Indiana Tribüne, Volume 20, Number 321, Indianapolis, Marion County, 8 August 1897 — Page 5

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Yssenerölhreibebnejdcs Philipp öauerampser.

Cmicn i8q7 by the Gern Ptm & Plate Co. Mein lieber Herr Redattionär!. Es duht mich arig leid, daß ich Jhne diesmol nit schreiwe kann, ich hen soviel uff met Herz, aber ich hen auch arig viel an rnei un an ruei rechte Hünd. Es Hot mich näm' lich e Flei, ich denke se Hot Peusen in sich gehabt. Hot mich in mei Eilidd un e annere Hot mich in mein rechte Jndeksfinger gestoche. Mehbie, es war auch ein un die selwe Flei, wo mich an die zwei Platz getackelt Hot. Der Truwel is, ich kann nicks sehe un die Lizzie, was mei Altie is, die hat mich for die paar Leins die Händ geführt. Die Lizzie Hot sich, wie se Pohrterhaus Stehk Hot kotte gewollt, mit das Heischet in die Händ ge schlage un weil se bei's Schreiwe links is, do is se nit ehbel gewese, von mich zu ripohrte. Der Karlie, wo auch ganz gut mit die Penn händig is, war so frei un Hot den Schapp for mich iwwernomme. Ich schicke Jhne sein Brief, was er geschriwwe Hot, hen ich an Ekaunt von mei Jnscherrie nit lese gekönnt. Plies korrekte se's e wenig, ich hen en Eidie, daß der Bub viele Mißtehks gemacht Hot, bikahs die deitsche Lengwitsch is nit so händig for ihn. Die schmarteste Leit hen oft die größte Esel von Kids. Womit ich verbleiwe Jhne Jhrn liewer Philipp Sauerampfer. Geöhrter Mister Redacktionierer! Mein Pa is heit nit ehbel zu's Schreiwe, un do will ich emol ebbes von mich gewwe. Der alte Mann denkt doch blos, er hätt alleins das Pulwer erfunne, awwer ich hen's auch. Ich sage jo nicks gege ihn, dann er is doch immer sozusage mein Pa, awwer ich kann Jhne sage, unsereins Hot plenlie Batter mit' die alte Leit. Nicks kann mer se recht mache, immer werd mer gefchkchlt un in's Bett muß mer, wann die annere Kidds noch all Fonn an die Stritt hawwe derfe. Do is doch schuhr keen Senz drin. Mein Pa. off Kohrs, der Hot all den Fonn. wo er hawwe will un er braucht auch die Ma gar nit zu meinde. Wann die alte Lebdie feite di;ht, dann zieht er sei Zkutt an un geht bei de Wedesweiler. Ich wollt nor emol sehn, wann i ch so ebbes duhn deht! Wei. dann deht ich e Licken kriege, daß ich for drei Woche uff mei Frontseit liege mißt. Schuhr genug, die Ma is gege uns 5lidds arig stricki. nickts kann se stende. awwer gege de Pa. do is se noch viel zu gut. Wei. wann ich so en Hoßbend hätt, ich ging reiteweg an die Kohrt. Sein Hauptfehler is sein Dorscht. Ich denke, scll is erblich. Wei. einige Zeit kann er drinke, un es is fonni. daß er kee Wasser gleicht. Wei, wann er nor sieht, daß ich en Dlpper mit Wasser hen. dann schimmert er schon. Ich hen schon oft gedenkt, er deht d:e Wollduht cdder die'Dollwuth hawwe. bikahs in die Kondischen drinke die Hunde auch kei Wasser, sell hen ich in die Schul in die Tschiagraffie gelernt. Ich denke, der Mister Wedesweiler is e gut Diel for mei Pa zu blehme un die Ma wischt, er deht sein Saluhn muhfe. So spricht die alte Lehdie immer, awwer ich weiß besser. In ihr Jnnseit do duht se's ganz gut gleiche, daß der Pa so oft fort is. Wann der alte Mann auZ das Haus is. dann geht die Ma als e Ruhl auch fort. Se kahlt an ihre fremde un dann werd Koffie gedrunke UN iwwer die Nehbersch geschimpft, daß es e Art Hot. Ich war'n auch emol mit. Ach, was hen ich do for scheene Geschichte gehört! Ich hens reiteweg die annere JUdds verzehli un die Ma Hot große Truwel gehabt. Von da an den ich nit mehr mitzedorft. Ich fiehle arig sarrie derfor. bikahs ich gleiche Geschickte zu bore, wo ftioos noch nit wisse derfe. Ich gleiche auch als emol in de Saluhn zu gehe, awwer do is die Ma arig fonni. se sagt, kch sollt mich e beeses Ecksempel an mei Pa nemme. Awwer sell duht mich kee gut. Awwer dieselwe Zeit stick ick doch zu mei Ma. Wisse Se, mit den alte Mann do is nit viel los. Wei. was duht mer mit so en Pa? Er nimm! mich nit mit an kein Platz, un gibt mich auch kei Spendgeld. All mei Schentelmen Frends hen Spendqeld, un ich muß allem mnaus luhn. Awwer der Truwel is. er duht zuviel for sich selbst niede. Denke Se nor emol. iewen an de Forte Tschulei hen ich nicks gehabt. Ich hen das Lewe aus en gebattert. awwer kei Geld. Mit Ach un Krach Hot er mich vier Pennies aewwe. for Feierworks zu kaufe. Off l f - ... , Ca ! 3 . . TJ-V ! V. 41005. Yen icn oas oisaje vcio III ve Nendiestohr gespend. Drei Pennies for Ahldeh Sockersch un ein Pennt for zwei Eickcrretts. En. angehender Mann muß doch ebbes zu schmohke hen. Ich gleiche auch nit. wann mer immer guckt, wie e Kid. Owends. da hen alle -annere Leit Fonn gehabt, awwer mein alter Mann, der Hot bei de Wedesweiler gehockt, un die Ma, well, die war in Waschington. Do hen ich zu die Haushaltung getend. Well, ich hen gefiehlt. als wann ich unser Bildung erunner brenne sollt, for daß ich e wenig Feierwork gehabt hen. Ich hen auch e wenig gekreint. Awwer uff emol do hen ich e Eidie kriegt, die war nit von schlechte Eltern. Ich hen mich e paar von meine Schentelmen Freuds gerufe un hen gesagt: Boys-, hen ich gesaat. die Fohks sin nit heim un do rolle mir emol e gute Zeit hen." Dann, sm ich in den Groserstohr. hen mich Kukkies, Banahnseses, Arrensches, Pickels. Feierkräckers, Eändy. Pruhn ses und Brickstein Tscbies holt. Jcd

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die Miß Saüeiämper tschartsche un er Hot gesagt, sell wär schon ahlrecht, er deht mich tröste. Wisse Se. der Stohrkieper Hot mich gekennt, bikahs ich hole alle Woche fünf Cents werth Schnuff for mein Pa. Früher Hot er mich im mer noch e Kukkie derbei geschenkt, awwer jetzt is er arig stinschie. Ich hen ihn emol gefrogt un do sagt er, die Zeite wäre zu hart, er könnt's nit mehr erfordern. Well, ich kann Jhne sage, mir hen e gute Zeit gehabt! Ich sin in de Keller un hen en Krack vom alte Mann sein Wein geholt. Sell Hot awwer gut geschmeckt un mir hen eens nach das annere geleppert, bis das mer all gut gefiehlt hen. Ich hen auch noch en Nickel in mein Pa sei Westpacket gefunne, do hen mer uns Silkeretts gekauft. Mir hen auch das Feierwork errunnergebrennt, awwer in den Pährler un sell war fuhlisch. Awwer sehn Se, wann der Mensch gut fiehlt. well dann fiehlt er gut. Mlr hen de Karpet voll Löcher gebrennt un hen auch so ebaut e Vard un e halb von die Lehs Kohrtens verbrennt. Das ganze Haus war voll Rauch un Schmohk. Mir hen auch gesunge. eck säcktlie wie große Schentelmänner. Uff eemol geht die Diehr uff un der alte Mann kimmt inseit. Do is die Gäng awwer ausgerisse. wie alles. Eener Hot mem Pa umgerennt un, o mei! was Hot der alteMann geschwore! Er Hot mich am Schlafittche kriegt un Hot mich gelickt, daß ich puttinier halb dreivertels doht war. Er Hot sei lange Peif uff mich verschmisse, un sein Buhtjäck un dann Hot er mit alle Fist's uff mich geschmisse, daß mich alle Bottonhohls, wo ich an mich gehabt hen. ausgerisse sin. Schierussalem, was hen ich do gekrische! Well, Mister Redaktionierer. ich denke, so brauch mer doch en Bub nit zu verhammatsche wege e bische Fonn! Awwer. ich hen's jo gesagt, ich hen kein Juhs vor mein alte Mann, bikahs er macht mich zu viel Truwel. Mache Se. daß mein Pa mein Brief nit sehn duht, sonst krieg ich de Dickens. Rispeckfuhlie Karlie Sauerampfer. Zwei Einsame. Pariser Skizze, von Käthe Schirmacher. Eine schwüle Sommernacht lag auf der Stadt Paris, so heiß, so scywer. daß selbst der großeGarten des Luxembourg kaum merklich Kühlung verbiettete. Un doch war er ein Paradies inmitten der staubigen Straßen, der glühenden Steine, die ibn umgaben. tin Paradies mit schönen, grünen Bäumen, alten Platanen, jungen Kastanzn, mit schmachtenden Akazien, die jetzt ihren süßen Duft in die glühende Semmerluft hauchten. Ein Paradies, der Luxembourg. für Kinr - e ? ' . - ? . ver uno ieoesieuie, für georccylici)? Greil? und tolle Studenten, ein Paradies, in dem sichJung und Alt. Reich und Arm ausruhen 'und erfrischen kann. Die Rue d'AssaS, die den großen Schloßgarten im Süden begrenzt, die Rue d'Assas hinunter kam langsam ein mittelgroßer Mann. Der litt nicht viel. von der Hitze, das sah man gleich; der war aus dem Süden, das bewies seine matte Haut, das schwarze Auge und der schwarze Bart. 'Wenn er so langsam ging, so war es nicht der Hitze wegen; die war er gewohnt, r liebte sie sogar. Langsam ging er nur, weil er müde war, gedankenmüde, traurig und schwer im Herzen. Da war ihm wieder eine Leinwand, ein Katzenbild, unverkauft geblieben. Wahrlich, er brachte es zu nichts, er hatte es noch zu nichts gebracht, und war doch bald vierzig Jahre alt. Frisch draus los malen und für Kunst schwärmen, ohne persönlichen, practischen Erfolg, das geht wohl, so lange mn sehr jung ist; aber wenn die dunklen Locken stch lichten, ohne daß Lorbeerblätter diese Lichtungen verdecken, dann fängt man an, sich selber anzuzweifeln. Dann sieht man sich nach denen um. die noch an uns glauhen, und fehlen die, so wird das erz gar schwer. Ihm fehlten sie; die Nachsten waren weggestorben; ein Weib hatte er niemals an sich fesseln können; die Menschen, die er interessirte, die ihm, wohlwogten. kntfremyete er sich, weil sie ihn wltklug machten, und er frei und unklug bleiben wollte. So kam es, daß er in dieser heißen Sommernacht langsam, müde und innerlich fröstelnd die Rue d'Assas zum Luzembourg hinunterging. Der Luzembourg! War es für ihn nicht ein Stück Heimath? Der Tummelplatz seiner Jugend, seiner Studienzeit? Hatte er nicht hier, den weichen Filzhut schief auf seinen dunklen Locken, im rosaBorhemd. kurzen Sammetjakett und in unendlich ' weiten Künstlerhosen, die grünenden Kapgniengänge durchiollt? ' Mar er mcht mehr als einmal zornig gewesen, wenn gegen Sonnenuntergang' eine Patrouille mit Trommelschlag durch in schönen Königsgarten zog, die s, nicht duldete, daß man wml unter Fliederbaum, träumend und kosend Unter dem hängende. Goldregen sitzen hlieb, sondern unbarmherzig Gedanken und Träume, Mgler und Liebespärchen zum Thor HZnaustrieb und das höbe, vergoldete Gitter absperrte, so daß nur den geschmeidigen Katzen im Garten noch der Zutritt blieb? Me hatte er gezürnt, gescholten und den Soldaten an den Gartenthorcn Grob heiten gesagt. Heute fand er es nur ganz natürlich, daß das Vergnügen aufhörte, wenn es just am schönsten Wurde. Heute Nacht stand er ganz still und geduldig an dem hohen ver-

schlossenen Thor und den Kops an die Lanzengitter mit den goldenen Spitzen lehnend, halb auf dem breiten Stein der Umfassungsmauer niederknieend-,' schaut er fiot jlch Hin in dse . M&?i . i,

grünt Nacht iti alten. lonigllHen Gartens. Durch die Stäbe neigten sich die lieben Sommerzweige freund lich zu dem dunklen Mann. Er sah durch ihr Gwirr von ferne die Laternen blitzen, mit denen die Patrouille noch die letzte Runde machte. Durch die Blüthen hörte er ein letztes Vöglein zwitschern, daö dem andern noch ein letzte Liebes sagte. Bald würden auch die Kätzchen zu singen- anfangen. sagte er sich. Gefesselt von dem grünen Zauber dorr drinnen, gebannt durch die Er innerungen seiner Jugend, lieblich be täubt vom heißen Duften der Akazien, und leidvoll müde von enttäuschter Hoffnung, stand er so eine Zeit; dann legte er sich völlia auf den Stein. Selten nur störte ein Vorübergehender ihm Traum und Sinnen. Er aber, in der stillen Nacht, sah im Geiste, wie die weißen Marmor frauen um den Schloßteich von ihren Sockeln stiegen. Wie Bianca von Kastilien, Maria Stuart. Margarethe von Navarra die steifen Schleppen über den Kies gleiten ließen. Er sah die Königin Maria von Medici, die einst das Schloß des Luxembourg erbaut, mit ihrem Landsmann und Günstling Concini Zwiesprach Pflegen? siih, wie sie, die Italienerin, die Kunt der Renaissance auch :m fremden Lande weiterpflegte, die große Fon täne mit Nymphen und Göttern errichten ließ, die Fontäne Medici, über der sich heute hundertjährige Platanen wölben, und um die Frankreichs Stu-deuten-und Künstlerjugend liebt, singt und tollt. Jetzt, sagte er sich, möchte auch das zierlicheRoccocofräulein, das dem Maler Watteau am Tage huldigend Ro sen streute, von dem Postamente steigen und mit dem feinen Maler selbst galante Reden führen, denn an die stattlichen Damen des Mittelalters und der Renaissance würden die beiden Leutchen aus dem 18. Jahrhundert sich schwerlich wagen, und an die modernen Sänger, die im Luxembourg ihr Denkmal hatten, an Henri Murger und an Beaudelaire, getrauten sie sich sicher nicht heran. Deren theils plebejische, theils schwüle, schrille, kramps- und krankhafte Art zu lieben, war nichts für die beiden feinen Roccocomenschen. Der Maler selbst freilich, der hatte was davon erfahren; ihm war's als könne er heute noch durch die grünen Schatten dieser schwülen Sommernacht Gestalten sehen. leichte Schritte hören, deren Nahen ihn einst beglückt, und die ihn dann verlassen hatten. Das war nun einmal so; man blieb am Ende immer einsam, hatte im Grunde stets nur einen treuen Freund, das war man selbst .... Wie er das dachte, hörte er von ziemlich nah' ein leises Miauen. Ein Katzenstelldichcin. dachte er. die haben's gut. die Schäker; sie schlüpfen durch die Stäbe und sind drin im grünen Paradies, während unsereins, ein täpPisches Menschenthier, draußen bleiben muß. Das Miauen fein, zart und nach der besten Schule kam immer näher; der Maler, ein V!eister darin, lockte das Thierchen, und bald stieg mit der freien Grazie ihres Schlages ein seines Kätzchen aus den dunklen Zweigen, Ein rothes Kätzchen, schön getigert und gefleckt. Der Maler mußte lachen: .Bringst du mir Jugendgrüße, rothes Kätzchen?" sagteer. Bist du vielleicht ein Sprößling meiner rothen Leibkatze, die ein so klägliches Ende aenommc:',? Willst du vielleicht mich trösten kommen, weil mein Katzenbild heut' nicht verkauft? Willst du mir zeigen, daß wenn Menschen mir nicht, so doch Thiere treu sind? Du bist ein schönes Kätzchen, komm heran!" Das Thier, ganz zutraulich, kroch dem Maler in den Arm; gnädig ließ es stch liebkosen, blieb aber mit gespitzten Ohren, beide Vorderpfoten ausgestemmt, wie lauschend aufrecht sitzen. Der. Maler, der ja Katzen kannte und gern hatte, saß still und freute sich an dem Thier. Dabei gedachte er seiner seligen Leibkatze, die das besagte traurige Ende genommen, tzje war sein liebster Spielkamerad gewesen. Überhaupt das Vsen. daö ihm als fljnd M nächsten gestanden. Daher war ihm dann später auch die Katzenmalerei gekommen."' Ein drolliges Thier, seine .Mumutt-, wie er sie nannte. Roth getigert und geflammt, eigentlich nicht hübsch darum hatte er sie lieb gehabt; vernachlässigt, darum hatte er sich ihrer angenommen. Denn er war selbst ein nicht hübsches und vernachlässigtes Kind 'gewesen. Er und Mumutt" hatten sich aber für die Zurücksetzung seitens der Anderes schadlos gehalten: Alles 'theiftn" sie mit einander, jeden güt'en Bissen, jede Arbeit. ' jedes V'e.ignügen im Hause. Ptf Mergens, wenn das Mädchen die Fensterladen bei ihm öffnen kam schlich das Kätzchen in des Knaben Schlafzimmer herein; mit einem Satz sprang es ihm mitten das Bett, das hatte er eZ gelehrt ; dann kroch es zu ihm, aber nicht wie Katzen gewöhn lich thun; es streckte sich neben ihm lang aus. wie Menschen zu liegen gewohnt sind. Das hatte er es gleichfalls mit mancher Mühe, gelehrt und ergötzte sich an den drolligen Bewegungen, an dem lustigen Kringel. ' den des Kätzchens Schweif auf dem weißen Betttuch bildete Das hatte er damals schon zu zeichnen angefangen. Bracote das Mädchen dann die Cho kolade. so war's ein kleines Fest: Mumutt" mußte rnit ihm trinken. Zuerst hatte sie sich gesträubt, dann war es ihr aber lieblich eingegangen, bald hatte sie verstanden, zierlich aus dem großen, silbernen Löffel, mit dem er seine Chokolade verzehrte, zu lecken. Er fand das heute nicht sehr appetitlick. aber als Ki-nd ytatk a ifvm

I große Freude gewe.fn. mit Lumutt" - AlleHu .tbeilen, Ahr warmeö. Fell

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chen hatte sein elnsame Ktnverherz buchstablich vor dem Erstarren bewahrt, ihre Zärtlichkeit ihm die öden Jugendjahr verschönt. Und dann eines Tages hatte man sie ihm erschlagen. Das war ein großer Schmerz geWesen. In Erinnerung daran strich er dem rothen Kätzchen, das neben ihm saß, über den Rücken; es schnurrte behaglich, und sie blieoen wohl noch eine halbeStunde beisammen; dann miaute es aus den Buschen, und das rothe Kätzchen stieg, pfotenzierend, von dannen. Der Maler kam seitdem öfters des Nachts zum Luxembourg, das rothe Katzchen streicheln; er brachte ihm auch leckere Dinge mit und nannte sie Mumutt" nach der altenJugendkatze. Zwei Wochen mochten so vergangen sein, der Maler saß wieder auf der Gitterbrü stung und wartete aus seine neue Freundin, da kam ein altes, sammervolles Weiblein angehumpelt. Wie eine Hexe sah eö aus, von staunenswerther, aanz ungeahnter Häßlichkeit. Gleich einem wandelnden Krummstab und mrt Fetzen behangt, so schlurfte es in allzu großen Schuyen daher, und auf dem Kopf das feuerfarbene Tuch mit weißen Sternen ließ das erschreckend fahle, zahnlose Gesicht noch grausiger erscheinen. Nach vorn gebückt. schritt sie an dem Maler vorbei, ohne ihn zu sehen und drückte sich dann ihm gegenüber rn eine Ecke des Gitters. Aus dem Pack Lumpen, das sie schien, murmelte es von Zeit zu Zeit yervor: Wo bist du. mein Herzchen, mein Kätzchen, wo bist du?" und dann fuhren die dürren Finger der Alten wie im Kramps umher. Zehn Minuten mochte sie so gesessen haben, da hob sie den Kopf, und diesmal den Maler bemerkend, fragte sie weinerlich: Herr, hat er mein Katzchen? mein Kätzchen, mein Rothfellchen. mein sü ßes, liebeS . . ." die Stimme brach ihr in Schluchzen. Was meint die Mutter?" fragte der Maler, den die fabelhafte Häßlich keit und das armeHerz der Alten gleich fesselten. Ob der Herr mein Kätzchen hat, mein Kätzchen, mein Rothfellchen . . wieder konnte sie den Satz nur zu Ende wimmern. Habt ihr tffl Kätzchen verloren, Mutter.?- fragte er. .Ja, ja, verloren, ganz verloren, mein schönes Rothfellchen...- klagte le. unv vann erzuyr er nacy meien ragen, die sie mit krampfhaftem Zuert ihrer alten Glieder und wimmernden Guraeltönen beantwortete, daß sie ihr Eins und Alles, ihr rothes Kätzchen seit jwei Wochen suche, und nun von der Zeitungsfrau an der Ecke ge hört habe, in dem großen Garten spazierten nächtlicher Weile viel entsprungene Kätzchen. Da sei sie hergekommen, das ihre zu suchen. .Ich denke. Mutter. Ihr Kätzchen wird sich finden,- meinte der Maler, .allabendlich kommt hier ein.schmuckes Rothfellchen durch die Stäbe und setzt sich zu mir . . .- .Zu ihm?- schrieb plötzlich das alte Weiblein auf: .Zu ihm? Er Lump, er Männerlump . . . gestohlen hat er mir mein Kätzchen, er..." und, sie versuchte aufzuspringen. Doch, das konnte sie nicht und ' so hlieh'pe öa sitzen, ein schluchMdn.'juckender Hau fen LurNpen,' m rn'der roth undI?eib öestente, Kohs krampfhaft auf und ab Hzyzt) " ' - .Miau", klang eö plötzlich auö den yüschen, und zierlich, pfotenzierend, stieg ein feines Kätzchen aus dem Gezuzeia. dem Maler in. den Arm. Ex

ha, sechs Monate iwrt. . Es ist echtes Lagerbier, völlig ausgc gohren, schmackhaft und gesund.

Bier, welches feit gestern auf dein Markt !st, setzt die Gährung in dem INagen fort natürlich nicht zum Besten des TNagens. Bier braut die Bottling Dept. nahm däsThiet ünb frug es streichelnd zu dem armen Weib hinüber, das, von Schwäche, Wuth und Entzücken gleich gelähmt, aus weit aufgerissenen Augen nach ihr starrte. Glaubte, an die Bosheit der Welt gewöhnt, die alte Frau vielleicht, der kräftige Mann da werde ihr Eins und Alles vor ihren Augen wegtragen? Wahrscheinlich, denn sie streckte nicht einmal mehr die dürren Arme nack dem Kätzchen aus. Sie saß da. hilflos, wie die Armen, Schwachen, die tausendfach Gewalt vor Recht ha ben gehen sehen. Die machtloseDumpfheit lag da vor ihm. das tiefste mensch liche Elend, das fühlte der Maler. Und mit einer feinen Zartheit, als sollte er sein Lieb zum Tanze führen, nahm er der Alten sanft die dürren, schmutzigen Hände und schob ihr an die welke Brust das rothe Kätzchen, das sich ruhig schieben ließ. Einen flücht!gen Aufglanz im Auge der Alten glaubte der Maler zu bemerken; dann schloß sie die Arme über dem Thier ; der roth und weiß besternte Kopf sank auf das Fell der Katze, und ein dumpfes Gurgeln zeigte, daß die Alte Freudenthränen weinte. Der Maler ging auf seinen Platz zurück und zeichnete das Bild der Alten dort in sein Gedächtniß. Nach einer Viertelstunde etwa be gann sie langsam, sich zusammenzuraffen und aufzustehen. Der Maler ließ sie ganz allein gewähren, wußte er doch nicht, wie das arme, verstörte GeHirn seine Hilfe auffassen würde. Als sie, die Katze fest im Arm, an ihm vorüberhumpelte, neigte sie ihm ihr fahles Antlitz zu und murmelte, wie entschuldigend und bittend: .Es ist ja mein Alles !" Er zog den Hut vor ihr, indem er langsam aufstand: Ehrfurcht vor sol chem Elend, vor solcher Einsamkeit ; denn für die arme Alte war das Katzenthier da wirklich das letzte Restchen Liebe, das sie erhoffen konnte.Ihm grauste. Und sie hatte gefürchtet, daß er. feine Kraft mißbrauchend, ihr dieses letzte Restchen Liebe noch entreißen werde. Nein, alte Katzenmutter. so weit war er noch nicht. Er war noch jung, er hatte noch die Kunst, ihm war ein rothes Katzenthierchen noch nicht Alles . . . .Noch fühl' ich in mir Hoffnung. Muth und Kraft", sagte er und ging mit raschen, elastischen Schritten nach Hause zurück, während die Alte mühsam, im Zickzack, in ihr Dachkämmerchen hinaufholperte. Im nächsten Jahre hatte der Maler mit einem Bild: .Zwei Einsame-, dauernden Erfolg. Die alte Katzen mutter mit dem rothen weißgesternten Kopftuch aber hat er trotz aller seiner Mühe nicht auffinden könnnen. Die ruht vielleicht schon auf dem Armen friedhof, ihr rothes Kätzchen, seine? Freiheit froh, streicht zierlich Nachts durch den gluthheißen Königsgarten. In den Dlamaiitcnminen. Der gesammte Diamanten-District in Süd-Afrika ist mit einer hohen Steinmauer eingefriedigt, welche Nie mand übersteigen darf, ehe er auf's Allersorgfältigste visttirt- worden ist. Innerhalb dieses Steinwalles befinden sich 10.000 Reger, welche für eine Zeit. J3eri$t von sechs Monaten zur MiVerarbeit engagirt worden sind. Ihre Hauptnahrung besteht aus Maismehl, während ihr Lohn 50 bis 60 Cents pro Tag beträgt. Diese Neger kommen oft 600 bis 1000 Meilen weit- aus dem Inneren und werden von ihren Häuptlingen bei Todesstrafe zu denDiaman. tengruherr cymmandirt. Der Minenqgent zahlt, natürlich dem Häuptling ein hüuIcheL Kopfgeld pro. .Vtgg5r"'

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6o.

es bttibk dem armen Neger Zeme Wahl als Gehorchen. Befindet sich der Aermste innerhalb der Riesenfestung, so ist ihm jede Möglichkeit des Entkommens abgeschnitten. Er muß arbeiten und arbeiten, gehetzt wie ein Hund, und gräbt darauf los, bis die fechs Monate abgelaufen sind. Dann wird er abgelohnt, und die ganze Stammesgenossenschaft marschirt in geschlossener Colonne durch die Wüste heimwärts. Freilich bleiben Viele an Entkräftung und bösen Krankheiten auf jenemStück Feld, auf dem man die Todten außerhalb der Mauer begräbt. Sehr selten sieht man einen Schwarzen zum zweiten Male auf dem Minen District, und zwar aus guten Grün den. Mit dem verdienten Lohne kann er sich nämlich verschiedene Frauen kaufen, manchmal vier bis fünf. Ein Neger, der drei bis fünf Frauen sein eigen nennt, braucht bis zu seinem Le bensende nicht mehr zu arbeiten. Er ist dann ein .Gentleman-; seine Weiber müssen die Arbeit verrichten, während er zu den .Prominenten" seines Stammes zählt. Ueber die inneren Vorgänge in den Minen dringt nur wenig an die Öffentlichkeit. Jeder Zugang wird auf das Sorgfältigste durch Detectives bewacht, während ein Fremder, der sich in der Umgebung des Districts zu schaffen macht, Gefahr läuft, unter der Anklage .gestohlene Diamanten gekauft zu haben," mit Gefängniß von 5 bis 15 Jahren bestraft zu werden. Vor einigen Jahren war der Handel mit gestohlenen Diamanten dermaßen im Schwünge, daß die Eigenthümer der Minen wahrhast drakonische Gesetze gegen die Defraudanten erwirkten, woraus sich die Diebstähle bald sehr verminderten. In der guten, alten Zeit. Die alten Parolebüch?r der Berliner Garnison zur Zeit Fricderichs des Großen enthalten mancherlei Ergötzliches auch sind sie bezeichnend für den' Geist und die ganzen Verhältnisse der Zeit. .Das erste Bataillon-, lautet ein Befehl vom 19. Mai 1752, .mit leinenen Hosen und weißen Stiefeletten auch gut gepudert. Das zweite Bataillon mit schwarzen Stiefeletten und tuchencn Hosen. Diese sind nicht gepudert. Daß Keiner besoffen kommt, bei Strafe des Gassen laufen!" Ein anderer Ve sehl vom 25. April 1780 lautet: .Einige Herren Offiiziers und die meisten Unterosfiziers, müssen sich durchaus abgewöhnen, wenn sie Züge führen, daß sie nicht so viel mit die Hände wehen. Die Herren Offiziers, so heute geweht haben, möchten sich selbst korrigieren und ins Künftige sich bessern." Am 10. März 1783 heißt es: .Die Unteroffiziers auf den Wachten, nebst den Gefreiten und Schilöergästen müssen sehr genau Acht haben auf die großen Frauenzimmer, damit sich kein Soldat verkleidet herausschleicht." Am 7. Oktober 1751 heißt es: .Wenn Lärm oder Schlügereien in den Gassen und Wirthshäusern vorfallen, so sollen die Patrouillen allen? arrctiren. und wenn auch des Prinzen vou Preußen TomestiqueS mit dabei wären." Zur Aufrechterhaltung der Mannzucht bestand noch das Spießruthen oder Gassenlaufen. Ter Schuldige, mußte.mit entblößtem Rücken durch die aufgestellte Gasse seiner Kämeraden gehen, deren Jeder, mit einer Ruthe versehen ihm einen Hieb gab. Das geschah bei Trommel-und Pfeifen klang,, dessen Melodie die Soldaten den Text untei gelegt hatten: .Warumbist du fortgelaufen? Darum mußt du Gassen lausen, Darum bist du hier!" Die Liebe hat ihre eigene Mathmatik: . Zwei Herzen sind einZ.