Indiana Tribüne, Volume 20, Number 342, Indianapolis, Marion County, 29 August 1897 — Page 2

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Zwei Frclmdmncn. Elizze ouZ dem Wiener Leden, von I. L. Die Gerta und die Anna waren ejute Freundinnen, und sie gingen imnier gleich gekleidet, bih auf verschiedene Nuancen im Aufputz, denn die - 3zxta war eine Blondine und die Anna hatte glänzend schwarzes Haar, und wenn sie beim Umgang in ihren weißes ÄKidern erschienen, da hatte die Gerta ilaßblauc Länder als Aufputz und die &nna wäblte rosafarbene zum SchmuÄ des üleideZ und in Locken. 53 war eine Freude, die beiden Mädhen englischer., welche der Stolz des ganzen Stadtviertels bildeten. Die Färb? der zatenPsirsichblüthe lag üb dem Untlitze Gertas, aus deren Augeri eine kindliche Heiterkeit herauslachte. Und diese Äugen toarrx voll zaubeiischer SchMbeit! Das Vlau eines Alpensees, üZ'er den eine Wolke zieht, in dessen Wasser sich ein mächtig Fels spiegelt und in den ein qrüner Wald hineinschaut blc'.u, grau undrzrün das waren die Farben, die in diesem Auge z: sammenflossen; Anna hatte ein großes, graues Auge, das wieStahl rglänzie und gar scharf zu blicken wußte. Dies?s Auge verlieh dem Antlitze Auias Ernst und Strenge. Die beiden Mädchen schritten zusamwen durch's Leben, umschwärmt und bewundert, und sie blieben die besten Freundinnen, bis ein tiefec Schmerz, ine hohe Freude sie seelisch auseinanderriß. Das nxir die Liebe. Tauchte da plötzlich ein eingelassener Vursche mit einem kecken Schnurrbart, und einem steten Lachen ans, der in seinen freien Stunden keinen anderen Lebcnszweck zu verfolgen schkn, als jerxm Mädchen und jeder Frau zu sagen. daß sie die hübschesten auf der Erde und r bis in die Ohren in sie verliebt sei. Das sagte er auch der Gnta und dasselbe sagte er der Anna und Beide fanden len leichtsinnigenBurschen lieb und geistvoll und schön undA?ide hatten ihn gern. Waren die Mädchen mit dem Fritz "beisammen, da war er mit Jeder gleich herzlich, aber doch wog Jede im Stillen ab, ob aus einem Wortc. einem Blicke nicht noch mehr Wärme und Innigkeit für sie heraustönte. Gerta trug ruhig die Freuden und Leiden der Liebe, in Anna aber loderte die Gluth in Hellem Flackern. Mit wachsender Eifersucht beobachtete sie. daß die Einfachheit und Kindlichkeit Gerta's den jungen Mann mehr und mehr fesselten. Aber schließlich trug Anna doch den Sieg davon. Der leichtsinnige Bursche entschied sich für sie. weil sie mehr Geld hatte, als die Freundin. Gerta ließ sich in keiner Weise mertat. wie schwer der Schlag sie getroffen. Kein Mensch ahnte, was in derSeele des herzigen Mädchens vorging, wie ihr Herz blutete und langsam verblutete. Im weißen Kleide kam Gerta zur Freundin, um ihr zu gratuliren. Sie brachte der Braut einen Strauß weißer Aosen, so weiß, wie ihre Wangen. (sine Rose behalte ich mir!" sagte sie zu Anna und ein trübes Lächeln erschien auf ihren Lippen. .Wozu?"

Mit einem triumphirmden Blicke .schaute Anna der Freundin nach, die heimwärts ging und die weiße Rose n das weiße Kleid nestelk und dann die Vorhänge zusammenheftete, so daß kein Lichtstrahl in ihr Zimmerchen drang. Des anderen Tages herrschte Enisetzen und Schrecken in unserer Gassen." Di: Gerta hat sich vergiftet !" Hieß es und so war es auch. Man wußte lsbald, warum die arme Gerta es gethan und als, -im nächsten Fasching die 'Anna dem Fritz angetraut wurde, da wollte keine rechte Fröhlichkeit in die Menschen kommen, der Schatten ier armen Gerta stand vor Jedem, der sie gekannt. Es war kerne sonderlich glückliche Ehe. die da geschlossen worden war. Die Leidenschaft verflog, und heilig verklärt von dem Glorienschein desHerzensmartyriums schwebte Gertrude vor iem zu spät Bereuenden. Was wäre sie mir gewesen, dieses süße, -reine, sanfte Kind!" so seufzteer oft in schwerem Sehnen nach der Verlorenen. Nach einigen Jahren schon gingen die Beiden miteinander; die Anna ist seit vielen Jahren in einem Wiener Geschäfte thäiig und wo der Fritz steckt, das weiß der Himmel. Für Gcist und Grmiith. Der Vogel singt Und fragt nicht, wer ihm lauscht; Die Quelle rinnt Und fragt nicht, wem sie rauscht: Die Blume blüht Und fragt nicht, wer sie pflückt; O, sorge Herz, Daß gleiches Thun dir glückt. Um selig einst zu sterben. Denkt be! allem mir ans Ende; Doch wollt Ihr, ein Tücht'qer, leben. So erwägt und prüst den Anfang; Denn das Ende kommt von selber. Heimkehrende Reserv i st e n. Erster Reservist: Kamerad. Was ist nur das mit Dir. In den Uebungen warst Du immer so lustig, und jetzt sagt der Kerl kein Wort mehr! Lustig! Es geht heimwärts! Hurrah!" Zweiter Reservist: Hast out den! Du kehrst zu Deiner Braut zurück, und ich zu meiner Frau und -Schwiegermutter!Bescheidene Anfrage. Herr: Ich frageSie also hiermit, wol Im Sie meine Frau werden?" Dame: Ja." Herr: Sehr schön; vorläufig besten Dank. Ich frage jetzt nur noch bei zwei oder drei anderen Damen an und werve mich dann definitiv ent scheiden." .

s. Von Lothar Scbmidt. Das ying nun bereits eine geraume Zeit ss, sechs oder acht Wochen etwa. Der Architekt Balduin Holzendorf war mit ftinem Latein zu Ende; er hatte es im Guten und im Bösen versucht, mit Bitten und Drohungen, mit Lächeln und Stirnrunzeln, mit Zärtlichkeit irr.d Strenge: es half ihm olles nichts. Endlich riß ihm die Geduld: Schön, sagte er zu ihr und zitterte vor Wuth. wenn Du durchaus keine Vernunft annimmst, so läßt Du's bleiben, rch gebe diesmal nicht nach; ich will nicht, ich kann nicht, ich darf 'nicht. Bugen oder brechen! Das ist Zetzt meine Devise! Ach du lieber Gott, "der arme Tropf mit seinem mannhaften Vorsatz, er war wirklich zu bedauern; denn es gelang ihm weder, die Laune seiner Frau zu biegen noch zu brechen. Aber etwas Anderes, etwas ganz Anderes, als er wollte, erreichte er: sie sprsch nicht mehr mit ihm, sie efe nicht mehr mit ihm und seit einigen Tagen hate sie sogar ihr Hauptquartier in eines der beiden Fremdenzimmer im ersten Stock der reizenden Villa verlegt! Holzendorf litt schwer unter diesem Zwiste, viel mehr, als er es sich selbst einzugestehen wagte. Er war nervös und hielt keine dreißig Minuten mehr an seinem Arbeitstische aus, er war reizbar und schnauzte bei dem geringsten Versehen das Dienstpersonal an, er beleidigte für nichts und wieder nichts seinen Gehilfen, einen äußerst tüchtigen Ingenieur, so daß dieser empört das vor ihm liegende Reißbrett mit der angefangenenZeichnung beiseite stieß und dröhnenden Schrittes das Bureau verließ. In diesem Zustande bat Holzendorf den Bildhauer Striefen zu sich. Er empfand das Bedürfniß, sich mit Jemandem auszusprechen, dem er Äertrauen schenkte und von dem er nöthigenfalls auch einen guten Rath erwarten durfte. Lange genug hatte er gezögert, ehe er sein Vorhaben ausführte. Es widerstrebte ihm. einen Anderen in sein häusliches Elend einzuweihen, indessen schließlich siegte doch über all' seine Bedenken der Drang, das orme gequälte Herz auszuschütten. Also Striefen war gekommen, batte sich rittlings auf einen Stuhl gesetzt, bedächtig die offerirte Havana angezündet und bereits zwei Gläser von dem ihmcredenzten Cpampagnercognac hinuntergewippt. Jetzt, während jener in erregten, abgehackten Sätzen unter heftigen Gestikulationen seine Angelegenheit vortrug, hörte er wortlos zu und strich sich langsam, nachdenklich den schönen schwarzm Vollbart. Hm-, meinte er endlich, und Du bist fest entschlossen. Deiner Frau den Gefallen nicht zu thun?" Gefallen!?" brauste Holzendorf auf; das nennst Du Gefallen?. . . Ein Opfer ist es, und eines, das ich nun und nimmermehr bringen werde!" Bitte, keine Voreiligkeit!" entgegnete ruhig der Bildhauer. Gesetzt, es wäre wirklich, wie Du behauptest, ein Opfer, warum soll ein Mann seinem schönen jungen Weibe nicht ein Opfer bringen, wenn er in der Lage ist?" Weil. . . weil dieser neuen Caprice von ihr wiederum nachzugeben eine Verrücktheit wäre, ein Wahnsinn, ein Frevel, ein " Papperlappap, lieber Balduin, mach' Dich nicht lächerlich!. . . Um was handelt es sich? Um ein lumpiges Badehaus, das Dich vielleicht dreitausend Mark, sagen wir meinetwegen viertausend Mark kostet; nicht wahr?" Der Preis ist ganz gleichailtia, daß Prinzip ist die Hauptsache. Ich hab' im vorigen Jahre auf Berthas Wunsch die alte Badestube, die noch in der besten Verfassung war, vollständig umbauen und vergrößeren lassen, habe Marmorfliesen legen und Kachelwände anbringen lassen, habe den Raum mit Oberlicht versehen und mit allem denkbaren Comfort ausgestattet. Die Geschichte kostete ein Heidengeld. Und nun verlangt sie auf einmal mir nichts, dir nichts ein Badehauö im Freien, ein gedecktes Bassin mit fließendem Wasser und dem offenen Himmel darüder." Na ja! rmd. . .? Das fließende Wasser ist da. der offene Himmel auch; brauchst Du also blos noch für das bischen Bassin und was drum und dran hängt zu sorgen." Höre Striefen, um mich von Dir anulken zu lassen, dazu habe ich Dich nicht herbeigerufen; verstanden? Der Bildhauer lächelte, schenkte sich noch einen Cognnc, einen anderen dem Architekten ein rrnd.mit ihm anstoßend, rief .er lustig: Prosit, altes Haus! weißt Du, was Du bist! Em Querkopf bist Du. em Pedant, ein Griesgram, der überHaupt nicht hätte hrirathen sollen und noch dazu eine so Zesche, lebenslustige Frcm!... Geh' mrr rroch; Du bist voll ständig trn Unrecht und trägst alle Schuld cm Eurem Zerwürfniß." Ist das Dein Ernst?. . . na, das heißt: da rauß einer wahrhaftig Spaß verstehen!" Muß er auch, liebn Junge, muß er auch, wenn das Leben einigermaßen erträglich sein soll. Du aber verstehst leider gar kernen Spaß, fernst wäre es erst garnicht so weit gekommen zwischen Euch Beiden. Da bin ich ein ganz anderer Kerl; ich brächte es nicht fertig, mit meiner Leonie länger als einen halben Tag böse zu sein." Glaubst Du vielleicht, daß es mir besonderesVergnügen macht?" brummte Holzendorf. Striefen überhörte scheinbar diese Frage und fuhr fort: Wenn ich meine Frau mal gekränkt habe, gut dann bitte ich sie einfach um Verzeihung." . De? Architekt schlug mit der Hand

Aas Vadchäu

auf den Tisch, daß die Cognacglaser

1 klirrten: Wenn sie Dich aber gekränkt. wenn sie Dich aus's Empslttdlichste verletzt hat. . .?" Dann mach' ich ihr natürlich den Standpunkt gehörig klar und dann. . . ." Run und dann?" ' Dann ... .hm, ja dann dann bitt ich sie ebenfalls um Verzeihung." I Hahaha, netter Grundsatz das!" 1 lachte Holzendorf auf: Wein, so weit j bin ich Gott sei Dank noch nicht, daß ! ich mich zum Hanswurst der Launen meines Weibes machte. Wohin soll das führen?" Zum Frieden!" entgegnete bedeutungsvoll mit überlegenem Lächeln der Bildhauer. Unter dieser Bedingung verzichte ich aus hm Frieden, da will ich lieber den -Krieg, bltterten Krieg bis auf's MeFer!" Na, na, na, Holzendorf! Dein Muth wird sich schon legen. Wie ich Dich und Deine Frau kenne, wirst Du noch ganz klem werden, ganz klein." Er zeigte mit der Hand: .So klein. Nie!" Nous TCirons." Damit endete resultatlos die Unter Haltung der beiden Freunde. Nachdenklich schlendernd reflektirte auf dem Heimwege der Bildhauer über Mann, Weib. Liebe und Ehe. Und er erinnerte sich des Bibelwortes: Er soll Dein Herr sein!" Streifen mußte so laut lachen bei diesem Gedanken, daß die Leute auf der Straße sich verwundert nach ihm umdrehten. Ja, wo einer mit seiner Frau in conventioneller Ebe lebte und sich aus ihr Nichts machte. da war s em rechtes Kunststück den Gestrengen zu spielen. den stolzen, unnachgiebigen Gebieter ! Wer aber, wie er und der Freund, ein seiner Schönheit sich bewußtesWttb ge heirathet hatte, das er liebte, der war eben im Punkte der Herrschaft verratzt, radikal verratzt. Solche Erkenntniß würde Holzendorf auch schon allmälig aufdämmern, so sehr er sich auch vorläufig noch mit Händ:n und Füßen dagegen sträubte. Warte nur, Freundchen, wirst auch noch tanzen lernen!" murmelte der Bildhauer bei sich und verschwand hinter der Thür seines Hauses, an dem er soeben angelangt war. Wochen waren vergangen. Holzendorf hatte energischen Widerstand geleistet und das Badehaus noch immer nicht bewilligt. Aber man mußte ihn sehen, den Aermsten, um sofort zu begreifen, daß. wenn er wirklich als Siegcr aus diesem Kampfe hervorgehen sollte, er einen Pyrrhussieg davontragen würde. Bleich und hohlwangig ging der Architekt einher, die Dienstboten tuschelten bereits etwas von Scheidung. Da, plötzlich eines Morgens erklärte die gnädige Frau dem Stubenmädchen, sie wolle vom ersten Stock wieder in's Parterre ziehen, oben sei es zu feucht. Und Nachmittags gar fuhr das Ehepaar was seit Monaten nicht geschehen war gemeinschaftlich aus. Eng aneinander geschmiegt saßen sie im Wagen. Und wieder einige Tage späte? kamm die Maurer nach der Villa, um nach einem von Holzendorf eigenhändig entworfenen Plane das Badehaus zu errichten. Der Architekt hatte sich zusehends erholt und leitete, nachdem die Fundamentirungsarbeiten erledigt warcn.selbst mit großem Eifer den Bau. Im nächstfolgendenJahre jedoch gab es abermals einen großen Krach zwischen den Beiden; er war nicht minder beftia als der voriäbriae. aber diesmal ließ die Aussöhnung weniger lange auf sich warten. Sie bekam das heißersehnte Reitpferd und nach und nach erfüllte ihr Balduin alle ihre Wünsche, ohne auch nur zu murren. Er hatte tanzen" gelernt! Kmdcrcrzicyttng. Wann muß die Erziehung des Kindes beginnen? Das ist doch sehr einfach." werden wir von den meisten Müttern auf die Frage zur Antwort erhalten, sobald das Kind Verstand genug besitzt, die Maßregeln der Erziehun zu begreifen und sich danach zu richten." Sehr richtig; aber die zweite Frage lautet: Wann, in welchem Alter ist dieser Zeitpunkt gekommen? Und da wird die Antwort sehr verschieden lauten. Hier sehen wir eine Mutter, die ihr Baby von 4 oder 6 Monaten ganze Nächte herumträgt und darüber selbst schwach und elend wird, denn sie hat nicht, wie das Baby, Zeit, den versäumten Nachtschlaf am Tage nachzuholen. Wollte man ihr aber Vorstellungen darüber machen, so würde sie erwidern: Was soll ich thun? Ich läae weit lieber in meinem Bett und schliefe; aber daZ Kleine schreit und will nicht Ruhe geben, bis ich es aus seinem Vettchen nehme und im Zimmer nmhertrage, und ich kann ihm doch noch nicht klar machen, daß die Nacht zum Schlafen da ist." In einer anderen Familie ist ein prächtig entwickeltes kleines Mädchen von 2 3 Jahren; sobald das Kind sieht, daß etwas Eßbares in's Zimmer gebracht wird, verlangt eö mit einer Energie, die manchem Erwachsenen Ehre machen würde, sein Theil davon, ist aber nicht zufrieden, wenn es ein Stückchen erhält, sondern bittet so lange weiter, wie es die Erwachsenen essen sieht, und die Örtliche Mutter gibt ihm einen Bisseir nach dem anderen, ob sie auch weiß, daß die betreffende Speise, besonders in größerer Menge genossen, dem kleinen Magen schädlich ist. Wenn Kleinchen erst größer ist. werde ich ihr

das Betteln schon abgewöhnen," so entschuldigt sie ihr Thun vor sich und Anderen, setzt verstünde sie es ja noch gar nicht, wenn ich es ihr verbieten wollte." In einer dritten Familie will ein derber !5jähriger Schlingel auch noch nichts vom Gehorchen wissen, und die schwache Mama thut ihm in Allem den Willen. Nächstes Jahr." entschuldigt sie sich einem Besuch gegenüber, vor dem sie sich doch ihres unartigen Söhnleins ein wenig schämt, nächstes Jahr kommt er in die Schule, und dann muß ja die Erziehung strenger geHandhabt werden! Dann ist es ohnehin mit dem glücklichsten, sorglosesten Theil der Kinderzeit vorüber, und Pflichten und Arbeit beginnen. Da möchte ich ihm jetzt die Freiheit noch möglichst ungetrübt gönnen." Solchen Vorkommrussen gegenüber und Jeder, der sich ein wenig in der Welt umsieht, wird ohne Weiteres zugeben, daß sie so oder ähnlich nicht selten Lnd möchte ich mir nun die BeHäuptling erlauben, daß die Erziehung am besten mit dem Tage der Geburt beginnt, daß der kleine Weltbürger auch da schon Verstand oder nennen wir es Instinkt denn junge Hunde besitzen ja auch keinen Verstand, und man kann sie doch erziehen also Instinkt genug besitzt, daß die Erziehung die gewünschten Früchte trage. Und nicht etwa Mangel an Zärtlichkeit, nicht etwa zu große Strenge ist es. die so früh schon beginnt, dem Kinde nicht jeden Wunsch zu erfüllen. Nein, es dient zum Heil' und Segen für Mutter und Kind. Vielmehr Last, Arbeit. Aerger und Verstimmung, ja Angst und Sorge, wird eine Mutter sich ersparen, die nach diesem Grundsatze handelt. Wie viele verdorbene Magen, wie viele Thränen und später für Mutter und Kind gleich schmerzliche und doch nicht zu umgehende Erziehungs - Maßregeln kann sie vermeiden. Laß den kleinen Schreihals, und sei er auch erst eineWoch: alt. ruhig in seinem Bettchen liegen, bis er sich müde geschrieen hat und von selbst wieder iinschläft. Du überzärtliche Mutter, das Schreien schadet ihm nichts, es ist im Gegentheil der Lunge zuträglich. Er wird, ehe viele Nächte vergangen sind, auch ohne den Verstand eines Erwachsenen völlig begriffen haben, daß das Bett zum Schlafen bestimmt ist und nicht der Arm der Mutter, und sich nur zu den üblichen Zeiten, in denen er seine Nahrung erhält, melden, und wenn er gesättigt, sogleich wieder einschlafen. Und wie wohlthätig wird dies für Mutter und Kind sein! Wenn der kleine Schelm anfängt, eßbare Dinge von anderen zu unterscheiden und mit Krähen und Jauchzen danach langt, mag sich jede Mutter im Stillen über die fortschreitende EntWickelung 'des geliebten Kindes freuen, aber scheinbar verstehe sie die Wünsche des kleinen Bettlers gar nicht. Sie gebe, so viel dem Kinde gut ist. gleich auf einmal und zur geeigneten Zeit, aber nicht, weil gerade eines Besuches wegen eine Schale mit Kuchen oder Obst auf den Tisch gestellt wird und der kleine Kerl gar so drollig bettelt. Was auch dem Gast bei einem Kinde von 1 Jahren noch Spaß macht, wirkt wenig später schon verstimmend; aber ein Kind. das. wie oben gesagt, von klein auf daran gewöhnt worden ist, die leckersten Speisen auf dem Tische zu sehen, ohne c.uch nur auf den Gedanken zu gerathen, daß das auch etwas für seinen kleinen Schnabel sein könnte, wird dabei glücklicher und vor Allem gesünder sein, als die kleine Naschkatze, die von Allem haben muß. Und nicht anders sieht es mit allen anderen Punkten der Erziehung, besonders mit dem Gehorsam, aus. Auch ihn kann man von dem kleinsten Kinde, sobald natürlich überhaupt demselben gegenüber von Ge- und Verboten die Rede sein kann, verlangen, und wie viel schöner und ungetrübter wird die Schulzeit einem Kinde verlausen, das schon zu Hause gelernt hat. die Autorität der Eltern zu ehren, seine eigenen Wünsche ihrer größeren Einsicht unterzuordnen. Das alte Sprichwort von dem Hänschen und dem Hans gilt auch hier.

In der Probe. Theaterdirekter: Was giebt's denn? Tenorist: Ich hatte einen furchtbaren Wortwechsel mit dem Kapellmeister; wissen Sie. was mir der freche Mensch gesagt hat? Ich solle mich vom Teufel zehnmal kreuzweise srikassiren lassen. Was würden Sie an meiner Stelle thun, Herr Direktor? Direktor: Offen gestanden ich würde es nicht thun! Auch ein Ton-künst-l e r. Polizist (zu einem aufgegriffenen Subject): Was sind Sie? Bumm ler: Tonkünstler. Polizist: Auf welchem Instrument? Bummler: Auf gar keinem. Polizist: Also Sänger? Bummler: Auch nicht. Polizist: Himmelkreuz, sagen Sie endlich, was Sie sind! Bummler: Bauchredner. Auch ein Familienzuwachs. A.: Guten Morgen. Herr Meier, wie geht's, was macht die Fa milie?- Meier: Danke, si: hat sich schon wieder 'vergrößert." A.: Ei der Tausend, was Sie nicht sagen, ist's ein Mädchen?" Meier:' Keines von Beiden, aber meine Köchin hat sich ein Verhältniß angeschafft." Abgeführt. Aeltliche Kokette: Jch"ieiere heute meinen vierundzwanzigsteNi Geburtstag! Sie glauben es wohl nicht?" Herr: O gewiß! Sie feiern Jh:en vierundzwanzigsten Geburtstag und die ersten zehn haben sicher Ihre Eltern gefeiert!" Stoßseufzer eines geplagten Ehemann es. Nie sagt meine Frau ja" wenn ich sie um etwas bitte! Nur einmal leider vor dem .Standesamt!"

Vedalttcur Zcl?cr. Humoreske von S. Hirth. Arnold Zeller saß in seiner Redaktion und starrte voll Unmuth auf eine Reihe eingelaufener Schreiben, die ganz nach Briefkastenfragen aussahen. Da habe ich mir eine schöne Suppe eingebrockt," murmelte er. Giebt man da in einer launigen Anwandlung ein paar witzige Antworten, und nun überschwemmen mich diese Kleinstädter vor Neugierde und Langeweile mit Anfragen! Als ob ich allwissend Wäre! Nur das eine Gute ist dabei, daß die Abonnentenzahl zunimmt.und ich wette, das Eoncurrenzblättchen erscheint nächstens vor Neid auf gelbem Papier!" Er war auch wirklich zu bedauern, schon deshalb, weil er den vielgeplagten Redakteuren" angehörte. Gott sei Dank, ihre Frühlings-, Mondscheinund Liebesgedichte, dieses Gestöhne des schwer mißhandelten Pegasus, hielten die Einwohner von Kirchheide für sich, oder verlasen sie in Kränzchen. Nun hätte er schön in Frieden leben können, da that er sich das an! Ein paar junge Mädchen hatten ihm ihr Leid geklagt, da hatte er ihnen einige drollige Rathschläge gegeben und sich als alter Onkel" titulirt. Seither regnete es nur so von Anfragen. Er öffnete die Briefe. Da bat ein Gymnasiast um Angabe eines passenden Geschenkes für junge Damen, hier wollte ein spätes Mädchen" auf ihre Sommersprossen verzichten. Dieser klagte, daß andere Leute tränken und er die rothe Nase bekäme, und es packte den Redakteur schon der Uebremuth, ihm zu schreiben, er solle sie täglich mit Schlemmkreide einreiben und als Gegengift viel Wasser trinken! Jene Frau erzählte ihm, daß ihr der Mann nicht öbei Lebzeiten Alles vermacht (obwohl Zsie ihm gewiß die Hölle recht heiß gemacht). . Und wieder ein Mann bat um ngabe des bestenGrundes, sich sckleunigst scheiden zu lassen, aber daß leine Frau es erst möglichst spät merkte! So ging es fort. Erst blieb er noch gut gelaunt und witzig, dann wurde er aber auch grob und schrieb: A. K. 60. Wenn Sie einmal mit der Orthographie nicht mehr auf so sehr gespanntem Fuße leben und annähernd einen richtigen Satz zustande bringen können, dann dürfen Sie mich wieder fragen, was Sie mit dem schönen Schreiner beginnen sollen. Vielleicht, daß ich Ihnen dann rathe, ihn bei Ihrer Eifersucht in einen Glaskasten zu sehen zur schönen Ansicht. Den Gruß nehme ich allenfalls noch an, für den Kuß aber danke ich bestens! Der alte Onkel." So, das nützte für ein paar Tage. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht! Dann kam wieder ein zierliches, rosa Briefchen mit niedlicher Handschrift. Ein junges Mädchen frug neckend an, wann man aufhöre, ein Backfisch" zu sein. Ob sie mit siebenzehn Jahren noch nicht erwachsen sei? und fügte hinzu: Bitte sehr, verehrter alter Onkel, entscheiden Sie zu meinen Gunsten! Sie werden sicher nicht so ein trockener, alter Hagestolz sein?" Die Unterschrift lautete: Dora Schwarz." Er antwortete ihr: Mein gnädiges Fräulein! Damen haben immer recht, selbst ein alter Hagestolz" gibt eö ihnen mit Vergnügen. Ich denke mir aber, wenn Sie die Tanzschule absolvirt, alle Haus- und ' Handarbeiten kennen, darf Sie Niemand mehr einen Backfisch" nennen. Dann sind Sie erwachsen", eine junge Dame, die alle die Huldigungen der Männer als selbstverständlichen Tribut entgegennehmen kann, und wäre ich nicht eben schon der verehrte, alte Onkel", ich würde mich am Ende auch noch dazu stellen. So aber heißt es tempi pusßati"!" Er lachte laut auf, daß die ehrwürdigen Redaktionswände widerhallten, wenn er an sein Alter" dachte. Diese Antwort hatte nun am meisicn Furore gemacht. Man tuschelte beim Kränzchen, man stritt in der Kaffeeschlacht, wer dieser neue Redakteur sei. Nur die Männer, die vom Stammtisch der Krone" waren. b!!nzelten schlau, schwiegen wie das Grab. (Sie wußten wohl, daß dies nur die Männer können.) Ja. sie blieben beharrlich bei allen Verführungskünsten der Töchter und Gattinnen, welch' letztcre ja nur auf den Busch klopfen wollten, ob er vielleicht doch noch eine Partie?! Selma war auch neunundzwanzig?! Scbließlich steckte sich die Weiberlist, die ja über alle List geht", hinter einen Reporter, lud ihn ein. und als er anfing, die Welt rosig zu schen und redselig zu werden, rief die Frau Rendant: Ihr Redakteur, das ist ein Witzbold! Haha, dieser steinalte Onkel." Nicht wahr?" sagte er. .Und so ein hübscher Kerl, und erst sechsundzwanzig Jahre! Wir amüsiren , uns täglich riesig darüber." Die jungen Damen waren starr.aber die älteren suchten die Fassung zu bewahren: Nun. er will sich interessant machen, die Abonnentenzahl heben." Dann leiteten sie geschickt auf anderes über, man wußte genug. Dora Schwarz war auch dabei und staunte mit den anderen, aber in ihrem Köpfchen reifte der Plan.ihm das nicht so hingehen zu lassen, ihn dafür zu strafen. Sie spionirte so lange, bis sie ihn aus der Redaktion kommen sah. Und da gefiel er ihr ausnehmend, groß, schlank, ein edles Gesicht, bestimmte Haltung, ganz ihr Ideal! Aber er hatte doch die Mädchen von Kirchheide schnöde zum Besten gehabt! Er dachte wohl, es sollte nach ihm geangelt werden?! O, da sollte er sich gründlich verrechnen, sie, deö Bürgermeisters Töchterlein, war viel zu stolz dazu und würde ihm seine That schon heimzah-

len! Sie war überhaupt anders, aus der Art geschlagen" in der steifleinenen Gesellschaft deö Stadtchens. ; . Dora wartete nun auf eine günstige Gelegenheit. Erst überlegte sie. ob sie ihm ein Manuskript anbieten solle, sicher eine arge Mche, aber da schickte es der Zufall noch besser. Es war ein schöner klarer Wintertag und die Jugend des Städtchens amüsirte sich beim Schlittschuhlaufen. Da faßte Arnold Zeller auch das Verlangen, wieder jung zu sein, aus seiner Zurllckgezogenheit hervorzutreten. Er brauchte also recht fleißig die Scheere, war heute früher fertig und eilte zum Eisfest. Eben sauste er dahin, machte eine elegante Wendung und wurde von einer jungen Dame mit krausen, blonden LiZckchen. die unter einer Pelzkappe hervorquollen, mit einem niedlichen Stumpfnäschen, gehörig angerempelt. Mühsam rettete er seine Haltung, dann folgte beiderseitige Entschuld!gung. Tausendmal Verzeihung, daß mir das auch bei einem alten Hagestolze passircn mußte." sagte sie spöttisch. Blitzschnell kam ihm der Gedanke: Das ist das Vacksischchen pardon, die Zunge Dame!" Aber ehe er noch etwas erwidern konnte, war sie fort. Wie leicht sie dahinschwebte, wie entzückend ihr das enganliegende, grüne Tuchkleid mit dem Pelzbesatz stand! Er mußte ihr nach. Und bei der Restauration erreichte er sie. Eben wollte sie ihre Schlittschuhe ausziehen und drehte verzweifelt an den schneebedeckten Schrauben. Gnädiges Fräulein gestatten, daß ich Ihnen helfe," sagte er mit galanter Verbeugung. Ein fester Griff, und der Schlittschuh fiel ab. Warum wollen Sie denn schon so früh fort, wo das Vergnügen eben erst begonnen und Sie so vorzüglich laufen!" suchte er sich einzuführen. Sie sah ihn schelmisch an. Sie meinen, ich sollte die Huldigungen der Herren als schuldigen Tribut entgegennehmen? Ich danke! Ueberhaupt, wie konnten Sie sich bei Ihrem Alter noch aus's Eis wagen? Plagt Sie nicht schon das Podogra?" Obgleich sie zürnte.gefiel sie ihm immer besser. Er beugte sich zu ihr und sagte: Fräulein Schwarz, nicht wahr, ich habe Sie erkannt, warum sind Sie mir so böse? Sollten Sie nicht einen Scherz verstehen können?" Q ja, aber Sie haben mit uns Damen ein treuloses Spiel getrieben, wir vertrauten da Ihrem alten, väterlichen Herzen all unsere Geheimnisse an und Sie verlachen uns!" So, da war es heraus, sie hatte es ihm gründlich gesteckt", aber so leicht war's doch nicht. Er wußte schon: Wenn man die Frau aussprechen läßt und ihr recht gibt, dann ist alles gut. Ja' versetzte er, ich bin ein Sünder, aber ein reuiger, und denen soll man verzeihen! Wollen Sie es nicht auch thun und zum Zeichen einmal mit mir zusammenlaufen?" Das junge Mädchen sah in sein männliches, aufrichtiges Gesicht, zögerte e,ine Sekunde und meinte: Wenn Sie es so ernstlich bereuen, ja. Nun wohl, dann laufen wir einmal!" Sie flogen dahin die endloseStrecke, sie sprachen, aber was, das wußten sie nachher kaum noch. Es war scbön. herrlich, sie waren glücklich, und das fühlten sie, und es leuchtete ihnen aus den Augen. Wie war es doch alles so schnell, so anders gekommen! An den folgenden Tagen hatten sie beide ein zerstreutes, träumerisches Wesen. Das flinke Dorchen trug den Kaffee auf und goß gekochtes, klares Wasser in die Tasse, das Kaffeemehl hatte sie vergessen. Und bstm Mittagstisch konnte sie nur laufen. immer etwas Fehlendes zu holen. Daß sie von drei Theilen höchstens eins mitbrachte, war selbstverständlich. Der junge Redakteur ertappte sich, daß er Politisches beim Vermischten" bringen wollte 'und der Druckfehlerteufe'l guckte höhnisch an allen Ecken und Enden hervor. Auch entdeckte er. daß der Weg zur Redaktion durch die Bachstraße viel besser sei als der frühere. Daß Bürgermeisters Blumen auch pünktlich um drei Uhr von Fräulein Dora begossen werden mußten, war ja eigentlich kein Grund zum Umweg. Und ein Mann, ein Vaterlandsvertheidiger weicht doch der Gefahr nicht aus?! Er wurde auch plötzlich sehr gesellig, tanzte gern auf kleinen Festen, blos zufällig" mit Dora, und die Kleinsiädtcrei merkte er nicht mehr, lernte sogar de dicken Bürgermeisterin schön thun. Es war im Frühling, bei emem Waldfest, da traf er das junge Mädchen allein in einem Seitenwege. Er ergriff ihre Hände, sah ihr tief in die Augen und zog jubelnd an seine Brüst. Als die Beiden sich nach geraumer Zeit dem Vater entdeckten, da meinte der joviale Bürgermeister schmunzelnd: Das hätte ich doch von solch' altem Onkel nicht gedacht! Man sieht wieder Alter schützt vor Thorheit nicht," dabei schielte er nach seiner EheHälfte, die außer Hörweite war. Nichts für ungut, meinen herzlichen Glückwunsch!" Nach zwei Jahren holte Arnold sein Vräutchen in die große Stadt, in der er sich inzwischen eine gute Stellung errungen. Und beim Hochzeitsmahl klang der Toast: Der gute, alte Onkel soll leben!Verständnißinnig. Dame: Die Gedichte. Herr Redacteur. die ich Ihnen übersandt, bergen die tiefsten Geheimnisse meiner Seele." Redakteur: Ich weiß es mein Fräulein und kein anderer soll sie ersah-ren."

AcrKraucn5.enncr. , Humoreske don de Rell.... Manchen bleiben die Frauen Zelt ihres LebenL Räthsel es gibt aber hingegen auch Weise, welche für jede Handlung dieser Blumen des Erdengartens Lösung zu finden wissen. Diese Weisen heißen Frauenkenner. Einer derselben war Ibrahim, der Hof- und Leibarzt des Sultans Achmed. . Ibrahim wurde eines Tages vor das Angesicht seines Herrn gerufen, und dieser eröffnete ihm, daß sein Augapfel, der Thau seines Lebens, die wunderschöne Nurileh, krank sei. Sie hätte sich anfangs zwar auf das Heftigste gesträubt, sich von Ibrahim behandeln zu lassen, auf des Sultans inständige Bitten aber habe sie die alten Wejber, welche bis jetzt an ihr herumkurirten, entlassen und wolle ihn empfangen. Der Sultan nahm Jbra him zärtlich bei einem Rockknopf, versicherte ihm lächelnd, daß er nicht wisse, ob er ihn rädern oder pfählen lassen würde, wenn er Nurileh nicht alsbald gesund machen würde, und führte ihn unter weiteren solchen Gesprächen dann in den Harem. Ibrahim erkannte alsbald, daß Nurileh vor lauter Langeweile und Fauiheit hypochondrisch geworden war und verlangte, daß sie sich täglich lange Zeit in den paradiesischen Gärten des Haremliks ergehen müsse, daß sie tanzen solle und springen, daß sie, kurz gesagt, sich ununterbrochen Bewegung machen und nur Milch zu sich nehmen solle. ' Nurileh ward ob der langen Rede des Hakim ungehalten. Sie warf ihm kurzer Hand das Nargileh, an dem sie saugte, an den Kopf und lud den Sultan ein, die Portiere von draußen herbzulassen. Die Beiden gingen. Kurz darauf durchdrang den Palast das schreckliche Schreien Ibrahims, der ob verfehlter Ordination fünfundzwanzig aus die Fußsohlen bekam. Fiele ihm bis Beginn der nächsten Woche kein entsprechendes anderes Mittel ein, Nurileh gesund zu machen, so könne er sich gratuliren. Der arme Ibrahim hatte sich, nachdem er entlassen war, in eine Sänste heben und forttragen lassen und gelangte zum Vazar und in ein ungeheures Gedränge. Ibrahim erkundigte sich bei seinem Läufer nach der Ursache des übermäßigen Gedränges und erfuhr, es sei ein Händler mit höchst seltsamen Thisren da. Neugierig ließ er sich einen Weg durch die Menge bahnen. In der That, das waren lächerliche Geschöpfe? Welche Gesichter! Ibrahim lachte trotz der noch schmerzenden Fußsohlen gerade hinaus. Und wie feist die beidenKerle waren! Ibrahim sah einige Augenblicke sinnend vor sich hin dann kaufte er. Der Sultan war erstaunt über daS Mittel", aber es half. Man sah Nurileh seit wie langer Zeit wieder lachen! Der Sultan war entzückt und überhäufte Ibrahim mit Gnadenbeweisen. Nurileh lag indessen immer noch auf ihren Kissen und neben ihr die beiden Möpse, welche da auch ganz w ihrem Element, der Faulheit, waren. Sie kraute ihnen das Fell, fütterte sie mit Süßigkeiten und hatte bald für nichts mehr Sinn, als für d häßlichen Thiere. Da geschah eines Tages etwas Schreckliches. Der eine der beiden fiel, nach einer etwas ausgiebigen Mahlzeit plötzlich um und wollte sich nicht mehr erheben. Nurileh war außer sich. Sie schickte zum Sultan und zum Leibarzt. Beide kamen. Nurileh that wie verzweifelt. Ernsten Antlitzes untersuchte der Leibarzt den Mops. Todt sei er nicht, aber noch ein solcher Anfall könne ihn wohl so weit bringen. Um aber das zu verhüten, müsse man ihn eine ganz andere Lebensweise führen lassen als bisher: magere Bissen, am besten nur Milch und Bewegung von früh bis spät. Auch das andere Thier würde binnen kurzem eben so schlimm daran sein, wenn man nicht schon jetzt auch dieses ganz genau dieselbe Kur durchmachen ließe. Er würde also vorschlagen, die beiden Hunde einem ganz zuverlässigen Wäner zu übergeben. Nurileh horchte erstaunt. Endlich raffte sie sich auf: Was. ich soll diese meine Lieblinge in fremde Hände geben? Nimmermehr!" Und. nach wohlberechneter Pause, setzte sie in hoheitsvollem Tone hinzu: Ich. ich selbst werde sie nach Deiner Borschrift, o Weiser, behandeln: und wenn mir das Herz blutet, ich will ihnen nur MilÄ reichen aber auch ich werde hinfort nur Milch nehmen, damit ihnen das Darben leichter wird. Bon Morgen bi.'Abends sollen sie mit mir die Garten des Haremliks durchstreifen, so verhaßt mir auch das Gehen isti- ' denn ihr Tod Ware auch der meine!" Ibrahim neigte sich bis auf den .Erdboden; hätte man sein Gesicht sehen können, so würde man auf demselben ein Lächeln des Triumphes bemerkt haben. Als er spater den Palast verließ, strich er sich den Bart und sagte: Nun tanzt sie eben doch nach meiner Pfeife!" Ja die Weiber! Zerstreut. Richter: Nun, ist der Betreffende bei. der Schlägerei gestochen?" Gensdarm: Nein, er hat keinen Stich gekriegt?" Richter (eifriger Skatspieler): Da hat er ja seinen Null gewonnen!" Gefährliche Waffe. Mutier: Nun hat man mir schon zum drittenmale gesagt, daß Du mit einem Artillerielieutenant gesehen wurdest !" Tochter: Mama, ich wich ihm aus, so weit ich nur konnte, aber so ein Artillerielieutenant trifft einen immer lm

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