Indiana Tribüne, Volume 20, Number 314, Indianapolis, Marion County, 1 August 1897 — Page 3
" Arme Tljva! Berliner Roman von AudokPh Stratz. (7. Fortsetzung.) i ix. 5Jfo . . . nun können wir also anfan gen . . sagte eois,, spltztb ncn Tleistist und warf über den groß-n Nedaktionstisch herüber einen znxifelnden Blick aus den Freiherrn. der. würdevoll
in einen alten Schlafrock gewickelt, den tt3 aus dein Kops. auZgc-..etene Pantosfeln an den Füßen, in dem CefrnstiM;! thronte. Eine verrückte Situation das hatte sich der kleine Sportsman schon gedacht, während er zeitig sein Frühstück im Hote! einnahm. Es kam ihm gznz komisch vor, daß in 'diesem vornehmen, teppichbelegten und spiegelglänzenden Naum sich dazu stärken sollte, das Witzblatt Paprika" herauszugeben! Eigentlich mußte man doch dazu Journalist sein! Er begriff das nicht. Schon dreimal hatte er, da der alte Herr beharrlich schwieg und verdrießlich in seiner Kaffeetasse rührte, den tiefsinnigen Satz: .Es herrschte gestern trübes Weiter in Karlshorst und war der Besuch dah:r mäßig' niedergeschrieben und kam sich dabei ziemlich thöricht vor. Endlich schien sich Herr don Hofföcke? zu ermannen. Er blies eine Rauchwolke in die Luft und stieß einen schweren Seufzer aus. a . . . da sitzen wir nun. mein lie6er Teztor . . sprach er wehmüthig ... zioei arme Strohmänner! . . Strohmänner . . wiederholte er nach einer Pause und qualmte immer hestiaer. Wieso Strcihmänner?" fragteGeorg verblüfft. Der Alte kam nicht dazu, ihm zu antworten. Es klopste 'Und ein halbwüchsiger Jung: trat ein. . . . n scheenen Gruß ooch von meiner Töntet" sagte er. Der Freiherr sah ihn zerstreut an. Wer ist denn Deine Tante?" Dabei machte er schon eine Bewegung in die Westentasche, um ihm ein TotalisatorTicket auszuhändigen. Der Vengel lachte verschmitzt. Na . . . die Frau Dubberke, wat doch bisher Ihre Haushälterin war. Nu is sie doch sestern, weil sie von ihrem Mann nischt wissen will, zu uns jezogen, . . . Schneidermeister Pfeiffer in der Kanonierstraße." Schön!" entschied der alte Herr . . . . . . Gruß! Sie soll dort nur bis auf Weiteres bleiben!" Der Junge widersprach. Det paßt ihr ich . . . läßt sie Ihnen sagen . . weil sie doch ihre eigene Wirthschaft bei Ihnen hätt' ... und das hätt' sie nicht um Ihnen verdient, läßt sie Ihnen sagen . . Das soll sie mir. schreiben!" brummte der Freiher? immer verlegener werdend ... . . . . statt daß "sie mir Da 'neu jungen Menschen auf den Hals schickt . . ." Sie meint: Wenn sie schreibt, kriegt sie keine Antwort! Und Antwort will sie haben . . . heute Vormittag noch. Ihr wär's jleich . . . läßt sie sagen . , sie üt sich nick mehr drum, noch länger bei Ihnen Hung:rpoten zu saugen, wenn man ihr so kommt . . . Und sie könne auf der Stelle zu 'nem Doktor in der V?nnenstraße, der nich plötzlich Töchters . . . oder sonst was ... zu Besuch bekäme . . ." Genug jetzt!" suhr "ber alte Herr auf. Aber wrort mäßigte er wieder erschrocken seine Stimme. Gche nur. mein Sohn." sprach cr väterlich ... . . . und sage, ich käme selbst im Lauf des Vormittags zu ihi 'ran und sie solle doch ja bis dahin nichts weiteres unternehmen . . . sondem ruhig abwarten . . ." . . . Sagen will ich's . meinte der Vengel ... . . . .aber ob sie's thut! . . ." Damit schob er sich zur Thür hinaus und eine nnbebaglicke Stille trat ein. Nur aus der Küche hörte man über den Flur das leise Klappern und Stühlerücken, mit "Sem Th?a. halblaut ein Lied trällernd, heruinharztierte. Ihr Vater warf einen scheuen Blick nach dieser Nichtung. räusperte sich und knipste, hilflos das graue .aupt hinund herwiegend, die Spitze einer nsuen Jmport-Zigrre ab. Die hab' ick gestein geschenkt bikoninen," mumelte er. auf .das Bündel werfend- ....... ich muß sie aufrauchen, ehe der Bandit mit den blauen 'wiegeln wiederkommt . . ." Georg ging darauf nicht ein. Sie sagten vorhin: Strohmänner . . . ." Er schaute den Alten forschend an . . . . . . wleso sollen wir Gtrohmänner sein . . .?" Ick bin's . . ." soufzte der Andere ,wozu wollen wir uns denn Hirt 'ne Komödie vorfielen? ... ich sitze r.bzn da und schreibe meinen Namen . . meinen schönen, alten Namen unter das Schandblatt! na . . . und Sie . . . Gott ... es ist ja möglich. dai Sie bei irgend 'nem Theatermädchen oder Winkelbuchmacher 'mal irgmd 'ne Kleinigkeit erfabren. aber die Hauptsacke ist: Wir brauchen hier in der Nedaktion einen rüstigen, verwegenen Kerl . . . einen jungen Menschen, der zur Noth kunstgerecht boren kann. Denn das hab' ich dem Steinlein gleich gesagt: ck bin ein alter Mann! Ich bin hilflos, wenn uns die Leute mit 5!eitpeitfchen oder Vullenbeinern oder gar mit Nedolvern auf , die Bude rücken ..." Geora Tertor lieft den Bleistift sin ken iirro starrte den anderen mit esse nem Munde an. . . . und sie werden kommen, . . fuhr der bekümmert fort ... . . . sie müen kommen, wenn die nacksteNummer heraus ist. Bisher sind doch nur die drei ersten Nummern erschienen. Die waren harmlos. Die hab' ich gemacht ... so aus alten französischen Zeitungen . . . wissen Sie . . abe
jetzt kommt zum ersten Male der Bries kästen . . Der Briefkasten?"
Herr von Hoffäcker seufzte und reichte ihm ein mit fluchtigen Zügen bekritzeltes Blatt Papier. Solche Wifche schickt mir der Hallunke nun j?den Tag . . ." sagte cr kläglich ... . . . schreiben Sie's nachher ab, daß ich es vttbrennen kann. DaZ muß ich immer noch am selben Tag thun." Und das gibt den Briefkasten?" Der Briefkasten wird diesmal ungehöuer grofc! Es sind schon mindestens dreißig Antworten der Redaktion darin ... an erdichtete Leser natürlich. Ein groszer Theil davon mag ganz unverfänglich sein. Aber dazwischen stecken die gefährlichen ... Die Fukangeln . . . w'men Sie ich kann sie selbst nick son ten andern unte-rschei-den . . . sv geschickt sind sie abgefaßt . . . . nur dem verständlich, um den es sich handelt . . . un'd .daß es sich wohl um einen zahlungsfähigen Menschen handelt, das denke ich mir so! Ich weiß es nicht. Das geht alles hinter meinem Nücken z,u. Ich kann nichts thun, als die Wische 'drucken lassen und mit meinem Namen decken ... mit dem Namen Hofräcker. und ein Hoffäcker hat einst unter Barbarossas Augen zwei Sarazenen mit einem Hieb gefällt . . Und von wem kommen die Wische?" Der alte Herr neigte trübe Äas Haupt: Ich weiß es nicht. Sie kommen mit der Post und ich erkenne sie an der Schrift, die übrigens auch, wie Sie sehen, raffiniert verstellt ist. Diese Schrift wandert dann sofort in den Ofen daraus habe ich mein Ehrenwort gegeben . . . und sehen Sie, wie die Menschen sind . . . Steinlein, der Halunke, 'der mich in'5 Unglück gestürzt hat, glaubt doch noch an mein Ehrenwort! ..." Also schreibt der die Zettel?" Herr von Hoffäckcr sah sich um. Ich glaube nicht." flüsterte er geheimnißvoll . . . . . . wenn ich meinem Gefühl folgen darf, ist es ein gewisser Grunäus!" Grunäus! Georg sah den großen, wohlbeleibten Mann vor sich, mit dem bärtigen Faungestcht und dem bösen Lächeln ,um die wulstigen Lippen. Schließlich bleibt's sich ja auch gleich!" fuhr der alte Herr fort . . . . . . giebt es ein Unglück, so hält sich die Polizei nur an uns. Die Ausrede. wir hätten die Notizen anonym zugeschickt bekommen ain'd verbrannt, können wir nicht beweisen. Grunäus erklärt, er 'wisse überhaupt nichts von der Existenz des Paprika." Steinlein kann den VMeis antreten, daß er sich um das B?att gar nicht kümmert, sondern mir nur aus Gutmüthigkeit, weil ich durch ihn verkracht bin, ein paar hundert Mark gegeben hat, um mir eine EzNtenz zu gründen und daß er in gleiche? Absicht Sie hier angestellt hat. Und wer nun gar bei den Opfern -das Geld einkasstrt natürlich ohne das Blatt auch rvur zu erwähnen ... Er kommt rein zurallka am selben Morgen. wo die Nummer dem Betreffenden unter treisoand zugegangen ir, und bittet um eine Unterstützung ... als verarmter Edelmann oder dergleichen . . . ia . . . wer das besorgt, das wein ich nun gar nicht. Jeden falls einer, den sie auch an der Strippe haben . . . der Herr von Lenski oder so wer. Faßt man den. so that er verwundert: Giebt es wirklich ein solches Blatt in Berlin? Das ist ia schändlich! . . "Also ein richtiges Ncvolverblatt. Georg saß ganz starr da. Ich habe solche Angst vor ,oer nächstcn Nummer!" klagte der greise FreiHerr weiter Es lind za nur dunkle Andeutungen . . aber natürlich . . . wenn die Leute nicht reagieren, wird es von Woche zu Woche ärger werden. Und wir fallen dabei schiließlich ganz gewiß herein ... Das wäre ja wirklicy reizend!" murmelte Georg verstört imd wickelte sich eine iaarct!?. Bordeiyan) munen wirs abwarten " Herr von Hoffäcker seufzte -chwer aus was tyut man nicht alles, um nicht Hungers zu sterben! Und jetzt, wo das Kind 'da ist . . . also schreiden Sie jetzt 'mal da die Notiz über den ZZentralbauverein und die da . . . über den Vorfall in der Querallee des Thiergartens ab . . . und ich übersetze da was aus dem Gll-Blas Jlluströ" . . 's rst za ganz g.eich. was außer dem Briefkasten" in das Blatt kommt. wenn es eben nur ganz gehörig gelpfefsert ist . . ." Guten Morgen! tonte eme helle Stimme. T'hea trat in's Zimmer und drückte Georg wie einem guten Freund fest die Hand. .Sie sah frisch und munter aus. Die vorgebundene Weiße Schürze und die etwas aufgestreiften Aerme! kleideen sie vorzüglich. Ich hab' die Frau Kautz fast gar nicht gebraucht, Papa!" sagte sie ,und lchutelte fröhlich die Locken ... ... . . selbst ist der Mann und dasMädchen! . . . Die Zimmer sind besorgt . . die Küche in Ordnung ... in der Maschine brennt das Feuer ., . . und ich !ann Dir nur sagen, daß es fabelhaft amüsant ist. so berumzuwlrtbscbaften! Ja . . . tyue Das!" er ant Herr war sehr verlegen . . . Wirthschafte Du nwz zu!" Sie lachte bell auf. schlupfte über den Flur und kehrte mit einem Wohrztuyl in der Hand zurück. Ich bin ja fertig!" rief ste-unb schob den Stuhl an den großen Tisch heran . . . letzt geht es hier los! o , jz . . . was denn. Mm ... um Gotteswillen?" Ich werde doch nicht müßig sitzen, wenn Ihr hier arbeitet!" sagte sie erstaunt ... . . . die Hände in den Schoß legen . . . das fehlte noch! . . . Jetzt wird für den Steinlein geschuftet!" ... hat Her? Teztor gestern selbst gesagt . . .und ich helse mit!" Dabei fah sie triumphierend auf die beiden Männer, die ganz verdutzt dasaßen.
Ich helf mit an der Zeitung!" wiederholte sie und klatschte ungeduldig in die Hände ... . . . rasch . . . gebt mir was zu thun!" Ihr Vater wandte den greisen Kopf zu? Seite: Davon verstehst Du ja nichts, mein gutes Kind . . . das sind Dinge, die . . Oh, Papa!" unterbrach sie ihn empört ... . . . nützlich machen kann ich mich ganz gewiß . . . da . . . zum Beispiel . . ." sie wandte sich an Teztor so gut wie Sie kann ich -das doch auch abschreiben! Das ist doch wahrlich keine Kunst . . Und ihm den Zettel aus der Hand nehmend, las sie halblaut: Herrn vr. Sch., Charlottenburg. Sie fragen nach Hypothetenschiebungen des Zentralbaiudereins. die in letzter Zeit im Grundstückverke-Hr viel von sich reden machten? Es giebt keine Baugesellschast obigen Namens in Berlin. Sollten Ihre so präzisen und eingehenden Angaben auf tint an.dere Gesellschaft ähnlichen Namens passen, so würden wir es selbstverständlich für unsere Pflicht erachten, der unsauberen Angelegcnheit nä'her zu treten. Besten Gruß . . ." Thea setzte sich und rüstete sich eifrig zum Abschreiben, als ihr Freund die Hand auf das Papier legte un'd es leise wegzog. Lassen Sie das!" murmelte er verstört ....... das ist eine Sache . . . das wird nicht so einfach abgeschrieben. Es kommen noch einige Zusätze hinzu ... ein paar geschäftliche Bemerkungen, die Sie nicht abfassn können! 14 So?" Thea wandte sich zu irem Baer. Und Du. Papa? ... ich glaube gar, Du übcrsetzst aus dem Französischen! . . . Na . . . weißt Du, . . . das kann ich auch . . . vielleicht sogar besser . . das hat man mir wahrhaftig im Pensionat ingedrillt, wo wir eine Woche um die andere überhaupt nur französisch schwatzen durften . . . also gieb n.ur he? . . . das mach' ich Dir fein!" Sie streckte den Arm aus, um 'die Zeitung zu nehmen, die der alte Herr hastig zusammenballte und in den Papierkorb warf. Das ist nichts für Dich. Thea!" Er beugte sich mit rothem Kops über den Nand des Papierkorbs ... , . . das darfst Du nicht lesen!" Sie machte große Augen: Ihr macht eine Zeituna, die ich nicht lesen darf?" Nein . . . Tbea ... das ist nichts für iunaeMä'dchen!" Sie schwieg eine Weile. Uno so etwas schreibst Du?" fragte sie dann N'st. Und Sie, Herr Teztor?" Georg senkte stumm den Blick auf den Tifch. Der alte Herr aber bemühte sich, eine möglichst unbefangene und gewichtige Miene aufzusetzen. Es gibt eine Menge an sich ganz achtba und einwandfreie Dinge, mein Kino . . sprach er . . . die aber nur für gereifte Menschen un'd nicht sür halbe Kinider wie Dich bestimmt sind!" Und dazu gehört auch das Blatt P'aprika"?" forschte Thea . Ihr Vater nickte. Etwas zu antWorten wagte er nicht und ebensowenig, sein Gegenüber anzusehen. Nun ..." ... Thea lehnte sich resigniert in den Stuhl zurück ....... dann seh' ich Euch eber? zu! Daß ich allein da drüben sitz' und auf den häßlichen Hof hinausschaue, das könnt Ihr nicht verlangen. Ich werde ganz still sein und Euch gar nicht stören!" . . . Aber so fangt .doch an!" ermunterte sie sie nach einer ungeduldigen Pause wieder. Ihr thut ja gerade, als ob Ihr Euch vor mir geniert! . . . Was wird denn Herr Steinlein sagen, wenn c? Mittags kommt und sieht, daß Ihr gar nichts vor Euch gebracht habt?" Der alte Herr seufzte tief auf. beugte sich über das Pariser Kokottenblatt, das er wieder aus dem Korbe geholt, und begann in großen, zitterigen Zügen, lautlos die Lippen bewegend, zu schreiben. Auch Georg griff nach dem Bleistift. Aber er hielt ihn finster und reglos in der Hand, und die Notiz an den Dr. Sch. in Charlottenbuvz gedieh nicht weiter. Derlei zu schreiben, während diese träumerischen Kinderaugen Vertrauensvoll auf ihm ruhten . . . nein ... es war unmöglich. Er schob den Bogen zu? Seite und starrte mit einem Gefühl bitterer Beschämung ins Leere. Und da trafen sich seine Blicke mit denen des alten Freiberrn. Auch der hat. nach den ersten Worten zu schrnben aufgehört. Ein verzweifeltes Lächeln spielte um seinen Mund. Ein schweres Stillschweigen brütete üb'.r 'den drei Menschen. Ja . . . was yaöt Ihr 'denn nur?" wunderte sich Thea ... . ... bin ich &ich denn wirklich so zu? Last?" Georg faßte einen Entschluß. Er stanid jäh auf und stieß den Stuhl zurück. Das geht nicht!" sprach er kurz und rauh zu dem Andern ... . . . Das ist eine Schmach! . . . das ist nichts für mich . . . und für Sie- auch nicht!" Auch der Freiherr hatte sich erhoben un'd neigte trübe das greise Haupt. Thea begriff davon nichts. Sie war sitzen geblieben und schaute auf die bei-
den verstörten Männer ....... Was habt Ihr denn nur?" fragte sie leise. Oi . . . nichts Besonderes!" enviderte Georg gleichmüthig . . . . . . wir sind nur im Zweifel über einige Artikel in dem Blatt und wollen warten, bis Herr Steinlein um zwölf Uhr kommt! Dann können wir mit ihm darüber reden! Bis dahin," ... er sah auf die Uhr könnte ich mir gerade meine Sachen aus dem theuren Hotel holen lassen nd mir hier irgendwo ein möbliertes Zimmer in der Nachbarschaft miethen!" Thun Sie das, Teztor!" pflichtete ihm dei alte Herr eifrig bei und trottete in das Nebenzimmer, um Rock und
Weste anzuzteden und den grauen litj linder auszubürsten ... . . . und ich ... ich geh: inzwischen ..." stockte und Gwrg 'dachte unwillkürlich, welchen Vorwand er nun wohl nehmen würde, um den angesagten Versöhnungsöcsuch bei seiner Haushälterin in der Kanonierstraße zu bemänteln . . . . . . ich gebe vl meinen Kunden hier herum und bringe ihnen die Totalisa-tor-Tickets. auif die sie verloren haben. Als Zeichen, daß es bei mir reell zugeht! Ich mach' es nicht wie die Andern, die gar nicht für die Pserde ihrer Kunden setzen, sondern auf eigene Gefahr am Totalisator spielen. Da kann man dd'se abschneiden, wenn dann mal ein Außenseiter, den man für einen Kunden hätte belegen sollen, 'den anderen die Eisen zeigt. Woher dann das Geld nehmen und nicht stehlen . . . V . . . Und was mache ich. wenn Ihr Beide fortgcht?" unterbrach Thea betrübt das Geschwätz des alten Herrn. Ihr Bater tätschte sie sanft auf die Schalter. Ein Stündchen nur, mein Goldkittd . . . dann sind wir Beide wieder bei Dir! . . . Wir könnten uns ja unterwegs treffen, Textor . . . was meinen Sie ... in der AmericanBar an der Passage. Da hört man um die Zeit immer was Neues vom Turs.. Jawohl!" Georg nahm seinen Hut ... . . . also auf Wiedersehen, Fräulein Thea!" Auf Wiedersehen!" Sie sah ihm traurig ins Gesicht und umfaßte mit ihren beiden schmalen Händen seine Rechte ... . . . ich hab' eigentlich Angst, hier allein in der Wohnung zu bleiben!" Hoho!" Der alte Herr lachte etwas gezwungen, während er die verfänglichen Papiere vom Tische weg in ein Schubfach schloß ... . . . Dir passiert nichts! ... Sei nur ein tapferes, kleines Mädchen! . . . Kommen Sie, Textor! . . ." Und Beide stiegen die Treppe hinab. Schau! . . . schau!" Herr Steinlein blieb ganz überrascht stehen und ein Lächeln angenehmer Enttäuschung überzog sein glattes Gesicht. Er war absichtlich beinahe an'derthalb Stunden früher, als er dem FreiHerrn in Aussicht gestellt, in das Geschäftszimmcr des Paprika" gekommen. um den alten Gauner einmal gründlich in seiner Nebenbeschäftigung als Wettagent zu ertappen, und hatte zu dem Zwecke auch, ohne anzuklopfen, vorsichtig die Thüre amgedrückt. Und nun war der Nedaktionsraum leer. Die bei'den Herren Gottweißwohin verschwunden. Und dort drinnen im Nebenzimmer saß allein die junge Dame von gestern und schaute sehnsüchtig, als ob sie auf etwas wartete, durch die Scheiben. Alle Achtung! Soviel Delikatesse und Entgegenkommen hätte er dem ehrwürdigen Herrn von Hoffäcker gar nicht zugetraut! Er hatte sich auf einen schweren Kampf gesaßt gemacht, auf allerhand Skandale und Szenen . . . und statt dqim versteht ihn der Alte schon beim leisesten, eigentlich ganz unmerkbaren Wink, nimmt Hut und Stock und überläßt es seiner Tochtcr, den einflußreichen Gast zu empfangen . . . Und 'wie geschickt 'die Kleine sich anstellt, als ob sie ihn nicht sähe. Herr Steinlein lachte bei sich und trat in rosigster Laune quer durch das Zimmer auf Thea zu. die 0ci dein Knarren seiner Stiefel erschreckt emporfuhr. Die Verlegenheit von gestern war bei ihm sofort geschwunden. Wenn die Dinge so lagen, so fühlte ?r ja den altvertrauten Grund unter den 5?üßen. . . . Guten Morgen, mein gnädiges Fräulein . . . welch angenehme Ueberrafchung . . . hätte ich geahnt, Sie hier allein zu treffen . . . nicht einmal eine Nofe kann ich Ihnen zum Morgengrüß überreichen! " Ein Schatten desUnmuths war über Theas feine Züge geglitten. Aber man durfte Herrn Steinlein, denBrodherrn, nicht reizen. Bitte, wollen Sie Platz nehmen!" sagte sie liebenswürdig ........ mein Vater erwartete Sie. glaub' ich. erst in einer Stunde . . . und darum gingen er und Herr Textor . . ." Herr Steinlein setzte sich und lachte vergnügt ... . . . ich kann's erwarten. mein Fräulein . . . wegen mir können die Herren noch 'nen Halden Tg ausbleiben, das heißt" . . er blinzelte zu ihr hinauf ... . . . wenn Sie mir inzwischen Gesellschaft leisten." Thea war stehen geblieben und wandte sich jetzt von ihm ab. Der rundliche, kleine Herr flößte ihr durch-
aus keine Angst, aber ein Gefühl des Widerwillens in. Und wie kam e? dazu, sie einfach mein Fräulein" zu nennen?" ..Erlauben Sie?" Herr Steinlein zündete sich eine Zigarre an und begann eifrig zu rauchen. Etwas unbchaglich war es ihm doch ein paar Sekünden zu Muth, als er Theas Augen jetzt wieder so ernst und kühl auf sich gerichtet sah. Ach was . . . die g?aubte eben, das müsse zum Ansang so sein! Sie hatte sich eben! Das thli die Meisten! Ein Esel, wer die Gelegenheit nicht ausnützt. Wellen Sie sich nicht zu mir setzen?" fragte Herr Steinlein freundlich mit den kleinen Augen zwinkernd nehmen Sie sich meiner doch ein bißchen an! Sehen Sie, da sitz' ich, ein armer Junggeselle, der in 'ner halben Stunde zur Börse muß. um sich dort von schlechten Menschen ausbeuteln zu lassen ... den ganzen Tag muß ich mich plagen . . . und habe keinen Menschen, der mich tröstet oder gern hat . . ." Das glaub' ick sckon!" backte Tbea. Aber sie verschwieg ihre Empfindungen, seufzte utthorbar und nahm ihm gegenüber am Tiisch Platz. Na . . . also!" rief .der Besucher erfreut ... . . nur munter! . . ich
fresse Sie nicht. Ich bin etn guter
Kerl . . . ganz Berlin kennt mich dafür! . . . Wenn man mich 'n bißchen lieb hat, dann bin ich ein Mensch wie 'n Kin'd . . . dann kann man mit mir machen, was man will. Namentlich die Damen! . . . 'Glauben Sie's oder glauben Sie's nicht?" fragte er und neigte vertraulich den Kopf zu ihr herüber. Sie schwieg. Was war das für ein unangenehmer Geselle! Der aber schien nichs von dem Eindruck zu merken, den er hervorbrachte. .Versuchen Sie's mal!" fuhr er leise fort ... . . . ob Sie mich nicht um den Finger wickeln können . . . Wahrhaftig ... ich glaub', Sie können' ... Sie haben so was . . . )o ... o Apartes ... na ... mit" einem Wort: Sie brauchen nur zu befehlen und ich gehorche!" Danke!" Thea ftand. den Stuhl zurückstoßend, auf unÄ trat ein paar Schritte zum Fenster Der Gast wiegte sich wohlgefällig auf seinem Sessel hin und her. Brillant!" lobte er . . . . . . wie Sie da eben aufstanden . . . stolz wie eine Prinzessin! Ich glaube. Sie haben Talent zum Theater!" El sprang wie von einer plötzlichen Idee erfaßt empor und näherte sich ihr . . . Wollen Sie zur Bühne gehen?" fragte er vertraulich ....... ich bring' Sie durch ... ich habe meine Berbindungen überall . . . Sie machen Karriere . . . mein Wort darauf ... ich weiß schon, was Sie sagen wollen . . . Talent oder nicht! ... ist ganz Nebensache! ... wer so schön ist wie Sie ..." . Wollen Sie jetzt einen anderen Gesprächsstoff wählen . . ." unterbrach sie ihn mit zornbebender Stimme . . ." Aber Herr Steinlein blieb fest: Und die Reklame!" träumte er die großartige Reklame ganz umsonst! . . . Fräulein Thea! ..." wahrhaftig! ... er sagte Fräulein Thea! . . . sie wagte kaum ihren Ohren zu trauen . . . denken Sie nur: eine junge Dame von uraltem Adel, die sich aus reinster Begeisterung die dornenvolle Künstlerlaufbahn erwählt umsonst die Thränen des greisen Vaters . . . umsonst die Drohungen der ahnenstolzen Verwandten ... sie bleibt fest und unterzeichnet den Kontrakt . . wird gemacht " er verfiel wieder in seinen Geschäftston ... . . . wird fein gemacht! Was meinen Sie, Fräulein Thea?" Sie stand am Fenster und erwiderte nichts vor rathloser Wuth. Am liebsten hätte sie den Kerl geohrfeigt. Da hörte sie seine Stimme dicht ncben ihrem Ohr. Aber ein bißchen dankbar müssen Sie sein . . ." flüsterte er . . . . . . mich ein klein bißchen lieb haben, wenn ich das alles für Sie thue! Nicht wahr. Thea ..." er legte vorsichtig den Arm um ihre Taille . . . . . . ein ganz bißchen lieb . . ." Sie riß sich von ihm los und ballte wie zum Schlag die Faust. Sie unverschämter Mensch!" stieß sie athemlos mit wuthblitzenden Augen hervor. Nanu . . ." stotterte Herr Steinlein . . . . . . nu aber Spaß bei Seite . . . was ist denn " Da hörte er hinter sich, von der Thüre her. zwei, drei elastische Sprünge und fühlte sich am Kragen zu Boden gerissen. Gleich darauf kniete ein Mensch auf ihm, preßte ihm mit der linken Hand die Gurgel zusammen und hämmerte ihm mir der JZechien blitzschnell und unaufhörlich ins Gesicht. Während dieser Beschäftigung emPfand Georg Textor 'das Gefühl einer wesentlichen Erleichterung. Gott sei Dank!" dachte er . . . jetzt komme ich doch noch dazu, den Lumpen durchzuprügeln . . ." und unverdrossen schlug er los. Der kleine, seiste Körper unter ihm versuchte sich zwar zu wehren. Aber was vermochten seine quallenweichen Muskeln gegen den katzenzähen, fehnigen Sportsman. der auf ihm kauerte. Georg ... Sie bringen ihn ja um!" schrie Tea. Natürlich!" ihr Freund boxte au? Leibeskräften weiter ... . . . jetzt zertret' ich diese Wanze! . . . höchste eit . .-. Er wollte ja 'nen rüstigen Todtschläger auf die Redaktion! . . . sind Sie mit mir zufrieden . . . Herr Steinlein . . . ja?" Herrn Steinlein lief das Blut über das baurothe Gesicht. Die Aussicht, von dem wüthenden Herrenreiter erwürgt zu werden, gab ihm verzweifelte Kräfte. Er benutzte eine Pause. w jene? bwehrenb den Kopf gegen Thea wandte und schnellte empor. Im nächsten Augenblick zwar hätte ihn Georg wieder gefaßt gehabt, aber Thea umklammerte von ' rückwärts dessen Arme. Diese Sekunde rettete Herrn Steinlein. Mit einem ungeheuren Satz gewann er die Thüre und taumelte die krachenden Treppen hinab zum Thoreingang, wo sein Wagen, den er bei der Ankunft, der Überraschung wegen, etwas abseits hatte halten lassen. seiner harrte. Er sprang hinein. Nach Haus!" lallte er dem verblüfften Kutscher zu und die Equipage donnerte eilfertig durch die stille Gasse dahin. Nun kann er sich seine Zähne numerieren . . ." brummte Georg . . . . . . Im Nasenbein knackste auch etwas . . . aber sonst ..." er blickte die junge Dame vorwurfsvoll an . . . . . . sonst lebt der Halunke noch und Sie. Thea, sind -daran schuld . . ." Gott sei Dank, daß Sie ihn nicht umgebracht haben . . . Ihretwegen natürlich . . ." sagte Thca dor Aufregung zitternd. . . . mein Gott . . . w:e en:setzlich sahen Sie aus in Ihrer Wuth!" Georg brachte, immer noch voll ärgerlicher Kampflust, seine Tiolette wie.der in Ordnung. Ich glaube nicht, dan er mich noch länger als Redakteur des Paprika" behalten wird!" fprach j er endlich tlesnnnig. Ja ... ich auch nicht!" Thea lachte hell aus und er stimmte in ihre Heiterkeit ein. '
Es ist ganz gut so!' entschied er ...... .das war hier eine unwürdige Geschichte und der alte Papa Verbummelte dabei völlig. Ein Segen, daß wir ihn aus die Weise mit Anstand herausgerissen und Herrn Steinlein schonend zu erkennen gegeben haben, daß wir uns zu verändern wünschen!" Die Empfindung hatt' ich auch gleich.." pflichtete hm Thea bei..".. daß das hier für Papa nicht gut that! Ich bin recht froh darüber! Die Frage ist nur: Was nun weiter?" Das wird sich finden! Bor allem müssen wir Papa die große Neuigkeit mittheilen." Sie wollten ihn ja ohnedies tresfen?" Er nickte: In der American-Bar! Vorher hatt' ich die Absicht, mie hier möbilirte Zimmer anzusehen. Und dabei dacht' ich: Jetzt sitzt die arme, kleine Thea ganz verlassen dort oben. Du springst 'mal ?asch einen Augenblick hinauf und siehst, wie es ihr geht! . . . na . . . und da kam ich gerade recht ...Herr Steilein wird die nächsten Woen vomWett aus wuchern müssen!" Un'd Sie vom Bette aus verklagen und einsperren lassen." Er wird sich hüten!" Der Sportsmann öffnete ihr die Thüre . . . . eher bringt man ein alteö Hu!hn ins Wasser als Herrn Steinlein freiwillig vor Gericht! Die Leute tat sind ihm viel zu neugierig und wollen immer viel mehr don seinen .Subsistenzmittel und seinem Vorleben wissen, als ihm lieb ist." Nun... dann ist's ja gut!" Thea blieb vor dem Hausthor stehen und sa!h fröhlich zu dem blauen Himmel hinauf . . . Heute scheint auch die Sonne. Heute ist überhaupt alles anders!" Weil wir den Steinlein los sind! Der Kerl hat wie ein Alb auf uns gelastet. Jetzt fängt erst das neue Leben an!" Ja. Das ist gewiß schön! Aber wie wird nun das neue Leben aussehen?" Das weiß ich nicht!" sprach er nachdenklich. und beide schritten, mit ernsten Gesichtern die Linden entlang. X. Die American-Bar war um diese Stun.de gesteckt voll. Vorn an den Glasfenstern des schmalen, langen Raumes saßen dicke Gruppen vonTrainern, Jockeys und anderen Turfleuten, weiterhin schimmerten die bunten Mützen einiger Kavallerie-Ofsiziere, die an ber Bar mit der allerhand Kobbler u-nd andere, raffinierte Drinks" mischenden Weiblichkeit schä kertm, die weißröckigen Kellner glitten hin und her, und ganz im Hintergrund, dicht an der eisernen Wendeltreppe, zeichnete sich eine Tafelrunde höchst zweifelhafter Physiognomien überkorrekt gekleidete Stutzer und derkdtterte. spitzbübisch lächelnde Lümpchen. würdevolle alte Herren unid hagere, bleiche Gesellen im Halbdunkel ab, zwischen denen, nur an den wehenden Fadoris und der Glatze erkenntlich, der greise Freiherr thronte. Was sind denn das nun wieder für Menschen?" fragte Thea ängstlich ihren Freund. Es scheinen Winke'lbuchmacher zu sein! Warten Sie hier außen. Thea! Das ist kein Lokal für Sie. Ich gehe hinein und befördere Papa ans TageSlicht!" ' Beim Nähertreten 'bemerkte Georg, daß Herr von Hoffäcker sehr grimmig aussah. Die Unterredung mit der
Haushälterin fchien nicht nach Mnsch verlaiuen zu fein. (?ortsetzuna folgt.) i In der Brüsseler Vorstadt Cureghem hat sich ein wahre? Roman abgespielt. Vor 17 Jahren verließ der in der Brüsseler Vorstadt Molenbeek ansässige Tischler Wynand plötzlich seine Frau mit der Erklärung, sie werde ihn niemals wiedersehen. Ev trat in die niederländische Fremdenlegion ein, gab aber niemals von sich Nachricht. Fünf Jahre wartete die Frau, die ein kleines Kind hatte, auf die Rückkehr ihres Mannes. Nach dieser Zeit zog sie zu einem ihr besreun--dcten Manne, mit dem sie fortab zusammenlebte. Drei Kinder wurden geboren; der Haushalt gedieh, die Familie lebte glücklich. Vor einigen Tagen kam Wynand nach Belgien zurück, suchte seine Frau auf und fand sie, aber sie erkannte ihn nicht wieder. Die ganze Familie arbeitete im Garten.als Wynand, alt geworden, eintrat. Die Frau bot ihm Erfrischungen an; er bat um eine Unterredung mit dem Mann, gab sich unter Thränen zu erkennen, erhob sich plötzlich von seinem Sitze, erklärte, nie wiederzukommen und eilte davon. I n Dänemark hat der Austausch vr-' Kindern während der Ferien einen Umfang angenommen, der die Aufmerksamkeit aller Philanthropen auf sich zieht. Die Landleute geben ihre Kinder während der Ferien an die Städter, und diese schicken ihre Sprößlinge auf das Land. Der Staat gewährt dazu freie Fahrt, und die Schulen expediren die Kinder entsprechend den Wünschen der Familien. Die Kinder reisen allein, jedes trägt seine Marschroute auf der Brust angcheftet. Wenn sie sich ausnahmsweise verirren, werden sie im nächsten Orte beherbergt. Beim Eintreffen der Züge erwarten Bauern und Bäuerinnen geduldig die kleinen Passagiere. Geliebkost und gehätschelt, finden die Kinder bei ihnen eine Pflege, die sie zu Hause oft entbehren, und kehren stets mit sichtlich gehobener Gesundheit nach Hause zurück, während die Städter den Kindern vom Lande die Monumente, die Sehenswürdigkeiten, die Vergnügungen, die Umgebung von Kopenhagen zeigen, und ihnen die Restaurateure daselbst sogar kleine Feste mit Tanz geben. Kopenhagen schickt jährlich über 10.000 Kinder auf das Land und empfängt ebenso viele kleine Landbewohner. ... ... ' . '
Aür die Küche. Wurzel suppe. Sechs große, schöne Gelbrüben werden gewaschen.
geschabt, m kleme, ferne Scheiben geschnitten und mit einem halben Pfuni, i Butter und einer geschnittenen Zwie- ! bel auf schwachem Feuer sehr weich ge dämpft, hernach mit einem halben Pfund Mehl und den Nüben gut ver mengt, mit 3 Quart Fleischbrühe aufgefüllt und noch eine halbe Stunde gekocht. Man passirt nun die Suppe durch ein feines Haarsieb, kocht sie nochmals mit einem Stück guter Butter und richtet sie über in Butter ge backenen Brotschnitten an. Steirisches Saftfleisch. Zwei Pfund gutes Rindfleisch werden, nachdem es on Haut, Fett und Sehnen befreit it. in große Würfel gefchnitten. Unterdessen hat man in einer Kasserolle ca. 3z Unzen Butter heiß werden lassen, thut das Fleisch hinein, fügt etwas Salz und Pseffer, zerschnittenes Wurzelwerk und einige Gewürzkörner hinzu und läßt daS Fleisch wohl zugedeckt unter öfterem Umschütteln weiß dünsten. Nach Berlauf einer Stunde stäubt man einen Löffel Mehl darüber, läßt das Fleisch damit anziehen, gießt nach einer Weile einige Löffel fauren Nahm und eine Obertasse kräftige Bouillon dazu, dämpft das Fleisch darin vollends weich und treiZt vor dem Anrichten die Sauce durch ein Sieb. M a z u r k i. Ein sehr gutes Gebäck ist folgendes: ein halbes Pfund feines Weizenmehl, ein halbes Pfund fein gehackter Mandeln, 10 Gelbeier von hart gekochten Eiern, 4 rohe Gelbeier, ein halbes Pfund feinen Zucker, etwas Apfelsinenschale und etwas Vanille menge man gehörig durcheinander. Dann gebe man den Schnee von den vier Eiern hinzu, menge den Teig noch einmal gut durcheinander, streiche ihn auf Oblaten und lasse ihn so 43 Minuten in einem nicht zu heißenOfen backen. Dann nehme man sie heraus, begieße sie mit einem Zuckerguß und stelle sie noch einmal in den Ösen, damit ersterer hart werde. Gemüsesalat. Zu diesem sehr zu empfehlenden Salat nimmt man das verschiedenste Gemüse, als: Carotten, kleine Sellerieknollen, Bohnen. Schnittlauch, Kohlrabi, grüne Erbsen, auch Spargel, was so die Jahreszeit bietet, schneidet letztere und die Bohnen in fingerlange Stückchen, das andere in Scheiben, den Blumenkohl in kleine Röschen, kocht alles in Salzwasse? weich und gießt es zum Abtrocknen m ein Sieb. Schließlich wird Alles mit einer Mayonnaise- oder einer aus gerieöenen harten Eiern, Olivenöl, einem halben Theelöffel Fleischeztract, Senf, Essig, Pfeffer und Salz bestehenden: Salat - Sauce übergössen und gut verrührt, die Schüssel mit hartgekochten, in Viertel geschnittenenEiern garnirt. Kirschcompott mit Schlagsahne. Man steint frische saure Kirschen aus, klopft aus einem Löffel voll von den Steinen die Kernchen aus, zerquetscht letztere etwas im Mörser und gibt sie mit den Kirschen und reichlichem Zucker in irdenem Gefäß auf schwaches Feuer, wo man die Kirschen langsam weich dämpfen läßt. Sollte der Saft noch sehr reichlich und dünn sein, so kann man ihn, nachdem: die Kirschen herausgenommen, noch etwas einkochen lassen. Danach gießt man ihn über die Kirschen und läßt das ziemlich dickliche Compott ganz kalt werden, am liebsten auf Eis. Alsdann wird dicke, steif geschlagene Schlagsahne versüßt, mit einem Glas chen feinem Arrak vermischt und über das Compott gebreitet. Nimmt marr statt des Arrak Maraschino, so bleiben die Kirschkerne fort und die Speise wird desto feiner schmecken. Kirschen kloße. Man verarbeitet von Folgendem einen Teig, der zusammenhalten muß: Sieben mittelgroße, gekochte Kartoffeln werden gerieben, zwei Kochlöffel Grieß, zwei bis drei Eier, drei bis vier Löffel Milch oder besser saurer Rahm, ein Stückchen zerlassene oder abgerührte Butter, Salz und ein wenig Muskatnuß. Mit diesem Teig umhüllt man drei bis vzer ausgekernte schwarze Kirschen, so daß hübsche Klöße entstehen. Diese legt man in siedendes Salzwasser und kocht sie etwa fünf Minuten, bis sie anfsteigen. Man gibt in Schmalz geröstetes Semmelmehl darüber. Pikantes Gericht. Reste eines Hammelbratens werden würfelig oder streifig geschnitten, die Knochen zerhackt, in Butter angebraten, mit Wasser überfüllt, mit frischen Supvcn wurzeln und Pfefferkörnern gewürzt ' und eine Stunde gekocht. Ein brauncs Buttermehl wird ietzt mit der durchgegebenen Brühe zu dicker Sauce verkocht, ein Glas rotben Fruchtwein. 150 Gran Liebig's Fleischextract. ein Löffel Iobannisbeergelee und zwei kleine zerschnittene saure Gurken daran gegeben und das Fleisch im Wasserbad 'damit erhitzt. Es wird mit gebratenen kleinen Zwiebeln garnirt und mit Spätzlen zu Tisch gegeben. Johannisbeer - Pfannk u ch e n. Dazu gebraucht man einen guten Vfannkuchenteig mit Zucker und Zimmet. einen Teller reife Iobannisbeeren, ein Viertel Pfund Zucker, ein Viertel Pfund gestoßenen Zwieback. Man giebt den Teig in die Pfanne, wenn die Butter heiß ist. legt die Johannisbeeren hinein und bestreut sie vor dem Umwenden mit Zwieback. Ist er auf beiden Seiten gut gebacken, so bestreut man ihn mit Zucker. Eine böse Krankheit. 3ch möcht' für meineAlte a Mittel gegen Schlaflosigkeit." " .Wie äußert sich denn das Uebel? fto, i mag wie spät immer in der Nacht hamkommen, sitzt'S Ihnen m Bett auf und fangt zu zan Ivx C3.
