Indiana Tribüne, Volume 21, Number 98, Indianapolis, Marion County, 26 December 1897 — Page 2
WÄnaötm. Die flocken rieseln weit und' breit, Das weite Land liegt übeischneit In Dämmernacht; Kein Leben rings umher sich regt. Des Dunkels nächt'ger Fittich trägt Die Erde sacht. Da durch's Gewölk mit einemmal Bricht eines Sternes lichter Strahl Auö dunkler HÄH'; Ein Glöcklnn fern klingt hell und rein. Weihncchicn kehrt auf Erden ein Weit Ktäszt der Schnee.
Acllergcsäyrlich. Ein Veihnachts-Erlebniß in den türZifchrn CeOässern, von Christian Benkarl Boot ahoi!" .Passirt!" schallt's zurück, und der Posten auf der Minerva", der das fremde Boot angerufen, raisonnirt in die dunkle Decembernacht hinaus: Brauchen ja nicht so dicht hier vorüber zu kommen, wenn sie nicht $l unZ m Bord wollen." Wieder hört man Ruderschläge. Der Posten lauscht und ruft: Boot ahoi!" Minerva!" Diese Antwort meldet die Rückkehr des Commandanten, die Fallreepsgaste nehmen die Gig in Empfang, bei wachthabendeOfficier begrüßt den Capitän an Deck, worauf dieser in seine Kajüte hinuntergeht und seinen Adjutanten rufen läßt. Habe nicht viel Neues erfahren." redete er den Lieutenant an. Die Türken schlagen sich mit den Russen im Balkan herum, in den Hafenplätzen ist's ruhig und so werden wir wohl hier in Smyrna ungestört Weihnachten feiern können." Der Adjutant will gehen, aber der Capitän ist gut aufgelegt und plaudert noch ein Weilchen von der bevorstehenden Weihnachtsfeier und von den "GO Tannenbäumchen, die er für seineMannschaft von Triest verschrieben hat. Dann sagt er plötzlich wie von ungefähr: .Habe da in der Franken-
MÄWM jpgpi
I siraße. einen Papierladen ausfindig gemorl Vnrt nTI YnYt'h (Hnr&rt ml ffr
utuut, ivv uuhvuuv wuuuf g .u.vvu such, buntes Papier. Flittergold. Wachslichter und dergleichen. Der Zahlmeister soll dort" den nöthigen Baumschmuck einkaufen. Vielleicht sehen Sie sich morgen einmal dir Sachen cn, die ich ausgesucht habe. Frankenstraße 64, der Kaufmann ist Oesterreicher und hat 'ne ganz hübsche Tochter. ,Voot ahoi!" ruft's oben an Deck. -.Ja, ja!" Ich höre, Ihre Kameraden kmnnun zurück," bemerkt der Commandant und entläßt den Lieutenant, tr nach der Offieiersmesse geht, um die an Bord Kommenden zu begrüßen. Schon auf der Treppe rufen sie ihm entgegen: mJst Er" schon an Bord? Hat Er etwas gesagt?" Daß Er in den Schwenderschen Laden gerieth und den Papierengel kennen lernte, hat er gesagt." Stimmt, und wir haben ihn ans dem Paradies vertrieben. Vollkommen ahnungslos natürlich. Um nach d:m Kaffee und vor dem Bier nicht eines langweiligen Todes zu sterben, flaniren wir über die Marina- und die Frankenstraße, da macht sich plötzlich ein großer Bleifedermangel fühlbar und sofort nehmen ton Kurs nach Schwenker. Mit vollen Segeln laufen wir ein, da steht Er am Ladentisch und laßt sich Wachslichter zeigen. AIS die Bude voll ist. wird's ihm unbehaglich rmd schleunigst geht Er Anker auf. Eulalie, die ihm das Geleite gab, riß die Ladenthüre auf, daß die irandrolhen Locken im Zugwind flatterten wie 'ne Türlenflagae. Dann bediente sie uns. sprach daitsch" und " Na, spotten Sie man!" wirft em Anderer ein. Sie sind doch bekanniennaßen am allergründlichsten in den Papierengel verkeilt." Bevor die Antwort erfolgt, ruft'S abermals: Boot ahoi!" Nein, nein!" Dieses Nein, nein!" meldet die beurlaubten Mannschaften, die auf dem Oberdeck gemustert werden, um dann ihre Hängematten zu holen und in die Luken zn verschwinden. Trotzdem längst Ruhe im Schiff" commandirt ist, unterhalten sich die Kojennachbarn noch lange im Flüsterton und der Gesprächsstoff ist überall derselbe, wenn nicht gar der Wortlaut: Mag Eener seggen, wat he will, dat Zs 'n verdammt smucke Deern." De Papierdeern? Dat will ick meenen! Uns' Officiers hebbt dat ja ook all utfunnen." Keen Wunner! As wie awerst hüt Mend in den Laden rinkamen fund, hebbt de Herren sick schleunigst dunn rnakt." Ja, se dachten woll, dat Schonthauen paßt sick nich, wenn wi dabie sünd." Ruhe im Schisf!" donnert der Feuerwerker dazwischen, der die Bat terie nocö einmal abstreitet und dann eine. Kammer aufsucht. Such tx iß I
an Land gewesen beim Papierengel, aber er spricht nicht davon. Nur ein Stoßseufzer entringt sich seiner Brust, während er zur Ruhe geht; in sein vierzigjähriges Feuerwerterherz ist ein Funke gefallen und der darin lagernde Zündstoff brennt lichterloh. ' Ob Eulalie ihn wiederliebt? Ob ihr Herz ebenso glüht, wie ihrer Locken Gold? O. sie wird von soVielen 'umschwärmt, aber nur er meint es ebrlich mit ihr und sein soll und muß sie werden! Am folgenden Tage ist kein Dienst und dennoch herrscht eine fieberhafte Thätigkeit. Schon in aller Frühe kommt der Postdampfer mit den Weihnachtsbäumen an, der Zahlmeister macht in der Frankenstraße 64 namhafteEinkäufe und am jenseitigen Ufer der Bucht wird von den Barkaßmannschaften Grünes zur Ausschmückung des Festraumes requirirt". Immergrüne Oleandersträuche wachsen dort wild und die Blüthen und Früchte zugleich tragenden Orangenbäume sind, wenn nicht herrenlos, so doch deutsches Eigenthum, en das die Marinemann schaften ein gewisses Beschützeranrecht zu haben glauben. Der Besitzer, ein patriotischer Kaufmann, hat ja sogar seine ganze diesjährige Wein- und Feigencrescenz freiwillig geopfert, indem er seine Gärten den Schiffscommandos als Schießplätze zur Verfügung stellte; mag er jetzt auch noch die Orangen darangeben, vielleicht fliegt ihm dann das ersehnte Ordensbändchen um so sicherer in's Knopsloch. An Bord werde? die Geschütze ausyerannt, die Kanonenpforten geschlossen und bei Laternenschein Guirlanden uiCo Kränze gewunden, mit denen die Batterie ausgeschmückt wird, wie ein Festsaal. Zwischen den Geschützen sitzen Matrosen und Heizer an ihren Tischen und verarbeiten das von der Firma Schwender gelieferte Glanzund Seidepapier zu Flaggen, Schiffen und Ankerkeiten. Es ist unbegreiflich, welch' zierliche Sächelchen die ungelenken Thcerfinsser herausbringenfelbst Transparente werden angefertigt, deren mehr oder weniger patriotische oder witzige Inschriften alle Beifall finden. Nur das Machwerk eines berüchtigten Cynikers empört männiglich; auf dem betreffenden Transparent sieht zu lesen: Roth? Haare und Erlenhecken Wachsen auf keinem guten Flecken." Es wird in tausend Stücke zerrissen und um ein Haar auch sein Schöpfer. Endlich ist Alles bereit. Die festtäglich gekleidete Mannschaft steht in der Prächtig geschmückten Batterie umher oder vor der Kombüse, wo aus mächtigen Kupferkesseln Braten- und Grogdüfte mporwirbeln. Vor der Commandantenkajüte ist aus Brettern und Flaggen eine Art Lesepult errichtet, rechts von ihm befinden sich die für die Officiere und deren Gäste bestimmten Plätze, im Hintergrunde soll die Musik Ausstellung nehmen. Auf den vielen Tischen an der Bordwand liegen unter den noch dunklen Weihnachtsbäumen allerlei kleine Geschenke bereit, Tabak und Pfeifen, Dreimännercigarren und rosenumranktes Postpapier für Neujahrswünsche und Liebesbriefe. O, ihr armen Seemannsschätze am Nord- und Ostseestrande! Ahnt ihr denn nicht, daß die blaujackige'n Schlingel euch allesammt über ein goldrothes Lockenhaupt vergessen und verrathen haben? Kein Weihnachtsbäum im Schiffe, an dem nicht wenig siens einmal der aus rothem GlanzpaPier ausgeschnittene Name Eulalia" prangt, keine Matrosengruppe, in der nicht von der Papierdeern" die Rede ist!
VT Draußen am Fallreep legen einige Civilboote an, gleich darauf erschallen langgezogene, feierliche Glockentöne; die Schiffsglocke, die sonst halbstllndlich die Uhrzeit verkündet oder in hast!gen Schlägen die Mannschaft zur Abwehr drohender Feuersgefahr alarmirt, ruft zur Kirche". Es wird aber kein eigentlicher Gottesdienst abgehalten, der erste Officier hat es übernommen. in schlichten, zu Herzen gehenden Worten der fernen Heimath zu gedenken, wo in dieser Stunde in jedem Hause die Weihnachtskerzen brennen und Tausende Derer gedenken, die. kaum von Salonik heimgekehrt, wieder in die türkischen Gewässer entsandt worden sind und bier auf dem einsamen Schiffe das Schönste aller Feste begehen.' 'Auf einen Wink des Redners werden an den Bäumchen und in den Transparenten die Lichter entzun det. die Musikkapelle fetzt ein und in kräftigen Akkorden .tönt aus vierhun dert Kehlen: O, du fröhliche, o, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!" Mit dem Liede endet auch die ernste Feier, und nun geht's lustig zu im Schiffe. Nachdem das Festmahl eingenommen, werden kleine Geschenke ausgetauscht, die engeren Landsleute und älteren Seefahrtsgenossen schaaren sich um die Lichterbäume und ein gewaltiges - Rauchen und Zechen be ginnt. Die Cigarren brennen wie Feuer auf den Zungen, der Grog Mt zu start von Wasser! zerrest
AVf .
S5iä n .' f'""''5r" 'A 'ir2 ,'-x;-'--.iv -H1 , - U ch?' lD?' i4yeti(,i:Jt h )vtt i ' ' ""'"" '-'"
Seilige Yacht.
schier die Kehlen, doch das befördert nur die Gemüthlichkeit. Man hört fast nur noch Seemannslatcin; um den Vorredner noch zu übertrumpfen, lügt John Maat, daß sich die Balken biegen Seeräubcrgeschichtcn? Kindereien! Da muß man schon mehr erlebt haben, wenn man mitreden will. So mußte Eine? mit seinem Schiff im Rothen Meere vor Anker gehen; als de? Anker wieder aufgewunken wurde, hing ein Rad vom Wagen des seligen Königs Pharao daran. Das ist noch nichts," erzählt sein Nachbar, sich in ein: mächtige Dampfwolke hüllend; in dem Taifun, den ich vor fünf Iahren auf eine: englischen Bark mitmachte, blies es so hart, daß unserem Steuermann, der einen Befehl geben wollte, alle Zähne glatt in den HalS geweht wurden; klopfte er sich nachher auf den Bauch, dann klapperte es darinnen, als ob man einen Sack Nüsse schüttelte Die Zuhörer widmen dem Erzähler einen stummen Hochachtungsschluck, und schon holt ein Anderer tief Athem, um den Trumpf zu stechen, als plötzlich die laute Unterhaltung in derBatterie verstummt. Alsbald aber geht wieder ein Gemurmel durch denRaum, man steht auf, verrenkt sich den Hals und traut seinen Augen nicht. Durch die Mittschiffsluke steigt 'nämlich an der Seite des Feuerwerkers eine weibliche Gestalt herab, ihr Haupt umschwebt eine Art Glorienschein, denn ihre Locken leuchten selbst durch den dicksten Tabaksqualm. Potz Blitz und Brahmstangen die Papierdeern!" Es ist wirklich Eulalia, tfe mit ihrem Vater, einer Einladung der Deckofficiere Folge leistend, in das schon recht weltliche Treiben als Weihnachtsengel hineinschwirrt. Sie erscheint für einen Engel fast ein bischen zu erwach, sen und von einer für ein junges Mädchen etwas überreichen Körperfülle; hier in der hellen Beleuchtung erkennt man auch die selbst im Winter nicht gänzlich erbleichenden Sommerfprossen, die ihr Antlitz zieren. Nase und Mund sind nicht eben edel geformt, doch man darf nicht allzu wählerisch sein in einem Lande, wo die .holde Weiblichkeit ihre Reize hinter dichten Schleiern verbergen muß oder zwischen düsteren HaremSmauern schmachtet, und daß er d:n Mangel einer erquicklichen Liebe" peinlich empfindet, daS bat jeder Matrose mit Goethe gemein. An Eulaliens blitzenden Augen fände übrigens felbst ein Weiberfeind nichts auszusetzen, ihr wunderbar üppiges qoldrotbes Haar aber ist geradezu feuergefährlich. Die Deckofficiere führen ihre Gäste durch die Batterie und dann in ihre Messe hinunter zur Weihnachtsbescheerung. Unterwegs wirft Eulalia einem ihr begegnenden Lieutenant einen koketten Blick zu, der in des Feuerwerkers Herz jäh die Flamme der Eifersucht entfacht. Auch mit dem blondbärtigen Maschinisten spricht sie mehr als nöthig, und was braucht sie so unbändig zu lachen, als der Bootsmann in seiner Niedertracht den grauenHaaren eine Grabrede halt, die College Feuerwerker" heute sorgfältig aus Haar und Bart gezwickt! ...
l-v- V'
. uj w r . I
TflNsspta 1
R'AAiAl kSfe 1 il vS M I V2 i M'''
Doch der Brave will sich nicht argern und spült den aufsteigcndenGroll energisch hinunter. Die von dem Bottelie? angesetzte Bowle ist auch weiß Gott nicht von Pappe, nach dem Genusse des sechsten Glases macht der alte Schwender mit allen Anwesenden Vrüdcrschaft, der Bootsmann streift im Laufe des Gesprächs wiederholt die Toilettenfraae der Südseeinsulanerinnen, mag ihn der Feuerwerker auch noch so kräftig mit dem Ellenbogen anstoßen. Jetzt erhebt sich der StabsWachtmeister zu einer schwungvollen Rede, da fliegt di: Thüre auf und als ein Don ex machina erscheint der erst: Officier auf der Schwelle. Vsotsmann!" T-tr Angerufene schnellt empor und sto im Bel'rebkn. über den Tisch zu volt'tire. nie Bowle um: zwei Serunden später steht er, der überschwemmten Festgenossen nicht achtend, vor seinem Vorgesetzten. Sie hören und sehen ja Wohl gar nichts hier unten," haucht der erste Ofsteter ihn un. Es ist eine steife Brise aufgesprungen, wir müssen Kette stecken. Und sofort die Fremden von Vord! Die übrigen Civilisten sind längst an Land und der Barometer fällt stetig; munter also!" Die Rede wirkt eigentlich mehr niederschmetternd als ermunternd, insbzsondere auch auf Eulalia, die für die bevorstehende Bootfahrt wenig Neigung zeigt. Doch sie sieht ein, hier auf dem Schiffe kann sie nicht bleiben. Es ist euch gar nicht mehr gemüthlich an Bord, in der Batterie, wo die Weibnachtslichter verlöscht sind, rasselt die Ankerkette, auf dem Oberdeck übertönen laute Commandorufe d;3 Geräusch hastiger Männerschritte. Hui! wie der Wind pfeift und an ihren rothen Locken zerrt. Die Pinnaß. der sie sich anvertrauen soll, tanzt wie eine Nußschale an der Schiffsseite auf und nieder, doch da hilft kein Sträuben, hinunter die schwankende Treppe und hinaus in das brausende Meer! Aufgepaßt, damit es kein Unglück gibt!" ruft noch der erste Officier dem BootZ. steuerer nach und die an Bord M:ib'nden älteren Matrosen murmeln besorgt: Wenn dat man goot geihU" Etwa eine Stunde darf unter den grg:b:nen VeihältnisskN ein Boot brauchen, um an Land und wieder zurückzufahren. Die Stunde vergeht, aber die Pinnaß laßt sich nicht sehen. In der Befürchtung, sie möge in der Dunkclheit die Richtung verloren haben, werden Laternen - Signale gkgebcn und Vlaufeuer abgebrannt umsonst. Dabei nimmt der Wind noch immer mehr zu. und obwohl er als ablandig keinen hohen Seegang bringt, kann das Boot abgetrieben sein, in's ägäische Meer hinaus. Das ist eine schlimme Nacht, die dem Weihnachtsabend folgt. An's Schlafengehen denkt Keiner, fo lange er die Pinnaß in Gefahr weiß, Ossiciere und Mannschaften stehen gruppenweise an der Verschanzung und starren in die Finsterniß hinaus. Fünfzehn Mann und zwei Civilpersonen sind in dem Boot eine schöne Weihnachtsbescheerung! Und Niemand kann helfen; es wäre sogar unverantwortlich, vor Tagwerden noch ein zweites Boot hinauszuschicken. Der Feuerwerker ist zwar anderer Meinung. Der Mann ist ganz außer Rand und Band und 'bittet beinahe fußfällig, das vermißte Boot suchen zu dürfen, ja er will es ganz allein wagen, wenn er die Dampfpinnaß nehmen darf. Ab:r das geht natürlich nicht an. und der Aermste muß sich gedulden wie die Andern, Stunde um Stunde, die ganze lange Nacht hindurch. Gegen Morgen flaut der Wind ab und kurz vor dem Beginn der Dämmerung steuert die Dampfpinnaß seewärts. Bange Blicke folgen ihr. doch als die Sonne aufgeht, wagt man wieder zu hoffen, und nicht mit Unrecht, denn plötzlich geht ein freudiges Sie kommen!" von Mund zu Mund. AlleZ eilt an die Reiling, und richtig, dort bringt die Dampfpinnaß die Verloren-
geglaubten angeschleppt. :ßie BootsMannschaft ist vollzählig, doch wo blieben die beiden Civilpersonen?
yi s - -X-rfL-
Der gänzlich erschöpfte, übernachtig dreinschauende Bootssteuerer steigt an Bord und meldet, daß er gestern Abend abgetrieben sei und Segel setzte, um sich wieder aufzukreuzen. Da brach ihm der Mast, es mußte wieder gerudert werden und nach Mitternacht gelang es, bei der Quarantaine-Station unterzukriechen" und die beiden geängstigten Passagiere zu landen. Die haben heute Nacht genug bekommen von der christlichen Seefahrt," meinte der Bootssteuerer. Wer die längsseit liegende Pinnaß betrachtet, glaubt ihm auf's Wort. Das Boot hat soviel Wasser gemacht, daß die Laufplanken schwimmen; der Vugmann fischt soeben einen DamenHandschuh heraus, ein Kopftuch und Vorn unter der Plicht schwimmt auch noch Etwas!" ruft der wachthabende Officier von der Commandobrücke aus dem Mann zu; sehen Sie einmal zu, was das ist." Der Feuerwerker hat die beiden vorhin geborgenen Reliquien in liebevolle Obhut genommen und schaut gespannt nach der dritten aus. Doch was ist denn das für ein wunderbares Ding, das der Vugmann da unten auf den Bootshaken fpießt und triumphirend hochhält? Ein seltsames Gewächs, eine Art Polyp könnte es sein; das ist's aber nicht, sondern donnernde Lachsalvcn durchtönen das Schiff der sturmzerzauste, seewasscrtriefende Skalp des Papierengels. Eulalia hat im Kampfe mit den Elementen Haare lassen müssen, und zwar alle! Wcihnachtssingcn in Luzcrn. Im Norden wie im Süden begegnen wir den bis in die ältesten Zeiten zurück zu verfolgenden Weihnachtsumgängen, die messt die ganze Adventszeit hindurch ausgeführt werden. Vielfach hat sich nicht nur in katholischen, sondern auch in protestantischen Ländern die Sitte erhalten, daß vom ersten Advent bis zum Dreikönigstage die unbemittelten Chor- und Schulknaben an bestimmten Tagen vor den Häusern geistliche Lieder singen, wovon diese ganze Zeit auch Singzeit" genannt wird. Zumal in Süddeutschland ziehen' in den Donnerstagsnächten vor Weihnachten, den heiligen Nächten", Erwachsene wie Kinder singend von HauS zu Haus. Man nennt di:s: Nächte Klöpfcls-" oder Knöpflinsnächte", in Schwaben auch ..An-klopfete-" odcr Bcselnächte" (Polter-, Larmnächtc), weil dabei mit Ruthen oder hölzern:n 5ämmcrchen an die Thüren geklo.f! wird; auch wirft man mit Erbten, Gerste oder Linsen geg:n die Fenster. Achr.Iiche, mit Gesang verbundene Umziige siad:n sich auch in der Scheel-, so zum Beispiel das sogenannt? !:ih:?achtsingen im Kanton Luzern. Auf dem Lande ziehen bort von Weihnachten bis Dreikönigen Snter Leitung des Schullehrers, der zugleich die Stelle des Organisten innehat, die Kirchensänger und Musiker, welche er zum Theil selbst aus seinen früheren Schulzöglingen herangebildet hat, von Gehöft zu Gehöft. Die Sänger bringen, von dem freilich nicht allzu zahlreichen Orchester begleitet, vor jedem Hause fröhlich: Weihnachtslieder zum Vortrag, die gewöhnlich in den Neujahrswunsch ausklingen: Wir kommen hier an. Zu wünschen euck an Ein gutes, glückselig Gesund und fröhlich Ein gutes Neujahr! Gott mache es wahr!!" m Dieser Gesang gilt als eine Ehrung für das betreffende Haus, und jedesmal werden Lehrer, Musiker und Sänger beschenkt und bewirthet, worauf sich dann meist eine höchst gemüthliche Geselligkeit mit Tanz und Jubel entwickelt. 1 Abgeführt. Ein tüchtigerArzt war er, der längst verstorbene Dr. F. in Tuttlingen, nur manchmal etwas derb. Das hat auch jene feine norddeutsche Dame erfahren, die ihn wegen ihres brustkranken Töchterchens zu Rathe zog. Leberthran ward als Heilmittel verordnet, und auf die Frage der Mutter, ob sie wohl auch stets ganz frischen Stoff bekommen werde, erhielt sie die klassischeAntwort: Ja, höretSe, moinet Sia denn, Wege Ihrem Mädle dhä' der Apotheker I. drübe alle vierzeh' Tag en Walfisch metzge?" -
MM ' WK jl'
Wcihnachtsgcliiut.
Süßer die Glocken nie klingen. Als zu der Weihnachtszeit; S'ist, als ob Engelein singen Wieder oon Frieden und Freud, Wie sie gesungen in seliger Nacht Glocken mtt heiligem Klang, Klinat noch die Erde entlana! Berirühte Ucberrachunz. Weihnachten. Weihnachten! Welch ein Meer von Glück und Seligkeit, welch eine Welt voll Liebe birgt dieses einen Wortes Klang! Gleich einer Freuden- und Friedensbotschaft tönt es alljährlich hinein in das Hasten und Jagen, den Kampf und Streit des Alltagslebens. Es läßt die Kinderaugen aufleuchten in glückseligem Entzücken erfüllter Wünsche; es schwellt die Herzen der Eltern in frohem Stolz und stiller Befriedigung, und es führt die Alten in der Erinnerung zurück in der Kindheit aoldene Tage, da auch sie mit einem Herzen voll froher Hoffnung, jauchzend unter dem leuchtenden Tannen bäum gestanden haben. Weihnachten! Sei uns gegrüßt, du Fest der mcnschgewordenen Gottes liebe, die mit dem strahlenden Stern von Bethlehem über der Menschheit aufgegangen, iencr Liebe, von der es im Hohenlieds heißt, daß sie auch viele Wasser nicht mögen auslöschen," jener Liebe, die nicht nur alle umfaßt, die unserem Herzen persönlich nahe stehen. sondern der es ein hefmnerstes Bedurs niß ist, wohlzuthun und mitzuthei len", und die mit dem Welterlöser zu den Armen und Elenden spriazt: Kommt her zu mir. alle, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken. Und wer auch nur ein Scherflein dazu beitragen kann, den Jammer und das Elend auf Erden zu lindern, wem er gelingt, mit sanfter Hand auch nur eine Thräne zu trocknen, auch nur ein Lächeln auf ein trauriges Menschen, antlik zu zaubern, auch nur ein Fünkchen Sonnenschein in ein verdüstertes Dasein zu gießen, der hat die Botschaft des Engels vernommen. Siehe, ich verkündige Euch große Freude! Wohl ihm! Denn nicht nur um ihn, i andern auch in ihm ist es Weih nachten geworden! - D c VJUicl Wie in Deutschland der Tannenbäum, so ist in England Stechpalme und Mistel liolly und mistletoe das charakteristische Zeichen des Christfestes und von England hat sich diese Sitte nach unserem Lande verpflanzt. Auf den Straßen bieten Händler die seltsamen, sparrigen, gabelartig getheilten Zweige mit den wie auö Leder gearbeiteten, zungenförmigen Blättern zum Verkauf an; man sieht sie in den Glasfenstern der Blumengeschäfte, und die eigenthümlichen Gebilde, deren gelbgrllne Färbung sich so frisch von dem dunklen Tannengrün abhebt, finden im Verein mit Christrosen nicht nur als Schmuck, sondern auch als Symbol des Weihnachtsfestes Verwendung. Zwar verdient die Mistel (Viscum album) nicht gerade diesen Vorzug; sie besitzt keine heilkräftigen Eigenschaften, kein ansehnliches Aeußere, weder schöne Blüthen noch würzigen Duft; sie ist sogar ein schädliches Schmarotzergewächs, das den Bäumen, die ihm Wohnung und Kost geben, Siechthum und Verderben bringt; aber Phantasie und Cultus, Dichtung und Sage, die bis in's fernfte Alterthum zurückführen, haben die Mistel mit einem eigenthümlichen Nimbus umwoben, der noch heute einen verklärenden Schimmer auf sie wirft, obwohl in unserer praktischen Zeit die Pflanze schon längst von der Landund Forstwirthschaft in Acht und Bann erklärt worden ist. Schon in grauer Vorzeit fand die Mistel Beachtung, und mancherlei geheimnißvolle Kräfte wurden' ihr zugefchrieben. Plinius erwähnt in feiner Naturgeschichte bereits mehrere Arten. Im höchsten Ansehen aber stand die Pflanze bei den Kelten, denen sie für ein heiliges Gewächs galt. Ihre eigenthllmliche, auffällige Erscheinung, ihre immer gleiche, gelbgrüne Belaubung, die auch der Kälte des Winters Trotz bietet, ihr räthselhaftes Wachsthum fern von der Erde auf den Gipfeln hochragender Bäume alles dies erfüllte die kindliche Phantasie uncivilisirter Völker mit Scheu und Ehrfurcht. Man wußte sich, ihr Vorkommen in der Höhe der Kronen auf fchwankendem Ast nur durch ein Wunder zu erklären und meinte, dieSamen seien vom Himmel gefallen ode? die Büsche von Göttern gepflanzt. Deshalb durfte die Mistel auch nicht den niedern, gemeinen Erdboden berühren, wenn sie für religiöse Zwecke gepflückt wurde. Die Priester nahten in feierlichem Zuge dem misteltragenden Baume; mit goldener Sichel schnitten sie die heilige Pflanze und fingen sie in weißm Tüchern auf. Während zwei bekränzte weiße Stiere geopfert wurden, richteten die Druiden Gebete an die Götter, das himmlische Geschenk zu segnen, damit eö Fruchtbarkeit verleihe und gegen Krankheit Md Zau.(eni schütze. 1
jn ijf&M fv
Auch in der altnordischen Götterlehre spielt die Mistel eine große Rolle. Valder. der lichtstrahlende Gott, den Götter und Menschen liebten, fiel durch einen Mistelzweig. Als er einst, durch böse Träume beunruhigt, nahes Unheil fürchtete, ließ die göttliche Frigga alle Wesen und Kräfte der Natur schwören, ihren Sohn zu schützen. Nur die Mistel, die östlich von Walhalla wuchs, überging sie, weil sie jung und ungefährlich fchien. Und der böse, heimtückischeLoki baute darauf seinen Plan; er reichte dem blinden Gott Hödur inen Pfeil aus dem Mistelzweig und richtete das Geschoß auf Balder, der entseelt zu Boden sank. Diese Mythe erklart, weshalo spat die Mistel als ein Werkzeug des Teu fels galt. Im Mittelalter fand sie bei Beschwörungen und Zauberformeln Verwendung und diente auch als Springwurzel und Wünschelruthe. Daneben erhielten sich Anklänge an den keltischen Glauben, zum Beispiel wenn die Mistel in Kräuterbüchern als HeilMittel gegen die Pest und andere Krankheiten gerühmt wurde; aber als Bedingung für ihre Wirksamkeit galt, daß sie nicht mit Händen gebrochen s:i und nickt den Erdboden berühre. er Holzkohle vlcidcndcr L2erth.
Naturgemäß ist die HclzZol.!e von der Steinkohle weit in de.i Hinterrund gewichen, waZ d'c allgemeine Verwendung anbelangt; und doch hat die Holzkohle innerhalb einer gewissen, sogar recht bedeutenden Sphäre einen Werth, den sie kaum jemals verlieren dürfte trotz aller modernenFortschritt?, und in dieser Sphäre mag sie sich diel länger behaupten, als di; mächtige Steinkohle in der ihrigen. Es dürft? nützlich sein, diese Lcd:utung d:r dcscheidcncn Holztohl: her!zorzuhcb:n, denn sie betrifft keineswegs nur ihre Verwendung in Fachkreisen! Unter Anderen wird Holzlchl: fü: ein vorzügliches Mittel ertlän. Eisschränke, Lagerräume und di: ahrungsstofse. die darin sind, in lzutem Zustand zu erhalten. In einem isschrank, thut ein flacher Behälter voll Holzkohle sehr gute Dienste zu diesem Zweck. Das "Aufstellen mehrerer (Schüsseln solcher Kchle wird für Milchstuben ud andere größereNäun:lichkeiten empfohlen, in denen Nahrungsmiitcl ausbewahrt werdin. Will man Schlacht - Geflügel oder JagdVögel einige Tage lang an einen kühlen Ort aufhäugcn.so thut man wohl daran, nicht nur die inneren Körperorgane herauszunehmen, sondern auch einen Theil des Körperraumes mit Holzkohle zu füllen; nebenbei mag man noch den Vogel außen mit fchwarzem Pfeffer cinreiben, um ihn gegen Fliegen noch wirksamer zu schützcn.und wenn man ihn dann schließlich in Papier wickelt und aufhängt, so kann man ziemlich sicher sein, daß dieses Geflügel gut aufgehoben ist, vorausgesetzt natürlich, daß es auch diebssicher ist. Ganz kleine Vögel, ferner Leber. Nieren, weetbrcads" u. s. W. Werden wohl am zweckmäßigsten aufbewahrt, wenn man sie in ParaffinPapier wickelt und dann in einem Bett Holzkohle begräbt. Unter den Stoffen, welche die Atmosphäre trocken und fönst in gutem Zustand erhalten, wird die Holzkohle stets einen hohen Nang einnehmen, und in vielen Beziehungen kann man dies besiätigt finden. Um besonders große Stücke Zfleisch und Geflügel auf längere Zeit aufzuheben, wird folgendes einfache Versahren empfohlen: Man fülle ein entsprechcnd großes Faß oder Ozhoft zur Hälfte mit Holzkohle; die Fleischstücke hänge man an 5)aken auf, die sich an einer aenügend starken Querstanae befinden.' welche über Pie Faß-Oesfnung gelegt wird. Ueber das Ganze breite man dann noch Netzwerk, und wenn die Angriffe von Ratten oder Mäusen zu fürchten sind, wähle man hierfür ein Drahtnetz. Auch frische Fische halten sich gut, wenn sie mit Salz gerieben, in Papier gewickelt und dann in einem Bett Holzkohle begraben werden. Selbstverständlich muß das HolzkohleLager in Kästen und Fässern von Zeit zu Zeit erneuert werden, und zwar mindestens einmal im Monat. Daß die Holzkohle auch für gewisse Heiz- und Kochzwecke noch keineswegs ihre Bedeutung überlebt hat, ist wohl guten Hausfrauen und Köchen zur Genüge bekannt, und man kann dafür auch alte Holzkohle verwenden, die schon in anderer Weise benutzt worden ist. Man braucht sie zu diesem Zweck nur einem Reinigungs - Verfahren zu unterwerfen, indem man sie sofort mit einigen brennenden Holzstückchcn in den Ofen bringt und sie brennen läßt, bis sie glühendroth ist, worauf alle Fenster geöffnet werden, müssen, damit die Gase abziehen können; darauf sperre man die Luft - Zugänge des Ofens ab, nehme auch die Deckel des Ofens weg und verlasse die 'Stube. Sobald dann die Holzkohle erkaltet, ist sie wieder vollkommen gebrauchsfäbiz geworden. Nicht Jedem mag dieses N,?skren bebaaen: aber es ist von Wichtigkeit an gar manchen Orten, wo es nicht leicht ist, sich jederzeit ein,".: genügenden Vorrath Holzkoyle yi schaffen! . .. ii Wasser, welches ourS' Bestandtheile verunrein' ' ' sehr gut von denselb' es durch Holzkobl wird; Vortheil'. i ü ; ';'!- .uic '": t sich indem 3 filtrirt auch, noch etwas Alaur : .iii.y.n. ' Wie man ji ". rat man Ursache genug, im. gewi ,, . -:n Haushalt den Werth der schl)-.:. Holzkohle nicht zu vergessen. 20 1 0 1 1 r i 2u n'nnst lauter Herren, di? : ,'"r auf unseren Hausball laden, h?:: :;üLcn ja beinahe noch keine Damen! .Ich werde doch sei nen Ball geben, daß Andere ihre Töchter loö werdet.
c .
'S
i
1 . ) . ' - -V
