Indiana Tribüne, Volume 21, Number 7, Indianapolis, Marion County, 26 September 1897 — Page 2
Zwei Schauspieler. Skizze aus dem deutsch amerikanischen Theaterleben, ton W. v. Echierbrand. Wer die Seiden kannte, der wunderte sich nicht über sie. Tüchtige Schauspieler waren sie, Selbke sowoyl Jote Grieper, darüber herrschte nur eine Ansicht; fast zu gut, meinten Viele, für die engernÄühnenverbältnisse DeutschAmerikas, die dein berechtigten Ehrgeiz des wahren Talents und des geHärten Könnens nicht genügend Spielzäum gewährten. Äor einer Reihe von Jahren schon waren sie Beide von demselben slotten, Unternehmungslust!,gen Theaterdirector (der seitdem so lustig gestorben ist, wie er gelebt hatte) von der Bühne einer deutschen Mittelstadt weg nach Amerika genommen Worden, und nun waren sie noch imtmtx hier in diese? großen Stadt des Westens Beide wieder bei demselben Director. Sie hatten sich nie getrennt. iSchon dreimal hatten sie's selbander erlebt, daß ihr Director Pleite" gemacht. Aber auch dem Vierten hatten sie, beinahe selbstverständlich, ihre bejährten Kräfte und ihre Popularität gewidmet. Kurzum, sie hatten Freud und Leid mit einander treulich getheilt während dieser zwanzig Jahre, und sie Karen, wie es ja Vielen geht, die einznal das ungebundene, freiere Leben Amerikas kennen gelernt, mit dem Lande, mit dem glorreichen Weften", verwachsen und fühlten sich dort heimisch und wohl.trotz der etwas unsicheren Salärverhältnisse, die beständig herrschten. Wer das Deutschthum dieser großen, aufblühenden PrairieMetropole kennen lernte, der lernie mich sicher diese beiden Veteranen deutscher Schauspielkunst in Amerika kennen, und wenn sich die Zwei bei Beginn jeder neuen Theatersaison wieder vor dem Publikum producirten, da sah lnan sofort, daß sie Lieblinge desselben waren, denn der Applaus, der ihnen bei ihrem Auftreten gespendet ward, der war immer spontan und gleichxnäßig vertheilt. Und doch waren die Beiden Feinde Todfeinde. Das wußte Jedermann. Was eigentlich der ursprüngliche Grund dazu war, das hatten sie vielleicht selbst schon vergessen. Wahrscheinlich war es eine jener geringfüeigen Eifersüchteleien gewesen, die nur dem Zünftigen als von Bedeutung erscheint. Aber das Gefühl war einmal da, und es war gewachsen während dieser langen Jahre, scheinbar um so mehr gewachsen, je mehr Selbke und Grieper durch die Macht der Verhältnisse gezwungen worden waren, zulammen auszuhalten. Aber vielleicht that doch der Umstand dabei etwas, baß ihre Rollen, ihre dramatischen Ta lente, so verschieden waren. Selbke's Fach war das der Helden, der Edlen, der glücklichen Liebhaber, der GefeierIm der Erde, während Grieper stets hie Bösewichte, die Jntriguanten, die jhallunken darstellte und ach, mit welcherMeisterschaft, mit welchem Vertändniß! Zu Selbke's Carl Moor pielte er den Franz mit einer so rafWirten Bosheit und Niedertracht, daß )en naiven Seelen im Publikum stets kin Gruseln überkam. Sein Jago zu selbke's Othello, sein Mephisto zu dessen Faust, sein Geßler zu des Andern Tell es waren' sämmtlich Meisterleistungen mimischer Kunst. Und in der That schien ihn die Natur besonders zu seinem Fache ausersehen zu haben, denn Grieper war von beinahe unheimlicher Häßlichkeit, 'während Selbke's Aeußeres die schöne Schale einer schönen Seele zu sein schien. Und so kam es denen, die die Beiden kannten, auch immer als etwas Selbstderständliches vor, daß Grieper nicht ollein auf der Bühne, gewöhnlich ungefähr 10 Uhr Abends, abgethan ward und seinen grausen Lohn für teuflische That empfing, sondern daß er auch außerhalb der Bühne als ein bitterer, iii satirischenBemerkungen veranlagter Cyniker galt und ein einsames, liebeleeres Hagestolzleben führte. Selbke dagegen war einst glücklich verheirathet gewesen. Sein Weib allerdings war ung gestorben, aber sie hatte ihm ihr ugendliches Ebenbild hinterlassen, ein reizendes, liebliches kleines Mädchen, nach der Mutter Clotilde genannt. -1 ' Wie oft schon hatten sich die Beiden Insgeheim zugeschworen, das solle ihre letzte Saison zusammen sein, wenn roieder einmal ihr Verhältniß besoners unleidlich geworden war. Di?2 geschah gewöhnlich, wenn der Eine über den Andern künstlerisch triumfihirt hatte. Einmal, als Selbke von einen Bewunderern und Freunden, W Abend einer Ausführung, in der er den Don Carlos, eine seiner Liebtingsrollen, mit besonderem Erfolz vespielt, mit einem Lorbeerkranz bePacht worden war, da kannte der Ingrimm seines Nebenbshlers keine Grenzen mehr, denn ihm, der den, kaltkntrigirenden Dominikaner zu spielen hatte, war kaum irgendwelcher Beifall dezollt worden. Als er dann in seiner Stammkneipe, dem Goethe-Caf6 an der Bendolph Street, auch noch aus fcem Munde eines Bekannten die Worte pernahm: Der Selbke hat heuteAbend wirklich großartig gespielt !" da brummte er vor sich hin:. Humbug ! Gebutchert hat er die schöne Rolle!" und setzte sich dann schweigend und mit zornig gefalteter Stirn an seinen JXisch, wo er den starken Punsch diesmal quartweise trank. Und wenn man lhn direct frug über den Nebenbuhler, hann bemerkte Grieper gewöhnlich nur: Er versteht nichts nur die Larve kzat er, das ist Alles. Aber freilich, für Euch Kerle spielt er noch immer gut genug!" ' Merkwürdig bei alledem war es, daß die Beiden augenscheinlich famos usammenspielten Einer schien den Andercn zu inspiriren. Auf die herxische, stolze Miene, die königlichen
GeSerden. die dem stattlichen, schlanken Selbke so-gut standen, antwortete Grieper, wie es fast immer zu seiner Rolle auch paßte, . mit einer Bosheit, einem verächtlichen Haß, daß die Scene erst dadurch , bewundernswerth wurde. Und wenn sich Grieper, der dürre Mensch mit dem consiscirten Gesicht, an seiner Rolle erhitzte und seiuem majestätischen Gegenüber einen umso geriebeneren, vollendeten Spitzbuben entgegensetzte, wenn sich seine Züge im Haß, in ohnmächtigem Grimm verzerrten und seine kleinen, tiefliegenden Augen dabei blitzten wie Dolche, da erschütterte manchmal ein Donner von Applaus das Haus, der zum guten Theil ihm, dem Häßlichen, Mißachteten galt. Nur wenn Grieper seinen Nebenbuhler auf der Straße sah. wie er sein Töchterlein spazieren führte, da veränderten sich seine Mienen. Dann murmelte er vor sich hin: GlücklicherMensch! Fast möchte ich ihn darum beneiden. Was die Kleine doch nett ist!" Und einmal, als er sie vor derTheaterthür traf, wo sie auf ihren Papa wartete, der seine Probe hatte, da kniff er die kleine Clotilde freundlich in die Wangen und lächelte sie an wirklich lächelte. Wie viele Hag?stolze liebte er die Kinder mit beinahe krankhafter Zärtlichkeit, und wenn er an das Vaterglück seines Feindes dachte, dann seufzte er jedesmal und brummte mit seiner tiefen Baßstimme dazu: Humbug!" Es wurde die Tochter des Fabricius" einsiudirt, ein Stück, in dem Grieper die Glanzrolle des entlassenen Zuchthäuslers spielen sollte und auf die er sich schon seit Wochen gefreut. Sein Nebenbuhler dagegen sollte die minder bedeutende Rolle des reichen Kaufmanns übernehmen. Bei der ersten Probe hatte Alles famos geklappt. Grieper fühlte sich in seinem Element. Sein Nebenbuhler tüüxU von ihm, so hoffte er zuversichtlich, am Abend derAufführung gründlich in den Schatten gestellt werden, und diese ErWartung verlieh dem routinirtcn Schauspieler besondere Freude. Dann kam die, zweite Probe. Der Director theilte mit, daß Selbke plötzlich erkrankt sei nicht unbedenklich, und ein Anderer mußte seine Rolle übernehmen. Finsteren Antlitzes hatte Grieper das vernommen. Das ist ein Streich von dem versl Kerl", murmelte er dumpf. Doch man hörte auch die folgenden Tage, daß Selbke ernstlich krank sei. Ja, man fürchtete für sein Leben, so hieß es. Eine Lungenentzündung hatte ihn auf's Krankenlager geworfen, und da es ihm in seinem kleinen Logis an Bequemlichkeit fehlte, so war er nach dem Deutschen Hospital geschafft worden. Am Abend der Aufführung, der ihn in feinem vollen Glänze zeigen sollte, enttäuschte Grieper seine Freunde. Steif und hölzern war sein Spiel, und seinen Gesten ermangelte jenes innere Leben und jene plastische Wahrheit, die sie sonst, wenn er mit Selbke zusammen spielte, auszeichnete. Es war, als ob die Seele aus ihm geflohen, als ob der richtige Impuls fort sei. Zweifellos war es die Abwesenheit seines Nebenbuhlers, die dies verschuldete. Die Zeitungen sprachen ihr Bedauern und ihre Verwunderung über das matte Spiel populären Schauspielers aus. Am r"chsten Tage jedoch wunderte man sich --ch mehr, als es ruchbar ward, daß Grieper seinen Nebenbuhler, seinen Todfeind, im Hospital besucht hatte. Das konnte man zuerst nicht begreifen. Und doch war es eine menschlich schöne Scene, die sich in aller Natü:lichkeit dort am Bette des Todkranken abgespielt hatte. Traurig, gesenkten Blickes hatte sich Grieper dem Lager seines alten Kameraden genähert. Der Schwerkranke, der bei vollem Bewußtsein war, hatte sich halb aufgerichtet im Bette. Als Grieper sich auf den Stuhl neben dem Bette sinken ließ, da sagte Selbke leise, in innigem Tone: Ich wußte, daß Sie kommen würden, Grieper! Gott sei Dank!" Und Grieper, indem er einen von Thränen feuchten Blick auf das abgezehrte Gesicht seines Nebenbuhlers richtete, sagte nur: Lieber, armer Freund!" Das war Alles. Und dann saß er dort und unterhielt sich flüsternd und im besten EinVerständniß mit seinem alten Feind. Kurz vordem er ging aber ereignete sich noch Folgendes: Ich würde zufrieden und ruhig sterben, Grieper", sagte der Kranke leise, und als Jener mit dem Kopfe schüttelte, fügte er hinzu: Ja, ja, ich weiß es, ich fühle es es wird nicht mehr lange dauern, und ich stürbe ruhig, wenn die Sorge um mein Kind, mein einziges Kind, mein liebe Clotilde nicht wäre." Und darauf hatte Grieper gesagt: Lassen Sie mich, lieber College, diese Sorge von Ihrem Herzen nehmen. Ueberlassen Sie mir das Kind. Ich schwöre es Ihnen,, ich will ihm den Vater ersetzen, soweit es in meinen Kräften steht. Sie wird der Sonnenschein meines liebeleere'n Lebens sein. Ich liebe sie schon ietzt, und ich will si: so halten wie mein eigenes, theures Kind. Haben Sie Zutrauen zu mir, Selbke!" Und der Kranke hatte seine Hand auf Grieper's Arm gelegt, und hatte einfach gesagt: So sei es, lieber, guter Freund. Ich kenne Ihr edles Herz ja seit Langem, wenn wir uns auch gegenseitig seit vielen Jahren verstellt haben. Mein Kind sei Ihnen das Pfand meines festen ' Vertrauens!" Und wie im Traum hatte er noch ae-
flüstert: Das. Grieper, ist die schönste Rolle, die Sie je gespielt." Am nächsten Tage war Selbke todt. We? den Mann mit dem thränenden Blick, in dem sich ein tiefer, aufrichtiger Schmerz ausprägte, hinter der Bahre schreiten sah, das Töchterchen an der
Hand, der würde in ihm wohl kaum den virtuosen VLsewicht vermuthet haben, den er wenige Tage zuvor aus der Bühne gesehen. Und wer nach dem Begräbniß in die kleine Behausung desselben Mannes getreten wäre, und da gesehen hätte, wie er die kleine Clo tilde in den Armen hielt und ihr blondes Lockenköpfchen streichelte, so zart und lind wie eine Mutter, der hätte erst recht nicht den alten Grieper in ihm errathen. Aber er war's trotzdem, und bis heute ist er dem Kinde ein liberaler, zärtlicher Vater geblieben. Ueber dem Sofa aber, inmitten allerlei verwelkter und verblaßter Reminisccnzen seiner Vühnentriumphe, hängt das lebensgroße Portrait seines ehemaligen Nebenbuhlers, der Rahmen umflort.
Acr Vrissantschmuck. AuZ dem Englischen von E. R. Ich war Secrjär bei dem Rechtsanwalt Georg Gregory, der sich in kurzer Zeit einen bedeutenden Ruf erkorben hatte und ein schönes Einkommen besaß. Trotzdem kleidete sich seine Gemahlin äußerst einfach und trug nur bei ganz seltenen Gelegenheiten ihren Brillantschmuck. Derselbe war ihr besonders lieb. Sie hatte ihn von ihrer Mutter ererbt, und er bildete das inzige kxrthvolle Besitzthum, daß sie mit in die Ehe brachte. Die Steine waren nicht gerade kostbar, auch war die Fassung etwas unmodern, aber es waren doch immerhin Diamanten. Ich schmückte mich an meinem Hochzeitstage damit", pflegte sie zu sagen, und sollte ich einmal eine Tochter haben, Frau Gregory besaß nur Knaben so soll sie diesen Schmuck auch an ihrem Hochzeitstage tragen." Die Ohrgehänge erinnerten mich an Zeichnungen, wie ich sie fast auf egyptischen Vasen gesehen hatte. Ein jedes bestand aus fünf Steinen. Die Brosche zeigte deren nur vier; der mittlere 'war verloren gegangen und war durch eine Perle ersetzt worden. Frau Gregory bewahrte ihren Schatz in einem rothen Etui, das einer Muschel glich. Sie freute sich immer von neuem darüber, wenn sie es öffnete, und die Kinder bewundernd hineinschauten. Ich weiß nicht, wie es kam, diese Steine flößten mir immer ein Grauen ein. Ich glaube nicht an Vorahnungen und bildete mir auch niemals ein, solche zu haben. An einem schönen Augusttage sprach Frau Gregory die Absicht aus, mit den Kindern auf das Land zu gehen. Sie müssen frische Luft einathmen," sagte sie, und ich habe einen entzückenden Aufenthalt gefunden. Das einzig Unangenehme ist nur, meinen Mann allein lassen zu müssen. Sie nehmen sich seiner ein wenig an, nicht wahr. Frank? Sie thun mir diesen Gefallen." Ich versprach, ihre Wünsche getreulich zu erfüllen. An dem Nachmittage, als, Frau Gregory ihre Reise nach Loughfield antrat, kam sie in das Bureau, um ihre Brillanten zur AufbeWahrung zu geben. Alsdann begleitete der Rechtsanwalt seine Gemahlin zur Bahn und kehrte etwas bleich aussehend zurück. Er schlief in jener Nacht auf einer Chaiselongue im Bureau und theilte mir mit, daß er in der AbWesenheit seiner Gemahlin immer dort schlafen und in einem Restaurant speisen werde. Ich schlief zwar in meiner Wohnung, denn im Bureau gab es keine Lagerstätte für mich, nahm aber, Herrn Gregory's Beispiel folgend, meine Mahlzeiten in demselben Restaurant ein. So verstrichen ziemlich vierzehn Tage. Unser Leben floß ruhig und gleichmäßig dahin: nichts Außergewöhnliches ereignete fich. Herr Gregory knüpfte Unterhandlungen an wegen der käuflichen ErWerbung eines Grundstückes, auf das er schon lange Zeit ein Auge geworfen hatte, und das Frau Greaort, für das . schönste in der ganzen Umgebung hielt.. Sie sollte bei ihrer Heimkehr damit überrascht werden. Als alles Erforderliche besprochen und erledigt war. begab sich Herr Gregory ines Nachmittags zur Bank, um dort das dem gegenwärtigen Eigenthümer zu zahlende Geld zu erheben. Ein Theil stand auf Hypotheken; der Baarbetrag belief sich auf sechzigtaufend Mark. Innerhalb der nächsten zehn Tage waren sie zu zahlen. Ich sah, wie Herr Gregory die Summe zählte, und das Geld in den eisernen Schrank schloß, bevor er zum Thee ging. Ich erinnere mich noch, daß ich mir wünschte, so viel Geld zu besiHen. Als ich so übrlegte, was ich wohl damit anfangen würde, that sich die Thüre des Bureaus auf. und eineFrau trat herein. Sie war hübsch, so wett ich ihr G.'sicht unter dem dichten Schleier zu beurtheilen vermochte. Meine Blicke blieben auf blonden Locken, schwarzen Augen, rothen Wangen, auf dem hübsch geformten, mit einem Grübchen versehenen Kinn haften. Sie trug ein schwarzes, reich mit Spiken verziertes Kleid. Die Dame trat dicht an micb heran, blickte mir in die Augen und fragte lächeln'o: Glauben Sie, daß Herr Gregory heute noch einmal in's Bureau kommt?Ich theilte ihr mit, daß er jedenfalls bald erscheinen würde und bot . der Fremden einen Stuhl an. Sie setzte sich und lächelte wiederum. Alsdann warf sie einen scheuen Blick zum Fenster hinaus und machte die Bemerkung, daß es regnete. Ich glaube, es wird die ganze Nacht regnen," sagte sie. Wie thöricht von mir, auszugehen! Ich bin so schwach, daß eine Erkältung meinen Tod herbeiführen kann. Wenn Sie mir nur einen Gefallen thun würden es ist zwar ein wenig viel verlangt von einem
Fremden; aber Sie thun es ich weiß es ich sehe es Ihnen an." Wenn es irgend möglich ist," erwiderte ich. Wenn Sie nur bis zum AvenuePlatz No. 40 gehen wollten und dort bestellten, man möchte Frau Eontilles Wagen schicken," sagte sie. Sie können doch gleich darin zurückfahren. Es ist wirklich ein wenig viel verlangt, nicht wahr, aber Sie müssen wissen, ich bin eine gute Freundin von Frau Rechtsanwalt Grogory, undSie erweisen mir wahrlich einen großen Dienst." Ich muß gestehen, die Sache erschien mir recht sonderbar, und ich dachte, was Herr Grogory wohl dazu sagen würde. Die Dame schien jedoch meine Gedanken zu errathen und fuhr fort: Ich werde indessen hier achtgeben und Herrn Gregory den Sachverhalt erklären, wenn er kommt." Sie lächelte mir mit bestrickender Liebenswürdigkeit zu. Dieses Lächeln war entscheidend. Ich nahm meinen Hut und ging hinaus. Der Regen hatte schon ganz aufgehört, und ich mußte im Stillen über die Angst der Dame, naß zu werden, lächeln. Ich eilte vorwärts nach dem Avenue Platz. Der Weg war nur kurz. Vergeblich suchte ich aber nach Nr. 40. In größter Verlegenheit stand ich an der Ecke. Da legte ein roher, unangenehm aussehender Mann seine Hand auf meine Schulter und rief: Hallo, wen suchen Sie denn?" Frau ContillesHaus, Avenue-Platz No 40," antwortete ich. No. 40 giebt's ja gar nicht." sagte er. Sie haben sich geirrt, es ist No. 30. Ich bin ihr Kutscher. Was will sie denn?" Sie verlangt nach Ihnen und ihrem Wagen." erklärte ich. Sie wartet in Herrn Gregory's Bureau." Ja," meinte der Kutscher, sie verlangt immer nach irgend etwas. So machen's die Frauen. Ich bin sogleich mit dem Wagen zur Stelle. Sie fahren doch gleich mit zurück?" Ich hatte meinen Thee noch nicht getrunken und die Zeit war knapp. Deshalb entschloß ich mich, mit ihm zu gehen.Als der Kutscher dies hörte, wurde er noch viel liebenswürdiger. Sie ist eine Dame, die einen Stall hat, wie kaum eine zweite," begann er von neuem das Gespräch. Ich sehe es Ihnen an, Sie sind ein Pferdekenner. Sie müssen sich diese schönen Thiere ansehen. Bitte, hierher, mein Herr!" Diese Worte schmeichelten mir sehr. Ich nickte mit dem Kopf und folgte dem Manne. Er führte mich die Straße hinunter bis zu einem eigenthümlich aussehenden Gebäude, dessen Thüre er öffnete. Nach Ihnen, mein Herr." sagte er und lud mich durch eine Handbewegung
ein, einzutreten. Ich ging einige Schritte vorwärts. Plötzlich fühlte ich harte Hände auf meinen Schultern; ich wurde wenige Schritte vorwärts geschleudert, ich hörte, wie eine Thüre geschlossen wurde, und war ganz allein in einem leeren Gebäude. Umsonst war all mein Nufen und Schreien, ich blieb allein, stundenlang allein. . Endlich brach der Morgen an. Ein schwacher Lichtstrahl fiel in mein Gefängniß. Ich entdeckte ein lockeresBrett in der einen Wand des Gebäudes. Heftig stieß ich mit dem Fuße daran, es gab nach; ich schlupfte durch dje entstanden? Oeffnung und gelangte in einen kleinen Garten, von wo aus ich die Straße erreichte. So schnell als meine Füße mich zu tragen vermochten, eilte ich dem Bureau zu. Als ich noch einige Schritte davon entfernt war, bot sich mir ein Anblick, der mich beben machte. Die Straße war mit einer unzähligen Menge von Leuten gefüllt, in deren Geslqtern sich Schreck und Entsetzen malte. Schutzleute bewachten die Thüre des Bureaus. Etwas Schreckliches mußte sich zugetragen haben. Von Angst getrieben, stürzte ich vorwärts. Diejenigen, welche mich kannten, machten mir Platz. Ich trat in das Bureau und sah Herrn Georg Gregory todt auf dem Boden ausgestreckt liegen, in seinem Blute schwimmend. Ein grausiges Bild! Der eiserne Geldschrank stand weit offen,' und die darin aufbewahrten Papiere lagen verstreut aus dem Boden. Ich fiel in Ohnmacht und kam in das Gefängniß. Nach kurzer Zeit erhielt ich meine Freiheit zurück; denn wohl Niemand hatte ernstlich daran gedacht, mich für den Thäter zu halten. Die unglückliche Wittwe, welche der Kummer so gebeugt und verändert hatte, daß ich sie kaum wiedererkannte, bezeugte vor Gericht, daß ich ihrem Gemahl stets treu und ergeben war. Meine Geschichte wurde überall und immer wieder von neuem besprochen und beleuchtet, und es blieb kein Zweifel. daß jener schreckliche Mann, der mich in dem Stalle eingesperrt hatte, der Mörder war. Man hörte und sah nichts mehr von ihm. Er war mit der Summe von 60.000 Mark und dem Brillantschmucke Frau Gregorys glücklich entkommen. Angst und Aufregung hatten mich krank emacht. Als ich mein Sch'.cksal nicht länger zu ertragen vermeinte, faßte ich den Entschluß, England zu verlassen. Ich begab mich zu Frau Greaory, um Abschied von ihr zu nehmen. Feierlich legte sie ihre beiden abgemagerten Hände in die meinen und sagte: Ich werde wohl bald von der Erde abberufen werden und Sie niemals wiedersehen. Schwören Sie mir, daß Sie, wo und wann Sie den Mörder meines Gemahls auch treffen, alle Mittel anwenden werden, ihn den Gerichten zu überliefern. Behalten Sie seine Züge und seine Stimme treu im Gedächtniß. Bringen Sie ibn an den lAalgen, wenn Sie seiner habhaft werden. Bringen Sie ihn an den Galgen, Frank Forrest, oder mein Fluch ruht aus Ihnen."
Es bedarf wohl kaum meines Versprechens", erwiderte ich tief erregt. Sie aber ließ mich auf .die Bibel schwören. Daun küßte sie mich zärtlich und segnete mich, als wäre sie meine Mutter. Ich ging nach Amerika, und die Goldgier ergriff mich. Fünf lange Jahre arbeitete ich in den Goldminen und erwarb mir ein großes Vermögen. Ich konnte mich über mein Sch'.cksal nicht beklagen. Mit gefüllten Taschen, einem kräftigen Körper und gesunder Seele begab ich mich nach San Francisco, um mein Leben zu genießen. Nur Jemand, der viele Jahre wie ich gelebt hat.kann das Vergnügen ermessen, das ich an der Gesellschaft meiner Mitmenschen fand. Ich freute mich, sie Vergnügungsorten zuströmen zu sehen, und es war mir eine Lust, mit den neugewonnenen Bekannten plaudern zu können. Kein Mann verliebt sich so leidenschaftlich und schnell wie der, welcher längere Zeit von der menschlichen Gesellschaft getrennt war. Wer hätte aber Senora Maria nicht bewundert? Wem hätte sie keine Neigung eingeflößt? Die Fama erzählte, daß sie Spanierin wäre, und aus ihren schönen Augen leuchtete die Gluth des sonnigen Spaniens. Einem Manne, der in den Goldgruben Amerika'S gearbeitet hat, ist es gleichgültig, was die Welt über ihn oder über andere spricht. Es hm mir niemals in den Sinn, nach Maria's Vorleben zu fragen. Ich liebte sie, warb um sie, und gewann ihr Herz. Ich war fest davon überzeugt, daß sie mich liebte, und glaube es auch jetzt noch. Sie war ein lebhaftes Geschöpf, leichtsinnig und leidenschaftlich. So wie sie war, kann kein Mädchen sein, das in einem friedlichen Heim aufgewachsen ist. Auch ich war leichtfertig und heißbllltig geworden. Ich glaubte fast, ich liebte sie um dieser Eigenschaften willen noch inniger. Unsere Hochzeit sollte bald stattfinden. Für mich gab es, allen Liebenden gebt es wohl so, nur noch zwei Dinge auf der Welt: Wo sie war, und wo sie nicht war." Wir besuchten Concerte und Theater, wo ihre Schönheit von der Fluth des Lichts bestrahlt, alle Blicke auf sich lenkte. Ich überschüttete
sie mit Geschenken. Sie lohnte mir reichlich mit dem süßen Versprechen, daß sie mir bald ganz angehören, daß sie mir treu bleiben wolle für das ganze Leben. Auch im Himmel?" fügte ich einmal binzu. Da sah sie mich wild und seltsam an. Still, Frank," sprach sie,, ich mag weder an den Tod noch an den Himmel denken. Mich verlangt es nicht nach Vergebung meiner Sünden. Doch genug hiervon." Der Tag unserer Vermäblung war schon ganz nahe, als ich sie eines Tages besuchte. Sie hatte mich nickt erwartet und war damit beschäftigt, verschiedene Dinge in einen kleinenKoffer zu packen. Trotz der draußen herrschenden Wärme loderte ein Feuer im Kamin. Als ich eintrat, sah ich, wie sie eine Menge hellblonder Haare verbrannte, welche von einer, auf ihrem Schoße liegenden Perücke abgeschnitten waren. Plötzlich ward sie meiner ansichtig und schrie auf: Ach, Frank, ich habe Dich gar nicht eintreten hören. Sieh, ich gebe gerade die Erinnerungen an einen Maskenball, wo ich als Blondine ging, den Flammen preis." Sie war bei diesen Worten so bleich geworden, daß ich erschreckt fragte: Ist Dir nicht wohl?" Ich kann den Geruch des verbrannten Haares nicht vertragen antwortete sie. Schnell, Maria, gieb die Perücke dem Mädchen, damit es dieselbe wegwirft; ich will diese blonden Haare nicht wiedersehen," befahl ich und suchte dabei nach ihrem Riechsalz. Ich fand es und nahm es unter mehreren Gegenständen hervor. Zufällig blieben meine Blicke auf einem Etui haften einem muschelförmigen Etui aus abgegrisfenem rothem Sammt, das ich schon irgendwo gesehen hatte. Eine Brosche und Ohrringe leuchteten mir entgegen, die mich an alte egyptische Vasen erinnerten. In der Mitte der Brosche befand sich eine Perle an Stelle des Steines. Frau Gregorys Diamantschmuck!" So rief ich laut. Diese Worte hatten Maria tief getroffen. Fest schmiegte sie sich an mich. Frank," sagte sie, Frank, was ist denn geschehen? Geliebt, sprich doch!" Wie ein Espenlaub zitterte sie am ganzen Körper. Ich betrachtete die am Boden liegende Perücke. Ich betrachtete das reizende Grübchen in dem Kinn, das ich so oft geküßt hatte, und dann lehnte ich mich gegen die Wand. Jetzt kannte ich meine Braut. Ich erinnerte mich ihrer plötzlich qanz deutlich. Sie war also die Frau, welche ich vor sechs Jahren, an jenem verhängnißvollen Tage, allein in Herrn Gregorys Bureau gelassen hatte. Verkleidet war sie dorthin gekommen. In welcher Absicht?' Settora Maria," sagte ich, und meine Stimme hatte einen fremden, seltsamen Klang, hast Du mich veroessen? Erinnerst Du Dich nicht mehr des jungen Mannes, dessen Du Dich entledigtest, als Du vor Jahien in das Bureau des Rechtsanwalts Gregory kamst und diese blonde Perücke trugst?" Maria lag zu meinen Füßen. Frank!" stammelte sie, Frank, Du mein Geliebter! Ich wollte ihn ja nicht tödten, ich wollte nur den Geldschrank öffnen. Er ertappte mich dabei, er packte mich an. Da benutzte ich mein Messer. Frank, Frank, sei barmherzig! Ich will in ein fernes Land gehen, weit, weit fort. Ach Frank, bedenke, daß Ich Dich lieb habe." Ich bedachte es wohl Todesqualen folterten mich.
Sie hatte daS Verbrechen gestanden, und ich dachte an meinen Eid. Ich gedachte der Wittwe und ihrer Angst. Ich gedachte der Kinder die in jener schrecklichen Nacht zu Waisen geworden waren. Ich gedachte Georg Gregorys, wie er in seinem Blute auf dem Boden lag. Ich war zu seinem Rächer auserkoren, und sein Geist gab mir Muth, das zu vollbringen, was ich vollbringen mußte. Schnell öffnete ich die Thüre und lief auf die Straße hinab. Zufällig war der erste, der mir begegnete, ein Detektiv aus London, mit dem ich einige Tage vorher über die geheimnißvolle Ermordung Georg Gregory's gesprochen hatte. Ich ergriff ihn am Arme. Die Frau, welche Georg Gregory ermordet hat. befindet sich in jenem Zimmer," raunte ich ihm zu. Ich habe Beweise und ihr Geständniß." Sind Sie toll geworden!" rief er. DaS ist ja SeQora Marias Wohnung." SeLora Maria ist die Mörderin, und ich werde in kurzer Frist toll sein." erwiderte ich. Darauf fiel ich bewußtlos zu Boden, und ein gnädiges Dunkel und Vergessenheit umfingen mich. Sie starb. Mehr weiß ich nicht zu sagen. Ihre Schuld ward ihr bewiesen, auch trachtete sie keineswegs darnach, si: zu verhehlen. Von Kindheit an gemein, war sie dann ehrlos geworden und Mitglied einer Räuberbande. Aber ich liebte sie, und sie liebte mich. Das habe ich nie vergessen. Dieses Gesicht verfolgt mich, jetzt da ich das Goldland durchstreife, achtlos an seinem Golde vorübergehe und nur darauf bedacht bin, den Anblick jeder Frau zu meiden. Es wird mich mein ganzes Leben ttnduch verfolgen, bis ich endlich in irgend einem fernen Himmelstrich zur ewigen Ruhe eingegangen sein werde. Ich werde nie ruhig darüber werden können, daß ich die einzige Frau, die ich je geliebt, dem Tode weihte. J liebte sie und liebe sie noch, obgleich sie so schlecht war die verworfene Morderin Sellora Maria.
Radler-Weisen nach klassischen Mustern. Bon Thettla Edenfeld. (Schiller.) Kühn in Bausch und Bogen Durch das fernste Thal, Kommt die Maid geflogen Auf dem Roß von Stahl. Stolz ist ihr Gebühren, Freudig strahlt ihr Blick. Träumend von Gefahren Hofft sie auf das Glück. Herzen zu bezwingen Sucht sie alleweil; Mög' es ihr gelingen. Fröhlich zu All Heil!" (Heine.) Du bist, o tapf're Dame Der Radler Königin, Ich seh dich an und Wehmuth Kommt leis mir in den ßinn. Mir ist. als ob ich zum Himmel Sollt' beten für dein Glück, Auf daß von jeder Ausfahrt Stets heil du kehrst zurück! (Goethe.) Freudvoll, vor Lust toll Sitzt sie auf dem Rad, Eile ohn' Weile Fährt sie auf dem ?fad. Denken unnothig, D Fahrkunst nur adelt. Glücklich allein ist Die Jungfrau die radelt! (Rich. Wagner.) Radle nur redlich, du rosige Mfaio, Freiheit und Frohsinn führst du im Geleit'. Wandre nur wonnig durch Wald und durch Feld. Grüße die große, die glorreiche Welt! Vorüber! von Maidy Koch. Ueber blätterlose Ranken Raschelt leis' der Wind dahin. Äerbstestrauriae Gedanken Zieh'n mir düster durch den Sinn ... Keine Rose will mehr glühen Bleiche Astern seh' ich nur; Armes, düfteleeres Blühen Todten Glückes letzte Spur. Todt, wohin die Augen schweifen. Alles, was der Lenz gebar, Und ich kann es kaum begreifen. Daß eö einmal Frühling war. Ein guter Mensch. .Der Doktor Müller, der neue Arzt, scheint ein sehr gutes Herz zu haben?" Das stimmt; wenn zum Beispiel mal ein Gesunder mit einer eingebildeten Krankheit kommt,' läßt er ihn gesund." Schneidig. Sehen Herr Lieutenant drüben die blutjunge Ba- . ronesse? Deren Herz gleicht noch einem kühlen, von keinem Lufthauch bewegten Wasserspiegel." Aeh jleich 'mal als Cyklon 'reinfahren!" H e im g e s chi ck t. Frau (eines patientenlosen Gatten): Was? Du willst mir etwas sagen? Du hast ja nicht einmal in der Sprechstunde was zu reden!" Scheinbarer Widers p r u ch. Du glaubst, daß die älteste Tochter des Bankiers eztragroße Mitqift kriegt?" Ja. die ist so hübsch häßlich!" Boshaft. Dichter: Nun, haben Sie denn mein Stück gut vorbereitet." Direktor: Jawohl, sämmtllche NothauSgange sind revidirt." .
TasNäthlcldcSWcibeS.
Ja. mein Herren," sagte der Steuerrath, das Weib ist ein Räthsel und wird es ewig bleiben." Die anderen nickten. Nur der Oberlehrer lächelte und sagte: Was mich betrifft, so habe ich das Räthsel des Weibes gelöst!" Allgemeines Staunen. Renommist." brummte der Amtsrichter. Wenn Sie erlauben, berichte ich Ihnen -" Ach wer weiß, welch' Philosoph!sches System Sie uns da austischen wollen!" warf der Amtsrichter ein. Nichts dergleichen, nur eine kleine Geschichte." Dann schießen Sie los." Ich war Hauslehrer auf einem Gute, dessen Besitzer nicht weniger als sechs reizende Kinder sein eigen nannte. Die reizendste war aber sür mich wenigstens Gerda, die älteste, d. h. sie war achtzehn Jahre alt. Ich nahm meine Aufgabe als Lehre: der Kinder sehr ernst und beschäftigte mich nicht nur in den Unterrichtsstunden mit ihnen. An einem Winterabend faß ich mit den Kindern um den Familien tisch und gab ihnen Räthsel auf. Der Gutsbesitzer und seine Frau befanden sich in der Nachbarschaft zum Besuch. Fräulein Gerda war eines Unwohlseins wegen zu Hause geblieben. Als ich mich so mit den Kindern beschäftigte. kam sie dazu und ließ sich durch die Räthfel so fesseln, daß sie mit zu rathen begann. Nun wünschte ich. daß alle Kinder sich beim Rathen betheiligen sollten, daher hatte ich angeordnet, daß jedes Kind, welches die Auflösung gefunden zu haben glaubte, sie mir in's Ohr flüstern mußte. Erst wenn alle gerathen hatten, wurde die richtige Auflösung laut verkündigt. Nun legten sich aber einzelne der kleinen Schlauberger aus's Lauschen und erhäschten die Lösung, wenn sie mir zugeflüstert wurde. Daher mußte ein umständlicheres Verfahren eingeführt werden. Ich ging mit dem glücklichen Errather in's Nebenzimmer und ließ mir die Lösung mittheilen. Zuletzt gab auch Geida Räthsel auf. und ich mußte natürlich mitrathen. Sie wählte ihr Räthsel besonders schwierig, trotzdem fand ich die Lösung. Nun, wie heißt sie?" fragte Gerda. Sagen Sie sie mir ins Ohr." Nein, nein," schrieen alle Kinder, wir haben ja ausgemacht, daß ins Nebenzimmer gegangen werden muß." Dem Volkswillen" sügte sich Gerda erröthend, denn die Nebenstube war dunkel, und Sie werden es versiehen, meine Herren, daß ich mich nicht begnügte, ihr die Auflösung ihres Räthsels in's Ohr zu flüstern, sondern auch sie zu küssen." Und sie schrie nicht?" Nein, denn ich fragte sie gleichzeitig, ob sie meine Frau werden wolle." Damit haben Sie allerdings das Räthsel des Weibes" gelöst und zwar doppelt," gab der Amtsrichter zu. Sonderbare Existenzen. Das Sammeln von Negcnwürmern Wird in der Umgegend der deutschen Reichshauptstadt im Sommer von einer großen Anzahl von Leuten geradezu be rufsmäßig betrieben. Um die jetzige Zeit kommen die Sammler, die zumeist an der Oberspree wohnen, mit ihren Familienangehörigen - allabendlich zu sammen und bilden ein Eonsortium von etwa 100 Personen. Dieselben haben ihre bestimmten Plätze, wo sie aMährlich sammeln und betreiben das Geschäft genocnschastlich. Große Ligroinlam pen werfen ihr Helles Licht über den Bo den und emsig suchen die Sammler die. Würmer auf, die oft in unheimlicher Menge auf dem Boden herumkrabbeln. Die Leute kennen auch ein Mittel und wenden dasselbe an, um die Würmer aus der Erde zu locken. Die gesammte Beute einer Nacht, allerdings von mehreren Plätzen, beträgt durchschnittlich 3 bis 4 Centner. Besonders beliebt zum Sammeln ist die Gegend um Schmöckwitz, wie anch um Wern-dorf. Früh Morgens fahren die Sammler mit den ersten Zügen wieder nach Hause und nur einige liefern die gesammelte Jagdbeute an den gewünschten Stellen ab. Das Geschäft wickelt sich stets glatt ab, denn die Nach. frage nach der Waare ist noch immer größer, als das Angebot. Ein fernerer sonderbarer Erwerbszweig, der ebenfalls berufsmäßig von einigen Leut?n betrie ben wird, ist das Sammelen von Amei seneiern oder richtiger Ameisenpuppcn. Tiefe Leute liegen tagaus tagen: im Walde, kennen alle Ameisenhaufen und plündern dieselben regelmäßig zweimal, wobei sie mit einer merkwürdigen G schicklichkeit verfahren. Sie werden all gemein nur Waldmcnschen" genannt. Ihr Aussehen ist wenig vertrauenerwe ckend, obschon sie ganz harmlos sind. Das Aufwerfen eines Ameisenhaufens muß blitzschnell geschehen. Sie vcrrich ten Alles mit den Händen allein, und diese haben dadurch ein fast krallenarti ges Aussehen erhalten. Das Geschäft nährt aber seinen Mann, denn ein tüch tiger und geübter Waldmensch" bringt es im Sommer auf einen täglichen Ver dienst bis zu acht Mark. Anno dazumal. Herr tzauptmann, die Herre möchte einrücke, weil's yarfo nach Regen ausschaut. Der Huber hat schon einen Tropfen auf die Ras' bekommen!" Na, aber wegen dem bissel ReU gen Rucke mer lieber ein, Herr Haupmann, sunst laufe se nachber wieder den ganzen Sommer Mlt die verrostete Gewehr umanandV . . Einfacher. A.: Mein: Frau fällt nicht mehr in Ohnmacht, wenn ich ihr ein.Kleid abschlage." I.: Also kurirt?" A.: Das nicht, s: fällt gleich über mich "'" ' ;;
