Indiana Tribüne, Volume 21, Number 104, Indianapolis, Marion County, 2 January 1898 — Page 7
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ßin Gerücht. i Von Th. Müller. ' Dem auffallend hübschen Manne, der bis jetzt mit der stiller Glückseligkeit von seine' ' vor dem eleganten Boulevar' aus in die vorllberfluthende s . .e -:6C llfö : ;iger sehen hatte, schien plötzlich Gedanke zu kommen. Er und winkte einem älteren nach einem freien Stuhle hatte dieser seine lebhaft merkt. Welch' angenehmer , Graf," rief er, ich tor Indeß, das ging nie Beine schienen bei ..; I; j aus . :-, dt . Jetzt : qtn be..J, beste: . komme!' . rasch, de lten Herm :in. .. sein Lache'n lichtete, wie er nicht mehr zum best . Der Graf, welch noch auf den Lippe trokdem iuaendlic '-.icitat zu ljat cheln suchte, murmelte m sich hinen: m t 9 rvk . . . . ' ' ' Ut), Die achncht. welche ich ihm nittheilen werde, wird wohlthätig auf feine Gehwerkzeuge einwirken, ich' wette, er läuft heute noch die halbe Stadt ab, um sie so rasch und so iveit als möglich zu verbreiten und das ist's, was ich will; mein Glück kann gar nicht rapid genug unter die Leute iommen." Nun war der Baron heran md er nöthigte ihn, sich zu setzen. Ah. mein werther junger Freund, wir sehen ja vortrefflich 'aus," sagte dieser, sein Visavis lächelnd betrachtend. ja, die Jugend, ach, die Jugend!" Nun, jung zu sein, ist kein Verdienst, sich aber die Jugend zu erhalten. das ist eines, und darin, Varon, sind Sie ein unübertrefflicher MeiPer!' , Der Baron wehrte mit den Händen ab. aUx das Complimenf hatte ihm ersichtlich wohl gethan. Er hatte zwei Schwächen: diese, für jung gehalten zu werden, und eine weitere. Neuigkeiten zu verbreiten. Als ihn doch der Graf, gemüthlich ein Vein über das andere legend, nach einer kleinen Pause mit einem Blick ansah, der ihm deutlich sagte: Du wirst horchen!' hatte er auch schon dessen Hand gefaßt und sagte: Ab. bester Graf, Sie haben sicher eine kleine Neuigkeit für mich, bitte, lassen Sie mich nicht lange schmachten, . Sie werden sehen, ich bin in der Lagr. mich zu revanchiren oh, ich habe soeben bei einer Cousine etwas sehr Pikantes erfahren !" Ja. ich habe etwas für Sie,- unlerbrach ihn der Graf. Denken Sie. icb habe mich vor kaum einer Stunde mTl Comtesse Saillie verlobt, ich bin überglücklich, unsere Vermählung wird noch diesen Herbst stattfinden " Der Graf hielt inne und betrachtete Izn Baron mit höchstem Erstaunen. Seine Neuigkeit hatte nämlich auf diesen eine großartige Wirkung ausgeübt, sie hatte ihn eine Art Luftsprung ausführen lassen. Dann hatte er sich wie- . der gesetzt und nun murmelte er schon Das dritte Mal: Armer Freunds Aber so saqen Sie mir doch Verzeihen Sie. es ist ja nichts'." Der Graf wurde ernst. Herr Baron. Sie sind mir eine Erklärung schuldig!" Aber bester Graf!" Ich bestehe daraufr Jch. sehe. Sie würden Ihren Wunsch, mich Ihnen zu erklären, mit dem Degen in der Faust wiederholen; Sapristi! man hat nur ein Leben m die Schanze zu schlagen, ich werde also reden ich versprach Ihnen eben eine Neuigkeit und welcher Zufall! gerade die betrifft die Comtesse! Ich komme von einer Cousine, wie ich schon sagte, und diese hat gestern eine Zofe engagirt, welche direct aus dem Dienste der jungen Comtesse kam diese Zofe nun hat Aussagen gemacht " Hat sich diese Person an die Vergangenheit der Gräfin gewagt?" Nein, nein, das nicht.Nun also Dienstbotenklatsch!" Es scheint doch nicht!" Ich bitte um vollste Offenheit!" Wollen Sie mir nicht doch lieber erlassen, zu sprechen?" Das kann ich jetzt unter keinen Umständen mehr!" Nun denn aber es ist schrecklich .für mich, in dieser delicaten .Angelegenheit agiren zu müssen, und ich kann dieses Geheimniß auch nur direct in Ihr Ohr hauchen die Comtesse, dieser Engel von Angesicht, diese Venus von Gestalt hat hat wie soll ich mich nur ausdrücken hat incorrecte Beine!" Incorrecte Beine?" Sehr incorrcct," der Baron streckte beide Zeigefinger und schrieb mit diesen ein O" in die Lust, so behauptet die Zofe." Der Graf sprach kein Wort mehr. Er versank in so tiefes Nachdenken, daß ' er nicht einmal bemerkte, wie der Baron sich erhob und empfahl. Solche Beine! Das war allerdings entsetzlich! Das konnte der heißesten Liebe einen Dämpfer aufsetzen. Er börte sich schon den Gatten der Dame mit dcn incorrecten Beinen" nennen ober es konnte nicht sein, mochten die Lästerzungen behaupten, was sie wollten, er wollte sein gegebenes Wort halten, nicbts sollte ihn beirren und mit der Waffe in der Hand würde er Jedem entgegentreten und doch in seinem Schädel summte es ununterbroSen: solche Beine,, solche Beine!" Er hielt es nicht mehr aus, er rannte fort, er mußte erst zur Ruhe kommen, dann wollte er weiter überlegen. Der Baron war indeß das Trottoir entlang gehampelt, hatte, um den dcsolaten Zustand seiner Gehwerkzeuge zu verdergcn, da e:ne Auslage; dort ir gend etwa! Anderes betrachtet und dachte ichon. sich auf den Hennweg zu r c sri l . macqcn uno oen gequaiien lieoern Nuhe zu sönnen und das h?chpikante
Abenteuer, mit dem Grafen nochmals I zückende Gliedmaßen und von vollzu durchdenfen, um morgen rlänmäßig i kommenpem Ebenmaße! ..
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4t dessen Verbreitung zu arbeiten, als v sich beim Namen gerufen hörte. Sich s-itwärts wendend, gewahrte er ein? lubsche Dame, welche einen reizenden Tilbury. Groom hinten auf, kutschirte. ' Ah, wie charmant, Madame de Jarretiöre. ich küsse Ihnen die Hand!" Wissen Sie. daß ich Ihnen schon zehn Minuten nachfahre, und können Sie den Grund davon errathen?" In der That " Nun. ich will ihn Ihnen sagen: Sie wissen, ich bin entsetzlich neugierig, und Sie machen heute ein Gesicht, Varon, als ob Sie wieder einen Sack voll der pikantesten Neuigkeiten bei sich trügen; aber, allons, schwingen Sie sich herauf zu mir. ich fahre Sie spazieren und setze Sie später vor Ihrer Wohnung ab." Die Einladung war dem Baron aus zweierlei Gründen angenehm, aus einem dritten unangenehm. Sie war ihm angenehm, weil er müde war und nun eine theuere Droschke ersparen konnte, und dann, was gab ihm das wieder Relief", wenn man ihn an der Seite dieser schönen Wittwe sah. die auf dem directesten Wege war, eine der Modelöwinnen zu werden! Seht da, diesen Baron!" würde es wieder heißen, da fährt er mit der schönen Jarretire; die ewige Jugend, der reine Teufelskerl, dieser Baron!" Der unangenehme Grund war der, daß er ahnte, sein wunderhübsches Geheimniß, mit dem er Furore zu machen gedachte, werde sie bald zur Mitwisserin haben, dieses Weib brachte Alles aus ihm heraus, und dann kennte er es ihr nur ganz überlassen, denn in Bezug auf Verbreitung war sie ihm bedeutend über", das kannte er aus Erfahrung. Seine Ahnung war ganz richtig. In der ersten Viertelstunde hakte er schon geschwatzt ach. so eine Frau! Das war eine Neuigkeit! Nun konnte sie der Person, die unlängst eine Loge verlassen hatte, weil sie in der nächsten saß. diese Blamage mit Zinsen heimzahlen! Nein, solche Beine! Nun erschien der Au5spruch, der von ihr cursirte: sie könne es mit ihren moralischen Ansichten nicht vereinigen. in ein Seebad zu gehen, wo der nächste Beste sie nach Belieben betrachten könne." erst im rechten Lichte! Flunkerei! Nun kannte man den wahren Grund, weshalb sie nicht in die hübschen Seebäder ging, in denen man sich so vortrefflich unterhält. Sie müßte aber auch eine hübsche Figur gemacht haben, ha. ha! So lustig, ja ausgelassen, hatte der Varon die Jarretiöre noch nie gesehen, als auf dieser Fahrt, das Relief", welches sie ihm verlieh, ward ihm allmälig fast zu groß, er war froh, als er sich vor seiner Thür empfehlen konnte. Bringen Sie mir doch den hübschen Grafen," rief sie ihm nach, ich möchte ihn so gerne trösten!" Das Gerücht hatte sich selbstredend mit Windeseile verbreitet. Was die Comtesse betraf, so sah sie wohl die schadenfrohen Mienen, weiche ihr alle Welt zeigte, wie es aber in derleiFällen immer geht, die Ursache davon erfuhr sie als Hauptperson zuletzt und zwar durch ein stark parfümirtes Billet ohne Unterschrift natürlich. Der officielle Weinkrampf wurde freilich abfolvirt. aber bei ruhigerem Denken kam ein Gefühl befriedigenden Stolzes über sie. Der arme Graf, was mußte er gelitten haben! Daher also sein eigenthümliches Wesen, das ihr unerklärbar war aber wie männlich hatte er an seinem gegebenen Worte festgehalten, er liebte sie wirklich! Acht Tage später drängte man sich zu dem Concerte, welches die kunstbegabte Aristokratie alljährlich zu Gunsten der Armen veranstaltete. Auch Comtesse Saillie war activ betheiligt, hatte ihre prachtvolle Stimme in den Dienst der guten Sache gestellt und eine Arie aus den Hugenotlen" gewählt, welche, war nicht näher U zeichnet. Dieser Nummer blickte das anwesende Publikum begreiflicher Weise mit der größten Spannung entgegen wer hatte in den letzten Tagen nicht von ihr sprechen hören! Hier war also die billige Gelegenheit gegeben, sie mindestens zwanzig Minuten anstarren zu können wer hätte sich dieses Ver gnügens berauben sollen! In einer Balkonloge hatte Madame de Jarretire mit einem kleinen Stäbe von Verehrern Platz genommen, sie war vorzüglicher Laune. Hinter einer Mauer von Herren in 'schwarzen Fräcken stand der Graf, D&i der Athem stocken wollte; hatte die Gräfin nicht doch zu viel gewagt? Endlich kam de? Monient, in dem Comtesse Saillie auftreten mußte. Ein erwartungsvolles Murneln ertönte. Da trat sie in Begleituug eines Cavaliers heraus, der sich sobald mit tiefer Verbeugung entfernte. Man war erstaunt, sie in einem, sie gänzlich verhüllender. Mantel auftreten zu sehen aha. der Beine wegen! Schon sah man thlt, viele schadenfrohe Gesichter, da trat sie noch einige Schritte vor. so daß sie ganz dicht an der Rampe stand, und ließ den Mantel zur Erde gleiten. .Einige Momente herrschte Todtenstille in dem weiten Raum, dann brach ein Beifallsdonner sondergl'ichen aus. , Und warum? Da oben auf dem Podium stand im Costüm der entzückendste Page Urban. Zu was die Comtesse sonst keine Macht der Erde gebracht hätte, das that das gekränkte Ehrgefühl und die verletzte weibliche Eitelkeit und diefe beiden demonstrirtcn dem Publikum, das sofort begriffen hatte, od oculos, . . r l. r m , vag vie umiausenoen eruazle eine Verleumdung seien, wie sie erbärmli I . - . . cder nicht hatte erfunden werden kön nen, denn dieser Urban hatte tnU
Madame de Jarretire mußte hin. ausgebracht werden; es war ihr un wohl geworden. Humor aus Kindermund. Dem kleinen Frank war von dessen Vater ein Neufundländer versprochen worden. Ja," sagte der Kleine, dann brauche ich auch noch einen kleinen Bruder." Wozu denn?" Nun, ich will mit dem 5iunde und dem Bruder im Garten spielen, dann den Bruder in den Fluß werfen und mein Hund muß dann in's Wasser springen und ihn herausziehen genau so. wie es in der Geschichte steht, die mir Mama neulich vorgelesen hat." Der noch nicht ganz vier Jahre alte Freddy plaudert einmal mit seiner Mtter: Du, Mama," fragt er, ist der Himmel wirklich das schöne Blau dort oben?" Ja, Liebling!" Und kommen wir Alle einmal in den Himmel?" Ja, hosfentlich." Aber Du, Mama, wie bringen wir denn unser Gepäck da hinauf?" Elsie darf mit Papa Fischen gehen. Gelt, Papa,- fragt sie ihn, als dieser einen Wurm an den Haken steckt, die guten Fische beißen nur den häßlichen Wurm todt, aber nicht die bösen Menschen, , die sie fangen?" Siehst Du, Mama," sagt ein kleines Mädchen, als sie mit ihrer Mutter vor dem Schaufenster eines Spielwaarenladens steht, diese Puppe würde ich Dir kaufen, wenn, Du mein Kind wärst." Ein Knabe von fünf Jahren ward von seinem nicht pädagogisch veranlagten Vater darüber aufgeklärt, daß der Mensch sich aus einem Assen entwickelt habe. Hast Du die Sache auch begriffen?" fragte Papa. Qh ja. vollständig, Du und Mama waren Affen, ehe ich auf die Welt kam." Die sechsjährige Elisabeth geht mit der fünfjährigen Mary spazieren; sie sehen eine braune und eine weiße Kuh. 2Ba rum nur," sagt Mary, die Kühe so verschieden sind?" Weißt Du,- erwidert die weise Elisabeth, die braune Kuh giebt den Kaffee, die weiße aber die Milch!" Nicht wahr. Mama, im Himmel giebt es nur lauter gute Leute?" Natürlich." Dann braucht man dort wohl auch keinen Prediger?" Nein!" Ach. jetzt weiß ich. wohin die kommen in die Hölle zu all den schlechten Leuten." Papa schaut dem siebenjährigen Töchterchen die Rechenaufgäbe nach. Aber 3 und 4 ist doch nicht 8! Wenigstens war das nicht der Fall, als ich in die Schule ging." Ja . damals! Unser Fräulein sagt immer, die Dinge hätten sich seit damals alle geändert. 3 und 4 ist 8 ist schon recht." Ein 3zjahriger Junge sollte zu Bett gebracht werden und sein Gebet sprechen, er wollte aber weiter spielen. Wird." fragte er. Gott morgen auch da sein?" Ja. warum?" Dann will ich mit dem Beten lieber bis morgen warten!" Als ein kleines Mädchen horte, daß ein einarmiger Mann gestorben sei, den sie gekonnt hatte, sagte es: Ich meine, er bekommt im Himmel jetzt auch nur einen Flügel." In einem Hause war eine Frau gestorben. Die Leichenwagen warteten lange vor dem Thore. Einem kleinen Knaben, der aus dem Fenster .des Nachbarhauses die Leichenfeier sich ansah, dauerte es zu lange, bis die Wagen sich in Bewegung setzten: Ich glaube immer, die Wagen warten so lange, weil die Frau noch nicht ganz todt ist." Eine Großmutter gab ihrem Enkelchen folgendes Räthsel auf, dessen Lösung Wind" sein sollte: Man kann es nicht sehen, aber trotzdem fühlen wir es und wissen, daß es da ist; was ist das?" Ein Floh." antwortete schnell der kleine Weise.' In einem Concerte, dem ein fünfjähriger Knabe mit seinem Vater anwohnte, wurde ein Sänger herausgerufen und er wiederholte sein Lied. Papa," fragte der Knabe, hat der Mann seine Sache so schlecht gemacht, daß er sie nochmals machen muß?" Die kleine Barbara hatte zwei Freundinnen, Maud und Elisabeth. Die arme Maud starb, die Mutter war untröstlich. Deshalb wurde Barbara eingeschärft, vor Maud's Mama niemals Maud's Namen auszusprechcn. Einige Monate später war Maud's Mutter bei Barbara's Eltern zum Thee und eine Dame begann das Lied zu singen: Komm heraus in den Garten Maud." Da stand Barbara schnell auf und flüsterte der Sängerin zu: Du darfst nicht mehr singen: Komm heraus in den Garten. Maud. Du mußt sagen: Komm heraus in den Garten. Elisabeth." Philipp (sechs Jahre alt) zu seiner Schwester (drei nen Eier legen?" Ja, das weiß ich! Jahre alt): Weißt Du. daß die Henaber weißt Du, daß die Kühe Milch legen?" Ja. das weiß ich auch, aber weißt Du, , daß die Schweine Schinken legen?" GuterBescheid.
Schwiegervater in spe: Können Sie denn auch meine Tochter gut ernähren?" Bewerber: Ihre Tochter isr doch wahrlich schon wohl genährt genug." Doppelsinnig. .... Ue. brigens kommt der Arzt seit drei Tagen nicht mehr ;u meinem Mann!" Na, dann ist er a außer Gefahr!" Zuwenig. Vater: Also ich geb' meiner Tochter dreitausend Gul den." ' HelrathScandidat: WaZ, dreitausend Gulden? Sehen Sie siZ deZ Etodrf noch einmal nau crt
AerIruyschoppcn. , ' Eine Abendgeschiit?, vcn O. Elöner. ' Das große elegante Speisezimmer in der Wohnung des Regierungsassessors Wittig war hell erleuchtet, der Eßtisch fein mit Linnen bedeckt und mit zwei Couverts belegt. Davor standen zwei Stühle unbesetzt. Tiefe Stille waltete in dem Gemach. Im Erker saß die junge Hausfrau und blickte gespannt hinunter auf die Straße, auf der um .diese Abendzeit viele Leute hin und her gingen. Frau Lina sah aber nicht nach den Passanten, sie hatte ausschließlich den Blick auf eine Straßenecke gerichtet, um die ihr Gatte endlich kommenmußte. Assessor Wittig war ein tüchtiger Beamter und vortrefflicher Mensch. Bor drei Monaten hatte er gehcirathet, und er und Lina paßten überraschend gut zusammen. Alles ging gut, doch von Zeit zu Zeit fiel ein Schatten auf das sonnige Eheglück. Wittig legte zwar allmälig die altgewohnten Junggeselleneigenthümlichkeiten ab. wie das ja in der Ehe nothwendig ist, aber eine dieser Eigenthümlichkeiten hatte er bisher nicht recht zu überwinden vermocht nämlich zeitweilig einen weinfröhlichen Frühschoppen in Gesellschaft von Freunden zu halten. Heute hatte der Assessor sich wieder zu einem solchen Schoppen verleiten lassen. Ja, wahrhaftig verleiten! (ix dachte gar nicht an Extravaganzen, da kam der Regierungsrath Hoffmann, ein unverbesserlicher Hagestolz und AnHänger des Bacchus, mit dem Gedankcn heraus, bei dieser Hitze müßte doch ein kühler Rheinwein die Lebensgeister anregen, und der dich: vor dem Assessorat stehende Regierungs - Neserendar Becker hatte sich dieser Meinung ganz ergebenst angeschlossen. So waren denn alle Drei nach 11 Uhr der gnügt in das verschwiegene Hinterzimmer der altberühmten Weinhandlung eingerückt, allwo man so durchaus un behelligt sich dem goldigen Naß widmen konnte. Der Assessor hatte seine junge Frau benachrichtigt, daß er ' heute etwas später" kommen werden sie wartete den ganzen Nachmittag hindurch, sie wartete noch am Abend . . . Eben schlug die große Standuhr aus Eichenholz, ein Familienerbstllck, 9 Uhr und noch immer fehlte der Hausherr. Nein, das war doch zu arg! Im Grunde genommen zürnte Frau Lina weniger ihrem Gemahl, der sie aufrichtig liebte, als den wüsten Zechgenossen, die ihn das wußte sie wohl nicht fort ließen. O, dieser spottlustige alte Rath und dieser lebemännische dicke Referendar, der mehr Geld hatte, als ihm gut war! -Wenn sie sich blos an diesen beiden Frauenfeinden ordentlich rächen könnte auf vornehme Weise natürlich das wäre herrlich ! Plötzlich fuhr Frau Lina aus ihrem Grübeln empor. Täuschte sie der Schein der Gaslaterne oder sah sie recht? Dort um die Ecke kamen alle Drei: ihr Mann, der Rath und der Referendar. Ein wenig unsicher, aber in lebhaftem Gespräch steuerten sie auf das HauS des Assessors zu. Frau Lina war darob hocherfreut ihr war soeben ein prächtiger Rachegedanke durch den Kopf geschossen. Aber am Ende würden die Zwei den Assessor nur bis zur Hausthür begleiten und dann selbzweit" weiter wandern? Da wäre es wieder nichts aber nein, die schrecklichen Zecher betraten zusammen das Haus, kamen, wenn auch etwas schwer, die Treppe herauf . . . Frau Lina jubelte. Eilig begab sie sich, als die Klingel im Corridor ertonte, hinaus und öffnete. Guten Abend, lieber Schatz," rief ihr der Assessor zu. Weshalb meinst Du vohl. sind die Herren hier mitgekommen? Ich sagte gleich, so etwas giebt's nicht bei meiner Frau, aber dsr Herr Rath " Glauben Sie's um Himmelswillen nicht, gnädige Frau," siel der Rath ein, wo werden wir denn annehmen. Sie könnten dem Herrn Gemahl eine Gardinenpredigt halten " Auf Ehre, gnädige Frau." detheuerte nun auch' der dicke Neferen-
dar, gar keine Rede davon ; Herr Assessor braucht keine Leibwache zum Nachhauseaehen. Wollten nur den Vorzug haben, guten Abend zu sagen." Sehr richtig bemerkt, junger Herr College." erklärte eifrig der alte Rat?. Das thun wir jetzt und " Nein, meine Herren," gab Frau Lina fröhlich zurück, an der Thür nehme ich keine Huldigungen entgegen. Bitte, treten Sie ein. Ich freue mich aufrichtig über diesen unerwartetenV:such. Bedenken Sie doch, ich war den ganzen Tag allein. Jetzt möchte ich auch noch ein wenig vom Leben haben." Der Rath machte ein saure?, oer Referendar ein verblüfftes Gesicht. Bei nachtschlafender" Zeit noch Gesellschaft leisten nach solcher Libation ? Aber was half's! Die junge Frau war so liebenswürdig so offenherzig ; also hinein. Vor Allem, lieber Mann," sprach Frau Lina im Salon, wirst Du hungrig sein. O, es ist alles fertig, und da ich. immer auf etwas mehr eingerichtet bin, werken unsere lieb:n Gäste uns gewiß keinen Korb geben." Zwei Couverts wurden noch rasch aufgelegt. Das flinke Hausmädchen bediente man soupirte. Dazu gehört aber meines ManneS Lieblingswein Ungar." Sie schellte, gab leise dem Mädchen den nöthigen Befehl und bemerkte dann zu den Gasten: Wir haben auch einen Weinkeller o, er enthält sehr gute Dinge, die Herren brauchten deshalb garnicht in die öde Kneipe zu gehen." Den Rath hatte bei dem Worte Ungar" Entsetzen gepackt. Er kannte diesen fchweren Stoff" zur Genüge und der sollte jetzt, in der Nacht...? Nein, daö ging nicht.
Verzeihung, gnMge Frau", agie I
der Rath, die Zunge mchl mehr recht bemusternd, aber Ungar kann ich nicht mehr trinken. Gnädige Frau wissen ja nicht, welche Quantitäten wir diejen Tag bereits " Jawohl, Quantitäten," lallte pflichtschuldig der Referendar, .Quantitäten " Q, das glaube ich auf's Wort, meine Herren, aber ich arme Frau habe heute nicht nur keine Quantitäten, sone'rn noch nicht einmal einen Tropfen genossen jetzt nach allerhand Sorge muß ich mich doch auch ein wenig erholen, und' da wollen Sie mir nicht Bescheid, thun? Was sagst Du, Männ chen?" Hast vollkommen Recht, Schatz, hast immer Recht.- Bist in Juwel. Natürlich trinken wir mit." Eine 'mächtige, bauchige Flasche, über und über mit Kellerschmutz, djm Edelmoos" alter Ungarweine, bedeckt, prangte inmitten von vier kleinen Gläsern auf der Tafel. Der Assessor schenkte ein, man stieh an und trank nach Landessitte stets das Glas leer. .Der Rath hatte merkwürdigerweise jetzt gar keine Bosheiten zur Hand und der dicke Referendar stierte wie geistesabwesend vor sich hin. Der Assessor nippte schließlich nur noch. Die mächtigeStanduh? schlug zwölf. Jetzt ist's höchste Zeit," rief der Rath und erhob sich. HöchsteZeit," echote der Referendar. Wohlan, meine Herren," sagte die durchaus nüchtern gebliebene Hausfrau, NUN will ich Sie nicht länger halten. Aber zuvor müssen wir eine Tasse Kaffee nehmen bedenken Sie, nach einem so schweren Tage! Das Mädchen ist freilich schon zu Bett, aber das thut nichts. Ich bereite den Kaffee selbst." Sehr gut, Schatz," fiel der .im Ge sicht feurig glänzende Hausherr ein, ich helfe Dir dabei." Der Rath und der Referendar wollten Einwendungen machen, aber Frau Lina bat so liebenswürdig und war gleich daraus mit dem Gemahl aus dem Zimmer. Schwercbrett, so'n Reinsall," schimpfte der Rath, als er mit dem Referendar allein war, das ist ja ein Teufelsweib. Na, der Kaffee wird gut thun. Vorläufig bin ich schauderhaft müde." Wie wär's, wenn Herr Rath inzwischen sich etwas auf's Sopha legten", lallte der Referendar, werde inzwischen hier im Lchnstuhl Wache halten." Guter Gedanke, junger College, kann ja nicht lange dauern." Und schon lag der Rath lang ausgestreckt. Der Referendar machte sich's in dem weich gepolsterten Lehnstuhl bequem tiefe Stille trat ein, und bald verkündeten regelmäßige tiefe Athemzüge, daß Rath und Referendar sanft entschlummert waren. Noch eine kleine Weile, und beide schnarchten um die Wette . . . Heller Sonnenschem fiel in das Gemach, als der Rath aus dem Schlafe emporfuhr. Er rieb sich die Augen und blickte verwundert um sich. Zum Teufel," murmelte er, wo bin ich denn eigentlich? Das ist doch nicht meine Wohnung " Da fiel sein Blick auf den Referendar, der völlig regungslos im Lehnstuhl lag. und das rief ihm allmäl'.g die Erinnerung wach. Er rüttelte den Schläfer auf. Junger College, gehen wir nach Hause. Jetzt ist wirklich höchste Zeit." Wirklich höchste Zeit." erwiderte der Jüngling und wollte sich auf die andere Seite drehen, aber 5er Rath machte ihm mit etlichen Worten die Situation klar. Himmel, dann sind wir hier eingeschlafen," replizirte der Referendar, was muß denn die Hausfrau von uns denken?" . Wir haben uns blamirt, das ist klar aber wahrscheinlich sollten wir das?" Wie so, wie so?Mensch, sind Sie harmlos! Die Hausfrau " Da klopfte es an die Thür. Das Hausmädchen erschien mit einem großen Kaffeebrett und wünschte fröhlich Guten Morgen." Die gnädige Frau bitte fehr um Entschuld!gung, daß der gestern Abend offerirte Kaffee so spät komme, aber die Herren hätten so schön geschlafen, und da wollte die anädige Frau nicht stören. Gnädige Frau habe die ganze Nacht hindurch auf das Erwachen der Herren gewartet und sei schließlich darüber selbst eingeschlafen. Schwindel, alles Schwindel," murmelte der Rath ingrimmig, animire den Assessor nie mehr zum Frühschoppen !" , Nie mehr," echote der Referendar, dann verließen Beide mit hämmernden Schläfen das Haus. Die Sonne stand bereits in der Mittagshöhe. Auf dem von Laval in Versailles eintreffenden Zuge wurden zwei Rekruten, welche sich während der Fahrt zum Fenster hinausgelehnt hatten, von einem vorbeisausenden anderen Zuge erfaßt und enthauptet. Die blutüberströmten Leichen sanken zum Entsetzen der Mitreisenden in die Wagen zurück und wurden bei der Ankunft in Versailles zum Spital gbracbt. Ausdem Eheleben. Nicht wahr, Männchen. Du besorgst mir rechtzeitig einen Muff? Einen Muff? Wozu? Du hast ja ohnehin immer Deine Hände in meinen Taschen. Verblümt. Hausfrau: .Wollen Sie eine gute Biersuppe essen, armer Mann?" Bettler: Recht gern: das heißt, zu kochen brauchen Sie das Bier nicht vorher!" . Eine Praktische. Erhören Sie mich. Theuerste, unsere Ehe soll ein Lustspiel werden." Ich schwärme mehr für ein AuSsattungS-stück!"
Kraitmschmuck im Orient, i
Von Dr, Georg Letznert. Als die Sitte, Betielarmbänder zu tragen, so recht im Schwünge war, da klagte das stärkere" Geschlecht oft bitterlich, daß man kaum neben einer Dame im Theater oder Concert sitzen könne, ohne aus das empfindlichste im Kunstgenuß durch das Klingeln und Klappern der Bettelmllnzen gestört ?u werden. Unsere Damen lachten ob der nervösen Herren der Schöpfung und ließen sich die Armbänder nicht derleiden; sie lachten auch noch, als bissige Worte hörbar wurden, wie Schellengeläute" u. a.; sie lachten erst recht, als würdige Gelehrte nachwiesen, daß das Tragen von klirrendem, lärmendem Schmuck einen Rückschritt in der allgemeinen Bildung bedeute plötzlich aber wurden sie ganz ernsthaft und legten still die Bettelarmbänder beiseite. Nicht etwa, daß Vernunftgründe dies bewirkt j hatten, o nein, nur der Querkopf Mode hatte den Einfall gehabt, diese Armbänder shocldng zu finden, und sogleich verschwanden sie auch. Niemand hat ihnen bedauernd nachgeblickt,, denn sie hatten thatsächlich einen Rückschritt bedeutet. Nur Völlei. deren Bildungsstufe beträchtlich unter der unseren steht, behängen sich mit Schmuck, der bei jeder Bewegung seines Trägers klirrt und klingelt. Erreicht solch ein Volk aber einen höheren, dem unseren näheren Grad von Civilisation, so gestaltet es auch seinen Schmuck derart, daß er höchstens bei raschen Bewegungen noch ganz zart und leise erklingt : der tönt .seiner Besitzerin ebenso lieblich wie unseren Damen das Knistern des seidenen Kleides. Der Schmuck selbst aber wird dann in so!nen Formen immer noch die alten Vorbilder klingender Zierathe erkennen lzssen. Auf dieser Entwickelungsstufe befindet sich im Orient der FrauenSchmuck. Wie verstehen darunter den Volksschmuck, wie er vom weiblichen Theile der um das Mittelländische Meer herum wohnenden Muhammedaner getragen wird. Die Herstellung Kieses Schmuckes ist nicht eben schwierig. Den AusgangsPunkt bilden Silberbleche und -drähte, welche nachher vergoldet werden; seltener wählt man von vornherein Gold. Für einfachen Schmuck werden Platten und Scheibchen aus dem Blech gefchnitten und Ringel, Kettenglieder u. A. aus dem Draht gebogen; für die besseren Arbeiten werden die einfachen Formen sinngemäß weiterentwickelt und ihren freien Flächen ein feingliedriges Ornament aus gekrümmten Drahtstücken aufgelegt. Diese feineren Arbeiten gehen technisch unter dem Namen Drahtwerk, solange der aufgelegte Draht rundlichen oder sternförmigen Querschnitt behält; sie werden zum Kornfederwerk oder Filigran, wenn der Draht zum abgeplatteten, gekörnten Faden ausgebildet ist (lateinisch: filum, Faden; granura, Korn). Im morgenländischen Schmuck sind aber rundliche und gekörnte Drähte ost on demselben Stück gleichzeitig verwendet: es müssen daher im Rabmen der vorliegenden Betrachtung auch solche ArVeiten schlechthin als'Filigran bezeichnet werden. Das orientalische Filigran ist stets unterlegt, das heißt es ist auf eine Unterlage von Silber- oderGoldblech aufgelötet. ' Die Unterlagssläche ist meist polirt und schimmert dann glänzend zwischen den Maschen des Filigrans durch ; an geeigneten Stellen wird e aber auch von Glasflüssen und Halbedelsteinen überdeckt. Die Glasflüsse werden entweder in Form einfach kugeliger Perlen eingelegt, so namentlich rothe, grüne und blaue durchsichtige, und türkisblaue und graugrüne undurchsichtige Perlen, oder sie werden als Email direkt in die von Unterlage und Filigranmaschen gebildeten Zellen eingeschmolzen. Ost freilich muß eine einfache Bemalung mit Lackfarben die Stelle des Schmelzes vertreten. . Von Halbedelsteinen werden eigentlich nur die Granaten verwendet, früher ungeschliffen, also mit den natürlichen Crystallflächen behaftet, jetzt aber in geschliffenen Stücken. Dazu treten kleine, billige, unregelmäßig geformte Perlen. Das sind die Elemente des morgenländischen Frauenschmuckes ziemlich einfach, wie man siebt. Es kommt auch hier nicht so sehr auf die Qualität an, als vielmehr auf die Quantität; der Schmuck soll zwar aus edlem Metall bestehen, aber möglichst viel von sich hermachen und wieder auch den beschränkten Vermögensverhältnissen seiner Käufer angepaßt sein. Daher blankes oder vergoldetes Silber, das billigste der Edelmetalle; daber Scheiben, Ketten und Filigran: möglichst viel Raum bedeckt, große Flächenwirkung; daher endlich Glasflüsse. Halbedelsteine und Perlen: starke FarbenWirkung bei mäßiger Ausgabe. Es ist eben ein richtiger Volksschmuck. Dem Wesen und Preise des Schmuckes entsprechen naturgemäß auch seine Verfertige?. Es sind einfache Handwerker, recht oft fogar halbe Bauern. Ihre Arbeitsweise ist ganz primitiv, und ihre Werkzeuge sind geradezu vorsintsluthlich.. Sie sitzen nicht, wie unsere Edelschmiede. vor einem mit feinen Zangen, Nadeln, Feilen, Sticheln und Punzen beschi-ck-ten Arbeitstische, sie stehen auch nicht vor einem wohleingerichteten Herde, sondern sie hocken auf der Erde vor einem mit Holzkohlen gefülltenGebläseofen einfachster Construction und hantiren da mit Hämmern, Zangen und sonstigen Geräthen von so roher und plumper Beschaffenheit, daß sie unseren Hufschmieden zu ungefüge sein würden." Dabei leisten diese Goldschmiede oft ganz Hervorragendes und Besseres als ihre abendländischen Berufsgenossen. Das kommt aber daher, daß sie von' frühester Jugend an in ih. rem Handwerke leben, und wenn man so sagen darf, schon mit der halben
nothwendigen Handgeschicklichkeit zur Welt kommen. Denn dasGoldschmiedeHandwerk erbt da vom Vater auf den Sohn, immer weiter, ganze Geschlecht terreihen hindurch, und mit demHa.nd werke erben derselbe Formenkreis, dk selbe Arbeitsweise, dieselben Werkzeuge und Modelle fort und fort. Darum arbeitet der Enkkl noch immer dieselben Schmucksachen, welche sein Urahn gefertigt hat, und seine Kundschaft ist damit ebenso zufrieden, wie e5 jenes Abnehmer gewesen sind weder er noch seine Käufer wissen etwas von Mode, und darin liegt das wichtigste Moment für die Beurtheilung deS morgenländischen Schmuckes. Er ist keiner Mode unterworfen; feit vielen Jahrhunderten, ja fast Jahrtausenden sind seine Grundformen unverändert geblieben, und seineVerfertiger sind nie durch Wettbewerb, Maschinen oder Fabriken bedroht oder gar aus ihrem altgewohnten Geleise gedrängt worden.
Die ganze Bequemlichkeit des Orientalen, feine Achtung vor der Tradition und seine Abneigung gegen jede Neuerung: alles das tritt zusammen, um die tausendjährige Ueberlieferung im Formenkreise des Volksschmuckes aufrecht zu erhalten. Daher keine Mode, daher kein frischer Zug einmal im ganzcn, daher aber auch zum Theil die Familienähnlichkeit des morgenländischen Schmuckes, die im übrigen durch die Gleichheit der Religion, der Sitten und Lebensanschauungen bedingt ist. Die gemeinsame Religion hat den Muselmännern am Mittelmeer, wenngleich sie ganz verschiedenen Stämmen angehören, so viel Uebereinstimmendes im Thun und Denken gegeben, daß sich das nothgedrungen auch im Volksschmuck. ausprägen muß. Ueberall daher an den Gestaden des Mittelmeeres, wo nur Muselmanen wohnen, begegnet man denselben Schmuckformen. Gewiß sind örtliche Abweichungen vorhanden, aber sie sind geringfügiger Natur und beirren nie die Grundzüge. Die sind gleich, man möge einen Schmuck von der BalkanHalbinsel, aus Kleinasien oder Nordafrika vor sich haben. Und ebenso ist es mit Zeitlichen Unterschieden. Ob ein. Schmuck von drei oder vier Jahrhunderten oder vor nur drei oder vier Jah ren gefertigt worden ist, läßt sich, wenn: keine Spuren der Abnutzung vorhan-' den sind, nur selten mit einiger Gemißt heit erkennen. Auch die Auswahl htz. Körpertheile, welche zum Tragen des. Schmuckes bestimmt sind, hat keinen Wandel erfahren. Die Muselmanin schmückt in erster Linie ' Hals und Brust, in zweiter Handgelenk und Knöchel und in dritter erst Ohr und Finger, Nase und Wange. Da der Schmuck zumeist unmittelbar auf den. Körper zu liegen kommt, fo verlangt' man, daß er stch ihm anschmiege. F ner soll er, wenn irgend möglich, ein Gehänge bilden, das den Bewegungen des Körpers anmuthig nachgibt, dabei, aber Blitzlichter wirft und lebhaftes buntes Farbenspiel gewährt. Am deutlichsten wird diesen Anforderungen im Halsbrustschmuck entsprochen. Eine oder mehrere Ketten umschließen den Hals; von ihnen herab hängen wiederum Ketten', welche in Blättchen oder Münzen endigen, oder gleich ganze Reihe von Scheiben, Münzen, Kugeln, etc. Vorn aber auf der Brust erweitert sich der Schmuck entweder durch Vermehrung oder Verbreiterung derQuerketten oder durch ein besonderes, von der Tragkette abwärts gehendes b?itesStück, das auch selbst wieder durch. Ketten, Scheiben, Kugeln etc. gebildet wird. Oft tritt noch ein besonderer An-. Hänger hinzu, der dann stets ein Mit. telstück und ein von ihm ausgehendes Gehänge erkennen läßt. Die Arm- und Beinspangen müssen, um derBewegung. nicht hinderlich zu sein, in ihren Ab-. Messungen sich innerhalb enger Grenzen halten. Sie sind entweder flach und breit oder erhaben und schmal. Ohr- und Fingerschmuck tritt ber diesem Volksschmuck im Allgemeinen zurück, und die Verzierung von Naseund Wangen mit durchgesteckten Ringen und dergleichen findet sich eigentlich, nur noch bei den Nomaden. Der Nafenring ist eine gefährliche Zierath dort, wo man ihn noch trägt halten sich keifende Frauen achtungsvoll auf mehr als Armlänge voneinander. Denn diejenige, welche den Nasenring der Gegnerin erwischt, hat natürlich inr nächsten Augenblick den Siez errungen. Fingerringe mit Goldkettcn. Wie man weiß, lieben es die Italic nerinnen, mit vielem Schmuck zu prunken. Nicht selten sieht man italienische Damen, deren Finger 20 und mehr Ringe tragen. Nun lassen sich aber Ringe bekanntlich nur am unteren: Glied des Finges anstecken, da sie von den beiden oberen heruntergleiten würden, und dieJtalicnerinnen hatten deshalb bisher den -Schmerz, .von jedem: ihrer Finger zwei Drittheile nicht mit.Ringen schmücken zu können. Diesem. Uebelstande hat ein findiger neapolitanischer Goldschmied abgeholfen. Er verkauft Ringe, die für das mittlereGlied des Fingers berechnet sind, und damit sie nicht vom Finger gleiten, ist an ihnen ein dünnes Goldkettchen befe---stigt, vermittelst dessen der Ring de mittleren Fingergliedes mit den Rin. gen am unteren Fingergliede verbunden wird. Diese Erfindung hat in Italien einen großartigen Erfolg. Jede Signora und Signorina wil? mindesten den Goldfinger bis an- dem Nagel herauf mit verketteten Ringem beschwert haben. Selbst deutsche Damen fangen an, diese Mode hübsch zu finden und werden sie schließlich auch noch über die Alpen tragen. Treffend ausgedrückt. A.: Du gehst also auch auf den Wohlthätigkeitsball?- B.: Ja, man schwingt die Beine, um Andern au dieselben zu helfen.
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