Indiana Tribüne, Volume 21, Number 42, Indianapolis, Marion County, 31 October 1897 — Page 6
Die ßyokotadedes Zaren. Von Karl Erland. So viel ich weiß, hat nie ein Unbeiheiligtcr einen Blick in das Privatnotizbuch Strephon Dimitritoffs thun dürfen. Strephon Dimitritoff war das Haupt dev Petersburger Geheimpolizei. einer Einrichtung, die ganz besoni.ers dem Dienste des Beherrschers aller Reußen" gewidmet war. Mit einem Gefühle der äußersten Spannung und
Befriedigung, ja sogar mit -einer getvlssen Ehrfurcht hing ich deshalb an seinen Lippen, als mein alter Freund nach einem traulichen Diner in meinein Hause in St. Petersburg liebevoll die engbeschriebenen Blätter des kleinen Büchleins umwendete. Als vertrauterAgent des Zaren war sein Leben voll von Vorgängen, die zu bedeutend sind, um irgend einemTagebuche anvertraut zu werden; und die sorgsam zwischen den Deckeln des kleinen Büchleins notirten Daten, die dem großen sensationslustigen Publikum sicher unglaublich interessant erschienen wären, waren nicht zu vergleichen mit den erstaunlichen Thatsachen, die in seinem vorzüglichen Gedächtniß aufgestapelt warm. Mir fällt gerade eine dieser Geschichtchen ein, die, unter geänderten Namen, Niemand compromittiren kann. Ja," sagte er, Peter Tritreff. ein stiller, schweigsamer,verschlosscner junzer Bursche, gerade einer von den gesährlichsten, wissen Sie! Ob er einer nihilistischen Vereinigung oder einem Socialistenclub angehört? Nein, er nicht, dazu war er zu schlau und vorsichtig. Sein Groll gegen Väterchen", ich spreche von dem Großvater, des gegenwärtigen Zaren. war privater Natur. Sein Busenfreund und Studiengenosse, Janos Smirtsky, war nach Sibirien verbannt worden, weil er Leben und Wohlergehen des Zaren bedroht haben sollte. Peter Tritreff war ein Jüngling von großen Fähigkeiten, und seine Schuld war es sicherlich nicht, daß nicht gewisse Bewohner des Winterpalastes, vor allem der Zar selbst, erfuh ten, daß auch auf Erden die Pfeile der Rache sicher treffen. Natürlich ließ Peier nicht das Geringste über seine Pläne verlauten. Er vermied alle jene Clubs und geheime Gesellschaften, welche darauf hinarbei--teten. das Leben des Zaren zu gefährden; seinen medizinischen Studien lag er sehr fleißig ob. Aber nur ein Gebc:nke beherrschte seinen Geist: wie konnte er seinen Zweck am besten erreichen? Endlich, nach Beendigung sei ner Studien, kam er zu einem Entschlusse. Er hatte ganz zufällig erfahren, daß der Zar eine Schwäche für ine gewisse Art von Chokoladenbonbons hatte, und er beschloß, seinen Freund auf diesem anscheinend Harmlosen Wege zu rächen. Eine von ihm angestellte Nachfovschung ergab die Thatsache, daß eine Schachtel dieser besonderen Art Chotolade allwöchentlich ihren Weg in den Theil des Kaiserreiches fand, den der fäai mit seiner Gegenwart zu beehren pflegte; ferner, daß die Chokolade in einer bekannten Fabrik St. Petersburgs hergestellt wurde. Gerade zu dieser Zeit starb Peter's Vater, und dieser Todesfall diente ihm zum Vorn?ande, seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Er gab vor, daß sein Vater ihm keinen Pfennig hinterlassen hätte und daß er unter diesen Umständen sein medizinisches Studium nicht verwerthen könnte. Einige gute Freunde empfahlen ihn an die Chololadenfirma als unerfahrenen, ber sehr geschickten und lernbegierigen Volontär. Natürlich auf seinen ganz speziellen Wunsch. Dahin kann der Rachedurst einen Menschen treiben. Nach sorgfältiger Nachforschung seitens der Polizei wurde Peter angenommen, und mit Eifer machte er sich an sein neues Geschäft. Das Vorrecht, die Chokolade für den Zaren zu bereiten, lag in den Händen eines Arbeitsmeisters, dev sei Iahren bei der Firma thätig war und über allen Verdacht erhaben galt. Gerade nach seinemPosten strebte Peter. Dann erst konnte er den hübschen kleinenPlan zur Ausführung bringen, der den Ei eignissen im Winter-Palaste eine ganz andere Richtung geben sollte. Einem gewöhnlichen auf Zerstörung bedachten Geiste würde es unter diesen Umständen am besten erschienen sein, eine starke Dosis Gift unter der Chokoladenhülle zu verbergen. Peter sah die Sache mit anderen Augen an. Erstens gab es Gegengifte, die den beabsichtigten Mord vereiteln konnten, und dann war das Ganze nicht sensaiionell genug. Nein, die Wirkung mußte tödtlich, aber elektrisirend sein, und vor Allem mußte der Angriff ganz außergewöhnlich" sein. Seinem genialen Kopfe schwebte die Bombe als Ideal vor. Nicht die gewöhnliche Vombe. die auf den zu zerstörenden Gegenstand' geworfen werken muß. Nein, etwas viel Hübscheres und ganz Originelles: eine eßbare Bombe, die allerdings dem, der sie genießt, den Geschmack an Süßigkeiten für immer rauben würde. Es war Peter Triireff vorbehalten, die Chokoladenbombe zu erfinden, durch die der Kopf Alexander des Zweiten von den Schultern geblasen werden sollte, noch ehe einer der ihn umgebendenööflinge auch nur eine Hand zu seiner Rettung. rühren konnte. Zwei Jahre lang hatte Peter bei seinem Lehrherrn im Dienst gestanden, ehe er die Gelegenheit für günstig erachtete. In diesen zwei Jahren hatten ihm sein Fleiß und seine Geschicklichkeit seines Meisters Gunst gewonnen. Peter war nun fähig, im Nothfalle den Platz seines Arbeitsmeisters einzunehmen, der nach wie vor wöchentlich die iChokolade für den Zaren anfertigte.
Natürlich kam bald ein Tag, an dem der treue Arbeiter nicht auf seinem Posten war. Man fand ihn krank im Bett, nachdem er sich den Abend vorher in Peters Gesellschaft harmlos belu-. stigt hatte. Vielleicht hatte des Letzteren Kenntniß von medizinischen Gificn etwas mit des Freundes Unwohlsein zu thun. Kurz und gut. die wichtige Aufgabe, die Chokoladenbonbons für den Zaren zu bereiten, fiel Peter zu. Hatte er doch schon vorhev manchmal bei der Zubereitung helfen dürfen, so daß er seine Sache wohl verstand und der Chef keine Klage seines kaiserlichen Herrn zu befürchten brauchte. Mit schlecht verhehltem Triumph machte sich Peter an die Arbeit und bereitet? fci Gegenwart der kaiserlichen Koster" die Chokoladenbonbons zu Jedermanns Zufriedenheit. In künstlerisch ausgestatteten Schachteln verpackt, sahen sie ganz verführerisch aus. Jeder einzelne war ungrä .irenZoll lang und einen halben üccix. Die beaufsichtigenden Beamten hatten keine Ahnung davon, daß in einer der" obersien Reihen ein Bonbon lauerte, der von Peter vorher sorgfältig zubereitet und nachher geschickt mit einem and?ren vertauscht worden war. Bei seinen chemischen Experimenten hatte ev einen Sprengstoff von furchtbare? Kraft entdeckt, den man ganz unglaublich concentriren konnte, und der sich mit Hilfe einer gewissen Säure augenblicklich und tödtlich entlud. Zu diesem Zwecke war das Innere des Chokoladenstückchens sorgfältig' der Länge nach durch eine dünne, weiche Wand getheilt worden. Auf der einen Seite dieser Wand befand sich dev explodirende Stoff, auf der anderen die Säure, die. mit dem ersteren vereinigt, die furchtbare Wirkung hervorrufen sollte. Mit wirklicher Chokolade überzogen, sah der Bonbon sehr unverdächtig und appetitlich aus, und in dem Augenblicke, wo das Opfer den ungewöhnlichen Geschmack bemerkte, würde es sicher keiner anderen Empfindung auf dieser Welt mehr fähig sein. Sogleich nach Ablieferung der verhängnißvollen Schachtel nahm Peter einen kleinenUrlaub; er begab sich über die deutsche Grenze und sreute sich auf die große Ueberraschung, die sich für Rußland im Besonderen und für die Welt im Allgemeinen vorbereitete. Ungeduldig saß er in dem Hotel einer deutschen Stadt und wartete auf ein Extrablatt oder ein Telegramm, das die Lösung des Knotens" anzeigte. Nichts geschah. Inzwischen hatte sich im Winterpalast Folgendes ereignet. Die. Schachtel war richtig abgeliefert worden und hatte, nachdem die Beamten sie nochmals revidirt, ihren Weg in das Privatzimmer des Zaren gefunden. Drei Tage später saß der Kaiser auf dev Terrasse. Er war mit Lesen beschäftigt. Sein schöner Jagdhund lag zu seinen Füßen, und airt dem Tische stand die Schachtel mit seinen Lieblingsbonbons. Mechanisch streckte er die Hand aus, mechanisch führte er ein Stück Chokolade an seine Lippen. Da lenkte eine plötzliche Bewegung des Hundes seine Aufmerksamkeit auf sich; er sah die Augen des Thieres auf sich gerichtet und, einem plötzlichen Impuls folgend, warf er ihm das Stück Chokolade zu. Der Jagdhund schnappte darnach ein furchtbarer Knall evtönte und der Beherrscher aller Reußen blickt zitternd und schaudernd auf die leblose, unförmliche Masse, die Leiche feines Lebensretters. Obgleich wir an die vielen Kunstgriffe blutdürstiger Angreifer ziemlich gut gewöhnt waren, eröffnete uns dieses Ereigniß ein neues Feld. Es wurde auf's Strengste geheim gehalten, und kein Bericht darüber kam über die Mauern des Palastes hinaus. Mittlerweile ergaben Nachforschun gen bei dem Chokoladenfabrikanten die Abwesenheit Triteffs. und. obgleich Letzterer in den Augen feines BrotHerrn über allen Verdacht erhaben war. so war die Polizei doch anderer Ansicht. Bestärkt wurde sie darin durch die Aeußerungen des Mannes, den Peter vertreten hatte und der sich die Ursache seiner kurzen, aber ernsten Krankheit ' nicht erklären konnte. Ebenso sicher waren wir von der Polizei. daß Peter zurückkehren würde, um zu sehen, woran sein Plan gescheitert war. So waren wir auf ihn vorbereitet, als er eines Tages in einer Verkleidung erschien. Er war so außer sich übn das Mißlingen seines Versuches, daß er mir Alles eingestand. Zu seinem großen Aerger wurde sein Attentat nie öffentlich bekannt, ebensowenig wie seine Beichte. Nichts ermuthiqt Verbrecher mehr, als Oeffentlichkcit in diesen kleinen -Sachen. Peter wurde nach Sibirien aesandt. um seinem Freunde Janos für Lebenszeit Gesellschaft zu leisten. Und der Kaiser? Nun. er hat den Geschmack an Süßigkeiten verloren; bis zu seinem Todestage durften die verantwortlichen Beamten kein Stückchen Chokolade in den Palast lass:n.
Anpreisung. Töchterreiche Hausfrau: K'6nt Sie mir diese Marke als wirklich gut empfehlen?Weinhändler: Ich kann Ihnen' nur sagen, wenn ein angehender Schwie gersohn ein Glas von dem Wein getrunken hat, verzichtet er auf die Mitgift." Zerstreut. Professor (der am Biertisch eine Postkarte schreibt): Das Bier ist heute wieder scheußlich. Herr Wirth!" Wirth (näher tretend): Das Vier ist gut aber Sie tranken ja eben aus dem Tintenfaß, Herr Professor!" (Sein Wünsch. Kunstkritiker: Falbler ist ein großartiger Arckitekturmaler. Keiner macht ihm die Verjüngung nach." Bankier: .Sarah, bei dem laß Der malen.-
Pomaden der Steppe. Echte, unverfälschte Mongolen sind die Kalmücken, deren Horden in den riesigen Steppengebieten des Russenreiches ein Nomadenleben führen. Auf den Ertrag der Herden angewiesen, betreibt dieses Nomadenvolk eine umfangreiche Viehzucht und ihre einzige Sorge ist daher auf Erlangung guter Weideplätze gerichtet. Sobald FutterMangel eintritt, packen sie ihre aus Filz gefertigten Zelte (Jurten, auch Kibitken genannt) mit dem Hausrath auf Kameele, zwei- und vierräderige Holzkarren nehmen die Greise. Weiber und kleinen Kinder auf, und die Männer, Burschen sowie Mädchen schwingen sich in den Sattel. So wird die Wanderung nach einem neuen Weideplatz angetreten. Dem Zug voran reiten die älteren Männer mit den Priestern oder Gellongs, der Führer schlägt ein Becken oder schwingt eine kleine Glocke und einer der Reiter halt in der Hand eine Fahne mit Gebetausschriftenz.mit dem Flattern der Fahne, so glauben die Kalmücken, fliegen jene Gebete zu Buddha empor. Dem Zuge folgen dieHerden, Pferde. Schafe, Kameele und Rinder, die. von zottigen Hunden umschwärmt werden; junge Burschen auf flinken Rossen beschließen
Mann. Mädchen. Frau, das Ganze. Ist eine mit saftigem Grün bewachsene Steppe erreicht, so wird Halt gemacht, die Jurten aufgerichtet und das mindernde Völkchen richtet sich häuslich ein. Die HauptNahrung liefern den Kalmücken ihre zahlreichen Herden und außer ihrer Fleischnahrung bereiten sie sich noch Steppenthee, auch, weil in Tafeln gepreßt, Ziegelthee genannt, der mit Salz und Butter gekocht wird, ferner Kumys (gegohrene Stutenmilch), ein Hauptnahrungsmittel, aus dem oft durch Destillation ein beliebtes arrakähnliches Getränk gewonnen wird. Das Leben in den Auls" der Kalmücken fließt, ihrem friedliebenden Charakter entsprechend, ruhig dahin. Ist am Abend das Vieh gemolken, dann wird die Tomdr" (ein guitarreähnliches, mit zwei Saiten bespanntes Instrument) hervorgeholt, eine Frau oder ein junges Mädchen fpielt eine einfache, aber angenehm' klingende Melodie auf, zu der ein Bursche und ein Mädchen, halb schleifend und leicht stampfend, einen Tanz aufführen, wobei sie. je nach dem Takt der Musik, die Arme seitwärts langsam auf- und nieder bewegen. Mehr als ein Paar tanzt nie; gewisse Tänze, z. B. der Hasentanz, werden nur van einer Person ausgeführt. Die Zuschauenden sitzen mit unterschlagenen Beinen, ihre Pfeifen rauchend, im weiten Kreise umher; alles raucht, Männer und Frauen, bis herab zu den unmündigen Kindern. Zu harmlosem Scherz sind die Kalmücken stets aufgelegt; besonPriester. ders bei ihrem Nationalspiele, dem Lallus", das an unser Damespiel erinnert, geht es lustig zu. Ziemlich spät am Abend besuchen sie, vollständig bekleidet, ihre Lagerstätte auf, die aus einigen Filzdeck'en besteht. Morgens waschen sie sich in der Weise, daß sie einige Schluck Wasser in den Mund nehmen, dasselbe in die zusammengehaltenen hohlen Hände lauseit lassen und damit das Gesicht bespülen, das sie ebenso wie die Hände an der Luft trocknen lassen. Tritt während der heißen Sommermonate Wassermangel ein, dann scheint ihnen bezüglich des Waschens" eine noch größere Sparsamkeit mit dem Wasser geboten. Von den täglichen Beschäftigungcn fällt den Frauen und Mädchen der weitaus größte Theil zu, denn außer, dem Kochen der Speisen und dem Melken des Viehes, liegt ihnen das Nähen der Kleider und Stiefel, sowie die Anfertigung von allerhand Flechtwerk ob; höchstens beim Walken des Filzes und beim Einfangen des Viehes zum Melken werden sie von den Männern unterstützt. Das Vieh wird mit aus Pferde- und Kameelhaaren geflochtenen Lassos gefangen, welche sie sehr geschickt zu handhaben verstehen. In der Hauptsache Viehzüchter," geben sich die Kalmücken doch zuweilen gen: der Jagd hin und wissen mit ihren Vorderladergewehren das Steppenwild geschickt zu erbeuten. Bei festlichen Vergnügungen finden neben Spiel und Tanz auchWettrennen statt. Dann zeigen sich Männer und Weiber auf ihren untermittelgroßen, feingliedrigen und dabei sehr ausdauernden Pferden als vorzügliche Reiter. Die Männer üben mit Vorliebe Reiterkunststücke; auf ihren Pferden in schnellster Carriere dahinjagend und sich zur Seite niederbeugend, suchen sie kleine Gegenstände vom Erdboden aufzugeben. Ihre Pferde behandeln sie niemals roh. sondern betrachten sie mehr als gute Kameraden. Beim Vrautraub. der bei einzelnen Kalmückenborden noch xjxtnt Sitte ist, hängt
alles von der Verläßlichkeit des Pferdes ab, und mancher Kalmücke hat seine Ehehälfte der Schnelligkeit seines Pferdes zu verdanken. Hat ein junger Kalmücke ungefähr das 20.Lebensjähr erreicht, und wird in ihm der Wunsch rege, sich ein eigenes Heim zu gründen, so geht all sein Sinnen und Trachten dahin, die Dame seines Herzens heimlich zu entführen, was frei-
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JurtenundWagen. lich oft unter beiderseitigem Einverständniß geschehen mag. Gehört das erwählte Mädchen einer Nachbarhorde an. dann ist die Entführung eine schwierigeres denn die Angehörigen der Braut verfolgen den kühnen Räuber, und nur äußerst schnelle, ausdauernde Pferde können ihrn den Besitz der Braut sichern helfen. Wird er eingeholt und gefangen, so wird ihm nicht nur das Mädchen, sondern auch noch ein. unter Umständen hohes, Lösegeld abgenommen. Glückt ihm aber der Raub und hat er in seiner Kibitke die Zöpfe seiner Braut in die sammetnen Futterale eingenäht, die zugleich ein unterscheidendes Merkmal zwischen Frauen und Mädchen bilden, dann darf sie ihm nicht wieder abgenz.nmen werden, sondern sie wird vielmehr als seine rechtmäßige Frau - angesehen. Mit der Vereinigung der beiderseitigen Eltern und Verwandten zu einem Hochzeitsschmaus ist die ganze Sache abgethan, später wird die Ehe durch einen ihrer Priester rechtskräftig" gesprachen. Auf 'die Erziehung ihrer Kinder verwenden die Kalmücken keinerlei Sorgfalt; sie lassen sie frei in der Steppe aufwachsen, und erst in ihrer späteren Jugend nothdürftig von den Priestern in Religion, Rechnen, Lesen und Schreiben unterrichten, vorTanz. ausgesetzt, daß sich Diese selbst auf tlv.tx so hohen Stufe der Cultur befinden, denn ziemlich oft sind die Gellongs nur mangelhaft im Schreiben und Lesen bewandert und wenig tief in die Lchren des Buddhismus eingedrungen. Ihre ganze Amtsthätigkeit dcsieht dann oft nur, außer in der Beoisnung ihrer lamaitischen Musikinstrumente, im Herunterleiern des Rosenkranzes und dem Drehen der Kryde" (Gebetsmühle), einer von einem Gehäuse umgebenen, drehbaren Walze, deren Längsachse mit auf Stoff zder Papier geschriebenen Gebeten kalmückischer Schrift umwickelt ist. Vom Hersagen dieser Gebete und dem Drehen der Walze versprechen sie sich eine önliche Wirkung wie vom Flattern der Gebetsfahne. Die Priester uniersche:den sich durch ihre langen gelben jeder vielfarbigen Gewänder von den Lörigen Männern der Horde. Sie tragen Kopfbedeckungen, die theils an vcnezianische Dogenmützen, theils an die deutsche Kaiserkrone erinnern. Im letzteren Falle bestehen die einzelnen Theil: allerdings nur aus Pappscheiben. die mit kleinen Vuddhabildern bemalt sind. Dem friedliebenden Volke ist die bei dielen Nomadenvölkern geltende Bluträche unbekannt; bei etwa vorkommenden Verbrechen werden die Ueö:ltb'iter einem russischen Gericht eingeliefert; Streitigkeiten, kleine Diebereien etc. werden von den Aeltesten" der betressenden Horden geschlichtet. Ihre Verstorbenen hüllen sie in ffilzdecken ein und überlassen sie der einsamen Steppe nur vornehme Kalmücken und Priester werden begraben. Weshalb haben Sie die Stelle bei Raths nicht angenommen?" Ich bitte, in dem Hause hätte ich ja mit meinemAugust keinen Telephon-anschlub!-I n den Flitterwochen. Junge Gattin (zum Gatten, der im Schlafe fürchterlich stöhnt): Aber Gustav, so träume doch nicht immer von Mama!" Unsere Dienstboten. Hausfrau: Das sage ich Ihnen, ich bin etwas nervös und vertrage keinen Widerspruch!" Köchin: O. gnädige Frau, das gibt sich mit der Zeit!- ; Ein Ehegvund. Richter: Warum Haben's denn Ihren Mann geheirathet, wenn Sie jetzt nicht mit ihm leben wollen?- Frau: Weil mir der Lump zehn Mark , schuldig war. ...,
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Aas größte. Hekeskop. Auf keinem Gebiete der Wissenschaft haben die Vev. Staaten so großartige Errungenschaften aufzuweisen wie in der Astronomie und diese werden voraussichtlich durch die Stern, warte in Lake Geneva. Wls., deren feierliche Einweihung soeben erfolgt ist, noch bedeutend erweitert werden. Am Ufev des Sees, wo die durchsichtige Seeluft Kiesen Platz als besonders geeignet erscheinen lieh, erhebt sich dic Sternwarte, welche d?r Munificenz des Chicagoer Straßeilbahn-Magna ten C. T. Werkes ihre Entstehung verdankt, weithin sichtbar durch die ungeheure Kuppel von 90 Fuß Durchmesser, welche das Riesenfernrobr. das größte der Welt, üb:rwöllt. Mehrere kleinere (d. h. nach amerikanischen Begriffen, nach europäischen sehr große) Fernrohre unter entsprechenden Kuppeln oder in Meridiansälen vervollständigen die instrumentale Ausrüstung, welche sowohl die Astronomie, wie die Astrophysik zu pflegen erlaubt. Neben dem noch jungen Director Hale wirken Männer wie Barnard und Burnham, die früher dem Stab der Lies - Sternwarte angehört haben und somit ein großes Fernrohr zu handhaben verstehen, und ein weiterer Kreis
Observatorium. zum Theil schon erprobter Astronomen. Reben den strengen Anforderungcn an die präcise Ausstellung der Instrumente genügt der Bau der Sternwarte auch den höchsten architektonischen Anforderungen. Es sind wahre Paläste, im edelsten romanischen Style gehalten, die .der Wissenschaft und ihren Jüngern erbaut sind. Die Grundfläche der Sternwarte, auf deren Erbauung und Ausstattung circa $500,000 verwendet sind, hat dieForm eines römischen Kreuzes und ist 350 Fuß lang bei einer Breite von 160 Fuß. In dem Kellergeschoß befindet sich ein physicalisches Laboratorium mit voller photographischer Ausstattung. Die Photographie bildet nämlich ein sehr schätzen'swerthes Hilfsmittel der Astronomie, da die in der Camera benützten Platten sensitiver sind als das menschliche Auge und sich auf dem Glas die Bilder vieler Sterne fixiren lassen, die so klein sind, daß sie der Beobachtung entgehen würden. Das Riesenteleskop, welches auf der Welt seines Gleichen nicht hat,, mißt 64 Fuß bei einem Gewicht von 6 Tonnen und die Linse hat einen Durchmesser von 41$ Zoll, wovon 1 Zoll von der Einfassung bedeckt werden, so daß für die Beobachtung eine Fläche von 40 Zoll Durchmesser bleiben. Die Vergrößerung ist eine neunmillionenfache und durch das Glas gesehen, erscheint der. Mond, als ob er nur 30 Meilen von der Erde entfernt wäre. Die Linse ist das größte Werk des am 9. Juni verstorbenen Alvan Graham Clark, des letzten der drei berühmten Vertreter der Optikerfirma Clark & Sons in Cambridge, Mass. Das Teleskop. Glas kommt aus Mentois bei Paris und kostete $20,000, während das Schleifen $40.000 gekostet und nahezu fünf Jahre erfordert hat. Es war im Mai dieses Jahres, als Alwan G. Clark mit seinem Gehilfen und Nachfolger Lunden die kostbare Linse fertig von Cambridge nach Chicago brachte, für welche ein besonderer Eisenbahntransportwagen hatte gebaut werden müssen. Er leitete dort noch die Einsetzung der Linse in das Fernrohr, welches, von Warnev & Swasey in Cleveland, O., hergestellt, schon auf der Chicagoer' Ausstellung zu sehen war. Wenige Tage nach seiner Heimkehr raffte ihn der Tod hinweg. Den Clarks gebührt das Verdienst, die Technik dev großen Fernröhre auf ihre jetzige Höhe gebracht' zu haben. Als die Firma im Jahre 1850 gegründet wurde, war der neunzöllige Refraktor der Dorpater Sternwarte das vielbeneidete größte Instrument der Welt. Die Clarks vergrößerten rasch die Oeffnungen der Fernrohre, und als im Jahre 1861 ein Refraktor von 18 Zoll aus ihrer Werkstatt hervorging, der damals einen Record in dieser Technik bedeutete, und Alvan Clark denselben zur Untersuchung seiner Bildschärfe auf den Siiws richtete, entdeckte er neben demselben einen schwachen Begleiter neunter Größe, denselben, den die rechnende Astronomie schon längst an diesem Platze vorausgesagt hatte; so wurde t der erste, der diese lichtschwache, aber unsere Sonn? an Masse etwas übertreffende Welt erblickte, die.uns noch viel Inte reanteZ lehren wird. . ...
Indessen machten die Clarks hier nicht Halt und in der Folgezeit entstand eine Reihe noch größerer Linsen, die alle in Amerika blieben, bis auf den 30-Zöller der russischen Sternwarte Pulkowä. Am bekanntesten aber ist Clarks Riesenfernrohr von 36 Zoll Ocffnung auf dem Mount Hamilton in Californien. mit dem Barnard sogar den lichtschwachen fünften Mond des Jupiter entdecken konnte.
Ein Wunder von Jena. i Ein bekanntes Distichon auf Jena sagt: Ära, "caput, draco, rnons, pons, vulpecula turris,Weigeliana domus: septein iniracula Jenae" (Altar, Drache und Kopf, der Hausberg. Brücke, auch Fuchsthurm und das Weigel'sche Haus: die sieben Wunder von Jena). Wer die alte Universitätsstadt je besuchte, wird auch den Sieben Wundern" einige Aufmerksamkeit geschenkt haben; von ihnen imponirt wohl am meisten das Weigelsche Haus in der Johannisstraße, das wir unsern Lesern im Bilde vorführen. Erbaut ums Jahr 1667 durch den berühmten Professor der Mathematik Erhard Weigel, bietet das alteGebäude ein sprechendes Beispiel des genialen Geistes wie der bizarren Laune seines Bauherrn. Vier Stockwerke hoch strebt' der an sich schmale Hochrenaissancebau empor; das eigenthümliche Aeußere desselben wird noch erhöht durch drei hinter und übereinander angeordnete Dachgeschosse, über die außerdem ein viereckiger, flacher Thurmbau hervorsieht. Die Front des Hauses ist bedeckt mit einer Unmenge lateinischer Sprüche und Inschriften, die jedoch zum größten Theil unleserlich geworden sind. Die merkwürdige Jnneneinrichtung des Gebäudes welche die Einreihung desselben in die Sieben Wunder" verursachte ist theilweise beseitigt. Ueber das ehemals Vorhandene berichtet ein Chronist aus dem Jahre 1785: Die über einen Keller angelegte Treppe läuft durch alle Geschosse, auch durchs Dach. Wird das Dach des Thürmchens (des flachen Thurmbaues über den Dachgeschossen) zurückgeschlagen, die hohle Spindel aber zur Vermeidung des falschen Lichts mit dunklen Tüchern verhangen, so bewirkt diese durch sieben Geschosse reichende Höhlung eine Röhre, durch welche man Das Weigel'sche Haus. aus dem Keller den darüber liegenden Himmel, und weil in diese Tiefe kein Tageslicht fallen kann, bey Tage die Sterne wenigstens zweiter und dritter Größe am Himmel sehen kann. In eben dieser hohlen Treppen - Spindel hatte er (Professor Weigel) die Veranstaltung getroffen, daß man mittelst eines angebrachten Flaschen - Zugs aus einem Stockwerk ins Andere gehoben oder gelassen werden konnte, ohne eine Treppe zu steigen. Obgleich in diesem großen Gebäude sehr viel Miethzimmer waren, so hatte er (Weigel) eine besondere Hydraulische Maschine angegeben (angebracht), vermittelst welcher des Morgens in ein jedes derselben, so bald ein Hahn in der Wand des Zimmers geöffnet wurde. das Wasch-Wasser entgegen lief. Noch künstlicher war die berüchtigte Hydraulische Maschine, die man noch heutzutage die Weigelsche Kellermagd nennet, da er (Weigel) nur in ein Trichterförmiges Gefäß in einer Wand seines Wohnzimmers ein Maas Wasser gießen durfte, so kam statt dessen aus einem andern mit einmtzahn versehenen Lauf - RLHrgen so viel Wein aus seinem Wein-Fasse im Keller. (Vermittelst eines Herons - Brunnens, dessen Spring-Gefäs das Weinfaß, Das sogenannte, sonst obenliegende Lufft-Gefäß aber darneben lag.)" Schließlich bemerkt der Chronist: Die Verrichtungen (der Flaschenzug und die Wasserleitung) wurden des vielen Mißbrauchs halber bald eingestellt, und die Keller-Magd war wohl mehr der Kuriosität halber nur auf kurze Zeit angestellt." Der Universal -Sport Z mann. Schlau. Mann (nachdenklich): Da habe ich einen Knoten im Taschentuch, woran sollte mich der gleich erinnern?" Frau: Vielleicht wolltest Du das Armband kaufen, welches Du mir schon so lange versprochen hast!" Unerhört. Frau (von der Badereise zurückkommend, zur KLchin): Sagen Sie, Lina, wie hat denn mein Murrn gelebt, so lange ich fort war?" Kochin: O, ich sag' Ihnen. Madam', der hat befohlen man hat g'rad gemeint, er wär' der Herr int HauZ!"
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Leicht geholfen.
MsÄk M WI 32S Was heulst Du denn so, Piccolo?" Mein Salat ist mir in den Schmutj gefallen!" Na, so geh' halt in die Küche und laß' Dir etwas Mayonaise d'rüber thun!" NeuestesWunder derDressur. Der Tiger - Jongleur. Ah. Herr Professor! Wie gehts? Roch immer so zerstreut?" Danke, neitt hat sich vollständig gelegt." Aber Sie haben sich ja gar keinen Hut aufgesetzt." So? Ja. na, den hat eb:n meine Frau vergessen mir aufzusetzen." : . Uebertrumpft. Erste Zahnärztin: Meine Patien. ten behaupten, bei mir sei dasZahnziehen ein Vergnügen." Zweite Zahnärztin: Das ist g nichts. Mir hat neulich ein Herr während ich ihm einen Zahn zog eine Liebeserklärung gemacht!" Aus der Kaserne. Levy, jetzt sollt' Sie der Rabbi Wen Akiba exerciren sehen! Ich glaube nickt, daß er die Unverschämtheit hätte, zu sagen, daß das schon dagewesen!" NeuesteBartbinde.' Wie es kommt, daß der Herr Lieutenant von Hinrichsen einen so schnei digen" Schnurrbart hat. Verschiedene! Würd,'g u n g. Herr: Sag' mal. Kleiner, ist Dein Großpapa nicht Professor Klugmeier, der berühmte Gelehrte?" Kleiner: Ja, der ist mein Großpapa und nzein Reitpferd 1"
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