Indiana Tribüne, Volume 21, Number 111, Indianapolis, Marion County, 9 January 1898 — Page 2
Freundschaft. Hochzeitsglocken der FreMdschast Sterbeglocken", sagt ein alte! Sprichwort Wohl nicht wenige junge Qräute t;afon der Freundin gegenüber mit grcfccm Eifer und treu gemeinter Auf Dichtigkeit yegen diesen Ausspruch der Wolksweisheit energischen Protest ein HTlegt und die aufrichtigsten VerspT jungen gemacht, bsß ihr VerlalNi 5en Pessimismus dieses Spruches JU'1 'schänden machen lriitbe. Und dich! Hätt: man nach urcht gar langer Frist in das Herz der jungen Frau bd'cken können, man wurde unser Sprichwort nur bestätigt yrfunden haben. Der 'CrfahrungsgehÄt der Welshett von 'der Gasse ist meistens unanfechtbar. !Und in dem vorliegenden Falle muß 'man zugeben. !daß diese Wandwng der
Freundschaft Kch häufig gamaturge maß vollzieht. So innig Md wahr ein FreundsZzaftsverhältmßcnuch sei mag. es und muß Zurücktrete und in den Sintergrund gelängt wcrden von der' das ganze Sein erfülle? den rntfc umgestaltenden räutlichrl Liebe. Gnoitz strahlt tilHe aus dr.n Schatz itx Glückes Licht'nd Wärine us cruf vie ganze Amgebung rnd rnöch!e im Allem d':Fr:undin Wlnehm?n -la-'sen an dnn mugewornernen Reichchuiu, Aber dTfose Wärve ist doch nur rückgestrcchlte, etwas Deben sächliches, und gar .zuiald empfindet die reur.oin, daß isieTlicht mejjr die Nächste ''t. daß ein "Neues Leren sich entfalte!,' neue JntzrfksengebZetesich erschließen, an denen Fsie keiner. Theil -mehr fhai. Das ii';ber Zeitpunkt, wo es sich zr.gen muh.ctö die Freundschaft echt 'nrar, ob die ? cdle Pflanze der Srlbstktsigkeit in Hhr gewachsen ist. Zieht PH die Frrnndin in nicht ganz unberechtigtem Schmerz zurück, vergilt sie -Vernachlässigung mit derselben Münc oder macht sie gar in der Empsindllchkeit ihr Herzens Vorwürfe, sottet: sie alsNcht mittheilendes Vertrauen, das nich'r gegeben werden kann, so wnden die H.ichzeitsglOcken gewiß 'die 'Werbestundi,' Der Freundschaft einlaüin . Kann Tic aber die nicht ganz leichte Aufgabe Nösen, kann sie zurücktreten und doch' mit aufrichtigem Herzenyeilnehmeiran dem jungen Glücke, dann werden die Hochzeitsglocken rmr MeÄdglocken fer'die Freundschaft sein. Dh, FreundsKiaft wird allerdings schimmern. oZer es ist 'ein Dornröschenschlaf. au dem sie jung und frisch wachen kann. ' Die junge Frau hat ZZa?f und Hev,'oll von neuen Pflich--tenvon neueru Glück, aber bei dem Qrüleben zweier Menschen kommen ouch Zeiten nnd Stunden, wo der CJkmz des Mückes verblaßt erscheint. einübt, sei eZ' von einer ungewohnten Verantwortläkeit'oder von einer Disbsimonie. Solche Stunden müssen al-1 lcin durchlebt rnnd ertragen werden. Währe Freundschaft zeigt sich dann daM.daß sie jeder Aussprache aus dem Wege geht. j?e Klage am Lautwerden Mdert. Besitzeii beide Betheiligten dieZ fewe'GefühlTiicht.' sondern glaubt die Zrenndin deii'Zeitpunkt gekommen, wo sieiin-.lhre alten Rechte wieder eintreten kann. i so kann" sie es verschulden, daß eine'kleine Differenz sich zu einem nnhellbaren Riß erweitert. Die echte Freundschaft-aber wartet in Geduld; siefllhlt eine unversiegbare Quelle des Lebens in sich und weiß, daß sie cruch inÄ?er he ihren'Platz findet, wenn der brausende Most' den edlen, ruhigen Wem gegeben' hat. War die Freundschqft nuch'bn der verheirathetm Frau echiör Ättso' findet sie sich zurück zu der nreunbin.bei der sie herzliche Theltnühme'sür' die Gestaltung ihres LebenZ. ihrMck und ihre Pflichten fmvet; denns so-eng und allumfassend archdas -eheliche Verhältniß sein mag. es Fibt "doch Lagen, wo die Frau sich nur 'dollständig verstanden fühlt von ihreZleichn,-wo'sie ein theilnehmendes.lvrMicheZGeMüth haben muß für manche Mthe nnd Sorgen, aber auch für manche 'Freuden, und diese Stelle füllt ware "Freundschaft aus; sie hilft den rirnron'lschenDreiklang bilden in dem Ehebmrde.Deshalb gilt die Weisheit unseres Sprichwortes nur vom Mittelant, derDurchschnittswaare, von der die Menschen ihre Erfahrungs-' sätze herzuleiten -pflegen; wahre , Freundschaft -dc -als seltene Pflanze ist die Aus7nchm'e,-welche die Regel beställgt. BMclcr Spitzen. Zur Herstellung ' dieser berühmten Gewebe sind $o Mne Fäden nothwendig, daß sie Hirt Maschinen weder gespönnen noch verarbeitet werden ton nen. Die fewfdm Fäden,' die übrigen? selbst in Belgien mur .von ganz wen! gen Leuten hergesrellt werden können, sind sogar so zart,Mß'pe'schon an der trockenen Luft zerreißen. 'Daher müssen sie in feuchten Lellern verarbeitet werden. Die ZWpplinnen, die in diesen dunklen, nterirdischm Gewölitn es etwa zehn Jahre -aushalten, haken bei ihrem mühseligen Beruf in tiiesem Zeitraum in derÄegel-.khre beste K'-aft und. vor Allem Shr Augenlicht nahezu eingebüßt, so dtfß sie nicht länger im Stande sind, das feine Gewebe herzustellen. Da begrefft man aller.dings, roexum echte Lrüsftler Spitzen -.so unbezabar sind. Neuerdings 'will -übrigens ein belgischer Ingenieur ine Maschine struirt haben, fcie seÄst :flir die feinsten Spitzen die menschliche Hemd zu ersehn im Stande sän soll. Erkannt. Fräulnn (ju eignem Herrn, der ihr eifrig den Hof jnacht); Jetzt ist'S aber ccnug, Herr. X5ugen denn S!e sind ja doch such -so einer, der immer nur mit den Tochiexn spricht!Kasernenhofblüthe. . Unterofficier (von der Nadfahttr-Ab theilunz): Kulicke, in der Dummhei? smd Sie Okamoo ot iho TYorWJ'
MscrAmcr.
Von Fobn WllmerS Ich beiß' mir die Zunge ab, wenn ich nicht endlich erzählen darf, wie es uns damals mit, den Amerikanern erging. .Zwar haben sich die gesammten Messemitglieder das Wort gegeben die Sache todt zu schweigen, doch war ich glücklicherweise an jenem Tage n Land vnd kann also die ganze Ieschichte verrathen. Es war in den schönen Zeiten der KcttQleinweihung, als einrs TageH ein Mwm in unsere Messe kat und meldete: Die Herren Deötfficiere rnöchist zum ersten Off5cur ?.uf dieSchanze Zkrnmen." Als wiv uns mn der ersten Dfficier versammelt hattrn, iye'ilte er ems Folendes mit: ,EZ ivir gewünscht, daß mit den Schiffen üa fremden Nationen gute Bezichunge unterhalten wer, den, was sich ann Witn tnnch gesellige Zusammenkünfte reichen läßt. Un serem Schiffe ist da Eolrmbia" zugetheilt wordM; -es ' wird lso Jemand von Ihnen Tracht mL dem SivAto hinNerfJhrrn.'UN bei den Deckoffmen dort Alzsuch u mazen. Wie ie den VerkÄiT dann fortZpinnen wvAen, Aderlässe ÄHJhTien. Ich danke Jhen! Nvch TrnL! '5d!tllrlich Alles in der FreiM.In 'der 'Misse natM gleich daraus der DbQpumpenmeier. unser MesseaWa, "dasWott: Sie haben Alle fferrr.-wasder'erstl Officier besohlen hat. ?kch wnrde 'gern hinüberfahren, ober 'Pumpe 'I! stößt so, da rnuß ein Kolbenschüh'lös sscin; ich kann nlso Mrenl" 9to, 'wir von' der Maschine haben uch keine Zeit," rief der .Obermaschinist, unsere, Kessel werden y?rein'igt nnd uüßetdem 'sind die ganzen Lager nfgenvnrmenvon uns kann Niemand fahrend ' Es 'ist doch merkwürdig." 7iiß sich je'tzt dn Feuerwerker vernehnien, daß die Herren.i'die am wenigsten zu thun haben, niemals über Zeit verfügen. Mir nvird ' wohl nicht widersprochen Toerden, 'wenn ich behaupte, deß die 'Feuerwerker den meisten Dimst haben. 'Ich -z.'B.' habe drei 24 Eeniimeter'Ninqtcmonen L 35 in MittttpivotTaTfcüe' 0 9093, acht 8.8 EenrmcterSchnelllädegeschütze. sechs Maschinenrewehresvon den Handwaffen -nnd von der Mnni'tion will ich gar nicht rtden. Auf mewe Maate kann ich mich nicht 'verlassen; 'gestern zum Beispiel sagte nch dem 'Obermaaten. . . Um "Gotteswillcn! scheiden Sie aus. 'Feuerwerker! Wie oft 'wollen Sie dasnoch erzählen! Hier "handelt es 'sich "nicht um Ihre Kanonen, 'fvn'dern darum, wer nach dem Vankee'fahren'soll. Wir müssen Jemand schicken. 'der "Zeit und Lust hat und 'der. vor .allen Dingen englisch versteht. Schäde, daß 'der Steuermann jetzt 'Lvokfen'diensie thut; er spricht ansFezeichnet englisch." 'Nun, Herr Oberpumdenmeister. 'uberdas Englisch des Steuermannes -will' ich mich jedes Urtheils enthalten; 'bemerken möchte ich aber doch, 'daß es 'Menschen giebt, die von ihren SprachKenntnissen kein Aufhebens -machen. ch'häbe'Jhnen die Geschichte niit 'dem Boötsführer in Plymouth nvch -nicht zählt...." Schon tausendmal klingt tZ uus Föhn Kehlen zurück. So, ' doch schon?! Na. Meffter, Jhnenhäbe ich den Vorfall noch müht erzähltz'Sie sind ja erst heute Mittag n Bord.-commandirt. Also die Sache warldie:.Jch komme Nachts zwei Uhr rn Vordzder Bootsführer, der nnver schämte "Kerl, verlangt für die kurze StnSe'bei schönem Wetter tu Schilling; Ich gebe ihm nur zwei nnd einen halben' und sage: go to hell! Sie Hatten mäl sehen sollen, wie der Kerl uspuAte.''Der Steuermann wäre hier wohl 'schon -mit seinem Matroseneng lisch reingefallen; er weiß ja nicht inal daß Spiegeleier in England loaking glass'eggs -genannt werden. Na. wenn Sie so gut englisch spnchen. "Herr 'Feuerwerker, dann machen Sie doch den Besuch. Wir werdm hier schon aufpassen, daß Niemand Ihre geliebten Kanonen bei Aaron rasch versetzt.Ach. das ist ja Unsinn, Herr Oberpnmpenmeister; 'ich werde fahren,- ich kann ja die 'Nacht wieder zu Hilfe neh men, um meine "Arbeit zu bewältiaen. ich din es ja 'schon gewohnt. Was ist Anzug? Mit Orden?" Ja natürlich mit Orden; beeilen Sie sich aber; m einer halben Stunde sah 'der Kutter.Diese Quasseleien des Feuerwerlers nver femen ichweren Dienst wach sen Einem doch richtia zum Halse her aus." 'bemerkte der "Torpedomaschinist und nnhm uns damit Allen das Wort aus dem Munde; ich glaube, wir Ion nen von den Marsbewohnern reden er wird 'sofort die Frage aufwerfen, vb die nenerwerker dort nuch solch schweren Dienst haben, ob sie sich auf ibre Maate verlassen können und ob dort die neuen Schnellladegeschütze schon eingeführt sind. Es ist nervenerrut tend. dieses ewige,, ode Geträtfch zu boren. Was hat er denn eigentlich für zrven'?--Vor vierzehn Tagen hat er die eiserne Dienstschnalle bekommen; seit dem ist er vollständig durch den Wind." So, was S sagen, Verwalter; nä, das muß man ihm lassen, leicht zufrieden zu stellen ist er. Ich bin neuaieria. welche Arbeit er NacktL bewaltigen will.wahrschewlich doch seine tägliehen Tiraden fortsetzen; dann ade Messe, du siehst mich Nimmermehr. .Aber meine Herren fiel der Oberpnmpenmeister ein,- lassen Sie doch den Feuerwerker in Ruhe' wir wollen jetzt berathen, was wir mtt dem Fankee anstellen wollen!" Ich denke,- sagte der Obermaschi, nist, ,wis laden sie zu morgen Abend
zum D'.ner ein. Wir Zonnen ja gleich mal vas Menu aufstellen. Erst, geben wir Suppe mit Einkauf, dann Schinken und junge Erbsen, dann Hühner xx Salat und zum Schluß eine süße Speise." Wollen S nicht noch GänseleberPasteten gebend warf der Verwalter, der das Ami des Mesievorstandes versah, dazwischen. .Sie wissen doch ganz genau, daß wir im vorigen Monat dreißig Mark ingeschnstert haben und jetzt d hohen Kanaleinweihungspreise wir stehen die Haare zu Berge, venn ' ich an d?n Abschluß denke, Na, Xt körnen ja nicht mehr zu Bege Pehen, außerdem hat mir der Zahlmeister gesagt, 'daß wir ein Panschquantum, so ungefähr ' 200 Mark, erhalten werdrn, um diese auermdentlict Ausgabe zu decken." .a, wemi der Zahlmeister das gesagr hat,dONN freilich.... Aber was WÄllen wir 'trinkend Nun, Uvir geben Zeltinger nnd Bordeaux, für den 'Toast aus Majestät Mld den 'Präsideuten zwei Flas ,'Kupferberg Gold, und Bier soviel getanken wird." Schön! Damit bin ich ernversianfoe. Wenn die anderen Herren nichts Älg?gen haben, so werde ich gleich das '.Nöthige veranlassen.Niemand hatte etwas dagegen, und 'der "Verwalter istürzte davon, um mit "dem Koch zu berathen. 'Jetzt trat der Feuerwerker ivieder in "die Messe. Er hatte die kleine "Schwäche, sich'süv einen schonen Mann zulhalten und war demgemäß überaus eitel. Die Hosen waren 'in scharfe 'Falten gebügelt; tadellos 'saß der neue 'Rvck. und über die Hände fielen die 'durch riesige Ketten zusammengeholtenen Manschetten halb herab. In der "Rechten die Handschuhe rragend, wäh'rend die Linke graciös den Säbel ba 'lancirte, spazierte er aufmnd ab. Dann 'und wann warf ev einen verstohlenen 'Blick auf seine linke Brust, wo d 'Dienstauszeichnung dritter Klasse Zeugniß davon ablegte, daß er mU Doppelrechnung neun Jahre treu ge'dient hatte. Sie werden also die Amerikaner einladen, sich morgen Abend um 6 Uhr hier einzusinken. Wtö Sie zu sagen haben, wissen Sie yi ebenso gut wie ich." redete ihn der Messeälteste an. Vielleicht noch 'n.Bischen bessert Wie? Sagten Sie was? Nicht? Na, also machen Sie Ihre Sache gut -und vergessen Sie nicht, sich nach der Zähl der Kommenden zu erkundigen." Besorge ich Alles bestens antwortete der Angeredete, indem er sich -ganz zu dem Sprecher umwendete.denn fem hoher Kragen gestattete keine Drehung des Kopfes; was ich in die Hand nehme, wird gtft. Man ist doch nicht umsonst zwei Jahre in Berlin geWesen." Sie hätten aber nicht solch' hohen Kragen anlegen sollen; die Augen treten Ihnen ja jetzt schon aus dem .'Kopfe.Ach was, Sie wissen doch, daß ich meinen schlanken Hals habe." Ja, Sie sind der schönste MarineFeuerwerker; nun machen Sie aber, 'daß Sie-in's Boot kommen; der Kutter ist längst klar." Zwe'i Minuten später suhr der Kut'ter mit unserem Abgesandten der Columbia" zu. Immer naher kam das stolze Schiff und immer tiefer sank dem sprachkundigen Feuerwerker das Herz in die schönen Hosen. Noch fünfhundert Meter war das Boot vom Fallrepp ab, da drehte er sich nach dem 'Bootssteuerer um: Sagen Sie mal, 'haben Sie früher auf englischen oder 'amerikanischen Schiffen gefahren?" 3 wohl. Herr Feuerwerker, ich war zwei Monate auf einer Nova Scriia Bark; unser K-och war ein 'Rüss', Finn', und was nnser erster Steuermann war. der war von Rostock, 'wir hatten Seestiefel und Kautabak geladen." Schon gut! . Das loirnnt Sie mir -nachher erzählen. Sprechen Sie englisch?" Wie Wasser, Herr Feuerwerker." Dann passen Sie' mal auf. ob da? -richtig ist: I inviete ju to dineh. ju somm all Händs; plenty to et, plenty to drink, plenty to schmooV Da? ist ganz famos, Herr Feuer--werker; nun sagen Sie bloß noch: daran .tont eycs," dann ist's all Tißht. Riemen ein! Halt fest achtern! Mte. Herr Feuerwerker." Mit einem halblauten danvn your fye" sprang der Sprachkundige die FaÄreppstreppe empor. An Deck empswg ihn der wachthabende Officier in deutscher Sprache und ließ ihn, als er sein Anliegen erfahren hatte, zu den Deckosficieren geleiten. Wa? er hier ausgerichtet hatte, er suhren wir erst später. Als er nach Verlauf einer halben Stunde zurückkehrte, leuchteten seine Aug?n vor Stolz und manch' hämischer Seitenblick traf den inzwischen anBord kommenen Steuermann, als er verkündete: Ich soll Ihnen die besten Grüße den den Kameraden bestellen; sie nehmen die Einladung mit Dank an, es kommen acht Herren." Erst als der Steuermann an Bord gegangen war, thaute er auf und begann zu erzählen: In der Deckoffiermesse bin ich nicht gewesen; die nieisten amerikanischen Kameraden waren an Land; nur der Feuerwerker, der Bootsmann und der Meister waren an Bord. Aeußerst liebenswürdige Menschen, sage ich Ihnen, besonders ' der Feuerwerker, den sie dort Master Gönner" nennen, trotzdem er ein richtiger Feuerwerker ist. Er hat mich auch im Schiff herumgeführt. Großartige Einrichtungen! Ueberall elekirische Zündvorrichtung an den'-Ge-schützen. Die Speichenscheiben sind nicht wie bei unö rechts, sondern links an der Laffette, die ganzen Kanonen...." Hk? mußte der Feuerwerker Pop
den. denn der größte Theil der Anwesenden verließ unter Hochrufen auf die Artillerie die Messe. Da gehen Sie hin, weil sie kein ernsthaftes Gespräch vertragen können. Die ganzen Kanonen haben KolbenVerschluß; die Kartuschbüchsen...." Diese Sachen mögen ja für Sie interessant sein." fiel ihm ein Maschinist m's Wort; uns sind sie Wurst." Diese Sachen sollten für jeden denkenden Menschen wichtig und interessant sein;,ader ich will meine Perlen nicht mit Gewalt...." Adieu, Herr Feuerwerker!" Na, dann passen Sie auf, Meister," fuhr der Unermüdliche fort, ich werde in die Bovtsmannskammer geführt und lade den Bootsmann natürlich gleich auf amerikanisch ein. Er lacht, nickt und holt den Feuerwerker, den ich gleich an den gekreuzten Kanonenrohren erkannte: er trägt das Abzeichen auf dem Arm; kurz darauf kam auch der Meister und alle Drei überboten sich in Liebenswürdigkeiten. Aber zu merken ist's doch: englisch ist noch lange nicht amerikanisch. Das Amerikanische ist feiner, vornehmer möchte ich sagen; es war nur gut, daß ich darauf geaicht bin, sonst wäre die 'Sache wohl unklar gekommen. Hiev hätte ich den Steuermann mit seinem sogenannten Englisch sehen mögen, ha, ha! Ich muß lachen, wenn ich daran denke. Was braucht anch schließlich ein Steuermann englisch zu können. Wenn er Steuerbord nnd Backbord übersetzen kann, so genügt das vellkommen. Anders ist das mit nns Feuerwerkern; wir müssen fließend sprechen. DenkenSie mal, wir. Ziegen in einem englischen Hafen; .Frankreich erklärt nns den Krieg und das Steuerbord vordere Rahmenrollrad vom Buggeschütz ist gesprungen. Dann ist's Zeit für die Herren Offiriere. gute Worte zu geben. Dann kann felbst der ComMandant freundlich sein: Ach, Feuerwerker, gehen Sie doch mit dem Steuerbord vorderen Rahmenrollrad an Land; Sie. sprechen doch so ausgezeichnet englisch.... Sehen Sie, in diesem Falle gehe ich an Land zum Schmied und sage...." Stopp, Herr Feuerwerker," unterbrach hier der Meister, sein einziger Zuhörer, dm Redefluß; ich kann nämlich auch etwas englisch; lassen Sie't mich mal sagen. Sie würden also sagen: In, Master Schmied, ju mäk mi dat Stürbord vordere Rahmenrollrad wedder ganz." Beinahe so, nur heißt es nicht wedder", sondern agein".Sehen Sie wohl, englisch sprechen ist gar nicht so schwer; was schwer ist, ist das Verstehen." . Da haben Sie recht, Meister; englisch ist nicht schwer, aber mit amerifanisch ist das anders.- Da muß man sich schon in der Literatur umgesehen und seinen Shakespeare, oder doch den nordamnikanischen Krieg in der Urspräche gelesen haben. Ich habe die Bücher an Land, wenn Sie sie lesen wollen, sie sind von einem gewissen Mister geschrieben. n?ie die meisten amerikanischen Bücher. Tadelloser Stil. Ich werde sie Ihnen rnitbrmgen.- f Ne, ne, lassen Sie man. Sagen Sie, was haben Sie drüben getrunken? Steward! . Mir einen Cognac, ein Glas Bier! Trinken Sie mit, Herr Feuerwerker?" . Gern, Herr Meister." Zwei Cognac, zwei Glas Vier! Also was haben sie Ihnen vorgesetzt?" Ja, sehen Sie, der Amerikaner, Prosit, Herr Meister, der Amerikaner ist nicht wie wir, immer gleich sausen, das kommt erst, wenn man sich genauer kennt. Wir haben Thee getrunken." Thee," fährt der Meister, der einen guten Trunk liebt, enttäuscht dazwischen. Thee. ... !" . Ja, aber was für ein Thee, hochfein, sage ich Ihnen, echter amerikanischer. Ich habe sogar mit meinem amerikanischen College Brüderschaft darin getrunken." In Thee!? Na, ich danke Es gibt doch aber in England gar , keine Brüderschaft; da sollen sie doch schon die kleinen Kinder siezen." Gewiß, in England, aber in dem freienAmerika ist das anders; da gibts ein Du", genau wie bei uns, nur heißk es dort Sau"." .Jetzt ist's aber Zeit zu Licht aus in der Messe"; dev Erste spukt auch noch herum. Wir wollen schlafen gehen, Herr Feuerwerker. Schnell zwei Cognac, Steward! Prosit!" Prosit!" . , Gute Nacht, Herr Feuerwerker!" God Nikt, Master Meister!" Am nächsten Abend harrten wir in begreiflicher Aufregung der Dinge, die da kommen sollten. Immer wieder richteten sich unsere Blicke nach der Columbia", um zu sehen, wie das Boot absetzte, das unsere transatlantischen Kameraden bringen sollte. Schon war es 10 Minuten nach 6 Uhr und noch kein Boot in Sicht. Wir wurden mittlerweile nervös. Der Verwalter witterte alle Augenblicke Brandgeruch in der Richtung der Combüse und stürzte dann davon, um den. Koch zu beschwören, doch ja die Hühner nicht anbrennen zu lassen. Wir ,Andern gingen auf der Schanze auf und ab und tauschten unsere Vermuthungen über das Ausbleiben der Gäste auS. Nur der Feuerwerker ging unberührt von der allgemeinen Erregung gestikulirmd hin und her. Ab und zu hörte man einige Worte feinem Munde ent schlüpfen: the Stars and Stripes and the Igel Flagg . . . . te Master Präsident. very good Mann . . ." Es war klar, er dachte uns mit einer Rede zu überfallen. Ein Glück, daß sie nie gehalten wurde. Jetzt gkaste eS gerade. Fünf Glas!" Sie. Verwalter," wandte sich der Messeälteste dern Vorpand zu, .rseö
halten Sie eigentlich von dem Englisch des Feuerwerkers?" Ich! Gav nichts. Aber da klapperts unten, da hat so'n Kerl die Äratenschüssel hingeschmissen," und weg war er. Na, wissen Sie was," sagte der Obermaschinist. der Feuerwerker wird da drüben Unsinn gemacht haben. Am besten ist's, 'wir schicken den Steuermann mal rüber und lassen sagen, daß das Essen kalt wird." Ja. das ist das Beste. Wollen Sie fahren, Steuermann? Ich frage um ein Boot." Ja wohl, gewiß; ich werde gleich umschnallen." Fünfzehn Minuten später kehrte der Steuermann zurück. Halb lachte und halb weinte er, als wir ihn mit Fragen bestürmten. Bitte, kommen Sie in die Messe, meine Herren; ich werde unten erzählen." Also an Bord der Columbia" befinden sich drei Deckofficiere: der Meister, der Bootsmann und der Feuer werker. Die drei Herren haben mir Folgendes berichtet: Gestern Abend erschien bei ihnen ein Deckosficier, den sie dev Uniform nach für einen Deutschen, der Sprache nach für einen Türken hielten' Da Niemand der türkischen Sprache mächtig war. so begnügten sie sich, besagten Deckosficier, unseren verehrten Herrn Feuerwerker, im Schiff herum zu führen und ihm eine Tasse Thee vorzusetzen. Von einer Einl'adung ist ihnen nichts bewußt; sie würden auch keine angenommen haben, da sie geschworene Temperenzler sind. Ich glaube übrigens, daß sie der Gedanke schreckt, sich bei unserer zahlreichen Messe revanchiren zu müssen. Zum Schlüsse setzten sie mir einen ganz abscheulichenThee vor und da verschwand ich natürlich. Sie wissen, ich kann so was nicht trinken." ' WaS, Feuerwerker, Sie sagten doch . . . ." Aber, Feuerwerker, nee, so was!" Sie haben doch Brüderschaft getrunken, Feuerwerker, das kann doch nicht. ..." Meine Herren, ich werde mich gleich rechtfertigen; die Sache kann nur auf Mißverständnissen beruhen; die man-
gelhafte Kenntniß, die der Steuermann von der englischen Spracheoesitzt. Ich hole meine Grammatik; ich bin gleich wieder hier." Gleich darauf hörten wir ihn vöm Fallreep krähen: Civilboot, fetzen Sie mich nach der Hanfa-Brucke. Die -Hauptperson nächst unseren amerikanischen Freunden ist ja nun glücklich fort." begann der Steuermann; ich sehe nicht ein, weshalb wir nicht essen sollten. Es wäre eine große Blamage vov den ganzen Flotten des In- und Auslandes, trnn unser amerikanisches Diner ungegessen bliebe. Ich werde deshalb den amerikanischen Feuerwerker markiren und als solcher ersuche ich Sie, Herr Verwalter,, mit einem höflichen darnn your eyes". endlich auftragen zu lassen." Hurrah, der Steuermann hat recht!" Runter mit dem Essen!" Ich bin der Meister von der Co lumbia", sagte der Obermaschinist. Ich stelle den Bootsmann vor!" rief der Torpedomaschmist. In kurzer Zeit war das Diner im Gange. Hei! wie wurde da getoastet: auf die englische Sprache, auf die Feuerwerker im Allgemeinen und auf unseren im Besonderen, auf den Prasi denten, auf McKinley, aus die freie Silberpragung. auf die amerikanische Flotte, auf die einzelnen Schiffe und Deckofficiere, und auf Alles, was irgend einen Vorwand zum Trinken bieten konnte. Die letzten Toaste verklangen erst, als di". Hälfte der Wache die Baljen zum Sich waschen klar stellte. Ja, ja, so is det up de Welt," sagte Knschan zu Hinnen, as ick letzthm duhn wer un uog di mit'n Kofferen nagel vor'n Kopp, dat Du' dalsackst, da sperrn's mi in; un't wer doch man Spaß' Werst de Deckofszers de könnt .supen: de seggt ken een wat. Unser Feuerwerker beantragte am nächsten Tage seine Abcommandirung. Es war lbm lastla, kemen anderen Gruß zu hören, als: Go-to hell. Sau Feuerwerker, daran your eyes!" Physiologie des Rausche?. Wer still vergnügt, in sich gekehrt. Den Kopf etwas, mit Wein beschwert. Mit schiefen Schritten heimwärts wankt Der ist zu einem Spitz- gelangt. 'Doch wessen Sinne schon so schwach, ' Daß er den Postbriefkasten ach Erschließen will anstatt dem Thor, Der hat nen Hieb schon hinterm Ohr. Wer aber süßen Weines voll Umarmen wollte liebestoll Des Hauses alte Schließerfrau, Der hat 'nen Affen, blitzeblau. Wer aber ruft mit frohem Muth: Mein liebes . Weibchen, komm', sei . gut!" Den Prellstein herzend, liebesfroh Der ist beknippert corarae N taut, ' . Wer vollends nicht mehr weiß wohin. Nicht findet mehr tn's Bette 'rm Und einschläft dort, wohin er fiel, Der hat 'nen haar'gen Besenstiel. I mmer derselbe. Herr (zum Lieutenant): Nun, Herr Lieute nant, wie verhalten Sie sich der Damenwelt gegenüber?" Lieutenant: Ha bei mir haben die Damen Glück!" BeimExamen. Herr Candidat, was halten Sie von der NaturHeilmethode?" Daß die Natur heilt, ist zweifellos; aber ditZ darf nicht zur Methode prrden
Aas tägliche Srod. Von Paul Bliß. Die Baronin - Wittwe faß in ihrem
Boudoir und blickte traumverloren in die Gluth des Kamins; ihr gegenüber saß der Commerzienrath Weber, ihr Vater, und sprach ernst und aufdringlich auf ste ein. Ohne ihn zu unterbrechen, hörte sie ihn an, und erst als er geendet hatte, entgegneie ste ruhig in ihrer klaren Art: Lieber Papa, ich kann Dir nur. wie schon so oft, wiederholen, daß alle Deine Bemühungen ganz vergeblich smd, ich Heirathe den Grafen nie und nimmer, das ist mein letztes Wort!" Nun wurde der alte Herr erregter: Dein Sträuben, liebe Hilde, ist mir ganz unfaßlich! Graf Brockhoff ist eine geradezu glänzende Partie! Er ist jung, elegant, reich, von altem Adel, und er ist wie toll in Dich verliebt!" Jedes Wort ist vergebens gesprochen, Papa ich heirathe überhaupt nicht wieder." Hilde!" rief e? jetzt ganz entrüstet, nein, liebes Kind, das war nicht im Ernst gesprochen!" Doch sehv ernst antwortete ste nun: Und wenn ich doch je wieder heirathen sollte, so würde ich jetzt nur einen Mann nehmen, den ich liebe." Fragend sah er ste an. Ja, Papa, einmal war ich blind genug, mich, durch Rang und Namen blenden zu lassen, und glaub' es mir nur, wennschon mein verstorbener Gatte alles gethan hat, mich glücklich zu machen, gelungen ist ihm das nie, denn innerlich war ich ihm entfremdet, und nicht nuv ihm, nein, auch den ganzen Verhältnissen, in denen ich leben mußte, man sah in mir immer wieder, den bürgerlichen Eindringling. der stch durch seine Millionen den Titel und Rang erheirathet hat, das hab' ich immer herausgefühlt, trotz all der Höflichkeit, die man mir entgegenbrachte, einmal bin ich so blind gewesen, zum zweien Mal geschieht mir das nicht wic??r." So ging der Consul unverrichteter Sache, denn nun sah er ein, daß jedes weitere Wort vergeblich sein würde. Als die Baronin allein war, nahm sie eins der Journale, die eben neu gebracht waren, und blätterte darin. Und plötzlich wurde ste aufmerksam. Ein Reclamebild, das die ganze Größe einer Seite einnahm, erregte ihr lebhaftes Interesse. Es war die Arbeit eines , hochtalentirten Künstlers, das erkannte ihr kunstgewöhntes Auge sofort, aber das nicht allein fesselte ste, eine Linie in der Wiedergabe der Körperformen einer Idealfigur, die war es. die sie so aufmerksam gemacht hatte. Mit wenigen Strichen, mit unglaublich einfachen Mitteln war hier das denkbar höchste erreicht worden. Und diese Art zu zeichnen lnteresstrte sie. Einmal nur im Leben hatte sie einen jungen Maler gekannt, der so den Stift führen konnte. Das aber war lange her, wohl zehn Jahre lagen dazwischen Prüfend betrachtete ste das Blatt. Vergebens suchte sie nach dem Namen oder doch wenigstens den Initialen des Zeichners. Nichts war zu finden.' Und immev mehr vertiefte sie sich in den' Anblick des Bildes. es war ihr. als hätte diese Linienführung, diese Eigenart, zu zeichnen, als hätte das alles ein Erlebniß von vor vielen Jahren wieder taghell vor ihre Seele gerückt; es war ihr, als hätte sie diese selbe Figur schon einmal mit so einfachen klaren Mitteln dargestellt gesehen. Und während sie noch immer das Bild anstarrte, gewahrte sie plötzlich, ganz dersteckt in einer Arabeske, die Initialen des Verfassers: ein verschlungenes H. L. Ein Zittern ergreift sie. ein freudiger Schreck: wenn er es wirklich wäre, er, an den sie sofort gedacht hatte! Und plötzlich erklingt etwas in ihr. das sie mit einer heiligen ffreude erfüllt, das ihr ganz märchenhaft leise zuraunt: ja! ja! er ist es wirklich! er, nach dem Du jahrelang in fiebernder Ungeduld umsonst gesucht hast, Heinz Lechner, der ehemals um Dich geworben hat. in heißer, wilder, wahnsinniger Liebe. . . . 5 Zwei Stunden später ist sie in seinem. Atelier, einem engen, dumpfen Raum in einer Vorstadtgasse. Prüfend sieht sie. stch um. , Alles spricht dafür, daß die Ve.oohner in großer Dürftigkeit leben. (w'Schaudem durchfährt sie, fast ist sie dem Weinen nahe. Als er dann eintritt und sie erkennt, steht er wie gebannt und starrt sie an. Da tritt' sie ihm beinahe schüchtern entgegen und reicht ihm die Hand hin. Guten Tag. Herr Lechner." Ader nur zögernd und undeutlich erwidert er ihren Gruß und starrt sie noch immer an mit demselben großen Blick wie damals, als sie geschieden waren. . Eine peinliche Pause tritt ein. Dann beginnt er mit kalter Höflichkeit: Womit kann ichJhnen dienen, gnädige Jrau?" Bittend, hilflos sieht sie ihn an. Seine Worte treffen sie wie ein Stich, und zitternd sagte fit: Weisen Sie mir nicht die Thür, Heinz, hören Sie mich erst an." ' Schweigend stellt er ihr einen Stuhl, hin. Heinz, . ich komme um abzubitten, was ich Ihnen dereinst gethan habe." . Mit bitterem Lächeln fragte er: Soll ich Ihnen vielleicht noch dafür danken, Frau Baronin, daß Sie sich in Ihrem Glück meiner erinnern?" O Heinz, ich bin nicht glücklich, bin - eS nie gewesen!" Die Thränen traten ihr in die Augen. . Smd Sie nur gekommen, um mir daö zu saa:n?" Jch bin gekommen, Heinz, um 3:n zu helfen
Ich bedarf Ihrer Hilfe nicht. Frau
Baronin." SU dürfen mich nicht abweisen, Heinz! Wir alle sind ja nur Menscb:n. Und ich stehe als Bereuende vor Ihnen." Mit einem langen, ernsten Vlick sah er sie an. Dann begann er: Si? bereuen? Was bereuen Sie denn? Dasz Sie mich damals zurückstießen? Das ist zu spät Hier, sehen Sie mich an. wie ich hier vor Ihnen stehe, sehen . Sie sich bitte nur um hier drinnen, das alles haben Sie allein aus mir ge macht!" Heinz!" Es klang wie ein Schrei. Ja, Frau Baronin, Sie allein! Das bessere Selbst in mir. der Künstler, dem einst die Welt zu eng war, der ist todt, längst begraben der, den Sie hier sehen, ist nur noch der Handwerker. der für das elende tägliche Brot seine Karrenarbeit thut." Stumm, mit thränenvollcn Augen, sah sie ihn an. Damals, Frau Baronin, wären Sie damals mein geworden, ich hätte die Welt mir Unterthan gemacht. Ich wollte ja nur Sie, Sie allein, nicht Ihre Millionen! Sie aber hatten Ihre Blicke höher gerichtet. Rang und Titel galt Ihnen mehr, als die Liebe eines ehrlichen Menschen!" Nicht weiter. Heinz!" flehte sie. Sie thun mir Unrecht. ..." Er aber fuhr unerschüttert fort: Nein, jetzt sollen Sie erst alles hören, was ich Ihnen verdanke, denn einmal muß ich Ihnen das alles sagen! .... Damals, als ich von Ihnen rannte, da hielt es mich hier nicht länger. ich fuhr in die weite Welt hinein, nur ssrk, fort, nur alles vergessen; ich wollte arbeiten, all meinen Schmerz in meine Kunst einsargen, aber ich konnte nichts mehr, wie gelähmt war dieHand, umsonst war alles. ... Da fing ich an zu leben" von Genuß zu Genuß, einen Taumel wilder Orgien. nur vergessen! So wurde ich schlecht, ja gemein wurde ich! Alles das er kannte ich und doch hatte ich nicht den Muth, diesem Jammerleben ein Ende zu machen. Und da eines Tages fand ich ein armes, müdes Weib, das gleich mir vom Leben betrogen war, und dieses Weib lernte mich lieben und führte mich wieder zurück an die gute, ehrliche Arbeit. Zum Dank dafür habe ich sie geheirathet. . . . Und nun, Frau Baronin, nun arbeite ich für das tägliche Brot, was man immer bei mir bestellt. Plakate und Schilder und Jllustrationen, alles mache ich, um mein Weib und mein Kind zu ernähren. . . . ." Schweigend und mit gebeugtem Nacken hatte sie vor ihm gestanden. Jetzt sah sie zu ihm auf und sagte traurig: Ach. Heinz, ich weiß nur zu wohl, daß ich schlecht an Ihnen gehandelt habe, aber, dafür dürfen Sie mich allein nicht verdammen. Ich bin ja so erzogen worden, daß ich damals nicht anders denken und handeln konnte. . . . Was wußte ich von der Liebe und vom Leben! Ich, das einzige Kind eines steinreichen Mannes, dem man von frühester Jugend an eingeprägt hatte, daß für Gold alles zu haben fei, konnte ich dafür. Heinz?" Ich glaube Ihnen, Frau Baronin entgegnete er ernst, ich will Ihnen auch keinen Vorwurf mehr machen." Und.... Sie erlauben mir, Heinz ?" Nein, Frau Baronin," er schüttelte kurz den Kopf das ist vorbei. Unsere Wege dürfen sich nicht mehr kreuzen. Darum bitte ich Sie dringend, Frau Baronin." Schweigend, prüfend sah sie in sein bleiches Gesicht. Leben Sie wohl." sagte er dann. Und sie fragte: Kein auf Wiedersehen"?" - .Nein. es ist besser so!" Mit stummem Gruße schieden sie. ? 5 ' Zu Hause schrieb die Baronin sofort an den Grafen Brockboff. daß sie seinen Antrag ablehnen müsse, da sie nicht gesonnen sei, in eine zweite Ehe zu treten. Dann sank sie hin und barg schluchzend ihr Gesicht in den seidenen Kissen. denn nun fühlte sie. daß das Gjuck für immer an ihr vorübergegangen sei. . . . I I TVi Mxmtj Wfc vtivkiv' Mynherr van Koll war sehr reich, sehr gutmüthig und sehr bequem. Jan, sein alter Diener, besaß von ersten . Eigenschaft seines Herrn wenig, von der zweiten schon etwas mehr, aber in der dritten übertraf er ihn noch. Eines Tages fand Mynherr seinen Jan lang- i ausgestreckt auf einem Divan liegen.! Jan, Jan, was bist Du faul." sagte er im Tone milden Vorwurss. O ' Mynherr," antwortete Jan und rührtesicb nicht, ich kann noch viel fauler sein." Jan, das ist fast unmöglich. Wenn Du mir das beweisest, so schenke ich Dir einen Dukaten" und van Koll legte die blinkende Goldmünze vor stch auf den Tisch. Eine Weile verging. Herr und Diener verharrten schweigend in ihren Stellungen. Nun?" fragte ersterer endlich. Ach Mynherr, schiebt mir doch den Dukaten ein wenig näher," bat Jan. der das Geldstück nicht erreichen konnte, ohne sich zu erheben. Da hast Du ihn." sagte sein Herr, der Beweis ist geliefert." ' , - - Ja dann. Arzt: Na. heute wird der Kleine .wohl nicht so eigensinnig sein gestern wollte er ja ab j solut' die Zunge nicht zeigen!" Hausfrau (eifrig): O. gezeigt hat er sie doch noch, Herr Doctor wie Sie zur Thür hinausgingen." Schade. Vertheidiger (zum Clienten): Schade, daß Ihr Vater und Ihre Mutter solide Menschen sind ich könnte sonst für erbliche 53:12 stu?.z tfstkirnT . .
