Indiana Tribüne, Volume 20, Number 300, Indianapolis, Marion County, 18 July 1897 — Page 3

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Arme Thon! Berliner Roman von Andokxy Stratz. (5. Fortsetzung.) Und och." sagte er schwerlthmend ... ...... giebt es Leute . . . vom Nenuplatz her kenne ich ihreNamen . . . die ziemlich genau in meiner Lage ren und doch aus dem Nichts heraus gutsituierte Männer geworden sind . Es mag solcbe geben!" erwiderte der Bankier gleichgiltig ... ... ich kenne sie nicht und wenn ich sie kennt:, würde ich ihren Gruß nicht erwidern. Denn sie können ihr Geld nicht auf achtbare Weife erworben haben." Aeußerlich sehen sie jedenfalls ganz anstänidg aus!" Ia'.-vohl!" ... der alte Herr sak, ihn ernst an . . . In Berlin wie in jeder Weltstadt kal?en wir eine wirkliche Halbwelt . . . das, was der Franzose darunter versteht. Talmi-Existenzen auf der Grenze zwischen Salon und Zuch-thaus . . . Freibeuter "der Gesellschaft, die vom Gentleman den Nock, vom Industrie - Ritter die Gesinnung borgen . . . Leute, die wie versin-kende Schwimmer sich krampfhaft an jedes Rettungsmittel klammern und endlich doch ausnahmslos zu Grunde gehen. Nach Ihnen, wie nach jeder verkrachten Existenz, streckt diese H.zlbwelt ihre Fänge aus. Und sind Sie einmal darinnen . . . nun . . . wenn Sie mir schreiben . . . das Passagegeld nach Amerika steht jederzeit zu Ihre? Versügung!" ?rch danke sehr, Herr Geheimrath!" Der Sportsman erhob sich mit tadelloser Verbeugung und schritt hinaus . . Recht hatte er ja . . . Recht in Allem, was er sagte der fuchsschlaue, eisig kühle alte Herr da drinnen. Er war ein versinkender Schwimmer . . . jetzt begriff Georg es selbst. Er konnte nichts, er hatte nichts ... in wenigen Wochen stand er vor dem Sein oder Nichtsein! Und dann sich todtschießen, nachdem wan schmählich mit seinem prahlenden H.'hie Schifföruch gelitten . . . nein . . darn gerade nicht! Er mußte durchkommen! Er Katte die Empfindung, daß ihm nur die ersten Tritte und Griffe zum Aufwärtsklettern fehlten. Dann würde es schon weiier gehen. Aber diese Tritte hießen eben: Wissn . . Geld . . . und ehrlicher Name! . . . Drei für ihn unerreichbare ? n p ll.lyv ... In dumpfer Verzweiflung schienderte er weiter und weiter. Wie wird das raeVöen?" ging es ihm immer wieder durch den 5?opf. Ach. . . er wollte jetzt nicht mehr daran denken. Morgen war auch ein Ta'g und wenn dann die Sonne schien, gestaltete sich überhaupt Alles weit besser. Leute wollt: er anständig zu Mittag essen und dann in's Theater . . . irgendwohin, wo es lustig zuging ... mit Gesang und Tanz und hübschen Mädchen. An einer Litfaßsäule sah er nach den Zetteln der Operettenbühnen. Sein Blick blieb an einem Namen haften. Cilli Spiegels Wie kam denn die nach Berlin? Er lächelte still vor sich bin. Er hatte Eilli wohl gekannt, als vor drei Iahren zur schönen Sommerszeit eine wandernde Operettentruppe auf ein paar Wochen das kleine Garnisonstädtchen heimsuchte. Recht gut hatt: er sie gekannt. Ein nettes Mädel! Nur ein bißchen Größenwahn hatte sie damals ... ihr drittes Wort war .Berlin" ur,d Karrit?remachcn" und dabei konnte si: ganz grimmia Qusfebm und den sonst so

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luijauii,; vounvtimiujiu.,CH ui stete entschlossene Falten legen. Na . . . nun war si: also glücklich in Berlin, die kleine Cilli und von ihrem Größenwahn wohl gründlich geheilt. Ob er si: aufsuchte? Der Regen tröpfelt: immer dichter und kälter. Er sah wieder das kleine Zimmerck.cn am Markt, drei Treppen, vor fich. in em fie damals in malenfcherUnovdnung gehaust, die summende Kaffeemaschine auf einem Stoß Noten. Tisch: und Stühle mit Trikots und bunten Flittern übersät, und sie selbst dazwischen auf einer Nähmaschine Weißzeug säumend und, die Zigarette schief im Mundwinkel, melancholisch vor sich hinträllernd. So trieb sie's jetzt in Berlin wohl .auch. Das war die rechte Stimmung für ihn: ein kleines Mädchen in seinem kleinen, warmen Zimmerchen, Zigarettenrauch und Kaffeedunst und gedankenlofes Geschwatze ... da vergaß man die dumme Welt und 'die dummen Sorgen. Im Adreßbuch eines Zizarrenladens fand er ihre Wohnuna. Dann winkte cr einem Kutscher. Fahren Sie Hinevsinstraße 23." VII. Kutscher haben Sie mich denn recht verstanden? . . . Hindersinstraße 23?" Der Mann nickte nur und trieb sein Pferd an. Merkwürdig, in was für eine aristoZratische Gegend der Wagen rollte! Asphalt . . . massive Herrschaftshäuser aus bhauenem Stein . . . Alles still und vornehm . . . Und besonders -dies kleine Palais, vor dem die Drofcbke kielt. Unmöglich, da konnte die kleine Vagabundin doch nicht wohnen. Fräulein Spiegel? Eine Treppe!" verkündete auf seine Frage eine unteriodilckie Stimme aus dem Portierfensterchen. Also dock' (Staiu verdukt sckritt

j. . Die eichengeschnitzte, teppichbelegte Trpe hinaus und zog 'den Klingel-

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j griff, den ein bronzener Löwenkopf'im

Rachen hielt. Es näherten sich hastig watschelnde Schritte. Nun kommen Sie endlich, Herr Steinlein!" klang von innen 'im Aufgehen der Thür eine fettige, freundlich? Stimm: ... . ... die Suppe wird ja ganz k . . Die alte Dam: brach erstaunt ab. Georg sah sie an. Natürlich ... das war Mama Spiegel . . . die dick: Beschützerin der kleinen Cilli von einst . . Und jetzt erkannte sie ihn auch. Herrjeses!" rief sie. machte eine Aew:c?una. als wollte sie sich die Hand an der Schürze abwischen, urtd reichte ihm dann, sich besinnend, daß sie ja ein Seidenkleid anhabe, die fleischige Rechte . . . ... Der Herr Leutnant Textor! . . . ja . . . wie kommen denn Sie ....?" sie nöthigte ihn in ben Flur ....... spazieren Sie nur herein . . . das Kind wird eine Freude haben!" Störe ich das Kind auch wirklich nicht?" fragte der kleine Sportsman zweifelnd. Denn von innen erklang deutlich Stimmengewirr und Gelächter. Mama Spiegel schmunzelte und stieß die Thüre auf. wo! Uns macht's Spaß, viel Leute um uns zu sehen! Und so ein lustiger Herr wi: Sie . . ." Wem .denn uns?" ... der Alten? der Cilli? . . . oder dem unbekannten Herrn Steinlein . . . ? Georg kam nicht dazu, die Frage auszildenken . . . Donnerwetter . . . war das ein Empfangszimmer! Smyrnatc'ppiche . . . Gobelins ... die Venus von Medici zwischen Palmen . . . mächtige Oelbilder m Goldrahmen . . . Na .... Ihnen scheint's ja recht qut zu qehen. Mama Spiegel?" saate er trocken und blieb stehen. Mama Spiegel strahlte. Nicht wahr. Herr Leutnant? Und Alles bezah't . ; . Ach ja . . sie neigte gerührt das Haupt mit den langen Ningellöckchen ... . . . . 'das thut einem lvohl. wenn man soviel Freude an seinem Kind erlebt!" Hm . . . ja . . ." erwiderte der Herrenreiter etwas betreten und bei sich dachte er: Alfo auf die Art macht man Karriere in Berlin!" Wen hast Du .denn da. Mama?" klang eine helle Stimme von der Schwelle. Da stand die Cilli. eine zierliche, mittelgroße Gestalt mit krausgelocktem Schelmenkopf, und lächelte, den Freund erkennenid. kühl und klebenswurdig. Sie schritt ihm schlepperauschend mit der Würde einer Bühnenherzogin. entgegen und reichte ihm die schmale Hand. Willkommen, Herr Lciutnant!" sagte sie. während er die Hand an die Lippen zog . . . welch ein unverhoffi:s Aergnügen . . Ganz Weltdame! So glatt und sicher, als sei sie nicht unzählige Male lachend und tollend aus seinem Schoß gesessen! Ich surchte. allzu unverhottt, anädiges Fräulein!" Einen Augenblick spielte ein geheimnißvoll lächelndes Zucken der Erinnernlng über ihr hübsches leckes Gcsicht. Dann neigte sie verbindlich das Köpfchen: Bitte . . . treten Sie näh:r, Herr Leutnant! . . . meine Herrschaften . . . Herr Leutnant Teztor . . der berühmte Herrenreiter!" Herr I)r. Grunäus," fmhr Cilli mit der Sicherheit der Dame des Hauses fort und wies auf einen evotn, wohl beleibten Mann in den Vierzigern mit vollbättigem Faunaesicht und goldener Qrille . . . Herr von Lenski" ein kleiner, magerer, scknauzbärtiger Herr err Ali Pascha . . ." ein verlebt aussehender Mensch mit einem roth:n Fez aus dem Kopf . . . Varon Konstantin Silvcrband aus Kurlanid . . ." Der Kurländer, ein knochiger langr: Geselle mit wüstem Gc'ficht, setzte sich wieder und schlug die Veine übereinander. Ich habe Hunger!" erklärte er in haitklingcndem Deutsch. Wann komint denn Papachen endlich?" erkundigte sich der kleine Lenski ans der Ecke. Die Andern lachten. Cilli zuckte die schmalen Schultern und ließ Georg neben sich sitzen. Laßt mir das Papachen in Ruh:." sagte sie. Er muß noch Geld verdienen!" Das schien also der Hausherr zu sein! Ich schlage vor. wir behandeln den Gastgeber heute zur Strafe ganz miserabel!" brummte der I)r. Grunäus. Acbnlich säh' es Euch schon!" sprach Cilli vorwurfsvoll der kleine Pascha ist noch der einzig: Anständig: ..." Das ärgerte den dicken Brillenträger. Heda ... Sie verbummelter Iungliirke!" schrie er . . . wann werden Sie 'denn endlich an das goldene Horn eingeheimst?" Der schlaffe hübsche Mensch machte eine abwehrende VeweFung mit der Hand und schloß die Augen. Grunäus wandte sich zu Textor. Ha ben Sie nicht auch so einenKümm?!türken im Regiment?" fragte er . . . zwanzig hat die höh: Pforte neulich wieder, um 'den preußischen' Kulwrschliff zu gewinnen, nach Berlin geschickt. Neunzehn sind eingeschlagen . . aber der da ist hoffnungslos verlottert ... die Weiber . . . wissen S:e . . . auif iun,i)e lioeimann lanalam toie er"5len doch n.ur wieder Schlechtes von irgen'd einem von uns! Ich erzähle dem Herrn Leutnant, daß Sie vorige Woche die letzten Tannenbäume auf Ihrem Gütchen 'haben fällen lassen, um Ihr Lasterleben in Berlin noch einige Seit zu fristen . . ." Darauf erwiderte der finstere, lange Geselle nichts, sondern drehte sich nach denllich eine Zigarette. Sie haben doch erst neulich den großen Schlag in Hoppegarten gemacht, rief Lenski aufgeregt. Bei Ihnen. Lenski. hat Silverband gewonnen?" Der dicke Grunäus sah den hageren, gelblichen Herrn erstaunt

Hören Sie mit Ihrem GetUschel

. Sie russisches Reptil!" sprach der

an . '. 7 ja . . . lett wann zahlen Sie denn Ihren Kunden wirklich einen großen Schlac, rus?" Der Buchmacher fuhr auf old wollte etwas Zorniges erwidern. Da legte sich Cilli in's Mittel: Wenn Sie so sind, Grunäus!" sagte sie schärf . . . dann . . . bitte .... gehen Sie lieber! .... Die ganze Zeit sitzen Sie stumm bei Seite, und kaum ist der Herr Leutnant da. so . . ." sie brack' ab wid beugte sich zu Georg . . . das ist die reine Bosheit von dem Kerl!" flüsterte sie und ihre Augen waren feucht vor Zorn . . . kaum kommt einmal ein nständiger Mensch in meinen Salon, so ekelt er ihn weg . . . bloß aus Tücke . . und nie direkt . . . immer so von hinten 'rum!" Werfen Sie ihn doch hinaus!" entschieb Textor. Das kann ich nicht! Er hat zu viel Verbindungen . . . und kommt überall hin . . . UNÄ in .die kleinen Zeitungen schreibt er. Wenn mun so Jemand beleidigt, dann kommen plökl' hier und in Wien die Schmähartikel rechts und links in diese bösen kleinen Blättchen . . . man weiß -nicht wie und von wem!" Nette Gesellschaft!" dachte tu frühere Leutnant und lehnte sich zurück. Eine peinliche Pause trat ein. Da klingelte es draußen. Her? Steinlein, der lang Erwartete kam! Ein kleiner runder böoeglicher Herr zu Ende der vierzig, eine dicke glodene Uhrkette über der blüthenweißen Weste. Ein behäbiges Lächeln zog beim Anblick des Fremd?n über sein' glattes, mit einem ausgedrehten Schnurrbärtchen geschmücktes Gesicht. Cilli wollte verstellen. Nicht nöthiq!" rief er und faßte mit seiner kleinen, weichen Hand die Rechte des Husaren ....... ist mir eine Freude, Herr Textor! . . . Ihr Name ist ein Programm . . . sozusagen . . . . Noch voriges Jahr gTvann ich ans Sie siebenfaches Geld, als Sie Alpenkönig" mit einer Länge gegen den Kaptain Black herausritten. Sie erinnern sich? Ja . . . das war so ein rechter Außenseitertaa . . ,M Er wandte sich zu den Andern, sie zu begrüßen. Wie genau ihn dieser Mann kannte! Und wie seltsam, daß er ihn. als wisse er schon Alles, mit Herr Textor" statt Herr Leutnant" anredete. Immerhin fühlte sich Georg geschmeichelt. Herr Steinlein scheint viel auf dem Rennplatz zu sein?" bemerkte er zu Grunäus. Der srrich noch mißmuthrg von vorhin den blonden Vollbart.

Und ob!" sprach cr trocken das bringt sein Geschäft so mit sh! Sein Geschäft? . . . Aber da war der behende kleine Herr wieder neben Georg. Reiten Sie dieser Tage . . . ?" fragte er vertraulich . . . oder haben Sie's aufgesteckt?" Der Ex-Husar zog verblüfft und ärgerlich zugleich die Augenbrauen hoch ....... wie kommen Sie darauf. Herr . . . Herr Steinlein?" Na ... ich meinte nur!" erwiderte der harmlos . . . manche d?r Herren ziehen sich doch auch in's Privatleben zurück. Und gerade in diesen Tagen mehr, wie sonst . . ." Kein Zweifel ... er wußte, wie es mit Georg Teztor stan'd. Aber .das konnte doch noch nicht allgemein bekannt sein! Der Sportsman sah dem kleinen Herrn ganz verblüfft nach, der jetzt in einer Ecke' mit Lenski verhandelte. Das ist komisch," sagte er zu Grunäus ....... ich habe keine Ahnung, wer Herr Steinlcin ist . . . und der thut so. als ob er mich von Kindsbeinen an kennte." Der Dicke konnte seine Bosheit nicht unterdrücken, das sah man ihm an. Es giebt eine sehr einfache Erllärung dafür." sprach er ........ ich habe ja nicht das Vergnügen, über Ihre persönlichen Verhältnisse unterrichtet zu sein. Aber es soll ja zuweilen vorkommen, daß 5usarenlou!nan!s Schulden machen . . ." Na . . . und?" Nun . . . haben Sie noch nie einen Geldmann geselln?" Herr Grunäus lächelte spöttisch ... . . . dann scbauen Sie sich Herrn Steinlein recht genau an!" Der Sportsman schüttelte den Kopf. Ich kenne die Hunde," murmelte er grimmig ........ die sehen anders aus ..." Grunäus saltete mitleidig dieHände. Ein Lächeln lies über sein mitleidiges Faungojicht. Sie sind noch naiv. Herr Leutnant!" sprach er langsam . . . Sie meinen, ein. Mann wie Steinlein reist selbst in der Welt herum, um sich von Hu'sarenoffizieren etwas czuersch reiben zu lassen. Er ist doch nur der Hintermann, d?r nur bei ganz großen Geschäften, wo er keinem ankern einen Nutzen gönnt, einmal hervortritt. Sonst bleibt sein Name im Dunkeln. Er hat seine Strohmänner, die ihn um's Todtschlagen nicht verrathen, auch wenn sie. wie das gelegentlich wohl vorkommt, hereinsch'iddern. Wenn Sie irgend einem Mann in ver Mittel oder Blüchcrstraße Ihr Autogramm auf einem Streifen Papier dediciert haben, dann trinken Sie jetzt, bei .Tische ordentlich von dem alten Bordeaux! Damit schädigen Sie Ihren wahren Gläubigcr!" Darf ich bitten. Herr Leutnant?" Cilli trat mit cnmuthig erhobenem Arm. um sich von ihm zu Tische führen zu lassen, auf, ihn zu. und man ging in das -Speisezimmer, wo 'ein korrekter Diener und ein sauberes Hausmädchen, der Gäste harrend, am Kredenztisch standen. Auch nach Ihnen,, wie nach jeder verkrachten Existenz wird die Halbwelt ihre Fänge ausstrecken!" .Die Worte

des alten Bankherrn kamen Georg beim Tafeln in den Sinn. Ja wahrhaftig ... da war er mitten drin. Diese Menschen, die um den geschmackvoll arrangierten, von Silberzeug strahlenden Tisch saßen, benähmcn sich tadellos. Wehe, wer hier das Brod geschnitten, den Fisch mit dem Messer gestochen hätte. Sie waren alle gut und modisch gekleidet. Sie sprachen mit Ausnahme der unmöglichen Mama Spiegel halblaut, arnd was sie sagten, war auch nicht anders, als man es sonst wohl hörte . . . Coulisseneschwätz, Tnrfgesimpel, Böcfengezänke und dergleichen. Und doch war es eine ganze Skala zweifelhafter Existenzen von der in ihrer Art naiven Cilli und dem aus Pump lebenden kurischcn Baron bis herab zu diesem 'unheimlichen Steinlein, der in rosigster 'Laune scherzend und lachend den Ton angab und gar nicht aus den Gedanken zu kommen schien, daß ihn einer der Anwesenden nach Grunäus' Rezept schlecht behandeln könne. Im Gegentheil ... sie hatten Furcht dor ihm! Der icke blonde Brillenträger auch! Das merkte Georg an dem Eiser, mit dem jener seine Bosheit von vorhin wieder gut zu machen und Cilli zu versöhnen suchte. Jawohl. Das war die Halbwelt. Der einzige, möglicherweis: anständige Mensch im Zimmer war der junge, geräuschlos seines Amtes waltendeDiener. den Steinlein auf dem Kutschbock mitgebracht. Offenbar ein früherer Offiziersburfche. Ich möchte wohl wissen, was der Kerl von den Le.uten denkt, der.cn er stumm die Platten servirt!" ging es Georg durch den Kopf und es war ihm nicht sehr behaglich dabei zu Muthe. Das Mahl war vollendet. Der Champagner perlte. Cilli braute geschäftig den Kaffee und goß ihren Hausfreunden die wunderlichsten Lilsucurmischungen in die Gläser. Sie war ungeduldig. Ick weiß gar nicht, loo Lulu bleibt!" klagte sie. . Mama Spiegel, die einen puterrothen Kopf hate, tröstete sie: Wird schon kommen. Kind!" Da ist sie!" schrie Cilli. als drau, ßen die Klingel klang,' und riß die Thüre auf . . . ... 'rin, mein Puttchen!" Ein hübfches junges Mädchen, beinah: noch ein Backfisch, fegte wie ein Wirbeliwind herein. Uff, Kinder!" rief sie und warf Hut, Handschuh und Jackett irgendwohin zur Seite . . . ... . . 'Tag. Papa Steinlein . . . mein Herr . . ." sie verbeugte sich würdevoll gegen Georg . . . und dann wieder zu den andern: ... so 'ne NachmittagsVorstellung . . . diese Vereine ... na . . . nun ist's überstanden . . . und gemimt hab' ich . . . einfach sneidig!" Wieviel Worte?" erkundigte sich Lrunäus. Sie überlegte. Elf . . . aber fein! . . . Du. Cilli . . ... ihr Gesicht wurde traurig ... .. wenn Du mir nicht was Schönes zu essen aufgehoben hast . . . dann fanz' ich an. zu wei.t ..." Du kriegst ein kaltes Nebhuhn. Goldchen!" tröstete sie Cilli und unterdeß backcn wir Dir nas SÄßes! . . . und Trauben kriegt Lulu auch, wenn sie lieb ist . . Danke schön!" Die beiden Mädchen küßten sich so leidenschaftlich, als hätten sie sich seit W)chen nicht gesehen. Die Herren lachten und 'protestirten. Es herrschte ein ziemliches Getümmel im Zimmer, durch das Lenski durchdringend den Gigerlmarsch pfiff. Georg sah erstaunt auf Lulu und Cilli. Er wußte noch nicht, daß solche le i d e n schaft l i che V ü h n en -F reu schalten in Berlin häufig seien. Da fühlte r sich in dem Lärm am Arm berührt. Herr Steinlein stand neben ihm. 5io.mmen Sie 'mal da herein, Herr Textor!" sagt: er halblaut und vertraulich auf das Nebenzimmer deutend ... da können wlr ungestört ein paar Worte mit einander reden . . ." Und da faßen sie auch schon nebeneinander aus dem Divan in dem halbdämmerigen Raum, in den vomSpeisegemach her Kerzen glänz. Lärm und Äelächter drang. Georg w.lßte selbst nicht, wie er dazu kam.dicsem aufdringlichen und so seltsam gönnerhaften !'!enschn zu solgen. Der Kerl war ihm unheimlich. Aber vielleicht eben darum

fühlte er sich iqm gegenüber so willenlos. Na . . . was werden Sie nu eigentlich beginnen, Herr Textor!" Der Andere zündete sich bedächtig ewe Zigarre an. Georg raffte seinen ganzen Hochmuth zusammen. Sagen Sie 'mal, B;rehrtester!" erwiderte er in dem näselnden Kavalleristenton des Kasinos ... ... Sie scheinen sich ja sehr für meine Angelegenheiten zu interessiren!" Weil ich Ihnen einen Vorschlag machen will! ... Sie haben den Abschied bekommen . . . oder bekomme ih2 dieser Tag: . . . aber reden Sie doch nicht . . . Ihr Name steht in allen Zeitungen mit unier der schwarzen Liste von Hannover ... da frag' ich Sie also still und vertraulich: Was nun?" Der Sportsman bemühte sich, ein möglichst gleickgiltiges Gesicht zu machen. Zunächst." sagte er und streifte die Ae von seiner Zigarette . . . . . . werde ich den Staatsanwalt aus einige dunkle Ehrenmänner aufmerksam machen, die leider das Schicksal des alten ehrlichen Seemann noch nicht theilen, sondern noch frei herumlaufen!" Thun Sie das nicht!" Herr Steinlein legte vertraulich seine Hand, . die klein und glatt war wie die einer Frau, auf den Arm des Husaren ... . . . px verdienen aiebi'ö da nichts, sondern nur Zeit und Mühe zu verlieren . . . und was haben Ihnm die armen Teu-

fel gethan? Den wirklichen Geldmann kriegen Sie ja doch nicht zu fassen!" Der kleine Herrenreiter drehte sich rasch zu ihm und sah ihm scharf in's Auge. Kennen Sie ihn etwa?" fragte er leise und drohend. Herr Steinlein lächelte gutmüthig. Bin ich 'n Gedankenleser? Aber nu zum Geschäft! ... Da sehen Sie 'mal" . . . er reichte dem Andern ein Zeitungsblat! herüber. Es schien, soweit Georg in der Dämmerung erkennen konnte, ein illustrirtes Witzblatt zu sein. Die Buchstaben Paprika" g5änzten fettgedruckt darüber. .Das hab' ich gegründet" sprach der rundliche kleine Herr ...... so in der Art vom Gil-Bla8 illustrd . . . wissen Sie . . . so etwas fehlt uns . . . was ordentlich Pikantes, das in allen Barbiersalons und den Wiener Caf6s ausliegt und in breitem Streifband in's Haus geschickt wird. Dann kommen auch die Annoncen ... Sie wissen schon . . . und 's ist ein Hause Geld zu machen! Abe? vorderhand geht's ganz flaiu damit " . Das wundert mich nicht!" meinte der Sportsman trocken. Und warum geht's flau?" fuhr der Andere eifrig fort weil der Redakteur nichts taugt. Du lieber Gott ... ja ... der Mann thut's billig . . . aber 'srstauchdarcach da brauch' ich einen fizen Menschen . . . sehen Sie . . . einen eleganten Kerl, der immer unterwegs ist . . . jetzt sitzt er draußen im Hoppegarten und -läßt sich bei 'nem Glase Punsch von irgen'd einem grünen Neitburschen die Stallgeheimnisse ausschwatzen, und da ist er schon wieder im Boudoir des Fräulein Lulu oder der Cilli drinnen oder so einer . . .. und interviewt sie. wie sie als Künstlerin über das Heiirathen. die Pusfärmel. die moderne Nichbung und den Kuß auf der Bühne den'kt . . . hastenichtgcsehen ist unser Mann schon wieder weiter. Im Foyer des Reichstags fällt er einen Abgeordneten mit gespitztem Bleistift an: Herr Doktor . . '. wie steht's mit dcn neuesten Enthüllungen des Vorwärts"? . . . und gleich darauf ist er wieder im SpezialitätenTbeater . . . kleine Vormittagsproöe vor geladenem Publikum mit kaltem Büffet und 'ner Neklamenotiz hinterher . . . sehen Sie ... das ist ein Leben . . . das wär' was fü Sie . . . !" Für mich?" Freilich . . . Sie sind jung ... mit der ganzen Lebewelt vertraut . . '. Es kommt mir auf 50 ... 75 Thaler im Monat nicht an. wenn Sie sich gut hineinarbeiten! Sie könmn's! Hingegen ... der Baron ... ich meine den Mann, der die Sache jetzt fingert . . . ja . . . lieber Himmel . . . au-ßer dem feudalen Namen ist es eben nichts mit ihm! Ein alter unbehilslicher Herr . . . faßt Alles nur mit den Fingerspitzen an . . . und dann . . . wissen Sie ... ich bin ja nicht prüde . . . Das Blatt soll ja Klatsch bringen . . . Hosklatsch . . . CoulissenUatsch . . . Stadtklatsch . . allen Klatsch . . und alles eben ordentlich mit Paprika . . . Der Name ist gut . . . meine Erfindung . . . aber wenn da der Redakteur schon ein Jahr in stiller Zurückgczogenheit zugebracht hat ... das schad'tt doch ein bißchen beim Publikum. Ein Jahr hat der alte Baron nämlich gesezien. Wie er noch als ganiz feudaler Kammerherr, was er naturlich langst nicht mehr ist 'mal einen Wechsel zu unterschreiben hatte, da dachte er plötzlich, er heiße nicht mehr Freiherr von Hosfäcker, sondern . . . Georg fuhr auf Hosfäcker siicjen Sie . . ?" ' 'Ja! .'. . Feiner Name! . . . Nicht? Und was nun das SMmmste ist: der alte Herr unkd sein Fläschchen sind immer beisammen. Manchmal ist er 'nen halben und ganzen T'ag überhaupt nicht zu sprechen! Nu srag ich Sie selbst ..." Hat er eine Tochter?" Ja. Ich glaube. Aber nicht hier. Irgendwo in der Provinz bei Verwandten . . ." Arme Thea! Jetzt wurde Georg die Szene gestern früh im Eifznbahncoupee ihx und er begriff, warum der knöcherne Regier'lngsrath das junge Mädchen fo traurig angjchen und o tlt-. sam sein arme Thea!" zusagt hatte . , Es thut mir leid, meine Herren . ." Cilli trat, die hübsche Lulu am Arm mie eine Puppe mit sich schleifend, in das Zimmer . . . aber ich muß Adi?u sagen. Die Kunst ruft. In einer

Stunde muß ich vor einem Dutzend. Onkels aus der Provinz und einem Schock Freibilleten an diesem schönen Sommerabend den Prinz Orlossky aus ker Fledermaus" verzapfen. Kommen Sie vielleicht auch in's Theater, Herr Leutnant?" Für heute, gnädiges Fräulein, muß ich um Urlaub bitten!" Der E?-Husar erhob sich, küßte den bsiden Mädchen und Mama Spiegel, die ihm mechanisch ein fettiges KommenSle bald wieder!" mit aus den Weg gab. in tadelloser Höflichkeit die Hand, verbsugte sich vor den Catilinarrern im Speiseraum und stieg mit wirrem Kopf die Treppe hinunter. Steinlein war ihm gefolgt. Soll ich Sie 'ne Strecke miwehwen?" fragte cr, auf sein Coupee deutend. und setzte, da Georg verneinte, heiteren Tones hinzu: Also überlegen Sie sich den Fall . . . Zum Bonnerwette? . . . Mann . . . so billig wie Brombeeren sind die Brodstellcn hier in Berlin nicht. 'Das werden Sie später schon noch zu Ihrem Schaden erkennen lernen!" Sie sollen den Baron ia nicht verdrängt!" rief er ihm noch aus dem Wage?! zu . . . Sie sollen mit ihm zusammen arbeiten! . . . Sagen Sie mir morgen Nachmittag auf dem Rennen in Karlshorst Bescheid! . . . Mahlzeit, Herr Textor!" Die Pserde zogen an und entführten den heiteren. Heine Herrn. Wuthin klang dus Donnern der Hufe durch die stille .Straße und zeichneten sich . die

majestätischen Gestalten des Kutschers und des Dieners von dem grauen Abendhimmel ab. Er sollte mit dem Baron zusammen arbeiten! . . . Georg schlenderte in tiefem Sinnen durch den Thiergarten dahin. Dann würde er auch Thea wieversehen! . . . jeden Tag wahrscheinlich! . . . Und was war damit gewonnen? Gewiß. Sie that ihm leid. Aber um des armen Mädels willen konnt? er doch nicht eine solche Beschüstigung übernehmen, in die Dienste eines Mannes treten, dem er wahrsckeinlich einen großen Theil seines Unglücks verdankte. Aber andererseits ... Es giebt ein Sprichwort: Halte, was .Du hast!" Unid hier in Berlin etwas zu haben , die Erkenntniß dämmerte seinemKleinmuth immn mehr auf , das war ein schwereres Stück Arbeit als sich ein lebmslluistiger Hllsaronleutn'ant träumen läßt. Urfd Thea ... er ärgerte sich über seine Gedanken . . . immer wieder Thea! Aber wie unglücklich mußte jetzt die arme Kleine sein, wie bitterlich enttauscht, die heute Morgen so übermüthig und stolz auf ihrer Flucht nach Berlin ihm gegenübergesessen hatte. Jetzt wußte sie wohl schon die ganze Wahrheit oder erfuhr sie in den nächsten Stunden. Und dann . . . dann stand sie rathlos und verzweifelt da. Was sollte so ein armes, kleines Mädcben denn machen? Sie tonnte in Berlin zu Grunde gehen, sie mußte zu Grunde gehen, wenn man ihr nicht half. Wenn ich diefe Stellung annehme . . ." entschied Georg bei sich ...... . dann geschieht es nur um dieser kleinen, lieben Thea willen. Die werd' ich denn doch vor Steinlein und Konsorten retten!" Dabei mußte er selbst trotz seines Trübsinns beinahe lachen. Er hatte es nöthig ... er. dem seCbst das Wasser schon bis zur Kehle ging, sich auch noch um andere Menschen zu kümmern! In der Zeit seines Glücks hatte tz das auch nie gethan, sondern gleichgiltig. als eleganter Lebemann mit ebensolchen Genossen die Dinge an sich vorübergehen lassen. Sentimentalität, leidenschaftliche Aufwallungen, unbestimmte Sehnsucht und. melancholische Nächstenliebe verboten sich in diesem Kreise kühler Gigerln von selbst. Denn sie machten lächerlich. Ja gewiß ... er halte als ein recht kalter, verderbter Bengel in den Tag hinein gelebt . . . Georg Teztor sah das seufzend ein. Aber wie kam er jetzt dazu, sür Andere zu empfinden? . . . jetzt, wo Noth und Sorge auf ihm lasteten und ihn eigentlich doppelt egoistisch machen mußten? tStatt dessen , ein melancholischer Drang, sich an Andere anzuschließen, Anderen Gutes au thun! Der kleine Sportsmann begriff das nicht. Er wußte nur, daß das blasse träumerische Gesicht, von dem er diesen Morgen im Getümmel des Bahnhofs Abschied genommen, ihm durchaus nicht den gewohnten und flüchtigen Sinnenkitzel erregte, sondern eine tiefe, mitleidige Zärtlichkeit, in der er sich selbst als ein weit besserer und anständigerer Mensch vorkam .... Merkwürdig!" dachte er bei sich . . . aber wenn das die erste Wirkung der Noth ist. daß man andere MenMn lieb bekommt und ihnen helsen will, dann kann ja noch Manches gut werden!" (Fortsetzung folgt.)

Vor einigen Tagen erhielt der Polizeipräfect Lupine in Paris nachstehendes. Schreiben: Herr Präfect! Sie haben zahlrcicheAuszeichnungen den Rettern der Rue JeanGcujon. sowie mehreren jungen Leuten, die Rettungsthaten vollbrachten, verliehen. Auch ich habe mehrere Rettungen ausgeführt, und wenn Sie mich einer Auszeichnung würdig sinden, so können Sie diese an meine Adresse absenden." Gezeichnet war der Brief: Jean Jules Liot, 10 Jahre alt, bei seinen Eltern, Quai de la Pie in Samt - Maur - les - Fosss. wohnhaft." Der Polizeipräfect ließ Erhebungen anstellen, die zu der Feststellung der Thatfache führten, daß der kleine Liot wirklich schon drei Menschcn vor dem Ertrinken gerettet hat. Im Jahre 1825 rettete er einen Fisch:r. der in die Marne gefallen war, im Juni 1896 einen Ruderer und im August desselben Jahres ein dreijährige'o Mädchen, das ohne ihn sicherlich ertrunken wäre. Ein gewaltiger G le t -schersturz fand im südlichen Island statt, und zwar nimmt man an, daß seine Entstehung mit den letzten schwcren Erdbeben in , diesem Gebiete zusammcnhägt. Als ein reitender Postillon gerade das Sandfeld von Skeidar (südlich vom Skeidarer-Gletscher) durchquerte, hörte er etwa zwei engl!sche Meilen vor sich plötzlich von dem Gletscher einen langen stöhnenden Ton ausgehen und sah gleich darauf gewaltige Eismassen von dem Gletscher aus in die Luft gewirbelt, unmittelbar gefolgt von einem Strome, der auf die Sandfläche hernieder schoß, nach allen Seiten anwachsend und Alles vor sich her schiebend. 'Der Postillon wandte sofort sein Pferd und ritt nach der Station Nüpsstad auf der westlichen Seite des Gletschers. Sechs Tage später kehrte er zu den Skeidarsande zurück und fand auf ihnen riesige Terrassen von Eiswogen aufgehäuft, die stch in einer Länge von mindestens 25 eng- ; lischen Meilen von dem Gletscher nach . d?m See hin ausdehnten, die mittlere Breite dieser Eisfläche war 4' engl. Meilen. Es war eine Unmöglichkeit, diesen Eiswall an einer anderen Stelle zu überschreiten, als dicht am Fuße des eigentlichen Gletschers, wo dieEisschollen weit auseinander lagen. Auf der anderen Seite des Eisfeldes entrannen dem Gletscher sechs neugebildete Bache.

Für die MHe'.' . Kräutersuppe. In Sahwasser kocht man feingeschnittenes Suppengrün, Zwiebeln, Selleriewürfel, zwei in Würfel geschnittene Möhren weich, fügt einen Theelöffel voll Fleisch-Eztract hinzu und macht die die Suppe mit Mehlschwitze sämig. Zuletzt läßt man gehackte Petersilie, Kerbel, Sauerampfer, Spinatblätter mit auswallen und rührt die Kräutersuppe mit einem Eigelb ab. Frikandellen mit Spi-, n a t. Übriggebliebenes Fleisch aller Sorten wird mit zwei Zwiebeln fein verwiegt, einige Weißbrötchen werden in Milch eingeweicht, ausgedrückt und ebenfalls fein verwiegt, mit drei Eiern, Salz, Pfeffer, Muskatnuß und gehackter Petersilie unter das Fleisch gemengt; hiervon werden runde glatte Klöße geformt, diese in Paniermehl umgekehrt, mit ziemlich viel Fett auf beiden Seiten durchgebacken und mtt Spinat zu Tisch gegeben. Steaks oh, ne Butter. Marr nimmt Scheiben, vom Roastbeef, die man nach Belieben einen halben bis einen. Zoll dick schneidet, stellt eine eiserne Eierkuchenpfanne auf die roth, glühende Platts reibt sie schnell ml einer Speckschwarte oder einem bischen Fett aus (man braucht eine Messer spitze voll Fett) und legt die gut ge klopften, nicht gesalzten Fleischscheiben hinein, bleibt dabei stehen und wendet ste in zehn Minuten achtmal, um sie dann möglichst sofort auf er, wärmter Schüssel' anzurichten. Es bildet sich sogar ein wenig Sauce, doch kann man ein kleines Stück frische Butter, Kräuter- oder Sardellenbutter, taubeneigroß darauf legen, es ist jedoch nicht nöthig. Hammelbraten. Man nimmt vier Pfund Hammelrücken, klopft ihn, häutet ihn, schneidet das Fett ab und reibt ihn mit einer Essenz ein, die man aus einem Glas Rothwein, zwei gestoßenen Wachholderbeeren, gestoßenem Pfeffer, gehackten Kräutern und Zwiebeln hergestellt hatte. (Man läßt Alles in dem Wein zwei Tage ausziehen und seiht es bor dem Gebrauch durch.) Man reibt ihn so oft ein, bis die Flüsstgkeit verbraucht ist, spickt ihn am folgenden Tage, legt ihn, nachdem er ge salzen, in braune Butter, bedeckt ihn oben mit Butterstückchen und brät ihn 1 Stunden im heißen Ofen. Die Sauce wird entfettet, mit Kartoffelmehl bündig gemacht, mit 75 Gran Fleisch-Extract verkocht und zuletzt noch ein Glas Rothwein angefügt. TaubenmitSpargel. Man macht ein großes Stück Butter in einer Kasserole siedend und verrührt darin zwei bis drei Löffel Mehl zu einer hellen Mehlschwitze, welche man mit ca. einem Pint guter Fleischbrühe verdünnt und nach Geschmack würzt. Unterdessen hat man zwei . bis drei , Tauben gesäubert und hergerichtet. Diese legt man in die Brühe und läßt sie halbweich darin dämpfen. Wäh renddem hat man schön geputzte Spargeln etwa ein Pfund in etwa einen Zoll lange Stücke geschnitten in Salzwasser halbwcich gekocht. Run . nimmt man die Stückchen behutsam mit einem Schaumlöffel heraus, legt sie zu den Tauben und läßt alles weich kochen. Vor dem Anrichten zieht man die Sauce mit zwei Eidottern und etwas Citronensaft ab' und richtet die Speise zierlich an. Maccaroni mit Sardellen. Um den Maccaronis einen pikanteren Geschmack zu geben, ohne Zuthat von Käse, ist folgende Sauce, die vor dem Anrichten unter die Wohl abgetropften Maccaroni zu mischen ist, sehr zu empfehlen: Man dünstet in guter Butter feingewiegte Kräuter, Petersilie, Schalotten, eine Tomate, sowie sechs bis sieben feingehackte Sar bellen und verdünnt mit etwas Fleischbrühe. Diese kleine - pikante Sauce gibt den Maccaronis einen vortrefflichen Geschmack und kann man diese Platte als Gericht allein geben. Schenkel:. Fünf Eier werden mit einem Pfund gestoßenem Zucker recht schaumig gerührt, dann mischt man die feingehackte Schale einer halben Citrone, etwas Salz, ein halbes Pfund zerlassene Butter, sowie ein Pfund feines Mehl darunter. Nachdem alles zu einem glatten Teig derarbeitet ist, formt man aus demselben fingerlange Stengelchen und backt diefe in heißer Butter hellbraun. Brandy - Kirschen. Die Früchte werden in Eiswasser gehalten bis kurz vor der Benützung. Dann bereitet man einen Syrup aus Zucker und Wasser legt die Kirschen hinein, kocht sie zebn Minuten, nimmt ste heraus und läßt sie abkühlen, füllt sie dann in Gläser und übergießt sie mit halb Syrup, halb Cognac, beides vorher wohl vermischt. Der Syrup muß natürlich gut eingekocht sein. Mayonnaise. In eine Schüs sel schlägt man drei Eigelb und rührt sie mit Salz und Pfeffer, bis sie dick werden. Alsdann fügt man tropfenweise, unter starkem Rühren einen Eßlöffel feines Olivenöl hinzu. Nun schmeckt man nach demSalze, fügt noch etwas weißen Pfeffer hinzu und den Saft einer Citrone. Dann stellt man sie kalt bis zum Gebrauch, rührt sie inzwischen mehrmals um und gibt zuletzt einen Theelöffel Senf mit hinein. Wird sie zu dick, so rührt man nachher noch etwas. Oel mit dazu. Sie wird zu kaltem Fleisch und Fisch, zu Hum mer, Geflügel und Fleischsalaten gege ben, resp, übergössen. Fürchterlicher Wunsch. A. (zu einem Geschäftsgenossen); .Wart'. Du Lump, Du hast mich be trogen! Alles willst Du immer für Dich behalten! Auf'n Stachel-KaktuS sollst Du angebunden sitzen und vor Dir soll man 1000 Dukaten unter die. Leute vertheilen!-

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