Indiana Tribüne, Volume 21, Number 92, Indianapolis, Marion County, 19 December 1897 — Page 7
Suchspassen". Humoreske aus dem Jägerleben von Ludwig
Eanghofer. Ein altes Sprichwort behauptet, dabder Fuchs sterben müsse, wenn der 25alc; zu gelten beginnt. Zu dieser cntiquirten Weisheit schüttelt die Heuiigc.um ihre Hühner, Hasen und Fasanen besorgte Jägerei ganz energisch den Kopf und erklärt: der Fuchs muß immer sterben, ob sein Balg die paar mageren Kreuzer gilt oder werthlos ist. Und in der That, es erfreut" sich heute keine Wildgattung so mannigfa eher Jagdmethoden, wie gerade der Fuchs. Im Frühling just wenn er das Wort der Bibel befolgte: liebet einander und vermehret euch wird seine junge Brüt cuä dem Bau gegraden; im Sommer wird er mit dem Hasenruf überlistet, und nach jedem Gewitterregen lauert man ihm an tro ckeneu Waldpfaden auf. denn er ist, wie alle großen Verbrecher, ein eitler Patron, der seine Toilette nicht gerne dercmgirt und deshalb nasses Gras und kotige Stellen vermeidet; im Herbste wird er mit allen Hunden ge hetzi.man stellt ihm Fallen und Schlingen, legt ihm Angeln und bittere Pillen; ist er all diesen Gefahren listig entronnen, so überredet ihn bei stren gern Frost sein brennender Winterhunjzer, dem Wohlgeruch" eines durch den Schnee geschleiften Hasengescheides bis zum Kirrungsplatz zu folgen, wo ihn der Jäger bei mitternächtigem Mondschein mit gespanntem Hahn erwartet. Alle Jagd ist lustig, auch wenn st: gemenget ist mit Bitternissen" so behauptet der Zechte" Waidmann. Aber solch ein Fnchspassen" in der Nähe Si Äbelduftenden Leckerbissens" und bft Zwanzig Grad unter Null, das ist doch svohl ein Vergnügens das puv von .wenigen lit Begeisterung gz priesen N)ird. Allerdings, einen kenn' ich, dem das Fuchs passen über alles andere Waidwer! gett. Und hat dasür seine Zuten Gründe. Denn abgesehen davon, daß er .aus der Paß" weit über hundert Füchse erlegte, brachte ihm das Fuchsnassen in einer schönen Mondnacht aber ich will seiner denkwürd'en Geschichte die Pointe nicht vorwegnehmen. Auch seinen Ncmen muß ich verschweigen, denn er -sitzt noch heute uIs wohlbestalter Förster in einem Winkel dir Berge. Nehmen wir also an. er hätte mit Vornamen Franzl" geheißen .weit wird's nicht fehlen. Und damals vor etwa dreißig Jahn, als die Geschichte Jxtffkle, war .er noch ein blutjunger Forpgehilfe mit ein paar Jährchen über die zwanzig, ein musterhaft tllch tiger , Jäger, der nur Den einen'Fehler hatt?, idxifj er bis über die Ohren in das Schmucke Töchterlein seines Sörsters verliebt war. Nun sallzwar Liebe kein Verbrechen sein, aber für ei nenZäger ist ,sie ein böse Ding. Liebe macht blind, md wer mit blinden Augen , zielt, ischießt jede Kugel daneben auch pflegt man nach schlummeilo sen Sehnsuchsnächten gerne die Morgenpirsche zu verschlafen. Da fand denn der gestrenge Förster Ursach nber Ursach', ein Donnerwetter seines Jä gerznres um das andere auf das a dulvTge Köpferl des verliebten Sünders -niederzuschmettern. Diesem feuerspeiende Grimm des Alten machte den armen Burschen völlig verzagt. Dazu quälte ihn noch er Zweifel feines Herzens! hätte er nur wenigstens sicher gewußt, wie es um Nannerl bestellt wäre! Wohl war sie freundlich gegen ihn aber freundlich war sie auch gem die anderen Gehilfen, gegen alle Leute! Freilich, auch in Nannerl'Z Laune war nicht immer Sonnenschein sie wäre sonst nicht die Tochter ihres Vaters gewesen und wenn er's genau erwog, so schien es ihm fast, als geriethe sie über seine schüchternen Anspielungen viel mehr in Aergev und Schmollen, als über die derbsten Scherze seiner Kameraden. Ein böses Zeichen! Und da war's nun in einem Winter, so grimmig kalt, wie ihn nur die Berge kennen. Ein rechter UnglücksWinter für den Franzl! Denn während die anderen Gehilfen schon ein Dutzend der schönsten Bälge geliefert hatten, war Franzl noch immer auf der Jagd nach seinem ersten Fuchs. Dazu gesellte sich noch eine wahrhaft niederträchtig: Katastrophe ; einer der Füchse, die in dem schweren Winter ihre Raubzüge bis in das Dorf aus dehnten, trug aus dem Hühnerhof des Försters den Hahn mitsammt drei Hennen in einer Nacht davon. Am Morgen, als das Unheil von Nannerl mit hellem Jammer entdeckt wurde, bekam unser Franzl. der gerade den Dienst im Herzbezirk" des Reviers zu versehen hatte, vom wuthschnaubenden Förstev eine Predigt zu hören, daß ihm der Kopf brummte und die Ohren sausten. An diese Predigt schloß sich die Drohung: wenn binnen drei Taen der Fuchs nicht geliefert wäre, dann und diese Drohung wirkte mit doppelter Wucht, weil sie dunkel blieb dem Förster war in seinem 'Grimm der Athem ausgegangen, er hatte, sie verschluckt "V: wortloser Zerknirschung .iaun?: 7 .anzl zur Thüre hinaus und crlaste draußen im Flur noch einer, i.Vul aus Nannerl's Augen. 2fa; In oiesen nußbraunen Sternen c :iit und seltsam schimmerte war ? .Mitleid mit seinem Unglück? Ctr: iar's nur der Kummer um dr: 9&i,r. und die drei schönen Hennen'.' Franzl kam !?o stundenlangem Brüten nicht in'- Üire über das Räthsel dieses Blic?!c. uaer eines wußte er: der Fuchs iüp: geliefert werden, um jeden Prei ! seiner Verzweiflung griff er y.ic ..höheren Magiezr schoß dem JUar eine Katze von.
Scheunendach und schmorte sie über !
gelindem Kohlenfeuer mit Haut und Haaren schön knusperig und braun. Diesen Leckerbraten, der sich bei allen Füchsen einer ganz besonderen Anerkennung erfreut, steckte er in ein klei nes Fischnetz, und als der .Abend dämmcrte, zog er die Schleppe am Waldsaum entlang, kreuz und quer über die verschneiten Felder und durch den Forsthausgarten bis vor das Thürchen des Hühnerhofes. Auf einer. Bank, die im schwarzen Mondschatten deö vorspringenden ' Hausdaches stand, setzte er sich auf die Lauer. Er paßte von sieben Uhr Abends bis zur Morsendämmerung aber der Fucks kam nicht. Natürlich,' der 'Gauner war satt; ein Hahn und drei Hennen füllen auch einen Fuchsmagen. Am nächsten Abend wiedecholte Franzl die Schleppe und paßte abermals die ganze Nacht hindurch mit dem gleichen, trübseligen Erfolg. Blau geschwollene Ohren und halb erfrorene Finger, das war sein ganzer Gewinn; dazu eine Kälte im Leib, die er den ganzen Tag nicht aus den Gliedern brachte. Als er sich am dritten Abend wieder zur Paß" auf das schattenschwarze Bankerl" setzte, war er nach der ersten Stunde schon so krumm gefroren, daß er am ganzen Körper zitterte und mit allen Zähnen dem Winter eine klappernde Hymne sang. Nur noch im Herzen war's ihm heiß heißev als ihm lieb war und an dieser bösen Hitze, die seine kalten Glieder doch nicht wärmen wollte, trug das BanZerl" die Schuld. Man denke nur: ein hartes, kaltes, hölzernes Banker!" dicht unter einem kleinen Fenster, und drinnen im kleinen Stübchen schlummert das runde, gesunde, schmucke Nannerl behaglich im warmen Nest! Da trat es nun freilich kein Wunder, dafc Franzl wohl immer mit den Augen nn der mondbeschienen Zaunlücke hing, durch welche der Fuchs erscheinen mußte, aber mit Herz und Ohren rmmer hinauflauschte gegen das. kleine schwarze Fenster. Und da schien es ihm, als hätte Nannerl in dieser Nacht keinen sonderlich ruhigen Schlaf. Oder träumte sie nur schwer vom Fuchs und von den Hennen ? Denn 'deutlich konnte Franzl vernehmen, ?wie sich die Schlummernde schwer son einer Seite auf dieandere warf und manchmal hörte er einen brunnentiefen Seufzer. Ob es nicht ein Werk der christlichen Nächstenliebe wäre, xjanz leis an das Fenster zn klopfen und das arme Nannel aus 'dem bösen Traum zu wecken? Aber bei diescm Gedanken tauchte vor Franzl's banger Sele das zornrothe Gesicht des Försters auf wft da blieb er geduldig sitzen. Stunde um Stunde verrann, noch immer wollte der Fuchs nicht kommen, doch immer grimmiger wurde die Kälte der mondhellen Winternacht. und Franzl konnte schon vor Erstarrung Zaum mehr einen Finger rühren. Nun hatte die Kirchthumglocke just die erste Morgenstunde geschlagen 'da rührte sich wieder etwas im Stübchen. Und ehe sich Franzl Dieses merkwürdige Geräusch noch deuten tonnte, klirrte ganz leis das kleine Fenster. Franzl?" Das war keine Stimme, nur ein Hauch. Mar und Josephs stammelte der Ausgefrorene heiß erschrocken und richtete sich mühsam auf. Kaum eine Armslänge üben ihm befand sich das Fenster, und dennoch konnte:? im schwarzen Schatten vom Gesicht des Mädchens nur einen matten Scöimmer erkennen. Nannerl? Du! Was is de:m?" Erst ein tiefer Seufzer, und dann die lispelnden Worte: Geh. Franzl, sei g'scheit und schau, daß d' amal heimkommst. Fünf Stund' lang hör' ich dich schon umeinanderwetzen auf dem Banker! da! In so einer Kälten die dritte Nacht! So was halt' ja doch kein Mensch nimmer aus! Mach' weiter. Franzl. sei du der G'scheiter' und geh jetzt heim!" Heimgehn? So? Du hast leicht reden!" stotterte Franz mit klappernden Zähnen. Frieren thut's mich freilich, daß ich schier mein', ich-fall' zu lauter Glasscherben auseinander! Aber was will ich denn machen? Der Fuchs muß g'liefert werden! Hast es ja selber g'hört. wie mir der Vater aufg'. spielt hat! Wann ich den Fuchs net bring' meiner Seel', ich verlier' ja noch mein' Dienst!" .Schaudernd an allen Gliedern ließ er sich wieder auf das Bankerl fallen. Meinetwegen! So frier' ich halt z'samm' auf ein' Eiszapfen in der Früh kann mich dein Vater auf Brocken klopfen!" .Jesses, jesses na! So was sollt' man ja doch net verlangen von ei'm Menschen!" Wieder ein tiefer Seufzer. und dann schloß sich lautlos das kleine Fenster. Halte Nannerl das Gespräch nur abgebrochen, weil sie weiter keinen Rath mehr wußte oder war es ihr am offenen Fenster zu kalt geworden? Denn zu allem Frost der Nacht begann noch ein böser Wind über den Schnee einherzufahren und trieb die scharfstechenden Eisnadeln gegen das Haus. Franzl schauerte und vergrub die frostglühenden Ohren, so tief es ging, unter dem aufgestülpten Jopperkragen. Doch plötzlich streckte er wieder den Hals und lauschte. Was is denn jetzt los? Es is mir ja grad, als wär' s' wieder aufg'sianden und thät' sich anziehen? Jetzt? Um zwei in dev Früh?" Er hörte aus dem Stübchen ein Gerausch wie von vorsichtigen Schritten, sah am Fenster einen dünnen Schein aufleuchten und wieder verschwinden, als wäre ein Streichholz angezündet worden, und dann vernahm er ein schwaches Knistern. Daö dauerte eine
Weile, und nun klirrt: das Fenster ! wieder .Franzl!So flink, als wäre jählings alle Erstarrung aus seinem Körper geratchcn, schwang sich Franzl auf die Bank des Mädchens. Nannerl Nannerl " Geh. Franzl schau, ich denk' mir nix Schlechts dabei aber ich kann dich nimmer länger in so einer grausigcn Kälten sitzen lassen " Nannerl! Du gut's Nannerl du!" G'wiß wahr, völlig derbarmen thust mich! Schau, drum bin ich halt aufg'sta.rden und hab a Fuierl im Ofen an'brannt. In Gottsnamen, .so steig' halt a bißl 'rein und thu dich warmen am Oeferl, daß d' es nachher wieder a paar Stund' in der Kälten aushalten kannst!" Nannerl! &ein Herzliebs Nannerl du! Gottstausendmal sag' ich dir Vergeltsgott " Unter diesen hißstammelnden Worten hatte Franzl schon sein Gewehr zum Fenster hineingeschoben; nun gab. er sich einen festen Schwung, und während Nannerl in christlicher Barmherzigkeit seinen Arm faßte und kräftig anzog, schob er sich Ruck um Ruck zwischen den eisernen Gitterstäben hindurch. Als er glücklich auf den Dielcn stand, wollte er das Gestammel seines Danekes von neuem beginnen. Aber Nannerl schob ihn von sich, schloß das Fenster und zischelte: Um Gottes willen, so sei doch stad Und red' mir kein Wörtl nimmer wenn der Vater aufwachen thät' jesses Maria!" Diesem drohenden Bild gegenüber schien auch Franzl die Nothwendigkeit des strengsten Schweigens zu begreisen. Aber da er das siedende Gefühl seinen Dankbarkeit und seines ahnenden Glückes doch irgendwie äußern mußte, schlang er die Arme um Nannerls Hals und suchte ihre Lippen. Doch sie entwand sich ihm und zischelte schmollend: Geh. du Narr, du! Was machst denn! Dein ganzer Schnauzbart hängt ja voller Eis! Meinst vielleicht, so a Bußl is a Vergnügen? Na, ich dank' schön thu dich nur z'erst a bißl auswarmen!" Bei diesen Worten schob sie ihn der Bank zu. die neben dem Ofen stand, zog ihm die Fäustlwge von den Händen und die Pudelmutze vom Kopf, und um die aufthauende Wirkung des Fuierls" zu beschleunigen, zupfte sie ihm die schmelzendenEisklümpchen aus demSchnurrbart. Ganz leise knisterte das Feuer in dem kleinen, eisernen Ofen, dessen Wände in matter Röihe zu glühen begannen. Da kam nun für das junge, in trauliches Geflüster versunkene Pärchen eine warme, sehr warme Swnde, so warm, daß Nannerl. als es drei Uhr morgens schlug, unter schwülem Athemzug die Meinung aussprach: Schau, Franzl, jetzt friert's dich aber doch g'wiß nimmer jetzt kannst es draußen schon aushalten die paar Stünderln bis Ziv-der Früh!" Franzl aber schien anderer Meinung zu sein. Nannerl geh, schau -" Er haschte die Hand des Mädchens. Na, na, mein lieber. Bub! Und schau, wann den Fuchs net bringst. wie willst denn reden mit'm Vater ? Jetzt' komm und sei g'scheit ich mach' dir's Fenster! auf und hilf dir 'naus!" Um dieses harte Urtheil einigermaßen zu mildern, drückte Nannerl dem Schmollenden noch einen letzten langen Kuß auf die Lippen. Dann aber löste sie sich mit einem entschiedenen Jetzt is g'nug!" aus seinen Armen und ging auf das Fenster zu, durch dessen klare Scheiben man den Schnee des Gartens im Mondschein glänzen sah. Schon wollte sie die Hand nach dem Riegel strecken, als sie erschrocken stammelte: Max' und Joseph! Franzl! Der Fuchs is da!" Was! Der Fuchs?" Franzl sprang auf, als wäre Feuer auf der Bank entstanden, und packte die Flinte. Wo denn?" Aber da sah er auch schon mit eigenen Augen den rothen Schleicher, welcher just, mit der geschmorten Katze zwischen den Zähnen, gegen die Hecke schnürte und das Weite suchen wollte. Wart', Mannderl, jetzt komm ich dir aber!" Jesses! Franzl! Was machst denn?" . kreischte Nannerl in hellem Entsetzen. Aber Franzl hörte nicht. Im ersten brennenden Feuer seines JagdeiferS dachte er nicht an das geschlossene Fenster, nicht an den Raum, in dem ev sich befand er sah nur auf dreißig Schritte da draußen den flüchtenden Fuchs und da riß er das Gewehr an die Wange. Zwischen den engen Mauern krachte der Schuß, als wollte das ganze Haus in Trümmer fallen. Hat 'n schon! Gott sei Dank!" jubelle Franzl, als der Fuchs sich übevpurzelte und verendet liegen blieb im Schnee. Aber dieser Jubel blieb dem glücklichen Schützen zur Hälfte im Halse stecken. Denn als ihm der dichte, das ganze Stübchen füllende Pulverdampf in die Nase quoll, und als er das laute Schluchzen des Mädchens hörte, kam er jählings zur Besinnung und zur Erkenntniß der höchst bedenklichen Situation, und da schnürte ihm der erste Schreck die Kehle zu. Sprachlos und zitternd stand er, dem Gepolter lauschend, das sich plötzlich im Hause hören ließ. Jetzt wuroe die Thüre des Stübchens aufgerissen, und der Förster, halb angekleidet und mit erhobener Kerge, stand auf der Schwelle. Er sah das sprachlose Pärchen wie ein Bild zerknirschten Jammers vor sich stehen.und sah, wie sich der graue Pulverdamps schön hinausschlängelte durch das kreisrunde, tellergroße Loch, das der Schrotschuß in die Fensterscheibe geschlasen hatte. ,
' Ja Himmelkreuzteüfel! Was sind denn das jetzt für Sachen!" Mit zorn. rothem Gesicht fuhr der Förster auf Franzl los. Wa2 machcn denn Sie daherinn?" 1 Fu fu chspassen thu ich!" stotterte Franzl, dev in der einen, Hand noch immer das Gewehr hielt, während er mit der anderen nach dem Arm des schluchzenden' Mädchens tastete, als wollte er Nannerl vor dem Grimm des Vaters schützen. Und und draußen liegt er schon melde gehovsamst, Herr Förster : ich hab den Fuchs!" Im gleichen Augenblick hatte Franzl aber. auch noch .etwas -anderes eine Ohrfeige, die ihn taumeln machte. Doch es verdroß ihn nicht im geringsten, daß seine dienstliche Meldung" so schlagend" wirkte ganz im Gegentheil, jetzt war er aus seinem rathlosen Schreck ermuntert und hatte die verlorene Fassung wiedergefunden. Kreuzsaren, Herr Förster, das is a scharfe g'wesen!" sagte er lachend. Und ich dank' recht schön, denn ich hab's verdient! Aber jetzt lassen S' in GUt' und Fried' mit Ihnen reden!" Was da geredet und welch ein Friede beim hell erwachenden Wintermorgen geschlossen wurde, das will ich überspringen und ich will nur eines noch berichten. Der Held dieser Geschichte ist in den dreißig Jahren, die seit jener Nacht vergangen sind, ein alter Graubart geworden, und auch Frau Nannerls Zöpfe haben schon bedenklich verfärbt". Aber in jedem Winter, wenn jene Nacht sich jährt, die für die beiden zum Anfang eines frohen, traulichen Lebensglückes wurde, zieht Förster Franzl mit Einbruch des Abends zum Fuchspassen aus. Frau Nannerl zündet um Mitternacht in dem kleinen Ofen der Schlafstube ein Fuierl" an, und wenn der Alte mit dem Jubiläumsfüchsl" heimkehrt, oder wenn ihm draußen auf vergeblicher Paß" der Frost zu grimmig wurde, klopft er an die Scheibe. Lachend wird ihm aufgethan, und lachend steigt der Graubart durch das Fenster in sein g'warmtes Stüberl". Aus der Brautschan. Der Monat November wird in Holland als der wichtigste im yanzenJahre betrachtet, und zwar erlangt der in anderen Ländern wenig beliebte November dort eine so außerordentliche Bedeutsamkeit durch seine vier Sonntage, die über das Glück manches bangenden Mädchenherzens entscheiden. Die niederländischen Dorfbewohners nennen die Novembersonntage Musterungs-", Entscheidungs-", Anfrage-" und Verlobungs Sonntage". Aus diesen Bezeichnungen kann man so ziemlich die Bedeutung der wichtigen Tage erkennen. Am Donnerstag vor dem ersten Sonntag im November nimmt in jedem Dorf eine Art Volksfest seinen Anfang; die ganze Landbevölkerung erscheint in ihrem schönstenStaat, tummelt sich zwischen den Buden und Caroussels und betheilkgt sich an allen Lustbarkeiten. Besonders fröhlich geht es auf dem Tänzboden zu, wo aber zu Anfang des Festes nur wenig von anderen als bereits verheiratheten oder verlobten Paaren der holden Terpstchore gehuldigt wird. Die jungen Mädchen und Burschen, die noch nicht gewählt haben, stehen meist von ferne und sehen zu. Der erste Sonntag bringt schon einige Veränderung. . Da spazieren die heirathslustigen jungen Männer, nachdem der Vormittagsgottesdienst vorüber ist. in ganzen Reihen die Dorfstraße auf der einen Seite auf und nieder, während die noch ledigen Jungfräulein dasselbe auf der gegenüberliegenden Seite thun. Beide Parteien starren sich dann ganz ungenirt an und mustern sich gegenseitig nach Herzenslust. Gewöhnlich sucht sich ein Bursche zwei oder drei von den schmucken blllbenden Mädchengestalten zur engeren Wahl yus und entscheidet sich zuletzt für die, die seinen höflichen Gruß be! der nächsten Begegnung am freundlichsten erwidert. 'Zeigen darf er es allerdings erst am nächstenSonntag. auf wen seine Wahl gefallen ist. Hat die Schöne nichts gegen den Freier einzuwenden, dann tanzt sie mit ihm und erlaubt ihm, ihr zarte Aufmerksamkeiten zu erweisen. Der dritte Sonntag wird dem mehr prosaiscben Theil der Angelegenheit geweiht;- es gilt die Zustimmung der Eltern zu erlangen und alle Einzelheiten in Bezug auf Hochzeit und Mitgift zu erledigen. Erst am vierten Sonntag ist. es dem jungen Pärchen gestattet, sich etwas deutlicher ihre Liebe zu bezeigen, als nur durch zärtliche Blicke oder einen stummen Händedruck. Stimmt. 1. Gauner: Heute Nacht habe ich den reichen Eohn überfallen. Ein Schlag auf seinen Kopf genügte, um ihn betäubt zu machen." 2. Gauner: Hast Du denn etwas bei ihm vorgefunden?" 1. Gauner: Gewiß, 10.000 Dollars." 2. Gau. ner: Donnerwetter, dann bist Du ja mit einem Schlage reich geworden!" Modernes Familienmalheur. A.: Der Domänenrath hat gestern rechtes Malheur mit seinen Töchtern gehabt." B.: Wieso?" A.: Ja, die Aeltere hat Vormittags auf der Jagd einen Treiber angeschossen. die Mittlere hat Nachmittags Jemanden umgeradelt, und die Jüngste ist Abends mit ihrem Stück im Theater ausgepfiffen worden!" Leiser Wink. . Feldwebel (zu einem Soldaten, welcher seinen Urlaub antritt): Lehmann. Ihre Eltern treiben ja wohl Geflügelzucht?" Soldat: Zu Befehl. Herr Feldwebel!" Feldwebel: Hm, dann bringen Ske mir doch ein paar Gänsekiele mit! Ich werde sie mir aber selbst aus-rupkenl"
Zn einer Mondnacht. Ton Hanna Lohmann. Wer wollte fragen, wie'ö geschah? Es geht auch Andere ebenso.... v. Chamisso. Er war ihr Gesanglehrer, und seine Stunden bildeten die einzige Unterbrechung in dem eintönigen Leben an der Seite der altjüngferlichen, verbitterten Schwester für das achtzehnjährige mutterlos aufgewachsene Mädchen. Zuerst war es diese Unterbrechung nur, die sie dankbar ergriff, und der sie sich freute; später die Entwickelung, die ihre kleine, aber wohllautende Stimme durch den ausgezeichneten Unterricht gewann. Dann waren'es die Lieder, die ihr das Herz erwärmten, mit ihren Tönen und ihrer Poesie. Zuletzt aber stand der schöne Mann, welcher allwöchentlich zweimal neben ihr saß, belehrend, unterrichtend, und den Zauber seiner warm empfindenden Künstlerseele über ihr freudenarmes Dasein ausgießend, als Mittelpunkt in ihrer engm Empfindungswelt, nun entbehrte, nun wünschte sie nichts mehr. So ging die Zeit hm; bis eines Takes die Nachricht deines glänzenden Rufes für Reinhold an einnordisches Conservatorium in dem kleinen Kreisblatt stand, wo Sabine es mit leuchtenden Augen und pochendem Herzen las. Diese Nachricht bestätigte sich, und bald kam ihre letzte Stunde vor seiner Abreise und damit die Beendigung ihres Unterrichts, ihres ganzen Glücks. Länger als sonst, ließ sie ihre Hand auf den Tasten ruhen, wenn die seine sie berichtigend faßte, und als sie die lange gesenkten Wimpern aufschlug, verbarg sie ihm die Thränen nicht, die daran glänzten. Hwizerissen zog er den schönen Kopf mit seinen treuen Augen an sich, küßte den reinen Mund, den noch keines Mannes Lippe je berührt, und ging. Abreise, Ankunft und Einleben in die neue, glänzende Stellung verwischten allmälig den tiefen Eindruck jener Abschiedsstunde. Er war verheirathet mit einer wirthschastlichen, einfachen Frau, und seine Sinne waren ruhig. Mit allen Geisteskräften strebte er nach einer s:inen bedeutenden Fähigkeiten entsprechenden Stellung, nach Befreiung von dem Drucke, der durch kleinliche Anforderungen seine künstlerische Entwickelung hemmte. Die Einsamkeit seines Herzenslebens füllte er mit seiner Kunst aus. In Sabine war, ohne daß es Jemand in dem stillen Mädchen ahnte, eine große Liebe eingezogen. Der Kuß, welchen Reinhold bei feinem Scheiden auf ihre Lippen gedrückt, hatte sie ibm zu eigen gegeben, und sie lebte nur für ihn, nur in der Erinnerung an ihn. Den Menschen hätte sie vergessen können, zumal das anmuthige Mädchen nicht ohne Werbung blieb, aber das ganze Reich des Schönen, welches mit ihrer Liebe in seiner Person zusammenschmolz. da er es gewesen, de'r es ihrem Verständniß eröffnet, vertiefte ihre Gefühle. In ihrem gleichförmigen Leben gab es Stunden, wo die Alltaglichkeit sich bleiern auf sie legte, wo ibr junges weiches Herz nach Schönheit und Liebe, verlangte. Die Liebe, welche in Herzenseinsamkeit schüchtern emporgeblllht war, erstarkte in dieser Sehnsucht, wie eine Pflanze aus dürftigem Erdreich keimend, ihre Zweige der Sonne entgegen treibt, damit diese ihre Blüthen erschließe. Nach zwei Jahren kam Reinhold, der auf einem süddeutschen Musitfeste gesungen und wie ein Fürst vergöttert war, durch das Städtchen, wo er so lange als Lehrer bescheiden gelebt. Müde von all dem Beifallssturm und der Unruhe jener Festtage, sprang er aus dem Wagen und ging durch die wohlbekannten kleinen Straßen, um erst einige frühere Bekannte aufzusuchen. Die Sommerfrische hatte viele hinwcggeführt. Er war froh, dieser Pflichtbesuche enthoben zu sein. Als er sich nun hastigen Schrittes dem Häuschen Sabinens näherte, fühlte er deutlich, wie es ihn seit Jahren dorthin gezogen, wie nur die Scheu. de5 Mädchens Frieden zu stören, ihn immer wieder zurückgehalten. Gedachte sie noch seiner? Hatte nicht vielleicht ein Anderer längst den Platz in ihrem Herzen eingenommen? Nun war er angelangt und trat in das Stübchen, dasselbe, wo er vor Jahren Sabine bei seinemScheiden im Arm gehalten. Das Instrument wie damals geöffnet und wie, damals das junge Mädchen daneben, bleich und zitternd vor Ueberraschung und Bewegung, nur anmuthiger und schöner herangereift. Die freundliche Stille des kleinen Raumes umfing ihn mit heimathlichem Zauber, die Abschiedsstunde mit ihrer Süßigkeit stand vlötzlich vor seiner Seele, die Liebe, die sich damals offenbart. die Sabine ihm trotz seiner Entfernung. trotz scines Schweigens, treu bewahrt. Wie eine Irrfahrt schien ibm sein bisheriges Leben, verloren die Tage, die er ohne sie gelebt! Er hätte hinstürzen mögen zu ihr, ein Haupt an ihrer Brust bergen, seme Augen schließen mögen und sein Leben, sein ödes glänzendes Leben vergessen, wie einen wüsten Traum. Nur die Gegenwart der älteren Schwester hielt ihn zurück. Sein weltmännisches Wesen überwand bald die Befangenheit des Wiedersehens. Die ältere Schwester, die sich um - den unbekannten Lehrer früher nicht sonderlich bekümmert, war von ihm, dem Träger eines berühmten Nc.cns, emzückt, lud ihn dringend ein. den Abend hei ihnen zuzubringen und spater im leerstehenden Fremdenzimmer die Nachtruhe zu halten. Einige Bekannte wurden herzugeholt.und so verging der Abend in heiterem Geplauder. Die Gläser klangen, und die Lieder, welche Rcinhold sang, waren, von Allen gehört, nur an Eine gerichtet, an Sabine. Sie war still, ihr
j Herz war zu voll.. So lanae hatte sie
ihn entbehrt, nach ihm stch gesehn:: j
Nun war er da! In ihr stilles Leben hinein trat er. gefeierter.- schöner denn je. und aus seinen Liedern klang ihr seine Liebeswerbung entgegen, mit all dem Zauber der Erinnerung und der Macht der Töne. Wehrlos gab sie sich diesem Zauber hin. Das Leben versank vor ibr in seiner grauen Möglichkeit, nur diese kurze Stunde lebte sie, wollte sie leben! Sie trat an's Fenster und öffnete es. Vlumenduft stieg aus dem Gärtchm zu ihr auf, und der Nachtwind bewegte leise schaukelnd die Weinranken am Fenster und ließ sie im Vollmondlichte aufglänzen. ' Da setzte sich Reinhold, der ihr mit den Augen gefolgt war, an's Clavier und sang: O, laß dich halten, goldne Stunde. Die nie so schön sich wieder beut. Sieh, wie die Mondnacht in die Runde All ihre weißen Rosen streut. Des TagesStimmen längst verhallten. Nicht Worte stören, nicht ein Klang Des tiefsten Herzens innig Waltcn, Nach dem die ganze Seele drang. So Brust an Brust,so ganz mein eigen. Schalt ich dich, geliebtes Bild! Es rauscht die Nacht die Lippen schweigen, Und Seele tief in Seele quillt. Ich bin dein Glück, du meine Wonn?: Mein Leben du, und ich dein Licht! Was soll uns Tag. was soll uns Sonne? Du schöne Nacht, entflieh uns nicht!" Dann schloß er das Instrument. Bald zerstreute sich die Gesellschaft, und tiefe Ruhe lag auf dem Städtchen, dem rebenumrankten Häuschen der Schwestern. Nur Reinhold schritt ruhelos hin und her. Er fühlte, daß seine mühsam aufgebaute Ruhe zerstört war. daß sein ganzes Sein nach diesem Mädchen verlangte, von den Hunderten, die ihn schmeichelnd, bewundernd umdrängt hatten nach dieser reinen Mädchenblume, deren Drft itkV nur Schönheit und Jugend rr. f:;;fr. Verständniß seines Herzc:'.drfnisses, seiner innern bisher noch Niemand erschlossenen Geisteswett. Er fühlte sich mit einem Male so einsam und verlangte nach ihr, wie ein armes verirrtes Menschenkind das Andere sucht in einer großen, weiten Oede. Da öffnete sich leise die Tbür. Sabine trat ein. Einen Augenblick blieb sie zögernd auf der Schwelle stehen, dann flog sie auf ihn zu. Zürne mir nicht, daß ich zu Dir komme. All' diese Jahre lebte ich ja nur für Dich, und in wenig Stunden gehst Du fort, für immer. Laß mich Dir danken für das Glück, das Du mir durch Dein Kommen gegeben, es soll mir geniigen für mein ganzes Leben!" Schon längst hielt er sie in seinen Armen, an seinem Herzen; er fühlte des Mädchens Pulse unter dem leichten Sommergewande an den seinen klopfen. Wie in einem einzigen großen Herzschlage, und ein tiefes ruhiges Glücksgefühl überkam ihn zum ersten Mal in seinem Leben. Ihr Haupt an seine Schulter lehnend erzählte er ihr von seinen Knabenjahren, feiner entbehrungsreichen Jünglingszeit. Von Allem sprach er ihr, als solle sie Theil an Allem haben, sein Leben noch einmal mit ihm durchleben und die Einsamkeit daraus fortnehmen. So still war es um die Beiden. Nur der Nachtwind strich leise schaukelnd' über d:e Weinreben am Fenster hin, daß ihre Blätter im Mondlicht wie im flüssigen Silber zu trovfen schienen. Unten goß der Röhrbrunnen gurgelnd und plätschernd seine kühlen Wasser in die steinerne Rinne, und in dem dämmernden Gemach schien das Lied zu erklingen: Ich bin dein Glück, du meine Wonne, Mein Leben du. und ich dein Licht Am andern Morgen standen die drei Menschen auf dem Perron' und sahen dem heranbrausenden Zuge entgegen, der Reinhold in seine Heimath '-führen sollte. Man schüttelte sich die Hände, er stieg ein. Da wurde die ältere Schwester durch eine eben ankommende Reisende lebhaft in Anspruch genommen.. Diesen Augenblick benutzte Sabine. um leichten Fußes auf das Trittbrett des Wagens zu treten, in welchem Reinhold saß. Wortlos streckte sie dem Freunde beide Hände entgegen, seine zukunftströstlichen Worte hörte sie nicht, ihre Augen tranken sein geliebtes Bild in sich. Da, ein Pfiff, ein Schrei, dem ein hundertfacher folgt. Sabine ist plötzlich vom rangirenden Zuge vom Trittbrett geschleudert und liegt zermalmt unter den Rädern. Bis der Wagen entfernt, der blutende, zuckende Körper, über den eine Mitreisende schaudernd ihren kostbaren Mantel gelegt, in's Wartezimmer getragen ist, vergehen nur wenig Minuten. Reinhold kniet neben der Sterbenden; er hält sie in seinen starken Armen, legt ihr Haupt sacht, wie vor wenigen Stunden noch, ach und doch wie anders. an seine Brust. Ihre Augen öffneten sich noch einmal und sahen ihn, nur ihn allein selig an. Wie ein Hauch, nur von ihm verstanden, flüstert sie: Wie gut, daß ich jetzt sterben darf, ich bin so glücklich, hab' Dank, daß Du kamst!- Und dem Hauch stirbt sie. Jahre sinti vergangen. Reinhold lebt weiter an der Seite seiner wirthschaftlichen gleichgiltigen Frau, die nie erfuhr von dem Raube, der an ihr begangen und durch den Tod gesühnt wurde. ' . Er singt schöner denn je. sagen seine vielen Verehrer, und mit Recht. Aber Niemand weiß. daß. wenn er am schönsten singt, seine Augen nicht auf dem beifallspendendcn Publikum im schimmernden Concertsaale vor sich ruhen, sondern daß sie, in die Vergangenheit zurückgewandt, ein kleines, monddurchleuchtetes Kämmerchen vor sich sehen, an dessen Fenster die Weinreben im Nachtwinde leise schaukeln, daß sein Lied ein weißes Kreuz grüßt
auf dem kleinen Kirchhof des fernen Landstädtchens. Niemand weiß, daß das ganze Lebensglück des gefeierten Mannes in einer einzigen kurzen Mondnacht aufblühte und verwelkte und unter dem weißen Kreuze begraben liegt. ILXE3I ET CIKCEXSES.
Wer kennt nicht diesen Ruf de3 römischen Pöbels zur Zeit des Kaiserreiches, wo die Massen der alten Weit stadt "unterschiedslos Demjenigen zujubelten, der ihnen Brod und Elrcuspiele schenkte! Aber man macht sich chwerllch einen Begriff von dem Um ang, in welchem diese kostenlose VerHeilung von , Nahrungsmitteln an die römische Menge Jahrhunderte lang betrieben, und von dem wirthschaft!! chen Elend, welches dadurch angerichtet wurde. Die vielgefeierten Voltstrivunen, welche nach den berühmten Grac chen meist nichts weiter als Demagogen waren, die um jeden Preis die Vo!tögunst zu erringen suchten, führten vx Jahre 58 v. Ehr. zuerst die unentgeltliche Vertheilung von Korn an die besitzlosen Bürger Roms ein. und zehn. Jahre später hatte sich Kieses Vorreazt. des Pöbels derart ausgedehnt und b: festigt, daß der Staat, wenn er es jetzt hätte beseitigen wollen, einer Revolu tion sicher gewesen wäre. Cäsar fanc 46 v. Chr. über 300.000 Römer in der Hauptstadt vor, die es. anstatt zu arbeiten, vorzogen, sich auf Staatsunkosten ernähren, zu lassen. Es gelang ihm mitMühe, ihre Zahl auf d'.e Hälfte zu bringen, aber da die Kornverthei lungen in kurzer Zeit den Pöbel von ganz Italien nach Rom lockten, fo mußte man, um diesen besitzlosen Majsen gerecht zu werden, von Jahr zu Jahr das zu verschenkende Quantum wieder erhöhen. Cäsar's Nachfolger Augusws schränkte die Zahl der Getreideempfänger nochmals ein, aber es gelang nicht, sie dauernd unter 200.000 zu halten, die nunmehr in der Millionenstadt Rom Jahrhunderte lang umsonst gefüttert wurden. Mindestens drei Millionen Scheffel Korn, oder etwa der vierte Theil des ganzen Kornbedarfs von Rom mußte aus diese Weise von den Kaisern ange kauft und verschenkt werden, und obwohl man das Getreide, um diesen. Luxus wenigstens so billig als mögliche zu haben, von Staatswegen auf einem. Schleuderpreise hielt, der die ganze, italienische Landwirthschaft ruinirt: so sind doch alljährlich Unsummen für Ovnrf irMt2rtftM VnnrVi tVl.U. , VllUUSUV IVUU Egyvten und Kleinasien mußten dir Getreidemassen, die der römische Pöbel verlangte, um einenSpottpreis schassen Egypten schickte unter Augustus etwcr dreiMillionen Scheffel in jedem Jcchre aber die pflegten in vier Monaten. verzehrt zu sein. Der Imperator hielt, eine eigene Kornslotte, Alexandrina", um das 0::iri' nack der Ernte aus Eavp -:r. i-:!-;v und sobald dieselbe segelfeing im Ha fen von Alexandria lag, eilte ihr ein Signalschiff voraus, um in der Tiberstadt ihr Nahen anzukündigen.. Blieb die Kornslotte vom Nil länger i gewöhnlich aus, so waren bald Unruhen des Volkes in Rom zu erwarten, trat aber vollends inEgyPten ein Mißwachs ein. der die Nationen des römU fchen Pöbels zu beschränken zwang, so drohte der Thron des Imperators bald zu stürzen. Sowohl Augustus als Tiberius und Claudius hatten mehrfach bei solchen Gelegenheiten unter der Wuth des Volkes zu leiden, der. Letztere konnte sich 52 v. Chr. nur durch die Flucht vor dem Pöbel retten. Septimus Severus erweiterte, um ähnlichen Hungerjahren vorzubeugen, die römischen Staatsspeicher derart daß man den Vorrath für Jahre, in ihnen aufspeichern konnte. Da wurdedenn das Korn manchmal alt und hart bevor es zur Vertheilung kam. AI Septimus starb, enthielten seine Speicher gegen 30Millionen Scheffel Brodkorn, genug, um ganz Rom drei Jahre lang, die besitzlosen Mass? aber, wenn Alles verschenkt wurde, sieben Jahre zu ernähren. Als unter Konstantin dem Großen Constantinopel die zweite Hauptstadt des Weltreiches wurde, beeilte man sich, auch hier durch ungeheure Kornschenkungen sofort einen besitzlosen Hausen ergebener Anhänger sich zu sichern. Ja vom dritten Jahrhundert an begnügte man sich nicht mehr mit der Kornvertheilung, sondern man ließ dem Volke das Brod gleich von ,Staatswegen fertig backen. Unter Kon stantin wurden jeden Tag 80.000 Brode in Byzanz ausgetheilt. Egyp!ten mußte jetzt sein Korn, acht Mi!lionen Scheffel jährlich, hierher senden, während Rom sich von Spanien und Nordafrika ernähren ließ. Bis zum Untergang des romischen Reiches ist dieses System der Massenernährung welches die Armuth und Trägheit großzog, die Landwirthschaft Italiens zu Grunde richtete und Rom jedem Er. 'oberer preisgab, der die Kornflotte von Afrika auffing, in unbegreiflicher Ver ölendung beibehalten worden. Newglfallen. ' In einem Herrengarderobengeschaft hat ein Angestellter einen Rock gestohlen. Der Chef hat's bemerkt, aber nichts kt!(lAM VtM 0s tm t f i 1 A uiuuuci ju utui uuycuuyiui ycuutitu. Am Monatsschluß zieht der Letztere dem Angestellten fünfundzwanzigMark vom 'Gehalt ab und bemerkt dazu: - Die fünfundzwanzig Mark habe ich für den neulich von Ihnen gestohlenen Rock abgezogen Aber Herr Lewy, diese Röcke liefern wir doch an unsere Kunden für zwanzig Mark", meint Meyer tx schrocken, worauf Lewy erwidert: ' Wie haißt. for zwanzig Mark? Stehlen S'mer zwölf Rocke, dann berechne ich Ihnen auch den Engrvs Yreis.-
