Indiana Tribüne, Volume 20, Number 342, Indianapolis, Marion County, 29 August 1897 — Page 7

I

Meine Jungfernrede. Von Karl Pröll. Der Frühling war so rauh, hifc thierfreundliche Seelen jedem Moiiä sei hätten Wwterhandschuhe kaufen mögen. Ein solch verdrossener, verschnupfier Lenz hat das einzig Gute, daß er den lyrischen Ueberschmung ziemlich dämpft. Allein der' geistigen Arbeit geschieht dasselbe. Man sagt sich in den Pausen des Stumpfsinns: Heute geht es nichtzdoch morgen wirst Du die statistische Tabelle oder irgend ein Kunstwerk zu Stande bringen. Jetzt ist nur die Frage, friere ich im Freien oder zu Hause, da die liebende Gattin nach der jüngsten Gardinenwäsche um keinen Preis mehr einheizen läßt. O, diese niederträchtigen weißen Gardinen! Sehen wir uns also die steckenge bliebcne Vegetation an. Unwillkürlich lenkte ich unter klappernden Aesten und zwischen zitternden Büschen dem Kinderspielplatze zu. Vielleicht erfreut mich das fröhliche Kindertriben und wärmt ein derWolkenhaft entsprungener Sonnenstrahl die Sandhaufen. O. die Stadtkinder! Die elterliche Weichmüthigkeit hält sie im Zimmerverschluß und gewöhnt sie ?ri!!.zeit!g an unentschlossenes Rasten. Nur eine robuste Spreewälder Amme sitzt gelassen träge auf einer Bank und überhört sogar das Heulen des Säuglmgs im Kinderwagen. Und ein kleineS Mädchen bemüht sich, die Stengelblätter eines Löl?enzahnes einzuklemrnen in die Vankspalte, bis der goldige Blumenkopf sich halbgebrochen herabneigt. Die unbewußt Grausame macht ein drollig ernstes Gesicht zu dies:? Kreuzigung einer Blume. Von den kalten Fingern wischt sich die Kleine den klebrigeTl Saft. Nicht mehr werden weiße Sterne des sxlugsamens dieser Blume durch denMittagshauch entführt werden. So übt sich früh die menschliche Zerstörungslust. Da fällt mir ein. daß sich meine liebe Vaterstadt im Zustande einerWahlbewegung. einer neuen Mandatsgeburt befindet. An Parteien fehlt es ihr Wahrlich nicht und jede derselben hat in letzter Stunde" noch eine WählerVersammlung einberufen. Freilich ist diese lehte Stunde bei den verschiedenen Stützen des Volksrechtes und der öffentlichen Freiheit nicht dieselbe. Von elf Uhr Morgens bis Mitternacht ergießen sich endlose Redefluthen über die Häupter meiner Mitbürger, die in allen Parteisprachen aufgerufen werden zur Rettung des Vaterlandes. Ich hatte bei Änderen beobachtet, wieviel Jäger - Aberglauben in der Politik steckt und bisher keinen Fehlschuß nach der Scheibe des Gemeinwobls gemacht. Natürlich verziehen mir das meine Freunde, deren Meinungen sonst sehr gespalten w.irrn. durchaus nicht oder höchstens t:i nach einer Lage Bier", die ich berappen mußte. Nun kam mir eine Idee. Diesen invaliden Frühüng-tag schlägt man am besten todt, wenn man sich einige dieser Versammlungen ansieht und sein Ohr den Redekunststücken leiht. Zum mindesten wäriT't man sich im Menschengedränge und genießt vielleicht auch sonst einen Spasi. (55 sei gewagt! Einem iienfnnann, dem ich begegnete, gab ich nen rasch beschriebenen Zettel zur Bestellung an meine Gattin. Der Inhalt war einfach, daß meine Bürgerpflicht mick) hindere, heute beim Mittags- u: ' " :-dbrod zu erscheinen. Im : en beglückwünschte ich mich zu Genialität, mit der ich sanft behüt:!?i Ehemann mir die akademischeFreiht wieder verschafft hatie. Außeidcm bereitete es mir tiefinnerste Genugthuung, meiner heißsparsamen Frau ein Schnippchen zu schlagen. Damit ic nicht zufällig von ihr erwischt rocrs, eilte ich gleich in die erste, um elf lt beginnende Versammlung in der j zrmcnie". Ich kam noch gerade reit, iuni den letzten Platz auszufüllen und, mich von mehreren erstaunten Bekam n ten begrüßen und belobigen zu tafn. Da ich ein wohlbegüterter Mann b:i?!, der in bürgerlichen Dingen über der. Natürlichen Einfluß desGeldbeutelö tt'erfügt, waren die Parteieinpeitsclr j seh? erfreut, mich endlich gefangen 2 haben. Wenn der Xaverl für nrj stimmt.- sagten sie zu einander. chn wirkt sein Beispiel auch auf ander? rotzen." Das Alles las ich ein tf.rp Gesichtern ab. V!c::!?!lae wurden von Kellnern r ' . , V Präsidentenglocke. y.or ;s8 sogenannte feierliche Stille", liier und da zurückgedrängtes .Räupern noch eindringlicher gemacht. Der! Lorsitzende gab seinen SÄbungssvnfe zum Besten. Und nun ergriff derbcrübmte .Parteisprecher und langjährige Candidat für die Volksvertretufixa, der in den Blättern immer fett g?2iucki wird, das Wort, um unser -staatsbürgerliches Gewissen aufzurütleftn. Doch nein, ich merkte bald, daß ijt ein politischer Hypnotiseur war. feine Augen funkelten unheimlich, ivähttnd sich der Rede Braus wie ein stets stärker pressendes Stirnband um uns legte, so daß schließlich alle Augen nur nach einer Richtung hinglotzten. Sinn und Verstand in Starrkrampf verfielen. Doch war die Müdigkeit ganz wohlthuend, was ich besonders fühlte, wenn ich einmal durch stürmischeBiavos vorübergehend aufgeschreckt wurde. Endlich war der Redner zu Ende und es begann die Massenarbeit des Händeklatschens, an der ich mich um so stärker betheiligte, wenn meine Bekannten aufmunternd oder mißirauisch nach mir hinblickten. Run wurde wieder Bier herumgereicht, der Eigarrenrauch und der Menschendunst batten siÄ bereits zu dichten Rebeln geballt. AIs dann ein zweiter Redner sich meldete, um eine jedenfalls vorher verabredete Anfrage

m:5::5cschleppt, das wirre Geräusch stdeer sich immer mehr. Endlich er- ':: Präsidentenalocke. Es ent-

zu stellen, hielt ich mich für überflüssig und suchte sachte meinen Rückzug zu der Saalthür. Jetzt spürte ich die Maikälte nicht mehr so stark und hätte eigentlich in die Kneipe trollen können, in der wir Sonntags die Frühstücksmesse abzuhalten pflegten. Aber der Entschluß welkte sogleich, als ich be dachte, daß ich ja dort Niemand treffen würde, weil alleZechfreunde an diesem Tage Partei Eigene waren und sich in irgend einer Versammlung eingepfercht hatten. Geht es mit dem Redegenuß wie mit der Nikotinwirkung? Die erste Pfeife oder Cigarre bekommt schlecht, aber man kann e nicht mehr lassen und hat plötzlich die zweite im Munde. So fand auch ich mich, ofat recht zu wifsen wie, bald in der Flora" bei einer zweiten Versammlung ein, wo ich von anderen Bekannten herzlich empfangen wurde. Abermals das unbestimmte Vorgeräusch, das Tränken der Durstigen, die Glockensignale und die freundliche Beglückwünschung vom Vorstandstische herab. Wieder ein fettgedruckte: Candidat, der sich als Allheilmittel für alle politischen und socialen Nöthe ausgab und etwas weniger auf die Gegner schimpfte, das süße Eindusein in Dunstgewölkm und die wild klatschenden Hände als Wecker. Es wurde allmählich zwei Uhr nach Mitternacht bei meiner weiteren Tour durch den Krystallpalast" und die Kaiserhalle. Ich schleppte mich mit benebeltem Kopfe und zerschlagenen Gliedmaßen nach Hause, nah stumm die mir gebührende Gardinenpredigt als letzte Redemedizin ein und seufzie mich in einen abgrundtiefen Schlaf. Um acht Uhr Morgens weckte mich nicht die bereits In häuslichen Besorgnissen Gegriffene Frau, da ihr mein Zustand doch einiges Mitleid einflößen mochte, sondern ein lebhafter Stimmenstreit im Nebenzimmer und herein dringen drei Herrn in schwarzen Gehrocken. Mein erster unfertiger Gedanke war. daß mich Criminalpolizisten in Haft nehmen wollten, weil ich unbewußt irgend etwas gestern verbrochen. Doch wie, ich erblickte bekannte Gesichter? Die Männer, die meinen ruhigen Morgenschlaf mordeten, waren Ausschußmitglieder der ,.Flora"-Par-tei. Unter lebhaften Worten und Gestikulationen wurde von mir verlangt, mich rasch anzuziehen zu stimmen und dann mit diesen lebendigen Weckeruhren die Zusammenzählung der Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken vorzunehmen. So folgte der Sünde die Strafe auf dem Fue. Ich suchte mich der Zumuthungen zu erwehren, allein es half nichts. Mit genauer Noth konnt: ich noch eincGnadenfrist für ein Flug Frühstück abdingen. Ich fühlte bereits jenen furchterlichen Kopfschmerz, bei dem die Schädelknochennähte in vibrirenderBewegung zu sein scheinen. Meine Frau sah mich spöttisch überlegen an und sagte statt des gewohnten GutenMorgenS" diesmal: Angenehme BürgerPflicht!" Ehe ich den letzten Butter-, semmelbissen hinabgewürgt, schleiften' mich die Schergen der öffentlichen Wohlfahrt die Treppe meines eigenen Hauses hinab und stießen mich in eine Kutsche hinein. Nun wurde ich in das Wahllokal und nach abgegebenem Stimmzettel auf das Podium neben ein Dutzend schwarzvermummter und mit Bändchen gezierter Herren hingesetzt. Daß ich alles widerstandslos mit mir geschehen ließ, kam von dem entschlichen Zustande her, in dem ich mich befand und gegen den das studentische Haarweh", der gemeine Brummschabei" Wohlthaten der Vorsehung genannt werden dürfen. Selbst der mir noch unbekannte Leiter dieses Wahlschlusses meinte, ich sehe etwas blaß aus und ließ mir durch den Diener, der jedem ein Blatt Papier und einen Bleistift hinlegte, noch ein Glas Wasser besorgen. Beim Anblick dieses traurigen Glases schauderte ich heftig zusammen und fühlte dumpf, daß meine Beine wie Blei waren und das Blut aus dem Herzen ausgepumpt sein müsse. Ich starrte bald zu der schmutz!gen Decke, bald nach dem noch schmutzigeren Fußboden hin. Und es war mir, als krabbelten auf diesem Fußboden merkwürdige Thiere herum, die, immer zahlreicher wurden. Es fah gerade so aus, wie ein Tropferr Wasser unter dem Sonncnmikroskop. Endlich fand ich heraus, daß die wirren Töne Menschenstimmen wären und erieth halbwegs, es können die von der Wahlurne Hierhergekommenen sein, die noch eine räthselvolle Feier vollziehen müßten. Ich senkte mein Haupt auf die Brust, wie der Löwenzahn, den gestern die boshafte Range gekreuziat. Das Geräusch wurde stets stärker und folterte mich. Telegraphenboten, deren Uniform mein Gedächtniß noch zu erfassen vermochte, liefen ab und zu. Dann trat immer ein Moment erquicklicher Stille ein. Der Präsident läutete und verkündete das Ergebniß aus einem Wahlkreise. Ie nach der Art wurde e5 mit donnerndem Hurrah oder mit Murren begrüßt. Und beides pflanzte sich in mein Gebirn fort, als bohrten sich dort Giftvfeile wilder Indianer ein. Ich saß unbeweqlich. hielt den Bleistift krampfhaft in der Rechten, ohne nur einen Strich auf das Papier machen zu können, und dachte höchstens: .Wann werde ich erlöst sein aus der Pein meines grauen Elends?" Die Minuten wurden zur Ewigkeit und die Stunden zu Ewigkeiten höheren Grades. Wieder eine Geräuschpause. Der Vorsitzende erhebt sich diesmal besonders rasch und brüllt hinaus in die wogende Menge, die der Saal umschließt: MeineHerren, es fehlen zwar noch zwei Wahlbezirke; aber die bisher festgestellte Ziffernsumme läßt keiHer. Zweifel übrig, daß selbst, wenn in den Bezirken keine Stimme auf irnsc

ren hochverehrten Candidaten gefallen wäre, wir bereits glänzend gesiegt haden. Der Erwählte unserer Stadt, der treue Vorkämpfer für Freiheit und Recht, er lebe hoch!" Und nun folgte ein Orkan von menschlichen Stimmen, ärger tobend als das Meer in der Sturmnacht. Alle auf dem Podium standen auf. nur ich konnte mich nicht erheben. Der Trubel nahm kein Ende. Und nun wurden auf den Galerien Trompeten und Trommeln gerührt und eine Fanfare stürzte auf mich nieder wie ein zischender Drache. Ganz wie beim jüngsten Gericht. Ich hätte weinen mögen, aber selbst das gelang nicht. Ich ergab mich in das Unabänderliche. Nun prasselte Rede auf Rede, von denen ich weder Sinn noch Wort verstand. Es muß jaenden," dachte ich nur. Alles endet doch." Da stöft mich auf einmal einer der Schlepper von heute morgen rückwärts an die Schulter und sagt mir insOhr: Xaverl. jetzt mußt Du sprechen. Der Vorredner Hai soeben die alten Stadtgeschlechter gefeiert, die noch heute treu zu dem Volke stehen und dabei recht deutlich auf Dich angespielt." Ich raffe mich zu der trotzigen Antwort auf: Rede wer da will und was er will. Ich habe keinen Ton in der Kehle und keinen einzigen Gedanken mehr im Kopf. Ah! dumme Sträuberei!" knurrte er grinsend. ,LweiDankesworte kannst Du auch noch sprechen!" Er faßt mich unter den Arm, zerrt mich nach der Tribüne hin und legt meine Hände auf das Pult, damit ich nicht gleich hinfalle. Dann flüstert er mir nochmals zu: Muth! NurMuth!" Einzelne Bravos begrüßen mich bereits. Die unter mir Stehenden scheinen mich anzustaunen, wohl weil ich so käsefarben aussehe. Alles ist verloren, empfinde ich, und mich ergreist der Muth der Verzweiflung. Aus dem heiligen Mitleid, das ich in dieser gräßlichen Lage mit mir selbst empfinde, steigen unbewußt zitternde, flehende Laute empor voll schmerzlichenWehklangcs, die sich mir unbewußt zu Worten und Sätzen gestalten. Ich fühle mich an die große Zeit derStädte im Mittelalter erinnert und an deren Herrlichkeit, die aber einer noch größeren, jener der geeinigten Nation weichen mußte. Und so rede ich und rede im wachen Traume weiter, fühle dabei eine Lockerung der ehernen Binde um die Stirne. Ich stammele unbestimmte Dankesworte gegenüber einerÄorsehung der Völker und reihe Hoffnungen daran für den kommenden Tag völ liger nationaler Genesung". Es wird mäuschenstill, daß ich schon glaube, allein zu sein und Alles eben Erlebte für eine Vision halte. Endlich erstickt meine Stimme mit irgend einem Mahnrufe.ich kann nicht mehr weiter. Da dröhnt es wie em Riesencataract um mich, ich habe das Gefühl ei nes Ertrinkenden und nur das Be-. wußtsein noch: Unsterblich blamirt." Aber nein, was ist das? Man schüttelt mir die Hände, und der sonderbare Freund, der mich auf die Tribüne hinausgestoßen, lacht mir zu: Du Heuchler! Will nicht reden können und hat heute den Vogel abgeschossen." Ich sagte nur: Alles schön. Kinder! Jetzt laßt mich aber ein Stündchen ausschlafen." Bewilligt," antwortet er. ..Wir bringen Dich in ein Hotelzimmer. Da darfst Du Dich sogar zwei Stunden ausruhen. Beim Bankett mußt Du jedoch dabei sein." Ich wache nach einiger Zeit auf und fühle mich weit besser. Ich gehe zur Thür und lausche. Niemand hier. Dann schleiche ich mich zu einem seitwärtigen Ausgange des Hotels, rufe ein Lohnfuhrwerk und fahre darin heim. Dort befehle ich strengstens.daß Niemand, wer es auch sei, vorgelassen werde, lege mich wieder hin und schlummre glückselig weiter. Mein Weib hatte bereits von meiner glänzenden Rede gehört und war zu Gevatterinnen gegangen, um darüber weiter zu schwatzen." Mein Gebot wurde befolgt, jeder feindliche Angriff diesen Abend abgeschlagen. Als meine Frau zurückkam, küßte sie mich feierlich und voll Verehrung auf die Wangen. während ich listig die Augen geschlössen behielt. Aus dem gewohnten Holzklotz war plötzlich ein Idol geworden. Meinen in so unglaublicher Weise erlangten Ruf. der erste Redner meiner Vaterstadt und Umgebung zu sein, habe ich bewahrt, da ich so klug war, ihn niemals mehr auf das Spie! zu setzen. Vergebens bedrängte man mich von allen Seiten, doch nicht diesen Schatz zu vergraben. Ich sagte: Ein guter Redner spricht nur einmal und dann zur richtigen Stunde. Diese Stunde feblt mir jetzt." Und ich verschwiea weislich, daß mir die Meisterschast in der wort.gcwaffneten BeHerrschung der Gemüther nur ds graue Elend flüchtig verliehen. Jetzt erst enthülle ich das Geheimniß meiner Jungfernrede.

C;in Despot in ZemSsarmeln. In den jüngst zur Veröffentlichung gelangten lettres indites de Na polt'on I." tritt dieser Despot in Hemdärmeln vor uns, aufgeknöpft bis zur Schamlosigkeit, und seine Seele mit ihrem, ewigen Blutdurst zeigt er uns fürwahr in adamitischcr Nacktheit. Seine Seele? Dieses Wort steht schwerlich in dem kaiserliches Wörterbücke. Koller, der österreichische Commissär, der den Kaiser nach Elba begleiten mußte, erzählt in einem von Baron Helfert herausgegebenen Bllchlein ein Gespräch, das Napoleon unterwegs mit ihm führte. Er sprach sehr offenherzig, von der Leber weg. Devant yous je nie raontre cul nu," sagte er mit soldatesker Derbheit. Unter Kanonendonner denkt er an

den EourS der französischen Rente, und er weiß auch genau, wie man eö anfängt, ihn hinaufzutreiben. Mit der Börse spielt er als überlegener Fachmann. Mit ihr nicht allein, auch an ihr. Preußen will eine Anleihe begeben sofort wird ein Strohmann gesucht, der statt des Kaisers, zehn Millionen zeichnet, mit denen er im Handumdrehen zehn Procent zu verdienen hofft. Cäsar schmunzelt beim Gedanken an so leichten Gewinn. Ein holländisches Anlehen, das sein Bruder Louis aufgenommen, soll für die Hälfte des Preises zu haben sein. Ob da nicht ein einträgliches Geschäft zu machen wäre, schreibt er alsbald an seinen Pariser Vertrauensmann. Mit Wohlgefallen zählt er auf, vas er sich für seine außerordentliche Domäne" auf die Seite ßrtegt, etwa 250 Millionen von den Gütern der deutschen Mediatisirten, 300 Millionen von der Plünderung spanischer Adelsfamilien, Millionen hier, Millionen dort, lauter erfreuliche Ziffern, im Ganzen wohl über eine Milliarde. Ein Leitmotiv gibt eS.das sich durch alle Brief: zieht: das Wörtchen dumm". Wer des Kaisers Unwillen erregt, ist im gelindesten Falle ein Dummkopf. Das Wort wird durch alle Tonarten abgewandelt; sot, bete, imbe"cile oder fatras alle diese Complimente werden Marschällen.Ministern, Generalen. Bischöfen m's Gesicht geschleudert. Für jede Stufe der menschlichen Geistesarmuth scheint der Mann einen besonderen Ausdruck zu besitzen. Selbstverständlich erklingt dieses Leitmotiv nur bei alltäglichen Anlässen, wenn es sich um Nebensachen handelt. Es gibt aber keine Nebensache, um die sich dieser Allwissende nicht kümmerte. Einmal hat er im Rechenschaftsbericht eines Ministers sogar an den für Briefporto eingestell ten Beträgen etwas auszusetzen. Ein zweites Leitmotiv der Briefe ist das Wort Canaille". Wer nicht auf der Höhe des Kaisers steht, heißt dumm; was seinem Willen entgegentritt, gehört zur Canaille. Die Jtaliener, die ihr Vaterland vertheidigen Canaille; die Spanier, die um ihre Freiheit ringen Canaille; die Tiroler, die für Haus und Hos kämpfen Canaille. Damit wird nur kurzer Proceß gemacht. Auf den Sandhaufen gestellt und todtgeschossen, das ist das Gewöhnliche. Hie und da wird auch ein bischen gefoltert. Einen Schauspieler, der raisonnirt. läßt er auspeitschen; einem angeblichen Spion läßt er die Daumschraubm anlegen. In anderen Ländern besteht freilich noch UM diese Zeit der Pranger, der Staupenschlag, das Spießruthenlausen; aber für das neue, aus der Revolution hervorgegangene Frankreich war dieser Rücksall in die barbarische Vorzeit unerhört. Von allen Seiten knattern die Pelotonfeuer. Von n'avez pas la grande maniere," schreibt der Kaiser seinem Bruder Louis, der in Holland Menschenfreundlich regieren wollte. Er hatte sie, die große Manier. Unverkennbar ist seine Vorliebe für Massenhinrichtungen. Wo er hinkommt, schnaubt Schrecken und Grauen vor ihm her. Diese zwölf Personen (deutsche Patrioten) lassen Sie sofort erschießen" nehmen Sie dreißig der schlechtesten Bürger von Madrid und lassen Sie sie erschießen" man wähle fünfzig Vcrdächtige aus, Italiener oderFranzosen, und lasse sie erschießen" dies nur ein paar Strophen aus dem blutigen Rundreim. Auch in Hamburg und Bremen soll eines Tages mit der Canaille aufgeräumt werden, mit Kaufleuten nämlich, welche des Schmuggels beschuldigt waren, aber diese Canaille hat Geld, und da rührt sich wieder der Geschäftsmann: Könnte man nicht acht bis zehn Millionen aus ihnen herauskriegen?" Die Hanseaten müssen zahlen, wenn sie nicht sterben wollen. Tirol möchte er in einem Blutmeere ersäufen. Sechs große Dorfschaften müssen geplündert und verbrannt werden, aber so, daß keine Spur von ihnen übrig bleibt und daß sie ein Denkmal unserer Rache seien." Außerdem sollen hundertundfllnfzig Geiseln ausgehoben werden. Sovez terrible!" schreibt er dem Marschall Lefevre. und hoffentlich werde er sich nicht hinters Licht führen lassen par cette canaille. Diesem Manne war der Mensch, jeder Mensch ein Nichts, ein Wurm, den man mit dem Absatz zertritt, ein Jnsect, das man unter dem Fingernagel zerquetscht. Auf Erden scheint ihm nur das Geld einen gewissen Respekt eingeflößt zu haben, denn Geld Ist Macht. Er achtete das Geld als eines der sichersten und gewaltigsten Mittel, den Menscken zu demüthigen; in diesem Sinne verehrte, vermehrte er es und häufte er seine Millionen zusammen, schnüffelte nach profitlichen Geschäften umher, lieh auch wohl von seinem Gelde einiges aus, aber auf Wucherzinscn . und gegen unzweifelhafte Sicherstellung. Napoleon als Geschäftsmann, das wäre ein interessantes Kapitel, das sich aus den Briefen ausziehen ließe. Und ein anderes, vielleicht noch interessanter, müßte heißen: Napoleon als Falschmünzer. Geld! Geld! Wie sehr er diese Großmacht zu schätzen wußte, beweist ein Ausspruch aus einem seiner Schönbrunner Briefe: er hätte sich, meinte er, den Krieg von 1809 erspart, wenn erOesterreich schon 1805 in seinem Geldwesen zu Grunde gerichtet hätte. Die Wiener BankNotenpresse ärgerte ihn zu Tod. Ein Staat, der in Zeiten der Noth einfach 3- bis 400 Millionen Papiergeld druckte, schien ihm kaum besiegbar zu sein. Wie aber, wenn er den Zauber der Banknotenpresse vernichtete. Papiergeld mit Papiergeld bekriegte? Es kam ihm der Gedanke, Oesterreich mit falschen Banknoten zu überschwemmen. Diese schmutzige Sache war längst bekannt. und im Wiener Bankarchi'

dürften die schmerzlichsten Spuren da, von zu finden sein, doch das Eingestandniß von napoleonischer Seite fehlte bisher. Nun .hat man es Schwarz auf Weiß. Der saubere FouchS wurde von Schönbrunn auö mit der Ausführung des Schelmenstllckes beauftragt, so recht ein Auftrag für diesen Schnapphahn. Der Kaiser schreibt ihm: Mutet wird Ihnen eine Sammlung Wiener Bankzettel von allen verschiedenen Werthgattungen übersenden. Ich wünsche, daß Sie zur Herstellung aller dieser Sorten das Nöthige unternehmen, bis zum Betrag von hundert Millionen. Man brauchte wohl eine Maschine, die monatlich zehn Millionen liefern könnte." Bald darauf verlangt er zweihundert Milttonen, verwendbar im Kriege wie im Frieden". Mit anderen Worten, der Mann ist entschlossen, auch nach dem feierlichen Friedensschwure diesen Hallunkenkrieg gegen Oesterreich in Nacht und Dunkel fortzuführen. Es ist eine politische Maßregel," tröstete er sich, weil denn doch sein Gewissen schüchtern sich rührt, auf Geldgewinn habe er es dabei nicht abgesehen, und dasselbe läßt er Metternich antworten, als dieser das Jahr darauf in Paris Vorstellungen erhebt. Die Thatsache wird nicht geleugnet: man hat in Paris österreichische Banknoten nachgemacht, ober keine einzige davon sei in Umlauf gesetzt worden. Alle diese Zettel wurden seither, wie billig, verbrannt und vernichtet." erklärt Champagny hem österreichischen Botschafter im Jahre 1310; eine Lüge mehr oder weniger, darauf kam es ihm ja nicht an. Drei Jahre später schreibt der Kaiser dem Prinzen Eugen: Sie werden ein Packet zugeschickt bekommen, eine Million Wiener Papiergeld enthaltend; machen Sie davon entsprechenden Gebrauch." Aus Geldgewinn war es nicht abgesehen, hin und wieder jedoch hatte man kleine Trinkgelder zu vertheilen, ein Milliönchen dem Einen, ein Milliönchen dem Anderen, und da scheint man es als eine wesentliche Erleichterung empfunden zu haben, daß man dieseKleinigkeiten auf den Rücken Oesterreichs abladen, mit einem Griff in fremde Kassen Zufriedenheit und Freude um sich her verbreiten konnte. Jedermann begreift jetzt, warum Napoleon III. Anstand nahm, den BriefWechsel des Oheims vollständig zu veröffentlichen. Die napoleonische Staatskunst in ihrer grauenhaften Gewissenlosigkeit konnte er nicht eigenhändig an den Pranger stellen. Münchener Ziaöfahrcr. Von Maritlian Krauß. Ah. Servus. Wastl, bist aa dader?" Mit diesm Worten nimmt ein dicker Mann auf der gedeckten Tribüne der Rennbahn Platz, indem er eine feine, silberbeschlagene Reitpeitsche wie salutirend vor einem anderen, nicht weniger umfangreichen Herrn erhebt, wobei er zwei Damen dicht an dem Rüschen vorbeifährt, so daß diese mit einem leisen Schreckensruf sich weit nach hinten zurückbeugen. Bleib'n's nur sitz'! Es passirt Eahna nix'n!" beschwichtigt der Dicke die zarten Schönen, der ihre Bewegung falsch deutet. Wann m'r a bisl z'sammarucrn. nachert ham m'r ganz schö' Platz. Sä! I dank Eahna! Es geht scho' ah!" Und mit einem tiefen Athemzuge läßt sich derDicke auf seinen Platz nieder, der die Nummer 145 trägt und gerade vor dem Start liegt. Er steckt sein Billet auf den Hut. mustert, indem er sich mit dem Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischt, seineUmgebung und sagt dann: A schön's Platzerl hätt'n m'r. Von meiner kann dös Rcnnats losgeh'n!" Hinter dem Manne sitzt der Herr, den er begrüßt hatte. Der ruft zu ihm herüber: Bist außiganga, Donisl?" Der Angeredete dreht sich um und zieht die Augenbrauen hoch: Daß i net lach'! I wer' bei dera Hitz'n zwoa Stund' auf Perlach lafa! Da müaßt' i scho' dumm sein! Mir san g'fahr'n! Mit'n Velozipäh! Nummero 20,499!" Was! Mit'n Velozipäh!" ruft verwundert der Andere und reißt die Augen wie ein Scheuerthor auf. Ja, seit wann fahrst denn Du aa?" Dös is ja scho' bald nimma wahr! Sauber fahr'n m'r!" Herr Dionysius Huber richtet sich dabei hoch auf und klatscht mit der Peitsche auf seine dicken Schenkeln, um seinen Worten größeren Nachdruck zu verleihen. Heut'' wollen m'r uns amol dös Rennats anschaug'n! Aba wo kriagt m'r denn da a Programm?" Er läßt forschend seine Blicke über die wogende Menschenmasse schweifen. Da entdeckt er einige Bänke vor sich den gesuchten Programmverkäufer. St! Pst! Sie! Sie! Pst!" Mit beiden Händen winkt er dem Manne, der ihn aber nicht bemerkt. Herr Dionysius Huber wird ungeduldig. Der Hansdampf is dohret! Der hat drei Paar Strümpf' an! Jetz'n laaft er wiada dahin! Depp, damischer! Pst! St! Ssst! Daher! A Programm möcht Endlich bemerkt ihn der ProgrammVerkäufer und steigt zu ihm empor. Wünschen's a Programm, Herr?" fragt er Herrn Huber gewohnheitsmäßig. ' Naa. Eahnern Kopf will i auf an Pfeif'nkopf 'naufg'malt hab'n !" entgegnet Herr Dionysius Huber in gereiztem Tone. Wia ma nur so dalket frag'n kann! A Programm will i! So Loämsieda! Eahna sollt's Rentamt anstell'n zum Steuerzett'n austrag'n, nachat brächt'n's Eahner Lebtag d' Steuern net z'samm!" Damit reißt er dem verdutzten Verkäuser das Programm aus der Hand, der jetzt auch in Zorn, geräth. ..Sö werd'n schon wart'n könnal.Sö

g'schwoll'ne SeynZucht! Hex'n kann 1 aa net! A Zwanzgerl kriag i!" Da haft Dei' Zwanzgerl, Du Laddirl! Aba jetz'n druckst Di! Sunst kriagst a Pretsch'n! Du " Herr Dionysius Huber will eben seiner Zornfluth freien Lauf lassen ringsum ihn stimmt Alles ein Helles Gelächter an. das ihn noch mehr reizt da tönt am Start die Glocke. Das Rennen beginnt. Herr Huber schluckt seinen Ingrimm hinunter und schaut, wie alle Anderen, mit Spannung hinab auf die Bahn. auf der sich vor dem Starter die Renner sammeln. Herr Huber ist jetzt ganz Sportsmann. Mit prüfendem Blick mustert er die einzelnen Fahrer. Ab und zu beugt er sich zurück, um einige sachkundige Worte seinem Bekannten hinüberzurufen. Dann ertönt ein Schuß das Feld stürmt dahin. Jessas! Jessas! Dos is wiada amal a Fahrerei! Da mag wiada koana anfanga. Ah! Jetz'n hat der Breitling d' Führung! Schön! Sehr schön! Aba dös is doch kaone Pähse! Dö fahr'n ja spazier'n! Tempo! Tempo!" Mit diesen und ahnlichen Vemerkungen begleitet Herr Huber die einzelncn Phasen des Rennens. Jetzt ist die dritte Runde angefahren. Das Tempo der Fahrer wird schneller. Das Publikum kommt in Erregung. Da setzt sich ganz unerwartet mit kraftigem Spurt der Hinterste der Fahrer an die Tete. Herr Huber strampelt vor Vcrgnügen und Aufregung mit den Füßen. Ah! Ah! da Runinger! Der hau! die ganz' Gesellschaft! Wann eahm nur net d' Luft ausgeht! Jetz'n is er vorn! Bravo! Sehr schön! Aber er Halt's net aus! Er kann's net damach'n! Siehgst 's, jetz'n is eahm der Huaba scho' vor! Jessas! Jessas! Ah. da schaugt's! Der Jörns! D e n Spurt! Ha! Ha! Dö Schnorrer! Aus is! G'wunna hat er's, der Jörns! Erschter is er! I hab's ja glei' denkt! Bravo! Braavooh!" Herrn Hllber ist ganz heiß geworden. Die Schweißperlen stehen ihm auf der Stirne. Er schnauft, als wäre er selbst mitgerannt. Da ruft eine weibliche Stimme hinter ihm: Bier! Bier!" Wie von einer Tarantel gestochen, fährt Herr Dionysius Huber auf und dreht sich nach der Stelle um, von woher die Lockrufe ertönen. Aber schon ist es zu spät. Ein Dutzend gierige Hände hat der Kellnerin die Last abgenommen. die aus einigen sechs gefüllten Maßkrügen bestand. A Bier will i!" schreit Herr Huber zu der schwitzenden Hebe hinauf. A bisl wart'n! Es kummt glei'!" tönt's zurück. Was schreien's den nachat, wann's koa Bier mehrere hab'n! SL g'scheerte Moll'n!" entgegnet Herr Huber entrüstet. Das is ja a miserablige Bedienung!" Bier! Bier!" Jetzt tönt de? Lockruf von den unteren SitzbbNkcn herauf. Herrn 5uber reißt's wieder, wie man so zu sagen pflegt. Diesmal aber stürmt er von seinem Platze weg, um an der Rauferei en miiiiature, die um die paar Maßkrüge entsteht, sich in Person zu betheiligen. Unglücklicherweise stößt er dabei an den Krug eines Herrn, den dieser auf den Boden der Tribüne vor sich hingestellt hat. Das braune Naß ergießt sich ungehindert aus dem Krug und schreiend schürzen einige Damen, die die Fluth bedroht, ihre hellen Kleider. Sazendi!" ächzt Herr Huber und betrachtet ziemlich hilflos den angerichteten Schaden. Sie kunnt'n aa bessa aufschaug'n," brummt grimmig der Herr und Eigenthümer des seinem Berufe entzogenen Biers. Wann ma freili' folchene Trittlinq hat " I gib' Eahna glei' Trittling!" entLegnet Herr Dionysius schlagfertig. Wann's koa Geld mehrer ham für a neuche Maß. nachat brauch'n Sie's blos z'sag'n i leih's Eahna!" Jäh! Der gar Ander'! Aufdrah'n that er aa no'! Red'n's net so g'schwoll'n daher!" lacht der Andere, und Alles ringsum lacht mit. Herr Dionysius will eine geharnischte Gegenrede loslassen, da ertönt von allen Seiten der einstimmige Ruf: Setz'n! Seeetz'n!" I setz' mi, wann i mag!" schreit Herr Huber. Seetz'n!" tönt es beharrlich weiter; dazu schrillt die Glocke des Starters. Das bringt Herrn Huber wieder den Zweck seines Daseins in Erinnerung, und brummend und schnaubend schiebt er sich nach seinem Platze. Der unbefriedigte Durst, die mancherlei unangenehmen Episoden haben den Herrn Huber ganz gallig gemacht. Darum beobachtet er jetzt die einzelnen Stadien des Rennens mit viel größerem Skepticismus und Alles, was ihm nicht gefällt, kritisirt er in der abfälligsten Weise. Na! Na! Dös is aa wieda a Tempo, daß 's oan schlecht wer'n kunnt! Da tränir'n's wochalang. daß 's ausschauen, wia a Haringsseel', und nachat fahr'n's wia no' mal a Fiakagaul! Ah! Ah! Jetz'n laßt der Gruber Seppl aa aus! Pfui Teifi! Jetz'n werd's mi no' net bessa! Ja! Daß 's sein därf! Und der Wagner Maxl! Jessas! Hat der an Zwirn! Na! Na! A so kann me' Großmuatta aa fahr'n! Spitäler! Spitaler!" So und ähnlich lauten die Kritiken des Herrn Huber; dabei strampelt er mit den Füßen, schiebt den Oberkörper bald rechts, bald links, fuchtelt mit den dicken Händen in der Luft herum und rückt den Hut bald tief in die Stirne, bald weit zurück. Bier! Bier!" ruft plötzlich dicht neben ihm wieder eine weibliche Stimme. Herr Huber springt auf. Rennen und Pace und Endspurt Alles ist vergessen. Mit beiden. Händen sährt er

nach der Maß, die ihm vie Kellneri herüberreicht. , Setz'n! Seeetz'n!Herr Huber beachtet die warnenden Zurufe nicht. Stehend setzt er die Maß an und trinkt und trinkt. Da braust durch die riesige Zuschauermenge ein einziger Jubeldonner das Rcn nen ist zu Ende, mit einem glänzendm Vorstoß hat der X. das Ziel erreicht. Herr Dionysius' setzt ab. Ein Lächeln der Seligkeit umschwebt seine Lippen und jubelnd schreit er mit: Bravo! Vraavooh!" Dann trinkt er wieder, bis der Krug leer ist. Die Nennen sind beendigt. Die Menge strömt den Ausgängen "zu. Herr Huber, um einige Grade wieder besser gestimmt, eilt, so schnell er kann, sein Fahrrad zu erreichen, das unter den Tausenden von Rädern ausfindig zu machen, die auf dem Sportplatze ste hen, keine Kleinigkeit ist. Endlich hat er sich durchgearbeitet. Jetzt geht's an's Suchen. Und Herr Huber sucht und sucht ab5 er findet sein Rad nicht! Er schreit, er flucht, er tobt. Wo is mei' Radl? Nummer 20.439! Mir ham's mei' Radl g'stohl'n! A solchene Raubersbanda!" Alles hilft nichts. Das Rad No. 20.499 ist nicht zu sinken. Herr Huber sieht sich gezwungen. ohne Radl per pedes den Heimweg anzutreten. Er ist auße? sich. Tausendmal wohl wiederholt er auf dem langen, staubigen Wege die Worte: Der Teifi soll die ganz'' Radlerei hol'n!" Endlich kommt et keuchend vor seinem Hause an. Da steht er traut seinen Augen kaum! mit seinem Rad sein Freund Wastl der sich den kleinen Scherz gemacht hat, mit Hubers Rad nach Hause zu fahren. Herrn Dionysius ist zu Muthe, als hätte man ihn vor den ftopf geschlagen. Woaßt." meint sein Freund schmunzelnd, i hob's aa g'lernt, 's Radln, und da hob' i's amal probir'n woll'n, wia sich's auf Deiner Maschin' fahrt. Guat is 'ganqa! I dank' halt recht schön! All Heil!" Damit verschwindet er wie ein Geisterspuk. Was Herr Huber noch Alles gesagt hat. weiß ich nicht. Bon seinem Freunde Wastl darf man aber nicht reden. Sonst wird er wild! Die Sundsnote".

Als vor fünfzig Jahren in der Schweiz von nichts Anderem als von den Jesuiten und dem Sonderbund die Rede war, da ereignete es sich, daß der damalige' sonderbundsfrcundliche Gesandte BoiS--le-(omte wegen eines Hundes eine Rote an dcn Boro'rt Bern richtete. Tcn Gcgcnstand der Ungnade bildete der krummbeinige Dachshund dcs Rcdal--teurs Jenni in Bern. Herausgebers des sogenannten Guckkastens" und Mitglied des Großen Rathes. Cin Freund' Jcnnis hatte den Einfall gehabt, das Halsband des Jcnr.i gehörenden Hundes mit zwei bleiernen Kreuzen zu zieren. Ein Späher des Gesandten bemerkte es. (5r binterbrachte ihm, was er gesehen, und fügte bei, die Blcizeichen des DachsHundes des Großratl'es Jcnni hätten ausfallende Achnlichkcit mit dcn Ordenskreuzen der französischen Ehrenlegion!. Die Zeitungen jener bewegten Tage bestreiten dies. Wie dem sei. der franzöfische Gesandte wußte nichts Eiligereszu thun, ls eine Note an die Bcrner Regierung zu richten. Das dcnkwürdige Aktenstück, von der Bcrner Zeituna, die Hundcsnote" genannt, lautet: Ich erfahre soeben, daß Samstag, dcn 17. Juli (im Jahre 1847) ein Mitglied des Großen Rathes von Bern, Herr Jenni, seinen Hund in der Pro mcnade an der Enge zu einer Zeit, wl diese Promenade am meisten besucht ist, die Dekoration der Ehrenlegion öffentlich habe tragen lassen. Ich ersuche Sie, meine Herren, mir wegen dieser Handlung, welche ich nicht näher dezeichnen mag, Genugthuung zu verschaffen. Da ich an dem Gefühl, wel--ches ich Ihnen selbst einflöße, nicht, zweifeln kann, so überlasse ich cs Jchnen zu beurtheilen, welcher Weg deshalb einzuschlagen ist, sei es, daß Sie von. Amteswegen gegen Herrn Jcnni einschreiten, oder daß Sie sich derjenigen: Vollmachten bedienen, welche das Gesetz, der Bollzichungsbchörde überträgt, oder daß Sie bei dem großen Rath, die AnWendung von Tiszip'.inarmittcln reklamircn, welche jede Versammlung über ihre Mitglieder besitzt." Die Bcrncr Regierung antwortete, ste könne in der Sache auf amtlichem Wege nicht einschreiten, da kein Gese ihr das Recht dazu gebe. Wenn der französische Gesandte ein Ehrcnrccht verl'fct glaube, so möge er beim bcrnischcn (bricht klagen. Einige Zeit nachher schrieb Bois-le-Comte der Berner Regicrung. er habe sich überzeugen müs sen, daß die Bleizeichen des Tachshun des nur von einer überreizten Phantasie für das Kreuz der französischen EhrenUqbn gehalten werden konnten. Tie Bcrner Zeitung vom 26. Juli 13 17 bemerkt zu dem Ausgang des diploma tischen Zwischcnfallcs : ' Die Würde des Herrn Bois-!e-Eomte, besten Krcuzund Querfahrten schon an einen dekannten Ritter erinnerten, hat natürlich noch außerordentlich gewonnen, und Frankreich darf sich wirklich glücklich schätzen, einen Vertreter in der Schweiz zu besitzen, der sich durch solche Händel ' die Zeit vertreibt." Aus dem Leben. , Durch Energie und Kraft errang ! fT ,k.sl?A?t,v s?fi' tn ViltTit KZJU illUUUyi V Vltiuyttuui, uuuu, Durch eine kleine Schwad sank Er wieder in sein Nichts zurück. Der Zopf. . Daß er niederhängt vom Kops ! Ist's nicht, was zum Tadel zwingt. ! Sondern, daß er statt am Schöpf, Tief im Denkerschadel entspringt. Vackfischge danke. ES giebt keine bessere Uebung sür die Phantasie, als sich von einer Freundin ia: Dunkeln küssen zu lassen!