Indiana Tribüne, Volume 20, Number 362, Indianapolis, Marion County, 19 September 1897 — Page 6
Allein ober gcscMg. Alleinsein, nicht Einsamkeit, soll 'hier tn Frage kommen, denn Einsamfeit ist kein direkter Gegensatz der Geselligkeit. Alleinsein ist etwas mehr körperliches. Einsamkeit, Vereinsainung etwas seelisches; fast trauriger als der Tod, ist ein langsames Hinsterben des Herzens, vor dem jeden ein freundlich Geschick bewahren möge! Man kann sehr wohl einsam dastehen -unter Tausenden, nie allein; man kann andererseits allein sein und doch nicht einsam, wenn im Herzen die Gestalten lieber Menschen mit uns ein stilles Lebtn führen, wenn unser Geist große -und hohe Gedanken bettegt oder auch mit niederen heimlich Zwiesprache hält. Was nun vorzuziehen sei: allein oder gesellig? Keins von beiden ausschließlich. Wer dauernd allein lebt, wird bald aus der Liste der Lebenden formell gestrichen sein; wer in der Geselligkeit abgeht, ist in Gefahr, bald in ihr unterzugehen. Dauerndes Alleinsein sühn zurEinseitigkeit und träumerischer Schwärinerei, zu allerlei Irrthümern über Wt, Menschen und Leben, über sich selbst nicht weniger; denn es fehlt der Maßstab, an dem man sich selbst mißt, sein Denken und Handeln, sein Wollen -und Vollbringen; den aber haben wir nur in anderen. So bildet sich entweder cm gewisser Dünkel des Besserund Erhabenseins oder eine nicht zu rechtfertigende, allzu bescheidene Auffassung über seinen eigenen Werlh. Der eine wird dann stolz und hochfahlend, der andere, was häufiger vorkommt, scheint jeden um EntZchuldiqung für seine Ezistenz bitten zu wollcn; eins so lächenich wie das andere. Wer lange allein lebt, führt zuletzt nur noch ein geistiges Traumleben, jedes Hineinragen der Wirklichkeit erschreckt ihn förmlich, regt ihn auf. zittert noch Zange in ihm nach, jede kleinste Rauhheit der Menschen und des Lebens derletzt ihn. Die Gedanken, durch '..Zejenium anderer nie gekreuzt, beschreiben ständig denselben Kreislauf und fühtcii naturgemäß zu einseitigem Denken Überhaupt. Was im Menschen lebt, i'mgt danach, sich zu entwickeln, zu bil"den, darzustellen, das Dunkel sich zu klären; das kann nur ein gegenseitiger Gedankenaustausch. Alleinsein führt auch sonst noch vielfach zu Schaden: der :ine, aus mangelnder Kenntniß der schlechten Seiten dsr Menschennatur, ist zu vertrauensselig, der andere zu mißtrauisch aus Unkenntniß. aus Unglauben an die guten derselben; einzeln ist der Mensch schwach, verbunden stark. Unkenntniß im gesellschaftlichen Sichbewegen macht zaghaft, linkisch und bei allen Vorzügen oft sogar läherlich. Wer sich von den Menschen abschließt, darf sich auch nicht wun"dem, wenn er ohne Freundschaft durch das Leben geht; wer soll sich und wie ihm nahen? Wohl behauptet mancher Alleinstehende stolz oder verbittert: Ich verzichte gern aus Freundschaft; es gib! zudem keine wahre. Alles ist Egoismus, alles Berechnung; ich bin mir selbst genug!" Doch das Geschenk Gottes", den Besch eines treuen Freundes unterschäße man nicht! Es gibt deren noch, sie sind sparsam, ach, qar sparsam gesäet; aber sie sind da! 'Freundschaft, wahre, verlangt aber rnch Erwiderung, hat ein Recht da--rauf, verlangt vor allem aber zu ihrer Entwickelung der Zeit, ist fast nie, ja, "darf nie das Ergebniß flüchtigen Ken inenlernens sein. Geselliger Verkehr, Umgang mit Menschen muß dem Alleinsein die Wage halten. Geselligkeit, nicht ausschließliche, erhält den Geist biegsam, läßt ihn nach Arbeit und Alleinsein nieder elastisch werden. Geselligkeit verhütet, daß der Mensch in sich selbst in den Kleinig- und Kleinlichkeiten des :bens. ihren Sorgen und Plagen aufgebt. Man darf der Welt sich nicht entziehen, ein jeder soll nach dem Maß seiner Gaben ihr nutzbar sein; auch ihr Lob, ihren Tadel muß er auf sich wiritn lassen, und wer sich in ihr nicht geltend macht, ist eben eine Null in ihr. Wie ost auch wird durch ein Wort des Indern ein Gedanke, eine That geweckt, ein Dunkel erhellt! Allerdings heißt es in der Welt und für den Aufenthalt darin: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!" Es beißt darin die Augen aufhalten, h'oxen, vergleichen, urtheilen. Es ist in ihr nicht alles Gold, was glänzt; man inuß aber auch nicht in jedem einen Msewicht sehen. Unser Umgang sei uns indeß durchaus nicht einerlei! Wir können nicht verhindern, daß wir geleentlich mit minderwerthigen Elemenien zusammentreffen, doch kühle Neserve muß sie von uns fern halten. Kälte nur bändigt den Schlamm." Unser Umgang muß uns innerlich zu allem Guten und Edlen kräftigen, besser, reiner machen; und wo das -nicht der Fall ist, geben wir ihn auf, suchen wir anderen! Wer mit den Weifen umgeht, der wird weise; wer aber der Narren Geselle ist, wird Narren - Gedanken bekommen." Wer ausschließlich der Geselligkeit lebt, wird flach, innerlich zerfahren; auch der Mcnfch in uns muß immer wieder eininal zu Worte kommen. Darum ist es wohlgethan, nicht ausschließlich allein, nicht ausschließlich gesellig, beides in gleichem Maße, in u?eiser Abwechselung! Ein Leben in Arbeit, Geselligkeit, Stille wird daher daS zweckmäßigste, befriedigendste, gefundeste fein. Wer dauernd allein zu sein Neigung hegt, lege sich ab und zu den wohlthätigen Zwang der Gesellig"seit auf; wer sehr gesellig lebt, prüfe sich, ob ihm nicht gelegentlich die Ruhe rnehr frommt, für Geist und Herz nothwendiger ist.
Reflexion. Lieutenant (auf der Soiree): Der Herr Rath hat tttt alte Töchter! Bei dem könnte ja die jüngste die älteste sein!"
etexßof. Unter den Zarenschlössern übertrifft keines an Pracht die herrliche Sommerresidenz Peterhof am Südufer des Kronstädter Meerbusens. Bemerkenswerth ist Peterhof nicht blos durch die Schönheit, welche Natur undKunst ihm verliehen, sondern auch, weil Generationen des russischen Kaiserhauses an der fortschreitenden, immer verschönernden Ausgestaltung dieser Nesidenz gearbeitet haben, der Zeugin so vieler glänzender Feste und eines prunkvollen Hoflebens seit bald zwei Jahrhunderten, der Wohnstätte so vieler Fürstlichkeiten, die am nordischen Kaiserhof als Gäste geweilt haben. Peter der Große war es, der sich zuerst hier unterhalb des Plateaus, das sich etwa eine englische Meile landeinwärts parallel dem Ufer hinzieht, ein T'ied-h -terre erbaute für feine häufigen Fahrten zum Kronstädter ' Festungsbau. Das ist das heutige MonMwM " ituii! I e l v e d e r e. plaisir, ein Lieblingsaufcnthalt auch Katharina's II. und Nikolaus' I.. die beide für Peterhof besonders viel gethan haben. Aber auch Peter's Tochter. die Kaiserin Elisabeth, baute fleißig, namentlich am Großen Palais, zu dem der Begründer der Residerz- im Jahre 1715 durch einen seinei trefflichsten, fremdländischen Architekten, Leblond, den Grund legen ließ, während ein anderer Ausländer, der in russische Dienste getreten war. Graf Nastrelli, in den vierziger und fünfziger Jahren desselben Jahrhunderts dem stolzen Schloß ungefähr die Heutige Gestalt gab. . Doch es ist hier nicht gut möglich, die Entwickelung des an Sehenswürdigkeiten so unaemein reichen Peterhof, seiner Schloßbautcn und Gartenanlagen die anderthalb Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Der Blick vom hochgelegenen großen Palais aus über die Wipfel des unteren Parks hinweg, in dem die berühmten Wasserwerke rauschen und plätschern, auf's Meer hinaus, ist entzückend. Ein breiter Eanal führt unterhalb der hier offenen, nach den drei anderen Seiten hin W M r?r. i jfclA ?' r1 -1 rt-Zj f& jili? c U.v-tJ ""- rr -il'o-r-T".-?i EÄ J? Kirche. aber von Gebäuden und Mauern umgebenen Schloßterrasse zum Meere hin. Cascaden ergießen sich unter der Terrasse in ihn, und hier auch hat einer der größten und ältesten Springbrunnen seinen Platz, die colossale SimsonGruppe inmitten von Colonaden aus edlem Gestein. Sie ist ein Werk des Bildhauers Koslowski, das zuerst in Blei, dann unter Paul I. in Bronze gegossen und vergoldet wurde. Zahllos sind die übrigen, im unternSchloßpark mit seinen rechtwinkelig sich kreuzenden Alleen sprudelnden und gurgelnden Wasserwerke und gar mannigfaltig in den Formen. Die Haupt gruppen sind der Adam- und der EvaBrunnen, dann die riesenhohe Pyramide, die Schachbrett - Cascade u.s.w. Nur Sonntag spielen für gewöhnlich alle Wasser, und dann ist Petcrhof der Zielpunkt Tausender von Ausflüglern aus der Stadt und Umgegend. Der Hauptbau des im Geschmack Ver italienischen Spätrenaissance und des Rococo ausgeführten, mit seinen hohen, metallglänzendcn Kuppeldächern weit 7" ;rr K-Orst? iscmr fcs m x. k ß i i st twSStWJfi. ff -.vi v w.r iii tLi x m ' i - - ' Kaiserinsel. vom Meer aus sichtbaren Schlosses enthält im zweiten Stock die Paradegemächer. Hier befindet sich auch das in Eichenholz geschnitzte Cabinet des Kaisers, an dem Peter der Große selbst mitgearbeitet hat. Der erste große Saal, in den man von der Paradetreppe auö eintritt, ist der Portraitsaal mit dem Blick auf's Meer, in dem die Seitenwände mit 323 Bildnissen von der Hand des Grafen Rotari geschmückt sind, den Katharina IL in's Land rief. Links schließen sich an das Chinesische Zimmer. e? Weiße Salon mit einem Standbild Peter's des Großen im Sturm auf dem Ladogasce von Ustrachow, endlich der Himbeerfarbene Salon mit dem Pimenow'schen Broncedenkmal des Admirals Lasarew. Von den übrigen Paraderäumen ist besonders das Audienzzimmer mit der von Valerini gemalten Decke sehenswerth, dann der große Weiße Saal mit wundervollen Gobelins und Hackert's Gemälden zur Verherrlichung der Russensiege über die türkische Flotte im Jahre 1770. Links und rechts sind an dem Mittel-
Schloß
WWW MU tWMAMW lääT
mmm mup&
mmmm
y-r VS&
-Zrtt?
r-'-'K
umfh
x-v
2t
bau zwei Flügel angebaut, und - den Hof säumen zwei Galerien ein, von denen die eine zum Suitehaus führt, die andere zu der kuppelglänzenden Kirche. Die eigentliche Schloßkirche selbst befindet sich a3er im Palais, im zweiten Stock am östlichen Ende. Sie ist mit ihren fünf Kuppeln im Jahre 1751 eingeweiht worden und enthält viele Reichthümer und Sehenswürdigleiten. Gleich hinter dem Schloß erstreckt sich der obere Garten, der auch jetzt noch den einstigen Zopfstil nicht ganz verleugnet. In semer Mitte steht die große wasserspeiende Neptunsgruppe. Der große englische Park, der sich dort viele Kilometer hinzieht mit Seen, Bächen. Wasserfällen, Wiesenplätzen und köstlichen Baumgruppen sowie' mit vielen Pavillons und anderen Bauten, ist eine Schöpfung Katharina's II. Hier, südlich vom Großen Palais, finden wir auch eine besonders reizvolle Schöpfung Nikolaus' I.. dem Peterhof, ebenso wie später seinem Enkel Alexander III.. stets der liebste Sommeraufenthaltsort war. Es ist das ein bei der Entwässerung der Sümpfe entstandener künstlicher See mit zwei kleinen Inseln. Die Kaiserininsel heißt die eine, Olgainsel (zu Ehren der verstorbenen Königin von Württemberg Olga Nikolajewna angelegt) die andere. Beide stammen aus den vierziger Jahren, und beide zieren kleine, schloßähnliche Villen, schön in ihren italienischen Formen und reich an Kunstschätzen, namentlich an Bildwerken. Blüthenweiß lugen so die beiden Schloßvillen aus dem Grün mächtiger Baumgruppen und der BlumenPracht der Gärten hervor. Die Villa auf der Zaren - Insel ist im Innern durchweg pompejanisch ausgebaut und
?., &'waa, ryt? AmMyAM 17T- n -,M fffSn '-v MiM lW3P O l g a i n s e l. decorirt. Werke von Stawasser, Pimcnow und anderen russischen Meisicrn der Bildhauerkunst schmücken das Treppenhaus, den Flur, den Garten. Dreistöckig ist der Olga. - Pavillon, ebenfalls im italienischen Stil. Auch hier sind schöne Bildwerke, vor allem Stawasser's reizende Nymphe, die am Wasser steht, und eine broncene Mädchengestalt von Vitali. In diesen unteren Theil der.kaiserlichen Sommerresidenz begeben wir uns noch einmal. Aber nicht etwa, um Alexandria, weiter östlich an den Park sich anschließend, mit seiner reizenden Cottage einen flüchtigen Besuch abzustatten, wo Alexander IH. sein Familienleben allsommerlich führte, wie jetzt sein Sohn und Nachfolger, und auch nicht, um noch einige der zahlreich in dem ganzen Park weithin verstreuten Einzelbauten und Anlagen zu besichtigen, zu denen auch der Rosenpavillon gehört, sondern um noch einmal in Monplaisir einzukehren, unten im uralten Park, hart am Meer. Es ist ein niedriger, rococoförmiger Bau, der. theilweise mit bis zum Erdboden reichenden großen Fcnstern.durch die wir in die an historischen Erinnerungen reichen Hallen und Säle hineinblicken. in der Hauptsache schon im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts vollendet wurde. Jedenfalls stammt aus jener Zeit auch schon die air.j, Ji' Rosenpavillon. von zwei Seitenflügeln des Schloßpa villons eingerahmte Marmorterrasse am Wasser, von den vielen entzückenden Punkten Peterhofs einer der allerschönsten. Weit hinaus erglänzt das Meer im letzten Abendschein. Dunkelblau zieht sein äußerster Saum bin, von weißenSegeln und Dampfern belebt, während landwärts das Wasser den nordischen, opalfarbenen Sommerabendhimmel widerspiegelt, regunqslos. unbeweglich, riesengroß. Westwärts hinter dem in's Meer hineinragenden, lichtüberflutheten Hafendamm von Peterhof verglimmt zwischen goldumsäumten Wolken in den zartesten rothen, Helllila und silber-. grünlichen Tönen der Sonnenball, ein zitterndes, blutrothes Geflimmer über die weiie Wasserfluth verstreuend. Und rechts, im Osten, da ruht in der heraufdämmernden Nacht langausgedehnt die gewaltige Residenz, in Rauch und Dünste eingehüllt, cms denen zuweilen nur die Kuppel der Jsaakskathedrale und der nadelspitze Thurm der Festungskirche aufleuchten im Abendsonnenschein, einem Leuchtfeuer an gefahrlichen Küsten vergleichbar. Verwöhnt. Stt wollen nicht in der Nordsee baden. Herr Lieutenant?" Nein, in der fühl' ich mich zu beengt! Ziehe den großen Ocean vor!" D e r R e ch t e. Herr (zum Lebensretter. der seine Tochter aus dem Wasser gezogen): Nehmen Sie sie zur Frau, edler Mann Sie haben die. nöthige Courage!" Kleinigkeiten. Arbeiter: Entschuldigen Sie. Herr Prinzipcl, daß ich gestern gefehlt habe, bei mir zu Hause ist etwas Kleines angekommen Chef: Sie fehlen aber auch wegen jeder Kleinigkeit!"
I gJ B
fj.
&&m, TMiM
j ijjjj 4
iGUMW ( M 'im1 i hmw, 'tu
imsa&i
v.n-
MW MMl
M Mi Ä
sMMWM?Ä MMMzjGZ ?SNPg53 "
Zur Keikmg der LungenSchwindsucht. Professor Buchner in München hat den Nachweis geführt, daß daö gesunde Menschenblut Stoffe enthält, die sich für alle in den Körper' eingedrungenen Mikroben jene kleinen Lebewesen, die man für die Ursache vieler Krankheiten hält als vernichtende Gifie erweisen und so verhindern, daß diese Lebewesen krankhafte Gewebeveränderungen herbeiführen. Diese Stojf?, Alezine genannt, schützen den Körper aber nicht nur vor der Wirksamkeit der gefährlichen Mikroben, sondern sie üben auch einen heilenden Einfluß aus, indem sie durch Vernichtung der Mikroben die Krankheitsursache beseitigen. Auf diesem Vorgang beruht der Heilungsproceß der Natur. Durch die Buchner'sche Entdeckung wird nun die bekannte Thatsache erklärt, daß die Lungenschwindsucht stets in den Lungenspitzen, das heißt in den hinter den Schlüsselbeinen befindlichen Theilen beginnt, denn die Lungenspitzen
ÄU? fckJIL wfefa
Im Vadebett. sind von allen Theilen der Lunge die blutärmsten. Es mangelt ihnen also mehr oder weniger die natürliche Schutzvorrichtung und deshalb können bei sonst vorhandenen günstigen Bedingungen die Tuberkelbacillen dort ungestört ihre verderbliche Thätigkeit entfalten. Die Ursache der Vlutarmuth in den Lungenspitzen kann nur durch di; aufrechte Körperhaltung des Menschen bedingt sein, in Folge welcher das Blut durch die Schwere nach unten gezogen wird, entgegen der Triebkraft des Herzens, die es gleichmäßig in alle Körperorgane hineinzubringen bemüht ist. Und die Schwerkraft wird um so stärker wirken, und so die Blutarmuth der Lungenspitzen noch erheblicher sein, je schwächer die Triebkraft des Herzens ist. Abgeschwächt ist sie z. B. bei angeborener Veranlagung zur Lungenschwindsucht, ferner auch bei allen jenen Beschäftigungen, die mit einer sitzenden Lebensweise verbunden sind, die aber auch erfahrungsgemäß einer Entwickelung der Lungenschwindsucht erheblichen Vorschub leisten. Auf den hier skizzirten Erwägungen nun hat Stabsarzt Dr. Eugen Jacoby in Bayreuth eine neue Methode zur Heilung der Lungenschwindsucht aufgebaut. Sie besteht im Princip darin, daß den blutarmen Lungenspitzen auf künstlichem Wege ein Ueberschuß von Blut zugeführt wird. Natürlich gestaltet sich die Herbeiführung einerBlutstauung in den Lungenspitzen nicht so einfach. Dr. Jacoby hat in Gemeinschaft mit dem Jgenieur Dörr in Germersheim hierzu einen Apparat construirt, der, ingeniös erdacht, ohne Zweifel den beabsichtigten Zweck zu erfüllen gecignet scheint. Der Apparat besteht aus einem sogenannten Badebett, aus einer Gummiweste, aus einem Heizgesäß (Wassergefäß) mit Thermometer und aus einer Flügelpumpe. Der Brustkorb des Kranken wird mit der Gummiweste hermetisch umschlossen, innerhalb welcher der Brustkorb von heißem Wasser umspült werden soll. Dann werden aber noch andere Manipulationen und Mittel zu Hilfe genom men. Die Kur vollzieht sich zunächst in dem Badebett. - Der Kranke hat d'.e zur Kur nöthige Jadeweste an und ist so gelagert, daß die Füße am höchsten, die Gegend der Lungenspitzen aber am tiefsten zu liegen kommen. In dieser Selbsttransfusionistellung" fließt das Blut in Folge der Schwere auch nach dem tiefsten Punkt des Körpers, den Lungenspitzen. Diese Blutzufuhr wird Auf dem Liegesessel. nun noch durch das Vrustbad", die Bespülung des Brustkorbes mit dem heißen Wasser, erhöht und zwar setzt sich diese Wirkung zusammen aus dem Wärmereiz des heißen Wassers und aus dem mechanischen Reiz, der durch Einwirkung der Wasserstrahlen auf di: Haut erzeugt wird. Das Wasser tritt nämlich in den Raum der Gummiweste in acht kräftigen Strahlen ein, und zwar durch acht am oberen Theil der Weste, vier vorn und vier hinten, je zwei auf jeder Seite, angebrachte Oefsnungen, in welche acht lleinfingerdick: Gummischläuche einmünden. Diese stehen mit dem Heizgefäß in Verbindung, aus welchem mittelst der Flügel pumpe das heiße Wasser in den Westenraum gebracht wird. Aus diesem fließt es durch einen besonderen Gummischlauch wieder in das Heizgefäh zurück und kann immer wieder von Neuem benutzt werden. Der ganze Vorgang stellt sich als eine Massage der Lungenspitzen durch eine Heike Strahlendouche dar. Es wird täglich einbis zweimal gebadet. Die Dauer des Bades beträgt etwa eine halbe Stunde. Alsdann wird der Kranke abgetrocknet und auf den vom Ingenieur Dörr nach den Angaben von Dr. Jacoby construirten Liegesessel" gebracht. Dieser ist derart beschaffen, daß dr Kranke sich auf demselben ebenfalls in
der erwähnten Selbsttransfusionsstellung befindet, daZ heißt in fchräger Lage mit den Füßen erhöht und die Gegend der Lungenspitzen als niedrigster Punkt. Das Zubringen auf diesem Sessel, die sogenannte Liegekur", bildet mit einen wesentlichen 5hcil des ganzen Heilverfahrens. Auf diesem Sessel muß der Kranke täglich mindestras sechs Stunden, drei am Äorund drei am Nachmittag, möglichst im Freien, zubringen. Der Sessel -ist übrigens verstellbar angeordnet, so daß man den Kranken aus der horizontalen Lage ganz allinälig in die geneigte überführen kann. Es empfiehlt sich nämlich zurVermeidung von Kopfcongestionen, den Kranken zu Anfang der Ku? horizontal zu lagern und nur allmälig die. Ebene immer schräger zu gestalten. Dieser Sessel nun kann auch außerhalb einer Heilanstalt, im Zimmer, im Garten, in einer Laube und dergleichen aufgestellt und benutzt werden. Die genannten beiden Erfinder haben ferner eine Hängematte construirt, die aus einem knotenlosen Netz angefertigt ist, aber an beiden Enden nicht spitz zuläuft, fondern hie: eine bettartige Breite hat, fo daß der Kranke bequem und angenehm auf der selben, und zwar ebenfalls in schräger Selbsttransfusionsstellung, liegt. Diese Matte hängt m einem transportablen Eisengestell, oder sie kann auch zw:schen Bäumen mit Stricken befestigt werden. Um die Selbsttransfusion auch während des Nachtschlafes nutzbar zu machen, dient eine ähnliche, aus Gurtbändern angefertigte Hängematte, die in jedem Bett zwischen Kopf- und Fußbrett befestigt werden kann, wobei man ebenfalls, wie auch bei der Ta
In der Hängematte. geshängematte, nur allmälig, durch Niedrigerhängen des Kopfendes, aus der horizontalen in die schräge Lagerung übergeht. An das Schlafen in der Rückenlage gewöhnt sich der Kranke bald. Umfangreiche Versuche mit dem neuen Heilverfahren werden seit einigen Monaten in der Lungenheilanstalt Ruppertshain bei Falkenstein i. T. vorgenommen. Die Ergebnisse sind über alles Erwarten günstig ausgefallen. Das Allgemeinbefinden der Kranken besserte sich erheblich, und auch die örtlichen Krankheitserscheinungen zeigten einen günstigen Umschwung. Ein abschließendes Urtheil über den Werth des neuen Verfahrens wird man allerdings erst nach längerer Beobachtung an einem größeren Krankenmaterial gewinnen können. Es fun ktionirt alles richtig. Ein Reisender zog plötzlich an der Nothbremse und sofort hielt der Zug auf offener Strecke. Auf die Frage des Conducteurs, was denn los sei, erklärte der Reisende, er wollte nur prüfcn, ob alles richtig funktionire. Bei der nächsten Station wurde der Reisende höflichst in das Bureau des Stationsvorstandes geleitet und hier mußte er die für solche Fälle festgesetzte Strafe von 30 Mark erlegen. Sie sehen," sagte der Beamte lächelnd, tl funktionirt alles ganz richtig." Mit Hilfe der X- Strahlen. Bankier Mayer, der seit seiner Eheschließung ein Unbehagen im Magen empfindet, ohne daß die Aerzte die Ur sache der Krankheit anzugeben vermögen, beschließt die Erfindung der unsichtbaren Strahlen für sich nutzbar zu machen. Die nach dem Röntgen'schen Verfahren hergestellte Photographie zeigt deutlich, daß dem Bankier seine Schwiegermutter im Magen liegt. Kasernenhofblüthe. Unierofficier (zu einem Studenten, der mit den Füß gezuckt): Einjähriger, ick jloobe wahrhastig, Sie reiben nach Stillgestanden!" noch enen Salamander mit den Beenen!" Erklärung. Freund: Wen stellt denn das Modell vor?" Bildhaucr: Das Echo!" Freund: Warum denn als Frau?" Bildhauer: Weil es stets das letzte Wort hat." HochgradigeZerstreutheit. Herr: Sagen Sie. Fräulein, ist Herr Müller nicht zu sprechen?" Zofe: Nein. Herr Müller ist geftor. den." Hcrr: So, so, gestorben, dinn will ich ihn heute nicht belästigen, ich spreche demnächst wieder vor."
.Zu hoheStcucm. Es ist eine merkwürdige Erschelvung, daß Steuerassessoren, welche ihre Amtspflichten mit Verständniß und ohne Ansehen der Person erfüllen, der großen Mehrzahl unserer Plutokraten eine Art von Herzklopfen verursachen. Die Herrschaften, welche zur Befriedigung ihrer oft an den Wahnsinn grenzenden Luxusbedllrfnisse dasGeld mit vollen Händen wegwerfen, bckommenHerzbeklemmungen, wenn es sich um Bezahlung von Steuern handelt. Ein beliebtes Manöver, um eine Herabsetzung derselben zu bewirken, besteht in der Drohung, daß sie das angeblich zu hoch eingeschätzte Eigenthum verkaufen und aus dem betreffenden District wegziehen wollen. Der Petroleummagnat William Rockefcller, der über ungezählte MMionen verfügt.
L. 1 jvjnjM&i Mmw fcr" fffitämmiWM' .fe
i Rockwood Hall. scheint auch zu dieser Classe von Patrioten zu gehören. In tem Town Mount Pleasant. N. Y.. besitzt er einen prachtvollen Landsitz, Rockwood Hall, welcher seiner Behauptung nach von den Assessoren viel zu hoch eingeschätzt ist. Der Einschätzungswerth beträgt $2,538,805 (im Vorjahre war er $1,015.582), während Rockefcller den wirklichen Werth auf höchstens den achten Theil dieser Summe bemißt. Er beabsichtigt, die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu nehmen, um eine Herabsetzung zu erlangen, und wenn er dort nicht reussirt, will er den Landsitz Lffentlich versteigern lassen. Rockwood Hall ist am Hudson belegen und umfaßt 646 Acres herrlicher Ländereien mit einem aus weißem Granit aufgeführten und einen wunderbaren Ausblick auf den majestätischen Strom darbietendenPalast. Daß derselbe mit dem rafsinirtesten Luxus eingerichtet ist, braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden. Die Rocntgcn-Lorgnctte. Die Nachricht klang anfangs wie ein Scherz und doch ist es Ernst: in Paris benutzt die Zollbehörde die Röntgenstrahlen zu ihren Revisionen. Die ersten Versuche unternahm man in den Zollgebäuden an der Seine oberhalb Paris in Abwesenheit des Generalzolldirektors Pallain. Man durchleuchtete mit dem von demJngenieur Segny für diesen Zweck construirten Radioskop 30 Postpackete innerhalb einer Viertelstunde und stellte deren Inhalt fest, ohne ein Siegel zu verletzen. In einem der Packete wurde, zwischen zwei Hüten deutlich eine Puppe, in einem anderen eine Anzahl kleinerer Medaillons und Uhren sorgfältig zwischen zwei Schuhen und zwischen Früchten verpackt, unterschieden. Eines der Packete war mit den Worten Wäschemusier ohne Werth" deklarirt. Zum Gepäckrevifion. großen Vergnügen der Anwesenden entdeckte das Segnysche Radioskop darin drei Schachteln egyptischer Cigaretten und eine andere, die 1000 englische Zündhölzer enthielt. Besonders seltsam nahm sich das Röntgenbild des Inhalts eines anderen Postpackets aus, in dem die Anwesenden nur kleine Metallknöpfchcn erkennen konnten, die mit Papierstückchen umwickelt waren. Es enthielt dänische Handschuhe, von denen nichts sichtbar war. Der Apparat hat sür die Zollbehörde ohne Zweifel viele Vortheile, aber er besitzt auch seine Fehler. Man kann z. B. mit ihm nicht unterscheiden, ob die in den Zollstücken enthaltenen Gegenstände neu oder gebraucht sind. G e w i s s e n s f r a ge. Köchin (der die Tochter des Hauses die Photographie ihres Bräutigams zeigt): Ein sauberer Herr, wirklich! Erlauben S', gnä' Fräul'n wie hab'n S' denn den 'kriegt?Ein rücksichtsvoller Gatte. Frau: So schrecklich lange bist Du ausgeblieben, Fritz." Mann: Aber ich bitte Dich, Schätzchcn. zum Einstudiren der ersten Gardin:?lpredigt mußte ich Dir doch Zeit lassen."
C53w.f7!irw
-vlÄsÄM ' ' W
K AW ! Cc? TOMfs 1 y7 ivll l QslAi K WnMnfz!k EilXl i I .J rfluiw ' '
Zur BaMnthcorle.
51 " IIWWIM JÖF 3EtW?
Doktor: Da, Karoline, hängen Sie mal meine Sachen auf ein paar Stunden an die frische Luft. Das ist nämlich das sicherste Mittel, um alle etwa vorhandenen Bazillen zu tödten!" StlSis :? Karoline: Vackzillen? Det hab' ick ooch noch nich jewußt, dat so'ne Biester in des Zeug leben." Strolch: Paßt wie angegossen!' 1X Karoline: Herr Doktor! Herr Dokior! Nun haben die Backzillen wahrhaftig Ihren janzen Anzug zerfressen!" Grausame Strafe. Wie, Frau Weinbeerl, Sie lernen auch radeln?" Jawohl! Wissen Sie. wenn mein Schwiegersohn mich ärgert, dann muß er mit mir Tandem fahren!" Stall - Idylle. Ein Fanatiker. Der Förster Dachs von Fuchswinkel ist folch ein eingefleischter Geweihliebhaber, daß er sogar seinen Schnurrbart zum Geweih dressirt. Lumpen-Dialog. Ja weißt Du, Arbeit ist ja keine Schande!" N, das nich aber doch so was recht Zuwideres!" Alles in Ordnung. jftun, sind Ihre Hochzeitsvorbereitun. g?n im Gange?" Bräutigam: Jawohl, ich beschaffe die vom Staate vcrlangten Papiere und Schwiegervater in spe die von mir verlangtenStaatö
vW sl Y? u
1;
i,., fti wzV. U IM
.lpMÜk JL
0 J5
. -v,,, ''--t''"1 1 . t s j hsiSdSM' i2Lts. 11 . 8&uW W AVPHv"JL M$ Ji - ,! Js ?X?rlF.j X ff-t'X ' j
t K h fe " ( kM' M V v3 . vT " " v, U tt0; 'Ä 1 M
pap:ere.
