Indiana Tribüne, Volume 20, Number 321, Indianapolis, Marion County, 8 August 1897 — Page 6
w Zur cZttnersrage. Studie einer Hausfrau von ScholastiZa Eckz'.lurcks. Wenn inan unsere schöne deutsche Sprache einmal eincn Augenblick eingehend betrachtet, so finde ich, daß inan sich meistens vollkommen umgekehrt au-drückt. So spricht man zum Beispiel heutzutage stets von der Frauenfrage", während es doch eigentlich die Jungfrauenfrage" heilen müßte; denn Alles dreht sich dabei um die Jungfrauen und sucht ifpen das Leben angenehm zu machen; wir verheirathetcn und also doch richtigen Frauen können sehen, wie wir mit unfern Männern allein fertig werden. Als ob das so einfach wäre! Im Gegentheil, je bedeutender und persönlicher der Mann ist, um so schwerer ist er zu behandeln, und da ich nun ein mal gerade einen interessanten habe er ist sogar Dichter von Beruf und ihn für eine innerlich Plastisch ausgearbeitete Persönlichkeit halte, so lassen sich an ihn leicht verschiedene, allgemein nutzbringende Gesichtspunkte anknüpfen, die mancher jungen Frau allerlei Enttäuschungen ersparen dürften. Man muß nämlich wirklich schlau sein, was man in der Liebe anfangs nicht für nöthig hält, sondern meint, das Vertrauen genügte. Nicht als ob die Männer schlecht wären! Sie sind meistens sogar besser, als man glaubt, wie zum Beispiel der meine; aber sie sind natürlich ganz anders und ordnen sich in den Haushalt auf ihre besondere Weise ein. So ein Mann hat es ja nun einmal in der Haushaltung viel leichter als unsereins; er braucht uns z. B. nur einmal monatlich das Haushaltungsgeld auszuzahlen, was im Nu geschehen ist, während die Frau den ganzen Monat hindurch sehen muß, daß sie damit auskommt. Andererseits beißt sich dieses Faktum auch immer wieder selbst in den Schwanz, denn welche Gewalt gibt er der denkenden Frau in die Hand! Nichts wirkt unter Anderem so sicher und intensiv auf die Stimmung der Männer, wie das Essen. Daß dasselbe mit Liebe zubereitet sein muß, versteht sich dabei natürlich ganz von selbst; aber auch die Wahl des Nohstoffes ist nicht unwichtig. So habe ich stets gefunden, daß mein Mann nach einer guten, recht knusperig gebraienen Gans am glücklichsten und daher natürlich auch am lenkbarsten war.und wenn ich eine größere Bitte an ihn habe, so fehlt vorher bei uns selten das Gänschen auf dem Tisch. Bei gelingeren Anläjien genügt unter Anderm ein guter Ninderbraien. mit dem sich auch schon ganz nette Wirkungen erzielen lassen. Aber der Geschmack ist verschieden, und ich rathe jeder jungen Frau, sich ihre Stimmungstabelle nach eigener Beobachtung zusammenzustellen. Im Laufe eines Jahres wird es ihr bei einiger Aufmerksamkeit nicht schwer fallen, das nöthige Material dazu zu sammeln. Andererseits muß man nun aber auch nicht in den Irrthum verfallen, als ob der Magen die einzige Achillesferse der Männer sei. Sie verlangen außerdem noch grrße Ordnung und Behaglichkeit, und zwar verbinden sie mit diesen Begriffen genau das Gegentheil von dem, was wir Frauen uns darunter verstehen. Wer z. B. einen Mann heirathct, der studirt hat. der sollte eigentlich vorher einen Kursus in icr Lehre vom Schreibtischaufräumen und Vücherabstäuben durchmachen. Das Erstere thut man nämlich besser überhaupt nicht, sonst behauptet der Mann nachher immer, man hätte alles verlegt. Das Zweite ist aber erst recht gefährlich: denn nichts ist mir dunkler als die Anordnung eines männlichen Büchergestells. Dagegen ist den Männern auch wieder einiger Geschmack und Kunstsinn nicht ganz abzusprechen, und sie mögen es sogar sehr gerne, wenn die Frau sich auch ästhetisch etwas auf dem Laufenden hält. Mit der .Kunst steht es da ziemlich günstig für uns. weil wir ebenso gut etwas darin leisten können wie die Männer. Wie reizend klingt es z. B. wenn man seinem Gatten etwas vorsingt. Allerdings muß man aber gerade mit der Musik auch wieder etwas vorsichtig sein. Man sollte sie. falls man nicht allein ist, stets nur im Nothfalle ausüben; denn selbst im harmlosesten reise findet sich schließlich doch immer noch eine musikalische Dilettatenseele. die nachher keine zehn Pferde vom Flügel kriegen, und unglücklicherweise ist es beinahe immer gerade die Dame, deren Vortrag meinem Gatten unausstehlich ist. Wir Frauen haben das Nachsehen dabei, denn die Männer ziehen sich bei solchen Gelegenheiten mit tödilicher Sicherheit in das entfernteste Nauchzimmer zurück und behaupten nachher, sie hätten leider" nichts gehört. Man kennt das ja. aber man kann's ibnen im Herzen nicht einmal übel nehmen; denn wie gerne ginge man, sobald man selber gesungen hat. mit. wenn es sich nur für uns schickte und nicht so gräßlich rauchig wäre! Dankbarer noch als die Musik ist jedenfalls die Literatur; denn wie sicher steht man da, wenn man außer der Davidis und Hermann und Dorothea noch zwei oder drei andere Bücher wirklich gelesen hat! Die Stelluna.welche wir Frauen der eigentlichenWissenschaft gegenüber einzunehmen haben, bat ihre großen Schwierigkeiten. Richtig studiren können wir nicht, weil wir verheirathet sind: denn nichts wäre interessanter, als das Gesicht meines Mannes, wenn ich jhm erklärte, ich wollte in meinen Musestunden den Kochlöffel mit dem Secirmesscr vertauschen. Zu wissenschaftlichen Forschungen haben wir Frauen eben weder Zeit noch Sammlung, da wir jeden Augenblick durcü .Mann und Haushalt gestört werden.
Wir müssen uns mit den fertigen g:istigen Errungenschaften der Mensch heit begnügen, und selbst diese kommen für uns in erster Linie nur unter dem Gesichtspunkte in Betracht, ob sie sich im Hauswesen verwerthen lassen. Diese Feuerprobe werden dann allerdings ider immer nur sehr wenige bestehen. Ich brauche z. V. bloß die Röntgenstrahlen" herauszugreifen, die in unserer Zeit an's Licht getreten sind und so ungeheuer viel Staub aufwirbeln. Für Menschen, die Stücke Eisen und so was in sich haben, mögen sie ja ganz heilsam sein; aber diese sind glücklicherweise nur Ausnahmen von der Regel. Z.u etwas Ordentlichem, wie z. V. zur Beleuchtung der Zimmer erscheinen sie von vornherein ungeeignet, denn sie sind dunkel. Nicht einmal hübsch photograrhiren kann man damit, denn man sieht auf den Röntgen - Bildern alles mögliche, was scheußlich aussieht und gewiß besser unsichtbar bliebe. Ich wenigstens möchte meinem Manne kein solches Bild von mir auf den Schreibtisch stellen. während meine gewöhnliche Photographie dort reizend wirkt und seinem poetischen Schaffen nur förderlich sein kann. Anfangs hatte ich mir viel mehr von den neuen Strahlen versprochen, und es hätte sich auch wohl mehr daraus machen lassen, wenn ein findigerer Kopf sie in die Hand genommen hätte, denn es ist ja bewiesen, daß man unsichtbare Knochen damit photographiren kann, und diese Thatsache lenkt unsere Gedankenwelt zunächst in den Metzgerladen, wo nun einmal leider diejenigen Knochen existiren. die der denkenden Hausfrau die interessantesten sind. Es wäre ja entzückend geWesen, wenn man statt des Zettelchens mit der Gewichtsangab-e, welches man übrigens doch nie kriegen kann, ein staatlich geaichtes Röntgen - Bild seines täglichen Fleisches mitgekriegt hätte. Der Gedanke liegt zu nahe, als daß er nicht jedem Menschen käme; und ich habe schon einmal darüber nachgedacht, ob es nicht derEinfluß der Metzgerinnung gewesen sei, der seiner freien Entfaltung im Wege stand. Im Uebrigen genüge dies Beispiel für die Wissenschaft! Es beweist hinreichend, wie wenig sich damit anfangen läßt. Im praktischen Leben ergeben sich nun außer diesen noch allerlei P!omente für die zweckmäßige Behandlung der Männer, die sich unter keine der drei von uns beleuchteten Haupt abtbeilungen: Küche, Ordnung und Geist" einordnen lassen, und es kann daber immer auch sonst noch etwas Passiren. Ueberbaupt man glaubt gar nicht, wie schrecklich es einem unter Anderm immer geht, wenn man es am besten meint: und das thut man doch eigentlich stets. Es ist ja nicht nur unsere Pflicht, sondern auch unsere Freude, den Mann glücklich und somit unser aanzes 5)aus bebaalich zu rnachen, aber in diesem Falle, wie üb?rbauvt, lernt man nie ganz aus. Die Männer sind eben u unergründlich angelegt, und es gibt im Grunde nur eine verbeiratbete Frauenfrage, nämlich: wie behandeln wir unsere Manner? Jabrestcg?. Von Arifca Grtanz. Wenn ein Sterbetag sich jährt, Wenn für heiße, stumme Schmerzen Der Gedenktag wiederkehrt Weh' dann unsern armen Herzen!
Der Erinn'rung trocknes Laub Duftet scharf aus dem Verstecke. Todten Glückes lieber Staub Lüftet seine Hügeldccke. Dunkler Wellen heißer Drang Brandet wild an kalte Stufen. Leise Finger klopfen bang. Ferne, ferne Stimmen rufen. Bleiche Bilder mußt du sehn Unter jäben Blitzeshellen. Wieder, wieder mußt du gehn Ueber scheu gemied'ne Stellen. Alles wacht und alles gährt. Alles lebt in unsern Herzen. Wenn ein Sterbetag sich jährt. Ein Gedenktag unsrer Schmerzen! Tiitcrarmut). Es ist keine Fabel, was man oft von Dichterelcnd und Dichterarmuth erzählen hört. Einen traurigen Veitrag hierzu liefert eine Handschrift des gefeierten Dichters des Befreiten Jerusalem", die bei Gelegenheit des Verkaufes einer Sammlung merkwürdiger Handschriften berühmter Personen zur Kenntniß der Welt gelangte. Dieses von Tassos Hand geschriebene Blatt hat folgenden Wortlaut: Ich Unterzeichnete? bescheinige, von Giacomo Eosto 25 Lire empfangen zu haben, für welche er emen Degen meines Vaters sechs Hemden, vier Betttücher und zwei Tischtücher als Pfand behielt. Am Tage des 2. März 1579. Torquato Tasso." Tasso war damals 26 Jahre alt und lebte in tiefer Armuth, die ihn nach obigem Schein sogar zwang, das Schwert zu versetzen, das er ein Jahr zuvor von seinem Vater geerbt und mit dem dieser einst dem Herzoge vonMantua auf's Glänzendste gedient hatte. EinemoderneEhe. Elly: Was ist das, Mama, hier auf dem Theaterzettel steht ein Lebemann"?" Mama (anzüglich): Frag' Deinen Papa!" Elly: Und'hier steht moderne Frau", was ist das. Papa?" Papa (anzüglich): Frag' die Mama!" Zur Abschreckung. Bitte vor dem Eintreten die Cigarre ausgehen zu lassen, da ich mit Dynamit cxperimentire. Stud. chem. Schlau-meier.
trafen und Folkzek. Der Hafen von New $ork, einer der großartigsten und ausgedehntesten der Welt, scheidet sich in drei Theile, in die Lower Bay. die äußere, und die Upper Bay. die innere Bucht, und in die Wasserstraßen des Hudson oder North- und East - Nivev, welche Manhattan Island umarmen, auf dem sich die Stadt erhebt. Die äußere Bucht erstreckt sich in einer Länge von zwölf Meilen bis zu den Narrows, und durch letztere gelangt man in die innere Bai, die sich eiförmig in einem Umfange von acht zu fünf Meilen bis zu den beiden Flüssen hinzieht, welche die das Häusermeer New Jorks trügende Insel bilden. Vom Atlantischen Ocean aus kommt man vor der Einfahrt in den Hafen in die große Bucht bei Sandy Hook, einer sandigenDllne. wo ein vier Seemeilen weit in die Fluth hinein verankertes Leuchtschiff mit rothem Doppelfeuer den Schiffer grüßt. Nach Das Patrouilleboot. Passirung der Barre steuert er zwischen den Gestaden der Inseln Staten- und Long Island den Narrows zu, dem Schlüssel zum Eingang der inneren Bucht, wo die auf eine Seemeile aufeinander rückenden Ufer mit bedeutenden Befestigungen gekrönt sind. In der Mitte der Bucht etwa ragt auf Bedloes Island die gewaltige, 46 Meter hohe Freiheitsstatue Vartholdie's empor, die größte der Welt, die mächtiges elektrisches Licht weithin über Land und Meer strahlt. Zwischen Governors Island, dem Sitz des Militärgouverneurs von New Jork, und Ellis Island, dem Landungsplatz der Zwischendecks Passagiere, geht es jetzt auf die Battery zu, der südlichsten Spitze der Manhattan - Insel, von wo aus sich links in fast gerader Richtung der breite Arm des Hudson streckt, während rechts der mehr gewundene East - River das Gestade der Metropole bespült. Letzterer ist kein eigentlicher Fluß, da seine Strömung mit Ebbe und Fluth wechselt. Auf Leben und Tod. Die große Breite dieser beiden Wasserstraßen gestattet nicht die unmittelbare Verbindung der Schwesterstädte New Aork und Brooklyn durch viele Brücken. Bis jetzt hängen sie nur durch eine einzige, die berühmte Vrooklyner Brücke, zusammen. Dahev findet, namentlich am Beginn und am Schluß der Geschäftszeit, eine wahre Völkerwanderung auf den ungeheueren, prachtvoll eingerichteten Dampffähren statt, von denen etwa vierhundert Hunderttausende von Menschen nebst gangen Wagenparks von den benachbarten Ortschaften nach der Weltstadt führen. Durch die häufigen dichten Nebel im Frühjahr und Herbst geleiten die Eapitäne mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit ihre Fahrzeuge, nur dem Schalle gehorchend, den sowohl die Schiffe selbst als auch die AnlegestatioI m Schlupfwinkel. nen oder Piers durch gleichartige Schallapparate erzeugen, welche fortwährend in Thätigkeit erhalten werden. Den gewaltigen Verkehr mögen folgende Zahlen erläutern: in den zwölf Monaten, die mit dem 30. Juni 1891 abschlössen, kamen in den Hafen von New Bork 5.236 Schiffe mit einem Tonnengehalt von 6.403,064, und während derselben Zeit gingen von dort aus nach fremden Häfen 4.312 Scbiffe von 6.044.372 Tonnen. Von ' Küstenfahrzeugen landeten 2,482 und 2,928 liefen aus. Für die Zwecke des Handelsverkehrs entstanden im Südosten Broollyns die weitläufigen Atlantic Docks, an welche sich die Docks des Erie- und des Brooklyn - Bassin anschließen. Die Länge der Dämme der Ersteren beträgt gegen 2 Meilen, und in dem Becken, das eine nur 200 Fuß breite Einfahrt
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hat finden 500 Schiffe gleichzeitig Raum. Die versteckten Plätze hinter den Piers bieten den Flußpiraten vortreffliche Schlupf- und zugleich SpähWinkel, in denen sie mit aller Behaglichkeit rauchend, trinkend und plaudernd auf die Gelegenheit lauern, einen Beutezug zu unternehmen. Der colossale Verkehr erfordert natürlich eine starke und wachsame Hafenpolizei. Zwei Boote Patrouilliren die beiden Manhattan Island umfas-' senden Flüsse Tag und Nacht; die .Mannschaften werden alle fechs Stun den abgelöst und haben jeden zweiten Tag frei, sie sind also von je zweiundsiebzig Stunden vierundzwanzig im Dienst und daher keineswegs überbürdet. Der polizeiliche Hafendampfev heißt Patrol", und seine Bemannung besteht aus einem Capitän, einem Sergeanten, zweiDetectivs. drei Roundsmen" und sechszehn Patrolmen". Außerdem wird die lange Wasserfront noch durch hundert Mann bewacht die aber nur den Tag hindurch auf dem Posten bleiben. Des Nachts haben alle Docks, auf denen Waaren und Güter liegen, ihre eigenen Privatwächter, und auch die im Hafen ankommenden. Schiffe stellen ihre Wachen aus. Der große Umfang des New Yorker Hafens, die gewaltigeFläche. die er einnimmt, der ungeheuere Schiffsverkehr, die Verwegenheit und Geschicklichkeit der Piraten erschweren der Hafenpolizei, welcher die Ueberwachung und Ergreifung der Verbrecher obliegt, den Dienst sehr. Der dichte Nebel, der oft über dem Wasser lagert, bringt schlimme Gefahren, denn es gilt, den zahlreichen Dampsfähren bei Zeiten auszubiegen. Es kommt vor, daß das Signal des Roundsman" eines der schnaubenden Ungethüme, die das Festland mit der Insel verbinden, mit seinen glühenden rothen und grünen Au-
Gefangene Schmuggler. gen erst wenige Schritte vor dem kleinen Polizeiboot zum Halten bringt. Häufig aber ist es unmöglich, einem Dampfer auszuweichen, dessen Lichter allzu plötzlich und unerwartet durch die finstere, graue Nebelwand brechen; dann wird der Patrouillenkahn in den Grund gebohrt, und die Leute springen, um sich zu retten, in die rauschenden Wogen. Deshalb müssen sämmtliche Mitglieder der Hafenpolizei vorzügliche Ruderer und Schwimmer sein. Ganze Banden von Stromräubern überfallen zuweilen die Fahrzeuge und bemächtigen sich, wenn es nicht anders geht, mit Gewalt eines Theiles der Ladung; blutige Kämpfe mit ihnen gehören nicht zu den Seltenheiten und selbst vor einem Morde schrecken sie nicht zurück. Unmenschlich zeigen sie sich namentlich dann, wenn das Opfer durch widriges Schicksal wehrlos gemacht ist. D i e Spitzenschmugglerin. Im Allgemeinen entwickeln die Flibustier des New . Borker Hafens große Vorsicht und zeigen, daß sie eine reiche verbrecherische Erfahrung besitzen. Von Zeit zuZeit setzen die Lichterschiffund Dampfer - Gesellschaften große Belohnungen auf die Ergreifung der Diebe aus. und auch die Baumwollbörse der Hudsonstadt kargt nicht mit derartigen Prämien. Eines der einträglichsten und verhältnißmäßig leichtesten dieser Geschäfte der Finsterniß ist nämlich der Raub von Baumwolle, die in Ballen aus dem Süden kommt und von den Transportfahrzeugen auf die Lichterschiffe gebracht wird, welche sie an das Ufer schaffen. Sobald sich die Baumwolle auf den Ausladeschiffen befindet, werden diese tft tiefster nächtlicher Stille von den Flußpiraten mit umwickelten Rudern umfahren, bis sich ihnen Gelegenheit bietet, unbemerkt an Bord zu gelangen. Sie lösen die Bänder, welche die Ballen zusammenhalten, mit einem besonders dazu eingerichteten Werkzeug, ziehen eine Partie Baumwolle heraus, packen sie in kleine Säcke, binden die Ballen wieder fest zu und machen sich dann ebenso sautlos, wie sie gekommen sind, aus dem Staube, ohne eine Spur von ihrer heimlichen Visite zu hinterlassen, 'und die Thatsache. daß ein Diebstahl begangen wurde, wird erst festgestellt, wenn die Ballen gewogen und zu leicht befunden werden. Erwägt man die Leichtigkeit, mit der sich ein Boot unter dem Schutze des nächtlichen Schattens läng der Piers ohne Furcht vor Entdeckung bewegen kann und die oft unzureichende. Bewachung
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der Lichterschiffe, so wird man die Schwierigkeiten begreifen, welche die Polizei bei der Jagd auf die Hallunken zu überwinden hat.
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Des Zollwächters Ende. Die Höhe der Zölle und die Mannigfaltigkeit der ihnen unterworfenen Waaren fördern und erweitern den Schmuggel, denn je höher der Zoll ist, desto größer ist auch der Gewinn, und je mehr Artikel ihm unterliegen, desto mehr dehnt sich das gesetzwidrige Treiden aus. Jeder Dampfer hat Passagiere an Bord, die den Schmuggel gewerbsmäßig betreiben und Jahr aus Jahr ein zwischen Europa und Amevika hin- und Herreisen, bis sie einmal der Zollbehörde in die Hände fallen und hohe Strafen bezahlen müssen, was sie indessen nicht daran hindert, das Geschäft trotzdem 'fortzusetzen, denn es wirft viel ab und der Verlust ist bald wieder eingebracht. Auch Damen verschmähen es keineswegs, Pretiosen, Spitzen, Seidcnzeuge und sonstige kostbare Stoffe entweder gewerbsmäßig, was namentlich Modistinnen thun, oder gelegentlich zu paschcn. Deshalb stellt das New Yorker Zollamt weibliche Jnspcctoren an, die mit Kennerblick ihre landendenöeschlechtsgenossinnen mustern und die Verdächtigen in besonderen Räumen nach zollpflichtigen Gegenständen untersuchen. Letztere verstehen es, durch geschicktes Aufnähen von älteren Streifen neuen Kleidern das Aussehen von getragenen zu verleihen, oder sich feine Zeuge und Spitzen so um den Körper zu wickeln, daß nur das geübte Auge der Jnspectorin die List entdeckt und die Thäterin durch Abwickeln der so sorglich gehüteten Leibbinde entlarvt. Auch die Bemannung und die Beamten der einlaufenden Schiffe benützen nicht selten ihre Stellung dazu, sich durch Schmuggel zu bereichern. Fahrzeuge, die mit Havana - Cigarren, mit Kaffee oder anderen ColonialWaaren in die New Yorker Bai kommen. werden von Leuten, mit denen ihr Besitzer und Führer in ungesetzlichen Handelsbeziehungen stehen, am Tage ihrer Ankunft erwartet. Schon vor der Landung fahren sie ihnen in der äußeren Bucht entgegen, noch ehe der Zollkutter sich zeigen kann, und vom Bord aus werden ihnen die Waaren in wasserdichten Säcken hinab in die See geworfen. Sie fischen dieselben auf und laden sie am Strande in eigene Wagen. Schon mancher Zollwächter, der den Muth hatte, diesen Schmugglern entgegenzutreten, hat seine Kühnheit mit dem Leben büßen müssen und sein Grab auf dem Sande des Strandes gefunden. Auf dem Thron. Der neue Herrscher von Lippe-Tet-mold, Fürst Ernst Kasimir Friedrich Karl Eberhard. Graf und Edler Herr zur Lippe - Biesterfeld, hat seinen Einzug in seine neueHaupt- und Residenzstadt Detmold gehalten. Der durch den Spruch des Schiedsgerichts in die Reihe der deutschenFürsten ausgenommene neue Landesfürst ist zu Oberkassel bei Bonn am 9. Juni 1842 geboren. Er ist seit dem 16. September 1869 mit der Gräfin Karoline von Fürst Ernst. Wartensleben vermählt, die jetzt im 44. Lebensjahre steht. Graf Ernst wohnte bisher auf Schloß Neudorf bei Bentschen in der Provinz Posen. Der Ehe des Grafen Ernst sind sechs Kinder entsprossen. Einen militärischen Rang besitzt der neue Fürst nicht, er ist daher der einzige deutsche Fürst, der keine Uniform trägt. Er war bei seinem Einzug mit einem grauen Ueberzieher und Cylinderhut bekleidet. Es wird erwartet, daß dem Fürsten demnächst eine seinem Range entsprechende militärische Charge in der preußischen Armee verliehen werden wird.
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Umschrieben. Wie gefallen Dir die Töchter des Stadtraths?" Ich alaube, die wären sehr für die Abschaffung der Geburtsscheine!" Kathederweisheit. Professor (im chemischen Vortrag) : Sehen Sie,.meineHerren, dieses Gift, einer Katze auf die Zunge geträufelt, bringt selbst den stärksten Mann um." Naiv. Der kleine Fritz, welcher einen Cirkus besucht hatte, kam glückstrahlend nach Hause und erzählte seinem Großpapa, was er alles gesehen habe. Denke Dir nur", sagte er unter anderem, es war auch ein dressirter Esel da so groß wie Du bist." Nicht wahr, Großpapa, das ist doch übertrieben", fiel die kleine Schwester ein, die andächtig zugehört hatte, denn einen so großen Esel wie Du bist, giebt es doch überhaupt nicht!"
Eine einspurige Bahn. Ein billiges Verkehrsmittel zwischen entfernten Orten, wo doch ein gewisses Verkehrsbedllrfniß ezistirt, fehlte bisher. Es scheint jedoch in höchst genialer Weise von einem französischen Ingcnteur Cailletet gefunden zu sein, der ein wirkliches Einschienen - System, gleichzeitig transportabel und dauerhaft, anwendet. Dasselbe erfüllt, ob-
gleich nicht für Danpf oder andere Maschinenkraft verwendbar, nichtsdestoweniger in einfachster Weise für emen beschrankten Verkehr m spärlich bevölkerten Geaenden forderten Be dingungen und ist besonders geeignet für Colonial - Landwirthe. Die lausende Bahn dieses Systems besteht aus einer einfachen Schiene von sehr leichtem Querschnitt, an welcher in kurzen Zwischenräumen Soblplatten oder Querbalken befestigt sind, die an jeder vscne em Loch haben; durch diese kann man Pflöcke in den Boden treiben, um die Schiene an ihrer Stelle festzuhalten.. Die Schienenverbindung wird durch eine Lasche hergestellt, die den Schienenfuß umschließt. Die Wagen, die auf dieser Schiene fahren, sind von verschiedener Form, je nach demDienst. den sie verrichten sollen. Es können flache Plattformwagen oder kleine Omnibusse, Krankenwagen oder auch Kastenwagen sein. Meist sind sie auf vier Räder gelagert, deren Radkranz mit emer zum Schienenumriß passenden Rinne versehen ist. Diese Räder. deren Lager am Unterbau des Wagens Pferdebetrieb. sich befinden, können entweder an den Enden oder unter dem Boden des Wagens angebracht werden. Anscheinend kann nun solch ein Gefährt, namentlich wenn beladen, nicht im Gleichgewicht gehalten werden. Doch in der Ueberwindung dieser Schwierigkeit zeigt sich das Genie Cailletet's. An einer Seite des Wagens vorspringend, befinden sich Stangen oder ein leichter Rahmen. Erstere werden benutzt, wenn nur Menschenhände zur Verfügung stehen, letzterer, wenn Pferdekraft zum Fortbewegen vorhanden ist. Wenn man annimmt, daß der Wagen genau im Gleichgewicht beladen werden kann, so ist klar, daß außer der Anstrengung zum Vorwärtsbewegen keine andere erforderlich ist. Aber wenn dies auch praktisch möglich ist. so läßt sich doch die Last so gleichmäßig vertheilen, daß es nur einer kleinen Anstrengung bedarf, um das Kippen nach beiden Seiten zu verhindern, so daß die ganze Arbeit darin besteht, den Zugwiderstand zu überwinden, der im Vergleich zu dem auf einer Landstraße oder der unebenen Oberfläche eines bebauten Feldes geringfügig ist. Bei den leichTtu; Handbetrieb. teren Typen ist das Gewicht einer Schienenlänge klein genug, um von einem Mann getragen zu werden. Die Bahn ist ganz aus Stahl, und zwar sind die Schienen nicht durch Bohrlöcher geschwächt, da die Laschen die Schienen ohne Bolzen zusammenhalten. Die schärfsten Krümmungen, die sich herstellen lassen, haben 4 Meter Radius, doch verursacht ein so kleiner Radius beträchtliche Reibung, so daß ein Radius von 8 Meter als Minimum angesehn wird. Natürlich sind auch Weichen erforderlich, um die Wagen auf Zweiggeleise zu bringen, und auch diese sind, wie Alles an diesem System, von allereinfachster Art. Das Mittel, um die Richtung zu ändern, besteht in einer Platte, auf der die Enden von zwei oder dreiSchienen. welche die Anfänge der Abzweigungen bilden, befestigt sind. Vermittelst eines Hebels kann das andere Schienenend: nach rechts oder nach links bewegt werden. um die Verbindung mit dem einen oder dem anderen Zweig herzustellen. Für Kreuzungen werden Platten von gleich einfacher Art verwendet. Selbstbewußt. Lieutenant: Aber ich bitte Sie. meine Gnädige. in Amors Kriege bringt es das Civil doch höchstens zum Schlachtenbummlev." Rücksichtsvo l.l. Schneider (zu einem Kunden, den er unzählige Male wegenBezahlung eines Anzuges fruchtlos gemahnt): Warum haben Sie sich denn Ratenzahlung bedüngen, wenn Sie überhaupt nichts zahlen wollen?" Kunde: Ja, wissen Sie, ich meinte, Sie würden es leichter verschmerzen, wenn ich Ihnen ratenweise schuldig bleibe!" Beim Protz. Kommerzienrath: . . .Das Festspiel gefällt mir soweit ganz gut. Sorgen Sie nur dafür, daß es rechtzeitig fertig wird! Und noch eins! Legen Sie noch so ein gewisses Etwas hinein, wissen Sie, verstehen Sie mich, so ein gewisses Etwaö ich meine, Sie könnten schon in der Ouvertüre zum Ausdruck bringen, daß ich Millionär bin!"
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Prof. Engclmann. V Als Nachfolger des am ersten W?i nachtstage des vorigen Jahres verstorbenen Du Bois - Reymond ist dem Prof. Engelmann aus Utrecht die Berliner Professur der Physiologie übertragen worden. Was diese Stellung besonders wichtig macht, ist die damit verbundene Leitung des Physiolog!schen'Jnstituts. Das berliner Physiologische Jnstitut zeichnet sich vor gleichartigen Anstalten durch seine weitschichtigeGrund-
läge aus. Im Mittelpunkt steht die specielle Abtheilung für ExperimentalPhysiologie; dazu kommen eine biolo-gisch-anatomische, eine chemische und eine physikalische Abtheilung. Jede dieser Abtheilungen hat einen eigenen Vorsteher und Assistenten. Die Vorsicher sind durchweg angesehene Gelehrte; auch unter den vormaligen As sistenten trifft man auf Namen von gutem Klang. Der Organisation des berliner Physiologischen Instituts liegt die Anschauung zu Grunde,. daß der Direktor des Instituts nur den Unterricht in der Gesammtphysiologie ertheilt; ergänzt soll dieser werden durch die Curse in W ilh. Engelmann. den Theil- und Nebendisciplinen der Physiologie, die von den AbtheilungsVorstehern gegeben werden. Man kann daraus ersehen, was für eine lohnende Aufgabe es ist. die Engelmann, der zu Du Bois - Reymond's Nachfolger ausersehen ist, zufällt. Wilhelm Theodor Engelmann ist der 1843 geborene Sproß einer angesehenen leipziger Ge-lehrten-und Buchhändlerfamilie. In seiner Vaterstadt vorgebildet, bezog er 1861 zum Studium der Naturwissenschaften und der Medicin die Universität Jena, von dort ging er später nach Leipzig. Heidelberg und GLttingen. Im Jahre 1867 wurde er in Leipzig Doctor. Schon als Student war er mit selbstständigen Arbeiten an die Öffentlichkeit getreten und bereits vor seiner Promotion wurde er nach Utrecht berufen. Im Jahre 1871 wurde Engelmann zum Professor der allgemeinenBiologie und Histologie ernannt. Eine der ersten Arbeiten, die Engelmann hier in Angriff nahm, war die Erforschung der Bewegungserscheinungen am Harnleiter, der AusgangsPunkt umfassender Untersuchungen über die allgemeine Phisiologie der Muskeln und Nerven. Seine neueste Arbeiten betreffen den Ursprung der Herzbewegungen und die Rolle der Herznerven. Sie führen zu einer völligen Umgestaltung, der auf diesen Gebieten bisher herrschenden Lehren. Zarter Wink. Der Stoffelbauer macht bei snnem Vetter, dem sein böses Weib gestuft ist, Kondolenzbesuch. Schon länger als eine Stunde wartet er vergeblich darauf, daß ihm der üblicke Trünk mit entsprechender Zuthat vorgesetzt wird. Und als der Vetter über die Verstorbene gehörig loszieht, hält er es doch an der Zeit, dieselbe in Schutz zu nehmen. Dös mag schon wahr sei. was d'sagst. aber a guete Seel' is d' Bäuerin selig doch g'west. a recht guete. ich mein ich seh' sie jetzt noch 'rumhantieren in der Stub'n, grad do wo ich sitz', hats allemal den Vierkrug und Brot mit g'selschtem Fleisch hing'siellt!" In der Schmiere. Sächsischer Schmierendirector: ....Was?! Die ..Jungfrau" wollen Sie svielen? ... Nee. meine Guteste, eh' ich' Sie die Jungfrau" spielen lasse spiel' ich sie selber!" Das Genie geht einen neuen Pfad allein, das Talent einen abgetretenen in Gesellschaft. StarkeTäuschung. Polizeirath (in der Kanzlei zum Wachmann): . , .Das darf nicht mehr vorkommen. Die Rauferei gestern im Gasthause zum Löwen" hat Aufsehen gemacht. Hocn Sie denn nichts gehört von dern. Äärm. alsSie vorbeigingen?" Wachmann: Ei ja! Aber ich dachte, der Gesangverein habe seinen UebunK. abends
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