Indiana Tribüne, Volume 20, Number 362, Indianapolis, Marion County, 19 September 1897 — Page 2

Zm Hnps'veröand.

Von Euido Eckardt. Studiosus Steinert hatte sich in die Braut seines Stubezmachbars Barthel verliebt. Guter Rath war theuer, -denn sein alter Freund verstand keinen Scherz, und Röschen besaß eine schöne und treue Seele. Heute saßen die beiden Freunde zu sammen, noch ein paar andere mit ihnen und kneipten tüchtig, am tfich tigsten der Studiosus Barthel. Und da kam's denn wieder einmal dazu -er siel um. Man blickte trauernd auf den Entschlafenen und berathschlagte, was mit der GrcgleZche geschehen sollte. Rütteln und Schütteln half nichts das wußte man. Zum Leben wiederer wachsn würde der Todte ungefähr nach vier Stunden ?nan wußte airch das. Dableiben wollten sie nicht, Ihren Kchkumpan UeJen lassen, nst rechi nicht, aus Pietät. Also roiedri einmal ach Hause tragen? In die Seele des Swdiefus SteU ziert jedoch -fuhr ein fanatischer ei siesblitz und erleuchtete ihn. -Lieb-macht erfinderisch, sogar boshaft; nd ti begann: Unser alter Freund Äarthel richtet sich zu Grunde. Wir tiif sen ihn retten, denn wir sind seine Freunde. Er muß Erwehr halten. Wenn man ihm seine .Freiheit läßt, säuft er 'weiter. Man inußlfa also einsperren, damit er zur Besinnung kommt und zu einer moralischen Lebensführung. Und das machen wir so: Wir tragen ihn mach Hause, legen ihn zu Bett und stecken '.fern linkeZ Aein in einen Gpsverband. Wenn r erwacht, behaupten wirrer habe sich das Bein gebrochen, ohne die Sache in seiner colossalen Bekneiptheit zu merkn, und müsse das Bett während eines ganzen Monats chüten. S? zwiv7?en wir ihn, Einkehr zu halten. so schaffen wir einen neuen Menschen us 'ihm! Natürlich schwören.' alle, die beschichte niemals zu .verrathen." So sprach der Heuchler. Aber er dachte was ganz anderes. Nach kurzer Debatte'wurde der An trag Steinerfs angenommen und un ier allgemeinem Jubel ausgeführ?. Barthel schnarchte ahnungslos im ließ alles mit sich geschehen. .Was ist dies Unangenehme, Harte n meinem linken Bein?" rief Barthel am nächsten Morgen gleich nach dem Erwachen. Steinert eilte herbei und klärte ihn auf. Das Unangenehme, Harte wäre Gyp, er habe fein Bein gebrochen, am Oberschenkel. Ziemlich gefahrlos, nur müsse er das Bett hüUn. Gerade vor der Kneipe sei's qt schehen, er wäre auf den Prellstein 3c stiegen, um Hurrah zu schreien, und dabei so unglücklich gefallen. Studiosus Barthel schwieg und glaubte alles; in seinen Augen lauerte der moralisch Kater. Während der nächsten Tage ließ Steinert seine Künste Röschen gegen über spielen; und heute schon, am dritten, hatte sie nachgegeben und ihm für den Abend ein Rendez-vous tt willigt. Bis zu dieser seligen Stunde verweilte er beim Kranken". Da begann der Studiosus Barthel ganz unvermuthet und höchst ernsthaft: Lieber Freund. Ich habe während meines Krankenlagers nachgedacht und gefunden, daß ich ein Lump bin. Widersprich mir nicht ein Mensch, der sich so betrinken kann, daß er'5 nicht einmal merkt, wenn er sich die Beine bricht, ist ein Lump. Aber ich werde mich bessern sobald ich gesund bin, reise ich nach Hause, um zu arbeiten. Es ist mein fester Ent schluß. Aber versprich mir Eines" seine Stimme zitterte, und als er des Freundes Hand fest in die seine schloß, rollten ihm ein paar große Thränen langsam und still über die Backen nimm du dich Röschen an! Ich habe gemerkt, daß du sie gern hast seid recht glücklich miteinander ich muß ganz einsam sein, . wenn ich mich aufraffen soll. Ja alter Freund, so ist das Leben!" Und er drückte Steinert wieder die Hand, fest 'und stark. Der aber stand da und war in seinem ganzen Leben nicht so verlegen gewesen. Mit einem verkrüppelten Lächeln trat Steinert bald nachher auf die Straße. Peinlich, peinlich sehr peinlich. Er' verzichtet zu meinen Gunsten! Einfalt! Als ob ich sie mir nicht selbst nehmen könnte! Diese ver dämmten rührseligen, edelmüthigen Freute daß sie die Pest! Nein, es wäre nicht anständig mir ist auch wirklich die Lust vergangen. Und als Röschen aus ihn zukam, mußte sie es zu ihrem maßlosen Erstaunen und mit tiefer Kränkung erleben, daß Steinert Kehrt machte und wie besessen fortlief. Studiosus Barthel hütete das Bett noch ganze drei Wochen, dann stand er auf und pries die ärztliche Kunst seiner Freunde das Bew war ganjj vorzüglich geheilt ! Seinem Vorsatz getreu reiste er ab und wurde ein neuer Mensch, allm'alig sogar ein gelehrter Mann. In seinen späteren Jahren trank er nie mehr als zwölf Glas Grog am Abend; soviel vertrug er nämlich. Seheirathet hat er überHaupt nicht. Nach derGefangprobe. . . . Sie meinen also, Herr Kapellmeister, ich könnte mit meiner Stimme uicht zum Theater gehen?" Leider aber in's Theater können Sie ruhig damit gehen!" E i n anderer Fall. Richter: .Aber Sepp schon wieder gerauft und erst kürzlich standet Ihr des wegen vor Gericht!" Zeuge: Dösmal hab ja i die Prügel kriegt, Herr Richta!" Umgekehrt. Gerichtsvoll, zieher: Waren Sie schon einmal bei einem Gerichtsvollzieher?" Schreiber (stellesuchend): Nein! aber Gerichtsvollzieher waren fchon öfters bei mir!"

'Hcöroch'cncrZäuocr. Bon E. Hübner. An einem fchönen Sommernachmittage saß auf der Terrasse des Kursaales von Ostende der Negierungsassessor Heinrich von Krüdener und langweilte sich nach Möglichkeit, Man hätte ihn wohl für recht undankbar oder sehr anspruchsvoll halten können, denn aus dem anstoßenden großen Saale ertönten die lockenden Klänge einer recht guit& Musikkapelle, d Terrasse und der Platz vor derselben waren von einer Menge elegant gekleideter und lebhast converstrendcr Damen und Herren erfüllt und der Blick über das Meer war wundervoll. Aber Heinz Krüdener war nun eben schon 3.4 Tage in Qstende, und das Bild, wö sich ihm bot. blieb immer dasselbe. So hatte erdicht ganz Unrecht, wenn tz vor sich hinbrummte: Bad bleibt Bad, und wer vernünftig ist. ÄadU, wo kein Bad ist. Ob ich wohl noch die letzten 14 Tag-e des Urlaubs ach .meinem lieben Thüringerlande gehe und mich an seinen grünen Bäumen erfrische?" In diesem unhöflichcnSelbstgespräch wurde der.gute Assessor dadurch unterKrochen, daß er sich von seinem Platze erheben und den Hut lüften mußte. An dein Nebentische hatten sich nämlich zwei Damen niedergelassen, die seit einigen Tagen in demselben Hotel wohnten, und an Table d'liote Heinz Krüdener v!s-k-v!s saßen. Der Assessor hatte sich freilich bislang um die Damen noch recht wenig bekümmert. Dazu ließ ihm die cokette französische junge Wittwe, die an der Table (i'hote zu seiner Rechten saß, .gor Seine Zeit. Und wenn er auch einen Augenblick den Fängen von Madame Barthon entkam, so verfiel er rettungslos seinem Nachbar zur Linken, dem Wiener Journalisten, der all' die fetten Enten, die er selbst in seine Zei tung nicht bringen durste, auf den unglückseligen Assessor ablud. Heinz Krüdener war schon froh, wenn er bei diesen starken Ansprüchen an seine gesellschaftliche Höflichkeit dem Hauptzwecke eines Dejeuners oder DinerS, dem Essen, halbwegs gerecht werden konnte. An sein vi-ü-vig konnte cr schon gar nicht denken. Blanche de la Rotbiöre war auch freilich eine Erscheinung, die selbst einem minder beschäftigten Menschen, als dem Assessor, nicht alsobald aufgefallen wäre. Sie war eine der ziemlich seltenen Persönlichkeiten, nach denen kein Vorübergehender den Kopf umdreht und die dabei doch von der Natur mit allen Reizen geschmückt sind. Aber das Ausfällige fehlte freilich ihrem rubigen vornehmen Gesichte durchaus. Und wie ihr Gesicht, so war auch ihre Toilette vornehm, aber ganz und gar nicht in die Augen fallend. Heinz Krüdener mußte wohl an diesem Nachmittage ziemlich eifrige Beobachtungen gemacht haben. Denn er ertappte sicn dabei, daß er heute zum Diner noch sorgfältiger Toilette machte als sonst. Bei dem Diner gelang es ihm, wenn auch nicht ohne Mühe, einige Worte mit Madame de la Rothiöre zu wechseln. Allmälig ging der Verkehr über das Zusammensein bei den Mahlzeiten hinaus. Heinz durfte mit den Damen an der Digue oder Estacade prominiren, er durfte mit ihnen plaudern, wenn sie in ihrem Strandkorbe saßen, er durste auch mit ihnen den Kasfee im Kursaale einnehmen. Die junge Dame radebrechte in einer entzückenden Weise die deutsche Sprache, ähnlich, wie er die französische mißhandelte. So bildete schon für die Beiden das Kauderwälsch, in dem sie sprachen, einen Reiz. Und wie entzückend plauderte Blanche! Wie schauten ihre sonst so kühlen Augen dann herzlich auf ihr vis-il-v!, und wie entzückend lächelte der kleine Mund

beim Plaudern, wenn sie ihm lustig wie ein Kind von den kleinen Abenteuern des Pariser Mädchenpensionates eriäblte. Der gute Heinz gestand sich bald selbst ein, daß er bis über die Ohren verliebt sei. Aon der Reise nach Thüringen war natürlich schon längst nicht mehr die Rede, und es that ihm nur leid, daß der Urlaub seinem Ende entgegenneigte. Er machte einen Versuch, ihn zu verlängern, indem er an den ihm väterlich wohlwollenden ReajerungsPräsidenten schrieb. Diese Hoffnung schlug freilich fehl, denn mit wendender Post traf ein ablehnendesSchreiben des Herrn Präsidenten ein. Es war wohl kein Zufall, daß sich Heinz an demselben Tage, an dem er den Brief des Präsidenten erhielt, bei dem Hotelier nach den Verhältnissen der Madame de la Rothiöre erkundigte. Nicht nach den materiellen Verhältnissen, denn die waren ihm ziemlich gleichgültig, aber er wußte auch sonst von der Dame nichts, da sie über ihre persönlichen Verhaltnisse außerordentlich zurückbaltend war. Der Hotelbesitzer, bei dem die Rothiöres nun schon seit einigen Jahren regelmäßig wohnten, konnte ihm einige Auskunft geben. Madame de la Rothiöre war die Wittwe eines tapferen französischenGenerals. der sein Leben aber nicht in der Krim oder -Ux Sedan verloren hatte, fondern auf eigene Weise. Der General war, wie mancher tapfere Haudegen, nicht nur mit den General stabskarten, sondern auch mit den Spielkarten gut vertraut. Einmal hatte er mit einem polnischen Grafen Streit bekommen, den er geradezu des Falschspielet beschuldigte. Der Ehrenrath hatte entschieden, daß dem Polen das falsche Spielen nicht nachgewiesen werden könne, und so mußte sich der General auf ein Duell einlas sen. bei dem er fiel. Der Pole wurde zwar ein Jahr später beim 5?alschspielen abgefaßt und konnte jetzt im Gefängniß über die Wechselfälle des Lebens nachdenken, aber der arme General wurde dadurch nicht mehr lebenbig. Glücklicherweise rfctle er seine

Familie in sehr günstigen" Verhältnis, sen zurückgelassen. Als Helnz Krüdener sich auf solche Weise vergewissert hatte, daß er seiner Familie keine Unchre machen würde.

wenn er Blanche de la Nothiere in sie. einführte, entschloß er sich zu handeln. Er hatte noch diesen Tag und allenfalls den nächsten Zeit. In letzterem Falle freilich mußte er Tag und Nacht durchreisen um unmittelbar nach seiner Ankunft zu Hause an die Arbeit zu gehen. Es traf sich günstig, daß Heinz an diesem Nachmittag vor der Thür des Hotel Blanche allein traf, die auf die Mama, die noch mit dem Umkleiden befchäftigt war, wartete. Blanche hatte ein Buch in der Hand, das sie in der Bibliothek gegen ein anderes umtauschert wollte. Heinz griff nach dem Buche und fah den Titel: Charme rompu." Ein sonderbarer Titel, gnädiges Fräulein." sagte er. Ob wohl ein Zauber, der uns umgiebt, gestört werden sonn?" Ich glaube wohl," erwiderte sie erröthend. Wenn der Zauber uns plötzlich umfängt, dann mag er wohl ebenso plötzlich wieder verschwinden." Aber wenn der Zauber sich langsam in unser Herz einschleicht, wenn er in all' seine Fasern allmälig hineindringt und sich fest anklammert, daß man ihn nicht losreißen kann, weil man sonst das Herz mit herausreißen müßte? Glauben Sie, Fräulein Blanche, daß ein solcher Zauber gebannt werden kann?" Nein.- sagte sie leise. Der Assessor wollte eben nach ihrer Hand greifen, da trat die Generalin aus der Thür. Heinz brummte Etwas vor sich hin, was für seine künstige Schwiegermutter, denn dafür hielt er sie bereits, sicherlich keine Schmeichelei war. Noch zwei Minuten mit Blanche allein, und er hätte die Entscheidung herbeiführen können. Nun. die Gelegenheit sollte sich noch finden. Der Abend war ziemlich kühl, und so saßen die Drei nach dem Abendconzert nicht wie sonst auf der Terrasse, sondern im Eonzertfaal. Nur ine kleine Thür trennte sie von dem Durchgange, der zu dem Tanzsaale und zu dem Spielsaale führte. So hörten sie bald die Klänge der Walzermelodien, bald das Klirren der Geldstücke in dem Spielsaale. Spielen Sie eigentlich gelegentlich, Herr von Krüdener?" fragte ihn plötzlich die Generalin. .ocinz stufte einen Augenblick, denn r mußte unwillkürlich an die Mittheilungen denken, die ihm heute der Hotclier gemacht hatte, dann sagte er: Nein, gnädige Frau, und zwar wohl weniger aus sittlichen Gründen, als weil mich das Spiel langweilt." Die Generalin brach das Gespräch über diesen Gegenstand ab. Die UnterHaltung war heut recht stockend. Heinz war erregt, Blanche war still, denn sie dachte wohl an das bedeutungsvolle Gejpräch vom Nachmittage, und die Gencralin klagte über eine Migräne. So war es Heinz gar nicht unwillkommen, alZ die Damen zeitiger als sonst aufbrachen. Er begleitete sie zum Hotel und verabschiedete sich von ihnen um noch ein wenig Luft zu fchnappen. Heinz wußte, daß an Schlafen heute für ihn nicht zu denken war, denn fein Blut war viel zu sehr in Wallung. Er wollte sich zerstreuen, um seinen Gedankn eine andere Ricrtung zu geben. Er ging in ein Bierhaus in der Rue de Flandre. wo er wußte, einen College zu treffen. Herr von Griebenow war auch richtig anwesend, und so saßen die Beiden denn eine Zeitlang beim Glase Bier. Heinz war aber auch hier kein guter Gesellschafter, und als er wiederholt auf Griebenow's Fragen recht zerstreut geantwortet hatte, fagte dieser ärgerlich: Mit Ihnen ist heut nichts anzufangen, Krüdener. Ich wollte heute ohnehin einmal in den Spielsaal, mein Glück versuchen. Ist es Ihnen recht, mitzukommen?" Wenn ich nicht mitzuspielen brauche, gewiß," entgegnete Heinz. , Nein, das brauchen Sie nicht, Sie Philister." So zogen die Beiden denn nach dem Kursaale. Als Heinz in den Spielsaal trat, hätte er am liebsten wieder davonlausen mögen. Die vielen Menschen, die stickende Luft, das monotone Faites votre jeu" der Croupiers, das Klappern der Geldstücke, all' dies widerte ihn an. Plötzlich aber ward ihm ein Anblick, der ihn festbannte. An einem Tische, der wohl am meisten umdrängt war, standen die Generalin und Blanch. Heinze konnte von weitem sehen, daß die Generalin sich an dem Spiele betheiligte. Als er mühsam seine Fassung errungen hatte, bat der tn Collegen, ihn zu entschuldigen, wenner sich von ihm trenne, er müsse aber Etwas beobachten. Es gelang Heinz, einen Platz zu erreichen, von dem aus er bequem dieGeneralin und Blanche beobachten konnte, ohne von ihnen gesehen zu werden. Die Beiden richteten ihre Aufmerksamkeit auch viel zu sehr auf die rollende Kugl, als daß sie sich um die anwesenden Menschen bekümmert hätten. Um so mehr bekümmerte sich Heinz um diese Menschen. Die Männer mochten ja passiren, aber diese Damen! Die auffälligen Toiletten, das ungenirte Benehmen und das starkeParfum konnten jedem Kinde fagen. wer in diesem Saale das Gros der Damenwelt bildete. Und in dieser Umgebung sollte seine angebetete Blanche sein! Das Herz erfüllte sich ihm mit Bitterkeit, wenn er fah, wie sie neben einem Pariser Dämchen stand, das mit ihrer fein behandschuhten Hand die Kugel über das Brett rollte und in das Feld laufen ließ. Und mit welcher Leidenschaft folgte das junge Mädchen dem Laufe der Kugel, wie waren all ihre Mienen gespannt, ob die Kugel in .die blauen

cTber in die'rokkn'odern'diecHwarzen Vertiefungen fallen würde. Madame de la Rothiöre pointirte zwar, aber ihre Tochter schien nicht minder vom Spielteufel erregt zu sein, als sie selber. Madame schien nicht sehr vom Glücke begünstigt zu sein, denn es kam nicht häufig vor, daß Blanches vor Erreaung zitternde Hände das Geld für

dieMutter einkassiren konnten. Nach eincr halben Stünde schien denn auch die Casse der Generalm erschöpft zu fem, denn sie wühlte erst vergeblich in ihrer Börse umher, dann wandte sie sich an Blanche und flüsterte mit dieser. Bon einem plötzlichen Entschlüsse getrieben, ging der Assessor auf die Damen los und sagte im gleichgültigsten Tone zu der Generalin: Darf ich Ihnen vielleicht aushelfen, gnädige Frau?" Die Generalin war sichtlich unangenehm von der Begegnung berührt, Blanche wurde leichenblaß und dann wieder glühend roth. Die Generalin faßte sich ziemlich rasch und sagte, wie um ihre Anwesenheit zu entschuld!: gen: Meine Migräne Plagte mich furchtbar und ich mußte ein wenig Abwechselung haben. Uebrigens nehme ich Ihr freundliches Anerbieten gern an. Können Sie mir vielleicht 300 Francs leU hen? Ich werde mir morgen gestatten, sie Ihnen wieder zuzustellen. Spielen Sie nicht vielleicht auch mit, Herr v. Krüdener?" Ich danke," sagte er kühl, während er seiner Brieftasche das Geld entnahm, und es der Generalin überreichte. Die Generalm war bald wieder ganz beim Spiel und dachte nicht mehr an den neben ihr stehenden Assessor. Was diesen aber aufs Tiefste empörte, das war, daß auch Blanche mit aller Leidenschaft wieder die Wechselfälle des Spieles verfolgte, ohne sich im mindesten um ihn zu kümmern. Es war nicht verletzte Eitelkeit, die ihm das weheGefühl verursachte, sondern der traurige Gedanke, wie tief in diesem Mädchen die von ihrem Vater ererbte Leidenschaft wurzeln müsse, wenn sie während des Spieles gar nicht an den Eindruck dachte, den ihr Benehmen auf den Mann machen mußte, der sie liebte und den sie wieder liebte. Die Generalin war auch mit den 300 Francs fehr bald fertig und wollte eben den Assessor um eine weitere Summe angehen, als der Croupier erklärte, daß das Spiel für heute beendet fei. Schweigend schritten die Drei nebeneinander her dem Hotel zu. Erst kurz vor dem Hotel brach der Assessor das Schweigen, als Blanche ihn mit einem bittenden Blicke ansah, der ihn sonst beseligt hätte. Aber die Stunde im Spielsaal hatte seine Leidenschaft zerstört, nnd so sagte er mit einer BeZiehung, die nur Blanche verstehen konnte: Haben Sie den Roman Charme ronipu" heute Nachmittag abgegeben, gnädiges Fräulein? Ich will ihn mir morgen aus d Bibliothek holen." Blanche erblaßte und schaute ihn wieder flehend an, aber der eisige Blick, der ihrem Auge begegnete, sagte ihr, daß Alles verloren sei. Mit einer remoniellen Verbeugung trennte man sich vor dem Hatel Modem. Nun. Lucie." fragte der moderne Ehegatte, was hast Du heute Alles getrieben?" Die moderne Frau nahm ihren Hut ab. Oh!" antwortete sie, ich war heute schrecklich in Anspruch genommen: Um neun Uhr in der Früh hatten wir Vorlesung bei Mrs. X., eine reizende Vorlesung! Mrs. X. las über die Architektur der vermuthlichen Hauptstadt des Mars" ich wollt'. Du hättest es hören können und daran anschließend, trug Professor W. über Die Jnsccten von CentralAfrika" vor. Es war so interessant." Das glaub' ich!" Dann um 11 Uhr war ein Meeting des Theosophischen Clubs- und um halb zwölf betheiligte ich mich an einer Besprechung der Comitemitglicder des Vereins zur Besserung der Mörder." Schön!" Und um Zwölf frühstückte ich mit Mrs. &" Sehr schön!" Nachmittags mußten wir zu den Theaterproben in die Ibsen - Gesellschaft". Als ich dann nach Hause ging, sah ich ein reizendes Kind auf der Straße spielen, gerade vor unserer Wohnung, ein entzückender kleinerJunge! Ich mußte ' küssen! Wenn ich nur wüßte, wem das Kind gehört?" Hatte er blonde Haare?" fragte der moderne Ehegatte. Ja!" Und blaue Augen?" Wunderbar blaue Augen!" Und eine schmutzige Blouse an?" -Ja, eine abscheuliche Blouse!". Dann weiß ich. wessen Kind es ist!" Nun?" Das unsrige!" Druckfehler. .... Geradezu erschreckend aber war des Zungen Mannes K albbttdung. Es war sein größter Wunsch, ein mal ihr H ü ndchen f r e ssen zu dürfen. Die berühmte, ohne Arme geborene K ußkllnstlerin wird sich heute hi producleren. Schließlich hatte sich der Oberförsier in feinen Aufschneidereien derart verrannt, daß er den Rück l u g antreten mußte. (Aus einem Roman.) Als der Graf in den Park getreten war, umfing ihn eme bisher nie ge kannte B onne. (Aus einer Reclame - Annonce.) Eine kräftige, auserlesene Nahrung, verleiht den Augen mehr Glanz, den Muskeln größere Spannkraft und dar Haut mehr Fr 0 sche.

Zlnöewußter verrat!). Skizze von W. v'. Schierbrand.

Katie und ich waren immer gute Freunde gewesen. Katle t meine Eouime. Als lch in s Zimmer trat, erhob. sich Katie von ihrem Sitz beim Kamin, wo ein lustiges Feuer flackerte, denn es war em tüyler Herbsttag, und schuttelte mir die Hand. In ihren Augen las ich's, daß sie wußte, daß ich wußte Auch endlich zurück in der Stadt. Bob? Ztann ich Dir eine Tasse Thee anbieten? Ja", fagte ich, die würde ich gern trinten. Nur ein Stück Zucker, bitte, und keine Ättlch." Ich trank meinen Thee schluckweise und schwieg derweile. Katie lehnte sich bequem im Schaukelstuhl zurück und schwieg ebenfalls. Ihr Gesiebt schützte sie gegen die Koylentitze mit einem dreiten Fächer, der ihr ganzes Profil im Schatten ließ. Na?" sagte sie endlich. Na?" sagte ich. Denkst Du nicht, Bob, daß Du wenigstens ein Wort zu mir sagen könntest? D Gelegenheit dafür ist günstig. Es scheint mir sogar, als ob es Deine Pflicht wäre." So jpracy meine Cousine mit ihrer leisen, wohlklingenden Stimme. Ich blickte sie an und lächelte. Ja", bemerkte ich dann in absichtlich nachlässigem Ton, ich habe was gehört. Ich wollte das aber erst von Dir bestätigt haben. Tante Christine schrieb mir ich war gerade in den Adirondacks und hatte famosen Sport dort daß Du ich glaube sie hat mir's sofort geschrieben übrigens, liebe Cousine, wann war's doch gleich?" Wann war was?" frug Katie. Ach. Du weißt stelle Dich nur nicht so. Wann hat er um Dich angehalten? Oder hast Du um seine Hand angehalten? Es ist doch kein Schaltjähr." Bob, Du bist heute mal wieder abscheulich," sagte Katie in etwas gereiztemTone, und dabei trippte sie mit dem Fuße auf und nieder. Es ist mir immer so vorgekommen, als ob Katie's Schauspielertalent in ihren Fußspitzen liege. Katie, gieb mir etwas Buttertoast, dann will ich Dir ehrlich Rede stehen", bemerkte ich. Daraufhin brachte sie mir einen ganzen Teller voll und ich kaute die nächsten fünf Minuten. Gefällt Dir meine Verlobung nicht? Jcb dachte. Du und Richard seiet die intimsten Freunde. Er hat immer so nett von Dir gesprochen." Und dabei sah mich Katie mit pathetischen Augen an. Also Du meinst, ich solle sagen, daß ich entzückt bin, daß Du das größte Glück gehabt hast, soviel Glück wie Du nur verdienst nicht wahr? Nun gut erachte all das für gesagt." Und ich stand auf. machte meiner Cousine eine humoristische Verbeugung, schüttelte ihr darauf nochmals' gratulirend die Hand und fetzte mich nieder. Ja. Richard ist der beste, der aufrichtigste Mensch der Welt, und wir lieben uns von ganzem Herzen. Er hat mir gestanden, daß ich seine erste Liebe bin. seine erste und einzige, wie er's ausdrückt." Ich hustete etwas verlegen. Dann sagte ich, nur um überhaupt etwas zu sagen: Du nennst ihn Richard, wie komisch. Ich kenne ihn nun schon seit 10 Jahren und nenne ihn immer noch Becker. Und Du, Du hast ihn, glaube ich, erst im Juli kennen gelernt, nicht? Komisch. Doch das ist Geschmackssache. Also Richard, so sei's." Katie's Augen fingen wieder an zu funkeln. Offenbar behagte ihr meine Manier nicht. So was kommt nicht auf die Zeit an", fagte sie dann, und ihre Wangen färbten sich röther. Manche Leute lernt man sein ganzes Leben nicht kennen sie sind nicht offenherzig. Aber Richard und ich wir kennen uns gründlich. Wir haben keine Geheimnisse vor einander, absolut keine. Wir haben uns in den zwei Monaten besser kennen gelernt als viele Menscben in einer Ewigkeit. Und das ist doch die Hauptsache." Natürlich." stimmte ich bei, das ist die Hauptsache." Nun. warum freust Du Dich da nicht über mein Glück?" frug meine Cousine Katie. Das ist doch nicht hübsch von Dir. Hast Du irgend welche Gründe? Dann bringe sie vor. Uebrigens. ich weiß nichts, warum ich mich darüber aufrege." und bei diesen Worten versank sie förmlich in lhrenSchau kelstuhl und hielt sich ihr Taschentuch vor die Augen, es ist mir ja doch ziemlich gleichgiltig. was Du darüber denkst." Na ja. sieh' mal. Katie, das ist für mich so 'ne eigenthümliche Sache. Du kannst mir nicht böse sein, wenn ich Mich nicht darüber freue, zugleich mei nen besten Freund und meine besteCousine zu verlieren." Zu verlieren wie so denn?" Wt mal so ich habe fast alle meine besten Freunde durch Heirathen verloren." Taö ist aber stark." sagte Katie. Ganz einfach wenn's ein Freund War, so mochte seine Frau mich nicht, weil ich mehr von ihrem Manne wußte als sie selbst-" , ' Lächerlich!Und wenn's eine Freundin war, so war der Gatte jedesmal etwas eifersüchtio. weil er glaubte, ich müsse mit ihr früher geflirtet haben." Wie albern!" ' Das Schlimmste ist. daß sie Beide gewöhnlichRecht haben. In diesem speziellen Fall " Bob." schrie Katie und stampfte mit dem Fuß auf. "wenn Du bloi hierher gekommen bist, um mir unangenehme Dinge zu sagen " Ich bin hierhergekommen mit de? festen Absicht, mich für Eure Hochzeit als Brautführer als best man" cnjubtct und diese Pflicht will ich

sogar jetzt noch mit Todesverachtung erfüllen." Das ist hüosch von Dir. Bob." saate meine Cousine, wieder ganz be-

ruhigt. und lehnte sich bequem imStuhl s. n rrs- . rl . v zurua. ann mu u aucq Mit der Sache? Ich glaube. Becker ist ein sehr glucklicher Mensch unheimliches Glück." Katie blickte mich starr -an und ihr: Stirn saltete sich. Wenn Du etwa glaubst, Bob, daß Richard mich deö Geldes willen heiraten will, so irrst Du Dich gründlich", sagte sie ziemlich scharf. Dachte nicht im Traume daran," murmelte ich. Trotzdem ich zugeben will, daß es ein günstiger Umstand ist, ich meine, daß ich Geld habe. Weil wir sonst hatten warten müssen." Natürlich," pflichtete ich bei, denn mit $300 das Jahr' hättet Ihr nicht auskommen können. Und mehr, glaube ich, hat Becker noch kein Jahr verdient, seitdem er sein Schild als Advocat herausgehängt hat." Aber er hat viel Fähigkeit ist tüchtig in seinem Beruf, und das Andere wird, schon mit der Zeit kommen." Ganz recht." sagte ich. Warst Du nicht erstaunt, Bob? Sei.' mal aufrichtig w a r st Du nicht erstaunt?" Nicht besonders. Weißt Du. ich war ja mit ihm im August in den Catskills, und ich merkte, daß etwas im Werke war." Das merktest Du damals schon, Bob? Nicht möglich." und Katie lachte still. Natllrlick wußte ich's nicht gewiß, und auch nichts Genaues. Und jetzt, da ich mich darauf besinne, kommt mir's eigentlich hinterlistig vor von Becker, daß er mir die Sache so verheimlichte. Und Du auch, Katie. Ich hätte Euch so viel nutzen können indem ich den Gelegenheitsmacher gespielt hätte." Nun ja, wir Beide zogen eben vor, unsere eigenen Angelegenheiten selbst zu besorgen," sagte Katie etwas reservirt. Auf jeden Fall kann ich Dir fagen, liebe Cousine, daß er höllisch in Dich verliebt ist höllisch. Ich Hab's ihm damals angemerkt. Wenn ein junger, sportlustiger Mann während der größten Sommerhitze regelmäßig am Ende jeder Woche sich aus den kühlen Bergen losreißt und auf die heiße Bahn sich setzt, nur um seine Jnamorata einige Stunden zu sehen, das ist so ziemlich der höchste Beweis von Liebe. Zärtlichkeit und Leidenschaft, den es geben kann. Und das that er ja damals jede Woche regelmäßig." Katie war aufgesprungen. Sie war bis unter die Haarwurzeln erbleicht. Sie blickte mich seltsam an. Was sagst Du da? Wann war das?" stieß sie heiser hervor. Im August natürlich, als wirBeide in den Catskills waren aber was giebt's denn. Katie? Du scheinst erschreckt zu sein. Habe ich irgend etwas gesagt, was Dich verletzen könnte?" Und wer war das Mädchen, der er damals nachlief? Wer? Um Gottes Willen, ich muß es wissen," schrie Katie hastig. V!eine liebe Katie " Ich bestehe darauf " Mr. Becker," meldete in diesemMoment das Stubenmädchen, indem sie die Thür öffnete. Becker, der so unschuldig aussah wie ein Lamm, trat schnell zu.' Er eilte auf mich zu, ergriff meine Hand, die er lebhaft schüttelte und sagte im Tone eines Siegers: - Endlich sieht man Dich alter Junges Wieder in der Stadt zurück? Freut mich." Ich hielt mich aber nicht weiter auf. Mir fchwante, daß ich schon genug Unheil angerichtet hatte. Und so sagte ich blos: Ich muß gehen ich wäre nur im Wege. Adieu Katie." Und damit trat ich in die Vorhalle, froh, so leichten Kaufs davon gekommen zu sein. Becker rief mir nach: Ich treffe Dich doch heute Abend im Club?" Ich glaube fchwerlich," entgegnete ich, indem ich die Hausthür öffnete. - V Hcrbftnebcl. Von Ceorg Ccherer. Des Berges Gipfel ist erstiegen. Und in der Sonne letztem Strahl Seh' ich zu meinen Füßen liegen Dich wieder, du mein heimisch Thal. Doch ach! des Herbstes Nebel haben Mir Vaterhaus und Heimathflur In tiefe Dämmerung fchon begraben ; Des Klrchthurms Spitze sey' ich nur Nicht kann den Garten ich entdecken. Wo wir in fel'ger Kinderlust Gesucht die Veilchen bei den Hecken Und jedes Vogelnest gewußt. Verhüllt ist auch die alte Linde, Wo einst der Jüngling hochbeglückt Aur Abendzeit dem blonden Kinde Des Nachbars scheu die Hand gedrückt. Mit einmal, horch! zu Trost und c . . reuoe Schallt durch der Nebel trüben Flor Der Abendglocke fromm' Geläute Noch wie in alter Zeit empor. So lieat die Jugend mir. die schöne. Versunken, und es klingen weit Nur der Erinnerung Glockentöne Herauf in meine Einsamkeit. - Erganzu n g. Gattin (aus einem Spaziergang): Sieh, Moritz, in diese Baumrinde hast Du einst, als wir noch Brautleute waren, unsere Namen eingeschnitten." Gatte (in zwischen geadelt): Da werde ich 10 fort das von" nachtragen." Musterung. Vaier (als sein arg zerhauener Sohn zum eruenmaie hnn der Universität auf Serien aekommen): Na, laß' mal sehen, wieviel von Dir übrig gebl,eden:'

'Spott.

J 5?:!!ncreö!e von O. G. Ach. bitte, lieber Arthur, sagt Ja!" Nein. Elly, zehnmal nein, das ist mein letztes Wokt!" Auch dann, wenn ich Dir sage, daß cs mein Herzenswunsch ist, Radfahren 311 lernen? Dann erst recht, liebcs Weibchen. eine ehrbare Hausfrau hat keine folchen Herzenswünsche." Aber, Du. Tyrann, Nimmst für Dich gleichmüthig das Recht in Anspruch zu radeln nach Herzenslust?" Na, höre auf. Schätzmen, noch hat der Löwe nicht Blut geleckt und wenn Du mir versprichst, recht artig und folgsam zu sein und kein Wort mehr über die emancipirte Geschichte zu verlieren, dann . . ." Nun, dann?" Dann werde ich Deine Tugmd be lohnen, indem ichDir hiermit die feierlicke Versicherung gebe, daß auch ich Dir zuliebe auf das Nadsahren ver zichten will." Dem Wort darauf. Arthur?" Mein Manneswort! Aber nun gieb mir einen Versöhnungskuß' und leyre zu Deinen Kochtopsen zurück. Elly steht IN der Küche und träumt. Rund herum tanzt der Kochlöffel, fast erinnert drese kreisförmige Drebung die junge Frau, welche ihre schönen Träume hier begraben soll, an die lustige Bewegung emes Rades. Draußen klingelt es. Im feschen Anzug steht Greti Arnold, Elly's liebste Freundin, unter der Thüre. Nun hast Du gesiegt bei Deinem Alten?" ist ihre aufaereate Bearüßung. Thränenden Auges zeigt Elly auf ihre kleinen Hände, an welchen sich der Besckauerin die Reste schöner KüchenHerrlichkeiten wildromantisch enthül-

Ien. Dies seine Antwort," seufzt das junge Frauchen. Ach, kleine Thörin. Du wirst ihm doch nicht folgen," frägt Greti. Komm, mach' es wie ich. hintergehe Deinen Brummbär, und komm mit mir zur Fahrschule." Nein, Greti, das wag ich nimmer und nimmermehr." Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt! citirt die energische Greti. Dann packt sie das halb besiegte, halb widerstrebende Opferlamm und zieht es mitGewalt in die nächste beste Fahrschule. Elly wagt es anderen Tages bei Tisch mit ihren vom edlen Sport erhitzten Wangen gar nicht, den strengen Gemahl anzublicken. Warum so echauffirt, ' kleiner Schatz?" Ach, vom Herdfeuer, Arthur, die dumme Kocherei macht einem so entsetzlich warm." Arthur reibt sich unter dem Tisch die Hände. Wenn sie geahnt bätte. seine kleine Unschuldige, wo er diesen Vor mittag vergnügt verbracht hat! Hoch auf dem Stahlroß, Erstlingsvers'iche machend, fest entschlossen, sein Wcibchen zu hintergehen und heimlich den edlen Sport zu erlernen. Elly macht inzwischen in der anderen Fahrschule auch ganz niedliche Fortschritte. Nach vierzehn Tag'.n ist sie so weit gekommen, daß sie es kühn wagen darf. unterGreti Arnold's Schutz einen Sonntagsausflug zu unternehmen. Aber nun gilt es. Arthur, der auf die Sonntagsspaiergänge mit ihr. so verpicht ist, wie dies eben nur ein noch frischgebackener Ehemann sein kann, zu beseitigen. In peinlicher Verlegenheit sitzt ft ihm am Mittagstisch gegenüber. Er dagegen sieht erhitzt, blühend aus. Lieber Schatz," beginnt sie und blickt mit scheuer Unbeholfenheit zu Boden, ich kann heute Nachmittag unmöglich mit Dir in den- englischen Garten gehen, ich habe eine ganz entsetzliche Migräne!" Da zuckt ein triumphfrohes Lachen, das sie mit ihren schuldgesenkten Augen nicht sieht, um seine Lippen. Wenn mein liebes Weibchen nZM böse ist. gehe ich dann heute mal in drn Sckachclub". erwidert er. Sie. böse? New. sie ist ihm so dankbar, daß sie fast darüber aus der Rolle gefallen wäre Adieu. Schatz, gute Unterhaltimc; Zm Schachclub!" Adieu, mein Kind, gute, gute Bcsserung." Beim Flaucher" geht es lustig zu. Rad an Rad. Da naht in der strahlenden Freude des Erstlinasansflugs ein junger Sportsbruder. Mit leuchtenden Äugen jagt er in de? Schaar seiner Freunde dahin. Elly s Gatte ist es. Gerade als die Kavalkade der Her- , rrn einfahren will, radeln von der anderen Seite zwei niediche Radlerinnen heran. Die eine in raschem Tempo voraus, die andere etwas verschüchtert hinten nach. Bei der Einfahrt bllckt das noch etwas scheue Dämchen von ihrem Sitz auf. Artbur!" Elly!" Ein Schrei des Entsetzens us beider Mund. , r. Und gnädig verhüllt der Himmel der beiden betrogenen Betrüqer :rZegenheit. indem das ungeübte Var wie auf Verabredung in todtlichem Schreck vom Rad purzelt. So sind Elly und Arthur unter die Räder gegangen. Scheinbarer Widerspruch. Tvchter des Hauses: Ich will Ihnen helfen, Marie." Köchin: Nein. nein. Fräuleinchen, ich habe heute zu viel zu thun." Human. Fräulein: Nun. Herr Lieutenant, wollen Sie nicht einige Scherze zum Besten geben?" Lieutenant: Bedoure sehr, kanxLach. krampfe nicht sehend