Indiana Tribüne, Volume 20, Number 293, Indianapolis, Marion County, 11 July 1897 — Page 6

Schweizer Volkstrachten. Soweit die heutig borrpnderfii Ailder einen Schluß zulassen, war die Kleidung in der Schweiz bis in das XV. Jahrhundert hinein schlicht und schmucklos, sie bestand im Wesentlichen us einem langen, dunklen Rock von Wolle nach Art der Mönchskleidcr.

Das änderte sich, als die großen Freiheitsschlachten gegen Karl den Kühnen von Burgund geschlagen waren, das Land im Zenith seines Ruhmes stand, fcie fremden Fürsten mit ungeheuren Summen Schweizer für ihre Söldner.eere warben, eine Menge Blutgeld in ybic bisher armen Thäler floß und das nationale Selbstbewußtsein erwachte. Damals, av.x Ausgang des XV. und' cm Anfang des XVI. Jahrhunderts, entstanden die Anfänge der späteren Trachten. Sie haben sich aus fremden 'Vorbildern, insbesondere aus den damaligen spanischen Moden, die von den Söldnern heimgebracht wurden, gestaltet, und wenn auch die eigene I A p p e n z e l l e r. Phantasie des Volkes sich daran schöferisch bethätigte, so können doch die fremden Einflüsse noch heute nachgepiesen werden. Nach einer Zeit des Schwankens mögen die Formen und Farben der verschiedenen Trachten in der Mitte oder am Ende des XVI. Jahrhunderts durch den Allgemeingebrauch feste geworden sein, jedenfalls xeicht ein großer Theil des getriebenen ciselirten oder filigranirten Trachtenschmuckes von Gold und Silber, der jet noch getragen wird, in's XVI. Jahrhundert zurück und ist das Werk der berühmten Gold- und Silberschmiede, die Zürich, Basel. Luzern und andere Orte damals besaßen. An ?nanche Trachten wurden für mehrere hundert Gulden Silber und Gold, oft euch Edelsteine und Gemmen derschwendet, und die Kosten des weiblijchen Kopfputzes allein werden durch das alte Sprichwort erklärt: En Wibergrind chost' us em Stahl es Rind." d. h. der Kopfschmuck einer Frau kostet so viel, wie man für ein Nind löst, das man aus dem Stall derkauft. Freiburgerin und Buren- . f e n f i. : Alle Trachten verrathen mehr oder weniger einen Zug zur Koketterie, einzelne sind ein geradezu raffinirtes Spiel der Gewandungsfarben und Formen. Von weitem läßt sich unterscheiden, ob die Trägerinnen Mädchen, Bräute oder verheirathete Frauen sind, uch ihre sociale Stellung wird manchmal durch Abzeichen des Costüms ausgedrückt. So tragen die Wehnthaler Frauen heute noch weiße, die Mädchen dagegen farbige Vorsteckhemdchen. in ßDbwalden flechten die Bauernjungfern" Weiße, die Herrenjungfern" raune Bänder in die Zöpfe. Das einst als Abzeichen der Braut heilig gejhaltene Schapel hat sich in der Schweiz nirgends erhalten, ebensowenig die Wrautkrone. der festliche Kopfputz der Braut am Hochzeitstage. Die 10 Zoll hohen Kronen trugen aus farbigen Steinen und Goldstickerei gebildete Zeichnungen, welche ein Marienbild und ein Schiff darstellten und symbo- ! Wehnthaler.' lisch andeuteten, daß man die Trägerin dem Schutz der Gottesmutter empfehle und ihr glückliche Fahrt durch's Leben wünsche. Da die Brautkronen sehr theuere Stücke waren, so besaßen nur die reichen Familien eigene, die anderen waren Gemeingut der Dörfer, wie in einigen Ortschaften des Wallis das Brautkleid jetzt noch Gemeindeeigenihum ist. das je nur für den festlichen .Tag hergeliehen wird. ' An die Zeit der Brautkronen erinuert jetzt noch die Tracht, welche die Deutsch-Freiburgerinnen bei den Processionen tragen, denn ihr Hauptbesiandtheil ist eine rundliche schillernde Flittertrone. Dieses Kostüm ist auch im übrigen eines der malerischesten des Landes. Um den Hals einen steifen blauen Kragen, der an die Krausen der alten Nathsherrn mahnt, ein feingefälteter, scharlachrothe: Rock eine

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rothe Jacke mit engen Aermeln, ein gzblümtes Mieder, an den Hüften ein handgroßes silbernes Amulett, das sogenannte'Agnus dei, mit eingravirten

Thurgauerinnen. religiösen Symbolen, schwarzseidene Schürze, blaue Strümpfe und in den auf den. Rücken fallenden Zöpfen bunte Bänder eingewoben fo gehm die Mädchen im kirchlichen Zug. Die Freiburgerinnentracht ist zugleich eine der ältesten, das beweist der feingefältete. wie es die Bewohnerinnen nennen, gekratzte" Rock, der eine ungebeure Stoffschwendung bedingt. Solche Röcke gehörten früher fast zu allen Schweizertrachten, sind aber im Laufe der Zeit durch glatte Juppen" ersetzt worden. Im westlichen Theile des Kantons Zürich war bis vor einigen J'ahrzehnten eine sehr hübsche Tracht, das Bauernfünf" gebräuchlich. Sie hieß so. weil auf dem dunkeln Rücken ein Helles Sammetband aufgenäht war, das die Form eines römischen V bildete. Nach und nach erhielt aber das Wort Bauernfünf" eine übertragene Bedeutung, man bezeichnete damit ein etwas beschränktes Landmädchen. Andere Ursachen wirkten zumUntergang der Kostüme mit, so politische Landleute aus Waadt. Umstände zu dem der Männertrachten. Als sich am Ende des vorigen Jahrzehnten unseres Jahrhunderts die aristokratisch verwalteten Stände der Schweiz in demokratische Cantone verwandelten, als die Vorrechte der Städte, die Unterthanenschaft der gemeinsam regierten Herrschaften Thurgau und Aargau fielen, da gaben die Männer dieser Landschaften der errungenen Gleichberechtigung dadurch Ausdruck, daß sie sich wie die Städter, wenn auch etwas bescheidener kleideten. Ein Beispiel dafür ist das zürcherische Wehnthal. Der Bauer mit den weiten weißen, gefältelten Plumpkniehosen, an welche die Strümpfe festgenäht wcren. mit dem langen Zwilchrock, der rothen Weste, dem Dreimasterhut oder einer Sammetkappe mit grünem rlzrand gehört ziemlich der Vergangenheit an. die Frauentracht aber ist mit Ausnähme der Tellerhaube, dem Schmuck älterer Frauen, geblieben. Eine ähnliche, nicht sehr reiche, ober geschmackvolle Tracht finden wir bei den Weinbäuerinnen des Rafzerfldes, jenes zürcherischen Landestheils, der in das Großherzogthum Baden vorgreift. Bei den Dörflerinnen des Aargaues und bei den Schafshauserund Haltauerinnen kann l.ian den Sennen aus Uri. Uebergang vom Wehnthalerkostüm zu den benachbarten Trachten des Schwarzwaldes beobachten. Ein Blick auf die Trachten genügt übrigens, um den Zusammnliang zwischen ihnen und den Industrien des Landes einzusehen. Die seidenen Schürzen, die einBestandtheil fast aller Schweizerkostüme bilden, wären kaum so verbreitet ohne die seit einem halben Jahrtausend in Zürich blühende Seidentücherfabrikation; die SeidznbandWeberei Basels gab den Anlaß zu der Bänderverschwendung, und die Mousselinenfabrikation Neuenburzs und Genfs zu der reizenden, duftigen Winzerinnentracht an den Gestaden des Genfersees. 'Sie ist trotz chrer Einfachheit die koketteste der Schweiz: reblaubgrüner Rock, weißseidene Schürze, schwarzer Cammetmieder ohne j'de Zuthat von Schmuck, darein gesteckt ein den Hals umfassendes, die Mitte desselben und etwas Brust offenhaltendes. duftiges Mousselinetuch, auf dem Haupte der blumengeschmückte, leichte Montreuxstrohhut, der in der M'tte eine faßspundartige Erhöhung trägt. Die ärmsten Trachten waren diejcnigen. die sich mit den Erzeugnissen der Glarner Kattunfärberei behalfen, mit gemusterten, oft beblümten Bcum Wolltüchern; sie sind fo früh derschwunden. daß wir sie kaum kennen; an ihre Stelle trat das kattunene Modekleid für die Frauen, Berner Halbwollstoff. das sogenannte elbcnc Tuch von rothbrauner Farbe für die Männer volksthümliche Kleider, die in

manchen Gegenden der Schweiz bis in die Gegenwart geblieben sind. Die Gegenden, wo auch jetzt die Trachten noch festsitzen, müssen :Mx in den Alpen suchen. Appenzellerland, Urschweiz, Berneroberland, Freiburg, Wallis und die Alpenthäler des Tessins. das sind die Heimathen der 'etz breitetsten Volkstrachten; auch die Männer halten dort die Tracht noch in Ehren. Die Appenzellerin der Innern Rhoden trägt einen dunkelrothen gefältelten Rock, ein schwarzes Samm?tmieder mit reichgesticktem seidenem Einsatz, über den die silbernen Nesteln geschnürt werden, ein Koller von ft.rtiger, feingefälterter Seide, eine gleiche Schürze, eine zehnfache, silberne iUilt, die im Nacken von einem breiten kunstvoll gearbeiteten Schloß fegst?") rltm wird, einen Gürtel, von dem an Kettchen allerlei Silberschmuck niederhängt. Ueber die von Natur aus wellten, blonden Haare setzt sie ein

V e r n e r i n. rothes Käppchen, an hohen Festtagen auf dieses auch noch zwei große feine Flügel, die sich wie ein riesiger Sch,ae!terling ausnehmcn. Die bäuerliche Herbheit und T?rbheit finden wir bei den Sinnen des Landes. Kurze, gelbe Leder!'os:n. rothe Weste, Hosenträger und Brustgurt, deren Messingplatten in einravirten Zeichnungen die Alpausfahrt schildern, die silberne Uhrktte mit zahlreichen Anhängseln, Schnallen an Strümpfen und Schuhen, zoidne Gehänge an denOhren, so tritt der Ser'ne auf den Tanzboden und Vd'ot das Zischgeli" zum Ländler. Ein rechtes Trachtenland ist ouch die Gegend am Vierwaldstäitersee. b?sonders Unterwalden, wo die Männer auf dunkler Bluse helle, reiche Seiden stickereien tragen und den schZick'icn Rundhut mit dem Edelweiß schmücken. Die Mädchen tragen Zövfe, in denen rothe Bänder eingeflochten s.rfc, beide einen großen silbernen Hoarpfeil. dessen breites Ende von Filizran durchbrochen und mitSt.'inen besetzt ist. Um den Hals zieht sich ein breites Kollier, Wolliser. dessen goldene Glieder durch Reihen Granaten und Korallen verbunden sind. Das brettharte Mi?'o:r und das Vorsteckhemdchen sind reich 17.it Scidenstickereien verziert, die silbernen Fi ligranrosetten durch Ketten mitciicin der verbunden und die Acrmel turn seidenbestickten Sammtinanschetten gehalten, von denen Spitzen- und Häkelarbeiten niederhängen. Die Tracht gehört zu tn reifsten, aber auch zu den unbequemsten, die es gibt, und sticht merkwürdig c'gen das arme Kostüm des benachbarten" Urncrlandes ab, das sich fast ohne -Schluck in dunklen Tönen hält. Das bekannteste schw.'ize::sche Kostüm ist die kleidsame Bernec Oberländerinnentracht, die sich weit über ihren ursprünglichen Bezirk verbreitet hat. in der Stadt Bern ebenso läufig wie auf der Landschaft ae! ragen wird und fast als schweizerische Nationaltracht gilt. Ein schwefelgelber Ct:lhHut. von dem lange Bänder niede'.flattern. ohne eine zarte, dunkle Ev.p.lN" Haube bilden die Kopfbedeckung; aus dem Rand des dunklen Sammrmieders schimmern Rosetten. Haken von Silberfiligran, die reichen Sildirketten erklingen, und über die Büste uMfct sich duftig das feingerippte loetfcc Vorsteckhemdchen, während die g:sieisten, Weihen Aermel die Ellenbogen und Tessinerinnen. Vorderarme freigeben und die l.ellblauseidene Schürze auf de.n U.'tergründ des dunklen Rockes dle Tracht hübsch abschließt. Einzelne Thäler des Bernerob:rlandes haben übrig ens eine abweichende Tracht, so das Haslil- und Simenthal.. Im Haslithal tragen die Frauen weiße oder gelbe, orcitgefältelte Röcke und am Hinterkopf ein schwarzes Filzkäppchen, auf weites die Bräute ein Schäppelchen stecken, im Simmenthal ganz abweick.'nd vom sonstigen Trachtenbrauch, der kurze Röcke vorschreibt, ein langes Kleid, oft sogar mit Schleppe. Sehr !übsch ist das aus . Spitzen gebildete Vsrsteck

h:mdchen, ein großes, gefranites Sei dentuch, das über die Schulter hängt, sowie das feine Spitzentuch der Hube. Kleidsam ist auch die Männerlracht des Bcrneroberlandes, die nanenilich bei den Sennen üblich ist: kurze, rotheingefaßte Sammethosen, engan.lleacndes Sammetwams mit Halbärmeln, aus denen das weiße Hemd dervorquillt, schwarzledernes Käppen mit rothem Sterne, nägelbejchlagene Schnürschuhe. Ueber die Trachten des Wallis ließe sich eine eigene Abhandlung schreiben. In dieser abgeschlossenen Gcö'.rgsgegend werden wenigstens noch ein Dutzend verschiedener, malerischer Trochten getragen. Das Kennzeichen der Deutsch - Walliserinnen ist einStiohHut, dessen Ränder kunstvoll aus Bandern zusammengestellt sind. Die Evolenerinnen tragen einen Schild auf der Brust und ein Filzhlltchen m?t Silberschnür schräg auf dem Haupt, die Savieserinnen breite Strohhüte m't Un gen, hellfarbigen Bändern, die Frauen von Champ6ry keinen Rock, scndern rauhe dunkle Hosen und auf dem Kopf ein feuerrothes Tuch. Die Hosen als Frauenkleid dürfen nicht so sehr auffallen, wenn man weiß, daß sie fast durch das ganze schweizerische Alpcngebiet für gewisse Arbeiten 01: Aelplerfrauen. z. B. für das ackahcvolle Wildheuen, wo ein Rock Äderben bringen kann, getragen werden. Seltsamerweise ha: das Bündnerland, das doch eine Hochgebirgsz.'gend ersten Ranges ist, sch?n lange keine Trachten mehr, wohl aber der Tessi.n. Wenn sich in Locarno oder Lugano der Markt entfaltet, dann strömen aus allen Thälern gluthäugige Mädchen; die Soccoli. die eleganten Holzschuhe, klappern, die weißen Hemdärmel flattern, die buntfarbigen Schürzen scheinen. die Korallenhalsbänder blitzen auf. Die größte Koketterie entfalten aber die Tessinerinnen in der Kopfbedeckung. die bald aus bunten Seidentüchern, bald aus einem Bogen von Silberpfeilen besteht, der das Gesicht wie ein Strahlenkranz .einrahmt.

Gewissenhaft. BD Studiosus (zur Wirthin): Diesmal muß ich Ihnen die Miethe schuldig bleiben!" Wirthin: Das sagtenSie mir schon vorigen Monat!" Studiosus: Nun und hab' ich etwa nicht Wort gehalten?!" Deplacirte Protzerei. Herr Baron fahren auch Velociped?" Ja aber wegen Diener natürlich nur Tandem!" Der kluge Dackl. 1 1 rtJa , Warum der Förster Spielhahn beim Kartenspiel so selten verliert. Weil sein Dackl die Kreidestriche immer wieder meoleckt! Ein verwegener Kunstl e r. Was. wird Ihr nächstes Bild darstellen?" Schwiegersohn, seine Schwiegermutter küssend!" Donnerwetter, welch' unerfaßlicher Gedanke!" Einfach. Also Dein Mann hat doch eingewilligt, daß Du im Wohlthätigkeits - Concert mitsingen darfst; wie hast Du ihn denn so herumgekriegt?" Ich habe ihm einfach gesagt' wenn ich nicht da singe, singe ich zu Haus!" Süßer Traum. Freundin: Warum bist Du denn heute gar so lustig und aufgeräumt. Klara?" Alte Jungfrau (der anderen um den Hals fallend): Ach. mir hat heute Nacht geträumt, ich wäre verlobt!" AusderSchule. Lehrerin: Ella, was können Sie mir von Minerva sagen?" Fräulein Ella: Minerva war die Göttin der Weisheit und durfte deshalb nicht heirathen." D e r v e r st e h t's. Kaufmann: Sie bewerben sich um die vakante Stelle bei mir und behaupten, daß Sie Buchhalter seien. Verstehen Sie eine richtige Bilanz zu mächen?" Bewerber: Ja, sogar eine fingirte!"

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,Icseliö In der Schloßkirche zu Zeitz.befin det sich an einem Wandpfeiler der Südseite ein unscheinbares kleines Steinbild, ein Männlein mit einer Peitsche in der rechten und einer Geschirrwaage in der linken Hand; ein fliegendes Band nebenan enthält die Worte: Ich heese Keselib". Dieses Bild, das Wahrzeichen des Gotteshauses, wird von einer sinnigen Sage umrankt. Als Kaiser Otto I. (936 973) im Jahre 963 das Bisthum Zeitz gründete und zu diesem Zwecke Schenkungen an Grund und Boden machte und 20.000 Gulden stiftete, regten sich, so erzählt die Sage, bald viel fleißige Hände, um einen Dom zu errichten, wie ihn die Würde einer Bischofsstadt erheischte. Die Stelle.' auf der das Gotteshaus erstehen sollte, wurde bestimmt; Baupläne wurden entworfen, Grundmauern aufqeführt. Baumaterialien herbeigeschafft, Gerüste, hinter denen die Kirchenmauern höher und höher stiegen, wurden errichtet, kurzum. mit solch einem freudigen und zuversichtlichen Eifer wurde das Werk betrieben, daß es zusehends seiner Vollendung entgegenwuchs. Mit dem

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Das Wahrzeichen. rasch fortschreitenden Baue wuchs aber auch die Feindschaft der ansässigen und umwohnenden Heiden, die das Vorhaben auf jegliche Weise zu hemmen, wenn nicht gar zu vereiteln suchten. Da galt es, die Kräfte auf's höchste anzuspannen und zu helfen, wo Hilfe nöthig war. Unter all den rührigen und thatkräftigen Förderern des Baues zeichnete sich aber besonders ein Mann aus. ein bekehrter Wende. Namens Käselieb, aus dem benachbarten Dorfe Rasberg, der mit seinem Geschirr rastlos das nöthige Baumaterial herbeischaffen half. Zwar mußte darunter seine Feldwirthschaft leiden, ja, er fiel infolgedessen sogar bedeutend in Schulden, aber er fuhr weiter Steine, Holz. Kalk und Ziegel herbei, bis der Dom vollendet dastand. Da besaß er aber von seinem Vermögen auch nichts mehr, als seine Peitsche und die Wage von seinem Gefährt; denn die hartherzigen Schuldherren hatten ihm zuletzt noch feine Pferde, seinen Wagen und sein Geschirr verkaufen lassen. Der Kaiser hörte von der in frommer Herzenseinfalt geübten Opferwilliqkeit des Mannes, entschädigte ihn für den Verlust reichlich und ließ zur -bleibenden Erinnerung an dessen selbstlos bekundeten Opfersinn jenes Steinbild im Dome anbringen. : Ein V o r s i ch t i g er. Zu was halten Sie sich denn drei so riesige Doggen, Herr Thalerhuber?" Protz: Die eine bewacht's Geld, die andere die Werthsachen und die dritte mich selber!" Pfiffig. Gast (der fünf leere Weinflaschen vor sich stehen hat): Wie viel' Flaschen hab ich zu zahlen. Rest?" Wirth (leise zur Kellnerin) Lassen Sie ihn selbst zählen . . . vielleicht zählt er doppelt!" Kleines Mißverständniß. O. die Männer braucht man nur einmal liebevoll anzusehen und weg sind sie!" Ra. so unhöflich sind denn aber doch nicht alle!" Beruhigung. Herr Doktvc. wenn man uns so oft beisammen sieht, könnte man dürfte man uns für verheirathet halten!" Was macht das, gnädiges Fräulein, wenn wir's nur in Wirklichkeit nicht sind!" .

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Neue Garnisonkirchcn. In Gegenwart .des Kaisers WilHelm und seiner Gemahlin hat in Berlin die Einweihung der beiden neuen Garnisonkirchen, einer evangelischen und einer katholischen, stattgefunden. Die alte, überaus unschöne evangelische Garnisonkirche in der Neuen Friedrichsstraße hatte sich schon längst als ungenügend erwiesen, und die katholischen Soldaten der Berliner Garnison entbehrten bislr überhaupt eines

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Evangelische Kirche, eigenen Gotteshauses. Die neue evangelische Garnisonkirche liegt am Ende der Gneisenaustraße auf dem Kaiser Friedrich - Platz. Der schöne Bau ist von Baurath Roßtäuscher in frühgothischemStil ausgeführt, und das Königshaus sowie die Officiercorps der im Süden garnifonirenden Regimenter haben die Kirche auch im Innern reich ausgestattet. Die Kirche enthält 1620 Sitzplätze, von denen die unter den Emporen liegenden für die nicht dem Militär angehörenden Besucher der Kirche bestimmt sind. Die katholische Garnisonkirche liegt zwischen den KatholischeKirche. Bäumen der Hasenhaide. Sie ist vom Regierungsbaumeister Menken in romanischem Stil erbaut und ist ebenfalls auch im Innern, insbesondere durch Malereien reich geschmückt. Diese rühren von dem Maler Klinka her. Die Weihe der evangelischen Kirche vollzog der Feldprobst Dr. Richter mit einer Rede über 'Eph. 2. 19 22. Die Predigt hielt dann Divisionspfarrer Wiche. Die Weiherede in der katholischen Kirche die Johannes dem Täufer geweiht ist hielt der Feldprobst Dr. Aßmann. Sympathie. Armes Thier, dir schimpfen sie also ooch immer Rhinoceros?!" O weh! Johann, gestern Abend war ich wohl ein bischen angeheitert?" Jawohl. Herr Baron Du hast mit mir Bruderschaft getrunken!" Stark! Kaufmann A. (vor dem Concurse stehend): Wie gesagt, mehr als 70 Procent kann ich Ihnen nicht zahlen! Sehen Sie selbst, hier ist die Liste meiner Gläubiger!" Kaufmann B. (das umfangreiche, alphabetisch geordnete Berzeichniß durchblätternd, plötzlich entrüstet): Na. das ist doch stark sogar unter Fpsilon haben Sie einen Gläubiger!" Im Eifer. Geheimpolizist: Ihr Verdacht gegen Ihren Kassiur ist nicht gerechtfertigt, er lebt bescheiden und anständig...." Chef: Herr, von dem Gehalt, welches ich ihm gebe, kann er absolut nicht anständig leben."

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TIe'Bklicht." Kein Deutscher kann über den Pflichtbegriff sprechen, ohne des Weisen von Königsberg zu gedenken und seines-kategorischen Imperativs. Aber selbst, wenn man dem Rigorismus Kant's nicht vollkommen beipflichtet, so wird man doch nicht umhin können, zu gestehen, daß ein Zurückgreifen auf Kant's Grundsätze bei der Nachsicht, die die meisten Eltern heute den Kindern gegenüber walten lassen, nur zum . Segen gereichen würde. Es sind in erster Linie die Mütter, die sich klar werden müssen, daß nur die Erziehung eine erfolgreiche sein kann, die der Pflicht ihre centrale Stellung anweist. Sie vertreten sehr häufig den StandPunkt, daß Liebe die bewegende Urfache alles Gehorsams sein solle. Wenn aber beim Heranwachsen die Eigenart des Kindes sich mehr ausbildet, wenn seine Wünsche, in Widerstreit treten mit der mütterlichen Autorität, wenn das Appelliren an seine Liebe immer eindringlicher werden muß, wenn es zu unangenehmen Auftritten kommt, dann steht die Mutter vor ihrem so leicht durch Liebe zu leitenden" Kinde, wie vor einem Räthsel. Sie klagt alles mögliche an ob dleser Veränderung, während doch naturgemäß die wachsende Selbstthätigkeit und Selbstständigkeit das Kind in bewußten Gegensatz zu seiner Umgebung setzt. Sowie das Kind zu dem Bewußtsein des Ich" erwacht, l::uß auch das Gebot der Pflicht in sein Leben treten, oder vielmehr: der Weg zum Selbstbewußtsein führt durch das Pflichtbewußtsein; denn an dem du sollst" lernt es. daß sein Jch"der Welt handelnd oder leidend gegenüber steht. Für das kleinere Kind nimmt selbstverständlich die elterliche Autorität die Stelle der Pflicht ein, aber schon bei den ersten Schulerfahrungen tritt dec Pflichtbegriff hervor. a's Spiel muß verlassen werden, denn die Schule ruft. Es hielft kein Appelliren an die Nachsicht der Mutter; die frühere Erfahrung, daß durch Bitten feststehende Ordnungen verschoben werden können, gilt nicht mehr. Das Kind merkt bald, daß es einer großen, unsichtbaren Macht gegenüber steht, die sogar der gütigen Mutter die Hände bindet. Selbst die häuslichen Arbeiten dürfen nicht nach Neigung gemacht werden? man muß" sie so gut machen, wie man kann; und bald gesellt sich die eigenthümliche Erfahrung hinzu, daß nur die beste Leistung Freudigkeit und Zufriedenheit gibt. So führt also der erste Schritt in's Leben das Kind zu der Erkenntniß der großen geistigen Urthatsache der Pflicht," während die Befriedigung bei treuer Pflichterfüllung ihm das Gesetz zum Bewußtsein bringt, daß jede Pflicht bindend und unabweisbar wird, sobald sie erkannt ist, so daß, mit reinemGewissen wenigstens, kein Weg an ihr vorbeiführt. Ein solch fein ausgebildetes Pflichtgeführ in einer der größten Schätze, die Eltern ihren Kindern mitgeben können. Wieviel wenigerUnzufriedenheit würde es geben, wenn jeder mit dem Bewußtsein seine Lebensarbeit anfinge, daß es seine Pflicht ist. nützlich zu sein, nicht nach seinen Neigungen, sondern nach seinen Kräften, daß die Pflichterfüllung nicht etwa große Thaten verlangt, sondern die Lösung der winzigen Aufgäbe, die seinen Theil der Weltarbeit bildet. Die Pflicht ist der einzige treue Lebensbegleiter; Neigungen vergehen. Liebe stirbt, aber die Pflicht lebt, solange wir leben. Sie ist auch die einzige Lösung des Lebensräthsels, ohne sie kein Fortschritt, keine Civilisation; sie allein gibt uns das G:fühl der Zugehörigkeit zu diesem rastlosen Getriebe des Lebens, während sie zugleich über es hinausweist. Den Grund aber zu dieser köstlichen Mitgäbe fllr's Leben zu legen, ist Sache der Mütter, denen die Kinder andertraut sind in dem Alter, wo die Seelen weich und empfänglich für alles Gute sind. Für sie besonders ist deshalb das schöne Wort gesprochen: Die oberste Pflicht ist der Glaube an die Pflicht."

Tcr erste Kaffee. Der erste Morgen im eigenen Heim! Vorüber derGasthoftrubel und endlich. sein stetes Sehnen das Essen der Gasthauskost das Trinken deö Kaffees im Kaffeehaus nie mehr nie mehr!! Zwar hatte er die zarten Fingerchen seiner jungen, reizenden Frau, die so anmuthig über die Klaviatur zu hüpfen verstanden' schon immer mit einigem Bedenken betrachtet, wenn er sich ausmalte, wie dieselben künftig mit Pfannen und Töpfen hantiren sollten. aber sie hatte ihn ja berzlich lieb und lernen ließ sich schließlich alles. Das sollte ihn aber jetzt nicht stören; bis Mittag war noch weit, er wollte Kaffee trinken, guten Kaffee, ehe er ,ium ersten Male wieder in's Amt ging . . . Kaffe machen, lächerlich, wer könnte das nicht! Wieviel hundertmal hatte er selbst sich solchen gebraut .. . aber lange, höllisch lange dauerte die Geschichte. Er mußte fort; bei der ersten Wiederkehr nach Urlaub gleich zu spät kommen, das wäre doch recht unangenehm gewesen. . Er wollte doch emmal selbst m die Küche sehen. Ja. ist's möglich, was war denn das? Da stund seine Mieze und ... und quirlte in einem Topf herum!! Mieze!" Gleich,' gleich, verzeihe ...die dun,, men Bohnen wollten und wollen nicht weich werden, aber jetzt komme ich ihnen, da sollst Du mal sehen! Er trank doch noch einmal seinen Kafsee im Kaffeehause. Einem Menschen seine Vorurtheile ausreden wollen, heißt oft, ihm sein Glück zerbröckeln.