Indiana Tribüne, Volume 20, Number 314, Indianapolis, Marion County, 1 August 1897 — Page 9

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Beusae.

Zwei zveltbdrsen des 1. JahrHunderts. Von Prof. Tr. H. Herkner. Am 1. Februar 1483 wurde der deutsche König Maximilian von den Bürgern der Stadt Brügge, deren Landesherr er war, gefangen genommen. Die Räthe des Königs wurden gefoltert und enthauptet. Max selbst verblieb dreieinhalb Monate in der Gefangenschaft und erlangte seine Freiheit erst zurllck. nachdem er auf die Regierung Flanderns verzichtet hatte. So sehr das Ansehen der deutschen Kaiser und Könige bereits gesunken sein mochte, und so entschieden gar mancherorts das städtisckeBürgerthum die Bestrebungen hur , Vergrößerung undBesestiguna landesherrlicher Macht bekämpft hatte, die That Brügge's machte im ganzen Reiche den tiefsten Eindruck. Brügge hatte bis dahin den ersten Handelsplatz Nordeuropas gebildet. Diese Stellung ging ihm nun verloren. Der. Herzog Albrecht von Sachsen bezwang und züchtigte die übermüthige Stadt. König Mar aber begab sich unmittelbar aus der Gefangenschaft nach Antwerpen und ertheilte hier eine Reihe von Privilegien, welche eine nahezu unbedingte Handelsfreiheit be deuteten. Die Kaufleute verlieben das unruhige Brügge, in dessen Hafenstädten Sluis und Damme durch die Versandung des Zwin das Laden und Lö schen der Seeschiffe ohnehin immer größeren Schwierigkeiten begegnete. Brügge wurde jene tief traurig anmuthende. todte, einsame Stadt, die es bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Dagegen erhob sich die Scheldestadt im Verlaufe von vier Jahrzehnten zu einem Handelsplatze, wie ihn die ÄLelt weder vorher noch nachher gesehen l.at, denn niemals hat sich der anbei aller überhaupt für den Weltverkehr zählenden Völker wieder in dem Maße an einem Platze vereinigt. Die Antwerpener. behauptet eine englischeDenkschrift aus dem Jahre 1564, hätten die Kaufleute der anderen Städte eaten out of their tratle." Unter den Antwerpenern dürfen in deß nicht die eingeborenen Bewohner der Stadt verstanden werden. Letztere machten für eigene Rechnung nur verhältnißmäßia geringe Geschäfte. Sie widmeten sich mehr den Hilfsgewerben und traten als Makler, als Vermiether von Lager- und Wohnräumen, später auch als Bankiers und Commissionäre auf. Der große Handel lag vorzugsweise in den Hänoen der fremden Kaufleute. Den jüngst zum Aktivhandel übergangenen öngländern diente Antwerpen als wichtigster Stapelplatz. Spanien und Portugiesen wurden durch ihre kolonialen Unternehmungen dahin geführt und die Oberdeutschen, die vordem Hauptsächlich mit Venedig verkehrt hatten, wandten sich infolge der bekannten Wandelungen im Welthandelsverkehr dem aufblühenden Antwerpen zu. Die fremdenKaufleute vertraten eine große Zahl der in der Heimath verbliedenen Landsleute als Commissäre, ja selbst der ganz moderne Typus des englischen broker, der zugleich Makler und Commissär ist, entwickelte sich U reits in dem Antwerpen des 16. JahrHunderts. Die Erzeugnisse Ostindiens kamen durch die Portugiesen, Tülls durch die Engländer, oberdeutsche Barchente und ungarisches Kupser durch die Dcu! schen nach Antwerpen. Während in Brügge aber Nlch die Kaufleute jeder Nation, entsprechend ihren besonderen Privilegien, ihre besondere Börse abgehalten hatt:n. ira ten sie nun in Antwerpen, wo ja alle derselben Handelsfreiheit sich erfreuten, zu einer gemeinsamen Börse zusam men. Im Jahre 1530 wurde eine neue, prächtige, in spätg ,thischem Style erbaute Börse eröffnet: in usum negotlatorum cuiusounsiue nationis ac linguae! In Antwerpen vollzog sich indeß auch noch eine andere wichtige Veränderung in der Organisation des Han'delsverkehres. Es stieg von einem Meßplatze zu einem Börsenplztze empor. Die Messe, deren mittelalterliche Bedeutung grade in der von ihr allein gewährten Handelsfreiheit wurzelte, verlor naturgemäß dort ihren eigentlichen Werth, wo das ganze Jahr'hindurch Handelsfreihkit bestand, und der Verkehr nahm überhaupt bereits einen so großen Umfang an, daß er das ganzeJahr hindurch regelmäßig Markt zu halten gestattete. In Antwerpen war an jedem Tage Messe." Die wirthschaftliche Bedeutung der Messen, die ja immerhin weiter bestehen blieben, 'bestand jetzt nur noch darin, daß sie die allgemein üblichen Zahlungstermine darstellten. ' Die Gegenstände des Antwerpener Handels, namentlich diejenigen ostin-

dischen Ursprunges, unterlagen den

roßten Preisschwankungen, welche theils in dem wechselnden Verhältnisse Jb vorhandenen Vorrätbe zu den er-

warteten Importen, theils in der mehr

oder weniger unsicheren gerammten Weltlage ihre Ursache hatten. So bot ,sich spekulativem Eingreifen ein weiter rSpielraum dar.

Es kann nicht Wunder nehmen, daß

man, wie überhaupt der Lauf der Gestirne ienen?labrt)underten die Zukunft

deuten sollte, auch danach gestrebt hat,

die Astrologie, der kaufmännischen Spekulation dienstbar zu machen. Der Nürnberger Christof Kurz, der in den Jahren 1543 und 1544 der Tucher', schen Handelsgesellschaft - kaufm'änni-

sche Berichte aus Antwerpen sandte.

behaupjete, ein astrologisches System

ausgeklügelt zu haben, durch welches er in den Stand gesetzt wurde, das Stei-

aen und fallen der Preise von P es er.

Ingwer und Sasran immer auf 14 Tage im Voraus anzugeben. Hab's

vor drei Jahren wohl gesucht, schrieb er an Lienhard Tucher, aber nit sin-

den moaen. bis icfet dieses Jahr: ich

denke, Gott hat mich damit begabt. Ich

Hab's em Jahr lang observnt. Jedoch will ich mich dessen nicht berühmen, bis ich's selbst noch eine Zeit hindurch mit meinen Augen gesehen und gespllrt habe; jedoch zweifele ich nicht, es soll gegründet sein; und es ist dies nicht, so will ich's. ehe noch ein halbes Jahr vergehet, wissen. Gleichergestalt hab' ich's auch mit Eanneel, Muskatnuß und Gewürznägeln von einem Markte zum anderen anzuzeigen gewußt. Freilich stand dieser Börsen - Astrologe auch schon täglich vor 4 Uhr auf und war dann immer mit Arbeit wie in der See mit Wasser umgeben; denn unsere vorigen Astrologen haben viel, aber wenig mit Grund geschrieben, weshalb ich ihren Lehren gar nicht traue; suche mir selbst meine Regeln, so ich dieselben hab', such in dann in den Historien, ob's immer recht oder unrecht zugetroffen hat." Das große Risiko, das mit dem Waarenhandel in Spezereien verbunden war. veranlaßte später so manches Handelshaus, sich lieber dem Geldge schäfte zuzuwenden. Früher," schrieb Lodovico Guicci ardini, pflegten die Edelleute, welche flüssige Geldkapitalien besaßen, solch in Grundbesitz anzulegen, welcher viele Personen beschäftigte und das Land mit allem nöthigen versah. Die Kaufleute verwendeten solche Kapitalien aus ihren regelmäßigen Handel, durch den sie Mangel und Ueberfluß zwischen den verschiedenen Ländern ausglichen, ebenfalls zahllose Menschen beschäftig, ten, und die Einkünfte der Fürsten und Städte vergrößerten. Heutzutage dagegen verwendet ein Theil des Adels und des Handelsstandes, jener heimlich durch Vermittelung Anderer, dieser öffentlich, um den Mühen und GesaK ren der regelmäßigen Berufsthätigkeit zu entgehen, alle verfügbaren Kapitalien auf das Geldgeschäft, dessen hohe und sichere Gewinne dazu anreizen. Daher bleibt die Erde unbebaut, der Waarenhandel wird vernachlässigt, es entsteht häufige Theuerung, die Armen werden von den Reichen ausaesogen u. schließlich müssen letztere selbst auch Bankerott machen." In der That zogen die Handelsae sellschaften von kleineren Kapitaloebesitzern aus allen Ecken und Enden

freie Geldkapitalien heran, für die sie

niedrigere Zinsen bezahlten, als sie

durch dieFlnanzgeschate erzielen konn

ten. Die gesammte Masse der Geldgeschäfte. welche an der Antwerpener

Börse im Lause emeZ Jahres abge schlössen wurden, schätzte ein venezia nischer Gesandter 1557 aus 40 Mil

lionen Dukaten. 9fach Antwerpen pi r pi err

murren na) oie geiooeoursligen, nutu machtpolitik treibenden Fürsten wen

den, wenn sie den nervum belli erhalten wollten. Hier hatte die englische Krone ihren ständigen Finanzagenten, den königlichen Kaufmann," Thomas Gresham, hier brachten die Könige von

Spanien und Portugal ebenso wie die

niederlandlscheRegierung ihre Schuld

verschreibungen an den Mann. Viele Millionen erhielten Jahr um Jahr diese Mächte von der Antwerpener Börse geliehen. Und so unsicher viele

dieser Anleihen waren, die borsenma

ßige Gestaltung des Eredilverkehres,

wie sie sich eben in Antwerpen am frü heften entwickelt hatte, ließ den Zins

fuß doch selten über 13 Procent, einen

sur jene Zeiten niedrigen Satz, stei

gen.

In der That, Antwerpen war die

erste internationale, die erste Weltbörse

im vollen Sinne deö Wortes. Man

hörte dort ein verworrenes Geräusch

aller Sprachen, bezeugt em Zeuge nosse, man sah dorthin buntes Ge

menge aller möglichen Kleidertrachten, kurz, die Antwerpener Börse schien eine kleine Welt zu sein, in der alle Theile

der großen vereinigt waren.

Antwerpen wurde auch dem äußeren

Eindrucke nach eine unvergleichliche Stadt. Die täglich viel Geld verdienenden Kaufleute entwickelten einen mit dem feinsten Kunstsinne gepaarten

Luxus.

Indeß, der unvergleichliche Glanz Antwerpens währte nur kurze Zeit. Es kamen die großen Bankerotte der spanischen und französischen Krone.

Diese und andereUrisen deSGeldmark tes mußten auch auf den Waarenhan

del verhängnisvoll einwirken, da ja viele Handelshäuser den fiskalischen Creditverkehr und ben Waaenhandel zugleich betrieben. Dazu traten die Einwirkungen des furchtbaren Kampfes. der zwischen Spanien und den

Niederlanden ausbrach. Schon 1672

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I iZvyn u. uauio, xui noiana zkvc. I. W. 83; an, JLWott & JaSZvn Cwtrt,

war Antwerpen derart heruntergekommen, daß man dort Hungers starb.

Grone unverkäufliche Waarenvor-

rätbe waren vorbanden, dagegen weder

Geld noch Credit. Das Herz derStadt,

die Börse, war leer, das Geschäft stockte." Drei Jahrhunderte mußten verstreichen, ehe Antwerpen auf's Neue

in die Reihe der großen Handels tavte

eintreten konnte.

Antwerpen war zwar die erste Welt

b'örse des 16. Jahrhunderts, aber nicht

die emzige. Aus dem (seb:ete des öffentlichen Creditverkehrs besaß es eine bedeutsame Nivalin an Lyon. In noch höheremMaße als die Blüthe ysniw,rkens war dieieniae deS lektae-

nannten VlaKeS auf landesherrliche

BemUhungen zurückzuführen.

Die alten Messen der Eyampaane waren in der ersten Halste deö 14. Jahrhunderts in Verfall gerathen. Seitdem besaß Frankreich kein Handelscentrum von internationaler Bedeutung mehr. Dagegen erhob sich Genf, dank dem Frieden und der Freiheit, die eö den fremden Kaufleuten aewährte, zu einem auch für den Geldund Edelmetallverkehr wichtigenPlat)e. Schon frühzeitig versuchten die Könige Frankreichs, den Verehr der Genfer Messe nach Lyon zu ziehen. Den eigentlichen Ausgangspunkt für die Entwickelung des Lyonneser GeldMarktes bildet aber erst daö Jahr 1463. Da ertheilte Ludwig XI. Lyon alle Privilegien der Genfer Messe. nachdem er bereits ein Jahr zuvor den französischen Kaufleuten den Besuch der legieren verboten hatte. Als maßaebender Grund für dieses Verbot

wurde die Thatsache anaegeben, daß

das französische Gold und wilder lag lick dorthin ausaefübrt würde.

Ludwig wußte die Vortheile sehr

Wohl zu schätzen, welche die Entwiae

luna eines kräftiaen Verkebrs mit

Geldkapital im eigenen Lande bot. Und wenn auch der Waarenhandel

zwischen Frankreich. Italien undOber

deutschland in Lyon gepflegt wurde, so

kam es dem Franzosenkönige doch vor

Allem daraus an. vaselbt emen sammenfluß mobilen Kapitals zu Stande zu bringen, der ihn in den Stand setzte, die für seine politischen

Unternehmunaen notywenvlaen um

men mit Leichtigkeit zu erlangen. So erhielt Lyon unbeschrankte Wechselfreiheit einschließlich der sonst verbotenen RUckwechsel und Zinsgeschäfte. Wäh. rend der Meßzeit bestand für jede Geldsorte freier Umlauf.

Die reisen Früchte dieser Politik zu

ernten, war. bereits Franz I. beachte den. .. Durch Vermittelung des Kardi

nals von Tournon entnahm er riesige Summen dem Lyoner Markte. Zum

nicht aermgen Thttle waren eö ober deutsche Firmen oder Männer ober

deutschen Ursprungs (allen voran der

wegen semer Wohlthätigkeit m yon als Der gute Deutsche" bezeichnete Nllrnbercser HanS Kleberg, sodann die

Welser, Seiler. Hang, Behaim, Jmhof

u. a. m.), die willig, allerdings gegen

bobe Zinsen.' die von Frankreich be

aebrten Gelder hergaben. In noch

größerem Umsange als Franz nahm Heinrich II. den Lysnneser Platz in

Anspruch. Die oöerdeutschen Kapitalisten leg

ten ihr Geld umso lieber in Frankreich

an, als die Zinsen nicht nur sehr hoch waren, sondern anfänglich auch in jenen Zeiten eine ertzaimliche AuSnähme immer pünktlich bezahlt wurden. Wenn es Heinrich II. ge-

lang, Metz, Toul und Verdun in seine

Gewalt zu bringen, so dankte er diesen Erfolg der Unterstützung, welche ihm das deutsche Kapital lieh. In einer Äusammenstelluna der Geldsummen,

welche der König in der Östermeß

Zahlung des Jahres 1553 schuldete, werden unter den Gläubigern 9 Augsburger, 4 Nürnberger und 1 Ulmer Firma genannt. Die Deutschen hat-

tm insgesammt 7ÜU.0U0 ecua zu for dern.

Zwei Jahre später erfolgte ein für n fYi irr str

oie iemicyie oer osseniuazen ANieiye äukerst bedeutsames Ereianik: le

grand pari!. Als parti pflegte man

vorzugsweise emen fürstlichen Dar lehnsvertrag zu bezeichnen. Ein fran zösischer Historiker des 16.-Jahrbun

derts beschreibt den Hergang folgen-

dermaßen: D König machte ein Finanzge schäst in Lyon, welches .le crand parti" genannt wurde, weil diese An

leihe für alle Arten von Personen, für

alle dieienigen, welche Semer Majestät Geld leihen wollten, offen war. Sie

zahlten ihr Geld bet dem Generalem

nehmer von Lyon ein und empfingen

dagegen Obligationen in aller Form. Für die Zahlung der Zinsen und Amortisationsraten wurde ein beson-

deres Amt errichtet, der Itecevur du don gratuit", der in jeder Messe

die Gesammtsumme von der FinanzVerwaltung empfing und sie an die einzelnen Interessenten vertheilte. Gott weiß, wie die Gier nach diesem übermäßigen Gewinne, der obendrein durch die Bezeichnung don gratuit" verschleiert wurde, die Menschen anreizte: Jedermann lief herbei, um sein Geld in dem grand parti anzulegen, bis herunter zu den Dienstboten, die ihre Ersparnisse hinbrachten. Die Frauen verkauften ihren Schmuck, die Wittwen gaben ihre Renten hin. um sich an dem grand parti zu betheiligen. Kurz, man lief dorthin, als wenn das Feuer dort sei.Es handelte sich also um die erste öffe.iiliche Subscriptionsanleihe mit förmlichem Tilgungsplane. Wiederum war eö auch zum gutenTheile deutsches Geld, das dem Franzosenkönig zufloß. Und selbst dann, als Spanien bereits den Bankerott erklärt hatte und Heinrich II. bei St. Quentin geschla. gen worden war, stand ihm nur noch die Börse der Deutschen offen. Um die Wahrheit zu sagen äußerte Heinrich II. da in einem Gespräche mit dem Geland.ten Pen.slz1as.. .ich bin selbst er.

Uaunt Uver so viel Freigebigkeit in sol-

cher Lage. Auch sind die deutschen

Kaufleute mcht. wemger berett mix zu dienen, als die anderen."

Allerdings hatte Hemrlch eben erst

erklärt, er werde seine Zusage einlösen, er wisse, was die fürstliche Ehre ihm

gebiete. Allein schon nach einem Vier-

teliahre bewahrte sich wieder das

Sprichwort fener Zeiten: Versprechen ist edelmännisch. halten ist bäuerisch.-

Der König stellte Zeit, und Amortisa. tionSzahlungen der Lyonneser Schuld ein. die sich auf 5 Millionen Kronen

belief. Der Kurö fiel zunächst nur auf 85 Procent. Aber von der Schuld

wurde zum arokten Theile überhaupt

nichts mehr bezahlt. Nun weigerten

sich allerdings die m Lyon vertretenen Finanzmächte, neue Anleihen zu ge. währen. Was nicht mehr freiwillig daraeboten wurde, suchte der König

mit Hilfe erpressungöartiger Quäle-

reien erlangen. Der Handel wurde i.iit emer Menge fiskalischer Abgaben belegt. Dieses Vorgehen zeitigt nur den Erfolg, dak die Kaufleute Lyon

verließen. Und nachdem noch die Pest

die Stadt Jahrzehnte lang heimgesucht hatte, glich die Börse von Lyon emem Dorfplatze am Wochentage. Schon sah man dort Gras emporwachsen. So hatte deutsches Kapital Frank, reichs und Spaniens Größe gefördert und das frek Bllrgerthum der Reichs, ftädte die Geldmittel geliefert, welche die Fürsten in den Stand setzten, abso. lute Herrschaften zu begründen und bis bürgerliche Freiheit zu vernichten. Ein ZVechseldrama. lBerllner Gerichtöscen. Tet iS'n Wetter'für die Kassern in die TranSvaalauSstellung, abcr für unS Berliner iS det viel zu jut," sagte ein korpulenter Herr mit glatt rasirtem Gesich in jovialer Weise jw dem Gerichts diener, der ihm einen Platz auf der An klagebank anwies. Mit' paar Reo mühre weniger wäre ick ooch zufrieden, un wenn ick dann noch 'ne kühle Blonde dazu Hütte, dann ließe es sich am Ende ooch unter dem neuen alten Kurs in Berlin leben . . Der Vorsitzende nahm mit dm bilden Schöffen an der grünen Tafel Platz, und der Gerichtsdiencr machte dem dicken Herrn bemerklich, daß er ietzt schweigen möge. Er nahm auch sofort eine sehr

gesetzte Miene an und beantwortete d'e

Frage nach seinen Personalien dahin, daß er Friedrich Schmidt heiße und Wiegemeister sei. Vors.: Was wiegen Sie denn? Angekl.: Na, 'ne schöne Last is et schon: Zweihundertachtzig Pfund, m t Respekt zu sagen. . Aber, wenn d e e Hitze anhält, bei der soiar die Sonne schwitzt, wo sie doch an hohe Tempera tur jewöhnt is, denn wird et wohl mit meiner körperlichen Stattltchkeit so duse mang un PS a pö etwas runterjehen. Vors.: Sie haben mich mißverstan den. Ich wollte Über die Art Ihrer Beschäftigung Näheres erfahren, da es doch auffällig ist, daß Sie sich in Wech selgeschäste eingelassen haben. Angekl. : Ick bin Wiejemeister, also Meister von der Waage, indem ick allen abwieie, wat aus der Fabrik hinausjeht. Aber det mit dem Wechsel, det is 'ne Sache für sich, die hat mit der Wiejerei jar nischt zu thun. Wie die Sache drum un dran hängt, det will ick Ihnen kurz und klecn erzählen. Also Otto. . . Vors.: Sie meinen den Zeugen Otto Schaber, der Strafantrag wegen Kör Perverletzung gegen Sie gestellt hat? " Angekl.: Ja. meinen Landsmann Otto Schaber vom Wedding, wo wir becde ufjezogen, konfirmirt und jcborcn worden sind. Heutzutage, wo in Ber lin fast jar keen jeborener Berliner mehr is, da freut man sich, wenn man mal so'n Berliner Landömann trifft. So jing et mir eines Dages, als ick unvermuthet mit Otto in der Brunnen straße zusammentraf. Wir pichelten mehrere Weißen aus und waren sehr verjniigt. Da össnct Otto plötzlich sein Herz und seine Brusttasche, Aus dieser nahm er een Papier un sagte, det wäre een Wechsel über 100 Mark, den er von einem Freund für eine Schuld erhalten hätte. So'n Wechsel wäre so jut wie 'ne Banknote, sagte Otto, aber er brauchte jleich baar Jeld, und ick möchte ihm den Wechsel abneh. men. .Du. so wat versteh' ick mch," jagte ick zu ihm, ick weeß nich, wat ick damit anfangen soll, un so 'ne Papiere, die werden manchmal erst fällig, wenn man schon lange von den Todten aufcr standen is." .Nee, meente er, .det wäre 'n kurzsichtiger Wechsel." Nil muß ick bemerken, Herr Jerichtshof, dat Otto selbst etwas schüchtern uf die Oogen is, un wie er nu sagte, det wäre een kurzsichtiger Wechsel .... Vors.: So eingehend brauchen Sie unö die Geschichte nicht u erzäblen.

Sie haben doch schließlich den Wechsel angenommen? Angekl.: Na, det dauerte doch minde' stens zwee Weiße lang. Otto redete mir zu un sagte: .Der Wechsel loost ja nur drei Monate. .Wat?" sagte ick, .hrei Monate soll ick dem nachloo fen? Det kann ick nich, da jeht mir de Puste aus. Ick mit meinem Körper jewicht von 280 Pfund kann so 'ne strapaziöse Sache nich übernehmen." Otto belehrte mir dann aber über die Sache, un endlich, umihm den Jefallen zu thun, übernahm ick den Wechsel und zahlte ihm det Jeld aus. Vors.: Der Wechsel ist am Verfall, tage nicht eingelöst worden? Angekl.: Eben nich, obwohl ick mir an dem Tage janz schwarz anjezogen und mit meinem Cylinderbibi jeschmückt hatte, Der Mann, der ihn bezahlen sollte, sagte eenfach, er hätte zufällig jerade keen kleenet Jeld in die Tasche, ick möchte mal wieder mit rankommen, wenn et ihm paßte. Ick wurde nadier. lich ürjerlich un sagte: .Hören Sie mal, Männecken, seien Se jebildet, wenn et Jbnen ooch lckuve;.fäüZ worau? er jicj

-mm

Vatzla antwortete: jjta. oeboomolcii.

Se sich man nich." Herr Jerichtshof, wenn Jemand so wat zu mir sagt, wenn er meent, ick soll mir nich beboomö-

ien

Vors.: Es ist Za beareillick. dak Sie

in diesem Augenblick erregt waren. Aber als Sie am anderen Taae

Ihrem Freunde kamen, da mußte diese

Aufwallung nch doch schon gelegt haben.

ticytsdettowenlger haben Sie ihn geprügelt. Angekl.: Herr Jerichtshof, er hatte mir doch als Landsmann rinjelegt. Und ick habe den Jrundsatz: .Ordnung regiert die Welt, und der Knippcl die Leite" Vors.: Der Wechsel wurde aber doch schließlich bezahlt. Angekl.: Jawohl. Herr Jerichtshof. Is det NU jut, bet er bezahlt wurde, oder is et nich iut! Jut is et. werden Sie saaen. Aber er wäre nich bttahlt

worden, wenn ick nich uffjetreten wäre.

lin darum, weil ick eben ustzctrctcn bin, soll ick nun verknackst werden? Dcteht nich! Es ging leider aber doch. Das Ur theil lautete allerdings nur auf 20 Mark Geldstrafe. Lauter Selbsttadel ist Herausforderuna fremden Lobes. uneigennützig. Buch Händler: Diese Ausgabe ist zwar billig, aber sie hat außerordentlich kleinen Druck! Herr: Das macht nichts. ich lasse mir vorlesen! Unzertrennlich. Anwalt: Ich kann nicht helfen; Ihr Mann muß einfach zahlen oder brummen! Frau: Ja eines ohne das andere geht nicht. Wenn mein Mann zahlen muß, dann brummt er auch! Vergeßlich. Professor: Wer hat denn das Tintenfaß über die Tischdecke geschüttet? Kinder: Ich nicht ich auch nicht ich auch nicht! Professor (für sich): Hm, also ich selbst, na, ich dachte eö mir gleich! Er kennt s i e. Sie: Komm, iß einen von diesen schönen Aepfeln, die ich eigens für Dich besorgt habe." Er: myia, Du bist heute wieder so freundlich; es ist gewiß ein saurer Apfel dabei, in den ick beiben soll?" Modern. Ist es wahr, la die geschiedene Frau Doctor noch im mer bei ihrem Manne lebt?" Gewiß!" Aber, wie ist denn das mög. lichr Seh? einfach! Die Frau Doctor kocht ganz famos, und da der

Herr Doctor em ausgezeichneter Gour

mand ist, hat er sie nach der Scheidung

als Köchm engagirt!"

Das folgsameKind.

Mar: Ich will Chokolade haben!

Wärterin: Chokolade darfst Du nicht

haben, der Arzt hat's verboten! Max:

Ich will trotzdem welche haben! War

terin: Aber Kind, bedenke doch, der

Arzt hat's verboten, das ist nicht, als

wenn Papa oder Mama etwas verbo ten hat. oder der Lehrer l Guterklärt. Sonntaasrei-

ter (der ganz abgerissen zu Fuße zum

Pferdeverleiher zurückkommt): Was

haben Sie gesagt, der Racker ist von

Damen geritten worden? Ein saube

reö Damenpferd, das bockt und durch geht!" Pferdeverleiher: Der Gaul ist

sieben Jahre unter Damen geganzen-

was kann :ch dafür, wenn er da geerbt

bat Launen?

AuöderSchulegeplau-

d e r t. Sie: Nun Vetter, wie steht

eö denn mit Deinen Fortschritten im

Radeln?" Er: Donnerwetter! Ich

alaube. ich lerne eS nimmer." Sie:

.Na. warte nur. bist Du 'mal verhei

rathet sein wirst!" Er: Warum denn dann?" Sie: Mama sagt,

in der Ebe lernt der Mann Alles."

Ach, wieliebenKwUrdig!

Herr (zum Zahnarzt): Ich habe keine

Lust, extra für Lachgas u bezahlen. Ziehen Sie den Zahn nur so auö.wenn es auch ein bischen weh thut." Zahn. arzt: Sie sind ja sehr muthig. Zeigen

Sie 'mal den Zahn. Herr: Ach. ich

habe ja keine Zahnschmerzen, sondern meine Sckwieaermutter. Sie wird

gleich hier sein."

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