Indiana Tribüne, Volume 21, Number 64, Indianapolis, Marion County, 21 November 1897 — Page 7
Frau Kessa. S?on Rudolf Herzog. Seit einer Stunde schon lag sie wach. Nur ein wenig hatte sie nach dem Sonnenftrahle geblinzelt, der sich durch die Vorhänge stahl, an dem schlanken Arme, der sich unter die schweren, dunklen Flechten geschoben hatte, hinaufhuschte und nun auf dem schönen, blassen Antlitze haften geblieben war. Fast erschrocken hatte sie die Augen gleich wieder zugedrückt. Dann wurde das Gesicht still, regungslos und jetzt, jetzt bebte es um den rothen Mund wie ein Lächeln, das sich nicht hervorwagt, und das in seiner unterdrückten Er??7ing und Seligkeit den ganzen Menschen erzittern macht. Es war ihr so wohl, so unendlich wohl. Nur nicht sehen, nur nicht in die Sonne blicken das hieße: die Träume tsdten. Träume ? Hatte sie denn geträumt? War es denn nicht Wahrheit? Ja, ja, und tausendmal ja, es war Wahrheit! Sie lebte und hatte es 5rlebt! Und würde es weiter erleben. Die Lippen öffneten sich bald, und ars der Brust rang sich ein Ton, ein Seufzer um verlorene Tag?, ein Schrei nach künftigem Glücke. Und sie schauerte leicht zusammen vor dem eigenen Klänge. Ganz still lag sie. Nur in den Augenwinkeln zuckte es leise, und um die Lippen zitterte ein Lächeln, ein fragendes, sehnendes, ergreifendes Lächeln, das die Geschichte vieler Jahre barg. Und auf einmal dachte sie ihr ganzes Leben zurück. ' Sie sah sich als Mädchen. Jung, schön, die einzige Tochter eines reichen Mannes, der sein großes Vermögen durch Häuserspekulationen erworben, hatte sie ein? Jugend verlebt wie Wenige ihresgleichen. Was sie wollte, geschah. Jede Laune, kaum Qusgesprochen. wurde erfüllt. Der Vater, aus armen Kreisen stammend, war stolz darauf, sein Kleinod im Glanz: seines Reichthums zeigen zu können. Für sie war ihm kein Opfer zu groß; ihr wollte er mit seinem hart erworbenen Gelde ewe Stellung in der Gesellschaft schaffen, die ihm selbst infolge seines geringen Bildungsgrades verschlossen geblieben war. Sie sollte einst einen Namen Tjeirathen, einen Titel. Darin sah er das Glück seines Kindes und auch das seine. Und sie, Hella? Sie ließ es sich gefallen.verhätschelt zu werden, es machte ihr Freude, einen Z!reis von Anbetern um sich versammelt zu sehen, mit denen sie schalten und walten konnte, wie mit den Millionen ihres Varers. Ueber die Liebe 'las sie in Romanen und lachte darüber. Sie war dei Ueberzeugung, daß eine Hand voll Checks auch in der Liebe das Beste ist. Und die Checks standen ihr zur Verfügung. Weshalb sich ctlso freiwillig all' den lächerlichen kleinen Qualen hingeben, wenn sich die EH2 um so Vieles bequemer erreichen ließ. Sie wußte, das? sie dertnt repräsentiren .würde, und das war 'dem jungen Mädchen die Hauptfache. Ein einziges Mal waren ihre Grundsätze in' 5 Wanken gekommen. Ein junger Architekt, "der viel mit ihrem Vater geschäftlich verkehrte und den der alte, skrupellose Bauspekulant etwas protegiren wollte, mm dieKunst des mittellosen, aber hoch talentirten Anfängers gründlich ausnutzen zu können, hatte seinen Besuch gemacht und war zu den offenen Abenden und den häufig arrangirten kleinen Festlichkeiten zugezogen worden. Zuerst behandelte ihn Hella wie die anderen Herren, oder sie versuchte es doch. Aber bald wurde sie zu ihrer Verwunderung gewahr, daß in diesem armen Teufel ein gnt Theil Männlichkeit mehr stecke, als in ihren sämmtlichen Flaneurs und Kurmachern zusammengenommen. Die' Beobachtung zu machen, war ihr nicht unlieb, aber es ärgerte sie im höchsten Grade, als sie bemerkte, daß sich der junge Axel nicht im Geringsten um ihre herrischen Launen zu kümmern schien, oder sein Gesichtsausdruck sie als Unarten bezeichnete. Sie nahm sich deshalb vor, den Menschen völlig links liegen ju lassen und that dies so gründlich, daß sie bei jedem dreisten Paradoxen, das sie in die Unterhaltung warf, genau beobachtete, welchen Eindruck es auf Axel hervorbrächte. Ohne daß sie es selbst wollte, nahm dieses link liegen lassen" eine Form o, die an direktem Interesse nichts zu wünschen übrig ließ und sich nach und nach zu einem für sie unerklärlichen Gefühl steigerte. Dem klugen Auge des jungen Archiiekten war das Alles nicht entgangen. Er hatte von Anfang an des schöne Weib in ihr bewundert als Künstler, wie er glaubte. Aber mit der Zeit hatte sich so viel rein Menschliches diesem Gefühle beigemischt, daß es seiner ganzen Willenskraft bedürfte, um seine Männlichkeit zu bewahren, um sich nicht auch widerstandslos an ihren Triumphkarren spannen zu lassen und im Heere ihrer Sklaven einer mehr zu sein. Denn der Gedanke kam ihm im Ernst nicht bei, daß ihm. dem Hergelaufenen, eines Tages der geldstolze Brodherr als Schwiegervater um den Hals fallen würde. Dazu hatte er die ehrgeizigen Pläne des Alten zu sehr durchschaut. Mochte nun das gegenseitige Zurückkialtcn zwischen ihm und Hella der Grund sein, mochte es Jugendkraft und Schönheit der beiden Menschen sein, die trotzdem nach einander derlangten es lag Ftwas in der Luft, wenn sie zusammentrafen, etwas Unerklärliche-, Schwüles, wie in heißkn Sommertagcn.wenn man eS fühlt, der Vlin rnufc kommen. Und Axel fühlte es na zu sehr. Es kostete ihm Anstrengung, it ihrer Ge
genwort ruhig zu erscheinen, sie nicht mit fernen glühenden Blicken zu umfangen, nicht auf sie loszustürzen und ihr zu sagen: Weshalb sind wir solche Narren? Wir lieben uns. Wir gehören zusammen, wie Schönheit und Jugendkraft zusammengehört haben seit Anbeginn!" Aber dann fiel ihm das Ende ein, wie es unbedingt kommen würde, das niederschmetternde, klägliche Ende. Und er spürte, wie ihm vor Scham das Blut zu Kopfe stieg. Er redete sich ein, daß es vielleicht nicht ganz ehrenhaft gehandelt sei in seiner kargen Stellung und seinen kleinen Verhältnissen, ein Wesen an sich heranzuziehen, das zu einem Leben großen Stils erzogen sei. Ebensowenig ehrenhaft, die Mittel von ihrem Vater zu erzwingen, um ihr dies Leben weiter zu ermöglichen und in aller Ruhe selbst Theil daran zu nehmen. Nein, nein ; dazu schätzte er sich selbst zu sehr; dazu glaubte er zu stark an sich selbst und die Zukunft seiner ernsten Arbeit. Er hatte Mittags ein Billet von Hella erhalten, worin sie ihn bat, ihr den Nachmittag zu opfern, um die Ausschmückung des Salons anzuordnen, da zum Abend ein größeres Fest stattfinden solle. Mit dem festen Vorsatz, an diesem Tage zum letzten Mal das Haus zu betreten, das sein für ihn so nöthiges Gleichgewicht in's Schwanken gebracht, war er gleich nach Tisch hingegangen. Man wies ihn in den Salon, wo er Hella fand. Sie stand unter Körben abgeschnittener Rosen und blühender Guirlanden. EinenMoment blieb er auf derSchwelle stehen, gebannt, bezaubert. Dann biß er sich auf die Lippen, grüßte tief und trat auf sie zu. Ganz geschäftsmäßig behandelte er die Frage des Arrangements, stieg auf die Trittleiter und begann die Ausschmückung. Und doch hatte sie gesehen, welch' mächtigen Eindruck sie auf diese starke, männliche, jugcndfrische Natur gemacht, und sie selbst konnte sich von demselben Gefühl nicht losmachen. Wie ein Frosischauer durchlief es den schönen Körper, und dann packte sie plötzlich ein wilder Durst, ein tolles Sehnen. Sie reichte ihm einen Zweig Rosen herauf, den er erfaßte, und den sie trotzdem festhielt. Ueberrascht blickte er sie an. Dann wurde er todtenbleich und seine Pupille vergrößerte sich. Da ließ sie den Kopf matt auf die Brust sinken und hielt den Zweig noch immer fest. .Hella!" Er stand neben ihr und preßte ihren Kopf an den seinen. Und nun warf sie ihm jäh die Arme um den Hals und küßte ihm die Augen, die Lippen Du. Du willst mein Weib werden? Die Frau eines armen Teufels? Weißt Du auch, was das heißt? Welche Kämpfe Du mit Deinem Vater zu bestehen haben wirst? Wirst Du die Kraft haben?" Sie nickte heftig erregt. Ich schwöre es Dir." Und nun hielt er sie von sich und sah sie in all' ihrer Jugend und Schönheit, und sein Herz und sein Künstlerauge schwelgte im Besitze des wunderbaren Weibes. Ich schwöre es Dir, ich werde die Kraft haben!" wiederholte sie. Heute noch wollte sie mit ihrem Vater sprechrn. Sie zog es vor, ihn erst auf seinen Besuch vorzubereiten. Sie bat ihn deshalb, erst morgen zu kommen. Er küßte sie und war mit Allem zufrieden. Es war sein erste Liebe. Am anderen Morgen erhielt er mit der Frühpost einen Brief ihres Vaters, der ihm schrieb: Er wolle nicht nach einem Ausdruck suchen für das Verhalten eines Mannes, der aus der jugendlichen Verwirrung eines jungen Mädchens Kapital zu schlagen verstünde. Ueberdies habe er semer Tochter kategorisch erklärt, daß sie pekuniär nichts von ihm zu hoffen habe, wenn sie seinem Willen zuwider handle. Sie habe dann im Laufe dsr Unterredung selbst eingesehen, daß sie auf das gewohnte Leben nicht verzichten könne, und. um einer Wiederholung ihrer Thorheit vorzubeugen, am Abend dem Landgerichtsrath v. Werder - Branckbürg ihr Jawort gegeben. Axe! griff nach der Tageszeitung. Sein erster Blick fiel auf die große Verlobungsanzeige. So eilig hatte sie es gehabt, der Wiederholung ihrer Thorheit" vorzubeugen! Die Träumerin warf sich unruhig umher. Ihre Brust flog auf und nieder. Sie. sah den alten, hageren Landgerichtsrath, ihren Gatten, durchlebte noch einmal zehn endlose Jahre an der Seite des ewig kränklichen Mannes, zehn Jahre voll Glanz nach Außen, aber voll trostloser Dürre nach Innen. Zuerst hatte sie sich Dank der tausend neuen Pflichten der Hausfrau darüber hinweggesetzt, aber nachher, als die Neuheit ihrer Stellung, des Titels undNamens vorüber war, als sie langsam verspürte, daß sie einen Selbstmord an ihrer Jugend und Schönheit verübt hatte, da war es an ihr Herz herangekrochen gekommen, da hatte sie wieder den rasenden Durst, das tolle Sehnen nicht bannen zu können geglaubt, wie damals damals Sie war eine reiche, arme Frau. Dann war der Gatte gestorben. Ein Jahr war's her. Da stürzte sie sich mit einer wilden Begier wieder in den Strudel der Feste, um zu suchen, worum sie sich und ihre Blüthezeit betrogen. einen Mann, dem sie ihre große Liebe hingeben könne, das Gefühl des Glücks, das sich nicht desiniren läßt. Und gestern, auf dem glänzenden Künstlerballe, hatte sie jenen Mann wiedergesehen, an den sie Tag für Tag ihrer Ehe gedacht, mit dem sie hundertfach die Ehe gebrochen in ihrem Herzen, der allein für sie die Männlichkeit bedeutete .Axel!"
Als wären sie stets die besten Freunde der Welt gewesen, mußte er sich zu ihr setzen ihr erzählen, was er gctrieben und was er erreicht hatte. Und sie hörte mit einem seltsamen Stolz, daß er sein Ziel erreicht habe, daß er ein bedeutender Mann geworden war. Daß er ihr gegenüber eine gewisse ZurückHaltung an den Tag legte, bemerkte sie nicht oder wollte es nicht bemerken. Sie wollte ihn wieder haben, sie mußte ihn auf's Neue gewinnen. Und sie erzählte von dem grauen Eheleöen, das sie geführt, von ihrer einsamen Wittwenschaft, und die Wangen glühten ihr wie im Fieber und eine Blutwelle färbte ihr den klassisch schönen Nacken. Er begleitete sie höflich an ih?cn Wagen. Aber sie zwang ihn. sie bis zu ihrem Hause zu begleiten. Stumm stieg er ein. Und sie plauderte weiter und weiter, als habe sie Angst, er könne sich verabschieden. Und dem Mann vor ihr wurde es kalt und heiß; er mußte die Augen schließen, um sie nicht zu sehen. Axel", flüsterte sie. Der Wag:n nahte dem Hause. Da machte er eine Bewegung er faßte ihren Arm da lagen 'ihre Lippen auf den seinen. Du mußt vergeben, Axel; Axel, Du mußt!" Er nickte, todttraurig. Sie aber jauchzte und faßte seinen Kopf mit den Händen. Axel. Axel! Ich habe nur immer an Dich oedacht. Und morgen, morgen kommst Du!" Er sah sie an, er sah, wie schön sie schien in der Gluth der Liebe, er vergaß Alles und küßte sie. Daran dachte die Träumerin und ihr Athem ging tief und sie lächelte. Dann fuhr sie empor und griff nach der Klingel. Die Zofe erschien. Bald 11 Uhr, gnädigste Frau." Sie ließ sich ankleiden und betrachtcte sich im Spiegel. Wie jung sie geblieben war. wie schön! Sie bemerkte es erst heute seit Langem wieder. So weiß und rosig . Sie seufzte und lächelte . Ja. jung wollte sie sein, denn sie war ja auch noch jung ! 12 Uhr. Nun war sie fertig. Sie frühstückte hastig und ging in den Salon, da die Fenster dort nach der Straße führten. Jeden Moment mußte er kommen. Wahrhaftig, sie zittert wie ein junges Mädchen. Und war doch schon eine Frau, eine junge Wittwe von einigen dreißig Jahren. Ob er ihr das auch angesehen hatte? Sicher nicht. Er sah in ihr noch die Hella von ehedem. Der Zeiger rückte vor. Sie wurde ungeduldig. Schon 1 Uhr. Dann 2 Uhr! Die Zofe kam und erkundigte sich, wann die gnädige Frau das Diner befehle. Sie schickte sie hinaus; sie habe Kopfschmerz. Als es gegen 3 Uhr ging, sprang sie auf. Sie hörte Tritte im Vorzimmer. Aber es war nur de? Bediente. Dann preßte sie den Kopf an die Fensterscheibe und starrte auf die Straße. Eine furchtbare Unruhe packte sie. Der Gedanke durchzuckte sie: er kommt nicht! Sie kam sich plötzlich so einsam, so verlassen und unglücklich vor trotz ihrer Jugend und Schönheit. Und besaß sie diese überhaupt noch? Oder war es die Liebe, die ihr Beides auf kurze Zeit geliehen hatte? Es dämmerje. Sie trat an den Spiegel und sah ein fahles, schmerzentstelltes Gesicht mit tiefliegenden Augen. Und plötzlich wußte sie mit Bestimmtheit. daß er nicht kommen würde. weil er in ihr die Hella von ehedem noch sah und der Wiederholung der Thorheiten" vorbeugen wollte! Mit einem Schrei warf sie sich in ein Polster. Die Liebe war vorüber, auf ewig für sie. Es war Alles aus. Sie fühlte, daß sie alt geworden war. Polygamie in Afrika. Miß Kingsley. die bekannte Afrikareisende, schildert die Vielweiberei, die bei den afrikanischen Völkern Sitte ist. als eine unentbehrliche sociale Jnstitution, die mit den Lebensgewohnheiten der Eingeborenen auf's Innigste verknüpft ist. Augenblicklich." sagt sie. liegt die Sache so. daß nur die Wahl bleibt zwischen Sklaverei und Polygamie, denn die täglichen Arbeiten müssen gethan werden, und wenn sie nicht von den Frauen verrichtet werden, so muß es durch Sklaven geschehen. Die Fan - Stämme im französischen Congogebiet haben einen neuen Beweis für die Berechtigung der Vielweiberei gefrden, nämlich den, daß ein Mann sonst nicht im Stande sei, sich genügend zu ernähren. Die Fan sind ein außerordentlich hungriger Stamm, sie essen mindestens zehn Mal am Tage. Dazu gehört mehr, als eine einzige Frau an Nahrungsmitteln für ihren Herrn Gemahl herbeischaffen kann. Daß alle Arbeit von den Frauen gethan werde, ist in Afrika selbstverständlich. Da es nun unmöglich ist. daß eine Frau allein nach den Kindern sieht, das Essen herbeischafft und kocht, Mais mahlt, die für den Verkauf bestimmten Produkte zum Markt trägt, den täglichen Wasservorrath aus dem Fluß holt, die Plantage besorgt u. s. w.. so muß man eben mehr als eine Frau haben. Je mehr Frauen, desto weniger Arbeit." sagt die afrikanische Dame; und ich habe Neger gekannt, die viel lieber sich mit einer Frau begnügt und das für die Erwerbung weiterer Frauen nöthige Geld zu andern Dinaen verwendet hätten,, aber ihre Frauen selbst haben sie angestiftet, sich noch weitere Frauen zuzulegen, damit die einzelne es leichter hätte." Daß die armen, faulen Negerherren verhungern müßten, wenn sie nicht eine Anzahl von Frauen heirathen können, die sie ernähren, ist jedenfalls ein origineller Grund für die Berechtigung der Poly-gamie.
Eine Vciäjtc. Von Jane Eenandt'Claine.. Wenn ich nur verstehen könnte, Asta, was für ein Vergnügen es sein kann " Karten zu spielen, Relly?" fragt die junge Frau des Hauses, die mit ibrem Gast im Salon allein geblieben w?r. während die Herren sich in das Zimmer des Hausherrn retteten, und sie sah lächelnd zur Thür, durch die sie eben verschwunden waren. Mein Mann sagt immer, daß er so gern mit dir spricht, und doch ist er kaum zur Thür herein, so sitzt er auch schon am Spieltisch. Ich werde ihn auszanken." Nein, thu' das nicht. Nelly. Ich kenne sie. Es lohnt nicht der Mühe. Aber es thut mir leid, daß du den ganzen Abend mit mir allein sitzen sollst. Hätte ich daran gedacht, würde ich Gesellschaft eingeladen haben." Aber Asta! Ich bin doch zu dir gekommen. Wir haben jetzt ohnehin nicht oft Gelegenheit, miteinander zu sprechen." Nein, nicht oft. Und je seltener man sich trifft, desto weniger hat man einander zu sagen, besonders wenn man. wie wir, so eng befreundet war." Sie saßen eine Weile stumm in den großen Fauteuils am Tische, wo eine niedrige Lampe ihren gedämpften Schein durch einen Spitzenschirm ausstrahlte. Was?" wiederholte die andere. Aber Asta, warum ist es jetzt nicht ebenso?" Die Frau des Hauses legte dieHandarbeit fort und sah mit einem gedankenvollen Blick in das Zimmer. Mein Mann behauptet, wir können die Freundschaft nicht so auffassen wie die Männer," begann dann Nelly wieder, die ebenfalls die Stickerei auf den Schooß hatte sinken lassen. Dazu fehlt uns eine Eigenschaft, die ganz und gar männlich ist: die Ritterlichkeit." Da hat er unrecht," sagte die junge Hausfrau streitlustig, energisch, mit einem Zurückwerfen ihres dunklen Kopfes. Und ohne daran zu denken, erhob sie sich hoch, elastisch, mit einem weißen, ausdrucksvollen Gesicht in dem glatten Rahmen glänzenden, blanschwarzen Haares. Das Haar der anderen, der Frau Nelly. schimmerte rothblond und fiel in eigenwilligen Locken über Stirn und den weißen Nacken, der weich und schmal war wie die ganze Gestalt. Beide waren nicht über die Dreißig, aber die Blonde sah ganz besonders jung aus. wenn sie lächelte wie in diesem Augenblick. Ach. Asta." sagte sie, wie dir das ähnlich sieht, es so zu nehmen!" Es verdrießt mich. Sobald von uns die Rede ist, sprechen sie sich mit einer Sicherheit aus, als handelte es sich um die allereinfachste Sache. Ich habe noch nie einen Mann getroffen, jung oder alt, der nicht glaubte, mehr über mein Geschlecht zu wissen als ich selbst." Und da die andere lachte, fuhr Asta fort: Ja, ist es nicht wahr, habe ich nicht recht? Es ist ebenso unmöglich für uns, sie zu begreifen, wie umgekehrt; wir sprechen nicht dieselbe Sprache." Aber Asta!" Ist es möglich, daß du dies nie emvfunden hast?" Es ist wahr, daß ein Rassenunterschied vorhanden ist " Ja, ein Rassenhaß. Er verbirgt sich zuweilen, aber er ist doch da latent wie Wärme in kaltem Wasser."' Sie setzte sich an den Tisch: Warum sind sie so zufrieden dort drinnen, glaubst du? Darum, weil sie beisammen sind. Die meisten Männer fühlen sich nur miteinander wohl!" Ich disputire oft mit Georg," sagte die blonde Nelly mit ihrer leisen weichen Stimme. Er behauptet, daß die Frauen von Natur aus Feindinnen seien." Das ist falsch. Wir sind im Gegentheil natürliche Verbündete." Die Blonde lachte. Denke an den kleinlichen Neid der Frau gegen die Frau, den Mangel an Kameradschaftlichkeit, an Loyalität. Es ist selten, daß die Freundschaft eine große Rolle in unserem Leben spielt." Ob es selten ist, weiß ich nicht; ich weiß nur. daß es bei mir so war." Bei dir. Asta?" Ja." Ein Paar dunkelblauer Augen heftete sich lange und ernst auf ein Paar Heller. Ich war deine Freundin. Nicht so, wie man es im allgemeinen ist oberflächlich und leicht, mit einem Dutzend zu gleicher Zeit. Ich war deine Freundin. Ich kann wohl sagen, daß du die Einzige warst, die auf mich Eindruck machte. Ich hatte ja lange, bevor wir uns trafen, von dir sprechen hören. Ich hatte dich mir groß und stolz und sicher vorgestellt, und nun warst du klein und weich, mit deinem langen, lichten, blonden Haar. Es war etwas so Poetisches über dir damals. Nelly. ...Ich freute mich mehr darüber, daß du gefeiert warst, als ich mich gefreut hätte, wenn es mir selbst gegolten, und als ich endlich zwei Worte mit dir wechseln konnte, da war ich verzweifelt ich fühlte, daß ich die schrecklichstenDummheiten gesagt hatte. Ich weiß nicht, ob ich nicht die Gelegenheit benützte. zu fragen, wie du über ein Jenseits dächtest." Die Freundin lachte. Ich fühlte mich gleich zu dir hingezogen. Asta." sagte sie. Aber als du dann eine Zeit in unsererStadt bliebst und wir uns treffen und sprechen konnten welches Glück! Ich war umhergegangen und hatte mir in aller Stille Fragen gestellt, und nun hörte ich dieselben Fragen von deinen Lippen, aber klarer und viel ruhiger. Alles bei dir war Ruhe und Klarheit, du kleine Nelly mit deinen achtzehn Jahren. Erinnerst du dich an unsere Gespräche, die in's Unendliche fortgesetzt wurden, an unsere
isedetmnisse, unsere Träume und meine grenzenlose Bewunderung alles dessen, das du thatest und sagtest? Und unsere Briefe! Entsinnst du dich - unserer langen Briefe? Ich las die deinen mit einem Entzücken, von dem du dir kaum einen Begriff machen kannst. Nelly, in der Freundschaft wie in der Liebe ist immer einer, der mehr, und einer, der weniger giebt; einer, der glücklicher ist als der andere; hier war ich es. Du hattest so viele, die zu dir aufsahen ich war nur eine unter ihnen." Liebste Asta!" Ach. Nelly. du kannst dir keinen Begriff davon machen, was du damals für mich bedeutetest. Selbst konnte ich nicht so weit überlegen, daß zweimal zwei vier ist. Ich hatte die ganze blinde Naivität eines Fetischeanbeters. m Erinnerst du dich, daß du mich dein Gewissen nanntest, erinnerst du dich, wie weh es mir that, wenn du etwas gesagt oder gethan hattest, das ich nicht billigen konnte. Alles sollte bei dir hoch über jedem Angriff stehen. Niemand sollte bei dir das Germgte zu tadeln finden nicht einmal ich. Aber wer mich gehört hätte dich ausscheltcn. der würde mich für deine strengste Widersacherin gehalten haben . . . Ach. Nelly, ich mochte es nicht, daß du kokett warst, mochte es nicht, daß du dich auf irgend einen Flirt einließest, und dech war es meine große Freude, wenn du mir deine kleinen Romane erzähltest. Selbst hatte ich keine. Ich stellte mir kaum die Möglichkeit vor, welche. zu haben. Ich machte mir nie etwas aus den Leuten. Ich lebte nur durch dich, und nur durch dich sah ich die Außenwelt. Ich kannte mich selbst nicht, und du kanntest mich noch weniger, du ahntest nicht, wozu ich im Stande war. Keine von uns ahnte, daß das dümmste aller dummen Intermezzos alles würde zerstören können, was in meiner Freundschaft für dich gut und ehrlich war. Aber was auch nachher gekommen sein mag vergessen werde ich sie nie. So, wie ich mich dir anvertrauen konnte, habe ich mich nie einem Menschen anvertrauen können. Wir waren ja Frauen, geboren, dasselbe zu ver-
stehen, dasselbe zu denken, dasselbe zuturnen, mit Mannern zu sprechen das ist etwas anderes. Man hat da nie das Gefühl, daß man auf derselben Basis steht, daß der Ausgangspunkt der gleiche ist. Man empfindet nicht diese unbeschreibliche Uebereinstimmung, diese Ruhe, die nichts ersetzen kann. Es ist nur Unruhe, Kampf und Erregung ein reißender Strom, in dem man mit Händen und Füßen kämpfen muß, oder untergehen. Wenn er uns nicht getrennt hätte, würde vielleicht alles noch unverändert sein du weißt, ich meine Karl " Karl Dahlmann?" Ja, Nelly, du erinnerst dich, daß ich ihn bei deinen Verwandten traf, aber gewiß fiel es dir nie auf, daß er sich im Anfang sehr artig gegen mich zeigte. Du hattest genug mit all denen zu thun, die dich umschwärmten, und ich glaube, daß man mich ein- für allemal unter die einrangirt hatte, denen Niemand den Hof macht." Das war deine eigene Schuld, Asta " Vielleicht. Das Spiel lag mir nicht. Die halben Gefühle und das kleine Interesse, all das Schwebende, Unbestimmbare konnte mir immer nur so wenig sagen. Ich wollte gern in die vollen Saiten greifen, siehst du, und so etwas rächt sich. Meine unverzeihliche Dummheit war, daß ich Karl Dahlmann ernst nahm. Wenn ich jetzt an seine glatte, lächelnde Artigkeit denke, an den unverläßlichen Blick seiner grauen Augen, an seine ganze fade Oberflächlichkeit als Künstler, dann frage ich mich selbst, wie es nur möglich war, daß er jemals Eindruck auf mich machen konnte. Aber er hatte mir einmal etwas über meinen malerischen Teint gesagt, und mit diesem banalen Leim ließ ich mich fangen. Ich versichere dich, ich war so anspruchslos, daß ich mir nie vorstellte, es ließe sich überhaupt etwas über mein Aussehen sagen. Denke dir, Nelly, es war der erste Mann, der mich je ausgezeichnet hatte, und ich war zwanzig Jahre alt. Was Wunder, daß ich mich fangen ließ, was Wunder, daß ich mir eine große, noch unentdeckte Welt hinter dieser fade lächelnden Maske vorstellte. Ich vertraute dir gewiß damals meine Träume an. und das war vielleicht die Ursache, daß du anfingst, ihn mit Interesse zu betrachten." Vielleicht, Asta, ich weiß es nicht..." Das genügte, damit ich nicht mehr für ihn vorhanden war. Er saß bald so rief in deinem feinen Netz gefangen wie vielleicht in keinem anderen zuvor. Aber ich glaube, daß ihr einander egenseitig verwirrtet, ihr, die ihr beide mit der Erfahrung so vieler Siege' zu rechnen hattet. Wenigstens habe ich dich nie so unruhig und so wenig sicher deiner Macht gesehen. Du batest mich sogar, zu versuchen, ihn auszuforschen wie grausam ein Weib oft gegen das andere ist, dumm und blind, so wie man grausam gegen sich selbst sein kann. Bist du wirklich entzückt von ihm?" fragte ich, und du antwortetest ja." Ich weiß nicht, was ich bei deiner Antwort fühlte, aber im Dunkel meines Herzens war mir, als hättest du mir ein blutiges Unrecht gethan. Glaube nicht, daß ich jetzt so denke, aber ich hatte ihn einen kurzen Augenblick als mein Glück betrachtet, als mein Eigenthum, meinen Traum und nun nahmst du ihn mir . . ." Asta, das dachte ich ja nie, das wußte ich nie " Ich weiß. Und er ahnte es auch nicht. Eines Abends, als er mich nach Hause begleitete wir waren b:ide bei deinen Verwandten gewesen, und ich alaube, du hattest ihn noch mehr als gewöhnlich auf dieFolterbank gespannt sprach er von dir und fragte, ob ich wohl glaubte, daß er Hoffnung habe. Das Herz wurde ganz kalt und hart in mir. Ich antwortete: nein nein.
vas glaubte ich nicht. Ich machte ihm klar, daß, wenn er euch beiden einen peinlichen Augenblick ersparen wollte, er seine Gefühle nicht gestehen sollte! Denn es wäre dir nie eingefallen, ihn ernst zu nehmen! Ich wußte, daß ich grausam war. aber es that mir wohl o, ich genoß diesen Augenblick! Er verließ mich still und vernichtet, und ein paar Tage darauf reiste er ab. Siehst du, zu so etwas war ich fähig. Ich habe es dir nie gesagt. So nach und nach begann ich mich von .dir zurückzuziehen. Du hast dir mein Benehmen wohl nie recht erklären können meine Verschlossenheit und mnne stets wachsende Kühle, aber ich hatte doch noch einen Tropfen ehrliches Blut in den Adern. Ich konnte nicht fortfahren, deine Freundin zu sein, nachdem ich dich betrogen hatte." Aber Asta, ich machte mir nicht allzuviel aus $m. Ich versichere dich es war bei mir mehr eine Laune." Das weiß ich, und ich habe es nie bereut, daß ich ihn verhinderte, mit dir zu sprechen.. Nicht das ist es, siehst du, nicht das, aber ich habe dein Vertrauen getäuscht. Es muß so wenig an mir gewesen sein, daß ich mich einer solchen Niedrigkeit schuldig machen konnte. Und wärmn? Aus welchen Motiven? Wenn ich ihn wenigstens geliebt hätte, aber das that ich nicht. Lieben? Ich wußte damals nicht, was das war. Erst einige Jahre später lernte ich in Kampf und Furcht die Liebe kennen. Wie der böse Gedanke damals eine solche Macht über mich hatte gewinnen können, weiß ich nicht, aber ich habe die Schuld tief empfunden, und grausamer hat kein Büßer sich gegeißelt, als ich mich quälte bei dem Gedanken an die fade Geckenhaftigkeit des Mannes und die Hohlheit des Gefühls, das mich dazu trieb, einen Treubruch an dir, der Freundin, zu begehen. Er ist mir heute gleichgiltiger als der Teppich unter meinen Füßen dich nur bedaure ich verloren zu haben dich!" Aber du hast mich nicht verloren, Asta. Wir sind nr auseinander gekommen, und wir können uns wieder finden." So, wie ehemals, nie mehr, Nelly! Nicht, weil ich dich heut nicht ebenso hoch schätzen kann wie früher, nein, siehst du, ich habe den Glauben an mich verloren. Das Gefühl, das ich verrathen habe, hat seinen Zauber für mich eingebüßt. Du bietest mir deine Freundschaft, wie man dem Durstigen ein Glas Wasser bietet, aber du kennst die Säuren, von denen so wenig genügt beinahe ein nichts damit der Trunk den Geschmack davon abnimmt. Ich habe einmal einen solchen Tropfen Bitterkeit in den Becher gegossen, und das werde ich immer fühlen. Man kann fehlen und kann es wieder gut machen, aber eines giebt es, das man nie darf das ist: unehrlich sein! Es hat Jahre gewährt, Nelly, bevor ich mich in meinen eigenen Augen wieder erheben konnte, und ich bewahre stets al5 meine schlimmste Qual tief in meinem Herzen ein Mißtrauen gegen mich selbst. Giebt es etwas in meinem Leben, das ich glänzend und fleckenlos bewahren wollte, so ist es die Erinnerung an deine Freundschaft, die das Beste war, was meine Jugend hatte; denn ich baute sie auf allem auf, was an Streben und Glauben in mir war. Jetzt kann ich mich nicht einmal darüber freuen. Jetzt ist auch das verdunkelt. Du weißt, es giebt schwache Augen, die nur Flecken sehen, wenn sie in die Sonne schauen." Solch ein schwaches Auge ist meine Seele . . ." Vom Zimmer des Hausherrn hörte man das Geräusch von Stühlen, die vom Tische fortgeschoben wurden, und indem die junge Hausfrau sich erhob, um zu ihren Gästen hineinzugehen, legte sie für einen Augenblick die Hand auf den Arm der Freundin und sagte kurz, mit einem unbestimmten Lächeln, das etwas in ihrem Blicke hart und glänzend werden ließ: Nun habe ich meine Beichte abgelegt, Nelly, und du kannst deinem Georg recht geben Frauen verstehen sich nicht auf Freundschaft." Einstundjetzt. Wenn früher einer durstig war Und hatte leer die Tasche, So ging er zu dem Brunnen hin Und pumpte dort und trank. Wenn heute einer durstig ist Und hat nichts in der Tasche, So er geht zu dem Wirthe hin Und trinket dort und pumpt. "A llen in jüngster Zeit vom Sultan empfangenen Diplomaten ist eine Aenderung in der Toilette des Padischah aufgefallen. Vor dem Kriege gegen Griechenland trug Abdul Hamid bei Audienzen der Botschafter und Gesandten stets die nationale Stambuline, einen redingotartigen Gehrock mit Stehkragen, weißes Gilet und schwarze Beinkleider. Jetzt dagegen legt de: Sultan immer nur Jnfanterieuniform an und in der Hand hält er einen Cavalleriesäbel. Dazu trägt er einen grauen, in Schnitt und Farbe dem preußischen gleichen, offenen Militärmantel. Der verkommene, trunksüchtige Arbeiter Sieg in Berlin, der am 29. Juni nach furchtbarer Bedrohung von Frau und Kindern seine 14jährige verwachsene Tochter Bertha aus dem Fenster, vier Stock hoch, herabgestürzt hat. wurde zum Erstaunen des Publikums von den Geschworenen für nichtschuldig erklärt; so daß seine Freisprechung erfolgen mußte. Der Ljährige Sohn erzählte anschaulich, wie der Vater das Mädchen herabgestoßen; die Sterbende selbst hatte deutlich und wiederholt gesagt: Der Vater war es. Trotzdem hatten die Geschworenen Bedenken. Die Behauptung des Angeklagten, das Mädchen sei freiwillig herausgesprungen, schien ihnen nicht widerlegt.
Der alte Tessauer und Glcim. Der alte Dessauer schrieb viel und gern, aber seine Handschrift war um so viel schwerer zu lesen, als er sich seiner eigenen Orthographie bediente. So schaltete er gern in jede Silbe ein h ein und schrieb z. B. Gehnehrahl, Gohmahndoh, Ohficiehr. Eines 2a ges hatte er an seinen Adjutanten eine Ordre gesandt. Dieser konnte sie mchfc entziffern und eilte zu dem alterr Brummbären, wie ihn das Volk narnt te, und bat sich Erklärung aus. Leo pold sah sich das Schriftstück an, aber er wußte es sich nicht zu deuten. Da fuhr er heraus: Schwerenoth, ich habe ja das für Ihn und'nicht für mich geschrieben." Um dergleichen zu vermeiden, hielt er sich endlich einen Sekretär. Im Jahre 1840 wurde das Gleim, der dieselbeStelle bei dem Markgrafen von Schwerin ausgefüllt hatte. Als sich der Dichter ihm vorstellen wollte, traf er ihn im Hemde am Ofen. Er fuhr sodann den zukünftigen Sekretär mit den Worten an: Ist Er der Kerl? Gleim war betroffen, aber.rasch gefaßt, antwortete er: Ja, ich bin der Kerl, Euer Durchlaucht, der selbst unter schwierigen Verhältnissen schreiben, kann." Der Fürst stutzte. Nun, waö will Er?" lautete seine Frage. Der neue Sekretär legte ihm seine Papiere zur Begutachtung vor, aber Leopold brüllte: Scher Er sich zum Teufel! Jetzt begann Gleim auch zu lärmen: Das ist nicht in der Ordnung. Durchlaucht! Sie können mich fortschicken dann aber fordere ich mein Abzugsattest. Dazu bin ich berechtigt, und ich weiche nicht eher, und drohte mir der Teufel und seine Großmutter!" Leopold blickte den Furchtlosen erstaunt an. dann sagte er ruhig: Er bleibt mein Sekretär. Halt Er das Maul!" Gleim entfernte sich. Als dieser am folgenden Tage seinen Dienst antrat, sagte der alteDessauer zu ihm: Gleim Er gefällt mir; ich glaube, er wäre ein. tüchtiger Korporal geworden!" Erhöhte (Slaubürdigkett
Revai Janos mit Trauerflor an? Arm kommt in die Stadt, trifft einen. Bekannten, der ihn fragt: Ah Janos. Du bist in Trauer, wer ist Dir denn gestorben?" Uram Batschi, main Onkel ist g?siorben." Das thut mir sehr leid; was fai: ihm denn gefehlt?" Hot er fünfzehn Moß Wain trunken, da Hot ihn Schlog getroffen." ' Was fünfzehn Maß Mein? das ist, ja unmöglich! Du wenn Du das wie---der jemand erzählst, so mußt Du denOnkel schon bei der achtenMaß sterben lassen, sonst glaubtDir's kein Mensch!" Revai Janos geht weiter, wird abcr. bald von einem anderen Freund angk--sprechen: ' Janos. warum bistDu in Trauer?-' Uram Batschi, main Onkel ist g:storben." Was? Uram Batschi ist gestorben?' Er war doch noch so rüstig, was hat ihm denn gefehlt?" Hot er fünfzehn Moß Wain getrunken und nach der achten Hot ihn Schloz. getroffen." Der englische Paria mentsabgeordnete Logan hat herausgerechnet, daß der Bierconsum in England sehr davon abhängig ist, welch politische Partei sich am Ruder befindet. Während der Jahre 18811885wuchs der Bierconsum in Großbritannien unter dem liberalen Regiment um. 620,177 Fässer, in den darauf folgenden fünf Jahren unter einer conservativen Regierung dagegen um 4,533,152 Fässer. In den zwei vollen Iahren 1893 und 1894 unter einem libe--ralen Ministerium belief sich die Zunahme auf 235.725 Fässer. 1896,. dem ersten vollen Jahre der gegenwärtigen Regierung dagegen auf 1,639, 157 Fässer. Der Bierconsum wächst somit in einem liberalen Jahr durchschnittlich um 171.180 und in einein conservativen um 1,028.713 Fässer. Die Dampffähre z w ischen Helsingör nach Hclsingborg ent--ging neulich Abends durch die Geistes-, gegenwart ihres Führers Capitäa Stuhlmann einem Zusammenstoß, der ohne Zweifel Hunderten von Menschen das Leben gekostet haben würde. An Bord derFahre befanden sich sechs vollbesetzte Eisenbahnwagen, deren Fahrgäste in die wildeste Verzweiflung und, sinnlosen Schrecken geriethen, als plötzlich dicht vor ihnen ein großer Dampfer in starker Fahrt auftauchte. Em Zusammenstoß schien unumgänglich, adec es gelang dem Capitän. der allein seineGeistesgegenwart behielt, so geschickt zu. manövrircn, daß die Schiffe in paxaUlele Lage kamen. Im nächsten Augen-, blick erhielt die Fähre einen furchtbaren Stoß, der fremde Dampfer fuhr vorbei und verschwand im Dunkeln. Die. Schuld lag ausschließlich an deni. Dampfer, einem Engländer, die durch ihre Unachtsamkeit und Rücksichtslosizkeit soviel Unheil anrichten. In 2,amderg, Bezirk Rohrbach im Mühlviertel, hat ein ge--wisser Joseph Hain seine 76jährige blinde Mutter mit einer Schnur er--würgt. Joseph Hain hatte im Jahre1887 ein Gasthaus und zwei nahcstehende Anwesen in Brand gesteckt und war dafür vom Schwurgericht Ried zu 10 Jahren schweren Kerkers verurtheilt worden. Damals wurden starke Zweifel an der Zurcchnunzsfähigkcit Hain's, ausgesprochen, doch mußte nach dem: Gutachten der Aerzte mit einemschuldspruche vorgegangen , werden. Dieser Tage verließ nun Hain die Strafanstalt und suchte die Mutter auf. die ihn sofort in ihre Wohnung ausnahm, wie sie denn überhaupt mit großer Liebe a ihm hing. Zum allgemeinen Entsetzen beging er nun die That. Er wurde am folgenden Tage verhaftet, wobei er ganz theilnahmslos die That eingestand und den Hergang schilderte. .
