Indiana Tribüne, Volume 20, Number 307, Indianapolis, Marion County, 25 July 1897 — Page 3
Jtone Thon! Berliner Roman von Zlndokxy Stratz. , . (S.Fortsetzung.) ' VIII. Regen.... Regen endlos triefend, rauschender Reaen. Grauez Himmel über nassem Asphalt... ein Meer fron grämlichen Regenschirmen auf den schmuigcn Straßen, Kälte und Feuchtigkeit überall . . . Thea wäre am liebsten zu Hause geblieben, als Herr von Hoffäcker sich am nächsten Tag zum Besuch des Rennens rüstete, den grauen Zylinder ausbürstete, einen Bleistift anspitzte und ein leeres Opernglas-Futteral umhwg. Aber si: wollte ihn nicht allein lassen keine Stunde mehr . . . . und schritt fröstelnd an seinem Arm und unter seinen Schirm sich duckend zum Bahnhof Fridrichstraße. Heute fehlte der übliche FauMmpf um die Koupeeplätze. Die Extrazüge fuhren halbleer aais der riesigen schiefgewölbten Halle weiter in die graue Welt hinaus. Selbst in den prunkvoll ganz vorne rollenden Sonderwagen des Union-Klubs schimmerten nur spärliche Uniformen und braungelbe Paletots und ganz vereinzelte Damenhüte. Bei dem Hundewetter ging nur hinaus. wer mußte, ein fragwürdiges Häuflein, das schläfrig duich die rcgenblin!d?n Scheiben auf die vorbeiziehenden Kartoffeläcker starrte. Freilich, an einem solchen Tage konnte man auch einen großen Koup machen. Der glatte, aufgeweichte Boden veränderte alle Chancen. Die leichtgewichteten Gäule hatten Oberwasser es konnte eine ganze Reihe von Stürzen geben und nabsebbare Odds. wenn man den rechten Außenseiter traf. Trübselig. wateten die Gruppen mit hochgeklappten Rockkragen und gegen den Wind gedrehten Schirmen vom Bahnhof über "den gelben Kiesweg, durch das kümmerlich; Stangenholz zum Rennplatz. Das helle Schmettern der Musik klang heute wie Hohn über die weite Fläche mit ihren hochragenden Tribünen, den Hürden und groben Hindernissen, mit ihren triefenden Busch- und Baumruppen. dem dampfenden Wäldchen und dem künstlichen See, in dem die Ringe der Regentropfen durcheinanderzitterren. Die paar hundert Menschen verloren sich fast auf diesem großen, unermüdlich von neuen Schauern überrieselten Raum. Da und dort zeigte sich ein Jockey, in seinem bunten Dreß so seltsam versvrenat inmitten dieser farblosen Welt wie ein Kolibri auf der Lüreburger Haide. das eintönige Grau der Offiziersmänte! leuchtete in Gruppen auf, und als schwarze, braune und gelbe Punkte wanderte das Zivil fluchend und frierend über die weiten Rafenplätze und langen Kieswege dahin. Selbst am Totalisator ging es schläfrig zu. Ru? in langen Pausen klang seinRasseln durch das einlullende Rauschen der himmlischen Fluth. So schlagt man sich nun durch's Leb:n. mein Kind!" sprach Herr von Hoffäcker trübselig ... ... man stapft in dieser Schlammbrühe umher, man sieht, wie unschuldige Thiere sich das Genick brechen, und muß das Geld von fremden Dummköpfen am Totalisator verspielen!" ... Damit näherte er sich einer der Drehühüren des Totalisators. Warte nur draußen, Thea! . . . Damen dürfen hier nicht herein. Ich komme gleich wieder, sowie ich meine Austräge aufgeführt hab' . . Und sinnend murmelte er. in sein Notizbuch blickend, vor sich hin: I Nennen. 2 auf die drei, 1 auf die Sieben, 1 auf die Acht!" Eben als er dem Beamten sein Ticket vorwies, stieß er auf einen kleinen, rundlichen Herrn, der nebenan aus dem Schalterraum trat. Ah . . . ! 'Morgen, alter Barun!" sprach Herr Steinkein gönnerhaft und vertraulich, und dann leise, indem er ihn etwas bei Seite zog . . . ... was machen Sie denn fca wieder? . . . Einsätze für fremdes Geld? ... Sie wollen wohl von der Bahn verwiesen werden? . . . und außerdem . . . Sie wissen . . . ich lieb' das nicht! Sie sind bei mir so gestellt, daß Sie's nicht nöthig haben. sich nach einem solchm Reb:nerwerb umzuseben . . . verstanden?" . Der alte Herr blickte hilfesuchend umher. Sein Auge fiel auf Thea. in deren Nähe sie aetreten waren. Ja . . . allerdings . . . Herr Steinlein . . ." erwidert: er verwirrt . . . . ... wenn Sie das so meinen . . . übrigens . . . darf ich vorstellen . . . Herr Steinlein . . . meine Tochter Tcea!" Thea neigte gleichgültig das Haupt. Der Herr mißfiel ihr. .Der aber stand ganz verblüfft und setzte nur zögernd den schwarzen FilzHut wieder auf. Alle Wetter ja . . . Wo hatte denn der Alte ds Mädel aufaetrieben? Das war ia eine fabelhaste Ueberraschung. Und das Schlimmste dabei war: Herr Steinlein fühlte sich sofort unbehagkich. verlegen wie noch jedesmal in den paar Fällen, wo ihn ter Zufall mit Damen der höheren Gesellschaft zsammengeführt hatte. Ihre Väter, ihre Gatten und Brüder, die imponirten ihm nicht im geringsten! Diese Kavaliere hatte der kleine, fröhliche Herr seit Jahrzehnten in allen ihren Schwächen kennen gelernt. Aber anders die Damen! Diese eigenthllmliche. liebenswürdige Kühle, dies seMbewukte lächelnde blutze' deZ Salons, die wie ein zartes Parfüm it umwehte, die erinnerte ihn immer, er mochte wollen oder nicht, an ein ziemlich dunkles Gewölbe mit Kaffeesäcken und Heringsfässem urid an einen jungen, blau und rothgefrorenen, von allen Seiten gekMsften jungen Menschen Namens Steinlein, der dort seufzmd erkannte, daß ehrlich am längen währt und sich nach einiaem Besinne-
dann für den kürzeren Weg entschied. Mso. wie gesagt, er war verlegen. Mit Cilli un: Genossinnen den Umgangston traf er instinktiv. Aber hier . . . nein ... er wandte sich lieber an den Baron. Ein Hundewetter, mein lieberHoffäcker!" sprach er, sich die Hände reibend . . . ... aber was soll man machen? An der Börse ist nichts los ... die kleine Bluffpartie am Abend ist noch in weiter Ferne . . . 'n bißchen Aufregung braucht der Mensch . . . na . . . und da . . ."er lächelte Thea verbindlich an . . . ... da hab' ich nu eben so'n paar Kassenscheine auf Kirawedda gesetzt'." Thea schwieg. Was wollen Si, Herr Steinlein?" seufzte ihr Vater Sie sind freiwillig hier draußen! Aber wenn ein alter Mann, wie ich, sich hier die Gicht holen muß . . ." Herr Steinlein reckte sich aus, um den ihn hoch überragenden allen Herrn vertraulich aiuf die 'Schulter zu klopfen. Brauchen Sie nicht mehr. Barönchen! . . . Sie bekommen eine jüngere Kraft zur Seite . . . eine Art Adjutanten . . bähä . . ." Ja . . . und ich?" fragte Herr von Hoffäcker ängstlich. Sein kleiner Brodherr warf einen verstohlenen Blick aitf Thea. Sie bleiben natürlich, Bester! . . . nur die grobe Arbeit wird bnen adgenommen. Ich hab' gestern durch Zufall einen frisch geschwenkten Leutnant getrofsen . . . Sie kennen jedenfalls auch seinen Namen . . . Textor von den 22. Husaren . . . leidlicher Herrenreiter . . . überhaupt flotter Bengel . . . Das ist unser Mann . . . übrigens ... da kommt er eben angestiefelt . . ." In der That ... da bummelte der kleine Sportsman mißmuthig. den schwarzen Hut in's Genick zurückgeschoben. die Hände tief in den Taschen des kurzen Paletots, mit aufqekrämpten Beinkleidern seines Weges und blieb dann verblüfft vor der Gvuppe stehen. Herr Steinlein stellte mit der ganzen scherzenden Eleganz des Weltmanns vor: Mein gnädiges Fräulein ... ich präsentiere Ihnen hier Herrn Leutnant a. D. Textor. von dessen Heldenthaten aulf dem Turf Sie gewiß schon gehört haben. Herr Textor . . . Herr Baron von Hoffäcker! . . . Mögen sich die beiden Herren gut miteinander vertragen!" Die beiden Redaktionskollegen des Paprika" sahen sich an. lüsteten die Hüte und reichten sich stumm die Hand. Und nun . . Herr Steinlein kam nicht dazu, weiter zu sprechen. Ein schrilles Glockenzeichen hallte über den Platz und etwa zweihundert Schritt vor ihnen zog in feierlichem, stelzendem Gänsemarsch ein halbes Dutzend Vollbüter, von Neitburschen geführt und in dem winzigen Nennsattel bunt gekleidete, lauernd Zusammengekauerte Zwerge tragend, quer binüb zur Bahn. Donnenvttter . . rief, Theas Gegenwart vergessend, Steinlein . . . sie kantern auf! ... da muß ich dock, . ." Und eilig lief er mit den andern, spärlich zerstreuten Turfbesuchern über den feuchten Kies um die Tribüne herum nach vorn. Der greise Freiherr blickte ihm finstcr nach. Verfluchter Sklavenhalter!" brummte er halblaut vor sich hin. Dann besann er sich plötzlich. Jaso . . . meine Einsätze! . . . Das ist höchste Zeit!" Durch die Drehthüre, die der Veanite schob, stürmte der alte Herr mit langen. zitterigenSchritten, unterwegs noch einmal seine Nummern und Zahlen murmelnd, auf die Schalterreihen zu. Georg und Thea blieben allein. Es war fast kein Mensch ringsum zu sehen. Nur ein Dutzend Beamte in den Totalisatorbuden. ein paar Thürhüter am Eingang, einige Kellner uttd Mädch:n im Inneren des dunklenTribünenrestaurants. Alles ander hatte sich nach vorne gezogen auch der Freiherr lief jetzt, ein Bündel Tickets in der Westenrasche dergend, mit hochrothem Gesicht an ihnen vorbei zur Tribüne, von der in kurzen Pausen vereinzelte Flüche. Rufe und Gelächter das abermalige Mißlingen eines Starts verkündeten. Und um sie her rauschte und rieselte eintönig, der Negen über das weite, weite Feld. Sie standen schweigend beisammen. Gleichsam beschämt, wie zwei Leute, die sich gegenseitig aus einer Lüge ertappt haben. Und eben darum doch wieder Wundesgenossen. Gestern im Coupee er als der feudale Leutnant Textor und sie die Tochter des reicken Kammerheirn . . . und heute . . . ja. da standen sie und mußten die Scherze eines Steinlein über sich ergehen lassen . . . Wie blan sie aussah! . . . Georg schaute sie mitleidig an . . . die letzten sechsunddreißig Stunden mochten das arme Mädel furchtbar mitgenommen haben. Er mußte Gewißheit haben! Werden Sie Berlin bald wieder verlassen, gnädiges Fräulein?" fragte er leise und stockend. . Sie schüttelte den Kopf, daß die feuchten, dunklen Locken flogen und starrte auf den Boden, in dem ihre tiefelspitze allerhand Furchen und Rinnen zog. Ich bleibe hier. Bei Papa. Er hat mich nöthig! ..." Gott sei Dank! Es war Georg, als lose sich eine schwere Last von seiner Brust. Sie blieb hier! Er würde sie täglich sehen! ...Da Sie ja jetzt mit Papa das Batt schreiben sollen . . sie hob den Blick nicht von der 'fvuchten Erde . . . so haben Sie ja gewiß schon Manches erfahren . . . oder werden es er sabren . . , ? weiß . alles, mein gnädiges Fräulein!" Sie hob rasch den Kopf. Fragendes Erstaunen laa in ibren scbwermüthigen
Augen. Jetzt war die Reihe an dem früheren Husaren, sich in den Anblick des feuchten Kieses zu vertrefen. Ich habe Ihnen gestern meine Bisi tenkarte von früher gegeben," murmelte er . . . aber inzwischen . . ." Ich weiß! Herr Steinlein hat es eben ergäbt! !" Sehr freundlich!" Ein bitteres Lächeln untspielte die glattrasierten Lippen des Sportsman . . . ,und glauben Sie nun wirklich, daß Jemand, der mit Schimpf unid Schande aus seinem Beruf gestoßen ist. daß der zum Sittenrichter über Andere taugt? ... Ich glaub's nicht! Ich urtheile über Niemanden mehr ab, weder über Ihren Herrn Vater noch sonst wen!" Thea nickte, jchmerzllch die rothen Lipven zusammenpressend, und Beide schwiegen. Endlos rauschte und rieselte um 'sie der Regen und zuweilen klang das ferne Stöhnen des Windes über die BlachseZder herüber. Das ist alles so traurig!" sagte Thea endlich und schaute sehnsüchitg vor sich in die Weite ... so ganz anders als man denkt und träumt. Mir ist, als wäre mindestens ein Jahr vergangen, seit wir gestern zusammen nach Berlin gefahren sind." Ja ... das ist nun 'mal das Menschenleben!" meinte der kleine Herrenreiter bedrückt. 5i)a3 jcyone Mädchen richtete sich auf und ballte in Ungeduld und Zorn die Hände : . . Wenn das Leben so ist." sprach sie rasch und finster ... so ganz grau und häßlich . . . dann hat es doch wirklich keinen Zweck! Dann ist es schon vernünftiger, man macht die Ofenklappe zu und legt sich schlafen . . oder kocht sich Schwefelhölzchen, wie's die verliebten Dienstmädchen thun . . ." Georg erschrak. Aber mein liebes Fräulein!" er versuchte zu lächeln . . . . . aus Ihrem Munde solche Worte ..." Haben Sie noch nie daran aedacht?" Darauf konnte er nichts erwidern, sondern sah zur Seite, von wo eben durch den Wind und Regen wieder ein Glockenzeichen tönte. Es geht los!" rief er . . . das hat mit dem Start diesmal lang gedauert . . ." Sie blieb ruhig stehen. Ach . . . lassen Sie doch nur die Pferde laufen . . . das kommt mir heute alles so thöricht vor. Ich bin ja so tieftraurig . . ." Ich auch!" sprach er und bei mir kommt noch das schlechte Gewissen dazu! . . . Alle meine dummen Streiche . . . zählen kann man sie überHaupt nicht. Eigentlich haben Sie ja ganz Recht: Wer mir einen Grosmenstrick und einen Kleiderhaken zum Aufhängen schenkt, der thut ein gutes Werk!" Sie mußte unwmeurllcy lacyeln. Wollen Sie denn nicht lieber in sich gehen und sich bessern?" fragte sie. Der Sportsman nickte crnft und gewichtig. Das will ich!" sprach er . . . . . nicht für mich selbst! Das wäre zu langweilig . . . sondern hauptsächlich . . . um auch Andern helfen zu können!" Ja... wem denn?" Dir ... Du armes, süßes, kleines Mädel! . . . Nein ... das konnte er doch wohl nicht sagen ... Er stockte
'. . . Nun . . . Ihrem Herrn Vater zum
Beispiel . . . meinte er dem könnte ich ja gleich ganz nützlich sein . . ." Da ging zum ersten Mal ein heller Schimmer der Frsude über ihr blasses Gösicht. Sie reichte ihm die Hand. Wollen Sie das wirklich, Herr Leut . . . Herr Textor?" Aber gewiß ... das thu' ich! Darauf geb' ich Ihnen mein Wort . . . ja so . . . das hab' ich eigentlich nicht mehr . . ." Ich nehm's schon!" sagte sie schnell . . . ... und ich dank' Ihnen von Herzen! Der arme, gute, alte Papa! . . Er hat ja keinen Freund mehr. Alle hacken auf ihn los . . . Alle . . ." Jetzt wird das anders!" rief der Ex-Husar eifrig. Ich weiß ja . . ." fuhr sie fort . . . . . . es war nicht recht, was er gethan hat . . . nr.fo er ist ja schwach! . . ." Schadet nichts! Sie stützen ihn rechts!" Und Sie links!" sagte Thea hoffnungsvoll. Und dann muß die Geschichte gehen!" Ein freundliches, sorgloses Lächeln spielte dabei um seine Lippen.. Sie schaute ihn an und lachte zum ersten Mal wieder noch halb unter Thränen wie ein Kind. Wie tapser Sie aussehen!" sprach sie h'.rzlich. Der zähe kleine Herrenreiter reckte sich unternehmend in die Höhe. Bin ick auch, mein gnädiges Fräulein! 5?ouragc gehört zu den schönen Dingen. die einem eine hohe Obrigkeit trotz aller Anstrengungen nicht abknöpfen kann. Und ich besitz' 'nen ganzen Haufen davon!" Ich wollt', ich hätt' auch soviel!" Ihr Gesicht wurde wieder betrübt. Der 'Sportsman tröstete sie und es war ihm wohlig dabei zu Muth, als er sah, mit wie gläubigen Augen sie zu ihm aufschaute. Ich geb' Ihnen davon ab! . . . soviel Sie haben wollen!" Ach ja!" sagte sie dankbar ... . . ich brauch's . . . wegen Papa! . . . sonst kann ich ihm nicht helfen . . ." Wir helfen ihm Beide!" entschied Georg gewichtig . . . Der c'te Herr wivd einfach von uns untergefaßt und mit sanftem Zwang auf den Pfad !der Tugend geleitet! Und dazu ein leichtsinniger Wagemuth verklärte sein hageres Gesicht . . . dazu singen wir, wi'e's in der Operette heißt: Trotz allem Pech ein lustig Lied! Drum. Schicksal, schlag' nur zu! Wir wollen sch'n. wer cher müd' . . ... Ich öder Du!" ergänzte sie hell auflachend. Das hab' ich in Posen auch gehört!" Die Beiden sahen sich fröhlich an, tote zwei gutt Kameraden.
Das ist nett!" sagte Tl,ra . . .
daß wir uns nun in dieser weiten Welt doch wieder getroffen haben! Nun fühle ich mich gar nicht mehr so allein!" Ich auch nicht!" sprach er und Beide schwiegen. 'Der Negen rauschte um sie, von ferne stöhnte der Wind und ein seltsames. unerklärlichesB'angen durchzog seine Brust. Von 'der Tribüne her ertönte verworrener Lärm und ein Glockenzeichen. Kommen Sie!" Thea vermied es. ihn anzuschauen . . . wir wollen nach vorn gehen!" Nun war der Sport bis zum vorletzten Nennen gediehen. Lom Totalisator, an dem er. entgegen seinen ursprünglichen Vorsätzen, doch die Zeit über ein bißchen mitgewettet. trat Georg auf den Platz heraus und schaute mißmuthig zu 'dem grauen, regenströmenden Himmel auf. Er sühl sich einsam und verlassen. Und der Turf interesstrte ihn so gar nicht mehr. Ob da der bekannte Leibgardehusar, katzengleich auf seinen'Gaul geduckt, aufkanterte, ob ein anderer Meistcrreiter von den gelben Kürassieren hinter ihm in langen Sprüngen zum Start zog. daß die Erdschollen flogen, ob zwei, drei andere Ulanen und Dragoner elegant über die TribünenHürde setzten, ihm war es gleich. Er sah ihnen mit dem scharfen Auge des Fachmannes nach, aber so ganz theilnahmlos, als trüge er gar keine Tickets auf zwei der Pferde in der Tafche. Wo sie nur blieb? Vor jedem Nennen trafen sie sich bisher ohne weitere Verabredung in stillschweigendem EinVerständniß hier hinter der Tribüne und jetzt . . . Ein kleiner Ulanenleutnant eilte in hastigem Sporenklirren an ihm vorbei zur Waage. Es war Herr von Wendelsohe, den er gestern unter den Linden hatte vorllberfahren sehen. Beim Anblick Georgs stutzte er. Dann ging er kühl und würdevoll, ohne sein rothbäckiges Kindergesicht zu verziehen und ohne seine Hand zur Mütze zu erheben, an. dem entlassenen Kameraden vorbei, von dessen Schicksal er also offenbar inzwischen Kunde erhalten hatte. Der sah ihm finster nach und seine schmalen, bartlosen Lippen murmelten einen bösen Fluch. Da bin ich!" sagte Wea . . . was machen Sie denn für eiü Gesicht?" Hohe Zeit . . ." erwiderte der ExHusar melancholisch . . . Hohe Zeit, daft Sie kommen und mich bessern! Eben hab' ich dem kleinen Wendelslohe . . . dem Ulanen da . . . gewünscht, er möchte sich das Genick brechen!" Oh pftli!" Sie rief das mit dem Ausdruck aufrichtiger Empörung. Ja . . . wenn Sie da sin'o, werd' ich wieder friedlich! Also der kleine Wendelslohe soll den ersten Preis kriegen . . . und alle weiteren Nennen machen . . . meinetwegen sogar den Silbernen Schild und die Karlshorster Jnternationale . . . und eine Millionenerbin soll sich darob in das kleine Unwurm verlieben und . . Genug! . . . genug!" saate sie lachend ... ... ich wär' schon früher gekommen . . . aber Papa hielt mich zurück ... es waren da vorn ein paar Namen mit Kreide an die Nenntafel geschrieben und er konnt' sie nicht lesen! .. . . ach . . . da vorn ist's häßlich . . . abscheuliche Menschen ... und all' die angespannten Schirme ... da komm' ich mir ganz trostlos vor. Ich bin viel lieber hier!" Nicht wahr?" Georg sah ihr tiefsinnig in das blasse Gesicht Das Fleckchen Erde da gehört uns! . . Es regnet zwar gehörig ... der Wind pfeift um die Ecke der Tribüne unld der Kies unter unsern Stiefelsohlen ist naß wie ein Schwamm . . . aber es ist eben doch unser Buen-Netiro und wir fühlen uns ganz warm und behaglich . Thea neigte das Haupt. Schön ist's hier ja nicht . . ." sagte sie leise . . Aber die Welt ist ja überall grau und trostlos! Und hier ist man wenigstens beisammen . . . und fühlt sich geborgen. weil man einen Froun'd neben sich weiß . . ." Ow Sie sprachen jetzt nicht mehr viel, sondern gingen, in Gedanken verloren, ihr Plätzchen hinter der Tribüne aus und ab. Qbcn vom Dache tropfte das Wasser, der Regen rieselte eintönig und von vorne klang das abgerissene limmenge'wirr, 'das den Verlauf Nennens begleitete. Jetzt plötzlich ein geller, hundertstimmiger Aufschrei ... ein Cbaos von Rufen, Fluchen. Fragen hinteryer . . ein immer wieder cmpschwellender, angstvoller Lärm . . . das geübte Ohr des Sportsman unterschiöd sofort, was das bedeutete. Das war kein Rumpler" nach dem beruhigt stch das Publikum sofrt wieder! das war ein Sturz, ein schwerer Sturz! Da ist Einer gefallen!" sagte er zu Thea ... . . . . wir wollen nach dorn!" Wendelslohc! ... Der Name sch'ug ihnen sofort entgegen, als sie in die erregten Gruppen vor der Barriere traten . . Wendelslo'he! überall . . Zu kurz is der Schinder gesprungen . . brummte ein heiserer Baß . . . und dazwischen eine näselnde Stimme: . . dieser Karlshorster Sprung ist wirklich jemeinje'fährlich!Der Leibgardehusar von vorhin flog, sicb ab und zu kampfbereit im Sattel umdrehend, wie ein langer Feuerstreifen über die Gerade und durch's Ziel. Zehn Längen dahinkr der Kürassier in sausen'dem Galopp . . . dann in 'kurzem Peitschenklatschen und Endgefecht um den dritten Platz die anderen Herren. Aber Niemand achtete sonderlich darauf. Aller Augen waren auf die dunkle, sich rasch vergrößernde Gruppe in der Ferne gerichtet. Nun haben Sie's!" sagte Thea'und heftete vorwurfsvoll die dunklen Augen auf den Freund. . . . Der zuckte die Achseln. .Ich kann doch nicht .hexen!" meinte e, kühl . . .
wem's beltlmmt tt, der fallt! . Da kam im Regenrcruschen der Zug quer über das BlachfeÜd heran. Voraus ein Schutzmann hoch zu Roß, in seinen Mantel gewickelt und mit befehlender Handbewe.gunq die müßig sich herandrängenden Neugierigen theilend. Dann ein Trupp von portsmen. ein par Zivilisten, der Trainer, ein halbes Dutzend Regimentskameraden . . . und dann tttd1?ch eine Bahre, von vier Männern getragen. Aus ihr ein Haufe Tücher unld Decken und darüber. imGleichschritt der Männer schwankend, ein wächserner Kopf, den Mund wie klagend halbgeöffnet . . . buntverklebtes Haar um die bleiche Stirne . . . Der Zug hatte es eilig. Ueber die Bahn, über den Tribünenrasen, am ersten Platz vorbei, nach hinten in den Pavillon, wo schon alles zur Aufnahme der Verunglückten bereit steht. Eine lange, bange Pause entstand. Dann kehrte Georg, der nach hinten gegangen war, frohlockend zu Thea und dem alten Herrn zurück. Es ist nicht so schlimm!" rief er . . . . '. Schlüsselbein entzwei ... ein bißchen Gehirnerschütterung . . . sonst gcht's ganz gut!" Also keine Lebensgefahr?" . Nein!" Go?t sei Dank!" sagte Thea . . . . . . .und nun schämen Sie sich gehörig!" Nein!" Sein hageres Gesicht verzog si in trotzige Falten ... ... ich bin doch nun 'mal kein Säulenheiliger, sondern ein armer Teufel! Und wenn einen da so ein grasgrünes Bürsckchen über die Achsel ansieht . . ."' Wir sind alle drei arme Teufel!" unterbrach ihn Thea ruhig und wir müssen uns daran gewöhnen, daß man uns über die Achsel ansteht!. Das ist's ja gerade, daß wir uns dadurch nicht verbittern lassen dürfen! Denn mit dem Haß und dem unterdrückten Zorn machen wir unser armes Leben ja nur noch ärmer. Nein . . wir müssen es geduldig tragen und uns sagen: Wartet nur! Wir werden schon wieder Euresgleichen werden und die Zeit wird kommen, wo Ihr wieder den Hut vor uns abnehmt! . . ." Und nun Papa . . . wenn Du beim letzten Nennen doch nichts mthr zu thun hast, wollen wir nach der Stadt zurückfahren. Ich habe argen Hunger!" ES war recht behaglich in der kleinen bescheidenen Weinsöube. Wenig Gäste, gedämpft flackerndes Gasglühlicht, ein gewandter Kellner, der geräuschlos die Reste des Mahles abräumte. So gut wie bei dem Mann unter den Linden gestern ist's ja nicht!" sagte Thea und trank vgnügt ihr Glas mit dem dünnen Mosel aus . . . aber wenn ich daran denke: Zwanzig Mark! Es ist furchtbar! Die anderthalb Mark hier 'sind auch noch zu theuer. Von morgen ab essen wir zn Hause. Es wird schon gehen mit meinen Kochkünsten. Die ersten Tage mußt Du eben Nachsicht haben, Papa! Und Sie, Herr Textor . . sie wandte ssch ernst an Georg . . . Sie thäten besser, auch mit uns zu speisen! Ich rechne dann aus, was auf Ihren Antheil kommt und Sie werden sehen: Es wird viel billiger, als wenn Sie in Äie schlechten Kneipen gehen!" Aber gewiß, Fräulein Thea!" erwiderte der Sportsman fröhlich-. . . befehlen Sie nur immerzu! ... ich gehorche!" Also abgemacht!" Sie klatschte vergnügt die Hände . . . Paß auif. Papa: jetzt fängt das neue Leben an! Also morgens stehen wir rechtzeitig auf und frühstücken. Dann kommt Herr Tcxto: und Ihr geht an die. Arbeit. Ich mach' mich unterdessen im Haushalt nützlich und vielleicht kann ich Euch auch helfen. Dann, wenn das gröbste Tagewerk gethan ist. geht's zum Essen . . . dann gegen Abend ein Spaziergang im Thiergarten ... und dann lesen wir bei einer Lampe zusammen ein Buch oder die Zeitung . . . denn zum Theatttgrhen . . . va langt's a nicht . . . na . . ." sie schaute hoffnungsfreudig vor sich hin ... es wird schon werden!" Ja . . . mein Goldkind . . . ja . ." sprach der alte Herr. Seine Augen waren feucht. Georg räulsperte sich: Heute nehmen wir also gewissermaßen Abschied von der Vergangenheit. Fräulein' Thea! . . Das muß denn 'doch gefeiert werden . . und da möcht' ich mir den Vorschlag erlauben um die Sache würdig zu gestalten . . . wenn die Herrschaften ein Glas Sekt . . . ein letztes Gl'as Sekt mit mir trinken wollten . . " Thea sah ihn starr an. Sie sind doch wirklich unverbesserlich !' rief sie entrüstet. Ein letztes Glas Sckt!" flehte er . . . einen :Sat!eltrunk. ehe wir in's Philisterland einleiten! ... das müfsen 'Sie mir erlauben!" und das verrätherische Zucken ihrer Mundwinkel bemerkend, ersah er seinen Vortheil . . Sie sind ja selbst kein Philister . . . und Sekt trinken Sie gewiß auch gern! . . ." ' Ja!" sagte sie betrübt. Na . . . also!" Er rief dem Kellner und bestellte. Bald perlte und prickelte es vor ihnen in den geschliffenen Glasbechern, die klingend aneinander stießen. Sind wir leichtsinnig!" i'eufzteThea und wischte sich den rothen Mund . . . die reinen Eintagsfliegen! Ich merke schon: Wir aeben beute wieder zwanzig Mark aus!" Aber dafür ist's doch nett!" Nett ist's schon!" sagte sie träumerisch . . . ich wollt', es wäre immer so! . . . ich hab' eigentlich gar keine Lust M arbeiten! Ich bin der geborene Faulpelz! Aber wie gesagt, es muß sein! Und morgen geht's los!" Jawohl, mein Kind!" Auf dem gedunsenen Gesicht des Freiherrn erschien ein kampfbereiter Zug Morgen !7 . Morgen!- wiederholte der Husar und. lächelte verwegen. Morgen for
dern wir unser Jahrhundert in die Schranken!" Ja . . . und richtig." Tbea war etwas neues eingefallen . . jetzt wollen wir einmal sehen, wieviel Geld wir beisammen haben! . . . sonst ist fa gar keine Ordnung möglich. Also Du, Papa? ... von gestern müssen doch noch 100 Mark mindestens übrig sein!" Eigentlich . . . Thea . . . mein Herz . . ." sprach er endlich stockend . . . Du darfst nicht böse sein ... es ist nichts rechtes mehr davon da! Weil . . weißt Du . . . ich wollte doch das Armband wieder einlösen. Unid da hab' ich heute selbst am Totalisator gesetzt und . . . und es war eben ein Pechtag . . Aber . . . Papa!" Sie sagte nichts weiter, sondern beherrschte sich. Und Sie, Herr Textor!" wandte sie ftch mit Zuckenden Lippen und halb erstickter Stimme zu dem andern . . . Sie haben mir erzählt, daß Sie 500 Mark haben . . Ich hatte sie . . ." der kleine Sportsman räusperte sich schuldbewußt . . . ungefähr 100 davon hat der versl . . . dieser angenehme Totalisator heute auch verschluckt!" Jetzt aber warf Thea zornig ihren Kopf zurück und ihre Augen sprühten. Hört mich an!" sagte sie leise und drohend . . . wenn Ihr so seid . . . wenn alles vergebens ist . . . mein heiligster Wille . . . und meine Bitten uns Thränen . . . dann braucht Ihr mich ja nicht . . . dann . . ihre helle Stimme schwankte, als glaubte sie selbst nicht an das, was sie nun sagen wollte, und verklang in Schluchzen . . dann geh' ich auf und davon! Zu ven Verwandten! Dann könnt Ihr allein hier fertig werden! . . . Aber ich weiß, was dann geschieht . . ." sie legte den Kopf auf den Tisch und weinte . . . verbummeln werdet Ihr . . . ohne Rettung . . . wenn ich Euch nicht halte. . . Und statt mir ein bißchen dankbar zu sein, vergeudet Ihr so recht unsinnig das schöne Geld . . . und lacht mich womöglich noch aus . . . da geh' ich lieber weg!" Aber, Kind!" Aber Fräulein Thea!" Die beiden verlorenen Männer tauschten einen stummen angstvollen Blick und sahen dann wieder auf den schluchzenden Lockenkopf zwischen ihnen. Bleiben Sie bei uns. Fräulein Thea . . ." sagte Georg leise ... Ich schwör' Ihnen: das war das letzte Mal!" Und der alte Herr legte ihr zögernd und furchtsam die Fingerspitzen auf die Schulter: Bleib' bei mir. Kind! Du bist mein Glück und Sonnenschein!" Da hob sie den Kopf und lächelte unter den Thränen, die sie sich von den langen Wimpern trocknete. Älfo das war das letzte Mal!" sagte sie rasch . . . Ich halte Euch beim Wort! Und nun wollen wir also rechnen: Sie haben noch 400 Mark. Papa hat nichts, mein Schmuck ist noch minbestens 500 werth. Da können wir also für den Anfang ganz gut leben!" Georg hob sein Glas: Also auf einen guten Anfang!" Und auf ein gutes Ende!" ergänzte sie. Von morgen ab wird ordentlich gearbeitet!" Der greise Freiherr ballte energisch die Fäuste. Geschuftet wird! . . . für diesen Steinlein! . . ." rief der Sportsman finster . . . aber heute sind wir noch freie Männer beim letzten Glase Sekt!" Die Gläser klirrten und durch ihr Schwingen klang Theas helle Stimme: Beim letzten Glase Sekt! . . ." (Fortsetzung folgt.) In Luneville erschien der Wilderer Noel von Gerbweiler in Lothringen, ein schon mehrfach vorbeftrafter Mensch, vor Gericht, um sich wegen Wilddieberei zu verantworten. Als der Gerichtshof das Urtheil publicirte und Noel erfuhr, daß er zu einem Monat Gefängniß verurtheilt sei, zog er einen Revolver aus der Tasche und zielte nach dem Präsidenten. Doch wurde er am Schießen durch die Gendarmen verhindert, die ihn sofort entwaffneten. Das Gericht verurtheilte Noel sofort zu noch einem Jahr Gefängniß. JnZü rich wurde dieser Tage ein Mann zur letzten Ruhe bestattet, der vor fünfzig Jahren durch eine kühne That in ganz Europa von sich reden machte. Es ist dies Herr Groß, der einstige Wirth des bekannten Caf6 Litöraire in Zürich. Es war im Jahre 1845. zu Beginn des schweizerischen Sonderbundes. Die luzernische Regierung hatte im Frühjahr den zweiten Freischaarenzug zersprengt und dessen Führer, den Luzerner Arzt, Dr. Robert Steiger gefangen genommen und zum Tode verurtheilt. Steiger felbst ersuchte um Begnadigung und erbot sich, dasLand, ja sogar Europa zu verlassen, aber es schien keine Hilfe mehr für ihn. Erst als zahlreiche Petitionen aus dem In- und Auslande kamen und sich so--gar die Bischöfe von Solothurn und Freiburg, sowie die Botschafter Frankreichs und Englands für Steiger verwandten, gab die Regierung nach und begann mit der piemontesischen Regierung zu unterhandeln über die De portation und Einschließung Steigers in einer piemontesischen Festung. Da verbreitete sich am Morgen des 20. Juni 1845 die Kunde, Steiger sei entkommen durch die Hilfe Groß's und der drei Landjäger, die ZU Steiger Bewachung commandirt waren. Es war wirklich so; Groß hatte mit viel Mühen und Listen die Befreiung Steiger's vollbracht und ihn glücklich nach Zürich geführt. Groß war lange Zeit ein populärer Mann, aber schließlich gerieth er doch in Vergessenheit, und wie so vielen, die in jener bewegten Zeit oft genannt wurden, blühte auch ihm das Glück nicht lange. Alte Freunde, die sich seiner That innerten, liehen ihm ihre Unterstützung, bis er im Altersashl geborgen war.
Für die Mche. Ente mit grünen Erbsen. Speck schneidet man in Stückchen und dünstet ihn mit Butter hellgelb, dann nimmt man die Speckstückchen heraus und dünstet in dem Fett die Hergerichtete Ente. Hat sie eine hellgelbe Farbe angenommen, so nimmt man sie ebenfalls heraus und schwitzt einen Löffel Mehl in dem Fett und gießt Wasser daran, läßt die Sauce aufkochen und giebt dann den Speck, die Ente, die nöthigen Schotenkerne. Petersilie, Thymian. ein Lorbeerblatt. Gewürznelken und Pfeffer dazu und läßt das Ganze zugedeckt eine Stunde bei mäßigem Feuer dünsten. Beim Anrichten entfernt man die Küchenkräuter und giebt das Gericht mit Salzkartoffeln auf den Tisch. Zubereitung von frischen Hä ringen. Sechs bis ach: Stück recht große und sehr frische Häringe werden geschuppt, ausgenommen und, nachdem Köpfe und Schwänze abgeschnitten, mit einem reinen Tuch innen und außen gut abgerieben, aber nicht gewaschen. Nun macht man auf jeder Seite der Fische mit einem scharfen Messer drei schräge Einschnitte und streicht in diese eine Mischung aus französischem Senf, welchen man mit ganz wenig geriebenem Knoblauch verrührte, fein gehacktem Estragon und Petersilie.' Die Fische werden nun nebeneinander in eine' Backschüssel gelegt, mit feinem Salz bestreut, mit einem halben Pint Rothwein, in welchem man eine Messerspitze Fleichextract auflöste, begossen, mit kleinen Butterstückchen belegt und im Ofen zehn Minuten gekocht. Nach Ablauf dieser Zeit wen det man dieFische, bestreut sie mit feingeriebenem Weißbrod, begießt sie mit ihrem Fond und läßt sie weitere zehn Minuten backen, um sie dann sofort zu Tisch zu geben. AalmitPapvika (ungarisch). Der abgezogene, ausgenommene und gewaschene Aal wird mit Salz bestreut eine Stunde zur Seite gestellt. In Butter schwitzt man zwei in dünne Scheiben geschnittene Zwiebeln, streut einen Theelöffel voll Paprika darüber und läßt ihn etwas darin schwitzen, legt nun den in Stücke zertheilten Aal darauf, gießt ein halbes Pint Rahm und kräftige Fleischbrühe dazu, dämpft den Äs K. legt ihn auf er-
wärmte vuiseln, giebt zu der durch--geseihten Sauce noch etwas Butter, 1 Gläschen Weißwein, den Saft einer Citrone und 34 Eigelb und schlägt sie mit der Schneeruthe über dem Feuer zu Schaum, woraufman sie übe? denAal, den man so lange warnr stellte, giebt und die Schüssel hübsch verziert. Türkischer Eiskaffee. Der Kaffee muß sehr stark und möglichst von frisch gebrannten Bohnen bereitet werden. Er wird ganz nach indivi duellem Geschniack versüßt, dann in die Eisbüchse gethan, diese in gehacktes Eis, das jedoch nur mit wenig Salz vermischt werden darf, gesetzt und zu dicklicher Masse gefrieren gelassen. Er wird in Mokkaschalen gefüllt und mit leicht gefrorenem, steifem Rahmschaum belegt. KalterCitronenpudding. Sechs Unzen feiner Zucker werden mit sechs Eigelb tüchtig gerührt und die feingewiegte Schale einer, sowie der Saft zweier schöner, großen Citronen hinzugefügt. Hierauf löst man eine halbe Unze weißeGelatine in einer halben Tasse kochenden Wassers auf, vermischt sie mit der Masse und giebt zuletzt den fteifgeschlagenen Schnee der Eier dazu. Nun läßt man die Creme in einer hübschen Fon erstarren und bringt dieselbe mit irgend einer Fruchtsauce auf. Wiener Krapfen: Das Mehl wird einen Tag vov dem Gebrauche m die Wärme gestellt, damit es recht trocken wird. Man nimmt dann Z Pfund feingesiebtes Mehl, salzt es, und giebt einen Eßlöffel voll gestoßenen Zucker dazu, nimmt dann Quart lauwarmen Rahm, 5 Eidotter, 1 bis 3 Unzen zerlassene Butter imd 2 Eßlöffel voll gut aufgelöster Hefe, sprudelt alles gut durcheinander, nimmt soviel von dem Mehle weg, als man nöthig hat. um Krapsen herauszumachen, siebt das übrige Mehl durch, vereinigt es mit dem angemachten Teige und rührt diesen so lange ab, bis er sich vom Löffel löst. Dann wird er noch ein wenig geschlagen. Der Teig darf nicht zu fest werden, wenn er auch etwas mühsam auszumachen ist. Man besäet dann ein Brett gut mit Mehl, gibt den Teig darauf und walkt ihn messerru ckendick aus. taucht den runden Ausstecher in Mehl ein und sticht die Krapsen damit aus. legt sie auf ein mit Mehl bestreutes Brett, bedeckt sie mit einem leichten Tuche, stellt sie an einen warmen Ort und läßt sie gut gehen. Sie müssen noch einmal so hoch werden. dem Backen darf das Schmalz nicht zu heiß sein, ferner muß die Pfanne, darin sie gebacken werden, zugleich gut zugedeckt werden, bis sie auf einer Seite goldbraun sind, dann aber nicht mehr. Will man die Krapfen füllen, so muß der Teig etwas dünner ausgewalkt werden. Die Krapfen werden mit dem Ausstecher angezeigt, in die Mitte eines jeden wird ein Kaffeelöffel voll von dem Eingemachten gegeben, ein zweites. Teigblatt darauf gelegt, und diese beiden zugleich mit einem etwas kleineren Ausstechcr ausgestochen. Sie werden noch warm mit gestoßenem Zucker be stäubt. Zärtlich. Der Ehemann (reibt sich das Bein): O, weh. mein Rheumatismus stellt sich wieder ein Die Gemahlin (vor dem Spiegel in lichter Toilette): Das ist gut. da tätigt ich sof?rt eine andere Toilette nehmen, denn das ist ein sicheres Zeichen, ba& es regnen wkd."
