Indiana Tribüne, Volume 20, Number 287, Indianapolis, Marion County, 4 July 1897 — Page 6
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Von Nataly v. Eschstruth. ' Frühlingsblüthen und LenzeZduft! onnenglanz und jubelnde Voglem am blauen Himmel und überall, wohin ve? trunkene Blick schweifte, lachende Menschen und bunte Farbenpracht, IZesttage der Liebe und Wonne, Maien zeit! Alle Fenster sind weit geöffnet. auch das kleine tm Untergeschoß drun im, auf dessen Bord ein paav kümmer liehe Blumenstöcke stehen, die sich in der feuchtkaltenKellerluft trotz aller Pflege nicht zur Blüthe entfalten konnten. 6Zein Sonnenstrahl hat sie in der engen Gasse, mit den himmelhohen Hausern rechts und links, getroffen, kein war mtz Maienodem konnte sie liebevoll -vmfächeln, es wehte immer modrig, immer dunstgeschwängert um die rauen Mauern, und ohne Licht und Wärme kann kein Blümlein gedeihen,fcttder die armseligen kleinen GoldKckstauden. noch das verkrüppelte Menschenpflänzchen. das still und friedlich in dem schwarzen Sarg dort schlummert. Auf zwei Schemeln steht er, und zu Häupten brennt das letzte Stümpflein 2alqlicht, das die mitleidige Nachba lin auf der Commode der Verstorbenen entdeckt und zur letzten Ehre des armen .Mädchens angesteckt hat. Der Docht qualmt mit trübem, rothllchem Schein und wirst unsicheres Licht über die, die so kalt und ngungslos vor ihm liegt, in geflicktes Bettlaken ist flüchtig ziltx das Stroh geworfen, und auf ihm in dem engen Sarg liegt ein welkes, rludes, häßlich selbst letzt noch, wo ein so unendlich friedliches Lächeln um den eingefallenen Mund spielt, wo die strähnigen Haare gelost um die Wan gen liegen und die Augenlider den schielenden Blick verhüllen. Das Todtenhemd verhüllt den ver Lrüppelten Körper, man sieht den hohen Nucken nicht mehr oder lst ter selige Kmderglaube wahr geworfcxn? Hat sich der häßliche Höcker geEJfi, um ein paar silberne Engelsschwingen zu entfalten? . . . Wie still ringsum! Die Thür ist verschlossen, die hohen Körbe voll Aepscl stehen längs der Wand, ein wackliger Tisch, ein leeres Bett ach. es ist so wenig, was die Nieke hinters X5&t Bald wird der Todtenwagen heranrumpeln und sie abholen, und Riete wird es so wohl auf dem Kirch.Hof sein, ach so wohl, wie sie es sonst im Leben nicht gekannt, Blusen werden rings um sie her blühen and duften, und die Vögel werden sie mit süßen Liedern in den Schlaf sin ?;en ... Arme Rieke, welch ein eliger Tausch ist daö Sterben gegen Hern Leben! Verlassen, ausgestoßen und verwaist an Glück und Liebe, so lange, toie sie ihren elenden Körper durch die Jahre dahingeschleppt! Jeder kannte sie in dem Stadtviertel, jeder kaufte roohl aus Mitleid dem buckligen Kinde tlt Aepscl ab, die es stumm, oft mit -gefrorenen Händen den Vorübergehenden darbot. Früher, so lange sie noch jünger war, trug sie ihre Früchte auf hlt Straße und handelte an den Ecken iamii, später, als sie immer bessere Geschäfte machte, konnte sie sogar das dunkle Kellerstübchen miethen und sich .den Laden einrichten. Ach, wie soll ich es nur dem lieben Gott danken, daß er mir so viel Glück gegeben hat! flüsterte sie oft mit verklärtem Blick. Und Jdcnti sie gar in ihrer letzten Lebenszeit ?rach Feierabend an dem hölzernen 2isch saß, aus seiner Schublade das Zesangbuch nahm, es sorgsam aufschlug und mit zitternden Fingern den getrockneten kleinen Veilchenstrauß an Vt Lippen drückte, dann irrte dev Älick ihrer armen, schielenden Augen zu dem kleinen Christusbild an Izt Wand, und Thräne auf Th'ne rann hernieder, aber keine Thr-inen des Schmerzes, nein, der reinsten, seligsten Wonne! Die Straßenjungen verhöhnitn und verspotteten dzs mißgestaltete Mädchen. Aeppelstrulch! Aeppel sirulch! schrieen sie Zh? nach. Anfangsich hatte Rieke mit bitterbösen Schimpfworten geantwortet, dann ließ sie die Schreier gewähren und ging still Ihres Wegs. Aber bald hieß sie bei allen Leuten: 35 Aeppelstrulch! Ein besonders utes Geschäft machte sie an der Thür "btl -nahegelegenen Gymnasiums. Zur xrühstückszeit stellte sie sich mit ihrem Apfelkorb, den sie an einem Tragrieinen wie ein fliches Tischchen vor sich iraa, an der Treppe auf, und die KnaItn, die zur Freiviertelstunde auf den Wlatz herabstürmten, griffen gar zu gern in dieTasche. sich für einen Dreier Usn den lockenden Früchten zu erhan'deln. Anfänglich hatte man das blasse Mädchen mit groben Worten von der Vür zurückweisen wollen; da trat ein junger Lehrer aus die Tveppe, nach der Ursache des Skandals zu forschen. Und wie seine blauen, freundlichen Augen das mißgestaltete Mädchen trafen, da zuckte es wie tiefes Mitleid um seine Lippen. Mit schnellem Schritt Island er an ihrer Seite und wehrte die rohen, gewaltthätigen Knaben ab. . Mer Herr Doctov! Der Aeppel--strulch verschimpfirt uns ja die ganze zZa?ade, wenn sie hier Posto faßt! Glaubt ihr, solch wüste, unritterliche gemeine Scene verschönere sie? Pfui uUx jeden Jungen, der sich an einem .wehrlosen, kranken Mädchen vergreift! Und er zog sein Portemonnaie und 'sagte freundlich: Gib mir für einen Groschen Aepfel, Friederike! Die kleine Bucklige hatte sich, schimpsend und kraftvoll um puffend, gegen die Knaben gewehrt, jetzt stand sie mit tief gesenktem Kopf, blutroth im Gesicht, ohne ein Wort zu sprechen, nd wühlte mit zitternden Händen in ttn Aepfeln. So! rief der Doctov; und nun will ich diese Aepfel an diejenigen von euch zverschenken, die mir versprechen, der
armen Friederike nie wieder den Platz hiev streitig zu machen! Ein jubelndes Halloh, ein buntes Durcheinander, Zustimmen und Versprechen! Rieke aber ' stand wie ein Bild aus Stein, die ' langen Arme schlaff am Körper niederhöngend, die Augen grade aus in's Leere gerichtet. Sie wollte danken, sie konnte es nicht. Erst, als der Doctor ihr freundlich zunickte und weiter schritt, machte sie den Versuch zu einem linkischen Knix. Von da stand sie jeden Vormittag an der Treppe, und während sie den Knaben Aepfel verkaufte, huschte ihr Blick unruhig hin und her, bis er aufstrahlend die schlanke Gestalt des jun-
gen Lehrers traf. Und dann krampfte r l. c or t iie vie yanoe um oen vtano iyres or des, und ihr Herz zitterte in der Brust, wenn er zu ihr heran trat, freundlich Guten Tag sagte und sich erkundigte, ob sich die Jungens auch manierlich be trügen. Manchmal schritt er im Gespräch mit den anderen Lehrern auf dem Platze auf und ab, oder er stand bei schlechtem Wetter nur hinter dem Fen stev, Nieke's Blick aber fand ihn doch, wie ein Blümlein die Sonne findet, die es mit derSehnsucht unbewußter Liebe sucht. War die Freivlertelstunde vor über, setzte sich das bucklige Mädchen auf die Steintreppe nieder und verschlang die Hände im Schooß. Ihre Augen hafteten an der Stelle, wo sie ihn zuletzt gesehen. Und sie sah ihn noch immer, in all seiner jugendfrischen Schönheit, mit den so unbeschreiblich guten Augen und dem blondlockigen Haav. Und wenn sie Abends auf ihrem dürftigen Lager lag und vor Frost mit d?n Zahnen klapperte, so huschte dennoch ein glückseliges Lächeln um die farblosen Lippen, denn sie dachte an ihn, den Besten, Herrlichsten, der ihr zu Hülfe gekommen, der sie Friederike genannt, so freundlich und so gut wie noch kein Mensch zuvor! Fnederike! kaum wußte sie es seider -noch, daß sie so hieß. Aeppel strulch" gellte es ihr Tag für Tag in die Ohren und sie hatte sich an den krankenden Namen gewohnt, wie an die körperlichen Schmerzen, die sie auch von früh bis spät mit sich herum schleppen mußte. Friederike hatte er sie genannt, und das Herz deö verkrüp ten Madchens schlug bei dem Klang so hoch und stolz auf, wie wohl ehemals eines Pagen Herz in der Brust aufwallte, wenn der Ritterschlag des Kaisers seine Schulter traf. Und sie trug seit jenem Tage den Kopf selbstbewuß ter, wenn sie zur Thür des Gymnasiums schritt. Einmal tobten die Knaben ausgelassen und tollev als je die Treppe hinab und umringten unter jovialen, gutmüthig spottenden Zurufen den Aeppelstrulch-. Alle gri fen zu gleichcr Zeit nach den Aepfeln und Rieke schlug zornig auf die frechen Hände und schalt mit ihrer schrillen Stimme: Erst gezahlt, mnge Herren, eher gibt s nichts! Johlendes Gelächtev antwortete. und die Knaben stürmten dreister nach dem Apfelkorb, schoben und rissen die schwächliche Mädchengestelt hin und her. trieben Schabernack und äfften die Scheltende. Ich rufe den Herrn Doctor! Haha rufe man, Aeppelstrulch! Der sitzt oben in der Lehrerconferenz und wird dein Gequieke grad hören! Und gleichsam, als ob diese Ueberzeugung alle Banden der Rüpelhaftig, keit vollends gelost, faßte em stamm:ger Tertianer die kleine Rieke bei beiden Schultern und wirbelte sie so gewaltig im Kreise, daß alle Aepfel wie em Hagelschauer gegen die Umstehenden prasselten. So Jungens! Es regnet Schassnasen! johlte der Anstifter: Wer's wegt der hat's! Und alle Hände fuhren nasb den Aepfeln. die ihrer länglichenForm halber in dem Knabenjargon den Namen Schafsnasen führten. Ein wilder Knäuel balgender, raufender Bengels und abseits taumelnd, halb ohnohnmächtig, keuchend und nach Athem ringend das bucklige Mädchen mit leichenblassem Gesicht. Da ein Heller Pfiff ein erschrecktes Aufschwellen und AuSeinOnderstieben der wilden Horde. Mit schnellen Schritten springt der iunge Lehrer die Treppe herunter und faßt stützend die kraftlose Gestalt des Mädchens. Dachte ich es doch, daß sie eme Roheit begehen! rief er mit zornblitzenden Augen: Es ließ mir keine Ruhe droben! Rieke riß die verglasten Augen weit auf und starrte den Doctor an ihr erst so blasses Gesicht bedeckte sich mit Purpur und ihre Hände, die er noch in den semen hielt, zuckten wie im Krampf. Ach 'ach Herr Doctor! stam melte sie, und dann stürzten Thränen aus ihren Augen. Der mnge Mann wandte sich den Sündern zu und verhängte ein strenges Strafgericht, jeder einzelne Apfel mußte mit einem Dreier bezahlt werden, und die. welche kein Geld bei sich hatten, mußten es am folgenden Morgen abliefern. Welch eme Hand voll Geld legte der junge Lehrer in den leeren Korb seines Schützlings! Wohl dreimal so viel als die Aepfel werth gewesen, und dann nickte er ihr freund lich zu: Geht es Ihnen wieder besser, Rieke? Die Schlinael ahnten nicht. daß Ihnen der Athem vergehen mußte! Aber unbesorgt, es soll nie wieder vorkommen! Und nun gehen Sie heim und ruhen sich aus! . . Sie starrte ihn immer noch unter Thränen an und dann grisf sie schnell nach semer Hand und bedeckte sie mit krampfhaften Küssen. Erschrocken zog er die schlanken, weißen Finger zurück. Ei. ei. Friederike! Ich bin doch nicht der Kaisev! scherzte er. faßte dm Terttaner mit festem Griff am Arm und
spedirte ihn zu fernerer Aussprache dZe
Treppe empor. ' Kein Kaiser! Ach, für die arme, verwachsene Waise war ev mehr denn alle Kaiser der Welt. Als der Platz wieder still und, leer in der herbstlichen Sonne lag, saß Rieke noch immer auf den Steinstufen der Treppe, und wer zufällig vorüber ging, wandte erstaunt den Kopf. Wav der Aeppelstrulch toll gewor den? Sie lachte und weinte rn einem Athem. Als der Mond am Himmel stand, schlich Rieke noch einmal hinaus nach dem Schulplatz und stand wie in seliger Benommenheit an der Treppe still und flüsterte: Er hat an mich gedacht ti tarn mir zu Hülfe, und hier hier auf dieser Stelle hat er meine Hände gefaßt! Jahre vergingen. Die Knaben hätten sich ihre Schul treppe nicht mehr ohne den Aeppel strulch denken können, und wenn die Mißgestalt des Madchens auch manch mal noch Anlaß zu kleinen Spöttereien oder Neckereien gab. so erfreute sich Rieke doch des allgemeinen Wohlwol lens. und ihr Verkehr mit den Knaben hatte etwas so kameradschaftlich Bie deres. daß man munkelte, Rieke habe schon manchem Primaner und Secun daner zu einer verbotenen Cigarre ver holfen! Dabei machte sie gute Geschäfte, und wäre sie nicht so gutmüthig gewesen und hätte manchen Apfel und Dreier an noch Aermere abgegeben, sie hätte wohl schon viel früher ihren Kellerladen einrichten können. Aber keine Macht der Welt hätte Rieke von dem Schulplatz ferngehalten, und daß es nicht allein der gute Verdienst war, der sie trotz Sturm und Regen so magnetisch dorthin zog, das wußten Mond und Sternlein am besten,' denn die blickten durch die verklärten Augen bis in das Herz hinab. Und dann kam ein schlimmer Tag. Der Doctor wav versetzt, und stand vor Rieke. nahm lachend Abschied und reichte ihr zum letzten Mal die Hand. Da ging es wie ein scharfer, weher Riß durch Herz und Seele der Buckligen. Und der Athem drohte ihr auszublei ben wie damals, als sich die ganzeWelt schwindelnd vor ihv im Kreise drehte aber Thränen hatte sie nicht, wie in jener Stunde , die kamen nach. Trübe und trostlos schlich die Zeit dahin und Rieke sah von Tag zu Tag älter und kümmerlicher aus, auch lachte sie nicht mehr wie früher. Sie stand noch Tag für Tag an der Schulthür und handelte mit dem Obst, das die Jahreszeit just bot, abev sie schlich daher wie eine Greisin und war doch noch so jung an Jahren. Frühlingsstürme wehten und dann strahlte die Sonne auf die bräutliche Erde herab. Rieke saß an ihrer Kellertreppe, die Körbe voll Obst und Gemüse neben sich, und starrte gleichgültia auf die vorüberhastende Menge. Plötzlich aber ringt sich ein erstickter 7 . -... . ti v.:. aur von iyren ippen. ic piciji uic grobknochigen Hände gegen die Brust und zittert wie Espenlaub an allen Gliedern. Er! er! Und iust. als habe ihr Auge ihn gebannt, wendet er jählings den Kopf sein aleickaültiaer Blick will über sie hinschweifen, haftet überrascht auf ihrem Gesicht und dann steht er neben ihr. Voll herzlicher Freude streckt er ihr die Hand entgegen. Sieh da. meine alte Freundin Friederike: und alle Wetter gar als respectable Obsthändlerin vor dem eigenen Laden? Ei. da müssen Sie mir aber erzählen, wie das alles gekommen ist! uertt will es aar nicht recyi geyen mit dem Erzählen, dann aber sprudelt es von ihren Lippen, wie groß ach wie groß doch ihr Glück ist! ' Und ihre Stimme klinat so iauchzend und ihre Augen strahlen so wunderbar, datz er selber an das große Gluck glaubt. Er lackt, lu tia. bemühe cycmyasl. Na. Rieke. da werden Sie mich wohl bald zur Hochzeit laden? Sie sckrickt zusammen und wiro dunkelroth, und weiß nichts anderes in ihrer großenVerlegenheit zu sagen, als wie: Ach. die schönen Veilchen, die Sie aber habex! Er blickt auf den großen, duftenden Strauß in seiner Hand nieder, lächelt ganz wundersam und theilt schnell ein kleines Straußchen davon av. um es ihr freundlich zu reichen. Qier Friederike! das wird Jynen Glück bringen! Wissen Sie auch, was für ein Strauß dies ist? Ein VerZobungsstrauß! Ja. reißen nur die Augen auf. ich will es Ihnen jetzt schon verrathen! In der Heimath bin ich auf Urlaub gekommen, um mir die Braut zu holen! Geliebt habe ich sie . i r. icyon lange yeiraiyen iann c) ic erst jetzt! Ei, so gratuliren Sie mir doch! . Und sie stammelte einen Glückwünsch aber durch ihr Herz zuckte abermals ein brennender Schmerz, und als sie allein war in ihrem stillen Stäbchen, da fluthte glänzender Tau über die Veilchen. Als sie sich satt geweint, da lächelte sie. und schüttelte den Kopf und begriff sich selber nicht. Welch ein märchenhaftes Glück! Veilchen aus seinem Verlobungsstrauß halb für die Braut! Sie hat auch in der Kirche gestanden. als er und das schlanke, blond lockige Mädchen getraut wurden, und so von Herzens Grund wie an jenem .Tage hat sie weder vorher noch nachher 'im Leben wieder gebetet. Dann ward sie alt sichtbar alt sie schwand dahin wie die Blumen an ihrem dunkeln Kellerfenster. Und heute küßte sie zum letzten Mal seine Veilchen. Jetzt liegen sie zerstreut und zertreien unter ihrem Sarge. . Manchem fehlt zum vollkommenen Glück nur ein kleines Un-fFück.
Aic nordische Ausstellung.
Die seit einer Reihe von Jahren .in Stockholm geplante Ausstellung ist enoilcy zur ya:jache geworden und zwar unter so allgemeiner Theilnahme, daß sie die Bedeutung eines Nationalereignisses erreicht hat. Im Großen und Ganzen ist die Ausstellung cine nationale, indem sie. für die Erzeugnisse der Industrie und derLandwirthschaft im engeren Sinne nur Schweden, Norwegen und Dänemark umfaßt; die damit verbundene KunstauZstellung aber ist international. Rußland und Finnland. - Deutschland, Frankreich undEngland haben ihr 5nteresse für diese Sache durch reiche Veschickungen kundgegeben. Auch Amerika, Belgien und dieNiederlande, JtaVerwaltungsgebäude. lien. Spanien, die Schweiz und Oesterreich - Ungarn sind, wenn auch gerade nicht zahlreich, vertreten. Vom schwedischen Staat wie von der Stadt Stockholm ist Alles geschehen. um diese Ausstellung in großartigster Weise zu gestalten. Der ausaedehnte Ausstellungsplatz liegt in unmittelbarer Nähe der Stadt In dem herrlichen Thiergarten an der Brunnsvik, einer von der Natur besonders bevorzugten Gegend, und kann mit der Pferdebahn und mit den kleinen Dampfern in etwa 20 Minuten erreicht werden. Das Hauptgebäude mit seinen riesigen Dimensionen ist in der altnordi schen Architektur, im Stablirchenstil, gehalten und macht durch seine auffallenden Farbenreminiscenzen an den nordischen Volksqeschmack und den byzantinischen Ursprung , sowie durch seine mächtige. 100 Meter hohe Kuppel einen imposanten Eindruck. Der Kuppelsaal und die Langhalle wirken Maschinenhalle. durch die natürlichen Linien und For men der einfachen Holzconstruction, At frei, ohne verhüllende Decoration. hervortritt. Diese mächtige. 16.000 Quadratmeter umfassende IndustrieHalle ist von den Architekten ??erdinand Boberg und Fredrik Lilljekvist erbaut. Bon diesem mächtigen Raum nimmt Schweden etwa 6500. Normegen 3000. Dänemark 3000. Nußland und ZZlnnland 1000 Quadratmeter ein. Die Industrie - Abtheilung umfaßt folgende neun Sectionen und Gruppen: 1. Erziehung, Unterricht, wissenschaftliche Hilfsmittel, Reproduction von Schriften, Zeichnungen u. s. w.. Gesundheitspfleae: 2. Sausfleik: 3. Ingenieur- und Baukunst; 4. Industrie und Handwerk, Nahrungs- und Genußmittel. sonstiae Erzeuanisse des Ackerbaus und des Forstwesens; 5. Maschinen, Gerathschaften. Transportmittel; 6. Schiffbau, Seefahrt, Ficherei und Fischzucht; 7. Elektricität; Fischereihalle. 8. Kriegswesen zu Lande und zu Wasser; 9. Sport- und TouristenWesen. In dem östlichen Theile der Aus'tellung, in dem auch die IndustrieHalle liegt, erhebt sich rechts das von Dr. Hazelius in's Leben gerufene Nordische Museum, ein MonumentalUm bon ungewöhnlicher Pracht, der zur Aufnahme der kulturellen Zweige der Ausstellung bestimmt ist. Ein provisorischer Anbau vom Architekten Agi Lmdegren erweitert den Flaazenraum des Gebäudes auf 5000 Quadratmeter. Zu diesem Theile der Ausstellung gehört noch die Fischereihalle. Sie legt am User der Thiergartenvik und st zur Hälfte über dem Wasser erbaut. um in der Mitte ein großes Bassin zu bilden. Es ist ja selbstverständlich, daß Norwegen mit seiner großartig entwickelten Fischerei in dieser Abtheiuna eine dominirende Rolle spielt; die Norweger haben an demselben Ufer eine eigene Fischereihalle m den für die Großfischerei geeigneten Dimensionen aufgeführt, wogegen die schwe disch - dänische Fischereihalle. zu den originellsten Gebäuden der ganzen Ausstellung gehört. Das westliche Gebiet der Ausstelung. das am Ufer des sogen. Salzees liegt, enthält die aus Eisen und Glas bestehende Maschinenhalle, die aus einem einzigen Gewölbe von 40 Meter Spannweite besteht. Sie hat eine Lange von 140 Meter und einen Flächenraum von 10,000 Quadratme-
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ter. Von der südlichen Kurzseite der Halle führt ein Viaduct an den Anlaufsplatz der Dampfer, die. den Verkehr mit der Hauptstadt vermitteln.
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srrs f-yF gfr Touristen-undSporthalle. In der Nähe dieser Halle, fast am Strande, erhebt sich das schönste Gebäude der Ausstellung, die Kunsthalle, mit einem breiten, prachtvollen Fries, dessen Darstellungen sich auf den Zweck des Gebäudes beziehen. Sie umfaßt einen Raum von etwa 1000 Quadratmeter und enthält eine Reihe ausgedehnter Säle mit Oberlicht. Auch dieses Gebäude ist von dem Architekten F. Boberg ausgeführt worden. Prinz Eugen von Schweden und Norwegen, selbst ein bedeutender Maler, steht an der Spitze des Comites für die Kunstausstellung und hat als solcher im Laufe des vorigen Jahres eine Reise nach dem Festlande unternommen, um das Interesse - für die Stockholmer Ausstellung bei den fremden Künstlern zu erwecken. Von deutschen Künstlern, die sich an der Ausstellung betheiligt haben, nennen wir Nordisches Museum. nur Oswald Achenbach. Ed. v. Gebhardt, Ma? Klinger. Ludwig Knaus, Gotthard Kühl, Wilh. Leibl, Franz v. Lenbach. Max Liebermann. Adolf Menzel. Franz Stuck. Hans Thomas. Fr. v. Uhde und Anton v. Werner. Ebenfalls am Wasser gelegen, befin den sich die Ausstellungen der Armee und der Marine in einem wirklich eigenthümlichen Gebäude, das im Wasser mit dem Vordersteven, eines alten Kriegsschiffes ausläuft. Es ist jetzt fast allgemein Gebrauch geworden, bei größeren Ausstellungen, die alles das umfassen, was die Gegmwart berührt, und was das reiche Culturleben unseres Jahrhunderts aufzuweisen hat, auch ein Bild aus der Vergangenheit vorzuführen, um gewissermaßen eine Begleichung zu ermöglichen. Paris brachte bei Gelegenheit seiner letzten Weltausstellung eine Darstellung von Paris im Jahre 1789.' Diesem'Beispiele folgten Antwerpen. Berlin und Dresden im vorigen Jahre und neuerdings Leipzig in feiner diesjährigen Industrie- und Gewerbe - Ausstellung. Auch die Schweden haben bei ihrer Ausstellung ein Bild von dem alten Stockholm aus der Zeit der Wasakönige gegeben. Architekt Fr. Lilljekvist. der Wiederhersteller des Schlosses Gripsholm, hat diese Idee in glücklicher Weise verwirklicht, wenn er auch mit einem fühlbaren Mangel an Platz zu kämpfen hatte. Hinter der Fischereihalle ist AUStockholm auf einer hervorspringenden Landzunge und zum Theil auf künstlichen Auffüllungen erbaut und spiegelt sich nunmehr im Wasser der Brunnsvik. Die hervorragendsten Gebaude sind Nachahmungen des alten Stockholmer Schlosses Drei Kronen, der ältesten Kirche der Stadt, von der die Reformation ausging, und des alten Stockholmer Rathhcuses mit dem großen Markt, auf dem 1520 König Christian II. das in der Geschichte bekannte Stockholmer Blutbad anrichtete. An alle diese Gebäude. recht sich eme Menge privater Ausstellungen in mehr oder weniger großen Bauten und Kiosken an. ErwähnenLwerth In Alt - Stockholm. sind: der Pavillon der tadt Stockbolm im Barockstil, der Pavillon der Touristen- und Sportausstellung, der Pavillon der Tbeater- und Musikausstellung, die gewissermaßen eine Geschichte der schwedischenKunst darstellt, und die Gartenbau - Ausstellung. Größere Gruben- und Sllttenbesitzer. Holzgeschäfte, Kanonengießereien, die Aktiengesellschaften für Dr. Laval's Erfindungen u. A. haben mehr oder weniaer vräcütiae Bauten aufführen lassen. Daß es nicht an Restaurants und Zerstreuungen aller Art seyn, be darf wohl kaum der Erwähnung. Scblienlick sei noch des Pavillons der Presse Erwähnung g:!han, der zwischen der Jndustrieyaue und der Brunnsvick lieat und zwei Reihen vornehm ausgestatteter Zimmer mit Allem, dessen die Berichterstatter bedürfen, enthalt.
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"'Blömank im Gruncwald. ' Vor drei Jahren waren die Bild-1 zauev Deutschlands zur Betheiligung m einer Concurrenz aufgefordert worsen; es galt, ein Denkmal für den Fürsten Bismarck zu schaffen, das vor sem Podest der großen Treppe vor dem ,euen Reichstagshaus in Berlin Aufellung finden sollte. Gegen hundert Entwürfe wurden eingeliefert, eine sehr große Anzahl erster, zweiter und dritter Preise wurde vertheilt, doch kei?er der prämiirten Entwürfe wurde zur Ausführung bestimmt. Diese Entscheidung hatte das Comite Ende Sommer 1894 getroffen; dann wurde tine Weile in der Kunstkritik darüber oebattirt, ob der in Aussicht genomnene Platz für das Denkmal über Haupt geeignet sei, und seitdem hat man über die ganze Angelegenheit nichts wieder gehört. Das Comite
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Daö Denkmal, eristkrt noch, bedeutende Geldsummen stehen zur Verfügung, aber die Ange legenheit ruht völlig. So geschah es. daß das erste Bismarck - Denkmal auf märkischer Erde nicht in Berlin, sondern dieser Tage in der ColonieGrunewald errichtet wurde. Es ist zugleich das erste Denkmal, das Biömarck darstellt nicht in der traditionellen Kürassieruniform, sondern als den GutsHerrn von Friedrichsruh im geschlossenen bürgerlichen Rock als den Alten im Sachsenwalb." Das Postament ist auö unbehauenen Granitblöckcn zu sammengesekt und auf diesem wuchtig wirkenden Postament erhebt sich 2.60 Meter hoch die Statue Vismarch's; der groke -""iht)ut bedeckt das mächtige Haupt, unter den buschigen Brauen blicken die Auaen hinaus in die Land schast. ES ist, als ob der Einsiedler von Friedrichsruh bei seiner Wänderung dT den Park einen Augenblick Rast macht. Die Rechte hat er auf den Stock gestützt, den Kopf wachsam erhoben, Tyras. Das Denkmal ist eine Schöpfung des Bildhauers Klein, der zu den Bewohnern der Villencolonie Grunewald gehört. Kühner Vergleich. . 's ist großartig! Ich bin der reinste Student! Alle Jahre nimmt mich 's Schicksal vor und thut mich schwer prüfen!" Im Büreau. Chef (zum Comptoiristen. der Fliegen fängt): Meier, die Ausübung eines Sports während der Büreaustunden kann ich nicht dulden!" G uteAusrede. Gattin: Du bis wohl gar berauscht?" Gatte: a Weiberl schau. Dein Gesicht ist so reizend, da wollt' ich's mal doppelt sehen!" Stürmisch. Freier: Also c?z. npfiMi mir fir- ?5ckter?" Q ist. aber Sie kommen mir zu stürmisch vor! Vor vierzehn Tagen haben (sie micy erst angepumpt und heute wollen Sie schon die Tochter." Nicht complet. Nun, Bärbchen, hat Dir der Storch ein Brüderchen gebracht?" Das schon, aber mit dem sind wir schön angeschmiert worden." Wieso denn, Kindchen?" Na, weder Haare noch Zähne hat er." Sie behältRecht. Hausfrau (in's Zimmer tretend, das mit erstickendem Rauch erfüllt ist): Aber Caroline. was hoscht denn jetzt wieder abstellt?" Magd: I? Niz!" Hausfrau: Was, nix? I sieh's jo. Jesses, Jesses! Meine schöne Vorhäng'; rabrennt hoscht fe!" Magd: .Noi. Madam; 's Licht ischt d'ran nus!" .
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Bedienter (der nach der Abreise deZ Herrn bemerkt, daß der Weinkeller verschlössen ist): Für so gemein hätt' ich aber den Herrn Baron doch nicht aehalten!" Ein Glücklicher. Herr Baron haben mit Ihrer Heirath wohl rechtes Glück gehabt?" Jawohl! Frauchen für's Leben und Schwiegervater für's Geben!" Freilich. arv fwik kPwdML evtte& mmr V?K 1 ..r"-2 Aber Herr Lieutenant, daß Sie immer so einsame Wege machen?" Na, wer Glück hat, begegnet mir, schon!" Der Pantoffelheld.' Aber, lieber Freund, wie magst Du denn an einem Sonntag so unra sirt herumlaufen?!" Ja weißt Du. meine Frau läßt mir jetzt den Vollbart wachsen!" Aus der guten alten Zeit. ? Oberst: Heut' halte mer e' Manoder ab! Ich nimm die ein' .Hälft' und Du nimmst die ander' Hälft' von der Mannschaft!" Hauptmann: Ja, dös geht -doch net! Mer haut ja no' ein' Kanon'!" Oberst: Ah so! Hm! Na nimmst halt Du die groß' Trommel!" 'was im Ooge. Also Sie wollen nach Leipzig?Ja ich hab' was im Ooge!" Ach gar. Da wollen Sie wohl zu einem Professor?" I nee!" Oder zu einem berühmten Augen arzt?" E warum denn gar!" Ja was habenSie denn im Auge? E' Geschäft hab' ich im Ooge!" V a r i a nt e. Böse Menschen haben keine Lieder, aber sehr oft selbstgemachte Gedichte. P r e s s i r t. Sarah, ich libe Se! Lieben Se m'r wieder? Gott, dauert das 'ne Läng', bis ich bekomm' Antwort, und ich war doch nothwendig so sehr im Geschäft!"
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