Indiana Tribüne, Volume 21, Number 104, Indianapolis, Marion County, 2 January 1898 — Page 3

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Üiiillijiisljiiiiriji'ii. Roman von L. .Haivhcim. i (7. Fortsetzung.) Ach. Tante! Tante! Liebäugeln? Wenn Du wüßtest, wie ich gerungen Habe, um der Eltern willen still und ergeben Ulrich gestorben zu denken! Äa. Tante, wäre er todt, könnte ich ihn mir in Grabcsfrieden denken, in Ehttn gestorben. dann hätte ich um "ihn geliauert und seinen Verlust vielleicht verschmerzen gelernt. Aber e? ist Nicht im Frieden des Todes, nicht in der ewigen Seligkeit er ist so unglücklich wie das Meer tief ist und ich sollte ihn herausthun aus meinem Herzen und glücklich sein können? Wenn ich auch wollte, Tante. ich brächt' es nicht fertig. Ich hatte ihn in meinem Herzen lieb gehabt, so lange ich ihn kannte in Allem. Allem wattn wir eines Sinnes, oft sagte er, ivas ich dachte, und ich sprach aus.was er eben hatte sagen wollen. Dann Machten wir und merkten gar nicht, daß n?ir uns darüber so freuten, und daß es Liebe war, die uns immer zu einander zog. Wäre es nicht Liebe, Tante Hetta, dann konnte ich ja 'darüber weg! Eine Stunde, eine einZig Stunde des seligsten Glückes hatien wir, ich könnte die Küsse zählen, Vit wir getauscht; kaum daß wir uns -recht sagten, wie lieb wir uns schon lange gehabt, und fo möchte ich das Alles ja vergessen und es in mir begraben können! Aber sieh' es geht eben nicht meine Liebe ist wie eine von Steinen erdrückte Pflanze, sie "wächst und wächst immer nach dem Licht empor; die Hofung. dieser kleine Schimmer von Hoffnung ist dies Licht und. weil es so wenig ist. sieht meine Liebe krank und bleich aus wie ein verkümmert Pflänzchen. Aber ich weiß. Tante! sie hat alle Kraft, 'die nicht fröhlich hinauswachsen konnte, mi! ihren Wurzeln in die Seele hineingegraben! Ich werde warten, Tante, geduldig warten. Mama und Papa werden es einsehen, daß es -nicht Eigensinn oder thörichte SentiMentalität ist. sondern Etwas, woge--gen ich nicht kann, etwas Heiliges, was Gott in mein Herz gelegt, damit Ulrich doch eines habe, das treu an ihm hängt. Und wenn Papa seinen Abschied nimmt, dann bitte ich sie, mit mir zu reisen, ihn mit mir zu suchen; und wenn wir ihn finden, da draußen weiß ja keineSeele um.sein Unglück, da heirathen wir uns und das ist meine Kraft mein Halt! Das macht mich stark im Dulden! Und nicht wahr, Tante, nun sprichst Du mir nicht wieder von Deinem Günstling? Ich denke an keinen andern Mann, wer es auch sei. als an Ulrich." Noch nie hatte Willa der Tante ge--genüber von ihrer Liebe gesprochen, immer nur schweigend deren Herbheiten ertragen. Heute, bei dem ersten Ton von Milde spng das Sieel von Willas Herzen und wenn das alte Fräulein auch keine weiche und liebenswürdige Natur war, diese Töne trafen doch ihr eigenes Herz. Darüber vergaßen sie die Poststunde, nun hatte die Absenkung des Geldes bis zur nächsten Zeit. In dem Gemüth der Stiftsdame ging unterdeß eine große Wandlung vor. Es schien ihr plötzlich, als habe Willa, die sie immer um ihrer Nachgiebigkeit und Sanftmuth willen oz ring geschätzt, doch von ihrer eigenenArt. Willa kämpfte zwar nicht, wie sie. lieber Gott gegen wen und was sollte sie das auch? aber Willa beharrte, hielt fest, was sie ergriffen. Das respektirte Fräulein Hetta. In dieser Stimmung hatte sie lang.sam das Portefeuille des Grafen Ruscow vom Tische wieder aufgenommen und es gedankenlos von außen und innen gemustert, während Willa sich, wie nach jeder derartigen Erregung doppelt still und in sich gekehrt zu ihrer Handarbeit zurück wandte. Auf einmal rief Fräulein Hetta : Bitte, was kann das bedeuten ? Sieh einmal her. Willa!" Und als diese heran kam. hielt sie ihr ein zerknittertes, zusammengeschobenes und vom langen Liegen in dem Täschchen zeugendes Streifchen Papier hin. Sieh' nur, das hatte sich hinter das Atlasfutter geschoben! Was mag er damit gethan haben? Das muß ich ihm jedenfalls zurückschicken. Aber nre sonderbar Deine Erbschaft!' Meine Erbschaft?" Willa hatte gar nicht Miene, gemacht das Blättchen zu nehmen, welches die Tante ihr. offenbar nicht wissend, was sie dazu sagen sollte, entgegenbielt. Nun las sie theilnahmslos, aber doch überrascht. Erst als sie die Unterschrift und die letzten Worte sah ich habe gehorcht" blickte sie lebhafter. Heinrich Ruprecht ? Woher wußte sie den Namen? Und was hatte Graf Auscow mit dem Bättchen gewollt? Tante Hetta war sehr roth geworden. Hatte Ruscow? Doch nein ! Er hatte nicht wegen des Geldes? " Er machte Dir ja schon den Hof, eh' die Wallburg todt war!' sagte sie laut und heftig. Dadurch gab sie Willas Gedanken eine andere Nichtig.' Aber ohne sonderliches Jnter-sse legte diese das Papier wieder aus der Hand. Er hat es vielleicht. doch nein, zufällig ein solches Blättchen finden und einstecken? Das war nicht denkbar. Und da stand ja auch ein Datum? Das ist wenige Tage vor Tante Wallourgs Tode!" sagte sie nachdenklich.

Sollte es möglich sein, daß Ruscow in ihr die Erbin der als reich bekannUn Frau gesehen? . Leide Damen waren nachdenklich zeworden, ohne zu wissen was aus der Cache zu machen. Heinrich Ruprecht! Das war ja wohl Clises Schatz ? Und der hätte gehorcht? Wie kam der in das Haus der Sterbenden? Nicht möalich! Willa wie Zarit Hetta sahen nicht die mindeste Erklärung. Aber schicken will ich es ihm doch lieber nicht, Willa. Offenbar hat ev das Papier schon längst dort hinter dem Atlasfutter getragen und für verloren gehalten, wenn er's verMißt." Ei, doch er mag erklären, was es bedeutet!" Zagte Willa aber. Fräulein Hetta schwieg und der ei gensinnige Zug, der den Ihrigen so wohl bekannt war, erschien wieder um ihren Mund. Sie nahm das Blättchen, zerriß es und warf es in den Papierkorb. Willa schwieg ebenfalls. Sie war von der eben erst neu wieder in ihr aufgewallten Gemüthsbewegung noch hingenommen und was RuZcow damals bewogen haben mochte um sie zu werben, ihr gleichgültiger als je. Als sie dann aber am andern Tage zu ihrer Freundin kam und Ludwig ihr erzählte, was er gestern mit dem Justizrath gesprochen und daß er jetzt gehört, Otto von Feedern liebe die verwaiste Enkelin des alten Herrn und scheine sich um dieselbe zu bewerben und Weiß hätte von Ruscows Charakter gar keine gute Meinung gehabt, wünsche den Major zu sprechen und sei außer sich gewesen über dies Todtschweigen von Ulrichs Geschichte, da fiel Willa auch das Erlebniß wieder ein, was sie gestern gehabt. Sie stand auf, ging zu Elise und fragte diese um den Namen ihres Schatzes und dessen frühe Verhältnisse. Schreiber war er gewesen. Erst beim Doctor Meier, dann bei Justizrath Weiß und eine kurze Zeit beim Agent Buchner und endlich bei dem braven Herrn Rechtsanwalt Grödli drei volle Jahre. Hatte nicht Weiß damals Tante Wallburgs Testament gemacht? Und sollte wirklich Ruscow? Willa ging in daö Zimmer zurück und erzählte dem hochaushorchenden Ludwig und seinev Mutter den Borfall mit dem Papierstreifen in Ruscows Portefeuille. Wo ist der Zettel?" sprang Frau von Klarenberg auf und Ludwig rief gleichzeitig: Willa, Ruscow war nahe am Ruin! Er brauchte eine reiche Frau, wahrscheinlich hat er sich vergewissern wollen " Aber der Schreiber hat dabei erklärt, er habe das Geheimniß des Tcstaments erhorcht. Wozu das?" wandte sie ein und setzte mitleidig hinzu: Da sollte die Elise .mir doch recht leid thun!" Noch immer interessirte sie die Sache wenig genug. Willa, wo ist das Papier geblieben?" wiederholte die Baronin, die nie aufhörte, Ruscow zu beargwohnen und die mit einer gewissen Freude jeden Tadel seines Charakters, jeden Bcweis gegen ihn begrüßte. Tante Hetta zerriß es, ich meinte, sie hätte es ihm wiederschick " Sie zerriß es?" rief die Mutter. Und Ludwig setzte hinzu: Das hätten Sie nicht leiden dürfen, Willa !" Aber was ging mich der alte vergessene Fetzen an, Ludwig?" Villeicht gar nichts! Vielleicht sehr viel! Und gerade jetzt! Mich dünkt, es ist wohl der Frage werth, wie Ruscow zu dem Blatt kam " Das werden wir nie erfahren. Der Heinrich Ruprecht ist Elisas Schatz und soll ja ein braver Mensch sein, er steht irgendwo beim Militär an der russischen Grenze und ist mal beim Justizrath Weiß gewesen, bei dem könnten Sie ja nachfragen, Ludwig." O, daß Sie das Papier zerreißen ließen, Willa!" Sie wird es in den Papierkorb geworfen haben, denk' ich mir, vielleicht könnte ich die Stückchen Daraus hervorsuchen, Ludwig. aber was sollen sie uns nützen?" , Willa! Begreifen Sie denn nicht? Wenn Ruscow sich nach Ihrem Gelde erkundigte. wenn er sich schriftlich geben ließ " Aber das that er ja doch wohl nicht! Wer weiß, wie er zu dem Pavier gekommen." Was er im Portefeuille bei sich trug! Je länger ich darüber nachdenke, je auffälliger wird miv die Sache !" rief Ludwig. Und dann hat er seinenRivalen gehaßt!" sagte langsam die Mutter mit einem Gesicht, dessen aufgeregter drohender Ausdruck wie versteinert schien. Dann hätten wir einenBeweis, daß er mein Gott mir schwindelt förmlich vov allen Gedanken Willa! Willa! Kommen Sie, lassen Sie uns diese Stücken Papier suchen ; was sie auch werth sein mögen, wir wollen wissen, wie die Sache zu sammenhängt. Und gäbe sie uns nur Licht über seinenCharakter!" rief Ludroig ganz erregt. Willa erhob sich auf sein ungestümes Drängen.Sie glaubte nicht entfernt an einen Nutzen dieses Schrittes, war überhaupt viel zu weltunerfahren, um Ludwigs Eifer zu verstehen. Sie gingen rasch. Es dämmerte schon. Ihr Weg führte sie am Jockeyclub vorüber. Bor der Thür stand Rupttcht der Kellner, in seiner geschmackvollen Livree. Willa war seit jener Unglücksnacht

hundert' Mal vorüber gegangen, wei! ihr Weg sie durchaus vorbei führte, sobald sie in die Gesch'ästsstraßen ging, Einkäufe zu machen. Nie that sie es, ohne daran mit dumpfen Schmerz zu denken. Heute fiel es ihr auf, daß der Kellner, der augenscheinlich unbeschäftigt, gleichmüthig die Straße hinabKlickte, erschrak, als er sie und Ludwig dicht neben sich vorübergehen sah. und daß'zr. merkwürdig hastig in's Haus verschwand. Die armen Menschen, sie wagen nicht einmal ein Minute Luft zu schöpfen. er ' kannte Sie wohl. Ludwig?" fragte sie. Ich habe nie mehr einen Fuß in das Haus gesetzt, Willa!" erwiderte er. Die Generalin hatte ein paar ältere Damen zum Thee; glücklicherweise saßen sie im kleinen Salon, so daß Willa und Ludwig den Papierkorb aus dem Wohnzimmer herausholen und ihn auf das Zimmer der Ersteren tragen konnten. Dort schütteten sie den ganzen Inhalt desselben auf den Tisch und nach längerem vorsichtigen Suchen hatten sie, zu Ludwigs großer Genugthuung, die drei oder vier Stücke wieder beisammen. Unterdeß gingen nun aber auch Willas Gedanken auf nie gekannten Bahnen weiter. Wenn diese Stückchen ! Wissen Sie, Ludwig, ich habe einmal gelesen, daß ein Knopf zur Entdeckung eines Einbrechers führte. Aber freilich hier steht ja nur von mir. Mit UlrichsSchicksal hat dies nichts, zu thun!" sagte sie nachdenklich. . ' 4 Einerlei! Und wär's nur, daß Weiß uns Aufklärung schafft, wie dies Blatt entstand! Mir ist, als hätte es große Bedeutung, obgleich ich auch nicht sehe, inwiefern? Und sagen Sie Ihrer Tante nichts, Willa, sie würde am Ende sonst diese Stückchen noch für Ruscow reclamiren, denn ei gentlich mußte sie ihm das ganze Blatt zurückliefern." Dann brachte er sie wieder zu seiner Mutter, ging aber sogleich zu dem Justizrath, bei dem er den Major von Feedern traf. Die beiden alten Herren saßen gemüthlich hinter ein paar Flaschen Bernkasteler Doctors. Ludwig dachte sofort wieder an das Genicht, daß Otto um des Justizraths Enkelin werbe. Es sah nicht so aus, als ob die beiden Alten dagegen wären. Ludwig mußte sich natürlich sofort zu ihnen setzen, der Diener ein drittes Glas bringen. Wir reden eben von Ihrem unglücklichen Bruder, Herv Baron", sagte der Justizrath, und ich muß gestehen, wenn jemals eine wahrscheinliche Niedertracht durch gemeinsame Uebereinkunft gründlich unterstützt ist, so ist es diese. Ich bin sehr entmuthigt, der Herr Majov hier kann mir keinen einzigen Namen mit Gewißheit nennen, oder richtiger nur Einen. den des Prinzen Arnold von Schönburg, der damals bei den Kürassiren stand. Sie könnten immerhin einen Versuch machen, Se. Durchlaucht um die übrigen Mitwisser zu befra- . M gen. Er ist es gewesen, der zuerst den Unglücklichen verurtheilte !" grollte Ludwig. Das war richtig und zu begreifen, daß dr Bruder Scheu und Widerstreben empfand, sich gerade diesem Herrn zu nähern. Inzwischen hatte Ludwig die zerrissenen Papierstückchen neben einander auf einem Briefcouvert. in welchem er sie herangetragen, geordnet. Sehen Sie einmal her, Herr Justizrath!" bat er. Der alte Herr las. nahm die Brille ab und las wieder. Wie kommen Sie dazu?" fragte er dann über dieselbe weg, Ludwig virn Klarenberg mit seinen durchdringendsten Blicken ansehend. Sie kennen die Hand ? Den Namen der Unterschrift, Herr Justizrath?"' Beide ! Wie kommt dies in Ihre Hände, und haben Sie es zernssen?" Ludwig erzählte. Sehr gespannt, mit allen Anzeichen schärfsten Nachdenkens hörten sowohl der Major sowie der Rechtsgelehrte zu. Einfach! Ganz einfach! Ruscow hat sich hinter den Bengel gesteckt, der damals bei mir war. Nur besinne ich mich nicht, daß ich ihn mit in das Haus nahm. Aber item! Die Thatsache, die dieser Zettel bezeugt, war richtig; ich werde das Datum in meinem Journal Fräulein Willa bestätigt, daß es wenige Tage vor dem Tode der Frau von Wallbuvg gewesen sei." Und der Ruscow hat dann gewußt, daß sie eine glänzende ParI U 0 Aber er heirathete ja dann bald darauf die Tochter Alitscheffs" sagte Ludwig. Wieder sprachen sie rathlos und in voller Unklarheit hin und her, nur bei einem Punkte blieb der Justizrath ste hen: Ohne eine bestimmte Absicht ist dieser Zettel nicht geschrieben und diese werde ich bald herausbekommen. Der Kerl, der Ruprecht, ist aufzutreiben! sein Bruder dient als Mellner im Jockeyclub und scheint ja dort in Ehren zu stehen Und meiner Mutter Mädchen ist die Braut Ihres ehemaligen Schreibers." Na lassen wir das Mädchen bei Seite, Weiberthränen sind mir ein Greuel, ich werde mir den Herrn Bruder aus dem Jockeyclub einmal herüber bitten und um die Adresse befragen. Den wollen wir schon kriegen, den braven Jungen! Das: muß ein ganz perfider Heuchler sein! Sein letzter Herr hat ihn mehrere Jahre ge-

habt und gerühmt ; zufällig hab' ich ihn da mal gesehen." Der alte Herr war ganz aufgeregt über diese Verrätherei. . Dem Herrn Grafen werden wir wohl nicht an's Collet können, der lügt sich heraus! Wird nicht so dumm gewesen sein, was Schriftliches zu geben. höchstens Geld! Möglich, daß eine Verleitung zum aber das ist " Und er schüttelte betrübt den Kopf. Mir ist als kämen wir auf die erste Spur der Teufelei!" sagte der Major nach längerem Nachdenken lebhast ausblickend. Wenn der Rus. cow die Willa heirathen wollte, so war ihm Ulrich im Wege; ev wollte sicher gehen, daß sie Geld hatte, darum dieser Zettel !" - Schon recht, aber dann! Kurz nach der Katastrophe verheirathete er sich mit einer andern Dame, er hat um die Baronesse Willa nie direkt geworben, also auch keinen Korb erhalten", wandte der Justizrath ein. .Jetzt kürzlich hat er Fräulein Hetta erzählt, daß er die Heirath in Verzweiflung über Willas Kälte geschlossen", sagte Ludwig und erzählte das Zusammentreffen. Etwa eine Woche später saß Willa, ihrer Mutter und Hetta die Zeitung vorlesend, neben diesen im Wohnzimmer. Nach dem politischen Theil kamen die Lokalnachrichten. Ein bemerkenswerther Diebstahl bei einer alten Dame, ein trunksüchtiger Arbeiter, der seine Freu geprügelt hatte und derartige Notizen füllten das Papier ; nur eine letzte Notiz fiel Willa auf : Ein Kellner des Jockeyclubs ein dem Vernehmen nach ruhiger, durchaus braver und beliebter Kellner des Jockeyclubs hatte einen Selbstmordversuch gemacht der Schuß in die Brust ihn aber nur lebensgefährlich verletzt, nicht getödtet. Ueber die Ursache zu diesem Schritt lag auch nicht die geringste zutreffende Muthmaßung vor. Nur das Wort Jockcyclub brauchte in Willas Denken aufzutauchen, oder von außen ihr nahe gebracht werden, so vergingen Stunden hin, bis sie von ihren Erinnerungen loskam. Aber sie zeigte längst nicht mehr, wie ihr ums Herz war, trug ihr schweres Kreuz schweigend und fühlte sich nur heute erregter als sonst, weil sie von Ludwig erfahren, der Schreiber Ruprecht habe an seinen ehemaligen Herrn, als Antwort auf dessen Brief, ein reumüthiges Bekenntniß und die genaue und anscheinend auch wahrheitsgetreue Erzählung des Sachverhalts geschickt. Danach hatte Ruprecht dem Grafen Ruscow den erlauschten Inhalt des Testaments für vierhundert Thaler verrathen, Ruscow aber nur drei davon bezahlt weil er ja doch keinen Nutzen davon gehabt." Weiteres wisse er nicht, betheuerte der Mensch, mit vielen verzweiflungsvollen Worten bittend, daß man ihn nicht um seine Stellung im Kartenamt seiner Garnison bringe, wo er sich durch seinen Fleiß und sein Wohlverhalten zu der Hoffnung auf Avancement berechtigt glaube. Daß Ruscow die versprochene Rückerstattung des gravirenden Schriftstücks nachher verweigert, stimmte ganz gut zu dem Bilde, welches man sich von ihm machte. Aber wenn nun auch dies Alles der Fall war. in der Hauptsache sah man sich keinen Schritt weiter gekommen. Es blieb eben der alte crdrückende Bann der Hoffnungslosigkeit auf ihnen ruhen. Die Generalin und das Stiftsfräulein fuhren Abends in's Theater und Willa zog sich in ihr Zimmer zurück. Ihre Jugend war ihr dahin gegangen fern von allen Freuden ihrer Altersgenossinnen. Während diese tanzten und in tausend Kleinigkeiten ihrem Mädchenfrohsinn Ausdruck gaben, hatte Willa in Thränen getrauert. Erst später fand sie in den Werken unserer großen Dichter Trost und Freude, in der Kunst hohen Genuß und für ihr hübsches Maltalent Anr.gung. Gesungen hatte sie nie wieder. aber Musik. gute Musik ihr allezeit wohlgethan, und bei so vielfachen Interessen war ihr ein seltener Abend des Alleinseins stets eine Art stiller Feier. - So hatte sie auch heute, behaglich lesend, in dem trauten Raume weilen wollen ; das Feuer prasselte und flackerte im Ofen, draußen heulte und sang melancholisch der Novemberwind um das Haus und in' demselben herrschte die größte Stille, denn auch der General war nicht daheim. Aber wie kam es nur, daß sie keine Ruhe fand? Daß ein sonderbares Gefühl sie antrieb, öfter aufzuhorchen und daß ihr immer war, als höre sie Schritte kommen, langsame, feste Schritte von weit, weit her. Es kommt Etwas! Es geht Etwas vor!" sagte sie siü zuletzt mit schauernder Ahnung. Und dml stellte sie sich vor, wie das Schicksal daher gehe durch die ganze, weite Welt, langsam, stetig, unvermeidlich und wie es, hier Segen, dort Fluch spendend, mit leidenschaftslosem Antlitz weiter schreitet, nie zurückblickend weder nach dem jubelnden Dank, noch nach den Thränen der Verzweiflung. So ist es über mich dahin geschritten und über Ulrich. Ist sein Rundgang beendet? Naht es sich zum andern Male? Und weissagt mir diese angstvolle Unruhe neues Elend?" fragte sie sich, immer in diesem selben Gefühl des H?rchens auf Kommendes und dabei mit heimlicher Angst an den Vater denkend, der in der letzten Zeit aufsallend verfiel, ohne, daß man einen Grund dafür erkannte. In diesem Sinnen hatte sie,

immer nach innen horchend, die

Schritte nicht gehört, die 'sich über den Teppich des Vorplatzes ihrem Zimmer näherten. Es klopfte! Ueberrascht hielt sie in ihrem Auf- und Abgehen inne. Es klopfte wieder. Weinte da draußen Jemand? Und als sie bebend vor irgend einem unbekannten Etwas, selbst rasch zur Thür trat und diese öffnete, blickte sie halb enttäuscht in Elise's Gesicht. Dann aber sah sie. daß das Mädchen ganz verwirrt aussah und in großer Aufregung war. O, Gnädige! Dies Unglück! Dies Unglück!'' schluchzte es ; Willa sah sofort, daß sie über eignes Unglück weinte. Elise armes Kind! Was ist Dir?" fragte sie und zog das Kind herein. Ach. die Zeitung! Gedruckt steht's und alle Leute lesen es! Und sterben muß er, sagt der Doctor und er weiß es auch und es ist ihm ganz recht, weil ev solche Bange vor dem Gericht hat und weil seine Ehre ja doch hin wäre, meint er. Und ob das gnädige Fräulein nicht kommen wollten, soll ich bestellen, er hätte dem gnädigen Fräulein was anzutrauen, eher könne er nicht sterben. Er hat nämlich einen Brief in der Tasche gehabt, an das gnädige Fräulein, darin hat ers ja wohl geschrieben, aber den hat die Mutter, als er wieder bei sich war, vor seinen Augen verbrennen müssen. Er wollte Alles selbst sagen, der liebe Gott habe ihn darum nicht sterben lassen." Elise redete in heißer Aufregung Alles durcheinander und Willa stand vor ihr und begriff sofort, daß sie den Kellner, ihres Bräutigams Bruder, meinen müsse. . Dann flog ihr der Gedanke durch den Kopf: Er weiß davon! Es handelt sich um Ulrich!" Nach dem Pastor soll ich, wenn ich Sie hingebracht habe. Ihnen will er beichten, sagte er, und der Pastor solle ihm dann seine Sünde, seine große Sünde vergeben!" Kommt mit!" rief die Baronesse und ihre Stimme klang rauh und hart. In äußerster Hast nahm sie den Mantel um, warf einen Schleier über den Kopf und dann eilten sie schweigend, fast laufend durch die noch abendlich belebten Straßen ihrem Ziele zu. Ein paar Stunden später wußte sie Alles! An dem Bette des Sterbenden kniete sie und bat flehend: . Ruprecht, sagen Sie auch dem Herrn Pastor, was Sie mir gesagt haben! Lassen Sie es ihn niederschreiben! Bedenken Sie, Ruprecht, Sie haben den unglücklichen Herrn von Klarenberg um Ehre und Glück gebracht." Dafür muß ich jetzt sterben. Gnädige!" hauchte der geisterbleiche Mensch im Bette. Und er, wenn er lebt, seine Ehre ist vor der Welt vernichtet! Was hilft mein Zeugniß, das Zeugniß seiner Braut! O, mein Gott, Ruprecht, gehen Sie nicht hinüber mit nur halber Sühne. Oder soll ich den Herrn Justizrath Weiß rufen lassen ? Er ist ein guter Herr!" Der hat mich in den Tod geirieben! Der ist wie mein Scharfrichter. Ich hasse die Schufte! Ich bin Ihrem Bruder auf die Spur gekommen und komme auch den Andern auf die Spur! hat er zu miv gesagt. Und ich wußte, er that's! Er brachte mich vor Gericht und in's Zuchthaus. Nun lassen Sie mich in Ruhe. Gnädige! Ich hab's Ihnen ja gesagt! Der Herr Pfarrer!" trat die unglückliche Mutter des Sterbenden herein. Sie konnte vor Schluchzen kaum sprechen. Willa sprang auf. Frau Ruprecht! Bitten Sie mit mir! Sagen Sie Ihrem Sohne, daß er nicht halb sühnen soll! Großer Gott, ich sehe es ja ein. daß die Versuchung groß war und verurtheile ihn nicht, ein armer Mensch wie er, er will und muß verdienen, die Verführung, und er wußte ja auch nicht, was er anrichtete! Ich flehe Sie an, Ruprecht! Daß Sie dies Unrecht thaten, das habe ich mit tausend und tausend Thränen' gebüßt und mein Verlobter Herr von Klarenberg ebenso ; wir sind so Unglücklich gewesen wie je zwei Menschen, und durch Sie, Ruprecht. durch Sie! Wenn es Ihr Gewissen beschwert, daß Sie Ach, so sühnen Sie es voll und ganz! Gehen Sie nicht von der Welt mit der Ehre meines Ulrichs auf Ihrem Gewissen!" Und in all' ihrem leidenschaftlichen Flehen hielt Willa die rbeitsharte Hand der Frau Ruprecht zwischen den ihrigen. Sie sind eine so ehrliche, brave Frau. Sie haben ihn gekannt, meinen Bräutigam, er hat Ihnen viel Freundliches erwiesen " Ach, ja! ach ja! Abe? ich weiß ja gar nicht, Toni, mein guter Sohn. Du bist gewiß kein schlechter Mensch gewesen und hast Du was gethan, so!" . . Mutter, ich wußt ja nicht, was daraus wurde!" keuchte der Sohn. So thu' der Gnädigen den Willen, mein Sohn, thu' es! Die Heiligen lohnen es Dir und Du hast ihre Hilfe nothig. mein To. wie wir Alle! Ach. ich will geloben!" Nun ja. dann ruft den Pastor herein! Es ist auch wohl besser man kann es nicht wissen, wie es da drüben aussteht! Und ich hör's ja nicht mehr, was sie mir hiev anhaben!" gab er endlich nach, da der Mutter Stimme in Thränen erstickte. Willa flog schon zur Thür hinaus. Mit beiden Händen ergriff sie Ul überraschten Geistlichen Hand, der mit seinem 'Sakristan dort wartete

Hochwürden! Der Sterbende dort hat sich entschlossen, Ihnen sein Be kenntniß zu diktiren; nicht als Beichte! Es handelt sich um die Ehrenrettung meines Verlebten. Ich bitte Sie inständig!". Die vornehme, schöne, junge Dame und diese ärmliche Wohnung? Und Ehrenrettung? Verlobter? Aber der geistliche Herr war ein braver, resoluter Mann. Er drückte ihr zustimmen) die Hand und sagte, er werde thun, was seines Amtes sei,' hoffentlich könne er ihr damit dienen. Dann trat er ein in das Kämmerchen, wo der Sterbende lag; sie mußten Alle hinausgehen, ohne jede Vceinflussung sollte derselbe sein Herz entlasten und dann die Sterbesakramente empfangen. Es wurde ganz still da drinnen, man hörte nur zuweilen ein Murmeln, eine Frage des Geistlichen und so dauerte es eine ganze Weile. Dann wieder ein anderes Murmeln, wie von Gebeten. Wir sind fertig!" trat der Pfarrer dann heraus und holte Willa und die Mutter Ruprechts an das Sterbebett zurück. Wie die Baronesse dem Ruprecht, dem Elenden dankte, dafj er den Mann, den er verderben half, nun endlich rettete! Kein Gedanke daran, daß er all' das Elend verschuldet, trübte ihre Seele; sie wollte weder Rache, noch fühlte sie Haß, nur Dank, nur Dank! Es reut mich nicht, Gnädige, um Ihretwillen hab' ich's gethan, und daß der Herr Graf, der schlimmer ist als ich und mein Bruder je gewesen, sein Recht kriegt!" sagte dagegen Ruprecht und eine heiße Nachsucht klang auS der Stimme, die kaum vor einigen Minuten die Vergebung Gottes in Anspruch genommen. Für sie konnte er dies thun, aber er that es mit der Hoffnung auf Ruscows 'endliche Bestrafung. Der geistliche Herr sagte nichts dazu. Ihm war das nichts Neues. Bis cm die Pforten der Ewigkeit bleibt der Mensch Mensch. Das weiß Keiner besser als der Seelsorger. Danir bot, er Willa seine Begleitung an. Er war doch neugierig, die junge Dame kennen zu lernen! Ihre herzbewegende S.timine, ihr Bitten, ihre Scmftmuth hatten ihn gerührt. Glauben Sie;, Hochwürden,, datz Ihre Schrift nun Gültigkeit hat und daß meines unglücklichen Verlobten Ehre wieder rein sein wird?" fragte sie. Gültigkeit? Mein liebes Kind, was ein Geistlicher auf seinen Amtseid schreibt, das gilt in der ganzen Welt!" sagte er fart stolz. Und dann beruhigte er sie und ,ie mußte ihm erzählen,, was sie erlitten. Und wo ist der unglückliche junge Herr?" fragte er. Ja, wo war Mrich? Seit mehr als einem Jahre hatten sie nichts von ihm gehört. Die seltenen Male, da er geschrieben und seine Adresse geschickt,, hatte Willa benutzt, ihm bogenlange Briefe zu senden. Er hatte ihr nie geantwortet. Aber ab und zu kamen aus fernen Landen, bald hier, bald dort abgesandt, seltene Schmuckstücke oder andere Geschenke für sie an; keine Zeile lag dabei! sie wußte aber, daß Ulrich sie sandte, an der liebevollen zarten Wahl der Gaben und weil sie seine Handschrift jetzt

kannte. Aber auch solche Zeichen fernes Lebens waren letzthin ausgeblieben. Wir werden ihn finden! Die Welt ist jetzt so klein! Eine Nachricht dringt überall hin!" sagte sie voll freudigen Muthes. Sie ließ sich zu Ulrichs Mutter führen, der geistliche Herr kam auf ihre Bitte mit hinauf. Gerettet? Mein Ulrich gerettet? Mein armer unglücklicher Sohn?" schrie die Baronin auf, als Willa ihr vorsichtig die Hauptsache gesagt hatte. Dann las der Geistliche den Leiden das Bekenntniß vor. Der Schurke! Gott im Himmel sei endlich gerecht, strafe ihn!" keuchte die Mutter. Sie sandte sofort in leiden schaftlicher Aufregung und Eile nach dem Justizrath, dem Major. sie ließ den General aus seinem Club holen, telegraphirte an Ludwig und weder die Nachtstunde kümmerte sie, noch die Mühe, die sie Anderen machte. Jede Minute ist kostbar! Jede Minute!" sagte sie immer; wie im Fieber leuchteten ihre Augen und laut mit sich sprechend, wartete sie ungeduldig auf die Männer, die dann auch von allen Seiten herbei kamen. Der Major brachte seinen Sohn mit. Rührend war die Freude des nunmehrigen Assessors, er küßte Willas Hände und wiederholte immer: Arme Märtyrerin! Arme Willa! Gott sei Dank!" Mit ihm kam auch ein 'Element, welches der bis zur Exaltation aufgeregten Baronin Klarenberg geschickt dadurch eine Beruhigung gab, daß er ihre Hast und. Unruhe, irgend Etwas zu thun, mit einem gleichen Eifer tt widerte. Noch in der Nacht sandten die Bei den Telegramme ab an alle Bankhauser, mit welchen Ulrich je. seit er fort war. die Seinen in Verbindusg gebracht. Kennen Sie den derzeitigen Aufenthalt oder das Domizil de2 Baron Ulrich von Klarenbevg? Können Sie irgend welchen Nachweis über ihn geben?" so und ähnlich lauteten sie. Das that der Barovkn so gut o. so gut! Sie drückt Ottos Hand in warmer Dankbarkeit, und er fuhr zum Telegraphenamt, alle .diese Depejchur auszugeben. (Fortsetzung oil

Aur die Lüche.' Roher H a m m e l sch i n k err. Ein schöner Hammelschlegel wird acht Tage in Pökel gelegt und täglich ge wendet. Darauf wird er mit Holzfäure (nicht Holzessig) bestrichen und an einem lustigen Ort zum Räucherir aufgehängt. Das Bestreichen wiederholt man jeden zweiten Tag, in ganzen viermal. Auch kann man ihn noch für 1 oder 2 Nächte in den Rauch hän gen lassen. Dieser Schinken ist äußerst zart und wohlschmeckend. Jrish Stew. 2 bis 3 Pfund Hammelfleisch vom Carbonadenstück wird in fingerdicke Stücke geschnitten. Nun schält man gegen 20 Stück große Kartoffeln, zuletzt Rüben und Mähren, und schneidet alles Gemüsoin Stücke. Hierauf bedeckt man den Boden einer Kasserolle mit Kartoffeln, auf die man Fleisch, welches gesalzen und gepfeffert wird.. legt, bedeckt dieses mit Gemüse, Fleisch u. f. ro bis Kartoffeln die oberste Lage bilden.' Nun gießt man 1 Quart Fleischbrühe oder Wasser darüber und läßt das Gericht (in einer größeren Kasserolle - mit kochendem Wasser stehend) 3 bis 4 Stunden dämpfen. Rüben mit Kartoffeln, auf franxöfischeArt. Man schneidet die weißen Rüben, große oder kleine, in zierliche Stückchen und ebenso die rohen Kartoffeln in je zwei gleiche Theile und siedet beides in Salzwasser weich. Nun richtet man das Gemüse auf tiefer Platte an und übergießt dasselbe mit flüssiger, heißer Butter, in welcher ehr Löffel Senf und etwas Salz verrührt wurde. So einfach das Gemüse ist, schmeckt es vortrefflich und paßt zir seder Art Braten. G e b a ck e-n Schlingen (Nachtisch). Man nimmt drei Eigelb, eine halbe Tasse geschmolzene Butter, eine kleine Tasse Sahne (Nahm), eine Vierteltasse weißen Wein, einen Eßlöffel Zucker und so viel Mehl, daß es einen Auswelleteig gibt. Von diesem schneidet man 2 Zoll lange und einen Zoll breite Streifen, macht in der Mitte einen Längeschnitt und zieht durch diesen ein Teigende. Es soll wie ein geschlungener Knoten- aussehen. Das Gebäck wird in Schmalz hellgelb fertig gemacht, mit Zucker und Zimmet bestreut und heiß feroirt. Salzheringe zu marini ren. Gutgewässerte Heringe werden von Gräten und Rückgrat befreit, in zwei Hälften gerissen' und in einen Topf geschichtet. Inzwischen- kocht man halb' Wasser, halb Essig- mit in Scheiben- geschnittenen Zwiebeln- Lorbeerblatt'und Gewürz: Nach dem Erkalten nimmt man die-inzwischen recht fein gewiegten Milcher. rührt sie durch ' ein Sieb in den erkalteten Essig und gießt die5 über die Heringe. Nach 24 Stunden sind sie zu gebrauchen: Ochsenzunge gepökelt. Von einer frischen Ochsenzunge schneidet man den Schlund ab, wischt sie mit einenr Tuche gut ab, ohne sie zu waschen, macht mit einem scharfen Messer mehrere Einschnitte in die äußere, dicke Haut,, reibt sie mit einer Hand voll Salz,, dem man eine.-reichliche-Messer-spitze voll Salpeter und einen Theelös sei Zucker beigemischt hat,, so lange von allen Seiten tüchtig ein., bis das Salz zerflossen und in das Fleisch eingedrungen ist. Dann legt man- die Zunge in einen Topf und läßt siezugedeckt zwei bis drei Wochen, im Som-

mer dagegen nur acht bis zwölf Tage, sie täglich umwendend, darin liegen. Will man sie kochen, so wässert- man sie mehrere Stunden oder übev Nacht in frischem Wasser ein, setzt sie dann mit reichlich kaltem Wasser ohne Salz zu und kocht sie langsam weich., zieht die äußere Haut ab, legt die Zunge auf ein Brett, bedeckt'sie mit einem zweiten beschwerten Brett und läßt sie erkälten, um sie entweder- zu Gemüsen verfchiedener Art als Beilage oder-zumAbend-essen als Aufschnitt zum- Butterbrot zu geben. Schinken - Nud ein Man' siedet eine größere Portion breite Nudein, etwa drei Viertel Pfund, in Salzwasser und läßt sie gut abtropfen.. Nun wiegt man ein Pfund mageren Schinken ziemlich fein,, ebenso eine kleine Zwiebel und etwas Petersilie. Unter dieses Gehackte mengt man vier bis fünf Eier und eine Tasse guten, fetten, sauren Rahm. Dreä wird nun mit den Nudeln vermengt, nicht verrührt, und noch etwVuskatnuß beigegeben Salz vorsichtig, weil mancher Schinken sehr scharf ist dann in einer gebutterten Form eine Stunde gebacken. Obenauf kann man noch kleine Butterstückchen legen. Sehr gutes" Chokoladeng e b a ck. Man gieße ein halbes Glas Wasser auf 1 Pfund Puderzucker und lasse dieses drei Tage stehen, in welcher Zeit man häufig darin rührt. "Am dritten Tage ziehe man 1 Pfund Mandein von der Schale, reibe sie auf einem Reibeisen oder w der Mandelmühle und dann noch weiter mit der Keule in einem Napf, bis sie nne Masse geworden sind. Nun bÄih! man sie mit kochendem Syrup, den man aus 1 Pfund Zucker und einem halben Glase Wasser hergestellt $at und rühre Alles wieder ct durcheinander. Ist das geschehen und die Masse erkaltet, mache man kleine Plätzchm daraus. Der eingewässerte Zucker aber wird nun auch auf's Feuer gestellt, mit einem PfUnv geriebenrEhokolade und Vanille nnter-t mischt und aufgekocht. Wenn sich, durch das Sieden AÄe5 gut aufgelöst, gießt man diese kechende süße Mcss über d Plätzchen. Einfacher Blitz kuchen. Ein Viertel Pfund Butter, yfi Viertel Pfund Zucker, vier Eier, ein halbes Pfund Mehl. Die Bu?er leicht gerührt, und die Masse w.eine ml Buk-, ter bestrichene Form gegossen. Du Kuchen ist in fünf tinuten gebacken. Noch heiß schneik Stachen.