Indiana Tribüne, Volume 21, Number 92, Indianapolis, Marion County, 19 December 1897 — Page 2

Hin settsamesZüell. Von Tr. AKzand Olinds. Südlich von der großen aribeK stadt Puerto Cabello in Utaieziufa liegt ein idyllisches, wunderbar romantisches Gebirgsthal, dasjenige von San Este bau, in welchem die reichen deutschen Kaufleute des evähnten HafenplateF sich reizend Villen ibau: haben. lZ'nes Morgens wanderte ich von Irr Stodt nact) diesem Thal hinaus, 4.m daseJtft in wer Posada (Gasthaus), die man mir empfohlen, einige Wachen zuzubringen. Ißachdem nch die Achten Häuser der Vorstadt, wo nackte Kinder im Sande spielten und farbig."' Frauen und Mädchen oanz ungenirt ihre Morgentoilette au offenen Fenster machten, hinter mir fassen und die nach Valencia fühnde Schienenlink überschritten, wandte ich mich, rechts von dem hoch eben auf einer Bergspitze thronenden Ölten spanischen Fort, am Kirchhof vorüber auf der stark ansteigenden Straße ins Gebirge hinein. Nach kaum zwei Stunden hatte ich $';e Qitschast San Esteban erreicht. Tausende hoher Cocos- und MaporaPalmm wölbten in dicht verschlunge nes .Schattendach über der Straße, in welchem die Sonnenlichter wie leuch tende Brillanten spielten und Wirbelitn. Rechts und links schimmerten aus den Massen'von Grün, schmucke, sau Zeirgetragene Landhäuser hervor: die Wohnunaen'der Handelsherren Puerto 'Cäbellos. Bmeidenswerthe Sterbliche, taen es vergönnt, ihre Mußestunden 7?eständig in. U?ser paradiesischen Naiur zu verbringen! Vor manchen dieser Villen 'paradirte, gleichsam als ihre Wächter und Hüter, eine Reihe herrli rher Königspalmen, deren Kronen stolz und majestätisch in den Aether ragten. Noch etwa zwanzig Minuten lang Hieb die Scenerie die nämliche, zog sich die Garten- und Villenpracht an der Straße dahin. Alsdann ward die Gegend einsamer, der Weg begann stärker zu steigen und es nahm der hintere Theil des Thales seinen Anfang, wo die farbige Bevölkerunq in ihren einfachen Wohnstätten hauste. Hier an der Grenze zwischen denGebieten der weißen und der farbigen Thalbewohner lag ein freundliches Gehöft mit einer breiten .Veranda an der Vorderseite: mein Ziel, die Posada. Hinter dem Hause ragten hohe, dunfeie, dichtbelaubte Urwaldbäume über das Dach empor gegenüber von dem Gehöft, jenseits der Landstraße, leuchieten aus schattigem Vlättergewirr unzählige goldig glänzende Orangen hervor, untermischt mit einer Fülle duftreicher weißer Blütben. Bei den Oranenbäumen finden sich stets gleichzeitig an dem nämlichen 'Zweige Blüthen und Früchte. Nach diesem Orangenheim führtet Posadu ihren Namen: El Naranftll. Rechts vom Hause, nach' Süden zu, zeigten sich in den duftigsten blauvioletten Umrissen höbe Gebirgsgipfel, im Vordergrunde die Phantast!scheu Formen des den seltsamen Namen trarro sin cabeza (Esel ohne Stopf) führenden Berges. Während meines Aufenthaltes in El Naranjal wurde Florencia, die reizende, gluthaugige Tochter des Hauses, die Heldm einer rragischen Begebenheit, die ich in Nachfolgendem erzählen will. Wie durch tm Wunder' entging das schöne Mädchen einem furchtbaren ihr drohenden Tode. Zwischen Florencia -und 'dem Sohne eines in San Est6ban ein Landhaus besitzenden deutschen Kaufmanns hatte sich ein Liebesroman entsponnen. Gleichzeitig war aber auch für den jungen Mann die Leute ' im Thal nannten ihn Don Alejandro eine andere junge Schöne von stark braunliche? Gesichtsfarbe, in deren Adern indianisches Blut rollte, m heißer Liebe entbrannt. Sie hieß Petra Lanas. Das Haus ihrer Eltern, die sich vomErtrage eines kleinen Cafetal (einer KaffeePflanzung) nährten, lag eine Viertelstunde von El Naranjal entfernt, am Abhang des Gebirges. Gefoltert von verzehrender, rasender Eifersucht, hatte Petra beschlossen, ihre Nebenbuhlerin zu einem seltsamen Duell zu zwingen. Wer von beiden als Ueberlebende aus diesem Duell, richtiger gesagt Gottesurtheil, hervorging, mochte sich dann ungestört der Zuneigung Don Alejandros erfreuen. Petra hoffte daß ihr diese Gunst des Schicksals zu Theil werden und die verhaßte Nebenbuhlerin den Tod finden werde. An einem Morgen erschien Petra, die ihre gehässigen Gefühle stets heuchlerisch zu verbergen gewußt, bei Floncia und bat die Lebte, sie auf ein Stündchen nach ihrer Wohnung zu bekileiten sie habe von ihrem auf der Insel Curaao ansässigen Vetter eiiriae Flaschen köstlichen Liqueurs zum Geschenk erhalten, von dem sie Florencia ein Glschen t'orsetzen wolle. Rasch sprang dieselbe zu ihrer in der Kücke beschäftigten Mutter, um sie von ihrem Ausganz zu unterrichten. Zum almuerzo (Frühstück) bin ich wieder zurück, madrecita!" rief das junge Mädchen. - Am Ziele angelangt, ließen sich die beiden Freundinnen das waren sie bisher gewesen in der vorderen Veranda nieder. Außer ihnen war im ganzen Hause keine lebende Seele u erblicken, denn Petras Eltern befanden sich auf ihrer' Kaffeepflanzung im Gebirqe. Die junge Schöne holte eine, bereits angebrochene. Flasche des bewußten Liqueurs herbei und schenkte der Freunbin davon in einem Wasserglase, daö sie etwa bis zu einem Achtel mit der bräunlichen Flüssigkeit anfüllte, ein. Spitzgläser gehörten wohl nicht zu dem Inventarium derWirthschaft. Ein gleihes Quantum goß Petra sich selbst ein und stien Florencia an. T5uen prcvecho!" (Wohl bekomm's!) rief sie. . Ihr Glas zum Munde führend.

leerk 'sie baLelbe anscheinend auf einen Zu& in Wirklichkeit ließ sie geschickt sei. 5UA ganzen Inhalt, ohne dcfc Florencia il bemerkte, auf den lehmgestampften Fußboden rinnen. Die Letztere, d Eurao - Liqueur schon oft getrunken, fand denselben von seltsamem, fremdartige, tigcsthüm lich bitterem Geschmack, so daß sie das Glas sofort Toeeber von 'den Lippen ab setzte. Auf beständiges Nöthigen- de: Freundin indessen im da sie ja gesehen zu haben TjtaMe, bat; dieselbe ihr eigenes Glas geleert, würgte sie den widrigen Trank, den man ihr kredenzt, mit einigen raschen Schlucken hirmnter sie mußte onst fürchten, Pfcra zu erzürnen. Es -tarn ihr vor, als habe Petra et.was Scheues und Hastiges in ihrem Wesen, als werde sie bisweilen von ihr mit eigenthümlich wilden, drohenden Blicken, angeschaut. Während sie noch darüber nachdachte, was wohl der Grund dieses befremdlichen Betragens der Freundin sein könne, empfand sie mit ewcm Mal eine unbezwingbareAn wattdlung von Schlaf wie eine plötzliche Betäubung kam es über sie. In der nächsten Minute fielen ihr die Lider zu und es schwand ihr die Besinnung. Llls sie wieder zu sich kam und die Au?en aufschlug, erstaunte sie, sich bis auf ein dünnes aus Tüll gewebtes, ihr kaum bis zu den Knieen reichendes .Hemd entkleidet zu finden. Sie saß -.nicht mehr auf der Veranda, sondern .lag in einer im Wohnzimmer der Fa milie an ein paar Dachsparren befestigten Hängematte. Neben ihr hockte, ebenfalls nur mit einem ähnlichen dünnen cHemde angethan, Petra auf einem nierigen Schemel. ' Sobald diese wahr.nahm, daß Florencia erwacht sei, Holte fit einen mit Luftlöchern versehenen Holzkasten, der auf einem Fensterbrett stand, herbei und nahm denselben -xmttz $en linken Arm. Florencia mit derRechten aus der Hängematte zerrend, führte sie die ganz Verdutzte zu der Thürschwelle eines anstoßenden, ziemlich geräumigen Gemachs: ihres Schlafzim iners! Für gewöhnlich ward dieseSiube burch zwei auf die Hinterseite des Hauses hinausgehende Fensteröffnungen (ohne Glasscheiben, denn solche kennt man in Venezuela nicht) erhellt. Jetzt waren deren Holzläden, was Florencia mit Verwunderung bemerkte, dicht geschlössen und das ganze Gemach in tiefe Finsterniß getaucht. Florencia loslassend, zog Petra mit einer heftiaen Bewegung den Schieber vom Kasten und schüttete aus ihm blitzschnell 'einen' hellen Gegenstand in den dunklen Raum. In der nächsten Sekunde nahm sie Florencia wieder bei derHand und zog sie über dieSchwelle, woraus sie die Thür zumachte und dieselbe zweimal, was Florencia aus dem betreffenden Geräusch entnahm, derschloß Dumpf und hohl tönte durch die grauenhafte, sie umgebende Finsterniß die Stimme Petras an ihr Ohr: Nunmehr ereilt Dich die Vergeltung für den Frevel, den Du an mir begangen, Florencia! Du hast mir die Zuneigung Don Alejandros geraubt, ihn durch höllische Künste mir abwendig gemacht! Ich wollte Dich dafür zuerst tödten, doch ich will keinen Mord auf mein Gewissen laden. Es möge der Himmel zwischen uns entscheiden! Eine von uns ist zu viel auf der Welt und muß der Anderen Platz machen! Aus dem ZNnmer habe ich mein Bett, den Tisch und sämmtliche Stühle entfernt, außer uns befindet rcr) hier weiter kein lebendiges Wesen als eine Korallenschlänge, die ich eben, wie Du gesehen, dem Kasten habe entschlüpfen lassen. Ein alter Indianer, der alsSchlangenbündiger bekannt, hat sie mir gegen eine Belohnung von ein paar Pesos aus dem Urwalde geholt. Wen von uns das giftige Reptil zuerst anfällt und beißt, der stirbt. Ein Gottesurtheil solcherArt ist, wie meine Eltern mir erzählt baben, bei den Indianern, die vor dem Erscheinen der Spanier diese Gegend bewohnten und von denen wir stammen, immerdar in Gebrauch gewesen auch ich will auf diese Weise unseren Zwist zum Austrage bringen. Glaube nicht von hier zu entkommen die Fensterläden sind von außen fest verrammelt, und was die Thür betrifft, so habe ich gestern an ihr ein starkes neues Schloß anbringen lassen. Es wird Dir auch nichts helfen, wenn Du Dich gegen die Thür wirfst und sie zu zerschmettern suchst der Zimmermann hat sie gestern auf meineVeranlassung mit neuen dicken Bohlen versehen. Hoffe ferner nicht, daß Jemand zu Deiner Rettung erscheinen wird. Meine Eltern kommen erst übermorgen wieder, und wenn am Nachmittag oder Abend Deine Mutter, über Dein langes Ausbleiben beunruhigt, hierher eilt, hat die Schlange längst ihr Werk gethan. Also erwart? gefaßt, was Dir beschieden, und versuche nicht, mich durch Bitten und Flehen ,zu bewegen, Dich wieder frei zu lassen . das würde Dir nichts helfen Du könntest Deine Worte ebenso gut an einen Steinbl.ick verschwenden !" Vor Entsetzen stockte der armen Florencie das Blut in den Adern, als sie den höllischen Anschlag vernahm, den ihre jetzt in eine grimmige Feindin verwandelte ' Freundin, getrieben' von wahnsinniger Eifersucht, ausgeheckt. War es denn Wirklichkeit, was sie eben erlebte? Beängstigten sie nicht vielmehr die Bilder, die Vorstellungen eines scheußlichen, entsetzlichen Traumes? Würde sie nicht im nächsten Moment wieder erwachen und dann von dem grausigen Spuk, der ihre Seele in Banden hielt, erlöst sein? Ach nein, was da mit ihr vorging, war kein böser Traum, der sie berückte es drohte ihr in der That ein qualvoller .grauenhafter Tod! Sie wußte ja, daß die Korallenschlange das gefürchteste Reptil des venezolanischen Urwaldes, wußte, daß ihr Biß rasch tödte, tödte unter den peinigendsten Schmerzen, den qualvollstenKrämpfen! Und dieses furchtbare Geschick sollte ge-

rade jetzt an sie herantreten, wo ihr die

, Sonne des Liebesglückes so strahlend. so vlelverheißend ausgegangen! DenGedanken, dennoch zu versuchen, an das Erbarmen Petras zu appelliren, wies sie von sich. Petra, in ihrer Liebesrasetti, war grausamer als eine Tigerm. Aber vielleicht gelang es ihr, den Schlüssel zur Thür aufzufinden! .Sie erinnerte sich, deutlich gehört zu haben, daß ihn Petra aus dem Schloß gezogen. Sonach mußte die Letztere ihn ix gendwo versteckt haben. Mit convulsivrschcn, fieberhaft regten Bewegungen tastete sie an der Thürfüllung, an der Wand, auf dem Fußboden überall herum, ohne indessen den gesuchten Gegenstand zu entdecken. Wo mochte der Schlüssel verborgen sein? In stürmischer Hast kreisten ihre Gedanken. .Wahrscheinlich," sagte sie sich endlich, chat Petra den Schlüssel in ihr langes ,Haar geknüpft. Das ist freilich der sicherste Ausbewahrungsort für ihn!" Nun überlegte sie. ob sie besser thue. xnx ihrem Platze zu bleiben oder sich langsam fortzubewegen. Die Gefahr schien ihr in beiden Fälleu die gleicht. Älieb sie stehen, wo sie war. so konnte sich das Reptil an sie heranschleichen veränderte sie ihren Standpunkt, so bewegte sie sich vielleicht auf dasselbe pr. In dumpfer Resignation beschloß sie. dort, wo sie einmal war. zu verharren. Schaun entsetzlicher Angst, furchtbarer Seelenfolter kam über sie. Jede Sekunde erwartete sie die kalte, klebrige, todtbringende Berührung des giftigen, schön gefärbten Reptils zu verspüren. Inbrünstig sandte sie ihre stillen Gebete zum Throne Gottes und der heiligen Jungfrau empor, sie dem grauenhaften Verhängniß, das so plötzlich ,so unvermuthet sie umkrallt, zu entziehen, sie vor dem Tode zu bewahren, sie dem theuren Manne, dem sie ihr Herz yeschenkt, wieder zuzuführen. Doch ihr Flehen um den Beistand der himmlischen Mächte ward nicht erhört. Keine Hilfe, keine Rettung nahte sich ihr. Unausgesetzt umfing sie das Schweigen des Grabes. Nichts vernahm ihr Ohr als die leisen Athemzüge ihrer Feindin, die sich ebenfalls nicht vom Platz zu rühren schien. So verrann ihr in namenloser Angst Stunde auf Stunde. Die Qualen der zur Hölle Verdammten mochten fürchterlich sein, doch sie kommen wohl kaum denen gleich, welche sie jetzt erlitt. So meinte sie wenigstens. Da vernahm sie mit einem Mal den gellenden Aufschrei Petras: Santo cielo! (Heiliger Himmel!) ich bin gebissen!Und ich bin gerettet!" klang es jubelnd von Florencias Lippen. Aber sie hatte zu früh triumphirt. Mit Grausen vernahm sie die ferneren Worte Petras, die selbst im Angesicht des Todes ihre Wuth, ihren Haß gegen die begünstigte Nebenbuhlerin nicht zu zügeln vermochte . Du irrst, Florencia! Wenn auch der Himmel gegen mich, entschieden und ich in fünf oder zehn Minuten eine Leiche sein werde, so brauchst Du deshalb nicht zu frohlocken, brauchst Dich Deines Sieges nicht zu freuen! Auch Dir ist der Untergang bereitet! Du kannst dieses Gemach nicht verlassen, nicht aus demselben entweichen auch an Dich wird die Schlange herankriechen, auch in Dein Fleisch wird sie ihren Giftzahn bohren! Wenn Deine Mutter hierher kommt, wird sie die Nachbarn herbeirufen müssen, um mit ihrer Hilfe dieThür zu diesem Zimmer aufzusprengen das kostet viel Zeit dann hat längst die Schlange auch mit Dir Bekanntschaft gemacht, auch Dich in ihre Verderben bringende Umarmung gezogen! Pios mio diese Schmerzen dieses fürchterliche Reißen und Zerren in den Gliedern! Es kommt mir vor, als wühlten Tausende von Teufeln mit glühenden Zangen in meinem Körper als sei mein Kopf mit feuriger Lava angefüllt als sei zwischen meinen Schläfen eine Pulvermine ent zündet! Jesus Maria mir vergehen die Sinne " Minuten lang ein entsetzliches Stöhnen und Aechzen, das allmälig in ein immer leiser werdende Wimmern und Röcheln überging. Dann wieder Grabesstille. Petra hatte ihren letzten Seufzer ausgehaucht. Maria purisima, ist es denn möglich!" kreischte Florencia. Soll ich denn wirklich ein gleiches Schicksal erleiden wie Diejenige, die soeben des Himmels Zorn gerichtet!" Wieder ihre Lage bedenkend, sagte sie sich abermals, daß der einzige Wea zur Rettung darin bestehe, des Schlüssels habhaft zu werden. Hatte ihn Petra in der That in ihr Haar geknüpft, so muß te sie jeden Gedanken an Befreiung aufgeben, denn sie durfte es nicht wagen, an die Todte heranzutreten, in deren unmittelbarer Nähe sich das scheuß liche Reptil wohl noch immer befand. Indessen es war vielleicht dennoch möglich, daß Petra den Schlüssel irgendwo bei der Thür versteckt hatte. Sie beschloß, ein zweites Mal danach zu forschen. Wieder tastete sie auf dem Fußboden an den Wänden herum. Nichts ! Ebensowenig verwirklichte sich ihre Hoffnung, daß möglicherweise der Schlüssel an einem im Rahmen der Thür befestigten Nagel aufgehängt sei. Es blieb ihr nichts übrig, als sich in ihr nun einmal unvermeidliches Schicksal, das zweite Opfer der Giftschlange zu werden, zu ergeben . A Dios pam.Biempre, Alejan dro mio!" (Lebe wohl für immer, mein Alezander!) sprach sie leise vor sich hin. Bewahre Deiner Florencia ein treues Angedenken! Schon wollte sie sich auf den Fußbo, den niederkauern, um in dieser Lage das Herannahen des über ihr schwebenden grausen Verhängnisses abzuwarten da durchblitzte ihr Hirn ein Gedanke. ES galt noch einen letzten Ler

such. Wenn Petra 'den Schlüsse! doch dielleicht an der Wand, indessen in etwas weiterer Entfernung von derThür aufgehängt oder verborgen hatte. Auf den lehmgestampsten Boden konnte sie denselben nicht geworfen, haden, sonst dätte man den klirrendenTon deZ Metalls. beim Aufschlagen auf die harte Fläche vernehmen müssen. Emsig ließ sie ihre Fingerspitzen über die aus Rohrgeflecht, das leicht mit Lehm beworsen, hergestellten Wandflächen gleiten. Wieder schien ihr Vemühen von keinem Erfolge gekrönt zu werden; der gesuchte Gegenstand war nirgendwo zu entdecken. Da plötzlich, als sie mit .ihren Nachforschungen beinahe bis zur Zimmerecke ' gekommen, stieß sie einen Freudenschrei aus: in einer Spalte der Rohrwand steckte, fest eingezwängt, der Talisman, welcher nur allein ihr das Entweichen aus dieser Höhle ermöglichen konnte. In der nächsten Secunde tastete sie sich nach der Thür, schloß dieselbe auf und trat über die Schwelle. Hastig schlug sie nun. nachdem sie den Schlüssel von außen eingesteckt, die Thür wieder zu und drehte den ersteren wieder im Schlosse herum. Auf die Knie sinkend stammelte sie ein Dankgebet an die Jungfrau Maria. Sie hatte das Gefühl, als steige sie aus einer Todtengrust, in der sie lebendig habe begraben werden sollen, wieder zur glanzvollen, lichtübergossenen OberWelt empor. Ihre Kleider fand sie in einer Ecke des Wohnzimmers liegen. Rasch schlüpfte sie in dieselben und eilte nach Hause. Mit Erstaunen nahm sie wahr, daß die Sonne erst im Zenith stand. Auf die Mutter und mich, die wir in der Veranda saßen, stürmte sie mit der Frage zu, wie viel Uhr es sei, und erhielt von uns die Antwort: Etwas nach zwölf!" In der Todesangst hatte sich ibr die Zeit unendlich verlängert die Minuten waren ihr zu Ewigkeiten geworden! Hastig, in abgebrochenen Sätzen, berichtete uns Florencia das Geschehene. Wir hielten anfänglich das, was wir da hörten, für ein Märchen. In der Meinung, Florencia rede irre, warf die Mutter der Tochter Blicke zu, in denen sich starres Entsetzen, angstvolle Besorgniß und zärtliche mütterlicheTheil.nähme spiegelten. Doch als auf wiederholtes Befragen Florencia auf ihrer Aussage beharrte, kamen wir denn doch zur Ueberzeugung, daß ihre Angaben auf Wahrheit beruhten. Wir drei eilten zum Alcalde (Vürgermeister) der Ortschaft und fetzten diesen Beamten von dem Vorgefallenen in Kenntniß. Ohne Zeitverlust begab er sich mit uns und zwei handfesten, mit scharfen Machetas bewaffneten Männern nach dem Hause, unter dessen Dach das entsetzliche Drama sich abgespielt. Dort angelangt, brach man vor Allem die verrammelten Fensterl'äden des fatalen Zimmers auf. Das in das letztere fallende Tageslicht beschien ein grauenhaftes Bild., Auf dem Boden lag, die Arme lang von sich gestreckt und Schaum vor dem Munde, die entseelte Petra auf ihrem entblößten Busen hatte sich, in Ringen zusammengerollt, die Schlange niedergelassen, die, als sie der Leute an den Fensteröffnungen ansichtig ward, züngelnd den Kopf emporhob. Von inem Sonnenstrahl getroffen glänzte die scharlachfarbige, mit weißen Strichen und schwarzen Punkten verzierte Haut des Reptils wie Edelgestein. Durch die Thür in das Gemach eilend tödteten die beiden Männer das Thier mit ihren Machetes. Dann schickte der Alcalde einen von ihnen in das Gebirge zu Petras Eltern, um ihnen das Vorgegangene zu melden und sie zur schleunigen Rückkehr aufzufordern. Infolge der ausgestandenen furchtbaren Seelenangst sank Florencia in ein hitziges Fieber, von dem sie erst nach einigen Wochen wieder genas. Ein halbes Jahr später standen Florencia und Alejandro vor dem Traualtar. Würde der Frauen.

(Frei nach Schiller.) Ehret die Frauen! Sie reiten und radeln, Um sich zu stärken die schwächlichen Wadeln, Halten die Lenkstang' mit sicherer Hand; Fahren vom Morgen bis spät in den Abend. Während der Mann, im Wirthshaus sich labend. Sitzt, weil zu Hause kein Essen er fand! D c Hand. ' In der Liebe spielt die Hand eine große Rolle. Zunächst beginnt der Jüngling mit Handdrücken und darauf kommt die Zeit der Liebesbriefe, die aber Hand und Fuß haben müssen, wenn sie erfolgreich sein sollen. Nach dem Alles in Ordnung ist, hält der Liebhaber um die Hand der Geliebten an. Stimmt der Vater zu, so reicht die Braut ihm Herz und Hand. In der Ehe soll eine Hand die andere waschen, dann wird der Gatte sein Weibchen auf Händen tragen; kommen aber Streitigkeiten vor, so hat gewöhnlich die Schwiegermutter die Hand im Spiele, was aber selten, klar auf der Hand liegt, namentlich, wenn Mutter und Tochter dabei Hand in Hand gehen. Häufig kommt es vor, daß der Ehemann händeringend die schlechte Behandlung seitens der Gattin beklagt. Er vernachlässigt dann wohl sein Handwerk und handelt stets verkehrt. Erhebt aber der Mann die Hand gegen die Frau, so trifft ihn die Hand der Gerechtigkeit, eö wird über ihn verhandelt und ihm die Handhabe zum Plagen der Frau entzogen.

Vapokcon's Ü Spion. Einsichtsvolle Seertubrer baben von

jeher der Regelung des Kundschafterdienstes große Aufmerksamkeit zugewendet. Besonders Napoleon I. hat die Spuinage mit jenem eigenthümlichen Ernste betrieben, welcher zumeist das Geheimniß seiner machtvollen Erfolge in sich schließt. Er ging auch hierin seinen Vorgängern einen bedeutenden Schritt voraus und übertraf sie in der Kraft des Wollens. Sein Grundsatz war: wohl unterrichtet zu sein über den Feind, ist gut. aber noch vortheilhafter ist es. den Feind zu verwirren.' Seine Spione mußten daher dem Feinde Nachrichten zukommen lassen, die ihm paßten, und sich bei dieser Gelegenheit das Vertrauen des Feindes erwerben. So machte sich .Napoleon die Wahrheit zu Nutze und auch die Lüge. Der große Feldherr hat nichts dem Zufall überlassen. AlleS war wohl organistrt und methodisch in der Anlage. Die Personen, die ihm dienten, sind wenig bekannt. Wie sie plötzlich aus dem Dunkel hervortauchen. so verschwinden sie auch wieder; natürlich suchen sie auch keinen geschichtlichen Nachruf. Der Hauptspion Napoleon's I. ist Karl Ludwig Schulmeister. Seine Abstammung ist etwas dunkel. Der Name den er führt, ist offenbar erborgt, der Adel, den er sich beilegt, mehr als strittig. Schulmeister wurde im Jahr 1770 geboren und erhielt eine sorgfältige Erziehung. Ursprünglich sollte er Kaufmann werden, die Sucht aber, sich rasch zu bereichern, führte ihn auf eigenthümliche Bahnen. Er wurde Schmuggler; eine gute Vorbereitung für seinen künstigen -Beruf. Das Jahr 1805 kam heran, die Zeit der Hauptaktion für Schulmeister. Das ungestüme Drängen Englands und Nußlands hatten bewirkt, daß Oesterreich, nicht genügend gerüstet, den Krieg gegen Napoleon begann. Oester reich, mit aller Welt verbündet, stand in der Stunde der Entscheidung zunächst allein. Die österreichische Armee stand in Bayern und erwartete die russische Armee, die noch fünfzig Tagereisen entfernt war und äußerst gemächlich heranrückte. Unglcklicherweise war Feldmarschall - Lieutenant Mack von der Hofkriegskanzlei mit den weitestoehenden Vollmachten ausgestattet." Mack war ein Mann gewesen, der äußerlich emporgekommen, innerlich herabgekommen war, ein Pedant durch und durch, auf den wie angegossen das beißende Wort paßt: Jeder Mann besitzt gerade so , viel. Eitelkeit, als er Verstand braucht." Napoleon konnte sich keinen unverständigeren Gegner wünschen. Seine Absicht bestand darin, die Oesterreicher kampfunfähig zu machen, ehe die rufsische Armee heranrückte. In dieser verhängnißvollen Zeit näherte sich Schulmeister dem Feldherrn Mack; er führte sich in guter Art ein. brachte Nachrichten und erlangte so den Credit, dessen er bedürfte. Als die Armee Mack's durch die Corps der Generale Murat und Marmont im Vereine mit dem Corps Napoleon's von einem fast undurchdringlichen Netze umgeben war, erschien Schulmeister im österreichischen Lager, erzählte die abenteuerlichsten Lügen von einem Einfalle der Engländer in- Frankreich, von einem Aufstände im Rücken Napoleon's, von einem fortirten Rückzug dieses FeldHerrn und 'alle diese Märchen fanden in General Mack einen gläubigen Zuhörer. So kam es. daß die Gelegenheit zum Durchbruche der feindlichen Stellung versäumt wurde, so kam die Katastrophe der österreichischen Armee, die Capitulation von Ulm. Schulmeister hatte es verstanden. Mack vollkommen zu umstricken. Das Vertrauen des österreichischen Generals war so weit manaen. dak er' den Kundschafter Napoleon's nach Stuttgart entsenf dete. um auszuspioniren. ob die Franzosen wirklich sich bereits auf der Flucht befanden. Schulmeister kehrte von dieserEzpedition nicht mehr zurück; er hatte sich wahrscheinlich zu Napoleon begeben.um diesen zu verständigen, daß der Augenblick günstig sei. daß er nur das Netz zuzuziehen brauche, rn we: chem Mack und die österreichische Ar mee gefangen war. Di- weiteren Schicksale Schulmei siers waren überaus wechselvoll. Er wurde 1806. noch tm Jahre der Capl tulation. in Oesterreich verhaftet, ent kam auf dem Transport nach Böhmen und wurde dann, dank der Jntervention eines französischen Generals, Generalcommissär der Polizei von Wiem Spater verhastet und wiederum befreit, tauchte er als Capitän Charles auf und machte an der Spitze einer Reiterschaar preußische Officiere bei der Stadt Wismar zu Gefangenen. Beim Fürstentag in Erfurt leitete er den Polizeidienst. Napoleon stellte lhn schlietzllch zum Better des gesammten Svionaaedienites. Sväter zog sich Schulmeister, von Napoleon mit Reichthümern überhäuft, nach ?tratzbürg zurück, wo er ein großes Haus führte. Das Kreuz der' Ehrenlegion, das er so sebr aewünscht hatte, blieb ihm jedoch versagt. Sein Lebensende war ein trauriges. Vollständig verarmt. starb Schulmnster 1853 m Strakbura. von aller Welt gemieden und verachtet. Er liegt auf dem St. Urbanssriedhos begraben. Malitiös. Frau: Denke Dir. diese Frechheit, lieber Mann! Ge stern Abend hat mich Dein Compag non beim Weggehen von uns geküßt!' Mann: Hm. der Mensch kommt mir seit einiger Zeit überhaupt so vor. als ob er närrisch wäre! Ein Arger. Nein, Herr Krause, Sie meinen es nicht ehrlich ich traue Ihnen mcht. Ich ha ja auch noch gar nichts vom Trai.. Lksagt!-

Volksgarten. Von Otto Werneck. Durch die Büsche schimmerte es.

Vlaue, rosa, lila, weiße Blousen tauchten auf neben grauen, braunen, blauen Sommeranzügen. Die Zeichnungen verschwammen mit dem Grün der Blätter, mit den Flieder- und Jasminblüthen zu einem lieblichen Concert der Farben. Weit abseits in einer Allee saßen sie allein. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Nein, so ein Dichter! Und das sitzt so neben Emma da, ganz harmlos, trägt eiue moderne Cra vatte, hat einen blonden Schnurrbart, dem man auf hundert Schritt weit die sorgfältige Pflege ansieht, und ist ein Dichter und steht im Lezicon und wenn die Gymnasiasten sein Geburtsjahr nicht wissen, so fallen sie bei der bla turitätsprüfung durch Sie faßte es nicht. . Aber auch er schlürfte die köstliche Empfindung, die das junge Geschöpf an seiner Seite über ihn ausgoß. Und seine Augen, die über ihr braunes Haar glitten, schienen zu sprechen: Du bist die Jugend. Du 5ist das Märchen. Du bist das Holdselige, das der Dichter sieht, wenn ihn sein Genius begnadet. Die Einfalt Deines siebzehnjährigen Herzens, die sich nicht träumen läßt, daß es außerhalb Deiner Lieblingsnovellen noch eine Welt gibt, erschrickt vor dem Gedanken, daß es am Ende Assessoren geben könnte, ohne schwarzen Schnurrbart, junge Aerzte, die nicht hübsch und schlank sind, junge Mädchen, die von ihren ritterlichen Cousins nicht geliebt werden, alte Väter, die weder brummig sind, noch großgeblümte seidene Schlafröcke tragen, und Dichter, die keine wallenden Locken haben und nicht fortwährend träumen. In Deiner Seele ist es licht und rosenroth, denn Du bist die Jugend, Du bist das Märchen " Eine Weile schwiegen sie und tranken ihr Innerstes. Das Mädchen empfand zuerst die Nothwendigkeit, etwas zu sprechen. Aber was? Es quälte sie, daß ihr nichts einfiel. Und da fragte sie ihn nach seinen Arbeiten. Womit er sich denn jetzt beschäftige? dann nach einem Uebergang: Wo haben Sie nur Ihre schönen Geschichten her? Alle nur aus Ihrer Phantasie?" Er lächelte. Zum Theil," meinte er. Und dann man kommt ja herum, man sieht so Manches, was erzählenswerth ist, man begegnet Menschen, die Anregungen geben. So, also Ihre Bekannten?" Ja, mitunter." Alle?" Das wohl nicht. Nur die mir interessant erscheinen." Sie verstand nicht recht. Ah, die Sie besonders lieb haben?" Nein, die mir interessant scheinen." Es machte ihm Spaß, hartnäckig bei diesem einen Worte zu bleiben, dessen Sinn sie offenbar nicht, recht erfaßte. Und während sie noch immer fragend zu ihm aufblickte und sichtlich erregt von der unerhörten Thatsache, daß ein Dichter sie würdigte, ihr die Geheimnisse seines Schaffens zu entschleiern, berauschte er sich zügellos an dem Parfum ihrer Naivetät. Plötzlich zuckte es in ihrem Gesicht. Ein Gedanke fchien in ihr zu erwachen. Dann kam es langsam, stockend über ihre Lippen, zaghaft, als fände sie nicht den 'Muth, das Schreckliche zu Ende zu sprechen: Und ja und könnten S auch über mich etwas schreiben? Ach, das müßte doch herrlich sein " Zuerst war er verblüfft. Und als er sich gefaßt hatte, da begriff er auf einmal, daß es frivol sei, sich an dem Heiligthum dieser unberührten Seele, wie an dem Duft einer seltenen Blume, gedankenlos zu ergötzen. Und er wurde ernst, wie der Lehrer, der zu einem Kinde spricht: Wie, Sie hätten wirklich den Ehrgeiz, die Heldin eines Romanes oder einer Novelle zu sein, im Mittelpunkte einer bewegten, phantastisch ausgeschmückten Handlung zu stehen?" Und als sie begeistert nickte, sank seine Stimme und wurde wärmer: O, ich wüßte wohl einen Roman, aber das ist keine dieser wunderbaren Geschichten, die man erfindet und die nicht wahr sind. Ein Roman, der, fern von dem geräuschvollen Treiben der Welt, sich zwischen den vier Wän den eines traulichen Familienheims abspielen würde, ohne Verwickelungen und Spannungen jeder Art, aber voll tiefinnerlicher, unendlicher Glückseligkeit der Roman eines glücklichen Mannes und einer süßen, kleinen, über Alles geliebten Frau. Wenn ich Ihnen hier einen Platz anweisen wollte würden Sie sich entschließen können, die Heldin in dem Rcmiane meines Eheglückes zu sein?" Durch die Büsche schimmerte es. Blaue, rosa. lila, weiße Blousen tauchten auf neöen grauen, braunen, blauen Sommeranzügen. ' Frohe Menschenstimmm und kosendes Vlätterrauschen vermischten sich mit dem seligen Flüstern zweier glücklicher Menschenkinder. Der beste Wein. Aeltere Dame: Ich will hoffen, daß Sie mir einen wirklich guten Wein verkauft haden." Weinhändler: Gnädige Frau, nach einer Flasche von diesem Wein küßt Sie selbst Ihr Schwiegersohn." Aus der mathematischen Geographie. Professor: Um was dreht sich b'it qant Welt?" Primaner: Um's Geld!" Prompt besorgt. Er: Fräulein. Sie haben a gesagt, nun müssen Sie auch b sagen." Sie: .Nun also denn: ab!"

AufdcrStailon. Von Kari Fischer. Es war ein wundervoller Herbsttag. Das Manöver war beendigt, und die Truppen zogcn wieder in ihre Garnisonen. Auf dem kleinen Bahnhofe in WestPreußen herrschte ein bewegtes Leben und Treiben. In langen, schier unabsehbaren Reih:n kamen die Solda. ten angerückt: Infanterie, Cavallerie und Artillerie. Der Stationsvorsteher lf von einem Ende zum anderen, mit peinlicher Sorgfalt darauf achtend, daß die Beförderung der Truppen schnell und sicher von Statten gehe. Seine Füße schmerzten, in seinem Kopfe hämmerte es, als wollte er zerspringen, in Strömen floß der Schweiß an ihm herunter und feine Augen blrckten wie durch einen Schleier. Er hörte nicht die Musik, er sah nicht die Soldaten; wie im Traume wankte er dahin. Er sah nur oben in seiner Wohnung sein blasses, todtkrankes Wcib liegen, die Mutter seiner Binder, das abgemagerte Gesicht tief in die schneeigen Kicn vergraben. Doch er hatte nicht Zeit, daran zu denken. Bon allen Seiten rief man nach dem Vorsteher; er mußte Anordnungen treffen, Rede und Antwort stehen. Während die Soldaten auf freiem Felde abkochten, wurden die Officiere im Wartesaale des Bahnhofes gespeist und die Regimentskavellen spielten dazu auf.. Ueber dem Warteraum lag das todtkranke Weib des StationsvorsteHers. Am Bette standen ihre beiden Schwestern, mit ängstlichen Gesichtern auf die Kranke schauend, und vor dem Bette knieten ihre beiden Kinder, ein Knabe von acht Jahren und ein Mädchen von vier Jahren. Die Mutter hatte ihre Rechte auf das Haupt des Knaben gelegt und weinte. Auch die Kinder weinten, doch sie wußten nicht, weshalb sie weinten. Bon unten aus dem Wartesaale erscholl dumpf und gedämpft die Musik; von draußen drang das Singen un Gejohle der Soldaten in das Sterbezimmer hinein. t Wo nur der Julius bleibt." sagte die Kranke mit hohler, heiserer Stimme. Was ist denn das hört Ihr es nicht? wie Musik wie viele Menschenstimmen was ist das? ist das der Tod?" Still, still, sprich nicht so viel, schone doch Deine Brust." Ein mattes Lächeln flog über das Gesicht der Kranken, sie ergriff die Hände ihrer Schwestern. Wie gut Ihr seid, wie Ihr mich gepflegt habt, doch nun nun ist es vorbei! O meine armen Kinder! Mein Julius, mein Mann wo er blos so lange bleibt " Sie wollte noch weiter sprechen, doch ein plötzlicher, heftiger Hustenanfall schnitt ihr das Wort ab. Soeben war wieder ein Zug mit. Soldaten abgefahren und eine kleine Ruhepause eingetreten. Der StationVorsteher trat zu einer Gruppe von Militärärzten, die auf dem Perron standen. Doch er sagte nichts, er konnte kein Wort herausbringen. Erstaunt sahen sie ihn an. Endlich fand er die Worte, so gepreßt klang es, als bereite ihm daS Sprechen Schmerzen. Entschuldigen Sie, meine Herren ich wollte Sie bitten, ob Sie vielleicht meine Frau ist schwer krank vielleicht können Sie helfen " Weiter kam er nicht. Mitleidig schauten die Aerzte in sein entsetzensbleiches Gesicht; dann folgten sie ihm. Hier, bitte, diese Treppe in die Höhe und dann rechts." Er wollte ihnen noch etwas mittheilen über den Verlauf der Krankheit, doch da hörte er schon wieder: Vorsteher! Vorsteher!" Nach kurzer Zeit traten die Aerzte wieder auf den Perron heraus. In der Ferne erblickten sie den Stationsvorsteher, doch schnell stiegen sie in einen soeben vorfahrenden Zug ein. Endlich, endlich waren die Militärzüge abgefahren. Taumelnd, wie ein Trunkener, stieg der Stationsvorsteher zu seiner Wohnung empor. Am Bette seiner Frau lagen die beiden Schwestern und seine Kinder auf den Knieen und beteten für die Todte! Da fiel auch er nieder auf die Kniee und bedeckte sein Gesicht mit den Hän--den. Von der Stirne floß ihm der Schweiß und vermischte sich mit zwei Thränentropfen, welche langsam in seinen Bart rollten. In der Ferne aber hörte man noch das Rollen des zuletzt abgefahrenen Soldatenzuges, die schwachen, ersterbenden Töne der Soldatenlieder. Ehrgeiz. Bankiers - Gattin: Du, Moritz, wir müssen unserer Elsa auch einen Flügel kaufen, wie es die Maiers gethan haben; wir dürfen uns von solchen Leuten nicht überflügeln lassen!" Zwei Anziehungspunkte. 1. Soldat: Ich hab' die Anna auf den ersten Blick geliebt!" 2. Soldat: Und ich die List auf die ersten Knödel!" Vor einer. Schmiere. .Das Obst, welches man heute zu werfen gesonnen ist, bittet man Hoflichst, an der Kasse abzugeben, da es wöhnlich von Leuten gegessen wird, für welche es gar nicht bestimmt ist!" Die junge Hausfrau. Junge Hausfrau (zum DienstmädHen): Nanni. rupfen Sie dem Hasen die Haare ab, ich will ihn bralen!"