Indiana Tribüne, Volume 21, Number 104, Indianapolis, Marion County, 2 January 1898 — Page 6
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Sold in Wiioming. Das arktische Dorado von Klondike 'hat in dem Grand Encampement - District. der in Wyoming am östlichen AbHange der Sierra Madre belegen ist. einen Nioalen erhalten, dessen Reich.ihurn an goldführenden Erzen als ge--radezu ' fabelhaft geschildert wird. Lwar fehlt es nicht an Stimmen ersahrencr Männer, welche die Nachrichten von den dort gemachten Goldfunden für weit übertrieben erklären, aber ErzProben, die von durchaus zuverlässigen Mineralogen geprüft wurden, haben ergeben, daß der Goldgehalt über lles Erwarten reich ist. Ob diese Erzlager von großem Umfange sind oder nicht, kann nur die Zukunft leh?en, denn von einem bergmännischen Abbau kann bis jetzt noch keine Rede sein, die Proben waren vielmehr dicht m der Erdoberfläche entnommen. Das neue Dorado liegt in einem wilden Landstriche, als 'dessen Bewohner bis vor Kurzem ausschließlich Prairiero'ölfe galten. Dort soll schon vor Jahren ein Engländer Namens James
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C0L0PADQ Situationsplan des Dorado. Douglas Gold entdeckt und seine Entdeckung mit einem Häuflein gedungeuer Arbeiter ausgebeutet haben; im Großen und Ganzen kümmerten sich 'die Weißen in den fernen Ansiedlungen wenig darum, was der Engländer in dem unwirthlichen Gebirge that, bis die jüngsten reichen Funde ihnen die Augen öffneten.' Seitdem sind in je ner Gegend mehrere Mining Camps" entstanden, von denen das bedeutendste, Grand Encampment, 60 Meilen südöstlich von Rawlins an der Union Pacific - Bahn, dem etwa 2500 Einwohner zählenden Hauptorte des County Carbon, belegen ist; nicht ganz so weit ist Grand Encampment von der Union "Pacific - Station Fort Steele entlernt. Bon beiden Plätzen sind Wagenverbindungen nach dem neuen Do?ado etablirt worden. Nach der Versicherung erfahrener Goldgräber haben die Erze an der Erdoberfläche einen viel bedeutenderen Goldgehalt, als die berühmten Gruben von Cripple Creek, und zwar findet sich das gelbe Metall in einem Gestein, in dem man es früher nie vermuthete. k. A j. r"" .t- " il' "cärAuf der Fahrt nach Grand Encampment. Für die Annahme, daß der Goldgehalt mit der Tiefe zunehmen wird, spricht 2)ie Thatsache, daß Proben, die von der -Oberfläche herrührten. $3 bis $4 pro 'Tonne ergaben, während solche aus einer Tiefe von 10 bis 12 Fuß einen Gehalt von $20 bis $30 aufwiesen. An der Oberfläche haben die ergieHZgsten Erzadern nur 2 Fuß Mächtigkeit. die stärkeren Adern dagegen ent'halten weniger Gold. Weit über 100 Schachtanlagen sind bereits in Angriff -genommen, doch ist noch keine über 20 Huß tief, da alle Arbeiten ohne Maschincn. nur mit der Spitzhaue verrichiet werden. Nach einer officiellen Mitiheilung der Staats - Universität in Laramie variirte der Goldgehalt in 10 ErzProben, die verschiedenen Plätzen des Grand Encampment - Districtes entstammten, zwischen 0.661 und 73.36 Unze pro Tonne, d. h. bei einem Goldpreise von $20.67 Unze zwischen 13.66 und $1516.35. Die 'Erzproben, welche der Universität übersandt waren, zeigten ohne Aus.nähme atmosphärische Einslüsse. waren Arbeiten an einem Schacht. elf? offenbar, an der Erdoberfläche gefunden worden. Prof. Wilbur C. ilnight von dem geologischen Departe?nent des genannten Instituts, der die Erze geprüft hat. lehnte aus leicht beyreiflichen Gründen ab. die Namen der Prospectoren, welche die Proben überfärbt haben, bekannt zu geben. Du reichste Mine soll sich m dem söge--nannten Purgatory Gulch" befinden; ein bedeutender Antheil an derselben ist bereits in den Besitz eines englischen yndicats übergegangen, das die Ausbeutung in fachmännischer Weise 'begonnen hat. ErzProben, die in diesem Claim" an den Wurzeln des Grases entnommen waren, ergaben über $30 pro Tonne, während der Gehalt von solchen aus einer Tiefe von 20 Fuh XH in die Tausende ging. Die Ader besteht aus weißem Quarz und ist 8300 Fuß über dem Meere belegen.
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Außer Gold findet sich an manchen Stellen des Grand Encampment-Di-strictes auch Kupfer und namentlich an dem Battle afc. Daß es dort reiche Kupfererze gab, war längst bekannt, allein der Mangel an Transportgelegenheiten und die Schwierigkeit der Erzgewinnung hat ihre Ausbeutung bisher verhindert. Jetzt werden etwa 20 Kupfergruben angelegt an Stellen, wo die gefundenen Erze zwischen 40 und 90 Procent an reinem Metall variirten. Battle Lake befindet sich übrigens in einer überaus wild-ro-mantischen Gegend im Herzen der Sierra Madre; das Bett des Sees scheint einstmals der Krater eines Bulkans gewesen zu sein. In dieses neue Dorado strömen aus allen Richtungen der Windrose Abenteuerer, die dort mit leichterer Mühe als im KlondikeDistricte goldene Schätze zu gewinnen hoffen. Alphonse Tandet. Bon einem jähen Tode ist in Paris der gefeierte französiscke Romancier Alphonse Daudet fortgerafst worden. In bester Stimmung befand er sich mit seiner Familie bei der Tafel, als er plötzlich einen Schlaganfall bekam, und fast unmittelbar darauf war er eine Leiche. Daudet, der am 13. Mai 1840 zu Nimes geboren war, kam im Jahre 1L57 nach Paris und trat mit den Dichtungen Les amoureures uttd La double eonversion" zuerst vor die Öffentlichkeit. Diese fanden jedoch wenig Beachtung. Nachdem er Secretär des Herzogs von Morny geworden und durch Reisen in Italien und im Orient seine Bildung erweitert hatte, wurden seine Dramen La derniere idole" und L'oeillet blanc", sowie Le rornan ' du eliaperon rouge" freundlich aufgenommen; bald folgten die reizenden Novellen Le pe tit Cliose, histoire (Tun enfant" die Lüttres-de nion rnoulin". Lettres a un absenf, Contes du lundi" und Robert Ilelmont", die den Dichter als feinen Beobachter und vorzüglichen Erzähler bekannt machten. Mit einem Schlag erreichte er die Höhe seines Schaffens und die Anerkennung als einer der ersten Schriftsteller des modernen Frankreichs mit dem Pariser Sittenroman Froinont
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Alphonse Daudet. jeune et Risler ain6", worin er an Schärfe der Beobachtung undGenauigkeit der Darstellung den hervorragendsten Realisten gleichkommt, während er sie durch Lebenswahrheit der Eharakteristik. Vornehmheit der Darstellung und sympathischen wenn aus bisweilen herben Humor weit übertrifft. In seinen folgenden Romanen suchte er durch Verwerthung von Tagesanekdoten und Anzüglichkeiten auf hervorragende Personen eine pikante Würze zu geben, und später verschmähte er es auch nicht, zu den abstoßenden Rohheiten des Naturalismus herabzusteigen. Von seinen dramatischen Schriften sind besonders erwähnungswerth: Lise Tavernier", L'Arldsienne" und L'obstacle", ein Stück, das sich gegen Ibsen's Weltanschauung, namentlich gegen die Gespenster- richtet. Dramatisirt wurden auch die Romane Froinont", Jack", Sapho", Iimmorter u. a. Verdienten Beifall fanden seineErzäHlungen: Aveniures prodigieuses de Tartarin de Tarascon", Tartarin sur les Alpes" und Port Tarascon", in denen er die wunderbaren Thaten eines modernen Münchhausen schildert und die kleinstädtischen Philister von Tarascon mit köstlichem Humor verspottet. Daudet's letzte Werke waren die Romane Les enfants dans le di vorce", Rose et Ninette. Moeurs du jour", Soutien de familie", La petite raroisse". Lebenserinnerungen enthalten die Werke: Trente an de Paris" und Souvenirs d'un honime de lettres". Billiger Aufschnitt. Herr Lieutenant haben auf Ihren Reisen in Afrika gewiß auch dort Furore gemacht?" Lieutenant: Kolossal! Vor Neid alle Löwen gelb geworden." In der Badeanstalt. Badediener: Warum schütten Sie denn vorher Cognac in's Wasser?" Studiosus: Wissen Sie. es könnt' einem zufällig davon etwas in den Mund kommen!" Diskretion. Rentiersgattin: Du, der Baron hat Anspielungen gemacht, er möchte gern wissen.w!e viel unsere Tochter mitkriegt." Gatte: Sag's ihm nicht sonst macht er noch mehr Schulden!" EinHochgenuh. Rosa (zum frisch geadelten Gatten): Moritz, was schreibst Du jetzt den ganzen Tag Briefe?" Nun. ist es nicht ä Hochgenuß. sich mit von" unterzeichnen zu können!" Zurückgezahlt. Arzt: Sagen Sie. Herr Oberst, wie war Ihnen zu Muthe, als Sie den ersten Menschen tödteten? Oberst: Oh ganz gut! . . .Und wie war Ihnen?'
D?e Ausstcssung in Hmaya.
Eines der schönsten Gebäude auf der Ausstellung in Omaha wird unstreitig jenes von der Ver. Staaten Regierung errichtete sein. Dasselbe wird am Westlichen Ende des Ausstellungsplatzes und am Anfang des großen Bassins situirt sein, so zwar, daß dasselbe den Ehrenplatz einnimmt, indem es 'der Hauptgruppe der Ausstellungsgebäude seine Vorderseite zukehrt. Bei Errichtung des Gebäudes gelangt der dorisch-klassische Styl zur Anwendung. Das Gebäude zerfällt in drei Theile; das Hauptgebäude, flankirt zu beiden Seiten von, mit dem Hauptgebäude verbundenen Nebengebäuden. Das Hauptgebäude hat
DasBundesgebäude.
eine der Lagune zugekehrte Front von 203 Fuß Länge; die Höhe bis zur Balustrade oberhalb des Gesimses, mithin bis zum Abschluß des Gebäudes ohne Berücksichtigung des Thurmes, wird 58 Fuß. die Tiefe (des Mittelbaues) wird 150 Fuß betragen. Der breite Treppen-Aufgang im Mittelpunkte des Gebäudes endet in eine geräumige Säulenhalle, von welcher drei Portale den Eingang in's Innere vermitteln. Die ganze Mittelpartie des Gebäudes und insbesondere auch der Eingang, werden reichen clrchitektonischenSchmuck aufweisen. Ueber dem Hauptgebäude erhebt sich eine kolossale Kuppel von Deutsch laüd in ßßina. Die Ermordung der deutschen Misnonare Nies und Henle in dem chinesischen Dorfe Tschang-Kiot-Schuang ist zu einem folgenschweren Ereigniß geworden. Mit der ihm unterstellten Kreuzerdivision brach der Vice - Admiral v. Diederichs sofort nach der Südtüste Schantungs auf, um Rechenschaft für die Blutthat zu fordern. Nachdem er mit den Kreuzern Kaiser", Prinzeß Wilhelm-, Irene" und Arcona" in der Kiaou - Tschou - Bucht vor Anker gegangen war, forderte er den Commandanten der drei Forts, in d'enen etwa 1400 chinesische Soldaten lagen, zur Räumung auf und, als diesem Verlangen nicht stattgegeben wurde, sandte er ein Landungscorps von 600 Mann mit 6 Geschützen gegen die Forts. Als die Chinesen wahrnahmen, daß die Deutschen Ernst machten, ergriffen sie die Flucht bis auf den Commandanten, der sich mit seiner Familie unter den Schutz der Deutschen stellte. Das Landungscorps nahm AdmZralv. Diederichs. Besitz von den Forts und hißte, auf denselben die deutsche Flagge auf. Der schneidige Vice - Admiral Otto v. Diederichs, von Geburt Westfale. steht im 55. Lebensjahre und gehört der Marine seit 1862 an. Im Jahre 1867 wurde er Unter - Lieutenant z. S.. 1869 Lieutenant z. S.. 1873 Capitän Lieutenant. 1880 Corvetten - Capitän, 1886 Capitän z. S.. 1892 ContreAdmiral. Laut kaiserlicher Cabinetsordre vom 23. November wurde er unter Beförderung zum überzähligen Vice Admiral zum Chef des Kreuzergeschwaders in Ostasien ernannt, das sich außer der bisherigen Division noch aus einer zweiten (Deutschland-, Kaiserin Augusta" und Gtfion") zusammensetzt, die Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers Wilhelm, befehligt. Um den Admiral v. Diederichs in die Lage zu versetzen, in allen Eventualitäten mit dem gehörigen Nachdruck auftreten zu können, wurde mit der größtmöglichen Beschleunigung an der Ausrüstung dieser zweiten Division gearbeitet und dieselbe hat unter dem Befehl des Prinzen Heinrich bereits die Reise nach der Kiaou-Tschou-Bucht angetreten. Kaiser Wilhelm selbst hatte sich zu der Abfahrt der Expedition nach Kiel begeben und dieselbe gestaltete sich zu einem großartigen Ereignisse. Nach dem Eintreffen , der zweiten Division wird Admiral v. Diederichs insgesammt über 3.166 Mann Besatzung und 231 Geschütze verfügen. Die Besitzergreifung der Kiaou Tschou - Bucht seitens der Deutschen ist für die Entwickelung des deutschen Handels von der größten Wichtigkeit. Deutschland erhält dadurch eine Kohlenstation, welche die deutschen Schisse von Ueöerforderungen der Engländer vollständig unabhängig macht. Nicht weit von dem Hafen, der zu den schönsten und sichersten der Welt gehört, finden sich reiche Kohlenlager, und das Vorkommen von Steinkohle in so. unmittelbarer Nähe des Hafens
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solche Höhe, daß sie alle übrigen Gebäude auf dem Ausstellungsplatze überragen wird. Den Abschluß findet die Kuppel in einer Riesen-Broncefi-gur, welche die die Welt erleuchtende Freiheit darstellt. Zur Nachtzeit wird diese Figur in elektrischem Lichte erstrahlen. Die Fackel. wllldie Freiheits Göttin in der ausgestreckten Hand hält, wird 173 Fuß vom Erdboden entfernt sein. Die Seitenflügel, mit dem Hauptgebäude durch Säulengänge verbunden, werden auf einer Seite an das Land-wirthschafts-Gebäude, auf der anderen an das Auditorium Anschluß haben. Jeder der Seitenflügel hat eine Front
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von 148 und eine Tiefe von 44 Fuß, bis zum Abschluß der Balustrade. Die Gesammtlänge des Ver. Staaten-Ge-bäudes beträgt demnach 504 Fuß bei einer Höhe im Mittelpunkte desselben von 173 Fuß. Die zur Unterbringung von Ausstellungsgegenständen in die?sem Gebäude zur Verfügung stehende 'Bodenfläche wird ungefähr 50,000 Quadratfuß betragen. Der Plan zu dem Gebäude wurde unter der Anleitung des SchatzamtsArchitekten Chas. E. Kemper, vom Zeichner jenes Regierungs - Departements, Herrn Edward A. Crane, ausgeführt. verleiht diesem 'letzteren sowohl als Handelshafen als auch als Kriegshafen bezw. Stützpunkt für ein Geschwader von Kriegsschiffen einen wesentlich 'Prinz Heinrich. erhöhten Werth. Auch ist das Hinterland von Kiaou-Tschou wirthschaftlich viel versprechend. Schantung ist das älteste Culturland Chinas und von Natur mit Schätzen so reich gesegnet, daß dies Gebiet allein schon eine vollwerthige Unterlage für wirtschaftliche Ausnützung zu bieten vermag. Die strategische Lage des Hafens ist ausgezeichnet, die örtliche Beschasfenheit desselben dazu eine so hervorragend vorzügliche, daß es nur geringer künstlicher Nachhilfe durch Hafen- und Quaibauten bedarf, um Kiaou-Tschou sowohl zu einem vortrefflichen Handelshafen, als auch zu einem Kricgshafen von außergewöhnlicher Stärke zu machen, da die Gebirgssiguration an der Küste die Anlage von Befestigungen außerordentlich erleichtert. Was die Chinesen dort bisher von Forts angelegt hatten, war von minderem Werth, es handelte sich nur um provisorische Erdbefestigungen, die gegen den Angriff moderner Schiffsgeschütze absolut keinen Schutz zu gewähren vermochten. Ein eisernes Halsband. Das eiserne Halsband des Ritter Lambcrt von Oer gekört zu den Sehcnswürdigkeiten. welche den Besuchern des Friedcnssaales im Rathhause zu Münster in Westfalen gezeigt werden, und Niemand wird sich eines Schauer gefühls beim Anblick des runden Hobt gen innen mit spihen Nägeln versehenen Marterwerkzeugs haben crwebren kön ncn. Höchst überflüssiger Weise! Denn, wie jetzt festgestellt worden, ist das im Nachhalls nachweislich feit 200 Jahren aufbewahrte Halsband nicht das echtes dieses befindet sich vielmehr im Besitze des Grafen Trost.' zu Bischering. ist sechseckig und innen mit kleinen wider stündigen Zacken versehen. Mit dem eisernen Halsband hat es folgende Be wandtnitz : Ter 80jährige Ritter Lam Uxt von Cer befand sich in Fehde mit Goddert Härmen, einem echten Räub ritter. Als Lambcrt eines Sonntags von der Kirche zu Lüdinghausen heim kehrte, überfiel Goddert . Härmen ihn mit acht Reisigen und legte ihm das wahrscheinlich in Nürnberg angefertigte Band UM den H .ls. welches nach seiner Schließung oylle Gewalt nicht wieder geöffnet werden konnti. . Goddert Har mcn zwang seinem Feinde in dieser Verfassung das Versprechen ab, sich ihm auf dem Gute Padberg (im . Sauer lande) zu stellen. Lambert wußte jedoch zu gut, was seiner dort wartete, und zog es vor, daö Haldband von einem Schmied in Münster, Meister Thiele von Zwolle, sprengen zu lassen. Ta diese Prozedur mit großer Gefahr für das Leben des alten Mannes verbunden war, ist klar, und das Geheimniß, welches sich um Jatobi 1520 abgespielt hat. wurde von der Sage mit allerlei Zuthaten umkleidet. Lambert von Oer ebte nach seiner Befreiung noch zwei Jahre. '
Vetyleycm. Qon Jerusalem führt durch das anmuthige Gihonthal nach der Ebene El Bakah ein landschaftlich fehr schöner Pfad gen Bethlehem. In blauer Ferne winkt dem Wanderer die hochgelegene kleine Stadt. Schon von weitem gewährte sie einen malerischen Anblick in ihrem üppigen Kranz blühender Fei-gen-und Olivenbäume, durch welche die hell von der Sonne beschienenen, weißen Häuser leuchtend hindurchschimmern. An den Thoren Bethlehems müssen die Reisenden die Wagen verlassen, denn die engen steinigen Straßen sind für Fuhrwerke unzu gänglich. Das Hauptziel aller Wanderer ist die Marienkirche, die im äutzersten Osten liegt, eine fünfschiffige Basilika, die mit Recht für eine der ältesten, christlichen Kirchen gehalten wird.. Ueber der Stelle, wo der Tradition nach der Heiland geboren ward, steht das festungsartige Klostergebäude, das drei Einzelklöster ein lateinisches, griechisches und armenisches sowie die Marienkirche 'umfaßt. Die Kirche der heiligen Maria zur Krippe (Sa'neta Maria de praesepio) soll auf Befehl der Kaiserin Helena im Jahre 330 erbaut und von Justinian restaurirt worden sein. Im zwölften Jahrhundert wurde sie mit Mosaik ausgeschmückt und 'im fünfzehnten mit einem in Venedig gearbeiteten Dachstuhl versehen. Zu der heiligen Grotte", der Geburtskapelle, die unter dem Hochaltar der Kirche sich befindet, führt ein Gang auf dunkler Treppe einige Stufen hinab. Die
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c?rx I :'f v V.. HtX. Hochaltar der MarienKirche. Grotte selbst ist stets durch 32 Lampen hell erleuchtet. In der Nähe des Altars blinkt dem Eintretenden ein silberner Stern. mit der Inschrift entgegen: Hie de virgine Maria Jesus Christus natus est." Der Stern soll an jenen erinnern, der den weifen Magiern aus dem Morgenlande den Weg wies. Aus dem einstigen Stall hat christliche Liebe und Verehrung ein Schatzkästlein gemacht: die prächtigen, rothen Marmorwände der Grotte erglänzen magisch im schimmernden Licht der 32 goldenen und silbernen ewigen" Lampen. Bethlehem ist ein fruchtbarer Ort und soll den alten Ueberlieferungen zufolge von seinem Reichthum seinen Namen haben Beth - Lachm bedeutet im Hebräischen Haus des Brotes". Dank den heute dort ansässigen Europäern macht die Stadt einen theilweise abendländischen Eindruck. Die Häuser sind von weißem Kalkstein, meist einstöckig gebaut, haben mitunter kleine Vorgärten, die mit ihren purpurroth Geburtskapelle. blühenden Geranien, den rosigen Oleanderbäumen und tiefdunklen Eypressenbüschen dem ganzen Ort ein gewisses poetisches Aussehen verleihen. Die Bevölkerung besteht zur Zeit aus achttausend Seelen, darunter nur 300 Moslems. Besonders geschickt sind die Bethlehemiten in Perlmutterarbeiten; Beduinen bringen ihnen dazu das Material vom Todten Meer herüber. Herrlich geschnitzte Crucifixe gehen aus ihten kunstfertigen Händen hervor, die prachtvolle, große Muscheln mit Scenen aus der biblischen Geschichte kunstvoll zu schmücken verstehen. Die Bethlehemitinnen machen in ihrer kunstvol-, len, reichgestickten Tracht, eingehüllt in wejße, faltenreiche Shawls, das an muthige Haupt zierlich mit Silbermünzen geschmückt, die ebenmäßigen, ansprechenden Züge entgegen sonstiger morgenländischer Sitte von keinem Schleier verborgen, tinttt vorzüglichen Eindruck. KeinFrauenarzl. Sie haben. jetzt statt des Doctors Müller einen 'andern Hausarzt?" Dame: .Ja, zu dem Müller konnte ich kein Vertrauen fassen. Wie ich zu dem sagte, ich sei krank, hat er's geglaubt Romanblüthe. Die Glatze ihres Mannes war der einzige dunkle Punkt in ihrem sonst so glücklichen Eheleben. Eingelenkt. Er: Ich war doch recht dumm, daß ich Dich geheiratrt hab'. Sie: Aber , Franz. früher nanntest Du mich noch Dein größtes Glück- und jetzt sprichst Du so!? Er: Na ja, versteh' mich doch recht, Kindchen, die Dummen haben eben, immer das größte Glück!
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In FcucrSgesahr. Das alte Wahrzeichen britischer Macht, Dover Castle. schwebte jüngst mit seinen zahlreichen Sammlungen, Kunstschätzen und historischen MerkWürdigkeiten in großer Gefahr, ' von Flammen zerstört zu werden. Man wurde des ensfesselten Elementes erst Herr, als die Flammen bereits nach dem Pulvermagazin züngelten. Im Falle einer Explosion wäre Dover Castle wohl nicht zu retten gewesen. Dover Castle ist auf einer über die Stadt Dover sich erhebenden Kreideklippe belegen und bietet von der Seeseite her einen imponirenden Anblick. Es macht mehr als jedes andere. Vertheidigungszweckn dienende Gebäude den Eindruck eines Trutzforts. Die ursprüngliche Anlage von Dover Castle soll von Julius Cäsar, nach Anderen aus der Zeit, von 43 bis 49 n. Chr. herrühren. Der Baustil zeigt, daß verschiedene Jahrhunderte hindurch
WMvV, 88bX 5iftTSe& n. - VMOWS KTßCXg&r Dover Castle. das ursprüngliche Kastell erweitert und stärker befestigt würde. Römische, altsächsische, normannische Architekturen sind deutlich unterscheidbar. Der von den Römern angelegte Theil, der eigentliche Kern, ist von einem tiefen Wallgraben umzogen. Der altsächsische Theil soll von Alfred dem Großen erbaut sein, der normannische Theil von Dandulph, dem streitbaren Bischof von Nochester (um's Jahr 1153). Dover Castle bedeckt in seiner jetzigen Ausdehnung etwa 36 Acres Land. Einige seiner Merkwürdigkeiten sind eine im Jahre 1554 in Utrecht gegossene Messingkanone, 23 Fuß lang und als KLnigin Elisabeth's Taschenpistole" be kannt, sodann der Peredelthurm, bti seinen Namen nach einem Bastardsohn des normannischen Eroberers erhielt der 400 Fuß tiefe, jetzt überwölbte Brunnen, der 100 Fuß hohe, 370 Fuß über der Meeresfläche sich erhebende Aussichtsthurm, die alte romanische Kirche, der Pharos oder Leuchtthurm und das Cocklecrow, ein alterthümliches Thor. In den Kasematten des Castle können etwa 2000 Mann garnisonirt werden. Luft und Licht erhalten deren Wohnräume durch die in die Kreidefelsen geschnittenen Löcher. Großmüthig. 1 Herr Director, ich möchte um Zuläge bitten!" Zulage! . . . Nun, meinetwegen! Sie sollen von heute ab jeden Abend 100 Mark mehr haben!" Herr Director! Sie irren sich wohl?" Nein, Nein! Von heute ab dürfen Sie in der vierten Scene anstatt: Ich habe eben 200 Mark gefunden", sagen: Ich habe eben 300 Mark gefunden"!" Aus der Kinderstube. Aber, Max. was treibst Du denn mit unser'm Mopperl?" Nichts schwimmen lehr' ich ihn!" Ein Räthsel. 'fÖi " - ;-. : Vater (zu seinem Sohn, der nicht aufstehen will): Moritz, Du bist mer e' Räthsel!" Moritz: Wieso?" Vater: Ich bring' D'r net 'raus!" Geld ist das Jrr'licht im Sumpfe des Lebens. Moderne. Du. Ferdl. mä Katl geht jetzt mit mir stehlen! .Ah! Was D' net sagst? Ja, sie is für die Frauen-Emanzipation.
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Tcr todte Vogcl.
Von Albert Nehtz. Zwischen Blättern, in der Schlinge hängen. Fanden wir ein todtes Vögelein, Nöthe Beeren in den starren Fängen, Mädchenaugen blickten traurig drein, Mit dem Fuß ist eö verwickelt wor den! Armes Thier! wie lange littest du? Mußten sie so ungeschickt dich morden? Warum fingen sie dich ein, wozu?" Und sie nahm das Thierchen aus der Schlinge: Grausam, wer euch Vöglein etwas thut!" Und sie dachte nicht der Vogelschwinge Zwischen Bändern auf dem eiz'nen Hut. O, der Vogelfang ist zu verachten. Vorschub leisten sollten wir ihm rne!" Neidisch sah ich sie dabei betrachten Auf der Freundin Hut den Kolibri. .Tie Furcht. Das Gefühl der Furcht rann den Geist dermaßen beherrschen, daß er verwirrt und unfähig zur Ueberlegung wird. Furchtlosigkeit dagegen verleiht Selbstbeherrschung und kann oft in Augenblicken mehr werth sein, als vieles Wissen. Mit dem Gefühle der Furcht wächst die Einbildungskraft so, daß Menschen, welche sich einbilden krank zu sein, es nach und nach auch werden, und die Furcht vor dem Tode vermag Menschen so elend zu machen, daß ihr: Kraft erlahmt und sie auch wirklich dahinsiechen. Die Willenskraft allein überwindet alle Furcht, wie könnten wir fönst unsere Lieben bei schweren und ansteckenden Krankheiten pflegen; furchtlos entgehen wir hie? meist der Gefahr der Ansteckung, ebenso beweist die Statistik, daß Aerzte und Pflegerinnen am feltensten von einer Ansteckung heimgesucht werden. Aber die Furcht kann unsere Herzen auch kalt und hart machen und das warme Gefühl des Mitleids und der Nächstenliebe in uns ertödten, indem sie uns aus der Nähe des Unglücks forttreibt; würde die Furcht uns nicht fo oft in ihren Bann ziehen, dann würde uns das Gefühl der Barmherzigkeit sicher oft andere Wege führen. Ebenfalls vermag die Furcht uns aller Geistesgegenwart zu berauben, indem sie uns kopflos macht und uns nun gerade in das gefürchtete Unglück stürzt. Denn würden bei schweren Unglücksfällen die Menschen' mehr Selbstbeherrschung zeigen, könnte oft noch so Mancher gerettet werden, so aber stürzen sie Alle sinnlos, von blinder Furcht gejagt vorwärts, zertreten, was ihnen in den Weg kommt. Jeder sucht das eigene Leben zu retten und im nächsten Augenblick schreiten Andere über sie hinweg. Haben wir nun erfahren, welch' einen großen Einfluß die Furcht auf Geist und Körper haben kann, werden wir uns auch der ernsten Pflicht b:wußt werden, unsere Kinder zu furchtlosen Menschen zu erziehen. Ein gesundes Kind ist von Natur aus nicht furchtsam, im Gegentheil, es blickt mit der dem Kinde eigenen Vertrauens feligkeit in die Welt, deren Schrecken ihm noch fremd sind, wenn nicht durch thörichte Erziehung das Gefühl der Furcht in ihm erweckt wurde. Nie suche man ein weinendes Kind damit zu beruhigen, daß man vor seine Phantasie etwas Schreckliches, Unsichtbares hinzaubert, so daß das Weinen in banger Furcht verstummt und das Gesichtchen einen ängstlichen Ausdruck annimmt und es sich zitternd an uns schmiegt. Eben so- verwerflich sind Gespenstergeschichten. Ein Kind wird viel eher aus Furcht vor handgreiflicher Strafe seine Unarten lassen, als vor einem unsichtbaren Etwas, welches seine Nerven aufregt und beängstigt. Man soll auch den Kindern nicht gestatten, wie dr.es so häufig geschieht, unser sich einander zu erschrecken, oder einander vor etwas bange machen. Wie häufig ist es schon dagewesen, daß -so ein Kind lebenslänglich für einen so groben Scherz büßen mußte. Auch sollte man Kinder zeitig daran gew'öh nen, ohne Furcht einen dunklen Raum zu betreten; zeigt ein Kind Scheu, so gehe man selbst mit der Lampe mit ihm hinein, damit es sich überzeugt, daß das Zimmer nichts enthält, was ihm Schaden bringen kann; dann vergesse man dort irgend etwas, um die kleine Furchtsame möglichst bald allein m den dunklen Raum zu schicken; die Freude, der Mutter gefällig zu sem. wird bald die Furcht überwinden helfen. Ein furchtloses, beherztes Kind wird auch unter den Kameraden eneraisch seinen Platz behaupten und sich selbst zu schützen wissen, anstatt jenes furchtsamen, nervösen Kindes, welches den Genossen nur ein Gegenstand des Spottes sein wird. Im Allgemeinen dürfen die Kinder bei richtiger Erziehung gar nicht wissen, daß man Furcht haben kann, und wenn Furcht und Grauen schon Besitz nehmen von rem Kinde, so glaube man ax ' nicht, mit Gewalt dagegen an.'mpfen zu können, vor Allem ist, Leduld und ein liebevolles Führen und Lenken durch das Dunkel nöthi'bis das kleine Herz das ängstliche Mchen verlernt. Wer viel mit Kind'&n verlehrt, wird sich überhaupt bereben, alle Dinge fern zu halten, die e'nen ungünstigen Eindruck auf sie machen, besonders Abends wird man für ruh Ige, einfache Beschäftigung sorgen und ie Kinder unbemerkt so vertraut mit j cnn Dunkel machen, datz es- sie nicht zuj schmecken vermag. Schcjrfe Kritik. Kritiker (zum Dichtesxling, dessen Verse er gelesen): Aber, Mensch, glauben Sie denn an keine Ve rgeltung?"
