Indiana Tribüne, Volume 21, Number 28, Indianapolis, Marion County, 17 October 1897 — Page 7
Aic zweite Wama".
Von Otto Wilhelmy. Zum ersten Mal in oiesem Jahre verbrachte der Herr Emeritus den Vormittag im Garten. Aus den umgegrafrenen Beeten des Gemüsegartens strömte der eigenartige Erdgeruch, und die Sonnenstrahlen umtosten seine hagere Gestalt mit dem Silberhaar und den fein geschnittinen Gestchtszügen. Sein Blick hing an den von bläulichem Nebel umwölkten Bergzügen, träumerisch, weltverloren. Da nahte vom Hause eine Matrone trippelnden Schrittes. Sie schlug den Weg nach der Bank ein und berührte leicht die Schulter ihres Mannes. Der wandte sich lächelnd um: Es ist Früh ling heut, genieße ihn. wie ich das thue," dann blickte er wieder hinaus nach ten Bergen. Nach einigen Minuten schreckte ihn der kräftige Schlag ineZ rothbrustigen Finken aus seinen Träumen auf. Er ergriff die Hand seiner Lebensgefährtin.. Neun Jahre sind's jetzt her", sagte er mit unsicherer Stimme, es war auch ein solch' herrlicher Früh lingstag. " Neun Jahr", seufzte sie auf. Schweigend saß das alte Ehepaar Zieben einander. Er hatte seine Pfeife usgeraucht und lehnte sie an die Geis Ilattlaube. Nun kommt er", unterbrach tt leise. Gott sei Dank." stöhnte sie auf. er kommt, endlich, endlich!' Sie schritten dem Hause zu und hat--ten schon die Thür erreicht, als dieFrau stehen blieb, ihn am Rockärmel festhielt und flüsternd fragte: Und Martha?" Ach" sgte er mit einer abwehrenden Handbcwegung, es sind schon neun afyc her ..." Pasun Wilbrecht's Bruno war ein Hochhinaus," so bezeichnete ihn d.'r Vater selbst, wenn ihm ein neuer dumrner Streich seines Einzigen hinterbracht 'worden war. Des Pastors Hochhinaus" tyrannisirte die Bkwohner des ganzen Dorfcö. Man konnte ihm zwar nie so recht gram sein, weil er im Grunde genommen ein guter Junge war. aber wenn er auf inem Schabernack, den er einem der Bcuern zu spielen gedachte, erwischt teube, dami erging es ihm Äbel. Aber er ließ sich selten, sehr selten erwischen! Die Dorfschule war ihm bald zu 7$, er setzte.es durch, daß er das Gymnasium und, schließlich die Universität besuchte. Hier machte er die besten Fortschritt.', worüber sein Vater um so mehr erfreut war, als er nur ungern seinen Wunsch, in .dem Sohne seinen Nachfolger zu sehen, aufgegeben hatte. Aber er 'tröstete sich, hatte er doch noch Martha, die 'Tochter seines verftarbenen Bruders. Dies stille, bescheidene, immer zufrieden? Mädchen war das vollkommenste Gegenstück zu seinem Hoöihin.aus." Dieser: kräftig, von übei;s,pru,delnder Laune, temperamentvoll ngelegt, jene: zart, schlank, zurückhaltend, beinahe schüchtern. Wie er seine ganze Umgebung tyrannisirte, 5o.beherrschte er auch das Mädchen vollstänbig. Der HochhincruZ" machte ;fnnen Doctor inedicinae. Es war den Eltern wohl oft schwer geworden, den ..Wechsel" immer pünktlich zu schicken. mitL)!arthas Hilfe gelang es aber immer,, den Ansprüchen .des Studenten gerecht zu werden. Martha verfügte überfein kleines Capital, das sie ohne Bedenken opferte. Der neugebackene Doctor besuchte hin .und wieder seine Eltern, er kümmerte sich aber kaun? .um Martha. Er würde in die Hauptstadt qehen, dort mit Erfolg prakticiren. Specialarzt, Professor, Sanitätsrath werden. Und dann". so meinte ex in burschikosem Ton, dann wird ein reiches Mädchen geheirathet Er mahin seinen Flug, und der Eifolg begleitete ihn. Er siedelte nach der Hauptstadt über, undier ging er unverdrcffen auf sein 3kl los. Mit scharfern Blick erkannte er die Krankheit unserer Zeit und that sich auf als Specialarz: für Nerven". Jn Verhältnißmäßig iurzer Zeit hatte er sich eine gut? Praxis erworben. Man wurde oben" auf ihn aufmerksam, der Titel Prosessor wurde ihm verliehen. er war -ein gemachter Mann." Da wagte er denn den Sprung in' Dunkle, er derlobte sich mit einer runden, netten MilZion ..... Vor neini Jahren zur Frühlingszeit war er nach Haus gekommen. Der Vatti fühlte, sein Sohn war ei Anderer geworden, di: Mutter konnte es zu einer herzlichen Aussprache nicht brinc,tn, sie empfand eine geheime Scheu vor dem Großsiadtmann, der mit souverainer Herablassung über Dinge uudBerHältnisse abfällig urtheilte, die ihr als eine Art Heiligthum erschienen. Martha schien die Sprache ganz verloren zu hab?n. sie vermochte' seinen hochtrabenden Ausführungen gar nicht zu folgen. ihr einfaches Gemüth faßte nicht all' die Schliche und Kniffe, welche man anwenden muß, um ein moderner, berühmter Mann zu werden. Als er schließlich erklärte, am nachsten Tage wieder abreisen zu müssen, wurde von keiner Seite widersprochen. So trank man denn noch einmal im Garten dm Morgenkaffee. Das Herrliehe Frühlingsbild schien Alle zu erquicken. Der Hochinaus", pardon, der Herr Professor , entnahm seinem silbernen Etui .eine Cigarette und brannte sie an. Piihlj", sagte er, eine Rauchwolke 'von sich stoßend, es ist doch mächtig langweilig hier in diesem Nest." Er machte eine Kunstpause, dann schlug er .einen etwas lebhafteren Ton an. Was 'ich da eben noch' sagen wollte, na, 's i zwar nicht sehr aufregend, aber es ,hat doch gewisse Einflüsse auf die Fa 'milie ... Ich bin jetzt wirklich nicht nur !5cä)", sondern auch .schön" hinaus.
ein halbes Milliönchen; in den nächsten Tragen schicke ich Euch meine V:rlokungsanzeige!" Der Pastor sprang erregt auf, die Pastorin setzte mit zitternder Hand die Tasse nieder, Martha sank mit einem Wehlaut in den Gartenstuh! zurück, sie war einer Ohnmacht nahe. Die Pastorin geleitete sie in's Haus. Du kennst unsere Hofsnungen, die Hoffnung Marthas nicht?" fragte der Bater mit kreidebleichem Gesicht. Nicht daß ich wüßte", antwortete der Hochhinaus", was soll's denn sein?" Du hättest Deine sogenannte Car xiere nicht machen können", entgegnete der Alte ernst, wenn Martha nicht ihr kleines Capital hergegeben hätte, damit Du Deine Studien vollenden konntest. Sie hat ihr Erbtheil bis zum letzten Pfennig hergegeben . . ." Ahhh," machte der Professor erstaunt. Nein so was . . ., das sollte man gar nicht glauben .... so edel ist die Kleine?" Nach einigem Nachdenken meinte er: Nun, natürlich kann ick da nicht zurückstehe:?, noblesse oMige. Ich werde ihr die paar tausend Mark mit Zins und Zinseszinsen zurückschicken," dabei war er das Mundstück der Cigarette in weitem Bogen von sich, sodaß der auf dem Kiesweg sitzende Fink erschreckt emporflatterte. Die Verlobungskarte war gekommen. Eine Einladung zur Theilnahme an dem Hochzeitsfest folgte in einigen Monaten. Zugleich traf die Benachrichtigung.des Banquiers aus der Stadt' ein, daß für FräuleinMartha ein größeres Capital zur beliebigen Vetwendung hinterlegt worden fei. Dann vergingen Jahre, in denen der Verkehr zwischen Eltern und Sohn aus die nothwendigsten Mittheilungen bcschränkt blieb. Eine Geburtsanzeige ein .strammer Junge" war angekommen ; irnd vor etwa Jahresfrist: eine Todesanzeige, die Frau war in Nizza einem Lungenleiden erlegen, und jetzt: ein Brief, in welchem Bruno seinen baldigen Besuch in Aussicht stellte. Neun lange Jahre hatten sie sich nicht gesehen, . .! War das wirklich der Hock hinauZ". der da mit am Gartentisch saß und mit müdem Blick hinüber sah nach der Gebirgskette? Sem Haar war gebleicht, seine Stirn und sein Mund wiesen jene herben Falten auf. die als Stempel langen Leides, als Zeichen mangelnden Seelenfriedens gelten können. Neben ihm saß ein etwa sieben Iah alte? Knabe, -der aufmerksamen Auges jede Bewegung seines Vaters verfolgte. Weißt Du was. Papa." sagte das Kind plötzlich, wenn ick gewußt hätte, daß es hier so schön ist, hätte ichGroßmama schon ?fter besucht." Ein flüchtiges Roth stieg in das Gesicht des.Vattts. Wir wärnl gern schon früher einmal gekommen", wandte er sich, wie um Verzeihung bittend, an die Großmutter, aber . . . -fciel beschäftigt, . . . viel Kummer, viel Sorgen, keine Frau " er hielt inne und musterte die Gesichter der TafelTimde. Aber Bruno", fiel ihm der Pastor rn's Wort. Du darfst den Muth nicht verlieren. Sieh, Du wirst noch einen .zweiten Lebensfrllhling zu verzeichnen haben," Bruno schüttelte den Kopf. Für mich hat Niemand auch nur soviel Interesse", antwortete er, indem zx mit den Fingern schnippte. Oder kennst Du auf Gottes weiter Welt auch nur ein weibliches Wesen, das in mir etwas Anderes erblickte als ein Speculctions.ObMt?" Da erhob sich Martha plötzlich und eilte raschen Schrittes dem Hause zu. Bruno blickte ihr verwundert nach, -und sein Sohn meinte: Tante Martha ist doch so lieb zu mir, weshalb läuft sie denn weg und giebt mir nicht noch ein Stvck Kuchen?" ' Das wäre eine zweite Mama für Dich!" warf der Großvater ein, während Papa träumerisch in's Leere blickte. Eine zweite Mama", das wäre nicht schlecht! Dann wurde er sicher den Hauslehrer los, den er so garnicht lei'den mochte, und Tante Martha würde ; it)n gewiß immer mit Kuchen versorlen. Den ganzen Tag beschäftigte ihn der Gedanke an die zweite Mama", und als er dem Papa Gute Nacht" wünschte, setzte er noch hinzu: Wirst Du mir denn wieder eine neue Mama besorgen?" Die nächsten Tag verliefen in so harmonischer, idyllischer Ruhe, daß Bruno erheblich von seinen Pessimist!schen Anschauungen einbüßte. Seine Blicke hingen oft prüfend an Martha. Er wunderte sich, daß in diesem feinen und zarten Gesicht ein Zug schmerzlicher Resignation auffallend hervortrat. was konnte denn dies Mädchen hier schon für Kummer gehabt haben? Martha fühlte sich unbehaglich bei diesen Beobachtungen, die ihr nicht entgingen, und als auch der Knabe ihr einmal mit großen Augen in's Gesicht starrte, sagte sie: Aber Kind, was siehst Du mich denn fortwährend an wie ein Wunderthier?" Na", platzte der offenherzig heraus, ich muß doch meine zweite Mama kennen lernen!" Eine unbeschreibliche Scene folgte! Martha sprang auf und suchte das Weite, der Kleine kam heulend hinter ihr her, er hielt sich die rechte Wange, mit welcher die Hand seines Vaters in unsanfte Berührung gekommen war. In erregtem Gespräch blieben die Drei zurück, der Großvater redete eindringlich mit seinem Sobne. er schien ihm eine lange, traurige Geschichte zu erzählen Nach einigen Stunden klopfte es an die Thür des Zimmers von Fräulein Martha. Ein schwaches Herein" ertönte, Bruno überschrittt zögernd die Schwelle. Martha". . begann er stockend, .ich
komm? . . ., ich möchte . . ., ich muß . . ., ich fAtt um Entschuldigung wegen des unliebsamen Vorfalls, der Sie beleidigt haben muß. weil Sie denken könnten, daß ich vielleicht . . ." O nein", unterbrach ihn Martha, das weiß ich schon, daß Sie keinerlei Schuld tragen an der Loreiligkeit Jhres Kindes." Eine lange Pause . . ., sie stand in ruhiger Haltung am Fenster, er drehte in peinlicher Verlegenheit seinen Hut zwischen den Fingern. Endlich kam es zagend von seinen Lippen: Und wenn es sich nun nicht blos um eine Voreiligkeit gehandelt hätte, und wenn ich jetzt", . . . Seine Stimme ging in ein gedämpftes Flüstern über, die Antwort erfolgte ebenfalls so leise, daß sie kaum zu verstehen war. Nach einer halben Stunde erschien Martha am Arme Brunos im Garten. Als er alte Pastor das Paar sah. fiel ihm vor freudiger Erregung diePfeise aus dem Munde. Großmutter faltete die Hände, und helle Thränen rollten ihr über die Wangen. Du Schlingel", drohte Bruno seinem Jungen, wie kannst Du denn so vorlaut sein! Aber Recht hast Du be. halten, Tante Martha wird nun wirklich Deine zweite Mama". ' Na also", meinte der Junge nach kurzem Nachdenken, da hättest Du mich doch nicht erst zu hauen brau-chen!"
Eine gute Mutter. Von y. v. Kapff.Cssenther. Ja. eine gute Mutter, das war Elisabeth für ihre kleine Stieftochter Elsi sie hatten zufällig denselben Namen Niemand bezweifelte es, am wenigsten Elsi's Vater. Elisabeth war eine hübsche, noch mit 33 Jahren sehr wohlkonservirte Frau von sanftem Charakter, zur Sentimentalität neigend, der eigene Kinder versagt blieben. Der viel ältere Gatte, dem sie die zweite Frau wurde, vermochte ihr Herz nicht ganz auszufüllen. Sie hängte dies ganz unbefriedigte Herz an das süße, kleine Mädchen, als dessen Gouvernante sie ursprünglich in's Haus gekommen war. Sie wurde eine sehr brave Frau und wahrhast gute Mutter und blühte dabei zu einer Schonheit auf, die man in dem blassen, Aiageren Mädchen garnicht vermuthet hätte. Die Ruhe, die Sorglosigkeit machte das. Auch die Schönheit bedarf einer gewissen Pflege. Die kleine Familie lebte sehr still und zurückgezogen. Man schickte deshalb die fünfzehnjährige Elsi nach einer Schweizer Pension, damit sie etwas Schliff annehme; denn zu Hause wurde sie von der guten Stiefmutter doch nur verzogen. Etwa ein und ein halbes Jahr war Elsi in der Pension, da starb ihr Vater plötzlich an einem Schlagfluß. N-och in den letzten großen Ferien hat ten sie alle drei gemeinsam ein kleines Seebad besucht und waren so heiter, so glücklich gewesen. Es war bei der großen Entfernung zwischen Genf und Berlin nicht möglich, das Kind auch nur zum Begräbniß herbeizurufen. . Man bereitete sie schonend vor und eine Woche später reiste die gute Mutter nach Genf, um Elsi zu trösten, zu beruhigen. Das war keine kleine Aufgabe; denn das junge Mädchen, sonst heiter bis zum Uebermuth, war exaltirt in ihren Empfindungen und der Tod des Vaters war der erste Schmerz, den sie erfuhr. Clsi,wollte auch um jeden Preis die gute Mutter nach Hause begleiten, damit diese nicht allein sei. Aber Elisabeth war darin ein wenig pedantisch. Der Kursus sollte beendet werden. Und Elisabeth kehrte zunächst allein zurück in ihre einsame Wittwenwoh nunq. Leer und öde lag das Leben vor ihr. Da sagte ihr eines Tages irgend ein Fremder, Gleichgiltiger: Ach. Sie werden sich wieder verheirathen, gnädige Frau. Sie sind ja noch so jung." Daraufhin sah sie einmal in den Spiegel. Sonst that sie das täglich, aber nicht daraufhin, ob sie noch jung sei. Und Wirklich, sie sah hübsch und frisch aus. Die Trauer kleidete sie vorzüglich. Dabei siel ihr ein, daß sie einmal geliebt hatte, einen jungen Collegen, einen Seminaristen, der mit ihr zugleich die Schulprüfung machte. Es war ein sehr lustiger, hübscher Bursche gewesen. doch konnte er auch sehr ernst und schwärmerisch werden. Gerade diese Mischung war berückend. Ihre Liebe war ganz aussichtslos gewesen, aber fragt die Jugend danach? Am folgenden Tage geschah etwas wie ein Wunder. Ein Brief traf ein. Er war von Otto Berndt. ihrem Jugendfreunde, jetzt Lehrer in einer grofon ProvinzZalstadt. Sie hatten bisher nur auf Umwegen seltene Grüße getauscht, sie. Elisabeth und er. Nun schrieb er. Es war kein Traum! Zuerst condolirte er. Sehr verspatet.' durch einen Zufall war ihm die Kunde geworden, daß Elisabeth Wittwe sei. Er gestand, daß er die Absicht gehabt hatte, ihre Vermittelung zu erbitte::. Es war eine für ihn passende Stellung frei an einem höheren Lehrinstitut, zu dessen Verwaltungskörper Elisabeths Gatte gehört hatte. Der Schreiber brach hier ab und schloß mit einem Seufzer, wie vereinsamt und geistig verlassen er sich fühle. Elisabeth , fühlte über sich einm Wink des Himmels, eine Fügung deZ Schicksals. Sofort machte sie sich auf, die Freunde ihres verstorbenen Gatten aufzusuchen. Man sagte der allgemein beliebten Frau gern jede Förderung ihres Candidaten zu. Er möge nur kommen und sich vorstellen. In diesen Tagen war Elisabeth keine gute Mutter. Beinahe vergaß sie, daß sie eine Tochter hatte. Nur so ganz unbestimmt dachte sie daran, daß Elsi noch bis zum nächsten Herbst in der Pension blieb. Und dann
Fast unglaublich schnell war Otto Berndt ihrem Rufe, einem ganz fachlich freundschaftlichen Rufe gefolgt. Wie zwei alte, aber flüchtige Bekannte begegneten sie einander. Sie erkannte in dem ernsten bärtigen Mann kaum den bartlosen Jüngling mit dem keuchtcnden Blick und den romanhasten Redensarten; ihn schüchterte die Trauerkleidung ein. Es schien, daß Keines sich der Vergangenheit entsänne. Und doch, sie, sie that es. Otto Berndt machte seine amtlichen Besuche, unterstützte mündlich sein Gesuch. Die Stelle an dem akademischen Institut war ihm so gut' wie sicher. Täglich kam er zu Elisabeth, um ihr zu berichten, ihr seine Freude und Dankbarkeit auszudrücken. Langsam schlössen sich ihre Seelen auf. Wärmer und sorglicher wurde der Händedruck, den sie tauschten, inniger, häufiger begegneten sich ihre Blicke, offener, froher, ungezwungener der Ton, in dem sie sprachen. Ein ungekanntes Gefühl süßen und sicheren Glückes erfüllte Elisabeth. Der vcrblicheneIuaendtraum würde lebensvolle Wirklichkeit werden. Noch trug sie ja tiefe Trauer, aber sie empfand, wie es sich still entfaltete, das Glück der Zukunft. Es stimmte ja auch alles. Sie hatte von ihrem Gatten ein nicht unbeträchtliches Legat erhalten. Otto erhielt durch ihr Verdienst eine ehrenvolle und gut dotirte Stellung. Kein anderes Band fesselte ihn. Es war. als walte ein gütiger Stern über ihnen. Da kam einesTages ein Telegramm, daß Elsi zurückkehre. Eine ansteckende Krankheit war in der Anstalt ausgebrochen. Das junge Mädchen reiste in Gesellschaft einer Lehrerin, welche denselben Weg nahm. Elisabeth war etwas erschrocken. Sie hatte im Stillen gehofft, mit dem heimlich Geliebten einig zu sein, bevor das Kind in's Haus kam. Nun kam ein neues, ein fremdes Element in die stille, unausgesprochene Beziehung zwischen ihr und Otto. Jedoch, sie beruhigte sich bald. -Der Freund mußte das junge Mädchen doch kennen lernen, welches ihre Hausgenossin werden sollte, wohl noch auf Jahre.'denn Elsi wurde demnächst erst siebzehn Jahre. Sie war auch noch so kindisch und besonders gut gelernt hatte sie nie. Jedoch, er war ja Lehrer. Wie gut stimmte das. Er würde erreichen, was die allzugute Mutter nicht erreicht hatte. Lange überlegte sie. ob sie den Freund mitnehmen sollte auf den Bahnhof. Endlich entschied sie sich für Nein." Man mußte das Kind auf die unerwartete Situation erst vorbereiten. Zum Glück wirklich nur ein Kind. Aber Elsi erwartete doch immerhin die Mutter ganz vertieft in Trauergedanken zu finden. Der Hausfreund würde sie verwirren. Doch sollte er zu Hause warten, wie zufällig anwesend sein. Jedes Wort erwog die sorgsame Mutter, das sie dem Mädchen sagen würde. Mit Herzklopfen einen großen Rosenstrauß in der Hand erwartete sie den Zug. Zu ihrem Schrecken war Elsi nicht unter den Angekommenen. Lange hielt sie.Elisabeth, sich auf, hin und her zu laufen und zu suchen. Aber das junge Mädchen in Trauer war nicht leicht zu übersehen. Rasch warf sich die gute Mutter in eine Droschke, gewiß. zu Hause war inzwischen ein Telegramm angekommen. An der Korridorthür angelangt, glaubte sie sich geirrt zu haben. Sie hörte lautes Gelächter eine helle Mädchen- und eine tiefe Männerstimme. Als die Thür aufgeschlossen ward, sank ihr Elsi mit einem Freudenschrei um den Hals. Ach wie glücklich bin ich, Mamachen, daß ich bei Dir bin! Du hast Dich doch nicht geängstigt. Denk Dir, wir sind am Bahnhof Friedrichstraße angekommen. Aber Du bist ja so bläh." Und auf einmal fiel Elsi plötzlich aufschluchzend in einen Stuhl und verhüllte das hübsche, apfelrunde Gesicht mit dem Taschentuche. Ach Gott, Mama ich lache! Was mußt Du von mir denken! Der arme Papa als ich zuletzt hier war" jetzt weinte sie wirklich, lange, bitterlich, und nun mußte Otto Berndt sprechen, der etwas verlegen im Hintergrunde stand. Nicht ganz leicht raffte er sich auf. faßte Elisab:ths Hände und schütteltsie. Ich fühle mich beglückt durch den Zufall, daß ich Ihr liebes Kind hier willkommen heißen durfte sagte er. Es war wie ein Sonnenstrahl, der hier plötzlich hereinfiel! Und Gott möge den Eingang segnen es ist eine alte Redensart, aber ich weiß nichts Besseres." Ich weiß, daß Sie es gut meinen, lieber Doctor." versetzte Elisabeth mit gepreßter Stimme. Elsi wischte sich die Augen und fiel ein: Der Doctor machte auch solche Dummheiten und wollte mich nicht herein lassen. Deine Tochter das könnte Jeder sagen, und ich mußte mich legitimiren und Elisabeth sah den Freund starr an, dunkel erinnerte sie sich, daß er auch damals Dummheiten" trieb, wie ein kleiner Junge, trotz der unglücklichen d. h. aussichtlosen Liebe. Und sie war dann immer sehr böse gewesen. Vielleicht war er bei ihr nur jetzt so ernst gewesen, weil sie Wittwentrauer trug, dies Alles ging ihr so im Fluge durch den Sinn! . Eine Woche war vergangen, da kam Elisabeth von einer längeren Besorgungstour. nach. Hause. , Und auch diesmal hörte sie das bekannte dopvel stimmige Gelächter von innen. Auch diesmal flog, ihr Elsi so stürmisch wie
neulich an die Brust und utio stand etwas verlegen im Hintergrund. Sie hatten sich schlankweg verlobt. Nach der Zustimmung der Mutter brauchten sie nicht zu fragen, denn," erklärte Elsi. Du hast mir ihn doch ausgesucht. Du gute Mutter, Du dachtest ja immer nur an - mich. Darum hast Du ihn herbeigerufen!" Etwas stockend fügte der glückstrahlende Bräutigam hinzu: Mir schien es selbst so theuere Freundin. Ich fühlte mich doch so vereinsamt. Elsi haben Sie ja auch zu ihrem Ebenbild gemacht. Sie gute, gute Mutter, und dabei ist sie so herzerquickend lustig! Haben wir unsere Sache nicht gut gemacht?" Tbränen rannen über die' Wangen der blassen Frau. Wenn es nur Papa erlebt hätte!" Ach ja, wenn er gelebt hätte, würde sie nicht in die Lage gekommen sein, in einem einzigen Augenblick das geträumte nie genossene Glück für ewig begraben zu müssen. Wäre er am Leben. wäre sie nie wieder jung geworden! Aber sie war wirklich eine gute Mutter und sie verzichtete unter Thränen lächelnd, ohne einen Seufzer. So blieb sie für immer die gute Mutter."
Eute Icuguissc! Humoreske von Hermann Heinrich. Ein.relegirter Student gehört nicht zu den Ruhmestiteln einer ehrbaren Beamtenfamilie. Es war demAmtsgerichtsrath Walther deshalb auch nicht zu verdenken, daß er ein sehr sinsteres Gesicht machte, als sein Max zu einer Zeit von der Universität zurückkehrte, wo von Ferien noch nicht die Rede sein konnte. Freilich, ein komischer Peter" war der Junge von jeher gewesen. Als Knabe hatte er sich leidenschaftlich mit dem Nachmalen von Schriften aller Art beschäftigt, als ob er dereinst ein Schildermaler werden wollte, und als das Studium der alten Sprachen seine ungetheilte Kraft herausforderte, brachte er den alten Herren Cäsar, Cicero und Consorten eine sträfliche Gleichgiltigkeit entgegen, während er sich mit um so größerer Lust mit Englisch und Französisch beschäftigte. Was konnte ihm diese Kellnerphilologie" nützen auf einem Gebiete, wo nur die Alten" respectirt wurden? Später machte er sich sogar an das Polnische und Russische und begann, die modernsten Dichter aus dem Reiche des Nihilismus und Anarchismus zu übersetzen. Da sich der Junge außerdem noch eine Menge von Dummheiten" im Verkehr mit Schülern und Professoren zu Schulden kommen ließ, fo kam er nur langsam vorwärts, und diese Dummheiten waren es auch, die ihm jetzt auf der Universität den Laufpaß gegeben hatten. Während nun Papa und Mama mit der ganzen wohlweisen Freundschaft ein heidenmäßiges Lamento über Max und seine Unthaten anstimmten und ihm ein ruhmloses und elendes Ende weissagten, ging der komische Peter" selbst in stillem, aber vergnügtem Insichgekehrtsein seine Straße. Er fühlte, daß er besser war als sein Ruf, und daß den strengen Be- und Verurtheilern seiner Handlungen sein besseres Selbst völlig unbekannt war. Max gab sich keineswegs verloren, und wenn er auch mit edler Toleranz alle Vorwürfe ruhig über sich ergehen ließ, so sah er sich doch unablässig nach einer Gelegenheit um, sich zur Geltung zu bringen. Als er einst in dem Schubfach nachkramte, das feine Papiere enthielt, fiel ihm ein rother Zettel in die Hände. Es war sein Jmpfzeugniß. Mit Erfolg geimpft", war darauf zu lesen, und darunter stand Dr. Koch". Sinnend hielt Max das Papier in der Hand, und sonderbare Gedanken waren es. die durch seinen Kopf zogen. Das war das einzige Zeugniß, das mit Bezug auf seine Person glatt und voll und ohne jede Einschränkung einen Erfolg constatirte. Eine Weile lächelte er still vergnügt den rothen Zettel an, dann faltete er ihn zusammen und steckte ihn mit der Sorgfalt, mit der er bisher kaum einen Hundertmarkschein behandelt hatte, in sein Taschenbuch. Hinfort lag auf seinem Gesicht ein stiller Glanz, der jedem Tadler und Zweifler die bedeutungsvollen Worte entgegenzuhalten fchien: Mit Erfolg geimpft." Einige Zeit darauf erschien in den hauptstädtischen Tagesblättern eine Annonce, in welcher ein Herr Werblinski in Wilna einen Reisebegleiter durch Deutschland, die Schweiz. England und Frankreich suchte. Junger Deutscher aus guter Familie bevorzugt. Kenntniß der russischen, englischen und französischen Sprache. Gute Zeugnisse, angenehmes Acußere, heitere Gemüthsart, zuverlässiger Charakter. Hohes Honorar. Meldungen mit Zeugnissen an die Nationalrussischen Sägewerke von Anton Werblinski in Wilna. Während der Amtsgerichtsrath Walther mit seiner Familie an dieser Annonce achtlos vorüberging, forderte sie das lebhafte Interesse des komischen Peters" heraus. Lange Zeit starrte Max auf die anspruchsvolle und vielverheißende Kundgebung; seine Gefühle verdichteten sich zu Gedanken und seine Gedanken zu Entschlüssen. Antcn Werblinski war reich, wahrscheinlich mehrfacher Millionär, verstand nur Russisch und wollte sich mit Hilfe eines sprachkundigen jungen Mannes die Welt besehen. Er bevorzugte einen jungen Deutschen, weil die deutsche Sprache in nichtdeutschen Ländern so gut wie gar nicht gelernt wird -und zur Reise durch Deutschland doch unbedingt nöthig ist! Gute Zeugnisse! Das war fett gedruckt. Herr Anton Werblinski schien also großen Werth darauf zu'legen. Das war die Klippe, an der Max scheitern konnte. Doch halt! Er zog das Jmpfzeugniß aus der .Tasche und
betrachtete es wte emen Neuer aus ver Vedrängniß. Mit Erfolg geimpft." Was verstand der Russe davon? Und war bei vielen gewichtigen Personen, die mit ernsten Gesichtern in Amt und Würden saßen, nicht das Jmpfzeugniß das beste? Sein Entschluß war gefaßt. Max nahm einen großen Bogen. klebte das Zeugniß auf die Mitte und begann mit Bleistift und Feder zu malen. Die Kunst, die ihm in seiner Knabcnzeit so viele Vorwürfe eingetragen hatte, sollte ihm jetzt zu Statten kommen. Bald wär das Zeugniß mit einem wundervoll verzierten Rand umaeben, und oben drüber prangte, ein Adler, der seine Schwingen weit ausbreitete. So konnte es sich sehen lassen. Mit Hilfe des Lexicons schrieb Max ein Bewerbungsgesuch in russischer Sprache, fügte das Zeugniß und seine Photographie bei. forderte in edler Bescheidenheit ein monatliches Qonorar von fünfhundert Rubel und bergab seine Sendung dntrauenLvoll der Post. Nach kaum vierzehn Tagen traf die Antwort ein. Max war engagirt und seine hohe Honorarforderung glatt bewilligt! Triumphirend trat er vor seinen Vater, der ein sehr bedenkliches Gesicht machte und mit der höheren Bummelei", wie er die Reise nannte, durchaus nicht einverstanden war. Max aber setzte seinen Willen durch, und als nach einigen Tagen die ersten fünfhundert Rubel aus Wilna eintrasen, da schwieg jeder Widerstand, und die Vorbereitungen zur Reise wurden mit Hast getroffen. Max hatte sich nicht geirrt. Herr Anton Werblinski war ein schwerer" Mann und hinsichtlich seines Verkehrs mit Nichtrussen vollständig auf seinen Reisebegleiter angewiesen. In Warschau, bis wohin er ihm entgegengereist war, wurde er von dem Herrn freundlich, aber mit forschendem Blick empfangen' und sodann seiner Familie vorgestellt. Diese bestand aus Frau und Tochter. Die Mutter, eine verblühte Schönheit, vereinigte sich mit ihrem Gatten in der Zärtlichkeit sür die Tochter, welche die noch nicht voll entwickelte Schönheit eines sechszehnjährigen Mädchens zeigte, und dem die schüchterne und fast ängstliche ZurückHaltung gegen die fremde Welt einen eigenen Reiz verlieh. Max respectirte diese Zurückhaltung in tactvoller Weise. Mit Eifer gab er sich der Aufgabe hin, der Familie ein Führer und Berather zu sein, und in dem frischen Leben, das ihm überall entgegenfluthete, fand er für seine aufopferungsvolle Hingabe den schönsten Lohn. Was er schon längst gefühlt hatte, wurde ihm auf der Reise zur vollen Gewißheit. Er war nicht für die Studierstube und den Actensaal geschaffen; hier in dem Leben der großen Welt, im Handel undWandel der Völker mußte er sich seine Stellung erringen. So wenig er die Vertraulichkeit Herrn Werblinski's und seiner Familie suchte, in so reicherem Maße fand er sie. An Herrn und Frau Werblinski, das fühlte er bald, hatte er eine Eroberung gemacht, und eS hätte ihn eigentlich nicht überraschen dürfen, als ihm der Erstere im Herbst des Jahres das Angebot machte, ihn nach Wilna zu begleiten und eine Anstellung in seinen Sägewerken anzunehmen. Max erschrak vor dem glänzenden Angebot. Ein rother Zettel trat als Anklageschrift vor seine Seele, und gruselnd las er: Mit Erfolg geimpft." Für die Reise hatte das ausgereicht, aber weiter durfte er den Scherz" nicht treiben. Wie gern wäre er mitgegangen! Dort sollte er finden, wonach sein Herz sich sehnte, eine seiner Neigung entsprechende Beschäftigung, eine Stelle mitten im Wetten und Wagen der ringenden Menschheit. Aber allen Wünschen und Entwürfen stellte sich unbarmherzig der rothe Zettel entgegen. Nach langen inneren Kämpfen kam er zum Entschlüsse. Er gestand Herrn Werblinski offenherzig seinen kleinen Betrug und bat um Verzeihung. Sie werden nun verstehen," fügte er traurig hinzu, daß ich Ihr freundliches Angebot nicht annehmen kann, so gern ich auch möckte." Herr Werblinski war betroffen und zog sich mit einer Wolke des Unmuths zurück. Beim Abschied aber reichte er Max herzlich die Hand und sagte: Könnten Sie sich über den rothen Zettel hinwegsetzen, wenn ich es thue?" Und Sie würden es thun? Ja. Ick, will Ihnen den Studentenstreich nicht anrechnen und Ihr offenherziges Bekenntniß gern als Sühne betrachten. Im Uebrigen habe ich Sie durch die Reise besser kennen gelernt als durch zehn Zeugnisse. Ich vertraue Ihnen." Freudig schlug Max ein, und die Reise wurde fortgesetzt. Als Max die Sägewetke in Wilna und die dazu gehörigen Waldungen kennen lernte, da mußte er sich eingestehen, daß er Herrn Werblinski bei Weitem unterschätzt hatte. Dieser Reichthum war überwältigend. Es gehörte Kraft und Ausdauer dazu, die Fülle der Arbeit verstehen und beherrschen zu lernen, aber es gelang Max nach und nach in dem Maße, daß ihn der Besitzer als seine rechte Hand betrachten konnte. Fünf Jahre waren vergangen, als der Amtsgerichtsrath Walther eines Tages einen Brief in der Hand hielt, der zweifellos eine Geschäftsofferte oder eine Verlobungsanzeige enthielt. Alexandra Werblinski und ". Der alte Herr glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen. Einige Secunden starrte er auf die zierlichen Schriftzüge. bis sich sein väterliches Gefühl in den Worten um Ausdruck brachte: Donnerwetter, hat der unge Schwein!" Und die volle Zufriedenheit mit dem komischen Peter" griff in der Familie des Amtsgerichtsraths Platz, als Max mit der jungen, reizenden Braut und deren Eltern zum Besuch anlangte..
Aber Max." sagte der Vater in einer vertraulichen Minute zu seinem Sohne, welcher Deiner Eigenschaften hast Du denn . dieses Glück zu verdanken?" Lächelnd näherte Max seinen Mund dem Ohre des Vaters und flüsterte: Im Vertrauen. Papa. Du darfst es aber nicht weitersagen: Mit Erfolg geimpft!"
Wcuzcrs Wcbcr. Eme Weh.Gcsckickite von Oskar Klein. Wanda Weller wollte Wenzel Wimmel's Weib werden, weil Wenzel wundervoll walzte. wiewohl Wenzel's Wechsel werthlos waren. Wie wir weiter wissen, wohnte westwärts Weimars Wilhelmine Wegener., welche wochenlang weinte, weil Wenzel widerstrebte. Wenzel war weise, weil Wilhelminens Werthe winzig waren; während Wandas wachsender Wohlstand Wenzeln wohlwollend winkte. Wenn Wanda Wenzels Weib würde, wähnte Wenzel, würde wahrscheinlich Wenzels Wohlleben, welches winkenden Wechselarrestes wegen wacklig war, wieder weiterwurzeln. Was war Wenzel wohl Wilhelm!nen? Wir wissen, Wenzel war Wilhelminen's Wonne! Wenige würdigten Wilhelminens wahren Werth, Wenige wußten, was wir wissen, wie Wilhelmine wegen Wenzel wagen würde, was Wenige wagten, wie Wilhelm!nens Wangen wachsbleich wurden, weil Wenzel Wilhelminens Werbungen widerstand. Wanda wurde wirklich Wenzels Weib, während Wilhelminens Wahrsagung, wilde Wallungen würden Wahnsinn wecken, wahr wurde. We'serwellen wurden Wilhelminens Wanderziel, wallende Wogen wälzten Wilhelminen weiter! Wenige Wochen weiterhin wurden Waschweiber', welche wollene Wäsche wuschen, wehklagend Wilhelminens Wiederfinder; wackere Waidmänner wollten Wilhelminen wiederbeleben, was wohlgemeint, wiewohl werthlos war. Wozu weitere Worte: Wilhelmine war weltentrückt. Wilhelminens Wohnung waren Wolken. Wiewohl wankelmüthig war Wenzel warmherzig. Wennschon Wanda Wenzel's Weib war. wennschon Wandas Wesen wo Wenzel weilte wohlthätig wirkte, wennschon Wenzel wenig widerstrebte: Wilhelminens Wassertod weckte wirkliche Wehmuth; Wilhelminens wegen weinte Wenzel, während Wanda wüthend Wenzel's Weichherzigkeit wahrnahm. Was wurde weiter? Wohl wissend, wie wüthend Wanda Widerspruchs wegen wurde, wagte Wenzel wenig Widerstand, wennWanda wilde Worte wider Wilhelminen wegwarf, was weltbekannt wurde. Wenn Wanda wüthete, weinte Wenzel, wenn Wenzel weinte, wurde Wandas Wuth wach, weil weibliches Wehgewinsel, willenloses, wankelmüthiges Wesen Wandas Widerwillen weckte. Wenzel wurde Wanda widrig, widriger, wie weinende Wimmerbrüder wohl wenigen Weibern werden. Wie's weiter wurde? Wie wollt's werden! Wochenwährendes, winseln--deZ Wehklagen weckte weibliche Wißbegierde welke Wäsche waschender Weiber. welche. Wuthausbrüche wüthender Wölfe wähnend, wachthabenden Wächtern winkten. Wenzel's Wohnungsthür wurde wohlerwogener Weise wie wieder Wehegeschrei weithin wahrnekzmbar war, wächterlicherseits weggeräumt; wiewohl Wanda wehren wollte, wurden Wand wie Winkel wahrgenommen, wobei wunderbare Wahrheiten weltbekannt wurden. Wanda wurde, weil Wenzel Wochenlang willenlos Wandas Wuthopfer war, wegen Widerspenstigkeit weiterbefördert, was wieder wahre Wuthausbrüche weckte, während Wenzel, Waschweiber wie Wächter wichsend, wie wehender Wind weg war. Westlich wandernd wurde Wanzleben Wenzels Wohnort, welcher Wilhelminen. warme Wünsche weihend. wackere Worte widmete, während Wanda welkende Wittwe wurde. Wen-, zel war Wilhelmine wahlverwandt, was Wanda wurde wer weiß Toh! wirkliche Wahrheit? Tie Dulderin. Herr Schwammerl hat es noch nie gewagt, in einer Versammlung das Wort zu ergreifen, fürchtend, daß seine Frau anderer Ansicht sein könnte. Endlich findet sich eine günstige Gelegenheit, ihre Anerkennung zu erringen! Triumphirend kommt er heim und erzählt, daß er in der Versammlulg des Vereins zum Schutze der Frauen" für die Frauenrechte gesprochen habe. Aber statt des erwarteten Lobes be- -ginnt seine theure Ehehälfte: Das will ich Dir 'mal zeigen für so 'nen modernen Blödsinn einzutreten! Was haben die Frauen zu herrschen oder zu verlangen Die Frau fordert nicht, die Frau herrscht nicht das Loos der Frau ist, zu dulden und zu gehorchen! Verstanden! Und wenn Du jetzt nicht gleich still bist, hol' ich den Besen und ... !" Zu viel verlangt. A.: Die Diagnose der Aerzte ist manchmal nicht einen Heller werth. Drei unserer Capacitäten haben schon vor fünf Jahren erklärt, ich hätte keine drei Monate mehr zu leben!" B. (Arzt): Dann sollten Sie sich schämen, daß Sie nocb am Leben sind." . Beim Provinztheater. Schauspieler (zum Director eiZ Provinztheaters): Herr Directo?, L$ bitte mir das Repertoir der nächsten Woche mitzutheilen!" ' Director : .Wozu?" Schauspiel: Damit if) weiß, was ich von r.::r.:r Carfcrtc: versehn kann!"
