muß man schwarztrinken. Das heißt, wenn er gut ist ! Und das darf man hier wohl voraussetzen! Ist er mäßig, so nehme ich Zucker hinein. Taugt er gar nichts und ich kann mich nicht gut drum drücken, so nehme ich natürlich auch Milch!" Die junge Frau bekam eine leise Gänsehaut, als sie sah, wie der Gefürchtete endlich nach der Tasse griff. Aber er kostete, verzog keine Miene und stellte die Tasse dann wieder hin. Nun?" fragte sie erleichtert. Vortrefflich!" versicherte er. waö dem 'Assessor, ein ärgerliches Hüsteln abn'othigte, während feine Frau ihm einen triumphirenden Blick aus ihren blitzenden, braunen Augen zusandte. Dann sprachen sie eine kleine Welle von anderen Digen. Plötzlich aber ergriff der Doctor ein tüchtiges Stück Zucker und sagte lächelnd: ,Da fällt mir eben ein, waö Pro-

fessor Schneider neulich über die Lustbläschenbildung des Zuckers in heißem Kaffee geschrieben hat. Sie gestatten doch, das ich das Experiment einmal mache?" Dabei hatte er den Zucker schon in die braune Fluth versenkt und sah nun so aufmerksam auf die Oberfläche derselben, als handle es sich wirklich um eine Beobachtung von größter Wichtigkeit. So närrisch bin ich nun," erklärte er währenddessen, so bald mir so etwas im Kopf herumgeht, muß Ich auch Gewißheit haben!... Aber ich finde gar nicht, daß der Professor Recht hat!... Na, einerlei!" Und nun rührte er so harmlos mit dem Löffel im Kaffee herum, als sei diese Versüßung wirklich ganz ohne Absicht gewesen. Frau Clara war ein wenig roth geworden. Der Assessor lächelte vergnügt. Der Doctor aber nahm den zweiten Schluck. Manchmal mißglückt so etwas der entsetzlichen Fälschungen wegen, 'die mit dem Zucker vorgenommen werden!" dozirte er sodann. Sie glauben gar nicht, wie raffinirt heute gefälscht wird und wie schlecht die meisten Menschen Bescheid wissen, Fälschungen zu erkennen. Die meiste Milch beispielsweise ist getauft. Aber die Hausfrauen merken es nicht. Unsereiner sieht's ja sofort. Sowie ich nur ein paar Tropfen in den Kaffee thue, weiß ich gleich, was die Sache ist!" Mir einem kühnen Griff hatte er sich dabei des Sahnengießer? bemächtigt und goß sich einen ordentlichen Hieb daraus in feineTasse. Sehen Sie," bemerkte er weise, die Milch ist gut ..." Aber der Kaffee nicht, Herr Doctor!" unterbrach ihn die Hausfrau, feuerroth im Gesicht. Warum sagen Sie mir's nicht rund heraus, Sie Eulenspieqel, anstatt mich derart aufzuziehen?" Aber ich bitte, gnädige Frau. Der Kaffee ist vorzüglich. Ich erkläre Jhnen..." Erklären Sie mir lieber nichts. Aber morgen Nachmittag, wenn Ihre Frau, Gemahlin bei mir ist, werde ich ihr einmal erzählen, wie Sie's mit mir getrieben haben!" Aber glauben Sie mir doch, er war brillant!" sagte nochmals ernsthaft der Schalk, nachdem er verwegen die Tasse geleert hatte. So darf ich Ihnen noch einmal einschänken?" fragte sie listig und hob die Kanne empor. UM Alles in der Welt nicht!" fuhr er erschrocken auf. Ich kann nämlich nicht mehr wie eine Tasse ertragen. Ich bekomme sofort Herzklopfen!" Sie lachte. Das ist das böse Gewissen!" sagte sie und half ihrem Gatten dann in den Herbstmantel, da die Beiden ihrcn Spaziergang unternehmen wollten. Der Doctor verabschiedete sich sodann und ging voraus, die Treppe hinunter, während der Assessor geflisfentlich eine Weile zögerte. Na," sagte er vergnügt, als er mit seiner Frau allein im Corridor war, siehst Du nun ein, daß das Zeug nichts taugt?" Es mag ja sein, daß er nicht vom besten ist!" entgegnete sie kühl. Jedenfalls aber hattet Ihr Euch verabredet. Das fah ich sofort. Und gekauft habe ich ihn nun einmal, folglich muß er auch verbraucht werden!" Aber Clara, Du wirst doch nicht auf Deinem Kopf bestehe.i wollen?" Bestehst Du nicht auf dem Deinen? Oder hast Du Osterode etwa aufge-geben?-Wie kann ich?" , So kauf' ich auch keinen anderen Kaffee! Wer weiß, was Du in dem Nest für eine Sorte trinken müßtest!" Damit trennten sie sich . . . Es ist doch kaum glaublich, was so eine Frau eigensinnig sein kann!" sagte auf der Straße der Assessor zu seinem Freunde. Weil sie sich mit den zehn Pfund Kaffee vergaloppirt hat, soll ich es abbüßen!" Du trinkst ihn einfach nicht!" rieth der Doctor, der ein kleiner Tyrann daheim war. Dann ist ewiger Unfriede im Hause!" klagte kopfschüttelnd der nachgiebige Ehemann. Na, dann will ich Dir etwas sagen! Geh' zu Schwenckert auf den Alten Markt und kauf' Dir heimlich zehn Pfund vom Besten. Und wenn sie nicht zu Hause ist, vertausche ihn mit denr Teufelszeug. Das läßt sich sehr gut machen!" Wahrhaftig!" erklärte erfreut der Assessor. Das geht." Noch am Abend desselben Tages betrat er, nachdem er sein:r Frau das Geleit bis an's Theater gegeben hatte, den Laden des renommirten Kaffeegeschäftes, erstand zum Erstaunen der rothhändigenLadenjünglinge das stattliche Säcklein mit den duftenden braunen Bohnen und fuhr dann mit der Pferdebahn vergnügt heimwärts. Das Mädchen schickte er nach der Post mit dem Auftrag, Marken zu kaufen, und gleich, wie sie fort war, durchstöberte er die Vorrathskammer nach dem schlimmen Bremer Beutel. Die Operation des Umschüttens war freilich nicht ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte. Aber da die Säcke zu sehr voneinander verschieden waren, hatte er sich doch dazu entschließen müssen. Schließlich wurde er auch damit fertig. Der neugefllllte Bremer stand an Ort und Stelle; die böse Sorte nahm er mit sich und vertraute sie einem Schränkchen seines Schreibtisches an . . Mit sichtlichemWohlgefallen schlürfte er am anderen Morgen feinen- Frühtrunk. Siehst Du. heute schmeckt er Dir schon besser!" sagte mit unverkennbarer Genugthuung Frau Clara, die ihn heimlich beobachtet hatte. Du kannst es ruhig zugeben!" bohrte sie weiter. Ich habe es an Deinem GesichtsauZdruck doch einmal gemerkt!" Ja, ja heuchelte er, innerlich über-

aus belustigt, mir ist wirklich so. als ob er heute besser schmückte! Aber früh hat man nicht den richtigen Kasfeegeschmack !" Dann ging er seinem Amte nach. Er hatte eine voraussicht.ich lange Sitzung vor sich und pflegte an solchen Tagen in einem Restaurant in der Nähe des Gerichtes zu speisen. Erst am Abend kam er wieder nach Hause. , Mit einem Siegerantlitz trat ihm seine 'Frau entgegen. .Ich sehe schon." sagte er lächelnd, Dein Kaffeekränzchen ist brillant verlaufen. Du siehst aus wie ein FeldHerr, der eine Schlacht gewonnen hat!" Habe ich auch!" sagte sie stolz. Es war Alles vorzüglich. Eis und Torte und Schlagsahne. Am allerbesten aber der Kaffee!... Du lächelst!... Du denkst, sie haben mir bloß Complimente geschnitten und hinterher über mich gesprochen!... Nichtsda! Ich habe die Beweise, daß sie es ehrlich gemein: haben. Der Kaffee ist wirklich vorzüglich!" Ja, ja, ich glaube es Dir!" unterbrach er sie schmunzelnd. Nein, Du glaubst es nicht. Du thust wieder nur so. Aber wenn selbst Frau Director Holst erklärt, so guten Kaffee noch nicht zu so fabelhaft billigem Preise gekauft zu haben, so wird wohl etwas Wahres dran sein. Denn die versteht sich entschieden darauf und genirt sich nicht, Einem das Gegentheil in sagen!" Ich bin vollständig überzeugt!" er, klärte er, nichtswürdig vergnügt über seine Täuschung, aber die Siegerin ließ sich nicht beirren. Offenbar hatte sie noch einen Trumpf in Händen, den sie erst ausspielen mußte, ehe sie das Thema abbrach. Das bist Du nicht!" erklärte sie kategorisch. Aber damit Du es wirst und zugleich siehst, wie ich auf jede Deiner Launen Rücksicht nehme, auch wenn sie keine Berechtigung haben, so erfahre denn, daß mir die Damen vie ganzen zehn Pfund Kaffee abgekauft haben, weil er ihnen so vortrefflich geschmeckt hat. Nun kannst Du mir nichts mehr nörgeln und ich habe mein Geld wieder. Sogar für jedes Pfund fünf Pfennig mehr!" Abgekauft!" stöhnte er. Abgekauft!" triumphirte sie. Und sogleich mitgenommen. Es war ein ordentlicher Kramladen in unserem Salon! Wir haben uns halb todtgelacht dabei! ... Außerdem habeich hier noch fünfzehn Pfund Nachbestelfangen; darunter fünfPfund für Frau Doctor Reiser, die einfach baff war über den Unverstand ihres Mannes. Gleich morgen schreibe ich nach Bremen !" Immer schreib' drauflos!" sagte cr resignirt. Aber wenn Deine Kaffeefchwestern die neue Sendung mit demselben Wohlgefallen verbrauchen, will ich Petroleum trinken!" Wieso?" Wieso? Weil Du ihnen Schwenckerts beste Sorte verkauft hast. Du . . . Du . . . kleines . . Patentschäfchen Du! Gestern Abend, wie Du im Theater warst, habe ich ihn gekauft und dann heimlich mit dem Schandzeug vertauscht. Das Pfund zwei Mark zwanzig! Und Du hast ihn heute mit einer Mark Profit losgeschlagen! Eö ist gnadezu einzig!" Sie war ganz bleich geworden vor Bestürzung. . Eberhard!" schrie sie. Ist das wirklich wahr?" Du kannst Dich ja überzeugen!" erklärte er voll Galgenhumor und führte sie in sein Arbeitszimmer. Hier," sagte er, schloß den Schreibtisch auf und zog den Kaffeesack h:raus, hier hast Du Deinen Schatz!" Vernichtet sank sie in seinen Aröeitssessel. Eberhard," stöhnte sie, warum hast Du das gethan? Das hattest Du mir gegenüber doch nicht nöthig! ' So?" entgegnete er ernst. Hast Du mir denn geglaubt gestern, als ich Dir meine Ansicht sagte? Hörst Du überhaupt auf mich?" ' Sie fchwieg, ein wenig b:schämt, und starrte auf den unseligen Kaffeebeuie!. Zurückfordern kann ich ihn doch nicht wieder!" sagte sie endlich und schaute ihren Gatten an, der sie mit großem Behagen beobachtet hatte. Durchaus nicht!" bestät'.gle er Ihr. Du mußt sogar die fünfzehn Pfund nachliefern, die Du da aufgeschrieben hast!" Ich werde mich hüten!" erklärte sie entrüstet. Mögen sie sich selbst welchen schicken lassen. Die Adresse können sie kriegen!" Damit sie merken, daß Du an t dem Pfund fünf Pfennig verdient hast, was?" Du hast Recht, Eberhard! ... Da bin ich in eine schöne Patsche gerathen . . . Aber, lieber den Verlust tragen, als sich vor den Klatschschwestern blamiren. Denn wie die über Ewen herfallen, davon kannst Du Dir kaum eine Vorstellung machen. Heute Nachmittag habe ich es 'mal so recht merken können!" Wahrhaftig?... Na, das freut mich, daßDu's einsiehst! . . . Aber, sag' 'mal, wie wird denn das, wenn die fünfzehn Pfund nun alle sind, die Du da übernommen hast? Was?"... fragte derAssessor und ließ seine schwer geprüfte Frau nicht aus den Augen. Ich denke, dann . . ." sagte sie stockend und wurde roth dabei wie ein Backfisch, der sich zum ersten Mal kllssen läßt, dann sind wir schon längst ...in Osterode!" Hurrah!" rief der Assessor und fiel ihr um den Hals. Es lebe die Bremer Firma sammt ihren Teufelsbohnen !" Ueberraschende Mittheilung. Die kleine Vilma : Mama, jetzt weiß ich schon, wie der Storch heißt!" Mama: Nun. wie denn?" Die kleine Vilma: .Frau Maier!-

Zum Zcstmder Fischer. Zu den eigenartigsten und in ihrer praktischen Ausübung auch wirklich, segensreichen Privatunternehmungen, welche die Hebung der untersten VolksHassen in Deutschland anstreben, gehört die Thätigkeit der Gräfin von Schimmelmann innerhalb der pommcr'schen Fischereibevölkerung. Die Gräfin entstammt dem bekannten Geschlecht, das in Deutschland und Dänemark ansässig ist, und dessen dänische Linie verschiedene große Staatsmänner hervorgebracht hat. Die Gräfin verlebte ihre Jugend theils in Holstein, theils in Dänemark auf den Gütern ihrer Eltern; sie kam dann an den deutschen Kaiserhof und war längere Zeit Hofdame bei der Kaiserin Auausta. Von Hause aus vertraut mit dem Leben der Fischereibevölkerung, hat sie einen klaren Einblick in deren Verhältnisse, und mit dem richtigen Verständniß hat sie da eingegriffen, wo Hülfe noththat, bei den Fischern an der pommerischen Küste. Die Fischerei ist wohl eins der mühsamsten und entbehrungsreichsten Gewerbe, besonders die Fischerei, wie sie in der Ostsee betrieben wird. Mit kleinen Booten gehen die Fischer auf den Fang, und da die Binnengewässer und Flußmündungen meist verpachtet sind, so müssen sie weit hinaus auf den See

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Gräfin v Schimmelmann. gehen und tagelang fortbleiben. Die wenigstens Boote sind mit einer kleinen Kajüte versehen, in der ' sich die Leute nothdürftig ein warmes Gericht bereiten können; die meisten Fischer mußten entweder darauf verzichten, oder sie gingen an Land, wenn sie sich in der Nähe desselben befanden, natürlich meilenweit von der Heimath entfernt. Aber auch da haben sie oft nicht das Nothdürftige erhalten, und die wenigen Schenken, auf die sie dann angewiesen waren, mußten ihnen Abends Erholung bieten für die Mühsal des Tages; der Alkohol machte sich bald unentbehrlich, und der karge Verdienst war rasch vertrunken, während zu Hause oft Armuth und Elend herrschten. Die Fischer standen daher eigentlich auch nirgends in gutem Ruf, und es ist öfter vorgekommen, daß man ihnen Nahrungsmittel verweigerte, sodaß sie schließlich auf's Betteln angewiesen waren. Als nun vollends noch die Badeorte sich mehr und mehr entwickelten und ein elegantes Hotel neben dem anderen entstand, da wurden die Fischer, insbesondere auf Rügen, immer unbeliebtere Gäste. . Als die Gräfin v. Schimmelmann den Plan faßte, dem glänzenden Hofleben zu entsagen und ihr Leben sowie ihr Vermögen dem Interesse der im tiefsten Elend befindlichen Fischer zu widmen, stieß sie bei ihrer aristokratischen Sippe auf den heftigsten Widerstand und sie sollte sogar in ein IrrenDieDuen." haus gesperrt werden. Daß sie diesem entsetzlichen Schicksal entging, derdankte sie nur dem mächtigen Einfluß des deutschen Kaiserhofes. In Göhren auf der Insel Rügen errichtete sie auf ihreKosten ein sogenanntes Fischerund Seemannsheim, wo die Fischer gern und häufig verkehren. Hier erhalten sie für wenige Pfennige warmes Essen und Trinken. Die Gräfin selbst leitet das Ganze, in der liebenswürdigsten Weise verkehrt sie mit ihren Fischern, und zwar bedient sie sich dabei der plattdeutschenSprache, die sie ihrem Publikum erfahrungsgemäß viel näher bringt. Das von ihr gegründete Fischerheim besteht aus einem Schlafzimmer und einem etwa fünfzig Personen fassenden Raum, wo gegessen wird, und wo sich die kleine Bibliothek befindet. Eine weitere Wohlthat bereitete die Gräfin den Fischern dadurch, dah sie inGöhren einen Brunnen bauen ließ, der ihnen stets Frischwasser liefert. das sie früher tagelang entbehrten. Auch im Winter, wenn die Fischer ohne Arbeit und Verdienst sind, greift die Gräfin helfend em; da wird Holz, fchnitzerei und Flechterei getrieben, sodaß auch da ein Nothpfennig verdient wird. ' , In ihrer Yacht Duen" (auf Deutsch Taube" besucht dieGräsin die Fischerdörfer sowie die größeren Küstenstädte, um durch Verträge für ihr humanes Unternehmen Propaganda zu machen. Neue Version. Die kleine Grete (die Geschichte von Jsaaks Heirath, nacherzählend): Und Rebekka nahm eilends den Krug von derSchulter und sprach zu Elieser: Trinke, Herr, ich will die änderen Kameele auch tränken." . - ' '