Indiana Tribüne, Volume 21, Number 78, Indianapolis, Marion County, 5 December 1897 — Page 6
Gefärötes Kaar. Von Gilbert Ltenger. I. m New. Großmutter", sagte Albert, ich kann meine Cousine nicht heiraten. Ich weiß wohl, wie wehe ich Ihnen mit dieser Erklärung thue. Doch Wenn Sie mein Glück wollen und auch daZ Theresens, so dürfen Sie nicht weiter darauf bestehen. Sie kennen Therese; sie ist augenblicklich viel zu kokett, als daß man an eine Heirath denken könnte. Sie ist 20 Jahre, ich bin 25 alt. Wir können alle Beide noch warten." Wenn Du erst ihr Gatte sein wirst, wird sie sich schon ändern." Ich fürchte das Gegentheil. Therese ist kokett, sie wird kokett bleiben, und die Ehe wird diese Koketterie nur noch vermehren." Aber sie liebt Dich, und Du liebst sie auch, nicht wahr? Ihr habt mir Beide Euer Geheimniß anvertraut. Die Liebe wird sie klüger machen." Zwischen der Liebe und dem Verlangen, sich Complimente machen zu lassen," fuhr Albert fort, zwischen der Licbe und dem Bedürfniß nach Toiletim, zwischen dem Wunsche, schön zu erscheinen, und dem bescheidenen Glück der Häuslichkeit wählt eine Frau nicht lange." Aber was machst Du ihr denn ei- , entlich zum Vorwurf?" fuhr die Großmutter fort. Was ich ihr zum Vorwurf mache? Ihre Launen, ihr kokettes Wesen. . . . Ich liebe sie allerdings, das yebe ich zu; ich liebe sie, weil sie das erste weibliche Wesen ist, der ich meinen Arm gereicht habe; ich liebe sie, weil ich ihr Herz an dem meinen habe schlagen fühlen, als wir zusammen in Ihrem großen Park spazieren gingen, weil sie unter ihrem kleinen Strohhut wunderbar hübsch aussah; ich liebe sie, weil inein Name auf ihren Lippen eine so sanfte Klangfärbung annimmt, daß ich ihrem Rufe stets nachgebe. Doch ich habe sie mit meinen Freunden gesehen, wie sie ihre Blicke auf sich zu lenken versuchte, ich habe gesehen, wie sie sich Blumen in die Haare steckte, um 'hübscher zu erscheinen, wie sie sich auf die Lippen biß, um sie rother zu machen, und dergleichen mehr. Wenn wir verheirathet wären, so würde mich dieses Benehmen unglücklich machen." Du bist zu eisersüchtig!" Sagen Sie: zu vernünftig! Das bestreite ich nicht. Doch seit ich die Robe des Advokaten trage, habe ich das Leben etwas kennen gelernt. Ich habe die Geheimnisse des Verrathes und der Verführung erfahren, und das Unglück der Andern hat wenigstens den Werth, daß wir ihm zu entgehen suchen. Ich werde daher meine Cousine nicht heirathen. Später, wenn die Prüfung, der ich sie unterwerfe, mir beweist, daß sie sich gebessert hat und daß sie mich liebt, wie ich geliebt werden will, dann werde ich mich entscheiden." Was denn für eine Prüfung?" fragte die Großmutter sofort. Das ist mein Geheimniß; fragen Sie mich nicht weiter." n. Es war am Vorabende eines Balles,, aus dem Therese erscheinen sollte, als Albert Frau von Versac diesen Vorirag hielt. 2herese, die Waise war, lebte bei der vortresfilchen Frau, und da sie von ihr, die sie anbetete, in jeder Weise verzogen wurde, so ging alles nach ihrem Kopf. Ein Wunsch von ihr war ein Wefehl. Das ganze Haus richtete sich nach ihr. Das junge Mädchen hatte selbst ihren Schneider gewählt. Sie entschied über die Farbe, den Schnitt der Roben und auch über den Preis. Frau von Versac war noch obenein stolz auf die Schönheit ihrer Enkelin, in der sie sich als junges Mädchen wiedersah. Da sie reich war, so wollte sie, daß Therese stets die Schönste sei, und sie war glücklich, wenn sie nach einem Besuche der kleinen Freundinnen constatiren konnte, daß Therese die am schönften 0 s sie di' Eleganteste war, lr!e über alle Anderen triumphirte. Gewiß war Therese hübsch; sie hatte ausdrucksvolle Augen, rosige Wangen unö ein sehr regelmäßiges Gesicht von echt griechischem Oval. Ein wenig launisch, hatte sie sich ihrem Cousin nicht zeigen wollen, doch als ' .derselbe fort war, kam sie. eine Opernarie irillernd, zu ihrer Großmutter und legte der, guten alten Dame einen Rosenftrauß auf die Knie, den sie bei einer großen Blumenhändlerin aus dem Boulevard hatte kaufen lassen. Dann schmiegte sie sich an Frau von Versac und sagte: Nicht wahr, Großmama. Sie schlagen es mir doch nicht ab? Wir gehen in dieser Woche nach der Großen Oper und hören uns Thais an. Morgen werde ich mit Leonide Leon?de toex Theresens Gesellschafterin nach dem Boulevard Haußmann gehen und mein neues Kleid anprobiren." Du vergißt doch nicht den Ball übermorgen?". Nein, gewiß nicht. Ich denke schon daran. Und ich habe sogar für Sie eine Ueberraschung. Sie werden Ihre kleine Therese nicht mehr wiedererkennen, so hübsch wird sie ausseYen." Schon wieder eine Koketterie!" Ganz recht, eine Koketterie!" fuhr Therese fort. Warum nicht?" Das gehört zu meinem Alter und steht mit mewei. Erziehung, meinem Vermögen im Einklang. Soll ich vielleicht nur ein einziges Kleid tragen, mich nur auf eine einzige Weise frisiren und schmücken? Was würden Sie dann vor. mir denken?"
Ich entschuldige Dich immer. Doch die Anderen? Albert?" Albert?. Er liebt mich. . . Er muß alle meine Handlungen gut sinden..." . Bist Du dessen so sicher?" ; Warum soll er eine Kokettnke tadeln? Ich brauche mich doch nicht für ihn zu opfern? Er muß mir den Hof machen, da wir einander heirathen sollen, und mir allen Willen lassen. Er muß sich eben darein finden; ich bin kokett; ich werde auch kokett blei ben. Und Sie werden sehen, ob Sie nicht übermorgen auf mich stolz sein werden." Nimm Dich , m acht!" sagte die Großmutter, dieses Kokette kann Dir theuer zu stehen kommen!" III. Am übernächsten Tage trat zur unde des Balles ein schönes junges Mädchen mit goldblonden Haaren, das eine wunderbare weiße .Toilette trug, in das Zimmer der Großmutter. Frau von Versac sah verwundert auf; sie ging ihrer hübschen Vesucherin mit liebenswürdigem Lächeln entgegen, als sie plötzlich Therese erkennend, ausrief: Wie. .Du bist's? Du hast Dir die Haare hochblond gefärbt? Und in dieser Metamorphose willst Du auf den Ball gehen?" Gewiß! Und ich finde mich reizend! Sie werden meinen Erfolg heute Abend sehen!" Wenn nun'aber das Gegentheil einträfe?" Was thut das? Ich habe meineKoketterie befriedigen wollen. Das Blond meines Haares war fad. Diese Goldfärbung giebt mir ein weit fescheres Aussehen." Frau von Versac schüttelte den Kopf und wiederholte: Nimm Dich in acht! Nimm Dich in acht!" Auf dem Balle erwartete Albert am Eingang des Salons seine Großmutter und Therese. Er hoffte, seine Cousine würde sich nach der Unterdung mit der Großmutter ganz einfach, mit Grazie, aber ohne gesuchtes Raffinement gekleidet zeigen. Doch als er Therese am Arme der Frau von Vers mit gefärbtem Haar, in einer viel zu reichen Toilette bemerkte, verdüsterte sich sein Gesicht auf der Stelle. Guten Abend, Cousine", sagte er zu ihr im kalten Tone. Dann erntfernte er sich und verlor sich in der Menge. Frau von Versac drückte den Arm Theresens und sagte zu ihr ganzleise: Hatte ich recht ?. . . Hast Du gesehen? Albert ist über Deine Koketterie empört." Das glaube ich nicht, Großmama; er wird schn wiederkommen und mich zum Tanze auffordern." Doch den ganzen Abend über sah die kleine Kokette ihren Cousin nicht wieder der ihr aus dem Wege ging Dabei tanzte er aber sehr viel. Er war äußerst liebenswürdig zu Theresens Freundinnen und forderte ganz besonders die einfach gekleideten zum Tanze auf. Um ihn zu ärgern, trug Therese eine überschäumende Lustigkeit zur Schau, als hätte ihr das Verschwinden Alberts nicht im geringsten wehe gethan. Im Grunde aber war sie sehr traurig. Sie wollte den Ball schon frühzeitig verlassen und schützte ein Unwohlsein vor, das nicht ganz eingebildet war. Die junge Kokette hatte die Lektion verstanden, die ihr der Cousin gegeben. IV. Von diesem Tage ab konnte man in Theresens Toiletten eine bedeutende Veränderung bemerken; auch die Haare wurden nicht mehr gefärbt, und bald erschien wieder das schöne Aschblond von früher. War das die Wirkung der enttäuschten Liebe, des Bedauerns über einen verlorenen Bräutigam? Therese hatte auf ihre goldblonden Haare verzichtet und ebenso auf ihre übertrieben prächtigen Toiletten. Sie wde nach und nach eine kleine gesetzte Hausfrau, stickte und las der guten Großmutter vor, die mit großem Interesse, die plötzliche Veränderung ihrer Enkelin bemerkte. Trotzdem hütete sich eine Jede, von Albert zu sprechen und von den Enttäuschungen, die dem Balle gefolgt waren, auf dem Therese einen Triumph davonzutragen gehofft, der in einer Niederlage geendet hatte; das war ein Gegenstand, den Keine von Beiden berührte, den Jede fürchtete, der Andern mit der Erwähnung wehe zu thun. Die Großmutter war' glücklich über die Umwandlung, die sich in Theresen vollzogen hatte, und so, wie sie jetzt war, liebte sie sie noch inniger, denn sie erkannte darin ihre Enkelin und sie wußte, daß auch sie im gleichen Falle ihrer Liebe ihre Koketterie zum Opfer gebracht hätte. Sie schrieb daher ihrem Enkel, Therese hätte sich gebessert, und sie hätte nie eine so vernünftige, einfache, zurückhaltende junge Dame gesehen ; er solle nur kommen; er würde weder goldblonde Haare, noch Falbeln, noch Schmuck an seiner kleinen Cousine sehen. Therese hätte die Lehre begriffen, die er ihr auf dem Balle gegeben. Und wenn das die Prüfung wäre, der er sie hätte unterwerfen . wollen, so hätte sie den Sieg davongetragen; die Koketterie wäre vollständig verschwunden. Albert ließ sich das nicht zweimal sagen. Er kam vertrauensvoll zu Frau von Versac, die ihn freudig willkommien hieß. . . Als er eintrat und Therese in ihrer Pensionskleidung sah. näherte er sich ihr sofort mit ausgestreckten Händen, und . sie kam liebevoll auf ihn zu, ihm ihre Stirn zum Kusse reichend.
Du liebst mich also noch immer?" fragte sie ihn. - Ja, ich liebe Dich; ich liebe Dich innige: als früher, denn Du , hast, es verstanden, . Deine Koketterie Deiner Liebe zum Opfer zu bringen. Jetzt habe ich Vertrauen zu Dir. Du warst hübsch mit Deinen schönen Haaren ; nur der Mode zu gehorchen, und weil Du kokett warst, wolltest Du goldblon. de Haare haben ; damals bin ich Dir aus dem Wege gegangen, jetzt, da Du wieder Du selbst geworden, gebe ich mein Herz ungetheilt zurück. Du bist, so, wie Du bist, liebenswerth. und an ders will ich Dich nicht! Diese Goldfärbe war eine häßliche Laune; und solltest Du sie wieder annehmen, so würde ich daraus ersehen, daß Du mich nicht mehr liebst!" Oh! niemals!" sagte sie leidenschaftlich. Niemals?" i Niemals!" ' V. Leider ist das Wort niemals" nicht für das Herz aller Frauen geschaffen. Zwei Jahre später sah man Therese tagtäglich im Bois in einem eleganten Wagen spazieren fahren mit goldblonden Haaren. Doch Albert war nicht mehr bei ihr. Er hatte damals recht gehabt: Die Koketterie ist oft stärker als die Liebe. Irostschädcn der Kaut. Der Schutz des Gesichtes und der Hände vor dem Erfrieren ist eine wichtige Obliegenheit für die Dame, die ihren Teint zu erhalten wünscht; denn ein Erfrieren der obersten Hautschicht kommt viel häufiger vor, als man glaubt, und bringt bei öfterer Wiederholung Frostbeulen hervor, die nicht allein entstellend sind, sondern auch sehr unangenehme Schmerzen durch ihren Juckreiz verursachen. Aber auch schon leichte Erfrierungen verursachen eine unangenehme Röthe der Haut. Gerade Damen mit zarter Haut sind in dieser Hinsicht der Tücke der Witterung am meisten ausgesetzt, und es ist wichtig, über die das Erfrieren begünstigenden Umstände genau unterrichtet zu sein, um sie vermeiden zu können, wo es angeht. Ganz irrig ist z. B. die Meinung, durch den Schleier das Gesicht vor Frost zu schützen. Im Gegentheil, das Gewebe hemmt die Ausdünstungen des Mundes, diese verdichten sich unter dem Schleier zu Reif und erhöhen dadurch die Gefahr des Erfrierens der Nase. An den Händen wird das Erfrieren durch enge Handschuhe begünstigt, da diese die Blutcirculation hemmen; das gleiche gilt von den Schuhen. Wer im Winter hinreichend weite und warme Schuhe trägt, wird kaum je von den unangenehmen Frostbeulen an Fersen, Ballen und Zehen belästigt werden. Man glaube ja nicht, daß die Warnung vor dem Erfrieren der Haut übertrieben sei und daß Erfrierungen viel seltener und nur in kälteren Klimaten vorkommen. O nein, Frostbeulen sind nicht nur eine Krankheit des rauhen Nordens; auch im Lande, wo die Citronen blühen, sind sie woblbekannt. Große Personen, die der Kälte selten und nur vorübergehend ausgesetzt sind, tragen am leichtesten einen Schaden für ihren Teint davon. Beforgnißerregend sind freilich nur die Erfrierungen zweiten, und gefährlich nur die des dritten Grades. Der erste Grad der Erfrierung, von dem hier allein die Rede ist, betrifft nur die Haut und die allerobersten Gewebeschichten.' Erst wiederholten Erfrierungen ersten Grades erzeugen die bekannten Frostbeulen, die sich durch Erfchlaffung der obersten Blutgefäße und daraus folgende dauernde Röthe während der kalten Jahreszeit und darüber hinaus kennzeichnen. Zugleich verdickt sich die betreffende Hautpartie mit den darunter liegenden Geweben, weil die Blutgefäßchen eine entzündliche Flüssigkeit in die umliegenden Gewebe ausschwitzen, die dadurch teigigweich zu werden pflegen. Wiederholt sich die Erfrierung öfter, so bricht die Haut auf. fängt an zu nässen und wird leicht der Sitz schmerzhafter und schwer heilbarer Geschwüre. Bei Erfrierungen zweiten Grades erstirbt die Haut sofort vollständig und löst sich in Blasen ab. grade wie bei Verbrennungen; bei Erfrierungen dritten Grades endlich stirbt das ganze erfroreneGlied brandig ab. Frostbeulen schmerzen am meisten, wenn die Haut warm ist, vornehmlich m der Vettwarme. Im scharfen Frost machen sie sich weniger bemerkbar, desto mehr bei naßkalter Witterung. Daher kommt es, daß mancher behauptet, in einem erfrorenen Ohr oder einer erfrorenen Ferse ein wahres Barometer zu besitzen, das jeden Witterungsumschlag durch Jucken und Brennen bemerkbar macht. Solche Leute spüren die Nachwehen des Winterfrostes dann bis in den Wonnemonat Mai hinein. Am empfänglichsten für Frost ist. wie schon erwähnt und ganz natürlich, die weichste und zarteste Haut, vorzüglich also bei Mädchen und Frauen in jüngeren Jahren, und je sorgfältiger die Hände durch enge Handschuhe und das Gesicht durch den Schleier geschützt werden, desto größer ist die Gefahr. Mit zunehmendem Alter wird nachweislich die Disposition zu Frostbeulen geringer, ohne daß selbst in der Kosmetik sehr bewanderte Aerzte einen Grund dafür anzugeben vermöchten. Rascher Temveraturwechsel und noch mehr, wenn dies bei feuchter Haut geschieht begünstigt das Erfrieren ungemein. Im letzten Falle kommen noch die zahlreichen Risse und Schrunden nachtbeiliq zur Geltung, die man sich an nassenHänden in der Kälte stets Zuzieht. Was soll man nun geaen Frostscha den der Haut thun? Als VorbeugunLsmittel. wie schon erwähnt: ra-
Die Ausstessung in Hmaya.
Die außerordentlichem Errungenschaften der modernen Technik lassen es nur selbstverständlich erscheinen, daß auf der Trans-Mississippi ' Ausfüllung dem Maschinenwesen die höchste Beachtung gezollt werden wird. Die Maschinenhalle, deren Pläne von dem Chicagoer Architekten Dwight H. Perkins entworfen sind, Iwird 304 Fuß lang werden und eine Tiefe von 144 Fuß ausweisen. Drei peite Eingänge führen an der Frontseite und ähnliche
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Maschinenhalle.
Eingange von beiden' Seiten nach dem Innern des Gebäudes, welches auerdem noch vier weitere Eingänge, für den Nothfall berechnet, aufzuweisen hat. Ein in hübschem architek'.onischen Schmuck sich präsentirender luftiger Vorbau, sechzehn Fuß weit, wird nahezu die volle Vorderseite des Gebäudes einnehmen, oberhalb welchem . sich eine, die ganze Breite des Vorbaues . einnehmende Gallerie. befindet, zu der! man auf eisernen Stiegen gelangt. Im , sehen Temperaturwechscl thunlichst vermeiden, kein Glied zu eng bekleiden, vielmehr sich schon vomHerbst an durch warme, zweckmäßige Kleidung schonen, aber nicht verwöhnen! Schleier sind bei Frostwetter thunlichst zu vermeiden! Hat ein Erfrieren schon stattgefunden,, so wird von Freundinnen und Bekannten gewöhnlich eine Unzahl guter Hausmittel anempfohlen: heißer Tischlerleim; Bierhefe; Weißbier, zur Syrupdicke eingekocht; heißes, geriebenes Schwarzbrod;Citronensaft; Essig, mit Alaun zu einem Brei gekocht; Eichenrinde - Abkochungen; Petroleum, allein oder mit Terpentinöl gemischt, und Eisenozid, mit Schweinefett gekocht und mit Terpentinöl versetzt. Einige glauben, daß ews oder das andere dieser Mittel ihnen geholfen, bei andern haben sie alle das Uebel nur schlimmer gemacht. Aber auch die Aerzte gehen in der Wahl ihrer Mittel gegen Frostbeulen sehr weit auseinander. ein Zeichen, daß es ein specifisches Mittel dafür nicht gibt, d. h. ein Mittel. welches das Uebel direkt beseitigt. Man ist nur auf die Heilung der Krankheitssymptome angewiesen. Vor Allem sorgt man daher durch Anwendung von Glycerin, das man zum Bestreichen aufgesprungener Haut auch vortheilhaft mit einem Eigelb verquirlen kann, oder von einem glycerinbaltigen Toilettencreme, als welcher sich z. B. Creme Iris eignet, für die Erhaltung der Geschmeidigkeit und Unverletztheit der .Oberhaut. Glycerin ist sowohl vorbeugend als auch bei beginuendenFrostschäden anzuwenden. Eine leichte, bleibende Röthe, wie sie an der Nase und auf den Wangen als nachhaltige Folge von Frost eintritt, ist durch Massage zu beseitigen; durch diese kommen die stockendenBlutmassen wieder in Bewegung. Die besten ärztlich erprobten HeilMittel gzen größere, aber nicht aufgebrochene Frostschäden sind Jodpräparate und Kampfer. Man lasse sich daher, wenn Wunden und Risse der Haut nicht vorhand-n oder durch AnWendung von Glycerinpräparaten zuVor beseitigt sind, in einer Apotheke einen Frostbalsam nach folgende? Vorschrift zusammenstellen: 1 Gramm Jodkalium. 2 Gr.- Kampfer, 2 Gr. Glycerin, 15 Gr. Seifenspiritus, 1 Gr. Karbolsäure, und bepinsele damit die erfrorenen Stellen zwei- bis dreimal des Tagcs. Ist aber ein Frostschaden alt und durch wiederholtes Erfrieren aufgebrochen, so darf die Wunde durch ein so scharfes Mittel nicht gereizt werden. Es ist in diesem Falle eine Tanninsalbe nothwendig, die zumGebrauch frisch zu bereiten ist und zwar nach folgender Vorschrift: 1 Gr. Tannin oder Gerbsäure wird in 4 Gr. warmem Wasser gelöst und mit 15 Gr. Hebrasalbe gemischt. Diese Salbe wird, mit Watte oder Scharpie aufgelegt und mindestens während der Nacht auf der Wunde gelassen. Ist diese zugeheilt, so kann der erstgenannteFrostbalsam AnWendung finden. Mißverstä'ndniß. Gast (der seine Zeche berichtigen will): Sagen Sie 'mal, was haben wir denn nun eigentlich gestern Abenv getrunken, Jean?" Kellner (verlegen): Ja., das ist Geschäftsgeheimniß!" Jmmerschneidig. Dame: Ja, Herr Lieutenant, ich will ganz gerne spielen, abe: wer soll mir denn die Noten umwenden?" Lieutenant : Erlauben Gnädigste werde Ihr Flüaeladiutant sein." .
Innern bildet das Gebäude eine ununterbrochene Halle. An den vier Wänden entlang ist in entsprechender Höhe eine 32 Fuß breite Gallerie angebracht, zu welcher, an den vier Ecken im Innern des Gebäudes angebrachte Eisentreppen führen. Die Beleuchtunq des Gebäudes am Tage erfolgt durchOberlicht und zwischen Gesims und Dach angebrachte Fenster. Der Charakter des Gebäudes ist in seinem Aeußeren, namentlich in seiner
Ornamentik ausgedrückt und findet in der den Mittelpunkt des Gebäudes krönenden Figurengruppe seinenAbschluß. Die vier Gruppenbilder an den Ecken bringen symbolisch dieMacht des Menschen über die Naturkräfte und den Fortschritt in der Dienstbarmachung der Letzteren zum Ausdruck. Auch bei diesem Gebäude wird reicher Farbenschmuck zur Belebung des Ausdrucks und zur Erzielung günstiger Effekte zur Anwendung gelangen. Eoökenz. . Wer bis vor fünf Jahren den Rhein bereiste und in Coblenz Halt machte, hat die Stadt nur als Garnison und Beamtenort kennen gelernt, der wohl während der kurzen Reisezeit einen leb-h-afteren Verkehr zeigte, sonst aber thatsächlich stagnirte. Alles ging jahraus jahrein :m alten Geleise weiter: kein Rück-, aber auch kein Fortschritt. Man lebte, so gut man konnte, .und trug die Fesseln der Festung mit dem unverwüstlichen Humor, der dem Rheinländer eigen ist. Von der Rhein-Mosel-Spitze aus bildet die Stadt zwischen beiden Flüssen einen Kreisausschnitt von etwa 1000 Metern Radius, nach Süden und Westen abgeschlossen durch die Stadtbefestigung mit dem Mainzer- und Löhrthor. Von den 75 Hektaren Grundfläche fallen an 25 Hektare auf das Schloß mit seinem Vorplatze und andre fiskalische Anlagen, so daß die eigentliche Stadt einschließlich der Straßen nur rund 50 Hektare groß ist. Die Geschichte dieses Erdenfleckchens, dessen Lage wohl die schönste in Deutschlands Gauen genannt werden kann, reicht 1900 Jahre zurück. Schon 10 v. Chr. legte Drusus auf dem Mo- ! selhügel, der noch heute den höchste j Punkt der Stadt mit der im zwölften j Jahrhundert erbauten Liebfrauenkirche Moselbrücke. bildet, eine Befestigung zum Schutze der römischen Heerstraße an, welche die Castelle am Ober- und Niederrhein verband. Etwa 150 Meter unterhalb der jetzigen, 1343 erbauten, auf vierzehn massiv gewölbten' Bogen ruhenden. 320 Meter langen Moselbrüöe führte die alte Römerstraße über den Fluß auf einer Pfahlbrücke, deren letzte Reste bei dem tiefen Wasserstande 1895 beseitigt wurden. Aus dem Castell wurde unter den Franken ein Königshof, in dem Carl der Große 807 ?inen Gerichtstag abhielt, und wo seine Nachkommen bis zur Zerstörung durch die Normannen (889) vielfach einkehrten. Wieder aufgebaut, wurde der Königshof Con fluentia mit Zoll, Münze, Hofstätter. und dem nebenliegenden Stifte St. Florin durch Heinrich U. 1018 der trierischen Kirche geschenkt, verlor somit seine Reichsunmittelbarkeit. Erzbischof Heinrich v. Vinstingen erbaute um 1276 an der Nordseite des MoselHügels und cm Moselufer eine befestigte Zwingburg, die später als Nesidenz der Kurfürsten mehrfach erweitert wurde und noch heute durch ihre beiden- (?ckthürme das Panorama der Moselseite beherrscht. Im DreißigAlte Burg. " jährigen Kriege wurden auf Betreiben des Kurfürsten ohne Schwertstreich die Stadt "den Schweden und die gegen-, überliegende Feste Ehrenbreitstein den Franzosen ausgeliefert. Letztere vertrieb 1637 der kaiserliche Reitergeneral Jan v. Werth. Im siebzehnten Jahrhundert war die Stadtbefestigung bis in ihre Heutige Lage vorgerückt, aber der Raum zwischen ihr u& der alten Stadt-
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rkaüe'r blieb"frei, bis der letzte Kurfürst Clemens Wenzeslaus von 17781789 dort die Neustadt mit dem Theater und nach dem Rhein zu das Schloß erbaute. Das brachte Leben,' besonders als beim Ausbruch der französischen Revolution die Emigranten ihren Hauptsitz hierher verlegten und, unbekümmert um die Noth ihres Vaterlandes, ihr frivoles Leben fortsetzten. Von Coblenz erging am 25. Juli 1792 das ungeschickte, berüchtigte Kriegsmanifest gegen Frankreich; der Feldzug wurde verloren, und am 23. Oktober 1794 rückten die Franzosen ein. Cobl?nz blieb 'Hauptstadt des Rhein- und Moseldepartements von 1798 bis zum Einrücken der Verbündeten am 1. Januar 1814.
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Ehrenbreitstein. Beim Friedensschlüsse fiel die Stadt n Preußen und wurde Sitz des OberPräsidiums. Die Stadtbefestigung wurde von 1819 ab umgebaut, und die umliegenden Höhen erhielten aus utx französischen Kriegsentschädigung derartige Werke, daß Coblenz bis zur Einführung der gezogenen Riesengcschütze, denen heute kein Mauerwerk mehr standhält, für einen der stärksten Waffenplätze der Welt galt. Im Spätsommer 1850 wurde der damalige Prinz Wilhelm von Preußen zum Militärgouverneur der Rheinlande ernannt und rcsidirte dann bis 1853 in dem kurfürstlichen Schlosse, das Friedrich Wilhelm IV. 1845 als Residenz eingerichtet hatte. Seine Gemahlin Augusta ließ die Rheinanlagen, die, 2500 Meter lang, von der Schiffbrücke bis zum Damm der Moselbahn dicht am Rheinufer sich hinziehen, nach ihrem Plane auf eigne Kosten michten, während die Stadt 1852 die Unterhaltung übernahm. Als Kaiserin hat sie in ihrem Testamente noch eine große Summe für ihre Lieblingsschöpfung, den Stolz aller Coblenzer. ausgeworfen. St. Castorkirche. Das Zeitalter der Bahnen schuf zu der massiven Mosel- und der RheinSchiffbrücke noch drei mächtige eiserne Ueberführungen: zuerst die der links rheinischen Bahn über die Mosel, 220 Meter westlich der Steinbrücke, dann 1864 zur Verbindung mit dem rechten Rheinufer die nach Ehrbreitstein, die, 334 Meter lang, in drei schlanken Bogen den Strom übersetzt, aber heute nicht mehr benutzt wird, und 1879 die prächtige, 400 Meter lange, den Hauptarm des Rheines in zwei Bogen von je 106 Meter Spannweite überschreitende Brücke der strategischen Bahn BerlinMetz. Die beiden Rhein-Bahnbrücken sind dem Fußgängerverkehr freigegeben und gewähren prachtvolle Aussichten nach allen Seiten. Coblenz ist eine der an Strombrücken reichsten Städte. Der Rheinbahnhof liegt in der Nähe der Mosel innerhalb der Stadtbefestigung, und außerhalb derselben der Moselbahnhof, 1100 Meter von der Mosel entfernt. Real-Gymnasium. Als um 1890 innerhalb der Stadtbefestigung kein Bauplatz mehr frei war, entstanden vor dem Äcainzer- und Löhrthor nach Süden zu zahlreiche Neubauten, so gut oder so schlecht, wie es die Rayonbeschränkungen erlaubten. Nach langjährigen Verhandlungen erwarb endlich die Stadt die alte UmWallung, deren Abbruch jetzt im Gange ist, für 850.000 Mark. Auf dem ebemaligen Festungsgelände wird eine breiteRingstraße angelegt, während di südlich derselben zwischen den Rheinanlagen und der Bahn befindlichen 70 Hektar jetzt schon durch rechtwinkelig sich schneidende Längs- und Querstraßen in Baublöcke verwandelt sind, juf denen seit zwei Jahren eine rege Thä tigkeit herrscht wohnen doch' schon an 5000 Personen in der Rheinvorstadt, während ganz Coblenz mit Einschluß der Garnison rund 40.000 Bewohner zählt. Am Südende derselben erhebt sich, nahezu fertig, die prächtige St. Josephskirche, nach den Pläne.; von Professor Kleesattel in Düsseldorf in einfacher Gotik ausgeführt.Als Ersatz für den Rhein- und P o st ge b ä u d e.
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Moselbahnhof wirv an ver Westseit? der Neustadt 1200 Meter von der Mosel und 700 Meter vom Rhein entfernt, für den Personenverkehr ein Centralbahnhof errichtet, während der Güterverkehr auf die Bahnhöfe in CoblenzLützel. das seit 1892 eingemeindet ist, und Moselweis verlegt wird. Stadt und Umgebung sind bis heute ohne größere Fabriken; qualmende Schornsteine sieht man nirgends, die Industrie beschränkt sich auf han& werksmäßigem Betrieb, und die Bereitung deutscherSchaumweine bedarf keiner großen Maschinen. Solche werden auch in Zukunft wenig Arbeit finden, da Arbeitskräfte theuer sind, für Nahabsatz das Hinterland fehlt und die Stadt nur Betriebe zuläßt, die nicht lästig fallen. Diesen ist die zukünftige Moselvorstadt reservirt, in der die Stadt zur Zeit Gasanstalt, Vieh- und Schlachthof erbauen läßt, die mit dem Moselgüterbahnhofe. durch ein Anschlußgeleise verbunden sind, das später als Hafenbahn an der Mosel entlang weitergeführt werden soll. Die Rheinfront vom Schlosse bis zurMosel, 700 Meter lang, hatte durch die Kehlmauer mit den vorliegenden Schuppen wenig Einladendes. Beide sind heute verschwunden. In den Rheinanlagen erhebt sich das Denkmal der Kaiserin Auguste, welches die Stadt im Jahre 1896 mit einem Kostenaufwand von 100.000 Mark errichten ließ, und jüngst rat auch Kaiser Wilhelm I. sein Standbild in Coblenz erhalten, und zwar auf Kosten derRheinprovinz. die 1.600.000 Mark dafür bewilligte. Dasselbe steh! auf dem Huns schwänz-, wie die Coblenzer die Sandbank in der Rhein Moselspitze als letzten Ausläufer deS Hunsrück nennen. Au den schönstenPunkten in der Umgegend von Coblenz gehört das Schloß Stolzenfels, welches über dem Dorfe Capellen, 94 Meter über dem Rhein thront. .Die Aussicht von dem 34 Meter ho--hen Thurme gehört zu den schönsten am Rhein. Die 1250 erbaute und 1689 von den Franzosen zerstörte Burg wurde 1802 als Ruine Eigen thum der Stad-t Coblenz und von dieser 1823 dem späteren Könige Fried rich Wilhelm IV. geschenkt, der sie in ihrer jetzigen Gestalt wiederherstellen beziehungsweise ausbauen ließ. Die Coblenzer weilen gern dort; denn ei gentlich, so meinen sie, gehört daZ Schloß doch ihnen, wenn auch der Kai ser als Eigenthümer in's Grundbuch eingetragen sei. Wiutergast. Von ?. MuellenbaS. Novembertag war's, trüb und kalt Vernebelt und verregnet; Auf feuchtem Pfad im öden Wald, Da sind wir uns begegnet. Mit welkem Laub ihr Haupt bekränzt. Verhärmt und blaß die Wangen, tMir war. als käm' ein Waldgespenst Vorüber mir gegangen. Verweinte Augen sah'n mich an Mit kindlich stummem Flehen; Rasch, in des ersten Mitleids Bann. Hieß ich sie mit mir gehen. Sie schwieg, und schien mir doch zu trau'n. Schlich furchtsam mir zur Seite; Neugierig, halb und halb mit Grau'n, Ertrug ich ihr Geleite. Und also ist das Bettelkind Mit mir in's Haus gekommen. Die Hausfrau hat sich mild und lind Des Findlings angenommen; Sie beut am hellen Feuerherd Ihm Wein undBrot zum Schmause. Da sieh', welch Wunder widerfährt Dem armen Dichterhause! Das Laub im dunklen Lockenhaar t Blüht auf zu Rosenkränzen, Und rosig blüht das Wangenpaar, Die blauen Augen glänzen; ' Im lichten seid'nen Prachtgewand, Geschmeid an Arm und Busen, Reicht grüßend uns die weiße Hand Die lieblichste der Musen. Nun sitzt der allerschönste Gast Mit uns beim Wein und Feuer, Erzählt aus seinem Waldpalast Manch köstlich Abenteuer. Und muß auch viel entbehren noch Ein deutsches Dichterpärchen. Die reichsten Leute sind wir doch. Denn bei uns wohnt das Märchen! Fauler Zauber. Sie: Acb, wie reizend der Zauberkünstler arbeitet! ' Hast Du gesehen, wie er tbti einen Hut in ein Goldstück verwandelt hat?" Er: .Da bist Du doch noch nhl bedeutender, Du kannst sogar Gold stücke in Hüte verwandeln!" Zn der Barbierstube. Gigerl: .Jetzt sitze ich schon eine Vier telstunde hier und werde nicht rasirt. Was soll denn das bedeuten?" Bar bier: .Ich warte darauf, daß Ihnen der Bart wächst, den ich rasiren soll." Auf der Hochzeitsreise. Sie: .Hast Du die beiden Billets schon genommen?" Er (Professors .Him mel, Himmel jetzt habe ich in der Zerstreutheit nur ein Billet für mich genommen." "A uch eine Wahrsagerin. Zimmerherr: .Die alte Tante, die diesen Nachmittag hier war, hat mir aus dem Kaffeesatz wahrgesagt!" Hausfrau: .So! und was denn?" Zimmerherr: .Daß Ihr Kaffee nur aus Cichorien besteht!" Blick in die Zukunft. .Nun, Sepp. warum so niedergeschlagen?" Sepp (Schweinehirt): .Ja, da hab' i' grad g'lesen. daß s' 'jetzt auch V Elektricität als treibende Kraft verwenden und da hab' i' Angst, daß dc? Gemeindevorsteher auch mir den Dienst noch abnimmt und d' Säu' elektrisch treiben laßt!"
