Indiana Tribüne, Volume 21, Number 78, Indianapolis, Marion County, 5 December 1897 — Page 7

ZZer ZZesuch. Won Dr. O. Sch. , Der Oberamtsrichter Weller ist tln alter Universitätsfreund von mir und seine Frau ist eine alte Penstonsfreuniin meines Frau. Er wohnt ein paar Scknellzugsstunden von me'memWohnsttze und unsere freundschaftlichen BeZiehungen drücken sich u. Ä. dadurch aus, daß wir uns gegenseitig unsere Kinder zu Besuch schicken. Die Wellers in der weiblichen Descendenz haben alle etwas Sylphidenhaft ätherisches, während die Buben gerade solche Schlingel sind, wie die unseren. Wir haben nur Buben. Nach dem Gesetze, daß Gleiches zu Gleichem addirt wieder Gleiches gibt, aber quantitativ mehr,' lastet immer bange Sorge auf uns, wenn der männliche Theil des Weller'schen NachWuchses in Sicht ist, während wir mit einer gewissen Schadenfreude unsere Stammhalter in daö Heim des Oberamtsrichters lanciren. Eine von beiden Familien gegründete und durch jährlichen Beitrag unterstützte Kasse zahlt jeweils nach Schluß der Ferien die laufenden Unkosten an Fensterscheiden, Flurschäden, Verbandstoffen fcnd Waldbränden aus, die durch die Besuche erwachsen. Die Wellers bezahlen ein Drittel, wir zwei Drittel, weil wir. wie gesagt, nur Buben haben. Einmal trafen wir es besonders unstuz. Zwei meiner Bengel warm beim Oberamtsrichter und die anderen zwei hatte ich bei meinem Bruder abgesetzt. Dle zwei Oberamtsrichterlichen konnten nicht abkommen,' und so wurde ur. Käthe, die Aelteste,- anoncirt, die wir seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatten. Käthe war 15 Lenze alt und tras eines Tages bei uns ein. Schüchtern wie ein Vögelchen trat sie an der Seite meiner Frau in mein Arbeitszimmer und als ich ihr herzlich guten Tag sagte und ihr die Hand entgegenstreckte, knickte sie erst nach hinten ein und erstand dann wieder langsam nach vorne, zu. Sie hatte diese eigenartige Leibesbewegung im Pensionat erlernt und es war ein Knix, wie ich mir dachtt, ein Compliment oder so etwas, dann zog ich sie nach dem Fenster und betrachtete sie mir. Im großen Ganzen war der Eindruck Mitleid erregend. Groß, schlank und mager bewegte sie sich ein bischen eckig und doch schwebend und bescheiden im Zimmer umher, schnell erröthend, leicht weinend, mit sanftem Augenaufschlag, mit verklärtem und mit leidendem Gesicht, je nachdem. Es war ein liebes Kind, die Käthe, aber so dustig und weich wie die Lotusblume am Ganges und so wesenlos-diaphan wie Oelpapier vor'm Licht. Gerade will ich Käthe zu einer Spazierfahrt einladen, da sinkt sie meiner Frau in den Arm, blaß wie eine Lilie: Ach, Tante" Tante" und Onkel" war die konventionelle Anrede ach. Tante, miv wird so unwohl, der Geruch " O, das Jodoform rief meine Frau, daran habe ich nicht gedacht und sie trug Käthe in ihr Zimmer und besprengte sie mit wohlriechenden Wasfern und Essenzen. Ich hatte kurz vorher einen Patienten in der Sprechstunde verbunden denn ich bin Arzt und da mag noch ein bischen Jodofovmduft mich umschwebt haben; wir Anderen im Hause rochen dergleichen gar nicht mehr, aber die zarte Käthe! Na, das kann gut werden, dachte ich so bei mir. Das herbeigeklingelte Dienstmädchen richtete eiligst ein Bad her, ein neuer Anzug umgürtete bald, meine Lenden und so wagte ich mich in's Wohnzimmer, um nach Käthe zu sehen. Sie war leidlich munter, erlitt aber bei meinem Anblick einen zweiten Ohnmachtsanfall wegen der schrecklichen. Umstände, die sie uns gemacht hatte". Unseren vereinten Anstrengungen glückte es aber, Käthe in's Leben zurückzurufen und sie zu einem Spaziergange zu bewegen. ' Da stellte . sich denn Verschiedenes heraus. Sie schwärmte von Heine und sammelte Ansichtspostkarten; sie erzählte die Lebens- und Leidcnsgeschichte der Pensionats- und Busenfreundin Lilly und ähnliche aufregende Sachen. Plötzlich blieb Käthe, ordent-

lich mit einem Ruck, stehen und stierte in einen Kleeacker. Käthe, was hast Du?" rief meine Frau ängstlich, wohl m der Erwar tung, es könnte Käthe wieder in irgend einen Zustand versallen. Ich muß ein vierblätteriges Kleeblatt finden," murmelte Käthe dumpf. Es war kein Gedanke, fortzukommen. Wir setzten uns auf eine Ruhebank, nachdem Käthe unsere Hilfe klar und bestimir.t aigelehnt hatte. Man müsse es selbst finden!"Sie strich den ganzen Kleeacker ab. wieder und immer wieder. Und als es Abend wurde und wir die schüchterne Aufforderung an sie ergehen ließen, mit nach öause zu kommen, lehnte sie laut . aufschluchzend iorn Kopf an die Schulter meiner Ehehälfte und stammelte aus gepreßter Brust ihr Leid: .Kein Glück, kein Glück!" Schonend lootsten wir sie mit uns. Still saß sie bei Tisch und aß wenig. Man hörte' nuv die sanfte Stimme ihrer Trösterin: Etwas Schinken. Käthe? Noch ein Täßchen Thee, mein Kind? Hier ist die Butter, meine Tochter!" - ' ' Mir war's, als müßte ich mit der Faust auf den Tisch schlagen, daß die Tassen tanzten. Aber ich fürchtete. Käthe zu tödten. Johann." schnob ich beim Verlassen des Hauses den Kutscher an. Johann, desorge mir bis morgen früh vierölatrige Kleeblätter, die sämmtlichen Ansichtspostkarten der Stadt und Heine's Buch der Lieder" in Goldschnitt." Johann sah mir besorgt und köpfschüttelnd nach. Ansichtspostkarten, vierblätterige Kleeblätter und ein Liederbuch in Goldschnitt, der Deuwel" brummte ev vor sich bin und

ging sinnend in den Stall. Aber er kam nicht in's Reine. Ich saß eine halbe Stunde beim Scat. da wurde ich herausgerufen, der Johann sei da. Dtt brave Junge wollte genauere Jnformationen einholen und ich gab sie ihm. Aber das mit den Kleeblättern wollte ihm nicht recht in den Kopf. Er sah mich so merkwürdig an. Am anderen Movgm begrüßte ich Käthe, die mit dem Geschick ausgesöhnt schien, beim Kaffee. Hier, Käthe," sagte ich. schenke ich Dir Deinen angebeteten Heine und hier sind unsere Ansichtspostkarten mit dem Bahnhof und der Gasfabrik mehr war bei uns nicht zu sehen und hier

jetzt spielte ich meinen Trumpf aus hier sind zwei vierblätterige Kleeblätter." Dann lehnte ich mich in meinen Stuhl zurück und betrachtete ihv Gesicht. Erst ging ein freudiges Aufleuchten darüber hin, dann aber füllten sich ihre Augen mit Thränen, und mit einer Stimme, die vor innerer Rührung bebte, hauchte sie: Die Kleeblätter, die Du gesucht hast, lieber Onkel, will ich ewig aufbewahren, denn sie bedeuten ja Dein Glück; die Ansichtspostkarten aber mußt Du an mich schreiben, wenn ich wieder zu Hause.bin " Nein, nein," wehrte ich eifrig, die Kleeblatter gehören Dir, allein Dir, ich habe sie durch den Johann suchen lassen, liebe Käthe" Da war'5, als wäre ein Mehlth, auf die junge Mädchenblüthe gefallen. Ich verzog mich eilig, aber der gelle Aufschrei Käthes verfolgte mich in die Häuser der Kranken und übertönte das Rumpeln der Droschke. Wie ein Verbrecher schlich ich l mein eigenes Heim, so gegen Mittag. Käthe empfing mich oben auf - der Treppe mit mild-freundlichem und etwas verlegenem Gesicht. Wir sprachen nicht weiter über die Kkeblätter, denn die von meiner Frau meisterhaft diplomalisch in die Situation eingeschobenen Erdbeeren mit Rahm beherrschten diese vollkommen. Und ich muß sagen, man konnte bei .diesem Gericht, das in den Mädchenträumen mit jedem RomanHelden zu concurriren vermag, klar erkennen, daß die schattenhaft zarte Käthe über einen gut functionirenden Magen verfügte. Ich begab mich seelenfroh in meine Sprechstunde und nahm nach deren Beendigung wieder oben erwähnte UmWandlung vor, obwohl ich mich des Gebrauches von Jodoform streng enthalten hatte. Aber in welcher Verfassung traf ich Käthe! Erschüttert, geknickt, gebrochen, sahlen Gesichts, hohlaugigen Blickes und mit rothgeweinten Augen starrte sie an dev tröstenden'und ermahnenden Tante vorbei in's Leere. Als sie meiner ansichtig wurde, kamLeden in sie. Onkel," sprach sie tonlos. Onkel, wer war der verunglückte Mann in Deiner Sprechstunde? Er trug den rechten Arm verbunden in einer Schlinge und am Verbände war" hier rieselte ein sichtbarer Schauer über die Gestalt und ihre Stimme wurde förmlich schlotterig am Verbände war Blut! Marie" Marie wav.unser Dienstmädchen sagte, er sei heute Morgen verunglückt. Wie ein Held hielt er sich aufrecht und ging kühn, ohne Hilfe in das Wartezimmer. Oh. wie schrecklich, oh " und sie lag wieder in den Armen der Tante. Man vernahm nur ein leises Stöhnen. ' Ich lachte. Es muß als rohes, herzloses Lachen ihr in die Seele geschnitten haben, denn sie sandte mir eincn Blick unsäglichen Vorwurfs zu. Der Locomotivführer Kneisel, liebe Käthe, der den Schnellzug bis hierher bringt, hat sich durch einen Kohlenklotz die Hand etwas quetschen lassen; in drei Tagen kann er wieder auf die.Maschme." Er stirbt nicht?" fragte sie sichtlich enttäuscht; Gott sei Dank," kam es dann inbrünstig hinterher. Und dann überfiel sie ein lichter Moment. Ich bin wohl ein recht dummes Ding, lieber Onkel, aber es war so fürchterlich schrecklich, das Blut an dem Verbände! Ich will ein bischen auf mein Zimmer gehen und allein sein." Und sie ging. Es ist ein gutes Kind." sagte meine Frau, die ich kopfschüttelnd ansah. Laß mich nur machen." und sie holte den Kochcodex aus dem Schranke und blätterte in dem Theil, der von den Süßspeisen handelt. Beim Abendessen war Käthe ausfallend verändert. Sie war still und friedlich, sozusagen feierlich. Es war, als hätte ein großer Gedanke sie verklärt, und man gewann den Eindruck, daß sie im Dunkeln ein mildes Licht ausstrahlen würde. Ich schob diese Umwandlung dem Himbeergefrorenen zu und schrieb dem Oberamtsrichter, der Käthe ginge es ausgezeichnet. Auch am nächsten Morgen war sie sehr aufgeräumt. Sie schrieb fünfzehn Ansichtspostkarten, setzte sich an's Klavier und ließ den lieben Gott durch den Wald gehen" und die Spinnerin auf ihren Freier warten und so weiter. - Ich sitze nun nach Tisch ganz ge müthlich in meiner Sprechstunde und denke an niüts Böses, da tritt der alte Kncisel ein und macht so 'nen vetu kgenen Diener. Der brave Kneisel mit seinem großen grauen Bart und seinen blauen Falkenaugen wurde von mir unter die erstklassigen Menschen gerechnet. Herr Doctor," begann er etwas unsicher, ich spreche meinen Dank aus für Ihre Liebenswürdigkeit " Herr Kneisel, ich, liebenswürdig? Das höre ich selten; ich wüßte auch gar nicht, was ich Ihnen Außerordentliches angethan hätte." , Ja, Herr Doctor, ich meine die Flasche von gestern " Flasche von gestern?" sprach ich nie chanisch nach; ich weiß nichts von einer Flasche." . . . .

Gestern Nachmittag," berichtete nun Kneisel in bestimmten Worten, eine Stunde, nachdem ich Sie verlassen hatte, kam das Fräulein, das zur Zeit bei Ihnen zu Besuch ist, in meine Wohnung und übergab meiner Grete eine Flasche Wein und diese Karte hier.". Er überreichte mir eine schmale Visitmkarte mit dem Namen Käthe Weller, und darunter stand mit Bleistift geschrieben: Dem braven Manne!" Ich brach in ein schallendes Gelächte? aus und legte dem 'verlegen dreinschauenden Kneisel die Hand auf die Schulter. Mein lieber Herr Kneisel, an der Flasche bin ich unschuldig. Das gute Ding, die Käthe, hat Sie gestern mit Ihrem blutigen Nothverbande auf der Treppe gesehen und war, von tiefstem Mitgefühl erschüttert, einer, Ohnmacht nahe. Sie hat Ihnen aus heller Sa mariterlust die Flasche gebracht, wohl in dtt Meinung, daß Sie in einem feuchten Loch auf einem Bund Stroh verschmachten. Nehmen Sie es ihr nicht übel." Uebelnehmen. Herr Doctor?" und er lachte auch recht herzlich, aber es war eine gute Dosis Rührung dabei. Herr Kneisel," sagte ich nach einer Weile, schicken Sie miv Ihre Grete zum Abendessen herüber, ich will die Mädels mit einander bekannt machen; da hat Käthe auch ein bischen Anschluß." Na, das war ihm nun recht, und gerade wollte er zur Thür hinaus, da drehte er sich noch einmal um: Hab' mir's gleich gedacht, Herr Doctor, daß der Wein nicht von Ihnen ist; es ist so ein 95er Krätzer, den trinken Sie nicht." Mit großer diplomatischer Schläue bereiteten wir Käthe auf den Dankbesuch Grete's vor. Sie war erst beschämt darüber, daß ihre tauten Thaten an's Licht gezerrt waren. Dann war sie erstaunt, von mir zu erfahren,

welch' wichtige und angesehene Menschen Locomotivführer gemeiniglich sind und insonderheit der wackere Kneisel. Und als ich von Kneisels Haus und Garten sprach und ihr erzählte, daß Kneisel 'mal einen Orden bekommen habe, und als ich seine liebe Grete überaus lobte, überkam sie ganz leise der unbehagliche Gedanke, ob der Patient nicht selbst einige Flaschen Wein in seinem Keller berge. Und er barg deren. Aber all' diese Gedanken gingen unter in der innigen und abgrundtiefen Mädchenfreundschaft Grete - Käthe. Denn Grete war ein liebes, sinniges Kind von vorzüglicher Erziehung und stand mit Poesiebüchern, Albums, Ansichtspostkarten, Lieblingsdichtern, sowie Hoch- und Plattstickerei ganz auf der Höhe der Zeit". Und nur Grete haben wir es zu verdanken, daß uns Käthe nicht durch ein plötzliches, tückisches Heimweh allzu früh entrissen wurde. Als der Oberamtsrichter nach vier Wochcn sein Kind abholte, und als ich ihm die Geschichte von Käthe erzählt hatte, da lachte er, wie Kneisel gelacht hatte: Recht herzlich, aber es war eine gute Dosis Rührung dabei. ZZci Vofler. Die Hände in den Taschen, den Kragen aufgestülvt. den Hut tief auf der Nase, so ging ich nach Hause. Pseisend, denn ich war sehr guter Laune, 's war aber auch -in ganz famoser Abend gewesen. Der erste, den ich wieder allein mit meinen Freundcn verbracht hatte, seit meiner Hochzeit, und 's war spät geworden dabei;' jetzt aber, jetzt wollt ich mein Weibchen doch nicht länger wahren lassen. Nein, 's war spät genug, sväter. als ich gewollt hatte. So ging ich also meines Weges. Wie ich bei Koster vo:b:i war, hundert oder hundertzwanzig Schritt später läuft Einer an m'.r vorbei. Nach einer ganz kurzen Weile em Anderer hinter mir her. In demselben Augenblicke fühle ich meinen Arm gepackt, und Sie lo'nnen's mir bezeugen", ruft stoßweise eine kreis.he'loe Stimme. .Sie ... kön ... nen's mir bezeuacn', daß ich von dem Kerl Rechenschaft wollte. Aber, in rennt und rennt. . . feiger Kerl ... pfui! Sie srhen ja, er ist mir entwischt. Ich kann nicht so rennen wie er." Der so zu Mir sprach. :rcr ein ein bischen alter als 'ch. sehr eleuaut, ein bischen verlebt, Zn -.acllcfefler Toilette, bis aus den Hut. der oif:nbar eine Karambolage gehabt baden mußte, über die er völlig celn-.ckt'wzr. Pardon, daß ich Sie so überfüllen, aber ich mußte es thun. Was hätte die Welt sonst gesagt. Aber Sie müssen es mir bezeugen, Sie wissen's, daß ich von dem Kerl Genugthuung wollte ... daß ich ... Ja so, Pardon. Graf Jndelfingen zu Jndelfing" und er übergab mir seine Karte. Wesley" sagte ich. Er aber schien meinen Namen in 'der Erregung zu überhören. Sie müssen nämlich wissen, was geschehen ist." fuhr er weiter fort. bin also dort bei Koster. Nehmen feie ven Hut ab, sagt Emer, ich kann nicht sehen." Wenn Sie mich anständig, -gebeten hätten." saate ick. dann ja. so aber ..." - in demselben Augenblicke' aber holt der Andere aus. ein Schlag und der Hut rutscht mir uver die Stirn, die Nase, 's Gesicht Ich war blind, völlia blind, 5c& reib, mir mit aller Gewalt den Hut wieder empor. Wo ist er?!!' Fort!" Ihm nach natürlich. Man will mick zurückhalten. Ich reiße mich' los, ich stürze zum Äusgang . . . ha, dort, dort ist er bei der Garderobe . . . mein Ueberzieher ... wie er mick siebt, auf und da von. Ich nach. Der Kerl läuft wie ein Hund. Ich kann nicht mehr. Sie müssen mir's bezeugen ... Sie müssen. sonst bin ich blamirt. Kommen Sie ... kommen Sie .. . .Aber ... ick .Nur einen Moment." saate er. mt

nen einzigen Augenblick. Nur um' meinen Freunden zu erklären, daß ich die Schmach nicht sitzen ließ, daß der Andere ein Feigling ist. daß ich nicht Schuld bin, wenn der Schuft mir entwischt. Da .. . gleich bei Kostern ... kennen Sie doch." Und er zerrte und zerrte an mir. Aber..." Nein, ich bitte Sie, kommen Sie Na, meinetwegen.' Mein Weibchen muß den Grund ja anerkennen und dann ein paar Minuten ... meinetwegen also. Ich dankeJhnen ... ich weiß wahrhaftig nicht, wie ich Ihnen danken soll . . . so . . . der Herr geht gleich wieder, hier . . ." und' wir traten ein. Es war noch ganz voll und Miß Carolie, die ich noch kannte, als ich . . . als ich noch nicht verheirathet war sang gerade ihre Chansons. Mein ' Freund . zog mich durch'Z ganze Parterre und suchte und suchte. Sie sind fort," sagte er. Ich begreife nicht, aber sie sind fort. ES thut mir leid, Sie bemüht zu haben, aber ich danke Ihnen, ... ein GläSchen jedoch, daS müssen Sie mit mir trinken. Nein, keine Widerrede. Sie müssen. Sie waren so liebenswürdig, daß ich Sie so nicht gehen lasse. Nein, nicht hier . . . nein, schnell ein Separee. Ganz unter uns. Wir müssen unö kennen lernen." - Aber ..." Doch ich wußte im Vorhinein, da half kein Widerstand und dann ... na . . . wenn ich meinemWeibchen erzählte, daß ein Graf ..-. Es giebt so wenig Grafen in Amerika, daß sie mir nie verziehen hätte, wenn ich das Glas nicht mit ihm getrunken hätte. Er bestellte den Wein. Die feinste Marke. Wir stoßen an. Herr Graf . . ." (Wr ' rtk fstrtTVtrm " mnrhl PT.

nb ... ui -y V . w , j Jyren Namen ganz überhört." Wesley." , sagte ich. Wesley?" rief er. Doch nicht der Wesley. der . . . der die Rockefeld zur Frau hat?" Derselbe," lächelte ich. Ah! sreut mich sehr. Freut mich ja außerordentlich. Habe selbst massenhafte Empfehlungen an die Rockefelds. 'Kam nur noch nicht dazu. Ist aber wirklich ein eigenthümliches Zusammentreffen. Auf Ihr Spezielles . . ." und wieder klangen die Glaser aneinander und wieder tranken wir und der Wein war gut. Sind Sie schon lange bei uns hier, Herr Graf?" fragte ich. Ich? nein. Zwei Monate etwa. Mußte von uns fort. Armee gewesen. Duell gehabt., Kerl todtgeschossen. Festung ist aber nicht für mich, lieber ein bischen herübergekommen. Auf Ihr Wohl Und wieder stießen wir an und wieder tranken wir und wieder merkte ich. der Wein war gut. Wenigstens löste er die Zungen. Namentlich bei ihm, beim Grafen. . Ein famoser Mensch. Voller Schnurren und. Anekdoten. Ich unterhielt mich brillant. Ich vergaß ganz das Nachhausegehen. Ich ließ es geschehen, daß er auch ein Souper noch bestellte. Noch ein Souper, denn ich war doch von einem gekommen. Und ich trank und aß und rauchte und lachte und ... und der Wein war gut und . . . seltsam, ich . . . mir ... ich weiß nicht . . . mir wurde so schwer . . . ich . . ." Plötzlich fuhr ich auf. Ich muß nach Haus!" aber da ... erstaunt seh ich mich um. Ich war allein. Ich rieb mir die Augen. Ja . . . Aber nein. Der Tisch ... das Zimmer ... die Flaschen. Ich griff nach der elektrischen Birne, die über dem Tische da baumelte, und drückte. Der Kellner erschien. Einen nie.derträchtigen Zug hatte der im Gesicht. So höhnisch, so spöttisch, so . . . Niederträchtig, ganz niederträchtig. Wo ... wo ist denn der Herr ... der ...der Graf?" fragte ich. Der Herr? Fortgegangen. 'Vor 'ner guten Stunde schon." Vor einer . . . Stunde?" Ich sah nach der Uhr. Teufel, wo ... wo war denn die Uhr. hin? Ich suchte und suchte. In allen Taschen. Fort. Ganz fort, und . . . und . . . der Schweiß trat mir aus allen Poren, hatte ich denn mein Portemonnaie noch gespürt, und ... und meine Brieftasche ... in der ... Nein, nichts, nichts. Vestohlen! Auf ganz gemeine Weise übertölpelt und bestohlen. Ich bin ... man hat...o, der verdammte Kerl," und im ersten Impuls stürzte ich hinaus. Im selben Momente aber fühlte ich mich gepackt, hmten am Kragen. Erst belieben Sie die Rechnung zu begleichen, und dasselbe rnedertrach tige Gesicht des Kellners sah mich höhNisch an. Die Rechnung ... ja richtig . .'. auch das noch . . . Ich griff mit derHand in die Tasche. Aber 's war ja fort, alles fort, das ganze Geld ... Höhnisch sah der Kerl, der Kellner, Mich an. Ich . . . ich werde Ihnen 's Geld schicken .'. .' mein Name ist ... Der aber machte eine geringschätzige Bewegung. Ersparen Sie sich's, das kennen wir schon. Sagen Sie dem Herrn, wer Sie sind ... den interessirt das besser ..." und er öffnete die Thür, rief em paar Worte und wer trat her ein? . . . ein Konstabler. Den Vogel hätten wir ..." sagte er und zeigte auf mich. Herr!" rief ich aus und wollte mich auf ihn stürzen. Nur ruhig, mein Bürschchen," sagte aber der Konstabler und packte mich fest, komm Du nur mit nur . . . Herr," fuhr ich auf, mein Name ist Wesley." Schön," sagte der Konstabler. Aber das ändert nichts an der Sache.

Ich bin ... der Schwiegersohn Rockefelds bin ich." . Gratulire," sagte der Mann des Gesetzes.- Aber das. wird sich alles erst erweisen. Jetzt komm einmal mit." '. .Wohin, zum Teufel," rief ich aus.' , Nur ein bischen zur Wache." Mich . . . mich zur Wache?! Rufen Sie Rockefeld her. Mr. Jonathan Rockefeld . . . rufen Sie . . ." Ich werde gleich Sukkurs rufen, wenn Du nicht gutwillig kommst." Sukkur, Knebel, Handschellen. Alles das fiel mir ein. Gut! ich komme." sagte ich, aber mein Blut komme über ihr Haupt." Sehr schön gesagt, sehr schön. Aber nu komm." Und ich ging. Wie ich ging, mit welchen Gefühlen . . . und mein Weibchen . . . und ... Oh! oh! oh! Auf der Wache verlange ich, man soll mich zu Protokoll nehmen. Morgen"; man solle Mr. Rockefeld rufen. Morgen." Man solle mich zu meiner Frau führen. Morgen." Endlich werfe ich mich wüthend auf

die Pritsche. Ich zerbeiße mir die Nägel meiner Finger, ich . . . aber endlich ... ich weiß nicht ... der Wein . .. die Erschöpfung ... endlich ... schlafe ich em. Ein Stlmmcngewlrr weckt mich. Eie Frauenstimme, eine Männerstimme.' Noch eine. Ja, ja, es ,st richtig, ich habe eben den Brief bekommen . . ." Ist das nicht? ... ja ... ist das nicht die Stimme meiner Schwiegerpapas", und ich richte mich auf. Wo ist er? , wo?" fragte eme angstvolle weibliche Stimme. Hier!" zuble ich auf. Hier! sage ich ganz gedrückt, denn die Thür geht auf und ich stehe meiner Frau, meinem Schwiegerpapa gegenüber. Die schlagt die Hände zusammen, er aber lacht und lacht. Em famoser Kerl, der Scrooge!" ruft er aus. Scrooge?!!" Wie Schuppen fällt es mir von den Augen. Scrooge!" Ja, mem Junge, Scrooge!" Scrooge." lispelte ich. Derselbe Scrooge. der bei meiner Hochzeit, auf meine höfliche Einladung hin, meiner Frau ihre Diamanten gestohlen hatte. Scrooge! Ja, ja, Scrooge," lachtPapa Rockefeld. Na, und jetzt siehst Du doch em, daß er Dir über ist. Weißt Du was, jetzt nehme ich es mir ihm auf. Noch heute kommt es in den Herald. Und wahrhaftig. In der nächsten Nummer des Herald" stand: Herausforderung. Mr. Scrooge, alias Oberst Kehble. alias Graf Jndelfingen zu Jndelfing wird, da ihm sein bisheriger Gegner durchaus nicht gewachsen ist. hiermit aufgefordert, künftig an Mr. Jonathan Rockefeld zu versuchen, ob er auch ihn hereinzulegen vermag. Und als das Inserat drin stand, da rieb sich Papa Rockefeld vergnügt schmunzelnd die Hände, klopfte mir dann auf die Schulter und fagte: Und jetzt sollst Du sehen, wie man mit solchen Gaunern umzugehen hat." . Neugierig bin ich. Der praktische Touristenstock. M&c - , - .Darf Ich um Feuer bitten?' Bitte, wollen Sie nur herauf kom men!" Billig. Also eine Ohrfeige hast Du Deinem Nachbar gegeben und hast nur IQ Mark zählen müssen?!" . . Ja, aber wenn ich wieder einmal bei Kassa bin. so hau' ich den ganz anders durch!" . Zeitgemäß Frage. A.: Ich möchte photographirt werden." Photograph: Wünschen Sie äußerlich oder innerlich?" Geni'aleAntwort. Was sind Sie?" Ich verfertige Kleide: für den Geist Buchbinder." Der Reiche kennt niemals seine Fehler, weil man sie bei ihm verheimlicht, dem Armen sagt sie Jeder mann.

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Ein Mannweib.

Prof. Dr. Haberda, der Lehrer der gerichtlichen Medizin an der Wiener Universität, stellte, jüngst den Hörern seiner Klinik' einen' 'kleingewachsenen Mann mit kräftigem. Kinn- . und Schnurrbart vor. Die Studenten waren nicht wenig überrascht, als der vermeintliche Südländer, nach Abwerfen der Oberkleider, sich .als eine Frau zu erkennen gab, obfchon das scharf markirte Antlitz mit männlichem Bartschmuck ausgestattet war und die ganze äußere Erscheinung, die Stimme und Haltung männliches Gepräge trugen. Signora Zefthe Ahaira, die 33 Lenze zählt, ist die in Tunis geborene Tochter italienischer Eltern; sie ist das sechste ihrer fünfzehn ganz normal gebildeten Geschwister. In dem Kloster, in dem sie erzogen werden sollte, war . ihres Bleibens, nicht lange. Im Alter von Zefthe Ähaira. 18 Jahren verheirathete sie sich; die Ehe, der ein früh verstorbenes, normal entwickeltes Kind entsproß, wurde gelöst, da das Paar in Unfrieden lebte. Als Mädchen und Ehegattin pflegte Signora Ahaira sich sorgfältig zu rasiren, so daß ihre Erscheinung nirgends Aufsehen erregte. Da ihr die fortwährende Beseitigung des lästigen Bartes unbequem wurde, entschloß sie sich, dem Bartwuchs freien Lauf zu lassen und dauernd Männerkleidung zu tragen, was sie mit Erlaubniß der italienischen Behörde seit einer Reihe von Jahren ohne Unterbrechung thut. Sie hat sich derart an das Auftreten als Mann gewöhnt, daß Niemand in ihr eine Angehörige des schwachen Geschlechts vermuthet, um so mehr, da auch ihre Stimme die männliche Klangfarbe besitzt. Frau Ahaira, die auch in Wien nur in Männerkleidern auftritt und in dieser, ohne Aufsehen ?u erregen, ihrer Wege geht, ist übrigens, wie unsere Abbildung zeigt, nicht blos Besitzerin eines phänomenalen Bartwuchses, sondern auch in anderer Beziehung abnorm gestaltet, indem sie, nach der Ansicht Prof. Haberda's, eine überaus seltene Form hermaphroditischer Bildung repräsentirt. Sie ist auf einer Rundreise durch Europa und Amerika begriffen, um den Fachmännern sich als Studien-Gegenstand vorzuführen. U n e r w a v t e t e W i r k u n g. -Gast: Schau, der Herr dorten hat's praktisch gemacht, hat seinen Hund an das Stuhlbein gebunden, das thu' ich auch!" .Gehorsamer Diener Herr Rath!' Kompliment Herr Direktor!" Na setzen wir uns!" : Kleines Mißverständniß Gnädige: .5?annv. geben Sie gleich zur Frau Majorin und sagen Sie eine Empfehlung von mir, ich könnte heute Abend zu meinem Bedauern nicht in die Gesellschaft kommen ich fühl'te mich nicht wohl!" ' Fanny (zur Majorin): Eine Empfehlung von der gnädigen Frau und sie könnte beute Abend nicht zu Ihnen kommen sie.fühlte sich in der Gesellschast nicht wohl!" DurchdieBlume. Unter officier (zum Einjährigen, der Vcr schiedenes falsch macht): Einjähriger was war gleich Ihr Vater?" Ein jähriger: Gutsbesitzer, Herr Unterof ficier." Unterofficier: Gutsbesitzer, da möchte ich die Kartoffeln sehen, tte der baut!" .

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Eine ucuc GcbirgZbahn. Den Luftballon als Vetiirbskraft

für Gebirgsbahnen zu verwende:., ist eine so originelle Idee, daß man eS Niemand verargen mag, wenn er tut ser neuesten Erfindung auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens sich sceptisch gegenüberstellt. , Und doch hat bereits im vergangenen Jahr mit einer cU chen, wenn auch zunächst nur im ile:nen Maßstab ausgeführten Bahn in Salzburg eine Vrobefabrt stattaefunden, deren Ergebniß für die Erfinder der Bahn, die Herren Volderauer und Brackebusch in Salzburg, ein recht besrdigendes gewesen sein soll. Ihrem System nach besteht die Bahn, von der wir eine Abbildung bringen, in einem Fesselballon, der sich an einer in Abständen von etwa 12 Meter fest verankerten doppelten -Schiene bergauf und bergab bewegt. Bei der Auffahrt bildet der Ballon den Vetriebsmotor, bei der Thalfahrt, die durch Beschwer rung eines als Ballast mitgeführten Wasserbehälters bewirkt wird, dient er gewissermaßen als Bremse bei starkem Gefalle. An dem Ballon hangt zur Aufnahme von Personen, Gepäckstücken u. s. w. eine kranzförmige Gondel, durch deren große Oeffnung m der Mitte ein starkes Seil hindurchgeht. das mit der Lausvorrichtung verbunden ist Von der letztern wird die Schiene zangenförmig umfaßt. Auf der Laufvorrichtung befindet sich der schon erwähnte Wasserbehälter, der wahrend der ixahrt durch den Aeronauten gcssnet werden kann. LaufAus der Fahrt. Vorrichtung und Wasserbehälter wiege:? zusammen 300 Kilogramm; bei Wlnvstille wird der Behälter mit 500 Kilogramm Wasser halb angefüllt, das Gesammigewicht beider beträgt dann alo 800 Kilogramm. Bei Wind wird )'.c Spannung zwischen Ballon und LaufVorrichtung dadurch vermindert, da& man ie nack Bedarf Wasser aus den. Behälter ausläßt. Die Differenz wir alsdann für den Ueoertneo gewonnen. Die Gewichtsdifferenzen, die sich durch das Ein- und Aus steigen von.P:rsonen ergeben, werden durch separate Gewichte, die sich auf jeder Station in. genügender Anzahl in Reserve besrn den, ausgeglichen; man fährt also stetZ mit annähernd gleichem Gewicht. Der Ballon ist in einem Durchmesser von 20 Meter gedacht. Ballon, Gondel. Netze und Seile u. s. w. wiegen 2101 Kilogramm, für Passagiere und Aeronauten sind 1500 Kilogramm veranschlagt, somit verbleiben 1200 Kilo-, gramm für den Auf- und Uebertricb. Bei Sturm ist der Betrieb einzustellen; der Ballon verbleibt dann in ein'r eigens für ihn zu erbauenden Halle. Da Stürme von der Seewarte rechtzeitig avisirt werden können und kl:i nere Gewitterstürme sich ebenfalls von der Spitze des Berges aus leicht vorher bestimmen lassen, so würde dieser Umstand jedenfalls kein wesentliches Argument gegen die Einführung dieser Luftballon - Eisenbahn sein. Daß. die neue Bahn, um Störungen im Betrieb thunlichst vorzubeugen, natürlich auch mit allen erdenklichen SicherheitVorrichtungen ausgestattet wird, bedarf kaum der Erwähnung. Mit d:m Lau soll im nächsten Frühjahr begonnen werden. Uni ;ii - m i I In einem Stift, in welchem alte, arbeitsunfähigePersonen untergebrächr sind, bemerkt dcv Jnspector bei seine Rundgange eines Tages in der Frauenabtheilung, wie ein altes, gebrechliches Mütterchen eine Cigarre anzündet und dieselbe in der Hand haltend. darauf bläst und den Rauch unter die Nase hält. Voll Verwunderung', betrachtet derselbe dieses seltsame Bild und fragt schließlich das Mütterchen-,, warum sie das thue. Darauf die Alte mit einem verklärten Blick nach ob:n: Oh, dat rükt so scheun nah Manns-, lud!' Mancher braucht die Schmeschelei, um in seinen Vorzügen bestärkt zu werden. Kasernenhofblüthe. Sergeant: Krause, wenn Ihre Dummheit Körpergestalt annehmen würde, entstünde eine Panik !" Merkwürdig. Frau (zu ihrer Freundin): Du, bei der Klara herrscht solche Unordnung in derHausHaltung, daß sie p?gar oft ihren Mann nicht finden kann!''

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