Indiana Tribüne, Volume 21, Number 98, Indianapolis, Marion County, 26 December 1897 — Page 7

Äeihnachtöftcuden. Von Richard Zoozmann. W:ihnachtskcrzen flammen wieder, Alle Fenster sind voll Glanz. Alte, liebe, fromme Lieder, ; , Kinderlieder, ; ; Aus der Jugend Knospcnzeit ; Hör' ich klingen weit und breit. Aus Frau Helles weißen Haaren Fallen Rosen leis und leicht. Wie sie auf und nieder fahren, Dicht in Schaaren, Und sich, kleinen Sternen gleich, Lustig drehen weiß und weich! Wohl! Im Zimmer ist'Z jetzt traulich, Düfte haucht das Tannenholz. Mütterchen erzählt beschaulich And erbaulich. Und mit off'nem Aug' und Ohr Lauscht der Kindlein sel'ger Chor. Aber draußen auf der Gassen Irrt manch armes, kleines Kind, Das vereinsamt und verlassen Und mit blassen Wangen durch die Scheiben schaut, Aas Knecht Ruprecht aufgebaut. 1ai uns drum der Armen denken! Weihnacht ist die rechte Zeit! Freuden in ein Herz zu senken. Zu beschenken, Ist ein Werk. d'rauZ Segen quillt: Kindeshand ist leicht gefüllt! Mlmöerger Hand." Wie du Schwalbe den Lenz verkün det, so nahen als regelmäßige Vorbo itn des schönen Weihnachtsfestes Puppen und Spielwas?en; in immer neuer GestaltMg sehn wir sie in den Auslogen der Schaufenster sich drängen, fast jedis Jahr ringt stine Neuheit, und immer kunstreicher und zierlicher werden die Gegenstände, die, Ursprung lich ,fiw die Kinderhand bestimmt, mit 'der Zeit das Ansehen gewonnen habm, Qls .seien sie kleine Kunstwerke, deren Schätzung weit über das hinausgeht, ivas das Kwdergemüth zu ersaßen Tiermag. Die Geschichte der Puppe und US Spielzeugs wäre noch zu schreiben; mug auch hie und da der Anfang mit 'dem einen oder andern Kapitel gemacht 'worden fein, so harrt die Aufgabe im 'lrokm und.Kanttn docö nock ibrer

'Erledigung. Wird sie einst gelost 'werden, so wird sie wahrscheinlich dirthun, daß die Geschichte der Puppe nichts mehr und nichts minder ist, ls eine abgekürzte Geschichte der menschlichen Culturentwickelung. Jedenfalls ist es müßig, zu fragen: Wer hat die ,fte Puppe oder das erste Spielzeug geschaffen? Mit demselben Rechte 'könnte man fragen: Wer hat das erste Lied gesungen oder zum ersten Male ttn Versuch gemacht, eine Thier- oder Menschengestalt, sei' es auf diese oder jene Weise, nachzubilden? Puppen rmd Spielzeug im heutigen Sinne hat es schon im alten Rom und im alten Hellas gegeben, ja schon !m alten Ägypten und noch in früherer Zeit; finden wir doch unzweideutige Spuren davon selbst in den Ueberresten der Pfahlbauten, also in den auf uns gekommenen Zeugnissen eines Zeitabschnittes. in welchem der Vorfahre des heutigen Europäers eine Stufe der Gesitrung einnahm, auf welcher uns die Ureinwohner Amerikas zur Zeit der Entdeckung ihres Landes entgegentratat. In Deutschland ist die Herstellung von Puppen und Spielwaaren von Alters her mit großem Eifer und grottm Erfolge betrieben worden; sie bil-

detr nachweislich schon zur Zeit des Dreis;''.l',-.en Krieges einen blühen, den Gvi; :'3toei$" und heutzutage sino 5;:: . Zusende, von Händen in toerns.lV: ..schsftigt und auf denselien Z7?7'.'sew Deutsche Puppen und rir.tf.V Sprelwaaren gehen in alle MtU 2 Offnen' sich selbst daMärkte, wo s -n; ':t )eutsche Gewerbethätigkeit mit isiiTi Zeugnissen vergeblich anpocht. D-c Ausfuhr aus Deutschland mag artig über 400.000 Centner jihrl:' Setragen und einen Werth ivon r.nr .-,! Z 25 Millionen Mark ausmach.n: tv. Puppen allein werden aus -DeutI Jahr für Jahr Waaren für :iü m'i drei Millionen Mark nacb allen i:ifi -cn der Erde versandt, und tote Wizri' ?iade in Germany", die GngiYn': in Erzeugnissen der deutschen 7ec7crl Thätigkeit zur Abwehr gegen : Ui ausdrücken wollte, ist für deils.c Spielwaaren n.' das gerade Ucvr.r U umgeschlagen und zu einem rt; i lgszeugnissk ehrenvollst Art c rzotoiu Unter dieser Marke ?-en -tu: anderen die kleinen und ' ' ' I

dilligen, durch ein Sandrad getriede nen mechanischen Spielereien in großer Menge nach England und Amerika, um sick dort der Reklame dienstbar zu machen und in den Schaufenstern der verschiedenartigsten Geschäfte als Lockmittel zu dienen und Schaulustige herbeizuziehen. Der berühmteste und älteste Sitz der deutschen Spielwaaren, industrie ist Nürnberg. Das Wort vom Nürnberger Tand" läuft schon seit Jahrhunderten um und behauptet auch heute noch seine Geltung. Allerdings mit einer gewissen Emschränkunq. Das, was man immer noch mit Vorliebe als Nürnberger Waare" bezeichnet, stammt zum großen Theile nicht von dort, sondern aus Thüringen

und anderen deutschen , Landschaften, aus dem sächsischen Erzgebirge und gewissen Theilen Bayerns, und es dürfte schon seit geraumer Zeit die Führung m dem ganzen Industriezweige von Thüringen übernommen worden sein. Was Nürnberg seinen Ruf verschaffte, war ein gewisser mittlerer Schlag von Waaren, der ganz richtig durch den Ausdruck Nürnberger Tand" gekennzeichnet wurde. Für die feinere Art von Spielzeug hatten sich lange schon Berlin und Stuttgart einen Namen gemacht, Orte, an welchen dieser Zweig der Gewerbethätigkeit so sehr gefördert wurde, daß sie heutzutage den Wettbewerb für die feinste Art von Spielwaaren mit Paris nicht mehr zu scheuen haben. Auch Nürnberg hat in neuerer Zeit eine ihnlichi Richtung eingeschlagen und darum einen Theil 'seiner einstigen Produktion den erwähnten Landstrichcn fast ganz abgetreten. Wer die Erzeugnisse der neueren deutschen Spielwaarenindustrie auch nur oberflächlich in?s Auge faßt, wird nicht verkennen formen, daß in ersel.den ein gutes Theil'künstlerischer Rraft zur Ausnutzung gekommen ist, und daß dieselbe in ihir vielleicht ein? noch 'größere Rolle spielt als Erfindungsgeist und technisches Geschick. Mit Recht legt man daher auf diese Seite einen gewissen Nachdruck, und es ist hierin vor allem Sachsen mit yutem Beispiele vorangegangen. Es hat vor 'einem Vierteljahrhundert bereits eigne 'Spielwaaren - Industrieschulen in'Z 'Leben gerufen, roie solche jetzt in Erzgebirge in Grünheinichen, Obernhau und Seifen bestehen. Auch in Oesterreich hat man den hierin liegenden Vortheil erkannt und eigene Separatkurse für Spielwaarenerzeugung an einzelnen der bestehenden Fachschulen (an der k. k. technischen Modellierschule für Keramik und verwandte Gewerbe in Oberleutersdorf in Böhmen und an der Filialschule in Neukirch in Oberösterreich) eingerichtet. Die Bildschnitzerei in Oberbayern (Oberammer, $au) steht gleichfalls längst schon unter künstlerischem Einflüsse. In Thüringen sind es namentlich die Orte Waltershausen und Sonneberg, wo die Herstellung von Puppen und Spielwaaren in umfassendem Maße betrieben wird, theils als Hausindustrie, theils in Fabriken. Zu einer hohen Vollkommenheit hat man hier unter anderem die Masse gebracht, aus welcher sowohl ganze Figuren wie die einzelnen Theile des Puppenleibs, wie Kopfe, Arme und Füße angefertigt werden. - Zu den Anforderungen, die man an dieses Material stellt, gehört vor allem, daß es plastisch, das heißt, bildsam sei und nach dem Trocknen Festigkeit und Widerstandsfähigkeit erlange. Wie es überall geht, so auch hier: ist ein derartiger Stoff einmal gewonnen, so benützl man ihn nicht nur zu seinem ursprünglichen Zwecke, sondern zu Allem, was sich aus ihm Nützliches oder leicht an den Mann zu Bringendes herstellen läßt. So hat die Thüringer Spielwaarenindustrik unter anderem zu großem Theile dik Massenfabrikation an sich gebracht, ja sie ist in der Verwerthung ihres Material noch weiter gegangen und formt unter Beimischung geeigneter Bestandtheile aus ihrer Masse Schleifsteine, die sich auf das beste bewähren und sich ein weites Absatzgebiet gesichert haben. Ein Artikel, in dem sich in jüngster Zeit besonders Sonneberg hervorgethan hat, ist die sogenannieAttrappe", ein Gegenstand, der in seinem Aeußeren vielfach an die Spielwaare erinnert und dieselbe zuweilen sogar täuschend nachahmt, indeß ganz andern Zwecken zu dienen bestimmt ist. Wie es das Wort schon andeutet, zielt die Attrappe (eigentlich Schlinge oder Falle) auf eine Täuschung oder neckische Jrresührung ab, sie soll etwas anderes darstellen, als das, wofür sie hergestellt ist, sie ist eine scherzhafte Hülle pder Hülse für irgendein kleines Geschenk und fällt geschäftlich streng genommen unter den Begriff der Verpackung', odzr ,Auj

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machung.- Je mehr sie ihre eigentliche Bestimmung zu verstecken weiß und je täuschender sie irgend einen Gegenstand, der zu diesem in gar keiner VeZiehung steht, nachahmt, desto vollkommener ist sie und desto glücklicher ersüllt sie ihren Zweck. Bekannt sind seit lange schon jene aus Papiermasse hergestellten Weißbrötchen, Holzschuhe, Kohlköpfe, Wurstzipfel oder gar Stiefelknechte, die auf den ersten Anblick durchaus das zu sein scheinen, was sie darstellen, und sich erst bn näherer Untersuchung als allerliebst gearbeitete Verstecke für kleine Ueberraschungen der mannigfachsten Art entpuppen, für Handschuhe, Taschentücher oder, was wohl am häufigsten der Fall, für Chokolade und Bonbons oder andere ähn liche süße Gaben. Man kann wohl sagen, daß die Chokolade- und Vonbonsfabrikation, , beziehungsweise der große Ausschwung dieses Zweiges der deutschen Gewerbethätigkeit die freilich schon früher vorhandene Attrappe recht eigentlich großgezogen und dem Höhepünkt ihrer Entwickelung zugeführt hat. Die Sonneberger Attrappen unterscheiden sich etwas von den bisher in's Auge gefaßten. Es gibt da eine überaus große Menge von Thier- und sonstigen Gestalten, so den Weihnachtsmann, den Esel mit Sack und Tragkörben, und einen kleinen Aufbau, den Engel der Christmette darstellend, wie er in höchst malerischer, schneebedeckter Kirchenruine das fröhliche Fest des

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Lichterglanzes und der Kinderfreude einläutet. Das alles muthet an wie fein und sauber gearbeitetes Spielzeug oder wie kleine zum Zimmerschmuck bestimmte Kunstfigürchen. Ein recht drolliger Humor spricht aus einzelnen der Sachen und Sächelchen; allerliebst ist der als Gigerl einherstolzierende rothbackige kleine Knirps, nicht minder sind es der Hase und die Häsinnen im Sonntagsputz oder der plumpe, aus 1)er Eierschale schlüpfende Elephant mit kunstgerecht an den Mund gelegter Flasche und der kleine Clown, der die Eierschale gleichsam als Aschenbecher oder BehäUer für Nippsachen darbietet. Große Anmuth zeichnet die Kindergestalten ans. Den höchsten Rang beHäupten indeß die mit größter Naturtreue wiedergegebenen Thierfiguren, Schwein, Katze, Hase,, Kaninchen, Hahn und Henne, sowie die mannigfachsten Vertreter der kleinen gefiederten Welt. Es ist in der That nicht zu viel, wenn man hier von kleinen plastischen Kunstwerken spricht; jeder Zug ist der Nawr abgelauscht, jeder für die betreffende Thierart charakteristisch und mit künstlerischem Verständnisse und Geschick zur Anschauung gebracht. Man könnte die Mehrzahl der Thiergestalten beinahe für Modelle halten, die dazu bestimmt seien, etwa vorhandene Lücken in Naturaliensammlungen aus zufüllen. Und doch haben wir es bei allen diesen Sachen, bei den Thierfiguren wie bei den sonstigen ernsten und scherzhaftenDarstellungen lediglich mit kunstreich ausgestalteten Hüllen und '.H r . , rzr - Hülsen zu thun wenn man will, mit Schachteln und Düten, deren höchst profane Bestimmung ist, mit Chokolade, verzuckerten Früchten und sonstigen Conditoreierzeugnissen angefüllt zu werden oder irgend eine kleine Gabe zu verstecken. . Die Leser dürfte es interessiren, zu erfahren, wie alle diese interessanten Sachen und Sächelchen, die mit so gefälligem Aeußeren an uns herantreten, hergestellt werden. Der Hauptsache nach bestehen sie, w ein großer Theil aller Spielwaaren, aus Papiermachö, das heißt aus einer Masse, die sich aus Mehl, Leim, Sande.'de und Papierabfällen zusammensetze Diese MajZ'e wird in angefeuchtetem Zustande in Formm gedrückt, dann getrocknet, angestrichen und bemalt, um sllr den Handel fertiggestellt zu werden. Daö Malen ist dabei die Hauptfache, denn wenn schon das aus der Form kommende Gebilde den eigentlichen Artikel darstellt, kann das Natürliche und Lebendige doch erst durch die Art und Weise, wie die Farbe aufgetragen wird, hervorgebracht werden, und dies ist es gerade, was die Attrapen auf unseren Bildern auszeichnet. Außer Papiermache werden noch Wachs. Zeugstosfe und Holz bei der Herstellung der verschiedenen Figuren verwandt, auch dürfte noch hervorgehoben werden, baß nur Handarbeit dabei in Betracht kommt. Zarter Wink. Gatte: Martha, eben lese ich in der Zeitung, daß es 800 Arten giebt. Kartoffeln zu kochen. Möchtest Du nicht eine davon lernen?" Sammelwuth. Bekannter: .WaS, Sie wollen schon wieder 10 Mark von mir?" Studiosuö: Ja, sthen Sie. ich bin halt ein enragirter Markensammler!"

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Cyriflxost im Gcöirge. Jo. wann die Stadtherrn in Summer da heroben so a Vergl auffi- und abikraxeln, da meinen's, fe hätten Wunders wia a Strapazen hinter sich! Nix is 's! Goarnix! Z'r Winterzeit, wann der Schnee a paar Schuh hoch liegt ja - da da!" So raisonnirte der Postbote droben beim Heriklammwirth, als ihn ein paar Touristen über den Postdienst in den Bergen befragten. Ja unten im Preuß'schen, da is der Dienst leicht, höchschtens Stiegen zu klettern. Da soll so a Stadtbriefbot aber amal um de Christkindzeit a Hucken Packete nach der Grieswandalm auffibuckeln, wann er net weiß, wieviel vom Weg er Schnee und wieviel Stein er unter de Haxen hat ja gesegnete Mahlzeit, meine Herren, da würd' er sich bedanken!" Wer den alten Greinzer, den Briefe! - Greinzer", kannte, der wußte, daß er jeht gut gelaunt sei, denn dann kauderwelschte er gewöhnlich den Stadtherren gegenüber seinen Dialekt mit einem geschraubten Hochdeutsch durchanand". Aber er hat so Unrecht nicht, der Alte. Der Post, dienst in den Städten, die Leistungen der Landbriefträger sind das reine Kinderspiel gegen die Mühseligkeiten der Postbestellung im Gebirge. Schon im Sommer umlauern den Boten hundert Gefahren. Wann i amoal a Geldbestellung hab", meinte der Greinzer, und steig' über die Klamm, wo's weit und breit keines Menschen Seele nicht giebt, da trag' i mei altes Pistol'n g'spannt in der Faust man kann net wissen " dabei sank seine Stimme zu einem geheimnißvollen Flüstern, man kann net wissen, die Wildschützen da herum sein net de besten Brüder, und wer auf'n Förschtner anlegt, der schanirt sich z'letzt a net, wann 'r 'n Postboten vor d'r Vix hat. Trau, schau, wem!" Der Vriesei - Greinzer" mag wohl ein bischen zu furchtsam sein, aber möglich wär's schon daß iraend ein verkommenes

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GefahrvolleFahrt. Subjekt sein Auge auf den Postbeutel wirft, ob nicht Geld darin ist. Das sind jedoch ganz außergewöhnliche Gefahren. Viel eher droht dem Postboten Unfall, wenn er im schwanken Kahn über den Bergsee rudert und es überfällt ihn ein Unwetter, oder wenn er im Winter den schwindelnden Steg, der sich mit seiner Schneelage wie ein weißes 'Band an der Felswand hinzieht, zu Passiren hat. Kaum findet er soviel Platz, um den Fuß zu stellen, und jeder Schritt kann ihm den Tod bringen. Auch wenn er im Hörnerschütten über den Berg abisaust" und ein Schneesturm überfällt ihn weitab von der nächsten menschlichen Wohnung, mag er wohl zittern, wenn er Weib und Kind daheim hat. Mancher ist schon nach so einem Schneesturm nimmer heimgekommen, und erst im Frühjahr fanden sie, wenn der Schnee thaute, seinen Leichnam, der mit den erstorbenen Händen die Posttasche noch fest umklammert hielt ein Wahrzeichen der Pflicht bis in den Tod"; Manchen hat der Sturm herabgeweht in die Schlucht, Manchen eine Lawine begraben. Dort auf dem Bilde steht der Vorposten der Cultur" am Marterl und schaut es in Gedanken an, in Gedanken an seinen Vorgänger im Amt, der hier abig'stürzt ist! Ob ihm etwa vom Schicksal ein gleich schreckliches Loos bestimmt ist?! Ein Auf schwindelndem Pfad. stilles Gebet steigt in seinem Herzen auf die Leute im Gebirg sind mehr gottesfürchtig, als die drunten hat er doch ein altes Muttel, ein Weib und vier Kinder zu ernähren. Was sollten die wohl mit der kargen Pension beginnen, die ihnen für diesen schlimmen Fall in Aussicht stände. Und heute ist Weihnacht! Der in einsamer Almhütte hausende Bergbewohner weiß die Dienste des Postboten, der durch Sturm und fuß hohen Schnee zu ihm dringt, zu fchätzen. Das giebt amal a G'freud", wenn der die Weihnachtskiste bringt. D' Leut wissen, wia gar sauer es Einem wird mit so einer Bestellung manchmal, un darum verstehen sie Unsereins zu schätzen. Na un wann i amoal den Amorl. oder wias'n heitzen, den tedesvrlesbot, machen thu, da da jo meine Herren, ein alter Beamter, als wie ich, weiß das Amtsgeheimniß z'woahr'n. I red' nix!" Aber der Briefbote ist auch im Vorbeigehen gern gesehen, wann er a nur auf a Sprung! einikehrt", um sich zu wärmen. Ist's doch der einzige Mensch, der seit Wochen eingekehrt ist. Schnell a Kirschgeist zum Magenderwärmen und dann

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Der Briefbote war da. a Maßl Bier, wann's da ist. Und welcher bayerische Bauer hätte nicht a Maßl Bier im Haus! Dann a Geplausch, wia's drunten" aussieht, wia der Winter gar so hart ist, und es gar nicht Frühjahr werden will zuletzt ein B'hüat di Go!t!" und der Poflb.te geht seines Weges weiter. Weiter durch Schnee und Eis, über Gletscher und schwindelnde Abgründe, überall ein gern gesehener Gast. Russische Brautwahl. Zu jenen Ländern Europa's, in denen sich uralte Sitten und Gebräuche bis auf den heutigen Tag erhalten haben, gehört in erster Reihe Rußland. Auf den Dörfern im Inneren Rußlands herrscht um die Weihnachtszeit eine alte Sitte, deren Folgen oftmals für zwei Menschenleben verhängnißvoll geworden sind, sei es zur Freude oder zum Leid. Gewöhnlich kündet einer der angesehensten Bauern im Orte an, daß die Festlichkeit bei ihm abgehalten werden wird, und eiligst begeben sich dann alle jungen Männer aus der Umgegend in das gastliche Haus. Ihnen folgen in geziemender Langsamkeit, aber nicht weniger eifrig die Dorfschönen. Es wird getanzt und gesungen, Spiele werden veranstaltet und Räthsel gerathen alles dies ist aber nur das Vorspiel zu dem großen Ereigniß, wo der Zufall zum Handlanger der Liebe gemacht wird. Wenn die richtige Stunde gekommen ist. giebt die Wirthin einZeichen und zieht stch dann, begleitet von sämmtlichen jungen Mädchen, in ein anderes Zimmer zurück. Dort setzen sie sich auf lange Bänke, und die Hausfrau umhüllt jede mit breiten Stoffstreifen. So fest werden die Mädchen eingewickelt, daß ihre Haare und Gesichtszüge vollständig unsichtbar sind, dann folgen Hals, Schultern und Arme und die ganze Figur, bis die Gestalt mehr einem großen Wickelkind als einem erwachsenen Menschen gleicht. Dies sind die Vorbereitungen. Die Handlung spielt sich ab, wenn die jungen Männer, einer nach dem andern, wie es vorher durch das Loos bestimmt wird, in das Zimmer treten. Jeder Einzelne nähert sich der Reihe von verschleierten Schönen und sieht sie prüfend an. Augen und Ohren nutzen nichts, nur die Berührung kann helfen. Das Auge de5 verwirrten Verehrers sucht durch die verhüllenden Falten hindurchzudrinaen, um die Persönlichkeit seines Ideals ausfindig zu machen, und wenn er endlich seine Wahl getroffen hat, erhält er das Vorrecht, die umwickelnden Tücher loszulösen und sich von der Identität seiner Erwählten zu überzeugen. Und jetzt kommt der große Moment der Moment des Entzückens oder der Verzweiflung, wenn sich Seele zu Seele in einem Liebesblick findet, oder wenn die Enttäuschung aus dem unterdrückten Seufzer und dem gesenkten Auge spricht. Die Sitte erhe'.scht, daß sich die so zusammengefundenen Paare mit einander vermählen, und wenn dies einem der beiden Betheiligten nicht recht ist. hat er eine schwere Geldbuße zu zahlen. Aus dieser Lotterie sollen ebensoviel glückliche Ehen hervorgehen wie aus anderen Heirathen, denen eine lange Werbung vorangegangen ist. Bor der Bcschccrung. Weihuachtögchcimmssc. u n b e st l m m t. Richter: Welchen Werth hatte der Anzug, der Ihnen gestohlen worden ist?" Zeuge (Kleiderhändler, achselzuckend): Was weiß ich, vielleicht hätt' ich zehn Dol lars dafür gekriegt, vielleicht zwanzig, vielleicht soaar dreißig!-

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D.c Rettung. Humoreske von Marie Schwarz. Herr Pechmann hat nicht bloß diefen ominösen Namen, sondern auch das unselige Talent mit in die Wiege bekommen, überall lauter Unheil zu wittern und bei allem gleich an oas Schlimmste zu denken. Bei jeder Jheatervorstellung fällt ihm eine Pauik, bei jeder Trauung die Schwiegermatter und bei jeder Landpartie sofort die Möglichkeit eines Wolkenbruchcs ein. Wird auf dem Marktplatz eine Menage rie aufgestellt, so gewinnt es alsbald die Ueberzeugung, daß der Lömenkäfig schadhaft und daher die Erwürgung zahlreicher Mitbürger durch das Unthier nur eine Frage der Zeit sei. Bei jedem aufgespannten Sonnenschirm sieht er schon im Geiste ein paar Augen, die derselbe einrennen müsse, und selbst der Geldbriesträger erfüllt ihn um deswillen mit lebhaftem Schauder, , weil er sich denselben nicht gut anders, als von räuberischen Burschen in einem Hinterhalt überfallen, ausgeplündert, zerstückelt und eingepökelt vorstellen kann. Bor kurzem kaufte er einem Knaben, der mit seinem etwas weit angelegten Munde eine ZehnpsennigHarmonika bearbeitete, dieses Jnftrument nur aus Besorgniß, daß es dem Jungen in den Schlund gerathen könnte, um sünszig Pfennig ab und war mehrere Tage untröstlich, als er bald darauf außer dem vermeintlich Geretteten auch dessen vier Brüder mit solchen Unglücksinstrumenten bewaffnet sah. Bei solchen Charaktereigenschaften kann es wohl auch niemand wundern, daß Herr Pechmann, als er unlängst in den Anlagen am Kanal spazieren ging und hierbei in ziemlicher Entfernung vor sich eine Dame dicht an dem steil abfallenden Ufer schreiten sah, sofort ein unseliges Verhängniß ahnte, auf Grund dessen hier im Dunkel des Waldes sich ein einzig und allein von ihm noch zu verhinderndes, entsetzliches Ereigniß zutragen sollte. Sein Argwohn wuchs von Sekunde zu Sekunde, je länger er das Treiben der Undekann ten beobachtete. Wann war überhaupt nur jemals ein Frauenzimmer unter normalen Umstünden so haarscharf am Rande des schroff absinkenden Dammes gegangen? Und nicht allein das! Sie blieb alle Augenblicke stehen und sah während Pcchmann rasch hinter einem Baume Deckung suchte bald scheu nach rückwärts, bald starr mit unverkennbarem Verlangen in daß Waffer hinab. Himmel, wenn ste sich plötzlich hin einstürzte! . Und er konnte nur mäßig schwimmen; zudem kein Mensch weit und breit! Da da kein Zweifel mehr! sie ging wieder ein paar Schritte dann hielt sie an und nahm nun unter hrem Mantel ein dunkles Etwas her vor. das man bis jetzt hatte nicht schen können. Auch jetzt konnte Pechmann nicht unterscheiden, was es war. aber so viel wußte er gewiß: Entweder war's ein Stein mit dem sie im cnt scheidenden Moment ihr Körpergewicht behufs leichtern Untersinkens erhöhen wollte, oder es war ihn schüttelte es ordentlich bei dem Gedanken ein Geheimniß, das sie mit sich in die Tiefe nehmen wollte. Ha! Und nun schien sie die geeignete Stelle gefunden zu haben. Noch einmal spähte sie vorsichtig nach rückwärts, dann stieg sie. das unerkannte Ding vor sich hcrtragend, rasch die Stufen hinunter, die' dort Pech mann sah sie nicht, aber er kannte die Stelle an das 5Zanalbctt führten. Nur noch einen Moment zögerte er, dann besann er sich seiner MenschenPflicht und rannte mit mächtigem alt! Ha alt!"-Rufcn 'der Unglücksstätte so rasch entgegen, als es sein schwerer Korpus und seine kurzen dicken Beine gestatteten. Und dem Himmel sei Dank, er kam noch nicht zu spät! Zwar stand sie bereits dicht am Wasser und beugte sich über daffelbe, aber er riß sie, nachdem er auf den ersten Fehlgriff allerdings nur ihren Hut und öhignon erwischt und losgelöst hatte, auf den zweiten Versuch glücklich zurück und rief nun, während er sich bemühte, sie das Treppchen herauszuzerren, mit slehcndcr Stimme: Bitt' schön! Bitt' schön! Das dürfen Sie nicht thun! Ich geb's nicht zu. schon weil ich Mitglied des Thierschutzvereins bin! TaS geht nicht! Aber warum denn nicht?" ächzte jetzt die Dame empört und suchte sich mit der einen Hand, die sie scheinbar nur frei hatte, von ihm loszumachen. Warum nicht?" rief er entsetzt und zerrte mit doppelter Heftigkeit, an ihr. Wclch' unmoralische, frevelhafte ZZrage! Unglückselige, wie konnten Sie so tief sinken! (5s ist ja ganz unfaßbar!" Laffen Sie mich in Ruhe!" schrie die Dame. Nur ein Verrückter kann einen solchen Skandal aufführen wegen etwas so Alltäglichem!" ' Alltäglich!" stöhnte Pechmann und packte sie mit beiden Händen. Gerechter Himmel! Das nennen Sie alltäglich! Sie gehören ja ins Irrenhaus oder wenigstens unter Polizeiaufsicht! Aber ich bcdaure Sie zu sehr, um Ihnen ernstlich zu zürnen! Jedenfalls haben unglückliche Verhältniffe. . . " Gehen Siewcg!" schnaubtedieDame, .ich habe keine Verhältniffe." Meine Beste", suchte er sie, immer an ihr zerrend und ziehend, zu besänfti gen, ich meine ja nur, vielleicht hat Sie die Noth zu dem unseligen Schritt getrieben seien Sie offen gegen mich, ich helfe Ihnen ja gerne!" Nun wird's mir zu dumm" rief sie und riß sich los. Ich brauche keine Hilfe ich kann meinen Mops allein baden!" Dabei drehte sie sich rasch herum und hielt ihm das kläffende, triefende Geschöpf in'S Gesicht, das ihn sofort in die Nase kniff und ihm dann, frei gegeben, an die Waden sprang. Wa wa was?" stotterte Pech.

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Meerwunder an, Sie wollten nur und ich meinte, . Sie gingen in's Was ser!" ' ; ,. . Nun mußte die Dame trotz aller Entrüstung lachen und sie lachte noch immer forr, als der komische Lebensret ter längst in schleuniger Flucht aus ihren Augen entschwunden war. Uebrigcns das soll am Schluß dieser Schilderung zu Pechmanns Ehre nicht verschwiegen werden er hatte damals, doch vollkommen recht, als er mit dzi Dame am Kanal Unheil ahnte; denn nicht lange nachher hat sie zur Sühne des ihm von ihr gcwördm.'N Lei des ihn geheirathet!

Vom Himmel hoch Der Lärm der Straße ist ttz stummt, selten nur dringt der hallende Schritt eines eiligen Wanderers an das -Ohr des einsamen Weibes, das im Dunkel der kalten Dachwohnung am Krankenbette des einzigen Kindes wacht. Heute ist ja Weihnachtsabend, droben, in den Wohnungen glücklicher Menschen, in den Palästen der Reichen und in den Kämmerlein der kleinen Leute herrscht ein geschäftiges Treiben, der Vater ist früher als sonst vorn Tagewerk nach Hause gekommen, die Mutter hat im letzten Augenblick noch dies und jenes zu besorgen, und die Kinder wissen sich vor Ungeduld und Vorfreude kaum noch zu fassen. Und wenn die Klingel dann ertönt, wenn. die Thüren sich aufthun und. der jubelnden, drängenden Schaar Tannenduft und Kerzenschimmer entgegenstromen, dann weicht auch der letzte Schatten der Sore vom Antlitze der Eltern, sie stimmen m die Lust der Kleinen ein und werden mit den Kindern wieder Kinder. Was wollen alle Sorgen des Lebens bedeuten, wenn die Kinder nur glücklich stnd, glücklich und gesund! Auch das einsame junge Weib in der Wohnung unter dem Dache hat bessere Tage gesehen, Tage, wo liebende Eltern für sie sorgten, Tage, wo ein rüstiger Mann den bescheidenen aber sicheren Verdienst in ihre Hand legte. Aber die glückliche Zeit währte nur kurz; seit einem halben Jahre ruht der Gatte draußen auf dem Friedhofe. Nun muß sie mit kärglich bezahlter Arbeit sich und ihr Kind erhalten. Und sie würde es freudig und ohne Murren thun, wenn der Kleine nur gesund wäre! Wenn sie spät Abends von der Arbeit kommt, eilt sie klopfenden Herzens die steile Stiege hinauf, denn wer weiß, ob sie das letzte, was ihr auf dieser Erde geblieben ist, noch am Leben trifft? In dieser Nacht soll die Krisis eintreten, hat heute früh der Armenarzt zur Nachbarin gesagt, die sich theilnehmend erboten hatte, von Zeit zu Zeit nach dem Kinde zu sehen. Nun sitzt die junge Wittwe am dürftigen Lager des fiebernden Kleinen und harrt des Augenblicks, der über Leben, und Tod entscheiden wird. Da tönt vom nahen Thurme festliches Glockengeläute die heilige Nacht, die der Welt den Heiland bescheerte, ist angebrochen. Vor den Augen des armen Weibes ziehen die Bilder glücklicherer Weihnachtsabende vorüber. Sie denkt des strahlenden Lichterbaumes ihrer Jugend; die längst vergessenen kindlich - frommen Mähren: vom Christkind und Knecht Rupprecht: fallen ihr wieder ein, und in ihrern Ohre erklingt leise die alte schöne Melodie des Weihnackitsliedes. Sie sieht sich selbst als Kind im festlich geschmückten Kämmerlein ihrer Eltern sie sieht ihre Geschwister und Schul freundinnen, denen sie glückstrahlendihre bescheidenen Geschenke gezeigt. Und dann sieht sie sich an einem anderen Christabend vor dem Weihnachtsbäumchen Hand in Hand mit dem Manne stehen, dem sie als. schönstes Angebinde ihr Herz geschenkt. Thranen erleichtern ihre Brust, und von der Arbeit und Sorge der letzten Tage übermüdet, schlummert sie ein. Da. streicbelt eine kleine abgezehrte Hand, ihre Wange, und wie sie aufwacht, sieht sie ihren Liebling, der tagelang in apathischem Halbschlummer gelegen, aufrecht im Vettchen sitzen. Mutter sagt er, während du schliefest, ist das Christkind hiergewesen, es trug ein weißes Kleid und hat mir einen Lichterbaum gezeigt, so schön, wie ihn nur die Engel aufputzen können!" Die junge Mutter wirft sich jubelnd' über das ärmliche Lager des Kindes. Diesmal hat ihr der heilige Christ, mehr bescheert, als er den Reichsten und Glücklichsten nur bringen kann: er hat ihr den Liebling wiedergeschenkt, den sie schon verloren glaubte! Unbewußte Wortspielerer. Geh'n S'. was steh'n S'. was liegt' Ihnen d'ran, setzen Sie sich!" Eigenartiger Stand Punkt. Frau (zum Dienstmädchen das weinend nachHause kommt): Aber Anna, was ist Ihnen denn geschehen?Dienstmädchen: Mein Fritz ist boS geworden und hat mir eine Ohrfeige gegeben." Frau: Schon wieder! Es gibt doch noch genug gute Männer, aber Sie wollen durchaus diesen gemeinen Menschen heirathen.. Oö je mein Mann, etwas AehnlicheZ wagen Würde?" Dienstmädchen: .Ja, der gnädige Herr wohl nicht; aber so einen kalket en Mann möcht' ich halt doch auch

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