Indiana Tribüne, Volume 20, Number 321, Indianapolis, Marion County, 8 August 1897 — Page 2

A!c Schwestern. Erzählung von E. M. Bacano. ' Di? alte Steghoferm im Traisenyraben saß in der Stube am FensterBrett und flickte ihre alte schillerseidene Sonntagsjacke. Die Steghoferischen, die Mirzl" und die Sopherl, waren auf der hölzernen Vorgallerie draußen und erzählten einander eben von dem Streit, den der Jägerkarl gestern Abend ivn Gruberwirthshaus mit dun Pascherrrazl gehabt haben sollte. frxt arg soll's hergegangen sein. Paß auf. Sopherl," meinte die Mirzl, die Zwei kommen noch einmal zusammen. Solche schenker einander nichts. Wenn nur dem Jagerharl nichts geschieht!" Sie wir: dabei ganz blaß geworden im Geücht und faltete die Hände üder dem Vrustlatz. Und die Sopheil sagte zitternd: 'Horst, mir ist so ängstlich und beklommen zu Mutb, daß ich's gar Niemandem sagen kann. Wenn man nur loiißr, was man thun könnt', damit der Jägerkarl nicht zusammenkommt ?nit dem Wildschützen!" Da warf die Mirzl einen ganz soi derbaren. fast zornigen, dunklen, erstaunten Blick auf die Schwester, und tl dauerte erne Weile, bis sie rrfqt sagte: 33a ist denn das? Ich glaub' gar. Du... Hörst, Sopherl, mir scheint, Du weißt gar nicht, daß ich und der, Jägerkarl Liebesleute sind, daß Alles richtig gemacht worden ist zwischen uns, daß er mir gehört?" Wie sollt' ich das nicht wissen?sagte die Sopherl blutroth im Gesicht und fast trotzig. Und was soll's denn nun weiter?" Nichts soll's weiter, als daß ich glaub', Du bist auck ganz vernarrt in ihn!" In demselben Augenblicke erschallte, dicht unter der'Gallerie ein 'lustiger Juchzer. Und wer war's? Der JagerkOil war's, und der war auf das aufgeschichte Holz am Hause gesprungen und rief: Mädeln, seid's da? Ich hab' Euch was zu sagen." Di: Beiden waren im Nu an Ge-

ländei und schauten so lustig, als ob sie sich nie geängstigt hätten, und der Jägerkarl lachte ebenso lustig hinauf, und die Mirzl rief: Was hast uns denn zu sagen?" Da rief der Jäger: Gar nichts, als daß Ihr die zwei hübschesten Dirndle seid im ganzen Tralscngraben! Und daß ich Euch ein Grüßgott" hab' sagen wollen im Vorübergehen, und und ein Pfiatgott" auch, weil ich dielleicht zur altenMahm in's Drentere" hinübergeh' und ein paar Tag' ausbleiben kann, und da da hab' ich ein paar frische Edelweiß für Lich, Mirzl heut in aller Früh erst gebrockt für Dich eigens für Dich am Hochkogl oben, damit Du an mich denkst, und .... Juchu!" jauchzte er lachend auf. als ob er wer weiß wie lustig wäre, und herunter war er vom Holzstoß, und hinter den Bäumen war er verschwunden, gegen den Osterkogel zu in den Engpaß . ... . Jesus Maria!" rief dieMirzl plötzlich, ihm nachstarrend, und all das Lächeln war auf einmal erloschen. Der kommt mit dem Paschernaz zusammen! Was hätt' er mir denn sonst das Edelweiß gebracht und vom Ausbleiben und Anihndenken gered't?" Das ist wahr! Das ist wahr!" rief die Sopberl, ebenso bleich wie die Mirzl, und fügte bei mit zitternder Stimme: Ich Halt's nit aus. und und wenn sie mich mit eisernen Ketten halten würden. Thu' was Du willst, Mirzl, ich lauf' ihm nach, über Stock und Stein, bis ich ihn hab- " Sopherl. Du bist doch verliebt in meinen Buben!" rief die Mirzl, und ihr Zorn wollte wieder aufflammen, 'Aber die Sopherl war schon über die Holzgallerie herunter und lief den Waldweg entlang, und die Mirzl hastete ihr nach. Es dauerte wohl stundenlang, bis die beiden Mädel eine Spur vom Jägerkarl entdeckten. Und die Sonne war bereits im Sinken, da kamen sie an eine Lichtung im Hochplateau und von dieser Lichtung her trat der Jägerkarl zwischen den Bäumen hervor und blieb überrascht stehen beim Anblick der beiden Mädchen. Beide schrieen auf, als sie den Jäger gesund und wohl erblickten: die Mirzl jubelnd. erleichtert, und sie fiel ihm um den Hals. Karl, Du lebst!" schrie sie auf. Ja, woher weißt Du denn..." Daß Du mit dem Wildernaz hast zusammenkommen wollen? Das hab ich Dir ang'seh'n, Karl, zu was hätt' ich Dich denn sonst lieb wie mein eigenes Leben?" Es ist Alles ehrlich zugegangen!" rief der Jäger ernst. Und wo ist der Naz?" schrie nun iie Sopherl grell auf. Der liegt" da drin in der Lichtung, und der Hegerbub ist bei ihm. Der hat geseh'n. daß der Naz zuerst auf mich g'schossen hat, aus die Bäum' heraus. Ich geh' jetzt die Sach' anzeigen! Ich hab' in's Blinde den Schuß erwidert aber er ist ihm mitten durch's Hirn gegangen." Todt! JesuS Maria!" kreischte die Sopherl auf. Und er war mein Liebster !" Damit schlug sie grad zu Boden, wie in's Herz getroffen. AufderGallerie. Einer vo-m Land (zu seinem Nachbarn: Ist dö Oper, was sie heunt spielen, von Wagner?" Commis: Ich weiß nicht." (Nach einer Pause.) Commis: Wie spät ist es?" Der vom Land: Halb zwölf!" Commis: Dann ist sie von Wagner!" Resignation. Was hat Dir der Verleger für Deine Gedichte geboten?" Zehn Mark." Das ist eme Beleidigung! Was hast Du ihm. darauf geantwortet?" Ich habe die Seleidiauna ruhig eingesteckt!" lm

Stevens erste Leistung. Aus meinen Erinnerungen, von 23. v. Schicrbrand. In dem Städtchen Dixon, 40 MeiIm von Chicago, herrschte große Auf regung. Seit 2 Tagen und Nächten wüthete schon der Schneesturm, und Alles lag begraben unter der glitzernden, weißen Hülle. Seit Jahren war hin solches Unwetter zu verzeichnen gewesen. 5s war nicht sehr kalt, und das Eis im See war, ausgenommen nahe dem Ufer, auch nicht sehr dick. Auf devü Eise selbst lag fast gar kein Schnee der heftige Wind hatte keinen Schnee auf der Eisdecke gedul-

det diese war vielmehr glatt und wech inte eine Tenne, und die hellgrün Farbe des Eises that dem Auge weh. Nachmittags drang die Kunde 'Nach Diron, daß an Whitc Slding, -einem Wendepunkt der Bahn, ein Zug verunglückt tu Derselbe sei in eine dicke Schneebank gerannt, die dort von 'der steilen Böschung herabgeglitten war, und es seien eine Anzahl der Passagiere und Bediensteten dabei getödtet und andere verwundet worden ; auch seien mehrere Wagen zertrümmert worden. Kurz nach Empfang der Nachricht ging Hufe ab nach der Un glüctsstelle Aezte, Verbandzeug, warme Nahruna und Getränke, und soeben war der Spezialzug mit den Verunglückten zurückgekehrt nach Dixon. Unter den Leuten, die umherstanden. befand sich auch Steve Blattner, em junger Bursche von 16, der Sohn eines deutschen Handwerkers in Dizon. Steve war ein stämmiger, tüchtiger Bursche, der netfeiq IN der Schule ge lernt hatte und dessen höchster Wunsch es war. Reporter einer angesehenen Zeitung zu werden. Leider hatte sein Ehrgeiz wenig Aussicht auf Besnedl gung, denn in Diron gab es nur ein kleines Wochenblättchen, dessen Nedac- ! teur zugleich der Mann für Alles j und an dem nicht viel Nuhm zu derdienen war. Aber seit Steve letztes Frühjahr die Schule verlassen, hatte ' er sich doch mit Erfolg dieser Zeitung nützlich zu machen verstanden, und einige bedeutendenLocalereignisse während der verflossenen drei Monate waren von seiner Feder behandelt wor den. wenn der finanzielle Ertrag dieser Leistungen auch in keinem richtigen Verhältniß mit der aufgewandten Mühe stand. Steve aber wollte, wie gesagt, höher hinaus, und sein glühender Ehrgeiz verzehrte sich vergebens, denn sein Vater hatte keine Freunde oder Verwandte in Chicago, und so war wenig Aussicht vorhanden, daß der Knabe einst an einer der großen Zeitungen daselbst ankommen werde. Mittlerweile half er feinem Vater bei der Arbeit, aber seine Freizeit benutzte er dazu, seinen journalistischen Liebhabereien zu folgen. Steve kam gerade zurecht, um die Ankunft der Nettungszüge zu beobachten, was ihn bei seinem Reporterinstincte sehr interessirte. Plötzlich be merkte er, wie ein junger Mann, ein Fremder, mit dem Telegraphisten der Lahnstation sprach. Also gar keine Möglichkeit, auch nur einige Worte nach Chicago zu senden?" hörte er ihn fragen. Gar keine die Drähte sind gerissen bei der großen Schneelast schon seit heute Mittag, und es wird mindestens bis morgen dauern, ehe der Schaden wieder ausgebessert werden kann, denn die Leitung geht zwischen hier und Bronxville durch mehrere tiefe Schluchten, wo der Draht jedenfalls an Dutzenden vonStellen zerrissen ist." Und könnte ich nicht auf irgend eine andereWeise meinem Blatte Nachricht von dem Unfall schicken?" betonte der Fremde. Der Telegrapbist zuckte die Achseln bedauernd. Wüßte nicht wie," sagte er dann. Aergerlich wandte sich der Fremde ab, steckte sich eine Cigarre an und setzte sich auf eine Bank in der Nähe. Steve erkundigte sich bei dem Telegraphisten. einem guten Bekannten. Dieser erzählte ihm, daß der Fremde, ein Herr Maxwell, Hilfsredacteur der Universe", d:r bedeutendsten Zeitung in Chicago, sei und sich zufällig aus dem verunglückten Zuge befunden habe. Selbstverständlich sei es sein Wunsch, seiner Zeitung eine genaueSchilderung des ganzen Vorfalls zu geben, umsomehr als kein anderer Zeitungsmann bisher etwas davon wisse. Aber damit sei es eben für heute nichts, denn nach Chicago ginge heute kein Zug mehr und die Telegraphenleitung dahin sei durch den Schneesturm außer Ordnung gerathen. Steve Blattner machte ein sehr gedankenvolles Gesicht. Dann plötzlich blitzte sein Auge auf und er trat bescheiden an Herrn Maxwell heran. Sie möchten gern Ihren Bericht für den Universe" noch heute in Chicago haben?" erkundigte er sich. Ja, natürlich," erwiderte der Andere mürrisch. Aber es scheint, es soll nicht sein. Weißt Du vielleicht einen Ausweg, mein Junge?'' Ich glaube, ich wüßte einen aber er ist ein wenig riskant, und für den Erfolg könnte ich nicht bürgen. Indessen könnte ich's doch versuchen, das heißt, wenn es Ihnen recht ist." Nun und wie denn?" fruL'Herr Maxwell, indem er den jungen Burschen mit den hellen Augen und gescheidtem Gesicht gespannt ansah. Ich bin ein guter Schlittschuhläufer ich glaube der beste in Dixon und Umgegend," sprach Steve. Ich würde versuchen, quer über dieser Bucht des Sees nach Cedar Grove zu laufen, und dort könnte ich die Depesche für Sie aufgeben, vorausgesetzt, daß dort nicht auch der Draht gerissen ist You're a Trurnp, rny boy," rief Herr Maxwell begeistert,' indem er

Steve beifällig auf dieSchulter klopfte. Wenn Du Dich getraust, den Versuch zu machen, so soll es Dein Schaden nicht sein. 'Wann kannst Du gehen?" In einer halben Stunde, sobald ich

' zu Hause meine Schlittschuhe geholt ; und meinen Eltern Bescheid gesagt have. Gut, so will ich mittlerweile noch meinen Bericht schreiben, den Du dann abholen kannst," rief ihm Herr Maxwell noch nach, denn der lebhafteKnabe war schon fortgerannt. Pünktlich zur festgesetzten Zeit trat Steve seine gefahrvolle Neise über die Bucht an, die Blätter beschriebenes Papier sorgfältig in der Brusttasche seines Pea Jackct verwahrt. Denn gefahrvoll war sie. Zwar waren es nur knappe 10 Meilen bis nach Cedar Grove, aber da der Knabe wußte, daß der See noch nicbt an allen Stellen dick und sicher zugefroren war, so würde er wohl mehrmals bedeutende Umwege wählen müssen, und bei dem ungewissen Schein des Mondes, denn der Himmel war leicht bewölkt, erforderte das schon große Umsicht und schnellen Blick, damit er nicht auf dünne Eisschichten gerathe. Einbrechen mitten auf dem See, zur Nachtzeit, ohne jedweden menschlichen Beistand in der Nähe, bedeutete sicheren Tod, das wußte er. Aber frohen Muthes brach er auf, und nachdem er am Ufer seine Schlittschuhe angeschnallt hatte, glitt er pfeilgeschwind über die glatte Fläche. Die ersten 5 Meilen legt: er ohne irgendwelchen Zwischensall zurück, denn er konnte sich in der Nähe des Ufers halten, wo das Eis fest und hart War. Aber dann begannen die Schwierigkeiten. Cedar Grove lag am anderen Ende der Bucht, und um dahin zu gelangen, mußte er entweder dem Ufer bis zum Ende folgen, was einen großen Umweg und einen Bogen von mindestens weiteren 8 Meilen erfordert hätte, oder er mußte jetzt diagonal über den Seearm lausen, was eine ErsparHiß von mlnoejtens einer Halden Stunde Ware. Verzögerte sich seine Ankunft in Cedar Grove durch den Umweg, so war es zweifelhaft, ob er das Telegraphenamt noch offen finden wurde, und alle seine Muhe wäre dann wahrscheinlich vergeblich gewesen, denn es war mittlerweile schon nach 9 Uhr Abends geworden. Zog er dagegen den kürzeren aber gefahrvolleren Weg vor. so war es ein Sprung in's Unbekannte, der leicht sein Leben kosten konnte. Ach was." redete Steve sich selbst zu, dem Muthigen gehört die Welt. Wenn ich regelmäßiger Reporter für den Univerfe" wäre, so würde ich auch den kürzeren Weg Wahlen. Und so schwenkte er vom Ufer ab und fuhr direct in den See hinein. Eines leichten Schauders konnte er sich doch nicht erwehren, als er die machtige, unabsehbare Eisfläche vor sich liegen sah, die er nun durchkreuzen wollte. Der Mond gab nur ganz wenig Licht, aber den hellgrünen Schimmer des Elses konnte er doch deutlich erkennen. Und pfeilschnell fuhr er dahin: er hatte jetzt den Wind, der Ihm bis dahin von rechts her mit ziemlicher Schärfe in's Gesicht geblasen hatte, dircct im Rücken, wodurch sich sein Lauf bedeutend verschnellerte. Nachdem Steve eine Weile so dahingeglitten war, mochte er in der Mitte der Bucht sein. Dort, das wußte er, war das Eis am dünnsten, und er sandte einen Stoßseufzer zum Himmel, daß alles gut ablaufen möge. Deutlich suhlte er unter dem Gewichte fernes Korpers die Elsschaale. aus der er sich jetzt befand, hin und Herschwanken. Wellenförmig bog sich das Eis unter ihm. Das war in sehr unbehagliches Gefühl, und der kluge Junge dejchlcunlgte daher fernen Lauf b:s zur äußersten Anstrengung. Er wußte, daß darin seine einzige Rettung lag. Aber da hörte er, gerade hinter sich, auf dem Eise, welches er soeben blitzschnell durcheilt, n Knacken. Die Eisdecke barst. Wenn es vor ihm geschehen sollte, so war er verloren, rettungslos verloren. Und Steve flog wie ein Sturmvogel über die gefährliche Stelle. Scyon wenige Mlnulen später sah er, dort in weiter Ferne, die Lichter von Cedar Grove ausleuchten. Das Eis unter ihm war viel stärker geworden. Und nun hatte er den Landungsplatz der Dampfer erreicht, setzt: sich Ym, schnallte rasch die Schlittschuhe ab und folgte dem halbverwehten Pfade, der durch den Schnee nach dem Telegraphenamte führte. Der Telegraphist riß die Augen au;, als der halbwüchsige Bursche ihm das Manuskript gab mit der Weisung, sofort den Inhalt zu senden. Bist. Du vom Umverse" i frug er. Heute Nacht bin ich's. ja," antwartete Steve stolz. Dann horchte er mit Vergnügen aus das Ticken des Instruments, das die lange Depesche an das große Blatt in Chicago übermittelte. Und er streckte behaglich seine etwas wunden Glieder und durchfrorenen Hände, um sich für die Heimfahrt zu rüsten. Eben wollte er, nachdem er wieder warm geworden. das Zimmer verlassen, indem er seine Schlittschuhe über die Schulter warf, da rief ihm der Telegraphist zu: He, warte mal. die hier vom Universe" wollen wissen, wie Du die Depesche von Dixon bis hierher befördert hast. 500 Worte sollen's sein." Steve stand still und ein Gefühl des Glücks und des Erfolgs durchströmte seine zungen Glieder. Da war ja die Chance, nach der er sich so lange schon gesehnt. Aber würde er die 500 Worte auch so gut schreiben können wie es der Universe" wollte? Gleichviel, er mußte es versuchen. So setzte er sich wieder hin und schrieb einen einfachen, wahrheitsaetreuen Bericht über seine Schlittschuhfahrt bei Nacht über .den dünnen EU

mantel des Sees. Ganz einfach, dann unterschrieb tt's und fügte seine Adresse bei für mögliche Fälle. Der Telegraphist lächelte, als er ihm die beschriebenen Blätter übergab, aber er lächelte wohlwollend und ermuthi-

gend. You're a Trurnp," sagte auch er. Und dann trat Steve Blattner wieder seine Heimfahrt an über den See, Diesmal eilte er nicht so. Er wählte den längeren, aber sicheren Weg zurück nach Dixon. Eine Wochen später empfing Stcve einen Brief aus Chicago. Er war vom Chefredacteur des Universe". Es lag ein Check dabei. Aber der Check freute den braven Burschen weNiger als die Zeilen, die ihn begleiteten. Es wurde ihm darin gesagt, daß er, wenn er Lust habe, einen Versuch machen könne am Universe . Von unten auf natürlich. Mit 810 für den Anfang die Woche. Mer es wurde ihm versprochen, daß wenn er so fortfahre, wie er begonnen, so solle er aufrucken. Natürlich nahm Steve die Offerte an. Und natürlich ruckte er auf: sogar ziemlich schnell. Wer heute einmal Gelegenheit hat, m der Redaction des Unlverse" vorzusprechen, der wird da einen stattlichen jungen Mann mit blondem Vollbart und blauen, klaren Augen sprechen können, dessen Wort und dessen Arbeit an der großen Zeitung etwas gelten. graste und Irau. Humoreske von I. Korus. Nee, weißt Du Alter das Kopfhangen hat noch nie was aenußt! sagte Albert Keller seines Zeichens Schriftsteller eindringlich und schlug semem Freund auf die Schulter. Sprich Dich mal aus! Discre tion Ehrensache." Dr. ined. et chir. Fritz Wolter, prakt. Arzt, Armenarzt und Specialist sur Herz- und Lungenkrankheiten. seufzte tief auf. Es ist ja nicht das leere Wartezimmer allein, was mich so niederdrückt". sagte er, natürlich, angenehm ist es nicht, das kannst Du Dir denken !" Ach was", unterbrach ihn Keller lebhaft, wird m den meisten Fäl len fo gehen, wenn der Betreffende kein Hiesiger ist und deshalb keine Connexionen hat! Zum Glück bist Du aber nicht daraus angewiesen und kannst schon noch eine Weile zuseyen!" Damit habe ich mich bisher auch immer getröstet", entgegnete Wolter, aber im vorliegenden Falle, den ich Dir vortragen will, hilft mir das gar nichts, ich muß Patienten haben!" Er stand auf und trat an das Fenster. Sieh Dir das einstöckige Haus da gegenüber an!" sprach er feierlich. Keller riß die Augen unnatürlich weit auf. Ich sehe!" sagte er. Gut", entgegnete sein Freund, siehst Du dann auch dort an dem mittleren Fenster den alten Herrn sitzen?" Ja", meinte Keller, den seh' ich wohl, was hast Du denn aber mit dem Rath Walther zu schaffen?!" Er ist mein Schicksal, oder der Vater meines Schicksals, wie Du willst!" tönte es dumpf zurück. Jetzt weiß ich nicht, hat er Schicksel" oder Schicksal" gesagt", murmelte Keller vor sich hin. Du bist kostbar!" lachte er dann, so sieht also ein Schicksal aus etwas unrasirt, Hauskäppchen, Schlafrock, ganz gemüthliches Exemplar, finde ich!" Ach. lache auch noch!" rief Wolter ärgerlich dieser Nath ist ein ganz abscheulich hartnäckiger Kerl! Wie der zu der Tochter kommt!" Ah pfeift der Wind aus dem Loch!" dachte Keller und stieß einen kurzen Pfiff aus. So, so," sagte er, die hübsche Grethe kennst Du auch schon?!" Schon lange!" sagte der Doktor und nahm wieder Platz. Als ich mich damals zum Examen vorbereitete, war sie gerade in Tübingen bei einer Tante zu Besuch. Na. und weißt Du. da waren wir zusammen auf ein paar Bällen und dann gab's so nette kleine Tanzereien, und und " Na ja, und so weiter, und so weiter!" sagte Keller verständnißvoll. Und so weiter, ganz richtig!" wieholte sein Freund. Nachdem ich dann mit allem fertig war, ließ ich mich getrost hier nieder, hatte auch das Glück, den alten Herrn im Adler" kennen zu lernen, ich durfte mich sogar an seinen Stammtisch setzen! Hierauf machte ich dann Besuch, wurde eingeladen, kurz und gut alles klappte! " Und die Grethe?" schaltete Keller ein. Ach. Grethe ist einzig! Einmal, denk', überraschte ich sie am Herd, wie sie Apfelküchlein buck herrlich!" Was? die Küchlein? oder ?" Sei doch nicht so fad!" rief Wolter böse. Na also das Mädchen war mir sicher ist's noch! aber der Alte! Ich gehe beklommenen Herzens hin, feierliches Schwarz hüllt mich ein, dazu pikfeine helle Handschuhe, Lackstiefel. ich sah gar nicht schlecht aus, weißt Du! Wie der Alte miis so sieht, macht er schon ein mißtrau!sches Gesicht, zieht die Nase wie ein Jagdhund, wenn er Witterung hat." 5ahaha!". lachte Keller. Ich bitte also ergebenst um die Hand der Fräulein Tochter, setze zu seiner Beruhigung meine Familienund Geldverhältnisse auseinander und blicke ihn dann ausathmend, erwartungsvoll an." Na, und der Alte?" Dankt verbindlichst für die Ehre! -

Mein lieber, junger Freund", sagte

er so ungefähr, das ist ja alles recht nett, aber eS vergnügt mir nicht! Sehen Sie, ich sitze Tag für Tag von morgens acht bis zwölf Uhr und wieder von zwei bis sechs Uhr an diesem Fenster. da sehe ich dann Alles, was auf der Straße und auch, so weit es möglich ist, was in den Häusern voigeht. So weiß ich dann ganz genau. daß seit den sieben Monaten, die Sie hier wohnen, außer Ihren Armen, nur ein kleines Mädchen mit seiner Mutte" belJhnei war und neulich noch eine alte Dame, die aber jetzt gestorben ist " Sehr gut!" lachte Keller. Hausarzt", fuhr der Doktor in seiner Wiedererzählung fort, sind Sie nur bei Ihrem Freund, dem Architekt Häberle und weder der, noch seine Frau ist je krank! Mein lieber, junger Freund, wir wollen uns wieder sprechen, wenn JhrePrazis etwas größer geworden ist. nichts für un gut!" Und dann frug er mich ganz harmlos, ob ich zum Abendschoppen käme! Der ist gut, der Alte, kann so bleiben!" meinte Keller belustigt, wie lange ist denn das schon her? Vier Wochen!" seufzte Wolter. Hm, das muß anders werden, Fritze!" rief sein Freund. Sei mal ruhig! Hier muß es doch einen Ausweg geben Ausweg! Jawohl! Patienten! Aber die kommen eben nicht, scheinen mich wie die Pest zu fliehen! Ich kann doch keinen Hausknecht anstellen, der die Leute statt zum Haus hinaus-, in dasselbe hineinwirft! Nee. nicht gut. aber Du könntest vielleicht einen Mann miethen, der etwa bei Gedränge oder Glatteis die Leute anrempelt sie sauen hm, schimpfen, stöhnen, eben dieser Mann richtet sie auch wieder auf. schleppt sie trotz allen Widerstrebens zu Dir, wo Du sie auf Hals-, Arm- oder Beinbruch hm untersuchst macht dann zehn Mark! Du bist verrückt!" brummte der Doktor und stützte sein sorgenbelastetes Haupt in seine Hand. Weißt Du", sagte Keller, darüber muß ich ungestört nachdenken, man Hirn arbeitet ietzt schon rasend! Sei überzeugt, ich intt einen Ausweg, wozu wäre ich denn Schriftsteller, des sen Beruf es ist, Conflicte herbeizuführen und fein säuberlich wieder zu losen, wobei dann die Geschichte allemal mit emer Verlobung ausgeht. das ist meine Force! Na, adieu, sei ein Mann und raffe Dich auf! Der hat gut schwätzen!" murmelte Wolter ihm nach. Es war einige Tage später, und der Herr Rath Walther saß schon über eine Stunde mit emem unbeschreiblich er staunten Gesicht in seinem Lehnstuhl am Fenster und hielt die Zeitung der kehrt in der Hand. Nummero drei!" schrie er plötzlich und fuhr von seinem Sitz auf, ja, was ist .denn da drüben los?! Viel leicht geht die zur Posträthm ei, der Kuckuck, sie tritt m s War tezimmer ! Grethe. Grethe!" brüllte er, Hort denn das Madel nicht, Greeethe!" Ja, Papa, was ist denn?" rief seine Tochter und strich eilig die blonden, etwas aufgegangenen Löckchen aus dem vom Küchenfeuer erhitzten Gestcht, was ist denn nur geschehen?" Um 9 Uhr kam die erste, um halb 10 Uhr die zweite und un ging gerade die dritte zu ihm ! Ja was denn, wo denn?" frug Grethe und trat mit dem Finger hinter deutete nur mit dem Finger hin über. Ach!" stammelte Grethe. plötzlich noch röther werdend, Patienten! ! Da kommt eine wieder heraus! Zu dumm, man kann wegen dem Schleier nicht sehen, wer's ist", sagte sie ärgerlich. 'Ne feine Dame ist's", meinte der Rath. Sieh! da zieht die zweite gerade ihren Mantel an, die letzte ist bei ihm drin." Zu dumm!" seufzte Grethe, auch die ist verschleiert!" Nach einer Viertelstunde erschien die dritte, aber ohne Scheuleder", wie der Rath sich ausdrückte. Ein nettes junges Ding, was mag der wohl fehlen?" sagte er mitleidig. Außer zwei Arbeitern kam an dem Tag niemand mehr. Na, was sagst Du nun dazu?" frug der Nath seme Tochter beim Abendessen. Ich?" fagte diese und legte die Gabcl fort, ich habe es gar nicht anders erwartet, einmal mußten sie doch kommen! Ich begreife überhaupt nicht, wie man nur den alten häßlichen Medicinalrath haben mag! Emmy sagte neulich, er hätte ihren Papa ganz falsch behandelt vorigen Winter. Emmy ist 'ne Gans!" rief der Rath. Und die zwei andern Aerzte hier sind auch nicht viel besser", fuhr Grethe kaltblütig fort, der Dr. Messner soll ja erst auf einen Stuhl steigen müssen, um sich die Zunge seiner Kranken besehen zu können, und der dicke Dr. artwia rieche ganz azrealich nach Bier und Tabak, horte ich neulich!" Da bliebe für die leidende Men chheit also nur noch Dr. Wolter übrig?" lachte der Rath belustigt, nun, mir soll's recht sein!" Kurz nach diesem Gespräch begaben sie sich zur Ruhe, sie gingen beide früh schlafen. Vlöklick. es mochte schon elf Uhr sein, wurden sie durch das schrille Läuten der Qausalocke aufgeschreckt. Zum Kuckuck, was ist denn das!"-rief der Rath, als das Läuten noch stürmischer wiederholt wurde vielleicht 'ne Depesche!" Hastig fuhr er in seinen Schlafrock und rannte an das Fenster. Un en stand ein Mann und brüllte, als er ihn sah, in die Höhe: Der Herr Dok.

tor Wolter möchten sofort wieder kommen, kaum wie der Herr Doktor fortgegangen, ist es schlimmer geworden!" Hören Sie doch!" überschrie ihn endlich wüthend der Rath, ich heiße nicht Wolter. sondern Walther, der Doktor wohnt gegenüber! Ein andermal besehenSie doch gnädigst dieHausschilder, verstanden?" Damit schmetterte er sein Fenster zu und kroch wieder in's Bett. Nach einer geraumen Zeit wachte der Rath wieder an einem Sturmläuten auf, gleich darauf vernahm er aber, wie jemand sagte: Der Herr Doktor Wolter wohnt nicht hier, sondern da drüben. er wird aber wohl nicht da sein, sie haben ihn vor einer Stund: geholt!" Ich wünschte dieser Mensch säße auf dem Blocksberg!" murmelte der Rath ingrimmig und versuchte wieder einzuschlafen. Von diesemTage ab schien das Glück sich dem jungen Arzte zugewandt zu haben. Das Wartezimmer war nie mehr leer merkwürdigerweise waren es immer verschkierte Damen (mit Hautleiden behaftete", erklärte der Rath es sich und seiner Tochter), dann sah dieser aber auch ab und zu einen seiner Bekannten hineingehen, und

horte von diesen m der Kneipe, sie hatten ihn, den Wolter jetzt als Hausarzt, der Medicinalrath werde sich ja ohnehin bald zur Ruhe setzen und der junge Doktor solle mit emem Male einen riesigen Zulauf haben das konnte der Rath allerdings bestatigen. Und daß des Doktors Nachtglocke nicht mehr das ungezogenste" Ding der Stadt war, um diesen alten Witz zu gebrauchen, davon wußte der Rath em Lied zu singen. Es war so oft vorgekommen, daß in der Nacht sein Name mit dem des anderen verwechselt wurde daß er sein Schild kürzlich hatte ent fernen lassen, seitdem genoß er ungestört wieder die Nachtruhe. Jetzt könnte er meinetwegen mal wieder anklopfen , fagte er emes Tags zu Grethe. nachdem er die Frau BaroninHocke bei dem jungen Arzt hatte vorfahren sehen. Scheint wirklich ein tüchtiger Kerl zu sein! Ist zudem auch ganz profitlich, einen Arzt als Schwiegerfohn zu haben, was meinst Du, Grethe?" Ob nun Wolter ein ungeheuer fein ausgebildetes Ahnungsvermögen besaß, oder ob da eine gewisse kleine Person die Vorsehung gespielt hatte genau konnte es nie festgestellt werden jedenfalls schellte es oben bei Raths etwa um halb zwölf Uhr, gleich darauf wurde der Herr Doktor Wolter gemel det. Diesmal schien er mit seiner Werbung mehr Erfolg gehabt zu haben, denn Vertha. oder das Mädchen für Alles, welches beim Conditor noch geschwind emen Nachtisch bestellte, er zählte daselbst, sie sei um was zu fragen, in das Zimmer gegangen und fast auf den Rücken gefallen, denn da habe gerade der hübsche Doktor Wolter ihr Fraulem geküßt, und der Herr Rath sei am Fenster gesessen, als wcim er blind und taub wäre! Der erste, dem's der Doktor selber mittheilte, war sein Freund Keller, merkwürdigerweise bedankte er sich bei dem für den guten Ausgang und dieser erwiderte darauf: Pah. das sind die Vortheile einer großen Familie. Meine fünf Schwesterlein haben Dich sehr gerne abwechslungsweise besucht und meine Herrn Brüder mußten von ihrem Stammlokal aus ohnehin jeden Abend an Deines Schwiegervaters Haus vorbei! Eigentlich that mir der Alte leid, aber es ging nicht anders! Und nun nochmals von Herzen Glück, Dir und Deiner Grethe!" Ergötzlicher Irrthum. Als Alexander Dumas die Schweiz lWift fnrn pr MN? flflfS M ein VWVI - - j w Dorf, in dem sich nur ein einziger, sehr bescheidener Gasthof befand, in . dem i ::c i. rv!ktttfVv ifitfi oer üciui;nuc yiuuiuiiu.iiitufc. ivvynrnnrtfn Vt Nackt zubrinoen munte. Der Wirth, der nur deutsch sprach. fragte Dumas, was er zum Abendessen wünsche, und dieser suchte ihm, aber tormeKHrfi f TnTJitmorfipn. er MÖckte ibm doch einePortion Pilze bereiten. Schon wollte er den Versuch aufgeben, da kam m sj-m c nrn ne . lT.IfS er aus oenGeoanlen, oem irrige ouu T?r WjitftrTTim Mas tr ibm nicbt mit Worten erklären konnte; er nahm also ein Stück Kreide und malte einen NiernZs, m?nZastens Kielt er seine I v,lf ü " -""O -- Zeichnung dafür an die Wand. Der Wirth nickte veritanonlnmnig. gmg hinaus, und der hungrige Dumas fritf Ttrf fertig über den aescbickten Ausweg, der ihm das geliebte Gericht doch noch verschaffen sollte, als er schon wenige Augenblicke später den Wirth Wif (Zürnt wieder Keraufkommen hörte. Die Pilze konnten unmöglich in so y w , , , M ? f. t. kurzer Zeit zuverettet ,n, oou) ju mas brauchte nicht lange über den rsw,, Wr friifiMi Nückkebr des Wir thes nachzudenken, denn nach emigen Sekunden wurde die Thür geöffnet. Urtin imi der Wirtb. mit triumphirender Miene eine? Regenschirm si' Xntm &att entgegenoaueno. Ein Gebildeter Küchend r a a o n e r. Köchin Karline: Ach Jette, ick kann Dir ja nich sagen, wat ick jetzt vor een scheenei Buch aus die Leibbibliothek lesen dhue. Det mußt Du ooch mal lesen. Et heeßt: Kuno von Höllenbrand und die unschuldige Nonne." Jette: So? Wer hat denn det Buch geschrieben?" Köchin Karline: JSla nu! Wat bist Du aber noch uniebildet. In die Leihbibliothek jiebt et nur gedruckte, aber keene geschriebene Bücher!" S ck n e i d i a. .Herr Lieutenent, ich konnte Ihnen meine Cousine nicht mehr vorstellen !" Schadet nichts, wenn- bischen unglückliche Liebe roenia.er auf der Welt ist!"

Nach Jahren. Von Gustav Falke. Die ruhenden, stillen Felder, Darüber der Vollmond steht. Die weiten, schweigenden Wälder, Daher ein Schauer weht. Wie hab' ich selig genossen Die schöne Nachteinsamkeit. Und habe den Schatz verschlossen Für kommende, dürstende Zeit. Nun träum' ich die alten Träume -Und rühre leise den Schatz, Sacht rauschen die alten Bäume, Und alles am alten Platz. Mir ist's, als könnt' ich gehen Nur grad' in's Feld hinein. Mit geschlossenen Augen sehen Den klaren Vollmondschein. Und leise Schauer wehen Kühl mich wieder an, Und die alten Sterne stehen Uebev dem träumenden Mann.

Tas Rosenöl. Die Geschichte des Rosenöls ist mit derjenigen aller Culturvölker eng derwachsen. Sind wir doch gewöhnt, die Höhe der Culturentwickelung eines Landes nach dem Grade abzuschätzen, in dem die Menschen ihre Sinne sozu sagen als Thore der Seele zu behandeln wissen. So ist auch der Geruchssinn von jehev als Thor des Gedächtnisses und der Seele angesehen worden, und die ersten Versuche, Rosenöl zu gewinnen, mögen auf den Wunsch zurückzuführen sein, die innige, seeli sche Freude der Menschen an derBlume aller Blumen auch auf die rosenlose Zeit des Jahres auszudehnen. Mittelasien, das Heimathland der Rose, gilt auch für die Geburtsstätte des Rosenöls. Anfangs freilich dürfte es nur Rosenwasser gewesen sein, daS man dort gewann, indem man Rosenblätter mit Wasser übergoß und von der Sonne bescheinen ließ. Die Blume der Liebe war schon im klassischen Alterthum Aphrodite geweiht; doch auch dem Dionysos, dem Begünstiger der Tafelfreuden, galt sie als heilig, und so wurde es möglich, daß sie von den genußsüchtigen, süditalischen Griechen, von den Shbariten, und später auch von den Römern in einer verschwenderischen Weise . gebraucht wurde, die selbst die phantasiereichen Orientalen als Entweihung empfanden. Um so höher stieg die Werthschätzung der Rose im romantischen Mittelalter, wo sie als Symbol mit dem Marienkult vevwuchs und gleichzeitig als Wahrzeichen des heiligen Blutes und des Todes galt, sowie sie ja schon von den Griechen als Sinnbild der Vergänglichkeit aufgefaßt und bei Bestattungsfeierlichkeiten benutzt wurde. Anfangs des siebzehnten Jahrhunderts waren gegen vierzig Rosenölrecepte im Umlauf; auch findet sich in Reiseberichten die Meldung, daß im Morgenlande Rosenöl theuerer sei als Gold. wäh-. rend es offenbar in Teutschland bereits billiger hergestellt wurde. Noch heute werden die 'Goldflacons, in denen das türkische Rosenöl in den Handel kommt, zum großen Theil in Deutschland hergestellt. Mit Wattebäuschchen hatte man anfangs den köstlichen Oelschaum abgetupft, der sich auf dem Rosenwasser in winzigen Tropfen sammelte. Die moderne'Chemie setzt uns in den. Stands das Verfahren wesentlich zu vereinfa--chen. Das Rosenblatt enthält, einen unendlich geringen Procentsatz besonderen ätherischen Oeles. Es sind achtzig Rosen nöthig, um nur einen einzigen Tropfen Rosenöl zu gewinnen. Daher sind zur Herstellung des kostba" ren Duftes ausgedehnte Rosenfelder erforderlich. Tis vor Kurzem befanden sich die größten Rosenculturen der Welt in Rumelien. wo die Bewohner von hundertundzwanzig bulgarischen Ortschaften mit der Herstellung von Rosenöl und Rosenwasser beschäftigt sind. Neuerdings ist auch Leipzig mit semem Rosenthal- stark an der Gewinnung des geschätzten ParfümZ betheiliat.' Die bessere Beschaffenheit der Apparate und die vovzüglichm Eigenschaften der Centifolie. der deutschen Rose, haben dem Vrävarat dort schnell ein ausgedehntes Absahocl..et erobert. Große, kupferne Destlllirblasen werden zur Zeit der Rosenblüthe täglich mit vielen tausend Pfund frischer, in dev Morgenfrühe gesammelter Rosenblätter aefüllt. Es können - bis r 100,000 Pfund Blätter verarbeitet werden. Das Verfahren bn. dak man die Rosenblätter "VN, isch inen. reinem Wasser übergießt u niaen Wä'rmehöhe aussetzt. 'noienoi Ion. unnc es u i r . " "ri .3 i . . u Dev Verschluß der Gefäße t sich mit der umgebenden '.u- , rt es, .; )tx :btn vertrust -3la mischen sich aus Man,' ;r. d. beschwerenden Stoss u flllcktiaen. Das Rosenw'-;e: nach unten aus den geschlo.: .c7. m ai w . C 1 fn nur es rntio aisoann ' ::.r;ci mit ausgesetzt, wobei das R-"l cou erstarrt und nun abgesc. --s werden kann. Das Rosenwasse? I be kanntlich ebenfalls einen 't' i'eten Handelsartikel. Drogue:'"-. rfü-' merien und Conditore-.- nn! die auptsächlichsten Abnehm n- ge suchte Waare. ysk bnlickem Weae N i? oa Ro senöl werden fast alle kiinsiii.n; Jlumendllfte. wie Flieder", ,?caiglöckchen" u. s. w. gewonnen. Verplappert. Fr7.u l Mor gens): .Leugne nicht, daß Du srät heimgekommen bist, ich hole 2Ve Stiefel knarren gehört! Manu 0l:aj: Das ist nicht wahr, denn h sie schon auf der Straße r, ?c sm!" ,