Indiana Tribüne, Volume 21, Number 78, Indianapolis, Marion County, 5 December 1897 — Page 9
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ZOvians Lrivüne. Ella Zlntcr Sticrfechtern. Ändalusische Erzählung von Th. Strömer. In Triana, der Zigeunervorstadt Sevillas, hatte an einem Sommercbend das dort immer buntbel?ete Straßenleben begonnen. Vor len Hausthuren standen, hockten oder lagen die Bewohner in malerischen Gruppen. Hier loderte auf dem Trottoir ein offeneS Feuer, über welchem Kastanien geröstet wurden, dort ertönte Guilar-ren-und Kastagnettenllang. von näselnden Stimmen begleitet. Und darüber spannten sich von einer Straßenseite zur anderen farbige Decken und helle Linnen, die am Tage zum Schutz gegen die Sonne dienten. Hoch oben am tiefblauen Himmel aber stand groß und leuchtend der Vollmond, der mit seinem Licht das interessante Straßenbild überfluthete. Tr Zigeuner liebt die Zwangl)sig' seit, auch in der Kleidung. Die Manner, mit der breiten Faja" umgürtet, trugen zumeist nur Hose und Hemd, die älteren Frauen die nothdürftigstenUmhüllungen, die Kinder liefen fast nackt umher. Die jungen Mädchen hingegen hatten grellfarbigen Flitterputz angelegt und um die Schultern große Seidenshawls geschlungen, die sie sehr schickt zu drapiren verstanden. In ihren künstlichen Frisuren, vor dem Ohr in Ringellocken gedreht, steckten leuchtende Granatblüthen, Rosen oder UltU ken. Auch die jungen Burschen z-igten in ihrer Kleidung mehr Sorgfalt als die älteren Leute, denn sie wollten den Mädchen, die fächerwedelnd mit ihnen ckettirten. gefallen. ' Während die Jugend sich mit MusiZ und Schäkerei unterhielt, hier und da auch einen Tanz auf offener Straße ausführte, rauchten die älteren Männer Cigaretten und kurze Pfeifchen und plauderten über das, was sie gerade interessirte. Am meisten interessirte sie aber Alle das große Stiergefecht, das am folgenden Tage in Sevilla stattfinden sollte. Wie viele von ihnen hatten nicht schon tagelang gedarbt oder Werthgegenstände, ja selbst Betten, versetzt, um sich so das Eintrittsgeld zu verschaffen! Für den Spanier und namentlich für den Andalusr ist ein Stiergefecht der höchst Genuß, den er .sich denken kann. Und nun gar der spanische Zigeuner! Er ist der geborene Stierfechter, er schwärmt für die Corrida de toros", bet beizuwohnen er sein Letztes opfert. Sind es doch feine Genossen, die. in djesenblutigen Spielen Ruhm und Geld erweröen? Und wenn er es ihnen nicht gleich thun kann, so will er wenigstens ihre Tha ten sehen. . In einer jener Gruppen war die Unterhaltung besonders lebhaft. Manuel Pacheco, ein junger Mann in schmucker Stierfechtertracht, aus Triana gebürtig und der jftovio" ode? Bräutigam der schönen Zoraida, die mit gerötheten Wangen und blitzenden Augen gegen die Hausthür gelehnt stand, hatte von den großartigen Vorbereitungen zum morgigen Feste erzählt. Da er darin als Stierfechter zu Fuß und mit dem Mantel" mitwirkte, so war es selbstverständlich, daß er für seine Ver. lobte und ihre Angehörigen gute Plätze besorgt hatte. Die Billets hatte Zoraida vorhin unter ihrem Mieder verwahrt und den Ueberbringer mit einem Kusse belohnt. Nun drehte sich das Gespräch um die Stiere, die diesmal sehr bösartia. sein. sollten. Besonders war es ein mächtiger schwarzer Stier, von dem man sich nichts Gutes verhieß. Jeder sprach seine Meinung über die Behandlung aus, und dabei ereiferte man sich derart, daß die Raucher ihre Cigaretten wegwarfen, die nun von den herumlungernden Kindern aU willkommene Beute aufgelesen und weiter geraucht wurden. ' Ich bin sicher," sagte Manuel, er, macht einen falschen Ansprung, um den Espada zu täuschen'und sich dann mit ganzer Wucht auf ihn zu stürzen. Man hat das fchon oft erlebt und da heißt es aufpassen.' In solchen Momenten hängt das Leben gleichsam an einem einzigen Härchen O, daß ich ein Mann wäre und der Bestie mit dem Degen in der Faust entgegentreten könnte!" rief Zoraida mit flammendem Blick und vor Erregung wogendem Busen. Wie schön muß es doch sein, so mit dem Leben spielen zu können!" Die Umsiebenden lachten , und Manuel sah mit Stolz auf das. muthige Mädchen. An Dir ist wirklich ein Mann verloren," scherzte er; aber ich habe Dich doch lieber so, wie Du bist. Ja," fuhr er dann fort, man geräth da oft in kritische Lagen, denn solch' ein Thier ist unberechenbar und manchmal wie vom Teufel besessen. Glaubt man es abgehetzt und todesmatt, so wird es plölich wieder lebendig und wüthender als t. In diesem Zustande zeigt es auch seine ganze Tücke, die sick nun gegen den Espada richtet. Jn.ihm erkennt es seinen eigentlichen Todfeind. Es fürchtet weniger den blanken Stahl in seiner Hand, als den Blick fewer Augen. Mißtrauisch ncert es sich dem einzeln dastehenden Manne. Nun bohrt sich, während es einen Moment zögert und sich zum Sprunge anschickt. Auge in Auge. Dies ist bekanntlich derHLhePunkt des Kampfes, der keinem Kenner entgeht. Eine ganze Hölle von Wuth . sprüht dem Espaoa aus den Augen des Stiereö entgegen. Diesen Blick hat er nun mit seinem Blick zu bannen und zugleich auf das leiseste Blinzeln nach rechts oder nach links zu achten, denn darin verräth sich die tückische Absicht eines Seitenansprunges, auf den er ftttt gesaßt sein muß. Das dauert zu-
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weilen eine Minute und länger. Auch kann, wenn der Espada zu früh zu, stößt, das Thr einen kurzen Rücksprung machen und dann ist der Mann verloren . . . Bravz.Manuel!" hörte man plötzlich eine helle, metallische Stimme. Du hast ja wie ein Professor gesprochen!" Alle schauten auf. Ah. unserEspada Don Antonio Montös!" rief Manuel freudig überrascht. Und auf den Sprecher zueilend, schüttelte er ihm herzlich die Hand. Welch' glücklicher Zufall führt Dich hierher?" fragte er, ihn in den Kreis ziehend, der den Ankömmling mit Staunen und Bewunderung betrachtete. Ich fuchte Dich ein wenig und vermuthete, daß ich Dich hier treffen würde." erwiderte Jener. Ich habe Dir nämlich etwas Angenehmes mitzutheilen." Und das wäre ...?"' Du sollst Morgen unsern zweiten. Espada vertreten, der plötzlich erkrankt ist." Herrlich!" jubelte Manuel, seinen Freund umarmend. Und dafür wird Dir eine Extragratification von zweihundert Pesetas gewährt," fügte Don Antonio hinzu. Manuels Freude kannte keine Grenzen. Immer aufs Neue dankte er dem Freunde für die frohe Botschaft. Don Antonio, für den man einen Stuhl herbeiholte, war ein auffallend schöner zunger Mann. Als er den leichten Mantel, in den er gehüllt war, abwarf, zeigte seine schlacke (Äejtatt fast mädchenhafte Formen. Er trug ein reiches Stierfechtercostüm, das ihm entzückend stand. Ten Kopf bedeckte der barettsörmige Sombrero cälanös, unter welchem das tiefschwarze Haar nach Stierfechtersitte als Zops zu einem Knoten aufgewunden war. Der Anzug, mit Ausnahme der rotben Schärpe ganz aus hellblauer Seide, bestand aus einem kaum bis auf die Hüften reichenden, nach hinten abgerundeten Jäckchen, das an den Achseln mit Goldfransen verziert und vorn offen war, so daß das blendend Weiße Oberhemd hervortrat, aus Kniehosen, Strümpfen und zierlichen Schnallenschuhen. Wie die Füße so waren auch die Hände von
auffallender Kleinheit. Von kostbaren Spitzenkrausen halbbedeckt, erschienen sie wie auö Alabaster geformt. . Und doch hatte diese kleine Hand schon man, chen kräftigen Stier in den Sand getreckt. Wenn man diese graziöse Getalt sah, so mußte man sich wundern, vie Don Antonio bei seiner Jugend schon Espada, das heißt erster Stier, fechter, sein konnte. Aber man rühmte ihm einen an Tollkühnheit grenzenden Muth und eine unübertroffene Getvandtheit nach. Zu seinen gepriesensten Trics" gehörte auch der, den zum Angriff vor ihm stehenden Stier plötzlich bei den Hörnern zu packen und' im Salto mortale über ihnhinwegzusprin, gen. Wegen dieses Kunststückes hatte man ihm den Beinamen El Saltador", der Springer, gegeben. Obschon viel aefeiert und von den Damen der vornehmsten Gesellschaft ausgezeichnet ein kostbarer Brillantrina. an seinem Finger rührte von einer Prinzessin her , war er doch rnty luJiit, sondern immer liebenswürdig natürlich. Abe: das machte ihn gerade so verführerisch und für die Frauen gefchrlick,. Dazu kam ferner, daß seine Vergangesl!:eit vollständig in Dunkel gehüllt tocr. Nü mand wußte, woher er kam und wer er war, denn seinen Namr hielt man für einen angenommenen. Man imci feite, daß er ein junger Hidalgo und aus vornehmer Familie sei, die er aus einem romantischen Grunde verlassen habe. Auch Zoraida, in deren Nähe der junge Espada Platz genommen hatte, empfand seinen unwiderstehlichen Reiz, gegen den sie sich vergebens sträubte. Ei ging von ihm etwas wie ein Fluidum aus, das sie in seinen Bann zwang. Sie fühlte, wie sich allmälig eine Art von Betäubung ihrer Sinne bemächtigte. Wie hilfesuchend blickte sie auf Manuel. Aber der war so mit seinem Freunde beschäftigt, daß er sie vollständig vergessen zu haben schien. Man sprach noch immer von dem bevorstehenden Stiergefecht. Nun wandte DonAntonio sich um, Zoraida zu.Sie werden doch auch kommen, schöne Se norita?" fragte er mit freundlichem Lächeln. Dem Mädcken schoß eine Blutwellc ins Gesicht. Ich . . . ja . . . gewiß!" stotterte es in größter Befangenheit Don Antonio nickte ihr zu und nahm dann wieder an der UnterhaltungTheil Zoraida aber preßte die Hand auf das Herz und seufzte: Välgame Dios! Gott stehe mir ö-.i!-Während jener Vorgänge hatte sich die Gruppe allmälig vergrößert. Die schnell verbreitete Nachricht, ein berühmter Espada sei gekommen, hotte viele neugierige Nachbarn herbeigelockt. Die Ansammlung überschauend, machte Manuel mit lauter Stimme den Vorschlag, das fröhliche Ereigniß in einer nahen Fonda bei einigen Flaschen Manzanillawein zu feiern. Alle stimmten iubelnd bei: Don Antonio bc Skn Wahres Sprüchwort. "Nichts ist i erfolgreich wie Erfolg." Diese Behauptung ist nie bes. ser bewiesen alS wie durch dm Erfola von Dr. Bull's Husten Syrup. Diest wunderbare Medizin kurirt jedm Fall von Erkältung, Zausten und Bräune in der kürzesten Zeit und immer mit Erfolg. Frau E. W. Richards, 2214 E Cumberland Str., Philadelphia, Pa., schreibt: ch habe'Dr. Bull's Husten Syrup seit 9 Jahren im Gebrauch und fand ihn ein sicheres Mittel gegen Bräune. Ich brauchte ihn in den ilimmsten Fallen und rathe allen Müttern dasselbe zu thun." Dr.Bull'S Husten Syrup kostet nur 25 Cents. Versucht kern anderes Mittel sondern bleibt bei dem alten und bewähttm Dr Bull's Husten Syrup und ihr werdet m nttüuscht sein.
merkte zögernd: Manuel, vergiß nicht, daß' wir morgen einen klaren Kopf haben müssen.". Doch auch er mußte sich,
von der begeisterten Menge ersaßt und getragen, fügen. So zog man denn mit geräuschvollen Freudenkundgebungen dem Weinhause zu.' Auch Zoraida folgte. - In der Fonda war genügend Platz vorhanden. Das erste Glas galt natürlich dem Wohl des Spenders, das zweite demjenigen des jungen Espada. Daran reihte sich ein VtindU" auf den glücklichen Verlauf des morgigenStier gefechts. Dann wurde getanzt. Guitarren und Kastagnetten sowie auch ein Tamburin waren sofort zur Hand. Zuerst führte Manuel mit Zoraida einen Fandango auf. Dann mußte sie mit Don Antonio einen Bolero tanzen. Als Manuel den Bewegnungen des schönen Paares zuschaute, konnte er sich einer Anwandlung von Eifersucht nicht' erwehren. So hatte Zoraida noch nie getanzt. Das Mädchen schien Alles um sich her vergessen zu haben; es war ganz Feuer und Leidenschaft. Schlangengleich wand sich der geschmeidige Leib, während die Augen bald Flammen sprühten, bald in verhaltener Zärtlichkeit sich in feuchte Schleier hüllten. Don Antonio tanzte nicht minder schön, doch war er zurückhaltender. Gerade darin aber glaubte Manuel, einmal argwöhnisch geworden, eine Art von schlauer Berechnung, um das Mädchen nur noch mehr zu reizen, zu erkennen. Garant ba!" murmelte er, was habe ich da angerichtet!" Als der Tanz zuEnde war, brach ein allgemeiner, stürmischer Beifall aus. Zoraida, jetzt erst ihres Sichvergessens bewußt werdend,nahm mit niedergeschlagenen Augen wieder ihren Platz ein. Don Antonio hatte seine ganze Unbefangenheit bewahrt. Er schien die seltsame Erregung des schönen Mädchens gar nicht bemerkt zu haben. Ruhig, als sei nichts Besonderes vorgefallen, fetzte er das vorhin abgebrochene Gespräch mit seinenNachbarn fort, wobei er seinem Freunde gelegentlich mit einem freundlichen' Kopfnicken zutrank. Für Manuel war der. Abend verdorben. Sein heißes Blut wallte auf bei dem Gedanken, daß sein Freund,auf Zoraida einen tieferen Eindruck gemacht und ihre Sinne bethört habe. Er wurde wortkarg, auch gegen Zoraida, und trank mehr als es seine Gewöhnheit war. Zugleich beobachtete er die Beiden aufs Schärfste. Zoraida, durch sein Benehmen verletzt, konnte - nicht umhin, ihn mit Don Antonio zu vergleichen, dessen seine Umgangssormen und immer gleiche Liebenswürdigkeit Manuel allerdings in den Schatten stellten. Der schöne junge Mann erschien ihr wie ein Zauberer, der ihr ganzes Denken und Empfinden 5: herrschte. .Ach." seufzte sie still vor sich hin, wanim ist Manuel nicht er und umgekehrt!?" Dabei blickte sie unwillsittlich hinüber auf den Gegenstand ih2 Sinnens. Drrn Antonio hingen, dem die Verstimmung seines Freundes nicht entgangen war und dem jetzt auch das stille Grübeln Zoraidas ausfiel, suchte Beide aufzuheitern durch Harmlose Neckereien, wodurch Manuels Groll leooch nur noch mehr geschürt wuide. Auf seiner Stiin hatte sich eine tiefe Falte gebildet und er mußte an sich hal t:n, um die ihn verzehrende Eifersucht nicht offenkundig zu zeigen. So endete denn dieser Abend weniger anaenehm, als er begonnen hatte. Als die beiden Freunde Zoraida un) die Ihrigen nach Hause begle''!et hatUn, verabschiedete sich Manuel von sei ner Braut in kühler Weise. Dann gingen sie über die Guadalquivir-Vrücke nach Sevilla hinüber, wo sie ihre Wobnungen hatten. Schweigend schritten sie eine Weile nebeneinander her. .Manuel! Das darf nicht Tweiter geh?n sagte Don Antonio, indem er seinen Freund unter den Arm faßte. Sage mir, Mensch, was ist Dir nur in den Kopf gefahren?Manuel brummte etwasUnverständliches. Nein, so entgehst Du mir nicht," fuhr Antonio fort. Offen und ehrlich, wie es sich unter Freunden geziemt, bekenne mir: Habe ich Dich verletzt, hast Du etwas gegen mich?" .Nein!" kam es gezwungen hervor. .Aber was hast Du denn?" .Oh ... gar nichts!" .Ich lasse Dich nicht, bis Du eS mir gestanden hast," drang Antonio weiter in ihn. Manuel! . . . Freund! . . . Du bist doch nicht gar . . . eifersüchtig auf' mich?" .Hm!" .Nein, das ist zu toll!" Antonio lachte laut auf. , .Was ist da zu lachen?" grollte Manuel. " Antonio legte seinen Arm um " die Schulter des Freundes und sagte: .Manuel, auf. mich brauchst Du nicht eifersüchtig zu sein . . . nein, gewiß nicht! Und nun gehe zu Bett und schlaf' den Unsinn aus." Buenas noches!" erwiderte Manuel als Abschiedsgruß. .Manuel!"' Antonios Stimme vibrirte. als er den Namen rief. .Hier, gieb mir die Hand!" sagte er, nähert tend. Und als sein Freund dies zögernd gethan, drückte "er dessen Hand warm mit den Worten: .Freund, ich habe Dich lieb! So, nun geh'!" Das Stiergefecht sollte' um vier Uhr Nachmittags beginnen. Schon lange vorher war ganz Sevilla in Bewegung. Es schien eine wahre Völkerwanderung nach dem großen Eircus stattzufinden. In den engen Straßen drängten sich Wagen aller Art. Neiter und Fußgänger zu compaltenMaffen zusammen, die unter Lärm und Geschrei ihrem Ziele zustrebten. Mit demRufe: .Los toros! Los toros!" boten die Zeitungsverkäufer die bunt illustrirte Festschrift aus.' ' Der Cirkus ist ein mächtiger Rund-
vau, in denen Vmnt stch die von einer ! Barriere umgebene, sandbedeckte Arena befindet. Hinter dieser Barriere, die viele kleineSchlupfpforten für die sich flüchtenden Stierfechter enthält, steigen die Plätze terrassenförmig im weiten Kreise bis zur Hohe .von. etwa, vier Stockwerken empor. Das Ganze ist oben offen. ' . Als die Uhr vier zeigte, war der Eirkus überfüllt. Kopf an Kopf gedrängt sah die ungeheure Menge von Zuschauern erwartungsvoll dem Beginn des Schauspiels entgegen. Eine Fanfare gab dazu das Zeichen. Zwei Alguaciles oder Polizisten in- schwarzer, altspanischer Tracht, zu Pferde, erschienen auf der dem Hauptportal entgegengesetzten Seite und umritten die Arena, um zu constatiren, daß sie frei sei. Nachdem sie sich wieder, entfernt hatten, begann das Orchester zu spielen. Das Thor, durch welches die Alguaciles ihren Abgang gehalten, öffnete sich von Neuem und die .Cuadrilla", der Trupp der Stierfechter betrat die Arena im pomphaften Auszug, d;r einen der Glanzpunkte des Schauspiels bildet. Voran schritt als Haupt Espada der Director der Truppe. Er war ganz in RosaSeide mit reicher Silberickerei gekleidet. Von seiner Schulter hing ein pur-, purfarbener Prachtmantel herab. Jhm zunächst folgten vier Espadas,- unter denen sich Don Antonio in moosgrüner Tracht mit Goldstickerei und orangefarbener Schärpe befand. Dann kamen die .Vanderilleros", die den Stier mit Wurfpfeilen, an denen sich bunte Bänder befinden, zu reizen haben. Ihnen schlössen sich die übrigen Fußfcchter, sämmtlich in Seide gekleidet, an. Die letzte Gruppe im Zuge bildeten die .Picadores" zuPferde mit ihren gegen drei Meter langen Piken. Die Beine mit eifernen Schienen umpanzert und den Leib mit Polstern gegen den Stoß der Stiere geschützt, ritten sie auf ihren abgetriebenen Gäulen schwerfällig einher und vermochten dem leichtfüßigen Trupp kaum zu folgen. - Vor der Loge des Platzpräsidenten machte der Zug Halt und salutirte. Darauf warf der Präsident denSchlllssel zum Käfig hinab, den der Director geschickt auffing und einem der Fußfechter übergab. Diesen Vorgang begleitete ein Musiktusch. Der Zug schwenkte und entfernte sich nach derselben Seite, von welcher er gekommen war. Zurück blieben nur die Picadores, die nun zu beiden Seiten des Käfigs Aufstellung nahmen, sowie eine Anzahl Stierfechter zu Fuß, welche durch Schwingen rother Tücher denStier von einem gefährdeten Picador abzulenken hatten. Die ersten Hetzen nahmen ihren gewohnlichen Verlauf, wobei eine Anzahl schwerverwundeter Pferde auf dem Platze blieb. Manuel vertrat den erkrankten- Espada so geschickt, daß ihm reicher Beifall zu Thil wurde. Nach dem er seinen Stier erlegt hätte, trat er wieder in die Reihe der Fußfechter mit dem Tuch (auch Mantel genannt) zurück. Er hatte als solcher besonders in Don Antonios .Gang" mitzuwirken. Seinem Freunde war die Aufgabe geworden, dem berüchtigten schwarzen Stier gegenüber zu treten. Dieser hatte schon zwei Picadores und einen Banderillero verwundet und raste nun, von Blut überströmt, auf dem Kampfplatz umher. Jetzt erschien Don Antonio, leichten, sicheren Schrittes in der Arena, in der rechten Hand den blitzenden Degen, in der linken die .Muleta", ein an einem Stäbe befestigtes rothes Tuch, kaltend. Kaum hatte der Stier ihn erblickt, als er mit mächtigenSätzen aufihn zustürzte. Don Antonio stand wie eine Bildsäule. Er ließ den Stier bis dicht an sich herankommen, machte dann plötzlich eine Schwenkung mit dem rothen Tuch und war darauf für einen Moment den Blicken der bang athmenden Zuschauer entschwunden. Als man ihn wieder sah, stand er weit binter dem Stier, der in seiner blinden Wuth vorbeigerast war. In seiner Nähe befand sich Manuel als Beistand. Der Stier, einen Augenblick stutzig geworden, hatte Kehrt gemacht. Langsam trottete er -zurück, anscheinend imZweisel, wen von den Beiden er zuerst anrennen sollte. , Don Antonio schwenkte sein Tuch im Halbkreis, um die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich zu lenken. Dies gelang ihm auch Anfangs. .Fort!" rief er feinem Freunde zu. ohne das Thier aus dem Auge zu verlieren. Manuel-aber mußte wohl nicht verstanden haben, denn er blieb. DerStier stand einenAugenblick mit leicht gesenkten Hörnern still. Antonio hielt den Moment für günstig und stieß mit dem Degen zu. Aber gleichzeitig machte der Stier einen Seitensprung und der Espada kam durch seine eigene Wucht vornüber zu Falle. Blitzschnell hatte ihn der Stier mit den Hörnern gepackt und in die Luft geschleudert. Dies wiederholte sich noch einmal, bevor Manuel und andere College mit eigener Lebensgefahr den Stier zu entfernen vermochten. Ein Schreines Schreckens erscholl auS vielen tausend Kehlen. Besinnungslos wurde Don Antonio vom Platze getragen. Nachdem der schwarze Stier von einem anderen Espada zu Boden gestreckt worden war, wurden noch zwei weitere Thiere in die Arena gelassen. Aber dasPublikum hatte nicht mehr das frühere Interesse für daö blutige Schauspiel. Auf aller Lippen
lag die Frage: .Wird Don Antonio mit dem Leben davonkommen V
5 Am folgenden Tage brachten die Zeitungen Berichte über den Austand des Verunglückten. Er lebte noch, doch war txnt Wiederherstellung wring wahr, cheinlich, da er außer mehreren R!p enbrüchen schwere innere Verletzungen vongetragen hatte. In das allge. meine Bedauern mischte sich aber auch daS höchste Erstaunen, als man weiter laS. daß Don Antonio ein Mädchen war. Daran knüpfte sieb dann allerlei abenteuerlich klingende Mittheilungen über seine Herkunst.
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Es ist allen Aerzten belannt, baß diese Kranlbkit sicb in Folge von Erkältungen entwickelt. In allen ihren Formen greift sie die schwachen Stellen des Cystemö an. Tle allgemeinen Symptome sind dieselben wie bei deftige Erkältungen, und da Erkältung die Ursache ist, wird eine allgemeine Be Handlung vorgeschrieben. Viele Aerzte, welche den Werth ton ' Dr. August König's Hamburger Brustthee kennen, Verschreiben denselben bei der Bekandlung von Grlvpe, da er das Blnt wärmt, die Nerven kesänftigt, die Funktionen stärkt und da System aufbaut, und auf diese Weise die Krankheit vertreibt Dr. August Köuig's garuburger Drustthee heilt gustcu, Erkältungen, OronchltiS, HalSlelden, Sstha, Orustschnerzen und Iludcrt Lnngenleiden. Der ächte Brustthee wird nur in Original'Packeten zu 25 Cents das Packet erkauft, und ist in allen Apotheken zu haben.
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Telephon 1050.
J.i, Don Antonio war ein Mädchen. Er hatte es nun auch seinem Freunde Manuel, der die ganze Nacht getreulich bei ihm gewacht, und Zoraida, die am Morgen in seine Wohnung geeilt war, gestanden. Das Bett stand inmitten des Zimmers, in welchem die blutbefleckten Kleider zerstreut umherlagen. Zoraida kniete an der einen Seite, Manuel saß auf einem Stuhl an der anderen. Beide schluchzten. Das Gesicht des verwundeten Mädchens, von dem aufgelösten schwarzen Haar umrahmi, zeigte jetzt eine wahrhaft ideale Schönheit. Ihre einstige Energie war einem weichen,- ihre Züge verklärenden Ausdruck gewichen. Trotz der großen Scknierzn versuckte fic an IHAfsn in dem sie fragte: Nun, Manuel, bist Dul nocy eifersüchtig aus mich? Laut wernend küßte dieser ihre Hand. Er innerte sich, wie sie gestern beim Abschied zu ihm gesagt: Ich habe Dich lieb." Und als wenn sie seine Gedanken errathen bätte. sagte sie: Ich habe Dich immer lieb gehabt, denn Du bist mir stets ein treuer Freund und guter Kamerad gewesen." Sie schwieg eine Weile und fuhr dann sinnend fort: Ob das Frauenliebe" war? Ich weiß eS nicht, glaube es auch kaum, denn ich habe . . oh. wie das schmerzt!" unterbrach sie sich stöhnend, immer als Mann empfunden . . . Auch Du, 3o raida", wandte sie sich dann an jene, brauchst nun nicht noch eifersüchtig zu werden, denn meine Zeit ist bald um . . ich fühle es. Hier, Mädchen, nimm diesen Reif und trage ihn . . . als ein Andenken von mir." Damit steckte sie Zoraida ihren kostbaren Brillantring an den, Finger. So", fügte sie hinzu, jetzt reicht Euch die Hand zur . . . Versöhnung." Von Rührung überwältigt fanden Manuel und Zoraida keine Worte. Ihre Thränen netzten fort und fort daö Bett der Leidenden. Nach kurzem Schweigen hob diese wieder an: Wir wollen nicht scheiden, ohne daß Ihr erfahren, wer ich bin. Ich heiße Antonia de Brega und stamme aus der Provinz Galizien. Meine Familie gehört dem alten Adel an. Ich verlor meine Mutter früh und erhielt dann eine böse Stiefmutter, die mich so mißhandelte, daß ich eines Tages davonlief. Mitleidige Wanderbirten nahmen mich auf. Sie kleideten mich als Knaben und ließen mich das Vieh hüten. So wurde ich früh mit der Behandlung der Stiere vertont. Als dann mein Pflegevater, der sich Montös nannte, nach einigen Jaulen starb, nahm ich unter seinem -Namen Dienst bei einer Stierfechter truppe, in welcher ich meine Laufbahn begann. Ich hatte Glück und daS Uebriae könnt Ihr Eucb denken."
die Srippe.
der Preise .KS 00 Hl 25 . . 7 .50 40 as Trust o den Namen Wöslsbnch" an jeder befinden. Eiiia co n vielem Moment ertönte auf bti Straße ein leises Klinoeln. Es war ein Priester, der mit den Sterbesacramenten kam. Bald darauf trat er m's mm mer. Lebt wobl. meine freunde, lebt wohl!"- Mit diesen Worten nichte sie Beiden die Hände und blieb dann mit vem Priester allem. Eme Stunde spä ter war sie verschieden. Hälft) : : : Oigarren sind die betken im Markt. Stets bemüht nur das Beste meinen Kunden in Cigarren, Tabak und Raucherartikeln zu offeriren, bittet für die Feiertage um geneigten Zuspruch Schiller Nömler, IIS Ost Washington Strasse 3ntiana Trust Gebäude. Günstige Anlage für Erfpat nlsse. O O Turner Bau- und Spar-Verein bezahlt halbjährliche Dividende für Summen von 51.00 aufwärts. Eine vorzügliche Gelegenheit worbene Gelder anzulegen. Positiv keinen Verlust bei Austritt. Versammlung jede Samstag Mend im Deutschen HauS. Rhn urft7, erhalte , : Altert S. Metzger, Präfidt. Artn Boh. eckretSr. rl H. L'kber. chatzmeift. Aergert Dich Dein Auge f reibe e tchL an, und erfe es tcht dr Dir linder wende Dich an .n l AiSSfS cuÄfl m m -' w " 1 M II niu . .. n.riNn.i. otNON K3S, INDIANAPOLIS-IND. ma Dir fr Deine ge da vthige SlaI anferttgt. ünftitche ge erde schmerilv tngesetzt. D Villen xdem ttoA k(i ltftt Crttlflhm kett ban
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