Indiana Tribüne, Volume 20, Number 328, Indianapolis, Marion County, 15 August 1897 — Page 2

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Hc!:nt!shlo5. on Paul Lang. Am Kreuzweg steht ein Wandersmann, Den in der Jugend Tagen Aus feines Heimathsdörfchens Bann (Sin trüb Geschick veischlagen. Was er mit kindlichen? Gemüth In heißer Lieb' umfangen. Das Elternpaar, war erdeninud Zu? ew'gcn Ruh' gegangen. Stiin Mensch nahn sich des Knaben an. Ihm wurden Heim die Gassen; Da trieb des Lebens Noth ihn an. Den Wanderstab zu fassen. And durch die Lande weit und breit Ist er in langen Jahren. Geführt vom Glück, verfolgt Dom Leid, Als Wandzrbursch gefahren. Jetzt hält ?i still am ScheidepfaHl Und läßt den Weg sich deuten: Die Strafe rechts: ins Heimaththal. Und links: zu fremden Leuten. Da will dem müden Wanderer hell Im Aug' ein Thränlein blinken. Das wischt er mit dem Aermel schnell Und schreitet fort zur Linken. Judiancrvcröcu.

"Wenn der Indianer einer Schönen sein z geschenkt hat. sucht er zuerst durch stetes Umschleichen .ihres Zeltes, dttlieöte Seufzer und schmachtende Wicke ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Gelingt ihm dies und fühlt die indiairische Jungfrau auch in der eigenen Brust zarte Sehnsucht, süßes Hoffen", so trifft n;cm sich Abends beim Monenschein in der Prärie und spricht sich aus. Da die Liebe der Nothhaut als unmännliche Schwäche gilt, wird ihr j Aufflackern bei einem der Krieger von j den übrigen Stammesgcnossen groß , müthig oder auch, wenn man will, der-1 ich tl ich übersehen. Diese Leidenschaft ; scheint dem Indianer zu albern, um Worte darüber zu verlieren. Sobald sich mehrere Jünglinge um dasselbe Mädchen bewerben, führt man eine wunderbare Ceremonie auf. Die Anbeter legen sich Abends in gewinn Abständen um das Zelt der Schönen flach auf die Erde, und zwar so. daß keiner den Anderen sehen kann. Sobald das Mädchen heraustritt, springen Alle auf und suchen sie zu greifen; ist der Erste, welcher sie hascht, der Mann ihrer Wahl, so folg! sie ihm willig, und die Anderen trollen stillschweigend von dannen. Im entgegengesetzten Falle erhält cr einen gelinden Backenstreich, worauf er sofort seine schöne Beute fahren läßt und verschwindet. Das Mädchen tritt wieder in ihr Zelt zurück und das Spiel wird wiederholt, bis sie an den Rechten, oder besser: der Rechte an sie kommt. Köstlich macht sich auch eine Brautwerbung bei den Indianern. Der Mann inuß sein Weib kaufen. und Brautvater und Bräutigam will natürlich soviel wie möglich Profit bei diesem Geschäfte machen. Ich will Eure Tochter zum Weibe" leitet der Bräutigam die Werbung ein , sie ist ein häßliches Ding, faul wie ein Bär, weiß nicht zu kochen und ist zu nichts brauchbar, ich sehe jedoch, daß sie Euch eine Last ist, und so will ich Euch von ihr befreien. Was kostet die Braut?" Oh!" spricht der Vater Ihr wollt meine theure Tochter haben, die beste Köchin, die fleißigste und willigste Arbeiterin im Stamm ? Ich gebe meine Tochter Niemandem, am wenigsten Euch, der nur einen Skalp gewonnen und kaum mehr als zwei Ponies gestohlen hat! Ich verlange zwanzig Ponies und drei Büffelhäute für sie." In ähnlichem Stil geht die Geschichte weiter, bis derPreis unter Schreien und Schimpfen endlich festgesetzt ist. Der gewöhnliche Cours" beträgt vier Pionies pro Braut. Der Indianer kann sich nämlich die Bräute gros oder n detuil kaufen; je reicher er ist, desto mehr Frauen nimmt er, sie bilden feine Sparkasse, denn in den Zeiten der Noth kann er sie beliebig weiter verhandeln. Die Untreue der Frau wird auf eigenartige Weise gestraft. Die Häuptlinge kümmern sich nicht weiter darum, sie stehen zu er haben" da, als daß ein untreues Weib sie kränken könnte. Die Siouzkrieger aber spalten der verrätherischen Frau die Nase, und es sollen Frauen mit fünf- bis sechsmal gespaltenen Nasen bei ihnen zu finden sein. Andere Stämme machen selbst aus der Untreue der Frauen ein Geschäft. Hat das Weib seinen Mann verlassen, und der neue Liebhaber will sie behalten, so muß er eine bedeutende Entschädigung an den verrathenen Ehemann zahlen; dabei setzt man oft folgende Komödie m's Werk: Die Frau sucht einen möglichst reichen Stammesgenossen zu be wegen, sie ihrem Manne für eine stattliche Anzahl Ponies abzukaufen. Ist sie jung, hübsch und fleißig, so findet sie sehr bald Jemanden, der ihren Wunsch erfüllt. Kaum ist jedoch die Entschädigung gezahlt, so verschwindet .Madame" aus dem Zelt des zweiten Gatten in das des erstern. Der zweite läuft zum Richter und ruft um Rache, mindestens will er seine Ponies zurückHaben. Der erste erklärt: Wie kannst Du das verlangen? Ich will meine Frau nicht haben! Nimm sie Dir." Die Frau, die Hauptperson im Streite sagt: Nein, ich mag den ersten lieber", und somit muß der Kläger ohne Weib und .Pferde abziehen. Das wieder vereinte Ehepaar aber erfreut sich seiner leicht erworbenen Ponies. Verfeinert. A: Dieser Mann war ein Dieb, bis er reich wurde!" V: Und was ist er jetzt?" A: .Kleptomane!- ..... '

gin schlauer Kniff. Wie Richter Cnnis den Temperenzler betrog, ven W. v. Schicrbrand. Diese Geschickte spielte Anfang 80er Jahre, als das südliche Colifor-

men der Gegenstand eines Äuymes war,- wrlcher mehr von Capitalien aus Boston und anderen östlichen Städten ausging, als von der eingesesseRen Bevölkerung selbst. Unter diesen Buhmern" waren Viele, die das Heil der Menschheit in gänzlicher Enthaltsamkeit von allen geistigen Gekränken erblickten, und wo diese Sorte von Fanatikern entweder einen Theil der Gründer bildeten oder sogar die Mehrheit ausmachten, da wurde der Ausschank von Wein und Schnaps (denn Bier gab es damals in den meisten Neu -'Ansiedlungen von Süd-' Californien überhaupt nicht) durch strenge Localgesetze untersagt und Zuwiderhandelnde wurden unbarmherzig bestraft. Gegen den Weinbau und die Herstellung von Trauben- oder Fruchtbrandy selbst hatten diese Leute allerdings nichts, denn sie wußten, daß dies ein sehr gewinnbringender Jndustrrezweig war, aber das Product sollte auf keinen Fall an die einheimische Vevölkerung verkauft werden. Wenn die Leute in anderen Counties oder Staaten thöricht genug sind, um unserc berauschenden Getränke zu trin?en. so können wir nichts dafür." sagten sie. aber das Geld steckten sie mit scheinheiliger Miene gewissenhaft ein. Die Herren Nrohibitionisten sind nun mal so, und sie machen sich einer zu ihrem Vortheil so unlogischen Denkund Handlungsweise auch anderwärts schuldig, wie man weiß. Das vor Kurzem gegründete Stadtchen La Paz, wo früher nur eine seit Jahrhunderten bestehende MissionsStation zuv Bekehrung der Indianer ezistirt hatte, befand sich gänzlich unter der Herrschaft einer Anzahl derbohrter Temperenzler, die mit Eifer darauf sahen, daß der Rumteufel" von Anfang an ferngehalten werde, und deren Vorsorge in dieser Beziehung sich sogar auf die Umgegend im Umkreise von 20 englischen Meilen erstreckt. Auf einer großen Farm in der Umgegend lebte der alte Richter Ennis. dev in seiner Art ein Original war. Er war von Geburt Kentuckyer. und als solcher natürlich ein ebenso gründlicher Kenner wie Vertilger von Whisky. Er hatte zu den Ärqonau-ten-von '49 gehört, und hatte sich als Advokat in San Francisco nieberge lassen, wo man ihn bald darauf zum Richter eines der niederen Gerichte erwählt hatte. In dieser Eigenschaft hatte er noch weitere 30 Jahre in San Francisro verlebt, bis tz sich endlich diese Farm gekauft und sich darauf, wie er sagte, zur Ruhe gesetzt hatte, obwohl von Ruhe eigentlich bei ihm nicht viel die Rede sein konnte, denn er war thätig von Morgens bis spät Abends. Der alte Richter war ein unverbesserlicher Hagestolz, aber diese gemeingefährliche Eigenschaft hatte seinem körperlichen Wohlbefinden keinen Abbruch gethan, denn er war ein stattlicher, kräftiger alter Herr, dessen weißes Haar zu dem röthlichen Gesicht und Hals einen sehr malerischen Con traft bildete. Ueber, seine Capacität, geistige Flüssigkeiten zu vertilgen, waren die haarsträubendsten Gerüchte in der Umgegend verbreitet. Thatsächlich war Niemand je in der Lage gewesen, den alten Richter Ennis berauscht zu sehen, und da er von früh bis spät trank, so war dieses Festum gleichbedeutend mit der Behauptung, daß er überhaupt nicht betrunken werden konnte. In seinem Wesen war der alte Herr sehr zuthunlich und umgänglich, obwohl er. wenn man seine Lieblingsneigungen undAnsichten nicht genügend schonte, auch sehv unangenehm werden konnte. Auf den alten Richter Ennis nun hatten es die Temperenzler in La Paz besonders abgesehen. Und das ging so zu: Nach verschiedenen mißglückten Versuchen mit Negern, einheimischen Mexicanern und Amerikanern aus dem Osten, hatte der alte Herr die angesessenen Indianer ausschließlich als Feldarbeiter und Viehhirten verwert det. und er war sehr zufrieden mit diesem Experiment. Die Kerle waren, wenn sie richtig und mit Nachsicht behandelt wurden. zuverlässig fleißiger und bescheidener als alle anderen Arbeiter. Nur stellte sich heraus, daß, um sie davon abzuhalten, von Zeit zu Zeit an die Spree" zu gehen, es nothwendig war, ihnen regelmäßige Rationen von Whisky zu serviren. Und dies, wie man weiß, verstieß gegen das Bundesgesetz, welches auf allen Resevvationen den Weißen bei strenger Haft- und Geldstrafe verbietet, den Rothhäuten spirituöse Getränke zu verkaufen oder zu verabreichen. Und obwohl der Erfolg dem alten Richter gelehrt hatte, daß es mit diesem Gesetz wie mit so vielen anderen steht, d. h. daß es mit Unterschied angewendet werden sollte, da der mäßige Genuß von Spiritussen für den Indianer ge rade so wenig schädlich ist. wie für andere Leute, sie im Gegentheil williger, arbeitsamer und fröhlicher machte, so war doch kein Zweifel darüber, daß Richter Ennis mit dem bestehenden Gesetz in Conflikt gerieth durch seine Großmuth gegen die Indianer. Nur hatte es bisher immer an Beweisen gefehlt, und so sehr auch die Herren vom Jmprovement Club" und von der La Paz Settlement Association" sich bemüht hatten, den gesetzlichen Beleg für die tägliche Uebertretung der strengen Vorschrift zu erlangen, so war ihnen das. Dank der örtlichen Lage der Ennis - Farm und deren Entfernung von der Stadt, doch bis dahin nicht gelungen. So entschlössen sie sich denn zu einem Mittel, das schon oft anderwärts von Erfolg

gekrönt gewesen war sie sandten einen Spion auf die Farm selbst. Dies . hatte keine Schwierigkeit, denn der Sendling war dem alten Richter völlig fremd, war im Uebrigen ein an- ' sehnlicher, gebildeter Mann (erst kürz- ,

lich aus Philadelphia angelangt) und bei der damals noch allgemein bestehenden Gastlichkeit in dem dünn bestebetten Californien war an seiner Aufnähme auf Ennis' Farm nicht im Ge--ringsten zu zweifeln. Und so geschah's denn auch. Capt. McJntyre, so hieß dev Abgesandte, langte eines Morgens früh auf Ennis' Farm an, und wurde von dem Richter, der soeben seinen Rundritt durch die große Ranch beendet hatte, herzlich ausgenommen. Das Erste natürlich, was der Alte dem Fremden anbot, war nachdem er ihn unter, seine schattige Veranda vor dem Wohnhaus geführt und ihm den besten Schaukelstuhl offerirt hatte ein Glas Whisky und eine Pfeife Tabak. Letztere acceptirte der Fremde, aber den Sour Mash Vourbon" schlug er aus. indem er erklärte, das laufe seinen Grundsätzen zuwider. Der alte Richter starrte ihn vedutzt an so ein menschliches Wunder, das sogar einen Drink" 12jährigen Bourbon so mild wie Muttermilch, sagte ev , aus schlug, war ihm lange Jahre nicht unter die Augen gekommen. Er setzte sich aber neben den Fremdling und leistete ihm Gesellschaft bei einer Pfeife Tabak, und während er mit ihm plauderte über Dies und Jenes, da grübelte er nach, was es wohl füv eine Bewandtniß haben könne mit diesem ungebetenen Gaste. Dann stellte er Fragen ganz unverdächtig und in unschuldigem Tone, und so gelangte er, indem er aus dem Austreten, dem Wesen und den Antworten des Fremden seinen Schluß zog. endlich zu der Vermuthung, dcch er's hier mit einem Spion der Leute in La Paz zu thun habe, expreß herausgeschickt, um ihn in's Unheil zu stürzen. Der alte Richter war eben ein Menschenkenner und hatte nicht umsonst 30 Jahre lang auf dem Stuhle der Themis gesessen. Er ließ sich aber von seiner Entdeckung nichts merken, sondern schwatzte ganz ungenirt weiter, indem er allmälig das Gespräch auf die Indianer zu lenken wußte. Da erzählte er dem Ggste denn, welchen anfänglichen Mißerfolg er mit allen anderen Arbeitern gehabt habe, wie er aber jetzt mit seinen Indianern ganz zufrieden sei, wenn er auch den Umstand, daß er sich nur auf Spanisch mit ihnen verständlich machen könne, bedauere. Nur ein Uebelstand sei dabei die Vorliebe, die Leidenschaft dieser Kerle für Whisky. Er. der Richtev, sei ja kein Tugendbold. Es thue ihm leid, sagen zu müssen, daß er häufig schon mehr Old Bourbon" an Bord genommen habe, als es für feine Constitution vielleicht gut sei, aber das hindere. nicht, daß er in Bezug auf die Indianer eine andere Taktik verfolge die Taktik, die das Gesetz vorschreibe. Es sei ja begreiflich, daß er als ehemaliger Richter und Rechtsgelehrte? auch das Gesetz aufrecht zu erhalten suche. Aber, sagte er, es sei fast unglaublich, welcheSchliche und Tücken seine Indianer brauchten, um sich in den Besitz des immer begehrtenWhisky zu setzen. Oft schon hätten sie ihm ein frisch angelangtes Zäßchen seines theuren Nasses entwendet, und er könne thatsächlich thun, was er wolle, sie fänden immer Mittel und Wege, um sich mit Feuerwasser zu füllen, wenn sie nämlich Zeit und Gelegenheit dazu hätten. Es sei allerdings wahr, daß er im großen Ganzen keine Klage über dadurch verminderte Leistungsfähigkeit seinev Peones" zu führen habe im Gegentheil. Aber das Gesetz sei doch nun einmal da. und es müsse respektirt werden, ob man's vernünftig oder unvernünftig finde. Auf diese schlaue Weise sprach Richter Ennis zu dem Manne, den er für einen Sendling der Temperenzler in La Paz hielt, und als der Mittag kam und damit die Zeit zur Hauptmahlzeit auf der Ranch, da ging er hinaus zum Empfange seiner 13 Jndianer-Arbei-ter, und schnell verständigte cr diese von dem Charakter des Besuchers und vereinbarte mit ihnen, natürlich in spanischer Sprache, die der Fremde nicht verstand, eine Kriegslist. Die Mahlzeit wurde fervirt. Sie war, für jene Zeit und Gegend, ganz lucullisch, und der alte Richter legte Captain McJntyre die zartestenStücke des gebratenen Huhns und des Corned Beef" vor, wie auch die saftigsten Früchte. Gegen den Nachtisch hin erhob sich der alte Richter, holte 13 Blechtassen heraus, die er jede halb mit Whisky füllte, stellte diese auf den Kamin hin und sagte dann: Das ist meine Nachmittags - Ration Whisky. Um diese Zeit des Jahres nehme ich immer soviel ein bis zum Schlafengehen. Ich stelle mir das hin und gieße den Whisky jetzt schon ein, damit ich nicht zu viel trinke, wie es mir manchmal gegangen war, wenn ich jedesmal aus dem Demijohn schöpfte. Eine alte Gewohnheit, wissen Sie." Dann erhob er sich, wischte sich den Mund mit der Serviette, und bat den Captain McJntyre, ihn momentan zu entschuldigen, da er erst nach dem Vieh in den Ställen sehen müsse, ob es ordenilich versorgt sei. Der Captain blieb einen Augenblick allein zurück im Zimmer, das jetzt von dem chinesischen Koch betreten wurde, der die zweite Mahlzeit, die für die Leute, anrichtete. Zugleich aber auch stürmten die Indianer herein, und ohne sich von dem Fremden abhalten zu lassen, ergriff Jeder eine der halb mit Whisky gefüllten Tassen und trank sie leer, dazu ihr Ugli! Ileap gooil!" arunzend. Gleich darauf kam der alte Richte? zurück. Er geberdete sich sehr zornig über seine Indianer und drohte, sie

sammt und sonder zu entlassen, aber dann drehte er sich zu seinemGaste und sagte: Sehen Sie, Captain, mit meinen Indianern ist nichts anzufangen. Sie finden den Whisky stets, ganz gleich, wo ich ihn verstecke." Captain McJntyre lächelte, sagte aber nichts. Und bald darauf ritt er wieder fort, nach La Paz zurück. , Eine Anklage wurde weder damals noch später gegen den alten Richter erhoben. Er war den Herren Temperenzlern zu schlau. AcrKcrrAircctor. Eiuc lustige Geschichte von Alwin Römer. Na, nun geh' mit Gott, alter Freund, gestärkt bist Du!" sagte Dr. Schwennecke zu seinem Studienfreunde Emanuel Grasmüller, der in untadelhafter Visitentoilette auf dem Sopha saß und soeben den letzten Rest Rhein wein hinuntergoß, den ihm der Doctor trotz seines Widerstrebens noch eingeschänkt hatte. Nochmals: Die HauptPerson bleibt der Bärenwirth. Wenn der seine Tatzen über Dich breitet, hast Du gewonnen. Alle die Anderen sind Dir sicher! Aber dessen Anhang gibt den Ausschlag bei der Wahl. Sei also klug! Laß Dich durch seine Grobheiten nicht abschrecken und verschlucke jeden Widerspruch, wenn er irgend etwas Verrücktes behauptet! Das ist einmal seine Schwäche!" Ich danke Dir. Heinrich!" sagte Grasmüller, der sich in dem Städtchen, wo Schwennecke practicirte. um das Direktorat der Höheren Töchterschule bewerben wollte. Vielleicht erringe ich seine Gunst." Wollen's hoffen! Daß Du im Löwen" abgestiegen bist, wird ihn natürlich kränken. Aber umziehen darfst Du, wie gesigt, nicht mehr! Der Löwenwirth hat schließlich auch seinen Einfluß!" Und wenn die Wahl am letzten Ende davon abhängt, ob ich mich dem Bär" oder dem Löwen" überantwortet habe, so mag die Katze die ganze Geschichte holen! Ich müßte ja ein Kameel sein, wenn ich mir darüber dann ein graues Haar wachsen lassen wollte!" Hm." meinte der Doctor. mit Deiner Zoologie scheint es just nicht weit her zu sein, alter Freund! Kamcel mit grauen Haaren? Hm! Wenn sich das die Zöglinge Deiner Privatschule in Winkelhausen haben aufbinden lassen: schön . . . Unsere höheren Töchter würden Dich auf solche Kennzeichen hin eher unter die Einhufer Soliduii"5 la" und zwar als Equu asiuus" klafsificiren . . . Und nun allons"! Meine Kranken wollen mich auch genießen, obwohl ich sicher bin, von Manchem vielleicht zu derselben Gattung gezählt zu werden, die Du in Deinem zoologischen Unverstand für Kameele ausgeben möchtest!" EmanuelGrasmüller machte sich auf den Weg. Sein Herz war voll froher Hoffnung, trotzdem cr in anderen Städten schon für ähnliche Aemter candidirt hatte und durchgefallen war. Hier in Lacnin standen, wie ihm der Doktor verrathen hatte, von den BeWerbern keine in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den entscheidenden Personen. Da wollte er auf Grund seiner Zeugnisse, die er eingereicht, stines Lehr - Geschickes, das er morgen in einer Lehrprobe beweisen konnte.

schon Eindruck machen! Der dumme . .! " I' arenwirly l.ome iqn mcui ärgern: Mochte der behaupten, was er wollte! Seine Parole war: Schweigen ist Gold! Wenn er nur erst die Leitung dieser entsetzlichen Privatschule inWinkelhausen los war! Ach. da war jeder der Väter, die zu den Ünterhaltungskosten beitrugen, eine Art Bärenwirth! Alles wußten t besser, vom I-Punkt nqefangen! Die Zechbrüder Sebastian Mahlmann's, des Wirthes zum Schwarzen Bären" in Lachnitz. hatten in der verflossenen Nacht tapfer angehalten. Es war daher kein Wunder, daß sich Vater Sebastian erst zu einer Stunde den Schlaf aus den Augen rieb, wo seine Mitbürger schon ein tüchtig Theil ihres Tagewerks hinter sich hatten. Er schob die rothen Gardinen vom Fenster zurück und gähnte herzhaft in den trüben Novembe'rvormittag hinein. Dann griff er nach den Postsachen, die ihm die Tochter lautlos aus den Tisch im Zimmer gelegt hatte. Es waren Preiscourante, Geschästsempfehlungen und Zeitungen. Nur ein einziger Brief fand .sich dazwischen, dessen Adresse mit kühn vericyn'örkelten Schriftzügen prunkte. Er betrachtete sie kopfschüttelnd, gähnte erst noch einmal und öffnete dann. Hochverehrter und hochwohlgeborener Herr Hotelbesitzer!" las er. Würden Sie wohl die groke Gnade haben und mir Ihre Scheune für eine Reihe von Vorstellungen zu überlassen? Ich habe eine ausgezeichnete Truppe, lauter erste Kräfte, und hoffe in Lachnitz Furore zu machen. Möchte besonders darauf aufmerksam machen, daß ich neben den bewährten alten klassischen Stücken auch die neuesten Sachen geben werde, wie z. B. die in Berlin so großartig aufgenommene Tolle Nacht". Auch Charley's Tante". Nicht wahr, Sie weisen mich nicht ab. überaus geschätzter Schutze, der Kun ste? Was sollte auch aus uns Allen werden, wenn uns mcht das theaterhe bende Publikum von Lachnitz wieder auf einen grünen Zweig hilft? Denn hier in Peterau ist gar kein Sinn für die Kunst. Wir müssen tatsächlich hungern, alle, auch meine Frau und meine wer Kinder. Wenn ich abkommen kann, werd: ich mir morgen erlauben, in Lachnitz zu erscheinen, um Ihnen, hochverehrter Gönner, meine Aufwartung zu machen. In tiefster Devotion Ihr ganz ergebener Diener Theobald Lickefett. nannt: Theo von Linkfeld.

.Gottvoller StlealZK!" lackte der

Bärenwirth, als er die Lektüre beendet hatte. Na,- meinetwegen kann er loslegen! Die Scheune steht ja leer! Und ein bischen Leben kommt dadurch ja auch in die Bude! Sebastian Mahlmann war nämlich ein großer Theaterfreund, der ehedem selbst die weltbeoeutcnoen Bretter betreten hatte. Freilich nur als Dilettant, aber doch mit vielem Beifall; in dem Neste nämlich, wo er Geschäftssührer war und auch seine Frau kennen gelernt hatte. Er nahm sich vor, Herrn Theobald Lickefett nach Kräften zu unterstützen und ihm auch bei Feststellung des Repcrtoirs mit seiner Erfahrung zur Seite zu stehen. In der Thür erschien jetzt Anna, seine Siebzehnjährige, und brachte ihm den Kaffee. Guten Morgen. Väterchen!" sagte sie und bot ihm die frischenLippen zum Kusse. Hier ist Dein Frühstück. Mutter ist schon auf dem Trockenplatz wegen der Wäsche. Und ob ich auch hinausgehen dürfte?" Vorläufig nicht. Ich weiß noch nicht, ob ich nicht selbst ausgehe. Dann muß doch wenigstens einer nach der Wirthschaft fehen!" Wohin willst Du denn?" Geht Dich nichts an. Gelbschnabel!" Aber. Väterchen!" Na, nach der Scheune draußen! Bist Du nun klüger?" Die ist doch leer?" Eben deswegen!" Ah, ich weiß schon! Com'odianten kommen!" Woher ... V' Ja. siehst Du. Ich bin doch auch nicht auf den Kopf gefallen!" Willst Du mir gleich sggen . . Ja doch, ja doch! Unten im Gastzimmer sskt ein Mann, feierlich und ganz glatt rasirt. der schon lange auf Dich wartet. Das ist der Herr Direktor. stimmt's?" So? Wenn Du Dich nur nicht täuschst?" Er hat's dem Oberkellner selbst crzählt . . ." .Und Du weint's wieder vom Oberkellner? Höre, höre! Ich mag das nicht!".Na. der wär' auch der Letzte! sagte empört Fräulein Anna. So n lackirter ... Ein Klopfen an der Thür unterbracb sie. Herr Mahlmann!" tönte die Stimme des Lackirten, von dem soeben die Rede gewesen. Unten wartet einHerr auf Sie! .Soll warten!" brummte Mahl mann. In einer halben Stunde komme ick! Erst muß ick frühstücken! Geben Sie ihm ein Glas Bier und ein Butterbrot mit Schinken! Aus meine Recknuna!" Schön!" rief der Oberkellner und entfernte sich eiligst, um dem Auftrag seines Gebieters nachzukommen. Es dauerte auch nicht lanze. so wurden Herrn Emanuel Grasmüller, der sich vor ein Paar Minuten im Baren eingefundcn hatte, dieZeichen des Friedens in Gestalt einer bockst avvetitlichen Schinkenstulle, so wie eines schäumenden Kruaes voraetraaen. Herr Mahlmann kommt bald!" erklärte der Kellner und drückte sich wieder nach der Kutscherstube hinüber, in der Herr Theobald Lickefett mit knurrendem Magen Vortrag über alle die Genüsse hielt, die den Lachnitzern demnächst bevorstanden. .Was fällt denn dem Menschen ein?" dackte Grasmüller. Ich habe doch gar nichts bestellt!" Und so ließ er d Zrriedensaaben unberührt, oo wohl ihm der Schinken verführerisch in die Nase duftete. Tapfer vertiefte er sich in das Lachnitzer Tageblatt, das auf dem Tisch lag, und studirte die Anzeigen über Matjeshäringe. saure Gurken, möblirte Zimmer und Holzauktionen. Na, Direktorchen, keinen Hunger?" störte ihn plötzlich eine gemüthlich: Vanssimme aus seinen Lokalinformationen auf. Das schien der Bärenwirth zu sem. Er schnellte empor, um stch vorzustellen. Aber der joviale &au kalter drückte ihn sofort wieder nieder. Weiß schon, weiß schon. Sie sind der Direktor aus Dmgs da und mochten bier aern . . ." Allerdings!" erklärte Grasmüller verdnnt. Äuf einen fo freundlichen Emvfana war cr nicht vorbereitet. I2anz so schlecht scheint's übrigens in Dingsda nicht gegangen zu sein!" meinte Mahlmann. Ich hatte Sie höllisch hungrig tarnt und deshalb .. bm . . . " Aber erlauben Sie. err Mahlmann . . . ." Ach was. da ist gar nichts zu erlauben. Wer nicht will, der hat schon! Nehm' ich Ihnen gar nicht übel! . Im Gegentheil! Freue mich, daß Sie einen so guten Eindruck machen! Feiner Frack, neuen Chapeau claque", brillante Mäscke! Sebr anständig! Wird Ihnen von vornerein Anhang machen! .... Mein Gott, ich glaube der Kerl ist nock bezeckt!" dackte Grasmüller und wischte sich den Schweiß ab. den Verlegenheit und Entrüstung auf seine Stirn getrieben. Aber ich weroe micy hüten und ihn reizen! Mag er reden, was er will!" Wenn sich die Sache hier macht, fuhr t)fT Aärenwirtü fort, .so werden Sie hier ganz gute Einnahmen haben! Nur müssen Sie Ihre Bande ordentVxA in huckt balten. wissen Sie! Keine Liebschaften und so etwas! Bei Ihrem Vorgänger war's gräulich, sage ich . " je I ll V hneN! Me 'aincyen irnmci um ucji Herren vom Landgericht etc., bis das der Bllraerschaft schließlich zu arg wurde. Na, und da mußte er schließlich fort!"" Das kann bei mir mcht vorkommen!" betheuerte Emanuel. Ich ver nickt, wie ein Direktor . . Na. seien Sie nur stille, Freundb m & u chen. Engel stnv's vocy aue nxqtr

Engel allerdings nicht! Aber . . ." Wir verstehen uns! Wir versteh'

uns!" schmunzelte Sebastian. Und nun noch eins: Was haben Sie für ein Programm? Schießen Sie mal los! Ein Programm? fragte der Candidat achselzuckend und innerlich empört über diese Examination. Ich neige zu der modernen Richtung. Und was ich kann, werden Sie za morgen bei der Probe sehen!" Morgen ist schon Probe? Aber das ist ja großartig! Und nun will ich Ihnen was sagen! Ich kenne nämlich den Rummel besser, als Sie vielleicht ahnen! Zuerst macken wir Eine tolle Nacht"! Das zieht! Unbedingt! Damit haben Sie sofort gewonnen! Aber uns're Jugend will doch auch was von Ihnen haben! Welche klassischen Chosen wollen Sie ihnen denn füttern?" Gräßlicher Menfch!" dachte der unglückliche Bewerber. Aber er bezwäng sich noch einmal. Wenn Sie das so interesstrt," sagte er, Wilhelm Tell!" Ach lassen Sie doch die olle Aeppelgeschichte weg, die kennen sie ja auswendig! Nee, nee. wenn's denn schon mal was Klassisches sein soll, dann Götz von Berlichingen" oder Die Räuber"!" Ich glaube kaum, daß sich das für höhere Töchter eignen dürfte!" erklärte Grasmüller und stand auf. Seine Geduld war erschöpft, sein Zorn zum Ueberlaufen. Doch der Bärenwirth bemerkte davon nichts. Unsinn!" sagte er. Gerade diese Zimperliesen müssen mal erkennen, was ehrliches Deutsch ist! Also 'ran mit den Räubern!" Herr Mahlmann, so leid es mir thut, aber in solche Sachen lasse ich mir nicht hinein reden. Davon verstehen Sie genau soviel, wie ich vom Weinoder Bierabzapfen!" entqegnete Grasmüller schneidend und griff nach seinem Hut. Ueberhaupt muß ich Ihnen sagen, ob mir das bei Ihnen den Hals bricht oder nicht, eine solche Behandlung ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht widerfahren wie hier! Sie haben nicht nur ..." Väterchen!" unterbrach ihn hier eine fehr angenehm klingende Stimme, die ihm merkwürdig bekannt vorkam. Drüben ist " In diesem Augenblick drehte er sich um und sah die Sprecherin an. Statt jeder Fortsetzung ihrer Einsprache stieß diese darauf einen merkbar freudigen Schrei des Erstaunens aus und wurde roth wie eine Blutnelke. Nun, was ist?" fragte unwirsch der Alte. Ach. das ist ja der Herr Direktor, den wir voriges Jahr im Bade kennen gelernt haben. Mutter und ich! Erinnerst Du Dich nicht mehr. Väterchen?" Was? ... der Dich immer so angeschmachtet hat? Ja?" Aber, Vater!" Schon gut, ich weißBescheid! Mach, daß Du hinauskommst!" Und als sie gegangen war, fuhr er fort: So ein Kunde sind Sie also! Eine Frau und vier Kinder, die nichts zu beißen haben. und dann anständigen Madchen nachstellen und die Köpfe verdrehen! Haha! Darum vorhin: Das kann bei mir nicht vorkommen! Alter Heuchler! Grokvrokiaer Comödiant! Unvcrschämter Halunke! Hinaus!" Ich gehe!" sagte wuthbebend Emanuel Grasmüller. Aber wenn Sie nicht im Delirium tremens reden. so will ich in s Irrenhaus gehen! V Damit ging er. Schurke!" schrie ihm Sebastian Mahlmann noch nach und ballte drohend die Fäuste. Aber, Väterchen!" sagte ängstlich Anna und an ihren gerötheten Lidern hingen noch die Spuren eines eben vergossenen Thränleins. Es war ein so netter Mensch!" Hast Du Dich etwa mit ihm geschrieben?" Er wußte ja gar nicht, woher wir waren. Gerade an dem Tage, wo wir . . . hm . . . kam Dein Telegramm, und wir mußten fort ohne Abschied!" Dafür danke dem Himmel! Der Schuft hat eine Frau und vier Kinder, wie er mir heute Morgen geschrieben hat! Wie konntet Ihr Eucb überhaupt mit einen solchen 5erl einlassen! So ein Schmierendirector!" Was wollte er denn?" sagte Franz. der Oberkellner, schadenfroh. Vorstellungen geben draußen in meiner Scheune! Schreibt erst heute früh ganz dc- und wehmüthig und wird dann frech! Um Vergebung, Herr Hotelier!" machte sich Plötzlich eine bänglich zitternde Stimme qcltend, der Schmierendirektor bin ich! Aber es sind wirklich Alles nur erste Kräfte! Auf mein Wort!" Und eine Gestalt, in schäbige Ele ganz gekleidet, mit verschminkten Zügen und etlichen Schnupftabaksresten um den Mund herum, schob sicb aus der offenstehenden Thur der Kutscher stube. , Was. zum Teufel. Sie sind . . ." Theobald Lickefett. genannt Theo von Linkfeld!" Zu dienen!" ' Mensch, wer war denn aber der Andere?" schrie entsetzt der BärenWirth. Aber das war doch 5err Grasmüller. Väterchen!" klagte Anna Mahlmann. Was für ein Grasmüller?" Schuldirector. soviel wir wissen ! Mama hat sich über ihn erkundiqt. Donnerwetter, jetzt fällt mir's ein. der hatte sich ja für unsere böhere Töchtersckule aemeldet! ftnim! Allons! Und auch Sie da, Theobald Lickefett! Schaffen Sie ibn wieder her! Wenn Sie ihn bringen, brauchen Sie- auch keinen Pfennig Pacht für mein Prachttheater zu zahlen! Von dem hätt' ich so wie so nichts gekriegt!" murmelte er schmunzelnd hinterdrew. wie er seine beiden Boten nach zwei Seiten hin losrennen sah. Nach einer guten halben Stunde brachte ihn Lickefett triumphirend an.

.,!: ist er, hier ist er!" sagte er

keuchend. Nicht wahr, es gilt, was Sie Mir versprochen haben? Na und - ob!" versicherte Mahl. mann. Sie aber, verehrter Herr Di rector. das sind nicht, lieber Lickefett! jetzt meine ich HerrnGraö müller! Sie bitte ich tausendmal um Entschuldigung wcaen des unsinnigen Mißverständnisses. Treten Sie gefäl.' Iigst naher! Ann. eine Rauentha:er! Emanuel sträubte sich zwar noch eine Weile; im Hinblick aber auf den RauentHaler, der in keinem schlechten Rufe stehen soll, sowie auch in Erwägung der lieblichen Schenkin, die ihn kredenzen würde und der weiteren Aussicht, diesem Schlingel von Bärenwirth späterhin vielleicht mit einer noch viel inti meren Bewerbung kommen zu müssen, ging er schließlich mit. Und der Alte verbieß ihm in einer Anwandluna vonRübrung. GroTnuth und Rauenthaler nicht nur das Directorat. sondern auch die Fran. Dircctor! Tcs Lieutenants Gcbct. Die Gemahlin eines Generals in einer kleinen preußischen Garnison giebt so erzählt man unter Verbürgung der Wahrheit ein feierliches Mittag, essen. Vor Beginn der Mahlzeit stellt sie sich mit suchenden Augen über die erwartungsvolle Gesellschaft, um am unteren Ende auf einem blutjungen und ganz neu gebackenen kleinen Lieu tenant hängen zu bleiben. Herr Lieu tenant, Sie wollen gefälligst das Mittagsgebet sprechen", tönt die Stimme der Gestrengen zu dem tödtlich Er schrockenen hinüber. Jähes Aufsprin gen, Rothwerden und ein verlegenes Stammeln: Ich, ich weiß nicht" ist die erste Folge. Da ertönt schon wieder die gefürcete Stimme und diesmal etwas schärfer: Herr Lieutenant, ich bitte, Sie werden doch ein einfaches Mittagsgebet hersagen können?" Nun hat sich der Unglückliche gefaßt, er räuspert sich, faltet die Hände, blickt zu Boden und betet: Ich bin noch klein, mein Herz ist rein, Soll Niemand drin wohnen, als Jesus allein! Selbst nach der bedeutendsten Predigt hätte die Stille und Andacht nicht größer sein können. Die Gnädige bat krampfhaft nach der Serviette gegriffen und die Andern folgten schleunigst ihrem Beispiel. Der Apfel Peters des Großen. Das Ei des Columbus ist allgemein bekannt. Weniger bekannt dürfte wohl eine ähnliche, recht hübfche Legende sein, welche die Russischen historischen Nachrichten" vor Kurzem aufgefunden haben. Vor dem Ausbruche des russisch - schwedischen Krieges lud Peter der Große sämmtliche Gesandte, welche in Petersburg waren, zu sich ein. Als alle versammelt waren. bat er sie. in den großen Saal einzutreten, dessen Boden mit einem Teppich bedeckt war. In der Mitte des Teppichs lag ein Apfel. Die Gesandten wußte nicht, was sie davon halten sollten, und sahen sich verwunvert an. Da sprach Peter den Wunsch aus. man möge den Apfel holen, ohne mit den Füßen den Teppich zu betre ten. Der englische Gesandte bat sich eine Angel aus, der französische glaubte mit einem Strick, der deutsche mit einem Stock es fertig zu bringen. Pe ter erklärte jedoch ausdrücklich, de? Apfel fei mit der Hand zu holen. Als alle dies für unmöglich hielten, nahm Peter einen Zipfel des Teppichs in die Hand, rollte ihn so lange zusammen, bis er den Apfel erreichte und in die Hand nahm. Wie ich allein vonEuch allen den Apfel in die Hand bekam." sagte er, so will ich auch künftighin meine Feinde in die Hand bekommen." Spruch. Wenn es dem Weibe an Weisheit gebricht. Kann sie doch weise schalten. Viel erwerben kann sie nicht. Aber viel erhalten. Das Gegentheil. Pferdehändler: Was mach: das Pferd. vas Sie von mir gekauft haben, schlägt es gut ein?- Herr: Nein, bo'5 ausschlagen thut es." I m Restaurant. Student, (zum Kellner): Sie, Jean, wer ist der Herr in der Ecke mit dem grauen Bart, der alle Tage hierherkommt?" Kellner: Ah, das ist ja Ihr Professor!" Moderne D i e n st b o t en. Erstes Dienstmädch-n: Was ist denn das für eine Familie, bei der Du jetzt dienst?" Zweites Dienstmädchen: Ach. mit den Leuten ist nicht viel los; von den Töchtern fährt nicht einmal eine Bicycle." GuteAusficht. Frl. Maud: Aber, Cissv. wie kannst Du nur den alten Brausekopf heirathen wollen?! Nach Allem, was ich über ihn gehört habe, ist er ein schrecklich jähzorniger Mensch, der ohne jede Ursache eifersüchtig ist." Frl. Cissy (kalt): Ohne jede Ursache? Nun das soll er bei. mir schon nicht sein!". Immer derselbe. Onkel: Also. Schlingel, schreib' mir bis?cachmittag Deine Schulden auf, dann s-er-den wir mal sehen . . ." Student : Dann, lieber Qnlcl. muß ich. Dich bitten, daß Dumft Geld auf Tinte und Papier vorschießt." AucheinÄrost. ... Nein, Papa, den Herrn Baron h:irathe ich niemals; ich mag h nicht leiden, er hat ja ganz rothe Haare Gott. wi5 heißt rothe Haare? Hast De denn nicht bemerk!, daß sitftin schon suchen r )