Indiana Tribüne, Volume 20, Number 314, Indianapolis, Marion County, 1 August 1897 — Page 6
s. Tine Götter, und Menschengkschichte, von Han5 Frei. Das alte Jahrhundert ging seinem linde entgegen, und schon regten und rührten sich allenthalben die Lorboten einer neuen Zeit. Auf der Schwelle des Jahrhunderts saß der Zeitgeist, blies gelangweilt Dampfwolken in die 2uft. blickte verächtlich auf sein altes, gemüthliches Hauskittelchen, das ihm zu eng geworden, und harrte m Un geduld des Zeitpunktes, wo er das alte Gewand abstreifen und wie eine Dienstmaid dieser Erde sich der andern" könnte. Hoch oben auf dem Olymp aber, in seinem Schöpferatelier saß Zeus, der Herrscher der Welten, um Menschen zu schaffen für die neue Zeit. Das mächtig: Haupt in die Hand gestützt, saß er und sann. Da erschien Eurynome, die Mutter er Grazien, und lockte ihn hinweg mit holdem Getändel. In diesem Augenblick packte den Zeitgeist unten ein Einfall. Er that einen Zug aus seiner Pfeife und sandte eine mächtige Wolke zum Olymp empor. In dieser Wolke aber befand sich in wunderlicher Vacillus ähnlich ?inem Käfer der brrte in der reinen, olympischen Luft umher und wagte es, allerhöchsten olympischen Autoritäten .sich kecklich auf die Nase zu setzen. Die Göttin der Zwietracht jedoch fing ihn und warf ihn arglistig in den Vorn des Wissens, der in ewiger Frische vom Olymp herab zur Erde quoll. Und hier vermehrte er sich sofort. Da trat in strahlender Morgenfrische Hera in die olympischen Hallen, um ihrem göttlichen Gatten den Morgengruß zu bieten, und fand ihn zu ihrem Verdruß an der Seite ihrer Feindin in traulichem Geplauder. Verstimmt schritt sie durch die Gemächer da fiel ihr Auge auf das verlassene Schöpferaielier, und, vom plötzlichen Impuls getrieben, trat sie hinein. Ich will ihn beschämen, den Amtund Pflichtvergessenen." spiach sie. Ich will Menschen schaffen." Und schnell entschlossen streift sie den Peplos aus, packt die Menschenknetmasse Tino macht Menschen. Als Zeus zurückkehrte, fand er beTeils die halbe Erde mit neuen Wesen bevölkert, und Hera eben dabei, ihre letzten Schöpfungen vom Olymp herabzulassen wies dem pflichtvergesjenen Gatten triumphirend ihr Werk. O, Unselige, was hast Du gethan!" rief Zeus. Wehe Dir, armes Menschengeschlecht!" Hera o Verhängnis hatte drei schreckliche Mißgriffe begangen: Sie hatte viel zu viel Menschen geschaffen, und zwar viel zu viel Frauen und viel vzu irerna, Männer, und fast allen Männern hatte sie das Herz auf der unrechten Stelle eingesetzt. Und nun ging ein Wirrwarr an, unten auf der Erde, daß selbst dem Zeitgeist angst und bange wurde. Die Erde hatte nicht mehr Raum und Brot und Arbeit für alle Menschen. Ein Kampf, wie 'ihn die Welt noch nicht gesehen, entrannte um Arbeit und Dasein. Ei- , mz verdrängte den Anderen stieß zu Boden, was ihm im Wege war, um -sich selbst einen Platz zu erobern. 'Die Gewalt triu nphirte, die Schutzlosen mußten untergehen. Und am schlimmsten erging es den grauen. Nicht wie in früheren, idylliIchen Zeiten saßen alle wohlversorgt und geborgen in Häusern als Gattin und Mutter. Tausende von Frauen standen in der Welt glück- und beimathlos da. ohne Schutz und ohne .Brot, der ganzen Nauhheit des Lebens Qu-gesetzt,' hinausgedrängt in den ilamtf um's Dasein. Und ihnen stand das Gros der Männer gegeniib:r nicht als Schützer und Ritter, sondern als Nivalen, denn sie hatten ja das H?rz nicht auf dem rechten Fleck. Sie dachten nur an sich, kämpften nur für sich, besetzten all: Posten mit der Behauptung, daß sie allein dazu besähigt seien durch den Trunk aus dem Wissensöorn, und die armen, alleinstehenden Frauen mit der Leere und S:bnsucht im Herzen, wußten nicht, was thun, um ihr Leben zu fristen, und drohten zu verschmachten an Leib und Seele. Da die Noth ihrer Schwestern gewahrend, von Rechtsgefühl und göttlichem Erbarmen erfüllt, faßte Hera einen Entschluß sie öffnete den Frauen den Lorn des Wissens. Sofort stürzten mehrere zu dem rctienden Quell, in durstigen Zügen die göttliche Gabe zu trinken. Und eine neue, wunderbare Welt erschloß sich ihrem Geiste Glück. Kraft und Leben spendend und frohlockend winkten sie den Schwestern. Da kam auch in k große Menge, die anfangs nicht verstand, den Schatz zu würdigen. Leben und Bewegung, und eine nach der anderen folgte erst zaghaft, dann immer muthiger dem Rufe der Heldinncn und eilte zum Wissensborn. Da aber kamen di: Männer. Sie erklärten den Wissensborn für ihren eigensten Privatbesitz und meinten, die Jrau könne so kräftigen Trunk nicht vertragen. Und sie wehrten ihnen und verdrängten sie, wo sie konnten. Aber die Frauen ließen sich nicht zurückhalten und kämpften um ihr Recht auf Leben und Tod. Und die stolzen Mänuer waren nicht zu stolz, mit schwachen Frauen zu kämpfen denn sie hatten ja das Herz nicht auf dem rechten Fleck. Endlich gelang es den Heldinnen mehr und mehr, den Weg zu erkämpfen, aber nun drängte eine ungeheure Fluth nach, von Wesen aller Art, um leichten Kaufes die so theuer erkämpfte Pforte zu durchschreiten und eine unheilvolle Wolke stieg drohend am Frauenhimmel auf. Da sandte Athene ihren weisen Vocl hernieder, um den göttlichen Born
Aer Zettgelst-Vacissu
zu bewachen und die Weisen zu scheiden von den Unweisen. Haltet Auslese unter den Geistern!" warnte der weise Vogel. Haltet Auslese!" Aber die Frauen hörten nicht auf
die Stimme der Weisheit. Zutritt für Alle!" heischten sie obne Unterschied. Und sie drängten herzu Weise und Unweise und tranken au dem Born des Wissens. Da kam das Verhängniß über sie: mit diesem Trunk schluckten sie den Bacmus des Zeitgeistes, und dieser Vacillus war der, Emancipationsbacillus. Starken Geistern ward er zumSeqen. beherrscht von der Kraft ihres Hirns, half er den Kops frei machen von mancherlei altem. überkommenem Ballast und den Horizont weiten für die Welt des Hohen und Großen, die der Wissensborn ihnen erschloß. Aber kleinen Geistern stieg der Emancipationsbacillus zu Kopfe, wurde groß und größer und erstickte schließlich ganz ihr bischen Hirn. Und nun entstanden entsetzliche, unglückselige Wesen mit Weibergestalt und Männergebahren ein Schrecken für. alle Welt Zu den Höhen des Geistes vermochten sie sich nicht emporzuschwingen und hatten doch die zierlichen Pantöffelchen verloren, die es ihnen ermöglichten, nach alter Sitte fein, nett imd niedlich über die Erde zu trippeln. Da standen sie nun, ohne Schuhe und ohne Flügel, und machten die wunderlichsten Sprünge und Capriolen, um sich auf dem Boden zu beHäupten. Männerhüte setzten sie sich auf und Männerkleider zogen sie an. Gleickwerthiakeit wollten sie ersetzen durch Gleichartigkeit. Gleich en Männern inLebensart, Rede und Austreten" war ihre Losung, und statt des Banners der Schönheit hielten sie das Banner der Unweiblichkeit empor. O Hera, rief Zeus voll Entsetzen, n Carn Vnt nrnufnm ftlVtff Di! mich!" Und Aphrodite und alle GramV 7IIU. l IV VA I I ' I I " zien verhüllten schaudernd ihr Aimiä. Sebt 5kr." riefen die Männer und wiesen triumphirend auf dilse Zerrbilder des schönen Geschleckts. seht Ihr. daß das Weib den Wiinsquell nicht vertragen kann!" Die Ed'cn und Weisen unier den kämpfenden Frauen aber weinten. Und weiter tobte der Kampf und zermalmte Alles, was nicht von Erz und Eisen. Licht. Duft und alles Schöne schien geschwunden von der Erde und gewichen einem öden Grau in Grau. So aina das alte Jahrhundert zu Ende, und'die Glocken, die es zu Grabe läuteten, batten einen harten Klang. Inmitten der kämpfenden Welt aber mit nüchternem, erbarmungstoem Antlitz, bis an die Zähne bewaffnet schwebte der Zeitgeist und rollte empor den Vorhang des zwanzigsten JahrHunderts. Dc &to In plattdeutscher Mundart, von Chr. Ruße Wat is de Leiw'? En Sünnenschin So klor un warm to Frühjohrstid, Wenn Storm un Weder ut sall sin Un jung un frisch de Welt utsüht. Wat is de Leiw'? En käuhles Ratt, En Regenschur an 'n heiten Dag, Wenn ganz verkamen Blaum' un Blatt, Ru upwakt Duft un Vagelschlag. Wat is de Leiw'? En warme Stuw', Wenn 's Abends rüg de Harwst - intreckt. Wenn buten brüst de Stormeshuw' Un Mutting drinnen Licht ansteckt. Wat is de Leiw'? En Wihnachtsfest Bi Lichterglanz un Dannengräun, Mit Sang un Ringeld'anz up't best'; Mit Oellerngluck und Kinnersreu n. Wat is de Leiw'? En Engel is't. Von baben kümmt hei fromm un rein Un tröst't UN helpt as uns' HeilChrist Un lett in't Paradies uns' seihn. De Leiw' is höger as de Erd'. Sei reckt an'n hogen Hewen an,' Un Dod un Graww makt kein Beswerd', Wil echte Leiw' nich starwen kann. Ein kleiner Dämpfer. Der Zufall wollte es, daß Salberle und Großm'äule, welche ihre Lehrzeit gemeinsam durchmachten, in derselben todt sich als wohlapproblrte Bader etablirten. Während Salberle, einfach und bescheiden, fast nie in Gesellschaft kam. hatte der wlchtigthuende Großmäule sich bereits in weitere Kreise eingeführt. Dieser wurde wegen seiner von ihm oft genug hervorgehobenen Kenntnisse allenthalben respektirt und demgemäß auch als Herr Doktoc" titulirt. Eines Abends saß der Hecr Doktor" im grauen Bären und führte. Wie gewöhnlich, das Wort, als Salberle. der ausnahmsweise ausgegangen, eingetreten war und auf Einladung eines Bekannten am Stammtische Platz genommen hatte. Jener Bekannte übernahm dieVorstellung und als die Reihe an Großmäule kam, sagte Salberle trocken: Kenne ihn schonden Herrn Doktor, waren ja miteinander auf Universität." HöchsteSchönheit. Fräulein Bergmann soll ja sehr schön sein." Studiosus: Ich sag' Ihnen, der gegenüber könnte man sogar am Ersten" auf Heiratsgedanken kommen." Natürlich! Ist aus dieser Bahnstrecke ein Tunnel?" Lieutenant: Werden ja sehen, ob sich Damen in 5iein Coupe drängen!" ' Die beste aller Welten. Wenn jede Frau das wäre, für ivas sie sich hält, könnte die Welt ein entzückender Aufenthalt sein.
Yildcr ans Schottland.
Das sagenumwobene, meerumspülte Schottland bietet des Interessanten so viel, daß es nicht Wunder nehmen . kann, daß der Strom von Touristen ! it : tvfc rv vvtiqm von ;aqr zu aor zunimmi. Wer von Westen aus einen Streifzug durch das Land machen will, wird Glasgow zumAusgangspunkt wählen. Glasgow besitzt zwei hervorragende Gebäude: die neue Universität und die alte Kathedrale, einen frühgothischen. aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Bau. Von außen macht dies ehrwürdige Gotteshaus einen fast plumpen Eindruck, umso imponirender wirken aber die hohen Kreuzgewölbe und die malerisch gruppirten SäulenKathedrale von Glasgow. stellungen des Inneren. Besonders sehenswerth ist die Krypta, welche ihr Licht durch bunte Glasfenster erhält und darum nicht, wie andere derartige Gewölbe, in schaurige Grabesnacht getaucht ist, sondern ein sanftes Dämmerlicht verbreitet, das die Seele zu stiller Betrachtung ladet. Sehr reizvoll ist eine Meerfahrt von Glasgow aus längs der Westküste. Lange, schmale Meeresarme. Lochs" genannt, erstrecken sich bis tief in das Innere, dessen Ufer von blühenden Gärten eingefaßt sind, aus denen myrthenumsponnene Landhäuser freundlich hervorlugen. Je höher nach Norden, um so svärlicher wird der Pflanzenwuchs, bis schließlich, nur noch zwischen kahlen Felseneilanden kreuzend, nach zehnstundiger Seefahrt der Hafen von Oban erreicht wird. Oban war einst der Sin der schottischen Köniae. In dem Schlosse, von dessen malerischen. epheuumranlten Ruinen aus man einen weiten, herrlichen Blick über das Meer, die Inseln und Berge genießt, wurde das schottische öeiliatbum. the stone of scone", bewahrt. Auf diesem Stein soll angeblich der ErzVater Jalob geruht haben, als er von der Himmelsleiter träumte, und rn DieFingälshöhle. seinem Besitz sahen die Herrscher Schottlands den Talisman ihrer Macht. ' Erst nachdem es den Engländern gelungen. war, den Stern zu erobern, ergaben sich die Schotten in ihr Schicksal, und seitdem liegt der heilige Stein, als ein Wahrzeichen der ewigen Vereinigung beider Königreiche, unter dem Thronsessel der Westminsterabtei zu London. Von Oban aus wird die Insel Staffa mit der berühmten Fingalshöhle besucht. Schaurig - grüne Dämmerung umfängt den Besucher in der Höhle. Die heranbrausendeFluth, welche schluchzend und gurgelnd in dem hohen Felsengewölbe widerhallt, erweckt eine geheimnißvolle Melodie, als griffen Fingal's Geisterhände in die Harfe, um dem modernen Geschlecht von der entschwundenen Herrlichkeit der alten Zeiten zu künden. Von dieser versunkenen Pracht zeugen die zahlreichen Ruinen, welche den schönsten Schmuck Schottlands bilden; so die Ueberreste der ersten Kathedrale auf der Insel Jona und das romantlsche Kilchurn - Eastle am Loch Awe, in unmittelbarer Nähe von Oban. Nuinender Kathedraleauf Jona. Will man den eigenthümlich melancholischen Zauber des einsamen Hochlandes ganz verstehen lernen, so muß man sich von Oban aus in's Innere begegn. Es geht den kanonischen Eanal hinauf, immer enger und steiler umschließen die Grampianberge die schmale Wasserstraße, bis das Schiff vor dem kleinen Fort William ankert, das von den schroffen, dunkeln Felsenmassen des Ben Newis überragt wird. Der Ausstieg ist beschwerlich und die Unterkunft oben jämmerlich, aber der Naturfreund nimmt gern solche Verdrießlichkeiten in den Kauf. Eine klare Fernsicht wird-man in Schottland selten genießen, aber der Kampf der Sonnenstrahlen mit den aufsteigenden Nebelmassen zaubert eine Fülle überraschender Farbenesfekte hervor, welche
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dle sonst so ode, einförmige Landschaft mit dem Reiz einer ewig wechselnden, eigenartigen Beleuchtung überlleidct. Dies leuchtende Farbenbild ist das Einzige.was die sonst bedrückende Melancholie der Hochlandsscenerie mildert. Schroffe, dunkle Felsen wechseln mit leichtgewellten Hügeln ab, welche in das einförmige Graugrün einer spärlichen Vegetation gekleidet sind. Die düsteren Seen erhöhen eher den traurigen Eindruck der Landschaft, statt dieselbe zu beleben. Dem schottischen Hochland fehlt der Zauber der, Wälder und glänzenden Firne, welche eine Wanderung durch die Alpen fo herzerhebend machen. Und doch hat auch diese Natur ihren eigenthümlich fesselnden Reiz, den man empfindet, je länger man die düstere Schönheit genießt. Gut gehaltene Fahrstraßen, auf denen die mit flotten, starken Pferden bespannten Eoaches" den Verkehr verMitteln, durchziehen die Hochlande. Seine intimeren Reize jedoch erschließt dies Haideland nur dem Wanderer, der den ganzen Zauber der Einsamkeit auf sein Gemüth wirken läßt und sie mit den Gestalten der Sage und Geschichte bevölkert. An den Ufern des Loch Katrine nimmt der Reisende Abschied von dem eigentlichen Hochland uud der Weg führt ihn durch fruchtbare Felder und Wiesen nach Eallander, von wo aus die Eisenbahn ihn in wenigen Stunden nach Edinburgh führt, das mit Recht zu den schönsten und interessantestenStädten Europas gerechnet wird.
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"" --wr-ir- .-rj nrnnr,2 Walter Scott -Denkmal in Edinburgh. Edinburgh liegt in einer Thalmulde, umgebe.i von einer Kette steiler Felskegel. Einer derselÄn krönt die alte Burg, der Lieblingssitz Maria Stuart's noch heute zeigt man einen dunkeln Blutsleck an der Stelle, auf welcher der unglückliche Rizzio ermordet wurde. Die höchste, nicht bebaute Bergkuppe Arthurs Seat" gewährt einen umfassenden Blick über die schöne, alte Stadt und die herrliche Umgebung, bis an das Gestade der Nordsee, deren erquickender Hauch' das Klima Edinburghs gesund erhält. Diese herrliche Stadt vereinigt des Schonen und Interessanten so viel, daß der Naturfreund wie der Alterthumsforscher, der Maler wie der Historiker hier eine reiche Quelle des Genusses und der Belohnung finden. Eine der Hauptsehenswurdigkeiten bildet das m Princes Street belegene Denkmal Walter Scott's. Zu artig. dL. yv$zsi-Ym ... Ich habe unendliche bedaucri, nicht zu Hause gewesen zu sein, als Sie mich das letzte Mal besuchten. Aber. nicht wahr. Sie lassen es mir Nicht entgelten und kommen bald wieder auch wenn ich nicht zu Hause bin! Ihre lleben Besuche freuen mich ja immer. Angewa ndtes Spruchwort. Sie: Heute hab' ich mich aus Langeweile selbst an's Kochen gemacht!" Er (brummend): Ja, ja, Müßiggang ist aller Laster Anfang"!" Dilemma. Dichterling (de? sich immer Stimmung" trinken muß. als er stark angeheitert ist): Sr. Stimmung hätt' ich jetzt aber schreiben kann ich nimmer!" Abgeblitzt. Gnädiges Fräulein! Ich habe lange geschwankt, ehe ich mich entschlossen, Ihnen mein Herz anzutragen!" O bitte, schwanken Sie weiter!" Unverfroren. Kunde (wüthend): Mit meiner Frau haben Sie mich nett angeschmiert sie hat ja gar keine zehntausend Thaler!" Heirathsvermittler: Das konnte ich nicht wissen. . . . häßlich genug ist sie jedoch .dafür!"
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Wenn man in südlicher Richtung auf der breiten, baumgeschmückten Tegernseer - Landstraße Münchens idyllisch gelegene Vorstadt Giesing verläßt, so gelangt man nach kurzer Wanderung durch eine hübsche Landschaft am Waldessaum zu einem mächtigen Bau. das neue Strafvollstreckungs-Ge-fängniß Stadelheim oder wie der Münchener sagt das Hotel Stadelnheim." Stadelheim ist nach jeder Richtung hin eine Musteranstalt zu nennen, denn sie ist nicht nur nach den neuesten technischen Systemen eingerichtet, sondern auch mit allen Errungenschaften der Neuzeit auf hygienischem Gebiet versehen. Auf ein Glockenzeichen hin wird uns das große Gitterthor auf elektrischem Wege geöffnet, und wir i Einlieferung der Sträflinge. durchschreiten den Vorgarten. Unterdessen hat ein Gefängnißaufseher das Hauptthor weit geöffnet und wir wollten eben die Anstalt betreten, als vor dem Thor ein großer schwarzerWagen, ein ganz unheimlicher Kasten, hielt es war der Hotelomnibus", der die Herren Spitzbuben nach Stadelheim bringt. Die Thür des Wagens geht auf und heraus spazieren einige Bassermann'sche Gestalten, welche den Wärtern freundlich zugrinscn, denn es sind meist alte Bekannte, die zur standigen Kundschaft zählen. Mit ihnen begeben wir uns m das Gefängniß wo wir im Jourzimmer einen Führer erhalten, der in liebenswürdigster Welse uns die SehensWürdigkeiten" zeigt. Das Jourzimmer ist mit Telephon und einer ganzen Reihe von Eontrollckpparaien versehen. Jour-Zimmer. Die Zellen, welche den Gästen" entweder einzeln oder in Gruppen, wenn auch nach Geschlechtern getrennt, als Wohnraum während ihres Verhältnißmäßig kurzen Aufenthalts m Stadelheim es werden nur Strafen bis zu drei Monaten dort vollstreck! angewiesen werden, sind geräumig, mit einem kleinen Fenster versehen, während das weitere Mobilar aus einem aufklappbaren eisernen Bett mit Matratze, einem Tisch, einem Stuhl und cmem Kleidcrrahmen besteht. Die Thüren der Zellen bewegen sich rn emer aus Granitsteinen hergestellten Umfassung. Zwei Riegel, einer oben, der andere unten, dann ein gutes Schloß sorgen dafür, daß etwaige stark . entwickelte Freiheitsgelüst: nicht zum Ausbruch" kommen können. An der Thur besmdet sich außerdem ein Beobachtungsloch für die Aufseher, ein Schieber zum Arbeitssaal. Hineinreichen der Speisen, und ein Thermometer zur Temperaturcontrolle, da die Zellen durch Dampf gekient und die Temperatur bei icoer Zelle für sich von außen regulirt respectlve die Heizung ganz adgestelll werden kann. Selbstverständlich ist fürBadegelegenheit gesorgt. auchArbeit giebt es für die männlichen und weiblichen Sträflinge in Hülle und Fülle. Die Anstalt, welche in allen ihren teilen mit Gas beleuchtet ist. das draußen selbst fabricirt wird, und welche durchwegs auch m den Zellen Parkettböden ausweist, die stets glänzend rein gehalten sind, ist für vierhundert Gefangene bestimmt, eine Spaziergang. Zahl, die aber nur selten, höchstens in strengem Winter erreicht wird. 2)och halt, welch ein interessantes Bild dor: im Hof! Wir können es von dem Gangfenster, an dem wir eben stehen, genau beobachten. Paarweise spazieren die weiblichen Gefangenen in dem nicht fehr großen Hof auf und ab. einige im vergnügten Geplauder. haben sie doch längst jedes Schamgefühl verloren, andere gedrückt und traurig bei dem Gedanken, in diesen Mauern verweilen zu müssen vielleicht wegen eines nur aus Leichtsinn begangenen Ver-
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gehens. Ergriffen von diesem Anblick, setzen wir unsere Wanderung fort, besichtigen die Krankensäle, die für je sechs bis zehn Kranke bestimmt.
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1 3fcü Krankensaal. und mit allen hygienischen Einrichtungen versehen sind, den katholischen und protestantische Betsaal, welche beide in würdigster Weise ausgestattet sind. . Jetzt macht uns unser Führer auf eine Zelle, vai die wir nunmehr gekommen sind, besonders aufmerksam. Delinquentenzelle," so steht auf einem Schild an der Thür zu lesen. Ein Raum, doppelt so groß als die übrigen Zellen, nimmt uns auf. In demselben befindet sich neben einem Stuhl und einem Bett ein großes Kruzifix, vor demselben ein Betstuhl ... Wir stehen in der Armensünderzelle, wo die, welche zum Tod verurtheilt sind, ihre letzten Stunden verbringen. Von der Delinquentenzelle geht eine Thür direkt auf das im Hof errichtete Schafott, während sich gegenüber das Sektionsi Küche. zimmer und eine Remise befindet, in welcher das Gerüst für das Fallbeil aufbewahrt ist. Die Maschine selbst ist zum Theil im Zeughaus, zum Theil auf der Eommandantur aufbewahrt, eine Vorsichtsmaßregel, die verhindern soll, daß im Fall einer Revolution von der Guillotine zu schnell Gebrauch gemacht wird. Wenden wir uns von dieser Stätte des Grausens angenehmeren Dingen zu und statten wir noch derKüche einen Besuch ab. In der Mitte des großen Raumes sehen wir vier mächtige Kessel, in welchen mittels Dampf die Speisen gekocht werden. Das Kochen sowie alle Kllchenarbeiten versehen weibliche Gefangene. Die Kost ist gut; es giebt jeden Tag, mit Ausnähme Mittwochs und Freitags, Fleisch und Gemüse. Und da wundert man sich dann, daß Leute im Winter, wenn sie keine Arbeit und vielleicht kein Obdach haben, den Wunsch ' äußern, man möge sie doch einsperren. Dienstmädchen: Aber wie Sie unser Geburtstagsgeschenk schön kleidet, gnädiger Herr!" Herr der Hauses Erstaunt): Euer Geburtstagsgeschenk?" Dienstmädchen: - Ra. gewiß! Der Pelz, den Sie von der gnädigen Frau bekommen haben! . . . Dafür haben wir ein halbes Jahr, statt Butter. Margarine essen müssen!" Zweifel. Weiblicher Student: Nun weiß ich nicht, soll ich dem jungen Professor, welcher mich so auffällig fixirt. meinen Secundanten oder meine . . . Mutter schicken?" Schlau. Ich bitte Dich, die Tochter hättest Du haben können und die Mutter hast Du genommen!" .Schwiegermutter umgangen." Unberechtigt. Herr (auf Kruü'cn und einen Verband über dem Auge): Guten Tag, ich komme, um die Unfallversicherung zu erhkben. Ich bin vorgestern zwei Treppen hinuntergefallen und werde einen Monat arbcitsunfähig sein." Director der Versicherungsgesellschaft: Junger Mann, wir haben uns nach Ihnen erkundigt und müssen bedauern, Ihre Förderung als selbstverschuldet zurückzuweisen. Sie wußten doch, daß der Vater der jungen Dame zu Hause war!"
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q V Ehrlich. Sie: Aber lieber Arthur, so betrachte Dir doch auch diese schönen Sachen in der Auslage." Er: Wenn Du mir versprichst, daß Du Dir nichts davon wünschest?" Sie: Versprechen will ich .es Dir schon, aber ich werde wohl zu schwach sein, mein Versprechen zu halten." Der Wilddieb. Der Forstgehilf ging in den Wald Und traf ein selten' Wild, Ein dunkeläugig Mägdelein. Der Jugend rosig Bild. Küß mich," sprach r, mein schlankes Reh;" Doch sie sprach: Nein, meinSchatz!" Wilddieb ward da der Jägersmann Und stahl sich einen Schmatz. m m - Pekuniäres Bedenken. . Maler: Gefällt Ihnen denn mein Bild Die Schlacht" nicht?" Protz: Gefall'n thut mer's schon, aber for dreitausend Mark sind mer drauf ßu wenig Leu:'!" Bewiesen. Ich soll nicht charakterfest sein! Neulich haben mich vier Gläubiger zugleich bestürmt und ich habe nichts ge geben!" Das inhaltsschwere Wort des Großen wird im Munde der Menge leicht zur Phrase. Beleidigungen gegen Große sind oft nur eine Anerkennt niß ihrer Größe. Eisenbahnunglück. Richter: Wie kamen Sie dazu, die junge Dame im Tunnel zu küssen?" Angeklagter: Der Kuß ist mir in der Dur kelheit eben so so entgleist!"
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