Indiana Tribüne, Volume 21, Number 21, Indianapolis, Marion County, 10 October 1897 — Page 2

Der ßinvrcchcr.

Von G. P. Harro w. ' Ezra Timmins war ein kräftiger Mann von 40 Jahren, der 15 Jahre in dem großen Geschäfte von Ham, Bacon. Lard & Co. Buchhalter gewesen war. Er hatte mit seiner Frau 10 Jahre in demselben Hause in der Eddy Street gewohnt und hatte sich Geld gespart, denn seine Bedürfnisse Karen mäßig, seineVergnügungen einfach und seine Passionen gering. Seine Vergnügungen bestanden in einer gelezentlichen Whistpartie, bei der F?a Timmins stets sein Parwer war. Doch er hatte auch Sorgen und zu diesen gehörte in erster Reihe eine maßlose Furcht vor Einbrechern, und eine Rumpfe Angst, seine Nichte und Mündel. die hübsche Constanze Timmins, die einzige Person in seinem Hause, könne sich schließlich an einen unnützen Menschen wegwerfen und ihn heirathen. Um sich vor Einbrechern zu schützen, fjatte er eine Bekanntschaft mit einem Polizeibeamten angeknüpft, dem er für den Fall, daß es ihm gelänge, einen Einbrecher bei der That zu ertappen, wahrhaft fürstliche Belohnungen in Aussicht gestellt hatte. Er hatte eine Alarmglocke in seinem Schlafzimmer und eine Vogelflinte, aus der Frau Timmins. aus Furcht, er könne sich selber erschießen, regelmäßig die Paironen herauszog. So manche schlaflose Nacht schlich er im Dunkeln um sein Haus herum und suchte einen Eindringling, dessen Schritte er gehört zu haben glaubte. Er las alle Artikel in den Zeitungen, die von Einbrechern handelten, und überraschte seine Frau und Nichte durch seine Kenntniß der verschiedenen Einbruchsmethoden. Er brachte sie zur Verzweiflung, wenn er ihnen tagtäglich zehnmal erklärte, er wäre vollständig darauf gefaßt, eines Morgens beim Erwachen das Haus ausgeraubt und Constanze ermordet zu finden. Constanze war ein liebenswürdiges Mädchen, die Tochter eines älteren Bruders von Ezra Timmins, der nach Jamaica gegangen, dort eine Vflanzung gekauft, das gelbe Fieber bekommen und mit Hinterlassung eines ausgedehnten Besitztums gestorben war. Sie war etwas kokett und hatte einen ganzen Hofstaat von Anbetern, die ihrem Onkel oder ihrer Tante aber nur selten gefielen. Waren sie jung, so sagte Önkel Ezra, sie wären Grünlinge" und sollten nicht ohne Kinderrnädchen ausgehen; waren sie dagegen alt, so meinte er, sie gehören in die Altersversorgungs - Anstalt. Constanze lachte über diese Reden, und wenn ihr Onkel dem oder jenem das Haus verbot, so traf sie ihn einfach anderswo. wenn sie sich gerade für ihn interessirtc. Unter den wenigen Bewunderern, die man nicht gut dem Kindermädchen anvertrauen konnte, befand sich der Oberst Pitblado. Er hatte Constanze in einer kleinen Gesellschaft kennen gelernt, und ihre Schönheit und Lebhaftigkeit hatten Eindruck auf ihn gemacht. Mit seiner gewöhnlichen Umficht hatte er sich nach ihrem Vermögen erkundigt, und aus der Ausdauer, mit der er sich um ihre Gunst bewarb, konnte man ersehen, daß das Resultat dieser Erkundigungen befriedigend ausgefallen war. Zu seinem Leidwesen lud ihn Consianze nicht zu sich ein. sondern bat ihn dielmehr, augenblicklich nicht zu komxien. Sie sehen, Oberst Pitblado.- sagte sie. ich interessire mich für Sie, und darum möchte ich Sie nicht verlieren. Mein Onkel aber, der sonst der beste Mensch von der Welt ist. hat eine Antipathie gegen die Leute, die mir ihre Huldigungen darbringen. Ich bin überzeugt, wenn Sie in. unser Haus kämen, er würde sich mit Ihnen zanken, und mit unserer Bekanntschaft wäre es aus." Der Oberst schmollte, doch es ließ sich nichts dagegen machen. DaS einzige Zugeständniß. das Constanze machte, bestand darin, daß sie einmal in der Woche die Thür offen lassen wollte, nachdem ihr Onkel zu Bett gegangen war, der Oberst konnte dann hereinkommen und sich mit ihr ein paar Minuten in dem dunkeln Eßzimmer unterhalten. Der Oberst machte sich diese Erlaubniß zu Nutze und so saßen sie eines Abends in dem Vorzimmer. Conftanze erzählte eben mit leiser Stimme, welche furchtbare Angst ihr Onkel vor Einbrechern hätte. Ist er denn jemals beraubt worden?" fragte der Oberst. Ich glaube, als er noch Kind war, brachen Diebe in das Haus ein, in welchem er lebte, und einer der Bewohner wurde getödtet. Er erwachte von dem Knall eines Schusses und hat den Schreck niemals überwunden." Dann begreife ich auch seine Angst versetzte der Oberst. Es ist auch etwas Furchtbares, mitten in der Nacht mit einem Manne zusammenzufioßen, den man nicht sehen kann und der alles zu gewinnen und recht wenig zu verlieren hat, wenn er einem das Leben nimmt." Oh!" rief Constanze, schon der Gedanke erfüllt mich mit solchem Entsetzen, daß ich jetzt vor Einbrechern ebenso große Angst habe, als mein Onkel. Ich glaube, wenn ich einen in meinem Zimmer sähe, ich stürbe vor Angst." Ich hoffe, daß dies nicht der Fall sei wird." versetzte der Oberst, aber auch ich würde über eine solche Begegnung nicht gerade erfreut sein." In diesem Augenblick machte sich draußen an der Tbür des Eßzimmers ein leises Geräusch bemerkbar. Die beiden Liebenden lauschten und hielten angstlich den Athem an. Die Diele knarrte und nach einer kleinen Pause dernabmen die scharfen Ohren des Obersten einen leisen Schritt auf der

Diele des Raumes, in dem sie sich befanden. Es war sicher eine dritte Person im Zimmer. Diese Person schlich langsam näher und blieb von Zeit zu Zeit stehen, um zu lauschen, ob sich auch Niemand regte. Das war sicher der lang erwartete Einbrecher. Constanze fiel auf dem Sopha lautlos in Ohnmacht. Der Oberst, dessen Kampfinstinkte erwacht waren, sprang auf und schlich leise auf den Eindringling zu. den er nicht sehen konnte. Nur des Schurken Athem konnte er hören, und das veranlaßte ihn, den seinen anzuhalten. Er hätte Tausende um eine Waffe gegeben, doch nicht einmal sein Stock war ihm erreichbar. Er mußte sich mit seinen Fäusten begnügen, während der Verbrecher jedenfalls Pistol und Messer bei sich führte. Während ihm das noch durch den Kopf schoß, kam des Einbrechers Fuß in Berührung mit einem Stuhl. Der Oberst zögerte nun nicht länger, sondern sprang mit einem Satz auf den Eindringling zu. Er war direkt auf ihn losgestürzt und hatte ihn bei dieser Gelegenheit direkt auf die Erde geworfen. Dann packte er ihn mit beiden Armen und setzte sich auf ihn. Der Einbrecher versuchte, sich zu befreien, wahrscheinlich um von seinem Messer Gebrauch zu machen, doch der Oberst.der jetzt um sein Leben kämpfte, ließ nicht nach. Als der Kampf schwächer wurde, beugte sich Pitblado über den Einbrecher und flüsterte ihm zu: Schurke! Wenn Du Dich nicht ruhig verhältst, so ziehe ich mein Messer und stoße es Dir durch die Rippen. Nur eine Bewegung und Du bist ein todter Mann." Der Einbrecher erwiderte keinWort, nur Pitblado's Ohren glaubten einen schweren Seufzer zu hören. Trotzdem nahm er noch immer nicht die Hände von der Kehle des Verbrechers fort, sondern überlegte, was er thun sollte. Er dachte daran, um Hilfe zu rufen, doch dann hätte er seine Anwesenheit in diesem Hause erklären müssen, und Constanze wäre compromittirt gewesen. Das ging also nicht. Uebrigens vermuthete er, sie hätte sich in ihr Zimmer geflüchtet, während sie ohnmächtig aüf dem Sopha lag. Was sollte er thun? Sollte er die ganze Nacht aüf dem Einbrecher sitzen bleiben? Während er sich noch fragte, was zu thun sei, stieß der Mann unter ihm ein dumpfes Stöhnen aus. Der Einbrecher bewegte die Lippen und murmelte schließlich: Wenn Sie mich loslassen, dann zeige ich Ihnen. ..." Ja. das glaube ich," versetzte Pitblado und hohnlachte, Sie würden uns schöne Dinge zeigen, Pistolen und Messer. Doch nein, ich werde Ihnen die Pforte zum Jenseits zeigen." Der Oberst hörte wieder einenSeufzer, dann fuhr der Mann fort: Ich zeige Ihnen. . . ." Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß ich nichts sehen will?" Gehen Sie wenigstens von meiner Lunge herunter, damit ich Athem holen kann." bat der Einbrecher. Ja, ja, Sie würden so tief Athem holen, daß Sie mir bei der Gelegenheit ein Messer in die Brust stoßen. nicht wahr? Ich danke! Ich denke eben darüber nach, wie ich Sie um bringen soll." Oh. oh, oh!" kam es von dem an der Erde liegenden Körver. Was Sie für ein unlogischer Mensch sind," meinte der Oberst, wie können Sie sich nur einbilden, ich würde Sie am Leben lassen!" Schonen Sie mein Leben!" stöhnte der Einbrecher. Wie käme ich dazu?" Ich ich zeige Ihnen auch, wo das Silberzeug liegt." Das wollten Sie thun?" fragte der Oberst erstaunt. Das thue ich. ich gebe Ihnen mein Ehrenwort darauf." Aha." versetzte Pitblado. Sie wollen theilen. Nein, das geht nicht." Ja, was wollen Sie sonst?" Was ich will?" gab der Oberst zurück, nun denn, Sie sollen nicht einen Zahnstocher behalten." Nehmen Sie sie alle, nehmen Sie sie alle. Nur lassen Sie mir Constanze's Taufbecher." Wahrhaftig!" murmelte Pitblado, Sie sind ein recht romantischer Einbrecher." Während dessen war der Oberst zu der Erkenntniß gekommen, daß die Situation nicht so fortdauern konnte. Er konnte doch nicht bis zum nächsten Morgen auf des Einbrechers Rücken sitzen bleiben,und mußte auf jeden Fall zur nächsten Polizeistation gehen. Wenn er nur ein Licht gehabt hätte! In diesemAugenblick kam ein schwaches Stöhnen vom Sopha her. Allmächtiger Gott!" murmelte der Oberst, er hat einen Complicen." Wieder ertönte ein Laut vom Sopha. und Pitblado sah, daß es Zeit war. zu handeln. Der zweite" konnte jeden Augenblick seinem Complicen zu Hilfe eilen. Pitblado hatte am Eingang des Zimmers am Kamin eine Feuerzange und eine Kohlenschaufel bemerkt. Mit heftigem Satz sprang er auf die Füße, ließ den Einbrecher frei, rannte nach dem Kamin und ergriff die Feuerzange. Ein wilder Schrei ertönte vom Sopha. und schnell steckte der Oberst ein Streichholz an. Bei dem schwachen Lichte sah er zu seinem Entsetzen Constanze auf dem Sopha sitzen, während der Einbrecher unbeweglich an der Erde lag. Hatte erden Schurken etwa getödtet., , Ein zweites Streichholz zündete das Gas an und Constanze sprang auf den Einbrecher zu. nahm seinen Kopf in ihre Arme und rief: Sie haben meinen Onkel getödtet!" Ihren Onkel? . Ach, das ist ja der Einbrecher!" Der Einbrecher ist ja eben mein Onkel undSie haben ihn todt gewürgt.

Er ist leblos. Oh, helfen Sie mir, ihn zu sich zu bringen." Der an der Erde liegende Mann kam wieder zum Bewußtsein und murmelte. als er Constanze sah: Laß ihn das ganze Silberzeug nehmen, Constanze, bis auf Deinen Taufbecher. Wenn er unser Leben schont, wollen wir keine Anzeige machen." Es dauerte nicht lange, Herrn Timmins auf das Sopha zu bringen, und da er nicht verletzt war, so brachte ihn ein von Constanze's zart:n Händen kredenztes Glas Wein bald zu sich. Noch immer unter dem Einsluß des Erlebten stehend, murmelte er: Ich bin nur mit knapper Noth dem Tode entronnen. Es war mir, als hörte ich Geräusch in diesem Zimmer und trat ein. als sich ein riesenstarker Mensch auf mich stürzte und mich fast getödtet hätte, als Du erschienst, und ihn fortscheuchtest." Das ist nicht ganz richtig, lieber Onkel. Während Du in der beidenmüthigsten Weise mit dem Einbrecher kämpftest, ging Oberst Pitblado gerade vorüber, trat durch die Vorderthür. die der Einbrecher offen gelassen hatte, ein. jagte den Burschen fort und rettete Dich. Die Herren gestatten, daß ich sie einander vorstelle Herr Timmins Oberst Pitblado." Acht Tage später empfahlen sich Constanze Timmins und Oberst Pitblado als Verlobte. Wie sich dieSache aber eigentlich in jener Mordnacht" zugetragen, das hat der gute Onkel nie erfahren.

Ein Wettler. yerliner Skizze von Max Kretzer. Eines Vormittags, als die Kanzleiräthin Tessel allein zu Hause war, klingelte es äußerst zaghaft an der Korridorthür, so daß sie sofort daraus ihre Schlüsse zog. Ihr fSann war Armenvorsteher, und so r?ahm sie an, es sei irgend ein Petent, der zur unrechten Zeit käme. Als sie öffnete, stand ein junger, anständig gekleideter Mann vor ihr, der auf den ersten Blick durchaus nicht den Eindruck eines Almosenbedürftigen machte. Das Ehrenamt ihres Mannes jedoch hatte die Kanzleiräthin mit der Zeit zurMenschenkennerin gemacht. Aus der Art und Weise, wie der junge Mann demüthig vor ihr stand, verlegen den Hut in der Hand drehte, den er nicht mehr aufzusetzen wagte, wie er sie scheu anblickte und zuerst kaum die Worte fand, entnahm sie sofort das Nichtige. Etwas ärgerlich darüber, gestört worden zu sein, deutete sie auf das Schild neben der Thürklingel, auf dem die Sprechstunden in Armenangelegenheiten verzeichnet waren. Aber sofort klang es bittend zurück: Wenn es nur die kleinste Gabe wäre. . Ich habe seit gestern Mittag nichts genossen." Also ein richtiger Bettler! Ihr Aerger steigerte sich noch, denn trotzdem sie eigentlich von Natur eine herzensgute Frau war, hatten trübe Erfahrungen sie mißtrauisch gemacht. Im vergangenen Winter hat man ihr vom Corridor einen Pelzmantel gestöhlen, als man die Mildthätigkeit an einem ähnlichen Fechtbruder bethätigen wollte. Seit der Zeit war sie vorsichtig genug, jeden Verdächtigen" durch die Thür abzufertigen. Es gibt nichts," sagte sie etwas hart. Aber als sie eben die Thür zuschlagen wollte, knarrte leise die Treppe, und ein bärtiger Mann wurde sichtbar, der sehr eilig die letzten Stufen nahm, den Hut ein wenig lüftete und sofort fragte: Hat er bei Ihnen gebettelt, Frau Tessel?" Der junge Mensch zuckte zusammen und sah sie so fhentlich an, als hinge von ihrer Antwort sein ganzes Schicksal ab. Frau Tessel erfaßte sofort den Vorgang. Wenn sie Ja sagte, so würde der Mensch von dem bärtigen Manne, den sie als einen Geheimpolizisten der Revier - Polizei kannte, mit nach der Wache genommen werden, um dann dem Strafrichter vorgeführt zu werden. Sie überlegte nicht lange. Ohne die Frage zu beachten, sagte sie gleichgiltig imGefchäftstone: Ich sehe doch, daß ich kein Kleingeld habe, um die Rechnung zu bezahlen. Kommen Sie einen Augenblick herein, ich werde wechseln lassen." Und ohne von dem Kriminalpolizisten, der einige Worte der Entschuld!gung hervorbrachte, weitere Notiz zu nehmen, ließ sie den Bettler eintreten und schloß die Thür. Der Corridor war eng und dunkel, und da sie das Bedürfniß nach Licht mpfand, öffnete sie die nächste Thür, die zur guten Stube führte, und nöthigte den Besuch" dort hinein. ' Sie dürfen nicht gleich gehen, sonst werden Sie vielleicht doch noch gefaßt," sagte sie. Kommen Sie mit nach der Küche, dort können Sie etwas essen. Sie können ja dann die Hintertreppe benutzen. Ich weiß, daß es PolizeiVorschrift ist, auf alle Bettler zu fahnden . . . Haben Sie denn ein festes Obdach?" Schon halb auf dem Wege, ihm voranzugehen, blieb sie wieder stehen, und blickte ihn fragend an. Wie beschämt sah er zu Boden. Dann schüttelte er mit dem Kopfe und erwiderte kleinlaut: Ich bin vor drei Tagen aus dem Gefängnisse entlassen worden. Für die ersparten ArbeitsPfennige habe ich mir etwas Sachen gekauft. Gestern früh schon stand ich ganz blank da. Die letzte Nacht habe ich im Freien geschlafen." Das Wort Gefängniß" hatte sie zusammenschrecken lassen, so daß sie unwillkürlich mit einer Seitenschwenkung einige Schritte von ihm zurückWich. Gott sei Dank, daß Olga, d

kräftige Ostpreußw, gerade mit ihrem Korbe hereintrat. Frau Tessel athmete auf. Sie bekam ihre Ruhe wieder und fühlte das Bedürfniß, den bösen Alp durch Sprechen zu verdrängen. Während sie ihn fragte, wie lange er gesessen" habe und die Antwort erhielt, daß es ein Jahr gewesen sei, nahm sie unwillkürlich ihre goldene Uhr, die auf dem Sophatisch lag, an sich und verschloß sie in der Schublade des Wäscheschrankes. Er begriff ihr Vorgehen sofort und sagte leise im Tone des Vorwurfs: Gnädige Frau haben nichts zu befürchten, ich habe niemals in meinem Leben gestohlen. Ich habe auch nicht wegen Diebstahls gesessen, noch aus irgend einem anderen ehrlosen Grunde. Niemals würde ich mich an fremdem Eigenthum bereichern, lieber würde ich Hungers sterben. Wahrhaftig, ich kann's Ihnen schwören, es war heut das erste Mal. daß ich gebettelt habe. Aber ich hielt es vor Hunger nicht mehr aus." ' Sie war flüchtig roth geworden und gerieth etwas in Verwirrmg, während sie sagte: O, so war das ja nicht gemeint. Ich dachte im Augenblick gar nicht an Sie, sondern " Aus seinen Worten hatte soviel innerliche Entrüstung geklungen, daß sie ihm glaubte. Um ihre Ausrede wieder gut zu machen und ihm den Beweis zu geben, daß sie ihm traue, wollte sie ihn gleich hier vorne seinen Hunger stillen lassen. Laut rief sie Olga heran, die sie dann im Flüstertone rasch verständigte. . Das Mädchen machte große Augen, tischte dann aber schleunigst einige laU te Speisen auf, dazu ein Glas Bier. Lassen Sie es sich gut schmecken," sagte die Kanzleiräthin und lud ihn mit einer Handbewegung ein, Platz zu nehmen. Dann ging sie hinaus, trat an das Fenster des Schlafzimmers und blickte sinnend zu dem Stückchen blauen Himmel hinauf, das sich oben an den Dächern der Hinterhäuser abzeichnet. Es waren trübe Gedanken, die sie spann und die sich um ihren Sohn drehten, um den Einzigen, der ihr und ihrem Manne viel schlaflose Nächte bereitet hatte, an dem aber beider Herz mit inniger Liebe hing. Man hatte ihn Kaufmann werden lassen, weil man hoffte, er würde sich dadurch bei seinem gefälligen Wesen schneller eine Lebensstellung schaffen, als wenn man ihn auf die langweilige Laufbahn eines Subalternbeamten drängte. Thatsächlich kam er denn auch in einem Bankgeschäft, in das er eingetreten war, schnell vorwärts, was wohl nicht zuletzt seiner hübschen Erscheinung und seiner wirklichen Intelligenz zu verdanken war. So genoß er bald großes Vertrauen bei seinem Chef, das ihm aber eben seiner Jugend wegen zum Verhängniß wurde. Er lernte ein leichtsinniges Mädchen kennen, das ihn ganz in ihre Netze zog, trotzdem sie bereits einen Vräutigam besaß, einen Mechaniker, der durchaus die besten Absichten mit ihr hatte, und der ihr wohl gut genug zum Heirathen erschien, nicht aber zum Amüsircn. Was vorher so manch anderer ge than hatto, das that des Kanzleiraths Sohn. Er mißbrauchte seine Vertrauensstellung und ließ sich zu Unterschlagungen hinreißen, um sich mit seiner Geliebten immer tiefer' in den Strudel des Berliner Lebens stürzen zu können. Betrug folgte auf Betrug, bis endlich die Entdeckung eintrat .... Frau Tessel schauerte leicht zusammen. Noch stand ihr jener schreckliche Tag mit allen Einzelheiten vor Augen, wo sie ihn, den sie mit Schmerzen zur Welt gebracht hatte, als gemeinen Verbrecher hinter den Schranken erblickte. Fürchterliche Tage hatte sie damals durchlebt, und der Kanzleirath, der in Ehren grau geworden war, hatte mehr als einmal daran gedacht, seinem Dasein mit Gewalt ein Ende zu machen. Allmählich jedoch hatten sie sich befleißigt, das Unvermeidliche in Ergebenheit zu tragen, wurden sie nur noch von der einen großen Hoffnung erfüllt, den Verirrten nicht zu den Verlorenen rechnen zu dürfen, sondern ihn nach seiner Heimkehr als einen reuigen Menschen wiederzusehen, dessen höchste Aufgabe es sei. den Leichtsinn seiner Jugend durch ein neues Leben vergessen zu machen. Langsam waren ihre Augen feucht geworden, und sie verwünschte fast diesen Menschen da vorn, der ihr plötzlich durch sein Geständniß solche Seelenquälen bereitete. Als sie wieder nach vorne ging, erblickte sie etwas Seltsames. Sie sah, wie der Gesättigte, wohl in der Annahme ganz ungestört zu sein, aufmerksam eine Photographie betrachtete, die er von der Marmorplatte des Spiegels genommen hatte. Kaum hatte er das Rauschen des Kleides gehört, als er vor Schreck zusammenfuhr und hastig das Bild zurück.stellte. Er drehte den Hut wieder in den Händen und stammelte einige unzusammenhängende Worte, aus denen Frau Tessel etwas wie eine Entschuldigung entnahm. Als fände sie durchaus nichts Auffallendes darin, siel sie ihm sofort lächelnd in das Wort: O, das thu! nichts. Es ist mein Sohn, der äugenblicklich in Amerika weilt." Diese Ausrede pflegte man stets Leuten gegenüber anzuwenden, die in die Familienverhältnisse nicht näher eingeweiht waren. Plötzlich wurde sie unruhig, denn sein erstauntes Ausblicken überraschte sie. Es war ihr, als glitte ein leises Lächeln über seine blassen Züge. Wie der Blitz kam ihr ein unheimlicher Gedanke, der so stark auf sie einwirkte, daß ihrAthem fchneller ging. Sie fühlte die aufsteigende Hitze in ihrem Gesichte und das er-

regte Schlagen ihres Herzens. Sofort ' aber beherrschte sie sich, indem sie sich zu einer ruhigen Rede zwang. Sie ließ sich auf einen der rothen Plüsch - Fauteuils nieder und begann mit zitternden Lippen, unter dem Einfluß großer Jkeugierde: Was haben Sie eigentlich verbrochen? Sie können sich mir offen anvertrauen . . ." Ich habe meine Braut erschossen, weil ich von ihrer Untreue überzeugt war," erwiderte er ruhig, diesmal den Blick fest auf sie gerichtet. Sie hatte mich schwer beleidigt, und so konnte ich mich im Augenblick nicht mehr mäßigen. Ich wurde wegen Todtschlags angeklagt, und man billigte mir mildernde Umstände zu. Ich habe schwer gesühnt." Während er den Kopf wieder gesenkt hielt, glitt sein irrender Blick abermals nach der Photographie, doch diesmal scheu, als müßte er noch viel mehr sagen, wozu er aber nicht den Muth hat. Plötzlich fügte er mit gesenkten Augen hinzu: Ihr Herr Sohn' war nicht derEinzige, mit dem sie mich hinterging." Sie wollte etwas sagen, aber der schreckliche Eindruck des Augenblicks hatte ihr die Worte genommen. Und da er die Empfindung hatte, etwas Entsetzliches augerichtet zu haben, so begann er wieder, fast bittend: Ich habe nicht gewußt, daß hier seine Eltern wohnen, ich sah auch garnicht auf das Thürschild. Ich zog blindlings an der Klingel. Wahrhaftig. es ist so . . . Nun kann ich es Ihnen aber sagen, gnädige Frau Ihr Sohn denkt Tag und Nacht an Sie und weint im Stillen mehr um seine Eltern, als Sie es glauben. Während der täglichen Spaziergänge haben wir uns kennen gelernt. Nicht er hatte Schuld, sondern sie, die ich getödtet habe .... Haben Sie tausend Dank für das Gute, das Sie mir heute erwiesen haben." Kommen Sie heute Abend wieder, wenn mein Mann hier ist. Sie sollen nicht untergehen." war Alles, was sie hervorzubringen vermochte. Die Küchenthllr klappte. Dann ging Frau Tessel mit erhobenem Haupte an ihrem Dienstmädchen vorüber, schritt wieder dem Borderzimmer zu und riegelte sich ein. Und während sie am Fenster stand, das Bild ihres Sohnes betrachtete, rannen ihr heiße ' Thränen über die Wangen. Thränen, wie sie nur den Augen einer Mutter entströmen können ....

Kauptmann Grozavescu. Aus dem Rumänischen von Maximilian W. Scbroff. Um einen mit Theetassen besetzten Tisch herum sitzt die Familie Leusteanu und lauscht den Worten des Hauptmanns Grozavescu. Er erzählt ihnen schreckliche und unglaubliche Aben teuer, welche er selbst mitgemacht hat. Frau Leusteanu und ihre Töchter erwarten mit Ungeduld das Herannahen der Mitternachtsstunde, um mit einigen Freundinnen aus der Nachbarschaft auf ein Costümfest zu gehen, welches der Bojar Ferkezoi in dieser Nacht veranstaltet. Die Costüme liegen bereit auf einem Kanapee. Aber bis um Mitternacht konnten sie noch den Erzähhingen des Hauptmanns Grozavescu zuhören, denn um diese Zeit erwartete man die Ankunft der Fräulein Stoconete, welche gleichfalls das Costümfest besuchen wollten. Was nun kommt," sagte derHauptmann mit energischem Tonfalle, hat sich in meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre zugetragen. Ich war damals Unterofficier und verliebt bis über die Ohren in ein Mädchen." Wie hieß sie?" fragten die Damen im Chor. Sie kennen Sie nicht. Wie gesagt, ich liebte dieses Mädchn und bat sie um ein nächtliches Rendez-vous. Sie willigte ein. jedoch unter der Bedingung. daß der Ort des Stelldicheins der Friedhof sei! " O!!!" riefen die Zuhörerinnen. Gegen Mitternacht legte ich meine Gala - Uniform an, schnalle einen scharfgeschliffenen Säbel um, steckte in jede Tasche einen Revolver,, setzte das Käppi mit dem Federbusch auf, nahm eine Signalpfeife und ging dem Orte unserer Zusammenkunft entgegen. Schwarz war die Nacht wie die Seele eines Sünders. Bei der Kirchhofsmauer angekommen, übersprang ich dieselbe, doch als ich mich nun allein sah in einer Welt von Kreuzen, Gräbern und geheimnißvollen Schatten, blieb ich wie versteinert stehen. Aus dem dunklen Eingang der Friedhofscavelle schienen die Gespenster der Todten hervorzukommen und einzeln an mir vorüberzugehen mit ihren grinsenden Schädeln, den Körper eingehüllt in den dunklen Mantel der Nacht. Einen Augenblick zögerte ich, dann jedoch faßte ich Muth, zog den Säbel und marschirte vorwärts. Es schien mir, als sähe ich in einiger Entfernung etwas Weißes, das sich bewegte. Ich lenkte meine Schritte dorthin, aber als ich den Platz erreichte, wo ich meineZoe zu finden hoffte, erblickte ich nur ein Grabdenkmal aus weißem Marmor. Doch nicht genug damit - erhielt ich, während meine Blicke auf den Stein geheftet waren, plötzlich einen heftigen Schlag in's Gesicht, welcher mich von Kopf bis zu Fuß erbeben ließ. Ein Käuzchen oder eine Eule ich weiß es nicht mehr genau welche sich auf dem Grabstein zur Ruhe niedergelassen hatte, bestrafte meine unbegrenzte Verwegenheit, ihre Ruhe in solcherStunde zu stören, indem sie mit ihrem Flügel mit ganzer Kraft mir einen Schlag in's Gesicht ertheilte." Entsetzlich!" riefen die Mädchen gleichzeitig aus. ' Ich ging einige Schritte rückwärts, als ich plötzlich fühlte, wie Etwas mei-

nen rechten Aermel streifte. Seitwärts blickend, glaubte ich das geheimnißvolle Wesen, welches mich berührt hatte, zu sehen. Da zückte ich meinen Säbel und stürzte mich auf die schwarze Gestalt, um sie in Stücke zu hauen; jedoch die Klinge durchschnitt pfeifend die Luft, ohne auf Widerstand zu stoßen. Nun kam es mir zum Bewußtsein, daß Alles nur ein Gebilde meiner Phantast: war und ich steckte den Säbel wieder in die Scheide. Zoe war nirgends zu erblicken, sie hatte mich zum Besten gehalten. Es blieb mir also nichts Weiteres übrig, als auf dem Wege, auf dem ich gekommen, wiedir zurückzukehren; doch ich hatte meine Verwegenheit noch nicht theuer genug bezahlt. Im Weitergehen stolperte ich über Etwas und' fiel in ein an jenemTage frisch geschaufeltes Grab, das am nächstfolgenden Tage einen Leichnam aufnehmen sollte. Dasselbe war ziemlich tief, und als ich kopfüber hinabstürzte, glaubte ich einen Augenblick, ich fei verdammt, nicht mehr lebend aus jenem Friedhof herauszukommen. Jedoch erhob ich mich sofort, und obgleich es mir schien, als seien meine Füße bei den Kniin abgeschnitten, gelang es mir schließlich, wieder oben anzukommen, nachdem ich zweimal wie von einer unsichtbaren Hand zurückgestoßen worden war. Als ich mich endlich oben sah, wurde mir schwarz vor den Augen und ich wäre beinahe ohnmächtig zusammengesunken." Die Damen sind sehr bewegt. Mit großen Augen blickten sie den Hauptmann an. Doch ich schleppe mich weiter und ohne es zu bemerken, fühle ich eine schlüpfrige Treppe unter mir. gleite dieselbe hinab und befinde mich plötzlich in einem Gewölbe, wo man die ausgegrabenen Knochen der Todten aufbewahrte. Ein Lämpchen brannte im Hintergrunde des fchauerlichen Raumes und beim Scheine desselben erblickte ich große Haufen Gebeine, beleuchtet von einem grünlichen Lichte." Entsetzlich!" flüsterte die Zuhörerschaft. All' diese grinsenden Todtenschädel, deren Augen wie schwarze, unheimliche Lichter aussahen, blickten mich an, als hätte ich sie aufgeweckt aus ihrem schweren, ewigen Schlafe. Und da börte ich plötzlich einen furchtbaren Schrei, die Besinnung entschwand mir und ohnmächtig sank ich nieder." Kaum hatte der Hauptmann diese letzten Worte gesprochen, als sich gleich zeitig alle Thüren des Salons öffneten und herein stürzten eine Menge Gestalten, die Teufeln, Engeln und Gespenstern ähnlich sahen. S kamen schnell auf die starr Dasitzenden zu und brachen beim Anblick der entsetzten Ge.sichtcr derselben in ein lautes Gelächter aus. Der Hauptmann sank bewußtlos zu Boden. Die Mädchen und Frau Leusteanu sprangen auf und stießen gellende Schreie aus. Sie glaubten einen Augenblick, daß all' die Phantome, von denen der Hauptmann erzählt hatte, nun gekommen seien, um sie zu schrecken. Jedoch in Bälde erkannten sie, daß die Teufel, Engel und Gespenster niemand Anders waren, als ihre Freundinnen, welche costümirt sich eingestellt hatten, um zusammen mit ihnen auf den Costümball des Herrn Ferkezoi zu gehen. Jedoch dauerte es ziemlich lange, bis man den furchtlosen Hauptmann Grozavescu wieder aus seiner Ohnmacht erwecken konnte

Ein rettender Gedanke. Graf Pumpheim, erst gestern in Monte-Carlo, dem Orte, an welchen sich der Rest seinerHoffnungen knüpfte, angekommen, verläßt bleich und zii ternd den Spielsaal, ziellos durch tU verschlungenen Pfade der großartigen Anlagen eilend. Unstäten Blickes späht er umher und als er sich von keines Menschen Auge beobachtet glaubt, läßt er sich erschöpft auf einer Ruhebank nieder. Plötzlich durchzuckt ein Gedanke das erregte Gehirn des Grasen; ein rascher Griff in die Vrufttasche und krampfhaft umklammert die Rechte den gesuchten Gegenstand. . Tootenstille rings umher. Doch horch! Es war ein leises Knacken, das die Ruhe unterbrach. Den starren Blick auf jenen Gegenstand gerichtet, murmelt der Unglückliche: Ohne Geld hat das Leben keinen Reiz mehr für mich, getäuscht in allen anderen Erwartungen nehme ich mir eine reiche Frau." Die kleine, flache Holzdose, welche das Knacksen verursacht hatte und vorhin so hastig herausgezogen wurde, wanderte langsam in die Seitentaschö des Grafen zurück. Und was enthielt das geheimnißvolle Döschen? Ein Spiegelchen, das seinem Besitzer die beruhigende Ueberzeugung gab, daß es zu einer guten Partie noch nicht zu spät sei. Das stimmt. A.: Diese Romanschriftsteller übertreiben doch fürchterlich in ihren Ausdrücken. - Wie oft liest man z. B. von einem zu Eis erstarrenden Blick. Als. wenn Jemand von einem einfachen Blick je starr geworden wäre." B.: Sie sind noch sehr jung, lieber Freund. Sie haben wohl nie auf einem Ball Ihrer Frau auf die Schleppe getreten?" D e r Hirn schlag. Beamter: Also von einem Hirnschlag ist Euer Mann gestorben, woher wißt Ihr denn, daß es ein Hirnschlag war?" Bäuerin: Na, weil's eem beim Raufen grad' aus's Hirn aufi g'fchlag'n hab'n." ' Aussicht vorhanden. (Zwei Damen verfeindeten sich.) Und habt ihr einander auch häßliche Person" genannt?" frug der Gatte der einen. Das nicht..." Rein? Nun, dann übernehme ich eure Versöhnung.-

Herbst.

yon E. A. Weiß. Nun flicht die letzte Schwalbe schon, Nun sinkt das Laub zu Grunde, Es geht ein leiser Sterbeton Wie klagend in der Runde. Doch wird Natur zu Lenzbeginn Verjüngt sich neu erheben Mir geht mit jedem Herbst dahin Ein Stück von meinem Leben. Eine Gräfin aus Posten. Der aus Frankreich stammendeGraf d'Espagne hat in Spanien, wo er unter König Ferdinand dem Siebten das Amt eines General - Capitäns von Catalonien bekleidete, durch seine oft in Grausamk:it ausartende Strenge ein berüchtigtes Andenken hinterlassen, und jetzt noch ist dort die Erinnerung an viele Episoden aus dem Leben des immerhin merkwürdigen Mannes lebendig. Als der General eines Morgens die Akten eines Militärvrccesses zu studiren hatte, gab er dem wachthabenden Officier den Befehl, Niemand, wer cö auch sei, vorzulassen. Der Adjutant ließ aber dem Verbote zuwider die Tochter des Grafen auf deren inständiges Bitten hinein. Der General - Capitän verzieh feinen Familienmitgliedern eher alles Andere als auch nur die geringste Einmischung in seine militärischen Angelegenheiten. Er hörte jedoch seine Tochter gelassen an. Als sie geendet, ließ er den Adjutanten kommen und befahl ihm, einen Kehrbesen bringen zu lassen. Verdutzt sah der Officier feinen Vorgesetzten an, doch das gefürchtete Stirnrunzeln desselben gab ihm Flügel. Der Adjutant überreichte dann den Besen seiner Tochter mit den Worten: Da Du' Dich nun einmal durchaus in soldatische Dinge mengen willst, so wirst Du sofort den Wachtposten unten vor dem Hauptthor ablösen. Und Sie," wandte er sich an den entsetzt zuhörenden Adjutanten, übergeben mir Ihren Degen und begeben sich in Arrest, weil Sie meinem Befehle, Niemand vorzulassen, nicht Folge geleistet haben." Und so geschah es. Mit dem Besen in der Hand mußte die junge Gräsin zwei Stunden lang Schildwache vor dem Thore stehen. Sie zog sich auf der zugigen Straße es war im Winter eine starke Erkältung zu, die sie Wochen hindurch ernstlich aufs Krankenlager warf. Für Liebende. Wallfahrtsstätten für unglücklich Liebende gibt es in fast jedem Lande Europas. Im Schwarzburgischen wandern die Mädchen und Burschen, denen die Liebsten untreu wurden, nach einem Berge, wo das Schloß der Göttin Lora steht, um aus ihrem Quell Vergessenheit zu trinken. Lora oder Lahra ist eine alte Liebesgöttin. St. Bonifacius stürzte ihr Götzenbild, sie selbst spukt indessen noch immer huben Köpfen des Bauernvolkes. Zuweilen tritt sie auch als Laura oder Laurentia auf. In Paris geht bekanntlich der oder die unglücklich Liebende zum Grabe Abälards und Heloisens und schmückt es mit einem Kranze. In Verona wird der gleiche Cultus mit dem Grabe Romeos und Juliens getrieben. Auf Samos pilgern die Verliebten zu der Gruft von Radine und LeontichoS, die am Wege zum Heräon liegt, und glauben durch Gelübde und Gebete die Gunst und Hilfe des todten Liebes Paares zu erringen. Ein anderer Wallfahrtsort ist das Cap Sappho auf der Insel Leukadia; dort, wo sich einst die unglückliche Dichterin in das Meer stürzte, schleudern die modernen griechischen Schönen noch heute Kränze in die Fluth, um so den Schutz der Sappho zu gewinnen. Die deutschen Jung frauen klagen ihr Licbesleid mit Vorliebe dem heiligen Antonius. ' In Kastellruth am Schient bei Bozen befindet sich in der Antoniuskapelle ein uraltes Schnitzwerk, das Bild der heiligen Kummernuß. Auch dorthin wandert manch unglücklich verliebtes Herz und bittet die Ehepatronin um ihren Beistand. In derselben Kapelle befindet sich auch die Figur eines IudaZ aus einem Stationsweg. Dieselbe wird treulosen Liebhabern zur öffentlichen Veschämuna" Nachts heimlich vor die Thür gestellt.

Verplappert. Frau (die verreist war): Dafür, daß Sie mich während meiner Abwesenheit so gut vertreten haben, können Sie sich eins von meinen beiden seidenen Kleidern auswählen; welches wollen Sie?" Dienstmädchen: Na, dann schenken Sie mir das gelbe in dem blauen bin ich schon zu bekannt!" Schmeichelhaft.' Dame: . . .Es wäre mir schon recht, wenn Sie durchblicken ließen, daß Sie die Neuigkeit von mir haben nur dürfen Sie S nicht direkt zugestehen!" Herr: Lassen Sie mich nur machen ich sage, einfach: die böse Welt sagt" dann weiß man die Quelle schon!" ' 'Aufrichtig. (Junger Mann hat.stch eben, nicht ganz freiwillig mit einem koketten Mädchen vevlobt.) Braut: Nun gestehe es, Alfons. Du hast gewiß vor. Deiner Verlobung schon manchen dummen Streich vollführt?" Bräutigam: Nein auf mein Wort. dies ist mein erster." , Eine sorgliche Mutter. Hebamme: Gnädige Frau, das Neugeborene ist ein Töchterch:n." Junge Mutter: Da heißt's :L sich nach einem Mann für das Mädchen umzusehen." Einziger Zweck. ' Papa : Was. Du Bengel. Du willst nicht in die Schule gehen?" Knabe: Oozu, Papa, prügeln kann man mich ja auch zu Hause."