Indiana Tribüne, Volume 20, Number 300, Indianapolis, Marion County, 18 July 1897 — Page 7
Sclöc Woscn. Von Otto Elster. Ermüdet von der Wanderung durch das Gebirge warf sich der junge Kirnst Ict auf die Bank unter der breitästigen Buche, die ihre Zweige fast ganz über den Raum vor dem kleinen, aber behaglichen Restaurant zur Prinzessin Ilse" ausbreitete. Plötzlich blieb sein Auge wie gebannt an der zarten Erscheinung einer vielleicht in der Mitte der Zwanziger stehenden Dame haften, welche mit ihrer älteren, würdevollen Begleiterin an einem Tischchen auf der Veranda saß. War es möglich? er sollte ihn der Zufall Frau Wanda von Brauneck wiederfinden lassen? Haben der Herr schon bestellt?" Die Frage des Kellners schreckte ihn aus seiner Träumerei auf. Ja das heißt nein bringen Sie mir eine FlascheSelters und einen Cognac." Sehr wohl " Der Kellner eilte fort, und Arthur's Augen schweiften wieder zu der jungen Dame hinüber. Wie entzückend sah FrauWanda aus! Das zarte Oval des Gesichtchens war von kindlicher Weichheit und dabei in jeder Linie edel und fein geschnitten. Die großen blauen Augen konnten so träumerisch weich blicken, und doch auch wieder so schelmisch, wenn ein neckisches Lächeln den kleinen, schwellenden Mund umspielte. Das blonde Haar umkräuselte in kleinen Locken das reizende Köpfchen, das sich meist leicht und anmuthig nach eine? Seite neigte. Aber wie kam Frau Wanda in die schwarzen Trauerkleider, welche in leichtem Spitzengewebe ihre zierliche, schlanke Eidechsengestalt umhüllten? Sollte ihr Gatte, der fast um vierzig Jahre ältere Herr von Vrauneck, gesiorben sein? Arthur erinnerte sich nicht, den Tod des alten Herrn gelesen zu haben. Freilich er war über ein Jahr aus Berlin fort ex hatte die Stadt derlassen an jenem Tage, wo Wanda seine kühnen Worte so stolz zurückgewiesen. Der Kellner kam zurück. Wohnt jene Dame hier im Hause?" fragte Arthur. Welche Dame meinen der Herr?" Jene Dame i:i Schwarz mit dem gelben Rosenboucuet vor sich." Nein, mein Hrr. Die Dame ist vor einigen Stunden mit einem Wagen von Wernigerode gekommen." Also in Wernigerode wohnte sie. Er wußte ihren Namen, da würde er ja auch ihre Wohnung erfahren können. Sollte er sich ihr nähern? Ungewiß blickte er zu den Damen hinüber, ob Frau Wanda ihm nicht einen einzigen kleinen ermunternden Blick des Wiedererkenncns schenken würde. Aber sie sah nicht von jhrer Arbeit auf und stickte eifrig weiter. Wenn sie nur ein einziges Mal Herüberblicken wollte! Hatte er sie denn wirklich so sehr beleidigt, als er ihr beim Malen ihres Portraits sagte, wie entzückend schön sie sei? Sie war die Gattin eines Andern gewesen gewiß , aber er war ihr ja nicht mit den leidenschaftlichen Wünschen genaht, die er tief in seinem Herzen verschloß. Und dann sie hatte den clten Herrn von Brauneck doch gewiß nicht aus Lieb? geheirathet. Sie war eine entfernte Verwandte des alten Herrn, arm wie eine Kirchenmaus, war Erzieherin in mehreren Familien gewesen , und da hatte sie denn die Werbung des alten, biederen und sehr reichen Onkels nicht ausgeschlagen. Schwer genug mußte es ihr geworden sein, aber was thut man nict, wenn man eine Mutter und zwei jüngere Geschwister zu unterstützen hat? Die alte Dame sprach jetzt einige Worte zu Frau Wanda. Diese nickte, legte ihre Arbeit in eine kleine elegante Ledertasche und sah sich nach dem Kellner um. Dabei streifte ihr Blick wie zufällig daö Antlitz des jungen Malers. Es war nur ein flüchtiger Moment, eine Viertelsekunde, aber Arthur hatte doch das Aufleuchten in ibrem Auge und den Hauch des schelmischen Lächelns um ihre w:ichen Lippen bemerkt. Dann war wieder alles vorüber. Sie bezahlte, erhob sich und legte der alten Dame das schwarze Spitzencape um die Schultern. Nicht einen Blick schenkte sie ihm mehr, den Strauß der herrlichen gelben Rosen hob sie empor, um ihr Gesichtchen darüber zu beugen, ihre schwellenden Lippen berührten .'wie in einem Kusse die Blumen; dann ließ sie den Strauß auf den Schooß niedersinken, der Kutscher knallte mit der Peitsche, die Pferde zogen an, und dahin rollte der Wagen auf der breiten Chaussee, die sich zwischen den grünen Tannenwäldern nach Jlsenburg und Wernigerode hindurchwand. War diese Berührung der Rosen durch ihre frischen, rothen Lippen ein Gruß für ihn gewesen, den nur er derstehen konnte? Er kannte ihre Liebe zu den Blumen, namentlich zu den Rosen von dieser herrlichen tiefgelben, seltsam leuchtenden Farbe. Mit solchen gelben Rosen hatte er sie ja malen müssen, und der Contrast der Farben, der ihre Erscheinung in solch wunderbarem Licht erscheinen ließ, hatte ihn damals fast zurVerzweiflung gebracht. Sie hatte über seine Verzweiflung gelächelt, und jetzt lächelte sie nicht abermals, als sie die Rosen an ihre Lippen führte? Oh dieses schelmische, süße, zauberhafte Lächeln! Es hatte damals seine Sinne berauscht, daß er jene kühnen Worte sprach, die ihn aus ihrer Nähe vertrieben, . es berauschte ihn heute auf's Neue, daß er wie im Traum dasaß und in den Wald hineinblickte, über den sich die letzten warmen Grüße der sinkenden Sonne breiteten. ' i j Mt Abends langte er im .Weißen
Hirsch- zu Wernigerode an. Trotzdem er sehr ermüdet war, ließ er sich die Liste der in'Wernigerode eingetroffenen Fremden geben. Aber wie er auch suchte, er fand Wanda's Namen nicht. Sollte sie erst so kurze Zeit hier sein? Die Liste reichte fast bis zum heutigen Tage. Wann erscheint die neue Fremdenliste?" fragte er den Kellner. Morgen, mein Herr. Die Liste erscheint alle drei Tage." Dann würde sie also in der neuen Liste stehen. Beruhigt legte er sich zu Bett. In der Erinnerung an sie entschlief er. Ihr Bild umgaukelte gleich einer zierlichen Libelle seine träumende Seele. Ein stiller, dunkler, träumerischer Waldsee statt der Wasserrosen schaukelten sich die seltsamen gelben Rosen auf dem dunklen Wasser, als leuchtende Sonnen und Sterne stiegen sie aus der geheimnißvollen Tiefe des Sees empor, überwucherten die Ufer, schlangen sich in reichen, glänzenden Guirlanden von Baum zu Baum, erfüllten den ganzen Wald mit ihrem Duft, und selbst die goldene Sonne am wolkenlosen Himmel glich einer glühenden, gewaltigen gelben Rose, die mit ihrem Duft und Glänze die Welt Lberfluthete. Und zwischen all dem Glanz und Duft der Rosen gaukelte das liebliche Libellenbild auf und ab. er streckte in süßer' Sehnsucht die Arme nach ihm aus, da entschwand es ihm unter leisem schelmischem Lachen, und tiefe Dunkelheit umhüllte den Wald und die Welt. Am andern Morgen war seine erste Frage nach der neuen Fremdenliste. Sie lag bereits auf dem Frühstückstisch. Mit raschen Blicken durchflog er die neuen Namen vergebliche Mühe! ihr Name befand sich nicht darunter. Was nun? Es gab nur wenige Hotels in der kleinen Stadt, in denen zwei vornehme Damen logiren konnten. Er wollte in Kiesen Hotels Nachfrage halten, und stürmte davon. Nach einer Stunde hatte er alle in Frage kommenden Hotels durchfragt. Nirgends waren die Damen abgestiegen. Wie ein Verzweifelter stand er auf dem alterthümlichen Marktplatz und blickte rathlcs zu dem prächtigen Schloß empor, welches im Glanz d:r Morgcnsonne dalag und sich mit seinen Thürm?n und Thürnchen, Erkern und Zinnen scharf gegen den wolkcnlosen Himmel abhob. Was sollte er nun beginnen? Sie suchen aber wo und wie? Da trat ein kleines Mädchen mit einem Körbchen an ihn heran und bot ihm Blumen zum Kaufe an, rothe, weiße und gelbe Rosen. Gelbe Rosen, wie Wanda sie gestern getraacn und wie ein Vlitz schoß ihm der Gedanke durch den Kopf: in dem Garten, wo diese Rosen wuchsen, da mußte Wanda wohnen! Er kaufte dem Mädchen einen Strauß gelber Rosen ab. Gibt es viele dieser schönen, seltenen gelben Rosen hier?" fragte er. Nein. Herr, nicht viel die schönsicn bekommen wir gar nicht sie sind nicht zu verkaufen, weil sie in den herrschaftlichen Gärten wachsen." Kannst Du mir diese Herrschaft!!chen Gärten nennen?" In Nöschcnrode, Herr, steht eine Villa, dort ist der Garten ganz voll von gelben Rosen." Erstaunt sah das Mädchen dem seltsamen Herrn nach, der ohne ein Abschiedswort davoneilte. Nöschcnrode jst ein mit Wernigerode eng zusammenhängendes Dorf. Tief hinein in das schattige Mühlenthal ziehen sich die zierlichenVillen Nöschenrodes. im Sommer von Fremden an gefüllt, die hier in der ländlichenStille und im rauschenden Walde Erfrischung und Erholung suchen. Als Arthur das Thor der Stadt verlassen hatte, sah er sich suchend um. Wohi.i sollte er sich wenden? Wie thöricht von ihm. das Mädchen nicht nach dem Besitzer der Rosenvilla gefragt zu haben! Jetzt mußte er wieder suchen, und das war keine kleine Aufgabe in der beginnenden Mittagshitze. Aber er ließ es sich nicht verdrießen. Er stieg bergauf, bergab, er durcheilte fast das ganze Mühlenthal, er blickte in jeden Garten, daß die Leute ihn verwundert ansahen und plötzlich, dort drüben vom Walde her leuchtete ihm ein Flor gelber Rosen entgegen, ganz von derselben Farbe, wie die Rosen Wandas dort, dort mußte sie wohnen! Die kleine zierliche Holzvilla lag fast im Schatten des Waldes, während der Garten vor ihr im hellen Sonnenschein erglänzte. Und Rosen, nichts als gelbe Rosen! In großen Hochstämmen erfüllten sie den Garten, gelbe Klettenrosen rankten sich um die Veranda und um das Häuschen, gelbe Rosen umschlangen dasEingangsthor, gelbe Rosen leuchteten von dem Zaune herüber gelbe Rosen überall! Aufathmend stand er an der Gartenpforte da auf dem Messingschild stand ja ihr Name: v. Brauneck! Hier wohnte sie also! Und ihr Gatte? Ein Gärtner trat heran. Wünschen Git etwas, Herr?" Jst ist Herr v. Vrauneck zu sprechen. . ." Herrn v. Vrauneck gibt's nicht, Herr! Hier wohnt nur Frau v. Brauneck mit ihrer Mutter. Herr v. Brsuneck ist vor etw? einem Jahre gestorben. und da haben sich die Damen hier niedergelassen." - Wollen Sie mich der gnädigenFrau melden hier meine Karte." Dort auf der Veranda ist die gnädiqe Frau." sagte der Gärtner. Ohne die Meldung des Mannes abzuwarten, eilte Arthur auf die rosenumrankte Veranda zu. Ein leichter Schrei ertönte von holder Gluth Übergossen stand Wanda im schwarz und weißen Hauskleide vor ihm.
Wanda gnadige Frau Herr Rudorff Sie hier?Ah, so erkennen Sie mich wieder? So haben Sie mich nicht vergessen, wie ich gestern schon fürchtete?" Das reizende, schelmische Lächeln, welches ihr eigen war, huschte um ihre Lippen. Vergessen habe ich Sie nicht." Aber Sie schickten mich erzürnt in die Verbannung." Sie selbst haben sich verleimt, mein Herr!" Mußte ich nicht gehen? Sie zürnten mir..." Aber wie erfuhren Sie. daß ich hier wohnte?" Ich habe Sie gesucht durch die ganze Stadt. Ihren Namen in den Frcmdenlisten und in den Hotelbächern ich fand Sie nicht " Sie lachte auf. Das glaube ich. Seit etwa sechs Monaten wohnen wir hier. Ich habe dies Häuschen g:kauft." . Ja, ja und da fielen mir die gelben Rosen ein, die ich gestern bei Ihnen gesehen, deren Duft meine Träume erfüllte, und ich folgte dem Duft und dem Glanz der Rosen. Wanda und ich fand Sie wieder endlich endlich!" Sie schlug die Augen nieder und stand in weicher Träumerei da, während ein liebliches, freundliches Lächcln ihre Lippen umspielte. Wanda. ich weiß. Ihr Gatte starb " Ja," entgegncte sie leise, vor einem Jahre ganz plötzlich." Ehre seinem Andenken. Wanda. er war ein braver Mann. Aber die Rosen. Wanda. die Rosen duften und duften weiter jeden Sommer auf's Neue , und wie wir uns wehren mögen: der Glanz und der Duft der Nosen verfolgen uns überall hin und lassen uns nicht frei. Auch in unserem Leben blühen und duften sie wieder Wanda zürnen Sie mir, daß ich dem lockenden Duft der Rosen nicht widerstehen konnte?" Da blickte sie zu ihm auf. ihr Auge schimmerte feucht, um ihre Lippen zuckte es sie streckte ihm beide Hände entaegcn. Aufjauchzend zog er sie an seine Brust ihre Lippen widersetzten sich seinem Kusse nicht, und in ihrem Her5en jubelte es auf: Jetzt jetzt ist die Zeit der Rosen!" Eine Zlovcllc.
Von H. fr Houben. Auf einer der belebtesten Straßen einer rheinischen Stadt kam eines Tages ein junger Mann von ungefähr 23 Jahren einher. Unter dem linken Arm trug er ein dünnes Packet, das er fest, ja fast innig an sich drückte. Seine trübe Miene fiel Vorübergehenden auf. Die elegante5tteidung konnte ihn kaum der Gcldnoth verdächtigen, und doch ging er daher wie einer, der sich soeben völlig verspckulirt hat. Otto Reicher hatte grade seine erste Novelle von einer Zeitungsredaktion zurückgeholt. Und auf dieses Werk, das er schon in schönen Zukunftsträumen mein Erstlingswerk" nannte, hatte er all die kühnen Hoffnungen seines Viertcljahrhunderts gesetzt. Diese erste Novelle sollte ihn herausreißen aus der staubigen Luft des väterlichen Comptoirs, sollte seinem allzupraktischen Vater beweisen, daß sein Sohn zu etwas Höherem geboren sei. Wie hatte er darüber gebrütet Tag und Nacht ; an seinen (eschäftscollegen, ja an seinem leiblichen Vater hatte er novellistische Studien gemacht, und Kassenbücher! und Aehnliches sah er stets nur darauf, an, ob sie etwa der Verwendung in seiner Novelle fähig seien. Und nun! Das ganze stolze Traumgebäude zerflossen und nichts davon übrig geblieben als das unselige Manuskript. Anstatt mit. strahlendem Antlitz und selbstbewußtem Gang seinem Vater entgegentreten und sagen zu können: Sieh her! Das ist Dein Sohn und das ist sein Werk!" mußte er'ietzt wiedev zurück in die dumpfe Eomptoirstube. er hörte seinen Vater schon murren, was er doch immer für wichtige Gänge während der dringendsten Geschäftszeit zu besorgen habe. Er wav wirklich lebensmüde. So kam er allmälig an den Anfang der öffentlichen Anlagen. Noch immer gährte es in ihm und er konnte sich noch nicht entschließen, in die Prosa seines väterlichen Geschäftes zurückzukehren. Er ging also weiter. Es war mitten im Sommer und glühend heiß. Eine dichte Staubdecke hatte sich aus Blüthen und Blätter gelegt. Die Vögel waren zu träge zum Singen oder zu dürftig, und auch die Spaziergänger wandelten in schwerfälligem Schweigen umher, als sei die Natur gestorben vorHitzc, und sie müßten nun zu ihrem Begräbnisse gehen. So recht eine Kirchhossluft, wie sia über Gräbern der Hoffnung wehen muß. Otto hatte das Gefühl, als müsse ihm jeder sein Erlebniß am Gesicht ablesen, und wagte nicht aufzublicken. So kam er allmählich an den Rhein, zur sogenannten schönen Aussicht". Es war ein schattiger von hohen Bäumen bewachsener Hügel; ein kühlender Wind strömte vom Rhein herüber. Alle Bänke waren besetzt. Nur ganz rechts saß auf dem cinenEnde der letztenBank eine einzelne Person. 5zier nahm er Platz am anderen Ende und vergrub sich wieder unter die Trümmer seiner Hoffnungen. Ein Räthsel blieb ihm seine Niederläge doch! Natürlich konnte es nicht zugegangen sein! So vieles war ihm doch so schön gelungen, wie zum Beispiel jene Stelle: Und Käthi erhob sich langsam und sagte mit leise zitternder Stimme: Legen Sie Jhvem Herzen Zügel an, Oskar (Otto hatte er seinen Helden doch nicht zu nennen gewagt), wie dem
wilden Roß, das Sie täglich reiten! Am stärksten ist der Mann, der nur ist ein Held, der sich selbst bezwingt. Denken Sie an Schillers Kampf mit dem Drachen und gehorchen Sie mir. In diesem Augenblick trat ihre Mutter ein u. s. w." Und dann noch jene stimmungsvolle Beschreibung, die Oskar von dem Antlitze seiner Geliebten macht: Ihr Antlitz war ruhig, ja kalt, wie ein Alpensee,, und doch spiegelte sich darin ein ganzer Himmel mit Sonne, Mond und Sternen." Ein silberhelles Kichern störte ihn auf, ganz aus der Nähe war es gekommen. Nichtig, die andere Ecke war ja besetzt. Vor sich auf dev Erde sah er den Schatten eines Frauenhutes sich hin und her bewegen. Er mußte wohl laut vor sich hin gesprochen haben, was hatte die sonst zu lachen! Ueberall Störung! Hastig sprang er auf, ohne sich nach der unbescheidenen Lacherin umzusehen, und war bald auf den schattigen Wegen verschwunden. Aber nach kaum einen Viertelstunde kam er wieder dahergcstürmt, mit wirren Haaren, die Schweißtropfen rannen ihm von der dunkelrothenStirn auf den Schnurrbart nieder. Athem los langte er jetzt an der leeren Bank wieder an. Ein Todesschreck fuhr ihm durch die Glieder. Nichts! Auf der Bank nichts! Unter der Bank nichts ! Keine Spur ringsum! Die fremde Person verschwunden, die vorher hier gesessen! Argwöhnisch blickte er alle Inhaber der nächsten Bänke an. Man wurde schon aufmerksam auf sein sonderbares und aufgeregtesWesen. Lachte dahinten jemand? Ev hätte alle an der Gurgel packen mögen: Her damit oder '. . .!" Doch vielleicht war der Dieb schon mit seinem Raub in Sicherheit und er wagte gav nicht, den Gedanken auszudenken. Geörochen sank er auf die Bank nieder. Den Schlag würde er nicht überwinden können! Erst alle seine Hoffnungen zerschlagen und jetzt auch noch das Manuscrivt fort, verloren, gestohlen! Wenn ev nur wüßte.wer jenen FrauenHut getragen und da vorhin gelacht hatte. Das war sie sicher, die Diebin! Er sprag auf, als wollte er der Unbekannten nach. Wohin? Er schalt sich einen Narren und schlug den Weg durch die Neitallee ein. Zufällig blickte er auf. da! er fühlte, daß ev blaß wurde am Ende der Allee kam eine bekannte Gestalt. Käthi! Ganz allein! Sie sah auf den nahen Hafen nieder. Ihr jetzt unter die Augen treten? Um keinen Preis! Im Augenblick drehte er sich um, und wie von Furien gepeitscht kam er zu Hause an. wo ihn sei Vater mit einigen bittcrenSchmeichcleie.n und einem mächtigen Stoß ContokorrentAuszügen empfing, die nachzurechnen jetzt wohl oder übel seine Pflicht war. Wie schwer es ihm wurde, wußte nur er allein. Vierzehn Tage ipater treffen wir unsern Freund wieder auf derselben Straße. Er hatte die Folgen jenes Schreckentages ohne nachtbeilige Folgen überwunden, und unter demselben Hute, der damals Angst und Verzweiflung beschattete, blickte wieder das alte ststs fidele Gesicht mit dem keck aufgewirbelten Schnurrbart hervor. Morgen Otto!" tönte es da von der Seite. Dich sieht man ja überHaupt nicht mehr. Du sitzst wohl jetzt den ganzen Tag in Deinen vier Psählen und dichtest und zeigst Dich nur in Mußestunden dem irdischen Publiko? Na. nur zu! Das war mir übrigens ganz neu: Du und Schriftsteller!" Otto's Gesicht hatte sich zusehends verlängert. Er blickte den boshaft kichernden Freund an, als spräche er irr. Ich? Schriftsteller?" stammelte er. Sein Herz stockte. Da mußte jemand geplaudert haben! Ja die Redakteure. . .! Ja, nu hör' mal Kleiner! Wwindeln is nich! Im Lokalblatt stehts: Zwei Herzen. Von Otto Reicher." Sonst giebts keinen hier. Und dann, weißt Du, der Name Käthi hat Dich genügend verrathen. Na, nimm's nicht übel! Servus!" Otto glaubte in den Boden zu versinken. Wie imTraum wandelte er weiter. Sein verlorenes Werk im Lokalblatt? Wie war das möglich? Der Redakteur hatte ihn doch deutlich genug abfahren lassen! Otto aber war in das nächste R staurant gestürmt und hatte fast grob das Lokalblatt verlangt. Wird gelesen!" war die Antwort des Piccolo. Auch das noch! Jetzt noch warten! Endlich kam's. Richtig! Da stand's! Mit großen Buchstaben! Otto Reicher! Diesem Räthsel mußte er gleich auf die Spur kommen. Nach fünf Minuten klopfte er an die Thür der Redaktionsstube. Der greise Redakteur stieß eni brummiges Hm! aus, als Otto auf ihn zutrat. Weiß schon, was Sie wollen. Ihr Honorar möchten Sie wohl abholen? Hm " Zum Kuckuck mit Ihrem Honorar", fuhr Otto heraus. Wie kommt meine Novelle in Ihre Zeitung?" Der Zorn erstickte seine Stimme." Na. na! Das wissen Sie nicht? Ich auch nicht. Da fragen Sie meinen jungen College hierneben. Ich war Zwei Tage verreist 'und der dumme verliebte Gimpel konnte es nichts übers Herz bringen, einem gewissen jungen Fräulein, das mit Ihrem Manuscript daherkam Kathi Rösen hieß sie ja wohl ihre Bitte abzuschlagen. Und da ihr Vater unser Haüpt-Aktionär ist na ja!" Der Alte zuckte brummend die Achseln. Otto war es plötzlich als wenn er mitten in einem blühenden Fliederstrauch säße. Käthi! In diesem Wort tauchten alle seine Gedanken unter. Sie hatte das drucken lassen? Er.kam
erst zu klarem Besinnen als er schon auf der Straße war. Abev wie kam sie an sein Manuscript? Sollte sie am' Ende Herrgott! Hatte sie auf jener Bank gesessen, ihn ausgelacht, das Packet mitgenommen? Jetzt war ihm alles klar. So. hatte sie sich für das Uebersehenwerden gerächt. Und was für eine Rache! Eine süße, goldene Rache! Ganz nach ihrem Wesen! Ganz Käthi! Otto machte heute seinem Vater viel Kummer. Alles, was er rechnete, stimmte nicht. Der zweite Lehrjunge selbst uklte darüber. Das. Glück war Otto günstig. Er traf feine Käthi, die Göttin seines Ruhmes, schon am folgenden Tage hoch oben auf dem sogenannten Napoleonsberqe. Sie stand da und schaute sinnend auf das hübsche Bild, das sich vor ihr ausbreitete, den Eiskellerberg, die Lindenallee, die sich hinten in der Ferne in sonnigen Staubwolken verlor. Er trat leise auf sie zu. daß sie erschreckt aufschrie, als er sie anredete, und ein tiefes Roth bedeckte das liebliche Gesichtchcn, als sie seiner ansichtig wurde. Fräulein Käthi", begann er nach der kurzen Begrüßung, wie kann ich Ihn? danken für den großen Dienst, den Sie mir geleistet haben! Sie haben einem meiner innigsten Wünsche Erfüllung gegeben, und daß Sie gerade diese holde Fee gewesen sind, freut mich mehr als ich sagen kann." Sie hatte sich abgewandt bei seinen übersprudelnden Worten und zeichnete mit der Spitze ihres Sonnenschirms Kreise in den Fußboden. So war's nicht gemeint", entgegnete sie stockend; glauben Sie, ich hätte nicht gemerkt, daß die Heldin ihres Romans mein Ebenbild ist? Die blauen Augen, das blonde Haar, die gebrannten Stirnlocken, sogar das Stumpfnäschen haben die Frecher nicht geschont. Meinen Sie, das schmeichelt uns Mädchen nicht in einem Roman von Freundeshand ". Sie nestelte verlegen an ihren Handschuhen. Auf dem Gesichtchen, das unter dem bunten koketten Hütchen hervorsah, malte sich glückliche lächelnde Verlegenheit. Das haben Sie herausgefunden?" rief er in Heller Begeisterung, und Sie zürnen mir nicht, daß eine schwache Feder wie die meine sich an Ihrem Ue ben Bilde versucht bat?" Weshalb denn? Ein unbedeutcndes Mädchen wie ich möchte auch einmal gern gedruckt werden." Ein verwegener Gedanke blitzte da in ihm auf. Ev ergriff die- kleine Hand und Kathi fest ansehend, sagte er mit vor Erregung unsicherer Stimme: Und wenn ich Sie zum Danke nun bäte, noch einmal sich drucken zu lassen, doch Ihren ganzen Namen oben und meinen unten, und darunter das himmlische Wort Verlobte", würden Sie mir dann auch nicht zürnen?" Eine tiefe Pause trat ein. Sie hatte das erröthcnde Gesichtchen tief gesenkt, und er hörte ihren Athem schneller gehen. Und als er sich nieverbeugte, ihr in die Augen zu sehen, da schauten ihn diese so glückstrahlend an, daß er ihr mit lautem Jubclschrei um den Hals flog. . . Nur ein bitterer Tropfen mischte sich in den Freudenbcher. Als si schon bei einbrechender Dunkelheit in die Lindenallee einbogen, legte Käthi vertraulich ihren Arm in den seinen und sagte: Nicht wahr Otto! Du thust mir jetzt den Gefallen und schreibst keine Novellen mehr?" Einen Augenblick bedachte er sich. Dann mit einer plötzlichen Ueberwindung antwortete er schnell: Nein gewiß nicht Liebste, jetzt schreibe ich keine mehr, nachdem ich selbst eine erlebt habe."
Das Fahrrad. Von Maximilian firaufj. An einem Stammtisch in einem Wirthshaus der Altstadt, an dem bekanntlich die wichtigsten Fragen, die je die Welt bewegten, mit ebenso großer Gründlichkeit wie Sachlichkeit besprochen werden, wird eines schönen, warmen Sommerabcnds auch der Fortschritt besprochen, den die Technik in den letzten Jahrzehnten gemacht. Da kommt die Eisenbahn, die Dampfschifffahrt, die Elektricität, das TelePhon und der Telegraph auf's Tapet Alles fein säuberlich der Reihe nach. Ein Wort gibt das andere, ein Gedanke löst den andern ab und das gesammte Collegium ist sich in dem Cardinalpunkte einig.dcß wir's Herrlich weit gebracht." t Einer der Stammtischgesellschaft, ein Fahrradhändler, kommt natürlich auch auf das Fahrrad zu sprechen. Warum sollte er nicht? Jst es ja doch auch erst in den letzten Jahrzehnten das geworden, was es heute ist: ein Verkehrsmittel allerersten Ranges und noch dazu ein Triumph der Präcisionsmechanik. Das Fahrrad, oder wie sich der Herr Fahrradhändler ausdrückt, das Radl", das Velozipäh" ist überhaupt das Wunderbarsie, was auf dem Gebiete der VerkehrsmittelIndustrie geschaffen wurde. Mejne Herr'n! Das sag' i, und das können's mir glaub'n in zwanz'g Jahrln da radelt überHaupts Alles, was zwoa Boana hat und Mensch hoaßt." Allgemeines Kopfnicken. Was kann man auch gegen eine Behauptung sagen. die sich erst in zwanzig Jahren auf ihre Richtigkeit wird prüfen lassen? Und dann herrscht am Stammtisch so ziemlich Uebereinsti.mmung darin, daß man. sich nicht üher Dinge aufregt' die erst in beinahe einem Menschenalter kommen werden. An einem Stammtisch herrscht die Ruhe und Gelassenheit eines Philosophen. Es ist da Jeder in gewissem Sinne ein Fatalist. Man. wartet ab. was kommen wird
und läßt sich einstweilen sein Quantum Bier wohl schmecken. Nur der Herr Nacklbcrger ist auf ein paar Atmosphären weniger 'geprüft um mich technisch auszudrücken. Und darum explodirt er folgendermaßen: Sie. da ham's mi erscht halbet! Zwanz'g Jahrln hoff' i schon noch z' 'derleb'n" er streicht wie zur Bekräftigung mit seinen Weißwurstfingern über den runden Leib aba mi sehg'ns net radeln! Da können's Gift drauf nehma! Verstand'n?" Del Fahrradhändler und Stammtischgcnosse nimmt zwar trotz dieser freundlichen Aufforderung kein Gift; er thut nur einen tiefen Zug aus seinem Maßkrua. fchnalzt mit der Zunge und sat dann mit einem diabolischen Grinsen: Was wetten's denn, Herr Nacklberger, daß Sie aa noch radln? Koa Jahrl vageht und nachat b'stell'ns Eahna bei Eahnern Hof- .und Leibschneida a Radlerk'lüftl!" Alles lachte. Die Idee ist auch zu komisch: Freund Nacklbcrger auf dem Velociped! Auf den Aermsten geht eine Fluth von Sticheleien nieder. . Freunder!! Für Dich müss'ns an extrig's Nadel bauen!" . An Deiner Stell' thät' i mi' in an Variäthä segh'n lass'n der schwarste Mann der Welt auf'm Velozipäh !" Da wirst c G'schau kriag'n mit Deine Wadl'n! Mei' Liaba! Dös glaubt ja der stärkst' Mann net, daß die net ausg'stopft san!" Oan Vortheil hat's doch beiWir, daß D' wacherlweich fällst, wann'st abbifallst mit dem bisl .Schwart'n !" Herr Nacklberger ist wüthend. Mit geballter Faust sitzt er da urCtf wie ein hungriger Menschenfresser schaut er der Reihe nach seine Genossen an. Am meisten aber ärgert ihn der FahrradHändler, der alle die bissigen und spöttischen Bemerkungen der Stammtischgenossen mit einem triumphirenden Sieesgebeul aufnimmt. Endlich reißt dem Herrn Nacklberger der Geduldfaden. I vabitt' mi hiatzt die G'schicht! Moant's Oes. i gieb Enk an Hanswurscht'n ab? Da seid's g'stimmt!" schreit er und schlägt den Deckel von seinem Krug zu, daß es nur so knallt. Und Sie, Sie Spinnradlhändler" er meint damit den Fahrradhändler Sie nehmen z'ruck. was S' g'sagt hab'n! I laß mi' von Eahna net beleidig'n! Vastand'n! Sonst hat's was!" I hab' Eahna ja gar net " Sie hab'n g'sagt, daß i aa noch radl'n that das lass' i mir amol net g'fall'n! A solchene Fexerei war mir schon z' dumm " I sag' Eahna, Herr Nacklberger es vageht koa Jahrl nachat radl'n's!" entgegnet der Händler mit lachendem Munde. Der ganze Stammtisch brüllt. So was hat man noch nicht erlebt. Mit an Mensch'n, der spinnt, mag i nimmer an oan Tisch sitz'n. 's Goott mitanand! Oes seid's heunt ja Alle 'trapst!" Herr Nackelberger sagt's mit olympischer Ruhe. In diesem Augenblick ist er von wahrhaft klassischer Größe. Dann steht er auf, greift nach seinem Strohhut und stampft aus dem Lokal. Er. radeln! Wie ihm draußen auf der Straße der kühle Nachtwind vm die heiße, pochende Stirne weht, bleibt er einen Augenblick jchwerathi.iend steben. Er und radeln! Es ist ganz ungeheuerlich! Und dieser Mensch, der Fahrradhändler, stellt d-: Möglichteit. daß er einmal radeln warde, mit einer solchen Bestimmtet hin ! Herr Nacklberger setzt sich wieder in V?wkoung. Für ihn ist der Mensch einfach reif für's Narren'haus. Nach einigen hundert Schritten bleibt er wieder siehen. Warum der Mensch gerad: ihn so anzapfte! Und mit welcher unverschämten Sicherheit er seine Behauptung aufstellte! Als ob er. der Herr Nacklbcrger, bei ihm schon das Rad gekauft hätte? Gekauft!? Halt! Es gab Herrn Nacklberger einen förmlichen Riß. Gekauft! Der Mensch will ihn animiren, bei ihm ei. r-t zu kaufen. Der hungrige c weiß, der Herr Nacklberger las nöthige Kleingeld . uär' so eine Kundschaft! Er und sein Sohn, der Franzl und seine Gattin ! Himmeldonnerwetter! Er griff schwerathmend nach seiner Stirn. Was ging in seinem Gehirn vor! War er denn selbst verrückt geworden? Seine Gattin und radeln ?! Es schüttelte ihn bei diesem Gedanken wie im Fieber. Und hastig, als ob der Fahrradhändler gespenstisch hinter ihm herliefe, trappte er nach Hause. . . Schweißgebadet kam er in seiner Wohnung an. Zu seinem nicht geringen Erstaunen fand er seine Gattin noch wach. Sie hatte ihn offenbar erwartet. Mit einem brummigen Gruß wollte er sich in sein Zimmer begeben. Seine Gattin aber hielt ihn fest. Du. Peperl " (sie sagte immer Peperl, wenn sie ihrer Zärtlichkeit besonderen Ausdruck verleihen wollte). Du, Peperl, da geh' amal her zu meiner!" Peperl?!" dacht: Herr Nacklberger. Au weh. da hat's was!" Aber er gehorchte, machte Kehrt und blinzelte erwartungsvoll zu seiner Ehehälfte hinüber. Sollte sie ein neues Seidenkleid oder einen neuen Hut brauchen? Zwar hatte er ihr erst vor einigen Wochen den schönsten Modehut mit einem wahren Gemüsegarten obendrauf zum Geschenk gemacht, und die Störenfchneiderin war erst vor Kurzem nach achttägiger Blockade der ganzen Wohnung desHerrn Nacklberger abgezogen. Aber was sollte sie sonst wollen? Frau Nacklberger schien seine Gedanken zu errathen. Mit wenigen Worten verscheuchte sie alle seine Zweifel. Was geb'n wir denn morg'n unserm Franzl zu seinem Namenstag?" Herr Nacklberger war ganz gerührt.
Wie uneigennützig war seine.gute Alte. Sie kann nicht schlafen, bevor sie nicht weiß, womit sie Andere glücklich machen kann. Und er selbst hatte gar nicht an den Namenstag seines einzigen Sohnes gedacht. Ein netter Vater! Ganz zerknirscht entgegnete er deshalb auch: Ja was moanst denn, daß eahnr a Freud' machet? J i hab' halt denkt, mir schenket'n eahm an Fufzgerschein! Nachet kann sich der Franzl selber was kafa!" Ah was. fufzig Mark'ln, für den Buam. der wo an Vata hat, der vierfacher Hausbesitzer is! Schämst Dr net. Pepi?" Au weh!" dachte Herr Nacklberger wieder. Er hatte keinen glücklichen Vorschlag gemacht. Seine Gattin war indignirt. denn sie sagte schon nur mehr Pepi". Jetzt mußte er vorsichtig sein, sonst würde sie grandi". I hab' halt g'moant, Pepi, mir kafa dem Buam weil er's gar so gern hat a Radl!" bemerkte die Gattin, scheinbar ganz harmlos, aber doch mit ziemlichem Nachdruck. Herr Nacklberger hatte das Gefühl, als müßte er umfallen. Er würgte und drückte, aber er brachte kein Wort heraus. I' hab's dem Buam schon vasproch'n. Hiatzt fahrt ja Alles Velozipäh a jeder Maurer hat a Radl. Da könna mir's' uns aa leist'n. Moanst net aa, Peperl!" Herr Nacklberger nickte nur mit dein Kopf. Was sollte er anders meinen? Seine Gattin sagte wieder Peperl". Und dieses Kosewort war der Lohri für seinen Gehorsam. Da gab's gar keine Widerrede mehr. Herr Nacklberger ging in sein Zimmer wie ein Delinquent am Abend vor seiner Hinrichtung. Im Traum erschien ihm der Fahrradhändler, der ihn mit höhnischen Grimassen einlud, ein Fahrrad zu besteigen. Und als Herr Nacklberger sich weigerte, sprangen sechs Dienstmänner auf ihn los, packten ihn mit nerviger Faust und hoben ihn in den Sattel. In demselben Augenblick sauste das Rad mit ihm davon und er erwachte. Wochen waren vergangen. Der Franzl radelte schon wie noch einmal ein Champion. Seine Mutter war selig. Sein Vater schmunzelte und am Stammtisch vertheidigte er sogar mehrere Male die Radfahrer, die er früher varuckte Scher'nschleifer" genannt hatte. Eines Tages ging er ge mächlich in den Jsarauen spazieren.. Gerade wollte er um eine Ecke herumbiegen, da klirrte eine Glocke er trat schnell zurück drei Räder sausten an. ihm vorüber. Auf dem ersten saß sein Sohn, der Franzl, auf dem zweiten Herr Nacklberger war starr vor Entsetzen saß seine eigene Gattin und hinter ihr radelte ein Mann, der fortwährend rief und commandirte: Treten's nur fest, Madam'!" Grad sitz'n, grad!" Halten's d' Lenkstang' net so fest!" So! So! Famos geht's!" Herr Nacklberger wollte rufen aber die drei Radler waren schon verscöwunden wie eine Fnta Morana. Seine Gattin radelte! Hinter semein Rücken! Das war der reinste Ehebruch! Herr Nacklberger wüthete und tobte. Schnurstracks eilte er nach Hause und athemlos kam er an. SeineGattin trat ihm mit der unschuldigsten Miene von der Welt entgegen. Sie hatte das Sportkostüm schon abgelegt und begrüßte den Gatten in ihrem sittsamen Hauskleide. So viel hausmütterliche Anmuth und dennoch radeln! Herr Nacklberger wollte losplatzen. Aber in diesem Augenblick konnte er seiner gepreßten Brust nicht anders Luft machen als mit den melancholischen Worten Nanni! So a Schand' hätt'st mir net anthun soll'n! Hinter mei'm Rück'n z'rad'ln! Pfui Teifi!" Sie lachte hellauf über diesen tragrschen Ton und dann legte sie ihren dicken Arm um seinen Hals und sagte? Du kummst aba aa hinter Alles! Siehgst, Alterl. i hab' Di' zu Dei'm Geburtstag übarasch'n woll'n! Jetzt hast mir die ganz' Freud' vadorb'n und i muß Dir an Dei'm Geburtstaa a anders G'schcnk mach'n. Was moanst, wann i Dir aa a Radl kauf'n that?" Herr Nacklberger sank stöhnend auf einen Stuhl. Das war zu viel! Keine Reue, keine Abbitte! Im Gegentheil! Er sollte auch mitradeln! Und er mußte! Seine Gattin ließ nicht eher nach, als bis er in die Fahrschule ging und das Radeln lernte. Sein Hausdoctor hatte sich auch noch gegen ihn verschworen und ihm das Radeln geradezu verordnet. Und so strampelte er denn mit seiner Gattin und seinem Franzl im Schweiße seines Angesichts darauf los. Er ward mit der Zeit ein ganz tüchtiger Nadler und er begriff später gar nicht mehr, wie man überHaupt ein Feind des Radfahrens sem könne. Eins nur blieb ihm stets un faßbar: Die prophetische Gabe eines Fahrradhändlers! All Heil! Wörtltchgenommen. Vater: Daß doch auch gar niemand bei Dir anbeißen will." Tochter: Q, der Herr Assessor vor drüben macht mir jeden Tag Fensierpromenaden." Vater: . Nun, das ist doch immer nur'n tntr. übergehender Erfolg." JnderNaturgeschichtssi u N d e. Lehrer: Hans, wozu gehört der Häring?" Der kleine Hans Zu den Pellkartoffeln." In den Flitterwochen. Frau: Ich bin bös mit Dir, Karl.Mann (Rechtsanwalt: Ja. warum denn?" Frau: In der Zeitung steht. Du hättest gestern einen Mann verjheidigt, dev eine fremde Frau gelüßt hat." Aufrichtig. Hausherr: Diesen Wein habe ich fünfzig Jahre im Keller liegrn gehabt." Bekannter: .Wissen S'. dös brächt' ich nit
