Indiana Tribüne, Volume 21, Number 57, Indianapolis, Marion County, 14 November 1897 — Page 3
Zoir. Von Akttndn Qaron von Zabrrts. (10. Fortsetzung und Schluß.) Wieder jener Brüllten, der sich aus der Brust ds Getroffenen ringt. Wemge Sekunden lang torkelt Lou in e! ner Betäubung, dann geht ein aufraf-fen-des Schnellen durch seine Gestalt. Ausrecht steht er wieder, in der vorgestreckten Hand blinkt etwas Metallenes. Drei Sekunden nur.... ein Schuß ....eine blaue Dampfwolke.... zwei Rufe sls dzs Echo dieses Schusses: ein tU lender Fluch aus des Fleischers Kehle ein fast wie ein Jubel klingendes Jcppa!" mit dem der Nubier den Hals ds Thieres .umklammert. Gleich darauf hat er dem Hunde das Lugzeug abgestreift, und nun jagt er mit ihm über den Platz. Die nach em Schusse hineilenden Menschen stieben entsetzt vor ien beiden ausemander. Quer über den Fahrdamm will cr hinweg, um den jenseitigen Seinequai zu gewinnen. Es geht nicht sofort, vor der ununterbrochenen Folge der drängenden, rasselnden Wagen, die mit einer schwer verhaltenen Schnelligkeit von der Höhe 'des Boulevards herabstürmen, muß er Halt machen. Aber Eile! Eile! Schon kommen sie herangesetzt, um ihn zu fassen! Sie werden ihn abermals trennen von Zeppa! Es wird nicht sein! Es dars nicht sein! In seiner Verzweiflung stürzt er sich in das Gewühl der Wagen. Fast hat er sich im Zickzacklaufe hindurchge drängt, plötzlich zaudert Zeppa und läßt sich schleifen. Lou will ihn vorwärts zerren. Da schlägt eine donnern'de Stimme von hoch oben an sein Ohr. Der heiße Athem von Pserden faucht ihm ins Gesicht, zuBoden schlägt er Kreischen und Flüche ringsum etwas Ungeheuerliches, eine schwere gigantische Masse wälzt sich auf ihn heran ein prasselndes Getöse, ein ächzendes Knarren und ein gellender Wehschrei, der sich aus seiner eigenen Brust löst mit zermalmten Gliedern liegt er unter den Rädern des Omnidus. Ein dumpses Gewirre von Stimmen umbraust ihn, Hände tasten an seinem Körper herum, jemand kommandirt laut. War das nicht Zeppas -warmer Odem, der über sein Gesicht strich? Dann ds Dunkel, das große Dunkel.... ZweiundzvanzigstesKapitel. Lous Himmel. In dem Saale, wo Lou gebettet lag, war es sehr still, sehr hell und sehr reinlich. Noch mehrere Betten standen dort, aus einigen schauten blasse Gesichter mit großen abwesenden Krankcnaugen. Zwei Schwestern schwebten in geschäftiger Eile hin und wider, man hörte ihre Tritte nicht auf den Läufern, wohl aber das leise Knittern ihrer papiersteifen Ordenshaube. Viele Tage lang wußte Lou nicht, wie er Hieher gekommen in diese Siille. In der fiebernden Dämmerung, die sein Bowußtsein umschleierte, war lles, was er erlebt, jetzt .und vor Iahren, zu einem einzigen großen, phantastischen Traume zusammengeflossen. Durch diese Traumwolken fuhr es zuweilen wie ein schlänqelnder Blitz, der so seltsam heulte und schrie. Wieder fcie entsetzliche Peitsche von 5?airo! Sie hatten Mühe, ihn zu halten, so wand unid wälzte er sich unter dem Heulen dieser erträumten Peitsche. Vor wenig Tagen noch hatte sie ihm einen Hieb über das Gesicht versetzt, der Striemen stand in schwellender Nöthe über der einen Schläfe. Und an dem leisen Brennen 'dieses Zeichens ertrachte allmählich das Bewußtsein des zuletzt Geschehenen. Eines Tages, lda er im Halbbewußtsein lag, ward ihm ein andrer und diesmal ein so schöner,, ein unendlich schöner Traum. Ein warmen Odem wehte über sein Antlitz; jetzt hörte er, iok .es winselte vtötn ihm. und jetzt beleckte eine feuchte Zunge seine Hand. Ach. Zeppa war da! welch eine Sliftfeit! Und er wagte die Augen nicht zu öffnen, damit der Traum nicht zerflattere. Da flüsterte die Stimme der einen Schwester neben dem Bette: Allons, brav mein Hund nicht lästig werden! Kusch er sich!Nur einen einzigen Augenaufschlag that Lou. Er war da! Er war da! Zeppas Augen nein, nur das eine Auge -das er aus dem Käfige des Löwen gerettet Zeppas schwarzglänzende Nasenspitze Zeppas freudig hm- und herschlagender Schweif... Dann wieder die Nacht. Er verstand nicht recht, was ihm 'die Schwester später zu erzählen versuchte. Wie da der Bahre, die Lou brachte, der Hund gefolgt war, laut belfernd und heulend, und wie er das Hotel Dieu falbem nicht mehr verlassen. Aber das Reglement wäre streng, man dürfte itsi nicht hereinlassen. . ' 1lur ganz heimlich, in gewissen Sturden, wo das gefürchtete Reglement ein wenig schlummerte, wagte cs fcie Schwester, den Hund an dem Bdte zu dulden. Dann vornahmen die andern Kranken zu ihrem Erstaunen, wie die beiden leise Zwiesprache hielten; wie Lou dem Hunde zuflüsterte, zärtli3, so rührend zärtlich, in einer Sprache, die niemand verstand; und wie Zeppa Antwort gab, in kurzen klagenden Tönen, die fast nichts mehr von einem Thiere hatten. Einmal sagte der Oberarzt zu drn Schwestern; Laßt ihm meinetwegen den Hund, solange es noch 'dauert, txr Arme, hat ja nichts andres auf dieser Welt." Nein, e: halte nichts andres mehr, als dies gute treue Hundeherz. Denn auch sein letztes, die Erinnerung an sei- ' nen todten Moussou, mußte ihm mit
einem bittern Tropfen vergällt werden. Lou hatte das Medaillon auö seiner Amulettasche hervorgenommen. Selbst das gähnende Elend seiner Vagabundentage hatte ihm das nicht zu entreißcn vermocht. Als er das golöene Kleinod spielend durch die Hände gleiten ließ, da sprang es auf. Ein Bild fiel daraus hervor. Sosort erkannte es Lou. Lilis Bild! Mlras Bild! Das Bild des Weibes, das er so sehr yeliedt und das ihn für achtundzwanzigtausend FrancZ versteigern ließ! Mit einer erschreckenden, völlig blcndenden, entsetzlichen Klarheit lohten nun die Gedanken .in ihm auf. Der todte Moussou hatte Mira geliebt. Daher ihre plötzliche Bestürzung, als im Guignol der hölzerne Marquis sich hinter den Koulissen erschoß. Den wirklichen Marquis hatte sie ja selb:r in den Tod getrieben. Jene, die sie so genau gekannt haben wollte, war sie ja selbst qewesen! Und hinter Lous Nücken hatte das .Glück" gespielt, das den Moussou zu Grunde gerichtet.... Ah. ah. ah ist denn die ganze Welt ein Guignol? Und wie an jenem Sonntag im Anblicke der Kaskaden von St. Cloud stürzten zwei Thränen über seine Wangen. heißer als damals, voller und glänzender. Es war. als sollte das ganze Leid seines Lebens in diesen b:iden letzten Thränen seinen Ausdruck finden. Sonderbarer Besuch umstand zuweilen das Lager. Scharf geschnitzte Gelehrtengesichter mit u'eimlich blitzeriden Brillen glotzten auf ihn hernieder. Ob sie ihm helfen wollten? Und in stummer Verneinung wiegte er den Kopf: nein, ihm sollte ja gar nicht geholfen werden! Ist denn dies Leben i?es Lebens werth? Armer Lou. sie wollten und sie konnten Dir ja auch nicht helfen. Aber wissen wollten sie, ob. Du zum Stamme der Vischari oder zu dem der Ababdah oder zu dem der Barabra gehörtest. Sie nahmen i)as Maß Deines Schädels und sie quälten Dich, um ein paar Brocken Deiner Nubasprache zu erha sehen. Auch Deinen Gesichtswinkel mußtest Du Dir messen lassen von ihren brutal zufassenden Händen. Es war einer darunter, ein fanatifch eifriger junger Gelehrter, der mußte besonderen Gefallen an Deinem hübschen Kopfe gefunden haben. Mit der fast ängstlichen &itx eines Sammlers, der "bei befürchtet. iaß ihm eine seltene Kuriosität entgehen könnte, betasteten seine Augen das wunderbar schöne Exemplar" dieses Kopses. Jeden Morgen kam er, um nachzusehen, ob Du immer noch lebtest.... Die eine der Schwestern hatte ihm von einem Himmel erzählt, in den alle Guten kämen, und durch dessen Seligleiten alle Unbill dieses Lebens getilgt würde. Auch er käme hinein, wenn er jene Unthat an der Fontäne bereute. Freilich hätte die Kugel ihr Ziel verfehlt, aber dennoch lastete die Schuld auf seinem Gewissen. Da fuhr der letzte schwache Wiederschein eines Zornes über Lous mattschimmernde Augen. Die Schwester wiegte in ihrer lebhaften Art den Kops: Man muß verzeihen, damit auch uns verziehen werde ohne Reue kein Himmel, mein Bester." Ach, er war ja so schwach, und die Stimme der Schwester hatte einen Herzensklang, 'der ihm so neu war und der ihm jede Spur eines Grollge'dankens wie mit weicher schmeichelnder Hand aus den Sinnen verwischte. Ein wehmüthiges Lächeln hauchte über seine zusammengesunkenen Züge. Lou nix werth...." seufzte er; Lou nix Himmel! Himmel hell.... Lou nix hell..." Als es gegen das Ende ging, da saß die Schwester an dem Bette. Der Hund hatte "die Schnauze tief in die Decke geduckt und starrte mit seinem treuen Auge zu Lous Antlitz hinan. Und die Schwester betete vor: Bater unser, der Du bist im Himmel " Es waren nur ganz verstümmelte Worte, die aus des Sterbenden Mund hervorächzten. Geheiliget werde Dein Name...." Mechanisch mühten sich seine Lippen, und er wiederholte etwas das kaum ähnlich lautete. Dein Reich komme," fuhr die Schwester fort. Die Lippen blieben in der buchstaöirenden Bewegung halten. Dein Reich komme.... hören Sie nicht, Lou?" Lou schwieg. Plötzlich stammelte er nochmals, deutlicher und lauter: Bist im Himmel...." Nun ja, Lou," drängte die Schwester sanft. So hören Sie doch also weiter: Dein Reich komme...." Da 11 f Ute er langsam und schwer den tzi? und wbder auf dem Kifsen. In mnen Mienen war eine Anstrengung zumReden. Gespannt horchte die Schwester. Und nun. indem er die letzte Krast seiner Gedanken zusammnraffte, fiel es Silbe auf Silbe von seinen Lippen: Lou nix Himmel will wo Lili sein Lou nix Himmel will wo Menschen sein Menschen nix gut Lou Himmel will wo Zeppa sein! Zeppahimmel guter Himmel!" Heilige Mutter Gottes!" suhr die Schwester mit einem Entsetzen empor. Sie fanden ihn am andern Morgen entschlafen, das Antlitz nach dem Kopfe des Hundes gekehrt. Man hatte Mühe, die erstarrte Hznd von dessen Halsband zu lösen. Der goldene Sonnenstrnf aber, der das Lager kreuzte, zauberte den Hauch eines Lächelns über ' die Züge des Tobten. Dreiundzwanzigstesapitel. Lous Ehren. 5!ach einigen Monaten lief bei der Verwaltung des Hotel-Dieu eint U
deutdN'de Werthsendung ein mi! der Weisung, daß 'dem im vorigen Oktober verstorbenen Nubier, Lou genannt, ein Denkmal auf dessen Grab zu errichten sei. Es sollte ein Marmordenkmal sein, etwas Fürstliches un'd Prachtvolles. an der Summe dürste nichts gespart werden. Das Schreiben trug einen spanischen Poststempel, unterschrieben war es nicht ganz deutlich, leicht zitternd: Mira Gräfin Cabrera". Auf dem Bureau war ein allgemeines Staunen: sie will von sich reden machen, 'diese verwöhnte Diva! hieß es, sie fühlt sich vergessen unter dem Glanz ihrer Grafenkrone.... Nein, das war es nicht. Eine? der Beamten wußte es besser. Das Marmordenkmal ist der Stein, der wie ein ungeheurer Alp auf ihrem Gewissen gelastet sie wollte ihn los sein, er drohte sie noch zu ersticken.... Und das Männlein erinnerte sich. Am Tage nach des Nubiers Tode war eine in Schwarz gekleidete Dame mit der grandiosen Haltung einer Theaterkönigin in 'das Bureau hereingerauscht; durch den Kreppschlcicr, der wie ein Zendaletto ihr Haupt drappirte, schimmerte das goldene Haar. Ihre Stimme wankte ein wenig, als sie ihr Begehren vorbrachte: Ist es crlaubt. den Todten zu sehen?...." Welchen Todten. Madame?" Und durch den lächelnden Schein der Verbindlichkeit, den das Gesicht des Beamten der Dame gegenüber heuchelte, vibrirte ein Unmuth über jene Frage als ob es nicht Todte genug gäbe in solch großem Spital! Im Figaro stand es. mein Her?...." erläuterte die Dame, sie wollte noch etwas sagen, aber es war, als schnitt ihr eine plötzliche Scham die Worte ab. Aus dem Figaro" hat sie's ersahren! Zwischen dem wüsten Boulevardklatsch, den prickelnden Zweideutizkeiten und den ködernden Hunderttausenden der Heirathsofferten hatte sie's gelesen, daß ein gewisser Nubier, der neulieh an der Fontäne St. Michel die Pistole abgefeuert, nunmehr im HotelDieu verschieden wäre. Der Beamte, der doch an die mühsam verhaltenen Thränen und an die von Seufzern unterbrochenen Stimmen der Besucher gewöhnt war. horchte auf bei dem seltsam bebenlden Klang ihrer Worte: Es ist ein Schwarzer und er heißt Lou...." Da zog der Mann wieder mit jenem verbindlichen Geschäftslächeln die Schultern empor und steckte die Feder hmter das Ohr: Bedaure sehr, Madame, da kommen Sie zu spät. Sie hätten viel früher kommen müssen." Schon begraben?", hauchte sie kaum hörbar hervor. Nicht das...." sagte der Beamte. Und es war etwas schaudernd UnHeimliches, wie der Mann es nun bei den folgenden Worten völlig vergaß, seine lächelnde Miene abzustellen. Nicht das. Madame, aber Sie kennen die Bedingungen der Aufnahme in das Hotel-Dieu. Es meldete sich eben niemand, der ihn rcklamirte. da verfällt er der Wissenschaft.... und diese gelehrten Herren haben es sehr eilig in ihrem Wissensdurst, besonders bei diesem Nubier...." Da erfaßte die Dame ein Grausen und sie stürzte hinaus. Ueber den Platz vor Notredame stürmte sie dahin, nachdem sie ihre Karosse mit einer nervösen Gebärde fortgeschickt. Es rieselte ein seiner Nebelregen vom grauen Himmel, aber sie verschmähte den Schutz eines Regenschirmes, laut raschelte ihr Kleid über das von der Feuchtigkeit geschwärzte Pflaster. Und sie verschwartd in dem gähnenden Dämmer des Portals von Notredame. Am Abend gab es eine Bestürzung im Renaissancetheater. Die goldene Mira" hatte sich krank gemeldet; es hieß: sie wolle überhaupt von den Brettn abtreten. Allerlei Gerüchie gaukelten über die Boulevards: die Mira ginge in ein Kloster nein, die Mira heirathete sofrt den Grafen Cabrera.... Auf dem für "das Hotel-Dieu reseroirten Platze des Friedhofes vonMontParnasse geschah es alsbald nach dem Austrag der Gräfin. Ueber 'der Grabstätte des Nubiers begann man das marmorne Denkmal zu erbauen, dabei gab es eine kleine Verlegenheit, denn zwischen den dürstigen Kreuzlein des Hospitals mangelte es an Platz für das breit gegründete Sockel, und man mußte die Kreuzlein ein wenig auseinanderrücken. Das Denkmal fiel überaus prunkvoll und glänzend aus . Es war der Stolz des Künstlers, der es errichtet, es diente ihm zur Reklame und brachte ihm eine Fülle von weiteren Austrägu Von allen Besuchern des FriedHofes wurde es bewundert, und den Fremden empfahl man es als eine Merkwürdigkeit; ihre sehensgierigen Augen staunten: welche Fürstlichkeit oder welch eine Berühmtheit hier begraben läge? Aber nicbts als das große, lakonische, goldgleißend Lou" auf dem weißen Marmor nichts als der Stern, der in den Reisebüchern das Denkmal vor andern auszeichnete. Es war ein so warmer, von der Sonne begünstigter Platz und an den linden Frühlingsnachmittagen geschah es, daß die vagabundiren'de Laune der Bonnen sich hierher verirrte. Dann war das Denkmal von den fröhlichen Kinderstimmen umjauchzt, einige der Stimmchen buchstabirten an der einsamen Inschrift L O U" nur drei Buchstaben! Ah, wie lerchenartig ihr Lachen aufwirbelte, wie selig sie waren, die ungeheure Schwierigkeit dieser drei Worte gelöst zu baben. Also armer Lou, ward Deiner im Tod gedacht! Ende.
Allitteration. Du bist d heute so freudig erregt was ist Dir Angenehmes passtrt?" Denke nur. ich habe eine Robe zum Rover von Robert erobert!" '
Ein öchusterbubcnstrcich.
Von Max Hartux Der Frühling war in's Land gi kommen. In den Anlagen, die ring um die Musenstadt liefen, grünte und blühte cs. Auf einer einsamen Promcnadcnbank saß ein Student und schlief müde vom Frühschoppen. Da kam ein Dicnstmann. Unter seiv.tz rothen Dienstmütze perlten helle Schweißtropfen hervor. Er hatte bei einem Umzug geholfen, wobei es viel schwere Arbeit gegeben. Auch er dachte kurze Zeit zu rasten. Hier auf der Bank neben dem jungen Herrn war ja noch Platz genug. So das thut gut. Nach solcher Anstrengung ist man müde dann die Frühlingsluft die Stille ringsum der Anblick des schlafenden Nachbars kurzum, auch Hundrackt. der Packträger, nickte ein. Bald aber schlich ein Schusterbube näher und betrachtete neugierig die Schläfer. Dann räusperte er sich laut und beobachtete, was das wohl für eine Wirkung auf die Beiden haben mochte. Aber Keiner regte sich. Das machte den Friedensstörer offenbar dreister. Die Mütze des Studio interessirte ihn ganz besonders. Er befühlte, rückte und hob sie ein wenig ohne daß ihr Träger erwachte. Da fiel sein Blick auf Hundrakt. Wie mochte wohl ihm die Studentenmütze stehen? Die Metamorphose war schnell vollzogen. Eine Minute später trug der Studi? die Dienstmütze No. 13 Hundrakt aber die flotte Studentenbehauptung. Hatte ein Stäubchen das empfindliche Riechorgan des Packträgers gekitzelt oder war der Schnupfen bei dem' sonst gesunden Manne im Anzüge? Ein kräftigesHatschi riß ihn nach vorn und in zwei Sätzen war der Thunichtgut, der Schusterbube, hinter den Büschen verschwunden. Hundrackt war erwacht, dehnte sich ein wenig und verließ nichtsahnend den Schauplatz. Aber auch Studio Knastermann war durch die Erschütterung ermuntert worden, öffnete bald danach die Augen und sab sich verwundert um. Als er wahrnahm, daß bereits die Dämmerung hereingebrochen war. raffte er sich auf und schlenderte die nächste Straße entlang. Aber, o Schreck! Dort kam der Professor Cichorius daher. Das war ihm höchst fatal; denn fast haßte er den Gelehrten, seitdem ihm dieser eine? Liebschaft mit seiner einzigen Tochter wegen das Haus verboten hatte. Und doch liebte er Melitta und sie ihn von Herzen. Er wollte dem Alten ausweichen und auf die andere Seite der Straße flüchten aber schon hatte ihn Cichorius erblickt und was war das? kam auf ihn zu. Der Professor, der, seit zwei Jahren Wittwer. sonst immer sehr ernst dreinschaute, schien heute rosigster Laune zu sein. Seine Augen leuchteten in jugendlichem Glanz und um die Lippen spielte ein glückliches Lächeln. Hier, bringen Sie das Amelienstraße 14 aber, bitte, gleich! Ich kann mich doch d'rauf verlassen?" Knastermann suchte nach einem h'öfliehen Worte, aber schon war Cichorius wieder davongelaufen, ihm ein Stück Papier und einen harten Gegenstand in der Hand zurücklassend. Reinhard Knastermann besah beides und erkannte ein Fünfzigpfennigstllck und die Visitenkarte des Professors, auf der mit Bleistift geschrieben stand: Fräulein Melitta Cichorius, Amalienstraße No. 14. Mein liebes Vienchen! Ich komme heute Abend nicht nach Hause; habe liebe alte Commilitonen getroffen, die mich nicht freigeben und mit denen ich ein bißchen kneipen muß! Warte nicht auf mich! Gute Nacht und einen Kuß von Deinem Vater." Knastermann Ivar starr, als er dies gelesen Katte. Daß der Professor ihm, gerade ihm einen solchen Auftrag ertheilte, dem er erst vor vier Wochen wegen seines flotten Lebens das Haus verboten! Und wie cordial er gewesen war er hatte nur an den Hut gegriffen, wie man einen alten Kameraden zu grüßen pflegt. Was mochte der Grund dieses seltsamen Benehmens sein? Und das Fünfzigpfennigstück, was sollte er mit diesem? War das auf der Karte erwähnt? Er las sie noch einmal. Nichts, was ihm Aufklärung hätte geben können. Er sann hin und her. Sollte Cichorius seine Heftigkeit von neulich bereuen? Am Ende er war so freundlich! Aber daß er auch nickt gleich darauf gekommen war! Natürlich der Professor wollte sein Unrecht wieder gut machen, ihm Gelegenheit geben. Me litta wiederzusehen, sich mit ihr auszusprechen. Der. gute Alte, wie lieb von ihm! Er bat ihm alles in Gedanken ab. was er ibm heimlich Böses gewünscht hatte. Nur was für eine Bewandtniß es mit den fünfzig Pfenniaen hatte, konnte er nicht ergründen. Vielleicht sollte er auch sie Melitta geben sie wußte Wohl schon darum. Er beflügelte seine Schritte, um bald bei dem geliebten Mädchen zu sein; denn er hatte noch einen weiten Weg. Endlich war dieser überwunden. Knastermann stand klovfenden Herzens und mit gezogener Mütze vor der Cichorius'schen Wohnungsthür und zog schon zum zweiten Male die Glocke. Aber man wollte durchaus nicht öffnen, und erst als Reinhard hoch und theuer geschworen, er komme vom Herrn Professor, und dessenKarte durch das Gitterfenster gezeigt hatte, ließ ihn endlich die alte Haushälterin eintreten. Nun erschien auch Melitta auf dem düsteren Vorsaal. Der glückliche Studio warf die Mütze beiseite. breitete beide Arme um die Geliebte und küßte 'sie auf die rothen Lippen. Als gut erzogenes Mädchen sträubte sich die Kleine erst ein wenig, aber Reinhard wies seine Belegstücke für die Versöhnung mit dem S3air vor und nun wollre die Freude kein Ende nehmen. Eb waren ein pa herrliche
Stunden, die Beloe mit einander verlebten; am glücklichsten aber fühlten sie sich immer, wenn die Sorge um die Wirthschaft die alte Haushälterin auf kurze Zeit in die Küche abrief. Als es dann Knastermann für schicklich fand, sich zu verabschieden, war Alles zwischen den jungen Licbesleuten klipp und klar. Schon am nächsten Morgen sollte Reinhard kommen und offiziell bei dem Professor um die Hand der Tochter anhalten. Nur die fünfzig Pfennige waren ein dunkler Punkt, den sich weder, das glückliche Liebespaar, noch die alte Haushälterin hatte erklären können. Aber was that das? Sie waren Beide wieder vereint! Was gingen sie die fünfzig. Pfennige an? Cichorius kam erst spät in der Nacht heim. Ja, der sonst so enthaltsame Gelehrte hatte sich von der Begeisterung, mit der er imKreise der Jugendfreunde der ehemaligen Studentenzeit gedachte, hinreißen lassen und eins mehr getrunken, als er vertragen konnte. Er hatte einen regelrechten Schwips mit nach Hause gebracht. Für so etwas ist ein ausgiebiger Schlaf das beste, und dem gab sich denn der Professor bis in den hellen Tag hinein hin. Als aber die übliche Zeit der Besuche heranrückte, meinte Melitta, den guten Vater doch wecken zu müssen. Sie öffnete die Thür feines Zimmers und rief: Gutes Väterchen!" Hm!" Steh' auf es ist halb elf Uhr!" Ist nicht möglich!" Steh' auf, Väterchen Reinhard wird gleich kommen!" Das schien den Alten vollends zu ermuntern. Reinhard wer ist das?Reinhard Knastermann, den' Du mir gestern herausgeschickt hast. O Dank, vielen Dank. Väterchen, für Deine Güte und Liebe!" Was schwatzest Du da?" Stel7 Dich nicht so.mein liebes, gutes Väterchen, als wüßtest Du nichts davon. Er bat mir Deine Karte gebracht; wir haben den leisen Wink verstanden, der uns sagte: Väterchen segnet euren Herzensbund und uns verlobt!" Was sallt Du ein? Bist Dir verrückt?" Väterchen" fuhr in die Höhe und kleidete sich hastig yn. Es war ihm noch immer schwindlig, zu Muthe, als er jetzt in's Wohnzimmer trat, wohin sich Melitta zurückgezogen hatte. Was führst Du da für eine Komödie auf?" herrschte er die Tochter an. Noch nie hatte diese den Vater so gesehen. Aber, Bater, Du blst so spät rrach Hause gekommen hast an alle Möbel angestoßen ich habe es wohl gehört aber mich nicht mehr mit Dir zu sprechen getraut und jetzt ..." Väterchen" wurde plötzlich sanft und nachsichtig in seinem Schuldbewußtsein er schämte sich. Er hörte dem nun folgenden Berichte seiner Tochter, wenn auch mürrisch, so doch geduldig zu, nur hie und da seiner Verwunderung und seinem Unwillen durch einen Ausruf Luft machend. Er konnte es nicht glauben, daß er. anstatt eines Dienstmannes, den Studenten Knastermann mit der Sendung an die Tochter betraut haben sollte. Das war ja noch zwischen dem Nachmittagsund Abendschoppen geschehen! War er denn schon zu der Zeit benebelt geWesen? Und doch, es mußte wohl so sein. Selbst die fünfzig Pfennige waren zur Stelle, die er dem vermeintli--chen Dienstmann als Botenlohn in die Hand gedrückt hatte. O, wie schämte er sich jetzt! Seine Tochter konnte in diesem Zustande alles mit ihm machen, er war wie Wachs in ihrer Hand geworden, und sie benutzte die Schwäche des Vaters mit der ganzen Verschlagenbeit. die Liebenden eioen ist. Cichorius zermarterte sem Gehirn beständig mit der Frage: Was soll nur Knastermann von mir denken? Mclitta wußte ihn zu beruhigen: Noch weiß Knastermann nichts davon, daß Du ihn mit einem Dienstmann verwechselt hast, weil Du na. weil Du Du weißt schon er halt alles für Güte und Absichtlichkeit! Er ist ein seelenguter Mensch, aber als abgewiesener Freier, glaube ich, würde er zu Allem fähig sein, denn er liebt mich von ganzem Herzen. Wenn Alles durch ihn bekannt würde denke an die Schmach! Dein ferneres Wirken als Lehrer der Hochschule wäre ja in Frage gestellt!" Währenddessen machte sich Knastermann auf den Weg zu Cichorius aber nicht in Couleur", fondern mit einem neuen Cylinderhut. den er schon für die kommenden Examina und die mit ihnen verbundenen Besuche bei den Professoren gekauft hatte. Er vermißte feit heute Morgen allerdings feine Corpsmütze, dagegen hatte eine Packträgermütze auf feinem Tisch gelegen. Sollte er im Rausch diese Kopfbedeckung irgendwo aufgegriffen haben? Er war doch gestern von Cichoriussens geradeswegs nach Hause gegangen!.... Aber das war ja Alles Nebensache er würde sich schon noch auf dem Dienstmann - Institut erkundigen. wie die Sacke zusammenhing jetzt hatte er Wichtigeres vor. Knastermann wurde vorr Vater und Tochter empfangen. Cichorius war erst ziemlich kühl; er wollte den jungen Mann gar nickt zu Worte kommen lassen und versuchte, wenn dieser mit seinem Anliegen herauszurücken begann, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. Aber Knastermann ließ nicht locker und der Professor wurde, während feine Blicke sich ängstlich auf die Tochter richteten, die ihn durch Hüsteln und warnende Zeichen förmlich hypnotisirte, immer mehr in die Enge getrieben. Lieber, verehrter Herr Professor." sagte jetzt Reinhard treuherzig, Sie haben mich durch Ihren Auftrag gestern hoch beglückt. Und ganz besonders eins hat mich zu dem heutigen Gang ermuthigt nämlich, daß Sie sich nicht scheuten, mich schon gestern zum Mitwisser einer kleinen Sorge um den Haushalt zu machen mich i zum Ueberbrinaer
O Himmel, jetzt kam er auf die fünfzig Pfennig Commissionsgebühren zu sprechen! Der alte Herr gerieth in die tödtlichste Verlegenheit, und nur stammelnd kamen die Worte über seine Lippen, mit denen er Knastermann's Rede unterbrach: . Ja, mein lieber Knastermann, Sie nehmen mir das hoffentlich nicht übel, daß ich Ihnen zumuthete, die Kleinigkeit meiner Tochter einzuhändigen ich wollte Ihnen eben dadurch mein Vertrauen beweisen hielt Sie schon so halb und halb zur Familie gehörig denn Sie sind ja doch heute hier, um um um Melitta anzuhalten Sie wissen . ich war Ihnen schon längst gut ich schätze mich glück nehmen Sie sie hin !" Weiter kam er nicht. Ein Schwindel überfiel ihn und er stürzte aus dem Zimmer. Die Sache war überraschend glatt gegangen. Er batte, noch ehe Knastermann um die Hand der Tochter gebeten, sie ihm selbst angetragen. Als der glückliche Bräutigam am Nachmittag Cichorius' Haus verließe strebte er dem Dienstmann - Institut zu. Dort erfuhr er. daß Dicnstmann No. 13 sich feit gestern nicht habe sehen lassen, und als er den Verschollenen in seiner Wohnung aufsuchte, fand er ihn im Bette vor. Der Arme war tagsvorher in eine kleine Schlagerei" verwickelt worden und hatte sich dabei ein wenig übermüdet, aber nicht umsonst," wie er freudestrahlend versicherte. Und er stellte pantomimisch dar, wie er ungefähr fechs Gegner zugleich kampfunfähig gemacht habe er mochte nicht schlecht gehaust haben! Außerdem lag auf dem Tisch noch ein halbes Dutzend Visitenkarten, die der vermeintliche Student mit nach Hause gebracht hatte und welche ebensoviel Herausforderungen zum Duelle bedeuteten, und daneben auch Knastermann's Mütze. Wie diese bierher gekommen und die von No. 13 ln Knastermann's Besitz das blieb ein Rätbsel. Nur der Schusterbube hätte Aufklärung geben können aber der ist niemals d'rum gefragt worden.
Gaunerstreiche. Die nobelsten Gauner sind es nicht, die ihren Opfern Diamanten und Perlen abknöpfen" aber unter Umständen verrathen sie sehr viel Erfindungsgeisi. In der Pariser Oper, als noch dir Königin der Mode und Kaiserin der Franzosen die Vorstellungen durch ihre Anwesenheit verherrlichte, erschien eines Abends im Zwischenact ein Hr mit einigen Orden am Frack in der Loge einer vornehmen Pariserin, die unweit der Hofloge saß. Madame Ihre Majestät hat Ihre Brosche bemerkt, sie ist entzückt davon und bittet, sie das prächtige Kleinod genauer besehen zu lassen. . ." Die auf's angenehmste Ueberraschte besann sich keinen Augenblick, nestelte die Brillantbroche sofort und-so rasch, wie es nur möglich war, los und überreichte das Kleinod dem artigen Höfling, der unter verbindlichen Verbeugungen damit verschwand, um sich nie wieder blicken zu lassen. Ziemlich geschickt operirte in Hamburg der Busennadel - Babier". der notorisch jahrelang den feinen Kunden, nachdem er sie rasirt hatte, mit der Serviette, auch die sicher erfaßte Cravattennadel abnahm, und das alles mit den flinken und schwungvollen Bewegungen des dienstfertigen Figaro. Sogar die. Kleptomanie muß als, Vorwand bei Gaunerstreichen herhalten. Erst vor Kurzem erschien ein junger Elegant, in einem Gold- und Silberwaarengeschäft zu Berlin, um dem anwesendenHerrn die Mittheilung! ?u machen, daß-, er in einer Stunde mit seiner. Tante-, kommen werde, um. Einkäufe, ziu machen, und er bitte, wenn- sich die- Dame: er nannte einen? gräflichen Nameir von stadtbekanntem Klang derleiwr. lassen sollte, etwas zur Seite zit prak ticiren, sie ruhig gewähren zu lassen. Die Gräfin leide nämlich an Klepto manie und er, der Neffe, der das mit einer gewissen Schüchternheit einge'stand, verpflichtete sich. Alles, was sie etwa verschwinden lassen würde. blldmöglichst zurückzubringen. Zur bezeichneten Stunde fuhr die Gräfin vor. kaufte ein kleines Armband und stahl wie ein Rabe. Der Neffe blickte wehmüthig drein, der Geschäftsinhaber zählte mit voller Ruhe die Gegenstände, die die Gräfin" in den Falten ihrer Seidenrobe verschwinden ließ, und er wartet heute noch auf die Wiedererstattung. Die würdige Gräfin war eine Gaunerin, die nicht aus krankhafter Neigung, sondern einfach professionell stahl. Aber der Streich war geschickt eingefädelt. TrotzdenheftigenProtesten der Presse veranstalteten die Administratoren des Velodroms von Lille mit Hilfe des südländischen Apostels für die .Corridas", Herr Fayot aus Beziers. neue blutige Stiergefechte. Dank einer unerhörten Reclame und einer beispiellosen Vertheilung von Freibillets waren mehr als 12.000 Personen in dem Velodrom zusammengeströmt; unter dem von Anfang an vielmehr feindseligen Publikum bemerkte man auch den Administrator des Theatre Francaise". Jules Cläretie. Die vier ersten Stiere wurden unter dürftigen Beifallsbezeugungen. denen kräftige Protestrufe: In's Schlachthaus! Hinaus mit den sparnschen aufgeputzten Comödianten!" entgegentönten, niedergemacht. Der sechste Stier leistete längeren Widerstand und das Schauspiel des von allen Seiten gehetzten, blutüberströmten, wüthenden Thieres wirkte so empörend auf die Zuschauer, daß sie in drohende Rufe ausbrachen und die Cuadrilla" auszischten und mit allen möglichen unappetitlichen Dingen bewarfen.
Zur die Mllje.
Ochsenlendenbratzn. Man spickt den Braten oder bewicke ihn mir Speckscheiben und läßt ihn mit zwei Glas Madeira, etwas Fleischbrühe, Pfeffer. Salz, einer Zwiebel, etwas Petersilie, Thymian und ein Lorbeerblatt braten. Sobald der Braten gar ist, entfettet man die Sauce, treibt sie durch ein Sieb und läßt st: einkochen, fügt Scheibchen von eingemachten kleinen Gurken, Zwiebeln, gelben Rüben, Blumenkohl, Kirschen und Champignons hinzu, erwärmt sie, ohne sie kochen zu lassen und servirt sie sehr heiß mit dem Braten auf einer Schüssel. Roulader,. Man nimmt sehr fein gehacktes Rindfleisch und fein geschabte Schweinefleisch, mengt dies recht ordentlich mit ein paar Eigelb, etwas geriebenem Weißbrot,, fein gehackten' und in Butter gebratenen Zwiebeln. Salz, gestoßenem Pfeffer und Nelken. Dann schneidet man große Scheiben Rindfleisch aus der Keule einen Finger dich, klopft sie. belegt sie mit kleinen, feinen Scheibchcn Speck und bestreicht sie mit obengenannter Masse; Champignons und Trüffeln- kann man auch darauflegcn. Dies wird nun zusammengerollt und mit feinem. Bindfaden vmwickelt. Der Boden des Topfes wird, mit Speckschwarten belegt, die Rouladen dicht neben einander darauf, Salz darauf gestreut und kochendes Wasser dazu gegössen. Langsam kochen lassen, etwa zwei Stunden.. Will man davon auch kalt essen, so ist es gut, die Rouladen nach dem Kochen zu pressen. GXa c i r teKarioffeln. Zum Garniren von Gemüse oder Schmorbraten nimmt man kleine, runde Kartoffeln, kocht dieselben mit der Schale ab, schält sie und läßt sie in einer Kasserole mit steigender Butter, schwach gesalzen, goldgelb schmoren. Von Zeit zu Zeit gibt man einen Löffel Bratcnsauce und zuletzt etwas gesiebten Zucker darüber, damit die nußgroßcn Kartöffelchen glänzend braun werden. Kartoffelbällchen. Uebrig gebliebene kalte Kartoffeln reibt man recht flockig und rechnet zu einem Tel ler voll ein Ei, zwei Eßlöffel süße Sahne, einen Theelöffel gehackte Petersilie und das nöthige Salz. Dies knetet man Alles zu einem glatten Teig, formt kleine Bällchen, we'che man etwas platt drückt, in Ei umwendet und mit geriebener Semmel panirt. In steigender Butter oder Schmalz bäckt man dieselben auf beiden Seiten gold gelb. Krautsalats . Man nehme Weißkohl und Rothkohl zu gleichen Theilen, schneide oder schabe, jeden für sich, fo fein wie möglich und übergieße den weißen mit kochendem Essig, decke ihn zu und lasse ihn abkühlen, wonach man ihn auf ein Sieb fchüttet. rem ablaufen läßt und Beides untereinan der mit Oel, Essig, Salz, Pfeffer, e wenig Zucker und den Beeren von tim ner blauen und einer . weißen, recht, reifen Traube vermengt. Gemüsepastete. Mon bereitet die Pastete aus Rosenkohl, Wurzeln, Blumenkohl und eingemachkm Brech spargel. Der Blumenkohl wird in einzelne Röschen gebrochen, die Wur zeln geschält und in geriefte' Stäbchen geschnitten und der Rosenkohl gut ver lesen. Man kocht die Gemüse m Fleischextractbouillon-mit etwas But terzusatz weich, erhitzte die Spargel im Wasserbade und bereitet aus einem Pfund gewiegtem Kalbfleisch mit eini gen Eiern, etwas schaumig gerührter Butter, geweichter Semmel, Salz, Gewürz und. etwas Sahne,, sowie feinen Kräutern- eine: gute F&cxt. Auch 2. Pfund Lammrippchen löst man von den Knochen,, entfernt: das überflüssige Fett- unw brät sir. Wenn man diese Sachen darbereiter, legt man ine runde Blechförm mit. weißem gebuttertenr PaPier, aus, arrangirt die verfchiedenur Gemüse ka:rnr zierlich, wo berman die Lammrrppchm dazwischenpackt., und füllt alle Lücken gut mit der Farce' aus. Die Oberflache wird möglichst geglättet,, dann gießt man etwas BouÄon darüber, legt Butterstückchen darauf, streicht eine Farceschicht darüber und bedeckt diese mit einem Butterpapier. In einem flachen Gefäß mit kochendem Wasser muß die Pastete im Ofen eine Stunde stehen. Dann nimmt man sie aus dem Wasser und bäckt sie noch 25 Minuten. Geräucherte Zunge schneidet man indeß in Scheiben, ebenso gebrühte Kalbsmilch, die man in Ei und geriebener Semmel wendet und kurz vor dem Anrichten bäckt. Die Pastete wird behutsam gestürzt und mit den Zungen und Kalbsmilchscheiben abwechselnd garnirt. Sie ist von ausgezeichnetem Wohlgeschmack. Westphälisches PfefferPotthast. Hierzu verwendet man meist die sogenannten kurzen Rippen vom Rind, zerhackt sie in ca. 2z Zoll große Stücke, thut sie in eine Kasserole, übergießt sie mit Wasser, so daß sie nur davon bedeckt sind, salzt sie ein wenig und bringt sie zum Kochen. Dann schäumt man die Brühe, fügt einige kleingeschnittene Zwiebeln, reichlich Pfeffer- und Neuwürzkörner, ein Lorbeerblatt und einige Citronenscheiben (ohne Kerne) hinzu, dünstet das Fleisch vollends weich damit, macht die Brühe durch Mehlschwitze oder etwas geriebene Semmel oder Zwieback sämig, legt nach Belieben noch einige gekochte Farceklößchen und Kapern hinein und gibt dieses Gericht mit Salzkartoffeln oder Kartoffeln in der Schale. Marinirter Rostbraten. Die gut geklopften Fleischschnitten werden einige Stunden in eine Marinade .von Provenceröl, Citronensaft. Pfeffer, Salz und Wurzelwerk gelegt. dann auf dem Rost oder in der Pfanne in ihrem eigenen Saft rasch gebraten, mit dem Fond (Bratensatz) aufgegeben und mit glacirten Kartöffelchen gar txU
