Indiana Tribüne, Volume 21, Number 111, Indianapolis, Marion County, 9 January 1898 — Page 7

Das Buchgewerbe-Saus in Leipzigs , Das Symbol der in Leipzig gipfeinden , Organisation des deutschen Luchhandels ist das stattliche Buch Händlcr-Haus. in welchem sich die Räume des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, des Vereins der Leipziger Buchhändler und des Cen tral - Vereins für das gesammte Buchgewerbe mit dem Buchgewerbe - Museum befinden. Dort schaltete seit der Eir.wehung des Hauses im Jahre 1886 bis zu seinem mit dem Anfang dieses Jahres erfolgten Eintritt in den Ruhestand der in weiten Kreisen Wohlbekannte Carl Berendt Lorck. ein Nestor des deutschen Buchgewerbes, der in dem Centralverein und dem Museum ein Ideal, für das er lange Jahre yekämpft hatte, verwirklicht sah. Lorck stammt aus Kopenhagen, wo er am 29. August 1814 geboren wurde (seit 1856 bekleidet er das Amt als dänischer Gc neralconsul für das Königreich Sachsen). Nach Vollendung der akademischen Studien in seinem Heimathland widmete sich Lorck der Buchdruckerkunst, durch die er bald nach Leipzig grführt wurde (1836), wo er im Laufe der Jahre in Folge seiner theoretischen wie praktischen Kenntnisse eine leitende Stellung errang. In Folge seiner vielseitigen Thätigkeit fiel auf ihn die Wahl, als es galt, bei Begründung tos Vereins deutscher Buchdrucker den geeigneten Mann für die Leitung der Vereinsqefchäfte zu finden. Seit er 1873 aus dieser Stellung geschieden, war er auf dem Gebiet des AusstellungswesenS verdienstvoll thätig. Schon 1873 als Juror bei der Weltausstellung in Wien bestellt, war er die Seele der buchgeroerblichen Ausstellungen w Philadelphia 1876. in Leipzig 1879. in Chicago 1893. Seine letzte amtliche Thätigkeit war die Vorbereituna der buchgewerblichen CollectivAusstcllung für die sächsisch - thürinaische Industrie- und Gewerbe - Ausstellung in Leipzig 1897. die er s? weit förderte, bis er die Ausführung jüngeren Kräften überlassen konnte.

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Haupts ade. "Der Centralverein für Buchgewerbe, hervorgegangen aus hem Bestreben, die gesummten Gewerbe, die sich mit der Buchherstellung, mit den vervielfältigenden Künsten und deren Hilfszweigen beschäftigen, zu gemeinsamer Wahrnehmung ihrer technischen und künstlerischen Interessen zu vereinigen, war so recht eigentlich das Element, in dem Lorck sich wohlfühltc. Abgetrennt von den wirthschaftlichen und politischen Bestrebungen, die einen wesentlichen Theil aller anderen beruflichen Vereinigungen bilden, konnte er hier semer Neigung folgen und seinen Ideen zu: That verhelfen. Der Verein diente seinen Zwecken in derHauptfache durch Errichtung eines Museums und Veranstaltung von BuchgewerbeAusstellungen. Auf zwei Säle von zusammen 370 Quadratmeter Flächeninhalt und zwei Zimmer für die Beamten waren das Museum und der Verein im Buchhändlerhause bisher angewiesen. Der größte Theil des Raumes wird von standigen Ausstellangen eingenommen, während die Unrerbringung der anwachsenden Sammlungen des Museums und deren Nutzbarmachung kaum mehr zu ermöglichen wcrren. So gelangte der Plan zum Bau einks eigenen Hauses zur Reife. Der Rath und die Stadtverordneten der Stadt Leipzig erwiesen sich demselben günstig und überließen als Bauplatz im hinter dem Buchhändlerhause in unmittelbarem Anschluß an dessen -. Carl. Lorck. geräumigen Garten gelegene Grundstück unentgeltlich. , Der Vorsitzende des Cenirulvereins Dr. Oscar v. Hase und C. B. Lorck haben gemeinsam die Grundln.ien festgelegt, die für denBau maßgebend sein sollten, und Lorck hat mit großer Hingebung und jugendlichem Eifer die Borarbe?ten geleitet. In einem allgemeinen Preisbewerb wurde der erste Preis dem Architekten Emil Hagberg w Berlin - Friedenau, einem hi Deutschland naturalisirten Schwelen, zuerkannt. Seine Grundrisse entsprachen durchgehends den Förderungen des .Bauprogramms, werden allerdings im Fall der Ausführung noch einer durchgreifenden Revision zu unterziehen sem. Die künstlerisch fein, empfundenen reizvollen Fanden dürfien im wesentlichen wohl beibehalten werden, sodaß damit Leipzig um einen architektonischen Schmuck ersten Ranges bereichert werden würde. Das nzch diesen Plänen zu erbauende Deutsche Buchgewerbehaus soZ den deutschen buchgewerblichen Aer einen als eine gemeinsame Heimstätte dienen. Durch die Bibliotheks-. die Museumö- und LuZpellungöräume

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wird die Gemeinsamkeit der verschiede nen Geoerbsgruppen bekundet werden, während ein bedeutungsvoller Fest und 'Ehrenraum, die Gutenberg-Halle, auf die Stellung Leipzigs als des Mittelpunktes des Buchgewerbes hinweist. Ferner wird das Haus neben den Verwaltungsräumen des CentralVereins die der Berufsgenossenschaft der Buchdrucker, des Deutschen Buchdruckervereins. der Leipziger Buch-drucker-und Buchbinderinnung sowie noch anderer Vereine von allgemeiner und lokaler Bedeutung enthalten.

Amüsante Wisscnschast. Das Verzehren eines Nachtlichtes ist ein etwas sonderbarer Spaß, der aber im Kreise fröhlicher Genossen immerhin angebracht sein mag. Nun. wird mancher denken, ein guterMagen kann alles vertragen; Rüböl ist ja kein Gift, und an dem Kerzchen wird man ja auch nicht sterben, den Schwimmer kann man ja gewissermaßen als Knochen ausspucken. Im Vertrauen! Die Sache liegt ganz anders. Es ist wieder ein sögenannter Kniff dabei, der darin s:ine Erklärung findet, daß das O:l des Nachtlichtes aus Weißwein bestchi, das -mß ÄHW VerzehrbaresNachtlicht. Licht aber nichts anderes ist als eine Mandel, in welche ein Stückchen von einer zweiten Mandel als Docht gesteckt und angezündei worden ist. Man trinkt den Wein bis auf einen kleinen Rest fort, theilt dann dem Glase eine Erschütterung mit, wodurch das Nachtlicht versinkt und erlischt, leert aber auch in demselben Augenblick das Glas vollends so daß es also den Anschein gewinnt, man habe das brennende Licht verschluckt, ein Anblick, der gewiß den meisten neu sein wi'rd, vorausgesetzt nämlich, daß man die Zuschauer in dem Glauben erhalten hat. es handle sich in Wirklichkeit um ein Nachtlicht. Stufenleiter. Verheirathet. Der erste Gedanke. Mann: Ich habe heute mein Leben versichert; wenn ich jetzt sterbe, kriegst Du zehntausend Mark!" Frau: Ach, das ist reizend; mit zehntausend .Mark kann man schon eine ganz anständige Partie machen!" Zukunftsbild. Freund: Dein Vorzimmer ist ja mit Damen überfüllt!" Lieutenant: Alles Doctorinnen haben gehört, daß ich unwohl bin und wollen mich alle kuriztnV . , Der schlaue Jsidor. Lehrer (erklärend): .Jetzt wären wir also bei dem Satze: . Als er ; über die Brücke ging, brach sie zusammen." Jsidor. in welcher Zeit steht der Satz?" Jsidor: In der Vergangenheit. Herr Lehrer!" Lehrer: Schön. Wie würdest Du ihn in der Gegenwart sagen, d. h. wenn Du jetzt hinüber aechen wolltest?" Jsidor (verschmitzt lächelnd): Aber, Herr Lehrer, wie kann ich gehn über der Brück', wenn sie schon gebrochen tzusammen!"

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$as Eeöankcnlestn. . Vo Tr. S. S. Spstein. Der Concertsaal des Kurhauses eines eleganten Bades war nur mäßig gefüllt; das Publikum war wohl mehr durch das schlechte Wetter, als durch die Neugierde hineingetrieben - worden. Auf den meisten Gesichtern malte sich jener halb erwartungsvolle, halb blasirte und halb spöttische Zua, mit welchem der Großstädter alle Darbietungen hinzunehmen pflegt, die nicht eine wohl accreditirte Marke tragen. Da erscholl ein Klingelzeichen und auf dem Podium erschien- eine junge, elegant gekleidete Dame, mit hochblondem Haar, welche sich tief verneigte und mit einem Blick das gesammte versammelte Publikum musterte. Meine Damen und Herren," begann sie mit stark englischem Accent, ich bin Gedankenleserin. Ich habe erlernt die Kunst, zu errathen die Zahlen, die Sie sich denken, oder einen Gegenstand, welchen Sie versteckt haben. Aber ' einen Gedanken will ich sofort errathen, den Sie Alle haben! Sie denken Alle das ist Schwindel!" Arme Lucy! Wie recht hattest Du! Denn schon nach den ersten mißlungenen Versuchen hatten die meisten Anwesenden den Saal verlassen der Regen war nämlich inzwischen zur Ruhe gekommen und wenn die Einen mitleidig sagten: Mumpitz", so riefen die Anderen grimmig: Auch so eine Beutelschneidern! Ach hätte es nur nicht geregnet." Lucy, die amerikanische Gedankenleserin, war längst vergessen; auch sie hatte ein besseres Theil erwählt und einen reichen Wiener Wurstfabrikanten geheirathet. dem sie nun die Gedanken von den Augen abliest u. z. mit viel besserem Erfolge, als damals im Kurhäufe der Sommerfrische; da trat wieder ein Gedankenleser auf, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte und es verstand, die Skepsis des Großstädters plötzlich in flammende Begeisterung zu verwandeln. Diesmal kam der. Messias aus England und hieß Stuart Eumberland; er war ein auffallend schöner Mann von echt angelsächsischem Typus und sprach kein Wort deutsch, so daß er mit demPublikum' nur durch Vermittelung eines Dolmetschs verkehren konnte. Irgend welcher Betrug oder Schwindel schien von vornherein ausgeschlossen; aus dem anwesenden Publikum, welches zum größten Theil den oberen Zehntausend angehörte die Preise waren danach angesetzt, wurde ein Aufsichtscomite gebildet, welches den Gedankenlese: keinen Augenblick allein ließ. Und nun ging die Prozedur los! Irgend ein Herr oder eine Dame gab sich als Medium" her; darauf wurde beispielsweise eineBusennadel in die Drapirung einer beliebigen Loge des Saales hineingestochen und das Medium aufgefordert, seine ganze Aufmerksamkeit auf die Nadel und den Ort, wo sie versteckt ist, zu richten. .Eumberland, dessen Augen fest verbunden waren, nahm nun die rechte Hand des Mediums, legte sie mit dem Rücken gegen seine Stirne und machte zuerst einige unsichere Bewegungen; dann aber stürzte er mit einer Geschwindigkeit, welche es dem Medium kaum erlaubte, ihm zu folgen, schnurstracks und geradezu in die Richtung, wo die Nadel verborgen war, und es dauerte keine drei Minuten, bis die Nadel unter Beifallsklatschen des Publikums gefunden war. Daraufhin wurde Eumberland die Binde von den Aügen weggenommen und mit einem bezaubernden Lächeln trocknete er sich den Schweiß von der Stirne. Ein Schlaumeier kam auf die Idee, einen Gegenstand bei sich selbst zu verstecken, und sich dann als Medium anzubieten; wie beschämt war er aber, als Eumberland sofort ihn selbst zu durchsuchen begann und die Nadel im Aermelfutter vorgefunden wurde. Noch staunenerregender waren die anderen Versuche; Eumberland forderte eine Person auf. lebhaft an eine Zahl zu denken; dann nahm er Kreide in die Hand, das Medium umfaßte sein Handgelenk und etwas gebrochen, aber immerhin unverkennbar deutlich schrieb Eumberland eine fünfstellige Zahl auf die Schiefertafel. In ähnlicher Weise wurden die Nummern einer Banknote, eine geometrische Figur, eine Melodie auf dem Klavier errathen. Irgend welchen Schwindel oder Verständigung mit einer dritten Person waren, wie gesagt, vollständig ausgeschlössen und die spiritistischen Vereine, sowie deren Adepten, begannen laut zu proklamiren, Stuart Eumberland, der sich eigentlich als Anti - Spiritist ausgebe, arbeite dennoch mit dem spiritistischen Handwerkzeug. Das-Errathen der verborgenen Gegenstände, der Zahlen, der Melodie weise klar und deutlich auf eine Möglichkeit der GedankenÜbertragung hin, indem das den Händen des Mediums entströmende magnetische Fluidum, das Ob" direkt in das Gehirn des Experimentators übertrete, und dort die Vorstellung dessel ben Gegenstandes erwecke, wie beim Medium. Es ist. aber selbstverständlich, daß Männer der ernsten Wissenschaft mit diesem Surrogat einer Erklärung sich nicht begnügen konnten und dies umso weniger, als sich plötzlich die Zabl der hausbackenen Gedankenleser mit so erschreckender Geschwindigkeit vermehrte, daß in den meisten Familien nicht mehr Piquet oder Skat,- sondern nur noch Eumberland" gespielt wurde. . Wie sollte man sich nun dieses plötzlicke Anwachsen der Medim erklären' sollte thatsächlich der Beginn des Zeitalters der vierten Dimension angebro chen sein? Durchaus nicht! Es stellte sich vielmehr heraus, daß daö Gedankenlesen" etwas ganz natürlicheS ist, welches Jedermann, der sich und And,re zu beobachten im Stande ist, erlernen kann. Das ganze Geheimniß des Gedankenlesens läuft

darauf hinaus, daß der Ezperimentator die unwillkürlichen Muskelbewegungen des Mediums errathe; es kommt hier also auf die stumme Verständigung zweier Individuen an. Jedermann," sagte der berühmte englische Gedankenleser Beard. ist ein Muskel - Leser, aber nicht Jeder ist fähig, den höchsten Grad der Geschicklichkeit in dieser Kunst zu erwerben. Jedes brauchbare Pferd ist ein Muskel - Leser. Es liest die Gedanken seines Kutschers durch den Druck des Gebisses und weiß', die Zusammenziehung und Erschlaffung der. Muskeln erkennend, wann es geradeaus gehen oder anhalten, wann und nach welcher Seite es sich wenden soll, obgleich nicht ein Wort des Befehles geäußert wird." Es kommt nun, wie wir hören, beim Gedankenlesen Alles darauf an, aus den unwillkürlichen Zusammenziehungen oder Erschlaffungen der Muskeln die Intentionen des ausfühlenden Individuums zu errathen. Worin liegt aber das Wesen dieser unwillkürlichen Muskelbewegungen, und wie kommen sie zu Stande? Es ist eine bekannteThatsache, welche streng wissenschaftlich und unwiderlegbar bewiesen wurde, daß wir sehr viele Muskelbewcgungen ausführen, die einestheils unserem Willen und andererseits unserer Aufmerksamkeit völlig entrückt sind. Diese hängen sowohl von unserer Herzthätigkeit,- als auch von unseren Athembewegungen ab. Neben unseren Sinnesnerven. welche uns Sehen, Hören. Riechen etc. vermitteln, besitzen wir noch Leitungsbahnen, welche Blutdruck und Athmung reguliren; man nennt diese Bahnen Gefäßnerven oder auch vasomotorische Nerven. Sie laufen alle in dem sogenannten Gefäßnervcncentrum. dann auch in dem Athemcentrum zusammen. Wird nun beispielsweise das Gefäßnervencentrum gereizt, so ziehen sich alle Blutgefäße zusammen. und der Blutdruck steigt; ein umgekehrtes geschieht, wenn die Gesäße sich wieder erweitern. Ebenso nimmt die Häufigkeit unserer Athembewegungen zu, wenn das Athemcentrum gereizt wird. Diese beiden Centren sind aber ganz bcsonders äußeren (centripetalen) Einflüssen ausgesetzt, sodaß der Blutdruck eigentlich immerwährenden Schwankungen ausgesetzt ist und auch die Athmung, wenn schon nicht in demselben Grade, fortwährend wechselt. Plötzliches Licht und momentane Dunkelheit. gespannte Aufmerksamkeit' und Erwartung, Furcht, Scham und Zorn all' das sind Einflüsse, die trotz ihres rein geistigen Charakters ein physisches Correlat haben, was schon daraus hervorgeht, daß wir bei verschiedenen seelischen Regungen bald roth, bald blaß werden. Ja. wir sind selbst im Stande, eine Blutfülle an einem bestimmten Theil unseres Körpers zu erzeugen, indem wir unsere Aufmeiksamkeit auf diesenTheil lenken. Bringt man beispielsweise an der großen Zehe einen Plethysmographen an es ist dies ein Apparat, mit dem man die Blutfülle in den einzelnen Gefäßen zu messen im Stande ist und richtet seine Aufmerksamkeit fest auf das betreffende Glied, so wird man alsbald das Steigen der Kurve am Registririnstrument bemerken, was dafür spricht, daß sich die Gefäße der großen Zehe durch vermehrten Blutzusluß erweitert haben. Treten nun diese Veränderungen inBlutdruck und Athmung sehr plötzlich und stark auf, so, werden sie sich auch durch ziemlich grobe Bewegungen kund geben; wir sind alle an die Erscheinung gewöhnt, daß Jemand bei plötzlichem Schrecken zusammenzuckt oder beim Anblick einer geliebten Person hinstürzen will oder beim Bedrohtwerden zurückweicht etc. Diese Bewegungen vollzieben sich zumeist ohne irgend welches Dazuthun der betreffenden Person; man nennt sie Refleze. Diese Reflexe werden aber auch noch dann auftreten, wenn die Gemüthsaffektc. welche sie auslösen, nicht so ausgesprochener Natur sind; sie werden dann selbst demgemäß schwach und kaum merklich sein, immerhin aber dorthin deuten, wo sich die Aufmerksamkeit des betreffenden Individuums momentan gefangen' befindet. Und nun die Nutzanwendung auf das Gedankenlesen! Vor Allem ist der Gedankenleser nicht der führende, sondern der geführte Theil; er wird vom Medium selbst vermittelst der unbewußten Bewegungen zum versteckten Gegenstande geführt. Das Medium wird aufgefordert, concentrirt an die Richtung und den Ort zu denken, wo sich der versteckte Gegenstand befindet; der Handrücken wird gegen die Stirn des Gedankenlesers gehalten, welcher mit seiner Hand die Finger derselben leicht berührt. Der Gedankenleser ist nun in der Lage, den leisesten Druck der Finger des Mediums sowohl an seiner Stirn als auch an seinen Fingern wahrzunehmen, die Augen werden ihm verbunden, damit er einzig und allein durch das Gefühl geleitet werde; manche Gedankenleser lassen sich auch die Ohren verstopsen, um nicht durch das Gemurmel des Publikums gestört zu werden. Der Gedankenleser pflegt nun gewöhnlich einige ganz willkürliche Bewegungen zu machen, dabei aber ganz genau auf die Finger des Mediums zu achten. Verhalten sich diese aanz passiv, -dann weiß der Gedankenleser ganz genau, daß er sich auf falscher Fährte befindet. Hat er aber die Richtung errathen, auf welche sich die Aufmerksamkeit des Mediums concentrirt,' dann wird er einen leichten Stoß oder einen Druck verspüren, welchem er nun folgt. Dieser Druck ist von Seiten des Mediums ungewollt und unbewußt, er genügt jedoch vollkommen dem geübten Gedankenleser, daß. er dem gesuchten Gegenstand nahe ist. . Wenn nun . das Medium an verschiedene Gegenstände im Zimmer denkt und schließlich einen da-

von wählt, dann wird der Gedankenleser der Reihe nach zu den verschiedenen Gegenständen hingehen, an die das Medium dachte und zum Schluß bei dem definitiv gewählten stehen bleiben. Das Experiment wird also nur dann gelingen können, wenn einerseits das Medium an absolut nichts Anderes denkt, wie an den zu suchenden Gegenstand, während der Gedankenleser mit größter Gespanntheit auf die schwachen Muskelbewegungen des Mediums achtet und danach die Richtung findet. Auf ähnliche Weise kommt das Er rathen einer bestimmten Zahl zu Stande. Nehmen wir beispielsweise an. dasMedium hätte sich 213 gemerkt. Der Gedankenleser läßt sich die Augen verbinden und fordert das Medium auf, seine rechte Hand sanft auf die Hand des Gedankenlesers zu legen, welche des Schreibstift hält und sich dabei die gedachte Zahl lebhaft Ziffernweise vorzustellen. Daraufhin beainnt derGedankenleser mit einer leisen Bewegung nach oben; er wird aber einer leisen Verschiebung nach rechts gehorchen, und dann dem Druck von oben nach unten nachgeben und schließlich die Bewegung nach rechts rrntmachen! die 2 ist fertig. Nun wird der Gedankenleser wieder nach oben ziehen, jedoch einen ausgesprochenen Druck nach unten spüren - und getrost die 1 hinschreiben dürfen; würde bei der 2 die Bewegung nach unten aufgehört haben und wieder ein Zug nach rechts zu bemerken gewesen sein, dann wüßte der Gedankenleser, daß es nur eine 3 sein kann, die sich das Medium gemerkt hat, und so wird auf der'Schiefertafel vor den Augen des staunenden Publikums die gedachte Zahl 213 erscheinen. Aehnlich oder genau so kommen die anderen Gedankenleserkunststücke zusammen, und so sehen wir, daß, wenn sich die Eingangs erwähnte Lucy so fürchterlich blamirt" hat, dies nicht auf Rechnung des fehlenden Od" zu setzen war, sondern nur ihrer eigenen Ungeschicklichkeit zugeschrieben werden mußte. Denn Widernatürliches oder auch nur Unerklärbares ist am Gedankenlesen absolut nicht, und heute nimmt es den Rang ein, der ihm gebührt und ist ein unterhaltendes Gesellschaftsspiel geworden. Zur Geschichte öcr Burg Zjahen zollern. Es ist wohl nur Wenigen bekannt, daß es nunmehr gerade fünfzig Jahre sind, seitdem der Wiederaufbau der fast gänzlich zerfallenen hohenzollerischen Stammburg begonnen, und genau dreißig Jahre, daß sie mit vieler Feierlichkeit unter Theilnahme weiland König Wilhelms I. und der fürstlichen Hohenzollern eingeweiht wurde. Zu Anfang dieses Jahrhunderts sah es mit der Zollernburg, von der es einst geheißen: Hohenzollr, Du tterliches Hus, . Wie wyt hast Du gesehen uiber us. All umb und umb in schwaben land, und die die Straßburger Archivchronik als das festeste hauß in teutschen Landen" preist, gar traurig aus. Wenn man die Geschichte der Zollernburg genau verfolgt, vom Mittelalter bis zu ihrer jetzigen Gestalt, so drängt sich der Gedanke auf, daß sie in gewissem Sinne eine Illustration der Geschichte Deutschlands enthält. Rauflust, ungezügelter Wagemuth, Mangel an ernster, gemeinnütziger Thätigkeit, Verachtung des Bürgerund Bauernstandes und kraftstrotzender Thatendurst, aber nur mit dem Schwerte in der Faust, diese nur zu vielfach zutreffende Signatur des Adels im 15. Jahrhundert einerseits und anderseits vas wachsende Selbstbewußtsein der aufblühenden Städte, ihr einmüthiges Zusammentreten zum Schutze gegen rohe Gewalt, wo des Kaisers Arm und die Rechtspflege nicht hinreichte, brachte dem Zoller 1423 eine so furchtbare Zerstörung, daß die Reichsstädter damals von ihrem Dichter Silberdrat sagen ließen: Daz fuiro (künftig) hin davr ab (von da herab) niemer wird gekriegt, Noch kain graff von zolr me davr uff wird gewiegt. Die Karsthansen, wie der adelige Verfasser der Zimmerischen Chronik die Reichsstädter nennt, hatten den Mund etwas voll genommen, denn schon dreißig Jahre später ward die Burg wieder aufgebaut, und noch zu oft erscholl wilder Kriegslärm um die Feste im Laufe der Jahrhunderte. Und wie des romischen Reiches deutscher Nation Macht und Glanz immer mehr verblich, Deutschland das Ziel und die Beute fremder Eroberungssucht wurde, im Innern zerbröckelte und erschlaffte, so fiel auch die Zollernburg aus einer Hand in die andere. Hohenzollern, Württemberg, Schweden, Bayern, Oesterreicher stritten sick um sie, und um das Bild des deutschen Vaterland's noch genauer wiederzugeben, mußte die Burg auch noch die Schmach französischer Besatzung erdulden. Als wäre ihr hiermit der Todesstoß ver-' setzt worden, ging die einst so stolze Burg immer mehr dem Verfall entgegen. Bald war sie mehr Ruine als Burg.' Eine Besatzung hatte sie schon lange 'Nicht mehr. Ein Förster, der zugleich Castellan war. wohnte auf dem Zoller. Nur ein Bauwerk hatte sich erhalten, hatte alle Jahrhunderte überdauert und stand inmitten der Ruinen als ehrwürdiger Zeuge, trauernder Zeitgenosse dahingeschwundener Pracht, erloschenen Glanzes.'. DaS war die Vurgkapelle, dem heiligen Michael geweiht, in ihren Anfängen höchst wahrscheinlich älter als die erste Burganläge im 11. Jahrhundert, jedenfalls nicht jünger und in ihrer heutigen Gestatt, die durch einen neuen Anbau vergrößert wurde, das einzig, vollständig erhaltene Gebäude auö der Zeit dei BurabapeS von 1463. Und wem vjr

dankt die Burg Hohenzollern in erster Linie ihr Neuerstehen? Dem romantischen Sinne König Friedrich Wilhelms IV. . Schon 1819 am 16. Juli besuchte er als Kronprinz die Burg seiner Väter. Er kam gerade aus Jtalien. Die erhebenden Eindrücke, die er in dem gelobten Lande der schönen Künste empfangen, wurden durch den trostlosen Anblick der zerfallenen Burg peinlich berührt. Er kehrte mit dem Entschluß nach Berlin zurück, so viel in seinen Kräften stände, für WiederHerstellung der trümmerhaften Gebäude zu thun. Es soll nicht so ganz leicht gewesen sein, den Vater, Friedrich Wilhelm III., der nüchterner dachte als der ideal veranlagte Sohn, zu überreden; aber er bewilligte doch eine nicht unbedeutende Summe, und d:r damalige Fürst von HohenzollernSigmaringen Anton Aloys, sonst ein sparsamer, guter Haushalter, steuerte ebenfalls bei. Dem Fürsten Friedrich Hermann Otto von Hohenzollern-He-Hingen, dessen Residenz Hechingen am Fuße des Zoller liegt, ward die Aufgäbe zugewiesen, die Wiederherstellung zu leiten. Sie war nicht in glückliche Hand gelegt worden. Das, was neu aufgeführt wurde, war herzlich nüchtern. stillos und unschön, was noch vom alten Bau vorhanden war. hatte man, um diesen Bauten ein mehr malerisches Ansehen zu geben, zerstört und wo das Brecheisen nicht ausgiebig ge nug war, Pulver angewandt. Auf diesem Gebiete war der leitende Baumcister Oberst v. Hövel stark. Er hatte wenige Jahre vorher das schöne, stattliche Schloß in Hechingen, das aus dem 15. Jahrhundert stammte, wegen angeblicher Baufälligkeit abgebrochen. Dabei erwiesen sich die Mauern von einer solchen Stärke und Dicke, daß sie mit Pulver gesprengt werden mußten. Der Fürst war allerdings von einem bctimmten Gedanken bei diesen Restaurationsarbeiten geleitet worden, wie Graf Stillfried erzählte. Er hatte gesehn, wie Schlösser und Burgen am Rhein planmäßig in malerische Ruinen verwandelt worden waren, zu welchem Zwecke man eigens Schüler des Pariser Polytechnikums verwandte. Um ganz im Geiste jener Richtung zu verfahren, berief er einen IngenieurOsficier, Major Arnold aus Karlsruhe, der bei jenen Arbeiten mitgewirkt hatte. Während also Kronprinz Friedrich Wilhelm die Stammburg wieder herzustellen wünschte, war Fürst Friedrich Hermann Otto eher geneigt, sie zu einer romantischen, malerischen Ruine zu gestalten. Im Jahre 1834 kam der Kronprinz nach Hechingen, um sich persönlich von der Restauration zu überzeugen. Man war so entmuthigt, daß alle weiteren Arbeiten liegen blieben und erst 1833 ein neuer Plan von Stillfried vorgelegt wurde. Abermals vergingen Jahre, ohne daß eine bessernde Hand an die Zollernburg gelegt wurde. Nachdem dann im Jahre 1844 der Blitz auf der Burg bedeutenden Schaden angerichtet hatte, knüpfte Friedrich Wilhelm, der unterdessen König geworden, mit den Stammverwandten, den Fürsien von Hohenzollern - Hechingen und HohenzollernSizmaringen, Unterhandlungen an, den Aufbau der Burg nach dem Plane Stillfrieds bezw. Stülers vorzunehmen. Dieser Vertrag kam am 18. November 1846 zu Stande, und im folgenden Jahre 1847 wurde mit dem Bau begonnen. Nun traten aber unvorhergesehene Ereignisse ein. Die beiden hohenzollerischen Fürstenthümer, besonders deren zwei Hauptstädte, wurden von der 1848er Bewegung mit ergriffen und wollten auch ihr Revolutiönchen haben. Diese politischen Ereignisse des Jahres 1848 in- und außerhalb Hohenzollerns und die dar-" auf folgende Einverleibung der beiden Fürstenthümer in die Krone Preußen führten einerseits eine Verzögerung herbei im Fortgang der Bauten, und anderseits glaubte man, der Burg mehr, als beabsichtigt war, einm Festungscharakter geben zu müssen, um in den neu erworbenen Landestheilen einen militärischen Stützpunkt zu haben. Nach den Plänen des damaligen Ingenieur - Obersten v. Prittwitz wurde nun eine regelrechte Festung angelegt. Eigentlichen', militärischen Werth hat sie nicht; denn vom Zollerhörnle aus wäre es heutigen Tages eine Kleinigkeit, die stolze 'Feste in einen Trümmerhaufen , zu verwandeln. Thatsächlich nahmen denn auch 1866. gerade am Tage der Schlacht von KLniggrätz, am 3. Juli, ein böses Omen, die Württemberger die Burg ein und gaben ihr in etwas verfrühter ritterlieher Galanterie den Namen ihrer KLnigin. Olgaburg. Aber schon am 24. Juli verließen die württembergischen Beamten, am 6. August die Soldaten Hechingey und die .Olgaburg". Und es geschah etwas gär Komisches. Vergebens hatten die Württemberger die alten Nürnberger Feldschlangen gesucht, die auf dem Zoller gestanden. Die Lafette hatte man schlauer Weise im Walde vergraben (der Wald geht bis dicht an die Festungsmauern heran), das Geschützrohr aber im Brunnen versteckt. Kaum daß die Württemberger Bur und Stadt verlassen, da donnerten ihnen vom Zoller Abschiedsgrüße nach, die unten in den Reihen der Abziehenden merkwürdiges Echo gefunden traben sollen. Dazu kam noch, daß die Besetzung der Burg mit 600.000 Gulden gebüßt .ward, sicher ein theueres Pathengeschenk zur Taufe der Olgaburg. Seitdem. hat der Zoller noch gar häufig Württembergs sehe Invasion gehabt, aber nur' friedlicher Natur, und auS Schwabenmund ist dort oben mit mancher vortrefflichen Rede und manchem poetischen Erguß (die Schwaben, besonders die württembergischen Schwaben sind schier alle geborene Redner und Dichter) des neuen deutschen Reiches Auferstehung gefeiert vordea. .

EinMißgriff.

.fr: mijm ' ofift Ich bitt' Dich, Alter, iß doch nicht so heißhungrig, wie leicht kann Dir Ixi etwas passiren!" Was hängt mir denn da für v:. Faden aus dem Mund?" Aber Papa. Du hast ja Mamas Strickknäuel mit d:n Knödeln rer schluckt!" Jetzt nur schön langsam, sonst halt' ich's ja vor Kitzeln nicht aus." Zukunsts-Modebild. Sie gibt nicht nach. Frau (energisch): ...Den Hausschlüssel? Nie!!Mann: Aber, Weibers. siehst Du nicht ein, wie ich verspottet werde und wie man über Dich schimpft, wenn ich gestehen muß, daß Du mir ihn verweigerst!" Frau (nachdenklich): Du hastRecht! Da hast Du den Zimmerschlüssel. Sagst einfach, Du hcckest ihn verwech selt. wenn er die Hausthüre nicht schließt." WillkommenerGrund. Herr Wamperl: Schon wieder eine Ueberschwemmung! Und da soll man keine Wuth über's Wasser kriegen. Alte, laß Bier hol'n!" Schlecht empfohlen. . ' -r-L U-ttir uf&m Erster Gauner: Du. Ed: wat meenst De zu dem Rechtsanwalt Brül, ler?" Zweiter Gauner: UmJotteswillen nur den nicht! Der.bat mir schon 'mal zu 3 Jahre Zuchthaus vertheidigt!" Guter Tausch. A.: Denke mal. die berühmte Malerin .I. will ihrer Kunst entsagen und den Rentier Meier, diesen, simpn Menschen, heirathen.- B.: Nun. das ist doch nur .schlau. Sie vertauscht eben die Pinsel!"

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