Indiana Tribüne, Volume 21, Number 85, Indianapolis, Marion County, 12 December 1897 — Page 10

ZuMaus Tribüne.

ErschewZ Täglich und Sonmaz. Die täzliche .Tribüne kostet durch den Xxlitx i Jnt& per Woche, die eonntagS.Tribüne'I cxt per Woche. Seide ,usacen 15 Eet5.,de, 65 Cent per Eiet. per Poft außerhalb tv. !?tdt i'.geschickt in Sraube,ehlng V ei Aa,r. tnnt 18 Süd Vlavama rraZe. Indianapolis, Ind., 10 Dezember '97 inmpetstctfäcn. Ein Lebensbild ron Ant. Andrea. Ihr Köpfchen erinnerte an die liebUchen blonden Englein des genialen Klosterbruders Fra Angelico. Es nahm alle Herzen für sich ein. Selbst die rüden Schulbuben respcctirten es, so weit sie es sahen. Dann aber schrieen sie hinter der kleine Käte fyz: Humpelstelzchen heiß ich. viele Wunder weiß ich" und so weiter in dem alten Singsang HumpelstelzchenZ." Das Enge1sköpfchn saß nämlich auf zwei hohen Schultern, die einen Höcker bildeten, und die zierlichen Füßchen, die das arme Kind trugen, bildeten den Abschluß zweier Veinchen, ungleich schiefer nock als die Schultern. Ihre schwarzäugige Base Erna hatte den Spitznamen vom Schulhof mit nach Hause gebracht; so war er uch-l hier an dein Kinde hangen geblieben. Ohne Empfindlichkeit ließ Käte ihn sich gefallen, denn auch der große Konrad aus der zweiten Classe nannte sie so; das war aber der einzige, der ihr nie etwas zu leide that. Im Winter, wenn die Schulkinder mit ihrem Handschütten den Hüllerberg heruntersausten. Erna eine der ersten, und sie frierend zusah, weil sie sich nicht auf die steile Bahn wQgte. dann nahm Konrad sich ihrer an. .Komm her, Humpelsielzchen, du sollst auch 'was von dem Vergnügen haben." sagte er. Voll Verwunderung schaute sie zu dem großen Jungen aus. Er überragte sie alle; die einzige, die sich mit ihm messen konnte, war allenfalls Erna. Wie ihre, so glühten auch seine Wangen vor innerem Feuer in der kalten Winterluft, und ihre Augen blitzten und strahlten wie seine vorLust und Freude an der herrlichenSchlittenfahrt. Wer sich aber um Humpelstelzchen kümmerte, das war Konrad allein. Das arme Kind bebte vor Kälte. Angst und Wonne, wenn er sie aus seinen Handschlittcn setzte, sie den Berg hinauf schleppte und ihr mit Püffen nach rechts und linksPlatz auf der glatten Bahn machte. Nun halt' dich aber fest!" Gleicb darauf flog der Schlitten den Verg hinunter, daß Humpelsielzchen Hören und Sehen verging. Sie dachte jedesmal, es wäre ihrLetztes, und wenn sie nachher zur Besinnung gekommen war, freute sie sich auf das nächsteMal. Wenn Konrad sie grad hinunter in einen Abarund gestoßen hätte, würde sie sich vorher auch noch gefreut haben. Einmal half er dem Schlitten zu stark nach. Humpelsielzchen schlug mit ihm kopfüber in den Schnee." Der Athem ging ihr aus. Als sie ihn wiederfand, kielt Konrad sie bei den Schultern und klopfte ihr den Schnee von den Kleidern. Das ging ein bißchen zu toll!" sagte er gutmüthia. Na, im Schnee liegt sich's nicht übel, wah?" Ihre schmale Brust arbeitete krampfhaft: Ich kann bloß noch keine Luft kriegen!" I. das wird schon werden! Nimm 'mal 'ne Handvoll Schnee in den Mund da! Das hilft." Es half wirklich. Seitdem war ihr . Vertrauen zu Konrad's Heilmitteln unerschütterlich. - Zum Frühjahr kam Konrad auf das Gymnasium, und in dem Ackerbürgerstädtchen hörte und sah man lange nichts von ihm. Erna, die drei Jahre älter war als ihre arme, kleine Vase, entwuchs bald der Schule, und die Eltern gaben sie zu ihrer feineren Ausbildung auf ein Jahr nach Stargard. Als sie heimkehrte, war sie ein Fraulein" das schönste weit und breit obenein. WaZ hatte sie nicht inzwischen von der Welt eschen! Auch Konrad war sie begegnet häufig, denn er besuchte mit ihr dieselbe Tanzstunde. Nächstens wollte er sein Abiturientenexamen machen und dann in Berlin Medicin studiren. Er läßt auch Humpelsielzchen- grüßen!" schloß Erna lachend. Danke," sagte Käte mit ihrem zirpenden Stimmchen und ,erröthete zart. Sie stickte Namen in die feinen Battisttücher einer Frau von Soundso ihrer besten Kundin. Denn Humpelstelzchen war jetzt fünfzehn Jahre alt und galt für erwachsen, obgleich sie . je i . r. . . - x - n.. niaji großer roar ais vor leazs ayren. Sie betrieb Weißsticken als ein Geschäft. Die Leute sagten, sie hätte Talent" dazu. Wie stolz war sie gewesen, als sie die ersten zehn Mark selbst verdient der guten Tante in die Hand k.n konnte. Der Onkel, der Herr Steuereinnehmer, war ganz ge '.rührt. DaS erste, was unser Humpelstelz chen verdient hat. gehört dahin!" sagte er und steckte das kleine Goldstück in Käte'Z kleine Sparbüchse. Später wurde eZ der Tante ein willkommener Zuschuß. Erna'L. Ausbildung mit Tanzstunde, Handarbeiten und etwas Französisch hatte viel Geld gekostet, und ihre Bedürfnisse zu Hause verringerten sich nicht. Sie. gehörte jetzt zur Gesellschaft", denn sie verkehrte mit der Tochter des Apothekers und trat dem Jungsrauenverein bei. Für ihr Le ben gern wäre auch Käte 'mal miiae gangen besonders vor Weihnachten, wenn die Jungfrauen" sich in der tu sten Classe der Schule versammelten. um für die Bescheerung der Armen zu nahen Md zu stncken. wayrknd die zun-

gren eyrer aolveaemo MtsslonSgeschichten oder etwas aus dem Töchteralbum" vorlasen. Aber Erna sagte: Du bist zu jung. Käte. Unter siebzehn wird keine in unseren Verein aufgenommen außerdem, du reichst ja nicht über den Tisch hinweg." Leider hatte daZ arme Kind wenig Aussicht, je größer zu werden! Um Fastnacht' herum gab es einen Ball, den Erna als ihren ersten mitmachen durfte. Zwei Wochen vorher nähten alle an ihrem neuen Staat am fleißigsten Humpelsielzchen. der es am flinksten von der Hand ging. Als der Verg von rosa Tarlatan aufgepufft auf dem Tische lag und die gute Tante seufzend berechnete, wie viel Erna's Ballkleid im ganzen kostete, söhnte Käte sich endgültig mit ihrer Kleinheit aus. Einen letzten entsagenden Blick warf, sie auf ErnaS hohe, schöne Gestalt, dann calculirte sie: Ein wahres Glück! Wenn ich 'mal auf einen Ball gehe, wird es nicht dieHälfte kosten." Nicht einen Fetzen von der rosa Gaze ließ sie umkommen. Sie liebte bunte rv j.

Lsacyen. ein Cigarren oanvcii, ici Schleifchen oder Spitzchen Png im Hause verloren. In dem Winkel des Zimmers, das Erna mit ihr theilte, stand ein Kästchen mit Käte's Raritäten. Aus einer Cigarrenkiste vom Onkel hatte sie es sich mittels leererZwirnrollen. Stanniol und Reclamebildchen, die sie Gott weiß wo gesammelt hatte, hergestellt: es war ein wahresSchmuckstück für die Stube geworden. Fehlte 'mal jemand ein Handschuhknopf, ein Schleifchen,' em Flicken zum Ausbesfern, ein Fädchen bunter Seide oder Wolle, brauchte er sich nur an Humpelstelzchen zu wenden: sie konnte mit allem auswarten. Erna sdj in ihrer Pracht von rosa Tarlatan und gelben Zeugrosen selber wie eine schöne," frisch erblühte dunkle Rose aus. Käte's Augen konnten sich Nicht satt an ihr sehen. Eben nahte sie noch eine rosa Schleife an ihren Fächer, als es klingelte. Die Tante ösfnete. Ein großer, junger Herr, emen Prachtvollen Blumenstrauß in der Hand, überraschte sie mit der Frage: Ist Fräulein Erna fertia?" Herr Konrad! Sie sind es? Ich hätte Sie nicht wieder erkannt. Treten ... -i. Sie nur ein! Wollen Sie auch auf den Ball?" Freilich'. Ich bin schon herüber gekommen. Fräulein Erna hatte mir erlaubt. sie abzuholen. Die Frau Steuereinnehmer wußte nichts davon ; sie fand auch nicht Zit, sich darüber zu wundern, denn Erna erschien, lächelnd und strahlend, einen rosigen Schimmer auf ihrem jungen Antlitz. Ich dachte nicht, daß du Ernst machen würdest, Konrad!" sagte sie munter. Hinter ibr stand Käte, so klein und glanzlos, daß der junge Mann sie erst nicht bemerkte. I das ist ja Stelzchen!" rief er dann und verschluckte gutmüthig das häßliche Vorwort. Noch eben so blond und klein wie damals. Guten Abend! Wir brauchen nicht erst Brüderschaft zu machen, wie? Erna redete mich nam lich in der Tanzstunde mit Herr" unl Sie an. Er schüttelte ihr so derb die Händchen. daß es ihr weh that; aber sie la chelte selia und hob sich auf die Fuß spitzen, um ihm in die Auqen zu sehen. Die hingen aber unverwandt an Ernas blühender Schönheit, daß er nichts anderes merkte am wenigsten den feuchten, dunklen Schimmer in Käte's Blick. Die Anderen waren fort, 'da stand die arme Kleine allein, noch immer wu im Traume: der Prinz" hatte seine Prinzessin geholt! Wie schon war das gewesen besonders als er ihr die Blumen gereicht und Erna ihr glühendes Gesicht dann versteckt hatte Was hätte sie nicht darum gegeben, die beiden, tanzen zu sehen! Dann dachte sie: Wenn ich mal zu einem Feste gehe ich würde weißen Tarlatan tragen und einen blauen Kornblumenkranz." Die ganze Nacht dauerte der Traum. Sie sah sich selbst in einem weißen Kleide und Konrad reichte ihr einen Strauß von blauenKornblumen. Erna schwebte als rosa Wolke über ihrem Haupte; aber sie stieg höher und wurde immer dunkler: zuletzt war sie nur noch em schwarzer Punkt an dem lichten Traumhimmel . . Den erträumten blauen Kornblumenkranz bekam sie schon den nächsten Sommer; aber anstatt des weißen Tarlatankleides mußte sie sich mit ei nem verwaschenen. blaupunktirtenBat tistkleidchen aus Ernas Tanzstunden periode.abfinden. Sie machte es sich zurecht mit einer blauseidenen Gürtelschleife: es sah sehr hübsch aus besonders bei Abend. Den Tag über stickte sie an dem letzten Dutzend von Erna's Aussteuer, denn der jungeConditor, Herr Welscher, wollte sobald als möglich eine Frau in sein Haus haben. Es war ein unverhofftes Glück für Erna, daß die Wahl des reichen Mannes auf sie gefallen war: die Eltern Hu O, Wie Schmerzhaft. Die Schmerzen, von Neuralgie verv ursacht, sind zuweilen so enorm daß man beinahe davon verrückt werden könnte. Salvation Oel bcscitiat solche Schmerzen sofort und kurirt Neuralaie so rasch daß Niemand mehr auf die Weise zu leiden brauckit. Herr Jacob Klein, 103tf Main Str., Evansville, Ind., schreibt wie fclgt: "Meine Frau litt seit 7 Jahren an Neuralgie aber seitdem sie Salvation Oel gebrauchte, ist sie vollkommen srci davon. Ich bcHaupte daß es daö beste Liniment ist und ich werde cö immer im Hause halten. Ich selbst hatte seit langer Zeit Rheumatismus und gebrauchte viele Linimente doch Salvation Oel erwieS sich besser als irgend ein anderes Mittcl und tbat die besten Dienste." Sal1 Nation Oel kostet nur 2 Cents.

konnten e5 mazi genüg preisen. Trotzdem war es nicht ohne Thränen abgegangen. Erna erklärte rund heraus,

daß sie si mcht viel aus Herrn welscher mache: ein Anderer hier fielen ihre Thränen wäre ihr lieber. Niemand fragte, wer dieserAndere" wäre. und Erna war verstandig genug, den Eltern keinen Widerstand zu leisten. Sie bat sich nur bis zum nächsten Morgen Bedenkzeit aus. Diesen Abend, als sie zu Bett gegangen war, und der Mond hell in ihr Fenster schien, konnte sie nicht schlafen. Stelzchen!" rief sie leise nach dem anderen Bett hinüber, und dann bekam sie Herzklopfen vorSchreck. Der Name war ihr entschlüpft in der Erinnerung an Konrad, die sich ihr mächtig ausdrängte. Der Mondschein war schuld daran. Im Mondschein allerdings im Winter, und der Schn flimmerte auf den stillen Straßen hatte er sie damals gefragt, ob sie ihn lieb hätte. Er hielt dabei ihre Hand umschlossen, und der Mond lächelte von dem klaren Abendhimmel aus sie meder. WaS sie antwortete, machte ihn ganz glücklich. Er sprach immer stürmischer auf sie ein, und zuletzt, ob sie auf ihn warten wollte, bis er seine Canere ge macht und sie als fein Weib heimführen könnte. Sie sagte ja". Lieber Himmel, das sind Tanzstundenereignisse, die nimmt man doch nicht ernst! Konrad freilich dachte anders. Er kam auf eine Nacht nach Hause, um üe auf den ersten Ball zu führen. Diesen Abend hatte sie ihn sehr lieb gehabt. Irgendwie hatte er es möglich gemacht, ihr einen Kuß zu rauben. v Er nannte sie heimlich: .Meine Braut!" 5khr Gesicht brannte bei diesen Erinnerungen. Würde ihr auch niemand diesen Kuß ansehen, wenn sie mit Herrn Welscher vor dem Altar stände?Schtöfst du nicht, Erna?" .Ach ich kann nicht. Du?" .Ich auch nicht zirpte Käte. Ich muß immer an dich und Herrn Welscher denken .Komm ein bißchen zu mir inö Bett, ja?" Dann, als die arme kleine Base sich neben ihr einnestelte, seufzte sie: .Ich habe eigentlich keine Lust zum Hrathen: ich bin noch so lung. .Dann sage es nur gleich Herrn Wel cher rieth die Kleine. Er will aber nicht warten." wandte Erna ein. .Mag er sich eine andere suchen. Ernchen! Du bist viel zu hübsch für ihn. und interessiren thust du dich ja nicht für ihn," meinte Käte unschuldig. Erna seufzte von neuem; plötzlich machte sie ibrem Herren Luft: .Warum ist bloß Konrad so erpicht, Medicin zu studiren?" .O das ist doch viel besser als Kaufmann oder Conditor zu fern, nt gegnete Käte altklug. .Wenn ich ein Mann wäre, möchte ich nichts anderes als Medicin studiren." .Und wenn du kein Vermögen hat test, könntest du wer weiß wie lange nicht heirathen. Käte sah nicht ein. warum sie das r . fti . " " i je l . . t oait. ie rouroe uoeryaupi mcgi tjci rathen als Ant. sondern immer nur Kranke gesund machen und Leidenden helfen. .Wenn du aber ein Mädchen lieb test, das auf dich warten sollte?" fragte Erna weinerlich. .Ja dann müßte sie es thun, bis im so weit Ware. .Ach, das gebt nicht, ein Mädchen von 27 oder 28 Jahren ist eine alte Jungfer," entgegnete Erna unmuthig. .Thut nichts! Ich hätte sie desto lie ber. Sie wäre es ja um meinetwillen geworden. Aber Erna wollte nichts davon wif fen. Sie verstand sich besser auf das Leben und auf die Männer: ein altes, verbluhtesMadchen nimmt keiner gern! Sie drückte das Gesicht in ihr Kissen, und halb jammernd halb grollend legte sie ihr Gestandnlß in HumpelstelzchenS zitternde Seele nieder. - Mit keinem Laut wurde sie unterbrochen, denn die arme Kleine wurde von ihren eigenes: Gedanken fast erdrückt.- Bor allenl ließ dieser eine nicht von ihr ab: .Wenn ich es wäre, die er liebte, hundert Jahre würde ich auf ihn warten, und wenn er mich dann nicht möchte, weil ich .hm zu alt und häßlich wäre, würde ich noch immer glücklich sein, daß ich au? ihn habe warten dürfen! Zu Erna sagte sie eindringlich: .Jetzt darfst du den Conditor nicht hei rathen! Du hast Konrad dein Wort ge geben. Ihr seid verlobt." Ich kann doch den Eltern nicht un gehorsam werden!" wandte Erna ein. .Die lachen mich aus mit dieser Tanz stundenverlobung In Wahrheit be einflußte der Wohlstand des Conditors sie mehr als ihr kindliches Pflichtgefühl. So lange sie denken konnte, war sie an ein knappes Auskommen und das Rechnen mit Pfennigen gewöhnt. Jetzt eröffnete sich ibr die Aussicht, aus dem Vollen zu schöpfen Geld ausgeben zu dürfen, ohne das Gespenst der Ent bebrunq hinter sich zu haben. War das nicht eiil Glück wie jedes andere? Die Liebe allein genügte ihr nicht für ein ganzes Leben. So weinte sie sich zwischen Vernunft und Gefühl in den Schlaf, und den nächsten Morgen gab sie Herrn Welscher ihr Jawort . . . In der guten Stube lag ErnaS Brautkleid zur Schau schimmernder weißer Atlas, und dazu der lange, duftige Schleier! Herr Welscher hatte bei des aus Berlin schicken lassen. Er wollte, daß seine Braut wie eine .Königin" aussähe. Humpelsielzchen betrachtete die Pracht mit einem Gemisch von Entzücken und Scheu: sie war die Verwirklichung des schönsten Mär chens. Der glänzendeStoff erschien aus Mondschein gewebt! Sie träumte nichts davon. Endlich der Polterabend. ES gab so viel zu thun, daß memand be trachtete, wie erschöpft Humvelstelzchen

aussah. Sie hatte ficy beim sticken

wohl zu sehr angestrengt. Als sie gegen Abend Erna beim Ankleiden behilflich war, bekam sie einen Schwindel. Die Tante lief herbei. Kätchen sollte zu Bett gehen. Morgen wäre dann alles wieder gut. Allerdings schade, daß das arme Ding nichts von dem großartigen Polterabend hätte! Dieser m . , , 1 -je. 1 v .n... sano mir oer zgozeil IN oem eruen Hotel der Stadt statt. .Thu' mir das nicht an, daß du an meinem Hochzeitstage krank bist, SteUchen!" sagte Erna. .So was er:bst du nicht alle Tage. Und dann dein Kornblumenkranz unddein blauer Gürtel sollen die umsonst gemacht worden sein?" Es lag ein gutmüthiger Spott in dieser Bemerkung, und Erna dachte dabei an ihr pompöses Brautkleid und den langen Blondenschleier: die ganze Stadt bewunderte und beneidete sie morgen! Humpelsielzchen blieb allein zu Hause. Wie ausgestorben, so still war es rings umher. Sie hatte sich niederlegen müssen; aber schlafen konnte sie nicht. Sie hatte das Fenster geöffnet, daß die linde Luft hereinströmte: ihr wurde daö Athmen schwer. Der Mond schien herein. Es erinnerte sie anErna's Brautkleid. Und dabei dachte sie immerfort daran, daß Erna morgen dem armen Konrad auf ewig verloren ginge. .Ob er es weiß? Ob er sehr unglücklich darüber ist?" Diese Fragen quälten sie in einem fort, und ihr unschuldiges Herz quoll dabei über vor Mitleid und Liebe für den Jugendfreund. Gegen Morgen wurde es im Hause lebendig. Erna kam herein, abgespannt, bleich, zerknittert. Zum letzten Mal sollte sie jetzt in ihrem Mädchenstübchen schlafen. .Bist du schon wach. Stelzchen?" Ja " Sie mochte nicht verrathen. daß sie die ganze Nacht kein Auge geschlössen hatte. Erna warf den welken Strauß von ihrer Brust auf den Tisch und dieHaarnadeln aus ihrem Haar. .Ich habe greuliche Kopfschmerzen!" Plötzlich platzte sie heraus: .Ich bin außer mir über die Taktlosigkeit! Denke dir, Konrad ist hier. Apothekers Ilse hat ihn gesehen. Im Grunde sollte ich mich mcht darüber argern: es kurirt Mich ein für allemal von der alten Tanzstundendummheit!" Nach ein paar Stunden Schlaf hatte sie ihren Aerger vergessen. In dem wei ßen Brautstaat sah sie königlich aus. Als sie vor dem großen Spiegel stand, sagte sie es sich selbst. Etwas bleich war sie. Das paßte zu der Myrtenkrone und dem zarten Schleier. Und während der entzückte Bräutigam ihr den Braut strauß brachte und ihr sagte, wie schön sie sei, stand Humpelstelzchen in ihrem Winkelchen in der gemeinsamen Stube und setzte vor dem kleinen Spiegelscherden ihren Kornblumenkranz aus Es waren echte. Sie hatte sie den Sonntag vorher selbst gepflückt. Sie fand ihn sehr schön. Er paßte zu ihrem blonden Haar und der schneeweißen Stnn. die der Spiegelscheiben ihr zeigte. Cokett drehte sie das Köpfchen hin und her. Dann wurde sie glühendroth vor Scham über ihre Eitelkeit und versteckte das Spiegelglas in ihre Schublade. Mit vier anderen jungen Mädchen, die von der Ehre, als Brautjungfern zu figuriren, ausgeschlossen waren, weil sie nicht zu den Ersten der gesellchastllchen Rangordnung zahlten. uyr Kate zur Kirche. Man schob sie in n Wagen, de? ohnehin der letzte war diel Platz tauchte sie nicht. Die letzte war sie auch beim Aussteigen. Als sie ganz allein den gewebten Läufer betrat, der vom Wagen bis nach derKirche reichte, senkte sie züchtig die' Augen, denn sie hatte das. Gefühl, von aller Welt begafft zu werden. Sie schämte sich, an diesem Tage eine so bevorzugte Rolle zu spielen, während Hunderte draußen standen, die nichts von der vornehmen Hochzeit hatten. - .Humpelstelzchen!" rief plötzlich eine freche Stimme aus der Menge der Zuschauer zu beiden Seiten. Klatsch! Der Lümmel hatte eine Ohrfeige weg. daß er nicht wußte, wie ihm geschah. Käte schlug die Augen auf. Ihr Gesichtchen brannte nicht vor Entrüstung, sondern weil sie einen jungen Mann gewahrte, der inen Augenblick Alle überragte und dann verschwunden war. In der Kirche fand sie nur-noch einen Stehplatz, ganz im Hintergrunde. Das Gedränge war so groß, daß sie nur hin und wieder einen Schimmer von dem weißen Atlaskleide der Braut erhaschte. Um so aufmerksamer lauschte sie auf die Stimme des.Predigers. Eine große Angst bemächtigte sich ihrer. Gleich wurde jetzt Esna das heilige .Ja" abgefragt. Und Konrad war hier vielleicht in dem Gedränge in der Kirche! Wenn er es hörte? Oder wenn Erna sich im letzten Augenblick auf ihr Herz besänne und .Nein" sagte? Da war es plötzlich still nur einen Athemzug fang; Dann die tiefe, etwas grobe Stimme des Bräutigams: .a". HumpelstelzchenS Herz stockte: Em Hauch ein Laut! Hatte Erna .Ja" gesagt? Kein Zweifel. Ein Gerausch erhob sich. Die Orgel spielte. DaS junge Ehepaar, von den nächsten Anoehörigen gefolgt, verließ die Kirche. Eine Weile noch dauerte die laute Bewegung ringS umher, dann lichtete sich das Gedränge; die Kirche wurde leer. Sie allein war zurückgeblieben. Doch nein! Nicht weit von ihr im Hintergründe an einem Pfeiler stand Konrad größer noch als sonst: aber er sah leichenblaß aus; seine Arme hingen schlaff herunter; seine Fäuste waren geballt, und' über seine Wangen rollten dicke Thränen. Plötzlich fuhr er auf. Etwas Weicheö. Zartes berührte seine heißeRechte. Ein freundliches Stimmchen flüsterte seinen Namen. Verstört wandte er sich und schaute in Humpelstelzchens blaue Engelsaugen, voll von Erbarmen und Milde. .

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Eil bist es Käthchen?Sie nickte. Ein Lächeln verklärte ibr Kindergesichtchen, und während ihre Thränen es feuchteten, war sie über die Maßen alucklick, daß sie mit ihm weinen durfte. Ihr Händchen umfaßt. stand er eine Weile schweigend. Etwas von dem Frieden ihrer Seele drang m .den Sturm der seinen, und während seine Thränen gleich Feuer darin brannten, fielen die des armen Kindes wie Thautropsen hinein. Er schaute iuf die Stelle vor dem Altar, wo die Braut gestanden hatte. Blumen lagen auf der Erde, und grüne Zweige halb welk, zertreten. Fast sah es aus, als hätte ein Begräbniß stattgefunden, und ein Sarg wäre eben hinausgetragen worden. Ein Seufzer hob sich aus der Brust des jungenMannes: für ihn war es in der That ein Begräbniß gewesen. Er hatte seine erste Liebe begraben und seine Jugend .... Diesem Sommer folgte ein anderer, und als der Winter wiederkam, zog man Humpelstelzchen das lang ersehnte weiße Kleid an. Es war zwar nur eins von grobemMull. aber es bedeckte keusch ihre schiefen Schultern und ihre hinkenden Füßchcn, so daß sie wie ein schlummerndes blondes Englein aussah. Im Schlummer lag sie auch, und das iinderlächeln auf ihrem erstarrten Antlitz fagte, daß der lange Todesschlaf ihr keine bösen Träume brachte. Erna, deren Schönheit schon stark welkte kam mit einem Körbchen Treibhausblumen. darunter ein paar Myrtenzweige. Die steckte sie der Entschlafenen 'in das blonde Haar, und dabei weinte sie unaufhörlich. Nicht, weil der Verlust sie schmerzte das arme kleine Ding war ja im Himmel am besten aufgehoben sondern weil sie des Tages gedachte, da e die Myrte im Haar trug, und weil alte, ferne Erinnerungen sie quälten. Sie hatte Konrad gesehen. Auf der Straße war sie ihm begegnets er hatte den Hut gezogen ruhig, gleichgültig, wie vor dem ersten besten Fremden. In der Stille des sinkenden Wintertages wurde humpelstelzchen ins Grab gebettet. Der Schnee fiel in großen, weichen Flocken auf das kleine Gefolge und auf den fchwarzen Sarg: das war. als ob tausend Engel ihn umschwebten und mit ihren weißen Flügeln bedeckten. Der Abend brach herein und der Schnecfall hörte auf. Still lag das Städtchen in der zunehmenden Dunkelheit. Nur noch ein paar Stimmen, das Geräusch eines Wagens! Auch diese verstummten, und in dem tiefen, feierlichen Schweigen zwischen Himmel und Erde versank die Erinnerung an das kleine, freundliche Leben, das hier erloschen war. Dann blitzte der Mond mit breitem Strahl durch das Gewölk. Ein Leuchten ging über die weiße Erde und das frische Grab auf welches Konrad, der junge Dr. med., einen Kranz niederlegte. Einen Augenblick träumte er in die flimmernde Winternacht hinein: Armes, liebes Humpelstelzchen! Hätte Deine schör e Se.'le in dem entzückenden Körper der anderen gewohnt ich stände jetzt nicht hier mit einem vor. der Zeit entblätterten Herzen." Jedermann sagt so. CaöcaretS Eandy Cathartie, die wundervollste medizinische Entdeckung deb Zeitalters, angenehm und erfrischend im Geschmack, wirkt sanft und sicker auf Nieren, Leberund Singeveide, daö ganze System reinigend, entfernt Erkältung, kurirt Kopfweh, ftieber, anhaltende Verstopfung und Un. Verdaulichkeit. Kaufen und versuche? Sie eine Sckachtel von &. &. E. heute ; 1 0, 25, und 50 Cent. Verkauft und Heilung garantirt von allen Apotheken. - Meetschaumpfeifen, lange deutsche Pfeifen, Eigarrenspitzen te". bei Wm. Mucho, 199 Oft Washington Otr.

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