Indiana Tribüne, Volume 20, Number 335, Indianapolis, Marion County, 22 August 1897 — Page 2

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Was ist Grück. Seit Seid war tcr mächtigste cheihk seines Stammes. Fleiß und Klugheit hatten ihm Reichthum. Weiskjeit und gute Freunde erworben. Alle, die ihn kannten, priesen ihn glücklich, (sogar seine Haussklaven lobten ihn. wenn sie unter sich waren. Ben Saib hatte aber doch eine Sorge Er war mit einer wunderschönen Tochter tje segnet, die m allen Dingen dem Weibe glich, das sie möar. um bald daraus zu sterben. Für sie suchte er einen ?oür digcn Gatten. Da kam ir)m in Phlafloser Nacht zxn guter Einfall. Den nächsten Morgen sandle er Aow.l in's Send; die mußten vc?künden: Jenein jungen und schönen Mernn, der 'dem Ven Said klar beweist, was Glück gibt er Tochter rod Reichthum zu eigen." Bald -war der glönzende Paläst bePürmt von den Scwaren 5er Bewer'der. Doch an der Pforte schon ward 'den meisten bittere Enttäuschung sie wurden weder lung, noch schön befunden, und als bzi Abend nahte, waren es nur gar Wenige, die Einlaß fanden in die strahlende Halle, wo Prüfung und 'vielleicht süßer Lohn 'ihrer harrte. Wildes Licht strömte von tausend Leuchtern. Au zeich gedcckter'Tafel faß der groe undedle Gebieter; sein fkuTiges Auge rnrsterte kühn und rasch das Häuflein er Wüthigen, die.bU zu .ihm gedruiren. .Sanfte. Musik er tönte, . und aus ein Zeichen theilte sich .der Vorhanz-oes Hintergrundes. Hin'gegossen aus üppigem Lager ward das 'entzückendste Fraucnbild sichtbar. .JUvm sprech: tönte es von dmLippen des Vat?rs. Ihr seht den Pis." Mit wildem Ungestüm trert einer -nach dem anderen vor und pries mit Meißen Worten, was er Glück nenne: Liebe. Ehn. Verstand, Muth. Aeichthum! S3c.a Said schüttelte leise daö Haupt, und nur ein stilles Lächeln der Schönen zcigte, daß auch'sie gehört. Der Herrscher erhob sich: Ihr habt Alle gut irad schön gesprochen, aber noch dauert mein Zweifel ich will Klarheit!' Plötzlich entstand wildes Stimmen gewirr vor dem Eingang, Waffen klirrten, die Pforte wurde aufgesioßen -und herein stürmte ein Jüngling, halbnakt, eine zerbrochene Kette an den Füßen. Seine Glieder von göttlicher Schönheit, sein Angesicht von reinstem Ebenmasz, .das Auge leuchtend in im widersiehlicher Kraft. Gewaltsam stieg er die Hände zurück, die ihn zu halten strebten, flog hin zu dem Herrlichen Mädchen, sie umfassend mit nervigem Arm und ihr erglühendes Antlitz mit unzahligen Küssen bedeckend. Dann wandte er 'sein Auge zu dem Water. der mit wuthbebender Hand nach dem Schwerte griff: Du willst wissen, was Glück ist? So höre. mich. Du Mächtiger und Weiser: Glück ist. so viel Verstand haben, den Augenblick zu erfassen und ihn so zu geniefjr, ls wäre es der letzte. Ich bin Ali. Dein Sklave und liebe Deine Tochter. Sie liebt mich wieder. Jetzt chabe ich den Augenblick erfaßt, es Dir zu gestehen, ich habe ihn genossen, sieh', wie meine Küsse auf ihren Wanbrennen es kann mein letzter sein, denn die Zornesader auf Deiner Stirne droht Unheil; vielleicht durchbohrst Du mich ... Nun sprich. Eerechter und Weiser, ist Deine Tochter mein?!Langsam loste sich die geballte Faust des Gewaltigen, und Freudenthränen verdunkelten seinen Blick. Zärtlich langte seine Hand räch den verschlunyenen Händen der Liebenden, und er sprach ernst: Nicht umsonst nennst Du mich den Gerechten! Ja eZ ist mir klar geworden, was Glück ist' nimm sie hin!Mit einem Male tönte eine neue -Stimme scharf und höhnend, und aus dem Schatten einer Säule, die ihn bistz versteckt, trat ein Mann m gelb strahlenden Gewändern. Auch "ich rriTl gehört sein. Gerechter und Weiser ich weiß, was Glück ist: Glück ist, keine Schwiegermutter haben!" Eine Sekunde bangen Schweigens folgte; angstvoll preßte der Sieger die Theure an sich. Da donnerte Ben Said: Führt ihn hinweg den Frechen, der es wagte, das Andenken meine Weibes zu höhnen, und Ihr so wandte er sich milder an die bestürzten Unterlegenen geht und verlaßt uns!- Die Halle leerte sich, die Drei waren allein. Da rauschte es auf der Seite der Frauengemächer, und mit leisem Lachen trat eine von Alter gebeugte Gestalt auf Ven Said zu. Dieser zuckte zusammen, und ein neuer Schatten überflog seine Stirne, als er mit gepreßter Stimme frug: Was ist Dein Begehr, o Mutter?4 Heiter tönte es zurück: Ich will Dir nur sagen, lieber Schwiegersohn, daß Dir bei der Geschichte viel Aerger erspart geblieben wäre, wenn Du mich früher gefragt hättest. Ich weiß längst, daß sich die Beiden lieben, und deswegen hibe ich dem armen Ali. den Du gestern im Zorn fesseln liessest, gerathen und geholfen, zu thun, wie er gethan. Und nun will ich Dir sagen, was Glück ist, damit Deine Zweifel für immer schwinden: Glück ist: eine gescheidte Schwiegermutter haben !" Der erste Patient. Dieer (zu dem heimkehrenden jungen

Arzte): Der Nachbar hat den Fuß j ebroiÄen. (Sie sollen nlerch mn1 KZn- i überkommen!" Arzt: Gott sei Dank welches Malheur!Stimmt. A.: Also unser Assessor hat sich verlobt?- B.: Ja. seine Braut ist zwar schon alt, aber reich!- A.: Also ein bemoosteZHaupt." Unverhoffter Segen. Herr Müller, es sind soeben zwei kleine Buben angekommen." Zwillingsvater: So ein Bubenstreich!"

Aer Waynflnnlge. 5rzählsnz t9 dem Nachtleben der Jron stadt. uon 23. v. Schierbvand. Eines Tages wurde ich, so erzählt, mir d lange Frau meines Freundes Albert, c?nBrozdway von einem Men schenhLrffen am Weitergehen verhin dert. fcr Aufkauf war urch die Verhaftung eines adgefaßen Taschendic bes vnursacht wo7ben. und da ich Eile hatte, sa erkundigte ich mich Wetter nicht nacb den Einzelheiten des Falles. sr?nern strebte, fcxrch das Gedränge hindurch zu fcmmfrt. Plötzlich .fühlte ich Mich am Kleide gezogen Ich blickte rroch um, konnte Tber keinen Menschen blicken. Sehen Sie herunter-, hörte ich da eine dünne, etwas kreischende

Stimme, wie sie erwachsenen Zwergen eigenthümlich 35 sein pflegt. Richtig! - da stand ein ganz kleines Menschen i -Wesen, das m das veryuzelte, faltige Gesicht entgegenhielt und die eine kleine .Hand wie beschwörend And bittend emporstreckte. Was 'willst Du. Kind?- frug ich, denn das Awergengkfchöpf machte zuerst den Eindruck eines Kmdes. Dnbei betrachtete ich neugierig und voll Interesse d.'s kleine Wesen, Auf dem Zkopfe trug es einen alter, ganz verschlissenen Frauenbut. .und als ich jetzt aufmerksam hrnblickte, sah ich Äarunter grcues Haar Hervorquellen. Die Augeu waren dunkel und lebhaft, und die Beloegunom der Kleinen loa? ren blitzartig schnelle. Als Antwort hirlt sie wir noch Zmrner die offene Harid hin. Eine Gabe?- frug ich freundlich. Sie nickte lebhaft. Dann setzte sie, , gleichsam ern meine Mildthätigkeit anzufeuern, hinzu: Es ist für meinen .kleinen Bruder." Deinen kleinen Bruder?- frug ich, lächelnd und zweifelhaft. Sie nickte. wieder. Ja. ich sorge für ihn, ich ganz allein." Ich sah dies füreine jene: entschuldbaren Erfindungen an, wie sie Almosettheischende ja stets bereit haben. Wer sollte denn auch erwarten, vrn einem so winzigen Menschenkind das dazu noch. etwas verkrüppelt war, denn jetzt hatte.ich ewcn Höch:r auf ihrem schnralen Nucken erblickt unterhalten zu werden? Indeß sah mich fcie Kleine unter einem so rührend flehenden Blick an, daß ich nicht widerstehn: konnte, sie bei .der Hand nahm, aus dem Gewühl entfernte und ähr dann eZne Gabe einhändigte, die wesentlich Höhe: ausfiel,. als man sie sonst Straßenbettlern zu, reichen pflegt. Es war ein Silberquarter. Die Züge der Kleinen verklärten sich. Sie blickte nieder, sagte, mit deutlich hörbarrm irischen Accent Tausendfältiger Segen auf Ihr Haupt", und dann nur sie verschnznnden. Das war meine erste Bekanntschsft mit Norah Doyle. Ich hatte die Begegnung wieder gänzlich vergessen, ali ein eigenthümliches Zusammentreffen mir dieselbe, mehrere Monate später, wieder m's Gedächtniß zurückrief. Ich gehörte damals nämlich einer Gesellschaft der sogenannten .Äing'sDaughters" an, einem Verein von Mädchen und Frauen, die sich die Unterstützung der Armen in den elendesten Quartieren der Großstadt zur Aufgabe gesetzt hatte. Mein Bräutigam (hier mein lieber Albert!) hatte schon oft Einwendüngen dagegen erhoben, denn um unsere Pflicht ganz zu erfüllen, waren Wir Mädchen, genöthigt, in den Slums" der allerschlimmsten Art persönlich umherzugehen, und das ist, wie Sie wissen, nicht immer ganz ohne Gefahr. Außerdem riskirte man auch dabei, sich eine ansteckende Krankheit irgendwo zuzuziehen, denn in manchen dieser Höhlen wurden, den strengen Vorschriften der städtischen Gesundheitsbeamten zum Trotz, Kinder und Erwachsenen einfach dem Zufalle überlassen bei schweren Erkrankungen. Aber mein Ehrgeiz und mein Sinn für Wohlthätigkeit waren nun einmal geN?eckt. und so ließ ich mich mit meinen Gefährtinnen vom Verein selbst durch die mißlichsten Umstände nicht an der Erfüllung der einmal übernommenen Pflicht hindern. Seit Kurzem war mir ein Block der Five Points, jener berüchtigsten Gegend New Forks.übertragen, und als ich eines Nachmittags in das oberste Stockwerk eines der unheimlichsten dieser Hauser. das von allerhand Menschen Opiumrauchenden Chinesen, messerzückenden Jtalinern der gefährlichsten Sorte, durch oen .runr ganzlicy verkommenen Irländern. Verbrechern und Tagedieben bewohnt war, mit meiner Gefahr tin, Anna .Wachsner, gedrungen war, da sahen wir uns plötzlich an einer mit einem Vorhängeschlöß verwahrten Thür. Hinter derselben drangen eigenthümliche. grauenerregende Töne hervor, die sich beinahe anhörten, wie das Brummen und Fauchen eines wilden Raubthiers. Behutsam, näherten wir uns der Thür, da wurde plötzlich im Innern ein kleines Guckloch sichtbar, aus dem sich die mächtige Tatze eines Mannes herausstreckte. Ich sage wohlweislich Tatze, denn eine Hand konnte man diese furchtbare Werkzeug nicht nennen sie war dicht behaart, ganz dunkel, schmutzig und von offenbar fürchterlicher Kraft. Zugleich klang das Grollen der tiefen Baßstimme an unsere Ohren. Es waren nicht menschliche, sondern thierische Laute, halb zornig, halb bittend. Wir zwei standen in Furcht gebannt, nicht wis send, was wir thun sollten. Da öffnete sich die gegenüber liegende Thür eines anderen Dachgelasses, heraus trat ein betrunkenes Weib, den Blechkessel in der Hand, in den sie wohl mehr Vier holen wollte. Als die uns stehen sah, da brach sie in ein gellendes Gelächter aus. Dann aber, wie sich besinnend, wurde sie vernünftiger und 'erkundigte sich nach unserem Begehr.

AIS sie dies erfahren, erzählte fie uns, in ihrem durch virleFlüche und obscönt Ausdrücke gesprÄten irischen Dialect, was -es für eine Bewandniß mit der verschlossenen Thür und den Jnsven dahinter hatte. Sie erzäylte, daß Jve Doezse (s? hieß er) seit seiner Geburt ein Idiot und Wahnsinniger sei. dessen einzige Stütze eine verkrüppelte, zwerghafte Schwester sei. Diese, obwohl nur von dc? Größe eines dreijähriZen Kindes und noch schwächer als ein solches, Lebe ihren Bruder abgöttisch und sorJe ifii? ihn mit einer Zärtlichkeit und AufOpferung, n?ie sie eine .Mutter für ihr -geliebtes Kind nicht habe. Die Eltern der Beides wenn sie je welche gehabt", wis ihr zweifelhaft erscheine seien wuchl längst todt, und diese Zwei seien auch gar nrcht mehr so jung. Norah, die Zwergin,, müse mindestens 50 zählen LvenigstenS dun Aussehen nach, und ihr Bruder, dec an Gestalt und Kraft in Niese sei, wäre wohl jünger als s, aber auch schon über die Jugend hinaus. i Wie es kornme, 'daß dies Unglückliche nicht in einem der öffentlichen Asyk untergebracht sei, frugen wir. Ja, das habe seinen Grand darin, daß. Norah. die Zwergin, des nicht zugeben wolle. .Sie hänge mit Leidenschqft an ihm und versorge Alles, weim es Noth thue, nur a.rnit es ihrem Bruder zu Nichts fchle. Außer, den: habe erlernen furchtbaren Hunger. Er verschlinge täglich soviel Nahrung wie vier normale Menschen, und doch seicer stets vrn Hunger geklagt. Norah befürchte affo, daß wenn man ihren Bruder in eine Anstalt sperre, er dort weiic Hungers sterben müssen. Wfe zur Bekräftigung der Warte des Weibes streckte sich in diesem Moment wieder .die beharrte Tatze des Irren aus dn Luke, und sein heischaides Gebrüll

schrll schauerlich durch den engen Gang. Ob sich Säe Zwergin zncht fürchte, mit einem so bärenstarken, wilden Wahnsinnigen zusammcn zn leben, frugen wir weiter. Nein, sagte die Nachbarin, aber sie gebrnuche einige Vorsichtsmaßregeln. Nieinals betritt sie das Zimmer, ehe ste dem Bruder nicht durch die Oeffnung in der Thür reichlich Nahrung zugesteckt habe. Und der Wahnsinnige fei nur dann gefährlich, wenn er entweder Hunger habe oder tm Jemand Rache nehmen wolle. Rache nehmen? wollten wir wissen. Ja, Rache nehmen. Schon mehrmals sti der Fall vorgekommen, daß 5? sich für eine wirkliche oder vermeintöiche Beleidigung blutig geracht habe, rnd das habe er dann jedesmal mit emer Schlauheit in's Werk gesetzt, die da zeigt.wie es mit seinem umnachteten Verstand doch nicht so ganz schlimm stehen könne. Erst letztes Jahr habe er den orgelspielenden Eitallian" unter ihm. weil dieser ihn einst zur Nachtzeit im Schlaf gestört, beinahe mit seinen schrecklichen Fäusten erwürgt, und den chinesischen Waschonkel, der früher im Hause wohnte, habe er lahm geschlagen. Für gewöhnlich lasse er sich ohne Wiverstand von Norah einschließen, aber bei jenen Gelegenheiten wußte er dies durch seine List zu verhindern. Womit denn seine Schwester soviel verdiene, um ihren he'ßhungrigen Bru. der zu ernähren? erkundigten wir uns noch. Durch Betteln, sagte die trunksüchtig ge Jrländerin, denn Jeder giebt ihr, der ihre winzige, verkrüppelte Gestalt sieht. Da erklangen leichte, schlürfende Tritte auf der steilen Stiege, und hier stand sie vor uns. Norah Doyle. Sie erkannte mich sofort wieder, und ein freudiges Aufleuchten ihrer dunklen Augen sagte mir. daß dies Erinnern ein angenehmes sei. Sie trug einen Korb, so groß und schwer, daß sie ihn kaum schleppen konnte, und ächzend und nach Athem ringend setzte sie sich erst einen Augenblick auf die oberste Treppenstufe. Aber ihr Bruder, der Wahnsinnige, mußte ihren Tritt schon erkannnt haben, denn auf einmal klapperte er an dem Fensterchen in seiner Thür, und seine mächtige Tatze schob sich durch, auf und zu krallend. Dabei stieß er ein wahrhaft unheimliches Geheul aus, wie ein hungriger Wolf. Die Zwergin nickte uns zu und blinzelte mit den Augen. Dann sagte sie im Flüsterton: Da ist mein kleiner Bruder, für den ich sorge, wie ich Jhnen damals erzählte." Das sagte sie ganz ruhig, als etwa Selbstverständ liches. Und' zugleich erhob sie sich und packte den Inhalt ihres Korbes aus. Die Nachbarin, die betrunkene Jrländerin, blickte neidisch und verlangend auf alle die Herrlichkeiten. Da kamen Sandwiches mit' Käse, mit Schinken, mit geräuchertem Fisch belegt, zum Vorschein; dann eine Schüssel mit Jrish Stew und eine solche mit Pökelfleisch und Kohl, schließlich noch ein Laib Weißbrot, Butter und Käse, sowie ein Krug mit Ale. Diese kräftigen Nahrungsmittel schob s jetzt, indem sie sich auf einen Holzklotz stellte und so bis an das Fensterchen reichen konnte, eines nach dem anderen durch die Oeffnung. Der Wahnsinnige beglei tete den Empfang jeder neuen Gabe, die er wie ein wildes Thier ihr aus der Hand riß. mit einem markerschütternden Freudengeheul, das noch grauenvoller klang als sein vorheriges Hungergeheul. Dann zog er sich von der Thür in das Innere des Zimmers zurück, und die Zwergin winkte uns jetzt mit der Hand stumm herbei. Ich blickte, nachdem ich mein anfängliches Grauen überwunden, hinein, und nachdem mein Auge sich an das im Zimmer herrschende Halbdunkel gewöhnt, konnte ich den Insassen, der sich. jetzt dem Geschäft des Verzehrens mit völligen Vergessen alles Uebrigen hingab,

rxM Muße letrQchten. Er zerriß seine Nahrung wie ein Thier, und das schmatzende 'Geräusch, dnS er' beim Kauen hervorbrachte, ilang ekelerregend. Er war ein Riese von Gestalt, mit mächtigen Schultern, breiter Brust und einem dicken, unförmlichen Kopf. Das Gesicht war gedunsen und roth, und die wässerigen Augen quollen ihm aus den Höhlen hervor, was einen ab schreckenden Eindruck machte. Es wu: kerne Spur von Jzitelligenz in em Gesucht nichts als thierische Jnstincte Tonnte mm darin lesen. Mit einem Seufzer wandte ich mich b und wieder seiner Schwester Norah, seiner treuen Pflegerin zu, ie mittlerweile ihren kleinen, bescheidenen Imbiß aus der Tasche ihres Kleides herausgehvlt hatte und davon aß. Annes Wesen," murmelte ich und blickte sie bedauernd an. Das gefiel ihr nicht. Sie wurde puterroii) im Gesicht und warf mir einen mißbilligenden Blick aus ihren hellen Augm zu. Mir geht's ganz gut", sagte sie ann, .ganz gut wenn mir die Leute nur immer genug geben wollten. Mein Bruder ist ganz gut zu mir er thur mir nichts; nur wenn er hungrig ist und ich ihm nichts bringen kann, wird er manchmal bös. Aber das kommt nicht oft vor." Ich ging bald darauf fort mit meiner Freundin, nachdem ich der Zwergin und auch ihrer Nachbarin einig? kleine Unterstützungen hinterlassen hatte. Die Nachbarin vertraute uns noch an, daß neulich einmal die arme Norah sich zwei Toge lang nicht in das Zimmer getraut habe, weU der Verrückte einen längeren Wuthanfall hatte. Wir sprachen über den eigenthümlichen Fall zusammen und auch in unserem Verein wurde darüber discutirt. Allein was ließ sich thun? Sie war entschieden die liebevollste, treuste Pslegerin, 'die der Irrsinnige haben konnte. und sie wiederum erblickte ihr Lebensglück in der Erfüllung dieser schwesterlichen Pflicht. Also warum da ein.greifen? Es hätte nur Unheil gestiftet. So kamen wir Alle überein. Etwa zwei Wochen später war ich zufällig wieder mit meiner Freundin Anna Wachsner auf einer Rundvisite im selben Block in Five Points, da stürzte auf einmal ein kleiner Junge in's Zimmer und rief: Hurrah da giebi's Spaß. Der oerröckte Joe macht seine Schwester kalt." Und damit war er wieder verschwunden. Wahrscheinlich war er zurück nach dem Schauplatz der That. Unter dem Namen Crazy Joe" war der Wahnsinnige im ganzen Block 'bekannt. und so fand ich, als wir rasch nach dem Hause hin und die vier Treppen emporgeklettert waren, einen dichten Menschenknäuel vor. Todt!" hörte ich murmeln.. Ja. todt. Nichts mehr zu machen, wohl auch das Beste", brummte Sergeant Maguire, der in diesem Augenblicke aus dem dunklen Zimmer heraustrat, in dem sich dieser letzte Act der menschlichen Tragödie abgespielt hatte. Drinnen lag Norah erwürgt. Nebcn ihr, scheußlich anzusehen, die Leiche ihres Bruders, der im Kampfe mit den Polizisten, die ähm seine Beute hatten entreißen wollen, gefallen war.

Ikammchells ßrzägrung. Ein Märchen v,n . v. Aueröwald. Halte an, o Wanderee, der Du vorübergehst, halte an und höre, was ich Dir zu ergählen habe, knisterte ein halb erloschenes Flämmchen auf schwarzer Brandstätte, welches mühsarn sein elendes Leben an einem kohlenden Balken ernährte. Wenn Du Erbarmen hast, höre mich an, daß ich mit erleichtertem Herzen sterbe. Und dev wandernde Dichter verstand das Knistern und neigte sich barmherzig und lauschte. Habe Dank, sagte das Flämmchen und begann: Gestern war es in stiller, warmer Nacht, als ich mir zuerst meines Lebens bewußt ward. Ich glühte in einer bunten Päpierlaterne und ein dummer Wachssiock gab mir Nahrung. Um mich herum durch die dunklen Büsche sah ich unzählige andere Lichter glühen, aber unsäglich heller als alle leuchtete eines über mir mit mildem, gelblichem Licht, welches überall erzitterte. träumerisch glänzend. Ein sanfter Wind hauchte und süße Töne, eigenthümlich sehnsuchtsvoll und klagend, erreichten mein Ohr. Es war schön, so schön, schuldlos und rein, das Leben, und ich zitterte im Gefühl eines unbeschreiblichen Glückes, das mich durchströmte. Da bewegten sich Schatten und ganz in meiner Nähe blieben zwei Gestalten stehen und lauschten. Horch, wie schön die Nachtigall singt, sagte die eine. Ja. es ist prachtvoll, war die Antwort. O, Heinrich, wie danke ich Dir für den heutigen Tag. Warst Du glücklich, mein Lieb? fraate Heinrich und sah in ihre Auaen. Ach, so glücklich, viel zu glücklich. sagte sie. sich an ihn schmiegend. Was macht der Kleine? fragte er. Er schläft, er schläft ganz sanft und warm mit offenem Mündchen und rothen Backen und mit den beiden dicken Fäustchen hält er noch daö Lamm. Sein zweites Lebensjahr vollendet! Du. Heinrich, er wußte, daß die ganze Feier ihm galt, und ihm ganz allein. Wie aufmerksam und klug er aus den großen blauen Augen Ganz die Deinen, sagte Heinrich lachelnd. Wie klug er aus ihnen sah, fuhr sie fort, und wie ihn die Laternen freuten. Sie sah zu mir empor und mich durchströmte ein so heißes Glücksgefühl, daß das Wachs unwillig heruntevtroZ?fte. In ihren Augen hatten

Thränen gestanden, die er liebevoll fortküßte. Arm in Arm schritten sie weiter. DaS Gesprach hatte mich intexessirt und neugierig lugte ich durch ein Loch, das von der Seite in die Laterne gerissen, ob sie noch einmal an mir vorbeikommen würden. Das geschah nun nicht, wohl aber kamen zwei Herren und einer hielt ein dummes Hölzchen an mein Licht, sich seine Cigarre anzuzünden. Ein prachtvoller Abend mal wieder, sagte er. Ich weiß nicht, bei diesen Leutchen amüsirt man sich immer. Sie sind so gut, sagte der andere, und so glücklich. .Das steckt an. Ja, wahrhaftig, sehr, sehr glücklich. Und sie gingen weiter. Nun war ich lange Zeit allein. Nur das ferne, gelbe Licht sah ernst auf mich hernieder, und eine große, unförmlich dicke Motte taumelte zu verschiedenen Malen ungeschickt gegen meine Papierhülle. Ach. und der Wachsstock wurde zu meiner Angst kürzer und kürzer. Wenn er nun zu Ende ist. sagte ich voller Bangen, waö mag dann aus mir werden? Plötzlich hörte ich ein Rauschen und ein lustiges Gelächter. Durch das schon einmal erwähnte Loch sah mit naseweiser Zudringlichkeit der leichtstnnige, herzlose Gesell, der Wind, der den BlütHen schmeichelt und sie lockt und sie dann abreißt und verderben läßt, ach, der auch mein Verderben war. An jenem Abend aber war er mir willkommen, denn ich sehnte mich nach Unterhaltung. Nun, armes, junges Licht, hat man Dich hier eingesperrt, rief er mit spöttischer Freundlichkeit. Armes Ding, bei Deinem langweiligen Leben und frühem Sterben lohnt ja das Entstehen kaum. Wann stirbst Du denn? fragte ich in meiner Unschuld. Ich? rief er mit leisem Lachen. Ich bin ewig, ewig, kannst Du Dir das ausdenken. Mäuschen? Immer und immerdar sein? Ha und ein schönes Leben ist das meine. Heut küß ich die halberschlossene Nosenknospe und schmeichle mit den ihr geraubten Düftcn jungen Menschenkindern und morgen sause ich durch das wirbelnde Heer der Schneeflocken und begrabe einen diese? Herren der Schöpfung unter ihren Massen. Heute lösch ich solch ein ohnmächtig Llchtlein. wie Dich, mit einem Hauche aus, und morgen treibe ich c5 an zu einem himmeljauchzenden Flug des Triumphes und stürze mich hinein in sein wogendes Feuermeer und werfe feine Flammen auf gen Himmel und stürme ihnen nach, und wir lachen nnd spotten vereint des ohnmächtigen Grimmes der Menschen. Er hatte mit zündendev Begeisterung geredet und ich starrte ihn ungläubig verlangend an. Er sah den Blick und lachte sein leises Lachen. Willst Du? fragte er. Ein Hauch von mir und das Holzhäuschen jener sich glücklich Preisenden ist Dein Theil und Du lebst Augenblicke, ha, um die ich Dich beneide'. Es wäre unrecht. Es würde sie unglücklich machen, diese Menschen, sagte ich. mein Verlangen tapfer bekämpfend. Jetzt lochte er laut auf. Nun. dann knistere noch ein Stündchen Dein elendes Leben hin zur Wonne eines pausbäckigen Babys und dann stirb sanft einen philisterhaften Tod, ohne eine Spur Deines lebendigen Wirkens zurückzulassen, als einen verkohlten Docht. Du bist mir zu zahm. Wem dev frische, weltveraa tende Wagemuth fehlt, der paßt nicht zu meinen Genossen. Und fort war er. Mir war sehr trübe zu Muth. Was half es mir. daß ich mir immer und immer miede vorsagte, so baft Du recht gethan, daß das große gelbe Licht eigenthümlich freundlich auf mich herniedersah? Etwas in meinem Flamrneninnern sprach gar zu laut von dem rauschenden, ruhmreichen Leben eines Vertilgers, dev mit verheerender Macht seine Bahn zieht in heiliger Freiheit. Und dazu wurde der Wachsstock kürzer und kürzer und meine Todesstunde nahte beängstigend schnell. Ach, ich wollte noch nicht sterben! Nur einmal meine Freiheit genießen, die unbekannte Macht, die in mir wohnte, von der mir der Wind erzählt hatte, nur einmal erproben und dann meinethalben willig vergehen. Nur einmal frei, dachte ich, und meine Sehnsucht ward größev und größer. Nur einmal frei und mächtig! Neben mir verdunkelte plötzlich eine der bunten Laternen. Das Licht darin Ist gestorben, dachte ich mit Schaudern. We fca.'d und dasselbe Loos wird Dir. Da' hörte ich wiedev das eigenthümliche Rauschen von vorher. Einen Augenblick stand mein Herz still, dann aber tanzte ich fast vor Freude. Wind, lieber Wind! rief ich. Nun? sagte er und steckte mit rnürrischer Miene seinen Kopf herein. Mich ergriff noch einmal ein Ban gen. Wolltest Du? Könntest Du? Ich hielt inne. Mach rasch! sagte er. Ich habe nicht viel Zeit für Dich. Wenn ich nun auf Deinen Vorschlag einginge? fragte ich schüchtern. Dann ist allerdings die höchste Zeit, sagte er mit erheitertem Gesicht. Erstens Deines nahen Endes wegen (er sah so mitleidig hohnvoll aus, wahrenS er dies sagte, daß mein Entschluß nun felsenfest stand) und zweitens, siehst Du, ist jetzt drüben Feuerwerk und da beachten sie uns nicht. Ich sah hin, und richtig, da stieg langsam und majestätisch eine flammende Rakete auf, Sonnen sprühten und die ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf diese herrlichen Erscheinungen. Ein ohnmächtiges Abbild des

Schauspiels, das Du bald bieten wirst im Feuerglanze Deiner Majestät, sagte der Wind jetzt, feierlich. . Los denn! Beginnen wir! Kurz gab er mir einige Verhaltungsrnaßregeln und dann blies er durch das Loch an der Seite. Ich fühlte mich emporgehoben, einen Augenblick schwanden mir die Sinne, ich meinte vergehen zu müssen. Dann aber faßte ich festen Fuß. Im Nu war die Laterne verzehrt. Darüber war ein trockenesBretterdach mit überhängendem Stroh. An die klammerte ich mich, und nun ging es weitev in unaufhaltsamem Jagen. Ich fühlte, wie ich mich ausbreitete, wie ich sausende Flügel erhielt! Ein rother Schein erhellte die Bäume und das blasse Licht der gelben Laterne war nicht mehr zu sehen. Ha. wie ich sauste und klang! Wie das Meer! Wie das Meer! jauchzte der Wind, und wie in gespannte Segel stürzte er in meine Flammen. Jetzt hatte ich das kleine Holzhäuschen der Festgeber ergriffen. Feuer! In des heiligen Gottes Namen, das Haus brennt! Nette, Heinrich, rette unser Kind! Halb wie aus der Ferne erklangen mir die Worte. Eine mächtige, unnennbare Freude hielt mich umfangen. Ich wav frei! Ich war mächtig! Zu dem stillen.nächtlichen SommerHimmel schlugen meine Flammen-auf. Röthlich strahlte er wieder, die Sterne sanken erblassend zurück. Die Blätter der Bäume rollten sich in der glühenden Hitze zusammen. Die Blumen im Grase erwachten und sahen mit erstaunten Augen herauf. Ein angstvolles Zwitschern aufflatternder Vögel und ein leises, klagendes Rauschen überall: Das Kind! Das arme Kind! Und dazwischen das angstvolle Kreischen der Menschen: Rettet! Rettet! Im ganzen Hause war Niemand geWesen. Alle waren hinausgeeilt, das Feuerwerk anzusehen. Das Kind war allein. Mit trostlosen Klagen irrte die unglückliche Mutter auf und nieder. Mein Kind! Gott in Deiner BarmHerzigkeit gib mir das Kind! Da eilte Heinrich herbei. Er sah schön aus in meinem strahlenden Licht mit dem kühnen, dunkeln Haupt. Ich hole es! rief er und drückte sie an sich. Sei ruhiq. ich hole es! Und Mit Gott!" rief er und stürzte sich in meine Flammen, die sausend hinter ihm zusammenschlugen. Stumm, mit gefalteten Händen starrte sie ihm nach. Ich verfolgte seinen Weg. Schon brannte die Decke im Zimmer des Kleinen, als ich hereinstürzte. Noch unversehrt! Noch unverletzt! Gelobt sei Gott! so hrte ich ihn stammein. In seine Arme riß er es, daß es schreiend erwachte und seine Aeuglein rieb, und nun zurück den schrecklichen Weg mit dem theuren Kleinod. Bei dem Gott, den sie anriefen, ich wollte ihn nicht vertilgen, er sollte zurück zu seiner Gattin,"mit dem Kinde. Aber noch ehe er das Zimmer verließ, stürzte die Decke, ihres Gleichgewickts beraubt, krachend zusammen. Ein Funkenmeer stob gen Himmel, ein einziaer, furchtbarer Schrei aus allen Kehlen und dann Todtenstille, und nur meine Flammen leckten und züngelten lanasam in die Höhe und unter den schwebenden Balken ruhte für immer ein tavferes Herz. DaS Flämmchen zuckte leise und schwieg. Nach einem Weilchen hob es wieder an: Du siebst das Ende meines Werkes. Der Strahl der Morgensonne tvaf auf kohlende Balken und eine rauchende Brandstätte. Aber um den Platz irrte ein bleiches Weib im weißen Festgewande. Mit irrem Blick starrte sie umber und rief mit seltsam erqreifender Stimme, flehend. angstvoll klagend: Heinrich.Heinrieb, bring mir das Kind! Vergebens beschwor man ste. den Plaß zu verlassen. Fort! Fort! rief sie. Gönnt ibr mir nicht meinen herzigen Liebling? O, ihr beneidet mein Glück! Sie ist wahnsinnig, saate das Flämmchen leise. Wahnsinnig, und das durch mich. Um mein elendes Leben um Stunden zu verlänaern, habe ich das Glück eines Hauses frevelnd vernichtet. Es wuvde schwächer und schwächer und zitterte leise. Da erhob sich ein sanfter Wind und sein Hauch machte es erlöschen. Der erschütterte Dichter aber sah ein schönes Weib mit stillem Wahnsinn in den .uaen durch die Büsche irren. Ick war so qlücklick gestern, ballte Äre Stimme, so glücklich. Der Tag wav so schön. ' Ich danke Dir. Heinrick. Und dann mit einem gellenden Schrei: Wo bist Du? Wo ist das Kind? Sie stürmte bervor. Fort! schrie sie. Fort! Ihr babt sie mir genommen! Ihr gönntet mir nicht mein Glück! Der Dichter schritt weiter. Eine Wolke zog vor die Sonne und ihn schauderte. Ihm nach schluchzte das Weib: Ach. ich war viel zu glücklich ge-stern!

Von seinem Standpunkte. Polizeibeamter (mit einer sehr rothen Nase): Wo haben Sie die Börse gefunden?" Junger Mann : Vordem goldenenLöwen". Polizeibeamter: Da muß ich Sie wegen Ihrer Ehrlichkeit doppelt loben. 'es lag doch so nahe, das Geld gleich im Lo-wen-zu vertrinken." Irrthum. S'c haben sich engagiren lassen und nun sehe ich, daß Sie von der Vlumenpflege nichts verstehen. Ich denke doch, Sie waren Gärtnerin?" Nun freilich, Kinder-gartnerin.-

Daö verwcMte StammMs. Gewohnheit ist das halbe Leben, heißt es im alten Sprichwort und Herr Hofrath von Schiller drückt dies bekannterrnaßen ebenfalls in seiner geWohnten geistreichen und poetischen Sprechweise mit den Worten aus Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht und aus Gewohnheit nimmt, er sich 'ne Amme." Lassen wir das dahingestellt sein. Sobald sich aber die Gewohnheit mit Zerstreutheit zu paaren beginnt, so kann die Sache doch schlimm werden. Der alte Professor Tüftel war eigentlich aus lauter Gewohnheiten zusammengesetzt. Er war aus alter Gewohnheit Junggeselle geblieben, hielt gewHhnheitsmäßig seit vierzig Jahren immer dieselben Vorträge und nahnr nach vollendeter Arbeit gewohntermaßen seinen Abendtrunk. auch bereits, seit fast ebenso langer Zeit stets in seinem alten Stammlokal, wo ihm sofort, nach seinem Eintritt in seine gewohnte Ecke stillschweigend von Seiten des alten Kellners, der sich längst hieran ge wöhnt hatte, sein bestimmter Literkrug, hingesetzt wurde. Und zwar geschah dies in der Weise, daß der Kellner von rechts an den alten Herrn herantrat, und ihm den Krug derartig hinstellte, daß der Herr Professor nur mit der rechten Hand mechanisch nach dem Henkel zu greifen brauchte, wenn er trinken wollte, währcnd er mit der Lnken Hand die ebenfalls längst vorher richtig hingelegte Zeitung festhielt, in die er sich sofort mit wissenschaftlichem Eifer gänzlich zu vertiefen pflegte. Einen Liter tränt der gelehrte Herr dann stets nur und las auch nur die einzige Zeitung durch. Alsdann legte er seine fünfzig Pfennig auf den Tisch und verließ dann sinnenden Hauptes das Lokal. Kürzlich hatte sich nun aber die Si-. tuation plötzlich mal geändert. Dergewohnheitsmäßige Kellner war krank geworden und an seine Stelle ein horao novus getreten, den der Wirth freilich sofort mit den Gepflogenheiten feines geehrten Stammgastes, bekannt gemacht hatte, der aber trotzdessen das Ding doch wohl nicht so ganz richtig, capirt zu haben schien. Er legte ja allerdings vollständig correkt die Zeitung zur Linken unv setzte auch den Literkrug (eine Dedication des Wirthes aus alter Zeit) ganz richtig zur Rechten des greisen Gelehrten, er vergaß den Henkel des Kruges nach außen zu drihen! Das war sehr verhängnißvoll! Als nämlich derHerr Professor rnnv ohne von seinem Leitartikel aufzubli cken, nach seinem Schoppen greifen wollte, da tastete er und tastete und konnte den Henkel nicht finden! Große , Bestürzung in den Zügen des alten Herrn. Hierauf kurzes Nachsinnen dann ein heroischer Entschluß: Mit weit auseinandergespreizten Fingern umklammerte er den mächtigen Krug führte ihn zitternd zum Munde, verschüttete dabei naturgemäß auch wohl etwas Bier und setzte dann stöhnend das große Ding ebenso wieder hin. wiees eben worher gestanden hatte, chne dabei selbstverständlich aus seiner Zei, tung herauszugucken. Unter diesen erschwerenden Umständen wiederholte sich das Experiment verschiedene Mals. Da kam zufällig der Wirth an der Unglücksstätte vorübir: Nun, Herr Professor. schmeckt's?" Danke, danke, mein Lieber! Wie. . immer ausgezeichnet! Aber sagen Sienur, weshalb hat mir denn der Kellner heute nicht mein altesStammglas hingesetzt?" Der Wirth sah sich die Geschichte näher an: Bitte, Herr Professor, dist ja doch Ihr altes Glas, sehen Sie nur!" Endlich schaute der zerstreuteHerr aus der Zeitung auf: Ja wahrhaftig, aber was ist denn blos mit dem Glase geschehen? Der Henkel sitzt ja. plötzlich auf der entgegengesetzten Sei--te." Los des Schöunl. - Von A. Vohlmuth. An dem quellenreichen Hange, In Gesträuchen still verborgen Wie ein trauliches Geheimniß: -Ein verschollenes Fleckchen Erde, ' Eine Wiese, froh und lieblich! In dem gold'nen Sonnenlichte Freuen sich viel' zarte Gräser, Schlank gewachsen und durchzittert: Von den sanften Sommerlüften, Freuen sich die vollen Blumen So wie ros'ge Mädchenwangen' Und die zärtlichen, die kleinen Blauen Kinderöuglein gleichend Lachen, duften, leuchten li:ben! Denn es kommen zum Besuche Vienchen, die in Honigseim Sich betrinken. grüne Fliegen; Auch die Baßgeiger der Lüfte: Hummeln emaillirtc Käfer. Und es fegen d'ruber hin Wassernymphen, deren Flügel Buntbemalten Scheiben gleichen Blaue, winz'ge Falter tänzeln Hin und her und nippen zierlich Eine ganze Welt füv sich. Voller Glück und Duft und Schon--heit! Da mit ihren Sensen nah'n Scknitter und in fünf Minuten Fällt ein Reich der Poesie, Um ein Häufchen Heu zu aeben In dem Stall für'S liebe Vieh. Aus der Schule. Lehrerr Also alle Thiere, die lebende Junge zur Welt bringen, nennt man Säugethiere! Fritz, kannst Du mir , ein Säugethier nennen?" Fritz: Der Storch!" . Väterliche Betrachtun. Wenn's ans Mitgiftzahlen geht, merkt man doch erst recht, wie theuer einem eine Tochter istl"

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