Indiana Tribüne, Volume 20, Number 293, Indianapolis, Marion County, 11 July 1897 — Page 7
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Iic Arau in der Schweiz. Von M. Heumann. ' Die Schweiz ist zu einem SammelJrnnU von Fremden der verschiedensten Nationen geworden, die zu kürzerem oder längerem Aufenthalt dort lebend, mehr oder weniger mit der einheimisehen Bevölkerung in Verbindung treten. Die nationalen, charakteristischen Eigenschaften verlieren sich nach und nach bei diesem Verkehr. Fremde nehmen Sprache und Gewohnheiten der Einheimischen an, und Schweizer fühlen sicy in deutschen, französischen oder amerikanischen Kreisen so behaglich. als ob es ihre eigenen seien. Wir unterscheiden trotzdem die in der Schweiz lebende Frau von der eingeborenen Schweizerin, und nur mit dieser haben wir uns in folgenden Zeilen zu beschäftigen. Die Schweizerin ist ger.n geneigt, ihr Ideal in Gertrud, Stauffachers Frau, wie sie Schiller im Teil" gezeichnet hat, zu sehen. Es bleibt, in Bezug cuf die Naturwahrheit des Dramas, stets zu bedauern, daß der große Dichter nie selbst die Schweiz kennen lernte; er hat im Teil" Idealfiguren erschaffen, die wohl viele lokale Schweizer Züge tragen, aber diese abgerechnet, wie jede Tugend und jedes Laster international sind. Die Lukrezia in Meyers Jiirg Je-natsch-, die Richterin" in der gleichnamigen Novelle, unter den Kellerschen Werken die sieben Bräute im Landvogt von Greifensee", vor Allem aber die Frau des Martin Salander", das sind die Illustrationen zu dem, was wir in folgenden Zeilen zu sagen haben; das sind Schweizer Frauengestalten, wie sie sich künstlerisch durch gebildet im Dichtergeiste spiegeln. Um das Wesen der Schweizerin zu' begreifen, muß man sich die republi-iCl-ii(f)t Einrichtung des Landes vor Augen führen. Die Zahl der ständigen B5amten, Offiziere ist gering, die meisten Herren sind Kaufleute, LandWirthe. Lehrer. Aerzte, viele von Haus ous reich genug, um keinerlei Beruf nachgehen zu müssen. Es fehlen alle RanFunterschiede. gesellschaftliche RePräsentationspflichten gibt es nicht; es fällt also auch Alles weg, was damit zusammenhängt Luxus nach Außen, Sparsamkeit nach Innen ist unbekannt. In Folge davon liegen die Verhältnisse wahrer, offener zu Tage, tült es manchmal in anderen Ländern der Fall ist. Der große Vortheil, der fui die Frau aus diesen Verhältnissen entspringt, ist, daß sie vsfen und zielbewußt ihre Thätigkeit eintheilen kann. Offizielle Besuche sind auf ein Minirnum beschränkt, der Frau bleibt .Zeit für die HaushaNung, für eigene Erwerbsthätigkeit. für ihr Vergnügen. Wenn wir bei der Schweizerin einen charakteristischen Zug annehmen dürsen, so ist es der eines gewissen praktischen Sinnes. Die Grundlage der Familie sieht die Frau in einer bürgerlich gut geleiteten Haushaltung. Schönheit, eine gewisse Leichtlebigknt und Gastfreundschasi kommen oft erst in zweiter Linie. Die Hausfrau weiß überall Bescheid, im Leinenschrank, in Keller nnd Küche-; sie greift thatig an. Nicht nur die Großbauern! man denke an die Arbeit, die eine Wirthin in einem Verghotel leistet auch die Frau in der Stadt bis zur Frau des Fabrikarbeiters, sie alle erfüllen ihre Haushaltungspflichten im weitesten Maaße. Bleiben wir bei der Frau des Fabnkgrbeiters. Welche Kraft liegt in einer solchen FranZ Tags durch ist sie in der Fabrik beschäftigt. Abends besorgt sie den Haushalt, flickt, wäscht, kocht für Mann und Kinder, und in den wenigen Freistunden arbeitet sie sür Weißzeuggeschäfte oder sie klöppelt Spitzen und dergl. Glücklich darf sie sich schätzen, wenn ihr Mann solid ist und ihren Verdienst nicht für sich beansprucht, wozu ihm das Gesetz das Recht gibt; da darf man nicht erstaunen, wenn manchmal aus solch lebenskräftiger Frau in wenig Jabren ein müdes, träges, um Almosen bittendes W:sen wird. Warum soll sie arbeiten? Der Mann nimmt ihr doch Alles weg! Die Haus-Jndustrie bildet einen sehr wichtigen Faktor in der Erwerbsthätigkeit der Schweizerin. Wer von den Frauen in Stadt und Land keine Gelegenheit hat, in Fabriken zu gehen, oder wer durch Kränklichkeit ans Haus gebunden ist, der wendet sich den verschiedenen Erwerbszweigen zu, die entweder nur von der Hand oder mittelst einfacher Maschinen gearbeitet werden. Wer kennt nicht die Stickereien von Stücken zu 4 Metern, die gestickten Kleider, die Taschentücher, wie sie die Appenzellerinnen verfertigen? Vorhänge, besonders solche mit Applikationen, werden in St. Gallen gestickt. Zürich läßt Foulardtllcher und Seide weben und spinnen. Aargau hat die Strohindustrie, Bern die geklöppelten Spitzen, die Töpferei. Es ist das Streben der SchweizerFrauenVereine, gerade diese Erwerbszweige für die Frauen lukrativer zu gestalten, sei es, daß es gelingt, neue Industrieen. z. V. die Smyrna-Teppich-knüpferei oder nur bessere Absatzquellen zu vermitteln. Auch die Klosierschulen leisten viel Gutes, indem sie die Frauen zu neuen Thätigkeiten anleiten oder sie in den bestehenden Tech-, niken besser ausbilden. Ebenso thätig ist die Frau des niederen Beamten, des kleinen Kaufmanns. Es ist selten, daß solche Frauen fremde Hilfe zur Besorgung des Haushaltes haben; erstens wird es immer schwerer, ein gutes Dienstmädchen zu bekommen; Schweizerinnen verdienen sich lieber in der Fabrik ihren Lebensunterhalt, und Ausländerinnen, von denen Niemand weiß, welch Gründe sie zum Verlassen der Heirra.tü ezwuncien haben sind gar oft
Zugvögel. Dazu kommt, daß der Dienstvotenlohn in der Schweiz ein verhältnißmäßig hoher ist und in Städten durch gute Einrichtungen, wie Wasserzuleitung in die Häuser, Zu tragen aller Lebensmittel, permanent brennende Oefen usw. das Führen des Haushaltes sehr erleichtert wird. Die Frau des Kaufmanns ist fast immer im Verkausslokal oder im Comptoir beschäftigt. Sie ist durch ihre Erziehung, aus die wir unten zu sprechen kommen, vorbereitet und besähigt, diese Posten wie ein Mann zu übernehmen, wie denn auch thatsächlich eine große Menge alleinstehender Frauen, Wittwen und Unverheiratete eigene Geschäfte besitzen. Leider hat ihr das Gesetz für den ftiü des Todes des Mannes noch nicht alle die den Pflichten entsprechenden Rechte überwiesen. Gerade im Augenblick ist eine Petition an die oberste Behörde in Bern im Gange, welche 'besonders die Rechtsfähigkeit, die Gütertrennung, ferner Vormundschaft, Zeugnißfäligkeit, Proceßfähigkeit usw. zu Gunsten der mit dem Manne zusammen arbeitenden Frau umzugestalten bittet. Die Frau der Geld- und GeistesAristokratie unterscheidet sich kaum von der der angrenzenden Länder. Die ranzösische, die deutsche, die italieniche -Schweizerin gleicht in ihrem Ween ihrerSchwester jenseits der Grenze; vielleicht, weil sie mehr Zeit hat, ist mehr Ausbildung der individuellen Liebbabereien möglich. Wir finden sehr talentvolle Malerinnen, Pianistinnen, Sängerinnnen, wir finden in Kunststickerei, in Kunstgewebe thätige Damen, solche, die sich ganz speciell der Wohlthätigkeit widmen, aber auch wieder solche, die ganz im Haushalt aufgehen, die ihre Zeit mit der fast holländischen Reinlichkeit der Wohnungen vertrödeln. Das sind Frauen, bei welchen jeden Samstag die Besenstiele und Scbüssel blankgerieben werden und die, wie mich selbst eine solche Hausfrau versicherte, über 50 verschiedene Putzpulver und Oele bedürfen zum Poliren von Fußböden. Verandabeben, Treppengeländer. Gartengitter bis zum 5ochtops und zur Feuerschaufel. Sehr große Dimensionen hat die Frauenarbeit auf dem Gebiet der Wohlthätigkeit angenommen; so zählt man 3. B. in dem Canton Neuenburg aus je 1000 Personen 8 wohlthätige Vereine, in Zürich, Bern, Basel, Genf 3 bis 5 Vereine, und sogar im Tessin kommt immer noch 1 Verein auf je 1000 Einwohner. Es sind etwa 70 Arten von wvhlthätigen Bestrebungen us 'den Gebieten: Mission, Temperenz. Rothes Kreuz. Sonniagsschulen. Waisenpflege, Schulpfleg:, Arbeitsvermittlung, Mädchenversorgung, Aufsuchen neuer Frauen-Berufe, HausHaltungsschulen, Gründung von Spitälern und Reconvalescentenhäusern U. s w Der Staas beginnt im Augenblick dieser Frauenthätigkeit größere Aufmerksamkeit zu schenken; nicht nur, daß er die Vereine mit Geld unterstützt, sondern daß er die Frauen zu städtischen Institutionen heranzieht. Frauen sindInspectorinnen von Schulen, Badeanstalten und Waisenhäusern, sie werken, mit amtlicher Beglaubiqung ausgestattet, zu Besuchen von Almosen bedürftigen Kostkindern verwendet; die Resultate dieser Verwendnng der Frau sind sehr gute, so daß die Zeit vielleicht nicht fern liegt, wo Frauen als bezahlte Beamte des Gemeindewesens angestellt sein werden Die Geselligkeit dieser Kreise ist ziemlich international. Hier finden wir große Trachtenfeste, Künstlerfeste, Maskenbälle, Theaterausführungen, hier ivnden große Bazare veranstaltet, und wieder bilden sich kleine, politische Kreise, die die nationalen Gedenktage unter sich feiern. Aber wir betonen nochmals, daß Rangunterschiede so gut wie nicht existiren und daßJedermann, der z. 23. auf einem Künstlerfest sein Billet zahlt und sich gesellschaftlich richtig benimmt, an diesen Vergnügungen theil nimmt. Wie gestaltet sich im Hinblick auf diese Verhältnisse die Erziehung oder vielmehr, wie muß sie sich gestalten, um das Mädchen selbständig zu machen? In der deutschen Schweiz fast gar nicht und Zn der französischen nicht so häufig wie früher erzieht man die Töchter im Hinblick auf die Verheirathung resp, die Versorgung. Sehr oft kann man die Ehe nicht so nennen, und dann kommen nur ca. 40 Procent der Mädchen überhaupt zur Ehe. Sähe wie Arbeit ehrt". Arbeit ist die Grundlage der Gerechtigkeit, der Zusammengehörigkeit und der Moralwerden denKindern in der Schule früh eingeprägt; nicht nur durch das Wort, mehr noch durch Hinweis auf das Beispiel. Vom 6. bis 12. Jahre besuchen Knaben und Mädchen die gleichen Schulen. Man hat so gute Resultate dieses gemeinsamen Unterrichtes, daß man diesen auch auf die Zeit vom 12. bis 18. Jahre ausdehnen möchte. Auf dem Genfer Frauen-Congreß. Mitte September vorigen Jahres, war diese Frage der coeducation" in den Vordergrund gerückt; indeß ergab die Discussion verschiedene offene Punkte. Die Tochter des Arbeiters besucht die Sekundärschule, in welcher auch Haushaltungskunde eingeführt ist. und tritt entweder mit 14 Jahren als Lehrtochter zu einer Schneiderin, oder sie zieht eine specielle Haushaltungsschule oder eine solche, wo sie sich zu einem Berufe ausbilden kann. vor. Wirthschafterin. Krankenpflegerin, . Volksschullehrerin, Krankenschwester auf Dörfern, oder Anstellungen in Geschäften, an der Post, am Telegraph, Telephon, in der Lithographie. Photographie, dann wieder die Ausbildung als Schneiderin. Modistin. Tapeziererin von Allem bat das junge Mädchen die Wahl; und sie wählt und ergreift ihren Beruf mit festem Willen.
Zum Zweck höherer Ausbildung theilt sich die Töchterschule für Schü lerinnen nach dem IS. Jahre in drei Richtungen. 1. Die Gymnasialbil dung mit dem Abschluß der Maturi tätsprüfung; hier werden außer Latein noch vier weitere Sprachen gelehrt. Mathematik und Naturwissenschaft treten in den Vordergrund. 2. Die philologische Richtung mit dem Lehrerinnen - Examen, wobei wieder Sprachen. Literatur, und Kunstgeschichte gelehrt werden, und 3. Die kaufmännische Richtung, wobei Handelsgeographie, Luchführung, moderne Sprachen und Waarenkunde die Unterrichtsfächer bilden.' Es ist dies das Programm der Schule in Zürich, die den Mädchengymnasien in Karlsruhe und Bremen als Vorbild diente. Wir bemerken dabei, daß die Schulen im Canton Zürich sämmtlich unentgeltlich sind; sogar die Schulmittel werden gratis verabfolgt. Die Absolvirung dieser Studien nimmt 2z bis 3 Jahre in Anspruch, die Bedingungen der Examina sind selbstredend die gleichen wie bei den Herren, und das Mädchen kann nach erfolgter Prüfung entweder eine Staatsstelle als Lehrerin, auf einem Bureau oder als Kassirerin in einem Geschäft Anstellung erhalten. Oefters schickt man das junge Mädchen für einige Zeit in eine Pension der französischen Schweiz. Manchmal .tauscht" man die Kinder, d. h. eine Familie der französischen Schweiz giebt ihre Tochter in eine deutsche und umgekehrt, Niemand erhält dabei BeZahlung. Die Maturität berechtigt zum Eintritt in die Universität und das Polytcchnikum; nur auf dieses Zeugniß hin ist es gestattet. Anatomie und Klinik zu besuchen und zu den Examina zugelassen zu werden. Das medizinische Studium dauert fünf Jahre, das juristische ca. vier Jahre und das philologische je nach dem Fache, das man auswählt. Es ist indeß auch gestattet, die Vorlesungen der Universität ohne Maturitätszeugniß als Hörer- zu besuchen. Dabci hat man nur Zutritt zu sechs wöchentlichen Stunden und kein Recht, zum Examen zugelassen zu werden. Auf diese Weise machen eine große Menge von Damen Privatstudien, so z. B. in Aesthetik. Kunstgeschichte. Sprachen und Botanik. Studien, welche sie als Kritiker, Schriftstellerin oder zu Privatunterricht verwerthen. ' Die Zahl der weiblichen Studirenden. die wirklich an's Ziel gelangen, ist im Verhältniß nicht so groß, wie man glaubt; gerade die Zahl der Schweizerinnen ist seit Jahren ziemlich stationär geblieben es sind meist 14 Einheimische, welche studiren, während die Zahl der Ausländerinnen eine viel größere ist. Die Frauen-Vereine beschäftigen sich im Augenblick mit Sammlung von statistischem Material über die verschiedenen weiblichen Verufsarten und deren Bezahlung innerhalb der Schweiz. Der Raum, mangelt uns hier, um nähere Details darüber zu dringen. Das Bild ist wohl vielgestaltig genug. um unsere Verwirrung zu begreifen, wenn man nach dem TypuS der Schweizerin fragt. Es giebt, wie an allen Orten, schöne und häßliche Mädchen, gute und böse, gescheite und dumme, liebende Gattinnen, Pflichttreue Mütter und leichtsinnig: Raturen, aber das, was uns an den Frauen der Schweiz gefällt, das ist das praktische, zielbewußte Vorgehen und das Gefühl, von dem sie alle durchdrungen sind: Arbeit ehrt! Eine Beamtenfamilie, wo die erwachsenen Töchter heimlich in Geschäften für geringen Lohn arbeiten, öffentlich aber als Töchter reicher Familie gelten wollen, das ist undenkbar. . Gewiß giebt es auch schwindelhafte Verbältnisse, wo Einnahmen und Ausgaben nicht zusammen stimmen, aber der Staat bietet durch seine Erziehungsanstalten gerade der Frau die Hand, durch ihre eigene Arbeit Herrin der Verhältnisse zu werden, nur auf dieseWeise darf er es wagen. Wittwen und Töchtern von Geistlichen und Lehrern keine Pension zu geben. er bietet ihnen auf der anderen Seite ein Aequivalent: die Möglichkeit der Ausbildung der Persönlichkeit der Frau.
Ein Praktikus. Schwester (mit der Arztrechnung in der Hand): Dein Freund, dieser Dr. Meyer, ist doch ein ganz unverschämter Mensch!" Bruder: Weshalb denn?" . Schwester: Du weißt doch, das; er mich in meiner Krankheit behandelt hat. Nach meiner Genesung setzte er seine Besuche zu einem ganz anderen Zwecke fort und hielt schließlich sogar um meine Hand an. Nachdem ich ihm aber einen Korb gegeben hatte, rechnet mir dieser Schlauberger alle ftine BeWerbungsbesuche als Krankenbesuche an!" Abgeblitzt. Bewerber (Wittwer, dringend): Wollen Sie mir denn nicht endlich eine, Antwort geben, ob Sie meinen Antrag annehmen, Fräulein?" Fräulein: Wissen Sie.Herr Müller, lieber wär's mir schon, wenn Sie noch etwas warten wollten, bis Ihre beiden Söhne größer sind!" Bewerber (gespannt): Und dann?" Fräulein: Dann heirathe ich einen von den Beiden und werde Ihre Schwiegertochter." UnsereKinder. Mama: Was habt Ihr denn, Kinder?" Max: Der Karo hat meinen Pfannsuchen gegessen." Mama: Du hast ihn ja noch in der Hand und willst ihn ja gerade selbst essen!" Max: Ach. das ist ja Else's Pfannkuchen." Zu v i e l v e r l a n g t. Director (einer Schmiere zu einem Mitgliede seiner Truppe): Was? Eine neue Goldpapierkrone wollen Sie? Es ist doch kein Ausstattungsstück ange-setzt!"
Zenstcrpromcnaden. Von HanS Hyan. Also vergessen Sie mir die Bandschleifen nicht. Herr Drexler!" Gewiß nicht. Frau Krause, noch vor Ende der Woche haben Sie sie hier. Wir haben jetzt zu Hause sehr viel zu thun, sehn Sie.... ich hätte so gern noch ein Bischen mit Ihnen geplaudert, aber ich habe einen ' ganz eiligen Weg .... auf Wiedersehen, Frau Krause!" Adieu. Herr Drezler!" Sie hatte ihm die Hand gegeben die seine bekleidete ein hellfarbiger Glacehandschuh und nun stand die noch jugendliche Frau in der Eingangsthür ihres schmucken Lädchens und blickte dem Reisenden mit melancholischem Lächeln nach. Er gefiel ihr. Sie war Wittwe und hätte nichts dawider gehabt, wenn ein so ordentlicher, tüchtiger und dabei so hübscherMensch sie zur Frau begehrt hätte. . Unterdeß verschwand der Gegenstand ihrer Wünsche in dem Menschengewühl der Schönhauserstraße. Gewandt durchkreuzte er den ununterbrochen dahinfließenden Menschenstrom, der sich nach kurzer Mittagsrast jetzt wieder zur Arbeit drängte. An der Ecke der Lothringerstraße trat er in ein Cigarrengeschäft und ließ seinen Musterkoffer dort. Dann nahm er eine Cigarette und, vor den großen Krystallspiegel, der im Laden hing, hintretend, ordnete er seine Toilette. Den hellgrünen Frühjahrsanzug mit dem tiefausgeschnittenen Gilet zog er ein wenig zurecht, gab der weißseidenen Kravatte einen kavaliermäßigen Schwung und trat, ein Maiglöckchen, das er inzwischen gekauft, im Knopfloch befestigend, mit dem frohesten Gesicht von der Welt auf die Straße. Dann warf er die kaum halb aufgerauchte Cigarette fort, drehte den krausen, hellblonden Schnurrbart keck in die Höhe und sah. fortwährend zur Seite blinzelnd, nach seiner Uhr. Noch fünf Minuten bis zwei ... vor ein Viertel auf drei erschien sie ganz sicher nicht! Jedenfalls aber that er gut daran, hier zu bleiben und aufzupassen . . . man konnte doch nicht wissen." Und während er nun mit seinen scharfen Augen alle Augenblicke hinauf spähte nach der ersten Etage des großen, schräg gegenüberliegenden Hauses, wo in einem offenen Fenster der Luftzug die weiße Gardine wie ein Segel aufblähte und flattern ließ, beschästigte diejenige, deren Erscheinen er so sehnsüchtig erwartete, seine Gedanken unaufhörlich. Wie er sie kennen gelernt, an einem regnerischen Sonntagabend in dem übervollen Lokal der Friedrichstraße, wo sie mit der Mutter und ihrer Schwester so unbefangen plauderte und lachte. Und so sonderbarer Weise hatte ihm anfänglich ihre Schwester, die ja auch recht niedlich war. besser gefallen als sie. die doch jetzt der Inbegriff alles Holdseligen und Begehrenswerthen für ihn war. . Woher hatte die Natur die Farben genommen, mit denen sie dies geliebte Antlitz schmückte? Hat man je bei einer Blonden solchen milchweißen, vom zartesten Noth durchhauchten Teint gesehen? . . . .Aber da oben am Fenster, stand sie da nicht und sah herab auf ihn mit ihren großen schimmernden Augen, in deren blauer Tiefe all' feine hochfliegenden Pläne von reich heirathen" und sich bald felbstständig machen" für ewig versunken waren! Denn er wußte jetzt, daß sie arm war. Ihr Vater, der Postsekretär gewesen, war todt und die Familie lebte sehr einfach von der Wittwenpension der Mutter. Nein, es war wieder nur der Luftzug, der die Gardine leise hin- und herbewegte. Warum sollte er übrigens auch reich heirathen? Alfred Drexler stand allein und hatte für Niemand zu sorgen. Er war gesund und kräftig und in auskömmlicher Stellung. In zwei Jahren konnte er bequem heirathen sie, die Geliebte heirathen! Bei diesem Gedanken kam es über ihn wie ein Rausch. Aufjauchzen hätte er mögen vor Glückseligkeit! Wie er an jenem Sonntag Abend die Familie nach Hause geleitet und sie ihm beim Abschied die Hand gegeben hatte und welch' eine kleine, entzückende Hand! da war es ihm ähnlich, aber doch nicht so wundcrselig zu Muthe gewesen ... Am Montag hatte er dann die Kunden besucht, die in ihrer Gegend wohnten. Als er durch die Linienstraße ging, kam sie gerade aus einem Grünkramkeller heraus, ein Körbchen am Arme und in einem blauen, schon etwas abgeschabten Hauskleidchen, da oben am Halse ein wenig ausgeschnitten war. Es war im April, aber ganz helles, warmes Wetter, und so trug sie den blendenden Hals und den Ansatz ihres vollerblühten Busens unbedeckt. Aber seine Gedanlen waren rein geblieben wie die ihren und das Gefühl einer großen, weihevollen Zärtlichkeit preßte ihm das Herz zusammen. Von da ab war er jeden Mittag um zwei Uhr vor ihrem Hause und wartete, bis sie, die eben satt und fröhlich vom Mittagstisch aufgestanden, an's Fenster trat und feinen Gruß erwiderte und lachend und erröthend zu ihm heruntersah. Und dann kam der unvergeßliche Tag, wo sie einwilligte, in einer Conditorei eine Kleinigkeit von ihm anzunehmen. . . . Ihre Mama würde gewiß nichts dagegen haben, es sei doch nur eine einfache Höflichkeit unter so guten Bekannten oder dürfe er Freunden sagen? Warum nicht! Aber dabei sollte es denn auch bleiben. Meta!" Sie schwieg und löffelte eifrig in ihrer Chokolade. .... . .
Meta, ich möchte Ihnen fo VieleL sagen! Wenn ich sonst in Gesellschaft bin, da mangelt's mir nie an Stoff zu Gesprächen, aber mit Ihnen .... ich finde kein gescheutes Wort..." Schnell und so heimlich, daß es unmöglich Jemand bemerken konnte, hatte er ihre Hand ergriffen und sie inbrünstig geküßt das erste und einzige Mal, daß 'seine Lippen sie berührten. . . . Aber da oben, am Fenster. . . . Nein, nein, er irrte sich wieder.... oder doch? .... ach nein, nur ihre Mutter war es. . . . Am nächsten Tage beging er eine kleine Dummheit. Sie hatte ihm in dem unvergeßlichen Gespräch in der Conditorei oder war's auf dem Wege? auch gesagt, daß sie Blumen über Alles liebe. Und natürlich hatte er ihr am nächsten Tage welche geschickt! Aber nicht, wie es vernünftig gewesen wäre, einen kleinen, feinen, diskreten Strauß oder eine einzelne, recht schöne Blume nein, einen Kasten voll der theuersten, seltensten Rosen sandte er ihr. Darüber war sie am nächsten Tage recht ungehalten und er gelobte sich, hinfort taktvoller zu sein. Nachher hatte sie ihm aber verziehen und. wie er dann in ihr Gesicht sah, in ihr schönes, lächelndes Gesicht, da schwor er sich, noch an demselben Tage ein Ende zu machen mit der anderen, unglücklichen Geschichte, die ihm seinen Frieden raubte und ihn nicht ruhig athmen ließ in der Nähe des geliebten Mädchens. Meta's stolze, entzückende Jungfräulichkeit schien unbewußt von ihm zu verlangen, daß er brechen sollte mit der armen, kleinen Kravattennäherin. die er bisher geliebt endgiltig brechen! Zu Haus fand er wieder einen Brief von der Kleinen. Alfred Drezler ärgerte sich unbeschreiblich über diesen Brief. Hatte er ihr denn etwa die Heirath versprochen? Im Gegentheil, er hatte es ihr von Anfang an gesagt, daß sie sich eines Tages trennen würden! O. sie sollte ihm nur nicht mit solch' dummem, weinerlichen Gesicht kommen! Er bestellte sie für den folgenden Abend in den Thiergarten. Dort sollte ein Ende werden, ein für alle Mal! Und der folgende Abend kam. - Alfred Drexler brauchte nicht zu warten. Sein Annchen" war fchon vor ihm an dem verabredeten Platz. Aber heute nannte er sie Anna", und das mit einem fo harten, beinahe verächtlichen Klang, daß das junge Mädchen erst erstaunt und allmälig tiefbeleidigt aufhorchte. Mit einem Wort, es sei alles aus. Sie solle ihn nicht fortwährend mit ihren albernen Briefen belästigen, die er doch nicht lese! Sie solle ihn in Ruhe lassen! Das Mädchen war sprachlos. Ja. was hatte sie denn gethan, um solche Worte zu verdienen? Ah so. er hatte eine Andere, die ihm besser gefällt? So lange ist sie gut gewesen für den gnädigen Herrn! - Aber sie hat wohl Geld, die Andere? Vielleicht auch einen Buckel, wie? Anna sollte doch ruhig sein. Sie. könnten doch recht gut im Frieden von einander scheiden und er würde ihr ja auch später helfen, wo er irgendkönne Aber das Mädchen wurde immer noch mehr rabiat. Sie will nichts von ihm! Und wenn sie ihr Leben damit retten könnte! Lieber würde sie verhungern, als daß sie einen Pfennig von ihm nähme! Was er überhaupt noch mit ihr zu sprechen habe? Er solle sich fortscheeren und sich nie wieder erlauben. ihr in den Weg zu treten! Zufällig hatte sie eine Freundin erkannt, die vor ihnen her am Arm eines jungen Mannes ging. Zu der eilte sie hin und bald hörte Alfred Drexler ' die beiden Mädchen so vergnügt lachen und plaudern, daß er sich fragte, ob Anna ihn überhaupt jemals geliebt habe. Nun, am Ende war es doch wohl ihr beleidigter Stolz, der sich jetzt zu toller Lustigkeit zwang. Aber gleichviel, er war doch froh, daß er sie los war hoffentlich für immer! . Aus wen wartest Du denn hier?" Wie von einem Schuß getroffen, und blaß, todtenblaß drehte sich Alfred Drerler nach der Sprecherin um. Du hier? Anna? .... Ja. komm Komm, bitte, mit, liebe Anna .... ich werde Dich begleiten." Des Stadtreisenden schreckerblaßtes Gesicht färbte die tödtliche Verlegenheit, in der er sich befand, allmälig dunkelroth. Er war einfach unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, aber das Gefühl, daß er die kleine Anna von hier fortbringen müsse, sofort, unverzüglich entfernen müsse dies Gefühl drückte ihn wie eine Riesenhand vorwärts. Er hatte sie unter dem Arme gefaßt und suchte sie mit sich fortzuziehen. Aber die Kleine sträubte sich. Vielleicht war es eine jener dumpfen und doch so , unabweislichen Ahnungen, welche besonders die Frauen haben, die es ihr verrieth, daß ihre Nivalin drüben schrn die Trevpe ihres Hauses dtnabstieg jedenfalls sträubte sie sich, ihrem früheren Bräutigam zu folgen.... Warum denn? Sie bleibt hier! Auch nicht einen Schritt geht sie mit u,m! Und heiter lächelnd, voll froher Erwartung, trat Meta in demselben Augenblick aus ihrer Hausthür, als drüben auf der anderen Straßenfeite ihr schlanker Verehrer sich äugenscheinlich sehr um ein junges Mädchen bemühte. Nun nahm er sie gar beim Arm und sie weigerte sich augenscheinlich, das zu thun, was er verlangte. Meta kämpfte mit sich. Ihre wirklich gute Erziehung gab ihr den Rath, davonzugehen und dieVeiden sich selbst zu überlassen. Andererseits sagte ihr weiblicher Scharfsinn aber, daß dies
Mädchen ihrem Anbeter nahe stehen müsse. Noch fühlte sie für Alfred Drezler nichts. Er hatte mit seiner hübschen Erscheinung und seiner Bescheidenheit ihr . Wohlgefallen erregt, das war alles. Und diese flüchtige Empfindung schwand schnell vor dem starken Solidaritätsgefühl, welches die Frauen in Liebessachen verbindet, sobald sie nicht eifersüchtig auf einander sind. Ich störe Sie wohl, Herr Drexler?" tönte Meta's Stimme in seinem Rücken. Also, die ist's !...." Die kleine Anna starrte sie an. So hatte sie sich ihre Nebenbuhlerin denn doch nicht vorgestellt. Diese Schönheit erweckte ein Gefühl der Ohnmacht in ihr. das sie erst sprachlos und dann weinen machte. Seit einem Jahr verkehrt er mit mir. Fräulein," schluchzte sie. und jetzt jetzt läßt er mich sitzen ach! und ich habe ihn immer so lieb gehabt, den schlechten Menschen.'..." Einen langen, langen Blick voll Stolz und unsäglicher Verachtung warf sie dem nun ganz vernichteten Liebhaber zu. dann legte das schöne Mädchen ihren vollen, weißen Arm. den der lose Aermel so reizend enthüllte, um Annchen's Taille und ging, leise zu ihr sprechend und sie tröstend, mit ihr davon. . . .
Ein Ersolg. Von A'.exa::der Enzel. Jüngst traf ich meinen Freund, den neugebackenen Dramatiker, und ich benutzte die Gelegenheit, um ihm recht kräftig die Hand zu schütteln und in aller Herzhaftigkcit zu gratuliren. Es fiel mir auf, daß er mit einer gewissen Melancholie dankte. Ja. was haben Sie denn?" Sie schauen ja drein wie ein Durchgesallener? Warum stimmt Sie Ihr Erfolg so düster, Sie Undankbarer, haben St: sich ihn vielleicht noch größer vorgestellt?" hänselte ich, ein wenig gereizt durch sein unwürdiges Benehmen. Das will ichJhnen Alles erklären," sprach er, erfaßte meinen Arm und schlang ihn in den seinen. Sie sind allem Anschein nach der Erste, der mir meinen Erfolg nicht vorwirst, der sich nichts einbildet auf mich." Ich nickte geschmeichelt. Im vollen Ernst," fuhr der neugebackene Dramatiker fort ich habe kaum einen Menschen getroffen, der, mir nicht erzählt hatte, wie er bei der Premiere Stimmung" für mich gemacht, wie er zu den meisten Scherzen, die ihm als alten TheaterHasen natürlich längst bekannt waren, nur aus Gefälligkeit gelacht, und was dergleichen Liebenswürdigkeiten sind. Sie kennen ja die diskrete Art, in der einem die gute Freunde ihre herzliche Theilnahme beweisen!" Ja, das kenne ich. Die ist doch wohl typisch? Nicht wahr, die meisten erklären: Ich habe Sie schön herausgeHaut, schauen Sie sich aber auch die Hände an!" Ach, das ist noch nichts", jammerte mein Freund, der Dramatiker. Soll ich Ihnen aus dem Schatzkästchen meiner trüben Erfahrungen Einiges zum Besten geben? Nun gut. Sie werden aus dem Staunen nicht herauskommen. Wenn es übrigens nicht solche Käuze gäbe, könnten wir Dramatiker verhungern." Die Freunde des Erfolgs", das ist mein nächstes Stück, da werden die Untreuen alle treu photographirt sein," sprach er mit der Vertrauensseligkeit zunger Autoren. Sie wollen ja erzählen . . . ." ermahnte ich ihn. Ah, richtig!" besann er sich. Das erste Zeichen rührender Anhänglichkcit, das ich vor meiner Premiere erhielt, war eine hübsche Einleitung der kommenden Misere. Lieber Freund," begann die Epistel. Freund" nannte mich der liebe Herr, der mir einmal in einem Kegelclub vorgestellt wurde, aus dem ich mich gleich geschlichen hatte. Ich lese in den Zeitungen, daß morgen ein Schwank von Ihnen hoffentlich etwas Lustiges zur Aufführung gelangt. Haben Sie die Güte, mir vier Parquetsitze, möglichst Mitte,' einen Ecksitz für mich, zu verschaffen. Es sind nämlich zwei Cousinen aus der Provinz hier, die gehen gleich mit, einen Sitz kauf' ich schon dazu. In- alter Verehrung X. I. Postscriptum. Eine Loge würde ich natürlich vorziehen, es wird ja noch genug frei fein und an alten Bekannten werden Sie doch kein Geld verdienen wollen!" Auf der Straße begegnete ich einem lockenköpfigen, jungen Literaten. einem langweiligen Patron, der ausschließlich in Versen schreibt und Leute, die mit literarischen Schöpfungen Kassenerfolge erzielen, zu verachten pflegt. Ich bin ganz überrascht, als der Sammtrock er hatte ihn von einem farbencrblindeten modernen Maler billig erstanden mich der Ehre einer Ansprache würdigt. Sie" sagt er herablassend ich habe soeben ein Stück in Prosa vollendet... zur Erholung Sie leben hoffentlich mit dem Director Ihres Theaters auf gutem Fuße, wenn Sie Erfolg haben sollten, man kann ja nicht wissen. . zeigen Sie's dem Mann. Sie wissen ja, wenn ein Unbekannte? was einreicht, kriegt er's ungelesen zurück." Wär's Ihnen gelesen lieber?" kann ich nicht unterdrücken. Sparen Sie mit Ihren schlechten Witzen. Sie können sie gut brauchen." erwiderte er stolz, wie ein Mann, der es nicht nöthig hat, die Mitwelt auf so profane Art zu erheitern. Er begann mir die Handlung zu crzählen, natürlich unter strengster Diskretion". Schon das war Größenwahn. Die Schauspieler werden sich um das Stück reißen, es verbindet beide Richtungen und enthält fünf
j Tendenzen, für jeden Act eine, der dritte hat zwei Tendenzen, eine gegen das Militär, die andere kann ich noch nicht sagen." Bei mir hatte der Mann schon sei n'.n Hciterkcitserfolg. . Die lustigsten unserer Gönner sind die Leute, die bemüht sind, uns geistia zu unterstützen. Sie, da hab' ich einmal was erlebt, das nehmen Sie nur so, wie es passirt ist, in Ihr Thcaterstück auf und Sie haben einen gro ßen Erfolg," ruft der Eine und erzählt eine ellenlange Geschichte, die so alt ist, daß sie selbst Dilettanten rasend machen könnte, der Andere bittet, seinen Geschäftsconcurrenten, einen gemeinen Kerl, der ohne einen Kreuzer Geld nach Wien gekommen und heute bereits in Concurs sei, auf die weltbedeutenden Bretter zu schleppen, aber recht durchsichtig. Seine Frau können Sie auch in die Handlung verflechten Ihr Jungen seid ja ohnedies sür die nackte Wahrheit!" und er bemerkt noch zum Schlüsse: Ich könnte es ja selbst schreiben, aber ich hab' den ganzen Tag auf der Börse zu thun. Winen Sie, das, was heutzutage aufgeführt wird, trifft bald einer. Mir fällt soviel ein, immer am Abend vor dem Schlafengehen " Ich hatte meine rechte Mühe, ihn abzuhalten von der Erzählung der Einfälle, die ihn vor dem Schlafengehen so hart bedrängen. Der arme Dramatiker hielt einen Augenblick inne und seufzte tief. Nach dem Erfolg ist die Sache erst recht gemüthlich, Sie dürfen mir'S glauben. Freund Soundso versucht es mit einem höheren Anlegn. Ich habe stets zu Dir gehalten" erklärt er im falschen Brusttone der Utitc zeugung schon damals, ' als Du noch keine Idee hattest, pardon, etwaS zu schreiben, und von so unverhofften Einnahmen kann man schon was hergeben!" Freund Ypsilon entdeckt cinen Witz, den er in unserer Gesellschaft gemacht, und bittet um den entfallenden Antheil. Sie verdienen jetzt auf o leichte Art eine Masse Geld, ich musj mich auch auf die Geschichte werfen, lachen Sie nicht, Mitarbeiter der Flicgenden Blätter bin ich ohnedies, meine Beiträge erscheinen sogar illustrirt, bitte hier." Und er greift nach seiner Brieftasche und zeigt, wie sehr ich mich auch durch Wegblicken dagegen wehre, die alles beweisenden Coupons des Postanweisungen. Wozu soll ich wciter erzählen? Alle die verhaltenen: Wünsche unserer Freunde wagen sich nun an die Oberfläche, mühsam eingeschläfert Ehrgeiz erwacht zu neuen. Hoffen, unser Erfolg macht die Kleinen erst aufmerksam auf ihre Fähigkeitcn. Und deshalb, junger Mann, warne ich Sie ernstlich vor einem. Sieg, alle, die sich einbilden, zu kämpfen, werden Ihre Feinde. Sie werden gehaßt sein von jenen, die ihre, Lorbeeren auf der Landstraße pflücken. wollen, mit leichter Hand. Hüten Siesich vor einem Sieg, wenn Sie keine gesunde Körperconstitution' haben. Schmeicheln Sie sich in die Herzen, indem Sie auf den Triumph verzichten. Das herablassende Wohlwollen selbstherrlicher Liliputaner, die Ueberschätzung der Freunde, die nur loben, um And:re zu ärgern, die Theilnahme der Egoisten, die von jedem fremden Verdienst Procente für sich beanspruchen, die Liebkosungen der Streber denen unsere früher so schwache Schulter plötzlich kräftig genug für Zwei er scheint sind viel schwerer zu ertragen als der allgemeine, ganz unpersönliche Neid des vergrämten Dilettantenvolks. Glauben Sie mir. man muß ein Routinier des Erfolges sein, ergraut im Beifall der Menge, um von all' diesen Miseren nicht zu Boden gedrückt zu werden." Der von seinem Erfolge gequälte Dramatiker ließ nun meinen Arm frei und blieb mechanisch vor der AuZlage eines Antiquars stehen. Sie suchen Anregung für Ihr neues Stück?" fragte ich lächelnd, ich will 'Sie nicht stören." Und ich sagte ihm Adieu. Ich war auck nicht besser als die Anderen. Da giebt's nichts, das ist eine der Bestien im Menschen. Wenn einer unserer Bekannten einen Erfolg erringt, ent.decken wir sofort unsere satirische Adcr.
Lätzen, Nappcn und Kreuzer. Diese drei Namen bezeichnen die vielleicht außer dem Thaler populärsten deutschen Münzen; seltsamerweise herrscht in vielen Kreisen aber noch eine unbegreifliche Unklarheit über dieselben. Der Batzen wurde zuerst 1492 in Bern' geprägt und zeigte das Wappenthier dieser Stadt, einen Bären (Petz. Bätz. Batzen). Diese kleine Münze verbreitete sich sehr batt im ganzen südlichen Deutschland und behauptetc auch dann noch ihren Nam.-n, nachdem der Bär weggefallen war. Der zuerst in Freiburg i. Ar. geprägt'.Rappen trug als Typus einen Vogelköpf, den man für einen Raben (Rappen) ansah. Der Nappcn. von dem das landläufige berappen" herkommt, galt vornehmlich im Schwarzwald, im Elsaß und der Schweiz, und heißt in letzterer heute noch die kleinste Theil münze des Francs ein Rappen. Der Kreuzer erhielt seinen Namen durch das auf ihm befindliche Kreuz, auch die für ihn gebrauchte Abkürzung x" ist leicht erklärlich. Die lateinische BeZeichnung für den Kreuzer war denn rius cruciatus oder cruciger, und ist sein eigentlicher Ursprung in denWerkstätten von Meran in Tirol zu suchen. Moder n. A.: Was ist dc? heute los bei Kommerzienraths?" Das Fräulein Ella feiert das Fest il rer silbernen Verlobung!" , Schlagfertig. Mr. Fussr, Ich sehe nicht ein, warum Du solch' lächerlich weite Aermel trägst; Du hast ja nichts, um sie auszufüllen." Mr. Fussy: Füllst Du vielleicht Deine Cylinder aus?"
