Indiana Tribüne, Volume 21, Number 21, Indianapolis, Marion County, 10 October 1897 — Page 6

.Kalisöurgcr Romane. Die Familiengeschichte keines tuxo

$a&tn Fürstenhauses hat während 'htt !tztenJahrzehntes der ohronique scandaleiise so reichen Stoss gelie fert wie die der Habsburar. Wieder holt haben Angehörige dieses Hauses Verbindungen geschlossen, welche für ine Vertreter des Gottesgnaden thums" ein Greuel waren; um verboteuer Liebe Willen ist habsburgischis Alut geflossen und jetzt weih Frau fjama wieder von der Schließung mes LZHebündnisses zwischen dem voraussichtlichen Thronfolger und einem gewohnlichen Burgermadchen zu erzahXcn. Der Erz - Herzog Franz Ferdinand, Sohn des verstorbenen Erzherzogs Raxl Ludwig und Neffe des Kaifers Franz Joses, soll sick mit Fräulein Hußmann, der Schwester des Aachener - Tuchhändlers Hußmann, die er im Hause des Kanonenkönigs Ärupp in Essen kennen lernte, heimlich vermählt und dadurch sein Recht auf die Thronfolge verscherzt haben. f Y"y" Kaiser Franz Josef. Wie behauptet wird, fand die Ehe' schließung in aller Heimlichkeit in eier wenig besuchten Kapelle Londons statt, worauf das Paar eine Hochzeits--reise nach Algier unternahm, um unttz Myrthen- und Olivenbäumen die 'Mtterwochen zu verleben. Von Wien aus ist diese Nachricht bereits dementict und die Behauptung aufgestellt 'Zvorden, daß Frl. Hußmann von einem 'Schrmndler dupirt worden ist; andererseits fehlt es nicht an Versicherungen, daß die romantische Eheschließung .zwischen dem Erzherzog Franz Ferdinand und dem Bürgermädchen wirklich stattgefunden hat. Dadurch würde die Anwaltschaft auf den österreichischen .Kaiserthron auf seinen Bruder den .Erzherzog Otto übergehen. wch dem gewaltsamen Tode des Kronprinzen Rudolf, des einzigenSohxirs Kaiser Franz Joseph's, ging nach der Thronfolgeordnung der österreichisch - ungarischen Monarchie die Anroartschaft auf die Thronfolge auf den ältesten Bruder des Kaisers, den ErzHerzog Karl Ludwig, über. Er war der Präsumtive Thronerbe, führte jedoch als solcher keinen besonderen Titel, da dem Herkommen gemäß nur dem zur Erbfolge berufenen Sohn des Kaisers der Titel Kronprinz gebührt. Es wurde dem Erzherzog Karl Ludwig die Abficht zugeschrieben, daß er bei eintretendem Thronwechsel auf seine Ansprüche zu Gunsten seines ältestenSohnei, des Erzherzogs Franz Ferdinand .d'Este, Verzicht leisten würde. )b er diese Absicht gehabt hat oder nicht, mag dahingestellt bleiben, ist auch . egeuswndslos, denn er wurde vom ' 55ode abberufen und damit ging der 'Anspruch auf die Thronfolge von selbst .auf den Erzherzog Franz Ferdinand iüfcfr. Am 18. December 1863 geboren crali auch dieser nicht als ein wünschenswerther Thronfolger, da er an 'der Sckwindsucht leidet und sein geschwächt Gesundbeitszustand ihm so;ar verbot, die Repräsentationkpflichhn zu übernehmen. Unvermähli lebte .er seit längerer Zeit in stiller Zurückgezogenheit auf seinem Scbloß Kono--pischt in Böhmen. Sein Bruder Otto .iV ßW-:& ms. Viv.Vfc Erzherzog Franz Ferdinand. Franz Joseph ist am 21. April 1863 Qls Sohn des Erzherzogs Karl Lud:roig aus dessen zweiter Ehe mit de: 'verstorbenen Prinzessin Maria Annun clata geboren. Er ist ein schneidigem Soldat und mit der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen vermählt, welcher Ehe die Erzherzoge Karl und Max entsprossen. Das sensationellste Capitel in der Familiengeschichte der Habsburger, hat unstreitig der am 30. Januar 1889 erfolgt Tod des Kronprinzen Rudolf, der entweder von eigener oder vonMör'deihand fiel, zum Abschluß gebracht. "Am 21. August 1863 geboren, war .Nronpriz Rudolf mit' der belgischen .5Iou!zstcchterStefanie vermählt. Diese Ehe war höchst unglücklich und die .Kronprinzessin Stefanie soll ihren kaiserlichen Schwiegervater wiederholt um seine Zustimmung zu einer Treninnig gebeten haben, freilich vergebens. Kronprinz Rudolf selbst war angeblich iner Ehescheidung nicht abhold, da er sich mit der schönen Baronin Vetcera in rnorganatischer Ehe zu vermählen vunschte. In Meyerling trug sich die Äatastrophe zu, welche in dem gewaltsaniert Tode Beider culminirte. Von dem düstern Geheimniß ist der Schleier noch nicht gelüftet worden und wird dasselbe in aun Einzelheiten der Welt wohl auch nie bekannt werden. Genug, AronprinL Rudolf und Baronin Vet-

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cera wurden als Leichen gefunden. He ber ihren Tod gehen die Versionen aus einander. Während die Einen behaupten, die Dame habe auf ihren Geliebten den tödtlichen Schuß abgefeuert und dann Gift genommen, heißt es auf der anderen Seite, Kronprinz Rudolf habe selbst zum Revolver gegriffen,' nachdem sich seine Geliebte den Tod gegeben. Die Lippen der Wis. senden, welche mit den Details der düstern Doppeltragödie bekannt sind, bleiben auf Befehl des Kaisers Franz Josef verschlossen und die Welt kann sich daher nur in Vermuthungen über den Hergang ergehen. Nicht so erschütternd wie diese Tra-

godle. aber doch im höchsten Grade romantisch ist das Schicksal eines anderen Habsburgers, des Erzherzogs Johann. der seine Titel schließlich ablegte und sich Johann Orth nannte. Nachdem dieser sich bei dem Kaiser Franz Josef durch seine scharfe Verurtheilung vieler Mißstände mißliebig gemacht hatte, wurde er vom Hofe verbannt. Erzherzog Johann war aber nicht der Mann, zu Kreuze zu kriechen, sondern löste alle Verbindungen mit dem stolzen KaiserHause, indem er den bürgerlichen Namen Johann Orth annahm und sich mit der Künstlerin Emilie Stubel vermählte. Auf einem eigenen Schiffe unternahm das Paar eine Weltreise, von welcher es nicht zurückkehrte. DasSchiff mit allen lebenden Wesen an Bord soll Erzherzog Otto. auf der Fahrt von Valparaiso nach Buenos Ayres untergegangen sein. Weniger romantisch, aber doch recht pikant ist die Liebes- und Heirathsgeschickte des Erzberzoas 5einrick. des jüngsten Sohnes des verstorbenen ErzHerzogs Rainer, welcher sich in Graz in eine hübsche Choristin Namens ßofmann verliebte und sieb mit dieser vermählte, trotzdem Kaiser Franz Josef lym die Eingehung dieser Ehe aus das scir.x w ri . i r i . rr . n.ti. u;iujtyici?nic unicqagic. uzi oeilieoie Erzberzoa sekte sick mit leicktem Sinne g t j j rr - , , über dieses Verbot hinweg und machte t m m fc. m m vie secye Sängerin zu lerner Gemaylin. um bald darauf seines militärischen Ranges entsetzt und verbannt zu weroen. 'cacy verlaus meyrerer Javre lieft sick der Kaiser beweaen. den ErzHerzog wieder zu Gnaden auszunehmen. Das deutsche Lchrcrhcim. Nach langjährigen Arbeiten hat ein Werk, dem sicher aus allen deutschen Gauen die vollste Sympathie entgegengebracht wird, seine Vollendung gefunden: im schönen Schreiberhau inSchlesien hat die feierliche Eröffnung des deutschen Lehrerheims stattgefunden. Die Anregung, den minder bemittelten deutschen Lehrern eine Stätte der Erholung, geistiger und körperlicher Erfrischung nach- schwerer Berufsarbeit zu schaffen, ging von dem Hauptlehrer Winkler in Schreiberhau aus. DaZ LehrerheZm. und der Gedanke fand schnell zahlreiche Gönner und Freunde; er fand vor allem auch die thatkräftige Unterstützung des Kultusministers Dr. Bosse und des MinisterialdirektorsDr. Kügler. Beide Herren waren auch am Einweihungstag persönlich erschienen, und mit ihnen zahlreiche Vertreter der ganzen deutschen Lehrerschaft, die Vorstände des deutschen, des preußischen, des schlesischen Lehrervereins. Ein Mei st erfahre? nach der Vorstellung des kleinen Pepi. Verwahrung. Schnorrer: Den seligen Herrn Vater hab' ich gekannt, den seligen Herrn Grter hab' ich gekannt, sogar an den Herm Urgroßvater kann ich mich enr.ncrn und " Baron: Genug! üelern Se mir nich fortwährend auf mmcm tammbaum rum." In der Schule. Lehrer: Das Schaf gibt, uns die Wolle, aus der Wolle werden Stoffe gearbeitet, aus den Stoffen lassen wir uns Kleider anfertigen. Nun sag', Hans, woraus d?nn Dein Rock gemacht worden?" Hans: Aus'n Vater sein? Hosen!"

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Stammtisch-ScschZchten. (Sächsisch.) Ja, verehrte Freinde, Neid un' Miß gunst sein der Fluch, der sich den wah ren Ginstler an de Färschen heftet ! Da weeß ich ä Liedchen dervon zu singen. Ee Mal gaftirte ich in Bärne, 's war in meiner Glanzrolle, als Richard der Dridde, von Schäksbiehrn. Im fimften Acte liege ich Sie da in mein Zelt auf ä Feldbedde un' gann geen Schlaf finden, weil de Geister von alle de Ferschden un' Edelleite, die 'ch um de Ecke gebracht habe, eegal bei mir voricwerziehn. Währenddem ich nu' so auf mein Bedde rumwiehde, erdeent draußen eene Schlachtfanfare. Mei Heer tritt in Schlachtordnung an. ich fahre in de Heehe un' stärme naus in's

Freie un' so weiter. Na. das werkt ja nu' sehre scheene Wenn's klappt! Aber Keil die verfluchten Gerle von Drombedersch merschdendeels geene ordentliche Fanfare blasen geen, nahm ich an dän Dag mein Gunden vorsicht'gerweise noch ä mal grindlich her un' feif'n ooch noch selwer enne Fanfare vor! Der Gerl-meent noch, nu' wißt' er'sch, nu' geent' er Abends seine Sache schon machen, un' ich verlasse mich also ooch auf das ehrliche Gesichte von den Spitzbuben, un' de Vorstellung fängt an. - Alles ging famos, 's Bubligum war reene wegk vor Begeisterung. Solche Triumfe hadd' 'ch noch nie im Läbcn gefeiert! D'r dicke Vergemeester war gans aus'n Heischen un' schrie un' drambelte mit sein' Plattfießen, dah d'r Galk von de Decke fiel. Nu' gam d'r große Momang: de Geister sein ähm voriewergezogen, ich liege rechelnd un' mit verdrehden Oogen auf mein Feldbedde un' laure auf de Fansare. Härnse, was erdeent da auf eemal ! ? Gott Strambach: Gu der Mond du geh eh ehst so sti il le ..." 's Bubligum raste vor Vergniegen ! Ich aber, in d'r Wuth springe auf, renne in de Gulise un' haue den ahlen Doffel von Drombeder de Drombl,de aus'n Maule, daß ee baar Backzähne dabei fleeten gingen! Hatte so ä lieber Gollege, so ä elender Neidhammel, mir den Schabernack ahngedahn un' den Drombeder mit ä Fimsneigroschenstickchen bestochen! Natürlich war da Stick damit ze Ende un' mein Gastspiel in Bärne ooch. Jwerhaupt die Heemdicke von d'n Gollegen!" Im Schminken hadde ich Sie enne ganz besondere Forrsche. Da brauchte ich Hernachens gar nich' mehr in n' Spiegel ze seh'n. Das ging Alles nach'n Gesiehle: Den Zeegesinger un' den Middelfinger 'nein in 'n Schminkdopp, ä Dobbelstrich de Mundwinkel 'nunter, ä baar Striche um de Oogen, un's Garackderbild war fert'g, mocht's nu' ä Geeniz, ä Beesewicht. ä Reiber oder sonst was sein. Jn'n Finstern gonnt'ch so änne Maske fert'g bring;n. Na, eemal mache ich fer'n Franz Moor zerrechde, 's war de heechste Zeit, de Lampen waren noch nich' alle angesteckt, das machte aber nischt, ich gonnt's ja in Dunkeln. Also 'nein mit dem Finger in'n Schminkdobb, de Striche gemacht un' 'naus auf de Biehne! Gott Strambach, ich denke doch, d'r Deifel is los: bei'n Bubligun, ä Gebrille. als müßte 's Dheader zesammbrechen. Ich gucke mich um. was denn de Heidergeid so erregt awer, da is nischt zu seh'n! Un' das Gebrille un' Gelächter dauert fort. Schließlich mußt''ch den Vorhang fallen lassen. Ich rufe meine Leite zesamm' wieder allgemeine Heidergeid! Auf eemal hält m'r Eener 'n Spiegel vor un' dadraus guckte m'r ä Gesichte wie von ä Siedsec - Jnselaner entgegen gohlschwarz dädowirt! Hatte mir Eener d'n Schminkdobb weggenommen un' heemlich ä Dobb mit Stiebelwichse dervor hingesetzt, was ich in d'rRahsche nich' bemerkt htte. '

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Wenn 'ch 'n Getz von Berlichingen gab, da war 's Haus allemal ausve:gooft! Meine Auffassung d'r Roll: war 'ne ganz realistische, wie sich's fer so ennen ahlen, handfesten Ridder gegeheerd, der de Alles gleich gorz un' gleene schlägt mit seiner eisernen Faust. Diese Faust hatt' 'ch m'r selbst gonstruird un' mit ä Riemen ahn de Han) geschnallt. Den greeßten Effect macht immer de Scene, wo 'ch vor Gericki stehe un' mit d'r eisernen Rechten de Disch-Ecke 'runter haue. Damit die nu' gleich 'nunterfällt 'un nicht etwa hängen bleibt, war se erscht abgesägt un' mit ä baar Stiftchen wieder befestigt, so daß se bei'n erschden Schlage abgeh'n müsste. Bisher war Alles immer gut abgeloofen, un' 's Bubligum hatte eegal meine Graftleistung bewundert. Wie ich aber eenes Abende wieder vor meine Richter trete un' mit wucht'gen Schlage auf de Dischecke loshaue, bleibt die feste sitzen, von meiner eisernen Hand blatzt aber d'r Riemen, mei' Gunstwerk fällt auf de Biehne un' meine richt'gc Hand gommt ze Vorschein. Um's Unglick nu' vollständ'z

ze machen, stürzt ooch noch de endgegengesetzte Ecke von'n Dische, auf die 'ch gar nich' losgeschlagen hadde, aus de Erde. D'r Disch war Se nämlich vergehrd aufgestellt worden! Radierlich wieder so ä Freindschaftsstickchen von ä gekränkten Gollegen. der m'r de Lorbeerblädder aus mein' Ginstlergränze pflicken wollte. D'r erschte Stern unter meinen Bersonale war ä Freilein Eifrosiehne Bippig, de sendemendale Liebhaberin. Mehrschdendehls verwandte ich se in Zauberstickchen als Fee, weil se wertlich ä bildhibsches Frauenzimmerchen war. Desterwegen hatte se ooch wo m'r Hingamen gleich änne Masse Verehrer. Ans vollsten war ä junger Referendar in se verschossen. Der gam sogar zu se hinder de Gulissen, was eegentlich strenge verboden war. Eemal gab'n m'r wieder ä Zauberstick un' Freilein Bippig saß oben ieber d'n Soffitten in ä Wolkenwagen, um später in Schlußdabloh auf die Biehne 'nunter ze fahren. Nadierlich war mei' Referendar wieder bei se, un', da 's oben ä biscyen dunkel war, saßen die beeden verliebten Leitchen in zärtlicher Umarmung im Wolkenwagen un' ab un' zu heerte m'r so ä Gereisch, was wie ä Guß glang. Ich gönnte ähm nischt dergegen sagen, weil de Bippig'n meine beste Zuggraft un' der Referendar Abonnende war un' noch derzu ieber ennen großen Wechsel verfiegde. Jber all de Zärdlichgeed vergaßen de beeden aber 's Stichword, un' nu' gam de Gadastrofe: D'r Wolkenwagen raste 'nunter auf de Biehne, d'r Referendar gönnte nich' schnell genug mit seinen langen Beenen von d'rBiehne weggommen, blieb an eener Wolke hängen un' stärzde der Länge nach hin! Na, das war nu' was fer'sch Bubligum! Bei der zweeten Auffiehrung von dän Stick drillte Alles: Referendar, der Referendar heraus!" bis ich vortrat un' erglärte, daß der leider zu erscheinen diesmal verhindert sei. Y Q 0 M Mei' bester männlicher Ginstler war Gennig. Wenn der 'n Margih Bosa gab. da war'n de Weibsen ganz des Deifels. Da war balde gee Halten mehr, daß se nich auf de Biehne gehubbd un' Geenigen um den Hals gefallen war'n. Geenig war nich alleene ä großer Ginstler, nee ooch ä scheener Gerl. Aber aber er hadde ä großes liebebedärftiges Herze un' machde allerlee Fisemadenden, die 'n Uhnannehmlichgeeden einbrachden. Ee Mal macht 'r eener hibschen jungen Fleeschersfrau de Gour. 's war Sie ä abbedietliches, nettes Frauchen, un'- fer Geenigen war de Liebe mit ihr außerdem sehre einträglich, denn 'r schlebbde manche Worscht un' manches Schinkcnbeen mit derheeme. Aber d'r Fleescher mußte nachgerade Lunde gerochen hamm, denn 'r sagde eenes scheenen Dages ze seiner Frau: Wechtde, Baulinichen, morgen muß 'ch verreesen un' Fettschweine goofen. 'S werd' wohl sehre späte wär'n, ehe ich wieder derheeme bin, denn de Wege sein alleweile schlecht von den vielen Regen." Na, sei gutes Baulinichen war greizvergniegd un' holte sich ooch gleich ihren Geenig. Nu' saßen denn de Beeden zesamm aus'n Sopba un' Geenig lieb eigelte mit eenem Ooge nach der hibschen jungen Frau, die ahn sein'n Halse hing, un' mit 'n andern nach d'r schecnen Worscht. die aus'n Dische stand. Mit ee Mal steht d'r Fleeschermeester in d'r Diehre! Geenia un' de I junge Frau Meestern sein starr vor

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Schrecken! Mei' guder Fleeschermeester aber hat doch in d'r Rahsche seine Beitsche auf'm Wagen stecken lassen, ooch sein Stock nich bei d'r Hand, aber

er weeß sich ze helfen: Wubb springt 'r in 'n Laden, reißt eene lange, harte Servelatworscht runter un' bearbeidet meiri'n Geenig dadermit, daß es nur so änne Art hatte un' Geenig'n seine Nase beinah selbst wie eine ServelatWorscht aussah. Awer als Ginstler war er groß un' brachte m'r viel ein. Un' doch mußt 'ch 'n wegschicken! Un' das gam so : Ich hadde damals mei Garlinichen, meine dridde Frau, geheirathet. 'S war Sie ä eenziges Frauenzimmerchen, wie ä Borschdorfer Aebblichen so frisch un roth. Nadirlich war bald mei Gee nig wie d'rDeifel hinder de arme Seele hinder mein Garlinichen her. Ich baßde nu' auf wie ä Hefdelmacher, gönnte aber lange nischt weise kriegen. So verging ä ganses Weilichen. Endlich addrabbirt' 'ch 'n mit ihr. Nu hadde Geenig bei mir eene sehr hohe Gage, wechentlich vier Dhaler eegentlich ä Sindengeld! Eee paar Dage nach meiner Entdeckung war Gagedag. Mei Geenig gommt zu mir aus's Biro un' stellt sich so recht unschuldig vor mich hin. Ich zähle ihm de Gage aus'n Disch, aber anstatt vier Dhaler bloß dreie, un' das in lauter Zweeneigroschenstickchen. Warte, dachte 'ch, hast de mir ä Bossen gespielt, spiel ich d'c ooch eenen! Herr Director," sagt da Geenig in enner Margih-BosaStel-lung, ich muß mich sehr wundern, daß Sie mich in dieser schnöden Münze auszahlen! Uebrig'ens fehlt ein , Tbaler daran!" Härnse, nu' war Sie awer meine Geduld beinahe erschepfd. Ich mußte mich mit Miehe zesamm nehmen, am liebsten hätt 'ch 'n zermeeschelt. Geenig." sagt 'ch, ich habe dorch'Z Schlisselloch geguckt, wie Sie mit mein' Garlinichen allerlei Faxen gemacht haben, wie Se sehre zärdlich mit se ocworden sein, wie Se mein Garlinichen umarmt un' gegißt haben! Das Alles habe ich dorch's Schlisselloch gesehn ! Daderfor ziehe ich Se heite eenen Dbaler ab. Bassirt m'rsch noch ä Mal. gost's zwee un's dridde Mal wär'n Se zum Deifel gejagd. Verstehn Se mich?!" 'S dauerde ooch nich lange, da mußt 'ch 'n zwee Dhaler abziehn un' endlich fortjagen. - - Geenig'n sein Nachfolger war ä gewisser Honigmann. Er hadde änne zu große Gehle un' alle algoholische Flissiggeedcn ru4schden bei ihm nur so nunter. Manchmal konnt'? gaum grade auf der Biehne stehn un' daderbei bassirten denn allerlee Unzudräglichgeeden, wie m'r gleich seh'n wär'n. Er war ooch Sänger. So sang 'r den Gasber in'n Freischitz. War Geenig nu' zu zärdlich mit mein Garlinichen gewäs'n. so war Honigmann 'u grob gegen se, ja gradezu gift'g un' unverschämt. Un das siehrte endlich zum selben Resultat, wie bei Geenigen ich mußt'n entlassen. Ee Mal, als m'r 'n Freischitz gab'n, sitzt Sie so ä ahler Vauernrungs mit seiner Ahlen unten im Bargett. 's war de letzte Vorstellung in d'r Säsong. so Anfang Juni, de Hei-Erndte hatte schon angefang'n. Nu' hatt'ch m'r enne wunderscheene Donnermaschine gonstruird. 's war reene, als ob m'r wirklichen Donner heerte. In de Wolsschluchtscene lasse ich also meine Donnermaschine arbeiten. Mit ee Mal schreit d'r ahle Vauerndoffel mit in's Stick: Mutter, Mutter, unser Hei! 's gommt ä G:-widder!-Wie d'r Deifel aus d'r Schnubbdabaksdose hubbd'r in de Heehe, ieber alle Menschen weg, 'naus ging's, seine Ahle Hinderher. Das war nu' eine große Steerung, awer 's sollte noch schlimmer gommen. y ' -mtfg' aorrßxuc. Mein Honigmann gießt ruhig seine Freikugeln un' macht allen Zauberspuk mit, nur, daß 'r wieder ä mal bedenkhin und her wackelte. Aber als de wilde Sau ieber de Biehne gerannt gommt un' das Feier ihr Maul un' Risse! heraussprieht, springt Honigmann auf ee Mal in de Hehe, macht vor d'r wilden Sau enne tiefe'Verbeugung.' zieht 'n Hut ab bis auf de Erd: un' sagt so laut, daß es alle Leite im Zuschauerraum Heeren genn': Ek, scheenen guden Abend ooch, meine verehrdeste Frau Dircctor Bibberlingen! Wo woll'n S'n heite Abend noch so späte hin? Wenn Se sich nur nich am Ende in d'r feichden Nachtluft vergieblen un' ä Schnubben holen!" Na, den Deebs genn' Sie sich vorsteller..

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Nadierlich gab'ch meinen Honigman noch denselben Abend sein' Loofbaß.

Mit Pulver nud Blei. Das Schreckgespenst des Südens, der aefürchtete Vellow Jack", hat sich in verschiedenen Städten am Golf von Mexico gezeigt und in den Staaten Mississippi, Alabama, Louisiana und Texas zu der Etablirung der rigorosesten Quarantäne - Maßregeln geführt. Mit drei oder vier Ausnahmen hat jede Stadt, jeder Flecken und jede Ansiedlung in den genannten Staaten Schutzmaßregeln gegen die Einschleppung der gefürchteten Scuche getroffen und aller Verkehr mit dcn inficirten Städten New Orleans. Mobile. Biloxi.Scranton. OceanSprings, Edwards, Perkinson sowie Pascagoula hat aufgehört. Ohne Ansehen der Person wird Jedermann, der aus cinem der genannten Plätze kommt, an der Grenze von Texas angehalten und zurückgewiesen. Jeder Weg wird von Bewaffneten bewacht und ein versuch, diese mit Pulver und Blei ausgeübte Quarantäne zu brechen, würde für den Betreffenden sichern Tod im Gefolge haben. In Texas wird nicht einmal das Durchreisen vonPersonen, die aus den inficirten Orten kommen, gestatQuarantäne - Porten, tet. Zvährend man in Alabama und Mississippi dies erlaubt; allein auch in diesen Staaten darf Niemand einen Eisenbahnzug auf einer Zwischensta tion verlassen. Ueberall befinden sich die Bewohner auf Wache, um die gefürchtete Seuche fernzuhalten und ohne Erbarmen wird Jeder über den Haufen geschossen, der die-Demarkations-linie zu überschreiten wagt. Die Stadt Natchez hat um ihre Grenzen einen Cordon gezogen, den außer den Natchez Rifles" 500 Bewaffnete bilden und den Niemand passiren darf. Weder politischer noch gesellschaftlicher Einfluß ist stark genug, um diesen Cordon zu durchbrechen, ja seit Etablirung'der Quarantäne hat man dort nicht einmal das Abladen von Fracht aus den Eisenbahnzügen und Dampfbooten gestattet. Halten die Vrovisionen vor. so bleibt Natchez der AußenWelt verschlossen, bis entweder mit dem Eintritt von Frost die Ansteckungsgefahr schwindet oder das Erlöschen der Seuche selbst constatirt ist. Occan Springs wird in gleicher Weise c.us das Strengste bewacht und Niemand hinein- oder hinausgelassen. In Bilori ist es womöglich noch schlimmer, denn während die ganze Stadt gegen die Außenwelt abgesperrt ist. hat man am Orte selbst über den inficirtenTheil noch eine besondere Quarantäne verhängt und dort sind die Kranken und Verdächtigen untergebracht. V:Z jetzt hat diese Quarantäne mit Pulver und Blei nirgendwo verhängnißvolle Folgen nach' sich gezogen, nur in Natchez wurde von den Wächtern auf 'eute, welche die Demarkationslinie g'; überschreiten versuchten, zcfennt, doch scheint Niemand den Kugeln zum Opfer 'gefallen zu fein. In Verlegenheit. . Schutzmann: Hier in dieser Straße ist das Fahren verboten, steigen Sie sofort ab!" Radfahrer: Ich heiße Meyer, Her? Schutzmann und wohne Tulpenplatz No. 277. Schicken Sie mir meinetwegen ein Strafmandat aber blamiren Sie mich nicht ich kann nicht aufsteigen, ich kann nicht absteigen ich kann nur fahren!" DieseSchwiegersöhne! A.: Ihre Schwiegermutter ist ja, wie ich höre, so gefährlich krank." B.: Kttrnk ist sie wohl, aber gefährlich ist sie nur, wenn sie gesund ist." Zwingender Grund. Hast Du bei der gestrigen ergreifenden Predigt auch geweint?" Ach, ich durfte ja nicht mein Schleier färbt ab!Gemüthlich. Aufgeweckter Arzt: Was fehlt Ihnen denn, daß Sie so wahnsinnig an der Klingel reißen?" Uns fehlt der dritte Mann zum Scat. Wollen Sie vielleicht ein paar Stündchtn mitkommend" JnderOrdination. Professor: Sie müssen sich streng nach meinen Anordnungen richten, sonst stehe ich für nichts. So z. V. müssen Sie täglich Morgens ein kaltes Bad nehmen." Patient: Das thu' ich, Herr Professor, seit zehn Jahren." Professor: So? Dann müssen Sie von morgen ab aussetzen!" ' Anders gemeint. Tochter: So oft ich mit unserem Chambregarnisten spreche, drückt er mir die Hand. daß sie mich schmerzt. Sollte ich ihm nicht gleichgiltig sein?" Mutter: Kind, laß Dich nicht täuschen. Er will Dir nur die Finger zerstauchen, damit Du nicht mehr Klavier spielen kannst!"

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Nach berühmtem Muster. Von A. Tolster. Sah die Frau ein Hütlein steh'n, Hütlein ganz aus Seiden, War so nett, modern und schön. Lief gar schnell es nah zu seh'n. Sah's mit vielen Freuden! Hütlein, Hütlein, Hütlein roth Hütlein ganz aus Seiden! Ach wie stünd mir zu Gesicht s' Hütlein ganz aus Seiden!

Sprach der Mann: Ich kauf' es Ist zu theuer die Geschicht' Thekla, sei bescheiden! Laß das Hütlem, Hütlein roth Hütlein ganz aus Seiden! Doch sie fragt dem Preise nach Von dem Hut aus Seiden: Fünfzig Mark" der Kaufherr spr-'ch; Half ihr doch kein Weh und Ach Mußte trauernd scheiden Ohne Hütlein, Hütlein roth Hütlein ganz aus Seiden! Die Tugend muh siegen. (Berliner Gerichtsscene.) Wenn mir nochmal Eeener mit Menschlichkeit und Jefälligkeit kowmt, denn sage ick: Jehn Se man lieber Baden! Undank is ja immer der Welt Lohn, det hat mir schon meine Jroßmutter jelernt!" So philisophirte der Schraubendreher August Fröhlich, der sich mit dem SchneiderHermann Frohlich wegen Leichenfledderns vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 1 zu verantworten hatte. August Fröhlich verfügt über eine treuherzigeMiene und große Veredtsamkeit. Er schilderte mit dem Tonfall des echten Biedermannes seine Abenteuer, die der Anklage zu Grunde gelegt waren, wie folgt: Was hier mein Vettev is und ick, wir jingen in jene Nacht aus 'ne sehr jebildete Versammlung zu Hause. Wie wir nach de Langestraße No. 107 kommen, sagt Hermann zu mir: Seh' mal, da liegt Eener quer uff'n Astfafc!" Richtig: da lag Eener. Der Mensch that uns leid, wir hatten Mitgesühl mit ihm, weil er wie 'ne Padde da lag un dadrum sagte ick: Hermann, faß Du ihm unter, den eenen Aermel, ick hebe ihm unter den andern, wir müssen ihn zum Stehen kriejen! Wir hatten ihn ooch bald uff de zwee Beene, ick machte ihm mein Compelment un sagte zu ihm: Männeken, Sie haben sich woll jeirrt, hier is keene Schlafstelle zu vermiethen! Ick war sojar noch so anständig un lange ihm seinen Stock un seine Streichholzschachtel von de Erde uff, mit eenmal aber wurde der Mann komisch, denn er sagte: Kinder, Ihr habt mir ja meine Uhr jestohlen, jebt se mir man wieder!" Präs.: Na. ganz so gemüthlich wird es wohl nicht hergegangen sein." Angekl.: Janz so. wie ick et hier sage, is et jewesen. Wir dachten erst, er macht Spaß, un dadrum sagte ia: Sie sind woll brustkrank? Machen Se man keene Zicken! Der Mann bleibt abev dabei un det muß ecn doch vom StandPunkt der Menschlichkeit ärjern. Ick sage also janz ruhig un janz anständig zu ihm: Sie Quajselkopp. Sie sind ja eigentlich werth, det ick Ihnen wieder uff'n Astfalt leje! Zum Jlück jing aber jrade . en Schutzmann vorbei. Präs.: Hat der nun Ihre Schuld festgestellt? Angekl.: Er meente.. et würde woll am besten sind, wenn wir ihm nach dev Wache folgen thäten. Präs.: Das glaube ich, denn Sie sind von da gleich in Haft gewandert. Angekl.: Der Jerechte muß ja immer leiden. (Elegisch): Ick befleißige mir seit 18 Jahren eines sehr jeehrten Lebenswandels. Ick mache jetzt wirklich so wat nich mehr. Sehn Sie, jeehrter Herr Jerichtshof, Allens frühere is in meine Jugend jewesen. da hat blos meine Erziehung dran schuld, aber jetzt habe ick en Grünkramjeschäft mit Rolle un en Hundewagen! Präs.: Es ist richtig. Fröhlich, Sie haben sich seit IS Jahren straflos gehalten, bekanntlich ist aber die Verführung sehv groß. Angekl.: Jeehrter Herr Jerichtshof. ehe ick meine Hand nochmals nach fremdes Jut ausstrecke, lieber verpflichte ick mi den Nordpol zu entdecken. Der Mann, was der Kellnev Hanff is. scheint ja ein Künstler im Bestohlenwerden zu sein, denn er sagte uns jleich: Ick weeß mit so wat Bescheid, det is de siebente Uhr, die mir uff die Weise jestohlen wird! Präs: Fröhlich, es ist nur böse, daß Sie schon wegen Taschendiebstahls bestraft sind. Angekl. (treuherzig): Det war meine dumme Kindheit, davon is mir's Jedächtniß janz'jeschwunden. Präs.: Einmal ist es auch ein schwerer Diebstahl geWesen. Angekl.: Verzeihen Se, et war zwar en schwerer Kasten, aber der Diebstahl war man blos en leichter. Die Beweisaufnahme ergab wirklich die erstaunliche Thatsache, daß der Belastungszeuge. Kellner Hanff, schon sieben Mal durch Leichenfledderei um seine Uhv gekommen sein wollte. Gegen die Angeklagten lag-zwar ein dringender Verdacht vor, der Gerichtshof vermochte aber doch nicht ihre Schuld für voll erwiesen anzusehen und erkannte deshalb aus Freisprechung. Das biedere Gesicht von August Frihlich nahm den Ausdruck noch größerer Biederkeit an und er quittirte dankend mit der Bemerkung: Det habe ick jleich jewußt. Tugend muß immer siegen, ick hebe aber Keenen mehr von't Astfält uff!" Im Eifer. Kunde: Wohl habend ist die Familie jedenfalls nicht; U war nicht einmal Silberzeug auf dem Tische!" Heirathsvermittl:r: Erlauben Sie, das kann versetzt sein!". Rom Exercierplatz. Un lerofskie" (nach dem ersten Dr'.5en do Nekruten): Na. Leute, jetzt m-.rit Jbr erst so recht: Civilist zu sein ist kein Kunststück!- . . .