Indiana Tribüne, Volume 21, Number 85, Indianapolis, Marion County, 12 December 1897 — Page 7
" KeNa. k Nodellette von Hanna VrandenfelZ. Sei vernünftig, Marthe, und 1)3 cuf Deine Mutter. Wer der Eltern Wcrt nicht achtet, dem geht es nicht wohl auf Erden. Laß Dich nicht durch ReiÄthum blenden, liebe Tochter, es wird Dich gereuen!" 2?a habe ich denn so vom Leben, Mutter? Nichts! Wenn ich Bar. Tun werde und reich ich weiß nicht, Traf Du willst! Jede andere Mutter toStde sich freuend Marthe steht vor dem Spiegel und ,J7eht die blauschwarzcn Löckchen in die öveiße Stirn. Das ganze reizend? Soubrettengesichtchen fiebert vor Aufregung über bal große Glück" sie, die Tochter be Neinsten Wirthschaftsbeamten auf Bobrow, soll hierSchloßHerrin werden. Marifc! (Zott verzeih' Trat, daß ich Dich in 'die Pension gafc, da bist Du auf böse Gedanken gekommen, aber ich mcinie Ts gut Du solltest etwas lernen, termit Du eine anständige Stellung beanspruchen konntest, wenn föm Vater und ich ruchi mehr sind. Marthe, erbarme Dich!" Herrgott, Mutter! Du bist komisch? Er wird mich dvch nicht um bringen! Ich soll singen, spielen, lachen, lustig sein und ihn ein "wenig tjfleqrc was ist da Schlimmes dabei?' Marthe. Du willst Dich verkaufen cus Sucht nach Geld und Glanz! Aus Hochmuth! Dein Herz wird töer erWochen und Du wirst Tarm schwer gestraft werden! Du weißt ja nicht.was 'heißt, verheirathe sein! Besinne Dich. Marthe. besinne Dich! Dusollst 'nicht bloß seine Unicrhalterrn sein sein Eheweib. Marthe. hörst Du?! sein 'Eh.'weib! Mit Leib und Seele sein 'Eigenthum! Besinne Dich. Marthe! Und denkst Du an Bork. Marthe? 'Bork liebt Dich, er wird 'hier zweite Inspektor und e? ist gut -und treu 'mache Dich nicht unglücklich, Marthe'! 'Vater will es rmch nicht! Der lieve Herrgott straft Vie Kindrr, die ihren 'Eltern ungehorsam sind. es thut nimmer gut, Marthe, und Bork Du bist ihm gut ich weißes, Marthe i versündige Dich nicht!" Den frischen, rothen Mädchenmund umzuckt ein Tnltleidiges Lächeln. Burk! was soll sie mit dem? Sich plagen inld mühen unier "ven 'Launen und Vefehlen der Herrschaft, wie'die Mutter Bork ja sie ist ihm gut, abn Wirthschaften werden für Mann und Kind?: wie eine Magd schaffen dienen dienen, wo sie herischen kann? .Mein liebn: Gott, Marthe. hör' doch auf Deine alte Mutter ich will doch, 'daß -mein Kind Nicht unglücklich roird. Sei nicht thöricht. Mutter! Es ist auch für 'Dich -und Vater, was ich thue!" Untersteh'' T)ich!" 'brauste die alte Frau auf, uns laß weg von Deinem Handel. Bete-und arbeite, .heißt es bei uns! Willeiden nicht 'Noth und wenn wir auch nichts zu schmarotzen haben, so sind wir d?ch zufrieden und glücklich! Marthe, 'Reichthum macht nicht glückliche Unglücklich auch nicht, Mutter! Armuth thut's -und und und wenn ich nachher wenn ich Wittwe bin Liebe allein macht auch nicht glücklich!" Doch. Mssri'he.'dochr" Du bist s? altmodisch. Mutter!" Marthe!- Die alte Frau fcchte die zarten Schultern 'der Tochter und rüttelte sie unsanft. Marthe, ich habe eine junge Iran gekannt, dir hatte ihren Bräutigam 'verlassen und sich auch an einen Greis verschachert und die wurde nachher irrsinnig aus Gram um den Einen und aus Ekel um den Andern, hörst Du? Aus Ekel, Marthe " Vor der Rampe von Schloß Bobrow bält ein Wagen. Flinke Dienerhände offnen den Schlag und helfen einem alten Herrn beim Aussteigen. Tag. Anton! Sieht's schlimm aus oben?" Gottlob nein, Herr Gebeimrath!
Der gnädige Herr Baron befinden sichM außer Jöm. So? Hm! macht nachdenklich der alte Herr und schreitet gelassen über die Freitreppe durch die Halle und dann die teppichbelegte Treppe zum ersten Stockwerk hinan. In seinem hohen, mit uralten, köstlich geschnitzten Möbeln besetzten Gemach sitzt fröstelnd Baron Norla. der Schloßherr von Bobrow. Ein kleines dürres Männchen mit einem bartlosen Nunzelgesichtchen, das wie ein verschrumpfter rothwangiger Apfel aussieht. Er stemmt die kleinen Füße gegen den Rand des Kamins und blickt sinnend in's Feuer. Die Eichklotze knistern, prasseln, lodern in Flammen auf und fallen zu einem Gluthhaufen zusammen die kostbare alte StutzUhr macht ihr fabelhaft feines ZU Hat Tik-Tak und das Männchen am Kamin nickt sinnend nach der Gluth hin: ich thu's ich thu's" und dorrn ein Zusammenschrecken, halb freute, , halb ängstlich der Geheimrath i ' eingetreten. , Das Männchen wippt erstaunlich j slmk m die Hohe, so daß es gerai.-u lächerlich nach Hexerei aussieht bei einem Sicbziiaiäbriaen. Rorla und Geheimrath Derne sirb j intime Freunde seit ihrer Jugend. Ein. sonderbarer Contrast, wenn man r.; j Aeußere der Beiden vergleicht. Deine ; hoch, breitschulterig mit edel xeschni-te nen Zügen, weißem Scheitel- j Baartbaar und trotz des hohen 2i!!-t ' von beinahe strammer gerader Hai? c. wie ein Eichbaum. Norla winzig 'len, zusammengetrocknet wie ein alter eures Reis von Zwerggestrüpp. .Vs.:i dem Andern so unähnlich wie j ': und zwischen Beiden doch eine ? r;-.;.nl schaft so treu, so echt nur . 5., '.:d
zuivht sie anscheinend in Scherben zu flccn wenn Derne vom Tode svriüt.
Norla fürchtet den Tod wie selten ' -i o cy.:o trn.rx.M I ein aogeuoroenes yui am icniu. stamme. Er möchte leben! leben! Iefonl und wieder jung werden. Wie könnte man das? Wie? Wie? Er hat seinen kleinen verschruuipsten Kopf mit dem graurothen Haarjchvpf so lange hin und hergewiegt und angesirengt, bis er auf ine Idee gekommen ist, auf eine großartige Idee: Heirathen! Einfach heirathen! Natürlich ein ganz junges Blut, das lachend und singend durch die öden Zimmer und Corridore fliegt, das ihn mit warmen' lebensvollen Armen umfaßt, so fest intb warm umfaßt, daß der köstlich sprudelnde Jugendhauch ihn anweht 'und durchströmt das wird ihn ver jüngen, das wird die Schatten wärmen, verjagen, die Gevatter Tod auf die großen Wandflächen hüben und drüben' aufdringlich hinmalt. Daß er nicht längst darauf gekommen ist! Zu dumm! Da mußte er neulich in der Bibliothek das verstaubte Buch finden, das Buch, das von dem Weisen des Alterthums wie hieß der Kerl doch gleich? wie nur? nun, mochte er heißen wie er wollte er war jedenfalls ein Schlaukopf gewesen, dieser kränkelnde Weise. Er hatte sich eine schöne blutjunge Sklavin gekauft, die machte ihn gesund und vertrieb ihm die Todesfurcht, an der er beispiellos litt. Der alte Weise hatte die schöne Helia nicht gekauft, um Liebe von ihr zu heischen nein, er hatte sie bezahlt, wie der Kranke die Medizin. Helia ward ihm eine köstliche Medizin ein keusches, reines, ahnungsloses Kind, dessen Singen und Dachen seine kalte frierende Seele wärmte das Leben ihres Gebieters konnte Helia nicht verlängern, aber er selbst sagte in seiner Todesstunde zu ihr: .Ich sterbe dennoch, aber ich sterbe nicht in Nacht und Kälte ich sterbe in Licht und Sonne Helia war meine Sonne...." War doch ein grundgescheidter Kerl gewesen, dieser Weise Helia eine famose. Idee! Er, Norla. wollte es auch so machen zx wollte ja auch nicht an Liebe denken beileibe nicht fiel ihm nicht ein! um Gotteswillen! nur Wärme. Sonne, Jugendhauch Medizin gegen das Todesgrauen Helia!.... Anton hat längst die Lampen gebracht und frische Klötze in die Gluth gelegt und "die beiden Greise sitzen noch immer am Kamin beim .feurigen Burgunder und Norla hat dem Freundr zagend, aber zähe festhaltend an seinem Entschluß, mitgetheilt, daß er Marthe Neumann, ein junges schönes Mädchen aus dem Kreise seiner Wirthschaftsbeumten, heirathen wolle. Dazwischen hat er von dem Buche des Weisen und von Helia mit jugendlicher Begeisterung geschwärmt und Quf die theilnehmende Frage des Geheimraths, ob er etwa kopfkrank sei, verstimmt geantwortet, daß er an seinem Alter kranke und da es keine Helia - Medizin mehr zu kaufen gäbe, müsse er sich eben eine Frau nehmen. Ich würde mich schämen, Lothar." schilt drr Geheimrath, sieh' mit Deinem trockenen Hagebuttenkopf in den Spiegel und lache Dich aus! Redest solchen Ansinn vonHeirathen und stehst mit einem Fuß im Grabe!" Eben deshalb, lieber Heinz ich will nicht immer das Grab sehen ich kill Helia sehen!" Wenn Du nur nicht noch verrückt wirst, Lothar? Wäre ein Jammer, wenn ich noch erleben müßte, daß man Dich in irgend eme Gummistube sperrt. Ich denke. Du riefest mich, weil Du trank seiest, und Du hast solche Dummheiten im Kopfe, schäme Dich. Alter!" Es ist angerichtet meldete Anton. Warte, ich singe Dir erst noch ein Lied. Lothar,- sagt schelmisch der Geheimrath, sich erhebend und in das Nebenzimmer zu dem schönen Flügel schreitend. Den Händen, die kraftvoll in die Tasten greifen, merkt man es nicht an, daß sie einem Greise gehören. Es war ein alter König." Die Stimme ist gebrochen sie klingt wie ein altes verbrauchtes Instrument, das ab und zu noch Töne hat. die verrathen, daß es einst in -sei-ner Glanzzeit von entzückendem Wohlklang gewesen sein muß. Bitte, komme, Heinz! Es ist angerichtet!" Der arme alte König Er nahm eine junge Frau." Norla oeht aufaeregt um den'mitten im G:mach: steh ritcn Flüg l h turn er denkt an Helia die dumme Ballade von dem alten König äert ihn. Es war ein junger Page." Aber so komme doch! Das Essen wird kalt!" Der trug die seid'ne Schleppe Der jungen Königin." Norla wartet das Ende des Liedes nicht ab. Er trippelt krummer, rothwangiger, verschrumpfter wie je voll Aerger nach dem Eßfalon. Herbststürme brausen um Schloß bobrow. Sie reißen an den schweren Trauben am Spalier, knicken starke Laumäste und peitschen die Wellen des Äobrower Sees zu hoben Wogen auf. Am Himmel jagt dickes Gewölk und nun fallen große Tropfen sie rauschen klatschend auf das leichte Dach eines einsamen Waldhäuschens tief unten im Bobrower Park und ihr Gerausch dampft die schluchzende Frauen-
stimme im Innern des Hauschens. Ein junges schlankes Weib, in schleppenden schwarzen Sammet gekleidet, lehnt an der Hinterwand und ringt verzweifelt die Hände. Mutter! Mutter oh hätte ich auf Dich . gehört Du Gute, Liebe!" Im Eingange lehnt mit todtblassem Gesicht der junge Inspektor Bork. .
.Mei7c Herz bricht in Stücke, wenn Du gst.- weint das junge Weib. etzt löst sich die nervig- Gestalt dcZ LUnzn Mannes vom Thürrahmen. Ich muß. Marthe! ich muß! ehe ich zum Schufte werde ich bin nur ein Mensch! Ich sollte Dich hassen und mehr noch verachten, denn Du hast Dich aus eigenem freien Willen fortgeworfen, ohne Grund, ohne Zwang, gegen Deiner braven Eltern Willen aber aber ich liebe Dich doch mehr noch wie früher als Du lebe wohl! Gott schütze Dich und mich! Ich ich hab' Dich sehr lieb so lieb zum Sterben." Bleib'. Fritz! Ich kann nicht leben ohne Dich." schluchzte sie, geh' nicht fort! Habe doch Mitleid mit mir." Hattest Du Mitleid mit mir. damals?" grollt er dumpf. Du liebst mich nicht! Du könntest mich sonst nicht so furchtbar strafen für meinen Leichtsinn." Was quälst. Du mich." sagt er rauh, Du hättest warten sollen auf mich wenn auch noch keine Berlobung zwischen uns stattgefunden hatte Du wußtest es. daß ich Dich liebte Du wußtest es. daß ich. zu ehrlich war und zu stolz, ohne feste Stellung um Dich zu freien." Sie senkt demüihia den dunkeln Kopf: Ich wußte es. Fritz!" sagt sie tonlos. Und trotzdem gingst Du von mir, nachdem mir D:ine Augen, Deine Händedrücke hundertfach gesagt, daß Du mich lieb hattest! Wer zwang Dich dazu. Dich an jene Mumie zu verkuvpcln? Wer. sag', wer?" schreit tthn wüthendem Schmerz. Wer zwang Dich, mir die Lust zum Leben zu nehmen. mein Glück mit Füßen zu treten, wer?! Ich würde mich über den Hausen schießen, wenn ich mich nicht schämte! schämte vor unserm Herrgott und vor den Menschen!" Sie richtet sich plötzlich auf und ein Leuchten geht über das junge weiße Gesicht. ' Fritz, ich will Buße thun für meine Sünden, für meinen sträflichen Leichtsinn! Willst Du mir einen Gefallen thun? Zum letzten Male, Fritz?" Was soll's?" Rudere mich hinüber zum Kloster," bittet sie. ich will Schwester Maria um Rath fragen, was ich thun muß, um Nonne werden zu können. Meine Ehe kann nicht geschieden werden, aber in's Kloster kann ich gehen ich halte es nicht länger au, Fritz, oder es geht mir wie jener Frau, von der mir die Rutter sagte, daß sie wahnsinnig ward ans Gram und und Ekel." Du redest thöricht Du bist so jung noch Du in ein Kloster wo Dir graute vor einer Jnspektorwohnung. in der die Liebe wohnen sollte die Liebe ohne Prunk und Glanz was willst Du im Kloster " Bring' mich hinüber. Fritz!" Es regnet der Himmel sieht gefährlich' aus Du könntest Dich erkälten!" Fritz, sei barmherzig bringe mich hinüber gleich "
Am Horizont ballen 'sich schwarze Wolkenmassen zusammen, die hin und wieder ein Blitz in scharfem, grellem Zickzack durchschneidet Wildes, tolles Gewitter tobt in der Luft ... Auf den hochgehenden Seewogen wippt ein leichtes Boot hoch auf und nieder es ist fast bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt ... Der Sturm brüllt der Donner rollt krachend an den Felswänden herab und zwei Ruder springen wie neckische Kobolde zwischen den hohen Schaummlltzen der Wogen auf. Der junge bleiche Ruderer hat seine ganze Kraft umsonst eingesetzt im Kamvse mit den Elementen das Boot sinkt seit der Kindheit hat Fritz Bork nicht wieder geweint jetzt tobt die Aufregung, die Qual der vergangenen Stunden zu mächtig in ihm ein Aufschluchzen bricht aus der breiten Brust er schling die Arme um die knieende bebende' Gestalt der Geliebten und sieht in ?wei leuchtende iunge Augen, die wie Kohlen in dem schneeigen Antlitz brennen . Martbe. jent sind wir verbunden GoH ist gütig. Fritz droben vereint." Die Wasser auraeln über die letzten Worte, über ein eng verschlungenes Paar. . . . Ei" umgekipptes Boot tanzt auf den Wellen. ... Haarmode. Man sieht jetzt in Paris auffallend viele blonde Damen man darf frei heraussagen: rothhaarigeDamen, denn blond sind gar viele von Geburt her, aber ein so schönes, schillerndes Roth, wie es jetzt Mode ist. kann nur durch Kunst erzeugt werden. Die Damen lassen sich ihr Haar roth färben, was mühsam und kostspielig ist und deshalb nicht von Jeder nachgeahmt werden kann. Wie es scheint, ist diese rothe Farbe sehr dauerhaft. Das Haar spielt jetzt eine große Rolle, denn die Kämmung ; la Chinoise herrscht vor. Das Haar wird emporgekämmt. so daß es einen hochstehenden, fast Handhohen Wulst über der Stirn bildet. Seitlich dehnt sich der Wulst über die Ohren aus, um hinten ganz breit und wuchtig auszuladen. In dieser mächtiaen Haareinfassung erscheint das Gesieht klein und etwas länger, was sich gar nicht übel ausnimmt. Natürlich paßt hierzu ein Barett besser als ein mächtiger, nach den Wolken strebender Hut. BerfehlterZweck. Liddy: Also Du hast gestern nach dem jungen Arzte, den hübschen Doctor Müller geschickt, wie war's denn?" Susi (entrüstet): Ach, der abscheuliche Mensch hat gerade gethan, als ob ich ihn krankheitshalber hätte rufen lassen."
Vilder aus Dcutfch'Togo. ?on Otto Leonhardt. Das deutsch - französische Abkommen über Togo lenkt erneut die Aufmcrksamkeit auf die deutsche Colonie Golf von Guinea, die nach mannigfachen Schicksalen allem Anscheine nach jetzt mit schnellen Schritten einer gedeihlichen Entwickelung entgegengeht. Hier, an der Guinea - Küste, war es. wo vor zwei Jahrhunderten die kurfürstlichen Fregatten Kurprovinz" und Moriahn" vor Anker gingen und die Beste Groß - Fricdrichsburg . anlegten, wo der große Kurfürst in einer seiner Zeit weit vorauseilenden Erker.ntniß vom Wesen des Welthandels den Versuch machte, eine Colonialmacht zu begründen. Der kühne Versuch mißlang; heut aber flattern am Strande des Guinea - Golfes die deutschen Farben. Flach, niedrig, graugelb zieht sich der Strand hin. Die Scenerie ist eintönig, nur ein Faktorei - Gebäude oder eine Cocospalme beleben sie hier und da. 50 bis 200 Schritt vom Meere ent, fernt beginnt der Buschwald, durch den nur schmale Negerpfade in Schlangenwindungen landeinwärts führen. Das ist das Bild der Küste von Togo. Der Ocean rauscht in langen mächtigen Wogen gegen ste an, den Flachstrand oft peitschend, und bildet so die vielgefürchtete Brandung. Wer mit dem Dampfer ankommt und die Colonie be treten will, muß, da das Schiff etwa einen Kilometer von der Küste entfernt vor Anker gehen muß, sie erst überwinden, eine schwierige Aufgabe, die nur die Krumannschaft auf Grund ihrer langen Erfahrung lösen kann. Ihr Hauptmann weiß ganz genau zu beurtheilen, welche Wogen die stärkste Brechung haben und wie er sich vor ihnen hüten muß. Er läßt das Boot von einer breiten Welle zum Lande tragen ; hier gilt es, den Moment am gescvicktesten zu benuen ,um den gefährlichsten der Brecher, den Landbrecher, zu vermeiden. Mit aller Anstrengung rudern die Krujungcn ein Stoß das Boot ist im stumpfen Winkel aufgelaufen! Den noch von dem Stoße halbbetäubten Insassen reißen die Kru's empor, schleppen ihn den Strand hinauf, und während der Landbrecher schäumend das Boot überflutbet, hat der Fremde halb bewußtlos den Boden von Deutsch - Togo betreten . Indeß entspricht zum Glücke diesem wenig angenehmen Eintritte das, was den Besucher im Lande selbst erwartet, keineswegs. Die Küstenorte, die noch vor 12 Jahren, als Zöller Togo bereiste, meist völlig still dalagen, wenn nicht ein Punkt am Horizonte die Ankunft eines Dampfers oder Seglers ankündigte, : heut zeigen sie schon Leben und die Zeichen europäischer Cultur. Am Strandwege von Klein-Popo, dessen eigentlicher Name Aneho ist, sinden wir neben de.nstattlichen Faktoreien und den Gebäuden wohlhabender Häuptlinge, die sich hier bereits zweistöckige Häuser aus Ziegelsteinen errichtet haben, die deutsche Schule und das Nachtigal - Krankenhaus, die Wesleyanische Mission, das Postamt und das Zollhaus. In Lome, dem Haupthafen der Westküste, verschwinden die früheren unansehnlichenStrohHäuser mehr und mehr und solide Stein- und Ziegelbauten erheben sich an ihrer Stelle. Am Strande läuft jetzt eine feste, 3 Meter breite Straße entlang, und ein rechtwinklig sich kreu-
zendes Straßensystem giebt dem Orte ein stadtartiges Gepräge. Und wenn wir von der Hamburger-, der Mittelund der Bismarckstraße im fernenLome hören, so sind es nicht nur die Namen, die uns von der Cultur erzählen: die Straßen sind breit, festgestampft und bepflanzt und dürfen also wirklich mit Recht ihre gesitteten Namen tragen. ' Ihren eigenthümlichen Character erhält die Küstenlandschaft von Togo durch jene große Lagune, die sich in geringer Entfernung vom Strande ihm parallel hinzieht. Sie entstand dadurch, daß die anrollende Dünung des Meeres den Flüssen die Mündung versperrte und sie so zu dieser seeartigen Ausbreitung zwang. Die Lagune bildet im Osten und Westen schmale schiffbare Canäle, in der Mitte aber buchtet sie sich zum breiten See aus, an dessen hohem Ufer u. a. Das Dorf Togo liegt. Während im Westen die Lagune allmälig wieder zu verlanden beginnt, concentrirt sich die Cultur im Osten. Da sind See und Lagune von Siedelungen dicht umgeben; da liegt auch die Landeshauptstadt Sebbe, wo am Nordufer der Lagune die deutsche Flagge aus dem Regierungshause weht und das große Werk einer steinernen Brücke über die Lagune im Bau begriffen ist. Bei Sebbe befinden wir uns überhaupt in einer Gegend, die so dicht bevölkert, so wohlbebaut ist, wie man es kaum zu vermuthen möchte, wenn man Togo's öden Flachstrand zuerst zu Gesicht bekommt. Zahllose Dörfer und Farmen bedecken hier das Land, wohlgepflegte breite Wege durchziehen es, weite Felder von Mais, Yams, Erdnüssen, Maniok u. s. w. begleiten sie. Der ehemalige Gouverneur von Puttkamer bemerkt, daß der Neger hier durch die Dichtigkeit der Bevölkerung bereits zu Anstrengungen gezwungen sei, die ihm sonst fremd seien. Die Sorgsalt, mit der die Felder angelegt und bearbeitet sind, ist erstaunlich. Samen und Pflanzen werden ordentlich in Reihen gesetzt, die emporkommender. Pflanzen mehrere Male behäufelt, ja sogar das üpig wuchernde Unkraut ausgejätet." Die G:höfte selbst sind sanoer aealten. von Pflanzungen umgeben, auf dem freien Platz vor dem Haufe des Dorfältesten steht, unserer Dorflinde vergleichbar, gewöhnlich ein riesiger schattenspendender Affenbrodbäum. - Die Neger der Colonie gehören zum größten Theile dem Stamme der Ewe an, und dieser Stamm steht doch auf einer solchen Stufe der Entwickeluna.
daß man von Wilden" nicht sprechen kann. Töpferei, Schmiedehandwerk, Weberei und andere Künste werden von ihnen betrieben, und die Erzeugnisse zeigen oft cefälligen Stil und achtungswerthe. Kunstfertigkeit. Die Bremer Missionare haben sich ihre Neger zu so gutenHandwerkern herangebildet, daß sie ihre schöne Station Amedschovhe im Avatime - Land ausschließlich mit eingeborenen Tischlern, Schreinern. Glasern, Maurern etc. erbauten. Die Ewe - Neger sind mittelgroß, aber kräftig und wohlgebildet, meist zähe, und gelenkig; sie können u. a. die große Zehe daumenartig bewegen, also mit den Füßen greifen. Sie pflegen ihren Körper sorgfaltig, reinigen sich nach der Mahlzeit mit einem Stäbchen die Zähne, baden und waschen sich fleißig. Ja, von den Mädchen im Adelilande erzählt Büttner, daß sie sich des Tages wohl ein halb Dutzend Mal baden und Abends die Haut salben ; das schönste Geschenk, das man ihnen machen kann, ist ein Stück Seife, etwas Parfüm oder Pomade. Ihrem Charakter nach sind die Ewe friedfertig und heiter. Ihre Neigung zum harmlosen Scherz, die den Negerrassen fast durchgängig innewohnt, erfüllt auch sie. Bolz erzählt, daß sie einem englischen Missionar, .der seinen Unterricht regelmäßig mit den Worten we will repeat" begann, den Scherznamen Massa Ripit gaben. Ihre Sprichworte zeigen eine gesunde, einfache LebensWeisheit und zuweilen Humor: Kleid ist Mensch", sagen sie, oder: Crokodilkind stirbt nicht Wassertodt". Ihrer Gemühtsart entspricht der friedliche, Patriarchale Zuschnitt ihres Lebens. So trägt bei ihnen die Sklaverei einen milden Charakter; Sklavenkinder sind frei, und die Sklaven reden den .errn als Vater" an, wie er sie denn auch wirklich väterlich und freundlich behandelt. Die Arbeit freilich ist und bleibt ihnen und den Frauen überlassen. Der Vater" sitzt zu Hause und raucht, begiebt sich zum Palawer oder schwatzt mit seinen Nachbarn. Abends, wenn die Weiber und die Sklaven heimgekehrt sind, beginnen fröhliche Unterhaltungen. Palmwein und Aha" (Alcohol), wenn man letzteren auftreiben kann, werden jedoch meist nicht im Uebermaße getrunken, Musik ertönt, es wird gesungen, gescherzt und gelacht, und schließlich auch getanzt. Die Stellung derFrau ist ungünstig, sie wird gekauft und hat zu arbeiten; doch erleichtern ihr die Sklaven dieArbeit. Am Schmucke hängen sie sehr, besonders sind metallene Arm- und Fußringe beliebt. Kling sah Frauen, die mehrere Pfund solcher Ringe trugen. Für ihre Putzsucht spricht jene wunderliche Frisur, die Büttner bei AdeliFrauen beobachtete. Sie ziehen und kämmen ihre Haare mit großer Geduld so lange und so oft aus, bis sie schließlich in ihrer ganzen Länge ohne weiteres Bindemittel starr aufwärts stehen. Eine solche Frisur können sich aber nur wohlhabendere Frauen leisten, da sie vielerlei Rücksichten erfordert und die Besitzerin daran hindert, Gegenstände auf dem Kopf zu tragen. (Anen Ausweg aus dem gewöhnlichen Frauenlose bildet für die Mädchen der Uebertritt in den Agbui - Orden. Sie werden dann von den Priestern auferzogen, in gewisse Ceremonien und eine Geheimsprache eingeweiht. Nach vierjähriger Schulung kehren sie zu ihr;n Angehörigen zurück, bleiben als Gottverlobte" unverheirathet und können nun ein völlig ungebundenes Leben führen. Ihre Hauptthätigkeit besteht in der Abwehr von Gewittern und in der Entsühnung vom Blitze getroffener Häuser. Die Religion der Ewe ist ein Fetischdienst. Nur vier Kilometer von Lome entfernt liegt ihre großeFetischstadt Be, die lange den Europäern völlig verschlössen war, von 'Zöller jedoch besucht werden konnte. Freilich stellte man ihm und seinen Begleitern als Bedingung, sie müßten im Costüm ihres StammVaters Adam in die heilige Stadt einziehen, und nur mit Mühe konnten sie wenigstens die Hosen retten. Die Stadt" erinnert in ihrer Bauart an mittelalte Städte; zahlreiche Fetischbilder, die zum Theil durch ihre Aehnlichkeit mit Schneemännern und ihren komischen Aufvutz mit alten Zeitungen, Lumpen u. s. w. sehr drollig wirkten, sind überall aufgestellt; doch war der große Fetischtempel nicht zugänglich. Hier steht das hochverehrte Bild des Kriegsgott's Njikpla, der sich in einer Sternschnuppe zeigt und auch der Regengott ist. So heilig ist den Ewe die Stadt Be, daß nicht einmal das Gras in ihrer Umgebung betreten werden darf. Uebrigens bilden die Ewe nicht ausschließlich die Bevölkerung der Colonie, vielmehr sind verschiedene Stämme durcheinander geworfen. Es scheint die Geschichte des Landes in einem unausgesetzten Nachdrängen der Völker aus dem Inneren, dem Sudan, zu bestehen. So schieben sich jetzt langsam, aber stetig, die mohammedanischen HaussaStämme der Küste zu, und mit ihnen dringt eine höhere Cultur, aber auch der für die deutsche Verwaltung in mancher Hinsicht bedenkliche Islam vor. Es theilen die Haussa mit den Ewe eine beachtenswerthe kaufmännische Begabung. Von der.Küste nach den Inneren und vom Inneren nach der Küste herrscht ein ülraus reger Han delsverkehr. Geht der Neger auf die Reise, so nimmt er seinen kleinen Borrath mit; überall ist er im Nri ausz'kramt, der Handel geht flott und bald sind die Reisekosten herausgeschlagen. Auf den Märkten geht es daher überaus lebhaft zu. Der große Markt des Nordwestens z. B. ist Salaga, ein Ort, den Kling besucht hat. Hier kommen und gehen zur Marktzeit täglich große Carawanen, die ganze Stadt ist mit Verkaufsständen besetzt, ein Trommelcorps macht Musik, die Handwerker Barbiere, Schuster, Schneid? u .s. w. treiben mitten in dem lärmhascen Verleb rubia ibr Gewerbe, an den
Fleischbänken wird frisch g'scblachteteZ Ochsen- und Hammelfleisch verkauf! und Aasgeier, die begierig auf die Abfälle warten, umschwärmen sie. Deutet der gewaltige Marktverkehr auf ein öereits sehr entwickeltes Land, so ist uns der Bezirk von Salaga speciell noch darum besonders interessant, weil er voraussichtlich bei den bevorstehenden j deutsch - englischen Verhandlungen eine große Rolle spielen wird, indem er bisher als neutrale Zone abgegrenzt ist, Deutschland ober Anspruch auf diese Länder erheben wird. Es ist eine überaus wohlangebauteGegend. Unübersehbar weit dehnen sich Namsfelder, die mit peinlichster Sorgfalt bestellt sind, aus. Die Halme sind oft bis zu fünf Metern hoch und von Körnern schwer. Eine blühende Farm reiht sich an die andere. In den Feldern arbeiten Schaaren von Sklaven mit solchem Eifer, daß sie beim Vorüberziehen des Weißen (Kling) nicht einmal aufblicken. Unter Trommelschall ziehen sie früh zur Arbeit, um erst spät Abends wieder heimzukehren. Hier im Hinterland? herrschen vielfach andere Sitten. So artet hier der Genuß von Palmwein oft aus,, und Betrunkene sind eine gewöhnliche Erscheinung. Die Häuptlinge gewähren nicht selten einen geradezu grotesken Anblick: einer erschien in einem gelben, weiten, mit bunten Leder-, Metall- und Fellflecken benähten Hemde, einem Turban, der von Amuletten und kleinen nach außen stehenden Häkchen strotzte und daher wie eine ungeheuere Jgelfellmütze aussah. Dazu hohe wattirte bunte Tuchstiefeln mit Sporen, ein dickes ledernes Halsband um den Hals und zinnerne Armringe. Je weiter man in das Innere der Colonie vorgedrungen ist, um so sicherer wurde es, daß sich hier Landschaften von großer Fruchtbarkeit und von ungewöhnlicherSchönheit befinden. Die den Westen der Kolonie süllenden Fetischberge umschließen großartige Gebirgslandschaften mannigfachen Charakters. Nicht selten auch wird man an das deutsche Mittelgebirge, an Thüringen z. V., erinnert; der Jeggebach bei Bismarckburg kann bei oberilächlicher Betrachtung (wenn man besonders die Lianen übersieht) wohl an die liebliche Ilse gemahnen. An die Fetischberge schließt sich dann die weite sudanesische Hochebene an, auf die die Station Bismarckburg. 710 Meter hoch auf dem Gipfel des Äradoberges gelegen. hinabblickt, ein echtes Bollwerk der Cultur, wo die Wissenschaft gepflegt wird und von wo ein unverkennbar günstiger Einfluß auf die Eingeborenen der Umgegend ausgeht. So bietet Togo von der Küste her und im Innern einen ganz verschiedenen Anblick. Die Küste 'ist recht eng begrenzt, und nicht eben günstig entwickelt, obgleich die Schwierigkeiten der Brandung keineswegs unüberwindbar sind und z. B. durch die Anlage einer Landungsbrücke sich wesentlich verrinringern würden. Nach dem Innern -zu verbreitet sich unser Gibiet und umschließt gesegnete, reiche und schöne Landschaften, deren Bewohner Wohl zu friedlicher Arbeit zu erziehen sein dürften. Viele glückliche Bedingungen vereinen sich, um gerade dieserColonie eine gute und schnelle Entwickelung zu sichern, zumal wenn ihre Grenzen natürlicher werden und der Flußlauf des Wolta im Westen dem deutschen Handel sich öffnet, so wie ihm jetzt im Osten der Mono zugefallen ist. Ein Mann, der sich zu he lfen weiß.
Richter: Sie heißen Mayer und sind Fußkünstler. Sie sollen in der Sache contra Schmidt als Zeuge vernommen werden, nun heben Sie die rechte Hand in die Höhe und sprechen mir nach: Ich schwöre" - Fußkünstler: Ich schwöre!' Er: Aber Klärchen, das theure Kleid willst Du haben und einfach! Sachen kleiden Dich so gut!" Sie: Da siehst Du eben, Männchen, ich bin gar nicht eitel!" . .
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DaS Lird vo:n 2r. Lccher.
Der Daueredner Dr. Lecher. welche? durch seine zwölfstündige Rede im österreichischen Abgeordnetenhaus? der Held des Tages geworden ist. hat schon seinen Sänger gefunden. Die Prager Bohemia" veröffentlicht folgendes Lecher Lied": Neun Uhr Abends hat's geschlagen, Als der Kämpfer ohne Zaaen Seine große That begann Anfangs nur als leiser Sprecher Führt das Wort der Doktor Lecher Heil dem braven deutschen Mann! Was nur leise ward begonnen. Hat gar bald an Kraft gewonnen, Ward ein lauter, heller Speech Doktor Lecher. der spricht weiter. Wüthend blickt der Sitzungsleiter Ritter Abrahamowicz! Und kein Ende nimmt dies Sprechen Und die Polen und die Czechen, Die erstaunen ringsherum Wolf, der trommelt als Begleiter, Doktor Lccher, der spricht weiter Ueber's Provisorium. Als der Pole sich verkrochen, Den er in den Grund gesprochen. Kam der and're Präsident, Doktor Kramarz, zornig schreit er, Doktor Lecher, der spricht weiter, Ist noch lange nicht zu End'! Längst entschwand die Geisterstunde, Doch aus Doktor Lechers Munde Quoll noch frisch die Redefluth, Immer stärker, immer breiter Doktor Lecher, der spricht weiter, Unverzagt und frohgemuth! Bei des neuen Tages Scheine Spricht er bis dreiviertel Neune, Nicht ermattend im Gefecht Doktor Lccher. der spricht weiter, Heil dem nimmermüden Streiter Für das gute deutsche Recht! Unsern Untergang ersehnen Czechen. Polen und Slovenen Feinde hier und Feinde dort. Doch der Deutsche, der spricht weiter Siegessicher, ruhig-heiter Er behält das letzte Wort! 102 Jahrealt. Der letzte Combattant aus den deutschen Freiheitskriegen von 1813 15 ist August Schmidt in Wolgaft, geboren am 11. Februar 179;. Als vor drei Jahren durch durch einen Ausschuß des deutschen Kriegerbundes die Zahl der noch lebenden Befreiungskämpfer festgestellt wurde, da waren noch deren fünf am Leben, die durch eine Weihnachtsgabe und eine Begrüßungsadresse erfreut wurden. Inzwischen sind vier davon zur großen Armee abgegangen. Als letzter weilt August Schmidt noch unter, den Lebenden. In guten äußern Verhältnissen, von liebender Sorgfalt der Seinigen umgeben, verlebt der alte Herr frischen Herzens und Geistes den ruhigen Spätabend seines Lebens. Ein goldiger Humor ist sein hervorragendster. Charakterzug. Als er vor zwei Jahren sich anschickte, den 100. Geburtstag zu begehen, da meinte er lächelnd: Gelingt mir das, dann will ich für die nächsten 100 Jahre in den Wolgaster Jünglingsverein treten." Und als er ferner hörte, daß außer ihm noch vier Veteranen am Leben seien, sagte er schmunzelnd: Ich will gerne der letzte bleiben, ich habe mich noch nie vorgedrängt und will das auch hierbei nicht thun." Der letzte Veteran hatte eine unruhige, stürmische Jugend zu durchleben. Als 18jähriger Jüngling trat er am 17. März 1813 als freiwilliger Jäger in die Armee, machte den Feldzug bis zu Ende mit und diente dann vom 1. April bis 22. Dezember 1815. Er focht bei'Bautzen, Jüterbog, Großbceren und Dennewitz, nahm an der Belagerung von Mittenberg Theil, kämpfte in der, Schlacht bei Leipzig und überschritt zweimal den Rhein. Gern erzählt er, wie beim ersten Male de? alte Blücher seinen Truppentheil mit den Worten begrüßte: Na ji ollen Pommern, nu soll'n ji französisch lier'n." Bei Ligny und bei Belle Alliance stand unser Held im heftigsten Feuer. Der. Winterfeldzug brachte auch ihm viel Beschwerde; er mußte hungern, frieren und viel marschiren. In dem Besitze des alten Herrn befindet sich eine Karte, worauf er jeden Ort. den er passirte, unterstrichen hat. Die Karte sieht bunt genug aus. Aber überall hat er sich bewährt und mit Recht ist er stolz auf das Zeugniß eines unerschrockenen, tapferen und zuverlässigen Kriegers". welches ihm seine Vorgesetzten v. Kleist, Kardell u. a in seinen Militärpapieren ausgestellt haben. Xic Voltchen. Frikcken." sagt der Elementarlehrer .eines Tages zu einem seiner Schmerzensjungen. wenn du nun eine Tüte Boltchen hast und Schorfe sitzt dabei und hat keine, was thatst du dann?" Dann ät ick se up," meinte Fritz grinsend. Ja, aber, wenn du recht viele Boltchen hast, was thust du dann?" Denn ät ick se ok up!" Jaaa aber wenn du nun satt bist, Fritz, und du hast noch 'n paar Boltchen -nach, was machst du dann?" Denn denn quäl' ick de annern ok noch rin!" W i tz i st der Humor, des Geistes, Humor der Witz der Seele. Naiv. Richter: Sind Sie schon 'mal mit den Gerichten in Berübrung gekommen?" Zeuge: Ja ich hatte einmal einen Freund der war Gerichtsdiener." Die Kleinen erfreut bei einem Gluck am meisten der Neid, der Große fürchtet bei einem Unglück am rneistm das Mitleid. -
