Indiana Tribüne, Volume 21, Number 92, Indianapolis, Marion County, 19 December 1897 — Page 6
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RcmdlicheVrüder. Der Sprachenkampf ist nicht neu in -Oesterreich; er ist viel älter als die österreichisch Verfassung, und wenn er auch ab und zu in ein kleinliches Ge Plänkel auszuarten und für den Fernstehenden sogar lächerlich zu scheinen Pflegt, so erhebt er sich doch in den AuHenblicken großer (Gefahr stets wieder ' zu ein ernsten nationalen Höhe und läßt alle anderen Fragen des ösfentlieben Lebens in den Hintergrund izt ten. Es gibt kaum ein Kronland in der Monarchie, das vom Sprachenstreit verschont geblieben r?äre. In Böhmen, Mah-.en und Schlesien kämpft die deutsche Sprache gegen die czechische, in ilüntten, Krai'.l und Steiermark gegen die slowenische, in Südtirol gegen die italienische, die wieder im Küstenland von der kroatischen bedroht wird,' in GalZzien gibt es einen Kampf der polnischen Sprache gegen di: ruthenische, und in der Bukowina sind es gar vier Sprachen, die um das Vorrecht in Amt und Schule miteinander ringen. DaZ
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n iPf JM V m David Ritter v. Abrahams w i c z. größte Interesse vereinigt sich aber stets auf den Kampf zwischen den beiden culturell hochentwickelten Volksstäm inen, den Deutschen und den Czechen in Böhmen. Man kann getrost sagen, daß dieser Kampf, namentlich in den letzten Jahrzehnten, das Um und Auf Jedes österreichischen Regierungsprogramms gebildet und selbst die wichtigsten Wirthschaftlichen Fragen mit eleinentarer Gewalt Zurückgedrängt hat. Run scheint er seinen Höhepunkt it reicht zu haben, von dem. so widersprechend es auch klingen mag, der nächste Weg zur friedlichen Lösung führt. Die Sprachenverordnungen, die die Regierung des Grafen Badeni für Böhmen und Mähren erlassen hat, ba.ben es bewirkt, daß der sonst örtlich beschränkte Kamps diesmal das gesammte deutsche Volk in Oesterreich ergriffen, gekräftigt und geeinigt hat Die Grup'pirung der Parteien im Abgeordnetenhause gibt ein klares Bild dieser geänderten Sachlage. Auf der einen Seite alle slawischen Parteien. unterstützt nur noch von den SoGeorgSchönerer. cialdemokraten. denen es um die Opposition an und für sich zu thun ist. Die Mitte bildet die deutsche katholische Volkspartei, die, nur lose mit der Majorität verbunden, unermüdlich Vorschlüge zur Schlichtuni des Streites vorbringt. Die deutschen Parteien nahmen als äußerstesKampfmittel die Obstruction auf und damit wurde jede parlamentarische Thätigkeit zum Stillstand gebracht. Die Erbitterung auf Seiten der Obstructicnisten stieg so hoch, daß es wiederbolt zu tumultuarischen Austritten, ja zu Prügeleien tarn, nachdem der deutsch - conservative 'Präsident des Hauses. Dr. Theodor Kathrein, auf seine Würde verzichtete und der Pole David Ritter v. Abraharnowicz, der bisher erster Vice - Präsident gewesen, zu seinem Nachfolger gewählt war. Im Polenclub spielt Ritter v. Abrahamowicz seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle, das übrige Haus kennt ibn vornehmlich als hervorragenden ' Kenner der Steuerfragen. Ritter v. Abrahamowicz ist in Karl Wolf. seinem Benehmen die verkörperte Höflichkeit, aber zur Leitung eines derartig erregten Hauses fehlte ihm nicht so sehr die Energie als das Vertrauen derMinoritätsparteien. Seine Rolle war durchaus nicht beneidenswerth. Sobald er' anfing, energisch aufzutreten oder qar die verworrene Geschäftsordnung im Sinne der Majorität zu interpretiren, tönte ihm sofort ein Sturm der Entrüstung entgegen, und wüste Schimpfworte stellten seine Ge'.uld und Höflichkeit auf eine harte Probe. Leitete er aber die Verhandlungen objectiv xx Sinne der Minorität, so mufcte e:
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wieder schw'ereVorwürfe hören namentlich seitens jener Majontätsparteien, die bloß die gegnerischen Abgeordnetem sahen, nicht aber die hinter diesen Abgeordneten stehenden Volksmassen, und die daher in dem Wahne lebten, daß man durch einen parlamentarischen Staatsstreich den ganzen Streit aus der Welt schaffen könnte. Zu jenen deutschen Abgeordneten, die den Sprachenkampf im Abgeordnetcnhause mit großer Energie, aber auch mit Würde führen, zählt vor allen der Abgeordnete Dr. Victor Wilhelm Ruß. Er gehört seit 26 Jahren dem Abgeordnetenhause an und war stets AnHänger der döutschfortschrittlichenRichtung. In seiner Partei hatte er neben Herbst, Plener, Such und Beer stets eine Führerrolle inne. Er war es auch, der im November 1896 die deutschböhmischen Abgeordneten bewogen hat, aus der Vereinigten deutschen Linken" auszutreten und die Opposition gegen die Regierung des Grafen Badeni zu beginnen. Von ganz anderer Art ist die oppositionelle Taktik des Abgeordneten Georg Schönerer, der die Führung der kleinsten, aber in nationaler Beziehung radicalsten deutschen Gruppe innehat. Georg Schönerer wurde zuerst im Jahre 1873, kaum 31 Jahre alt. ins Abgeordnetenhaus gewählt, wo er dem deutschen Fortschrittsclub beitrat. Er machte sich sofort durch die schärfere Tonart", wenn auch vorerst nur in rein wirthschaftlichcnFragen bemerkbar und verließ auch demzufolge denFortschrittsclub, um nicht als Wilder" durch klein: Clubtatuten gebunden zu sein. Er gründete später zahllose Kampf vereine gegen die wirthschaftliche Ccrruption ; in diesen Vereinen begann er auch als Erster den Rassenantisemitismus zu predigen. Er ging auch ab und zu nach Deutschland, um an der Seite Stöcker's antisemitische Reden zu hal-
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Dr. Karl Lueger. ten. Sein politisches Programm hatte die Lostrennung Dalmatiens, Galiziens und der Bukowina zur Basis, worauf dann das übrige Oesterreich durchaus centraliltisch und durchaus deutsch regiert werden sollte. Schönerer's getreuester Anhänger und politischer Zögling ist der ChefRedacteur der radicalnationalen Ostdeutschen Rundschau" Karl Wolf, dessen Popularität, namentlich durch das Duell, das er mit dem Ministerpräsidenten Grafen Baden! zu bestehen hatte. in letzter Zeit den Gipfelpunkt erreicht hat. Wolf ist jetzt der eigentliche und einzige Führer der radicalnationalen Partei innerhalb und außerhalb des Abgeordnetenhauses. Er spricht in der allerheftigsten Weise und scheut selbst vor Ausdrücken nicht zurück, die sonst in Parlamenten nicht üblich sind. Seine Angriffe richten sick weniger qegen die Czechen,' deren Stellung er vom nationalen Standpunkt aus begreiflich findet, als gegen die deutsch - katholischen Parteien, die von ihm in der denkbar heftigsten Weise bekämpft werden. Wolf ist der eigentliche Leiter jener Obstruction, die sich durch heftige Zwi D r. O t t o L e ch e r. schenrufe, Johlen. Pfeifen und Klopfen mit den Pultbrettern bemerkbar macht. Der Führer der anderen, viel zahlreicheren antisemitischen Gruppe ist der Bürgermeister derStadtWien Dr. Karl Lüger, jedenfalls der populärste Mann in Wien und Niederösterreich. Ueber die Grenzen von Niederösterreich hinaus hat die von Dr. Lueger geleitete christlichsociale Bewegung nur sehr geringe Fortschritte gemacht und mußte fast überall vor der deutschnationalen Bewegung zurückweichen. In Wien dagegen hat sich Dr. Lueger zu einer Art von Dictator aufgeschwungen,, und daraus erklärt es sich auch, daß die Reichshauptstadt dem von deutschntionaler Seite begonnenen Sprachenkämpf gegenüber lich ziemlich gleichgültig verhält. Dr. Lueger war stets ein Gegner des Nationalitätenhaders, der die von seiner Partei angestrebten Ziele hindert. Trotzdem geht er insofern mit der Obstruction, als er und seineParteigenossen die Anträge der Minorität schweigend unterstützen. Unter den Obstructionisten hat sich Dr. Otto Lecher durch seine zwölfstündige und dabei rein sachliche Rede berühmt gemacht. Er ist Handelskammer - Secretär und gehört zu den jüngsten Mitgliedern des Hauses. Trotz der übergroßen Ermüdung des Hauses und des wüsten, jeder Beschreibung spottenden LärmS verstand er es, die Aufmerksamkeit der Abaeordneten aller Parteien zu fesseln und festzuhalten. Er hielt keine . ObstructionSrede im landläufigen Sinne, er sprach bloh
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zwölf Stunden lang in fesselnder und belehrender Weise über einen Gegenstand, den er vollkommen beherrscht.
'. " Dr. JosevhHerold. t Von den Mitgliedern der Majorität, die sich am Sprachenkampf betheiligen, ist vor allem der Führer des jung-cze-chischen Clubs Dr. Joseph. Herold zu nennen. Er ist einer der tüchtigsten czechischen Advocaten und gehört zu den politisch gut geschulten und daher auch gemäßigten Abgeordneten des Czechenclubs, zu den wenigen, die mitten im Kampf den Friedensschluß im Auge haben. Die Hoffnung daß der erbitterte Conflict eine friedliche Lösung finden würde, bestätigte sich nicht und um den von Tag zu Tag schlimmer werdenden Auftritten im Abgeordnetenhause ein Ende zu machen, schickte der Kaiser die Abgeordneten heim; zugleich entließ er den von den Deutschen auf das Grimmigste gehaßten Minister - Präsidenten Badeni. Unliebsames lliöTt st ä n d n i ß. Ach, wi- ich diese kl:inen Mäuschen gerne hab', ich kann es gar nicht sagen! .... Also übermorgen zu meinem Geburtstage lad' ich Euch auch auf Kuchen ein!" mm. via! 'ijiVf''' g m f0tiu ;.h Vfxv VÄW t L r', MM fW-wSil fi 8ß&L " t(Zwei Tage später): So. liebe Tante, wir gratuliren Dir zum Ge burtstage und bringen Dir hier etwas,' was Du so gerne hast!" Ah! Ich danke Euch, Kinder da will ich gleich schauen nwir ... irLllr "' ' W -w.iji .i M&thgml !i fyY ff ' Wir isdim Ä--r C4A ,Ach, du lieber Himmels Angenehm und glücklich. m Hat denn Deine Zugehörigkeit zu Eurem Kaffeekränzchen für Dich Vortheile?- Natürlich! Ich bin ja im Geheimen besoldete Agentin für ein Auskunftsbureau!Ueberführt. Mann: Was. einm Schwipö hätt' ich gestern gehabt?! Unsinn!-. Frau: Na, dann besieh' Dir 'mal die fes Bild ich hab' bei Deiner Heimkehr eine Moment - Aufnahme von Dir gemacht!" Anstrengende Arbeit. Hörst Du. Karl, bist Du jetzt so ein Nachtschwärmer, oder was treibst Du denn, daß Du gar so müde bist? O, glückliches Geschöpf. daS keine Ahnung hat, wie vergebliches Pumpen einen Menschen hernimmt!
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Die Ausstellung in Hmaßa.
Bei der Erbauung des Jndustriepa lastes der Ausstellung in Omaha kommt der griechisch - jonische Styl zur Anwendung; derselbe entspricht in vorzüglicher Weise dem Charakter desGebäudes. Die Dimensionen desselben sind imponirend, der Gesammteindruck wird seine Wirkung nicht verfehlen. Die der Lagune zugekehrte Frontseite des Gebäudes zeigt in ihrer Mitte einen kreisförmigen, vorspringenden Mittelbau IH l.'iU ' . Der Jndu von 150 Fuß Umfang, welcher sich zu einer Höhe von 75 Fuß erhebt. Dieser Mittelbau, ruht auf einer Reihe von Säulen, wodurch ein vestibulartiger Raum geschaffen wird. Die Kuppel des Gebäudes ist ringförmig abgeschlossen und endet in einer hübschen architektonischen Verzierung. Zu beiden Seiten des Mittelbaues formiren eine Reihe jonischer Säulen emen gedeckten Gang, nahezu die ganze Länge des Gebäudes Zintcr dcm Vonton. Won Georg Niemann. DaS eine Zwillingskind bin ich, das andere ist meine Schwester Trudchen. Taraus, daß ich im Sommer 1870 als wohlbestallter Füsilier mit in's Feld abrückte, ist zu ersehen, daß ich nicht ebenfalls ein Mädchen bin, denn mit den Nachfolgerinnen einer Eleonore Prohaska gab sich das deutsche Herr damals wie heute grundsätzlich nicht mehr ab. Trotzdem sehe ich meinem lieben Sckwesterlein lächerlich ähnlich, im großen Jahre" noch viel mehr als jetzt, sintemalen die schönste Manneszierde Lippen und Wangen durchaus noch nicht überschatten wollte, als ich zum wirklichen Krieger aufrückte. Wir harrten eben des Bifehls zum Abmarsch nach dem Bahnhos als noch eine Tepesche an mich einlief: Soeben Trudchen mit Königlichem Bauführer Richard Riemann verlobt, Bräutigam rückt auch in's Feld. Innige Grüße Vater, Mutter, Trudchen, Richard." Erstaunt war ich nicht sehr, denn Trudchen konnte entschieden als ein sehr hübsches Mädel gelten, mit welchem Umstand ich als der andere Zwilling nicht prahlen will. Einundzwanzig Lenze zählte sich ebenfalls, also warum sollte nicht die Anwartschaft zur Haube allmälig herankommen? Besagten Herrn Richard Niemann kannte ich nicht; das bereitete mir indessen keine Schmerzen. Ich kritzelte rasch einen tiefgefühlten Glückwunsch, den der ge sällige Tepeschenbote gleich mitnahm, und saß ein halbe stunde später im Eilgutwagen nach Paris. Leider fuhi der Zug nicht sofort $ach seinem eigentlichen Bestimmungsorte durch. Es traten heftige Verkehrs-Stockungen an der französischen Grenze ein, die vermittclst Aussteigens und größerer Spaziergänge überwunde werden mußten. Selbst diese Spaziergänge stießen ver schicdcne Male auf Schwierigkeiten, und es ereignete sich auch häufig, daß infolge lleberfüllung der Gasthöfe das reisende Publikum im Freien zu über nochtcn gezwungen war. Bei Gelegenheit eines dieser billigen Freiquartiere im wunderschönen Monat September goß es vom feindlichen Him mcl wie mit Waschkübeln herunter. Mit unendlicher Mühe glückte es mir mit meinem Kochkameraden endlich, unter Zuhülfenahme nassen Holzes und feuchter Streichhölzer auf dem klatsch nassen Boden des heiligen Frankreich einem trüb qualmenden Ieuerchen zu schwindsüchtigem Dasein zu verhelfen. Dem triefenden Brodbeutel entnahmen wir glitschigen Speck und aufgeweichten Zwieback; nach fürchterlichem Husten und Pusten entwickelte sich aus diesen Genüssen schließlich wenigstens, eine warme Suppe, welche ich allerdings später in den berühmten Kochbüchern niemals entdecken konnte. Sie schmeckte aber, und das war schließlich der Zweck der Uebung. Nachher bummelte ich ein bischen im Biwak herum und entdeckte dicht hinter dem Platze unseres Bataillons das Lager einer Ponton-Colonne. Ich hatte die saubern Wasser-Droschken aus Eisenblcch noch nie in der Nähe gesehen und suchte nun mit begreiflicher Neugier, meine militärische Wissenschaft zu bereichern. Hm, sollte das etwa nicht erlaubt sein? Ein großer, bärtiger Bicefeldwebel von den Pionieren beobachtete mich so scharf, daß ich ansing, einigermaßen verlegen zu werden. -Plötzlich schritt der. argwöhnische Brückenbauer geradeswegs auf mich zu. Ich nahm erschrocken die. Hände an die Hosennaht und richtete mich stramm auf. Wie heißen Sie?" fragte der Vice kurz und warf einen Blick auf meine Achselklappen. Füsilier Bornemann von der 12. . Compagnie Xten Fustt:erNegiments,meldcte ich beklommenen Herzens. Stimmt, Ihr Vorname?Hermann, Herr Feldwebel!" Stimmt erst recht! KommenSie 'mal mit!" Cr schritt voraus an eines der Pontons. Die Fahrzeuge lagerten umge kehrt, das heißt mit der offenen Seite nach unten auf .einem glatten Lager von Bclagbalken und Bohlen, und diese wieder auf einem eigens zu diesem Zweck
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einnehmend. Oberhalb dieses Saufen ganges befindet sich ein Balkon zu? Aufnahme einer bedeutenden Zahl bon Menschen, welche von diesem Punkt aus eine hübsche Uebersicht über den Ausstellungsplatz und ganz besonders über die vor dem Industrie Paläste befindliche Lagune genießen werden. Auch durch reichen plastischen Schmuck an entsprechenden. Punkten des Gebäudes wird der Charakter des Letzteren
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l X k st r i e - P a l a st. l zum Ausdrucke gebracht werden. Die vier Ecken des Industrie - Palastes sind markirt durch einfache, massive Thürme, welche nach Oben hin durch kreisrunde Säulen - Pavillons ihren Abschluß finden. Der Industrie - Palast wird 300 Fuß lang und 400 Fuß tief werden. Der Plan zu demselben wurde von dem Architekten S. S. Beman in Chicago entworfen. construirten Wagen. Da hinauf!" Mit handfestem Griff packte mich der grimmige Gewalthaber am Hosenbund und hob mich unter bescheidener NachHilfe meinerseits unter das Ponton in's Trockene. Cs war bier wundervoll sauber und nett, wie in einem parquettirten Prunkzimmer. so schien mir's wenigstens damals. Der Herr Feldwebet entwickelte darauf aus einem verschloffenen und fest angerodelten Kasten eine große wollene Decke, die er aus den Bohlen ausbreitete. Bitte. Füsilier Hermann Bornemann, nehmen Sie gefälligst Platz! Ich folgte halb betäubt der Aufforderung. denn die Bitte von Vorgesetzten ist bekanntlich Befehl. Haben Sie Hunger?" Trotz der eben vertilgten Zwiebackbrühe konnte ich das nicht leugnen. Auf der Wolldecke bauten sich nunmehr die appetitlichsten Sachen auf, einem bei uns längst verklungenen Speisezettel angehörend, als da waren: Wirkliches Commißbrod (kein Zwieback), köstliche Mettwurst, kalter Schweinebraten, Mired-Pickles, ein großer Keil Holländer Käse und eine leicht angetrunkene Flasche Cognac. So, bitte, gehen Sie drauf wie bei Weißcnburg und Wörth, ich helfe ein bischen zur Gesellschaft mit!" Innerlich schüttelte ich zwar den Kopf über diese sonderbare Liebenswürdigkeit, äußerlich jedoch durchaus nicht, sondern hieb ein wie ein Blücher. Nach der ersten Halbpfundstulle und dem zweiten Schluck Cognac schwoll mir der Heldenmuth wieder so weit, daß ich mich zu der Frage emporschwang: Wodurch bade ich die (5hre verdient, daß der Herr Feldwebel mich " Taf; der ' Herr Feldwebel," fiel mein Gastgeber ein, Sie so unvermuthot vom Sturzacker weg zu einem den Umstanden nach gar nicht so üblen Bcsperbrod einladet, nicht wahr? Na, junger Freund." die Augenwinkel des Vice zuckt:n lustig. ' weil Sie mir einen ganz ausnahmsweise verhungerten Eindruck machten. Mein mitleidiges Herz und so weiter und so weiter, verstanden?" Zu Befehl, Herr Feldwebel!" . Jedes Ting hat seine Zeit, selbst ein Füsilierhunger; ich war zur Abwechslung mal wieder richtig satt, klappte mein Mcffer zu und schob es in die Tasch:. Hat's geschmeckt, Freundchen?" Tanke gehorsamst, Herr Feldwebel, ganz ausgezeichnet!" Mit einer gewisicn Feierlichkeit langte der große Mann abermals in die Kiste und entnahm derselben eine gesiegelte Flasche nebst einem silbernen Toppclfeldbecher. (5r zog ihn auseinander, entarte die Flasche und schenkte langsam ein. Jetzt wollen wir nach gethaner Arbeit anstoßen ! Seine Majestät unser allergnüdigsler König und Kriegsherr lebe hoch ! austrinken bis zum letzten Tropfen ! Gut !" Tas Weinchen floß wie Oel hinunter. O diese Scharniere (Scherzname in der Armee für Pioniere) dachte ich. haben's die gut mit ihren Reserven auf allerlei Geführt !" Tcr Vice schenkte abermals ein. Nun zum zweiten Trintspruch. nach welchem abermals kein Trrpfen im Becher bleiben darf : unser herziges Trudchen soll leben ! Jetzt ging mir ein ungeheurer Seifensieder auf. Und in deirArmen lagen sich Beide. . ES wird nun zwar behauptet, daß alles schon einmal dagewesen ist, aber daß Jemand seinen Schwager unter einem umgedrehten Königlich Preußischen Ponton bei Schweinebraten und Rothwein kennen lernt, dürfte doch als vereinzelt dastehender Fall zu betrachten sein. E r n st e Bewerbung. Der Papa: Es scheint doch, daß der junge Mann um Lucy's Hand anhalten wird." Die Mama: Woraus schließt Du das?" Der Papa: Lucy hat ihm schon gestern etwas vorgespielt und vorgesungen und er ist doch heute wiedergekommen!" Selbstkritik. Mit dem Herrn Baumfeld unterhalte ich mich sehr gerne." Wieso?" Nun, der lacht über jede Dummheit!"
M V "W V" " Aie Aentschen in Stamöuk In einem Jahre voll Kriegslarm und socialer Wirren im Orient feierte die deutsche Colonie in der Hauptstadt des Türkenreiches die Einweihung zweier Institute, die sonst nur unter den günstigsten friedlichen Verhältnissen gedeihen können, nämlich des Neubaus des deutschen Gesellschaftshauses Teutonia sowie der deutschen Realschule und höhern Mädchenschule der deutschen und schweizerischen Schulzemeinde. Die Gründung dieser Schule fällt in's Jahr 1863,' die damals schon existirende preußische Kirchschule ging später in dieselbe über. Durch Schenkungen des Deutschen Kaisers und durch einen namhaften Beitrag des Reichs, durch freiwillige Spenden aus' Deutschland, der Schweiz und innerhalb der Colonie selbst wurde die Schule kräftig unterstützt, so daß die zielbewußten Männer, die ihr vorstanden, wie der erste Schulrathspräsident, Kaufmann Riecketsoff, dann Bergrath Dr. Weiß, sowie nicht minder die Rectoren und Lehrer ihre Bemühungen belohnt sahen. Unvergeßlich bleibt der Colonie und ihrer Schule die ersprießliche Thätigkeit des Schulraths F. Mühlmann in Merseburg, der seinerzeit als Rector der Schule dieser zu hohem Aufschwung und Ansehen verhalf. Das der Schule gehörige Gebäude in der Nähe des Galatathurms wurde im Julie 1894 vom Erdbeben berart beschädigt, daß es nur durch erhebliche
Die deutsche Schule. Stützbauten wieder bewohnbar gemacht werden konnte. Ein Neubau erschien unerläßlich. Den Anstrengungen des Schulraths und dem Feuereifer des Rectors Dr. Schwatlo gelang es, der Schule neue Freunde zu erwerben, so daß der Bau nun erneuert dasteht. Die bereits vorhandenen und neuerdings gesammelten Gelder wurden durch einen in hochherziger Weise gespendeten Vorschuß des SchulrathsPräsidenten G. Wülfing, Directors der Ottomanbank erhöht, so daß sie zum Ankauf des Terrains genügten; dann hat der durch seine Eisenbahnbauten in Kleinasien bekannte Baurath Otto Kapp aus Stuttgart das Schulhaus selbst erbaut, indem er das Geld dazu, über 250.000 M.. aus seiner Tasche vorstreckte. Der in Konstcmtinopel rühmlich bekannte Architekt Semprini und der Ingenieur H.. Meißner haben den Bau nach den Intentionen Kapp's ausgeführt. Zur Herstellung des Schulgebäudes wurde ein großer Theil des Gartens angekauft, der sich an das Kloster der tanzenden Derwische anschließt. Zwei Nebenstraßen, die von der Grande Rue de Pera in der Richtung nach der Rhede von Tophane bergab laufen, wurden durch eine neue Straße verbunden, nach de: die Facade des Gebäudes liegt. Zwischen dem 28 Meter langen Flügel, in dem die Schulräume in drei Stockwcrken Lbereinanderliegen, und dem nördlich sich anschließenden gleich langen Flügel, der die Wohnungen des Rectors und der Lehrer enthält, wölbt sich ein reichgeschmücktes Eingangsthor ; außerdem führt ein zweites Portal am Ende des südlichenFlügels in die CorTeutonia. ridore der Schule. Von beiden Thoren aus steigt man auf breiten Marmortreppen in die obern Stockwerke. Die Klassenzimmer entsprechen allen Anforderungen der- Hygiene. Von den westlich gelegenen blickt man über die Schulhausstraße hinweg in den Klostergarten, der die durch hohe Fenster einströmende Luft im Frühling mit lieblichen Düften würzt: aus den oftlich gelegenen Schulräumen fchaut man hinab auf den Schulhof, auf die mit Bäumen bestandenen Spielplätze, und in den obern Stockwerken schweift der Blick hinaus bis' auf das blaue Meer. Im dritten Stockwerk liegt am Ende des südlichen Flügels 'die geschmackvoll decorirte Aula.' Das deutsche Gesellschaftshaus Teutonia wurde 1847 gegründet; es bildet das Centrum des gesellschaftlichen Lebens der Colonie. in dem man sich zum Zweck freundschaftlichen Verkehrs zusammenfindet. Mehr als einmal brannte daS Gebäude ab, erstand aber durch Opfer und Antheilnahme der Mitglieder und Freunde immer von Neuem. Als jedoch die Teutonia im Sommer 1895 wieder abbrannte, hielt man bei der bösen Finanzlage, in der sie sich eben befand, .ihre Auferstehung für fraglich. Indeß nahm sich der Teutoniavorstand. an dessen Spitze der schon genannte Baurath O. Kapp steht,
der Sache warm an." Durc Stfrn, lungen in Deutschland, brachte 'Kapp ungefähr 6000 türkische Pfund auf, dann fing er an zu bauen und stellte in kurzer Zeit unter treuem Beistand des Oberingenteurs Gaedertz ein Gebäude her, das mehr als je zuvor allen Anforderungen entspricht, die man an ein feines Gesellschastshaus stellen kann. Die Teutonia liegt in unmittelbarer Nähe der neuen Schule, am obern Ende der steilen Straße Jüksek-
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tm Das deutsche Hospital. Kaldirim. die die directe Fortsetzung der Grande Rue. der Hauptverkehrsaber zwischen Galata, bezw. Stambul und Pera bildet. In der Verhältnißmäßig engen Straße kommt die Facade wenig zur Geltung, aber von der Terrasse des Gebäudes hat man einen herrlichen Ausblick auf den Bosporus und das Marmarameer mit ihren ewig wechselnden Reizen. Das deutsche Krankenhaus, das im Jahre 1877 eingeweiht wurde, liegt auf einer Anhöhe über dem Bosporus im Quartier Sundükly, das sich' an Pera anschließt. Neben dem Hauptgebäude wurden im Verlauf der Zeit durch den deutschen Wohlthätigkeitsverein noch mehrere Dependenzen errichtet. Ueberfluß an Luft und Licht, geräumige Krankensäle, weite Corridore, schöne Gartenanlagen zeichnen das Krankenhaus aus. Aber seinen Ruf verdankt es mehr noch der Pflichttreuen Arbeit tüchtiger Männer und Frauen, die hier wirken und gewirkt haben.. Das treffliche Hospital steht allen Nationalitäten ohne Unterschied der Confession offen. So ist also die deutsche Colonie mit gemeinnützigen Baulichkeiten trefflich ausgestattet. Die geschilderten Bauten sind ein glänzendes Denkmal deutschen Fleißes und Gemeinsinnes. De.r deutsche Name hat im Orient einen guten Klang, und nichts ist geeigneter, ihm denselben zu erhalten und zu mehren, als wenn -er so würdige Proben der Thatkraft ablegt. Ter eifersüchtige Burgherr oder dcr Magnet als Falle. G a st f r e u n d l i ch. Mann: Dieses schreckliche Wetter!" Frau: Ja, jetzt ärgere ich mich eigentlich, daß ich die Müllers nicht eingeladen habe zu mir auf's Land, sie wären doch nicht gekommen!-
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DasWichtigste. Wenn Du den Doktor für mich gewählt hast, so nehme ich ihn in Gott's Namen, aber das sage ich Dir, Mama,- das Brautkleid wähle ich mir selber. Wink. Er: Wenn ich Ihnen nun einen Kuß gäbe, würden Sie dann Ihren Vater rufen?- Sie: Wozu dennZ Es ist doch nicht nöthig, daß Sie gleich die ganze Familie küssen." Noch nicht entdeckt. A.: Ich habe mich immer gefragt, ehe ich derheirathet war, worin eigentlich die häuslichen Freuden bestanden.-. I.: .Na. und jetzt?- A.: .Jetzt srage ich inich erst recht." t i
