Indiana Tribüne, Volume 20, Number 321, Indianapolis, Marion County, 8 August 1897 — Page 3
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Armo Thea! Berliuer Eomcm von Audohy Stratz. (8. Fortschuug.) Nicht ohne Mühc entfernte er ihn aus Um Kreise der Eatilmarier. deren einer, wahrscheinlich um einen großen Schlag tu feiern, die ganze Gesellschabt mit allerhand amerikanischem Greuelzeug freihielt, un'd führte ihn durch das Lokal. Untertvegs theilte er ihm idaZ Ereigruft mit. Der alte Herr schien ganz fassungslos, als sie in's Freie zu Thea traton. Er sprach kein Wort, seine Augen waren faucht, die Wangen dunkel geröthet. Georg und Tk?a taulschten einen betrübten Blick. Kein Zweifel: Herr von Hoffäcke? hatte schon wieder stark gefrühstückt! Haben Sie's ihm denn auch ordentlich gegeben, Textor." fragte er dumpf nach einer Weile. Leider nicht genug!" Oh doch!" unterbrach ihn Thea . . schrecklich war's! Mi? schaudert, wenn ich daran denke!" So ... hm ..." der alte Herr mandelte schwerfällig miPchiun die Linden hinunter . . . nun, . . . dann können wir ?a jetzt spazieren gehen!" Das konnte man allerdings! Fü? den Frecherm war die frische Luft auch jedenfalls gut. Thea schob chren lrm in seinen, wie um sich von ihm führen zu lauen, und stützte ftine zittrigen Scbritte. Georg ging nebenher. Zuweilen sahen sie einander stumm an. Wie wird das nun werden?" lasen ft aus ihren Blicken. Wir beide sind jung und stark! Wir schlagen uns zur Noth durch' Dasein. Aber diese Ruine von einem Menschen zwischen uns . . . wie sollen wir auch die noch retten?" Es war ein schweigsamer Spaziergang durch die sommerlich -grünenden, vielfach geschlängelten ThiergartenPfade. Man hätte ja nur über die eine Frage sprechen können: Wovon werden wir n.urf weiter leben?" Und gerade auf .diose Frage fand man im Thiergarten keine Antwort. Denn die Menschen alle, denen sie hier in diesem vornehmen Walve des Westens begegneten, die hatten zu leben! -Offiziere von Kriegsakademie und Generastab, junne und alte Dandies zu Psti, greise Millionäre in Rollstühlen, die Familie und den Lieblingshund um sich. Schwärme sorglos spielender Kinder, eilfertia den Park durchquerende Geschäftsleute, promenierenven. Damen, denen im -Schritt die Ecrurpage folgte, die Gesellschafterin neben sich . . . ach ja . . . diese Leute waren satt und würden morgen satt werden und in vier Wochen auch, wogegen sie Drei in vier Wochen vielleicht den letzten Thaler sich wehmüthig als ein Kuriosum von Hand zu Hand reichten, ehe sie ihn und gewiß auf recht unvernünftige Weise ausgaben! Diese Betrachtungen stimmten sie rieder. In stillschweigendem Einverständnifc drebten sie endlich um und wanderten an den prunkvollen Villen der Thiergartenstrae entlang wieder der Mauerstraße zu, o're Georg und Th?a vor etwa zwei Stunden verlassen. Pfui . . . wie häßlich und kahl war das alles, wo man eben noch Luxus und Glanz, wenn auch nur von außen, aes5'Mt. Aber Thea war nicht gewillt, sich entmutigen zu lassen. Da hat er gelegen und mit den Beinchen gezappelt . . ." sagte sie befriedigt, auf die mit ein paar kleinen Alutspritzern bedeckten Dielen des Nedaktionsraumes zeigend . . . ich erzähle Dir noch, wie alles kam. Papa! Ich will nur erst Hut und Hanidschu'h . . ." Sie blieb sprachlos an der Thüre ihres Zimmcrs stehen. Das Zimmer war lcer! Völlig Utxl Nur in der Ecke ihre zwei .offerchen, die paar Kleider und sonstigen Efenkten unordentlich hinein- und darüber gelegt, sonst die vier kahlen Wän&! Sogar die Gardinen fehlten! Und in den Vorderräumen, in die st: fafsungslos zulückkehrte, waren die Fenstervorhänge -auch weg. Darum waren
ihr die Zimmer beim Eintreten so angenehm hell erschienen. Auch der groß: Lehnstuhl und zwei der anderen Stühle waren verschwunden. Außer dem Ne'oaktionstisch. dem Papierkorb und dem Bett des alten Herrn war fast nichts mehr da. Und die Küche? Aölliq ausaeräumt! Al.'f der Kochmaschine, deren Feuer tu losch lac-en. eine alte Zeitung als Unterdes. 'ihre Einkäufe für das hsutiae Mittaamvchl. Und kein Glas, kein Teller, nichts m.br zu sehen. Ja . . . was fy't 'denn das?" murmelt: sie mit tonlose? Stimme. Frau Kautz, bi Schusterfrau von unten, war heraufgekommen. Sie hat sich nicht halten lassen!" berichtete sie . . . ws nämlich die frühere Haushälterin hter war. Vor 'ner Stunde kam sie angerückt ... mit 'ner Fuhre und zwei Männer dabei ... ihr Onkel . . . gkoob' ich . . . und noch eener . . . und wie 'ne Furie 'ruff in die Zimmer . . . und fort mit dem Zeug! Was ihr gehöre, das nehme sie mit . . . sagt' sie . .1 . und das könnt ihr nicht passen, sagt! sie. hier auf einmal 'rcrusgeschmissen zu werden . . . wegen der Tochie? . .' . und 'nen Gruß . . . und sie zöge zu? 'nem Doktor in der Vrunnenstraße! ." Das ist 'ne nette Geschichte!" sagte Georg. ' Ja. lieber Jott!" Das Schusterweib zuckte die Achseln . . . . . . so übel tonnen Sie das der Fra ü nicht nehmen! Wenn man nu 'mal seine schöne eigene Wirthschaft hat . . . dt paßt nicht jedem. dann einfach 'ne? fremde Dame varin wohnen zu lassen ..." Sie blickte im Wegehen verstohlen und etwas mißtrauisch! nach Thea. Aber die war nicht mehr im'. Zimmer.
Hinten in dem kahlenGemach kauerte sie auf einem ihrer Kofferchen und starrte trostlos vor sich hin. Wo waren nun Qlle Hoffnungen und Pläne geblieben? Wie schön hatten sie sich das gestern beim letzten Glase Sekt ausgedacht, hier zusammen zu arbeiten und zu hauscn. Nu,n war das alles vorbei. Und sie war daran schuld! Sie allein! Wegen ihr war die Haushälterin mit Sack und Pack davongegangen unid hatte den altenHerrn hilflos zurückgelassen. Wegen ihr hatte es den Streit mit Steinlein gegeben, durch den Georg die eben gewonnene Stellung und ihr Vater sein letztes bißchen Brod verlor. Und sie hatt: es doch so redlich gemeint! Sie war überzeugt gewesen, eine gute That zu begehen, als sie das Telegramm ihrer 'Verwandten unbeantwortet ließ, um mit dem armen, alten Manne drüben Mühsal und Noth zu theilen. Und nun war sie für ihn nichts als ein Bleigewicht, das ihn noch tieser und tiefer hinabzog. Heiße Thränen liefen über ihreWangen. Wo blieb da die Gerechtigkeit der Welt? Hätte sie denn etwa ihrem Vater kaltblütiq wieder den Nücken kehren sollen und herzlos in das warm: Nest in Posen zurückschl'üpfen mochte aus dem Greise w?den. was da wolle? Nein! Sie verließ ihn nicht! Sie stand auf und trocknete ihre Thränen. Er follte sie ja nicht weinen sehen! 'Dann zerrte sie ihr Köfferchen über den Flur in das Vorderzimmer, wo es ja jetzt an Sitzgelegenheit mangelte, und zwang sich, während sie die Thür aufklinkte, zu einem sorglosen Lächeln. XI. Der Freiherr saß auf dem letzten, übrig gebliebenen Rohrstuhl, Georg rit.'lings auf da Ecke des Rttaktionstifches. Er klappte mechanisch die große Schere auf und zu. während der An-
dere rauchte und stumpf vor sich hinsah. Herrn von Hoffäckers Gesicht, hatte dabei eine unheimliche Röthe gewonnm. Er athmete schwer und fuhr sich zuweilen, wie um trübe Gedanken zu verscheuchen, mit der Hanld über die Augen. Thea hatte sich vor ihnen auf das Kmerchcn am Beton hinaehockt. Es zuckte um ihre Mundwinkel. Wie hieß doch gleich der alte Herr? . . fragte sie melancholisch. ...... der auf den Trümmern von Karthago saß? . . , so komm' ich mir jetzt auch vor!" Ihr Vater seuifzte n.ur zur Antwort und sie schaute besorgt aus ihren dunkelglänzenden Augen zu ihm empor. Was hast Du nur, Papa? . . Du sichst so erhitzt aus!" Herr von Hosfäcker machte eine adwehrende BoweguNg mit ider Hand: Ein bißchcn Schwindel, liebes Kinv! ... Das hab' ich in der letzten eit häufig! ... und in den letzten Tagen ist zu viel über mich gekommen! Ich bin ein kranker, alter Mann . . . ich kann die Aufregungen und Erschütterungen nicht mehr vertragen!" Sie war aufgestanden und streichelte seinen Graukopf. Und ich bin daran schuft, Pa,pa!" klagte sie leise. Der alte Herr schüttelte das Haupt: Du meinst es ja so gut, mein Goldkind! Aber es tam eben alles zusammen . . . Der gräßliche Austritt mit lder . . . der Person . . . meiner Haushälterin . . . heute Vormittag ... Du weißt nicht, was sie mir alles gesagt . . und ich mußt' es anhören! denn es war wahr: und das Unglück mit dem Steinlein . . . und das Pech gestern beim Nennen . . . und die ausgeräumte Wohnung . . . und die Sorge um die ZuZunft . . Thea warf den Lockenkopf zurück. Nur nicht den Muth verlieren. Papa!" tief sie mit Heller Stimme. Da alles hat mich auch nicht so getreffen!" Der alte Herr schaute trübe vor sich hin ....... als daß Du hast aus meinem Mund erfahren müssen, wie es um mich steht! . . . schau . . .. ich bin ja ein elendes Wrack!. . ich leb' ja nicht mehr lange Aber für diese letzte, kurze Spanne Zeit, da war es mein Trost und meine Hoffnung, daß Du an mich geglaubt hast! Alle andern Menschen hafte mich verachtet und gemieden Du aber wußtest nichts davon! Deine Briefe waren wie sonst. Für Dich war ich noch der mekcllöfe Edelmann von einst. . Durch Dich lebte ich wieder in der Vergangenheit..wenn ich Dein liebes krauses Geschre.ibsel las . . . und daß nun auch das in Trümmern ist . . . das hat mir den ärgsten Stoß gegeben. Seit vorgestern Atod seh' ich immer einen schwarzen Schatten vor den Augen . . viel mehr wie sonst . . . und es ist mir so bang zu Muth ... so bang . . ." Sie beugte sich über ihn und küßte ihn. Du hättest "heute auch nicht so schwere Sachen trinken sollen!" zagte sie ängstlich ... . . . ich Hab's woh! ceseben! . . . unid an einem so heißen Tage wo Dir das Vlut ohnedies so zu Kopf steigt . . Fre'lich!" murmelte der Alte . . . . . freilich! . . . Es hat mir auch gar nickt gut gethan. Mein Herz klopft zum Zerispringen . . . aber jetzt ist's i spät! Da pochte es und Thea schöpfte ins Nebenzimmer. Ein großer, wohlbeleibter Mann mit Kimbern Vollbart und goldenem Zwicker erschien auf der Schwelle und trat ohne weitere Umstände ein. Darf ich Ismen den Hut vom Kopfe schlagen. Herr Grunäus?" fragteGeorg gleichmütig vom Redaktionstisch her ....... oder ziehen Sie s vor, ihn selbst abzunehmen?" Der Aesucher warf einen boshaften Blick auf den kleinen, sehnigen Sportsman, den er arm Haupteslänge überragte. Schelte verächtlich und entledigte sich seiner Kopsbedeckung. . Ich bin im Auftrag des Herrn Steinlein hier, um Ihnen, Herr von
Hoffäcker, vor Zeugen ..." er roreS aus den hinter ihm au'fgetauchtenHerrn von Lenski. . . . Ihre sofortige Kiindi gung zu übermitteln. Mit Ihrem GeHalt sind Sie ohnedies ein Vierteljahr im Voraus. Sie haben also nichts weiter zu beanspruchen! . . . Sie, Herr Tertor, waren überhaupt noch nicht engagiert . . Wie geht es denn unserem Freunde Stiinlem?" erkundigte sich Ge.org. Brauchen also auch -nicfjt erst an die Luft gelsetzt zu werden!" ergänzte Grunäus. Was!" Georg alitt vom Tisch herunter . . . w.is ist das für ein Ausdruck?" . Herr GrunVus sprang eilig zurück und machte den Versuch, seine massig: Gestalt hinter dem hageren Buchmacher zu verbergen, de: mit finsterem Lächeln in die Hosentafche fuhr. Der Griff ei nes 'Dolchmessers blitzte einen Augenblick daraus auf. Georg sah den zähnefletschenden Desperado und den blondöärtigen Feigling dahinter an und lachte. Zwei Tickte Brüder!" wandte er sich zu dem Freiherrn. Der alte Herr hatte wüthen'd den von Grunäus auf den Tisch gelegten Brief zerknittert. Hunde sind es!" stieß er keuchend hervor . . . Bestien sind es! Todtschlagen sollt' man sie alle zusammen! Aber nein . . . lre laufen frei in Berlin herum und genießen den Schartz der Gesetze. . Gott . . . schimpfen Sie doch nicht!" sagte Lens'ki verdrießlich ... . . . geben Sie lieber die Neidaktionspapiere beraus!" Und da der Andere keine Miene dazu machte, so öffnete er selbst die Schublade uind entnahm die anonymen Zettelchcn und das sonstig! Material des Paprikas Grunäus aber hatte wieder Muth geWonnen. Sie werden schon sehen . murmelte er und sein bärtiges Faungesicht verzog sich zu boshastem Hohn ....... Sie werden schon sehen, was das heißt, wenn wir Jemanden in der
Mache haben! 'Sie auch, mein verehrter Herr Tertor! Sie beide bringen Wir sch?n noch um! Das ist wahrhastig kein Kunststück ..." Wie bringen Sie uns .denn um?" fragte Georg neugierig. Sie werden's ja erleben!" läckelte der blon'obärtlge Mann cynisch .... ,. . . warum machen Sie sich auch den Steinlein zum Todfeind? Jetzt hetzt er Sie durch ganz Berlin bis in die Spree hinein . . . oder an 'nen dürren Ast im Grunewald! Und hat ganz Recht! Wer sich so gegen seine Freunde benimmt, der darf sich nicht wundern " Herr von Hoffäcker saßte mit wüthendem Griff Georgs Arm. Sein Gesicht war blauroth gedunsen. Dies Gerücht!" stöhnte er, von Grimm geschüttelt ... . .. . dies erbärmliche. scheußliche Gezücht! Das ganze Leben zerstört es einm ... in den Schlamm zieht es einen nieder und saugt das Mark aus. den Knochen! Und wenn man dann zertramvelt im Koth liegt, dann höhnen sie einen noch . . . Kanaillen!" brüllte er plötzlich los, daß die Männer unwillkürlich zurückfuhren und Thea erschrocken aus dem Nebenzimmer kam . . Kanaillen . . Kanaillen . . ich bring Euch noch um . . laßt Euch nur vom Schutzmann auf der Straße bewachen . . ." ein heiseres Heulen drang aus seiner Brust ... ..... ich erwürg' Euch doch und sage dem Nichter: das haben diese Menschen aus mir gemacht . . . bestraft mich . . . aber schlagt auch meine Verfolger todt wie tolle Hunde ... sie verdienen' . . . sie verdienend! ... das sag' ich . . . ein verlorener Mann ... sie verdienen's! . . ." Kommen Sie!" murmelte Lenski finster zu dem Andern. Sie gingen. Au? der Treppe drehte sich Grunäus noch einmal um. Mir haben Sie ja schlien'ich nichts gethan!" rief er zu Georg hinauf ... . . . . also als gutmüthiger Mensch rath' ich Ihnen: lassen Sie Verlin so rasch wie möglich fahren! Wo Sie oder der Alte etwa eine Stellung bekommen, da ist doch am nächsten Moraen der anonyme Brief bei Ihrem Brodherrn: Sie beschäftigen einen vorbestraften Wechselfälsche? und einen ehrlos entlassenen Offizier!" . . . na . . . und dann sitzen Sie doch wieder auf dem Vflaster . . Mahlzeit!..." Drinnen im Zimmer mühte sich Thea um ihren Vater, der schwerathmend und am aanzen Leibe zitternd in den Stuhl gesunken war. Die Zornthränen liefen ihm aus den Augen, seine Lippen lallten abgerissene Worte. Aber so beruhige Dich doch nur . flehte sie ... . . . Es geschieht ja noch ein Unglück, wenn Du Dich so aufregst . . . . Du siehst ja aus. daß man sich erschrecken kann!" Endlich wurde der alte Herr denn aucb wieder rubiacr. Er versuchte aufzustehen, der ein Scrwtndelansall zwang .ihn wieder auf den Sessel zurück und er legte die unsichere Hand über die Augen, während Thea mit angstvoll zusammengepreßten Lippen dianeben stand. , So ins Georg die Beiden, als t vom F!ur zurückkam. Noch eine Neuiakeit!" saate er und warf finster den Cigarrenstummel in die Ecke . . , . . . der Bengel aus der WildpretHandlung meldet mir eben, in unserer Abwesenheit hätte sich .der Gerichtsvollzieher wie'der nach Ihnen erkundigt. Die Haushälterin zog gerade aus und !ieß ihn nicht an ihre Sachen. Nun wollt' er am Nachmittag wiederkommen!" Der Gerichtsvollzieher!" der FreiHerr schnellte bei dem bekannten Namen aus und diesmal gelangte er wirklich, wenn auch schwankend, auf die Beine. Rasch. Thea . . . packe Deine Siebenfachen zusammen! . . ich besorge unterdes irgendwo für Dich eine Wohnung! ... ein möbliertes Zimmer natürlich! Denn in ein Berliner Hote5 kann man ein junges Mädchen nicht allein brinaen!" ' . . . ,
' Aber das eilt doch nicht so. Papa? Du wirst doch nicht jetzt gerade um die
Mittagshitze und nach der Aufregung die Treppen herauf- und herunterfiel- ' gen. um mir ein Unterkommen zu suchen?" Und der Bandit?" knirschte Herr von Hosfäcker und bürstete in eilfertigem Sch'wung den hechtgrauen Cylinder aus . . . Du weißt schon, wen ich meine! Vorgestern hat er schon seine schmierige Klaue auf Deinen Koffer gelegt. Für heute Mittag hat er sich wieder angemeldet und macht es gerade so! Er mimmt uns einfach Deine Sachen weq! oder sollen wir wieder Schmuck versetzen? Wir brauchen unser bißchen Geld nöthiger, als um es demGerichtsvollzieher in den Nachen z,u werfen. Die Koffer müssen weg, ehe er kommt ... das ist -dock klar!" Aber ich lasse Dich nicht gehen." sagte Thea angstvoll . . . . . jetzt nicht!" Das kann ich ja doch besorgen!" rief Georg fast gleichzeitig. Sie?" Herr von Hosfäcker drehte sich die grauen Favoris zur Seite und gab der Kravatte den richtigen Sitz . . . Ich möchte cs einmal sehen, wenn Sie für eine solide, junge Dame Zimmer suchen! Kein Mensch glaubt Jhnen das! Sie wissen doch, wie man in Berlin ist! Wenn da nicht ein achtbarer, alter Herr erscheint nun ..." er wandte sich zum Gehen . . '. . . . . in einer halben Stunde bin ich wieder da!" Thea hielt seine Hand fest. Bitte . . . bitte. Papa!" drang sie in ihn . . . . . gehe jetzt nickit ... mit dem hochrothen Kovf und in der Hitze! Thu's um meinetwillen nicht! . . ." Ich gehe!" widersprach der alte Herr eigensinnig . . . ich muß gehen! . . gerade um Deinetwillen!" ... Er küßte sie zärtlich auf die Stirne . . . . . . ich werde schon ein Nestchen für Dich aussinidig machen ... bei guten Leuten ... die freundlich zu meinem Goldkind sind ... ich lasse mir die Mühe nicht verdrießen . . . und wenn ich zwanzig Wohnungen ansehen muß . . . also auf nachher . . . Ihr Liöben! . . . auf nachher!" Thea hörte, wie er langsam und zitterig mit dem Nohistock tastend die Treppe hinabstieg, und brach in Helles Weinen aus. Sie wußte selbst nicht, wavum. Dann schlich sie in ihr Zimmer hinüber und begann, am Boden knieend. traurigen Gesichts ihre Sachen zu packen. Georg 'wußte nicht, wie lange er schon allein und rastlos durch den halbleeren Geschäftsraum des iprika" gcscbritten war. Er langweilt sich. Beinahe hätte er gewünscht, daß der GerichtsVollzieher käme! Das war doch eine Abwechselung, den pflichttreuen Mann vergeblich alle Winkel durchforschen zu sehen! Und vielleicht konnte man von einem so vielerfahrenen, in stetem Verkehr mit gescheiterten Existenzen lebenden Menschenkenner einen nützlichen Wink darüber erhalten, was man in einer Lage wie der jetzigen am besten anfangen solle. Aber die leichten Schritte, die jetzt über den Flur glitten, konnten von keinem preußischen Beamten herrühren. Thea trat ein. Sie sah blaß und ängstlich aus. Es ist schon andertbalb Stunden, daß Papa weg ist!" sagte sie leise. Georg zuckte die Achseln. Er findet wohl nicht so bald etwas Passendes!" Sie seufzte. ..Wenn ich daran denke, daß er jetzt wegen mir sich die arge Mühe macht! . . . Sie wissen ja, wie schwer ihm das Treppensteigen fällt! Ach ... ich komme mir ganz schlecht vor! ... ich hätte ihn begleiten sollen, statt die Koffer zu packen!" Er hat Sie absichtlich nicht mitgenommen!" erwiderte ihr Freund. . . . warum denn?" Weil Sie verzeihen Sie das Harte-Wort viel zu hübsch sind! Das erregt in Berlin sofort Verdacht! Darin hatte er ganz Recht!" Sie sah ihn groß an. Ich verstehe Sie nicht!" Das ist auch nicht nöthig!" murmelte er und Beide verstummten. . M Jetzt ist wieder eine halbe Stunde verstrichen!" sagte Thea und trat bang ans Fenster . . . ich halt' es nicht mehr aus. Ich muß ihn suchen!" Ja ... wo denn ... um Gottes willen?" Das weiß ich nicht! Man muß eben durch die Strafen gehen!" Da hatten Sie in Berlin viel zu thun! Bleiben Sie nur ruhig. Thea! Es wiro schon nichts geschehen sein!" Das junae Mädchen rang die Hände ineinander. Das sagen Sie auch schon in einem so unsicheren Tone . . . ich höre Ihnen die Angst durch!" Sie sind nervös. Thea!" Der Sportsman lächelte ihr freundlich zu . . . . . . und wenn die Damen nervös sind, dann hören sie alle möglichen Dinge und bilden stch Gottweißwas ein . . ." Es ist keine Einbildung . . ." flüsierte Thea . . . Papa weiß, wie ich mich um ihn ängstige. Er hatte versprechen, in einer halben Stunde zurück zu sein .... und wäre gswiß gekommen, auch wenn er nichts fand . . . nur um mich zu beruhigen . . ." Na . . . schließlich wird er schon kommen!" Thea erwiderte nichts und wieder trat ein banges Schweigen ein. . Da krachten schwere Tritte auf den Treppenstufen. Die beiden fuhren auf. Nein . . . das waren nicht die zitterigen Schritte ves alten Serrn. Hart und dröhnend stieg es hinauf . . langsam . . . unendlich langsam kam das dumvfe Stapfen näher. Es ist etwas gescheben!" stammelte Thea. Nein." Seine Stimme klang zornig . . dann hätte doch unten ein Waaen ehalten!"
Jetzt hallte es auf dem Flur und klopste. Die Thür öffnete sich. Sie starrten darauf, als sollte ein Gespenst in ihr scheinen. Ein Schutzmann stand auf der Schwelle, eine Visitenkarte in der Hand. Gutentag!" sagte er wohnt hier ein Freiherr von Hosfäcker?" Allerdings!" Georg war mißtrauisch ... . . . aber zu Hause ist er nicht!" Ja ... das weiß ich . . der Schutzmann räusperte sich ...... . wir fanden nämlich seine Karte bei ihm und da ging ich her . . Sie sind ja doch wohl seine Angehörigen!" Thea stürzte aus ihn zu. .Was ist geschehen?" stammelte sie. Na . . . nur Muth . . . Fräulein . . . 's ist nicht so schlimm! . . . dem Herrn Baron ist ein bißckn schlecht geworden. Er ist bei der Glüht zu rasch die vier Treppen hoch gestiegen, um sich ein Zimmer anzusehen . . . sagten die Leute in dem Haus . . . und da fiel er eben hin . . . und blieb auf der Stiege sitzen . . . und wir vrben ihn auf alle Fälle in's Krankenhaus gebracht . . ." War er bewußtlos?" fragte Georg. Ja . . . das schon!" Und der Arzt . . . halben Sie den nicht gesprochen?" .Freilich!" Und was sagt er?" Der Schutzmann warf einen mitleidigen Seitenblick aus Thea. Das ist so eine Sache!" meinte er öaernd . . . . . . der Doktor sagt, es sei wohl ein Schlaganfall . . . aber erschrecken Sie nicht ... der Herr ist ja noch am Leden!" Wo?" Thsa war wie versteinert vor Entsetzen. In der LUtzowstraße!" Gleich hier um die Ecke finden Sie Droschken!" Kommen Sie!" Georg riß Thea mit sich. Sie stürzten die Treppe hinab und langsam folgte inen der Schutzmann. XII. Wie sie tn das Krankenhaus gekommen, das wußten sie kaum. Aber da stiegen sie die Steinstufen hinauf, vorbei an geräuschlos huschenden Schwestern, an Ne-konvaleszenten aus dem Volke in gestreiften Leinwandkitteln, und anderen Menschen, die alle so gleichgiltig und theilnahmws aussahen, als sei heute gar kein besonderer Schreckenstag für die Welt. Und da war 'der Gang mit en Zimmern der ersten Klasse. In seinem Halbdunkel ein junger Arzt in gedämpftem Gespräch mit ein paar Diakonissen. - Herr Baron Hoffäcker?" er wandte sich freundlich, aber sehr ernst zu Georg ....... Die Herrschaften sind Verwandte des Patienten?" Ich bin nur ein Freund des Hauses. aber hier ist die Tochter!" ... O ... die Tochter . . ." Ein beinahe unmerklicher Augenwink des Arztes, der Georg einen dumpfen Verdacht einflößte und eine der Schwestern trat unausfällig hinter Thea. Wie um sie zu stützen stand sie phlegmaiisch da. Wie geht es meinem Vater?" flüsterte Thea. Er war bewußtlos, als man ihn brachte," erwiderte 'der Arzt langsam und er ist es aeblieben!" .Bis jetzt?" Bis jetzt!" So wird er mich nicht erkennen?" Er wird Sie nicht erkennen, mein gnädiges Fräulein . . ." Der junge Mann sprach leise.'wi: zu einer Kranken . . . auch in Zukunft nicht . . . Seien Sie stark . . . Sie müssen es ja erfahren ..." Die Schwester trat noch näher und legte sans! ihren Arm um Thea. Sie kommen zu spät! Vor einer Liertelswnd: wars vorüber!" : " Das waren nicht mehr die röthlich gedunsenen Züge des jovialen Jndustrieritters. die sich da reglos von dem Weiß der Kissen abzeichneten. Der Tod hatte seine starre Majestät darüber gebreitet Ein Edelmann lag da das strenge, vornehm geschnittene Gesicht nach oben gewendet, einen herben Zug um den bleichen, von den grauen Bartsträhnen beschatteten Mund, die Hände gottergeben über die Brust gefaltet. . So mochte wohl im Lauf der JahrHunderte manch ein Hoffäcker am Abend der Schlacht auf grünem Rafen. zwischen Vlut und Leichen geruht und aus erloschenen Augen zum Himme! ausgestarrt haben so mochte noch er selbst, der Kammerherr und Großgrundbesitzer in Rh:na. in der Erinnerung seiner einstigen Freunde weiterleben. Schattengleich gingen diese Gedanken Georg durch den Kopf, wie er so dasaß und unverwandt auf den stillen Mann in dem Bette scheute, vor dem in lautlosem Schluchzen der schlanke Mädchenkärder kniete. Es dämmerte schon stark. Die Oberschwestkr ides Ganges stand neben Georg. Sehen Sie ooch. daß S'e das Fräulein jetzt wegbringen . . raunte sie wir haben ja noch Manches mit 'dem Todten zu thun ... und vas Zimmer muß auch wieder in Ordnung kommen ... es kann ja jeden Augenblick wieder Jemand eingeliefert werOen . . . das reißt bei uns nicht ab . ." Er hob Thea sanft empor. Wir wollen jetzt gehen . ." flüsterte er ihr rn's Ohr ....... bis morgen früh, Thea ..." Sie schüttelte stumm das verweinte
Kopfchen. Sie wollte dableiben . . . bei dem armen, alten Papa . . . Aber als er sie mit sanfter Hand in die MM des Zimmers führte, merkte er. daß sie nur wenig widerstrebte. Sie war wie gebrochen. Willenlos hing sie sich an ihn und ließ sich von'ihm, nach einem letzten verzweifelten Schluchzen und Küssen des Verblichenen, hinaus- ' führen.
Draußen, im Vorgarten des Spi-
! ials. blieb sie stchen und schaute zu den Fenstern hinauf. Nun bin ich ganz allein . . sagte sie leise. Ihr Freund zog sie an sich. . Nein . . . Thea . . . nein . . . sprach er und streichelte sanft ihre in seinem Arme ruhende Hand, während ; sie der Droschke zuschritten, die, von dem Portier besorgt, am Portal wartete ... . . . nicht allein . . . ganz gewiß nicht ... ich bin bei Dir . . '. I und ich bleib' bei Dir und verlaß Dich nicht . . Du warst za sein einziges Kind . . . Du hast nie einen Bruder gehabt .... aber jetzt hast Du einen! . . . einen guten, treuen Bruder, der es von Herzen redlich mit Dir meint . . . glaubst Du's? Thea dann gieb mir die Hand und sag' auch Du" zu mir, damit ich weiß, daß ich Dein Bruder sein darf . . ." Sie erwiderte nichts. Aber er sah, wie ihre Hand die seine suchte, während sie vergrämt zu Boden sah. und er fühlte ihren langen, dankbaren Druck ..." Der Kutscher griff, des Befehls gewärtig. an den Hut. Ja . . . wohin nun? . Am besten ist es." sagte Georg halblaut ... ich fahre jetzt mit Dir in ein Hotel, vielleicht in's christliche HospiZ . . Sie machte eine abwehrende Bewegung. Nicht allein! . . ." flüsterte sie schaudernd ....... um Gotteswillen nicht allein diese Nacht! ... ich fürchte mich!" Ja . . . aber wie soll man denn sonst . . . ?" Ein Gedanke erfaßte ihn. Nach der Mauerstraße 107." beorderte er den Kutscher, und der Wagen fuhr davon, nach der verwaisten Wohnung des alten Herrn. Dort werden wir schon ein Nachtquartier für Dich herrichten!" Georg faßte wieder im dämmerigen Innern des Coupees ihre Hand ... . . . hinten in Deinem leeren Zimmerchen! Und ich bleibe die Nacht über in der Vordersiube und brenne Licht und lese in einem Buch! Dann weißt Du, daß ich Dir nahe bin. und hast keine Angst . . nicht wahr. Thea? . . ." Sie nickte und sah ihn dankbar aus ihren feuchten Augen an. Eng aneinander geschmiegt fuhren sie zusammen in das Gewühl der Weltstadt hinaus, während hinter ihnen das Krankenhaus im Schatten der Nacht versank. (Fortsetzung folgt.) I n der Familie d c s 57jährigen Schlossers und Hauseigenthllmers Emil Nöß in Mülhausen im Elsaß kam es wiederholt zu unliebsamen Auftritten, wobei sich die drei erwachsenen Kinder stets auf die Seite der Mutter stellten. Zu cn solchen Scene kam es auch jüngst wieder. und zwar gerieth der Mann mit seiner Frau eines bunten Bandes wegen in Streit, welches sich der jüngste, 16jährige Sohn an dem Hut befestigt hatte. Die Scene endete damit, daß Mutter und Kinder den Vater fesselten und dann auf ihn losschlugen. Später ging der Mann nach dem Hofe und kehrte mit einer Axt bewaffnet in die Wohnung zurück; der jüngste Sohn nahm aus der Eommode einen geladenen Revolver und gab, als der Vater mit der Axt zu einem Schlage gegen ihn ausholte, aus unmittelbarer Nähe zwei Schüsse ab. Der eine ging fehl, während der zweite dem Bedauernswerthen in das Gehirn drang und seinen sofortigen Tod zur Folge batte. Der Vatermörder stellte stch selbst der Polizei. EineinteressanteEntscheidung hat in einer Hamburger Sache das Reichsgericht gefällt. Der Kaufmann W. Osten in Hamburg machte öffentlich bekannt, daß er auf Grund seiner Adoption durch den Grasen v. Bülow in Mecklenburg sich in Zukunft "v. Bülow" nennen werde. Infolge einer von dem Staatsminister v. Bülow angestellten Klage wurde dem Osten verboten, fernerhin sich v. Bülow" zu nennen. Osten wandte sich schließlich an das Reichsgericht, welches anerkannte, daß er sich wohl Bülow nennen könne, sich aber nicht den Adel durch die Bezeichnung von" Bülow zulegen dürfe. Es heißt in dem Erkenntniß: Die Adoption eines Bürgerlichen durch einen Adligen gewährt an sich nicht den Adel, weil seine Verleihung in den meisten Fällen ein Rc-. servatrecht derKrone ist, und die Adoption ein im modernen Rechte, weniger Familien- und Erbrechte, begründetes Institut ist. Es bedarf in diesem Falle also der besonderen landesherrlichen Verleihung des Adels." Ein Opfer des Aberglaubens ist der Bauunternehmer Sabouran aus Vzeure, einem Dorf in der Nähe von Poitiers. Allnächtlich vernahm man in seinem Hause seltsames Geräusch, schlürfende Schritte u. s. w., und bald flüsterte man sich zu. daß sein zwölfjähriges Töchterchen mit dem geheimnißvollen Wesen, das Niemand anders als der Teufel sein könnte, in Beziehung stände. Gelehrte, Aerzte und Zeitungsschreiber eilten herbei und einer der Letzteren brachte sogar eine Nacht im Zimmer zu, doch verhielt sich gerade damals der Teufel auffallend still. Der arme Sabouran aber, der bis dahin als eine der Hauptgrößen seines Dorfes gegolten hatte, wurde, seit seine Tochter an Halluzinationen litt, geächtet. Als er sich in der Nähe von Azeure niederlassen wollte, wurde er durch die Drohungen der Bauern gezwungen, weiterzuziehen. Auch in Poitiers wagte kein 5)ausbesitzer, ihn zu beherbergen, man glaubte die ganze Stadt der Strafe des Himmels auszusetzen, wenn man die verfluchte Familie bei sich aufnähme. So kamen sie nach Paris, aber auch in der Leuchte der Welt" wagte ihnen Niemand Unterkunft zu geben.
MrdkeFuW. Tomaten - Salat. Recht schöne, reife Tomaten wischt und trocknet man gut ab, schneidet sie in dünne Scheiben, nimmt die Samenkörner heraus und legt die Scheiben auf eine flache Schüssel, welche man vorher mit etwas Essig besprengte, streut reichlich Salz darüber, welches man mit zwn Prisen feinen, weißen Pfeffers mischte, träufelt auf jede Tomatenscheibe 5 6 Tropfen feines Olivenöl, fügt noch etwas Essig hinzu, schwenkt Alles gut durch und stellt den Salat 1 2 Stunden zur Seite. Beim Anrichten in den Salatschüsseln verziert man mit in Oel und Esstg angemachtem Kopfsalat oder mit Endivien den Tomatensalat. auch kann man abwechselnd eine Schicht hartgekochter, in Scheiben geschnittener Eier verwenden, man besprengt die Eier dann aber mit Oel und Essig. Hühnersouffle e. Von Ueberresten gebratener Hühner löst man das Fleisch, entfernt die Haut, wiegt cs fein und streicht es durch, worauf man es mit einigen Löffeln warmer, weißer Kraftsauce, einem Löffel geriebenen Parmesankäse, zwei Eigelb, Salz Pfeffer und 150 Gran zerlassener Butter mischt. Zuletzt giebt man den steifen Schnee der beiden Eiweiß unter die Masse, füllt sie in ausgepinselte, kleine Kästchen und bäckt sie etwa 20 Minuten bei gelinder Hitze. Diese kleinen Soufflees müssen sofort angerichtet werden. KalbsmilchIa Ojuü. Mehrere schöne Kalbsmilche blanchirt und häutet man, spickt sie zierlich, legt sie nebeneinander in einer Kasserolle, zertheilt einige Butterstückchen darüber und gießt so viel kräftige Bouillon darllber, daß die Kalbsmilche bedeckt sind. Man stellt sie 15 Minuten in einen heißen Bratofen und läßt sie gar und glänzend werden. Junge Erbsen kocht man indeß in Salzwasser, mengt ' sie mit Butter, wenig Salz und Zucker, richtet sie erhaben in der MUk einer Schüssel an und legt die Kalbsmilche kranzförmig herum. Gewickelter englischer Braten. Man nimmt dazu vom Schroanzstück. Man wäscht dasselbe, reibt es mit Salz ein, wickelt es fest zusammen und bindet es mit einem starken Bindfaden. Das Fleisch wird dann in einen genau passenden Tiegel aufwärts gestellt, zwei Finger hoch Wasser daran gegossen und fest zugedeckt, auch muß dasselbe zeitig zugesetzt werden, da es vier bis fünf Stunden braucht, bis es vollständig weich gebraten ist; dasselbe wird mit der eigenen Sauce öfter begossen. Prinzessinsuppe. Drei sch'öne Kalbsmilche werden blanchirt, gehäutet und in leichter Brühe weich gekocht, worauf man zwei davon wiegt und durch ein Sieb streicht, während man die dritte in Scheiben schneidet. In entfetteter Kalbfleischbouillon werden 3 Unzen geröstet, geriebenes Weißbrod verkocht, dann fügt man die mit fünf harten durchgestrichenen Eigelb verrührte Kalbsmilchmasse hinzu und schlägt die Suppe damit in kochend heißem Zustande. KleineBlumenkohlröschen hat man für sich in SalzWasser gekocht, sie werden nebst den Kalbsmilchscheiben in die fertigeSuppe gethan, die zuletzt mit etwas Eayenne. gewürzt und mit einem Glas Madeira abgezogen wird. FrischePfir sich eroval. Zwei Pfund Zucker kocht man mit einem Pint Wasser zu dickem Syrup. gibt 4 Löffel Citronensaft und 30 Gran Vanille hinein, läßt dies einige Zeit ziehen und schält nun zwölf reife Pfirsiche, eine nach der andern. Jede geschälte Pfirsich wird sofort in den heißen Zuckersast gelegt und zwei Minuten darin gelassen, dann mit einem Schaumlöffel herausgehoben, in eine Glasschale gelegt und eine neue Frucht im Zuckersast erhitzt. Wenn alle Pfirsiche fertig sind, kocht man denSaft dick ein. nimmt die Vanille heraus und gießt ihn über die Pfirsiche, die drei bis vier Stunden in Eis stehen müssen, bevor ste (unübertrefflich alsdann im Geschmack) servirt werden. Bohnensalat. Man nimmt zarte, grüne Bohnen, putzt sie, zieht die Fäden ab. schnitzt, wäscht und kocht sie in Salzwasser weich. Nun schüttet man die Bohnen auf einen Seiher zum Ablaufen und macht diesen Salat noch warm, mit Salz. Pfeffer, Oel und Essig an. Viele ziehen Bohnensalat mit Speck zubereitet vor. Kleine SpeckWürfel werden halbbraun gebraten und dann sammt dem ausgetretenen Fett anstatt des Oeles übergegossen. Kleine, einfache Kartoff e l k u ch e n. Man koche einen nicht zu dicken Griesbrei, reibe gekochte Kartoffeln (vom Tage vorher), vermenge sie gut mit dem Griesbrei und gebe etwas Salz dazu. Aus dieser Masse forme man kleine, längliche Kuchen, die man in Schmalz hübsch gelbbraun backt. Diese Kuchen kann man sowohl . zum Fleisch reichen als auch mit Compott als süße Speise geben; will man letzteres, so streue man beim Anrichten noch etwas Zucker darüber. Fischerschnittchen. Drei neue Matjesheringe werden gut gesäubert, aus Hart und Gräten gelöst, in etwa einen Zoll langeStreifen geschnitten und dann mit dicker Mayonnaise, die mit gewiegten, feinen Kräutern gewürzt wurdevermischt. Zierlich: Semmelscheiben röstet man. streicht die Heringsmasse gleichmäßig darüber und verliert die Schnittchen mit gehackter Fleischsul. Kapern und geriebenem, hartem Eigelb. Milderungsgrund. Richter: Sie geben also zu. den Geldspind des Bankier Meier erbrochen zu haben?" Angeklagter: Jawohl, der Geldspind - Fabrikant hat mich durch seine Reklame über die diebessicherenSpinde gereizt.' .
