Indiana Tribüne, Volume 21, Number 57, Indianapolis, Marion County, 14 November 1897 — Page 2
Die Kkemc Aaßne. Eine Säbel von Thcresa Bredt. Sie reut Wirklich die reizendste Vahne. welche mar: sich denken konnte: aus weißer Seide mit Grün und Gold abstielt; wie stolz war die Fahnenstange auf sie, und wie freute sie sich, wenn die Vorübergehenden das flatternde Dwg bewunderten. Und doch war dieses Letz-
tere recht launisch und behandelte gentlich die Stange, die doch ihre aanze Stütze war. recht schlecht. Nur wenn die leichten Wmde kämm, geruhte die kleine Fahne zu flattern imd sich zu drehen, und sie blähte sich uf, wenn der Südwind flüsterte: Su bist doch -die reizendste Aon allen", und -der Aüestwind ihr saiyi eine schmeichelhafte Bemer kung zuraunte Hatten sich jedoch diese Courmacher entfernt, o hing sie schlaff herunter .und blieb den zärtlichsteu Bitten ihre? Stange geLenuber, sich doch auch ihretwegen .etwas .zu drehen, vollständig taub. Ja, die kleine Fahne war wirklich ein recht kokettes Ding. Eines Tages -kamen auch wieder die Winde hergeflogen. Als .sich jedoch die Fahne wieder wie gewöhnlich in ein zeMach einlassen wollte, sagten die lu stiaen Gesellen: Heutechaben. wir keine Zelt, wir müssen eilen, denn.wir sind nur -die Vorläufer unseres mächtigen Binders, des Sturmes kleine Fah ne, nimmt dich vor diesem in acbt, halte dich .nur fest an de:ne Stange! Doch die Gewarnte nahm .sich diese Woite nicht , zu Herzen: Was soll er mir -thun." -Und neugierig schaute sie nach der Richtung aus,?on welcher der Angekündigte .kommen .sollte. Schon machte sich auch eine Aufregi'Ng in der Natur bemerkbar: d:e Baume neigten ihre Häupter, die Blätter flogen wirbelnd dahin, die Vögel, flatterten ängstlich .umher, .und die Stange rief besorgt: Kleine Fahne, wickle .dich enge um mich, damit dich der Sturm nicht verletzen kann." . Doch das leichtsinnige Ding hörte nicht auf die warnende Stimme; sie war. zu sehr gespannt, diesen Mächtigen kennen zu .lernen, vor welchem selbst die alten, ehrwürdigen Bäume ihre stolzen Häupter. neigten. .Nun kam t: uch schon mit wildem Geheul dah:r gebraust; ei, wie das kleine leichtsinnige Geschöpf sich da drehte, sich aufbläht?, um sich ihm in ihrer ganzen Schöne möglichst günstig zu zeigen. Mas für ein niedliches, kleines Ding du bist," hörte sie ihn sagen, aber was sitzest du denn an dieser dünnen Stange fest, da weit du ja gar nicht, was Leben ist ; Jomin mit mir und du wirst die höchsten Höhen des Glücks kennen lernen.; über brausende Meere werde ich dich führen; iie Hohen Palmenbäume sollst du sich vor meiner Macht beugen sehe::. Durch die Wüste wirst du .mit mir eilen, und auf Lawinen werden wir zu Thal fahren." Zitternd hörte die kleine Fahne die verführerische Rede, und sie sand wirklich. daß sie zu gut sei, .um an der armseligen Stange ihr ganzes Leben zu verbringen. Ja, nimm mich mit," flüsterte sie. Da riß der Sturm mit ganzer Gewalt an ihr, und eine Secunde später sah die Stange mit tiefem Schmerz die Treulose schon hoch emporfliegen. In rasender Geschwindigkeit so daß der armen Fahne Hören und Sehen derging, nahm sie der Sturm mit sich fort. Ach, nicht all zu schnell rief sie zitternd, ich halte es nicht aus!" Glaubst du, daß ich mich deinetwepen in eine Schnecke verwandle?" lachte ihr Entführer, nur das ist Leben, zu sehen, wie alles sich vor mir beugt, vor mir flieht." und mit Macht stürmte er auf eine schlanke Pappel los, die Fahne mit sich reißend. Da fühlte diese sich plötzlich von einem spitzen Ast erfaßt: Q weh, ich hänge, helft mir!" Der Sturm faßte sie und ließ sie wieder los doch ein recht häßliches Loch hatte sie davongetragen ; ihr Vegleiter ging nicht allzu sanft mit ihr um. Zwar sein Versprechen hielt er, denn in nicht allzu langer Zeit sah die vor Angst bebende Fahne unter sich das Meer aufbrausen und schäumen; die versengende Hitze der gluthathmenden Wüste raubte ihr .fast die Besinnung, und in Eisregionen fühlte sie sich erstarren; sie ächzte und stöhnte, doch wagte sie nichts mehr zu sagen, manchmal streifte sie die Erde, und sie sah nun schon ganz beschmutzt und zerrissen aus. Ach. wie web ihr zu Muthe war, wie sie sich zurücksehnte nach ihrer treuen, schützenden Stange. Doch der Sturm hörte nicht auf , ihre stillen Seufzer; er hatte die kleine Entführte beinahe vergessen, und fast ohne es zu wissen, riß er sie noch mit sich. Und weiter, immer weiter, ging es. Da plötzlich kam der halbtooten Fahne die Gegend bekannt vor richtig, da sah sie ja ihre eigene Fahnenstange stehen ach, wehe mich zu ihr!" sprach sie flehend zum Sturm laß mich zu ihren Füßen wenigstens sterben!" Lachend willfahrte der wilde Geselle ihrem Wunsche, und da lag nun das arme Ding zu Fuß an der Stange, zerrissen und beschmutzt, gar nicht mehr kenntlich. Die Stange ahnte auch gar nicht, daß der kleine, häßliche Fetzen ihre entflohene reizende Fahne war ihr Schmerz über den Verlust der Treulosen war auch ziemlich gemildert, denn sie hatte eine neue Fahne erhalten, die nun ebenso lustig, wie die vorheizebende. im Winde flatterte. Im Gebirge. Aber. Mizi, wie kannst Du Dich nur von diesem ungebildeten Führer, der nicht einmal hochdeutsch spricht, küssen lassen?! Tantchen, der Kuß war vollständig dialektfrei!" Nühne Sprache. Unteroffider: Huber, Sie wirken mjt Ihrer Dummheit wie ein befruchtender Früh lingsregen auf die Nasernenhofblü, ifynl"
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Hcycime Mturkrafte. Von Wilhelm Herber!. Ich war der letzte SomrnergoK vielmehr schon Herbstgast. Die kinderreichen Familien, die interessanten Wittwen, wlche hier getrauert und nach einem zweiten Mann ausgelugt hatten, die Hochtouristen, die von hier in die Mpen hinnnstiegen, die Sonderlinge un die Lebensfrohen all' die Zahlreichen, welche den beliebten Gebirgsort zum Feiienaufenthalte ausersehen. 5varen zwischen ihn heimischen vier Wände zurückgekehrt. Das Dörfchen entsann sich sein selbst wieder; es 'kam nach dem Frem dentaumel zu sich. Dft Anpreisung! von bequemen Sommerwohnungen, p jeder Tageszeit warmer Kuhmilch, selbstgeräuchertem und feinstnn Schleuderhonig verschwanden allmQ'rg -von Fenstern' und Wänden 5rr stocktaube Bettler, der außen am Drrf ''eingange 'die Leute angehalten halte, 'izenas von seinem Ohrenleiden ?mtd kehrte zu 'der arbeitsamen Rolle des .Kegeljungen zurück der Wirth, welcher den Sommer über seine Bauern mit einer gewissen Reserve behandelte, ?und erst gegen Regierungsräthe rollegial zu werden schien, that jetzt wieder 'dem Hiesl, Sepp und Jackl Bescheid, frug den nach seinem jungen Ochsen und jenen nach seiner frischen Senndirne. und auch die Frau Wirthin zog ihr Seidenes aus, nahm den vornehm lächelnden Zug von den Mundwinkeln und schimpfte und wetterte wie ein Oberknecht in Küche und Stall. Ich war fchon Monate lang im Orte. 'Die Leute zählten mich schon halb und 'halb zu den Ihren und hatten keine Scheu und wenig Geheimnisse var..mir. Ich kannte jedes Kind. Und doch seit einigen Tagen sah ich etliche Gesichter im Dorfe, die ich vorher nie wahrgenommen hatte. Zuerst einen Burschen in den Dreißigern mit dummscZlauem Gesichte. Der stand am Sonntag, als ich aus versteckter Wirthslallbe das Treiben dev Leute belauschte, mitten im Gast garten auf einem Tisch eine Menge Menschen jeden Alters um ihn her. die sich köstlich bei seinen Faxen unter'hielten. Es waren tolle Dinge, die er trieb. D)abei verfügte er über ein unglaubliches Talent der Slimmverstellung. Jetzt spitzte er die Lippen und krähte in dev höchsten Fistel: Arthur! Arthur!" Nach einer halben Minute gab er denselben Ruf nur etwas gedamvft und verschwommen zurück: Arthur! Arthur!" Arthur, liebst Du mich?" krähte er dann wieder unter dem dröhnenden Gelächter der Bauern. Kein Zweifel mehr, es war die tanschend -nachgeahmte, dünne Stimme der Baronesse Laura, die hier mit ihrer Familie und mit ihrem Bräutigam sich aufgehalten und durch ihre fchwärmerischen 'Gefühlsausbrüche für den Letzteren Manchen erheitert hatte. Arthur, liebst Du mich?" krähte der Bursche eben wieder zurück. Jetzt kommt dev Münchener Privatier!" sagte er dann. .Bierfaßl! Bierfaß!!" fönte es im tiefsten Baß. der aus einem Keller heraufzukommen schien. Bierfaßl! Bierfaßl!" gab er dann denselben Ruf wieder. Hör' mal, Loni," fragte ich die hübsche Kellnerin, die inzwischen bei mir eingetreten war, um mein geleertes Glas zu füllen, wer ist denn der fidele Trovf da?" Sie sah mich ein wenig verlegen an dann schmunzelte sie: Wissen S'". wisperte sie aeheimthuend. 'der is unser schön's Echo droben an der Geisterwand wo die Fremden alleweil so gern 'neinrufen! Da hockt er den Sommer über auf einem Baum, und wenn einer ruft, gibt er's z'ruck! Los hat er's schon wie a Komödiespieler der Loder! Jen! derspöttelt er's halt a wen'g die Fremden!" Arabella! Arabella!" schnarre der draußen gerade wieder, daß man meinte, man sähe den schneidigen, in das reiche Commerzienrathstöchterlein verschossenen Lieutenant v.Knatterbach lebendig vor sich stehen. Diese Entdeckung, die ich da gemacht hatte, gab mir ein paar Wochen hindurch Anlaß zu hochinteressanten Studien. Ich nahm gelegentlich den Wirth ein wenig auf die Seite und fühlte ihm vorsichtig auf den Zahn, ob vielleicht noch mehr solche Tausendkünstler da wären. Er rückte sein Käppchen auf's andere Ohr, blinzelte mich von der Seite an und meinte: Da können S' schon noch Etliches inne werden! Wissen Sie, man muß dem Geschmack der Fremden etwas entgegen kommen zetzt, wo die Saison aus is. Hass das tiimme nöthig d'rum lassen sich die verschiedenen Leuteln. die dazu bestimmt sind, allmälig wieder in's Dorf seb'n das sind unsere geheimen Kräfte der Natur!" . Die nächste Naturkraft, die ich kennen lernte, war der Irrwisch". Ein putziges, altes Kerlchen voll Humor, Schalkheit und Laune. Er pflegte Abends im Schloßsumpf" draußen am Fuß der Burgruine zu sitzen. Alte Weiber verbreiteten mit Eifev allerhand Schauermänn von den Schreckensthaten, welche die Burgherren seinerzeit vollbracht hatten, und wenn nun so die heimkehrenden Da men in etwas gruselhafter Stimmung toaxtri, traf es sich famos, wenn plötzlich mitten im Sumpf der Alte mit seiner mächtigen Glimmpfeife als Irrlicht auftauchte, hin und her gaukelte und plötzlich berschwand.! Ein ganzer MärcherischälZ' von. erlösten und- unerlösten Geistern wurde wach die Herren verloren sich dafüv in interessanten Erörterungen übe? derlei Er-
scheinungen kurzum, der Irrwisch erhöhte den Reiz der Gegend. Auch ein ganz junger, sonst als Gansehirte geschätzter Bursche tauchte auf der Guckezer" genannt. Was ist denn das?" frug ich ihn. Warum heißt Du denn so?" Woaßr denn nit." antwortete er und sah mich treuherzig an. derGuckezer dos is der Vogel, der im Wald draußen alleweil Kuckuck schreit, wenn V Leus außi kommen!" Ah, da bist wohl Du der Vogel?" Ja freili," lachte er, im Buchenwaldl, woaßt! Da Zderfst Dich gleich oft heiser schrien sonst schimpfen die Fremden: Heut' hört man wieder av keinen Kuckuck! Woaßt, wann so a Liebespaar! kommt und fragt: Wie
lang haben wir uns noch lieb?" nachher mußt' glel' a haltt Stund' ununterbrochen schreien sonst is alles aus. Wann aber einer ruft: Wann stirbt meine Erbtante?" und Du schreist mir einmal, nachher is der Kerl ganz aucinand' vor Freud'!" Ich tbat noch einen tiefen Blick in die unschuldsblauen Augen des Iungen dann wandte ich mich schaudernd ab. So viel List in einer Kindesseele! Eines 'Abends hatte ich irnen seltsamen Anblick. Ich kehrte von meinem Spaziergange in's Dorf zurück. "Ans einmal gewahrte ich auf einer Wieseem sonderbarcs Tbier. Es war kein Gaibock und doch auch kein Wild ich trat eben näher, um das Naturwunder genau zu besichtigen, als ein Mann aus einev benachbarten Hütte sprang und das Thier rasch in den angebauten Stall scheuchte. Als ich meine Beobachwng dem Wirthe erzählte, lachte er laut: Dös glaub' i, daß Ihnen, der Gamstoni seine Gams net sehen laßt!" Eine Gemse? Eine wahrhaftige Gemse?" Er schüttelte den Kopf. Sie wissen doch." sagte er, daß wir oben auf der Veranda ein Perfpektio ein Fernrohr aufgestellt haben! Damit kann man in die Steinwand hinaufschauen und wenn man Glück hat, sieht man oft eine oder mehrere Gams droben! Aber allemal, wenn gerad ein Fremder eine Gams sehen möcht, kann man keine herpfeifen, und wenn er keine sieht.schimpft er und ist unzufrieden! Da hat denn der (?amstoni, um dem abzuhelfen, einen sehr g'scheidtcn Gaisbock ein wenig dressirt und mit der Scheer' und mit dem Anstreichen ein bisse! nachgeholfen, daß das Thierl von weitem einem Gamsbock täuschend ähnlich sieht. Die zwei Hausen im Sommer da oben ans der Wand in einem Hüttl! Da liegt dann der Toni auf der Lauer, und wenn er Jemanden auf der Veranda bemerkt, pfeift er dem Bock. Der springt nachher auf den Felsvorsprung 'raus und macht die Gams. Die Fremden sind ganz närrisch vorFreud'. Da müssen Sie hingehen," heißt's, prächtige Jemse jesehen!" und der Toni hat dafür a Vissel was von uns! O. ich sag' Ihnen, dem sei' Bock hat a Einbildung wie a Hofschauspieler der schaut keinen g'wöhnlichen Gaisbock mehr an!" Ich schüttelte den Kopf er zuckte vergnügt die Achseln dann lachten wir beide. Anderen Tages rief mich ein Eilbrief heim; sonst hätte ich wohl noch mehr aeHme Naturkräfte entdeckt. Der Wirth begleitete mich zurBahn. Schauen S'," sagte er unterwegs, auf einen mächtigen wildgebauten Mann deutend, dös is auch einer von unseren Heimlichen ein ganz Parfümirter!" Ich begriff, daß ev Raffinirtersagen wollte, und frug:, Was macht denn der?" Der?" sagte er halblaut. Der macht's Alpenglühen auf der Schneidwand verstehen S', bengalisch!" Ich lachte laut hinaus. JJla," meint: ich beim Abschied, nächstes Jahr werdet Ihr wohl wieder einiges Neues auf dem Gebiete haben?" Er z"ckte vielversprechend die Ach fein. Mein Gott." sagte er. was thut man nickt alles, um die Concurrenz auszuhalten!" Licbcsbricf für NZdlcr. Geliebte Klarissa! Du Kugellager meines Herzens! Seit ich Dich kenne und Dein Herz im Renntempo erobert habe, bist Du die Achse aller meiner Gedanken und die Lenkstange meiner Richtung, die mir den Weg zu Dir zeigt. Du bist das Rad meiner Zeit. Du erscheinst mir als Laterne, als das Licht meines Zieles. Der Hauch Deiner Seele bläht meine Pneumatiks und gleich einer Oelkanne förderst Du meine Geschwindigkeit, mit der ich zu Dir eile. Du bist das Triebrad meiner Gefühle und die Kurbel meiner Vewegungen. Deine Gegenwart vernickelt mir meine Seele, während Deine AbWesenheit sie mit tiefschwarzem Email, der Farbe der Trauer, überzieht. Deine Kenntnisse im Englischen, Französischen. Italienischen sowie im Deutsehen machen mich zum Sklaven Deiner Jnternationalität und bewahren mir den Respect für das Ausland. Bin ich aber bei Dir, so bist Du die unzerreißbare Kette meines Daseins, die sicher wirkende Bremse meines Weggehens. In Dir erkenne ich den stabilen Nahmenbau meiner Zukunft, die Basis meiner Bestrebungen. Deshalb w'lll ich Dich gleich einem Patent schrauenschlüssel umklammern und Dir ein breites Schutzblech gegen die Gefahren des Lebens sein. Unsere Liebe ist der Gummikitt, der uns auf ewig verbindet. Dein treuer Trampelmeier , . Franz B. Miteinander leben heißt vielen nur nebeneinander leben. 1
Aas Auch Hobias. Humoreske von Erich Fließ. Elln, Du langweilst Dich!" Durchaus nicht. Betty! Uah!" Elly!" Pardon! Ich glaube wahrhaftig, ich gähnte soeben!" Und wie! Tobias 6. 3!" Hahaha! Apropos, könntest Du mir nicht das Buch Tobias, verschafsen?" Bitte, dort liegt das neue Testament!" Hahaha!" Warum lachst Du wieder so beleidigend?" Hahaha! Aber Betty! Erstens befindet sich das Buch Tobias im alten Testament; und dann Ein ganzes Vierteljahr bist Du hier die Höchstcommandirende und hast noch nie von dem Buche Tobias gehört?!" Ach so! Du meinst die Pamphlete und Satiren, die der kleine boShafte Lanzau mit seinem Intimus, dem langen Dannehl, verbrochen haben sollen. Ich kümmere mich nicht darnm!" Du bist, wie stets, erhaben über solche Thorheiten der übrigen Staubgeborenen!" Ich bitte Dich! Was giebt's, Gustav?" Der Diener, welcher während des Zwiegesprächs der beiden Damen eingetreten war, meldete in militärischer Haltung: Eine Ordonnanz!" Die junge Kommandeuse nahm eine befehlshaberische Miene an: Der Herr Oberst ist nach den Schießständen geritten! Lassen Sie die Ordonnanz eintreten!" Zu Befehl, gnädige Frau!" Gleich darauf trappte ein Gefreiter in den Salon und pflanzte sich vorschriftsmäßig vor dev Dame des Haufes auf, als stände er vor dem gestrengen Herrn Regimentskommandeur felber. Unter dem Arm hielt er drei in starkem Lederrücken gebundene Bücher die deutlich den militärischen Charakter zur Schau trugen. Sie enthielten offenbar allerhand Parolebefehle, Rekrutenlisten und ähnliche StaatsgeHeimnisse. Legen Sie die Bücher dort hin! Haben Sie sonst was zu melden?" Zu Befehl, nein!" Die Ordonnanz legte die Volumina auf den nächsten Tisch, machte vorschriftsmäßig Kehrt, und trappte wieder hinaus. An ihre Stelle trat sofort die Köchin, die von der gnädigen Frau die Entscheidung in einer höchst wichtigen kulinarischen Angelegenheit wünschte. Frau von Dieringshofen sah sich genöthigt, .das Reich der Küchenfee in allerhöchst eigener Person zu betreten. Sie verschwand daher mit einem flüchtigen Bitte, entschuldige mich einen Augenblick" aus dem Salon. Fräulein Elly Volkmann befand sich allein in dem stilvoll eingerichteten Boudoir der Freundin. Ihre Blicke blieben an den soeben von devOrdonnanz gebrachten Büchern hängen. Ein verächtliches Lächeln flog um ihren Mund. Kommih alles Kommiß." murmelte sie leise. Sie griff eins von den Büchern und schlug es auf. In demselben Augenblick wurde sie dunkenrotb. Nur mit Mühe unterdrückte sie einen Ausdruck der freudigsten Uebervaschung. als sie die Blätter weiter umwendete. Das war ja das geheimnißvolle Buch! Das Buch Tobias! Wie kam das hierher in die Wohnung des Regimentskommandeurs?! Sicherlich nur durch einen boshaften Zufall. Fräulein Elly sann einen Augenblick nach. Dann nahm sie das dicke Volumen kurzentschlossen an sich, flüchtete damit in das Fremdenzimmer und riegelte sich mit dem geraubten Kleinod ein. Der Lieutenant Tobias von Dannchl saß in seinem Junggesellenhcim und studirte im großen Generälstabswerk. Der Officier bereitete sich mit der Gewissenhaftigkeit, die ihn in allen Dingen auszeichnete, zu seinem Examen für die Kriegsakademie vor. Er war gerade bei einem wichtigen taktischen Ereignisse angelangt, als die Thür aufgerissen wurde und sein Jntimus, Fritz Lanzau, hereinstürmte. Gieb mir eine Cigarre, aber schnell, mich dichtert." schrie er. ohne es für nöthig zu halten, guten Tag zu sagen. Der angeschriene Freund ließ sich nicht stören; er deutete nur stumm mit dem Zeigefinger nach der Komode. auf welche? ein kleines Rauchservice stand. Der wilde Ankömmling stürzte nach der angegebenen Richtung hin. zündete sich eine Regalia an und warf sich mit einem wahren Trampolinsprunge auf das Kanapee, daß das alte Roßhaargebaude in allen Fugen erkrachte. Dort blies er den Rauch in gewaltigen Stößen vor sich hin, als markirte er eine in der Abfahrt begriffene dampfschnaubende Lokomotive. Dazwischen stieß er in kleinen Pausen allerhand abgerissene Worte aus: Famose Idee! Ein richtiges Vexirbild! Kein Mensch kommt darauf, wenn ich ihm nicht den Schlüssel gebe! Wo ist die Braut?" Was? Brillant? Hör' doch 'mal einen Auaenblick auf mit Deiner wahnsinnigen Büffelei! Hast keine Zeit? Na, dann nicht! Dann gieb wenigstens das Buch her. damit ich meine glorreiche Idee zu Papier bringe! Mir. kribbelt es in allen zehn Fingern! Was schwatzest Du da, ach habe das Buch! Unsinn! Ich hab's Dir ja heute früh wieder 'reingebracht und auf Deinen Schreibtisch gelegt. Es muß also hier sein." Bei den letzten Worten war der zukünftige Kriegsakademiker aufmerksamer geworden.' Ev sah sich langsam im Zimmer um, als suchte er nach dem genÄnschten Gegenstande und tadelte den bestürzten Kameraden: Du wirst
uns doch noch 'mal in die Tinte reiten l
mit Deinem ewigen Leichtsinn. Einstweilen sehe ich das Buch hier nicht! Weißt Du auch ganz genau, Fritz, daß ?" Aber natürlich, Toby! Hier da auf diesen Fleck legte ich es hin!" Der Andere rief den Burschen herein. Sag' 'mal. Michelski. hast Du heute hier ein dickes Buch in braunem Ledereinbande auf dem Schreibtisch gesehen?" ..Zu Befehl. Herr Lieutenant!" War Jemand hier während meiner Abwesenheit?" Zu Befehl. Herr Lieutenant, die Ovdonanz. Hab' ich ihr gesagt, wie Herr Lieutenant befohlen haben, die Bücher liegen auf dem Tisch." So und die Ordonnanz nahm dann die Bücher! Wie viel waren es? Zwei oder drei?" Erst zwei, dann noch eins, daneben!" Der Lieutenant Dannehl warf seinem Freunde einen Blick zu, vor dem der kleine Lanzau zusammenknickte. Der Bursche trat auf Befehl ab. Die beiden Kameraden waren allein. Der lange Tobias stellte sich vor seinen Freund hin und sagte in einem Ton, der den ganzen bitteren Ernst der Sachlage kennzeichnete: Weißt Du, was das bedeutet?! Wir können die Uniform ausziehen und den Degen an den Nagel hängen! Fritz, Fritz! Was hast Du gemacht?" Der kleine Lanzau war. todtenbleich geworden. Das hab' ich nicht gedacht! Ich glaubte vielleicht Wir müssen sehen, daß wir das Buch wieder zurück der Alte wird es sicherlich noch gar nicht gelesen haben. Was meinst Du, Toby?" Dieser sah nach der Uhr. Um zwölf Uhr muß die Ordonnanz hie? gewesen sein; ich hatte Jnstruktionsstunde. Jetzt ist es vier Uhr. Das Buch ist längst gelesen." Wie zur Bekräftigung dieser Behauptung trat eine Ordannanz ein, stellte sich kerzengerade auf und meldete: Der Herv Oberst von Dieringshofen lassen den Herrn Lieutenant von Dannehl und den Herrn Lieutetnant Lanzau heute Abend um acht Uhr zu sich bitten!" Dann ging er und ließ die beiden Officiere allein. Der lange Tobias und der kleine Lanzau wie sie allgemein in der mittelgroßen Garnisonstadt genannt wurden waren Busenfreunde von der Kadettenschule her. Beide waren Söhne von im Kriege gefallenen Officieren, vermögenslos Und Ende der Zwanziger. Im Uebrigen konnte es in der ganzen Armee kaum zwei Charaktere geben, die so verschieden gear tet waren. Während der Eine schon im Aeußeren als Typus eines pünktlichen, diensteifrigen jungen preußischen Officiers gelten konnte, hatte der Andere absolut nichts militärisches an sich. Der kleine Lanzau war seiner Zeit par ordre de niufti auf's Kadettenkorps gebracht worden. Das rächte sich, je älter der junge Sekondelieutenant wurde, und je schärfer seine ursprüngliche unabänderliche Jndividualität zu Tage trat. Dieselbe wurzelte in einem unverbesserlichen Hange zur kritischen Betrachtung der ganzen Außenwelt, in einem unbezähmbaren Dränge zur Satire und KarrikaiurenZeichnung. Der kleine Lanzau war bekannt als der Verfasser zahlreicher illustrirter Quatrains, die in derschwiegenen kameradschaftlichen Kreisen circulirten und das homerische Gclächter aller nicht dabei betheiligten Personen erregten. Der genizle Kunstler hatte die diesbezüglichen !L!anuscripte und Zeichnungen in einem stattlichen Band gesammelt, den er seinem Intimus zu Ehren das Buch Tobias" nannte, und auf diese Weise oen Freund zum verantwortlichen Redikteur" und Mitschuldigen an seinen eigenen satirischen Ergüssen stempelte. Um dieses Buch, das der Freund zur beiderseitigen Sicherheit stets unter Verschluß hielt, hatte sich allmählich ein förmlicher Sagenkreis geb'ioet. Jedermann in der Gesellschaft, namentlich die Damen, sprach davon, ohne das geheimnißvolle Buch mit seinen' verpönten Illustrationen zu Gesicht bekommen zu haben. He üi uMen der Schleier, der über dem gefährlichen Volumen gebreitet war, gelüftet zu werden. Die beiden Officiere konnten naht mehr im Geringsten im Zweifel darübev fein, daß das Buch Tobias in die Hände des Regimentsko'nmandeurs gelangt war. Hiermit n?ar Alles gesagt. Der kleine Lanzau sprang endlich auf. Laß gut fein, Toby! Dir können sie nicht an den Kragen. Ich gestehe Alles heute Abend dem Rlgimentskommandeur, versichere auf Ehrenwort Deine totale Unschuld an dem Geschmiere und nehme den Abschied. Jetzt ist's 'ranö! Aus mir wird doch nichts beim Kommiß. Ob ich's sonst noch zu etwas bringe, wissen die Götter!" Inzwischen hatte Fräulein Elly Volkmann einige vergnügte Si'.nden verlebt. So viel hatte sie seit ihrem mehrwöchigen Hiersein nicht gelacht, wie an dem heutigen Mittag. Sie, die ein klein wenig emanzipirte C-cß-stadtdame mit dem leichten sin de iöcw-Parfllm langweilte sich hier auf den ceremoniösen Gesellschaften. Jetzt traf sie in dem Autor des Buchs Tcbias eine Siele an, die ihr kongenial. ja, wie die überaus kritisch vcranlaate Dame gestehen mußte, ihr noch bedeutend überlegen' war. Wie löstlich war gleich die erste große Bleistift-. Zeichnung, die ihr beim Aufblättern des Bandes entgegenlachte: Herkules und Omphale". Der starke myth-fche Held, der unverkennbar die Züge des Regimentskommandeurs von Dieringshofen trug, lag ihrer Cousine zu Füßen und diente ihr mit aufgeboöenen Armen als Garnwickel! Dazu derKontrast zwischen der halb modernmilitärischen Ausrüstung und oem zur Hälfte gewählten streng-klassischen
Kostüm. Der dazu gehörige Text, überschrieben Leben, Thaten nnv stliges Ende des griechischen Obersten Herkules", strotzte von geradezu lebensgefährlichen Anspielungen auf die Regimentsführung des Commandeurs, besonders auf die erst kürzlich erfolgte Wiedervermählung des hohen Vierzigers mit einer jüngeren Dame, Prinzessin Omphale"! Dann folgte ein Fackeltanz, bei welchem die Herren Stabsoffiziere vor dem Oberstenpaar vorbei defilirten; ein Kater- und Katzenreigen, eine Gänschenschule die alle eine geradezu künstlerisch herausgearbeitete Ähnlichkeit mit den derschiedenen Herren und Damen der Garnison aufwiesen. Kein Zweifel: Der Schöpfer dieser Carricaturen und Satiren war in genialer Mensch, ein talentvoller Künstler. der hier als einzigen Lohn seiner Menschenstudien zu gewärtigen hatte, daß er bei der ersten unglücklichen Gelegenheit kassirt wurde! Fräulein Elly war ernst geworden. Sie grübelte nach. Eins wurde ihr zur Gewißheit: Das Buch Tobias durfte nicht in die Hände der Cousine, noch weniger in den Gesichtskreis des Herrn Regiments - Commandeurs gelangen. Werk und Autor mußten gerettet werden! Bei Tisch klagte die Commandeuse dem Gatten ihr Leid. Zwei jüngere Offiziere hatten für die heutige kleine Theegesellschaft absagen lassen; sie waren plötzlich dienstlich abcommandirt. Der Oberst zupfte etwas nervös an seinem Barte. Dann kommen die nächsten auf der Liste dran, meine Liebe!" Von Dannehl und Lanzau," präsentirte die Commandeuse als nächste Candidaten. Der Oberst runzelte die Stirn, der Lanzau paßte ihm eigentlich nicht. Fräulein Elly saß wie auf Kohlen. Wird Herr Lanzau auch Zeit haben?" fragte sie ein wenig vorschnell in ihrer schnippischen Art. Der Commandeur warf der neugierigen Fragestellerin einen drohenden Blick zu. Zeit haben?!" knurrte er, wenn ich die Herren zu mir bitte? Ordonnanz" wandte er sich an den hinter seinem Stuhle stehenden Diener die Herren Lieutenants von Dannehl und Lanzau werden sofort zu heute Abend um acht Uhr hierher befohlen." Zu Befehl, Herr Oberst!" Pünklich zur festgesetzten Stunde füllten sich die Gesellschafts - Räume des Herrn und der Frau Oberst von Dieringshofen mit der Schaar von eingeladenen und befohlenen Gästen. Für den kleinen Lanzau waren die beiden letzten Stunden vor Beginn der Soiree gleichbedeutend mit dem Aufenthalte im Fegefeuer geworden. Ihn hatte das Kanonenfieber im schlimmsten Sinne des Wortes ergriffen. Er. tüftelte Hunderte verschiedene abenteuerliche Pläne aus, um sie im nächsten Augenblicke als eines tapferen Offiziers gänzlich unwürdig zu verwerfen. Er wollte sofort seinen Abschied einreichen und noch mit dem Nachtzuge nach der Residenz abdampfen, aber ihn bangte um das Schicksal des Kameraden wie um seine eigene Zukunft. Endlich faßte er Muth und betrat an der Seite des Mitschuldigen den Salon. Todesverachtend stellte sich der kleine Lanzau vor der hohen Wirthin auf und stotterte seinen Dank für die allergnädigste Einladung. Der Regiments-Commandeur blickte nicht gerade sehr gnädig auf den jungen Lieutenant herab. Dieser Lanzau war doch ein ganz schrecklicher Mensch! Wie salopp ihm wieder der Waffenrock und die Pantalons saßen! Die Commandeuse, die es für angemessen hielt, jedem der sich präsentirenden Gäste ein paar freundliche Worte zu sagen, bemerkte huldvollst: Sie sollen ja ein bedeutendes Zeichenund Verstalent besitzen. Vielleicht geben Sie nachher einige Proben davon zur Unterhaltung derGäste zum besten. Ich bitte Sie darum!" Der so ausgezeichnete Offizier erblaßte und stammelte einige unverständliche Worte, hielt sich krampfhaft an dem langen Tobias fest und flüsterte ihm zu: Es ist Alles aus! Hast Du eben gehört und vorhin denBlick gesehen, den der Alte mir zuwarf?! Ich mache mich nachher dünne und reiche morgen zunächst meinen Urlaub ein." Der lange Tobias sah den Freund vorwurfsvoll an; beide begaben sich in das Zimmer, in welchem die Jugend unter Leitung von FräuleinElly Volkmann allerhand harmlose Gesellschaftsspiele entrirte. Fräulein Elly empfing die beiden Ankömmlinge aufs liebenswürdigste und legte in ihrer ungenirten Weise sofort Beschlag auf den ihr bis dahin noch unbekannt gebliebenen Verfasser des Buches Tobias", den sie erst ein wenig zu quälen und dann zu retten sich fest vorgenommen hatte. Sie wußte es sehr geschit stets so einzurichten, daß der ju.-ige Künstler in Uniform ihr Spichartnev war j und quälte ihn mit alleryand verfänglichen Fragen, die sie mit unschuldigster Miene an ihn richtece. Welch' ein herrliches Paar, meine Cousine und Ihr Herr O erst! Herkules und Omphale! Nicht wahr?" Der Gefragte erbleichte und gab eine aanz unmögliche Antwort, über die sich die Fragestellerin kostbar amüsirte. Doch es sollte noch besser kommen. Das Auslösen der allmählich sich anhäufenden Pfänder begann. Ein Taschenmesser mußte ausgelöst werden. Was soll der thun, dessen ?" Fräulein Elly besann sich einen Augenblick, dann bestimmte sie mit maliiiösem Lächeln: Er soll daS Buch Tobias suchen und auffinden!" Allgemeiner Jubel erschallte. Der kleine Lanzau sah sich verlegen um. Eine junge Dame begab sich ans Klavier und stimmte leise eine Melodie an. Der Aufgeforderte blickte rathloZ um sich. Fräulein Dlly erklärt?: .Ich will
Ihr Medium sein! Vertrauen Sie sich meiner Führung an!" Sie ergriff den Lieutenant bei der Hand, führte ihn einige Male im Salon herum und blieb schließlich vor einer Mappe steben. Fassen Sie hinein!" gebot das Medium strenge. Mechanisch griff dev kleine Lanzau hinein und holte ein Buch hervor, das einem Parolebuch de R;gim?"ts zum Verwechseln ähnlich sah. Die junge Welt kreischte vor Entzücken auf. Vorlesen! Vorlesen!" schrie alles. Der kleine Lanzau stierte wie gcistcsabwesend um sich. Das Medium nahm ihm das Buch aus der Hand: Gestatten Sie, meine Herrschaften, daß ich Ihnen das Buch Tobias enthülle! Es steht geschrieben Capitel 6. Vers 1: Beim Kommiß ist man geduldig, Aber täglich Pamps mit Grieben, Nein, da wär' der ärmste Schlucker Länger nicht zu Gast geblieben!" War das ein Halloh! Plötzlich verstummten Alle. Der Herr Regiments - Commandeur, angelockt durch den ganz reglementswidrigen Lärm, war eingetreten. Er sah das geheiligte Buch des Regiments, mit dem die Jugend hier ihren Spott trieb! Er nahm das Volumen aus der Hand des Mediums, das jetzt seinerseits tödtlich erblaßte und vollständig ihr Großstadtthum vergaß. Sie dachte nur an den jungen Offizier, der kreidebleich vor sich hinstarrte, gewärtig des Todesurtheils, das er jetzt aus dem Munde des hocherzürnten Gestrengen vernehmen müßte. Dieser klappte das Buch zu und begann in gesellschaftlicher Haltung.' doch mit ernster Betonung: Meine Iie.be Elly!' Das geht nicht! Mit solchen Büchern treibt man keinen Spott! Herr Lieutenant Lanzau! Sie haben wohl die Güte und tragen das Parolcbuch nach meinem Arbeitszimmer!" Der junge Offizier griff eiligst nach dem Buch, verschwand damit, und machte sich auf dem Corridor. den er passiren mußte, an seinem Ueberzieher zu schaffen. Als er wieder eintrat, stürzte ihm Fräulein Elly entgegen: Können Sie mir verzeihen?" stammelte sie. Der kleine Lanzau lachte sie vergnügt an: Es ist besorgt und aufgehoben; Die Herrin mag den Diener loben!" Dann unterhielten sich Beide lange ganz kameradschaftlich. Sie hatten soeben Beide in demselben Fegefeuer gebraten und das gibt schnellere und bessere Freundschaft als jahrelange Ballbekanntschaft. Als der lange Tobias und der kleine Lanzau die Gesellschaft verließen, vertraute der geniale Carrikaturenzeichner seinem Intimus ein Geheimniß an: Es bleibt dabei, ich nehme einstweilen Urlaub. Uebermorgen fahre ich nach Berlin, in demselben Coupe mit der kleinen schwarzen Hexe. Sie ist nämlich die Tochter von der Verlagshandlung Volkmann & Compagnie, weißt Du, die die großen Witzblätter und Carrikaturenzeichnungen herausgeben. Wenn's Glück will, bin ich über kurz oder lang Redakteur und Schwiegersohn!" Die stolze Rose. Von Oskar Ungnad. Ich that an einem Sommertaz Durch Wald und Fluren ziehen Und sah in einem grünen Haag Ein duftig Röslein blühen. Ich sprach: Lieb' Röslein. schmücke mich, Will dich gar sorgsam pflegen!" Doch Röslein rief: Ich steche dich, Zieh hin auf deinen Wegen; Ich will den schmucken Jägersmann, Den stolzen Ritter schmücken. Ein ander Röslein mag dich dann Mit seiner Lieb' beglücken, Herr Wanderbursch: ich danke!" Und als dahin die Sommerszeit. Zog ich des Weges wieder; Doch wo war Rösleins Herrlichkeit. Wie hing es welk hernieder? Als mich das Röslein wiedersah. Da rief es mit Entzücken: Grüß Gott, mein Theurer, seid ihr da? Wohlan! Ich will euch schmücken!" Da sagt' ich schnell: Mein Fräulein, fcin, So sehr mich das auch ehrte. Doch da ein ander Röselein Mir seine Lieb' bescherte. So sag' jetzt ich: ich danke!" Durchschaut. Junger Dichter: Auf der Photographie bin ich miserabel getroffen!" Photograph (gutmüthig): Na, na, Sie wollen auch gleich wie Schiller oder Göthe ausse-hcn!".- . Der richtige Gruß. Witzbold (zu einem reichen Dnmkops): Ich habe die Ebre wollt' ich sagen: Ich ehre dle."?" . Mo d e r n. v -n von Deinen Anbetern wirst 10 nn eigentlich erhören?" Einstk'.'lcn Heirathe ich Herrn Müller." Täuschun Sie: Du host mich getäuscht, aii. Du mich heiratest!" Er: . yi )at mehr als das, ich habe m i ch gelutscht." Enfant terrible. Tante (auf Besuch zur kleinenEmma): Nun, wann eßt Ihr denn, zu 'Mittag?" Wenn Du fort bist, hat , Mama gesagt." Ominös. Die Spanier nennen Cuba die Perle der Antillen". Perlen aber bedeuten bekanntlichThranen besonders wenn man sie derliert. Immer im Fach. Ihre Braut ist aber sehr eigensinnig, Herr Doctor Rechtsanwalt: Ja. die ist mein bisher schwierigster Fall." UnterBackfischen. Backfisch: Hast Du den entzückenden Marinelieutenant gesehen, Märtha?! und da sprechen dieLeute von Meergreisen 1
